Antwort schreiben

Zum Voten von Antworten musst du angemeldet sein.

Logge dich ein oder registriere dich.

×

Was wird aus dem Journalismus?

Wenn die Exklusivität der Nachrichten unwiederbringlich verloren ist, muss eine neue gesellschaftliche Aufgabe her. Gibt es jetzt eine Verschiebung von der Macht der Selektion der Nachrichten zu der Macht der Interpretation der Nachrichtendaten?

Antwort schreiben

Thomas Bigliel, Geschäftsführer der Politnetz AG und Preisträger des Grimme Online Awards

Mut zur meinung: „Die grundlegende mechanik des Journalismus muss sich ändern.“

Die Suche nach einem tragfähigen Finanzierungsmodell ist zum Sinnbild der medienkrise geworden. doch wer über die Wirtschaftlichkeit von Medien nachdenkt, muss auch über ihre öffentliche bedeutung nachdenken. die grundlegende mechanik des Journalismus muss sich ändern, weil sich auch die gesellschaft und deren Umgang mit Informationen geändert hat. Medienschaffende müssen akzeptieren, dass sich ihre Leserschaft nicht mehr in der passiven Rolle des Rezipienten sieht, sondern selbstbestimmt am gesellschaftlichen Diskurs teilnimmt. Nachrichten sind zum Allgemeingut ohne Wert geworden. dies widerspricht der basisdemokratischen Idee des Journalismus, wonach nur der Austausch von meinungen einen öffentlichen Konsens zu schaffen vermag. Mit Politnetz betreiben wir eine Plattform, die diesen Grundsatz zu verinnerlichen versucht und den Bürger nicht ans Ende, sondern ins Zentrum der Informationskette stellt. Wer mutige, selbstbestimmte Citoyens will, der muss auch einen mutigen und meinungsbildenden Journalismus wollen. Eine Demokratie funktioniert nur durch die einbindung aller gesellschaftlichen kräfte. und so ist es auch mit dem Journalismus, welcher als vierte Gewalt demokratisiert werden muss. Die Treiber: Pluralität und Meinungswettbewerb.

Andrew Miller, CEO der Guardian Media Group

Open Journalism ist die Zukunft: „Wir befinden uns in der Transformation hin zu einem digitalen medienunternehmen.“

Meine hauptaufgabe als CEO der guardian media group ist es, ein wegweisendes und finanziell stabiles Umfeld für den Guardian, the Observer und theguardian. com zu sichern, damit diese innovativ und unabhängig bleiben können. in dieser Hinsicht ist GMG von solider gesundheit. Unsere besondere Eigentümerstruktur sichert eine langfristige Unterstützung. Wir waren unter den ersten Anwendern der Digital-First-Strategie und sind weiterhin in der Transformation hin zu einem digitalen Medienunternehmen mit der Kernkompetenz „Open Journalism“. Dadurch ändert sich unsere redaktionelle Position: Die Distanz zwischen Lesern und Journalisten wird überbrückt, Expertengemeinschaften bilden sich und es kommt zu einer erhöhten Interaktion. Diese Rolle hat uns unter anderem zu neuen Umsätzen verholfen. Der freie Zugang zu unseren Artikeln ermöglicht neue kommerzielle Partnerschaften. Zum Beispiel gibt es „Guardian Witness“, eine innovative Zusammenarbeit mit dem größten britischen mobilfunkanbieter, bei der die leser bilder, videos und geschichten aus der ganzen Welt einsenden können. Kurzum, bei guter Berichterstattung entsteht ein Vielzahl geschäftlicher Möglichkeiten. So demonstrieren wir, auch auf unseren neuen märkten uSa und australien, unsere redaktionelle relevanz. Je deutlicher diese Relevanz für das weltweite Publikum ist, umso lauter wird unsere Botschaft gehört und umso stärker können wir den offenen Journalismus vorantreiben.

