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Warum fasziniert Geschwindigkeit?

Ob im Beruf, beim surfen im Internet oder auf der Straße: Geschwindigkeit fasziniert jung und alt. Woher rührt unsere Begeisterung für enorme Beschleunigung und Temporekorde?

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Thomas Reiter, ESA-Direktor

Alles verschwimmt

Geschwindigkeit hat unser Leben geprägt: Sie verringert die Zeit zum Erreichen unserer Reiseziele. Kontinente, Länder und Städte rücken näher zusammen. Allerdings nimmt man die Geschwindigkeit nicht wahr, wenn man in einem Verkehrsflugzeug in zehn Kilometern Höhe unterwegs ist oder in 90 Minuten die Erde an Bord der internationalen Raumstation ISS umkreist. Wer dagegen mit 200 km/h über die Autobahn rast, für den ist nur das vor einem liegende Terrain scharf zu erkennen, während im peripheren Sichtfeld die Landschaft verschwimmt. Der Mensch kann gleichförmige Bewegungen, wenn überhaupt, nur mit seinen Augen wahrnehmen. Natürlich ist Geschwindigkeit auch immer mit Beschleunigung verbunden. Die wiederum können wir sehr wohl mit unseren Sensoren wahrnehmen. Beschleunigung vermittelt uns das Gefühl von Dynamik: In Kurven werden wir im Autositz nach außen gedrückt, unser Körper wird beim Looping mit einem Kunstflugzeug mit einem Vielfachen seines Gewichtes in den Sitz gepresst, ähnlich wie beim Start einer Rakete, wo man steigenden Beschleunigungskräften ausgesetzt ist. In weniger als neun Minuten beschleunigt man von 0 auf 7,6 Kilometer pro Sekunde und befindet sich im Weltraum, wo man die Kontinente gemächlich unter sich hinwegziehen sieht. Im vorletzten Jahrhundert war man davon überzeugt, dass Menschen Geschwindigkeiten über 50 km/h nicht aushalten. Heute ist Geschwindigkeit beherrschbar, und sie prägt unsere Zivilisation.

Friedrich Wilkening, Professor für Psychologie, Universität Zürich

Irrationaler Geschwindigkeitsrausch

Bei unserem Streben nach höheren Geschwindigkeiten überschätzen wir oft eklatant den Zeitgewinn, der dadurch erreicht wird. Dies gilt vor allem dann, wenn wir uns ohnehin schon im relativ hohen Bereich befinden. So scheinen viele ansonsten intelligente Leute zu glauben, dass eine Erhöhung von 130 auf 140 km/h den gleichen Zeitgewinn bringt wie eine Erhöhung von 30 auf 40 km/h. Das ist natürlich nicht der Fall – wir haben hier einen Irrtum mit einem Faktor von größer als 15! So gesehen hat unser Streben nach höheren Geschwindigkeiten etwas Irrationales an sich. Es gibt eine allgemeinere psychologische Erklärung dafür: Auch hier, wie in so vielen anderen Bereichen, fallen wir oft auf additive Denkschemata zurück, wenn objektiv multiplikative Gesetze gelten – wie es in der Zeit-Weg-GeschwindigkeitsTriade von Natur aus der Fall ist. Interessanterweise äußert sich dieser Fehler eher in unserem „Kopf“-Wissen als in jenem, welches in unserem Körper zu stecken scheint. Auf dieser Ebene agieren wir meistens so, als ob wir die multiplikativen physikalischen Gesetze kennen würden. Und dies gilt nicht nur für Erwachsene, sondern auch schon für Kinder. Neuerdings gibt es sogar Anhaltspunkte dafür, dass Kinder früher Geschwindigkeitskonzepte als Zeitkonzepte entwickeln – im Gegensatz zu älteren Ideen, die davon ausgingen, dass ein Verständnis für Geschwindigkeit „natürlich“ erst nach dem Verständnis für Zeit entstehen könne.

Sebastian Kienle, Profi-Triathlet

Schneller sein

Die Geschwindigkeiten, die ich nur durch viele Stunden Training erreiche, sind in der heutigen Zeit geradezu lächerlich gering. Wenn ich zu einem Wettkampf anreise, bin ich bei der Anreise um ein vielfaches schneller als im Rennen selber. Zwei Faktoren bestimmen im Wesentlichen, wie schnell ich bin: meine körperliche Leistungsfähigkeit und die Widerstände, die mir entgegenstehen. So ist längst nicht mehr nur das Training allein entscheidend. Gerade auf dem Rad wird nichts unversucht gelassen, Widerstände weiter zu reduzieren. Gerade weil die körperliche Leistungsfähigkeit Grenzen hat, ist die Geschwindigkeit etwas Besonderes. Ein Hobbyathlet kann sehr gut einschätzen, was die Geschwindigkeiten wert sind, die im Profibereich erreicht werden. Somit kann er auch den Rausch nachempfinden, den ich erlebe, wenn ich mich mit über 45 km/h dauerhaft auf dem Rad bewege. Die ständige Messbarkeit von Geschwindigkeit hat den Sport sehr verändert. Heute misst man sich über Strava oder Runtasik. Der Vergleich findet nicht mehr nur im Wettkampf statt, sondern, wenn man will, immer und überall. Das kann sehr motivieren, aber ist manchmal auch zu viel des Guten. Wie schnell ich beim Schwimmtraining war, entscheidet oft über den Gemütszustand mehrerer Tage. Ich probiere daher, nicht immer Zeiten oder Geschwindigkeiten zu messen. Manchmal ist es für mich regelrecht eine Wohltat, nichts über meine Geschwindigkeit zu wissen.

Evita Hel, Leserin

Technische Superkraft

Geschwindigkeit fasziniert, da es etwas ist, wozu Menschen nicht in der Lage sind. Ja, wir können Laufen, gar Sprinten, aber dies nur mit großer Anstrengung und auch nicht für lange. Wenn man in einem Auto sitzt und über die Autobahn rast, hat man ein Gefühl der Macht und Freiheit, wenn auch nur unterbewusst. Dazu kommt, dass man seinem Ziel immer schneller immer näher kommt und man die Möglichkeit hat, diese Geschwindigkeit selbst zu steuern. Wenn man sich nun Fiktionen ansieht, findet man dort auch immer wieder Personen, die unglaublich schnell sind, sogar ohne Hilfsmittel. Sie repräsentieren grundlegende Wünsche der Menschheit, z.B. die Macht über Dinge oder Fähigkeiten, die man im realen Leben nicht besitzen kann. Somit ist ein Auto, ein Flugzeug, eine Achterbahn und noch vieles mehr für den Menschen nur eine Erweiterung, ein Mittel, um sich einer Macht näher zu fühlen, die sie selbst nie beherrschen werden.

Ute Hammer, Geschäftsführerin Deutscher Verkehrssicherheitsrat (DVR)

Die unterschätzte Gefahr

Kaum eine Gefahr wird so unterschätzt, kaum ein Fehler wiegt so schwer wie unangepasste Geschwindigkeit im Straßenverkehr. Nach wie vor ist sie weltweit eine der häufigsten Gründe für tödliche Unfälle: 2013 starben allein in Deutschland 971 Menschen aufgrund nicht angepasster Geschwindigkeit. Zeitdruck, Selbstüberschätzung, der Irrglaube, ein Recht auf schnelles Fahren zu haben: Die Gründe für zu schnelles Fahren sind vielfältig. Aber es sind nicht nur notorische Raser – auch verantwortungsbewusste Verkehrsteilnehmer fahren häufig nicht angepasst. Man ist in Gedanken beim Job oder abgelenkt vom mitfahrenden Kind – und schon passiert man viel zu schnell eine Ortseinfahrt. Ein Zahlenbeispiel: Ein Fußgänger hat bei einer Kollision mit einem Fahrzeug, das 30 km/h fährt, statistisch noch Chancen zu überleben. Bei über 30 km/h sinken diese Chancen rapide. Scheinbar kleine Unachtsamkeiten können also über Leben und Tod entscheiden. Angepasste Geschwindigkeit bedeutet übrigens mehr, als sich an das vorgegebene Tempolimit zu halten. Bei ungünstiger Witterung, schlechten Straßenverhältnissen oder wenn zum Beispiel mit Kindern zu rechnen ist, sind die erlaubten Geschwindigkeiten meist viel zu hoch. Der einfachste Weg, sich und andere zu schützen, ist daher: Runter vom Gas!

Tina von Pentz, Leserin

Offen, aber präsent

Am Strand im vollen Galopp dahinfliegen, schaukeln bis in den Himmel, die Turborutsche runter sausen, sich mit dem Motorrad in die Kurve legen: Das ist Hingabe an den Augenblick, volle Präsenz, Erlösung. Da bin ich völlig konzentriert, Körper, Geist und Umwelt sind eins. Beim Wandern oder Abhängen komm ich ins Nachdenken oder Erzählen, so viele Sinneseindrücke sind wahrnehmbar und verleiten mich zu Meinungen, rufen Gefühle hervor, die Gedanken schweifen in die Vergangenheit oder Zukunft. Aber dann: Das Gegenteil von rasanter Geschwindigkeit bringt mich zum gleichen Ergebnis: Meditation, die Hingabe an den Augenblick, volle geistige Präsenz – wahrnehmen. Ich bleibe konzentriert und Körper, Geist und Umwelt sind eins.

