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Was kostet Wärme?

Die Heizkosten liegen bei etwa 0,07 Euro pro Kilowattstunde. Aber welche Kosten kommen noch hinzu? Und welchen Wert hat Wärme im menschlichen Miteinander?

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Dr. Steffen Bukold, Gründer des Forschungs- und Beratungsbüros Energy Comment

Wer arm ist, kann sich keine Modernisierung leisten und zahlt mehr: „Reich versus Arm – die Schere öffnet sich auch beim Heizen.“

Raumwärme verschlingt 31% unseres Energieverbrauchs. Sie ist der größte Posten unserer Energiebilanz. Und der Teuerste: Für die meisten Haushalte war 2013 das teuerste Heizjahr der Geschichte. Allerdings nicht für alle: Hier die gut isolierten, mit modernen Heizanlagen ausgestatteten Neubauten und vollsanierten Altbauten, dort die kaum gedämmten, von alten Ölbrennern versorgten Bestandsbauten. Reich versus Arm – die Schere öffnet sich auch hier. Heute werden 49% der Wohnungen mit Erdgas geheizt, 29% mit Öl, der Rest mit Fernwärme (13%), Strom (5%), Wärmepumpen, Kohle oder Holz. Das größte Problem sind die alten Ölheizungen. Noch immer leisten wir uns den Luxus, fürs Heizen jährlich 13 Millionen Tonnen Öl zu verbrennen. Das entspricht einer Kette von Tanklastzügen von Hamburg bis Afghanistan. Kein Bauherr ist noch so waghalsig, eine Ölheizung einzubauen oder bei der Isolierung zu sparen. Überspitzt gesagt besteht das Problem ja nicht darin, Wärme zu erzeugen, sondern sie daran zu hindern, die Wohnung wieder zu verlassen. Schafft man das, reicht eine kleine Heizanlage aus. Öl und Gas werden im langjährigen Trend immer teurer werden, das bestreitet kein Experte. In den letzten zehn Jahren waren es +150% bei Öl, +50% bei Erdgas. Aber auch Holzpellets ziehen kräftig an. In schlecht gedämmten Häusern sind die Heizkosten zwei- bis fünfmal höher als im Neubau. Der Königsweg liegt auf der Hand: Energetische Sanierung ist allemal vernünftiger, als noch einmal 50 Jahre Öl und Gas durch den Schornstein zu jagen.

Heiner Cuhls, Leiter der Initiative „Native Power“

Meine Heizung kostet gar nichts: „Unsere Küchenabfälle und Grünzeug landen in einer Kleinst-Biogasanlage.“

Energie benötigt eine Produktionsfläche, eine Infrastruktur zur großflächigen Verteilung, ein Netzwerk in der Stadt, ein Netzwerk im Haus und eine Verteilung in der Wohnung. Es sind also nicht nur die 26 Cent, die durch den Zähler rauschen. In der Rechnung fehlen Infrastrukturkosten inklusive deren Wartung und Erneuerung. Vor diesem Hintergrund ist die dezentrale Erzeugung von Wärme eine der letzten Bastionen für mehr Verantwortung in Bürgerhand. Den Grundstein legte in den 1970er Jahren das französische Forstwirts-Ehepaar Ida und Jean Pain. Ihrer Zeit gut 40 Jahre voraus erdachten und benutzen sie Biomeiler.Diese Technik nutzen wir bei uns zuhause, angepasst an den Stand der Technik, seit meine Tante das Haus in den 1970er Jahren gekauft hat. Der Garten übernimmt die komplette Energieversorgung von vier Personen. Unsere Küchenabfälle und Grünzeug landen in einer Kleinst-Biogasanlage. Hinterm Haus tuckert ein kleiner Generator und erzeugt drei bis sechs Kilowatt Strom, die Heizung und Warmwasser laufen über den Biomeiler. Oder vereinfacht ausgedrückt: In unserem Komposthaufen steckt ein Wärmetauscher! Der so entstandene Strom und die Wärme lassen sich von der Entstehung bis zum erneuten Einsatz genau ermitteln. Für die Ökobilanz besonders vorteilhaft ist die Mehrfachnutzung der holzigen Grünabfälle. Sie werden nicht verbrannt, sondern stehen nach der energetischen Nutzung noch als hochwerti- ger Kompost zur Verfügung.

Rasmus Helveg Petersen, Dänischer Minister für Klima, Energie und Bau

Fernwärme treibt unsere Wärmewende: „Fernwärme ist ein Schlüsselelement für den Umstieg auf Erneuerbare Energien.“

In Dänemark wird die Wärmeerzeugung zu großen Teilen durch Fernwärme gedeckt. Ungefähr 60 Prozent aller dänischen Haushalte beziehen Fernwärme. Sie ist ein Schlüsselelement für den Umstieg auf Erneuerbare Energien. Gleich mehrere Initiativen sind diesbezüglich in der dänischen Energiestrategie von 2012 vorgesehen. Durch die Nutzung Erneuerbarer Energien sowie der Weiterverwertung von Wärme bei der Müllverbrennung und in der Industrie sind die Heizkraftwerke eine treibende Kraft der grünen Transformation. In Kombination mit intelligenten Energiesystemen wird zudem eine sinnvolle Einbindung des unregelmäßig erzeugten Windstroms ermöglicht, der Wärme direkt oder mittels Wärmepumpen erzeugt. Die Fernwärme in unserem Land wird entweder in Fernwärmewerken oder in kombinierten Strom- und Wärmewerken produziert. Letztere verbrennen 30 Prozent weniger fossile Energieträger im Vergleich zur separaten Erzeugung von Strom und Wärme. Weil Fernwärme oft billiger ist als individuelle Wärmeerzeugung, zahlten im letzte Jahr weniger als ein Prozent der dänischen Fernwärmeabnehmer mehr, als sie die private Erzeugung mit Ölbrennern gekostet hätte. Im Vergleich zu den Kosten einer Gasheizung zahlten nur fünf Prozent mehr. Deshalb wird Fernwärme weiterhin eine wichtige Rolle im Energiesystem Dänemarks spielen. Sie sichert dessen Transformation zu einem intelligenten System, das einzig und allein durch Erneuerbare Energieträger gespeist wird.

