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Welches Versprechen hält Bio?

Sind biologisch produzierte Produkte die besseren Lebensmittel oder doch nur teuer und halten oft nicht was sie versprechen?

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Susanne Bauer, Leser_In

Bio, wenn zertifiziert, ist für uns die einzige Möglichkeit, uns gesund zu ernähren. Darüberhinaus bietet es die Chance, im Anbau von Lebensmitteln wieder zu einem gesunden Kreislauf zurückzukehren, was die Folgen von Monokulturen oder auch allgemeineFolgekosten deutlich reduzieren wird. Auf lange Sicht gesehen , ist Bio also billiger.

Peter Nick, Professor für Molekulare Zellbiologie

Endliche Haltbarkeit

Tomatenpflanzen können selbst nicht laufen, also haben sie die Strategie entwickelt, andere Lebewesen so zu manipulieren, dass sie tun, was der Pflanze von Nutzen ist. Während der Reifung entwickeln sie eine auffällige rote Farbe durch die orangerot gefärbte Carotinoide. Damit die Samen leichter nach außen gelangen, werden die Zellwände durch ein Enzym anverdaut, so dass das Gewebe erst weich und später matschig wird. Und damit die Frucht süß schmeckt, wird aus den Blättern Zucker in die Früchte verlagert. Das Ganze wird durch ein gasförmiges Hormon, Ethylen, angeschaltet. Ethylen wirkt jedoch nicht allein, sondern in einer verwickelten Choreographie mit anderen Signalen. Und genau hier beginnt die Misere der Industrie-Tomate: Weil eine Pflückmaschine eine reife Tomate an Ort und Stelle in ekligen Ketchup verwandeln würde, werden die Tomaten im unreifen Zustand gepflückt und verpackt. So können sie Tausende von Kilometern durch Europa gekarrt werden. Diese grünen Tomaten werden dann künstlich mit Ethylen begast. Das löst nachträglich den Reifeprozess aus, die Tomaten werden auf einmal schön rot. Aber die Bildung der aromatischen Monoterpene gelingt dadurch ebenso wenig wie der Abbau der Zellwände. Ob die Tomate „biologisch“ oder konventionell angebaut wurde, spielt für Geschmack und Haltbarkeit zunächst mal keine Rolle. Der Knackpunkt ist dann eher, ob sie industriell gepflückt und transportiert wurde.

Dieter Hölterhoff, Leser

Aber die Wertschätzung kostet Geld

Bio ist nur dann ein Versprechen, wenn in der Region mit normalen Methoden* Produziertes zu Preisen auf den Tisch kommen kann, das sich auch prekär Beschäftigte leisten können. Ein Versprechen ist es nicht das zu predigen, sondern, dafür zu sorgen, dass nicht nur die „Auserwählten“, die das Geld dazu haben, davon profitieren können. * Anm.d.R.: Herr H. meint mit „normalen Methoden“ wohl die biologische Land- wirtschaft. Ein Verständnis, über das es sich lohnt, etwas länger nachzudenken.

Illyly, Leser

Eine Wertschätzung des Erzeugers

Bio verspricht nicht nur Genuss für den Essenden oder Trinkenden, sondern auch eine lebenswerte Existenz mit ausreichendem Lohn für den Menschen, der anbaut, erntet und die Bioware verkauft.

Ralf, Leser

Den Preis sieht man, die Erzeugung nicht

Bio verspricht vieles – natürlicher, gesünder, umweltbewusster und besser. Halten tut es auf jeden Fall eins: Es ist teurer.

Rolf M., Leser

Ist mein Nutzen auch der der Umwelt ?

Bio verspricht ein Produkt zu haben, das bestimmte Vorgaben erfüllt. Was viele Kunden allerdings im Bio-Logo sehen, sind glückliche Tiere, fröhliche Gesichter, blühende Natur und somit eine gewissenhafte Konsummöglichkeit. Bei einem Jahresumsatz von über sieben Milliarden Euro bleibt es fraglich, ob dieses Bild der Realität entspricht.

Carmen Wauschkuhn, Lebensmittelchemikerin der Chemischen Untersuchungsanstalt Stuttgart

Gute Noten für Bio-Erzeuger

Wir führen seit über zehn Jahren ein spezielles Untersuchungsprogramm für Bio-Lebensmittel durch. Dabei werden ökologisch erzeugte Lebensmittel im Vergleich zu konventioneller Ware gezielt auf Rückstände an Pestiziden und Kontaminanten untersucht. Dieses Ökomonitoring zielt darauf, mögliche Verbrauchertäuschungen aufzudecken und so das Vertrauen in die Qualität von Bio-Lebensmitteln zu stärken. Da die Anwendung chemischsynthetischer Pflanzenschutzmittel im ökologischen Landbau nicht zulässig ist, erwartet der Verbraucher zu Recht ein Produkt ohne nennenswerte Pestizidrückstände. Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich Bio-Produkte hier sehr deutlich von konventionell erzeugter Ware unterscheiden. 2013 waren über 75 Prozent der pflanzlichen Bio-Proben rückstandsfrei oder wiesen sehr niedrige Pestizidgehalte auf. Nur bei rund 3 Prozent wurden erhöhte Gehalte an Pestiziden nachgewiesen. Hier wurde die Bezeichnung „Bio“ als irreführend beanstandet. Konventionelles Obst und Gemüse wies demgegenüber im Mittel einen ca. 40- bis 95-fach höheren Gehalt an Pestiziden auf. Zwar erfüllten 95 Prozent der konventionellen pflanzlichen Lebensmittel die gesetzlichen Höchstmengen, jedoch waren in über 85 Prozent der Proben häufig auch mehrere Rückstände nachweisbar. Wünscht der Verbraucher somit ein Produkt mit wenigen Pestizidrückständen, so erfüllen Bio-Obst und Bio-Gemüse durchaus diese berechtigte Verbrauchererwartung.

Wolf-Rüdiger Stenzel, Prüfbevollmächtigter der DLG-Qualitätsprü- fung für Bio-Produkte

Gut ohne Zusatzstoffe

Wir prüfen bei der DLG sowohl konventionelle als auch Bio-Lebensmittel. Jährlich werden etwa 1.000 BioProdukte wie Milch-, Fleisch- und Fischerzeugnisse, Back- und Süßwaren, Fruchtsäfte, Konfitüren oder Fertiggerichte von uns getestet, wobei insbesondere der Anteil von letzteren kontinuierlich steigt. Die Testkriterien sind grundsätzlich dieselben wie für konventionelle Lebensmittel, was einen guten Vergleich ermöglicht. Im Fokus stehen die Kriterien Aussehen, Konsistenz, Geruch und Geschmack. Die Bio-Produkte werden von Prüfern getestet, die mit der Erzeugung ökologischer Lebensmittel vertraut sind. So wird sichergestellt, dass Besonderheiten und Einschränkungen in der Produktion von Bio-Lebens- mitteln berücksichtigt werden. Die Ergebnisse unserer Prüfung zeigen deutlich, dass die sensorische Qualität der geprüften Bio-Lebensmittel sich grundsätzlich mit der Beschaffenheit konventioneller Produkte vergleichen lässt. Auch die Prämierungsrate unterscheidet sich nicht wesentlich von der konventioneller Lebensmittel. Insgesamt demonstrieren die ökologischen Hersteller, dass bei optimalem technologischem Handling trotz eingeschränkter Verwendung von Zusatzstoffen sensorisch hochwertige Erzeugnisse entstehen. Im langjährigen Vergleich hat sich die Qualität von Bio-Erzeugnissen deutlich stabilisiert.

Markus E, Leser

Bio macht Kasse

Bio verspricht die Verantwortung für die eigene Ernährung an einen Biosupermarkt abzugeben, hält aber dieses Versprechen nicht immer, da auch die Biosupermarktketten ein Teil der kapitalistischen Marktwirtschaft sind und durch Kundenbindungsprogramme und Kundenkarten die Käufer zu Mehrkonsum über die eigenen Bedürfnisse verführen wollen.

Svenja Re., Leserin

Die sprechende Tomate

Bist du für die Natur? Bist du für eine lebenswerte Erde für deine Nachkommen? Mit dem Konsum dieses Produktes kannst du es zeigen! Versprochen!

Reinhold Carle, Professor für Lebensmitteltechnologie

Fast die gleichen Verfahren für den Transport

Früher gelangten Bio-Produkte aus regionaler Erzeugung noch überwiegend über Direktvermarkter zum Kunden. Obst und Gemüse erreichten somit den Verbraucher ohne weite Transport- und Distributionswege nahezu erntefrisch. Aufgrund ihrer saisonalen Verfügbarkeit werden Obst und Gemüse aus Bio-Anbau heute weltweit beschafft, womit die globale Frucht- und Gemüselogistik an Bedeutung gewonnen hat. Die möglichst lange Frischerhaltung von Obst und Gemüse ist somit auch für Bio-Produkte eine Realität: Produkte aus biologischem Anbau haben unter Umständen einen langen Weg hinter sich und sind daher häufig nicht mehr „erntefrisch“. Für Transport und Frischerhaltung werden weitgehend die gleichen Verfahren angewandt wie für konventionelle Ware. Einige Maßnahmen, etwa die Entkeimung durch Chlorwasser, die Oberflächenbehandlung mit Fungiziden und das zur Haltbarkeitsverlängerung von Äpfeln verwendete SmartFresh, sind jedoch bei BioProdukten nicht erlaubt. Auch Bio-Obst wird jedoch unter kontrollierter Atmosphäre auf dem See- oder Luftweg zum Importeur transportiert bzw. gelagert. Die Hemmung der Fruchtreifung während des Transports und der Lagerung sowie die Ethylen-Behandlung zum Entgrünen von Ananas und Citrusfrüchten bzw. zur Reifung von Bananen und zur Keimhemmung von Zwiebeln sind auch für Bio-Produkte üblich und gemäß Öko-Verordnung zulässig. Bio-Obst und -Gemüse hält somit nicht in jedem Fall das Versprechen absoluter „Frische“!

