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Wo steht die Energiewende?

Windräder wohin wir schauen: Die Energiewende verändert Landschaft und Gesellschaft. Sie soll eine nachhaltige Versorgung mit Energie garantieren. Aber wie weit sind wir bisher gekommen? Diskutieren Sie mit dem Vorsitzenden der Expertenkommission der Bundesregierung Andreas Löschel, dem Thüga-Vorstandsvorsitzenden Ewald Woste und dem Direktor der “Agora Energiewende” Rainer Baake.

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Andreas Löschel, Ökonom und Vorsitzender der Expertenkommission zum Monitoring-Prozess „Energie der Zukunft“ der Bundesregierung

Zwischen Oberziel und Unterziel

Die Ziele der Energiewende sind langfristig angelegt, über Jahrzehnte. In den letzten zwei Jahren wurden vielfältige Maßnahmen auf den Weg gebracht, deren Wirkungen aber wegen des kurzen Zeithorizonts teilweise noch nicht ablesbar sind. Trotzdem werden die relevanten Handlungsfelder deutlich: Der Ausbau der erneuerbaren Energien verläuft bislang in allen Sparten – Strom, Wärme und Verkehr – erfolgreich. Insbesondere bei der Stromerzeugung liegt Deutschland deutlich über dem Zielpfad. Allerdings bedarf es einer besseren Systemintegration und Koordination mit dem Netzausbau. Auch die Energieeffizienz hat sich verbessert, es ist aber unklar, ob Deutschland sich bereits auf dem Zielpfad befindet. Dies gilt in besonderem Maße für den Gebäude- und Verkehrsbereich. Die Versorgungssicherheit im Bereich der Elektrizitätswirtschaft ist kritisch zu beurteilen, vor allem bei regionaler Betrachtung für Süddeutschland. Hier erscheinen die geplanten Kraftwerksinvestitionen mittelfristig nicht ausreichend. Ein beschleunigter Ausbau von Übertragungsnetzen kann diese Situation entschärfen. Obwohl hier wichtige Weichen gestellt wurden, sind derzeit Verzögerungen beim Netzausbau festzustellen. Der Stand der Energiewende ist also gemischt. Wichtig ist daher, die verschiedenen Ziele zu hierarchisieren: Was sind Oberziele der Energiewende, die unverrückbar zu erreichen sind, was sind flankierende, flexible Unterziele, die gegebenenfalls angepasst werden müssen.

Ewald Woste, Vorstandsvorsitzender der Thüga AG

Mehr Akteure als Antrieb

Die Energiewende ist zwischen zwei Welten gefangen: dem alten Energiemarkt-Design und dem noch nicht existierenden Markt-Design, das die Basis für eine langfristige Ausgestaltung der Energiewende wäre. Bis zum Jahr 2050 muss ein Volumen von jährlich fast 500 Milliarden Kilowattstunden aus regenerativen Quellen zur Verfügung stehen. Auf Dauer wird es einen Kraftwerkspark aus zwei Erzeugungskomponenten geben. Vor allem Wind- und Sonnenkraftwerke sollen rund 80 Prozent der Energie liefern. Auf der anderen Seite müssen konventionelle Bereitschaftskraftwerke dann einspringen, wenn die Erneuerbaren Energien in den jährlich rund 1.000 Stunden einer „dunklen Flaute“ nicht liefern können. Zwei Handlungsfelder stehen im Mittelpunkt: Das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) hat seinen Auftrag zum Aufbau eines EE-Erzeugungsportfolios erfüllt. Aber für den weiteren großvolumigen Ausbau der EE braucht es ein EEG 2.0, das diesen steuerbarer und effizienter macht. Und bei der Frage, wie viele Bereitschaftskraftwerke nötig sind, müssen wir die Kunden einbeziehen. Sobald der Kunde über diese Leistungsvorhaltung nach dem Motto „Wer bestellt, bezahlt!“ entscheidet, entsteht unmittelbar ein höchst effizienter Markt für Handlungsalternativen. Und darum geht es: Wir brauchen eine Vielzahl von Akteuren unterschiedlichster Herkunft, um den Markt „Energiewende“ mit Lösungen zu füllen.

Rainer Baake, Direktor der Initiative Agora Energiewende

Im Netz der Energiewende: „Wir brauchen leistungsfähige Netze, die große Regionen verbinden“

Der Ausstieg aus der Atomkraft und der Umstieg der Stromversorgung auf Erneuerbare Energien ist beschlossene Sache. Jetzt geht es darum, wie die Energiewende umgesetzt wird. Die Energiewende wird hauptsächlich auf Wind- und Sonnenenergie basieren. Nur diese beiden Energieträger stehen in ausreichendem Maße zur Verfügung. Eine von uns veranlasste wissenschaftliche Untersuchung hat ergeben, dass es unter Kostengesichtspunkten egal ist, ob man Wind- und Solarkraftwerke vorzugsweise in den besonders wind- und sonnenreichen Bundesländern errichtet oder aber nah bei den Stromverbrauchern. Allerdings sollten die Ausbauziele der Bundesregierung für die Offshore-Windenergie reduziert werden. Dadurch ließen sich zwei Milliarden Euro pro Jahr sparen. Bei Wind- und Sonnenenergie richtet sich die Stromproduktion nach dem Wetter, sie ändert sich schnell und hat so gut wie keine Betriebskosten. Die Energiewende wird nur gelingen, wenn das restliche Stromsystem so umgebaut wird, dass es mit diesen Eigenschaften umgehen kann. Flexibilität heißt das Schlüsselwort. Wir brauchen vor allem flexible Back- up-Kraftwerke, leistungsfähige Netze, die große Regionen verbinden und damit fluktuierende Erzeugung ausgleichen und marktwirtschaftliche Anreize, um industrielle Stromnachfrage dem Angebot anzupassen. Langzeitspeicher brauchen wir erst, wenn der Anteil der Erneuerbaren bei etwa 70 Prozent liegt. Bis dahin gibt es kostengünstigere Lösungen.

