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Wann werden wir Europäer?

Wird es jemals dazu kommen, dass wir uns selbst als Europäer – nicht als Deutsche – bezeichnen, wenn gefragt wird: Und woher kommen Sie?

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Helmut Kohl, Bundeskanzler a.D.

Architektur für Frieden und Wohlstand

Wir wollen ein Europa der Vaterländer sein – wie Frankreichs Staatspräsident Charles de Gaulle es einst ausgedrückt hat – in einem geeinten Europa, in dem wir alle Europäer sind und uns zugleich nationale Identitäten bewahren. Wir wollen also Deutsche, Italiener, Franzosen, Niederländer, Polen und Ungarn bleiben, um nur einige zu nennen, und zugleich Europäer sein. Mit dem Ziel, Europa dauerhaft zu sichern und damit auch den Frieden und die Freiheitdereuropäischen Völkerfamilie, muss es jetzt darum gehen, das Fundament Europas wieder zu festigen, den europäischen Einigungsprozess entschlossen voranzubringen und ihn politisch unumkehrbar zu machen. Wir müssen den Bau des „Hauses Europa“ jetzt mit neuem Schwung angehen und Schritt für Schritt vollenden. Das Haus Europa muss so groß sein, dass alle Völker Europas, die dies wünschen und können, darin eine Wohnung haben. Mit unseren Verträgen gestalten wir eine Hausordnung für ein friedliches Miteinander, die von den Mitgliedsstaaten natürlich eingehalten werden muss und mit der auch unvermeidliche Auseinandersetzungen in zivilisierter und geordneter Form geführt werden können, ohne dass es jemals wieder Krieg gibt. Deutschland darf nie wieder ein Wanderer zwischen den Welten werden, sondern muss, wie es Konrad Adenauer mit der Westbindung fixiert hat, fest im freiheitlichen Westen, in der europäisch-atlantischen Staatengemeinschaft verankert bleiben.

Barbara Turczynski-Hartje, Leserin

Wir sind mehr Region als Staat

Als Numerus-clausus-Flüchtling studierte ich in Straßburg in den 1970er Jahren Medizin. Es fiel mir manchmal schwer, mich als Deutsche zu bezeichnen, so viel Ballast, so viel Grausamkeiten, so viele notwendige Entschuldigungen. Irgendwann antwortete ich dann auf die Frage nach meiner Nationalität mit: je suis bavaroise et europeenne. Und das schuf Nähe mit den Elsässern, Verbrüderung gegen die „da oben“ und einen wunderbaren Austausch über Dialekt, Identität, Heimatliebe. Es ist so viel einfacher, seine Region zu lieben, die, die man kennt, in der man aufgewachsen ist, als irgendeinen Nationalstaat. Aber Europa ist meine Region, meine Kultur, mein griechisches Abendland, mein französischer Wein, mein englischer Krimi. Je mehr wir uns begegnen, desto mehr fühlen wir uns als Europäer. Schade, dass es noch keinen europäischen Pass gibt!

Jacqueline Skvorc, Leserin

Einheit durch Vielfalt

Ich glaube nicht, dass eine paneuropäische Identität die nationalen Identitäten verdrängen wird. Jedes Land, jede Kultur und jeder Bürger wahrt seine nationale Identität und seine Individualität. Und das ist auch wichtig, andernfalls würde Europa seine Vielfalt verlieren – und das ist es doch, was Europaausmacht.

Ulrich Brasche, Professor für Ökonomie mit Schwerpunkt Europäische Integration, Fachhochschule Brandenburg

Geld und Macht teilen

Sowohl ökonomisch als auch politisch ist die bisherige Idee eines vereinten Europas heute in Frage gestellt. Frieden und Wohlstand als Versprechungen der Integration und der Verweis auf universelle Grundwerte allein sind nicht mehr zugkräftig. Der Transfer von Macht auf die „Zentrale“ stößt auf den Widerstand der meisten EU- Bürger. Zudem stellt die Erwartung an Solidarität durch Transferleistung, die durch die Finanzkrise eine neue Größenordnung erhalten hat, die Einheit Europas auf die Probe. Umfragen zufolge sehen sich die Bürger zuerst als Mitglieder ihres näheren Bezugsrahmens, danach als Bürger ihres Landes und erst zuletzt als EU- Bürger. In einer heterogenen Welt kann Komplexität belastend sein. Homogenität einer „Wir-Gruppe“ entlastet. Das Teilen von Macht und Geld funktioniert leichter, wenn Vertrauen gegenüber den legitimen Herrschenden und ein Gefühl der Verbundenheit vorhanden ist. Weder Geografie noch Geschichte, Religion oder Ethnie taugen als Abgrenzungskriterien. Das hat die Diskussion über die Kompatibilität des Islam mit Europa wieder gezeigt. Die zunehmende Entfremdung zwischen pro-europäischen politischen Eliten und ihren Mitbürgern wird die Akzeptanz der europäischen Integration weiter erodieren. Wie viel „Einheit in der Vielfalt“ ein Europa von morgen ausmacht, wird ständig neu verhandelt. Dieser Diskurs muss besonders die nächsten Generationen einbeziehen, die „ihr Europa“ gestalten wollen. Sie werden darin leben.

Frank Westphal, Leser

Region plus Europa

Die Menschen brauchen eine Story, eine richtig gute Geschichte. Dabei muss es gelingen, die regionalen und kulturellen Besonderheiten zu bewahren, sodass auf die Frage nach der Herkunft die Antwort z.B. lauten könnte: Spreewald oder Europa.

Ulrike Haase, Leserin

Wenn der erste Flieger vom BER startet ...

Inge Bucerius, Leserin

Nenn ́s Glück! Herz! Liebe! Gott!

Unterwegs in Deutschland komme ich sprachlich heute aus Franken, nach dem Autokennzeichen aus München, in Dresden komme ich aus Bayern, unterwegs in der Welt aus Deutschland. Mein in Sendling aufgewachsener türkischer Bekannter bezeichnet sich als bayrischen Türken. Sehen sich Kinder von Eltern aus verschiedenen europäischen Ländern selbst als Europäer? Oder eher als zu dem Land gehörig, in dem sie zufällig leben, unabhängig von der Herkunft ihrer Eltern? Hätten sich vielleicht die Menschen, die in ihrem Nachruf „Große Europäer“ genannt werden, weil sie am „Europäischen Haus“ mitgebaut haben, selbst als Europäer bezeichnet? Wer außer den international verhandelnden Politikern hätte Grund, sich wem gegenüber als Europäer darzustellen? Der Tourist auf der Route 66, wenn er sein Nachtquartier bucht? Oder ein Soldat im Einsatz in Afrika? Wichtiger als die Antwort auf diese Fragen ist es, dass beim FC Wacker Sendling über 50 Nationen gemeinsam Fußball spielen, dass sich in Münchner Mütterzentren Mütter und Kinder aus über 80 verschiedenen Ländern zu gemeinsamen Aktionen treffen, dass in Münchner Kliniken Arbeitsteams mit Kollegen aus der ganzen Welt zusammenarbeiten oder Studenten in internationalen Seminaren gemeinsam forschen.

Elisabeth Hamel, Sprachwissenschaftlerin und Autorin

Genetisch trennt uns wenig

Der moderne Mensch besiedelte Europa vor 40.000 Jahren von Osten nach Westen. Dort lebten die ersten Europäer in kleinen Gruppen als Jäger und Sammler und durchschweiften weite Areale. Ein Ereignis sollte die Europäer und auch andere Menschengruppen, die aus Afrika ausgewandert waren, entscheidend prägen: die Eiszeit vor 20.000 bis 13.000 Jahren. Vor allem in der kalten Jahreszeit war ein Überleben nur in wärmeren Zonen möglich. Für die Europäer galt: Wer nicht rechtzeitig Südfrankreich, Spanien, Italien oder die Schwarzmeerküste erreichte, erfror oder verhungerte. Die Bevölkerung wurde dezimiert. Die Genetiker sprechen vom Flaschenhalseffekt. Südfrankreich war das maßgebliche Rückzugsgebiet. Dort trafen die genetischen Linien zusammen und vermischten sich. Aus Sprachengemisch wurde eine gemeinsame Sprache, vermutlich eine Urform des heutigen Baskisch, wie Theo Vennemann, Sprachwissenschaftler an der Universität München, vermutet. Von dort ging bei Erwärmung der Erde die Wiederbesiedelung Mittel- und Nordeuropas aus. In ihrer gemeinsamen Sprache benannten die nach Norden und Osten ausschwärmenden Europäer die neu gewonnenen, von Gletschern und Tauwasser geformten Landschaften. Wir Europäer sind zu 70 Prozent Nachfahren dieser Urbasken und insofern genetisch sehr homogen. Uns Heutigen bleibt die Aufgabe, unsere europäische Identität auch kulturell und politisch zur Geltung zu bringen.

Knut Reimer, Leser

WIR, die Deutschen?

WIR können nur dann Europäer werden, wenn WIR als Europäer einen Weltmeistertitel erreichen, so wie WIR uns mit Deutschland identifiziert haben beim Gewinn der WM. Das wird aber nicht passieren, weil es keine „europäische Nation“ geben wird. Also hilft nur noch eine große KRISE, die uns Europäer eint und voran bringt. Aber wollen wir das wirklich? Das wirkliche Leben spielt sich doch entscheidend im Kleinen und Privaten ab. Das Glück findet sich im persönlichen Miteinander und nicht in einem wirtschaftspolitischen Projekt namens EUROPA.

Bernd Föhrweiser, Leser

Alles in einen Topf

Wenn das letzte schwimmende Fischerdorf in Vietnams Halong Bay zwangsumgesiedelt wurde und Bratwurst mit Tzatziki von den Touristen als lokale Delikatesse wahrgenommen wird.

Martin Czygan, Leser

Region geht vor

Wird es jemals dazu kommen, dass wir uns selbst als Europäer – nicht als Deutsche – bezeichnen? Ich glaube nicht: Für die große Masse der Menschen taugt ein Gebilde so groß wie Europa nicht als Herkunftsort. Viele Leute sagen mir heute, sie seien Münsteraner, Westfalen oder kommen aus Dortmund-Hörde. Die sehen sich vorrangig nicht mal als Deutsche. Ich sage dann manchmal eher im Spaß, ich bin hier wohl der einzige Deutsche, weil meine Eltern aus Sachsen und Ostpreußen stammen und ich bisher in Franken, Niedersachsen und Westfalen gelebt habe. Viele sehen bereits beim Blick über die Stadtteilgrenze „unbekanntes Land“, mit dem man sich nicht so gerne identifiziert, weil man es gar nicht kennt. Deshalb glaube ich nicht, dass die Deutschen zu einem großen Teil „Europäer“ werden.