Katrin Achilles, Leserin

Bio = Stimmzettel

Hauptsächlich hält Bio erst einmal das Versprechen, dass man sich beim Kauf und beim Konsum als besserer Mensch fühlen darf. Dabei ist Bio für den Verbraucher eine der wenigen Möglichkeiten der direkten Einflussnahme auf die Marktwirtschaft (neben Konsumverzicht). Da es zurzeit nicht der für alle Menschen mögliche Weg ist, ist es ein Votum für die richtige Richtung.

Uschi, Leserin

Damals: die Motivation

Der ursprüngliche Unterschied zwischen konventioneller und biologischer Landwirtschaft war die Motivation. Es ging nicht um Geld, sondern um die Idee, etwas zu verändern. Allerdings ist die Biobranche heute so sehr kommerzialisiert, dass es schwierig ist, die Produkte zu finden, hinter denen tatsächlich die Idee, etwas zu verändern, steckt.

Tomas Brückmann, Experte für Pestizide und Biodiversität beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND)

Pestizide bedrohen unsere Artenvielfalt

Deutschland wird auf mehr als 50 Prozent seiner Fläche landwirtschaftlich genutzt. Die offene Landschaft ist aber auch Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen: Hier ist die Artenvielfalt stark bedroht! Über zwei Drittel von ihnen stehen auf Roten Listen der bestandsbedrohten Arten. Dafür verantwortlich sind der Einsatz von Pestiziden wie auch die Beseitigung von Strukturelementen. Besonders deutlich wird das bei den Bienen. Neueste Erkenntnisse belegen: Das Bienenvölkersterben wird auch durch giftige Agrochemikalien ausgelöst und verstärkt. Hier muss dringend umgesteuert werden; viele Arten stehen vor dem Aussterben! Der kontrollierte ökologische Landbau ist ein guter Ansatz, neben der menschlichen Gesundheit auch die Artenvielfalt zu schützen. Denn im Ackerbau verzichtet der Ökolandbau auf Pestizide und im Ökoobst- und Weinbau werden synthetisch hergestellte Agrochemikalien nur in sehr geringen Mengen eingesetzt. So leben auf ökologisch bewirtschafteten Flächen mehr Tiere und Pflanzen. Ebenso werden durch den Verzicht auf Pestizide der Boden, Gewässer wie auch das Grundwasser geschützt. Denn viele der giftigen Chemikalien gelangen in unser Lebenseli- xier, das Wasser. In der Bundesrepub- lik werden bisher nur 6,3 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen ökologisch bewirtschaftet. Ziel des BUND ist: 20 Prozent Ökolandbau bis 2020.

Karl Martin, Leser

Das Siegel darf den Verstand nicht ersetzen

Gutes Bio? Böses Bio? Kann man auf das Siegel vertrauen? Wer kontrolliert es? Gibt es gefälschte Siegel? Ich möchte nicht alles anzweifeln – wie sagte es schon vor Jahren der Werbespruch einer Bank so schön: „Vertrauen ist der Anfang von Allem.“ Na ja, wir wissen aber auch, wie manche Banken geschleudert sind. Von daher: Ich vertraue auf die Bio-Siegel. Dennoch ist es noch lange kein Garant für guten Geschmack und Frische. Und vor allem: Macht es Sinn, im Dezember Erdbeeren zu haben und Bio-Kartoffeln aus Frankreich zu importieren? Von daher: Bio-Siegel sind gut, der eigene Verstand und das eigene Augenmaß können aber keine Siegel ersetzen.

NM, Leser

Die verflixte Profitmaximierung

Bio war eine gute Idee – bis das Marktpotential erkannt wurde. Jetzt ist Bio der Versuch, minimale Normen mit möglichst geringem Aufwand zu erfüllen, ein Siegel zu bekommen und dadurch den Gewinn zu maximieren.

Peter Zens, Landwirt des Jahres 2011

Bio braucht kein Siegel

Sind wir doch mal ehrlich: Wer von uns kennt sich noch aus im Dschungel der Siegel und Kennzeichnungen. Und schlimmer noch: Wer vertraut nach all den immer wieder auftauchenden Skandalen noch auf diese Siegel? Deshalb ist uns auf dem Erlebnisbauernhof Gertrudenhof in Hürth bei Köln wichtig zu wissen, wo und wie die Produkte wachsen, die wir den Kunden unseres Hofladens verkaufen. Nur durch den persönlichen Kontakt zum Erzeuger und dadurch, dass man sieht, wie das Obst und Gemüse wächst, kann man wirklich sicher sein, dass es genau das Produkt in der Qualität ist, wie man sich das wünscht. Und genau diese Transparenz ist uns bei unserem integrierten Anbau auf unseren eigenen 130 Hektar wichtig. Deshalb gibt es jährlich über 800 Hofführungen zu den Feldern und den Tieren unseres Hofes. Jeden Tag können so die Besucher mit eigenen Augen sehen, wie wir Natur und Anbau von hochwertigem Obst und Gemüse in Einklang bringen. Wer „seinen“ Bauern kennt, brauch nicht die Bestätigung über ein Siegel, zumal die Frage der Zertifizierung auch eine Frage des Geldes und des bürokratischen Aufwandes ist. Unsere Partnerhöfe sind teilweise zertifizierte Biohöfe, teilweise aber auch Höfe mit nachhaltigem Anbau, die kein Siegel brauchen und oft deutlich nachhaltiger sind als ein industrialisiertes, gesichtsloses Massen-Bio, was man zunehmend in den Supermärkten findet.

Karl Zawadzky, Leser

Leider wird das Versprechen des biologischen Landbaus und der Umweltverträglichkeit nicht selten nicht gehalten.

Betty, Leserin

Die Expertenantwor- ten mal kurz zusam- mengefasst

Wie immer in der Marktwirtschaft, auch „Bio“ muss hinterfragt, kontrolliert werden. Bio ist nicht gleich gut. Und verspricht nicht kurze Transportwege, ökologische Verpackung. Produkte aus der Region sind das neue Bio. Biologische Landwirtschaft sollte pestizidfrei, giftarm zunächst hergestellt und im Produkt auch nachweisbar sein. Dafür müssten wir kürzere Haltbarkeit, höhere Preise in Kauf nehmen.

Katja Rumi, Leserin

Verantwortung ist nicht käuflich

Der ökologische Landbau findet zunehmend gesellschaftliche Anerkennung und Nachfrage. Popularität allerdings ist auch ein unheilvolles Fundament für das Sprießen von Untugenden. Im Fall von Bio: Profitgier, Schachern, Betrug, faule politische Kompromisse oder auch eine tiefgehende Desillusionierung einstiger Wegbereiter und deren vernichtende Abkehr von ihren Zielen. Die Liste ließe sich fortsetzen – und sei es um den Verpackungswahn, der auch bei Bioprodukten Einzug hält. Bio ist von seinem Selbstverständnis umweltschonend oder auch ökologisch, sozial und ökonomisch, ganzheitlich und nachhaltig. Dieses Versprechen hält Bio also sozusagen per se. Damit jedoch sei es sein Versprechen oder auch mithin Bio überhaupt fortbestehen und florieren kann, braucht es verantwortungsbewusste Produzenten und Konsumenten. In kurzen Worten: uns Zeitgenossen. Umsichtiges Denken und Handeln lassen sich dabei gut begleiten und unterstützen: z.B. in Form von verlässlichen Gütesiegeln, durch umfassenden Diskurs und nicht zuletzt in Form von Mut, ein wenig Bescheidenheit und vor allem Wohlwollen jenem Bio gegenüber. Einsam und allein wird Bio kein Versprechen halten können. Es ist auf die Mitwelt angewiesen und deren Verantwortungsbewusstsein.

Fleischmann, Leser

Die Idee ist (oder war?)

... dass bei der Erzeugung von Lebens- mitteln die Gesundheit und nicht der Profit im Vordergrund stehen soll.

Walter, Leser_In

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Claudia Sagafe, Leser_In

Wenn es wirklich Bio tue ich mir und meiner Gesundheit etwas gutes.Aber leider ist nicht immer Bio drin,wo Bio draufsteht.

Carmen Wauschkuhn, Lebensmittelchemikerin, Leser_In

Wir führen seit über zehn Jahren ein spezielles Untersuchungsprogramm für Bio-Lebensmittel durch. Dabei werden ökologisch erzeugte Lebensmittel im Vergleich zu konventioneller Ware gezielt auf Rückstände an Pestiziden und Kontaminanten untersucht. Dieses Ökomonitoring zielt darauf, mögliche Verbrauchertäuschungen aufzudecken und so das Vertrauen in die Qualität von Bio-Lebensmitteln zu stärken. Da die Anwendung chemisch-synthetischer Planzenschutzmittel im ökologischen Landbau nicht zulässig ist, erwartet der Verbraucher zu Recht ein Produkt ohne nenneswerte Pestizidrückstände. Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich Bio-Produkte hier sehr deutlich von konventionell erzeugter Ware unterscheiden. 2013 waren über 75 Prozent der pflanzlichen Bio-Proben rückstandsfrei oder wiesen sehr niedrige Pestizidgehalte auf. Nur bei rund 3 Prozent wurden erhöhte Gehalte an Pestiziden nachgewiesen. Hier wurde die Bezeichnung \"Bio\" als irreführend beanstandet. Konventionelles Obst und Gemüse wies demgegenüber im Mittel einen ca. 40- bis 95-fach höheren Gehalt an Pestiziden auf. Zwar erfüllten 95 Prozent der konventionellen pflanzlichen Lebensmittel die gestezlichen Höchstmengen, jedoch waren in über 85 Prozent der Proben häufig auch mehrere Rückstände nachweisbar. Wünscht der Verbraucher somit ein Produkt mit wenigen Pestizidrückständen, so erfüllen Bio-Obst und Bio-Gemüse durchaus diese berechtigte Verbrauchererwartung.