Stefan, Leser

Sich vergleichen?

Nervenkitzel, Macht, zeigen, wer man(n) ist und was man kann. Ein schnelles, oft teures Auto oder Motorrad und damit angeben. Dabei finde ich aber, damit gemütlich und selbstbewusst in der Gegend zu cruisen ist der bessere Beweis, um zu zeigen, dass man auch sich selbst beherrschen kann. Andererseits ist der kurzzeitige Nervenkitzel auch was Tolles und Erregendes: der Adrenalinausstoß, die Grenzerfahrung, das persönliche „High“.

Nikolaus Hautsch, Professor für Finanzwirtschaft und Mathematik, Universität Wien

Einen Wimpernschlag voraus

Geschwindigkeit spielt auf Finanzmärkten seit jeher eine maßgebliche Rolle. Wer Information zuerst erhält und nutzen kann, gewinnt auf Kosten der Langsameren. Das ist entscheidend für alle Marktteilnehmer, deren primäres Ziel es ist, Positionen zu kaufen und innerhalb kurzer Zeit teurer weiterzuverkaufen. Vollautomatisierter Handel, schnelle Leitungen und der Einsatz computerisierter Algorithmen haben den Kampf um Geschwindigkeitsvorteile jüngst extrem befeuert. Insbesondere der Aktien- und Derivatehandel wird heutzutage von Hochfrequenzhändlern dominiert. Diese investieren in Hochgeschwindigkeitsverbindungen zwischen Finanzplätzen und in sogenannte CoLocations ihrer Server in Nähe zum Server der Börse. Damit erkaufen sie sich Geschwindigkeitsvorteile im Millisekundbereich, um die Zeit zwischen Eingabe und Ausführung einer Order auf ein Minimum zu reduzieren und Preisineffizienzen blitzschnell ausnützen zu können. Offen ist, ob langsamere Händler systematisch von Hochfrequenzhändlern übervorteilt werden oder im Gegenzug von erhöhter Liquidität und Markteffizienz auch profitieren können. Auch die Frage, ob hohe Handelsgeschwindigkeiten Risiken für die Marktstabilität induzieren, ist nach wie vor ungeklärt. Im Kontext regulatorischer Maßnahmen gibt es bereits Überlegungen für Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Finanzmärkten. Bislang gilt als einzige natürliche Grenze die Lichtgeschwindigkeit.

joerg lutz, Leser_In

Schnelles fahren erfordert volle Konzentration und erzeugt ein gefühl wie im 3-D Kino. Wunderbar!

Eduard Langner, Leser_In

Freiheitsgefühl

Ilonka, Leser_In

In den USA haben sie ihre Waffen - wir haben unsere unbeschränkte Geschwindigkeit; so hat jedes Volk seine Verrückheiten.

Amélie, Leser_In

Geschwindigkeit ist der Wahn unserer Zeit.

Luca von Kiel, Leser_In

Selten versprüht ein bei uns gängiges Wort weltweit so viel Faszination wie die \"Autobahn\". Touristen, Tuningfans, Testosterongesteuerte - jeder liebt die linke Spur aus einem Grund: legal dem Geschwindigkeitsrausch erliegen. Was bei uns selbstverständlich ist, gilt anderorts als verrückt. Wobei die meisten, meist Einheimischen, den praktischen Nutzen der aufgehobenen Geschwindigkeitsbegrenzung verstehen. Firmenvertreter und Familienväter werden wohl kaum einsehen ihre komfortable Reisegeschwindigkeit von 200 km/h zu reduzieren. Für mich ist es logisch, dass Fahrzeuge, die mit viel Leistung gebaut werden dürfen, auch ausgefahren werden. Man möchte wissen was möglich ist, wo die Grenzen liegen. Natürlich ist es ein Reiz, ein Rausch. Als Motorradfahrer sauge ich die Landschaft unter mir auf, es existiert nur das Hier und Jetzt. Es ist ein ungemeines Gefühl von Freiheit den Gashahn aufzudrehen. Das Deutschland im Verhältnis zu der Anzahl an Verkehrsteilnehmern wenig Verkehrstote verzeichnet spricht für den verantwortungsvollen Umgang mit diesem Gesetz. Letztendlich liegt es an jedem selbst wie schnell er fahren will, Hauptsache das KFZ ist \"Autobahn-proofed\"!

Mike, Leser_In

Geschwindigkeit fasziniert, weil sie wie eine externe biochemische Droge wirkt, nur dass das Adrenalin im eigenen Körper erzeugt wird.

Michael, Leser_In

Weil Geschwindigkeit die Illusion vermittelt, geschwind viel Neues zu erleben.

Stephan, Leser_In

Nervenkitzel, Macht, zeigen wer man(n) ist und kann. Ein schnelles, oft teures Auto oder Motorrad und damit angeben. Dabei finde ich aber, damit gemütlich und selbstbewusst in der Gegend zu cruisen ist der besserer Beweis um zu zeigen, dass man auch sich selbst beherrschen kann. Andererseits ist der kurzzeitige Nervenkitzel auch was Tolles und Erregendes; der Adrenalinausstoß, die Grenzerfahrung, das persönliche “High”. Dann aber bitte möglichst ohne Andere zu gefährden. Also schon gar nicht mit dem Bike auf der Landstraße rasen und ins Internet (Nachahmer!) stellen.

Gerhard Lein, Leser_In

...fahren so schnell man will.\" Hier wird \"fahren\" offensichtlich schon mal fälschlich mit \"Auto fahren\" gleich gesetzt. Eher peinlich. Aber ganz davon abgesehen: Als Radfahrer fahre ich gerne schnell. Zum einen ist es ein gutes Gefühl, sich mal richtig auszupumpen, sich mal richtig anzustrengen, den Fahrtwind in den Ohren unterm Helm laut wehen zu hören (habe mit meinen 70 seit langem Hörgeräte, die das Rauschen herrlich verstärken). Schnell fahren heißt auch andere zu überholen, also noch etwas schneller = fitter zu sein. Besonders bei dem leichten Gefälle von mir zu Hause in die Stadt ist das leicht berauschend - setzt Endorphine frei. Und zurück? Naja, ich bin noch ganz gut für mein Alter. Und Auto fahren? Mache ich auch gerne, auch gerne zügig, habe aber keine Probleme mit den Geschwindigkeitsbegrenzungen hierzulande. Halte die Autobahn- und Ampel-Raser für bekloppt. Fahre auch weder Porsche noch BMW.

Hans Hoepner, Leser_In

Reiz der Geschwindigkeit,was macht ihn aus? Vermutlich sehr stark die Illusion,man könne durch schnelles Fahren verlorene oder falsch geplante Zeit zurückholen- das ginge aber nur mit Lichtgeschwindigkeit . Machtgefühl (ich bin der/die stärkere/bessere etc.) Nervenkitzel…

Georg Tscharke, Leser_In

Ich glaube, dass die Gründe ganz unterschiedlich sind: Für die Einen ist es die Notwendigkeit schnell von A nach B zu kommen, für die Anderen eine Möglichkeit das eigene Ego auszuleben und schneller und besser sein zu können als die Anderen und so ein Erfolgserlebnis zu haben, das sonst nicht gelingt.

Klaus Linke, Leser_In

Dies frage ich mich auch immer wieder, ich verstehe es nicht. Mich reizt ein Spaziergang mit dem Hund durch den Wald viel mehr, als das ich mit 200 km/h über die A$ brettern kann.

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Was verbindet Generationen?

Was haben junge und alte Menschen heute eigentlich noch miteinander zu tun? Teilen Sie mit uns Ihre Erfahrungen – wir drucken sie.

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Klaus Teuber, Spieleautor („Die Siedler von Catan“)

Würfel und Karten

Früher lebten mehrere Generationen unter einem Dach. Nähe und Verbundenheit zwischen Großeltern und ihren Enkeln entstand durch den täglichen Umgang miteinander. Heute erleben die Großeltern ihre Enkel meist als Besuch. Etwa zum Kaffeetrinken mit den Eltern – ein Erlebnis, das jüngere Kinder oft als Monster der Langeweile fürchten und, um diesem zu entgehen, schnell ihr Mobiltelefon zücken und im besten Falle etwas verschämt darauf eintippen. Doch dann holen die Großeltern ein Brett- oder Kartenspiel aus dem Schrank – eines, das „cool“ daherkommt, Interesse weckt und die Smartphones verbannt. Schnell sind alle Schranken aufgehoben. Alle müssen die gleichen Regeln befolgen, haben die gleichen Rechte und Pflichten und sind so einander gleichgestellt. Kinder lieben das. Und die Großeltern haben plötzlich einen ganz anderen Zugang zu ihren Enkeln, erleben sie natürlich im Umfeld von Erwartung, Freude, Ärger, Enttäuschung – eben allen Emotionen, die ein Spiel in Menschen auslösen kann. Platon hatte sicher recht, wenn er philosophierte: „Beim Spiel kann man einen Menschen in einer Stunde besser kennenlernen als im Gespräch in einem Jahr.“ Schön, wenn die Großeltern ein Vorbild sind, die den Kindern vorleben, wie man mit Würde und Anstand verliert. Die den Kindern zeigen, dass nicht der Moment des Sieges in einem Spiel das Wichtigste ist, sondern die vielen schönen Momente des gemeinsamen Erlebens.

