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Warum heizen wir den Planeten?

Industrie und Gewerbe haben ihren Energieverbrauch seit 1990 um jeweils mehr als 10 Prozent gesenkt. Der der Haushalte ist im gleichen Zeitraum wiederum weiter angestiegen. Wir wollen wissen: Warum sanieren deutsche Hauseigentümer ihren Besitz nicht?

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Brigitte Bonifer, Leser_In

Weil uns die Achtsamkeit ihm gegenüber abhanden gekommen ist und die Einstellung \"alles nicht so schlimm\" überwiegt.

Klaus Brunhard, Leser_In

Für jeden Neubau gibt es eine Wärmeschutzverordnung und in diesem Jahr wird es eine neue geben. Sie schreibt auf komplizierte Art den Endverbrauch an Energie für Gebäude anhand eines Musterhauses fest. Mit anderen Worten, wie viel Energie wird pro qm verbraucht. Und hier wird es spannend, denn keiner weiß, wohin die Reise geht. Früher wurde für jedes Bauteil ein Wärmedurchgangswert berechnet. Jetzt gilt dieser Wert für das gesamte Haus und man kann beliebig umschichten, wo Energie gespart wird oder ob man das Mindestmaß von 20 % an erneuerbaren Energien weit übertrifft. Eine schlechte Isolierung kann durch einen Mehrwert an erneuerbaren Energien ausgeglichen werden. Aber so können auch Innovationen entstehen, die Systeme können untereinander konkurrieren und kreative Lösungen umgesetzt werden. Vielleicht werden sogar eines Tages die großen Windanlagen überflüssig, wenn es von zu Hause gelingt, den Anteil an erneuerbaren Energien zu generieren.

Christine Hartmann, Leser_In

Natürlich können wir alles auf den neusten Stand bringen, aber wir können auch darüber nachdenken, ob wir wirklich alles ständig beheizen müssen. Muss das Gäste-WC wirklich so warm sein? Oder das Schlafzimmer geheizt? Warum nicht mal aufstehen und ein paar Liegestütze machen, wenn man friert? In mollige Hausschuhe investieren? Die gute alte Thermoskanne mit heißem Tee? Es ist eben so einfach, durch einen kleinen Dreh die Temperatur hochzufahren. Erst wenn die Jahresabrechnung kommt, ärgert man sich, warum man vor dem Urlaub nicht wirklich alle Heizkörper auf Aus gestellt hatte.

Sybille Koch, Leser_In

Geblenden von den unschlagbar günstigen Mietpreisen bis in die Nullerjahre in einigen Berliner Vierteln, hatte wohl kaum ein Student daran gedacht, wie stark die Kohleofenwohnungen die Umwelt verpesten. Und gerade für Menschen mit wenig Geld sind unsanierte Wohnungen immer noch attraktiv. Welcher Mieter fragt schon freiwillig, ob einem die Miete erhöht werden kann, damit eine Wärmedämmung oder ein neues Heizsystem eingebaut werden kann. Hier müsste noch viel im Kopf passieren. Vielleicht würde eine Kampagne von Bundesumweltamt etwas bringen?

Roland Lange, Leser_In

Guten Tag, in allen Antworten vermisse ich einen Hinweis auf die effektivste Methode, Treibhausgase schnell und umfassend einzusparen. Diese Lösung präsentieren Sie netterweise in einer ganzseitigen Anzeige auf Seite 5 der SZ, der »+3« diesen Freitag beigefügt war: »Unglaublich, aber fleischfrei« Jeder Klimaforscher kennt die Zahlen und wird bestätigen können: Mit der Nutztierhaltung wird gegenüber dem Verbrennen fossiler Stoffe ein Vielfaches an klimawirksamen Gasen erzeugt. Hier (auch) anzusetzen, würde bei erheblich geringerem Aufwand viel mehr Ergebnis bringen! Wenn man denn will.... Und ich weiß, dass genau das der Knackpunkt an der Sache ist ... leider! Im privaten Kreis provoziere ich schon mal ganz gerne mit dem ketzerischen Spruch, dass mir ein Vegetarier, der im 300-PS-SUV die 100 Meter zum Briefkasten fährt, lieber ist, als der »radfahrende Öko«, der aber dafür jeden Tag seine Wurst und Schnitzel benötigt... aber im Grunde trifft dieser Vergleich ja sogar zu ;-) Dies nur mal als Gedankenanstoß zur Ergänzung der im Grundsatz sicherlich zu befürwortenden Maßnahmen der energetischen Sanierung. MfG Roland Lange

Andreas Kühl, Leser_In

Der Fokus der Energiewende liegt bislang auf dem Strommarkt. Dort konnte der Anteil an erneuerbaren Energien auf rund 27 Prozent gesteigert werden. Allerdings passt es nicht zusammen, Ökostrom selbst zu erzeugen oder aus dem Netz zu beziehen und dann fossile Energien wie Öl oder Gas für die Heizung zu verwenden. Heizenergie hat im Haushalt einen höheren Anteil als die elektrische Energie. Daher muss auch im Gebäudesektor mehr getan werden für den Klimaschutz. Erneuerbare Energien im Wärmemarkt liegen gerade einmal bei knapp 10 Prozent. Ein Schritt, um mehr erneuerbare Energien im Wärmemarkt zu ermöglichen, ist die Verringerung des Heizenergiebedarfs. Bei einem geringeren Wärmebedarf muss weniger Energie zwischengespeichert werden. Das Passivhaus, bei dem man theoretisch auf die Heizung verzichten kann, hat sich leider nicht in der Praxis durchsetzen können. Daher geht die Entwicklung heute in Richtung Plusenergie- oder Aktivhaus. Das sind Häuser, die selbst Energie erzeugen. Im Idealfall produzieren sie in einer Jahresbilanz mehr Energie als sie verbrauchen. Gebäude übernehmen somit in der Verknüpfung der Energiebereiche Strom, Wärme und Mobilität eine wichtige Aufgabe. Sie erzeugen einen Teil der selbst benötigten Energie, speichern Energie, bieten Energie im Netz an wie auch Speicherdienstleistungen und beziehen Energie aus dem Netz. Die Energie wird für Anwendungen in Strom, Wärme und Mobilität gleichermaßen genutzt.

Andreas K., Leser_In

Wichtig ist, die Grundwärme einer Wohnung niedrig zu halten – keine 21 Grad Innenraumtemperatur.