Prof. Dr. Reinhold Carle, Professor für Lebensmitteltechnologie, Leser_In

Früher gelangten Bio-Produkte aus regionaler Erzeugung noch überwiegend über Direktvermarkter zum Kunden. Obst und Gemüse erreichten somit den Verbraucher ohne weite Transport- und Distributionswege nahezu erntefrisch. Aufgrund ihrer saisonalen Verfügbarkeit werden Obst und Gemüse aus Bio-Anbau heute weltweit beschafft, womit die globale Frucht- und Gemüselogistik an Bedeutung gewonnen hat. Die möglichst lange Frischerhaltung von Obst und Gemüse ist somit auch für Bio-Produkte eine Realität: Produkte aus biologischem Anbau haben unter Umständen einen langen Weg hinter sich und sind daher häufig nicht mehr „erntefrisch“. Für Transport und Frischerhaltung werden weitgehend die gleichen Verfahren angewandt wie für konventionelle Ware. Einige Maßnahmen, etwa die Entkeimung durch Chlorwasser, die Oberflächenbehandlung mit Fungiziden und das zur Haltbarkeitsverlängerung von Äpfeln verwendete SmartFresh, sind jedoch bei Bio-Produkten nicht erlaubt. Auch Bio-Obst wird jedoch unter kontrollierter Atmosphäre auf dem See- oder Luftweg zum Importeur transportiert bzw. gelagert. Die Hemmung der Fruchtreifung während des Transports und der Lagerung sowie die Ethylen-Behandlung zum Entgrünen von Ananas und Citrusfrüchten bzw. zur Reifung von Bananen und zur Keimhemmung von Zwiebeln sind auch für Bio-Produkte üblich und gemäß Öko-Verordnung zulässig. Bio-Obst und -Gemüse hält somit nicht in jedem Fall das Versprechen absoluter „Frische“!

Prof. Dr. Peter Nick, Professor für Molekulare Zellbiologie, Leser_In

Tomatenpflanzen können selbst nicht laufen, also haben sie die Strategie entwickelt, andere Lebewesen so zu manipulieren, dass sie tun, was der Pflanze von Nutzen ist. Während der Reifung entwickeln sie eine auffällige rote Farbe durch die orangerot gefärbte Carotinoide. Damit die Samen leichter nach außen gelangen, werden die Zellwände durch ein Enzym anverdaut, so dass das Gewebe erst weich und später matschig wird. Und damit die Frucht süß schmeckt, wird aus den Blättern Zucker in die Früchte verlagert. Das Ganze wird durch ein gasförmiges Hormon, Ethylen, angeschaltet. Ethylen wirkt jedoch nicht allein, sondern in einer verwickelten Choreographie mit anderen Signalen. Und genau hier beginnt die Misere der Industrie-Tomate: Weil eine Pflückmaschine eine reife Tomate an Ort und Stelle in ekligen Ketchup verwandeln würde, werden die Tomaten im unreifen Zustand gepflückt und verpackt. So können sie Tausende von Kilometern durch Europa gekarrt werden. Diese grünen Tomaten werden dann künstlich mit Ethylen begast. Das löst nachträglich den Reifeprozess aus, die Tomaten werden auf einmal schön rot. Aber die Bildung der aromatischen Monoterpene gelingt dadurch ebenso wenig wie der Abbau der Zellwände. Ob die Tomate „biologisch“ oder konventionell angebaut wurde, spielt für Geschmack und Haltbarkeit zunächst mal keine Rolle. Der Knackpunkt ist dann eher, ob sie industriell gepflückt und transportiert wurde.

Tomas Brückmann, BUND, Leser_In

Deutschland wird auf mehr als 50 Prozent seiner Fläche landwirtschaftlich genutzt. Die offene Landschaft ist aber auch Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen: Hier ist die Artenvielfalt stark bedroht! Über zwei Drittel von ihnen stehen auf Roten Listen der bestandsbedrohten Arten. Dafür verantwortlich sind der Einsatz von Pestiziden wie auch die Beseitigung von Strukturelementen. Besonders deutlich wird das bei den Bienen. Neueste Erkenntnisse belegen: Das Bienenvölkersterben wird auch durch giftige Agrochemikalien ausgelöst und verstärkt. Hier muss dringend umgesteuert werden; viele Arten stehen vor dem Aussterben! Der kontrollierte ökologische Landbau ist ein guter Ansatz, neben der menschlichen Gesundheit auch die Artenvielfalt zu schützen. Denn im Ackerbau verzichtet der Ökolandbau auf Pestizide und im Ökoobst- und Weinbau werden synthetisch hergestellte Agrochemikalien nur in sehr geringen Mengen eingesetzt. So leben auf ökologisch bewirtschafteten Flächen mehr Tiere und Pflanzen. Ebenso werden durch den Verzicht auf Pestizide der Boden, Gewässer wie auch das Grundwasser geschützt. Denn viele der giftigen Chemikalien gelangen in unser Lebenselixier, das Wasser. In der Bundesrepublik werden bisher nur 6,3 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen ökologisch bewirtschaftet. Ziel des BUND ist: 20 Prozent Ökolandbau bis 2020.

Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Stenzel, DLG, Leser_In

Wir prüfen bei der DLG sowohl konventionelle als auch Bio-Lebensmittel. Jährlich werden etwa 1.000 Bio-Produkte wie Milch-, Fleisch- und Fischerzeugnisse, Back- und Süßwaren, Fruchtsäfte, Konfitüren oder Fertiggerichte von uns getestet, wobei insbesondere der Anteil von letzteren kontinuierlich steigt. Die Testkriterien sind grundsätzlich dieselben wie für konventionelle Lebensmittel, was einen guten Vergleich ermöglicht. Im Fokus stehen die Kriterien Aussehen, Konsistenz, Geruch und Geschmack. Die Bio-Produkte werden von Prüfern getestet, die mit der Erzeugung ökologischer Lebensmittel vertraut sind. So wird sichergestellt, dass Besonderheiten und Einschränkungen in der Produktion von Bio-Lebensmitteln berücksichtigt werden. Die Ergebnisse unserer Prüfung zeigen deutlich, dass die sensorische Qualität der geprüften Bio-Lebensmittel sich grundsätzlich mit der Beschaffenheit konventioneller Produkte vergleichen lässt. Auch die Prämierungsrate unterscheidet sich nicht wesentlich von der konventioneller Lebensmittel. Insgesamt demonstrieren die ökologischen Hersteller, dass bei optimalem technologischem Handling trotz eingeschränkter Verwendung von Zusatzstoffen sensorisch hochwertige Erzeugnisse entstehen. Im langjährigen Vergleich hat sich die Qualität von Bio-Erzeugnissen deutlich stabilisiert.

Rolf Sintram, Leser_In

Die Belastung von Boden, Luft und Wasser verringert sich durch biologische Landwirtschaft und regionalen Vertrieb. Wenn aber im Bio-Supermarkt inzwischen auch die meisten Produkte (Fertiggerichte!) in Plastik verpackt über weite Strecken transportiert werden, wird die gute Idee korrumpiert. Rolf

myTime (Gesponserte Antwort), Leser_In

Seit gut zwei Jahren bietet myTime.de, der Lebensmittel-Onlineshop der Bünting Unternehmensgruppe, seinen Kunden eine Auswahl mit mehr als 32.000 Produkten: angefangen von Obst und Gemüse über Brot, Getränke und Feinkost bis hin zu Tiefkühlware, Milchprodukten und individuell portionierten Käse-, Wurst- und Fleischwaren. Das Sortiment wird dabei stets optimiert und den Wünschen und Bedürfnissen der Kunden angepasst. Auch das Potenzial der Bio-Lebensmittel hat myTime.de für sich entdeckt. Seitdem der Online-Shop ans Netz gegangen ist, wurde das Bio-Sortiment stetig erweitert. Aktuell können die Kunden aus rund 1.000 Bio-Produkten wählen. Damit ist myTime.de ein großer Online-Anbieter von Bio-Lebensmitteln in Deutschland. Laut Öko-Barometer 2013 liegt Bio voll im Trend. Vor allem im Bereich Obst und Gemüse gibt es eine gleichbleibend hohe Nachfrage. Ein weiterer Vorteil bei myTime.de ist – neben der großen Auswahl – die Möglichkeit, dank praktischer Filterfunktion auf einen Klick einen reinen Bio-Supermarkt zu bekommen. Der Lebensmittel-Onlineshop myTime.de verkauft nicht nur Bio-Produkte, sondern ist auch nach der DE-ÖKO-003 bio-zertifiziert.

MarkusE, Leser_In

Bio verspricht die Verantwortung für die eigene Ernährung an einen Biosupermarkt abzugeben, hält aber dieses Versprechen nicht immer, da auch die Biosupermarktketten ein Teil der kapitalistischen Marktwirtschaft sind und durch Kundenbindungsprogramme und Kundenkarten die Käufer zu Mehrkonsum über die eigenen Bedürfnisse verführen wollen.

Katja Rumi, Leser_In

Der ökologische Landbau findet zunehmend gesellschaftliche Anerkennung und Nachfrage. Popularität allerdings ist auch ein unheilvolles Fundament für das Sprießen von Untugenden. Im Fall von Bio: Profitgier, Schachern, Betrug, faule politische Kompromisse oder auch eine tiefgehende Desillusionierung einstiger Wegbereiter und deren vernichtende Abkehr von ihren Zielen. Die Liste ließe sich fortsetzen – und sei es um den Verpackungswahn, der auch bei Bioprodukten Einzug hält. Bio ist von seinem Selbstverständnis umweltschonend oder auch ökologisch, sozial und ökonomisch ganzheitlich und nachhaltig. Dieses Versprechen hält Bio also sozusagen per se. Damit jedoch sei es sein Versprechen oder auch mithin Bio überhaupt fortbestehen und florieren kann, braucht es verantwortungsbewusste Produzenten und Konsumenten. In kurzen Worten: uns Zeitgenossen. Umsichtiges Denken und Handeln lassen sich dabei gut begleiten und unterstützen: z.B. in Form von verlässlichen Gütesiegeln, durch umfassenden Diskurs und nicht zuletzt in Form von Mut, ein wenig Bescheidenheit und vor allem Wohlwollen jenem Bio gegenüber. Einsam und allein wird Bio kein Versprechen halten können. Es ist auf die Mitwelt angewiesen und deren Verantwortungsbewusstsein.