Wolfgang Kaschuba, Direktor des Instituts für Europäische Ethnologie, Humboldt-Universität Berlin

Peu à peu

Sind wir das nicht schon – jedenfalls im Vergleich zu früheren Generationen? Als Menschen, die in Europa arbeiten und reisen, ohne dabei groß darauf zu achten, was auf dem Pass steht? Stattdessen viel eher auf Interesse und Neugier, auf Geschmack und Gefallen, auf Lebenslust und Lebensstil. Dass dies so vielen Menschen möglich ist, quer über ehemalige Religions-, Währungs- und Landesgrenzen hinweg, jenseits trennender Mauern und Eiserner Vorhänge, das ist für mich etwas sehr Europäisches. Denn Europäisch wäre vielleicht genau dies: offen zu sein für Vielfältiges und Unterschiedliches; sich frei zu fühlen von vielen Zwängen lokaler wie nationaler, ethnischer wie religiöser Enge; reflektiert umzugehen mit individuellen Zuordnungen zu Stilen und Milieus, zu Gruppen und Identitäten; und sich dabei des Privilegs bewusst zu bleiben, in dieser europäischen Landschaft der Gesellschaften und Kulturen zwar Herkunftsheimaten zu besitzen, sie jedoch auch verlassen zu können. Denn abseits der Stammtische und PEGIDA-Parolen und vor allem unter den jungen Generationen, die unterwegs sind zum Erleben, Arbeiten, Studieren, ist Europa vielfach längst Alltag. Nicht als neue Supernation, sondern als offener Raum für Lebensentwürfe, in denen gleichwohl Denk- und Meinungsfreiheit, Grundrechte und Gerechtigkeitsgefühle verbindende Werte bilden können. Anknüpfend an humanistische und demokratische Traditionen der europäischen Geschichte.

Moritz Baumgärtner, Jazz-Drummer bei Bonaparte und Melt Trio

Nationale Eindrücke verschmelzen

Für mich ist Europa eine riesige „Spielwiese“ mit vielen verschiedenen Geschichten, Klängen, Gerüchen und Geschmäckern, derer ich mich bediene, um meine Musik ehrlich und individuell zu gestalten. Viel mehr noch: Musik ist für mich gelebte Einheit. Bei Bonaparte sorgen mittlerweile mehr als 20 Künstler aus allen Ecken Europas und der Welt für einen ganz speziellen Sound – und das Melt Trio, eines meiner neuen Projekte, trägt die Verschmelzung der Stile schon im Namen. Das Schöne an Musik ist, dass sie nur richtig gut funktioniert, wenn wir aufhören, geldpolitische Interessen zu verfolgen und unsere Ängste überwinden. Wenn wir uns anderen Menschen und Lebensarten öffnen, sie als Inspiration zu schätzen lernen und annehmen – das heißt, wenn wir ein gemeinsames Leben leben, bei dem jeder Teilnehmer wie eine Stimme in einer Partitur seinen individuellen Klang und Ausdruck hat und zum Gesamtwohlklang beiträgt. Ob das nun die strahlende Melodiestimme ist oder nur ein einzelner Akzent, der äußerst sparsam eingesetzt wird: Alle Teile eines Ganzen können immer nur zusammen wirken und mit Respekt für einander kommunizieren. Ich habe jeden Tag mit den Grundsätzen dieses „Zusammenspiels“ zu tun. Anders gesagt: Durch mein Schaffen als Musiker werde ich Tag für Tag und Schritt für Schritt zum Europäer.

Rainer Baudermann, Leser

Wir sind es schon

Ich arbeite an mehreren EU-Projekten mit und stelle fest: Wir sind es schon! Die USA gibt es seit über 200 Jahren und auch heute diskutieren und streiten die Einzelstaaten noch. Aber eine gewisse Grundidentität ist da.

Ulrike Wilhelm, Leserin

Ich probiere es jetzt mal aus

Wenn ich in Deutschland oder in Europa gefragt werde, woher ich komme, antworte ich fast immer: „aus Bayern“. Es ergeben sich dadurch sofort Anknüpfungspunkte, um ins Gespräch zu kommen, denn die meisten kennen das Oktoberfest oder haben was zum Fußball zu sagen. Erst außerhalb Europas rückt Deutschland als Herkunftsort in den Blick. Ich werde es ausprobieren und beim nächsten Mal antworten: „I come from Europe“. Bin gespannt, was sich dadurch verändert! Vielleicht begreifen wir uns ja schneller als Europäerinnen und Europäer, wenn wir sprachlich sensibler werden?

Jan Gänger, Ressortleiter Wirtschaft bei n-tv.de

Wirtschaftlich abhängig voneinander

Aus wirtschaftlichem Blickwinkel: Wir sind dann Europäer, sobald wir akzeptieren, dass wir es bereits sind. Unsere Volkswirtschaften sind so eng miteinander verflochten, dass wir voneinander abhängig sind. Das mag man nun gut oder schlecht finden, doch das ändert nichts daran, dass wir ökonomisch gesehen eine europäische Schicksalsgemeinschaft sind. Das hat die Finanzkrise eindrucksvoll demonstriert, deren Folgen noch immer in ganz Europa zu spüren sind. Ob Rekordarbeitslosigkeit in Spanien oder Rezession in Griechenland, ob europaweite Mini-Zinsen oder Export-Überschüsse in Deutschland – das alles hat Auswirkungen auf jedes einzelne europäische Land. Und auf jeden einzelnen Einwohner. Die Krise darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Europa von seiner wirtschaftlichen Verflechtung profitiert. Je mehr wir miteinander Handel treiben, umso mehr wächst unser Wohlstand. Ist diese Krise überwunden, werden die Bindungen noch enger sein – die Bankenunion ist nur ein Beispiel von vielen. Vor allem durch den Euro hat sich eine Eigendynamik entwickelt, die nur unter allergrößten Risiken gestoppt werden kann. Jede verantwortungsvolle Regierung wird daran arbeiten müssen, die Gemeinschaftswährung zum Funktionieren zu bringen. Das gelingt nur, wenn Europa nicht nur bei Geldpolitik, sondern auch bei der Haushaltspolitik eng zusammenwächst. Mit anderen Worten: Wirtschaftlicher Eigennutz macht uns immer europäischer.

Bert te Wildt, Leser

Wenn endlich Kohle rüberwächst

Wir werden erst dann wirklich Europäer, wenn wegen finanzieller Engpässe auf nationaler Ebene kein Theater, kein Museum, keine Bibliothek und kein öffentliches Schwimmbad mehr geschlossen wird. Wenn hier die Staaten der Europäischen Union keine gezielte Solidarität zeigen, dann ist es schlecht um uns bestellt. Erst wenn uns unser gemeinsamer kultureller Reichtum wichtiger ist als der eigene wirtschaftliche Wohlstand, dürfen wir uns unserer Demokratiefähigkeit einigermaßen sicher sein. Ich mache mir keine Illusion, dass ich das Ende von Nationalismus und religiösem Fundamentalismus in Europa noch erleben werde. Aber schon heute bin ich lieber Europäer als Deutscher.

Oliver Kuti, Leser

Wenn alle überall arbeiten

Junge Spanierinnen und Spanier leben Europa, in dem sie im deutschen Maschinenbau arbeiten. Italienerinnen und Italiener bereichern die Pflegeberufe hier. Letztlich entsteht so Identität durch Lebenswelt und Wissen um die Vielfalt der Regionen Europas, jenseits aller Regierungen, die freilich ihre wichtige Funktion behalten. Der Austausch von Chancen zwischen den Ländern kann nur gelingen, wenn Europa wirtschaftlich gelingt und bewusst seine Unterschiede betont. Der Wettbewerb der Regionen ist dann die Attraktion für eine selbstverständlichere Mobilität.

Karsten Bauer, Leser_In

Die Identität des Menschen beruht auf vielerlei Einflüssen.Allein für die geografischen könnte ich sagen, ich bin Marbuirger (Wohnort), Hesse (Bundesland), Deutscher und Europäer. Man sollte hier nicht eine Ebene gegen die andere ausspielen. Mi der Ebene Deutschland verbindet mich neben der Geschichte vor allem die Sprache. Andererseits habe ich mit manchen Italiener, Engländer usw. sicher mehr gemeinsam als mit manchem Deutschen. Euiropa hat kulturell vieles gemeinsam (Nachwirkung der Antike, christliche Überlieferung, Aufklärung z.B.). So ist die Aussage \"ich bin Europäer\" für mich ebenso wichtig wie die Aussage \"ich bin Deutscher).

Klaus Linke, Leser_In

Wenn es ein Europa der Menschen gibt! Zur Zeit existiert ein Europa der Banken und Konzerne, es wird eine Austeritätspoltik betrieben, die große Teile der Bevölkerung in die Armut treibt und nur wenigen Menschen - der sogenannten Elite - dient.

Dr. Rupert Graf Strachwitz, Maecenata Stiftung, Leser_In

Wir sind doch längst Europäer! Man braucht nur mal auf einen anderen Kontinent zu fahren, um das zu erfahren. Aber auch zu Hause sollten wir doch längst gemerkt haben, daß Europa unser Lebensraum und unsere Lebenswirklichkeit geworden ist. Anders könnten wir es uns gar nicht mehr vorstellen! Ewiggestrige gab es immer und wird es immer geben; wir sollten uns von denen nicht irre machen lassen. Unser Zugehörigkeitsgefühl hat sich dabei ausdifferenziert. Die alleinige Fixierung der Loyalität auf den Nationalstaat wurde im 19. Jahrhundert erfunden und im 20. nach schlimmen Erfahrungen überwunden.Heute können wir wunderbar gleichzeitig loyale Europäer, Deutsche und bspw. Bayern sein und uns dabei auch noch besonders eng einem Verein oder einer anderen zivilgesellschaftlichen Initiative verbunden fühlen. So ist die Welt des 21. Jahrhunderts, gerade für uns Europäer, und es ist super, daß es so ist!

Katharina, Leser_In

Ich persönlich fühle mich heute schon mehr als Europäer als \"nur\" als Deutscher, da ich mit den Attributen, die einer nationalen Identität zugeschrieben wird, nichts anfangen kann. Ich fühle mich in Europa zu Hause, mehr als an einigen Orten im eigenen Land. Überhaupt glaube ich eher an regionale, grenzüberschreitende Identitäten innerhalb Europas als an nationale. Ich habe in verschiedenen europäischen Ländern studiert und möchte auch wieder \"ins Ausland\", wobei ich andere europäische Länder nicht als fremd empfinde. Generell stelle ich aber zwei Tendenzen im meiner Generation (\"Millenials\", oder wie man sie auch nennen mag) fest: den Rückzug ins Private und in eine eher nationale Identität zum einen, und die komplette Aufgabe nationalen Denkens und Abkehr in der Wahrnehmung von Grenzen zum anderen. Und hoffe persönlich, dass die erste Tendenz nicht weiter zunimmt.

Jacqueline Skvorc, Leser_In

Europäer sind wir in der EU und in Europa alle - aber nicht nur das. Ich glaube nicht, dass die pan-europäische Identiät über den nationalen Identiäten überwiegen wird. Jedes Land, jede Kultur und jeder Bürger wahrt seine nationale Identiät und seine Individualität und das auch innerhalb Europas. Und das ist auch wichtig - was wäre ein Europa, in dem alle gleich sind? Europa würde seine Vielfalt verlieren - und das ist es doch, was Europa ausmacht.