Dana Brüggenkamp, Leserin

Das Wort und die Schrift

Unsere Sprache. Sie durchlebt eine ständige „Metamorphose“: von den frühen Schriften der Kirche bis zu unserer heutigen Chatroom-Sprache. Zum Beispiel hat schon Martin Luther im Jahr 1521 für einen revolutionären Schritt zur Verbindung der Generationen des deutschen Volks gesorgt. Er übersetzte die Bibel in nur elf Monaten in die deutsche Sprache. Dies führte zur Anregung, unsere Sprache neu zu gestalten, denn durch Luther entstanden auch beispielsweise neue Redewendungen, welche sogar heutzutage noch benutzt werden („der Denkzettel“, „schadenfroh sein“ usw.). Nach Luther folgten unter anderem die Gebrüder Jakob und Wilhelm Grimm, welche zu Zeiten Napoleons die erste deutsche Grammatik verfassten. Jakob wollte „ein historisches Leben mit allem Fluss freudiger Entwicklung in sie zaubern“, das heißt, dass er unter anderem das deutsche Volk verbinden und ein Nationalgefühl vermitteln wollte; und auch er merkte schnell, dass die gemeinsame Sprache die Lösung zum Ziel war. Ich fasse zusammen: Anhand der unsrigen Sprache als „Exemplum“ wird sichtbar, dass wir uns unter anderem mit ihr identifizieren können. Dadurch bedingt verbindet sie Generationen. Wenn man unsere Sprache nun auf die multikulturelle Gesellschaft beziehen würde, könnte man auch erkennen, dass sie sich zum Beispiel durch sogenanntes Denglisch auch in diesem Aspekt stark verändert hat und sogar nationenüberschreitend verbindet.

Daniela Peukert, Designforscherin

Vereint designt

Der Trolley ist ein Produkt im Wandel: Ursprünglich als Einkaufshilfe für Senioren konzipiert, sieht man ihn heute als Begleiter jedes Geschäftsreisenden. Viele bestehende Produkte, die im Hinblick auf die Bedürfnisse einer älteren Generation entwickelt wurden, zeigen, dass sie aufgrund ihres höheren Komforts und ihrer Benutzerfreundlichkeit für alle Altersgruppen attraktiv sind. Wichtig ist jedoch, dass sie nicht aussehen wie Sanitätshausprodukte und dadurch den Nutzer stigmatisieren. Gutes Design verbindet Generationen, weil es Produkte und Dienstleistungen so gestaltet, dass sie von möglichst vielen Menschen, ungeachtet ihrer individuellen Fähigkeiten, ihres Alters und Geschlechts oder ihres kulturellen Hintergrunds, genutzt werden können und ihnen gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht. Im Sinne eines ganzheitlichen Ansatzes reflektiert dieses „universelle Design“ komplexe soziale, ökonomische und kulturelle Kontexte und gestaltet generationsübergreifende Lösungen. Der Weg führt fort vom Hilfsmittel für Wenige hin zum Komfortprodukt für Viele. Dieser Weg kann jedoch nur durch eine konsequente Einbeziehung des Nutzers und seiner Lebenswelt bereits zu Beginn des Gestaltungsprozesses gelingen. Gutes Design kann helfen, dem Ziel von einfachen, generationengerechten Produkten und Services ein Stück näher zu kommen.

Kersten Artus, Leserin

Generationen inspirieren sich

Mein Enkel Oskar inspiriert mich, Geschichten aufzuschreiben. Es sind Erinnerungen an Momente, die ansonsten verloren gehen würden oder an die ich mich später nur noch verschwommen erinnern würde und er sich gar nicht mehr. Oskar ist erst 13 Monate alt. Um mich auf meine Rolle als Oma vorzubereiten, habe ich an einem Geburtsvorbereitungskurs für werdende Großeltern teilgenommen. Darüber schrieb ich. Als ich dem Jungen das erste Mal in die Augen sah, entstand die nächste Geschichte. Über die ersten Stunden, die ich alleine mit ihm verbracht habe, habe ich die dritte kleine Geschichte aufgeschrieben. Es folgten weitere. Geschichten über unsere erste Fahrt mit dem Zug oder über unsere erste gemeinsame Nacht. Bislang habe ich 16 Blogeinträge über ihn verfasst. Ich habe auch meinen Kindern Erinnerungen aufgeschrieben. Darunter sind meine Geburtsberichte und ein Lexikon, in dem ich Wortkreationen wie zum Beispiel „Metterschling“, „Steckstose“ oder „Arschlöcherin“ festgehalten habe. Sie haben sie zu ihrer Volljährigkeit geschenkt bekommen. Auch mein Enkel wird sich einmal in meinen Geschichten finden können. Er wird sich vielleicht wundern. Vor allem aber wird er sich geliebt fühlen. Mein Enkel erlebt mit seiner Oma eine Person, die ihn bedingungslos und ohne Erwartungen angenommen hat. Das ist vielleicht das Besondere an Großeltern. Diese Generationenverbindung ist einzigartig. Ein Schatz der Menschheit.

Rita Schäfer, Leserin

Erinnerungen für die Zukunft

Kriege verbinden Generationen! Das betrifft nicht nur die Leugner und Geschichtsverdreher, die darauf pochen: „Opa war kein Nazi!“ – nahezu 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Überwindung der Nazi-Diktatur. Oder Kriegstraumatisierte auf allen Kontinenten, die keine Chance hatten, ihr Leiden aufzuarbeiten. Vielmehr sind auch couragierte Menschen zu nennen, die zu verantwortlichem Erinnern beitragen. Dazu zählt Ruth Weiss, die mit 90 Jahren noch in Schulen geht und über ihre antisemitischen Kindheitserlebnisse berichtet. Sie musste mit ihrer Familie nach Südafrika fliehen, wo sie abermals mit Antisemitismus und mit dem Rassismus des Apartheid-Regimes konfrontiert wurde. Erneut trat sie die Flucht an, dieses Mal in afrikanische Nachbarländer. Dort bildete sie junge Wirtschaftsjournalisten aus. Vor einigen Jahren kam sie nach Deutschland zurück. Ihre lesenswerten Lebenserinnerungen und Romane richten sich vor allem an Jugendliche. Respekt vor dieser Zeitzeugin!

Ilonka, Leserin

Generationen verbindet der Generationenvertrag – auch wenn er nicht niedergeschrieben ist und mancher glaubt, ihn kündigen zu können.

Manuela Schwesig, Bundesfamilienministerin

Zeit für die Familie

Immer mehr junge Mütter arbeiten in ihrem Beruf, immer mehr Väter wollen sich stärker am Familienleben beteiligen. Zugleich gibt es immer mehr Familienangehörige, die Pflege benötigen. Das stellt viele vor große Herausforderungen. Dabei treibt es auch die Großeltern um, wie sehr ihre Kinder oder Enkelkinder herausgefordert werden. Moderne Familienpolitik muss auf diese veränderte Lebenswirklichkeit von Familien reagieren. Deshalb nehmen wir auch die Generation der arbeitenden Mitte in den Fokus. Das ist die Generation, die unser Land trägt. Mir geht es darum, dass die Arbeitszeit für Familien besser verteilt wird. Denn für Familien ist nicht nur Geld wichtig, sondern vor allem Zeit, die sie mit ihren Lieben verbringen können. Dafür müssen wir Vollzeit für Familien neu denken: Männer wünschen sich, ihre Arbeitszeit zu reduzieren, fürchten aber negative Folgen für ihre Karriere. Frauen würden gerne mehr Stunden arbeiten, können aber aus ihren Teilzeitjobs nicht aufsteigen. Meine Vision ist die Familienarbeitszeit. Es muss möglich sein, dass beide Partner in der Rushhour des Lebens für eine gewisse Dauer ihre Wochenarbeitszeit um einige Stunden reduzieren können – und zwar ohne große Nachteile zu haben. Mit der Familienpflegezeit, dem Elterngeld Plus und dem Kita-Ausbau haben wir bereits erste Schritte auf dem Weg dahin gemacht. In Zeiten des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels profitiert davon auch die Wirtschaft.

Isabel Glapa, Leserin

Erkenne dich selbst in Anderen

Familiäre Beziehungen sind ständige Knotenpunkte im Kontakt mit Menschen anderer Generationen. Oftmals lassen sich in dieser Konstellation auch persönliche Langzeitbeobachtungen tätigen, denn in wenigen anderen gesellschaftlichen Verhältnissen haben Menschen einen längeren Einblick in die Entwicklung eines Anderen, selbst wenn sich das persönliche Miteinander durchaus immer wieder spannungsreich gestalten kann. Gleichzeitig ist es kein Zufall, dass die meisten Kinder irgendwann im Leben feststellen, unbewusst (ungeliebte) Eigenschaften der Elterngeneration übernommen zu haben. Diese Erfahrung, die das eigene Älterwerden reflektiert, ist ein bedeutender Moment der Verbindung mit den Vorangegangenen und verändert auch die Einsichten über die eigene Jugend. Im Idealfall weitet sie den Blick hin zu einer gelassenen, toleranten Haltung gegenüber sich selbst und den Anderen, welche auf dem Wissen gründet, dass alle Menschen zu jeder Zeit ihres Lebens im Wandel begriffen sind. Neben der Erkenntnis über die eigene stetige Veränderung im Prozess des Lebens verbindet die Fähigkeit, neugierig Fragen zu stellen und zuhören zu können. Ich erinnere mich daran, mich als Kind niemals in Gesellschaft von Erwachsenen gelangweilt zu haben, solange ich mit all meinen Fragen an ihrem Leben teilhaben durfte. In diesem Sinne versuche ich auch 20 Jahre später zu handeln: Kein Mensch ist zu jung oder zu alt, um ernst genommen zu werden.