Uschi, Leser_In

Der Ursprüngliche Unterschied zwischen konventioneller und biologischer Langwirtschaft war die Motivation. Es ging nicht um Geld sondern um die Idee etwas zu verändern. Allerdings ist die Biobranche heute so sehr kommerzialisiert, dass es schwierig ist die Produkte zu finden, hinter denen tatsächlich die Idee etwas zu verändern steckt.

Rolf M., Leser_In

Bio verspricht ein Produkt zu haben, dass bestimmte Vorgabe erfüllt. Was viele Kunden allerdings im Bio-Logo sehen sind glückliche Tiere, fröhliche Gesichter, blühende Natur und somit eine gewissenhafte Konsummöglichkeit. Bei einem Jahresumsatz von über 7 Mrd. € bleibt es fraglich, ob dieses Bild der Realität entspricht.

Illyly, Leser_In

Bio verspricht nicht nur Genuss für den Essenden oder Trinkenden, sondern auch eine lebendswerte Existenz mit ausreichendem Lohn für den Menschen, der anbaut, erntet und die Bioware verkauft.

Dieter Hölterhoff, Leser_In

Bio ist nur dann ein Versprechen: wenn in der Region mit normalen Methoden Produziertes zu Preisen auf den Tisch kommen kann, das sich auch prekär Beschäftigte leisten können. Ein Versprechen ist es nicht das zu predigen, sondern es nicht nur für die \"Auserwählten\" die das Geld dazu haben, davon profitieren können.

Svenja Re., Leser_In

\"Bist du für die Natur? Bist du für eine lebenswerte Erde für deine Nachkommen? Mit dem Konsum dieses Produktes kannst du es zeigen! - Versprochen!\"

Michael-W, Leser_In

Bio verspricht nur die Hälfte, nämlich dem Esser ein gesundes Leben - ob es nachhaltig ist, Biofrüchte über den Ozean zu fliegen, um sie dann im SUV nach Hause zu fahren, ist die andere Hälfte, welche noch geklärt werden muss.

Elke, Leser_In

Unbeschwerter Konsum, das ist es, was Bio verspricht.

Ralf, Leser_In

Bio verspricht vieles - natürlicher, gesünder, umweltbewusster und besser - halten tut es auf jeden fall eins: es ist teurer.

Teresa, Leser_In

\"Bio\" verspricht Glück - für die Umwelt, den Erzeuger und den Konsumenten.

Susanne Opitz, Leser_In

BIO? Mal ehrlich: Ich persönlich fühle mich erstmal \"echter\", besser und bin sogar inspiriert, mal wieder auf´s Große und Ganze des Daseins auf unserem Globus zu schauen. Werbepsychologisch einfach genial.

NM, Leser_In

Bio war eine gute Idee. Bis das Marktpotential erkannt wurde - jetzt ist Bio der Versuch, minimale Normen mit möglichst geringen Aufwand zu erfüllen, ein Siegel zu bekommen und dadurch den Gewinn zu maximieren.

Simone Henningsen, Leser_In

Das es teurer ist, ein eyecatcher ist und nicht immer hält was es verspricht.

Tine, Leser_In

Bio erinnert an unsere Marktmacht - und erinnert den Handel daran, was Verbraucherinnen und Verbraucher wollen: gesundes Essen, gesunde Umwelt und faire Arbeitsbedingungen für alle.

Betti, Leser_In

Wie immer in der Marktwirtschaft, auch „Bio“ muss hinterfragt, kontrolliert werden. Bio ist nicht gleich gut. Und verspricht nicht kurze Transportwege, ökologische Verpackung. Produkte aus der Region sind das neue Bio. Biologische Landwirtschaft sollte pestizidfrei, giftarm zunächst hergestellt und im Produkt auch nachweisbar sein. Dafür müssten wir kürzere Haltbarkeit, höhere Preise in Kauf nehmen.

Oliver Kuti, Leser_In

Alles kreist um die Nachhaltigkeit. Der Bioladen mit persönlichem Know How und viel nicht verpackter Ware bleibt der Schlüssel für dieses Prinzip. Die Zertifizierung ist nicht das gedruckte Sigel, sondern die lokale Lieferkette. Einkaufen bleibt anstrengend, wenn es Bio versprechen soll!

Uwe Borchert, Leser_In

Bio ! weckt Hoffnung auf sinnvolle Entscheidungen für ein besseres , gesünderes Leben.Mit den diversen Versprechungen wird leider bei den Produkten viel Schindluder getrieben. Viele BIO Versprechen enden in Enttäuschung und führen zu falschen Entscheidungen zu meist überhöhten Preisen .

Fleischmann, Leser_In

Dass bei der Erzeugung von Lebensmitteln der die Gesundheit und nicht der Profit im Vordergrund stehen soll

Johannes Ahrens, Leser_In

Wer Bio kauft, verspricht vor allem sich selbst etwas davon: Gesundheit sowie ein gutes Gewissen gegenüber der Landwirtschaft, den Tieren und der Umwelt insgesamt.

Leander Löwe, Leser_In

Bio-Essen soll schlicht dafür sorgen, dass die Verbraucher kein Gift (z. B. Pestizide) essen müssen. Mit gesunder Ernährung oder Umweltschutz hat Bio höchstens indirekt etwas zu tun.

xxx, Leser_In

Welches Versprechen hält konventionelle Landwirtschaft??? Die meisten Bio-Zertifikate lassen darauf schließen, dass Nachhaltigkeit das Ziel ist, über \'billig, billiger, billigst\' und \'ich, ich, ich\' hinaus gedacht wird und Allgemeingüter wie Wasser und Böden weniger belastet werden. Wenn außerdem die Produkte besser schmecken, regionaler erzeugt werden und entsprechend der Transport auch ökologischer erfolgt, sollten wir das schätzen.

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Udo Reiter (†), ehemaliger MDR-Intendant

Ein selbstbestimmtes Ende

Ich bin durch einen Verkehrsunfall seit 48 Jahren querschnittgelähmt. Heute bin ich 70 und habe trotz Rollstuhl privat und beruflich ein schönes selbstbe- stimmtes Leben hinter mir. Zwangsläu- fig stellt sich jetzt die Frage: Wie soll es weitergehen? Und wie soll es aufhören? Ich möchte unter keinen Umständen ein hilfloser, von anderen abhängiger Pflegefall werden. Ich möchte nicht, wie der katholische Theologe Hans Küng es einmal formuliert hat, meine letzten Lebensjahre als „Schatten mei- ner selbst“ dahin vegetieren. In meiner Autobiographie „Gestatten, dass ich sitzen bleibe“ habe ich das so beschrieben: „Ich möchte nicht als Pflegefall enden, der von anderen gewaschen, frisiert und abgeputzt wird. Ich möchte mir nicht den Nahrungsersatz mit Kanülen oben einfüllen und die Exkremente mit Gummihandschuhen unten wieder herausholen lassen. Ich möchte nicht allmählich vertrotteln und als freundlicher oder bösartiger Idiot vor mich hindämmern. Und ich möchte selbst entscheiden, wann es soweit ist und ich nicht mehr will. Und wenn ich das entschieden habe, möchte ich mich ungern vor einen Zug rollen oder mir, wie das verschiedentlich empfohlen wird, eine Plastiktüte über den Kopf ziehen, bis ich ersticke. Ich möchte auch nicht in die Schweiz fahren und mich dort auf einem Parkplatz oder in einem Hotelzimmer von Mitarbeitern der Sterbehilfe ‚Exit‘ einschläfern lassen. Ich möchte bei mir zu Hause, wo ich gelebt habe und glücklich war, einen Cocktail einnehmen, der gut schmeckt und mich dann sanft einschlafen lässt.“

Eberhard Sauer, Leser

Einsam im Alter

Kein Merkmal des Alterns wird so überschätzt wie Einsamkeit. Empirische Studien zeigen: Einsamkeit ist nicht das Hauptmerkmal des Alterns, außer bei sehr hohem Alter, wenn kognitives und körperliches Siechtum dominieren. Ansonsten ist Verwitwung der höchste Risikofaktor, wobei Männer konstant höhere Einsamkeit aufweisen. Länderübergreifend finden sich nur kleine Prozentsätze für deutliche Alterseinsamkeit, in Deutschland liegt sie bei circa 8,5 Prozent. Vergleiche über mehrere Jahre erbrachten sogar sinkende Einsamkeitswerte. Hierbei zeigen die 55- bis 69-Jährigen konstant die geringste Einsamkeit, die 70- bis 85-Jährigen sind die größten Gewinner eines positiven gesellschaftlichen Trends. Die Befunde signalisieren gesellschaftliche Veränderungen, die eine positive Lebensgestaltung auch im Alter erlauben. Voraussetzungen sind finanzielle Ressourcen, Bildung, passende Wohn-, Verkehrs- und Kommunikationsmöglichkeiten sowie individuelle Biographien, die Potentiale, Kompetenzen, Ziel- und Handlungsperspektiven nutzen. Fehlen diese Voraussetzungen, verbleibt der gesellschaftliche Auftrag, Einsamkeit induzierende Defizite zu beheben und die durch Einsamkeit beeinträchtigte Lebensqualität zu bessern. Das Klischee des einsamkeitsdurchtränkten Alterns resultiert auf unzulässiger Vereinfachung komplexer Phänomene, einseitiger Auswahl negativer Beispiele und vorschneller Generalisierung von Teilaspekten.