Tomas Brunegård, Präsident des Weltverbands der Zeitungsverleger (WAN-IFRA)

Neue tools und alte tugenden: „Urteilsvermögen bleibt entscheidend – auch im Journalismus von morgen.“

Technologie und Journalismus gehen seit langem Hand in Hand. Manchmal bringt die technologie den Journalismus voran, und manchmal ist es umgekehrt. Klar ist in jedem Fall, dass Consumer-Technologien die gesamte medienbranche auf den kopf stellen und an unserem Grundverständnis von Nachrichten und Journalismus rütteln. das stellt die redaktionen in aller welt vor enorme Herausforderungen, denn es wird nicht leichter, ein immer weiter versprengtes Publikum mit den richtigen Inhalten, zur richtigen Zeit und über die richtige Plattform zu erreichen. doch dieser wandel birgt auch gewaltige Chancen und glücklicherweise können Journalisten und redakteure heute auf eine Fülle von Werkzeugen, Methoden und Strategien zurückgreifen, um die Leser in ihren Bann zu schlagen. Datenjournalismus, Datenvisualisierung, Social Media, Multimedia-Storytelling und Crossmedia-Systeme – dies sind nur einige der Spielarten, mit denen Journalisten ihre Fähigkeiten und reichweiten ausbauen können. eine eingehende betrachtung der hochklassigen lösungen auf der World Publishing Expo in Berlin und die diskussionen und Fachgespräche in den Konferenzen werden dies bestätigen. Doch auch der Einsatz noch so raffinierter Tools erfordert journalistische Unvoreingenommenheit, Integrität und Urteilskraft. Letzten Endes läuft alles auf die Grundidee hinaus, warum wir dieses Geschäft betreiben. Und dabei fällt mir immer wieder ein kluger Satz von Arthur Sulzberger von der New York Times ein, der auf die Frage „Was verkaufen Sie?“ einmal geantwortet hat: „Wir verkaufen Urteilskraft!“ Das sollten wir stets im Kopf und im Herzen behalten, wenn wir weiterhin erfolgreich sein wollen.

Sascha Stienen, Leser_In

Wer wie ich als freier Journalist überleben will, der muss unternehmerisch denken und handeln - oder reich heiraten. Der Unternehmer-Journalist ist ein beratender, textender, fotografierender etc. Dienstleister oder Direktvermarkter eigener Projekte und Produkte. Dieser Medienhandwerker schaut zuerst auf den Umsatz. Hohe journalistische Ansprüche sind da nachrangig. Die Zahlen müssen stimmen.

Dr. med. vet. Hermann Hohenester, Leser_In

Sie fragen, was wird aus dem Journalismus? Besser wäre die Frage: Was ist Journalismus heute? In den meisten Fällen sind Journalismus und Darstellungen in anderen Medien nur noch kurzatmige, marktschreierische Effekthascherei nach BILD-Manier und nach Art von „Wetten, daß…“. Früher gab`s dafür „Waschweiber“ und Moritaten-Sänger, heute Schnellschreiber, Selbstdarsteller und primitiv Blödelnde, ohne Fähigkeit etwas ernsthaft zu hinterfragen. Ihnen scheint der Wille und das Können mehr und mehr abhanden zu kommen, erst gründlich zu recherchieren bevor man etwas von sich gibt. Ohne andere Meinungen aufzuzeigen, fair zu berichten bzw. darzustellen, schreiben und plappern sie aus ihrem Bauch heraus oder weil`s der Boss und das Kapital verlangen. Da wird der belanglose Stinkefinger eines Kanzler-kandidaten für die Medien wichtiger als die Probleme dieser Gesellschaft. Was ist Journalismus heute? Größtenteils ein das Volk verblödendes Gewerbe. Vielleicht eine Entschuldigung für die junge Journaille: sie stammt selbst aus dieser mehr und mehr oberflächlichen, gleichgültigen, verblödenden Gesellschaft. Die Alten und Verantwortlichen dieser Zunft sind in erster Linie daran schuld. Und die Medien- und PR-Industrie, Springer, Bertelsmann sowie die sogenannten Volksparteien wirken auf breiter Front. Und so kommt das Kapital mit diesen Medien seinem Ziel immer näher - der oberflächliche, gleichgültige, verblödende Verbraucher.