Günter Vornholz, Leser_In

Bei der Diskussion um die Sinnhaftigkeit von energetischen Gebäudesanierungen werden Amortisationsrechnungen durchgeführt, um den Erfolg einer Investition zu berechnen. Die Kosten der Sanierung, die aufgrund der Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs wie der Dämmung oder der Erneuerung von Heizungsanlagen anfallen, werden mit den längerfristigen Kosteneinsparungen verglichen. Die eingesparten Energiekosten werden jedoch nur langfristig realisiert und daher bei den Berechnungen abgezinst berücksichtigt. Bei diesen Rechnungen finden aber häufig die übergeordneten gesellschaftlichen Ziele der Maßnahmen, wenn überhaupt, nur unzureichend Beachtung. Energetische Gebäudesanierungen sind vor dem Hintergrund der drohenden Klimakatastrophe zu beurteilen. Der Klimawandel wird durch die Emission von treibhausrelevanten Gasen wie CO2 verursacht, die unter anderem durch die Nutzung fossiler Energieträger für das Heizen von Wohnungen entstehen. Die Folgen der Klimaveränderungen wie Tornados in Deutschland oder weltweite Überschwemmungen und Hitzewellen sind schon heute vermehrt festzustellen. Die dadurch verursachten globalen volkswirtschaftlichen Kosten werden jedoch bei den Amortisationsrechnungen, die nur die Kosten und Kosteneinsparungen der einzelnen Maßnahmen einschließen, nicht berücksichtigt. Maßnahmen zur Verhinderung einer zu starken Klimaerwärmung wie der Wärmedämmung sind nicht ohne ver- mehrte Kosten zu erreichen.

Ulf Sieberg, Leser_In

Mit der Effizienzwende verhält es sich wie mit der Bildung: Alle wollen sie. Keine politische Sonntagsrede, ohne dass ihre Potenziale, vor allem im Gebäudebereich, betont werden. Für Arbeitsplätze, faire Wohnkosten, eine naturverträgliche Energiewende. Aber weder will ein(Politik)er etwas für sie tun noch für sie bezahlen. Gehoben werden die Potenziale so nicht. Noch im Juni hat die angebliche Klimakanzlerin auf dem G7-Gipfel die Dekarbonisierung der Weltwirtschaft zum Ziel aller Ziele erklärt. Nur mit einer Abkehr von Erdöl, Kohle und auch Erdgas wird das Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, Erfolg haben, werden die Lebensbedingungen erträglich bleiben, werden bis zu zehn Milliarden Menschen auf der Erde existenzfähig sein. Dazu braucht es auch einen klimaneutralen Gebäudebestand! Nicht ein paar neu gebaute Häuschen auf Niedrig- oder Plusener- giehaus-Standard, sondern über alle vorhandenen 20 Millionen Gebäude in Deutschland hinweg. Die Wärmewende ist nur zu schaffen, wenn weniger endlich mehr wird: Ein beschleunigter Ausbau erneuerbarer Energien für Heizung und Warmwasser, die Nutzung von EE-Strom im Wärmemarkt und mehr Energieeffizienz. Das Zeitfenster für den Klimaschutz schließt sich. Wer mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen will, muss jetzt handeln. Sonst geht es irgendwann nur noch um die Bewältigung der Folgen, ums Überleben. But: How long is now?

Klaus Sedlbauer, Leser_In

Ein nicht unerheblicher Teil des Gases Kohlendioxid entsteht in Deutschland bei der Wärme- und Stromversorgung von Gebäuden. Besonders bei der Beheizung von Gebäuden liegt ein großes Potenzial, den Energieverbrauch und die CO2-Emissionen zu senken, denn aktuell werden knapp 40 Prozent des Energieverbrauchs für Heizung und Warmwasser in Gebäuden aufgewendet. Über 500.000 Gebäude müssten in Deutschland jährlich energetisch umfassend saniert werden, um die Kli- maschutzziele der Bundesregierung zu erreichen. Tatsächlich ist die Sanierungsquote derzeit nicht einmal halb so groß. Dabei könnten Dämmmaßnahmen und Umweltenergie nutzende Heizungsanlagen erheblich Energie einsparen, damit die CO2-Emissionen senken und darüber hinaus das Raumklima und die Beleuchtung ressourcenschonend, nutzer- und nutzungsorientiert gestalten. Wie unsere Forschungsprojekte zeigen, können Gebäude bereits heute als Plusenergiehäuser ausgeführt werden, die in der Jahressumme mehr Energie produzieren, als sie im Betrieb benötigen. Dies ist sowohl beim Neubau als auch bei Sanierungen möglich. Diese Gebäude können dank smarter Vernetzung auch noch umliegende Gebäude oder das eigene Elektroauto mit Energie versorgen. Durch deutlich gesteigerte und ambitionierte Sanierungsaktivitäten sowie erhöhte Anforderungen an den Neubau können so bis 2020 die Klimaschutzziele doch noch avisiert und das Ziel eines klimaneutralen Gebäudebestands bis 2050 erreicht werden.

Reiner Wild, Leser_In

In Deutschlands Gebäuden werden 40 Prozent der gesamten Endenergie verbraucht. Der Gebäudebestand soll bis spätestens 2050 klimaneutral werden. Doch der Erfolg der Bundesregierung bei mehr Energieeffizienz in Gebäuden ist bescheiden. Die Sanierungsrate dümpelt bei unter einem Prozent. Es fehlt ein vernünftiges Konzept aus Fordern, Fördern und Informieren. In Ballungsgebieten klagen immer mehr Haushalte über die Verdrängung durch energetische Gebäudesanierung, weil das Mietrecht geschäftstüchtigen Vermietern attraktive Renditen verspricht. Je teurer gebaut wird, desto höher steigt die Miete. Der Möglichkeit, elf Prozent der Investitionskosten auf die Miete draufzuschlagen, stehen Zins und Tilgungslasten von unter fünf Prozent gegenüber. Einspruchsrechte für Mieter stehen nur auf dem Papier, in der Praxis müssen viele weichen. Bitter auch für die verbleibenden Mieter. Denn mit ökologisch zumeist bedenklichen Dämmbaustoffen reduzieren sich die Heizkosten nicht mal um ein Drittel der Mietsteigerung. Statt den effizienteren Heizungstausch vorzuziehen, wird mit schlechter Bauausführung oft der Wohnwert verringert. So geht es nicht. Viele Vermieter warten daher mit Klimaschutzmaßnahmen. Doch die Mieter stehen wegen des Heizkostenanstiegs „an der Wand“. Wann endlich geht die Bundesregierung das Problem an? Ein erstes wäre die Abschaffung der renditeträchtigen Mieterhöhungsmöglichkeiten, weg mit den elf Prozent!