Tina S., Leserin

Sparen und Spaß haben

Alt werden möchte ich mit Zuversicht und Absicherung. Natürlich ist die romantische Vorstellung, eine Großfamilie zu haben, die Welt bereisen zu können und in einem Eigentumshaus zu wohnen, vorhanden, doch sollten wir uns dazu jetzt schon die Frage stellen, was wir hierfür tun müssen. Für mich heißt das, mein Bestes für meine Familie zu tun, auf ihre und meine Gesundheit zu achten, genug Geld zur Seite zu legen, mich weiterzubilden. Zwar ist es ebenso wichtig, jeden Moment zu genießen, doch damit es uns später gut geht, muss ich mich jetzt schon mit dem Thema „alt werden“ beschäftigen, auch wenn das spießig klingt.

Maria Burgi, Jahrgang 1912 und Gewerkschaftsmitglied seit 1929

Überzeugungen bewahren

Gesund sein, immer guter Dinge sein, gute Vorsätze und Ziele haben: Das braucht es möglichst jeden Tag. Kurzum: Die alltägliche Lebenslust hält mich im Leben. Besonders wichtig sind mir Solidarität, Kameradschaft, Gemeinschaft und das Familienleben. Das alltäglich gute Leben und die alltägliche Lebenslust fallen aber nicht vom Himmel, sondern müssen gelebt und gepflegt werden. In der Familie, im Arbeitsleben unter Kollegen und in der Freizeit. Die gewerkschaftliche Solidarität und das konsequente Eintreten für Gerechtigkeit waren mir immer wichtig. Das sind Ziele, die über den Alltag hinausreichen. Es entsteht eine innere Zufriedenheit, wenn man weiß, dass man das Richtige tut. Nicht nur für sich, sondern auch für Andere. Das begreifen hoffentlich auch die Jungen. Deshalb bin ich noch immer Mitglied der IG Metall. Ich bin Gewerkschaftsmitglied sei 85 Jahren. Natürlich vermisst man im Alter auch mal was. Aber immerhin konnte ich bis zu meinem 97. Lebensjahr in meiner Wohnung im dritten Stockwerk ohne Aufzug allein leben. Das ist jetzt leider nicht mehr möglich. Mit solchen Defiziten muss man dann eben umgehen. Genau so wie man eben in schwierigen Situationen für die eigene Überzeugung einstehen muss. Altersmäßig geht leider nicht mehr alles. Ich bin kein junges Mädchen mehr. Das bedaure ich auch manchmal. Aber: Das Leben ist so zu nehmen, wie es ist. Alt werden gehört dazu. Ich bin noch fit. Dafür bin ich dankbar. Und dankbar bin ich auch für die Überraschungen und Geschenke, die das Leben bereit hält: Zur 85-jährigen Gewerkschaftsmitgliedschaft bekam ich einen Ausflug und war mit 101 Jahren das erste Mal 1484 Meter hoch oben auf einer Alpe. Das war wunderschön.

James W. Vaupel, Leiter des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung

Lebensarbeitszeit besser verteilen

Von den Deutschen, die vor dem Ersten Weltkrieg geboren wurden, erleben gerade einmal drei bis vier Prozent ihren 100. Geburtstag. Wenn sich aber die Trends in der Langlebigkeit fortsetzen wie in den letzten 200 Jahren, werden über die Hälfte der 2014 geborenen Deutschen sogar ihren 105. Geburtstag erreichen. Das ist schon richtig alt. Sehr langes Leben ist demnach keineswegs ein Privileg weit entfernter zukünftiger Generationen. Es ist schon jetzt das Schicksal der Kinder, die heute geboren werden. Wenn Sie ein hohes Alter erreichen möchten, kommen Sie am besten in einem Land mit hoher Lebenserwartung und idealerweise als Mädchen zur Welt, und das besser heute als gestern. Aber der Mensch kann auch so etwas für seine Langlebigkeit tun. Ohne ungesunde Dinge wie Rauchen, Trinken und Fettleibigkeit kann man deutlich länger leben. Wichtig ist aber auch ausreichend zu schlafen, sich körperlich fit zu halten, sich ausgewogen zu ernähren, sich mit Familien und Freunden umgeben. Zufrieden und aktiv bleiben. Mein Rat wäre außerdem, länger zu arbeiten. Forschungen zeigen, dass ältere Arbeitnehmer sich spürbar besser fühlen und ein höheres Selbstwertgefühl besitzen. Wer mit Ende 60 statt Anfang 60 in Rente geht, lebt vermutlich um die zwei Jahre länger und ist glücklicher. Darüber müssen die Deutschen einmal nachdenken: Warum konzentrieren wir die Arbeit auf einige wenige Jahrzehnte unseres Lebens? Studien zeigen, dass die Menschen nicht nur älter, sondern auch länger gesund leben. Die 75-jährigen Deutschen von heute sind so gesund wie die 65-Jährigen vor 60 Jahren. Gingen die Leute also später in Rente, wäre die Reduzierung der Wochenarbeitszeit um 10 bis 20 Prozent wirtschaftlich betrachtet überhaupt kein Problem.

Sabine Bobert, evangelische Theologin

Äußere Stille, innerer Lärm

Christlicher Lifestyle antwortete über Jahrhunderte auf den „Tod als Katastrophe“ mit der individualisierten Kultivierung des Todes. Man altert nicht plötzlich. Die biologische Kurve nimmt bereits zwischen dem 35. und 40. Lebensjahr ab. Mystiker wie Johannes Tauler verstanden den Umkehrschub in der Lebensmitte als Aufforderung, sich nach innen zu wenden, um nach dem eigenen Lebenszentrum, dem „Seelengrund“ zu suchen. Wer in den Seelengrund und damit in vielleicht den Tod überdauernde Bewusstseinsschichten herabtauchen will, begibt sich freiwillig in eine Zone, die Sterben und Tod meist umgibt: in die Stille. In äußerer Stille wird innerer Lärm laut. Das gelebte Leben holt die Stillstehenden ein: in Bildern, Stimmen und Verstimmungen. Einsiedler nutzen einen mentalen Anker, um von Bewusstseinsfetzen, die in der Stille lärmen, nicht fortgerissen zu werden. Ein Zen-Buddhist verankert sich im Atemstrom. Die christlichen Einsiedler des vierten Jahrhunderts wiederholten einen Psalmvers als Anker für den Geist und als Schutz vor Wahnsinn. Die orthodoxen Mönche und Nonnen wiederholen noch heute möglichst nonstop innerlich die Worte „Jesus Christus“. Solches Mantra- Beten macht den Geist krisenfest. Er lernt, Heilsames festzuhalten und ängstigende Stimmungen und Stimmen loszulassen. Die Mönche wissen: Die Dinge, denen du Aufmerksamkeit schenkst, werden stärker werden. Wer dies beizeiten einübt, wird in erzwungener Stille einen klaren Geist behalten.

Johannes H., Leser

leben statt vorSORGEN

Ich verwehre mich dem Gedanken, aufgrund ökonomischer und gesellschaftlicher Zwänge alt werden zu müssen. Besser wäre also die Frage: Wie wollen wir leben? Oder noch besser: Wie will ich/wie willst du leben?, da ich hinter dem alt werden bzw. leben keinen kollektiven Willen erkenne. Und da wäre meine Antwort: Ich will mich mit meinen Kenntnissen, Fähigkeiten und Bedürfnissen gesellschaftlich einbringen und in Würde leben. Wenn ich „alt“ bin, werde ich das genauso wollen, auch wenn ich nicht wissen kann, welche Dinge mich dann beschäftigen. Wer seine Möglichkeiten im Alter am Konsumismus festmacht und deswegen das ganze Leben finanziell vorplant und absichert, der oder die führt ja kein Leben im eigentlichen Sinne, sondern ein Roboterdasein. Wer versteht, was Mitmenschlichkeit, Solidarität und Lebensfreude ausmacht, der oder die braucht weder großartige Versicherungen noch ein Altersheim.

Helmut Wallrafen-Dreisow, Geschäftsführer der Sozial-Holding der Stadt Mönchengladbach

Messbare Lebensqualität

Kaum eine Branche in Deutschland wird so engmaschig durch Behörden auf die Einhaltung von Qualitäts- und Sicherheitsstandards überprüft wie die Altenpflege. Insbesondere der seit Jahren durchgeführte jährliche „Pflege-TÜV“ durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen soll es den Menschen ermöglichen, sich ein Bild über die Qualität einer Pflegeeinrichtung zu machen. Unklar bei den derzeitigen Prüfungen ist allerdings, wessen Qualität gemessen wird. So liegt der Fokus auf strukturellen und pflegefachlichen Standards, die von der Wissenschaft entwickelt wurden und von diesen als bedeutend angesehen werden. Dabei zeigen unsere zahlreichen Gespräche und systematischen Befragungen mit pflegebedürftigen Menschen und ihren Angehörigen, dass ihnen ganz andere Dinge wichtig sind. Für die Familien stehen an erster Stelle die ganz normalen Dinge des Lebens, die sich unter dem Begriff Lebensqualität zusammenfassen lassen. Dazu gehört zuallererst eine ausreichende Anzahl an qualifizierten Mitarbeitern, die mit Respekt und Freundlichkeit den Betroffenen und ihren Familien begegnen und die sich für die Menschen und ihre Probleme Zeit nehmen. Dafür notwendige Personalanhaltszahlen fehlen bis heute. Darüber hinaus werden gutes Essen, ein sauberes Umfeld und gute Kontakte in angenehmer Atmosphäre als sehr wichtig angesehen. Wir führen deshalb in unseren Einrichtungen eigene Qualitätsmessungen durch, in denen wir neben fachlichen Standards den Fokus auf die subjektiv wahrgenommene Lebensqualität legen. Wer sonst sollte diese Ergebnisqualität vorgeben als die Bewohner selbst!