Dr. Kati Jagnow, Professorin für Energiebilanzierung und energetische Sanierung an der Hochschule Magdeburg-Stendal

Achtung, Fehlerquelle

Je nachdem, an welchem Punkt in der Wärmeversorgung die Kosten gemessen werden, unterscheidet sich das Ergebnis. Ich möchte das an einer Wärmeversorgung mit Erdgas verdeutlichen. Die reinen Energieträgerkosten liegen beispielsweise bei 0,07 €/kWh. Es fallen aber auch Zählergebühr, Anschlusskosten usw. an – wenn man diese Kosten auf die Kilowattstunde umlegt, liegt der Vollkostengaspreis bei 0,08 €/kWh. Dann wird der Wärmeerzeuger betrachtet. Ein Gaskessel hat Verluste, so dass die Energie insgesamt teurer wird. Bei einem Nutzungsgrad von 89 Prozent steigt der Wärmepreis auf 0,09 €/kWh. Die gleiche Überlegung kann man auch für das gesamte Netz im Gebäude anstellen, so dass die Wärme, wenn sie am Heizkörper ankommt, noch etwas teurer ist. Andere Aufschläge ergeben sich, wenn Anschaffungs-, Wartungs- und Instandhaltungskosten auf den Wärmepreis aufgeschlagen werden. Dann kann die Wärme aus diesem Kessel einen Vollkostenwärmepreis von 0,12 bis 0,15 €/kWh aufweisen. Diese Rechnung lässt sich für jede Art der Wärmeerzeugung aufstellen. Es ergeben sich jeweils vergleichbare Preise – bei immer anderer Preiszusammensetzung. Und auch Wärme, die man zum Beispiel nach einer Wärmedämmmaßnahme nicht mehr verbraucht, kostet. Wenn die Investition auf die gesparten Kilowattstunden umgelegt wird, ergeben sich „äquivalente Energiepreise“. Größenordnung der Ersparnisse bei wirtschaftlichen Maßnahmen: maximal 0,12 bis 0,15 €/kWh.

Bernd Hillebrecht, Leser_In

Der Verbrauch muss optimiert werden. Die größten Verbraucher der Heizwärme sind der Lüftungswärmebedarf, der schlechte U-Wert der Fenster und die automatische Anpassung an den Bedarf. Isolierorgien, wie es die EnEV 2014 vorschreibt, rechnen sich nur für die Unternehmen. Bei Neubauten muss er Einbau von Flächenheizungen gefördert werden. Die niedrigen Temperaturen bei z.B. Brennwertheizungen, Wärmepumpen und oder Solarunterstützung lassen die Erzeugungskosten sinken. Des weiteren müssen \"mini\"-Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung gefördert werden. \"mini\" bedeutet ca. 80 - 100 m³/h

Arthur Rohmeier, Leser_In

Die Investitionskosten einer neuen Heizung verhalten sich recht proportional zu den Energiesparpotenzialen. Je mehr die Heizung kostet, umso effizienter heizt sie also. Ähnlich dem Vorgehen eines profesionellem Anleger sollten die Überlegung nicht sein, wie die vorhandenen Mittel einzusetzen sind, sondern welcher Einsatz die beste Verzinsung erbringt. Als Faustregel gebe ich meinen Kunden stets zur Hand, dass je älter das Haus ist, umso mehr Renditemöglichkeiten gibt es, umso mehr lohnt es sich zu investieren. Die Kredite für energetische Sanierungen werden gefördert, idealerweise zahlen die Einsparungen bei den Heizkosten gleich die Raten ab.

Nina H., Leser_In

Wenn ich mancherorts sehe wie in der Wohnung alle Türen offenstehen, die Heizung beim nach Hause kommen voll hochgedreht wird und wenns dann zu heiß wird mit dem Fenster wieder runtergekühlt: zu wenig.

Samuel Chan, Leser_In

Eine neue Heizung ist teuer, der umweltfreundlichste ist am teuersten. Das ist schade, denn nicht alle haben soviel Geld. Aber dann spart es auch viel Heizkosten. Ich muss noch sparen um zu sparen!

Stephen Waider, Leser_In

Im Winter ohne Mütze rausgehen

Eli, Leser_In

Bei was kostet Wärme finde ich schön, dass die Erzeugung oder Verlust gemeint sein können. Je nachdem wo man Subjekt und Objekt in der Frage sieht. Was die Wärme zu machen kostet, kann ich nicht genau beziffern. Welche Sachen allerdings Wärme kosten, weiß ich ganz genau wenn ich an der Balkontür vorbeilaufe!

Kurt Waldmann, Leser_In

Bei der Entscheidung für die richtige Heizungsart gibt es mittlerweile ja einige Alternativen. Hier sollte jeder für sich abwägen, ob Ökologie oder Ökonomie für ihn wichtiger ist. Angesichts der jüngste Entwicklung bei unserem Gaszulieferer Nr.1 wird deutlich, dass die kurzfristig ökonomische Entscheidung langfristig nicht doch die falsche war. Die Abhängigkeit von Importen fossiler Brennstoffe wie Gas oder Öl beängstigt mich. Alternativen sollten daher schnell gefunden werden und auch wenn diese anfangs subventioniert werden müssen, würde ich als Hausbesitzer ein Umrüsten gerne in Erwägung ziehen. Einige Jahre soll das Eigenheim ja noch stehen und meine Kinder freuen sich sicherlich auch noch über eine warme eigene Wohnung.

P.S., Leser_In

Um sowohl die Kosten für Wärme als auch den durch Wärmeproduktion verursachten CO2-Ausstoß zu senken, muss m.E. neben Einsparmaßnahmen wie der energetischen Gebäudesanierung vor allem das individuelle Verbrauchsverhalten hinterfragt und angepasst werden. Dies bedeutet bewusst, kontrolliert und sparsam zu heizen sowie warmes Wasser zu verbrauchen. Hier liegt denke ich, dass wahrscheinlich größte Einsparpotenzial.

Maximilian von Stein, Leser_In

Reibung erzeugt ja bekanntlich Wärme. Als Eigenheimbauherr und Familienvater verfüge ich über genug Erfahrung über reibende Kräfte bei der Realisierung unseres Eigenheimprojekts. Positiver wie negativer Natur, denn ein derartiges Vorhaben bringt Spaß und Herausforderungen zugleich. Um mir Beschwerden über fröstelnde Füße meiner Familie während des bekanntlich langen Berliner Winters zu erparen, setzte ich von vornherein auf das effektivste Energiekonzept. Eine Kombination aus effizienter Wärmedämmung und intelligentem Heizungseinbau- sowie verhalten sorgt nun dafür, dass meine Liebsten auch während strenger Temperaturen im wohlich warmen Wohnzimmer die Vorzüge unseres Eigenheims genießen können. Ich rate allen Häuslebauern sich frühzeitig mit verschiedenen Beheizungsmöglichkeiten vertraut zu machen, denn vom klassischen und durchaus romantischen Holzkamin bis zur Kraft-Wärme-Kooplung hat das German Engineering diverse interessante und zielführende Lösungen hervorgebracht. Wärme erzeugt Wohlsein. In diesem Sinne wünsche ich viel Vergnügen mit Ihrem Eigenheim.

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Wie wird Beruf zur Berufung?