Claudia Gersdorf, Leser_In

Die Kunst der Zunft Journalisten gehen die Verpflichtung ein, wahrheitsgemäß zu berichten. Sie schauen hinter die Fassaden und hinterfragen politische Entscheidungen, die für uns in Vertretung getroffen werden. Journalisten vermögen es, sich subtil an unsere Synapsen der Emotionen und Handlungsmotivationen anzudocken. Sie erzählen Geschichten, die das Leben schreibt. Der Beruf erfordert Fingerspitzengefühl und kontinuierlich höchstes moralisches Selbstverständnis. Immerhin versuchen sich auch Pressesprecher und Werber zuweilen auf journalistischem Parkett. Ihre Botschaft soll den Weg zum Empfänger finden. Dies natürlich bestenfalls verpackt und umhüllt in adretten Beiträgen statt traditioneller Anzeigen. „Landet“ jene Botschaft dann tatsächlich eins zu eins in der Zeitung des Vertrauens, abgegolten mit einer zusätzlichen Anzeige oder einer Aufwandsentschädigung, strahlt der journalistische Fauxpas in alle Richtungen. Abgesehen vom ethischen Verstoß gegen den Berufskodex und der selbstständig vorgenommenen Beschneidung der eigenen Pressefreiheit, landet das jeweilige Medium schneller im Papierkorb als ein Letter auf Papier. Denn sogenannte Advertorials und augenscheinlich geschickt eingefädelte und möglichst zwischen den Zeilen platzierte PR-Artikel – laut Wirtschaftsvertreter vom Leser nicht zu bemerken – werden unbestritten spätestens beim vertieften Lesen identifiziert. Diese Deckmantel-Prozesse untergraben eine Zunft, welche nicht nur Geschichten schreibt, sondern vor allem Historie. Hart erkämpfte Freiheiten dürfen so nicht verschachert werden – auch und schon gar nicht zu einem Preis, der lediglich Überleben von unbestimmter Dauer sichert. Die PR- und Werbebranche beschreibt sich selbst als kreativ. Genau diese Kompetenz gilt es zu nutzen, um wieder auf traditionelle Weise auf sich aufmerksam zu machen. Journalisten sind Entdecker. Kürzungen der Werbebudgets vorzunehmen, um mehr Energie in die PR-Arbeit zu investieren und so womöglich die redaktionellen Inhalte einer eigenständigen Zunft mitzubestimmen, ist verschenkte Mühe. Journalisten sind selbstbewusste Individualisten. Ich meine, dass die große Rolle von Selbstbestimmung und Qualitätsbewusstsein bestehen bleibt. Es ist das Zusammenspiel von Kommunikation, Kultur, Politik und Ethos, das zählt und schwarze Zahlen schreibt. Ein Medium mit fesselnden Reportagen, authentischen Stimmen und ehrlichen Beiträgen, durchwebt von Bildgewalt in Sprache und Fotografie hat Zukunft. Ebenso der ansprechend gezeichnete journalistische Beitrag, einer Dramaturgie gleich, der Ansporn, durch Aufklärung Veränderungen in Gang zu setzen, sowie der Schutz unserer hart erkämpften Meinungs- und Pressefreiheit. Nicht auszudenken, ohne Journalismus auszukommen.

Stefanie Römling, Leser_In

Ein mächtiges Werkzeug der allgemeinen Meinungsbildung, welches nicht schamlos ausgenutzt werden darf. Journalismus geht den Bach herunter, wenn Journalisten in regionalen Verlagshäusern auf Grund von Preiskämpfen keine Möglichkeiten mehr haben eine angemessene Qualität abzuliefern.

Thomas Fix, Leser_In

Der Journalismus steht am Scheideweg. Ihm geht es ein bisschen wie dem gedruckten Buch, die neuen Medien scheinen ihm den Rang abzulaufen. Doch eine gedruckte Zeitung ist schon alleine wegen ihres Papieres ein haptisches Erlebnis und nicht durch einen sterilen Computer zu ersetzen! Partizipation der Leser? Findet doch durch Leserbriefe statt. Eine Wochenzeitung versuchte einige Zeit Beiträge ihrer Leser aus ihrem Blog zu veröffentlichen. Vielleicht werden eines Tages Bürger einen Teil der Redaktion, vor allem im regionalen Ressort, ausmachen, wer weiß? Die Zukunft der (gedruckten) Zeitung steht in den Sternen. Mit ihr stürbe ein Stück Kulturgeschichte.

Claus Dieter Pfefferkorn, Leser_In

Der authentische Journalismus wird immer mehr in den Hintergrund rücken, da die großen Medienhäuser der Welt ausschließlich durch Politik und Wirtschaft Luft zum atmen erhalten. Dies wiederum gibt kleinen Medienhäusern und freien Journalisten die Chance sich zu beweisen, hierbei liegt dann die Kunst in einer großen Masse zwischen Richtig und Falsch zu differenzieren...

Schreib' uns deine Antwort!

Welche Überschrift willst Du Deiner Antwort geben?