Günter Land, Leser_In

Vor 40 Jahren, damals mit 15 im Urlaub, in Europa unterwegs, da wollte ich nie Deutscher sein. Denn dann gingen sofort die „dummen Sprüche“ los. Heute mit 55 kann ich getrost behaupten: „Zuerst Weltenbürger, dann Europäer, dann Deutscher“. Oder anders gesagt. Mensch mit deutschem Einschlag. Aber was bedeutet es zu sagen: „Ich bin Europäer!“ Ist es als Mensch eine Bereicherung, oder doch schon wieder eine Beschneidung? Man könnte auch argumentieren, wer große Schritte machen will, muss mit dem ersten Schritt beginnen. Denn, obwohl wir Menschen wissen, wenn man will, dass die Glocken läuten, muss man am Seil ziehen. Wird die Menschheit erst, am letzten Tag vor dem großen Knall bemerken, dass wir Wenn auch individuell, am Ende doch alle gleich sind.

Conrad, Leser_In

Wenn wir uns alle einig sind.

R. Woyczechowski, Leser_In

Nicht nur Standards (Steuern, Sozialsysteme, etc.)müssen europaweit gleich und gültig sei; auch Toleranz gehört dazu. Aber das dauert noch Generationen.

Knut-Reimer, Leser_In

WIR können nur dann Europäer werden, wenn WIR als Europäer einen Weltmeistertitel erreichen, so wie WIR uns mir Deutschland identifiziert haben beim Gewinn der WM. Eine „europäische Nation“ wird es aber nicht geben (können). Also hilft nur noch eine große KRISE, die uns Europäer eint und voran bringt? Aber wollen wir das wirklich? Das wirkliche Leben spielt sich doch entscheidend im Kleinen und Privaten ab. Das Glück findet sich im persönlichen Miteinander und nicht in einem wirtschaftspolitischen Projekt namens EUROPA.

PD Dr. med. Bert te Wildt, Leser_In

Wir werden erst dann wirklich Europäer, wenn wegen finanzieller Engpässe auf nationaler Ebene kein Theater, kein staatlicher Rundfunksender, kein Museum, keine Bibliothek und kein öffentliches Schwimmbad mehr geschlossen wird. Wenn hier die Staaten der Europäischen Union keine gezielte Solidarität zeigen, dann ist es schlecht um uns bestellt. Erst wenn uns unser gemeinsamer kultureller Reichtum wichtiger ist als der eigene wirtschaftliche Wohlstand dürfen wir uns unserer Demokratiefähigkeit einigermaßen sicher sein. - Ich mache mir keine Illusion, dass ich das Ende von Nationalismus und religiösem Fundamentalismus in Europa noch erleben werde. Aber schon heute bin ich lieber Europäer als Deutscher.

Oliver Kuti, Leser_In

Das Sein wird das Bewusstsein bestimmen. Junge Spanierinnen und Spanier leben Europa, indem sie im deutschen Maschinenbau arbeiten. Italienerinnen und Italiener bereichern die Pflegeberufe hier. Letztlich entsteht so Identität durch Lebenswelt und Wissen um die Vielfalt der Regionen Europas, jenseits aller politischen Regimes, die freilich ihre wichtige Funktion behalten. Der Austausch von Chancen zwischen den Ländern kann nur gelingen, wenn Europa jeweils wirtschaftlich gelingt und damit bewusst seine Unterschiede betont. Der Wettbewerb der jeweiligen Stärken in den Gegenden ist dann die Attraktion für eine selbstverständlichere Mobilität. Hier bleibt auch immer „Not“ im Spiel. Denken wir an die jungen Freunde aus Spanien und Italien. Nur müssen die Zielpfeile quer, schräg, gerade und irgendwie über unseren Kontinent gezogen sein! Herkunft und Identität mäandern schließlich.

Phillip von Henningsen, Leser_In

Wir sind Europäer, alle die wi in Europa leben und auch anderswo. Wir sprechen verschiedene Sprachen, leben in unterschiedlichen Kulturen und geben uns anderslautende Namen und doch sind wir alle Nachbarn in dem einen großen Boot Europa mit all seiner Vielfalt, aller unseren eigenen Charaktären, allen unseren Eigenheiten. C\'est ci facile - it\'s that easy - aqui estamas jautos

Martin Czygan, Leser_In

meine Meinung zur Frage: Wann werden wir Europäer? bzw. Wird es jemals dazu kommen, dass wir uns selbst als Europäer - nicht als Deutsche - bezeichnen, wenn gefragt wird : Und woher kommen Sie? ist, dass für die große Masse der Menschen ein Gebilde so groß wie Europa nicht als Herkunfsort taugt. Viele Leute sagen mir heute sie seien Münsteraner, Westfalen oder kommen aus (Dortmund-)Hörde. Die sehen sich vorrangig nicht mal als Deutsche. Ich sage dann manchmal eher im Spaß, ich bin hier wohl der einzige Deutsche, weil meine Eltern aus Sachsen und Ostpreußen stammen und ich bisher in Franken, Niedersachsen und Westfalen gelebt habe. Für viele ist bereits der Blick über die Stadtteilgrenze \"unbekanntes Land\" mit dem man sich nicht so gerne identifiziert, weil man es gar nicht kennt. Deshalb glaube ich nicht dass die Deutschen zu einem großen teil \"Europäer\" werden Ich finde Europa bzw. die EU gut und wichtig als Rahmen mit einem gemeinsamen rechtlichen Fundament, einem gemeinsamen Markt und der Niederlassungsfreiheit. Sehr wichtig ist Europa bzw. die EU auch im Bereichen Ökologie bzw. Naturschutz, weil Tiere und Pflanzen und ihre Lebensräume nur gemeinschaftlich sinnvoll geschützt bzw. wiederhergestellt werden können.

Frank Westphal, Leser_In

Ja, dass ist vorstellbar und realistisch. Jedoch wird es noch viele Anstrengungen erfordern. Nur den Euro zu bewahren genügt nicht. Die Menschen brauchen eine Story, eine richtig gute Geschichte, ein gemeinsames Ziel. Dabei muss es gelingen, die regionalen, kulturellen, landsmannschaftlichen Besonderheiten zu bewahren, zu stärken sodass auf die Frage: Und woher kommen Sie? Die Antwort z.B. lauten könnte: Europa, Spreewald oder Europa, Eifel oder ....

Vera Knopp, Leser_In

Ich glaube, wir müssen noch ein bis zwei Generationen mindestens warten, bis sich Menschen bei der Frage nach ihrer Herkunft als erstes als Europäer*innen und nicht als Kölner oder Rheinländer oder Deutsche bezeichnen. In wirtschaflich schwierigen Zeiten suchen einige Menschen einfache Antworten auf vielschichtige Probleme und geraten dabei zum Teil leider auf die nationalistische Schiene…wir brauchen viel Wissen über die Europas Geschichte mit all seinen Konflikten aber auch Allianzen und Zusammengehörigkeiten. Manchmal hilft ein Blick über den Tellerrand, um zu sehen, wie viele tolle Gemeinsamkeiten und Werte wir hier in Europa haben – Krankenversicherungen, kostenlose Schulbildung, keine Todesstrafe, Pressefreiheit, Frauenrechte - um nur einige zu nennen. Ich zumindest glaube an die europäische Idee. Werde bei der nächsten Frage nach meiner Herkunft mal so antworten und gucken, was passiert.

Klaus Lehmann, Leser_In

Sobald wir außerhalb Europas sind.

Heribert Lange, Leser_In

Wenn alle Europäer sich so zusammengehörig bzw. zueinander gehörig fühlen wie in Deutschland Bayern und Berliner, d.h. wenn (viel) mehr Offenheit für die Andersheit anderer Ethnien und ihrer Kulturen gewachsen sein wird - und mehr alltägliche Selbst- verständlichkeit. Wenn die Europäer sich also wechselseitig so begegnen, wie sie inzwischen mit dem Euro umgehen (ich meine nicht das Euro-Problem!)

Ulrike Wilhelm, Leser_In

Eine interessante Erfahrung: Wenn ich in Deutschland oder in Europa gefragt werde, woher ich komme, antworte ich fast immer: „Aus Bayern“. Es ergeben sich dadurch sofort Anknüpfungspunkte, um ins Gespräch zu kommen, denn die meisten kennen das Oktoberfest oder haben was zum Fußball zu sagen. Erst außerhalb Europas rückt Deutschland als Herkunftsort in den Blick. Ich werde es ausprobieren und beim nächsten Mal antworten: „I come from Europe“.  Bin gespannt, was sich dadurch verändert! Vielleicht begreifen wir uns ja schneller als Europäerinnen und Europäer, wenn wir sprachlich sensibler werden? Insofern DANKE für die Frage!

Franz, Leser_In

solange wir die regionale Eigenart der Menschen in den Ländern und Ländchen nicht respektieren, solange werden wir auch keine Europäer werden. Da bin ich wenig zuversichtlich. Wenn Europa im geographischen Sinne vom Atlantik bis zum Ural und bis zum Bosporus reicht, werden wir keine Europärer werden. warum aber auch? ist es nicht nur der kultige Anspruch, das muss man Europäer sein muss, das politisch korrekt sein wollen, was uns umtreibt? ... ist doch Quatsch. Mir sind Bayern, Sachsen, Franken oder Schwaben und Münsterländer lieber als ein Einheitsbrei \"wir sind alle eins\". Ich will das mal so sagen, nur wer sich selbst liebt, kann auch andere lieben... das hilft auch, dass die Sprachen wie die diversen plattdeutschen Dialekte etc. nicht aussterben.

Rainer Baudermann, Leser_In

Ich arbeite an mehreren Projekten der EU mit und stelle fest: Wir sind es schon; wir sind schon Europäer! Meine Begründung: Die USA gibt es seit über 200 Jahren und auch heute diskutieren und streiten die Einzelstaaten noch. Aber eine gewisse Grund-Identität, ein Gemeinschaftsgefühl ist da. So auch in der EU. Wir sind Europäer hinsichtlich Flagge, Währung, Verträgen. Freilich; das Gefühl darf noch wachsen.