Was würden Sie arbeiten, wenn für Ihr Einkommen gesorgt wäre? Diese Frage wird von Beratern und Co. gerne angewandt, um vom „ich würde“ zum „ich möchte“ zu wechseln. Lässt sich beides verbinden? Ist Ihr Beruf auch Ihre Berufung? Oder nur Brotbringer? Erzählen Sie uns Ihre Erfahrungen, wir drucken Sie!

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Maren Heinzerling, Initiatorin der „Lernwerkstatt Zauberhafte Physik“

Mein Beruf war mein bester Freund: „Technik ist spannend, denn es gibt unendlich vielfältige Menschen und Aufgaben.“

Wer weiß schon mit 18 Jahren, was ihn ein Leben lang interessieren wird, was er besonders gut kann und an welcher Stelle er nützlich wäre? Man möchte ja gebraucht werden. Ich studierte Allgemeinen Maschinenbau, weil mein Bruder und mein Vater Ingenieure waren – ohne ein genaues Bild davon zu haben, was mich dabei erwartete. Wegen meines kleinen Sohnes arbeitete ich anfangs als Teilzeitkraft. Ich konnte keine Personalverantwortung übernehmen und wurde an den Stellen eingesetzt, wo es brannte. Technik ist spannend, denn es gibt unendlich vielfältige Menschen und Aufgaben. Erst weiß man nicht, wie man das Problem angehen soll. Doch man ist nicht allein: Man arbeitet im Team, liest sich ein – und plötzlich ist die Lösung da. Als Eisenbahningenieurin habe ich geholfen, Nahverkehrssysteme in fernen Ländern zu realisieren und in unserem Land zu optimieren. Ich reiste, arbeitete mit Menschen aus anderen Kulturen, lernte ständig dazu und wurde zunehmend um Rat gefragt. Mein Selbstvertrauen wuchs und mein Beruf wurde mein bester Freund, der nie langweilig war und auf den ich mich stets verlassen konnte. Jetzt bin ich 75 Jahre alt; meine Arbeitskraft als Ingenieurin wird nicht mehr gebraucht. Aber ich möchte viele junge Menschen für diesen spannenden Beruf gewinnen. Wie? Mit meinen Projekten „Zauberhafte Physik in Grundschulen“ und „Zauberhafte Physik mit Lesekisten“. Natürlich glaube ich an den Erfolg meines Tuns!

Schwester Anna, Nonne im Kloster St. Marienthal

Mein Beruf rief mich: „Folgen Sie ‚dem Ruf‘, ist das ein ganz neuer Start.“

Grundsätzlich ist die Entscheidung, ins Kloster einzutreten, eine Antwort auf den Anruf Gottes. „Der Ruf“, wie er gern genannt wird, oder eben „die Berufung“. Wenn man diesen Ruf hört, wird alles andere nebensächlich, es ist einem klar, welchen Weg man in seinem Leben gehen möchte. Dem einen fällt die Antwort auf diesen Ruf leichter als dem anderen, z.B. wegen des Verzichts auf eine eigene Familie oder ein komplett selbstbestimmtes Leben. Dem einen fällt es leicht, sich ins Klosterleben einzugewöhnen, andere suchen jahrelang nach dem „richtigen“ Orden bzw. Kloster. Dem Ruf zu folgen bedeutet also immer noch, den Einklang von persönlichen Eigenschaften und den Lebensvorstellungen des Ordens zu finden. Denn letztlich ist auch jeder Lebensweg so unterschiedlich, wie die Menschen selbst. Manche treten direkt nach dem Schulabschluss ein, manche absolvieren erst noch ein Studium oder eine Ausbildung. Je nach Anforderung des Klosters. Folgen Sie dem Ruf, ist es ist ein ganz neuer Start; ein ganz anderes Leben. Ordensleben ist so vielfältig, Berufung so vielschichtig, dass wenige Sätze dafür nicht ausreichen. Als Ordensleute wollen wir die Vielfalt auch nach außen hin erlebbar machen. Natürlich bedeutet dieser Raum für viele Ordensmenschen auch Ruhe und inten- sive Stille, aber Veranstaltungen wie der „Tag der offenen Klöster“ (findet dieses Jahr am 10. Mai statt) sind Beispiele für eine Öffnung der einzelnen Gemeinschaften und Lebensräume.

Carolin Silbernagl, Gründerin von dotHIV, der ersten gemeinnützigen Domain-Endung

Meine Arbeit für eine bessere Welt: „Ich hatte 1.000 Ideen und konnte drei Nächte lang nicht schlafen.“

Es begann damit, dass ein Freund mir von seinem Einfall erzählte, eine neue Domain-Endung einzurichten. Statt kommerziellen Endungen wie .com oder .hotel eine gemeinnützige Endung, die Spenden generiert. „Ich weiß nicht, wie es mit der Idee weitergehen soll“, sagte er. „Hast du eine Idee?“ Ich hatte 1.000 Ideen und konnte danach drei Nächte lang nicht schlafen. Die Arbeit an dem Projekt, das mir so in den Schoß gefallen ist, nimmt sehr viel Zeit ein. Ich bin gerade in Elternzeit und trotzdem sehr viel mit dem Projekt beschäftigt. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es einen Ort gibt, an dem ich mehr bewirken und mehr wachsen könnte. Dazu beizutragen, dass die Freiheit von existenziellen Sorgen, die wir in den reichen Ländern genießen, so viele Menschen wie möglich erreicht, hat mich schon immer viel mehr gereizt und angetrieben als die Zahl auf dem Gehaltscheck. Gemessen an meiner Ausbildung und der Arbeitsbelastung verdiene ich nicht viel. Natürlich hat meine Einsatzbereitschaft auch Grenzen, ich bin keine Märtyrin – wenn das Projekt richtig läuft, möchte ich angemessen entlohnt werden. Es gab auch Durststrecken, da habe ich viel eingesetzt und wenig zurückbekommen. Aber ich glaube an die Idee und treffe immer wieder Menschen, die davon genauso begeistert sind wie ich. Das gibt Kraft. Und mein Team und ich waren erfolgreich: Im Juli gehen die ersten .hiv-Domains online.