Wer hat heute noch Moral?

Verantwortung ist die Pflicht zu handeln. Schön und gut. Und wenn niemand guckt? Dann ist es eine Frage der eigenen Grundsätze: der Moral. Gibt es die heute noch?

Antwort schreiben

Conrad Schetter, Leiter des Internationalen Konversionszentrums Bonn (BICC)

Rüstungsexportnation ohne moral: „Frieden scheint nur noch etwas für träumer.“

Umfangreiche Panzer- und Waffenlieferungen in krisenregionen wie den Nahen Osten begründet die Bundesregierung mit der „Ertüchtigung“ gewisser Staaten, um regionale Stabilität zu schaffen. Über das Argument der (un-)Sicherheit werden grundlegende moralische Bedenken ausgehebelt und Rüstungsexporte in demokratieferne Staaten begründet, die es mit Menschenrechten nicht allzu genau nehmen. Deutschland steht mit einem Anteil zwischen ein und zwei Prozent am BIP an dritter Stelle der weltweiten Rüstungsexportnationen. Dabei hat die Bundesregierung 2004 die „Zivile Krisenprävention“ mit einem eigenen aktionsplan auf die politische agenda gesetzt. In bewusster Reflektion der Historie sah sich die „Zivilmacht“ Deutschland der Schaffung von Frieden verpflichtet. Von diesem Auftrag, der „Querschnittsaufgabe“ aller Ministerien werden sollte, hat sie sukzessiv Abstand genommen. Frieden scheint nur noch etwas für Träumer. Schleichend ersetzte das Wort „Sicherheit“ das des „Friedens“. Wirtschaftliche und politische Interessen überlagern eine moralische grundhaltung. Fraglich ist, ob die Rüstungsindustrie einen so wichtigen Wirtschaftsfaktor darstellt, dass bei der einhaltung von menschenrechten beide Augen zugedrückt werden können. Die Widersprüche zwischen einer moralisch dem Frieden verpflichteten und einer interessengeleiteten Politik sollten offen diskutiert werden. Wie Deutschland zum Frieden steht, berührt unser Selbstverständnis.

Ursula Ernst, Sprecherin des Deutschen Presserats

Journalismus als moralische instanz: „Die statistiken des Presserats zeigen eine deutliche Zunahme der beschwerden.“

Der leser erwartet von der berichterstattung Wahrhaftigkeit, Sorgfalt bei der recherche. Journalisten sollen unabhängig berichten können, es darf keine Einflussnahme von Wirtschaft und Parteien geben. der leser will keine sensationslüstern aufbereiteten Artikel. Er hält den Schutz seiner Persönlichkeitsrechte hoch und schätzt den Schutz der Privatsphäre. Er reagiert sehr sensibel auf derartige missachtungen der journalistischen ethik. der deutsche Presserat ist die Organisation, bei der die Beschwerden über Verfehlungen in den Printmedien und deren Online-Diensten eingehen. der von verlegern und Journalisten formulierte Pressekodex konkretisiert die berufsethik. in seiner Präambel ist festgehalten: Journalisten und verleger sind sich ihrer verantwortung, gegenüber der Öffentlichkeit und ihrer Verpflichtung, das Ansehen der Presse zu wahren, bewusst. Die Statistiken des Presserats der zurückliegenden Jahre zeigen eine deutliche Zunahme der Beschwerden. Das liegt einmal an der gestiegenen Sensibilität der leser und zum anderen an den Versuchen der Redaktionen, sich mit Grenzüberschreitungen gegen die Konkurrenz auf dem Markt zu behaupten und die eigene Auflage zu steigern. Die Rechnung wird nicht aufgehen. Zeitungsleser wollen seriös informiert werden, sie wollen die besonderen, gut recherchierten reportagen und geschichten lesen. Sie wollen nicht für dumm verkauft werden – nicht durch zu Sensationen aufgeblasene Banalitäten und schon gar nicht durch ver- kappte werbebeiträge.