Marion A. Weissenberger-Eibl, Leiterin des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung

Innovativ fit

Älter werden und gesund bleiben: Das ist für immer mehr Menschen in Deutschland möglich. Neben einer besseren medizinischen Versorgung lässt sich dies vor allem auf stetig neue Forschungserkenntnisse zurückführen. Die steigende Lebenserwartung, die sich seit 1970 um zehn Jahre erhöht hat und heute bei rund 80 Jahren liegt, unterstreicht dies eindrucksvoll. Allerdings stellen diese Entwicklungen das deutsche Sozialsystem vor große Herausforderungen. Denn trotz aller Fortschritte geht die demografische Alterung mit der Zunahme chronischer Krankheiten einher. Aus diesem Grund bedarf es weiterer Innovationen wie zum Beispiel mobiler Mikrosysteme für die medizinische Diagnostik, deren Marktfähigkeit das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI in einem Projekt untersucht – schließlich stehen diese für eine frühere Krankheitserkennung, bessere Therapiechancen und geringere Folgekosten. (Medizin-)Technische Innovationen alleine können die gesellschaftlichen Umwälzungen der kommenden Jahrzehnte jedoch nicht bewältigen. Vielmehr gilt es, technische und soziale Innovationen stärker zu verknüpfen. Ein Beispiel sind vernetzte Smart- Home-Geräte, die ältere Menschen an Arzttermine oder den laufenden Fernseher erinnern, ihnen im Falle eingeschränkter Mobilität genauso eine einfache Kontaktaufnahme zu Freunden oder Angehörigen ermöglichen – und sie dadurch weiterhin aktiv am gesellschaftlichen Leben teilhaben lassen.

Silvia S., Leser_In

Meine Vorstellung vom Altwerden ist ständig in Bewegung. Ich versuche flexibel und offen zu bleiben für all die neuen Herausforderungen. Suche mir bewusst Situtionen aus, die viele in meinem Alter nicht mehr tun (im Zelt schlafen, mit Mitfahrerzentrale oder Flixbus fahren, in die Disco gehen, Bokwa tanzen usw. usw.) Komischerweise hat meine Umwelt Probleme damit, manchmal sogar Angst vor dem \"was ich noch so alles mache\" und andere Gleichaltrige schon lange nicht mehr. Ich bin dann eben ein bisschen ver-rückt. Aber bin ich schon alt? Das frage ich mich öfter, denn mit 61 stehe ich doch mitten im Leben und Berufsleben. Geistig wird in meinem Beruf viel abverlangt. Ich gehe mehr in Sport als früher, höre die Musik von heute genauso gerne wie die von damals. Mit Partner alt werden, das ist eine fantastiche Vorstellung inzwischen. Wer hält mit mir mit ? Ich müsste mich altersmäßig anpassen, d. h. \"gesittet\" sein, für die jüngeren Männer bin ich wohl interessant aber doch zu alt und \"noch\" ganz schön verrückt. Meine Freunde haben fast alle Familie, beneiden mich zwar oft für meine Freiheit, aber an den Wochenenden fragt keiner groß nach mir. Da bin ich oft einsam, richtig einsam, wie ein Tiger im Käfig. Die Kinder sind groß, besuchen mich, aber auch dann wenn passt oder sie in der Nähe sind. Manchmal kochen wir zusammen, dann übernehmen sie das Kommando in meiner Küche oder ich lade sie zum Essen ein. Da ich gerne aktiv bin, mich überhaupt nicht alt fühle, sehr gerne weggehe, tanze, Kino, Biergarten etc. (die wenigen Singles in meinem Kreis aber müde sind und lieber vor der Glotze hocken), weiss ich was mir über kurz oder lang blühen könnte: die Alterseinsamkeit gepaart mit Altersarmut, denn meine Rente, naja sie wird grade so reichen, aber mal eben in wärmere Gefilde reisen, kann ich davon nicht. Ich möchte betonen, dass ich dies nicht zulassen werde, solange es irgendwie geht. Aktiv sein, laufen können, Spaß am Leben haben, meine Freunde treffen, auch wenn diese blöden Wochenenden dazwischen sind, das ist mein Ziel und natürlich die nötige Gesundheit dazu.

Rolf Kuhlmann, Leser_In

Wie? In Würde und mit angemessener Lebendigkeit, heißt, keine Grenzziehung durch einen Altersrubikon, den man/frau zwischen 50 und 65 durchqueren muss. Wenn am anderen Ende nur noch der Rollator winkt, wer will da starten. Denn den größten Missgefallen haben wir uns getan, als wir die \"50plus\" erfunden haben, wurde es eher ein Entsorgungsbegriff als eine Wertschätzung der dritten durchaus potenten Lebensphase. Mit 20go, 30/40, 50/70 und 70ultra wären wir besser für die vier aktiven Generationen bedient, wenn das überhaupt einen Sinn macht, rechnerische Linearität als Maßstab bei den vielen beindruckenden, individuell gepflegten Erwerbsbiographien anzulegen. Das Leben ist ein durchgängigerSchatz, ein Wunder, eine Ressource von 0 bis 100.

Claudia Sagafe, Leser_In

In der Gemeinschaft und gesund alt werden.Ich finde auch eine Rentner WG toll.

Prof. Dr. Dr. Eberhard Elbing, emeritierter Professor für Psychologie, Leser_In

Kein Merkmal des Alterns wird so überschätzt wie Einsamkeit. Empirische Studien zeigen: Einsamkeit ist nicht das Hauptmerkmal des Alterns, außer bei sehr hohem Alter, wenn kognitives und körperliches Siechtum dominieren. Ansonsten ist Verwitwung der höchste Risikofaktor, wobei Männer konstant höhere Einsamkeit aufweisen. Deutliche Alterseinsamkeit ist in Deutschland eher selten. Auch in einer übernationalen Studie zur Altersgruppe über 50 gaben nur 8,5 Prozent an, daran zu leiden. Der Trend zur sinkenden Alterseinsamkeit zeigt sich vor allem in industrialisierten, europäischen Ländern, die ähnliche positive Gesellschaftsveränderungen für Ältere aufweisen. Hierbei zeigen die 55- bis 69-Jährigen konstant die geringste Einsamkeit, die 70- bis 85-Jährigen sind die größten Gewinner eines positiven gesellschaftlichen Trends. Die Befunde signalisieren gesellschaftliche Veränderungen, die eine positive Lebensgestaltung auch im Alter erlauben. Voraussetzungen sind finanzielle Ressourcen, Bildung, passende Wohn-, Verkehrs- und Kommunikationsmöglichkeiten sowie individuelle Biographien, die Potentiale, Kompetenzen, Ziel- und Handlungsperspektiven nutzen. Fehlen diese Voraussetzungen, verbleibt der gesellschaftliche Auftrag, Einsamkeit induzierende Defizite zu beheben und die durch Einsamkeit beeinträchtigte Lebensqualität zu bessern. Das Klischee des einsamkeitsdurchtränkten Alterns resultiert auf unzulässiger Vereinfachung komplexer Phänomene, einseitiger Auswahl negativer Beispiele und vorschneller Generalisierung von Teilaspekten.

Michael S., Leser_In

Ich fände es klasse wenn mehr Mehrgenerationshäuser gebaut werden in denen jeder was davon hat. Auch fände ich es gut wenn man den Zeitpunkt wann man \"gehen\" mag selber bestimmen kann

Johannes H., Leser_In

Ich verwehre mich dem Gedanken, aufgrund ökonomischer und gesellschaftlicher Zwänge alt werden zu müssen. Besser wäre also die Frage: Wie wollen wir leben ? oder noch besser: Wie will ich/wie willst du leben ? da ich hinter dem alt werden bzw. leben keinen kollektiven Willen erkenne. Und da wäre meine Antwort: Ich will mich mit meinen Kenntnissen, Fähigkeiten und Bedürfnissen gesellschaftlich einbringen und in Würde leben. Wenn ich \"alt\" bin, werde ich das genau so wollen, auch wenn ich nicht wissen kann, welche Dinge mich dann beschäftigen. Wer seine Möglichkeiten im Alter am Konsumismus festmacht und deswegen das ganze Leben finanziell vorplant und absichert, der oder die führt ja kein Leben im eigentlichen Sinne, sondern ein Roboterdasein. Wer versteht, was Mitmenschlichkeit, Solidarität und Lebensfreude ausmacht, der oder die braucht weder großartige Versicherungen noch ein Altersheim.

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Welcher globale Lebensstandard ist möglich?

Was geschähe, wenn alle Menschen auf der Welt so lebten, dass ihre Enkelgeneration eine intakte Lebensgrundlage vorfände, also einen nachhaltigen Lebenswandel führten?

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Griffin Carpenter, New Economics Foundation

Überfischung zu teuer

Die Beweislage ist eindeutig: Der Lebensstil in der entwickelten Welt ist nicht nachhaltig und mitnichten weltweit exportfähig. Allerdings sind wir auch flexibler als gedacht. Ein hoher globaler Lebensstandard ist denkbar, wenn wir Ökologie und Ökonomie nicht als Gegensätze sehen. Beispiel: die Dezimierung der Fischpopulationen durch jahrelange Überfischung der Weltmeere. Die Weltbank schätzt, dass wir dadurch jährlich 50 Milliarden Dollar verlieren. Diese Populationen wieder auf ursprüngliche Levels zurückzuführen, würde zu höheren Fangraten, einem ökologischen Gleichgewicht und höheren Lebensstandards führen. Es würde zugleich den weltweiten Druck auf das maritime System verringern. Darüber hinaus fördert die nachhaltige Fischerei auf lange Sicht höhere Umsätze und bringt bis zu 100.000 zusätzliche Arbeitsplätze. Aber sollten wir Lebensstandard aus- schließlich wirtschaftlich betrachten? Dank neuer Forschungen auf diesem Gebiet wissen wir, dass die Beziehung zwischen materiellem Wohlstand und Lebenszufriedenheit keine direkte ist. Länderranglisten wie der Happy Planet Index, bei dem Costa Rica dank subjektivem Wohlbefinden bei gleichzeitig niedrigem Ressourcenverbrauch den Spitzenplatz innehat, unterstreichen das. Beschränkungen durch Umweltschutz sind höchst real. Darauf müssen wir unser Wirtschaftssystem abstimmen. Sobald wir jedoch unseren Lebensstil kritisch hinterfragen, können wir definitiv sowohl Nachhaltigkeit als auch einen hohen Lebensstandard erreichen – lokal wie global.