Dr. Michael Bebenek, Sportwissenschaftler

Ein Traumjob kann zur Qual werden: „Die körperliche Anregung einer Arbeit kann diese zur Berufung machen.“

Ein Job, der einen erfüllt, der einen Sinn hat, das macht für mich einen Beruf zur Berufung. Ein solcher Job sollte neben der geistigen auch die körperliche Gesundheit kultivieren! Die Anforderungen der heutigen Arbeitswelt beeinflussen nämlich unser Bewegungsverhalten und damit unsere Gesundheit maßgeblich. Besonders Berufsgruppen mit geringem körperlichen Aktivitätsgrad zeigen ein deutlich erhöhtes Erkrankungsrisiko für Diabetes, Rückenleiden und Herz-KreislaufErkrankungen. Zeitgleich führt eine hohe Arbeitsdichte, Zeitdruck oder das Ausführen monotoner Tätigkeiten immer häufiger zu einer vermehrten Stressbelastung im Beruf – eine gefährliche Kombination. Bewegung als Therapeutikum ist absolut empfehlenswert! Sie besitzt ein breites physiologisches Wirkungsspektrum und beeinflusst nahezu alle Organsysteme günstig. Werden Belastungsreize und -inhalte richtig gewählt, können konditionelle und psychosoziale Gesundheitsressourcen bedeutsam gestärkt werden. Untersuchungen zu Arbeitsplatzprogrammen belegen nachweislich die positive Wirkung von körperlichem Training auf die Arbeitsfähigkeit, Leistungsbereitschaft und den Krankenstand. Auch wenn es nicht auf den ersten Blick ins Auge fällt, bin ich persönlich der Überzeugung, dass die körperliche Anregung einer Arbeit diese ebenso zur Berufung machen kann. Und nebenbei lernen Sie beispielsweise bei gemeinsamen Sportpausen noch Ihre Kollegen besser kennen.

Frank Hauser, Geschäftsführer des Great Place to Work Instituts Deutschland

Erfolg alleine macht nicht glücklich: „Nie war der Einzelne so wichtig für den Erfolg.“

Ein wichtiger Hinweis, dass man es im Leben an die richtige Stelle geschafft hat, ist, dass man dort Erfolg hat. Eigene Fähigkeiten anzuwenden und wirksam werden zu können ist einer der Mega-Motivatoren im Leben. Dennoch spüren immer mehr Menschen, dass Erfolg im Beruf alleine nicht glücklich macht. Woher kommt das? Der notwendige Einsatz ist hoch, Ziele entsprechen oft nicht den eigenen, stetiger Wandel verlangt das Ertragen von Unsicherheit. Erfolgreiche Arbeit fordert hohe Einsatzbereitschaft und Flexibilität, Kompetenz und Kreativität, Risiko- und Verantwortungsbereit- schaft. Dies funktioniert auf Dauer nur, wenn sich der Mensch als Ganzer einbringen kann. Neben der Suche nach Wirksamkeit tritt daher die Sehnsucht nach mehr Sinnhaftigkeit im Beruf. Ziele, die zu erreichen sind, sollen zu den eigenen passen. Ebenso die Werte und Prinzipien, die der Arbeit zugrunde liegen. Hier ist das Feld, in dem Beruf zur Berufung werden kann. Ist dies realistisch zu erreichen? Ja! Unternehmen sind auf engagierte Mitarbeiter angewiesen, nie war der Einzelne so wichtig für den Erfolg. Arbeitgeber lernen das. Sie gestalten die Arbeit flexibler und individueller um die Anforderungen ihrer Beschäftigten herum. Dies ist eine Chance, die genutzt werden sollte. Für den Einzelnen gilt es, sowohl seine Stärken als auch seine Werte und Leidenschaften zu erkennen und in den Beruf einzubringen. So entsteht sinnvoller Erfolg, der uns der Berufung nahe bringt.

Dr. Lars Goebel, Bereichsleiter Personal

Meine Motivation: zufriedene Kunden: „Berufung heißt für mich, mit voller Überzeugung für unsere Kunden das Beste herauszuholen.“

Ich will Spaß an meiner Arbeit haben, ich möchte mich einbringen können, und ich möchte abends, wenn ich nach Hause komme das Gefühl haben, dass es sich gelohnt hat arbeiten zu gehen, dass ich einen Mehrwert geschaffen habe, für andere Menschen, für die Unternehmen und gerne auch für mich. Damit ein Beruf zur Berufung wird, sind beide Seiten gefragt, Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Zu einer Berufung gehört immer auch eine besondere Einstellung zum Unternehmen, zu den Unternehmenszielen, den Produkten oder Dienstleistungen des Unternehmens. Ob Anerkennung und Wertschätzung durch Vorgesetzte und Kollegen, faires Gehalt und ansprechende Bonussysteme, Arbeitszeitflexibilisierung und Kinderbetreuung, die TARGOBANK hilft ihren Mitarbeitern dabei, aus dem Beruf eine Berufung werden zu lassen, indem sie die richtigen Rahmenbedingungen schafft. Nicht umsonst wurde die TARGOBANK zum achten Mal als „TOP Arbeitgeber“ ausgezeichnet, erhielt den Corporate Health Award für ein vorbildliches Gesundheitsmanagement und erhielt auch die Auszeichnung „Club der Besten“. Bei der TARGOBANK fällt es mir und meinen Kollegen leicht, den Beruf zur Berufung werden zu lassen. Für mich und viele meiner Kollegen ist das immer dann erreicht, wenn wir jeden Tag aufs Neue unseren Kunden und Kollegen durch unser Können, unser Wissen und unsere Haltung helfen können. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich empfinde Freude oder Glück, wenn ich ein Problem lösen konnte und jemand anderen damit glücklich machen konnte.

Dr. Sven Grotendiek, Leser_In

Manche Menschen bekommen Mut und folgen bereits bei der Auswahl ihres Berufes der Stimme ihres Herzens. In meinem Leben gab es ein solches Geschenk, allerdings im Abstand von nahezu 20 Jahren, gleich zweimal: Zuerst Anwalt, Strafverteidiger. Und gegen alle damaligen Unkenrufe – trockene Paragrafen, zu viele Juristen, „Ganoven“ haben kein Geld usw. – eine echte Berufung, denn an wohl kaum etwas Anderem hätte ich seinerzeit mehr Freude gehabt. Dann die Zäsur meines Lebens: der Tod meines ältesten Sohnes. Von da an ganz neue Wege: Mit über 50 noch einmal eine Ausbildung zum Altenpfleger, die bis 2016 andauert. Ohne diesen geschenkten Mut würde das gewiss nicht gehen; nein, nicht ohne diesen neuen Mut, jetzt der ganz anderen Stimme meines Herzens zu folgen. Und so lebe ich sie wieder: meine Berufung. Täglich.

Gudrun Rehmann, Leser_In

Ich lese immer „Beruf“ und „mein Beruf“?! Alle, die sich geäußert haben, füllten also lebenslang e i n e n Beruf aus?! Das ist vielen Menschen nicht vergönnt (oder zugemutet). Ich bin nacheinander Lehrerin, Krankenpflegerin (meine Mutter wurde bettlägerig) gewesen, habe dann für die örtliche Zeitung Konzerte besprochen und nebenher Orgelunterricht genommen, um Organistin zu werden, womit ich bis heute (mit 75) in einer Kirchengemeinde angestellt bin, Was verband diese Berufe und könnte als „Berufung“ aufgefasst werden? Ich vermute, es war überall die Aufgeschlossenheit für andere Menschen, denen ich etwas vermitteln wollte, was die bereicherte. Dazu fühle ich mich aufgerufen, das macht mich glücklich und leistungsfähig.