Inge Bucerius, Leser_In

Mit knapp 5 Jahren schickte mich meine Mutter zum Einkaufen in den Dorfladen; ein grauhaariger älterer Mann mit Schnauzer , drehte sich im Hinausgehen an der Ladentür nochmal um , musterte mich länger und sagte dann: „Du ghertscht em Eberle, du gleichscht Deiner Großmutter, soch era an scheana Gruaß vo mer.“ Als ich meiner Oma dann ziemlich empört erzählte, dass ich einem gehören sollte, von dem ich noch nie gehört hatte, erklärte sie mir, dass „Eberle“ schon seit Generationen unser Hofname sei, und den bärbeißigen Grüßenden identifizierte sie nach meiner Beschreibung lachend als den Schusters Fritz aus dem Nachbardorf, der mit ihr in die Schule gegangen war. – Damit hatte ich gelernt, dass ich irgendwohin gehörte, ohne das selber zu wissen … Unterwegs in Deutschland komme ich sprachlich heute aus Franken, nach dem Autokennzeichen aus München, in Dresden komme ich aus Bayern, unterwegs in der Welt aus Deutschland. Mein in Sendling aufgewachsener türkischer Bekannter bezeichnet sich als bayrischen Türken; die Tochter eines koreanischen Vaters und einer rumänischen Mutter , die nach dem Abitur in den USA studiert, ist Münchnerin und Deutsche. Sehen sich Kinder von Eltern aus verschiedenen europäischen Ländern selbst als Europäer? Oder eher als zu dem Land gehörig, in dem sie zufällig leben unabhängig von der Herkunft ihrer Eltern? Hätten sich vielleicht die Menschen, die in ihrem Nachruf „Große Europäer“ genannt werden, weil sie am „Europäischen Haus“ mitgebaut haben, selbst als Europäer bezeichnet? Wer außer den international verhandelnden Politikern hätte Grund, sich wem gegenüber als Europäer darzustellen? Der Tourist auf der Road 66, wenn er sein Nachtquartier bucht? Oder ein Soldat im Einsatz in Afrika? Wichtiger als die Antwort auf diese Fragen ist es, dass im FC Wacker Sendling über 50 Nationen gemeinsam Fußball spielen, dass sich in Mütterzentren Mütter und Kinder aus über 80 verschiedenen Ländern zu gemeinsamen Aktionen treffen , dass in Münchner Kliniken Arbeitsteams mit Kollegen aus der ganzen Welt zusammenarbeiten oder Studenten in internationalen Seminaren gemeinsam forschen. Wenn ich demnächst zu meiner ersten interstellaren Urlaubsreise aufbreche, werde ich mich den anderen mitreisenden Weltbürgern aus Europäerin vorstellen. Das habe ich mir fest vorgenommen.- Möglicherweise erkennen sie mich aber auch schon ohne dass ich das aussprechen muss, wie seinerzeit im Dorfladen… In der Ferienkolonie angekommen werde ich dann wohl eher sagen müssen ich komme von der Erde, aber ob man die dort kennt?

Carsten, Leser_In

Ja, wir sind schon Europäer – und leben das einfach ohne es vielleicht zu merken. Nicht nur unsere kulinarische Lebensweise ist wunderbar multi-kulti, da ist doch die Pasta so selbstverständlich wie Kebab, Weisswurst, Tapas, Couscous. Wer durch Deutschland (insb Berlin) spaziert spürt die Freiheit, sich selbst sein zu können, zwangfrei, authentisch, unverkrampft. [Nach Jahren in USA muss ich festhalten:] Wir wissen gar nicht wie cool (auch liberal) wir sind – präzise, Aufgaben fixiert, und doch auch – Weltmeister der Herzen.

Götz Renn, Leser_In

es wird dazu kommen, daß wir in erster Linie uns als Europäer verstehen, aber es wird wohl noch einige Jahrzehnte dauern. Welterschütternde Krisen, die von einzelnen Staaten nicht mehr beherrschbar sein werden, werden den Prozess allerdings beschleunigen.

Risto Griesang, Leser_In

Ich denke das wird noch mindestens zwei Generationen dauern, kommen wird es aber, dass wir uns primär als Europäer fühlen.

Adelheid Ohlig, Leser_In

Wir sind es schon: alle Pässe in den EU-Staaten haben seit Anfang des Jahrtausends die gleiche dunkelrote Farbe und zuoberst auf dem Pass vorn steht in der jeweiligen Landessprache: Europäische Union, erst in der 2. Zeile folgt das Land. Zudem: junge SpanierInnen, HolländerInnen sowie Frauen und Männer anderer Nationen auf die Frage eines Reporters, ob sie sich als Spanier oder Holländerin etc fühlten: was für eine altmodische Frage, wir sind Europäerinnen! Dies las ich im Herbst vergangenen Jahres in einer spanischen Tageszeitung in einer Reportage über die vielen jungen SpanierInnen in nördlichen EU-Ländern. Also höchste Zeit über den alten Schatten zu springen und Jetzt-Zeit wahrnehmen!

Karsten Holzner, Leser_In

Das wird noch lange dauern. Folgt man seinem Herzen, fühlt man sich einer Nation zugehörig, erst dann Europa (in Abgrenzung zu Amerika, oder China usw.). Sonst ist es eine Frage des Verstands. Wer an Europa denkt, ist prag¬ma¬tisch und darauf bedacht, den wirtschaftlichen Vorteil zu sehen.

Michael Petters, Leser_In

Ja es wird, aber das wird noch eine ganze Weile dauern

Barbara Turczynski-Hartje, Leser_In

Als Numerus clausus Flüchtling studierte ich in Straßburg in den 70 ger Jahren Medizin. Es fiel mir manchmal schwer, mich als Deutsche zu bezeichnen, soviel Ballast, soviel Grausamkeiten, so viele notwendige Entschuldigungen. Irgendwann antwortete ich dann auf die Frage nach meiner Nationalität, je suis bavaroise et europeenne. Und das schuf Nähe mit den Elsässern, Verbrüderung gegen die „da oben“ und einen wunderbaren Austausch über Dialekt, Identität, Heimatliebe. Es ist so viel einfacher, seine Region zu lieben, die, die man kennt, in der man aufgewachsen ist, als irgendeinen Nationalstaat. Aber Europa ist meine Region, meine Kultur, mein griechisches Abendland, mein französischer Wein, mein englischer Krimi. Je mehr wir uns begegnen, desto mehr fühlen wir uns als Europäer. Schade, dass es noch keinen europäischen Pass gibt!

Roland dopfer, Leser_In

Solange es die erheblich ökonomischen Unterschiede gibt werden sich die meisten deutschen nicht als Europäer fühlen oder bezeichnen

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Energiespartipps gibt es viele: Der beste Tipp ist der, der umgesetzt wird. Deshalb: Schauen Sie sich vorhandene Ideen an und machen Sie sich klar, welche dieser Vorschläge in Ihrem Haushalt und Ihrer Lebenssituation am wirkungsvollsten sind und welche Sie gut umsetzen können. Es ist besser, wenige Sparmöglichkeiten stetig anzuwenden, als viele inkonsequent zu verfolgen. Um die richtige Entscheidung zu treffen, sollten Sie beispielsweise zunächst feststellen, welche Geräte und Verhaltensweisen in Ihrem Haushalt am meisten Energie verbrauchen. Messen Sie den Verbrauch Ihrer Elektrogeräte: Messgeräte können Sie ausleihen oder im Baumarkt und Elektronikfachhandel kaufen. Ersetzen Sie jene Geräte mit dem höchsten Verbrauch nach und nach. Beispielsweise kann sich der Austausch von älteren Kühlgeräten mit hocheffizienten Neugeräten schon ab fünf Jahren nach dem Kauf lohnen – selbst wenn man die Energie, die bei der Herstellung verbraucht wird, einrechnet. Entscheidend für Ihren Energieverbrauch sind aber nicht nur Ihre Elektrogeräte, sondern auch bauliche Gegebenheiten und Ihr persönlicher Tagesablauf. In diesen Bereichen kann eine Energieberatung sehr hilfreich sein, um Sparmöglichkeiten und Energiefressern auf die Spur zu kommen. Die Verbraucherzentralen bieten eine solche Beratung telefonisch und auch direkt vor Ort an.

Martin Tillich, Leitender Redakteur der Nachhaltigkeits- Plattform Utopia.de

Besser wenig machen als viel vornehmen

Mein Argument ist einfach und dreht sich im Kreis: Es spart Energie, mit dem Energiesparen anzufangen. Wir alle wissen doch schon längst, dass wir besser nicht zu lange heiß duschen, dass elektronische Geräte auch im Standby-Modus Strom verbrauchen und dass man nachts die Heizung etwas runterdrehen sollte. Einsichtig zeigt sich da jeder, entsprechend gehandelt wird selten. Warum eigentlich? Eine abschätzige Antwort lautet: weil wir faul sind und auf den kleinsten Komfort nicht verzichten wollen. Eine Antwort, die mehr Verständnis für den modernen Menschen aufbringt, heißt: weil wir die Dinge so tun wie wir sie tun. Wir sind zwar intelligente Wesen und produzieren Gedanken am laufenden Band, aber unseren Alltag bestreiten wir weitestgehend unbewusst. Überlegen Sie doch mal, wie viele bewusste Gedanken Sie für die tägliche Morgentoilette aufwenden müssten, damit sie gelingt. Wir sind gefangen in Verhaltensroutinen und aus diesen auszubrechen fällt schwer – obwohl man eigentlich nur damit anfangen muss. Darum: Tun Sie doch einfach mal die Dinge, die Sie für richtig halten. Ein Anstoß reicht und das Perpetuum mobile läuft. Dieser Ratschlag taugt übrigens nicht nur zum klassischen Energiesparen. Wer gemäß seinen Überzeugungen handelt, verschwendet seine Energie nicht ständig an „Eigentlichsollte-ich-lieber“-Gedanken. Das schützt vor nervenzehrender Unzufriedenheit, und wer will sich die nicht ersparen.

Rainer Baudermann, Leser

Ab auf‘s Rad

Ganz simple Antwort: Mit dem Rad brauche ich 25 Minuten zur Arbeit; mit dem Auto genauso lang, weil ich im Stau stehe. Es geht Tausenden so. Und da fragen wir, was Energie spart...

Matthias H., Leser

Fenster schön weit auf

Mein Lieblings-Energiefresser sind die Heizgewohnheiten in Privatwohnungen und Arbeitsräumen. Gerne wird für Frischluft das Fenster geöffnet, ohne das Thermostat zu drosseln. Dann trifft kühle Außenluft auf den Regler, der fährt die Temperatur hoch, und die erwärmte Luft geht direkt zum Fenster raus. Generell kann man die Heiztemperatur um ein Grad zurückdrehen, das spart ca. 6 Prozent der Energie. Man muss ja nicht im Winter kurzärmelig in der Wohnung rumlaufen, da hilft auch mal ein leichter Pullover.

Barbara Hendricks, Bundesumweltministerin

Sparen bedeutet Gewinn für alle und mich

Ich würde die Frage noch positiver formulieren: „Was spare ich, wenn ich Energie spare?“ Ich spare Kosten für Strom, Heizöl, Gas oder Benzin. Und der Gesellschaft erspare ich Treibhausgas-Emissionen und damit die Nachteile, die uns durch den Klimawandel drohen. Die Frage, die sich anschließt, lautet „Was gewinne ich zusätzlich?“ Energiesparen geht einher mit innovativen Entwicklungen in unserer Gesellschaft und den vielfältigen Möglichkeiten für die Gestaltung meines Lebens. Denn Energiesparen funktioniert hervorragend durch Teilen und Netzwerken. Nicht nur in Privathaushalten, sondern auch in Unternehmen. Wenn ich beispielsweise auf ein Auto angewiesen bin, stehen mir heute immer mehr Möglichkeiten zur Verfügung, mich klimaschonend von A nach B zu bewegen. Energie spart das Carsharing oder die Mitfahrgemeinschaft. Auch das gemeinsame Nutzen von Alltagsgegenständen zwischen Nachbarn und Freunden spart Energie und Ressourcen. Aber ebenso haben Unternehmen die Möglichkeit Energie zu sparen, indem sie sich mit anderen Unternehmen zusammenschließen. Die Bundesregierung hat zusammen mit den Wirtschaftsverbänden beschlossen, dass in der deutschen Wirtschaft bis zum Jahr 2020 rund 500 sogenannte Energieeffizienz-Netzwerke gegründet werden. Wir haben festgestellt, dass der Austausch im Netzwerk wesentlich schneller und effektiver für die Unternehmen zur Energieeinsparung führt, als wenn ein Unternehmen es auf eigene Faust versucht.