Jörg Tremmel, Autor von "Eine Theorie der Generationengerech- tigkeit"

Ihr seid uns nicht egal

Glaubt man den Medien, so ist das Verhältnis zwischen Jung und Alt schlecht. Knatsch gibt es nicht nur über die klassischen Themen der Generationengerechtigkeit wie etwa Rente, Staatsverschuldung und Umwelt. Junge Menschen fordern zum Beispiel bislang erfolglos die Einführung verbindlicher Nachwuchsquoten, um die politische Marginalisierung ihrer Generation zu stoppen und ihnen eine stärkere Teilhabe an den gesellschaftlichen Prozessen zu ermöglichen. Und sie kritisieren das geringe Engagement älterer Bürger beim Bundesfreiwilligendienst. Junge Menschen sind dort viel stärker vertreten. Um den Streit zwischen Jung und Alt soll es hier aber gar nicht gehen, sondern vielmehr um die Solidarität der heutigen Generationen mit den noch nicht geborenen, zukünftigen Generationen. Im Großen und Ganzen tun wir nämlich recht viel für sie. Dazu gibt es ein berühmtes Gedankenexperiment. Wie würden wir als Gesellschaft reagieren, wenn wir mit Sicherheit wüssten, dass in 50 Jahren die Welt untergeht. In diesem Fall bräuchte unsere Gesellschaft nicht mehr in die Suche nach einem sicheren Endlager für Atommüll zu investieren. Auch den Treibhauseffekt zu begrenzen, würde zu einem zweitrangigen Ziel. Und würden wir Milliarden von Euros in die medizinische Grundlagenforschung investieren? Dass wir in der Wirklichkeit anders handeln, nämlich viel weniger gegenwartsorientiert, zeigt doch, dass uns die Nachwelt nicht egal ist.

Marianne Rubbach, Leserin

Großeltern helfen immer gerne

Als Mutter von Kindern, die mich mit Enkelkindern erfreuen, erscheint mir die Frage angesichts meiner Lebensrealität als weltfremd. Als Großmutter bin ich gefragt, in meinem Freundesund Bekanntenkreis sieht es nicht anders aus: Krankheit der Eltern oder Kinder, schlechte Betreuungsangebote in Schulen und Kitas, lange Arbeitszeiten der Eltern. Finanzielle Engpässe der Jüngeren machen aus vielen Großeltern eine Institution, ohne die nichts mehr rund läuft. Die Alten springen ein. Meiner Generation (70 plus) ging es in vielerlei Hinsicht früher viel besser. In der Generation meiner Kinder gibt es wesentlich mehr Stress, weniger Zeit für die Mitmenschen. Entweder haben sie zu viel Arbeit oder sie leben in prekären Arbeitsverhältnissen mit absehbarer Altersarmut. Angesichts dessen kann und will ich meinen Lebensabend nicht oberflächlich genießen. Wer Kinder oder Enkelkinder hat, wünscht sich, dass sie in ein gutes oder gar besseres Leben als das eigene hineinwachsen. Unser Wirtschafts-, Sozial- und Rechtssystem befördert Individualismus und Entsolidarisierung. Ein notwendiges, wenn auch bescheidenes Mittel dagegen ist der Zusammenhalt von Jung und Alt. In meinem Fall hat das tätige Miteinander positive Auswirkungen: Ich werde gebraucht, ich bin nicht einsam, ich fühle mich geliebt. Und meine Enkelkinder werden einst vielleicht an mich denken, so wie ich mich heute an meine fürsorglichen Großeltern erinnere.

Dörte Ahrens, Leserin

Die Mitte als Herausforderung

Geben und Nehmen verbindet die Ge- nerationen. Was ich früher als Kind von meinen Eltern bekommen habe, gebe ich nun zurück: Zeitkontingente, Zuwendung und Verantwortungsübernahme. Die eigenen Kinder im Blick zu behalten, kommt mir vergleichsweise leicht vor. Die Elterngeneration und deren Bedürfnisse in den Blick zu bekommen dagegen schwer. Es geht darum, zugleich deren Andersartigkeit und deren Ähnlichkeit zu ertragen.

Irmgard Teske, Professorin für Psychologie, Hochschule Ravensburg-Weingarten

Alle unter einem Dach

„Glaubt Ihr denn, die 68er-Generation will später mal ins Altersheim?“ Diese Aussage begleitet mich seit Jahren. Heute bedeutet „60 plus“ eine andere Lebensperspektive als noch vor 20 oder 30 Jahren. Der Stereotyp vom gebrechlichen alten Menschen wird durch das der agilen Seniorinnen und Senioren abgelöst. Von der Studierenden- zur Senioren-WG? Dann doch lieber ein generationenübergreifendes Wohnen. Aufgewachsen in einer großen Familie ist die Idee vom Leben in einer Gemeinschaft mit mehreren Generationen sehr charmant. Ich erhoffe mir dadurch ein selbstverständliches Geben und Nehmen zwischen Jung und Alt, ein gegenseitiges Profitieren von unterschiedlichen Kompetenzen, Erfahrungen und Interessen. Soweit der Wunsch. In der Realität erlebe ich Vorurteile, die dazu führen, dass sich alte und junge Menschen oft aus dem Weg gehen. Wie kommen sie wieder zusammen, bringt doch das Miteinander für alle Vorteile und Nutzen? Es braucht Orte und Zeiten für den Diskurs. Es muss nicht gleich das gemeinsame Zusammenleben in einem Haus sein. Die Mehrgenerationenhäuser aus dem Aktionsprogramm des Familienministeriums oder Wahlfamilien und inszenierte Nachbarschaften zeigen, wie generationenübergreifendes Miteinander und Lernen möglich ist. Sie könnten in Zukunft dazu beitragen, dass solidarisches Miteinander, Achtung und Toleranz nicht nur zwischen den Ge- nerationen bereichernder und nachhaltiger gelebt werden.

Arabell, Leserin

Die Familie verbindet

Der Zusammenhalt in unserer Gesellschaft ist ja immer auch ein wenig davon anhängig was gerade auf der Welt passiert. Fernab von Urängsten, geschichtlichen Ereignissen oder Katastrophen, finden unterschiedliche Generationen durch gemeinsame Aktivitäten, Festlichkeiten und leider auch traurige Anlässe zusammen. In diesen Momenten wird immer wieder deutlich, was das Wort Familie bedeutet und das man sich doch eigent- lich viel öfter treffen sollte.

Klaus Linke, Leser

Der Kapitalismus isoliert

Eigentlich verbindet garnichts mehr die Generationen! Durch die Industrialisierung und die damit einhergehende Wandlung der Gesellschaftsordnung zum Kapitalismus wurde die Kleinfamilie als am besten verwertbare und kontrollierbare Form des Zusammenlebens massiv gefördert und bestehende soziale Strukturen aufgelöst. Dies führt zur Vereinzelung und ist ein Hindernis für ein soziales Miteinander der Generationen!

Christoph Klimmt, Professor für Kommunikationsforschung, HMTM Hannover

Gemeinsame Helden

Dass Medien Menschen verbinden, versteht sich von selbst. Doch scheinen Medien bisher Generationen eher voneinander getrennt zu haben: Jede Generation hat bzw. hatte ihre Lieder, ihre Stars, ihre Filme. In unserer ultramobilen Gesellschaft tauchen nun Medienangebote auf, die tagtäglich Brücken zwischen den Generationen bauen: Väter daddeln mit ihren Kindern. Die frühen Videospieler sind heute Elterngeneration und ihr Jugendhobby wird zur gemeinsamen Freizeitbeschäftigung mit dem Nachwuchs. Ein großartiges Gefühl, Papas Mario-Kart kurz vor der Ziellinie zu überholen! Mütter klinken sich ins Whatsapp ihrer Töchter ein. Nachdem Smartphones und mobiles Internet auch in den älteren Generationen ankommen ist, entstehen neue Gesprächszirkel zwischen Mama und Tochter. Auch wenn Töchterlein in einer anderen Stadt lebt, gibt es wieder einen Weg zum schnellen Schwätzchen zwischen den Generationen. Großeltern skypen mit Enkelkindern. Kaum eine Familie, die noch ein oder gar beide Großelternpaare in der Nähe hat. Online-Video- konferenzen schaffen gerade für Kinder eine früher undenkbar lebendige Verbindung zu Oma und Opa – mit hoher Kontaktfrequenz und erlebter Interaktion. So können Neue Medien die Trennlinien zwischen Generationen entschärfen. Vielfach setzt das ein Medientraining der älteren Generation voraus. Aber das lohnt sich, wenn man dadurch dem weit entfernten Enkel abends etwas vorlesen kann.