Rita Schilke, Leser_In

Meine Berufung zum Aufräumcoach – Professionelles Aufräumen als Berufung Noch zu DDR-Zeiten machte ich eine Ausbildung als „Facharbeiterin für Umschlagprozesse und Lagerwirtschaft“, in deren Folge ich erste Berufserfahrungen u.a. in Logistik sammelte. Später wechselte ich in die mobile Hauskrankenpflege und lernte, wie viel Freude es mir macht, mich auf unterschiedliche Menschen mit ihren jeweils ganz persönlichen Bedürfnissen einzustellen und ihnen in ihrem Alltag behilflich zu sein. Nicht zuletzt der seelische Beistand, den ich dabei – fast wie nebenher gab – ist ein so wichtiger und leider oft vernachlässigter Aspekt dieser Arbeit. Aber erst, als ich über einen Zeitungsartikel, auf mein jetziges Aufgabengebiet als Aufräumcoach aufmerksam wurde, spürte ich, dass ich meine Berufung gefunden habe. Als Aufräumcoach verbinde ich in für mich idealer Weise meine bisherigen beruflichen Erfahrungen mit meinem aus mir selbst kommenden starken Bedürfnis nach Struktur, Ordnung und Harmonie. Dass ich dabei den unterschiedlichsten Menschen aus allen Altersgruppen in den verschiedensten Lebenslagen zur Seite stehen und sie bei ihrem speziellen Aufräumproblem unterstützen kann, macht mich immer wieder aufs Neue glücklich und zufrieden. Kontinuierlich mache ich dabei die Erfahrung: Aufräumen ist gut für die Seele. Und ein wenig stolz bin ich daneben auch, dieses für viele immer noch neue Berufsbild mit meiner Persönlichkeit prägen und gestalten, d.h. also meine Berufung auf diese Art leben zu können.

Nick Melekian, Leser_In

Im Wort ‚Berufung‘ steckt der Begriff ‚Ruf‘. Wer berufen ist, folgt einem inneren Ruf, der nicht rational erklärbar ist. Einem tiefen inneren Gefühl, einer Herzenssache. Der Berufene weiß, dass das, was er tut, genau richtig ist und so sein soll. Eine Berufung hat den Charakter eines Auftrages, welcher oft verflochten ist mit idealistischen Werten oder eigenen Talenten. Nicht verwunderlich ist also, dass von Berufung oft gesprochen wird, wenn es sich um Berufe im sozialen, gemeinnützigen oder religiösen Bereich handelt. Vielen dieser Berufe ist gemein, dass deren Entlohnung oft weit unter der einer Tätigkeit in Wirtschaft oder Industrie liegt. Das erhärtet die Einschätzung, es mit Berufen zu tun zu haben, die von einer starken idealistischen Komponente geprägt sind. Warum sonst sollte sich ein Mensch für einen weniger gut bezahlten Job entscheiden, wenn er als Industriearbeiter viel mehr verdienen könnte? Offensichtlich geht mit manchen Berufen eine größere Erfüllung einher als mit anderen. Besonders augenfällig ist dies bei Menschen, die ihren Beruf aufgrund einer besonders ausgeprägten Begabung wählen, wie es zum Beispiel bei Künstlern, Sportlern oder Wissenschaftlern der Fall ist. Ganz gleich wie Berufung definiert wird – sie steht für höchste Arbeitsmotivation, die selbst schwierige Arbeitsbedingungen erträglicher werden lässt. Wer einen inneren Ruf, eine Berufung hin zu einer bestimmten Tätigkeit verspürt, hat also eine mächtige, tief erfüllende Motivation, dieser zu folgen. Meine persönliche Erfahrung zeigt allerdings, dass sehr viele Menschen bereits froh sind, wenn sie überhaupt einen Sinn in ihrer Arbeit erkennen können und einfach nur ein halbwegs erfülltes Berufsleben führen. Die Tätigkeit, die sie ausüben, ist – wenn auch nicht beliebig - austauschbar, so lange akzeptable Rahmenbedingungen gegeben sind, insbesondere hinsichtlich des Einkommens, der Jobsicherheit und der Arbeitszeiten. Ganz gemäß Abraham Maslows Modell der Bedürfnishierarchie: Erst wenn unsere Grundbedürfnisse nach Überleben, Sicherheit und sozialem Rückhalt gesichert sind, widmet sich Maslows Theorie gemäß der Mensch dem Streben nach Anerkennung oder Selbstverwirklichung. Doch diese Bedürfnishierarchie kann aus meiner Sicht von Personen auf den Kopf gestellt werden, die sehr ausgeprägte ideelle Werte haben oder große Talente verspüren. Von Menschen, die einen Auftrag verspüren und ihrer Berufung unbedingt nachgehen wollen. Ihr Bedürfnis danach ist so stark, dass sie zumindest zeitweise bereit sind, ihre Grundbedürfnisse einzuschränken. Könnte jeder Beruf auch zur Berufung werden? Könnte beispielsweise der Job eines schlecht bezahlten und unter hohem Zeitdruck stehenden Paketauslieferers aus einer inneren Berufung heraus ausgeübt werden wollen? Schwer vorstellbar. Aber wenn es gelingt, die Tätigkeit als sinnhaft zu empfinden, gepaart mit akzeptablen Arbeitsbedingungen, kann sich auch in einer solchen Arbeit zumindest eine Berufszufriedenheit einstellen. Nichtsdestotrotz können bestimmte Lebensumstände oder Jobs im Laufe der Zeit die Erkenntnis reifen lassen, einer Berufung folgen zu wollen, und die Suche nach einer passenden Tätigkeit anstoßen.

Doch ist es überhaupt ein erstrebenswertes Ziel, einer Berufung zu folgen? Reicht es nicht einfach nur aus, nach einem erfüllten Berufsleben zu streben? Und ist es für das innere Erleben des berufstätigen Menschen letztendlich nicht belanglos, ob dieser Zustand durch Berufung, sekundärer Bedürfnisbefriedigungen wie Anerkennung und Macht oder aber durch passende Arbeitsbedingungen zustande kommt?