Heribert Lange, Leser

Industrie?

Die Veränderung beziehungsweise Abstellung hochenergetischer Industrieprozesse wie bei der Aluminiumund Zinkherstellung spart Energie.

Nadine Ambrosch, Leserin

No USA-Style

Ist es wirklich notwendig, mit dem Auto zum Einkaufen zu fahren? Muss ich etwas Großes besorgen oder nur zwei, drei kleine Sachen, die ich auch in einer Einkaufstasche tragen oder auf dem Fahrrad transportieren kann? Ist es wirklich notwendig, die Waschmaschine jetzt laufen zu lassen, weil ich mein Lieblingsteil mor- gen anziehen will oder kann ich noch ein paar Tage warten, bis noch mehr hinzukommt und es sich wirklich lohnt? In manchen Situationen wird man zu dem Schluss kommen, ja, das ist in diesem Moment wirklich notwendig und ich nehme den Aufwand in Kauf. Es wird aber auch Situationen geben, wo keine Notwendigkeit besteht und genau darin liegt noch ganz viel Energiesparpotenzial.

Oliver Stens, Bund der Energieverbraucher e.V.

Millionenfache Plage bleibt

Das Standby-Phänomen wird noch viele Jahre eine Geißel der Verbraucher bleiben. Zwar hat die EU seit 2011 den Verkauf von sämtlichen Elektrogeräten mit nennenswertem Standby-Verbrauch gesetzlich verboten, doch der Gerätebestand ändert sich nur langsam. Viele ältere Elektrogeräte werden noch jahrzehntelang am Netz hängen. Wer tauscht schon seine funktionsfähige HiFi-Anlage gegen eine neues Gerät, nur um danach standby-frei zu sein? Lediglich bei Geräten mit kurzen Lebenszeiten wie Fernsehern oder PCs hat der Großteil der Haushalte inzwischen keinen standby-relevanten Verbrauch mehr. Aber schon die zu deren Betrieb not- wendigen Zusatzgeräte wie Satel- liten-Receiver oder Router bleiben meist eine halbe Ewigkeit im Einsatz. Das konsequente Abschaffen der Standby-Fresser ist aber auch für das Gelingen der Energiewende wichtig. Denn eine hohe Standby-Leistung fordert in erster Linie die Grundlastkraftwerke – Kohle und Atom. Um von diesen Energieformen langfristig unabhängig zu werden, wird es wohl nötig sein, nur noch die tatsächlich wichtigen Grundbereitschaften zu speisen: Telefon, Klingel und Wecker. Den ganzen Strom für die Aufrechterhaltung der Elektronikparks sollte man besser für handfeste Energieanwendungen nutzen.

Karim El Ansari, Architekt

Nicht mit der Brechstange

Wahrscheinlich liegt bereits in der Frage das Grundübel der aktuellen Diskussion verborgen. Es scheint mir viel eher um die Frage der Ressourcen- als um die Frage der Energieeinsparung zu gehen. Energie haben wir im Überfluss, die Sonne scheint umsonst. Nur bekommen wir sie (noch) nicht so richtig gespeichert. Wenn wir diese Erkenntnis auf das Bauen herunterbrechen, kann das nur bedeuten, ressourcenschonender und ja, „nachhaltiger“ zu bauen. Auch wenn dieser Begriff bereits so abgelutscht ist wie weiland die „Innovation“. Das heißt konkret die Verwendung von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen, zum Beispiel regionale Hanf- oder Holzbauprodukte. Diese Materialien haben nicht nur ein höheres Wärmespeichervermögen, sie sind auch besser zu entsorgen, wenn sie am Ende ihrer Lebensdauer angelangt sind. Warum wird nicht beachtet, dass die ersten Zentimeter den größten Dämmeffekt haben? Wieso wird eine Nordseite nicht anders gedämmt als eine sonnenbeschienene Südseite? Schon Vitruv war vor 2.000 Jahren die Ausrichtung des Gebäudes nach den Himmelsrichtungen und den daraus abzuleitenden Funktionsbereichen bekannt. Dass die Entwicklung fehlgeht, ist an den massiv rückläufigen Sanierungszahlen der Bestandsgebäude erkennbar. Macht es nicht vielmehr Sinn, mit vertretbarem Aufwand eine ökonomisch und ökologisch sinnvolle Einsparung zu erzielen, als die diskussionswürdige Maximalforderung mit der Brechstange durchzusetzen zu wollen?

Michael Mettke, Leser

Ein Laptop geschenkt

Eine dreiköpfige Familie, die bis jetzt kaum auf den Energieverbrauch geachtet hat, sich aber ab jetzt konsequent kalt die Hände wäscht, im Winter nachts das Rollo runterlässt, immer stoßlüftet statt die Fenster zu kippen, die Heizkörper um ein Grad herunterregelt und die Steckerleisten ausknipst, kann allein mit diesen Mini-Maßnahmen an die 400 Euro im Jahr sparen.

Stefan, Leser

Vorsicht Bumerang!

Die Sommerzeit sicher nicht. Stattdessen: wenig Zwang auf den Verbraucher, nur da, wo unbedingt nötig. Eigenverantwortung unterstützen. Die Hersteller zu energiesparenden Artikeln bewegen, Verbraucher sensibilisieren (Energielabel). Neue Techniken (LED-Lampen) auch im öffentlichen Raum fördern. Wenn ein jeder etwas mehr daran denkt, wäre schon viel gewonnen. Auch LED-Lampen kann ich ausschalten, wenn ich sie ein paar Minuten nicht brauche, auch ein sparsamer Kühlschrank muss nicht ständig länger offenstehen. Und wer wie ich in einer modernen Wohnung lebt, in der sich trotz größter Anstrengung kein Raum auf mehr als 21,5 Grad erwärmen lässt, braucht sich auch da keine Sorgen machen – auf Dauerlüften wird gerne freiwillig verzichtet.

Martin Pehnt, Energiewissenschaftler und Verfasser des Buches „Energieeffizienz“

Ich bin Energiesparer

40 Jahre nach den ersten Energiesparkampagnen sind die Potenziale in Deutschland immer noch immens: Zwei Drittel der Energie gehen auf dem Weg vom Rohstoff zur Dienstleistung verloren. Intelligente Energienutzung, das ist die Verwendung der Abwärme von Öfen in Bäckereien oder Gießereien zum Heizen von Gebäuden; das ist die Nutzung von Fahrrad, Mitfahrgemeinschaft oder öffentlichem Verkehr; das ist der Kauf eines A+++-Kühlschranks, weil effiziente Produkte langfristig weniger kosten. Ein bewusster Umgang mit Energie spart Geld und Ressourcen: Der Anschluss einer Waschoder Spülmaschine an Warmwasser kann etwa bis zu einem Drittel des Stromverbrauchs pro Waschgang einsparen. Energieeffizienz heißt auch, die richtigen Zukunftsentscheidungen zu treffen. Wer heute beispielsweise eine Hauswand streicht oder ein Dach erneuert, sollte die Gelegenheit für eine Dämmung nutzen und zukünftige Sanierungsschritte vorausdenken. So kann man sich vor langfristig steigenden Energiepreisen schützen. Energieeffizienz darf aber nicht nur dem Verbraucher aufgebürdet werden. Der Staat muss ihn auf dem Weg zur effizientesten Lösung begleiten und dafür sorgen, dass auch bei der Infrastruktur, etwa unserem Kraftwerkspark, keine Energie vergeudet wird. Fortschritte bei der Energieeffizienz werden häufig durch immer größere Fernseher, immer mehr Flüge, immer mehr Wohnquadratmeter „auf- gefressen“. Nicht Verzicht, sondern Angemessenheit ist das Stichwort. Nicht mehr, sondern besser.

Peter Flögel, Leser_In

Bei vielen Heizungsbauern stehen „alte“ Heizkessel im Alteisenlager, die nicht einmal zehn Jahre alt sind. Mit zweifelhaften Argumenten werden gutgläubige Hausbesitzer überrannt: „Alte Ölkessel raus, neue Brennwertkessel rein.“ Der einschlägigen Fachliteratur ist jedoch zu entnehmen, dass Stahlheizkessel eine Lebensdauer von 15 Jahren besitzen und Gusskessel gut 20 Lebensjahre bestehen sollen. Die Technik schreitet natürlich voran: Neue Brennwertkessel (Kondensationskessel) besitzen größere Wärmetauscherflächen und kühlen das Rauchgas weiter ab. Dies wiederum mag der „alte“ Kamin nicht, d. h. auch dieser müsste bei einem Kesseltausch saniert werden. Zudem ist anzumerken, dass Ölbrennwertkessel mangels niedriger Rücklauftemperatur des Heizungswassers meist nur bessere Niedertemperaturkessel darstellen! Das hat mir unser Bezirkskaminkehrermeister anvertraut. Selbst das renommierte Institut für Ölheiztechnik konnte dem Tatbestand nicht widersprechen. Ich meine es wäre vernünftiger dem Stahlkessel die veranschlagten 15 Jahre und dem Gusskessel mindestens 20 Jahre zuzumuten – auch wenn diese Meinung auf vehementen Widerstand seitens Industrie und Handwerk stößt. Anders sieht es bei den Ölbrennern aus. Das sind reine Verschleißgeräte. Ist hier eine Reparatur fällig und 10 Jahre im Gebrauch, ist ein neuer Brenner ratsam. Nicht minder verwirrend sind die Argumente, bei einem Kesseltausch gleich eine thermische Solaranlage zu installieren. Sind denn alle Klimanarren geworden? Auf unserem Haus ist seit 1977 eine solare Brauchwassererwärmungsanlage in Betrieb. Die (geschätzten) Ersparniswerte lagen im Schwankungsbereich, der sich vom Heizölpreis und den Wetterzuständen ergab. Eine klare Ersparnis gegenüber den vorangegangenen Jahren war nicht auszumachen. Eine weitere Beobachtung gibt noch zu bedenken: Auf der sonnenverwöhnten Insel Ischia war in den 80er Jahren kaum ein Haus ohne Sonnenkollektoren zu finden. Wenn Sie jetzt die Insel besuchen sehen Sie kaum ein Haus mit Sonnenkollektoren. Darüber sollten Sie nachdenken.

Klaus Linke, Leser_In

Unnötige Warenproduktion sollte gestoppt werde. Viele Waren können haltbarer produziert werden, viele Dinge (wie z.B. Panzer und sonstige Waffen ) sind unnütz. Bei der umstellung der Produktion könnte auch Arbeitszeit deutlich verkürzt werden. Auch eine Bevorzugung / Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs spart Energie, wenn im Gegenzug der individuelle Verkehr verteuert wird

R. Woyczechowski, Leser_In

Verkehrsampeln: Energiesparen können alle Städte durch konsequente \"Grüne Welle\". Auch spart eine geringere Lichtverschmutzung in den Städten und Gemeinden viel Energie.