Reinhard Lindenhahn, Leser

Wieder zuhören lernen

Früher lebten die Menschen bei uns in Großfamilien – was noch heute in vielen Ländern der Erde völlig normal ist. Drei oder gar vier Generationen teilten sich Wohnraum, Zeit, Geld und Arbeit und erfuhren täglich die Gedanken und Gefühle Jüngerer bzw. Älterer. Sich auf die anderen einzustellen, sie zu tolerieren, war oft allein schon aus Raumnot eine Frage schierer Notwendigkeit. Bei uns ist das mittlerweile eher zur Ausnahme geworden. Ab und an fahren Mutter, Vater und die Kinder zu den Großeltern oder diese kommen auf einen Sonntagnachmittagsbesuch oder kurz zum Kinderhüten. Und nur zu oft fehlt den größeren Kindern der Gesprächsstoff mit der älteren Generation, weil diese nicht mit den gerade aktuellen Apps für das neue Smartphone vertraut sind. Das sind Schablonen, gewiss. Sie umreißen aber dennoch einen Trend: Die Generationen entfernen sich voneinander. Was könnte sie verbinden? Nur eines: ehrliches Interesse füreinander. Für die Probleme der anderen, für ihre Sorgen, Nöte, aber auch für ihr Umfeld, für ihre Freuden und – ganz allgemein – für ihre Erfahrungen. Interesse dafür, was bei ihnen ganz anders ist als bei einem selbst. Merkwürdigerweise lässt sich daraus sehr viel lernen! Mehr als aus neuen Apps oder alten Fernsehsendungen.

Kirsten Wünneker, Leser_In

Als Mutter dreier Kinder, bin ich dankbar über jede Hilfe. Meine Mutter ist da eine zuverlässige Unterstützung. Sie hilft mir nicht nur als günstige und extrem flexible Babysitterin, sondern auch bei so praktischen Dingen wie dem Flicken der Hosen meiner Jungs oder der Beratung beim Kochen oder Backen. Gleichzeitig fühlt sie sich gebraucht und genießt ihre Rolle als Oma, die die Kinder ohne erzieherischen Auftrag genießen darf. Die Kinder lieben sie und wissen ganz genau, dass Oma viel mehr erlaubt als mein Mann und ich es im Alltag können.

Simon Avram, Leser_In

leider, in den meisten faelle, ist eine juristische (materielle) verbindung: generationsvertrag ! besonders schlimm, sind die rentner mit migrationshintergrund, die abgeschrieben werden; anders gesagt, man zeigt einer dass man sein tod wuenscht (sicher indirekt), um keine rente mehr zu zahlen. es moegen ausnahmefaelle geben, aber was ich hier schreibe, ist der regelfall.

hans faller, Leser_In

Das Ziel das Leben so angenehm und erfolgreich wie möglich zu gestalten.

Michael Seidel, Leser_In

Speziell bei uns zu Haus verbindet eine einfache Familienfeier, wie z.B. Geburtstage oder Feiertage die Generationen. Aber auch einfach mal auf die Medien, wie Internet und TV verzichten und ein gutes altes Brettspiel machen verbindet. Bei uns sind mitlerweile 4 Generationen vertreten, da kommt schon etwas Stimmung auf. Aber auch das Medium Internet mit z.B Skype lässt ein völlig neues Telefonvergnügen mit Bild aufkommen, wenn dann de Geschwindiglkeit stimmt. Durch Skype kann man z.B. auch zwischen den Familientreffen auf seine liebsten zugreifen, da spielt die Generation keine Rolle. :-)

Peter B., Leser_In

Generation vereint das Wir-Gefühl. Wir Deutschen, wir Schmidts, wir Weltmeister. Ziele gemeinsam zu erreichen verbindet, gemeinsam zu verlieren verbindet, gemeinsam großes Glück und großes Leid zu erleben verbindet. Das Picknick mit der Oma und dem Enkel im Park. Das Eier bemalen, verstecken und suchen verbindet. Schön, dass es das noch gibt.

Hans Meiser, Leser_In

Das Internet verbindet heute Gererationen - technisch intuitiv nutzbar für die Jüngsten bis best ager. Das Web verbindet darüberhinaus kommunikativ wie keine Medium je zuvor - Diztanzen sind dank moderner Kommunikationsmittel nichtig. Skype & Co ermöglichen generationsübergreigende Verbindung, Freundschaften und vieles mehr.

Eduard Langner, Leser_In

Ratgeber und Ausstach der Erfahrungen

Dana Brüggenkamp, Leser_In

Nicht wahr...? - Generationen können so unterschiedlich sein wie Tag und Nacht. Wenn sich zum Beispiel der Großvater köstlich darüber aufregt, dass die Enkelin sich gar nicht mehr von ihrem neusten Modell des sogenannten \"Mobilfongeräts\" losreißen kann oder (drehen wir den Spieß mal um) dass sich die \"ältere\" Generation immerzu an den Sitten und Moralen der Vergangenheit festbeißt: \" Als ich früher in deinem Alter war...\" - Aber was nun verbindet diese so unterschiedlichen Ansichten, Moralen, Sitten und Lebensweisheiten miteinander? Die Antwort: Unsere Sprache. Ja, sie durchlebt eine immer herrschende \"Metamorphose\" und aus den Schriften der Kirche entsprang unsere heutige \"Chatroom-Sprache\", dennoch hat zum Beispiel schon Martin Luther im Herbst 1521 für einen revolutionären Schritt zur Verbindung der Generationen des deutschen Volks gesorgt. Er übersetzte die Bibel in nur elf Monaten in die deutsche Sprache. Dies führte zur Anregung, unsere Sprache neu zu gestalten, denn durch Luther entstanden auch beispielsweise neue Redewendungen, welche sogar heutzutage noch benutzt werden (\"der Denkzettel\", \"schadenfroh sein\"...). Nach Luther folgten unter anderem (auch wohl jedem bekannt) die Gebrüder Jakob und Wilhelm Grimm, welche zu Zeiten Napoleons die erste deutsche Grammatik verfassten. Jakob wollte \"ein historisches Leben mit allem Fluss freudiger Entwicklung in sie zaubern\", d.h., dass er unter anderem das deutsche Volk verbinden und ein Nationalgefühl vermitteln wollte; und auch er merkte schnell, dass die gemeinsame Sprache die Lösung zum Ziel war. Also, ich fasse zusammen: Anhand der unsrigen Sprache als \"exemplum\" wird sichtbar, dass wir uns unter anderem mit ihr identifizieren können, und dadurch bedingt verbindet sie Generationen. Wenn man unsere Sprache nun auf die multikulturelle Gesellschaft beziehen würde, könnte man auch erkennen, dass sie sich zum Beispiel durch sogenanntes \"Denglisch\" auch in diesem Aspekt stark verändert hat und sogar nationenüberschreitend verbindet. Meine Großmutter kam beispielsweise aus England... Ein paar Buchstaben, ein paar Silben, ..gewürzt mit der Grammatik...: Fertig ist ein Indiz für eine unglaublich, mächtige Verbindung von Generationen. Unser Geheimrezept! Guten Appetit!

Ilonka, Leser_In

Generationen verbindet der Generationenvertrag - auch wenn er nicht niedergeschrieben ist und macher glaubt, ihn kündigen zu können.

Amélie, Leser_In

Mich verbindet Liebe und Empathie zu den Generationen.

Mike, Leser_In

Täglich gelebte Solidarität und beidseitiger Austausch verbindet die Generationen.

Michael, Leser_In

Generationen verbindet der Glaube an gemeinsame Wertvorstellungen und ethische Grundsätze, welche unabhängig von den Launen des Zeitgeistes bestehen bleiben.

Kersten Artus, Leser_In

Mein Enkel Oskar inspiriert mich, Geschichten aufzuschreiben. Es sind Erinnerungen an Momente, die ansonsten verloren gehen würden oder an die ich mich später nur noch verschwommen erinnern würde. Und er sich gar nicht mehr. Er ist erst 13 Monate alt. Um mich auf meine Rolle als Oma vorzubereiten, habe ich an einem Geburtsvorbereitungskurs für werdende Großeltern teilgenommen. Darüber schrieb ich. Als ich dem Jungen das erste Mal in die Augen sah, entstand die nächste Geschichte. Über die ersten Stunden, die ich alleine mit ihm verbracht habe, habe ich die dritte kleine Geschichte aufgeschrieben. Es folgten weitere. Geschichten über unsere erste Fahrt mit dem Zug, oder über unsere erste gemeinsame Nacht. Bislang habe ich 16 Blogeinträge über ihn verfasst. Ich habe auch meinen Kindern Erinnerungen aufgeschrieben. Darunter sind meine Geburtsberichte und ein Lexikon, in dem ich Wortkreationen wie zum Beispiel \"Metterschling\", \"Steckstose\" oder \"Arschlöcherin\" festgehalten habe. Sie haben sie zu ihrer Volljährigkeit geschenkt bekommen. Auch mein Enkel wird sich einmal in meinen Geschichten finden können. Er wird sich vielleicht wundern. Vor allem aber wird er sich geliebt fühlen. Mein Enkel erlebt mit seiner Oma eine Person, die ihn bedingungslos und ohne Erwartungen angenommen hat. Das ist vielleicht das Besondere an Großeltern. Diese Generationen-Verbindung ist einzigartig. Ein Schatz der Menschheit.