Michael Weber, Leser und Gründer von BONSUM

Von allem weniger, dafür alles besser

Wir können unseren Lebensstandard halten, aber nicht so. Natürlich können wir unsere individuelle Mobilität erhalten und sogar ausbauen, aber nicht jeder kann ein Auto besitzen. Wir können uns alle ausgewogen ernähren aber nicht jeden Tag Fleisch essen. Wir können auch alle Zugang zu mobilem Internet haben, aber nicht alle zwei Jahre ein neues Smartphone kaufen. In einer besseren Welt würde nach dem Verursacherprinzip der Ressourcenverbrauch mehr kosten. Dann wäre der Hauptreiz für Unternehmen nicht länger Produkte zu produzieren, die die Menschen nach wenigen Jahren ersetzen müssen. Was wäre schlecht daran, mehr für ein Smartphone zu zahlen, das fünf Jahre oder länger hält, weil es den Hersteller zu teuer käme, alle Handys nach zwei Jahren zurück zu bekommen und aufwendig entsorgen zu müssen? Ein globaler Lebensstandard setzt einen verantwortungsvollen Umgang mit unseren Ressourcen, mit der Umwelt und mit den Menschen, die die Produkte herstellen, voraus. Es muss ein Umdenken stattfinden und wir müssen auf nachhaltig produzierte Konsumgüter umsteigen. Guter Konsum ist möglich, wenn wir unsere Produkte nach Qualität und nicht nach dem Preis auswählen würden. Alle 15 Jahre ein sehr gutes Bett aus nachhaltigen Wäldern macht mehr Vergnügen als alle paar Jahre ein billiges Spanplatten-Bett. Leckeres Bio-Fleisch aus der Region einmal die Woche kostet so viel wie dreimal die Woche Industriefleisch etc. Der Ansatz wäre wie gesagt: weniger aber besser.

José Joaquin Chaverri Sievert, Botschafter von Costa Rica

Bildung statt Militär

Die Wiederaufforstung der Wälder ist eine nationale Notwendigkeit. Einige unserer Naturreservate sind klein und funktionieren als biologische Korridore für eine große Anzahl von Tieren, die von der nördlichen Hemisphäre zu uns kommen. Die Größten dienen dem Schutz der umfassenden Flora und Fauna des Landes. Dank Wiederaufforstung und Schutzmaßnahmen hat Costa Rica es geschafft, eines der Länder mit der größten Biodiversität weltweit zu werden. Wir müssen den Regenwald schützen und zugleich mit der Agrarwirtschaft in Einklang bringen. Das kommt einem ewigen Balanceakt gleich. Unsere Universitäten und Forschungsinstitute haben diesen nachhaltigen Prozess wider die normalen Schwierigkeiten, denen ein Entwicklungsland ausgesetzt ist, begleitet. Costa Rica hat zudem seit der Abschaffung seines Militärs im Jahre 1948 seine Gelder in die Bildung investiert. Es ist der gemeinsame Wunsch von Regierung und Bürgern, die Armut mithilfe der Bildung gerade im Sinne benachteiligter Kinder und Frauen zu besiegen. Als Mittel zum Zweck dienen Einklassenschulen sowie Bildungszentren in den unterschiedlichsten Regionen. Heute gibt es sieben staatliche Universitäten, die Universität von Costa Rica eingeschlossen, die wichtigste Universität Zentralamerikas. Des Weiteren wurden zahlreiche Forschungszentren gegründet, u.a. das Forschungszentrum für tropische Landwirtschaft in Turrialba (CATIE) und die in ganz Lateinamerika renommierte Earth University, eine private Universität, die sich auf Landwirtschaft und Nachhaltigkeit spezialisiert hat. Außerdem setzt Costa Rica schon seit den 1950er Jahren auf Erneuerbare Energien, hauptsächlich mittels Hydraulik. Dies führt dazu, dass 90 Prozent des Energieverbrauchs mit Erneuerbaren Energien abgedeckt wird, etwa mit Wind und dem Gas von Vulkanen.

Tobias Kahler, Deutschlanddirektor von One

Der Eine-Billion-Dollar-Skandal

Kein Mensch auf der Welt sollte in extremer Armut leben müssen. Extreme Armut bedeutet, weniger als einen Euro pro Tag zum Überleben zu haben. In den vergangenen 20 Jahren konnte der Anteil der Menschen in extremer Armut weltweit halbiert werden, bis zum Jahr 2030 kann extreme Armut ganz beseitigt sein. Das könnte allerdings scheitern – nicht an Naturkatastrophen oder neu auftretenden Krankheiten, sondern an einem besonders tückischen Feind: der Korruption. In Entwicklungsländern hat Korruption gravierende Folgen: Werden Investitionen in das Gesundheitswesen, in Ernährungssicherheit oder Infrastruktur entzogen, kostet das Menschenleben. Wir haben herausgefunden, dass mindestens eine Billion US-Dollar (750 Milliarden Euro) jedes Jahr durch Korruption aus Entwicklungsländern abfließt. Ein globales Problem, für das wir globale Lösungen brauchen. In den ärmsten Ländern könnten pro Jahr etwa 3,6 Millionen Leben gerettet werden, wenn Intransparenz durch internationale politische Regelungen wirksam bekämpft wird und die entstehenden Steuereinnahmen in Gesundheitssysteme investiert werden. Gesunde Menschen bilden die Grundlage für eine prosperierende Wirtschaft. Wenn wir Korruption jetzt effektiv bekämpfen und zusätzlich in die Gesundheit in armen Ländern investieren, sind wir dem Ziel, extreme Armut bis 2030 zu beenden, bereits einen großen Schritt näher.

Lutz Wicke, Direktor des Instituts für Umweltmanagement der Wirtschaftshochschule ESCP Europe

Das wird sich keiner leisten

Eine wirksame weltweite Klimapolitik würde die Vernichtung von Lebensräumen für Milliarden von Menschen in dicht besiedelten, fruchtbaren Gebieten durch Überschwemmung und andere klimabedingte Schäden verhindern. Klimaschutz ist deshalb ein kategorischer Imperativ. Welche Maßnahmen dafür notwendig sind und mit welchen Kosten zu rechnen ist, hat die Internationale Energieagentur IEA 2008 zusammengestellt. Sie nennt u.a. die Steigerung der Energieeffizienz, die Setzung finanzieller Anreize zum Energiesparen, die Förderung der erneuerbaren Energien und das Ende der Kohle in ihrem Maßnahmenkatalog. Dafür müsste die Welt bereit sein, einen extrem hohen Preis von 200 bis 600 US-Dollar pro Tonne CO2 zu bezahlen. Schon bei 200 US-Dollar würden etwa Benzin 1,30 Euro und Diesel 2,10 Euro pro Liter teurer. Zweifellos würde das die Kaufkraft der ärmeren Bürger kräftig schmälern und den Lebensstandard der Weltbevölkerung drastisch senken. Es hat sich in vielen Ländern gezeigt, dass selbst geringe Energiepreissteigerungen schnell zu politischen Unruhen führen. In Deutschland mit seiner überdurchschnittlich umweltengagierten Bevölkerung wurden die Ökosteuer und der Strompreisanstieg durch die Ökostrom-Einspeisevergütung nur murrend akzeptiert. Es ist kaum vorstellbar, dass in den meisten, gänzlich anders strukturierten Ländern der Welt eine ähnliche klimapolitische Opferbereitschaft besteht. Die allermeisten Länder werden sich wohl weiterhin kaum durch eigene Maßnahmen am Klimaschutz beteiligen. Vor allem dann, wenn sie über Kohle-, Öl- und Gasvorräte verfügen. Die hohen Kosten einer wirklich durchgreifenden und wirksamen Klimapolitik und ihre negative Wirkung auf den Lebensstandard tragen wesentlich dazu bei, dass substantielle Fortschritte in der Weltklimapolitik nicht zu erwarten sind.

Mathis Wackernagel, Global Footprint Network

Globale ökologische Schulden

Ohne Natur geht nichts. Die Natur erneuert Ressourcen und absorbiert Abfallstoffe. Sie reguliert unser Klima. Die Rechnung ist einfach: Die Erdkugel hat einen Umfang von 40.000 Kilometern. Damit umspannt die Erdoberfläche 51 Milliarden Hektar. Ungefähr ein Viertel ist biologisch produktiv: Wälder, Felder, Feuchtgebiete und fischreiche Meere. Der Rest sind Wüsten, Eisflächen, offene Meere mit wenig Fischen. Mit einer Weltbevölkerung von sieben Milliarden heißt das also, dass uns pro Erdbewohner etwa 1,7 Hektar produktive Fläche zur Verfügung stehen. Einen Teil davon wollen wir den mehr als zehn Millionen wilden Tierarten lassen, mit denen wir in Konkurrenz um diese limitierte Biokapazität stehen. Vielleicht wollen wir auch noch eine weitere Reserve lassen, denn die Weltbevölkerung wächst. Deutschland ist mit 1,8 globalen Hektar an Biokapazität pro Bewohner etwas reicher als die Welt. Um sowohl alles zu produzieren, was ein Deutscher im Durchschnitt konsumiert, als auch die entsprechenden Abfälle zu absorbieren (besonders das CO2 von der Fossilenergie), braucht es mindestens 4,6 globale Hektar. Also etwa dreimal mehr als verfügbar. Das wird auch für Deutschland zum Risiko, denn die Welt wird enger: Weltbürger nutzen mit 2,7 globalen Hektar pro Kopf schon mehr, als sie zur Verfügung haben. Die Konsequenz ist der Aufbau von globalen ökologischen Schulden – CO2-Anstieg in der Atmosphäre, knappes Süßwasser, schwindende Wälder. Von wo wird Deutschland all die nötigen Ressourcen importieren?