Horst Steinmetz, Leser_In

Warum nichtsteuerbare Stromproduktion aus Wind und Sonne keine Alternative zur steuerbaren Stromerzeugung ist und auch nicht werden kann, fasse ich wie folgt zusammen: 1. Die Stromproduktion aus Sonne und Wind ist zeitlich nicht steuerbar und nur in 25% willkürlich verteilter Zeit möglich. Für den Strombedarf in ca.75% der Zeit wird eine Alternative gebraucht, entweder Strom aus Stromspeichern oder aus konservativer Stromproduktion. 2. Solange es keine praktikablen Stromspeicher gibt, müssen auch während der Stromproduktion aus Wind und Sonne, wegen deren Fluktuation konservative Stromproduktionsanlagen im Stand-by-Modus mitlaufen, um bei Wind- und Sonnenausfall oder -schwäche kurzfristig und manchmal auch sofort lieferfähig zu sein. 3. Speicher, wenn es sie einst geben sollte, werden genauso wie im Stand-by-Modus betriebene konservative Kraftwerke jeweils zu den normalen Produktionskosten immer zusätzliche Kosten verursachen. Deshalb wird Strom aus Wind und Sonne immer erheblich teurer sein als konservativ erzeugter Strom, auch wenn es irgendwann gelänge, die Wind- und Sonnenstromproduktionskosten den Kosten konservativer Stromproduktion anzugleichen. 4. Dies zeigt, dass aus systemimmanenten Gründen auch für die Zukunft Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssicherheit bei Wind- und Sonnenstrom ausgeschlossen sind, egal wie viel Photovoltaik- und Windkraftanlagen noch installiert werden. Es zeigt, dass die deutsche Volkswirtschaft im Verhältnis zu anderen Volkswirtschaften eine von der Politik implantierte Sonderlast zu tragen hat, die auf Dauer ihre Wettbewerbsfähigkeit zerstört. 2012 betrug die Sonderlast bereits ca. 17 Milliarden Euro, dieses Jahr werden es schon wesentlich mehr. www.olitikbetrachtung.de

Dietrich Leutelt, Leser_In

Es mag ja das Los der Politiker sein, mit den \"Folgen\" von Entscheidungen leben zu müssen. Aber im Fall der Energiewende ärgert es mich maßlos, dass zwar die Grünen jahrzehntelang den totalen Ausstieg aus der Atom-Energie forderten, gleichzeitig die Entsorgung z.T. gewaltsam zu behindern suchten (Herr Trittin bekommt dafür keine Pluspunkte als ehemaliger Minister), aber nun, da eine \"feindliche\" Regierung diese Forderungen zu realisieren trachtet, so tut als hätten sie mit den unvermeidlich entstehenden Problemen nichts zu tun. Ein völliger, sofortiger Ausstieg hätte für Deutschland in einer Katastrophe geendet. Ein so einschneidender Umbruch sollte m.E. im Konsens aller Parteien realisiert werden. Stattdessen kochen die Länder ihre eigenen Suppen und die Parteien und Ineressengruppen ebenfalls. Ein gemeinsames Interesse scheint es nicht zu geben.

P.M.Schabert, Leser_In

Hallo, auf Seite 4 zitieren Sie das Bundeswirtschaftsministerium mit der Aussage \" Die Energiewende könnte Deutschland bis zu einer Milliarde Euro kosten \". Entweder Sie oder das Ministerium oder beide sind mit dieser Zahl so weit weg von der Wirklichkeit, daß es einem nur schlecht werden kann. Hätten Sie 100 Milliarden, oder besser 1000 Milliarden Euro geschrieben, hätte das etwas mit der Realität zu tun. Solange die meisten Politiker und Journalisten in Führungspositionen den Unterschied zwischen KW und KWh, also zwischen Leistung und Arbeit, nicht kennen, wird Strom aus Wind und Sonne stets als grundlastfähig und damit als brauchbarer Ersatz für die bisherigen Grundlastkraftwerke aus Kernenergie und Kohle \"verkauft\". Das panikartige Abschalten der Kernkraftwerke, der ungezügelte und unkontrollierte Ausbau von Wind- und Sonnenkraft ist der größte wirtschaftlich Schwachsinn, den sich Deutschland nach dem Krieg geleistet hat, denn die notwendigen Alternativen sind nicht da. Man ist den 2. Schritt vor dem ersten gegangen. Die Folgen werden wir Alle erleben, siehe oben. Ich bin mir bewußt, das meine Aussagen nicht dem \"Mainstream\" entsprechen, aber ich muß nicht mehr damit rechnen, von Frau Merkel oder Herrn Trittin existenzbedrohend abgestraft zu werden.