Rita Schäfer, Leser_In

Kriege verbinden Generationen! Das betrifft nicht nur die Leugner und Geschichtsverdreher, die darauf pochen: \"Opa war kein Nazi\" - nahezu 70 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs und der Überwindung der Nazi-Diktatur. Oder Kriegstraumatisierte auf allen Kontinenten, die keine Chance hatten, ihr Leiden aufzuarbeiten. Vielmehr sind auch couragierte Menschen zu nennen, die zu verantwortwortlichem Erinnern beitragen. Dazu zählt Ruth Weiss, die mit 90 Jahren noch in Schulen geht und über ihre anti-semitischen Kindheitserlebnisse berichtet. Sie musste mit ihrer Familie nach Südafrika fliehen, wo sie abermals mit Antisemitismus und mit dem Rassismus des Apartheidregimes konfrontiert wurde. Erneut trat sie die Flucht an, dieses Mal in afrikanische Nachbarländer. Dort bildete sie junge Wirtschaftsjournalisten aus. Vor einigen Jahren kam sie nach Deutschland zurück. Ihre lesenswerten Lebenserinnerungen und Romane richten sich vor allem an Jugendliche. Respekt vor dieser Zeitzeugin!

Karsten Holzner, Leser_In

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Wer stoppt den Klimawandel?

In fünf Jahren sind die eine Katastrophe verhindernden Emissionseinsparungen nicht mehr zu realisieren. Nennen Sie uns Personen und Lösungen, die etwas dagegen unternehmen.

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Christian Freiherr von Stetten, Honorarkonsul der Republik Malediven in Deutschland

Mit gutem Beispiel voran

Die Malediven sind mit ihrer höchsten Erhebung von 2,40 Metern das am niedrigsten gelegene Land der Erde. Aufgrund ihrer geografischen Lage ist die Inselgruppe besonders von den Folgen des Klimawandels betroffen. Aufgrund des steigenden Meeresspiegels überfluten immer öfter Hochseewellen die kleinen Inselgruppen. Gesunde Korallenriffe und Mangrovenwälder würden die Malediven davor schützen, unterzugehen, aber diese sind durch den zunehmenden Tourismus sowie die Erwärmung der Wassertemperatur stark beschädigt. In den nächsten Jahren müssen deshalb zahlreiche der 200 bewohnten Inseln aufgegeben und die Bevölkerung auf größere Inseln umgesiedelt werden. Die Malediven wollen mit gutem Beispiel vorangehen und stellen ihre Energieversorgung auf CO2-Neutralität um. Besonders durch den Einsatz von Solaranlagen mit Speichermöglichkeiten soll dies erreicht werden. Der damalige Präsident Nasheed hatte im Jahr 2009 der UN-Vollversammlung die Klimaneutralität seines Landes bis zum Jahr 2020 in Aussicht gestellt und damit als erster demokratisch gewählter Präsident ein Bewusstsein für die kritische Lage seines Inselstaates geschaffen. Auch wenn dieses ehrgeizige Ziel nicht vollständig erreicht wird, sind es vor allem deutsche und Schweizer Unternehmen, welche die Malediven auf ihrem Weg unterstützen.

Tine Langkamp, Koordinatorin der Initiative „Fossil Free Deutschland“

Ökologische Divestoren

Städte spielen eine enorm wichtige Rolle beim Klimaschutz. Schätzungen von UNEP zufolge entstehen 75 Prozent der Treibhausgasemissionen in Städten. Erfreulich ist, dass viele Städte bemüht sind und beispielsweise häufig ambitioniertere Klimaschutzziele haben als Nationalstaaten. Leider werden die guten Ansätze vieler Kommunen untergraben, da sie mit ihren Geldanlagen die Kohle-, Öl- und Gasindustrie unterstützen. Der Großteil der weltweiten CO2-Reserven ist in Besitz der 200 größten Kohle-, Öl- und Gasunternehmen. Achtzig Prozent dieser Reserven können nicht verbrannt werden, um die globale Erderwärmung unter der Zwei-Grad-Marke zu halten. Die Klimapolitik von Kommunen, die dennoch weiterhin in diese Unternehmen investieren, ist unglaubwürdig. Mehr und mehr Kommunen verban- nen diese Unternehmen deswegen von ihren Geldanlagen. Beispielsweise gehen San Francisco (USA), Bristol (Großbritannien), Örebro (Schweden) und Boxtel (Niederlande) mit gutem Beispiel voran. In Deutschland ist die Stadt Münster Vorreiter. Derzeit stecken in zwei Investmentfonds Rücklagen für die Pensionen der städtischen Beamten in Millionenhöhe. Ein Teil davon ist u.a. in Aktien von RWE, Shell und Total angelegt. Dies könnte sich ändern: Angeregt durch die lokale Fossil Free Gruppe, könnte Münster die erste Stadt in Deutschland werden, die deinvestiert und zwar mit der Einführung einer ethisch-ökologischen Richtlinie für städtische Geldanlagen.

Michael Jakob, Klimaforscher und Ökonom am MCC Berlin

Das richtige Wachstum

Wirtschaftswachstum kann kein Ziel an sich sein. Es ist nur nützlich, wenn es übergeordneten Zielen wie beispielsweise der Armutsbekämpfung dient. Wenn wir uns aber fragen, wie wir die Lebensbedingungen insbesondere der Ärmsten nachhaltig verbessern können, zeigt sich: Ohne Wirtschaftswachstum wäre die Armutsbekämpfung deutlich schwieriger. Zugleich hätte auch ungebremster Klimawandel negative Auswirkungen auf die Armutsbekämpfung. Eine Erhöhung der globalen Mitteltemperatur um vier Grad Celsius oder mehr würde viele Erfolge rückgängig machen. Beispielsweise würden viele Menschen durch verstärkte Extremereignisse wie Stürme und Dürren ihre Lebensgrundlage verlieren. Die Vermeidung solcher Folgen des Klimawandels durch eine Wachstumsreduktion nach dem Rasenmäher-Prinzip wäre aber sehr teuer: Eine Tonne CO2 weniger würde beinahe 2.000 Euro kosten, statt wie derzeit nur etwa fünf bis zehn Euro. Weniger Wachstum könnte sich sogar negativ auf das Klima auswirken, falls dadurch technische Innovationen verlangsamt werden. Denn Wachstum ist nicht gleich Wachstum: Wenn zum Beispiel emissionsintensive Sektoren der Wirtschaft schrumpfen, könnten dafür andere wie etwa Bildung und Gesundheit expandieren. Als Gesellschaft müssen wir daher einen öffentlichen und demokratisch legitimierten Diskurs darüber führen, welche Ziele wir uns setzen. Ob diese mit einem wachsenden oder sinkenden Bruttoinlandsprodukt erreicht werden, ist dann Nebensache.

Johannes Ahrens, Leser

Kraft und Schmerzen

Im Dezember tagt die Weltklimakonferenz in Paris. Dorthin werden wir von Flensburg aus pilgern. Im September geht es los. Quer durch Europa auf einem ökumenischen Pilgerweg. Von Kirchengemeinde zu Kirchengemeinde. Manche laufen die ganze Strecke, einige nehmen sich gezielt Zeit für einzelne Etappen. Unterwegs sehen wir „Schmerzpunkte“ und „Kraftzentren“: Orte, die schon ein verändertes Bewusstsein aufweisen und solche, an denen die Zerstörungskraft der alten Denke sichtbar ist. Verlangsamen, bewusste Fortbewegung, ein Sinn für Zeit und Distanzen, geistliches Auftanken in jahrhundertealten Kirchen: das ist die eine Seite der Motivation. Die andere: in Paris eine gemeinsame Erklärung der Pilgergruppe überreichen. Retten wir damit die Welt? Wohl eher nicht. Aber es ist auch mehr als nur ein Zeichen. Denn wer pilgert, erlebt. Der Weg zur Veränderung beginnt zuerst in mir selbst.

Anton Hofreiter, Vorsitzender Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen

Allmendetragik beenden!

Die Klimakrise kann nur die Einsicht stoppen, dass es uns Menschen an den Kragen geht, wenn wir weiter die Atmosphäre mit CO2 vollpumpen. Die Klimakrise ist ein riesiges Marktversagen. Das knappe Gut heißt intakte Atmosphäre. Sie kostet nichts und wird deswegen verschwendet. Bei einem so gravierenden Versagen zum Nachteil aller sind harte Staatseingriffe notwendig und gerechtfertigt. Für Deutschland heißt das: Wir müssen die erfolgreiche Energiewende fortführen und auf Industrie, Verkehr, Gebäude und Landwirtschaft übertragen. Dafür brauchen wir zum Beispiel ein Turbo-Programm für mehr Dämmung. Und wir sollten Schluss machen mit Milliarden Euro Subventionen für den Flugverkehr, der keine Steuern auf Kerosin bezahlen muss. Aber auch Unternehmen sind gefordert. Eon und RWE haben jüngst gezeigt, wie man mit klimaunverträglicher Unternehmensführung an die Wand fährt. BMW und Daimler sollten daraus lernen. In neuen klimafreundlichen Technologien liegen unternehmerische Chancen. Ich hoffe auf mehr Unternehmer, die zupacken – statt gegen vernünftige Regeln anzulobbyieren. Es kommt aber auch auf uns Einzelne an. Wir entscheiden mit, wie groß unser ökologischer Fußabdruck ist. Das meint nicht Verzicht – man kann auch mit weniger CO2-Ausstoß die Sau rauslassen. Aber den Mut zum Neuen, den braucht es. Ohne, dass wir anders leben, essen und reisen, wird es nix mit dem Klimaschutz.