Matthias H aus K, Leser_In

mein Lieblings-Energiefresser: Die Heizungsgewohnheiten in Privatwohnungen und Arbeitsräumen. Gerne wird für Frischluft und zum Abkühlen das Fenster geöffnet, ohne das Thermostat zu drosseln. Dann trifft kühle Außenluft auf den Regler, der fährt die Temperatur hoch, und die schöne zusätzlich erwärmte Luft geht direkt zum Fenster raus. Zusätzlich kann man generell die Heiztemperatur um ein Grad zurückdrehen, das spart ca 6% der Energie. Man muss ja nicht im Winter unbedingt kurzärmelig in der Wohnung rumlaufen, da hilft auch mal ein leichter Pullover. Mein Lieblings-Energiefresser im Straßenverkehr: Autofahrer, die vor einer roten Ampel noch mal eben beschleunigen, um jemand anderes zu überholen. Vor der Ampel dann hart bremsen und schon ist die Energie weg. Einfach mal rollen lassen (mit Motorbremse = Null Spritverbrauch) und dann bei grüner Ampel weiter, dann läuft es flüssiger und billiger.

Nadine Ambrosch, Leser_In

Energiespartipps kommen uns schon zu den Ohren raus: Waschmaschine nur ganz vollgestopft laufen lassen, Energiesparlampen verwenden, lieber Duschen statt Baden, alle Stand-by-Geräte ganz ausschalten, alte Geräte gegen A+++ austauschen, usw. Okay, es kommt immer mal wieder was Neues hinzu. Wir stecken zum Beispiel seit Neuestem die Kaffeemaschine aus. Sie soll nämlich auch nicht-angeschaltet Strom ziehen. Wieder ein bisschen was einspart. Gut gemacht. Was aber auf einmal richtig viel einspart ist, einfach kurz darüber nachzudenken, was man tut. Ist es wirklich notwendig mit dem Auto zum Einkaufen zu fahren? Muss ich etwas Großes besorgen oder nur zwei, drei kleine Sachen, die ich auch in einer Einkaufstasche tragen oder auf dem Fahrrad transportieren kann? Ist es wirklich notwendig, die Waschmaschine jetzt laufen zu lassen, weil ich mein Lieblingsteil morgen anziehen will oder kann ich noch ein paar Tage warten, bis noch mehr hinzukommt und es sich wirklich lohnt? Ist es wirklich notwendig, den Fernseher an zu schalten, obwohl gar niemand hin schaut? Nur damit man ein Hintergrundgeräusch hat? In manchen Situationen wird man zu dem Schluss kommen, ja, das ist in diesem Moment wirklich notwendig und ich nehme den Aufwand in Kauf. Es wird aber auch Situationen geben, wo keine Notwendigkeit besteht und genau darin liegt noch ganz viel Energiesparpotenzial. Wir werden immer wieder auf neue Wege und Möglichkeiten stoßen, aber nur, wenn wir darüber nachdenken, was wir eigentlich tun und die Augen und Ohren offen halten. Das hört sich nach großem Aufwand ist, ist es aber nicht. Gedanken passieren in Bruchteilen von Sekunden und man kann sie sich überall machen. Das einzige, was sie verbrauchen, sind Kalorien. Und die verbraucht doch schließlich jeder von uns gerne!

Oliver Kuti, Leser_In

„Feind Standby“ Der ist raffinierter als man denkt! Aber nicht zu früh das Licht ausschalten. Gut beleuchtete Innenstädte und Privaträume bringen uns in kurzen Wintertagen erst die Ideen, die Energiekrisen von morgen zu lösen!

Frank Westphal, Leser_In

- alle Geräte im Stand-By-Modus - alle TV-Geräte - leere Gefriertruhen im Betriebsmodus

Klaus Lehmann, Leser_In

Sich persönlich energieeffizient verhalten: Fahrradfahren, Raumtemperatur senken und nur kurz duschen!

Heribert Lange, Leser_In

Die Veränderung bzw. Abstellung hochnergetischer Industrieprozesse (Aluminium- und Zinkherstellung), die Reduktion des privaten Strom- und Wärmverbrauchs durch Dämmung und/oder Minderung der eigenen Ansprüche, durch Reduktion des Auto- mobilverkehrs (Indiviualverkehrs), Verzicht auf eneregieabhängige Haus- und Hand- werksarbeit.

Stefan, Leser_In

Was spart Energie? Na ja, die Sommerzeit sicher nicht. Oder ich gehe nicht in die (städt.) Sauna. Aber, die ist doch eh an, oder? Zudem spare ich mir das Duschwasser Zuhause, auf dem Weg dorthin nehme ich die U-Bahn oder das Fahrrad statt das Auto. Gut gespart, oder eine Milchmädchenrechnung? Wo also fängt das Sparen an? Bei der energetischen Sanierung, die mehr Energie bei der Sanierung verbrauchte, als sich in den nächsten 50 Jahren einsparen läßt? Tschuldigung, Themaverfehlung. Es sind Antworten gewünscht, keine Zusatzfragen. Wenig Zwang auf den Verbraucher, nur da, wo unbedingt nötig. Eigenverantwortung unterstützen. Die Hersteller zu energiesparenden Artikeln bewegen, Verbraucher sensibilisieren (Energielabel). Neue Techniken (LED-Lampen) auch im öffentlichen Raum fördern. Wenn ein jeder etwas mehr daran denkt, wäre schon viel gewonnen. Auch LED-Lampen kann ich ausschalten, wenn ich sie ein paar Minuten nicht brauche, auch ein sparsamer Kühlschrank muß nicht ständig länger offenstehen. Der Fernseher läßt sich bei längerer Abwesenheit ausschalten. Den Energiefresser \"Standby\" braucht man selten. Und wer wie ich in einer modernen Wohnung lebt, in der sich trotz größter Anstrengung kein Raum auf mehr als 21,5 Grad C. erwärmen läßt, braucht sich auch da keine Sorgen machen - auf Dauerlüften wird gerne freiwillig verzichtet ;-).

Michael Mettke, Polarstern Energie, Leser_In

Oft sind es nur ein paar Handgriffe, die schon sehr viel Energie sparen. Eine dreiköpfige Familie oder WG, die bis jetzt kaum auf den Energieverbrauch geachtet hat, sich aber ab jetzt konsequent kalt die Hände wäscht, im Winter nachts das Rollo runterlässt, immer stoßlüftet statt die Fenster zu kippen, die Heizkörper um ein Grad senkt und die Steckerleisten ausknipst, kann allein mit diesen Mini-Maßnahmen an die 400 Euro im Jahr sparen. Fast noch wichtiger: alles, was wir an Energie nicht verbrauchen, muss auch nicht aufwendig erzeugt werden. Am meisten lässt sich übrigens bei der Wärme einsparen. Heizen und Warmwasser machen 70 bis 90 Prozent des privaten Energieverbrauchs aus.

Franz, Leser_In

Komische Frage. Wenn ich nachdenke was das heißen soll, komme ich zu einer Stammtisch vereinfachten Physik, dass nämlich Energie nicht verloren geht. Das was an fossiler Energie von uns verbraucht wird, stammt ja aus grauer Vorzeit und ist gespeichert, geologisch über Jahrmillionen verändert, gelagert und nun gefördert worden. Wir verbrauchen die Energiereserven und verwandeln sie in diverse Müllformen. Dieser Müll, zu Lande und zu Wasser, im Boden und in der Luft, in den Kreisläufen und den Organismen stellt unsere Zivilisation in Frage. Das was wir andererseits vom Wind und bei der Sonne tanken und was wir entwickeln, um zB Gebäude zu dämmen, braucht seinerseits viel Energie. Die Frage impliziert für mich dies alles mit und mündet darin, dass irgendjemand oder irgendwas Energie sparen soll, das könnte heißen, wenn ich weiß was und wer Energie spart, dann ist dieses Menschheitsthema in den Griff zu bekommen. Wir können uns dem aus drei Richtungen nähern, anfangen mit dem Bewusstmachen - das ist immer gut und spannend in den jeweiligen kulturellen Kontexten - flankiert mit der Steuerung durch Marktmechanismen in Verbindung mit der staatlichen Sanktionierung (immer eine Frage des wie stark und für wen) und last but not least aus der technischen - in Sinne der Effizienz. Ich bin der festen Überzeugung, dass nur ein intelligenter Mix abgestuft und auch mal oszillierend aus den drei Richtungen es schaffen kann, das was zu sein, das Energie spart.

Rainer Baudermann, Leser_In

Ganz simple Antwort: Mit dem Rad brauche ich 25 Minuten zur Arbeit; mit dem Auto genauso lang, weil ich im Stau stehe. Es geht tausenden so. Und da fragen wir, was Energie spart…

Carsten, Leser_In

Es geht nicht (nur) darum, ob das Ladegerät des Handys unnötig in der Steckdose sitzt und Strom verbrennt. Energie sparen fängt im Kopf an, es ist das Bewusstsein. Der kleine Energiefresser: Vor dem Öffnen des Kühlschranks denken, was alles brauche ich, wo ist das angeordnet. [Hole die Zutaten in 50% der Zeit] Habe ich den Kühlschrank logisch sortiert oder chaotisch und planlos? Habe ich Vorteile eine Tankkarte zu wählen und Benzin am gleichen Ort zu kaufen. Was muss passieren, das Muskelarbeit (Fahrrad) die bequeme Lösung (Auto) ersetzt? Kann ich einen Deal mit mir selber machen: Je 10x Fahrrad/ öff. Verkehrsmittel verwenden (statt Auto) 1x essen gehen = ich belohne mich mit einem schönen Abendessen im Lieblings Restaurant

Risto Griesang, Leser_In

Waschen: bessere Abstimmung Waschmittel und Waschprogramme. Kochen und backen: Induktionswärme Heizen: Fußboden- und Wandheizung, keine Polstermöbel vor Heizkörpern, Ausnutzung der Sonneneinstrahlung .. gibt es alles schon, sollte aber auf breiter Ebene angewendet werden. PC: auch die herkömmlichen PC-Tower brauchen viel Strom, hier Verbesserungen schaffen.

Michael Petters, Leser_In

Die Hauptenergiefresser sind Standbyfunktionen bei elektrischen Geräten.

Roland dopfer, Leser_In

Den Individualverkehr einschränken durch bessere. Mobilitätskonzepte

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Wer erkennt mein Talent?

Jeder Mensch hat Talente, aber nur wenige leben sie wirklich aus: Wie kann Talent erkannt werden? Und wie können erkannte Talente entwickelt werden?