Stephan Weil, Leser_In

Die klimafreundlichste Energie ist die Energie, die gar nicht erst verbraucht wird. Wärmeerzeugung macht immer noch 40 Prozent unseres Energieverbrauchs aus. Eine erfolgreiche Energiewende muss auch eine „Wärmewende“ sein und den Energieverbrauch von Gebäuden deutlich verringern. Energieeinsparungen und Effizienzsteigerungen sind schlafende Riesen, die wir dringend wecken müssen. Allein bei den privaten Heizungen ist das Potenzial riesig. Nicht einmal ein Viertel der rund 18 Millionen Feuerungsanlagen in Deutschland ist auch nur ansatzweise auf dem Stand der Technik. Würden alle alten Heizkessel durch aktuell auf dem Markt befindliche Modelle ersetzt, ließe sich eine Energiemenge einsparen, die in etwa dem gesamten Erdgasimport Deutschlands aus Russland entspricht. Dadurch ließen sind etwa 70 Millionen Tonnen CO2 einsparen. Aber die bisherigen An- reize zur Gebäudesanierung reichen offenbar nicht aus. Es gibt einen fatalen Sanierungsstau. Die gute Haushaltslage auf Bundesebene würde mehr staatliche Förderungen und bessere steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten ermöglichen. Wann, wenn nicht jetzt? Die „Wärmewende“ hat auch handfeste ökonomische Vorteile: Jeder eingesetzte Euro würde etwa sechs Euro zusätzliche Investitionen auslösen, die unmittelbar bei vielen Herstellern aus Deutschland und beim Handwerk ankämen. Und auch für Hausbesitzer hat sich die Modernisierung meist nach fünf bis acht Jahren bereits gelohnt.

Carsten Müller, Leser_In

Nicht Kohlekraftwerke, Schwerindustrie, Haushalte oder Massenverkehr sind per se schuld am Klimawandel. Es ist vor allem unsere immense Energieverschwendung. Zwischen Öl- quelle, Gasfeld oder Kohlemine über Pipelines, Meiler und Netze bis zum Verbraucher werden bis zu 80 Prozent der Energie vergeudet. Dabei könte dies weitgehend ohne Komfortverluste geändert werden. Durch effizientere Stromerzeugung, bei der Abwärme zur Beheizung von Gebäuden genutzt wird, moderne Elektromotoren, LED- Technik, Gebäude, die fast keine Energie mehr zum Heizen brauchen oder intelligente Verkehrssysteme und Energiemanagement in Haushalten, Bürogebäuden und Fabriken. Dass wir den Planeten „verheizen“ liegt vor allem darin begründet, dass alle Welt über neue Kraftwerke, ob erneuerbar oder konventionell, Flüssiggasterminals und Stromtrassen spricht, kaum jemand aber über ihre Vermeidung. Fossile Energieträger allein durch Solar, Wind und Co. zu ersetzen wird langwierig, teuer, stößt zunehmend auf Akzeptanzprobleme und wird darum unmöglich sein. Es wird darum Zeit, Energieeffizienz endlich als Energiequelle zu verstehen. Tatsächlich ist sie laut der Internationalen Energieagentur IEA bereits jetzt unsere wichtigste: Ohne bisherige Erfolge wäre unser Verbrauch heute 65 Prozent höher! Klimapolitik bedeutet für mich darum zuallererst Energie- effizienzpolitik. Deutschland und die EU sollten hierbei eine Führungsrolle einnehmen.

Bernd Eller, Leser_In

Das klingt verlockend - Umwelt schützen und Heizkosten sparen und noch staatliche Förderung durch die KfW. Das ist der Anreiz, den viele Hauseigentümer dazu verleitet das Haus mit einer Wärmedämmung zu versehen. Die Kalkulation hat allerdings einen Haken, insbesondere dann, wenn man den Einzelfall betrachtet. Bei einem Einfamilienhaus aus den 70er Jahren muss der Eigentümer mindestens 40 Jahre warten, bis sich die 40.000,00 teure Dämmung rechnet. Wenn der Bewohner dann noch ím Rentenalter steht, wird es gänzlich uninteressant bis der Betrag wieder über die Heizkostenersparnis hereingekommen ist. Ich kann nur empfehlen, den Austausch der Heizung und der Fenster vorzunehmen. Dies rechnet sich in 15 Jahren. Auf jeden Fall sollte die obere Geschoßdecke wärmegedämmt werden. Hier ist eine Ersparnis bei den Heizkosten schon nach Fertigstellung zu verzeichnen und die Mieter sind auch bereit, dafür einen kleinen Aufschlag zur Miete zu entrichten. Weiter Sanierungsmaßnahmen sollten mit einem Energieberater besprochen werden, ob sich eine solche Maßnahme lohnt.

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Wann fallen die Grenzen?

Die einen nehmen sich einen Coach, um sie zu überwinden, andere müssen dafür eine lebensgefährliche Bootsfahrt antreten. Der Unterschied zwischen beiden: ein Stück Karton. Können Sie sich vorstellen, dass eines Tages weder Landes- noch menschliche Grenzen die Erdbewohner trennen?

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Brigitte Bonifer, Leser_In

Grenzen fallen dann, wenn Verständnis reift!

Clemens Trier, Leser_In

Wenn wir lieben. Solange wir alleine durchs Leben gehen, grenzen wir uns von anderen ab. Wenn wir uns aber auf eine andere Person einlassen, wird das ich zum wir.

Heidrun Schweiger, Leser_In

Selten fallen Grenzen von alleine, wir müssen uns aktiv dafür einsetzen. Oft scheinen uns diese Grenzen aber unüberwindbar, Ängste und Befürchtungen halten uns davor ab zu handeln. Mir kam jedoch gleich der beliebte Taufspruch in den Sinn „Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.“ (Psalm 18,30) Der Satz von König David soll ermutigen, Gottes Hilfe anzunehmen, Mauern zu überspringen und Grenzen zu überwinden.

Andreas Hegebach, Leser_In

Welch ein Ereignis, als in Deutschland die Grenzen fielen. Ost und West zusammen, Familien vereint. Ein großes Glück. Durch meine koreanische Freundin und viele Besuche in Südkorea wurden mir die Parallelen zwischen Deutschland und Korea vor Augen geführt. Doch Korea ist jetzt seit 70 Jahren geteilt und es wird noch ein weiter Weg, bis die Grenzen fallen könnten. Das Atomprogramm der Nordkoreaner und fehlende Kenntnisse südkoreanischer Politiker über nordkoreanische Strukturen aufgrund ihrer Abschottung machen es nicht leichter. Aber es gab erste Schritte, dass sich Familien wieder sehen konnten, ein Austausch stattfinden kann, kulturelle Unterschiede überwunden werden. Doch auf der anderen Seite ist seit der koreanischen Teilung auch mehr Zeit vergangen, als die Jahre, in der Deutschland geteilt war. Nord- und Südkorea befinden sich nominell im Kriegszustand, aber dass das koranische Wort „Tong-il“ (Wiedervereinigung) überhaupt laut wird, lässt aufhorchen, dass hier doch eines Tages die Grenzen fallen könnten.

Hanka Schneider, Leser_In

Noch sind glücklicherweise die Grenzen bei uns zu Hause nicht gefallen. Sie werden zwar täglich von unseren Kindern aufs Neue ausgetestet, aber es sind nun einmal Grenzen, die zu ihrer Sicherheit und zu ihrem Wohl gesetzt sind.