Ilonka, Leserin

Vielleicht Glück

Könnte gut sein, dass der viele Staub in den oberen Schichten der Atmosphäre den Klimawandel stoppt – oder wir helfen mit Geoengineering nach.

Michael, Leser

Natur oder Weltall

Den Klimawandel stoppt nicht der Mensch, sondern ein unvorhergesehenes Ereignis wie ein Vulkanausbruch oder ein Meteoriteneinschlag; nur dass eben dann eine Eiszeit erfolgen könnte.

Johannes Fuchs, Leser

Auto teilen

Der Klimawandel ist die logische Konsequenz aus dem Verhalten der Menschheit – er ist nicht wegdiskutierbar oder ignorierbar; er ist Teil des Seins der Menschheit geworden. Die Frage ist somit nicht korrekt gestellt und müsste lauten: „Wie lässt sich der Klimawandel mit dem unbedingtem Überlebenswillen vereinbaren?“ Wir sind an dem Punkt angelangt, an dem die Effekte der klimatischen Veränderungen unumkehrbar sind, daher werden wir alle massiv umdenken lernen müssen. Das beginnt beim Einzelnen, der sich klar bewusst machen muss, welchen Beitrag er zur Klimaerwärmung leistet, bis hin zum Großunternehmen, das nicht nur die Ressourcen vernichtet, sondern schädliche Stoffe direkt in der Atmosphäre einbringt. Es ist der Einzelne vor Ort, der mit seinem Handeln beeinflusst, wie es bei uns allen weitergeht. Wenn also ein Pendler alleine im Auto zur Arbeit fährt, ist sein Verhalten egois- tisch und ein Grund, warum wir da sind, wo wir sind. Daher ist er aufgerufen, sich zu überlegen, seinen Wagen mit drei Kollegen zu teilen, was den Ausstoß an klimaschädlichen Gasen reduzieren würde – und zwar um 75 Prozent! Wir alle sind gefragt – nicht morgen, nicht in einer Woche, sondern sofort, hier und jetzt. Daher müssen wir bereit sein, unseren Luxus zu teilen und unsere Bequemlichkeit zugunsten eines veränderten, aber noch lebenswerten Planeten aufzugeben.

Reinhard Lindenhahn, Leser

Nur alle. Also keiner.

Christina Deckwirth, Campaignerin bei Lobbycontrol

Der Kampf gegen die Klimagegener

Die Lobbyisten der Industrie wirken oftmals wie Bremsklötze, wenn es darum geht, den Klimaschutz voranzutreiben. Verschiedene Wirtschaftsbranchen sehen ihre Interessen in Gefahr. Die dortigen Unternehmen und deren Verbände verfügen über das notwendige Geld und gute Kontakte, um aufwändige Lobbyarbeit zu betreiben. So ist bekannt, dass der Ölkonzern Exxon in den Jahren 1998– 2005 über 16 Millionen US-Dollar in klimaskeptische Gruppen pumpte. Mit Erfolg – in den USA glaubt mittlerweile nur noch eine Minderheit, dass die Verbrennung fossiler Rohstoffe das Klima verändert. In Deutschland bietet das Europäische Institut für Klima und Energie (EIKE) aus Jena eine Plattform für Veranstaltungen und Publikation der deutschen Klimaskeptiker. Über seine Finanzierung hüllt sich EIKE in Schweigen – hier braucht es dringend mehr Transparenz. Bedeutender als die Klimaskeptiker sind in Deutschland allerdings die Akteure, die die Instrumente der Klimapolitik in Frage stellen. Die Energiewende sei zu teuer, lautet das Argument. In den Tagebauregionen im Rheinland und in der Lausitz fahren RWE und Vattenfall millionenschwere Kampagnen, um den Ausstieg aus der Kohle zu verhindern. Die Autolobby vereitelte jüngst strengere Grenzwerte für klimaschädliche Autoabgase in Brüssel, um ihre schweren „Premiummodelle“ verkaufen zu können. Diese Einflussnahmen erzeugen eine Schieflage, durch die es Klimaschützer zuweilen schwer haben, mit ihren Argumenten durchzudringen.

Kurt Schmidinger, wissenschaftlicher Beirat, Vegetarierbund Deutschland (VEBU)

Fleischverzicht spart 10 Prozent

Vegetarier tragen durch ihre fleischlose Ernährung beachtlich dazu bei, den Ausstoß klimaschädlicher Gase zu reduzieren. Auf Deutschland bezogen kann man sagen, dass ein Vegetarier pro Jahr knapp eine Tonne CO2 weniger erzeugt als ein Nicht-Vegetarier. Wenn wir davon ausgehen, dass ein Deutscher im Jahr zehn Tonnen CO2 erzeugt, dann ist die fleischlose Ernährung durchaus ein nennenswerter Beitrag zum Klimaschutz. Studien gehen davon aus, dass in Deutschland etwa sieben Millionen Vegetarier und circa 900.000 Veganer leben. Durch vegetarische bzw. vegane Ernährung werden in Deutschland jährlich also weitaus mehr als sieben Millionen Tonnen CO2 eingespart. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Vegetarier auch Milchprodukte konsumieren und daher mehr Treibhausgase erzeugen als Veganer. Eine Ernährung, die auf Tierhaltung beruht, steigert die Emission von Treibhausgasen im Vergleich zu einer pflanzlichen Ernährung. Es werden insbesondere in drei Bereichen erhebliche Emissionen freigesetzt: So erzeugen speziell Wiederkäuer durch ihre Verdauung Methangase in erheblichem Umfang. Darüber hinaus werden in Übersee riesige Waldflächen brandgerodet, um Platz für Weideland und Futtermittelanbau zu generieren. Dadurch entstehen enorme Mengen an CO2. Außerdem werden durch den Einsatz von Kunstdünger und Gülle Stickoxide freigesetzt. All dies wird durch eine vegetarische Ernährung reduziert.

Michel Harms, Herausgeber von Crowdfunding.de

Klimaschutz-Anteile

Mit einer 100-Euro-Investition die jährlichen CO2-Emissionen um 0,4 Tonnen reduzieren! Das ist bei einer aktuell laufenden Crowdfunding-Aktion für ein Bioenergieprojekt möglich. Crowdfunding versetzt die Bürger in die Lage, Teil der Energiewende zu werden und so aktiv dem Klimawandel entgegenzuwirken. Die Bürger investieren direkt in Projekte aus den Bereichen erneuerbare Energien und Energieeffizienz und erhalten eine Rendite, die zumeist zwischen fünf und neun Prozent pro Jahr liegt. Auch über das klassische GegenleistungsCrowdfunding, das anstelle einer Rendite ausgewählte Gegenleistungen als Dankeschön vorsieht, werden mittlerweile reihenweise ökologische Projekte finanziert. Crowdfunding steht für bürgerliches Engagement, Eigeninitiative, Teilhabe am großen Ganzen, auch mit Kleinstbeiträgen, Transparenz und Nähe zu den Projektinitiatoren. Dabei funktioniert Crowdfunding unabhängig von Eingriffen des Staates und folgt den Mechanismen der Marktwirtschaft – auch wenn es meist um viel mehr als nur Geld geht. Crowdfunding hat sich in Deutschland mittlerweile als tragfähige Finanzierungsalternative etabliert. Auf welche Wirkgröße die nachhaltigen Crowdfunding-Projekte kommen, hängt vom Engagement jedes Einzelnen ab. In Zeiten, in denen sich viele die Frage stellen, wie sie ihr Geld anlegen sollen, bieten die klimaschützenden Crowdfunding-Projekte sinnstiftende Möglichkeiten, gemeinschaftlich in die Zukunft zu investieren.

Fabian Zuber, Leser und Mitglied im Bündnis Bürgerenergie

Bürger statt Konzerne

Bürgerenergie ist gelebter Klimaschutz. Fast die Hälfte des erneuerbaren Stroms in Deutschland ist heute bereits Bürgerstrom. Es sind die Bürger, die die Energiewende voranbringen. Ob als Einzelpersonen, in Energiegenossenschaften oder durch lokale Kleinunternehmen – millionenfach wird durch die Errichtung von Windturbinen und Solaranlagen der CO2-Ausstoß gesenkt. Zudem wird auch noch ein zentraler Bereich der Gesellschaft partizipativer und demokratischer gestaltet. Und der „schlafende Riese“ Energieeffizienz – wer kann ihn wecken, wenn nicht wir Bürger? Potentiale der Energieeinsparung sind kleinteilig und dezentral – genau wie die erneuerbaren Technologien. Wir kommen beim Klimaschutz voran, wenn wir die Menschen vor Ort einbinden. Die direkte Beteiligung kann außerdem den Beginn für weiteres Klimaschutz-Engagement darstellen. Denn wer selbst sauberen Strom produziert oder Effizienzmaßnahmen umsetzt, wird auch zum bewussten Verbraucher. Wo ist der Haken? Im Effizienzbereich scheut sich die Politik bislang, die richtigen Anreize zu setzen. Und der Strommarkt wird im Interesse der Konzerne gerade so umgestaltet, dass wir Bürger zunehmend ausgeschlossen werden. Klimaschutz in Bürgerhand wird so leider ausgebremst. Die Bürger- Energiewende ist gelebter Klimaschutz. Das lehrt der Erfolg der deutschen Energiewende. Man muss es uns nur machen lassen.