Nick Melekian (Coach, Autor des Buches Berufsgschichten und Inhaber des Internetportals Joobz)

Ein Benediktinermönch, Leser_In

Ich war zweiundzwanzig, als ich noch einmal von vorne begonnen habe, also nach der Bundeswehrzeit, das war eine sehr lange Ausbildungsphase. Während dieser Zeit habe ich immer wieder verschiedene Besuche gemacht, in Klöstern und in anderen kirchlichen Einrichtungen, um mir genau zu überlegen, was der eigentliche, wir sagen von Gott intendierte Auftrag ist, sodass es hoffentlich nicht nur meine, sondern auch eine Entscheidung ist, die Gott an mich herangetragen hat. Obwohl man Beruf und Berufung nicht unbedingt voneinander trennen kann, würde ich rein gewichtsmäßig von einer Berufung sprechen, zumal ich vorher einen Beruf hatte. Ich hatte zunächst einmal einen Lehrberuf, ich war Augenoptiker, hatte dann aber eine Berufung gespürt und habe daher noch einmal umgesattelt und den priesterlichen Dienst angefangen. Ich würde eher von einem Dienst als von einem Beruf im Sinne des Broterwerbs sprechen. Ein Dienst für die Menschen und für die Kirche. Ich kann mich gut erinnern, dass ich als Augenoptiker oft Schwierigkeiten hatte, aus dem Bett zu kommen, da die Motivation eine ganz andere war. Da ging es vor allen Dingen darum, dass ich eine existenzielle Sicherung brauchte und Geld verdienen musste. Es hat mir auch als Augenoptiker Freude gemacht, aber das war dennoch eine ganz andere Motivation. Als Priester weiß ich, dass Menschen mich in einer anderen Weise brauchen, als der Augenoptiker gebraucht wird. Quelle: www.berufsgeschichten.de

Bea, Leser_In

Zum Einen das regelmäßige reflektieren der eigenen Fähigkeiten, Neigungen, Ziele und Wünsche, um darauf basierend seinen Weg weiterzugehen und gegebenenfalls die notwenidigen Schritte einzuleiten. Und gerade von den Umwegen nimmt man oft am meisten mit. Zum Anderen denke ich ist es wichtig, dass man selbst in seiner Tätigkeit eine Wertschöpfung für sich und die Gemeinschaft sieht. Es ist wie es ist: Niemand wird von jemand zu etwas berufen. Das können wir nur mit uns selbst ausmachen, inwieweit wir uns mit unserer Tätigkeit identifizieren und diese wollen. Jeder Beruf wird auch Zeiten haben, die unangenehm und ätzend sind - und da kann man schon mal wirklich stöhnen und meckern, aber anschließend immernoch sagen können: \"Ja, ich bin auf dem richtigen, auf meinem Weg.\"

Ansgar Albers, Leser_In

Die Antwort auf diese Frage entspricht einer modernen Binsenweisheit: Selbstverwirklichung und Leidenschaft sind wertvoller als Geld. Dieser Aussage widerspreche ich nicht, jedoch führt sie ganz im Sinne der allseits beliebten Glücksforschung zu dem ständigen Zweifel, ob der aktuelle Beruf die eigene Zufriedenheit maximiert. In der Konsequenz steigen die Ansprüche in das Unerreichbare, das Bedürfnis nach dem perfekten Job erzeugt Leid und man vergisst seine derzeitige berufliche Tätigkeit zu schätzen.

Bernd Hillebrecht, Leser_In

Wegen einer \"oberflächigen Beratung\" vor ca. 50 (!) Jahren habe ich einen Beruf erlernt, der nicht meine Leidenschaft (die Elektrotechnik), jedoch auch einen Handwerksberuf beinhaltet. Das erlernte Wissen meines Berufes mit der Kombination zu der Elektrotechnik ergibt eine Befriedigung. Ob dies schon Berufung ist?

Jan Bosse, Leser_In

Genau nicht über ein dickes Ego, nackten Ehrgeiz und Ellbogen - sondern indem man immer auch den Zweifel zulässt, den Selbstzweifel und den von außen, indem man Selbstkritik und die eigene Kritikfähigkeit wachhält, sich und seine Tätigkeit immer wieder in Frage stellt statt sich selbstgefällig zu feiern - und indem man sich immer wieder klarmacht, dass man nicht auf Kosten anderer gut, erfolgreich und glücklich mit seinem Beruf werden kann - sondern nur im Team.

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Wann wird Benzin überflüssig?

Erdöl wird es noch eine ganze Weile geben. Nur zu einem viel höheren Preis. Grund genug sich über alternative Kraftstoffe Gedanken zu machen?

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Louis Palmer, umrundete als erster Mensch die Erde in einem solarbetriebenen Fahrzeug

Bald braucht niemand mehr Erdöl: „ Es wird keinen Preisunterschied mehr zwischen Benzin- und Elektrofahrzeugen geben.“

Müssen wir wirklich nach immer mehr Schieferöl, Arktisöl und Wüstenöl graben, weil uns sonst das Erdöl ausgeht? Sind wir den fossilen Treibstoffen wirklich dermaßen ausgeliefert? Sollte die Frage nicht heißen: Wann werden wir unsere Häuser nur noch mit Sonnenstrom versorgen (wie die Deutschen) und die Häuser nur noch mit Erdsonden heizen (wie die Schweizer), und wann werden wir nur noch Autos fahren, die mit Wind- und Sonnenstrom fahren (wie die Kalifornier)? Wann wird Erdöl überflüssig, weil es günstigere Energiequellen gibt? Dass es in Realität in diese Richtung geht, beweisen nicht nur die Verkaufszahlen der kalifornischen Elektroautoschmiede Tesla in den USA: Im Hochpreissegment hat Tesla dort die Hersteller von BMW bis Audi alle schon überholt. Das neue Tesla Model S führt die Statistik der meistverkauften AutoModelle (in Norwegen) schon an. Teslas Aktienkurse schießen durch die Decke. Und in wenigen Jahren werden Batterien für Elektrofahrzeuge (dank der Chinesen) so günstig sein, dass es keinen Preisunterschied mehr zwischen Benzin- und Elektrofahrzeugen geben wird. Die Frage nach dem letzten Tropfen Erdöl wird die Menschheit am Schluss gar nicht mehr groß kümmern. Ganz ehrlich: Who cares, wann der letzte Tropfen Erdöl gefördert wird. Es ist schön zu wissen, dass wir diesen letzten Tropfen gar nicht mehr brauchen werden. Diese Frage kann uns eigentlich total egal sein. Die Zeit ohne Erdöl hat eh schon begonnen.