Jean-Claude Jenowein, Leser_In

Die Energiewende darf nicht nur eine Frage der Finanzierung sein. Klar ist, dass die ganze Welt auf Deutschland schaut. Bekommen wir es hin? Oder scheitern wir? Die Nuklearkatastrophe um das Atomkraftwerk Fukushima hat gezeigt, dass die vermeintlich saubere Energie lebensbedrohlich für den Menschen sein kann. Es muss ein Umdenken in der Bevölkerung stattfinden. Wollen wir günstigen Strom und damit abhängig sein von einer bedrohlichen Technologie oder nehmen wir die höheren Preise der Energiekonzerne in Kauf für eine bedenkenlosere Energieversorgung. Die \"German Energiewende\" wird richtungsweisend sein für nachkommende Generationen. Politik und Wirtschaft haben die Zügel in der Hand, daraus etwas Zukunftweisendes für die ganze Welt zu erreichen. Die Hoffnung stirbt zu letzt

Bernhard Schülein, Leser_In

Die Energiewende steckt in der Sackgasse, weil es kein Gesamtkonzept gibt: jeder wurstelt für sich herum: Stromkonzerne, Netzbetreiber, Politik, Gemeindewerke, private Anbieter. Was fehlt ist eine klare Zielsetzung durch die Bundesregierung und konsequente Koordination und Abstimmung miteinander sinnvoll vernetzter Maßnahmen

Roland G. Englhard, Leser_In

Die Energiewende steht noch ganz am Anfang. Die Politik will Zeit gewinnen um den Status Quo zu sichern, was die Energiekonzerne natürlich freut. Die Bürger haben nur Angst um die Preise.

Wolfgang Waßmund, Leser_In

Die Energiewende steckt in den Kinderschuhen. Leider ist das Thema in unserem Land zu stark ideologiebehaftet, deshalb wird es sehr schwer werden, die Wende vernünftig, für den Bürger einsichtig und finanzierbar herbeizuführen. Es ist z.B nicht nachvollziehbar, daß der sogen. Kleinverbraucher trotz gesunkener Strompreise mehr zahlen muß. Solange es derartige Ungereimtheiten gibt, ist mit einem Erfolg kaum zu rechnen. Warum wird die Atomernergie in Deutschland so verteufelt ?

Hans-Gerd Marian, Leser_In

Das EEG war so erfolgreich, dass die alten Monopolisten und ihre schwarz-gelbe Regierung (Laufzeitverlängerung!) jetzt die Panik bekommen und einen Deckel für Erneuerbare wollen. Nach 100 Jahren Planwirtschaft in der Energieversorgung mit Gebietsaufteilung beginnt jetzt der Markt mit dezentralen Anbietern, zum Teil in Bürgerhand. Der erste Schritt ist getan, aber Energieeeffizienz und Vermeidung gehören an die erste Stelle, dann intelligente Netze und dann die Ausdehnung auf Wärme, Mobilität et. Wir brauchen nicht 100% Erneuerbare, sondern mehr.

Klaus Seydel, Leser_In

Der eingeschlagene Weg ist richtig, jedoch braucht alles seine Zeit!

Carsten Kayatz, Leser_In

Ganz am Anfang und vor riesigen Problemen! Das Verbot von Atomkraft und Subventionierung von alternativen Energien ist keine Energiewende, sondern verantwortungsloses, weil planloses Handeln des Staates zu Lasten von Bürgern und Unternehmen. Die Energiewende ist damit primär eine Auseinandersetzung mit den und Abmilderung der Folgen staatlicher Fehlentscheidungen denn ein großer Plan, die umweltverträgliche Energieversorgung im Industrieland Deutschland nachhaltig zu sichern.

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Wie grün kann Mobilität sein?

Zwischen 2006 und 2011 stieg der Benzinpreis in Deutschland um durchschnittlich 80 Cent. Demgegenüber standen 2011 gerade einmal 2307 angemeldete Elektroautos. Etwas muss sich ändern und etwas wird sich ändern, aber wie grün kann Mobilität sein? Antwort geben der passionierte Radfahrer und Bundesumweltminister Peter Altmaier, der Daimler-Vorsitzende Dieter Zetsche und Stephan Kohler, Chef der Deutschen Energie-Agentur.

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Peter Altmaier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie

Mobilität intelligent verknüpfen: „Nachhaltige Mobilität bedeutet mehr Lebensqualität.“

Unsere Mobilität hängt am Öl: Bisher ist der Verkehr immer noch zu über 90 Prozent vom Erdöl abhängig. Laut Prognosen wird sich die globale Pkw-Flotte aber allein bis zum Jahr 2030 ungefähr verdoppeln. Was das für den Öl- und Benzinpreis, aber auch für die CO2-Emissionen heißt, liegt auf der Hand. Wir müssen unsere Abhängigkeit von fossilen Energieträgern drastisch reduzieren. Wir brauchen eine globale Energiewende – für den Klimaschutz und auch deshalb, weil Energie für alle dauerhaft erschwinglich bleiben muss. Der Individualverkehr wird viel nachhaltiger sein müssen. Die Zukunft gehört alternativen Antrieben, alternativen Kraftstoffen, neuen IT-Lösungen wie dem automatisierten Fahren, neuen Formen gemeinschaftlicher Nutzung wie dem Carsharing – und natürlich der Elektromobilität, gespeist aus erneuerbaren Energien! Nachhaltige Mobilität bedeutet zugleich viel mehr Lebensqualität. Das merke ich immer dann, wenn ich in Berlin mit dem Fahrrad statt mit dem Auto unterwegs bin. Es geht nicht um Verzicht, sondern darum, dass unsere unterschiedlichen Verkehrsmittel so zum Einsatz kommen, dass Mobilität nachhaltiger wird. In urbanen Räumen werden dies immer häufiger Fahrrad, Bahn und Carsharing sein – oder Angebote, die eine intelligente Verknüpfung je nach Mobilitätsbedürfnis erlauben. Wenn wir die Chancen einer intelligenteren Mobilität nutzen, werden davon alle profitieren, dann werden unsere Städte noch lebenswerter.