Elisa Noack, Projektleiterin bei Abgeordnetenwatch.de

Politiker in der Pflicht: „Wichtige Forderungen dürfen nicht zu leeren Worthülsen Verkommen.“

Echter Bürgerdialog und eine transparente Politik – dass die Bereitschaft zu beidem eine grundlegende Voraussetzung für die Demokratie ist, würde aktuell wohl keine Politikerin und kein Politiker in Deutschland ernsthaft bestreiten. Doch wenn sich parteiübergreifend alle in diesen Punkten so einig sind, warum mangelt es dann immer wieder an der konkreten Umsetzung? Warum gibt es beispielsweise immer noch kein Gesetz gegen Abgeordnetenbestechung? Nebeneinkünfte von Abgeordneten müssen bislang nur stufenweise und nicht, wie schon lange gefordert, völlig transparent vom ersten Euro bis auf den letzten Cent veröffentlicht werden. Auch die unverzügliche Veröffentlichung aller Parteispenden über 10.000 Euro ist immer noch keine beschlossene Sache. Offenbar gibt es eine große Diskrepanz zwischen dem, was unter Abgeordneten und Kandidierenden als moralisch angemessen gilt und dem, was tatsächlich umgesetzt wird. Darin besteht eine große Gefahr! Wenn Politiker aller Parteien von Transparenz und Dialogbereitschaft sprechen, später aber nicht bereit sind, im Bundestag für entsprechende Gesetzesinitiativen zu stimmen, verkommen diese wichtigen Forderungen zu leeren Worthülsen. Die Bürgerinnen und Bürger fühlen sich als bloße Zuschauer im politischen Alltagsgeschäft. Dabei ist die Bereitschaft, mit Politikern und Politikerinnen in einen Dialog zu treten, ihnen kritische (Nach-) Fragen zu stellen und Anregungen zu geben, bei vielen durchaus vorhanden. Den Wünschen nach öffentlichem Dialog und nach Transparenz muss endlich entsprochen werden!

Dr. med. vet. Hermann Hohenester, Leser_In

Unser Grundgesetz definiert Grundlagen der Moral. Unsere obersten Gerichte handeln Moral bewusst. Evangelische Kirche, Gewerkschaften, eher ja. Die katholische Kirche und sogenannte Christ-Demokraten sehr wenig. Von der Masse der Politiker die wenigsten. Die Kanzlerin? Wenn ich ihre Untätigkeit, Unbestimmtheit und Macht-Sucht bedenke, dann hat sie keine Moral. Springer, Bertelsmann und Co, aus meiner Sicht ebenfalls keine. Industrielle Landwirtschaft, Lebensmittelindustrie, Tabakindustrie, Textilhandel, Dealer, Interessenverbände, Lobbyisten, Groß-Industrie, PR-Industrie, überhaupt keine.

Stefanie Römling, Leser_In

Ich? Ich weiß es nicht. Ein großes Wort, märchenhaft. Und die Moral von der Geschicht … woanders kaufen lohnt sich nicht. Mh wie bitter, dass mir das dazu einfällt.

Thomas Fix, Leser_In

Moral ist immer dann gut, wenn man mit dem Finger auf andere zeigen kann. Guck mal, der lebt aber unmoralisch, was der macht, ist doch moralisch nicht korrekt. Und schwupps, man kommt selbst in den Ruch der Morallosigkeit, weil man einen Fehler gemacht hat und nun zeigen alle Finger auf einen zurück! Es sind nur wenige Gestalten, einzelne Personen, die über Moral verfügen. Sie gibt es in den Kirchen, der Politik, in der Schule, Nachbarschaft, Familie, Freundeskreis, in der U-Bahn, im Kreissaal, in allen Wechselfällen des Lebens. Wir können oftmals selbst in Situationen kommen, wo wir moralisch handeln müssen, aber tatsächlich unmoralisch handeln. Daher: Moralisch ist der Mann (Frau) der Tat, der/die im Augenblick handeln, wenn es darauf ankommt und nicht vorher groß reden und dann nichts machen.

Schreib' uns deine Antwort!

Welche Überschrift willst Du Deiner Antwort geben?

Wie wirkt Inklusion?

Unsere Diskussion setzt dort an, wo die Bedenken in der Praxis entstehen: Was passiert wenn barrierefreie Teilhabe für alle umgesetzt wird. Wie wirkt sich ein inklusives Schul-/Erziehungssystem aus? Welche Auswirkung hat Barrierefreiheit in Alltag, Beruf und v.a. den Köpfen?