Marianne Röhrens, Leser_In

Wie soll man ein Land verwalten, regieren, organisieren, wenn man nicht weiß wer zu den Einwohnern gehört und wo das eigene Land endet. Grenzen sind schon nötig, aber sie müssen nicht aus Stacheldraht sein.

Jochen Viehoff, Leser_In

Die Internationalisierung der Kommunikation begann schon vor dem digitalen Zeitalter, als analoge Telegrafen- und Telefonnetze erst Länder und später über Tiefseekupferkabel ganze Kontinente verbanden. Mit dem beginnenden Computerzeitalter kamen digitale Informationen hinzu, die das bestehende Netz international nutzen konnten, deren Leistungen aber rasch nicht mehr ausreichten. Neue Glasfaserleitungen verbinden heute fast alle Länder der Erde und dienen der Kommunikation und Datenübertragung. Hierbei spielt das Internet eine immer größere Rolle. Offen ist aber, wie international das Internet in Zukunft sein wird, wenn die Server aller großen Dienste wie Facebook, Google oder Youtube in den USA stehen, Großmächte wie China Inhalte immer stärker zensieren oder beispielsweise Facebook Infrastruktur in afrikanischen Ländern aufbaut, aber dort nur noch wenige, ausgewählte „Dienste“ zur Verfügung stehen? Kurzum: Das Internet begann als nationale, ameri- kanische, vom Militär geförderte Vernetzung früher Computer und wuchs schnell zu einem internationalen Netz durch die Nutzung der bestehenden Kupferleitungen. Mit dem Web 2.0 konnten Inhalte weltweit produziert und eingestellt werden, die prinzipiell auch in nahezu allen Ländern verfügbar sind. Diese offene und freie Entwicklung des Internets ist heute aufgrund der Interessen nationaler Konzerne und der Kontrollansprüche staatlicher Geheimdienste in Gefahr.

Klaus Dörre, Leser_In

Der Kapitalismus ist ein Gesellschaftssystem mit eingebautem Wachstumszwang. Er kennt nur Expansion oder Zusammenbruch. Erfolgreich ist er, weil Unternehmen und Staaten beständig daran arbeiten, Wachstumsschranken zu überwinden. Doch was lange größeren gesellschaftlichen Reichtum verhieß, erzeugt nun eine ökonomisch-ökologische Doppelkrise. In den alten Zentren wird es immer schwerer, hohe Wachstumsraten zu erzielen. Wächst der Kapitalismus nicht oder nur langsam, steigen Ungleichheit, Prekarität und Armut an. Kommt die Wachstumsdynamik, wie derzeit vor allem im globalen Süden, in Gang, nehmen auch die ökologischen Gefahren zu. Beim Klimawandel, der Artenvielfalt und dem Stickstoffkreislauf haben wir die rote Linie unumkehrbarer Destabilisierungen von Ökosystemen bereits überschritten. Weil ihm der Planet zu klein geworden ist und er wegen wachsender Ungleichheit und Unsicherheit an Legitimität verliert, wird der Wachstumskapitalismus in einigen Jahrzehnten enden. Wie Postwachstumsgesellschaften aussehen können, wissen wir derzeit nicht. Vermutlich wird eine Mischung aus externen Schocks, Bewegungen gegen die Wachstums- und Wettbewerbslogik, Reformen von oben und praktizierten Alternativen zur vorherrschenden Lebensweise den Wandel vorantreiben. Noch können wir den Wandel mit Hilfe demokratischer Politiken beeinflussen. Sich dergleichen zuzutrauen, ist eine innere Hürde, die jede und jeder für sich selbst überwinden muss.

Siegbert Wolf, Leser_In

Der libertäre Kulturphilosoph und Initiator zahlreicher anarchistischer Projekte Gustav Landauer (1870–1919) entwickelte ein Nationenkonzept jenseits von Nationalstaatlichkeit, Staatsgrenzen und Nationalismus. Er zielte auf eine Trennung der Nation vom Staat, da der Staat für ihn nur eine Zwangsstruktur war und damit das Gegenteil von Freiheit, Bund und Vielfalt: „Volk [...] ist ein Mischgebilde aus Nationalität, staatlichen Grenzen und Wirtschafts- und Kultureinheit. Der Staat und seine Grenzen sind elende Zufallsprodukte der erbärmlichsten Erscheinungsformen so genannter Geschichte.“ Hierbei kommt dem Föderalismus – ein Organisationsprinzip, geprägt von der Eigenständigkeit und engen Vernetzung der einzelnen Glieder – eine erhebliche Bedeutung zu. Nur in einer grundlegend erneuerten Gesellschaft freier und gleichberechtigter Menschen konnte sich Landauer eine Welt ohne (nationalstaatliche) Grenzen und Nationalismus vorstellen. Herrschafts- und Staatslosigkeit waren für ihn der höchste Ausdruck sozialer Ordnung, einer nichttotalitären Ordnung, die keinen Krieg und keine strukturelle Gewalt mehr kennt. Gustav Landauers libertärer Föderalismus stellt ein praktikables Modell gegen die zentralistische Gesellschaft zur Beendigung der Herrschaft von Menschen über Menschen dar. An die Stelle des (National-)Staates mit seinen Grenzen tritt ein nichtnationalistischer, interkultureller Bund selbstorganisierter Lebensgemeinschaften.

Irmgard Schwaetzer, Leser_In

Endlich Bilder von Rettungsbooten im Mittelmeer. Um uns herum ist die Welt im Aufruhr, aber die Staatschefs Europas denken immer noch darüber nach, wie sie Menschen, die vor Bürgerkrieg, Verfolgung, Willkür und Armut flüchten, von unserem beschützten Leben fernhalten können. Aber erst wenn Menschen in Sicherheit und Freiheit ihr Leben führen können und sie zu Hause Lebenschancen haben, werden sie in ihrer Heimat bleiben. Solange werden sie sich nicht von den Gefahren einer Überfahrt über das Mittelmeer abschrecken lassen. Die Evangelische Kirche fordert endlich mehr Anstrengungen, um Fluchtursachen zu beenden: Auf dem Gipfel zur Finanzierung der Entwicklung der ärmsten Länder dieser Welt im äthiopischen Addis Abeba im Juli müssen den Staaten konkrete Zusagen zur Aufstockung der finanziellen Leistungen auf 0,7 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts abverlangt werden – und nicht eine Abkehr von diesem lange formulierten Ziel, wie es offensichtlich die EU anstrebt. Geradezu zynisch aber ist, dass die EU-Länder den Bürgerkriegsflüchtlingen aus Syrien und Irak keine legalen und sicheren Reisewege eröffnen. Hier ist es dringend geboten, großzügig und unbürokratisch Visa nach Europa auszugeben und erneut ein Programm zur Ansiedlung besonders bedrängter Familien aus Syrien in Europa zu beschließen und umzusetzen. Die gemeinsamen Werte, auf denen die Europäische Union basiert, erfordern eine Willkommenskultur für Schutzsuchende.