Anuradha Gupta, Stellvertretende CEO bei GAVI Alliance

Sieg über Polio

Impfungen retten Leben. Während meiner Tätigkeit als hochrangige Beamte für das indische Gesundheitsministerium konnte ich das unmittelbar erleben. Vor nur drei Jahren war Polio in Indien endemisch und wir mussten mit ansehen, wie Kinder furchtbare lebenslange Behinderungen zurückbehielten oder sogar an der Krankheit starben. Durch gezielte Bemühungen, jedes Kind gegen Polio zu impfen, ist es uns gelungen, dass Indien Anfang dieses Jahres offiziell poliofrei erklärt wurde. Ich habe große Hoffnung, dass wir diesen Erfolg mit anderen Impfungen wiederholen können. Die indische Regierung ist bereits dabei, den Fünffachimpfstoff in allen Bundesstaaten verfügbar zu machen. Zudem hat Premierminister Narendra Modi angekündigt, dass auch der Rotavirus-Impfstoff, der gegen Durchfallerkrankungen schützt, sowie Impfstoffe gegen Japanische Enzephalitis und Röteln eingeführt werden sollen. Darüber hinaus soll als Teil der weltweiten Strategie zur endgültigen Ausrottung von Polio der IPV-Impfstoff nach und nach die orale Impfung ablösen. Kinder sollten einen gesunden Start ins Leben haben. Es ist einfach nicht akzeptabel, dass ein Kind im 21. Jahrhundert an einer Krankheit stirbt, die durch Impfen so einfach vermeidbar wäre. Vor Indien liegt die große Herausforderung, die genannten Impfungen in allen Bundesstaaten verfügbar zu machen und jedem der 27 Millionen jährlich geborenen Kinder lebensrettende Maßnahmen zu ermöglichen.

Ekki, Leser

Wie definieren wir Lebensstandard?

Verzeihen Sie, dass meine Antwort ggf. etwas am gewünschten Ziel vorbeischießt. Ich hoffe die Diskussionen und Kommentare dadurch nicht irre zu leiten. Die Definition von Lebensstandard ist, glaube ich, in unseren westlichen Köpfen etwas sehr an die äußere Umgebung, Umstände, Milieu, Sachgüter(!) gebunden. Wann habe ich einen hohen Standard? Habe ich ihn, wenn ich mir jede Saison die neuste Hi-Fi-Anlage leisten kann und wenn mein Auto automatisch im Winter vorheizt, ich aber jeden Morgen um halb 6 aufstehen muss, um mich in meinem 50-Stunden-Job abzurackern, um mir diesen „Lebensstandard“ leisten zu können? Oder habe ich einen hohen Lebensstandard, wenn ich mich entscheide, finanziell nur kleine Sprünge machen zu können und in „Elternzeit“ gehe, damit ich die ersten Monate meines Nachwuchs ganz bewusst miterleben kann? Es ist eine reine Kopfsache, wie ich meinen Lebensstandard mit der gegebenen Situation auf ein hohes Level setze.

Adelheid Rehse, Leser_In

Das eigentliche Problem ist doch, daß wir einfach zu viele Menschen sind. Was die Welt bräuchte, ist ein globales Ein-Kind-Programm, damit sich in Zukunft die Menschen nicht mehr gegenseitig den Lebensraum wegnehmen und auch für andere Lebewesen noch ein bißchen Platz übrigbleibt. Aber so wie unsere (und nicht nur unsere) Politik kläglich an ganz banalen Problemchen scheitert, sieht es mit einer weltweiten Geburtenkontrolle ziemlich schlecht aus, und dann sind alle Umweltschutzprogramme, die wir uns ausdenken mögen, für die Katz.

c, Leser_In

Esdarf keiner mehr sterben,weil er Hunger hat un d anderswo werden Lebensmittel weggeworfen.Wir müssen unsere Umwelt schützen,nachhaltig leben.

Walter Henle, Leser_In

Was wäre, wenn alle 7 Milliarden Menschen so lebten, dass alle ihrer Nachfahren eine Lebensgrundlage vorfänden?

Dann müssten ab heute alle Menschen nachhaltig leben - wirklich nachhaltig, nicht nur „nachhaltig“. Nachhaltig ist nur die Subsistenzwirtschaft.

Die moderne Gesellschaft ist bedroht, denn sie wird mit ihrer ökonomischen Expansion über kurz oder lang die Industrie an die Wand fahren. Um die Probleme in den Griff zu bekommen, müsste der zivilisierte Mensch viele seiner Gewohnheiten rasch und ziemlich gründlich ändern. Er verzichtet freilich nur sehr ungern auf Luxus, auf seine „Bedürfnisse“. Der Klimawandel ist nur ein aktuelles Problem, es verdeckt, verdrängt das weit größere Unheil, das auf die Menschheit in den kommenden Jahrhunderten zukommt: Die Ressourcen gehen aus. Derzeit ignorieren die Nationalökonomen meist, dass fast alle Ressourcen endlich sind; der Bergbau führt zu ihrem Schwund und der führt dazu, dass innerhalb von wenigen Generationen (10, 20 oder 30 mögen es sein) die Industrie und damit die Zivilisation mangels technischer Möglichkeiten zusammenbrechen wird.

„Handle so, daß die Wirkungen deiner Handlungen verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden.“ (Hans Jonas)

Ohne Bergbau, ohne Gewalt gegen die Natur würde die industrielle Zivilisation ziemlich bald enden. Sind erst einmal die Ressourcen erschöpft, nutzt aber noch mehr Gewalt nicht mehr viel. Der Mensch wird sich kaum freiwillig zu einer nachhaltigen, einer sehr bescheidenen Lebensweise bekehren, das würde doch Verzicht bedeuten. Je länger aber die Zivilisation noch andauert, desto chaotischer wird ihr Zusammenbruch verlaufen und desto schlimmer wird es allen gehen, die dann leben werden und denen, die danach kommen. Wirklich nachhaltig ist nämlich nur die Subsistenzwirtschaft. Die Natur ist wichtiger als die Bedürfnisse jedes derzeitigen und jedes kommenden Konsumenten, jedes derzeitigen und jedes künftigen Wirtschaftssystems, denn der Mensch ist Teil der Natur.

Unser Problem ist die Zivilisation. Das geistig-moralische Problem des zivilisierten Menschen ist seine anthropozentrische Denkweise: Er sei das Maß aller Dinge, meint er. Was für ein Irrtum!

Kurz- und mittelfristig wird der Mangel durch andere Rohstoff-Vorkommen gedeckt werden, freilich mit immer höherem Risiko für die Natur und zu höheren Kosten und somit zu höheren, letztlich exorbitanten Verbraucherpreisen. Es wäre sicher ein Fehler, bestimmte Fristen dafür zu nennen, wann denn dieses oder jenes Erz erschöpft sein wird. Man lasse sich davon aber nicht täuschen: Langfristig werden alle fossilen und alle wichtigen mineralischen Ressourcen soweit erschöpft sein, dass ein Abbau nicht mehr lohnen wird - finanziell (wirtschaftlich arbeitet nur der der nachhaltig arbeitet, Bergbau war nie nachhaltig!). Da werden dann auch noch so viel technischer Aufwand, noch so hohe Kosten, noch so hohe Preise nicht mehr helfen. Energiewende - recht und gut, aber daran, dass auch die Erze versiegen werden, denken weder Politiker noch moderne Volkswirte.

Werden fossile Ressourcen gespart oder versiegen sie ganz, wird weniger CO2 emittiert und das Klima geschont. Die Klimadebatte: Ein Randproblem.

Die Natur ist die Grundlage jedweden Lebens. Es ist allgemeine Menschenpflicht, sie zu schützen. Die Politiker sehen nicht weit genug voraus, die Politik ist nicht vorsichtig; Luxus ist für sie immer noch „Wohlstand“; dass Verzicht sein muss, verstehen sie noch nicht. Die „Wirtschaft“ wirtschaftet nicht, sie vergeudet. Die Maßgebenden in Politik und Industrie reden gern über die Zukunft, sie machen sich aber wenig Gedanken über das Schicksal der Menschen, die in drei, sechs oder zehn Generationen leben werden.

“Es geht nicht um das Überleben der Menschheit. Unsere Gattung wird weiterhin Fortbestand haben – wohlgemerkt, die Gattung und nicht die rohstoff-intensive Zivilisation von heute. Wir werden weiterhin die Probleme der Energieversorgung, des Klimawandels, der Armut und der Verbreitung von Atomwaffen außer Acht lassen und so die zentrale Grundlage unserer globalen Zivilisation untergraben – und das noch zu Lebzeiten unserer Kinder. Die Gattung Mensch wird weiterhin existieren, unsere Zivilisation dagegen nicht.“ Dennis Meadows

Leonidas, Leser_In

Ich denke alle Menschen sollten Zugang zu Essen und Trinken haben. Die Verteilung der Güter und Lebensmittel sollte gerechter verteilt werden. Dies wäre mit einer globalen Regierung möglich, in der alle Interessengruppen vertreten sein würden. Ansonsten wird sich an der jetzigen Situation nichts ändern: ein kleiner Teil lebt im Überfluss und der große Teil muss jeden Tag ums Überleben kämpfen. Die Profiteure des jetzigen Ungleichgewichts werden die Verhältnisse nicht ändern wollen. Deswegen braucht es wohl erst eine Katastrophe ehe die Menschen wieder enger zusammenrücken und begreifen, dass wir alle gleich sind.

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