Gerhard Roiss, Generaldirektor des Öl- und Gaskonzerns OMV

Ich werde noch lange Erdöl verkaufen: „Verbrennungsmotoren werden vermutlich nicht vollständig überflüssig werden.“

Der Anteil von dem aus wertvollem Erdöl hergestellten Benzin am gesamten Treibstoffverbrauch nimmt aus mehreren Gründen laufend ab. Die OttoMotoren werden immer sparsamer, der Anteil von Diesel-PKW und auch von alternativen Treibstoffen und Antriebssystemen nimmt zu. Wir sollten uns aber darauf einstellen, dass Benzin- und Verbrennungsmotoren nicht rasch und vermutlich auch nicht vollständig überflüssig werden. Dabei spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Zunächst die Versorgungs- und Betriebssicherheit: Bis heute kommt kein alternativer Treibstoff an die Verlässlichkeit und Verfügbarkeit von Benzin heran. Dann Energiedichte und Reichweite: Es gibt noch keine ernsthaften Alternativen zu den Flüssigtreibstoffen der Mineralölindustrie, die derartige Höchstleistungen zustande bringen. Außerdem globaler Wohlstand und Mobilität: Der Zugang zu leistbarer Energie ist eine Voraussetzung für höheren Lebensstandard und globalen Wohlstand. Vor allem Asien, Südamerika und Afrika sind da noch große Wachstumsgebiete. Und die Zukunft? Ich denke, sie gehört langfristig der Brennstoffzelle und dem Wasserstoff. Damit wird sich in den kommenden Jahrzehnten auch das Erscheinungsbild von Tankstellen ändern. Die Konsumenten werden aus einer Vielfalt an Fahrzeugmodellen, Antriebsarten und Treibstoffen wählen können. Und Benzin wird auch noch in den kommenden Jahrzehnten an der Zapfsäule zu haben sein.

Nora Fanderl, Wissenschaftlerin am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation Stuttgart, Projekt „Morgenstadt“

Wer Benzin sagt, meint auch Strom: „Solange Erdöl gefördert wird, wird Benzin der dominante Treibstoff bleiben.“

Auf diese Frage gibt es eine einfache Antwort: sobald wir in unserer Gesellschaft eine neue saubere Energiequelle als gesamtwirtschaftliche Grundlage erschließen, verarbeiten und speichern können. Momentan leiden aktuelle Entwicklungen wie Biogas-Methanisierung, Power-to-Gas, elektrische Speicher oder auch wasserstoffbasierte Technologien daran, dass sie eher Insellösungen im Gesamtenergiesystem darstellen und relativ unabhängig voneinander entstehen. Bei historischer Betrachtung ist interessant, welche Synergien sich durch die Etablierung der Elektrizität als neues branchenübergreifendes Energiesystem ergeben haben: Elektrizitätswerke entstanden Ende des 19. Jahrhunderts oft gleichzeitig mit elektrischer Straßenbeleuchtung, Infrastrukturen für elektrische Straßenbahnen und energieintensiven Industriestätten. Das heißt, solange Erdöl unter den heutigen Marktbedingungen weiter gefördert wird, wird auch Benzin seine Rolle als dominanter Mobilitätstreibstoff behalten. Was wir dringend brauchen, damit Benzin als Treibstoff überflüssig wird, ist ein neues komplementäres Energiesystem als Blaupause für die Städte der Zukunft, welches die dort anfallende Biomasse in Energie umwandelt, Algen zur solaren Wasserstofferzeugung im großen Maßstab einsetzt, Abwärme aus urbanen Produktionsstätten bei der Beheizung von Quartieren verwertet und verschiedenste Energiespeicher als ein virtuelles Verbundkraftwerk nutzt.

Dr. Timm Kehler, Geschäftsführer der erdgas mobil GmbH

Erneuerbarer Kraftstoff im Einsatz

In einem sind wir uns sicher alle einig: Die Abhängigkeit des Verkehrssektors von erdölbasierten Kraftstoffen muss deutlich sinken. Eine praxiserprobte Alternative ist mit dem Erdgasantrieb vorhanden. Um diese weiter zu etablieren, müssen Erdgasfahrzeuge verstärkt gefördert werden. Hier ist die Politik gefragt, die ihr Versprechen, die Steuervergünstigung für Erdgas als Kraftstoff über 2018 hinaus fortzuführen, in geltendes Recht umsetzen muss. Aber auch viele Automobilhersteller können noch aktiver werden – beispielsweise in Bezug auf die Vermarktung ihrer erdgasbetriebenen Fahrzeuge. Der VW-Konzern hat eine Modelloffensive gestartet, die sich bereits in den Zulassungszahlen niederschlägt. 2013 wurden 50 Prozent mehr Erdgasfahrzeuge zugelassen als 2012, einer der größten Treiber bei dieser Entwicklung war der VW eco up!. In den ersten Monaten 2014 hat sich dieser Trend dank neuer Volumenmodelle wie dem VW Golf TGI BlueMotion verstärkt. Erdgas als Kraftstoff bietet gegenüber erdölbasierten Kraftstoffen einen großen Vorteil: Natürliches Erdgas kann durch erneuerbare Komponenten beliebig substituiert werden. Mit reinem Bio-Erdgas sinkt der CO2-Ausstoß gegenüber Benzin laut einer dena-Studie um bis zu 97 Prozent. Der regenerative Anteil an dem in Deutschland getankten Erdgas liegt bereits bei über 20 Prozent – das ist beispielhaft im Vergleich zu anderen biogenen Kraftstoffen. Weil Bio-Erdgas hauptsächlich aus Abfällen gewonnen wird, erübrigt sich auch die Tank-vs.-Teller-Diskussion. Zudem wird verstärkt in die Power-to-Gas-Technologie investiert. Aus überschüssiger Windund Solarenergie wird synthetisches Erdgas hergestellt und u.a. als CO2-neutraler Kraft- stoff genutzt. Audi ist der erste Automobilhersteller, der in diese Art der Kraftstoffproduktion einsteigt und das sogenannte e-gas für seinen gerade auf den Markt gebrachten A3 g-tron anbietet. Zu den genannten ökologischen Vorteilen kommt der ökonomische Nutzen hinzu: Beim Tanken spart man im Vergleich zu Benzin rund die Hälfte und zu Diesel etwa 40 Prozent. Auch wenn in den nächsten Jahren Benzin sicher nicht gänzlich überflüssig wird, so sind die Voraussetzungen, eine größere Unabhängigkeit zu erreichen, bereits gegeben. Nun muss durch ernsthafte Maßnahmen seitens der Politik und der Fahrzeugindustrie der Markt für Erdgasfahrzeuge weiter belebt werden.

Helmuth Meixner, Leser_In

Wenn die Mineralöl- und Autoindustrie zustimmt! Es gäbe längst alternative Treibstoffe, wenn man die entsprechende Infrastruktur aufgebaut hätte, aber man räumt die allerletzten Claims noch ab, bis hin zum Fracking mit dem man die letzten Tropfen wertvoller Ölressoursen aus dem Boden quetscht. Nach uns die Sintflut, so könnte man meinen. Nur einige große Firmen sorgen sich momentan um die Zukunft und gehen einen konsequenten Entwicklungsweg über Hybridantriebe zur Brennstoffzellentechnologie. Wenn man nur möchte, wäre sehr Vieles möglich.