Heinz Feldmann, Leser_In

Als ehemaliger Konzerngeschäftsführer und neoliberaler Yuppie der späten 1990er war es für mich ein weiter Weg der persönlichen Entwicklung zum „Neo-Öko“ und „Weltverbesserer“. Um die Grenzen in meinem Kopf („Wenn jeder an sich selber denkt, ist für alle gesorgt.“) zu überwinden, musste ich zuerst einmal viele Landesgrenzen überqueren. Konkret erfüllte ich mir vor zehn Jahren einen alten Lebenstraum, nahm mir eine Auszeit und ging ein Jahr auf Weltreise. Was ich da alles sah und erlebte, hat meinen Verdacht bestätigt, dass unser neoliberales und kapitalistisches Wirtschaftssystem mit seinem permanenten Wachstumszwang nicht nur unfair ist, sondern unser aller Lebensgrundlage nachhaltig zerstören wird. Eine meiner daraus resultierenden Entscheidungen war, dass ich in Zukunft nicht mehr alleine in meiner viel zu großen und teuren Eigentumswohnung leben möchte, sondern in „Gemeinschaft“ mit anderen Menschen, mit denen ich mich organisiere und die Ressourcen (Räume, Fahrzeuge, Werkzeug, Bücher, Wissen etc.) intelligent und nachhaltig teile. Das erfordert in der Praxis tägliche „Grenzüberwindungen“ im Kopf: Wie kann es sein, dass in so einem nachhaltigen Vorzeigeprojekt Leute ihren Müll nicht ordentlich trennen? Wieso ist die Fahrradgarage schon wieder nicht richtig versperrt? Aber der Lohn für meine „Grenzgänge“ ist immens: Ich freue mich jeden Tag, bin von Herzen dankbar und fühle mich absolut privilegiert, dass ich so leben darf!

Gerhard Bachleitner, Leser_In

Welch eine dumme (und auch sehr neudeutsche) Insinuation! Wollen Sie uns tot sehen? Jede lebende Zelle existiert nur, weil sie zwischen sich und dem Rest der Welt eine Grenze zieht. Des weiteren siehe den hierzu einschlägigen Essay von Friedrich Pohlmann: \"Die Grenze - Verortung einer vieldimensionalen Kategorie\" (Sendung: Montag, 11. Mai 2015) [Link entfernt]

Wolf Nicer, Leser_In

Schaut euch die Welt an, schaut auf die Mauern, auf die Mauern eurer Häuser, auf die Mauern zwischen den Häusern. Schaut euch die Religionen an, gleichgültig welche, alle haben ihre Grenzen gezogen, alle grenzen sich ab und alle meinen, die einzig selig machende Wahrheit zu vertreten, mit Auswirkungen, die einerseits Frieden stiften können und andrerseits Krieg, Völkermord und Zerstörungen bewirken. Solange die Religionen sich nicht öffnen und für andere Religionen durchlässig werden, solange der eine Gott besser oder mächtiger angesehen wird als ein anderer, solange die Menschen weltweit den unerfüllbaren Versprechungen irgendwelcher Götter und deren irdischer Vertreter folgen und sich ihnen unterwerfen, solange wird es Grenzen geben. Abgesehen davon tragen die Grenzen zwischen allen ideologischen Strömungen unter dem großen Dach der Globalisierung ebenso Schuld, dass sich die Menschen voneinander abgrenzen und sich gegebenenfalls bekämpfen. Angesichts der real einzuschätzenden Unordnung auf unserem Planeten werden selbst unsere Kindeskinder Grenzen als natürlich und selbstverständlich ansehen.

Bianca Ledies, Leser_In

\"We are all human.\" Also ja, bitte! Bald!

Alina, Leser_In

Nein kann ich nicht. Aus dem einfachen Grund, dass es genau deshalb Jahrhundertelang Krieg gab. Um Grenzen festzulegen. Da wird man die nicht einfach irgendwann wieder abschaffen. Außerdem ist eine Abtrennung auch ganz gut, schließlich will ich, dass mein Grundstück auch mir bleibt und sich nicht mein Nachbar drauf breit macht. Außerdem ist es schwer, ein Regelwerk aufzustellen, da es in einigen Staaten keine Trennung von Kirche und Staat gibt.

Rupert Strachwitz, Leser_In

Die meisten Grenzen sind doch längst gefallen! Wir leben heute in einer Weltgesellschaft, in der wir zeitgleich - und weitgehend in einer universellen Sprache - mit jedem Ort auf dem Globus kommunizieren und jeden Ort in höchstens 24 Stunden erreichen können. Lebensentwürfe, ethische Normen, Sitten und Gebräuche gleichen sich immer mehr an. Gott sei Dank! Aus \"fremden\" Kulturen haben wir, ohne es recht zu merken, vieles angenommen, so wie diese viel von uns übernommen haben. Das heißt nicht, daß es keine Unterschiede mehr gibt, aber sie sind nicht durch starre Grenzen markiert, sondern durch fließende Übergänge. Natürlich werden wir weiter Gruppen bilden - freiwillige lieber als erzwungene - und uns weiter in unserem eigenen kulturellen Umfeld wohlfühlen, aber nicht hinter einer Grenze, sondern offen für andere. Das wollen mache Menschen nicht wahrhaben und klammern sich an eine Vorstellung von einer Welt, die es nicht mehr gibt. Aber auch sie essen meistens gern Orangen, tragen T-Shirts, die in Bangla-Desh hergestellt wurden und fahren zum Urlaub nicht nur in den Harz. Manche Menschen haben sogar ein Interesse daran, Grenzen aufzubauen. Sie sollen ihnen die Macht sichern. Das ist äußerst unangenehm, aber langfristig ganz sicher erfolglos. Wenn es zu heftig wird, müssen wir dagegen kämpfen, aber eigentlich können wir ganz gelassen in die Zukunft blicken. Die offene Gesellschaft hat Feinde, aber sie werden die Entwicklung nicht aufhalten.

Peter Jagusch, Leser_In

Dazu müsste man erstmal klären, ob Grenzen überhaupt fallen sollen. Ich halte Grenzen nicht nur zwischen Staaten sondern z.B. auch Grenzen der Meinungsäußerung, der persönlichen Freiheit, des Konsums, der Pressefreiheit etc. für durchaus sinnvoll. Eine grenzenlose Welt ist eine ungeordnete, chaotische Welt und für mich nicht anstrebenswert. Was nicht bedeutet, dass Grenzen absolut sein sollten. Sie müssen den jeweiligen gesellschaftlichen Erfordernissen entsprechend ab und zu neu definiert werden. Betrachten wir Europa, stellen wir fest, dass das auch für staatliche Grenzen gelten könnte, vielleicht in ganz ferner Zukunft, wenn es uns gelingt, überall menschenwürdige Bedingungen zu schaffen.

joG, Leser_In

Eher sieht es aus, als würden in Europa die Grenzen wieder errichtet werden (müssen). Die EU und die Mitgliedsregierungen haben seit den 1990er unerhört geschlampt und die Bevölkerungen sind unruhig geworden mit den ganzen Desatern, die man durch immer zu neue Regeln zu korrigieren sucht. Wie nun jetzt auch hier, wo man sogar bespricht bewaffnetes Militär gegen Leute einzusetzen, die nur den Ärmsten der Welt wiewohl gegen Geld helfen. Das verunsichert die Wähler und sie beginnen zu murren.