Stephan Kohler, Vorsitzender der Geschäftsführung, Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena)

Viele Wege führen zur Verkehrswende: „Eine Option sollte stärker genutzt werden: Erdgasmobilität.“

Die Energiewende kann nur gelingen, wenn sie auch im Verkehrssektor gelingt. Mobilität ist für 28 Prozent des Energieverbrauchs in Deutschland verantwortlich. Optionen gibt es viele: sparsame Motoren, Leichtbau, Hybridantriebe, alternative Kraftstoffe wie Erdgas, Biokraftstoffe, Strom und Wasserstoff. Auch vergleichsweise unspektakuläre Maßnahmen wie Spritspartrainings oder kommunales und betriebliches Mobilitätsmanagement können einen sinnvollen Beitrag leisten. Schließlich gilt es, Mobilitätssysteme so zu optimieren, dass vom öffentlichen Nah- und Fernverkehr bis zum Individualverkehr das jeweils effizienteste System zum Einsatz kommt. Eine Option sollte auf jeden Fall stärker genutzt werden: Erdgasmobilität. Erdgas bietet schon heute bei gleichem Komfort eine klimafreundliche, technisch ausgereifte und dank Steuervorteilen kostengünstigere Alternative zu Benzin- und Dieselantrieben. Erdgasfahrzeuge sparen im Vergleich zu Benzinern bis zu 24 Prozent an Treibhausgasen, mit Biomethan sogar noch mehr. Unter den über 900 Erdgastankstellen in Deutschland bieten bereits rund 290 den hauptsächlich aus landwirtschaftlichen Reststoffen gewonnenen erneuerbaren Kraftstoff als Beimischung oder in Reinform an, wodurch die CO2-Emissionen um über 90 Prozent reduziert werden können. Erdgas und Biomethan können aber nur ein Teil der Lösung sein. Für die Energiewende im Verkehr müssen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft alle Optionen systematisch vorantreiben.

Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG

Grün ist marktreif: „Zum Erfolgsprojekt wird nachhaltige Mobilität nur, wenn alle an einem Strang ziehen.“

Wie grün kann Mobilität sein? Was das Auto betrifft, gibt es drei Antworten. Die erste lautet: so grün, wie Autos in Zukunft angetrieben werden. Die neue S-Klasse wird als Plug-In-Hybrid zum 3-Liter-Auto. Wohlgemerkt: Es geht um Verbrauch, nicht Hubraum. Langfristig wollen wir die Emissionen ganz vermei- den. Dazu haben wir bei Daimler im letzten Jahr über 1.000 Patente im Bereich E-Mobilität angemeldet. Mittlerweile ist die Technologie marktreif. Fraglich bleibt: Ist auch der Markt reif? Mobilität kann nur so grün sein, wie es die Kunden verlangen. Das ist die zweite Antwort. Einer Umfrage zufolge können sich inzwischen ein Viertel der Deutschen vorstellen, ein Elektroauto zu kaufen. Weniger als ein Tausendstel der Neuwagenkäufer hat das aber 2012 wirklich getan. Damit es mehr werden, müssen die Kosten runter. Und die Infrastruktur muss ausgebaut werden. Deshalb ist Antwort Nummer drei: Mobilität kann so grün sein, wie es die Rahmenbedingungen zulassen. Ohne ein flächendeckendes Netz von Ladestationen und Wasserstofftankstellen geht es nicht. Hinzu kommt eine effektive Förderung – sei es durch Kaufanreize oder andere Vorteile wie reservierte Parkplätze und Fahrspuren. Nachhaltige Mobilität ist also ein Gemeinschaftsprojekt. Zum Erfolgsprojekt wird es nur, wenn alle an einem Strang ziehen – und zwar in die gleiche Richtung.

Bärbel Kramer, Leser_In

Fahrrad fahren ist doch die einfachste Lösung! Ich verstehe nicht warum es in der Stadt noch immer so viele Autos gibt. Es gibt nicht genügend Parkplätze, es stinkt und der Berufsverkehr ist nach wie vor noch der Zeitfresser nach meinem Arbeitstag. Mal ganz abzusehen von den zu teuren Parkhäusern. Ich nehme nur noch das Fahrrad, wahlweise die Öffentlichen Verkehrsmittel. Frische Luft tut jedem gut, dabei tankt man Energie und kommt entspannt nach hause.

Marion, Leser_In

Ich glaube nicht, dass wir schon soweit sind das mit Vollgas durchzuziehen. Klar kann jeder Fahrrad fahren, doch kann ich bei Dienstreisen nicht auf mein Auto verzichten. Innerorts ist es natürlich besser das Fahrrad zu nehmen. Doch bis jeder sein Auto umrüstet und auch auf Flugzeuge verzichtet, wird es wohl (leider) noch eine ganze Weile dauern.