Karl Wilhelm, Leser_In

Wer stoppt den Klimawandel?! Genauso gut könnten Sie fragen: Wo wohnt der liebe Gott? Die Antwort: Keine Ahnung! Ist auch egal, weil wir eh nicht die leiseste Chance auf eine sinnvolle Replik haben. Aber man wird ja noch fragen dürfen.

Peter Jagusch, Leser_In

Der Klimawandel ist im Gange und kann nicht mehr gestoppt werden. Je später auf fossile Brennstoffe verzichtet wird, um so stärker wird er beschleunigt und um so dramatischer werden die Auswirkunge sein, aber bereits jetzt ist der Prozess unumkehrbar. Zeitverzögerte Abläufe vorherzusagen ist sehr schwierig (s. Ozonloch). Vulkanausbruche könnten z. B. bremsend wirken, dafür wirken andere Prozesse (z.B. Auftauen von Permafrostböden) beschleunigend. Wir sollten jetzt die Folgen in den Blick nehmen, natürlich ohne das Ziel (Ende der Nutzung fossiler Energiequellen) im Fokus zu behalten.

Simon Avram, Leser_In

in besseren bewusstsein in diese sache, das heisst: jeder ist sich der naechste ! nicht die politik, sondern jeder einzelnen ist hier handelnden, anders wird das problem nicht geloest. sicher ist die industrie ein entscheidenden faktor, aber auch die industrie kann ohne menschen nichts ausrichten, politiker so wie so.

Eduard Langner, Leser_In

der Klimawandel wird nicht gestoppt. Es kann nur teilweise verbessert werden , wenn der Ausstieg aus der Braunkohlekraftwerken ( auch die Neuen im Betrieb ) erfolgt .

Amélie, Leser_In

Wir müssen uns alle klimabewusster verhalten: weniger fliegen, mehr Rad fahren und weniger Fleisch essen

Mike, Leser_In

Den Klimawandel stoppt ein Zusammenspiel von effizinter, resoursenschonender Technik sowie der verantwortliche Umgang damit durch jeden Einzelnen von uns.

Nana Tsiklauri, Leser_In

Es wird nicht groß genug gedacht bei uns! Die \"Energiewende\" wird instrumentalisiert und als Beitrag zum Klimaschutz verkauft, dabei steigen die CO2 Emissionen bei uns und weltweit ungebremst weiter. Eine Transformation unseres auf der Verbrennung von fossilen Energieträgern bestehenden Zivilisationstypus ist überfällig. Genau dieser Übergang wird in dem Weltklimaspiel \"Cooling down\" - ein von der UN anerkanntes alternatives Weltklimaspiel - simuliert. Die Delegierten der im Dezember 2015 in Paris anstehenden nächsten Weltklimakonferenz sollten im Durchgang durch dieses Simulationsspiels lernen, was es heißt, zu einem Konsens zu kommen, sich gemeinsam für die Zukunft einer noch lebenswerten Erde einzusetzen. Erst dann, wenn dieses in \"Cooling down\" gelungen ist, sollten die Flugtickets(?) nach Paris ausgegeben werden. Ich schlage Dr. Otto Ulrich mit seinem Weltklimasspiel \"Cooling down\" vor. www.cooling-down.com Sein didaktischer Ansatz, breit zu den Menschen gebracht, weltweit, weckt Bewusstsein, bringt die Kultur der Mäßigung an die Familientische, als Spiel. Ein Weltklimaspiel als Trojaner am bürgerlichen Familientisch. Was wollt Ihr mehr? Macht weiter so.

Michael, Leser_In

Den Klimawandel stoppt nicht der Mensch, sondern ein unvorhergesehenes Ereignis wie ein Vulkanausbruch oder ein Meteoriteneinschlag; nur dass eben dann eine Eiszeit erfolgen könnte.

Hans Hoepner, Leser_In

wie? -- Deutschland muß seiner Vorreiterrolle weiter entsprechen und mit dramatischen Schritten das Ruder herumreissen. Vorrang hätten m.E.Gesetze,die das Energiesparen erzwingen:Tempo-und kW-Limits für Autos,Elektroautos stark fördern,Solartechnik wieder fördern,energiesparendes Heizen stark fördern.Viel weniger unnötige LKW-Transporte erzwingen.Umweltfreundliche Technologien fördern und diesbezügliche Forschung anregen. Werß -- Das müßte eine grün-rote Regierung anpacken mit grünem Bundeskanzler und Mehrheit im Bundesrat.

Johannes Ahrens, Leser_In

Pilgern nach Paris -- Im Dezember tagt die Weltklimakonferenz in Paris. Dorthin werden wir von Flensburg aus pilgern. Im September geht es los. Quer durch Europa auf einem ökumenischen Pilgerweg. Von Kirchengemeinde zu Kirchengemeinde. Manche laufen die ganze Strecke, einige nehmen sich gezielt Zeit für einzelne Etappen. Unterwegs sehen wir \"Schmerzpunkte\" und \"Kraftzentren\": Orte, die ein verändertes Bewußtsein schon aufweisen und solche, an denen die Zerstörungskraft der alten Denke sichtbar ist. Verlangsamen, bewußte Fortbewegung, ein Sinn für Zeit und Distanzen, geistliches Auftanken in jahrhundertealten Kirchen: das ist die eine Seite der Motivation. Die andere: In Paris eine gemeinsame Erklärung der Pilgergruppe überreichen. Retten wir damit die Welt? Wohl eher nicht. Aber es ist auch mehr als nur ein Zeichen; denn wer pilgert, erlebt: der Weg zur Veränderung beginnt zuerst in mir selbst.

Bernhard Albert, Leser_In

Ich denke das Niemand den Klimawandel stoppen wird. Solange man den Wandel unseres Klimas unter Kostenaspekten betrachtet wird keine Veränderung eintreten. Wer will schon verzichten der Kapitalismus kann nur durch Wachstum bestehen. Man wird viel zu spät merken das man mit Geld den wandel irgendwann nicht stoppen oder umkehren kann. Die Umweltzertifikate sind wie der Ablasshandel. Der Mensch als Krone der Schöpfung wird sich letztendlich selbst seiner Grundlagen entziehen......leider, denn die Welt ist voller Wunder

Klaus Linke, Leser_In

Das ist gelaufen, der Klimawandel würde sich höchsten verlangsamen lassen, wenn konsequent umgesteuert würde. Also kein Verbrennen von fossilen Wertstoffen, sondern massiver Umbau auf kostenlose, unbegrenzt vorhandene Energieträger wie Sonne, Wind, Wasser, Erdwärme und ergänzend die nachhaltige Nutzung regenerativer Energieträger - die nicht auch als Lebensmittel verwendet werden - wie Holz und Energiepflanzen. Konsequente energetische und mietneutrale energetische Sanierung, Einschränkung des Individualverkehrs zu Gunsten des ÖPNV usw. Es gäbe Möglichkeiten, nur die Umsetzung passt nicht in die Logik unseres Wirtschaftssystems und würde Profite schmälern. Da aber die Gier obesrte Priorität in unserem Gesellschaftssystem hat und nur der/diejenige als erfolgreich gilt, der/die sich auf Kosten der Mitmenschen bereichert, ist die Sache hoffnungslos!

Johannes Fuchs, Leser_In

Der Klimawandel ist die logische Konsequenz aus dem Verhalten der Menscheit - es ist nicht wegdiskutier- oder ignorierbar; er ist Teil des Seins der Menschheit geworden. Die Frage ist somit nicht korrekt gestellt sondern müsste lauten: \"Wie lässt sich der Klimawandel mit dem unbedingtem Überlebenswillen vereinbaren?\" Wir sind an dem Punkt angelangt, an dem die Effekte der klimatischen Veränderungen unumkehrbar und entgültig sind, daher werden wir alle massiv umdenken lernen müssen. Das beginnt beim Einzelnen, der sich wirklich ganz klar bewusst machen muss, welchen Beitrag er zur Klimaerwärmung leistet bis hin zum Großunternehmen, das nicht nur die Ressourcen vernichtet, sondern schädliche Stoffe direkt in der Atmosphäre einbringt. Ich könnte jetzt stundenlang oder besser seitenweise über politische Maßnahmen, globale Akteure und lokale Handlungen sprechen bzw. schreiben, aber das macht keinen Sinn, denn es ist der Einzelne vor Ort, der mit seinem Handeln beeinflusst, wie es bei uns Allen weitergeht. Wenn also ein Pendler alleine im Auto zur Arbeit fährt, ist sein Verhalten egoistisch und ein Grund, warum wir da sind, wo wir sind. Daher ist genau dieser Pendler aufgerufen, sich zu überlegen, seinen Wagen mit drei weiteren Kollegen zu teilen - was den Ausstoß an klimaschädlichen Gasen (und die Nutzung ressourcenvernichtender Güter) reduzieren würde - und zwar um 75%! Wir alle sind gefragt - nicht morgen, nicht in einer Woche, nicht ab dem 1.01...sondern sofort, hier und jetzt. Daher müssen wir bereit sein, unseren Luxus zu teilen und unsere Bequemlichkeit zugunsten eines veränderten, aber noch lebenswerten Planeten aufzugeben.

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