Wolfgang Diederich, Leser_In

Es wird Grenzen geben, solange es Menschen gibt. Menschen grenzen sich ab. Politisch in Form von Nationalitäten, privat in Form von \"Maschendrahtzaun\". Und wer das nicht ganz so eng sieht, empfindet das nicht als eingrenzend, sondern als bereichernd!

Andreas Köthemann, Leser_In

Wir haben die große Chance, hierzu unseren Schengen Raum genau zu beobachten. Zu schauen, wie es uns da gelingt zusammen zu wachsen. Diese Erfahrungen können dann die Grundlage sein für eine komplette Welt ohne Grenzen. Wann es die geben wird, hängt von politischen Willen der verantwortlichen Regierenden ebenso ab, wie von zu Extremismus neigenden Untergrundgruppen. SOlange es aber noch \"Anti Terror Gesetze\" gibt, die nicht die Terroristen treffen sondern das Volk ruhig halten sollen, solange über den Islam gehetzt wird, solange man über Flüchtlinge und Asylbewerber herzieht und Massenarbeitslosikgkeit regiert, düften völlig offene Grnzen noch in sehr weiter Ferne liegen. Obwohl ich mir die überall offenen Grenze sehnlichst wünsche.

Bernd Reumann, Leser_In

ich denke, noch lange nicht. Die Erde ist ohne Grenzen noch schwerer zu regieren.

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Wie wird der Weg zum Ziel?

Der teure Mietwagen hatte einen Kratzer, die italienischen Passanten wollten uns nicht verstehen und bald würde es dunkel sein. Dann tauchte die Sonne den See in flüssiges Gold. Ich spürte: Sie ist die Richtige. Haben Sie auch eine Geschichte, bei der das eigentliche Ziel völlig in Vergessenheit geriet? Erzählen Sie sie uns doch.

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Brigitte Bonifer, Leser_In

Der Weg wird zum Ziel, wenn wir währenddessen nicht verbissen sind, sondern innehalten können, genießen und zufrieden sind!

Leonhard Mühlbach, Leser_In

Sicherlich bei einer Weltreise. Doch vor einigen Jahren kam der Bestseller „1000 places to see before you die“ heraus. Hier geht es nicht um den Weg, der Titel trifft es gut: Von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit hasten, sie abhaken und dann kann man sich begraben. Interessant, dass sich hiervon überwältigend viele angesprochen fühlen. Was ich aber unter Reisen verstehe, ist, sich auf fremde Menschen einlassen, Natur genießen, sich überraschen lassen. Den Tag zum Abenteuer werden lassen oder ganz zu sich kommen. Eigene Wege gehen.

Dr. Werner Siegert, Leser_In

In seinem letzten großen Konzert in Zürich, 14 Tage vor seinem Tod, sang Udo Jürgens sein Lied \"Ein großes Ziel und viele kleine vorher ...\" (so ungefähr). Seit Beginn seiner Karriere war der nächste Auftritt immer auch das nächste Ziel. Die vielen Auftritte säumten den Weg zum letzten großen Ziel. Ob ihm bewusst war, dass es dieses letzte große Ziel sein würde? \"Der Weg ist das Ziel!\" habe ich immer wieder Bergwanderer gemahnt, um sie zu warnen, partout unter großen Risiken der Berggipfel erreichen zu müssen. Hier muss man an jeder Stelle abbrechen können ohne zu verzweifeln. Ganz anders ist es beim Streben nach Erfolgen: \"Wer nicht weiß, in welchen Hafen er segeln will, für den ist kein Wind der richtige!\" (Seneca d.Ä.).

Markus Bachmann, Leser_In

Der Weg wird zum Ziel, wenn wir ihn genießen können. Wenn er uns überfordert, denken wir nur an das Ende, ihn hinter uns zu haben. Wenn er uns unterfordert, bleiben wir gelangweilt stehen. Daher ist es gut, immer einmal innezuhalten und sich zu fragen, ob man einen anderen Weg einschlagen muss.

Hannah Beckhof, Leser_In

Mit meinem Sohn eine Radtour, durch Wege gerast, gelacht, absolutes Glück erlebt – Traumziel!

Frauke Alberts, Leser_In

Zehnmal bin ich bisher den Pilgerweg gegangen, doch es wird wohl noch mindestens einmal mehr werden: Mein Enkel Johannes will unbedingt den Weg einmal ganz gehen und in Santiago de Compostela ankommen. Die junge Generation braucht unbedingt einen fixen Ort als Ziel. Für die gesamte Strecke wandert man circa vier Monate, wir werden es in Etappen gehen. Bei mir ist es die Liebe am unterwegs sein, was mich immer wieder von neuem gehen lässt. Und natürlich die Begegnungen mit den anderen Pilgern und draußen übernachten zu können. Auf dem Weg passieren einem auch die kuriosesten Geschichten. So habe ich im März in der Eifel einst in einem tragbaren Hochsitz übernachtet und mir die Fenster mit Tannenzweigen ausgelegt. Doch der Wind blies mir alles davon. Am nächsten Morgen brannten die Schneekristalle in meinem Gesicht wie Mückenstiche und meine Haut war vor Kälte geschwollen. Auch das gehört zum Weg. Später kann man herzlich darüber lachen. Ein anderes Mal sind in einer Herberge zwei andere reisende Frauen in ein Bett zusammengerückt, damit mir noch ein Bett blieb, sonst hätte ich weiterziehen müssen. Oder wir hatten im Jahr 2000 in Spanien nichts zu Essen und ein Auto hielt. Ein Mann stieg aus, reichte uns ein ganzes Baguette und sagte, wir könnten es teilen. Als ich anfing zu pilgern, war es noch keine Mode. Einer fragte uns sogar, ob wir für eine bekannte Ölfirma liefen, nur weil wir einen Muschelanhänger trugen. Aber trotz aller touristischen Beliebtheit ist es immer noch möglich, den Jakobsweg als solchen begeistert zu gehen.