Sabrina Würfel, Leser_In

Ich fordere: Grüne Fahrtrainigs schon in der Fahrschule! Warum lernen als erste Maxime, dass wir uns rücksichtsvoll im Straßenverkehr verhalten sollen, aber nicht auch auf die Umwelt zu achten? Die Herren Bleifuß und Stop-n-Go sind doch nicht zukunftsfähig. Wer bremst verliert.. und zwar Energie.

Lea Bitoni, Leser_In

1. Der Elektroantrieb ist immer noch zu teuer und das Problem des Akkus ist noch nicht gelöst. 2. Wenn Elektroantrieb dann aber mit grünem Strom. Sonst beißt sich die Katze in den Schwanz. 3. Die Brenntsoffzele wird schon lange erforscht, gibt es einen Grund warum sie nie zur Marktreife kommt? 4. Seit Jahren gibt es Autos die mit Pflanzenöl oder Alkohol betrieben werden können. Wenn man nur Produktionsabfälle für den Treibstoff verwendet (Teller statt Tank) kann sich jeder sein eigene Bezin im Garten anbauen.

Robert Bantelmann, Leser_In

Oh man.. auf ein Mal wachen alle auf. In 5 Jahren wird der ganze Spuk doch wieder vorbei sein. Co2 ist nicht schädlich für das Klima, lasst euch nichts einreden. Oder weiß jemand was es genau bewirkt? Wer grün fahren will soll gar nicht fahren, ihr wollt alle immer überall sein, was für ein quatsch.

Jens Schönefelder, Leser_In

Dem Deutschen liebstes Ding ist sein Auto. Und sein Geldbeutel. Da kann noch und nöcher appeliert werden, im Autohaus sind alle guten Vorsätze vergessen. Wer will den schon ein E-Auto bei dem man 100 KM weniger fahren kann wenn man die Klimaanlage laufen lässt?

Mona Spitzke, Leser_In

Die Mobilität ist immer so grün wie ihr Fahrer. Fahrrad fahren macht fit und produziert kein Co2. SUV fahren macht dick und verpestet die Umwelt. Was wählt ihr?

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Was bedeutet Inklusion?

Die Wortwurzel von Inklusion (lat. nuculeus) meint übersetzt „Kern“. Doch was bedeutet das für unsere Gesellschaft? Antworten geben Philippe Pozzo di Borgo, Autor des Buches „Ziemlich beste Freunde“, Integrationsbeauftragte Gabriele Gün Tank und Herausgeber Deniz Utlu sowie David Sieveking, Regisseur und Autor der Dokumentation „Vergiss mein nicht“.

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Philippe Pozzo di Borgo, ehemals Geschäftsführer Champagnes Pommery & Autor von „Ziemlich beste Freunde“

In Verschiedenheit zusammenleben: „Zufriedenheit und Teilhabe entstehen, wenn wir unser wahres menschliches Wesen annehmen.“

Der phänomenale Erfolg des Films und des Buches „Ziemlich beste Freunde“ verdeutlicht, wie stark der Druck unserer Gesellschaft auf dem Einzelnen lastet. Der Zuschauer und Leser spürt, dass er einer Tyrannei von Effizienz und Normalität unterworfen ist, die seinen wahren Bedürfnissen nicht entsprechen. Ihm wird bewusst, dass er in ständiger Angst lebt, nicht genug Leistung zu erbringen, von der Norm abzuweichen und schließlich aus der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden. Zufriedenheit und Teilhabe können nur entstehen, wenn wir unser wahres menschliches Wesen annehmen. Wenn wir es als Gemeinschaft schaffen, uns gegen die Tyrannei der Ansprüche zu empören, uns aufeinander einzulassen und un- sere Verschiedenheit und Verletzlichkeit gegenseitig zu respektieren, können wir unsere Gesellschaft und damit unser Zusammenleben verändern. Erst wenn wir die Welt in ihrer Diversität und flüchtigen Realität wahrnehmen, unsere menschliche Natur anerkennen, können wir das Andere und die Anderen integrieren, achtsam und mit Rücksicht auf ihre Verletzlichkeit und Verschiedenheit. Gewaltsame Vereinheitlichungen und Normierungen können niemals ein offenes Miteinander erzeugen. Sie sorgen für soziale Spannungen und Elend. Das Bewusstsein und die Achtung für unsere Verschiedenheiten und Verletzlichkeiten müssen endlich ins Zentrum eines neuen Zusammenlebens rücken. Nur so finden wir zu einer offenen Gesellschaft, einem Leben im Einklang mit uns und unserer Welt.