Klaus-Olaf Zehle, Leser_In

im Moment gibt es noch ein paar Hürden: Hier mal zwei typische Fragen, die mir als Fahrer eines Elektrofahrzeugs immer wieder gestellt werden, zeigen auf, wo die Hindernisse liegen. 1. Wie ist das mit der Reichweite? Hier gibt z.B. das Tesla Model S mit realistischen 350 km die Antwort. Wenn ich zurückfrage, wie oft denn mein Gegenüber im letzten Jahr mehr als 200 km an einem Tag gefahren ist, wird es in der Regel ziemlich still. Ich habe inzwischen Strecken von 1.000 km/Tage mit entsprechender Planung schon entspannt zurückgelegt. 2. Wo kann ich Strom tanken? Die heimische Steckdose liegt nahe für Personen, die über einen eigenen Stellplatz mit Stromanschluss verfügen. Schwierig wird es für alle anderen und auf Reisen. Obwohl wir für Strom die am besten ausgebaute Infrastruktur haben, fehlt es hier. Und auf langen Strecken musste ich schon häufiger auf Lademöglichkeiten außerhalb der eigenen Garage zurückgreifen. Es gibt zwar in Deutschland inzwischen ein gut ausgebautes Stromtankstellennetz, aber: Entweder die Säule ist von einem Benziner zugeparkt, denn eine entsprechende gesetzliche Regelung fehlt noch, obwohl diese gerade in Planung ist oder ich könnte zwar Strom laden aber darf es nicht, weil der Energiebetreiber es nicht zulässt. Wir haben bei den Energiebetreibern derzeit eine Kleinstaaterei wie im 18. Jahrhundert. In Münster z.B. dürfen nur Kunden der Stadtwerk Münster laden. In anderen Städten haben sich Energiebetreiber zusammengetan und erlauben ihren Kunden gegenseitig das Laden, aber eben nur Ihren Kunden. So können z.B. Kunden der Energieversorgung Sylt bei den Ladesäulen der Stadtwerke München tanken, einem Vattenfall-Kunden aus Hamburg oder Berlin wird das verwehrt. Und dann gibt es noch Städte wie z.B. Lübeck, in denen es nicht eine einzige öffentliche Ladesäule gibt. Es muss noch was passieren, um die Akzeptanz zu steigern.

Oliver Stahl, Leser_In

Ein Leben ohne den Sprit, der durch die Venen unserer Welt schießt, ist nicht mehr vorstellbar und doch unvermeidbar. Allem Anschein nach wird die Menschheit eines Tages den kalten Öl- und damit Benzin-Entzug antreten müssen. Bestrebungen, die Unabhängigkeit von Erdöl-Produkten voranzutreiben wurden lange belächelt, dann halbherzig oder unter großem Widerstand angestossen und letztendlich aufgegeben. Das Ende des Erdölzeitalters stellt Gefahren für unsere eingefahrenen Wirtschaftskreisläufe und Denkmuster dar und wird jene belohnen, die sich rechtzeitig ernsthaft mit der Zukunft der Energie beschäftigt haben. Wann dieser Tag kommen wird? Vielleicht in 50, 70 oder erst 100 Jahren. Die Zeit wird es zeigen und unsere Gesellschaft wird sich darauf einstellen. Die Opfer werden groß sein und vermutlich die am härtesten treffen, die es ohnehin am schwersten haben. Und es wird eine gute Generalprobe für die Verteilungskrisen der Zukunft um Wasser, Sauerstoff und Nahrung sein.

Thomas Gemmrich, Leser_In

Ich glaube, es ist ganz wichtig, dass zuallererst die Transportkosten, die weltweit viel zu niedrig sind, den realen Kosten angepasst werden. Dann kann wieder verstärkt dort produziert werden, wo die Waren auch verwendet und konsumiert werden. Dies führt im Ergebnis zu einer erheblichen Einsparung von Erdöl, so dass die vorhandene, begrenzte Ressource viel länger reicht. Im europäischen Rahmen kann dies auch durch eine Beaufschlagung des Benzins mit einer Steuer (statt LKW- oder PKW-Maut) erfolgen, lange Transportwege werden so teurer, und regionaler Verbrauch günstiger. Dadurch wird ein erheblicher Anreiz (und Druck) zur Entwicklung wesentlich wirtschaftlicher Verbrennungsmotoren geschaffen. Gleichzeitig wird auch die Entwicklung alternativer Kraftstoffe bzw. alternativer Antriebsysteme vorangetrieben.

Alfred Mayer, Leser_In

Wenn die Menschheit so weiter macht, wird Benzin bzw der Grundstoff Erdöl erst dann überflüssig sein, sobald der letzte Tropfen verbrannt und vertan sein wird. Dann auch noch die Kohle zu verprassen, wird der Menschheit allerdings nicht gelingen, weil die Erde mittendrin für menschliches Leben unbewohnbar sein wird. Die Reichen und Superreichen, die in ihrer Egozentrik dafür verantwortlich sein werden, hoffen allem Anschein nach, auf eine bis dahin entdeckte Ersatzerde in mindestens 100 Lichtjahre Entfernung auswandern zu können. Drum die heftig betriebene Weltraumerforschung. Ich hoffe auf den Aufstand der Nachdenklichen, der überhaupt nicht gewalttätig sein, aber bald kommen muß: www.demokratievonunten.blog.de

Ralph Schweng, Leser_In

In der Geschichte der Menschheit wurde schon oft Utopie zur Realität: - positiv wie Flüge ins All/zum Mond, vorher Flugzeuge, die andere Verkehrsmittel zwar nicht überflüssig machten,aber zu einer effektiven Alternative wurden - aber auch negativ, z.B. \"Big brother is watching you\" (George Orwell) oder Klimakatastrophen. Eines Tages wird eine Technik wie die des \"Beamens\" a` la \"Raumschiff Enterprise\" Benzin überflüssig machen...

Bernd Hillebrecht, Leser_In

Alle Antworten über die erforderliche Energieversorgung sind Das Benzin benötigt einen Ersatzstoff, der z. B. Strom oder Gas sein könnten. Gas hat viele Vorteile. Benzin kann durch Biogas substituiert werden. Die Verrottung von organischem Material erzeugt Methangas, welches ca. 30 mal schädlicher in unserer Atmosphäre ist als CO2. Verhindern tut dies die falsche Unterstützung von Maßnahmen zur Erzeugung von regenerativen Energien. Biogas ist ein Schlüsselergebnis wirtschaftlichen und ökonomischen und sogar ökologischen Überlegungen. Konsequent durchgeführt ersetzt dies Benzin und das Steigen des Meeresspiegels.

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