Antwort schreiben

Mark Terkessidis, Migrationsforscher und Publizist

Im interesse aller: „Statt an hergebrachten Vorstellungen von integration festzuhalten, braucht es einen Perspektivwechsel.“

besuche in berliner grundschulen können in diesen tagen regelrechte erweckungserlebnisse sein. Denn dort wird gerade der gesamte Unterricht auf JÜL umgestellt. Das bedeutet „jahrgangsübergreifendes Lernen“ und ist eine ziemliche Revolution im trägen Deutschland. In eine JÜL-Klasse gehen Kinder zwischen 6 und 9, mit und ohne Migrati- onshintergrund, behindert und nicht-behindert. Mindestens zwei Lehrer sowie Erzieher und Sonderpädagogen machen aus dem Unterricht ein tagtägliches Kunstwerk. Gut ausgeführt sorgt JÜL dafür, dass Kinder als Individuen betrachtet und gefördert werden – kleine Personen mit unterschiedlichen Voraussetzungen, Hintergründen und familiä- ren Referenzrahmen. Früher hat man die Schüler an einer Art „deutschen Norm“ gemessen und etwa bei den Kindern mit Migrationshintergrund nur Defizite festgestellt. mittlerweile aber sind diese kinder in allen deutschen Städten in der Mehrheit – in Frankfurt haben zwei Drittel der Kinder mindestens ein Elternteil, das selbst noch eingewandert ist. was also soll die „Norm“ sein? Anstatt weiter an hergebrachten vorstellungen von integration festzuhalten, braucht es einen Perspektivwechsel. Die Frage lautet heute: Sind unsere Institutionen „fit“ für die normale Vielfalt unserer Gesellschaft? Inklusion und Interkultur werden oft als Programme gesehen, die etwas „für“ Minderheiten machen sollen. Das ist grundfalsch: Es geht dabei um eine Erneuerung im Interesse aller!

Martin Fromme, Kabarettist und Moderator

Schamlos hemmungslos: „Inklusion wirkt entspannend im miteinander. schellen sie doch mal an.“

Behinderte haben Sex. Aus Mitleid. Mit Nicht-Behinderten. Weil die immer quengeln. Aber wir Behinderte müssen vorsichtig sein, denn manchmal kommen da Leute, die einfach nur mit uns schlafen wollen, weil es mal gerade hip und edgy ist. Und deswegen müssen wir bei der wahl des geschlechtspartners höllisch aufpassen. Da muss man auch schon mal sagen: „Frau Klum, beim besten Willen, also bei Ihnen sehe ich keine möglichkeit, dass wir den geschlechtsakt vollstrecken werden.“ Und dann geht die Klum wieder heulend nach Hause. Aber wir müssen hart sein. Wir können nicht jede nehmen. Und schließlich ist die Klum ja auch schon weit über 40. Das ginge von der Ästhetik gar nicht. da achten wir drauf. Die muss absolut top sein. Denn Sex mit Be- hinderten ist ein Mega-Event. Wer mit einem Rollstuhlfahrer schlafen möchte, der wird mit einem Flaschenzug an die Decke gezogen, ausgeklinkt, und muss ähnlich wie beim alten Computerspiel „Tetris“ den Geschlechtspartner passgenau treffen. Sonst schlägt man hart auf dem Betonboden auf und die Nächste wird an die decke gehievt. ein knallhartes Auswahlverfahren. Kleinwüchsige tragen Latex-Anzüge aus Boss-Plastiktüten, contergan-geschädigte lassen sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten ans Andreaskreuz fesseln. DAS GLAUBEN SIE NICHT? Stimmt. Wir sitzen tagtäglich in unseren dunklen höhlen und weinen. Schellen Sie doch mal an. Vielleicht sind wir ja zufälligerweise nackt.

Barbara Brokamp, Projektbereichsleitung „Inklusion“ bei der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft

Vor ort: „inklusiv zu handeln ist einfach und jeder schritt wirksam.“

Inklusiv zu handeln, ist ganz einfach und jeder kleinste Schritt ist wirksam. Auf allen Ebenen unserer Gesellschaft können – auch in kleinen Schritten und Gesten – gegenseitige Achtung, Wertschätzung und Verantwortungs- übernahme gelebt werden. Sie kön- nen dazu beitragen, dass Menschen nicht beschämt, sondern mit Respekt unterstützt werden; dass Menschen sich für neue Sichtweisen öffnen; dass zunächst schwierig erscheinende Situationen konstruktiv gelöst werden. In Kommunen, Organisationen, nah am Menschen, eben vor Ort, zeigen inklusive Prozesse des Diskutierens, Reflektierens, Verändernwollens und aktivwerdens auf allen ebenen wirkung: Wir überdenken unsere eigenen Vorurteile, reflektieren unsere Kommunikation mit anderen, sehen auf unser Team oder unsere Einrichtung mit anderen Augen, nehmen Barrieren wahr und bauen sie ab, entdecken neue ressourcen, chancen und Potentiale. Durch das einbringen dieser ganz unterschiedlichen Facetten bewirkt die größte ressource, die wir als Menschheit haben, nämlich unsere Vielfalt, Veränderungen im Großen wie im Kleinen. Ob in Nachbarschaften, Kommunen, Unternehmen, Parteien oder Regierungen – Inklusion ist weder eine beliebige fixe Idee noch ein Rezept, wie man „bestimmte Gruppen behandelt“ oder „integriert“. Inklusives Handeln ermöglicht vielmehr angemessenes, menschenwürdiges und gleichberechtigtes Umgehen aller miteinander – für eine Gesellschaft, in der ausnahmslos alle von einer selbstbewussten und die Realität der Vielfalt annehmenden Gemeinschaft profitieren.

Stefanie Lehmann, Leser_In

Inklusion ist keine Option – Inklusion ist die Zukunft --------------- Inklusion ist auch nichts, was wir mal machen, denn Inklusion beginnt mit meiner inneren Haltung! Die Haltung, mit der wir einen anderen Menschen sehen. Nicht bewertend sondern interessiert und gespannt darauf sind, was dieser Mensch einbringen wird. Welche besonderen Fähigkeiten sie oder er hat und gemeinsam herauszufinden, unter welchen Bedingungen diese Fähigkeiten sich entwickeln können. Es ist die Haltung, in der wir miteinander auf Augenhöhe umgehen. Gerade von LehrerInnen höre ich immer wieder: „wir sind doch gar nicht dafür ausgebildet!“ Tja, das war ich als Mutter auch nicht, als meine Tochter mit einer Beeinträchtigung auf die Welt kam. Aber ich habe durch sie lernen dürfen: dass Unterschiede spannend sind, dass Vielfalt bereichert und vor allem, dass die Normen, unter denen ich aufgewachsen bin, nicht das Maß aller Dinge sind. Ich habe gelernt zu sehen, zu fragen und zuzuhören! Vor allem habe ich gelernt anzuerkennen und wertzuschätzen. Diese kostbaren Erfahrungen hätte ich ohne die Behinderung meiner Tochter möglicherweise nicht gemacht. Dafür bin ich ihr dankbar.

Thomas Stoch, Leser_In

Inklusion ist ... wenn Integration anfängt Spaß zu machen ;-)

Dr. med. vet. Hermann Hohenester, Leser_In

Für mich, wenn ich hinschaue und mich einfühle, ist sie eine Hilfe zur Erkenntnis auf dem Weg zum Ganzen und Guten im unendlichen Sein.

Nina Krüger - Bundesvereinigung Lebenshilfe e.V., Leser_In

Inklusion bezieht sich nicht nur auf Menschen mit Behinderung, sondern auf alle: Männer, Frauen, Junge, Alte, Migranten, Hochbegabte…Es geht auch nicht nur um Schule, sondern um einen neuen Umgang mit gesellschaftlicher Vielfalt. Alle sollen dazu gehören, in allen Bereichen. Die Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, Ulla Schmidt, hat es so formuliert: „Inklusion ist eine Weiterentwicklung der Demokratie. Um sie umzusetzen, muss man selbstbewusst sein und manchmal nerven.“

Stefanie Römling, Leser_In

Sie kann eine Gemeinschaft komplett (zer)stören oder wunderbar bereichern. Da muss jeder Fall wirklich ganz individuell und gewissenhaft beurteilt werden.

Christine Scherer, Leser_In

Inklusion ist eine großartige Idee. Nur die Voraussetzungen müssen stimmen: - Infrastruktur - Engagierte und zur Zusammenarbeit, z.B. mit fachlichen Schulbegleitern, geeignete Pädagogen - Geeignete Schüler - Kleine Klassen - Positive Einstellung der Eltern mit Kindern ohne \"Behinderungen\" Leider fällt dies oft. Deshalb wird es die Umsetzung der Inklusion - gerade unter Zeitdruck- sehr schwer haben!