Gabriele Gün Tank, Integrationsbeauftragte Berlin Tempelhof-Schöneberg und Deniz Utlu, Autor & Publizist

Die Bedeutung des Menschlichen: „Zuschreibungen wie ,normal‘ und ,abweichend‘ sollen sich verlieren.“

Der Begriff der Inklusion wurde in seiner politischen Operationalisierung für Menschen mit Behinderung primär in der UN-Konvention verwendet. Zuschreibungen wie „normal“ und „abweichend“ sollen sich verlieren, da jeder Mensch individuell ist und nicht einfach integrierbar. Aus dieser Perspektive lässt sich der gesellschaftliche Umgang mit Vielfalt im Allgemeinen von kulturalistischen und diskriminierenden Ansätzen entfernen und zu Überlegungen der Bedeutung des „Menschlichen“ tragen. Auch wenn es die Gefahr birgt, den überwundenen Gedanken der „Benachteiligtenförderung“ zu aktivieren. Eine vollständige Autonomie über den Körper, so Judith Butler, ist nicht möglich, weil er nicht von Blicken und Berührungen abgeschirmt werden kann. In diesem Sinne ist jeder Mensch seinen Mitmenschen ausgeliefert. So ist Verletzbarkeit eine grundsätzliche, allgemein menschliche Eigenschaft. Die Suche nach einer inklusiven Gesellschaft muss Prozesse einer tief gehenden Reflektion über das Menschliche und der sich verändernden Bedeutung des Menschlichen mit aufnehmen. Die Frage kann nicht mehr lauten: Wer kennt sich besonders mit dem Werk Goethes aus (Integrations- prüfungen), sondern wie diejenigen besonders geschützt werden können, deren Verletzbarkeit in der Gesellschaft potenziert wird – ohne ihre (immer relative) Autonomie in Frage zu stellen.

David Sieveking, Regisseur und Autor von „Vergiss mein nicht – Wie meine Mutter ihr Gedächtnis verlor und ich meine Eltern neu entdeckte“

Besser miteinander umgehen

Meine an Demenz erkrankte Mutter begleitete ich als Sohn und Filmemacher. Entstanden sind ein Dokumentarfilm sowie das Buch „Vergiss mein nicht“. Neuerdings ist man im Falle einer Kinofilmförderung verpflichtet, eine „Inklusionsfassung“ zu erstellen: ein neues Verfahren aus der Quantenphysik, dachte ich zunächst. Es hat etwas gebraucht, bis ich kapierte, was Inklusion meint: Den Versuch niemanden auszuschließen. Unterwegs in der Öffentlichkeit mit meiner Mutter fragte ich mich oft, wo die Dementen wohl alle sind? Man liest von über 1,4 Millionen. Sie sind im Alltag kaum anwesend. Vieles wird heute an spezielle Orte delegiert. Geburten finden nicht zu Hause statt, gestorben wird im Krankenhaus. Wir haben vieles aus unserem Alltag verbannt, was uns herausfordert. Das schürt Ängste. Andere Länder gehen da sehr kreativ ran. In der Schweiz wurde ein Altersheim in ein Fußballstadion eingebaut. In den Niederlanden gibt es ein Demenzdorf, wo sich die Bewohner viel freier bewegen als in deutschen „Demenzabteilungen“. Demenzerkrankte in diesem Dorf zeigen deutlich länger Eigeninitiative und Aktivität als in einem engen Pflegeheim. Der Umgang mit Demenz war für mich nicht durch negative Gefühle geprägt, sondern hat mir wertvolle Lebenserfahrung gebracht. Meine Mutter konnte Mitleid nicht ausstehen. Sie hat genau gespürt, wenn man gerne mit ihr zusammen war. Mit guter Laune ging dann alles leichter.

Burghard Schmanck, Leser_In

Latein sollte man können. Andernfalls läßt man es besser. Includere bedeutet \"einschließen\". Dummerweise kommt das Wort \"Inklusion\" weder in der maßgebenden englischen, noch in der französischen, noch in der amtlichen deutschen Übersetzung der Behindertenkonvention vor. Nur in der englischen Fassung wird wörtlich \"an inclusive education system at all levels\" verlangt. Das besagt aber nur, daß auch für Behinderte schulische Bildung ermöglicht werden soll, Das deutsche Schulsystem trägt dem beispielhaft und optimal Rechnung. Es besteht also entsprechend der Behindertenkonvention keinerlei Handlungsbedarf. Wenn man politisch gewollt dennoch Kinder, die dem Unterricht nicht zu folgen vermögen, in eine Lerngemeinschaft zwangsweise \"inkludiert\", dann raubt man ihnen die Chance, von Fachkräften unterrichtet in kleinen Gruppen und in einem ihnen angepaßten Lerntempo den bestmöglichen Lernerfolg zu erzielen. \"Lernknast\" für Kinder - nein danke. Die Schwachen bedürfen des pädagogischen Schonraums, um weiterzukommen, und nicht der Rennbahn der Überflieger.