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Isabelle Hoyer, Veranstalterin des Panda - Karriere-Contests für weibliche Führungskräfte

Das ist alles gar nicht meine

„Hoffentlich merkt niemand, dass ich das gar nicht kann.“ Die Überzeugung, dass Erfolge nicht auf eigene Fähigkeiten, sondern auf Glück oder Zufall zurückzuführen sind und man irgendwann „entlarvt“ wird, quält auch Führungskräfte bis in die obersten Positionen. 70 Prozent der vom sogenannten Hochstapler-Syndrom Betroffenen sind Frauen, auch und gerade besonders erfolgreiche. Das vielleicht prominenteste Bekenntnis hierzu hat Sheryl Sandberg, heute Geschäftsführerin von Facebook, abgelegt. In Deutschland sind weniger als ein Drittel der Führungskräfte weiblich, von den 4,4 Prozent in Vorständen gar nicht zu reden. Nicht sehr hilfreich, wenn frau sich zusätzlich zum ohnehin bestehenden Aufholbedarf auch noch selbst im Weg steht. Aber wer erkennt mein Talent, wenn nicht einmal ich selbst es erkenne? Meist nehmen andere Menschen sehr schnell und intuitiv besondere Begabungen wahr. Mitarbeiterinnen, Kollegen, Freundinnen – positive Rückmeldungen und Anerkennung für das, in dem man gut ist, können auch den eigenen Blick schärfen. Das ist wichtig, denn die Frage nach dem eigenen Talent ist ja auch für das persönliche Glück entscheidend. Eine Tätigkeit, die einem leicht fällt, für die man Talent hat, ist in aller Regel erfüllender und damit oft erfolgreicher als etwas, an dem man sich permanent abarbeitet. Darum: Erkenne Dich und Dein Talent selbst – und trau Dich, andere zu fragen. Das gilt gerade für uns Frauen da draußen.

Verena Bentele, Beauftragte der Bundes- regierung für Menschen mit Behinderung und Paralympics-Goldmedail- lengewinnerin

An den Start lassen

Jeder von uns ist mit Talenten gesegnet. Jeder von uns hat Fähigkeiten, ja, einen Bereich, in dem unsere Genialität an die Oberfläche kommt. Die He- rausforderung unserer Gesellschaft ist es, diese Talente zu fördern. Im ersten Moment fällt Menschen ohne Behinderung auf, dass jemand nicht sehen, hören oder laufen kann. Diese Einschränkungen verstellen dann in der Wahrnehmung oft den Blick auf die Talente. Um diese zu sehen, bedarf es eines Wechsels der Perspektive. Diesen Perspektivwechsel können wir vor allem durch gemeinsame Aktivitäten, Erfolge und Erlebnisse erzielen. Ich setze mich daher dafür ein, dass Menschen mit und ohne Behinderung von Anfang an gemeinsam aufwachsen, lernen, arbeiten und ihre Freizeit verbringen. In meinem Fall haben meine Eltern mit sportlichen Aktivitäten in der Kindheit den Grundstein für die olympischen Medaillen gelegt. Trainer, Begleitläufer und Lehrer haben meine Talente später erkannt und dazu beigetragen, dass ich diese auch nutzen konnte. Talente bleiben klein, wenn wir sie nicht nähren – und Talente wachsen, wenn wir sie fordern und fördern, sie prägen die Persönlichkeit. Als Politikerin glaube ich daran, dass wir immer wieder neue Talente in unserem Umfeld, aber auch in uns selbst finden können. Dass die Talente aller Menschen gesehen werden, dass auch Menschen mit Behinderung viel mehr durch ihre Talente als aufgrund ihrer Behinderung definiert werden, das ist mein Ziel.

Risto Griesang, Leser

Siehe Ausland

Bessere staatliche Programme zur Talentförderung, wie es sie beispielsweise in Venezuela gibt, sind in Verbindung mit einer besseren Aufklärung von Eltern und Lehrern der Schlüssel.

Carsten, Leser

Sich bemerkbar machen

Will ich mein Talent erkennbar machen, muss ich außerhalb getrampelter Pfade wandeln. Auf sozialen Netzwerken Denkanstöße geben, Artikel auf Xing oder Linkedin posten, vielleicht auch provozieren. Durch nebenamtliche Verwirklichung die Neugier des Arbeitgebers und der Umwelt wecken. „WiewirftunserBuchhaltereinkleines Kinofestival so nebenbei?“, „Du gibst Mosaik-Kurse nebenberuflich?“ Die Kernfragen müssen sein: Was treibt mich wirklich an? Wie kann ich das verwirklichen und sichtbar machen?

Heribert Lange, Leser

Nachdenken

Talente müssen sich bewähren. Man kann sie nur entdecken, wenn man zu einer mehr als oberflächlichen Einschätzung des Kandidaten bereit ist und daran interessiert ist, ihm adäquate Aufgaben zu stellen, die eine Einschätzung seiner Fähigkeiten ermöglichen. Nicht geeignet sind standardisierte Verfahren wie Psychotests: Wenn diese funktionieren würden, müssten viel mehr Talente entdeckt werden, als es derzeit der Fall ist.

Frank Westphal, Leser

Viel ausprobieren

Wenn Eltern ihren Kindern frühzeitig ganz viele Möglichkeiten zur Talententfaltung anbieten und aufzeigen, dann gibt es eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass ein Talent nicht unentdeckt bleibt. Danach wird es darauf ankommen, dieses Talent intelligent zu fördern und zwar so, dass das Kind über den notwendigen Fleiß und die erforderlichen Anstrengungen nicht die Lust verliert.

Sabrina Klaus-Schelletter, Referentin für Arbeitsmarktpolitik beim DGB

Frauen und MINT

In Deutschland befinden sich im internationalen Vergleich relativ wenige Frauen in MINT-Ausbildungen und -Berufen. Je höher man die Bildungsleiter emporklettert, desto weniger Mädchen begeistern sich für Mathe, Naturwissenschaften, Informatik oder Technik. Besonders die beiden Letzteren sind selten beliebt. Was also tun? Mittlerweile gibt es zahlreiche Initiativen, die versuchen, junge Frauen für MINT- Berufe zu begeistern – ein erster Schritt in die richtige Richtung. Politik und Betriebe müssen sich aber noch mehr anstrengen, um das große Talentpotenzial auszuschöpfen. Die Etablierung einer ganzheitlichen Technikvermittlung an Schulen würde helfen, gerade auch bei jungen Frauen technisches Interesse zu wecken und zu fördern. Auch eine umfassende Berufsorientierung an Schulen, die frei von Rollenzuschreibungen sind, ist sinnvoll. Auch die Betriebe und Verwaltungen sind in der Pflicht: Sie müssen sich vor allem im mittleren Qualifikationsbereich noch mehr für die Gewinnung von jungen Frauen engagieren und diese gleichzeitig in einem männlich dominierten Berufsfeld in ihrer beruflichen Entwicklung unterstützen – ausdrücklich auch dann, wenn sie Kinder haben. Letztendlich ist eine gute Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Karrierechancen das Fundament der Förderung des Frauenanteils in MINT-Berufen. Dafür braucht es mehr positive Rollenmodelle und mehr Augen, die Talente erkennen und fördern wollen.

Roland Dopfer, Leser

Praxis lehrt und nährt

Wenn wir die Ausbildung nicht zu früh auf schulische und theoretischeInhaltefestlegen,sondernauch praktische Fähigkeiten fördern und fordern.

Tina Acham, Vorsitzende von Mensa in Deutschland e.V.

Achtung vor Seltenem

Auf den ersten Blick eine einfache Frage: Talent erkennen natürlich alle, die genau hinschauen, die es sehen und erkennen wollen. Was aber genau ist diese besondere Fähigkeit, die einen Menschen von vielen anderen unterscheidet und warum wird sie als besondere Fähigkeit wahrgenommen? Ist es der besonders elegante und feinfühlige Umgang mit einem Fußball, die Fähigkeit, im Alter von fünf Jahren Geige zu spielen, aus einer 500-stelligen Zahl in wenigen Minuten die Quadratwurzel zu ziehen, sich 300 Ziffern in der korrekten Reihenfolge zu merken oder ganz ein- fach auch ein besonders knuspriges und wohlschmeckendes Brötchen zu backen? Den Fußballer lassen wir als talentiert durchgehen, beim Bäcker finden wir das schon eher ungewöhnlich. Obwohl es doch viel einfacher ist, ein wirklich gutes Brötchen zu erkennen als einen tollen Fußballspieler. Oder vielleicht doch nicht? Wir neigen dazu, das Besondere im Besonderen zu suchen statt im Alltag. Das, was an Talent, an besonderen Fähigkeiten direkt vor unseren Augen jeden Tag stattfindet, übersehen wir oft. Warum nehmen wir einen talentierten Goldschmied wahr, einen talentierten Installateur aber allerhöchstens als selbstverständlich an? Was hindert uns daran, jeden Tag einfach mit offenen Augen auf besondere Fähigkeiten zu schauen, sie wahrzunehmen und uns daran zu erfreuen? Wäre das nicht ein wunderbares Talent, in jedem Menschen das Besondere wahrzunehmen?

Frank Förster, Leser

1 % Inspiration 99% Transpiration

„Talent is overrated“, das nur mal vorab, findet auch Geoff Colvin in seinem gleichnamigen Buch und möchte damit sagen, dass Talent eine schöne Sache ist, aber nur durch harte Arbeit seine Wirkung entfalten kann. Und dann gibt es noch diejenigen, die eigentlich gar nicht das Talent haben und durch harte Arbeit und Ausdauer trotzdem zum Erfolg kommen und glücklich werden – Unverschämtheit. Wer dennoch nach seinem Talent fahnden möchte und dafür einen Talenterkenner braucht, dem sei gesagt, dass diese schwer zu finden sind. Ein Talentfinder muss sein Selbst, sein Koordinatensystem und die eigene Agenda aus der Suchfunktion raushalten und die Menschen mögen – alle. Die besten Talentfinder sind sowieso die, die bestenfalls die richtigen Fragen stellen, die zu den Antworten führen. Womit wir an dem Punkt angelangt sind, dass ein Buch zur Selbstfindung recht hilfreich sein kann, sollte man gerade keinen Talentfinder zur Hand haben. Oder anders herum: Die gute Fee gibt’s nicht, alles bleibt wie immer an einem selbst hängen, das Graben nach dem Schatz, das Finden und Heben und vor allem die Arbeit mit dem Objekt der Begierde – Glück auf!

Claudia Sagafe, Leserin

(Über)Lebenskünstler

Lebenskünstler zu sein ist ein wichtiges Talent, ebenso wie die Kunst, mit allen Höhen und Tiefen im Leben umgehen zu können.

E. Böhm, Leserin

ICH, wer sonst?

Selbstreflexion ist der beste Weg, sich Gedanken über seine Talente zu machen. Sich zu analysieren und ganz nüchtern zu betrachten, was man kann und was nicht, ist die Grundlage für das Erkennen der persönlichen Kompetenzen und der erste Schritt in die richtige Richtung.

Suat Yilmaz, Koordinator Talentförderung, Westfälische Hochschule

Wir brauchen jeden!