Ulli Vogel, Leser_In

Inklusion wirkt bisher kaum, da lediglich erste, kleine Schritte gegangen sind. Und solange wie Inklusion nicht aus den 100%igen Einnahmen des Soldidaritätszuschlages finanziert wird, wird es lange, lange bei kleinen Schritten bleiben...

Nicolaus2013, Leser_In

...leider bislang nochviel zu wenig. Aber wenn sie wirklich gewollt (!) ist, dann wirkt sie radikal in alle Lebensbereiche. Denn Inklusion ist nicht ein Prozess, der sich nur auf Menschen mit Behinderung beschränkt, sondern alle (!) Lebensbereiche betrifft! Aber keine Sorge, alles wird sich leider nur im Schneckentempo entwickeln. ;-)

Miriam Langhoff, Leser_In

In meinem Umfeld sagte mal jemand recht treffend: \"Inklusion ist keine Einbahnstraße\". Das trifft so ziemlich den Nagel auf den Kopf, wie ich finde. Bin, von Geburt an, querschnittsgelähmt und habe die Erfahrung gemacht, dass man selbst aktiv werden muss. Ich sehe meine Behinderung nicht als meinen Lebensmittelpunkt und versuche völlig offen auf Menschen zuzugehen. Damit nehm ich den meisten schonmal die erste Hemmschwelle. Ich versuche, im Rahmen meiner Möglichkeiten, ein ganz normales und glückliches Leben zu führen. Dazu gehört es, meiner Meinung nach, auch dass ich die gleichen Rechte, aber auch die gleichen Pflichten wie Nichtbehinderte habe. Will ich ein gleichwertiges Glied unserer Geselschaft sein, darf ich nicht nur vordern, sondern muss auch etwas von mir Geben.

Lisa Reimann, Leser_In

Die Wirkung von Inklusion setzt ein, wenn Unterschiede als Bereicherung erkannt wurden. Dafür ist eine hohe Dosis von \"Inklusion\" notwendig, was bedeutet, dass sie in ALLEN Bereichen umgesetzt werden muss. Die Zunahme an Toleranz und Empathie wird sich dann lebensgefährlich auswirken. Weitere Folgen sind gleichberechtigte Teilhabechancen für alle und die rapide Abnahme von Diskriminierungen. Die dämpfende Wirkung auf den Egoismus ist besonders hervorzuheben. Als Mittel mit multitherapeutischen Ansatz wirkt Inklusion gegen die Vermehrung von Vorurteilen, Ignoranz und sozialer Kälte ebenso wie für ein starkes Wir-Gefühl, Gemeinschaft und Solidarität. Veranstaltungen, an denen Rollstuhlfahrerinnen/Rollstuhlfahrer nicht teilnehmen können treten nur noch bei einer Wahrscheinlichkeit von 0,000001% auf, nämlich dann, wenn der Veranstalter versehentlich das illegale Medikament „Exklusion“ eingenommen hat. Gerade in Bildungseinrichtungen sollte man Kindern Inklusion reichlich verabreichen. Jahrzehntelange Risikochecks im Bildungsbereich haben ergeben, dass getrennter Unterricht schadet. Vom inklusiven Lernen profitieren alle Schülerinnen/Schülern. Während die derzeitig überproportional hohe Arbeitslosenquote von Menschen mit Behinderung bei der Einnahme von „Inklusion“ sinkt, steigt die Anzahl von Jugendlichen mit Behinderung mit qualifiziertem Schulabschluss. Risiken- und Nebenwirkungen entfallen, da das Gesellschaftskonzept „Inklusion“ bei konsequenter Umsetzung jeden Menschen berücksichtigt. Die ganze Sache hat nur einen Haken: Wie kann den Mitgliedern des Deutschen Bundestages „Inklusion“ verabreicht werden?

Volker Westermann, Leser_In

ich habe Barrieren immer als Chance gesehen - selten als Strafe. Mit meinen gerade mal 120 cm Körpergröße muss ich fast in jedem Supermarkt, an jedem Lift und an vielen Türen um Hilfe bitten. Dabei habe ich schon wirklich wunderbare Begegnungen mit Menschen erleben dürfen, die mir als 1,80 Normalo ohne Rollstuhl sicher verwährt geblieben wären. Ich sehe mein Leben, wie ich es führen darf, als Geschenk, das von außen betrachtet vielleicht erst auf den zweiten Blick schön ist - und genau so ist es für mich perfekt!

Schreib' uns deine Antwort!

Welche Überschrift willst Du Deiner Antwort geben?