Philippe Pozzo di Borgo, Leser_In

Der phänomenale Erfolg des Films und des Buches „Ziemlich beste Freunde“ macht deutlich, wie stark heute der Druck unserer Gesellschaft auf dem Einzelnen lastet. Der Zuschauer und Leser spürt, dass er einer Tyrannei von Effizienz und Normalität unterworfen ist, die seinen wahren Bedürfnissen in keiner Weise entspricht. Ihm wird bewusst, dass er in der ständigen Angst lebt, nicht genug Leistung zu erbringen, von der Norm abzuweichen und schließlich aus der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden. Jene Effizienzansprüche aber sind inzwischen vollkommen losgelöst von der tatsächlichen Wertschöpfung. Manager werden zu Söldnern im Dienste einer moralisch fragwürdigen Finanzwirtschaft. Diese zunehmende Gangsterisierung in der Wirtschaftswelt sorgt für eine große Verunsicherung. Sicherheit und Zufriedenheit dagegen können nur entstehen, wenn wir unser wahres menschliches Wesen annehmen. Wenn wir, als Gemeinschaft, es schaffen, uns gegen die Tyrannei der Ansprüche zu empören, uns aufeinander einzulassen und unsere Verschiedenheit und Verletzlichkeit gegenseitig zu respektieren, können wir unsere Gesellschaft und damit unser Zusammenleben verändern. Erst wenn wir die Welt in ihrer Diversität und flüchtigen Realität wahrnehmen und unsere menschliche Natur anerkennen, können wir das Andere und die Anderen integrieren, achtsam und mit Rücksicht auf ihre Verletzlichkeit und Verschiedenheit. Gewaltsame Vereinheitlichungen und Normierungen können niemals Sicherheit erzeugen, sie sorgen immer für soziale Spannungen und Elend. Das Bewusstsein und die Achtung für unsere Verschiedenheiten und Verletzlichkeiten müssen endlich ins Zentrum eines neuen Zusammenlebens rücken, nur so finden wir zu einer Sicherheit, einem Leben im Einklang mit uns und unserer Welt.

David Sieveking, Leser_In

Meine an Demenz erkrankte Mutter begleitete ich als Sohn und Filmemacher. Entstanden sind ein Dokumentarfilm sowie das Buch „Vergiss mein nicht“. Neuerdings ist man im Falle einer Kinofilmförderung verpflichtet, eine „Inklusionsfassung“ zu erstellen: Ein neues Verfahren aus der Quantenphysik, dachte ich zunächst. Es hat etwas gebraucht, bis ich kapierte, was Inklusion meint: Den Versuch niemanden auszuschließen. Unterwegs in der Öffentlichkeit mit meiner Mutter fragte ich mich oft, wo die Dementen wohl alle sind? Man liest von über 1,4 Millionen. Sie sind im Alltag kaum anwesend. Vieles wird heute an spezielle Orte delegiert. Geburten finden nicht zu Hause statt, gestorben wird im Krankenhaus. Wir haben vieles aus unserem Alltag verbannt, was uns herausfordert. Das schürt Ängste. Andere Länder gehen da sehr kreativ ran. In der Schweiz wurde ein Altersheim in ein Fußballstadion eingebaut. In den Niederlanden gibt es ein Demenzdorf, wo sich die Bewohner viel freier bewegen als in deutschen „Demenzabteilungen“. Demenzerkrankte in diesem Dorf zeigen deutlich länger Eigeninitiative und Aktivität als in einem engen Pflegeheim. Der Umgang mit Demenz war für mich nicht durch negative Gefühle geprägt, sondern hat mir wertvolle Lebenserfahrung gebracht. Meine Mutter konnte Mitleid nicht ausstehen. Sie hat genau gespürt, wenn man gerne mit ihr zusammen war. Mit guter Laune ging dann alles leichter.

Gabriele Gün Deniz Utlu, Leser_In

Der Begriff der Inklusion wurde in seiner politischen Operationalisierung für Menschen mit Behinderung primär in der UN-Konvention verwendet. Zuschreibungen wie „normal“ und „abweichend“ sollen sich verlieren, da jeder Mensch individuell ist und nicht einfach integrierbar. Aus dieser Perspektive lässt sich der gesellschaftliche Umgang mit Vielfalt im Allgemeinen von kulturalistischen und diskriminierenden Ansätzen entfernen und zu Überlegungen der Bedeutung des „Menschlichen“ tragen. Auch wenn es die Gefahr birgt, den überwundenen Gedanken der „Benachteiligtenförderung“ zu aktivieren. Eine vollständige Autonomie über den Körper, so Judith Butler, ist nicht möglich, weil er nicht von Blicken und Berührungen abgeschirmt werden kann. In diesem Sinne ist jeder Mensch seinen Mitmenschen ausgeliefert. So ist Verletzbarkeit eine grundsätzliche, allgemein menschliche Eigenschaft. Die Suche nach einer inklusiven Gesellschaft muss Prozesse einer tief gehenden Reflektion über das Menschliche und der sich verändernden Bedeutung des Menschlichen mit aufnehmen. Die Frage kann nicht mehr lauten: Wer kennt sich besonders mit dem Werk Goethes aus (Integrationsprüfungen), sondern wie diejenigen besonders geschützt werden können, deren Verletzbarkeit in der Gesellschaft potenziert wird - ohne ihre (immer relative) Autonomie in Frage zu stellen.