Meng Si Zhen, Leser_In

Sei es ein einzelnes Lebewesen oder eine ganze Art, ist es doch das Ziel, möglichst lange zu überleben oder gar ewig zu bestehen. Allen voran steht also das Leben, es ist die Voraussetzung für alles und verleiht erst einen Sinn. Im Wort Daoismus steckt der Begriff Dao. Eine der Hauptübersetzungen lautet „Weg“. Auf diesem „Weg“ gibt es im Daoismus zwei Werkzeuge: Gesundheit und Weisheit. Diese beiden Werkzeuge sind sich ergänzende Wegweiser und Kontrollen, durch die man zusammen die Ewigkeit erreichen kann. Was bedeutet Gesundheit und Weisheit? Dem heutigen Gesundheitsbegriff wird immer mehr eine ganzheitliche Betrachtung, der nicht zu trennenden körperlichen und psychischen Verfassung, zugesprochen. Körperliche Gesundheit wird durch innerliche und äußerliche Anzeichen gemessen. Eine gute Verdauung gehört ebenso dazu wie Mut und Antrieb zu Unternehmungen, innere Ruhe, die Fähigkeit, eigene Fehler zu finden sowie mehr Toleranz und Achtung gegenüber anderen Lebensarten und noch vieles mehr. Im Zuge mehrerer tausend Jahre hat der Daoismus besondere ganzheitliche „Kernsanierungsmethoden“ entwickelt, um Gesundheit und Weisheit zu erreichen. Gerade dieser Entwicklungsprozess ist der Weg, welcher ans Ziel führt. Der Prozess ist nicht nur der Weg, denn wenn man Gesundheit und Weisheit erreicht, ist man am Ziel angekommen.

Hanna Kieper, Leser_In

Untersucht man Unterricht, spielt der Weg, also die Form der Vermittlung, eine Rolle. Es macht einen Unterschied für die Lernergebnisse der Schüler, wenn Lehrkräfte neben Fachwissen auch didaktische und pädagogisch-psychologische Erkenntnisse umsetzen. Aber welche Kriterien sind entscheidend? Einzelne Faktoren wie Strukturiertheit, Zeitnutzung und Klassenmanagement wurden in empirisch fundierten Theorien zum effektiven Unterricht benannt. Doch die Didaktik muss sich weiteren Fragen widmen: Wie verarbeiten Schüler Informationen? Wie verstehen sie? Die Auseinandersetzung mit Sachverhalten, das Reflektieren und Bewerten von Inhalten und die Qualität des Argumentierens durch die Schüler sind ebenso zu bedenken wie die Beziehungsgestaltung im Unterricht.

Jutta Kleinschmidt, Leser_In

Am Anfang eines Weges steht immer eine Vision. Lange vor dem Beginn meiner professionellen Rennfahrerkarriere war das der Wunsch, abseits der Straße Abenteuer zu erleben – und zwar Vollzeit. Auf direktem Weg war das damals so gut wie unmöglich; Frauen wurden weder gefördert noch durften sie auf Sponsorenverträge hoffen. Die Umwege als Ingenieurin bei BMW und erste Motorrad-Rallyes brachten mich meinem großen Traum stückchenweise näher, ohne dass ich vorher einen Masterplan geschmiedet hätte. Jeder Schritt ergab sich aus dem vorherigen, links und rechts meiner grob eingeschlagenen Richtung tauchten die Ziele auf. Obwohl der Erfolg mir Recht gab, hätte ich nie daran gedacht, irgendwann die Rallye Paris-Dakar zu gewinnen – bis es schließlich 2001 soweit war. Ich war damals davon überzeugt, dass meine Erfolge ein Türöffner für Frauen im Rallyesport sein würden – das war leider eine Fehleinschätzung. Man kann die Sache allerdings auch von der positiven Seite sehen: als neue Vision. Ich möchte jungen Frauen die Chance geben, in die Crosscountry-Szene reinzuschnuppern – ohne die Umwege, die ich gehen musste. Im November treffen sich Kandidatinnen aus 90 Ländern, um in Katar ihr Können zu zeigen: Die besten 16 werden in einem Trainingscamp fit gemacht. Die Siegerinnen dürfen bei der Sealine Cross Country Rally 2016 in Katar starten. Es ist nur ein Anfang – aber viele erste Schritte sorgen dafür, dass unsere Ziele wahr werden.

Rainer Brämer, Leser_In

„Der Weg ist das Ziel!“ Besonders häufig hört man diesen Spruch unter Wanderern. Markierte Wanderwege steuern nicht selten einfach nur den nächsten Ort, einen Berggipfel oder ein Kulturdenkmal an. Der Weg dazwischen soll lediglich zügig zum Ziel führen und wird gegebenenfalls als Strapaze abgebucht. Bei hippen Extremwanderern geht es vorrangig um die Strecke, bei Speedwalkern um die Geschwindigkeit, bei Bergsteigern um die Höhe. Die neuen „Premiumwanderwege“ haben dagegen den heute mehrheitlichen Genusswanderer ernst genommen. Sie gestalten Wanderungen als ein Gesamterlebnis mit abwechslungsreichen Szenerien, beeindruckenden Zwischenzielen sowie möglichst wenig drögen Durststrecken. Was aber gilt als eindrucksvolles Wandererlebnis? Das haben die Planer der Wege die Wanderer selber gefragt und überdies Anleihen bei der Naturpsychologie gesucht. Vom ersten Tag an wurden solche Landschaftsinszenierungen begeistert angenommen, obwohl sie lediglich das vorhandene Wegenetz nutzen. Ein Wanderweg gilt oft als Sinnbild für den Lebensweg. Auch das Leben hat nicht das Ende zum eigentlichen Ziel. Lebenswert wird es durch einen möglichst vielgestaltigen, erlebnissatten Lebenslauf. Das aber heißt, nicht einfach vorgegebenen Schnellbahntrassen zu folgen, sondern sich bis ins Alter immer wieder aufmerksam umzuschauen und von durch- ökonomisierten Erfolgsbahnen zu neuen Horizonten aufzubrechen.

Monika Becker, Leser_In

In Michael Endes „Momo“ ist es wunderbar formuliert: „Man muss nur an den nächsten Schritt denken.“

Matthias Heerwagen, Leser_In

Als ich im Juni 2012 meine Taschen packte, war klar: Ich fange oben an und fahre nach ganz unten. Mit dem Motorrad die Panamericana entlang von Deadhorse in Alaska, dem nördlichsten befahrbaren Punkt Nordamerikas, nach Ushuaia. Ich wollte sechs Monate unterwegs sein und nach etwa 30.000 Kilometern in der südlichsten Stadt der Welt ankommen. Doch den Weg dazwischen hatte ich mir nicht vorgegeben und praktisch nicht geplant: Keine strikte Route, keine Reservierungen, kein Zeitdruck, kein Rückflugdatum. Ich wusste morgens fast nie, wo ich abends ankomme, konnte spontan entscheiden und mich auch treiben lassen. Umwege und Abweichungen von der groben Richtung von teils mehreren hundert Kilometern erlaubte ich mir. Rund sechs Monate sollte die Reise dauern, es wurden schließlich neun; aus 30.000 Kilometern wurden 55.000. Für mich waren interessante Menschen, wunderschöne Landschaften, unzählige Begegnungen, Abenteuer und Erlebnisse entlang des Weges das eigentliche Ziel der Reise. Etwas so lange Erträumtes umzusetzen. Unvergessliches zu erleben. Das Ziel war für mich kein Punkt auf der Landkarte. Ushuaia ist ohnehin kein Ort, an dem man länger als nötig bleiben möchte. Und doch wusste ich von Anfang an: Ich möchte ein Foto vor dem berühmten Schild im Nationalpark Tierra del Fuego – dort, wo zwar nicht das Land zu Ende ist, aber dieser Weg, meine Reise.