Wir sollten allen Menschen ungeachtet ihrer Herkunft von vornherein Talent unterstellen. Doch wissen wir, dass dieser kostbare „Zukunftsrohstoff“ in unserem Land nicht in ausreichendem Umfang gewonnen wird, da die Entfaltung von Talent in unserem Bildungssystem zumeist von der Herkunft abhängt. Damit wir aber unsere Talente in Zukunft nicht übersehen, müssen wir den Blick ändern, vorhandenen Potenzialen eine neue Wertigkeit geben und gemeinsam Talente „machen“. Dabei muss erbrachte Leistung stärker im jeweiligen Lebenskontext betrachtet werden. Zugleich dürfen wir jungen Menschen ihre Realität nicht zum Vorwurf machen, sondern müssen positiv in diese Realitäten intervenieren. Betrachten wir als Beispiel den Bildungserfolg eines 17-jährigen Mädchens aus einer sozioökonomisch weniger privilegierten Familie, die im Ruhrgebiet, in Chemnitz, Berlin oder Frankfurt lebt, in deren Umfeld Erfolg nicht wahrscheinlich ist, Träume und Visionen keine Beachtung finden. Wie sollen da Motivation und Hoffnung entstehen? Es gilt, die konstruierten Hindernisse in unserem Bildungssystem und die vermeintlich vorgezeichneten Biografien zu durchbrechen: weg von dem stigmatisierenden Defizitansatz hin zur Ermutigung und Befähigung junger Menschen. Denn es sollte uns bewusst sein, dass das Talent dieses Mädchens und ihr Vorankommen entscheidend für uns alle ist. Wir dürfen kein Talent zurücklassen!

Tim Weitzel, Professor für Wirtschaftsinformatik, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Mit Formeln und Filtern

Jobsuchende möchten mit all ihren Fähigkeiten gefunden werden. Unternehmen möchten passende Kandidaten finden. Hierbei kann eine automatisierte Vorauswahl – manchmal Robo-Recruiting genannt – beiden helfen. Wenn auf eine Stellenausschreibung Tausende Bewerbungen eingehen, kann der Computer durch Suche nach Mindestvoraussetzungen die passendsten 20 zuverlässig auswählen. Damit haben die Recruiter mehr Zeit für intensive Gespräche mit den besten Kandidaten. Die besten Kandidaten haben eine bessere Chance, auch wirklich gefunden zu werden. Diese algorithmische Präselektion kann dabei nicht nur besser, sondern auch „fairer“ sein, da dem Computer Geschlecht, Alter, Ethnizität etc. zertifizierbar egal sind. Viele reden nicht gerne über solche Automatisierungen und fürchten, trotz der Vorteile, „Menschlichkeit“ zu verlieren. Doch was ist unmenschlich an einer besseren Arbeitsteilung zwischen Mensch (Experte) und Informationssystem (Roboter)? Roboter geben Menschen Zeit zurück, die diese für wichtigere Aufgaben einsetzen können und Roboter können unvoreingenommener und teils besser einfache Aufgaben erledigen. Ähnliche Chancen gibt es überall, von selbststeuernden Autos, die unfall- und staufreier fahren, bis zur Medizin. Die Maschinen rudern besser, und die Menschen geben besser vor, wohin gerudert werden soll. In beiden Lagern gibt es noch erhebliche Verbesserungsmöglichkeiten, die letztlich allen Menschen nutzen.

Aletta Gräfin von Hardenberg, Geschäftsführerin Charta der Vielfalt e. V.

Vorurteile erkennen und ausräumen

Was evolutionär gesehen seine Vorteile hat, lässt uns im Arbeitsleben manchmal falsche Entscheidungen treffen: unbewusste Vorurteile. Klingt sperrig, betrifft uns aber alle: Unser Gehirn kategorisiert ungefragt die Eindrücke, die uns von außen erreichen und ordnet ihnen Schubladen zu. Das ist ein unbewusster Prozess, der auf unseren persönlichen Erfahrungen beruht und der in Sekunden passiert. Doch damit wird unser Handeln automatisch in vorbestimmte Richtungen gelenkt und durch unsere persönlichen Erfahrungen beeinflusst. Beispiele dafür kennen wir alle: Manche Bewerbung wird aufgrund des Namens oder des Fotos kritischer geprüft und Beförderungen erfolgen teilweise nicht nur nach Leistung. Langfristig ergeben sich dadurch deutliche Nachteile für Unternehmen und Institutionen, da Entscheidungen oft zu wenig aufgrund der Sachlage und immer wieder nach persönlichen Maßstäben der Verantwortlichen getroffen werden. Abhilfe schafft nur die intensive Sensibilisierung von Führungskräften und am besten allen Beschäftigten. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, (Personal-)Prozesse so zu gestalten, dass persönliche Befindlichkeiten nicht mehr zum Tragen kommen. Um Talente überhaupt wahrzunehmen – und die Wahrnehmung steht vor der Erkenntnis – lohnt es sich, diese unbewussten Vorurteile bewusst werden zu lassen. Nur so können Talente gefördert werden und für den Erfolg der gesamten Organi- sation beitragen.

Klaus Linke, Leser_In

Nur der Mensch selbst erkennt sein Talent! Dazu gehört eine bessere Bildung statt Drei-Klassen-Schulsystem, mit der Förderung von Neigungen und selbstbestimmtem Lernen. Heutzutage dient die \"Bildung\" alleine dazu verwertbare Menschen für die Wirtschaft zu formen, da hat Anpassung und Leistung Priorität im Bildungssystem. Und erkanntes Talent wird nur gefördert, wenn sich Geld damit verdienen lässt....

R. Woyczechowski, Leser_In

Fachleute erkennen dies; z. B. Musiker/Musiklehrer können junge, werdende Solisten in Schulen o. ä. ausfindig machen.

Frank Foerster, Leser_In

Und dann kam die gute Fee, erkannte mein Talent, verschuf mir eine Aufgabe, die mein Leben erfüllte und mich glücklich machte – job done. „Talent is overrated“, das nur mal vorab, findet auch Geoff Colvin in seinem gleichnamigen Buch und möchte damit sagen, dass Talent eine schöne Sache ist aber nur durch harte, wirklich harte Arbeit sein Wirkung entfalten kann. Und dann gibt es noch diejenigen, die eigentlich gar nicht das Talent haben und durch harte Arbeit und Ausdauer trotzdem zum Erfolg kommen und glücklich werden– Unverschämtheit. Wer dennoch nach seinem Talent fanden möchte und dafür einen Talenterkenner braucht, dem sei gesagt, dass diese schwer zu finden sind. Ein Talentfinder muss sein Selbst, sein Koordinatensystem und die eigene Agenda aus der Suchfunktion raushalten - und die Menschen mögen - alle. Die besten Talentfinder sind sowieso die, die bestenfalls die richtigen Fragen stellen, die zu den Antworten führen, finden muß man es schon selbst. – womit wir an dem Punkt angelangt sind, dass ein Buch zur Selbstfindung (Engl. Self Awareness) auch recht hillfreich sein kann - sollte man gerade keinen Talentfinder zur Hand haben. Oder anders herum: Die gute Fee gibt’s nicht, alles bleibt wie immer an einem selbst hängen, das Graben nach dem Schatz, das Finden und Heben und vor allem die Arbeit mit dem Objekt der Begierde - Glück Auf!

Oliver Kuti, Leser_In

Talent zeigt das Leben. Offen mit sich umgehen und anerzogene Pfade verlassen können. Handeln ist ein Abenteuer. Kampf ist Krampf.

Frank Westphal, Leser_In

Ganz wichtig bei der Talententdeckung sind die Eltern und später dann die ersten Lehrer. Wenn Eltern ihren Kindern frühzeitig ganz viele Möglichkeiten zur Talententfaltung anbieten und aufzeigen, dann gibt es eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass ein Talent nicht unentdeckt bleibt. Danach wird es darauf ankommen, dieses Talent intelligent zu fördern und zwar so, dass das Kind über den notwendigen Fleiß, die erforderlichen Anstrengungen nicht die Lust verliert.

Claudia Sagafe, Leser_In

Lebenskünstler zu sein ist ein wichtiges Talent.Mit allen Höhen und Tiefen im Leben umgehen zu können ist Talent.

Heribert Lange, Leser_In

Talententdeckung gelingt vermutlich nur über die Talentbewährung des Talentierten. Der/die Talentierte benötigt also Möglichkeiten, sich mit seinem Talent öffentlich wahr- nehmbar zu bewähren. In der Schule und an den Hochschulen ist das sicher möglich, im Beruf auch. Entdeckung kann aber nur gelingen, wenn man zu einer mehr als oberfläch- lichen Einschätzung des Talentierten gekommen und daram motiviert und interessiert ist, ihm solcher Einschätzung adäquate Aufgaben zu stellen. Wenn Psychotests geeignet wä- ren, müßten viel mehr Talente entdeckt sein, als wir derzeit kennen.

Franz, Leser_In

Mein Talent ist ein Alleskönner, der sich verändert, in beide (oder in mehre) Richtungen entwickelt, mal verloren geht, mal Umwege geht. Erkennen kann das jeder, der hinsieht und sich etwas Zeit nimmt. Das gilt für alle von uns, jeder ist einmalig und hat Talente und Fähigkeiten. Talent ist nichts passives, das einfach da ist oder nicht und das jemand erkennt – wobei der jemand auch ich selbst sein kann. Mein Talent ist nicht mono-codiert, es gibt viele Talente oder ein Talent mit vielen Facetten. Mal bin ich ganz verzweifelt, wenn ich weiß, das kann ich besser, mal weil es keine Anerkennung gibt oder weil ich das Talent selber mit Füßen trete. Talent hat damit zu tun, es zuzulassen und danach zu streben, es zu entwickeln. Meine Talente sind mir dabei nicht wichtiger als die anderer Menschen. Und das schönste Talent ist das, was anderen hilft, sich selbst zu entwickeln. Dann ist für mich ein Talent so etwas wie eine Tugend also positiv besetzt und nicht wertfrei. Will sagen, wenn jemand die Gabe hat, anderen schlechte Laune zu bereiten, dann ist das wohl nichts für einen Talentwettbewerb.

Rainer Baudermann, Leser_In

Naja, am besten erkenne ich meine Talente selber. Durch Selbst-Reflexion: Wer bin ich, was mag ich, was kann ich, worin bin ich mal mit, mal ohne Mühe erfolgreich. Und durch Ausprobieren; immer wieder. Auch talentierte Künstler bleiben häufig nur deshalb talentiert, weil sie sich perfektionieren: Üben, üben, üben.

Carsten, Leser_In

Talent werden gesucht – aber im gewohnten Kontext von Familie oder Arbeitgeber ist meist nicht die Plattform gegeben, frei zu denken, sich außerhalb der definierten Rolle zu verhalten. Will ich mein Talent erkennbar machen, muss ich außerhalb getrampelter Pfade wandeln. Auf sozialen Netzwerken Denkanstöße geben, Artikel (auf Xing, LinkedIn) posten, vielleicht auch provozieren. Durch nebenamtliche Verwirklichung die Neugier (des Arbeitgebers, der Umwelt) wecken. „Wie wirft unser Buchhalter ein kleines Kinofestival so nebenbei?“ „Du gibst Mosaik-Kurse nebenberuflich?“ Kernfrage = message to myself: Was treibt mich wirklich an? Wie kann ich das verwirklichen und sichtbar machen?

Risto Griesang, Leser_In

Bessere Aufklärung der Eltern und Lehrer, leichterer Zugang zu Psychologen und Künstlern. Bessere staatliche Programme zur Talentförderung, siehe z.B. Venezuela.

Michael Petters, Leser_In

Talente werden nur erkannt wenn jemand sich traut aus sich heraus zu gehen.

Roland dopfer, Leser_In

Ausbildung nicht zu früh auf schulische theoretische Inhalte festlegen sonder auch praktische Fähigkeiten fördern

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