Herrmann Witt, He.Ho.Ba GmbH, Leser_In

Wozu noch Hemmschwellen? Die größte Befürchtung für Unternehmer ist, Menschen mit Behinderung nicht kündigen zu können. Dafür muss man sich mit dem Integrationsamt zusammensetzen. In der Tat sind die behördlichen Prozesse sehr komplex, geradezu nebulös. Bezüglich der Förderbedingungen zur Einstellung von Mitarbeitern mit Behinderung tappt man völlig im Dunkeln. Noch immer scheinen zwei Welten zu existieren: Die Welt, in der sich behinderte Menschen bewegen und die Arbeitswelt. Welten, die für sich und in sich funktionieren. Aber zusammen? Als vielschichtiger Handwerksbetrieb decken wir mehrere Sparten ab. Unter meinen 12 Mitarbeitern sind sieben mit Behinderung. Eine sehr engagierte Frau eines Bildungsträgers stand eines Tages in meinem Büro, mit einem Gehörlosen an der Hand. Ihr Anliegen: Ein Praktikumsplatz für den noch lernenden Tischler. Der junge Mann arbeitet noch heute in meinem Betrieb. Die große Frage war, wie das funktionieren soll. Ich probierte es einfach aus. Es lief hervorragend. Die Hemmschwelle bei den anderen Mitarbeitern war natürlich genauso vorhanden wie bei mir. Diese schwand aber im Alltag, bei der Arbeit sofort. Anderen Arbeitgebern rate ich drei Dinge: Unternehmerischen Mut, Fördermöglichkeiten ausschöpfen, Vertrauen in die Menschen. Stellen sie sich eine Mitarbeiterin mit Behinderung, Ende 20, frisch verheiratet, mit äthiopischen Wurzeln vor. Das ist sogar noch eine Potenz höher. Aber die Herangehensweise bleibt gleich.

Prof. Dr. Theresia Degener, Leser_In

Inklusion meint die Planung oder Veränderung der Gesellschaft im Hinblick auf die Bedürfnisse und Rechte aller Menschen in ihrer Verschiedenheit. Inklusion ist spätestens seit dem Inkrafttreten der Behindertenrechtskonvention von 2006 ein Bestandteil des Menschenrechts auf Gleichheit geworden. Das Recht auf Gleichheit ist eines der ältesten und fundamentalen Menschenrechte. Das Recht auf Gleichheit ist verletzt, wenn Menschen aus den herkömmlichen Bezügen der Gesellschaft (also dem Arbeitsleben, der Bildung, dem Wohnquartier) ausgeschlossen werden. Exklusion ist Verletzung des Menschenrechts auf Gleichheit, die inklusiv zu denken ist. Wenn wir Inklusion wollen, müssen wir Sonderwelten für behinderte Menschen auflösen. Die Zukunft der Sonderschulen, der Werkstätten und Wohnheime für Menschen mit Behinderungen muss genau darin bestehen, sich aufzulösen. Die MitarbeiterInnen in der Behindertenhilfe müssen sich auf neue Arbeitsfelder und menschenrechtsbasierte Assistenzleistungen für Menschen mit Behinderungen einstellen.

Bernhard Schülein, Leser_In

In der erstrebenswerten Praxis: Zugewandt einbeziehen, statt distanzieren und ausgrenzen !

Roland G. Englhard, Leser_In

Inklusion bedeutet, nicht mehr nach Behinderungen zu fragen, sondern nur noch nach Chancen.

Jürgen Meiger, Leser_In

Unter \"Inklusion\" verstehe ich die Einbeziehung jedes Lernfähigen und -willigen innerhalb einer Gemeinschaft. Jede(r) gewinnt die Erkenntnis, dass das Lernziel mit allen Beteiligten und mittels aller Wege dorthin positiv erreicht werden kann. Jede(r) ist in diesem Prozess ist enthalten, ohne ausgeschlossen zu werden bzw. zu sein.

Wolfgang Waßmund, Leser_In

Inklusion meint die Einbeziehung andersartiger Teile in ein Ganzes, ohne Ausgrenzung, Diskriminierung oder Entzug gleicher Rechte.

Lisa Reimann, Leser_In

Inklusion steckt in jeder Packung Gummibärchen. Denn in ihr entahlten sind gelbe, grüne, weiße, rote und orangene Gummibären - sie sind ganz unterschiedlich, aber leben alle in einer Tüte und haben so die gleichen Chancen. Keiner wird in eine Extra-Tüte aussortiert, auch nicht die weißen Gummibrären, die beim Kunden mit Abstand am Unbeliebtesten sind. Durch das gemeinsame Tütenleben akzeptieren sich die Gummibären und helfen einander. Keiner kann und muss den Ansprüchen der scheinbaren Gummibären-Mehrheit entsprechen. Diese inklusiven Gummibären lassen alle teilhaben.

Günter Renner, Leser_In

Momentan noch die Vision, möglichst bald aber hoffentlich die Realität einer Welt, in der es keine Ausgrenzung mehr gibt und jeder so akzeptiert wird, wie er ist.

Klaus Seydel, Leser_In

Die Erarbeitung von sozialer Kompetenz, die zu einer humaneren Gesellschaft führt.

Bertold Niedworok, Leser_In

In soziologischer Betrachtung bedeut das Miteinander bezogen zu sein, gleichberechtigte Teilhabe an etwas und zwar unabhängig von individuellen Fähigkeiten, ethnischer wie sozialer Herkunft, Geschlecht oder Alter. .

Carsten Kayatz, Leser_In

Inklusion ist der Anspruch der Gesellschaft an sich selbst, alle Menschen gleiche Chancen zu bieten. Da Inklusion zahlreichen nachrangigen Einflussfaktoren wie z.B. technischer Machbarkeit und finanzieller Darstellbarkeit unterliegt, sollte das Wissen und Wollen zur Inklusion der wichtigste Grundsatz sein. Inklusion kann daher kein geschriebenes Recht qua Gesetz sein, aus dem Ansprüche (vor allem keine materiellen) hergeleitet werden können, sondern allein ethischer und gesellschaftlicher verpflichtender Grundsatz, der entsprechend unter Abwägung der jeweiligen Umstände und Situationen möglichst vielen Menschen die gleichen Chancen bieten soll.

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