Dörthe Schmidt, Leser_In

Zuerst hatten meine beste Freundin und ich immer ein Ferienziel: England, Schottland oder Frankreich. Doch dann verbrachten wir den ganzen Urlaub immer auf dem Weg. Und den machten wir dann noch von denen abhängig, die uns mit dem Auto mitnahmen. Waren die Fahrer zu schräg, stiegen wir an der nächsten Kreuzung lieber aus. Waren sie sympathisch, wurden deren Reiseziele auch unsere.

Thomas Beyse, Leser_In

Unter Kung Fu versteht man sowohl die Fertigkeit, die man durch Anstrengung aller körperlichen und geistigen Aufmerksamkeit in ein einziges Thema erlangt, als auch die Art und Weise, wie man dem Weg durchs Leben gegenübertritt. In unseren Breiten wird unter Kung Fu als Kampfkunst oft ein Handwerkszeug von Hochleistungskämpfern verstanden – stärker sein als ein Gegner! Was passiert aber in den Menschen während einer Übung? Gibt man ein Übungsziel ganz konkret vor und bringt die Menschen dazu eine Vorgabe zu kopieren, dann wird die Vorgabe zum Ziel. Manch einer erreicht es kaum, ein anderer versucht sich dabei zu verbiegen, anderen geht es leicht von der Hand. Bringt man aber die Menschen dazu, während solch eines Kopiervorganges sich selbst beim Tun zu beobachten, gibt ihnen Zeit und Möglichkeit zu begreifen, was beim Üben mit ihnen passiert und fordert ein, darüber nachzudenken, lernen sie etwas über ihre eigenen Stärken und Schwächen. Im besten Fall finden sie ihren ganz eigenen Weg. Möglich ist dies wiederum an nur einem Ort im Universum: dem eigenen Körper. Stilles Stehen in einer anspruchsvollen Position erfordert Geduld und Willensstärke, später folgen Agieren, Reagieren, Gehen. Und schon geht man einen Weg, den man zum Ziel haben kann, der vielleicht ein Leben lang beschritten wird und der Wegen in anderen Lebensbereichen wohl auch ganz ähnlich ist und nur chinesisch klingt, wenn man es Kung Fu ausspricht.

Doris Breitenbach, Leser_In

Der Wegweiser ist die Selbstfindung! Hineingeboren in die Welt, sind es nicht immer die Eltern, die es verstehen dich zu erziehen EDUCATION (lat: das bereits vorhandene hervorheben...o.ä.)- also dich wirklich zu erkennen. Zeit ist für mich zu einem Garant geworden für die Selbstwahrnehmung und Lebensgestaltung. Selbsterziehung im tieferen Sinne. Das ist mein Weg. Ergründet durch das ganz Eigene im Selbst und Sein. Die Entwicklung, oder der Weg, wird zu einem Lebensprozeß. Und je nach Veranlagung entstehen hieraus ganz gewiß unkonventionelle Lebenskonzepte, die auf dem Weg der staatsführenden Gesellschaftsorndung etwas abweichen. Das Ziel ist der Weg. Der Weg ist das Ziel. Einatmen und Ausatmen. Brandung und Unterströmung. SEIN. im Hier & Jetzt für einen Augenblick vielleicht. Das kann passieren, wenn der Weg z.B. durch Wälder führt, eine echte Entspannung bringt und ich an nichts mehr denke. Leben ist Bewegung, wie eine Welle. Die nächste Herausforderung steht zur Bewältigung (Bewelltigung) an :-)) Der Weg ist immer. Die Zeit kann stehen bleiben. Das Ziel haben wir schon längst erreicht.

Wolf Nicer, Leser_In

Das landläufig bekannte Bonmot oder die schnell hingeworfene Phrase \"Der Weg ist das Ziel\" erscheint bei genauerer Betrachtung als banal und abgegriffen, weil damit meistens nichts erklärt wird. Sicherlich kann man sich an solchen Mantras oder Lebensweisheiten festhalten und damit sein Leben vermeintlich in den Griff bekommen, aber eine derartige Binsenweisheit als inhaltlichen Wert zu erheben, ist noch lange kein Rezept dafür, dass es überhaupt ein Ziel gibt und dass es in diesem Sinne ebenso einen Weg zu diesem Ziel geben muss. Vielleicht ist der Anfang eines Weges oder überhaupt ein Standpunkt, von dem möglicherweise ein Weg beginnen kann, schon ein Ziel oder das Ziel, vielleicht ist die Dimension \"Weg\" nur eine irrationale Vorstellung, die wir zwangsläufig für die vergehende Zeit und die schon zurückgelegten Etappen benutzen, um uns unserer selbst zu versichern. Was ist, wenn ich nur im Kreis gehe oder nur zwischen zwei Punkten permanent hin- und herpendele? Wir setzen mit der (Hypo)These, dass der Weg das Ziel sei, Begriffe der Mathematik oder der Physik ein, um unser Leben für uns erklärbar machen zu können oder für andere zu beschreiben, dabei sollten wir uns ganz aus diesem Szenario ausklinken und weder Weg noch Ziel als Analogien oder Metaphern für unser Dasein benutzen und einfach nur leben, weil uns ohnehin nichts anderes übrig bleibt, wenn wir die Kraft und die Unendlichkeit unserer Sinne bewusst oder auch unbewusst erfahren wollen. Anfang und Ende stehen ohnehin fest, sind vorgegeben und unabänderlich. Wir bewegen uns allein dadurch, dass wir atmen, um damit unsere Körperfunktionen aufrecht zu erhalten. Auch das können wir nicht ändern, es sei denn, wir beenden all diese Funktionen durch einen gewaltsamen Akt. Also ist jeder Atemzug das Ziel, was uns zum nächsten Atemzug als Ziel führt und das geschieht solange bis der Atemvorgang auf irgendeine Weise beendet wird. Sich des Atmens und des Seins bewusst zu sein ist viel mehr als die religiös anmutende Formel vom Weg und vom Ziel. Allein, wenn wir das Atmen als Taktgeber unseres sich ständig erweiternden und verändernden Bewusstseins begreifen und akzeptieren, haben wir sehr viel mehr erreicht, als uns das Leben als einen Weg mit vielen Abzweigungen oder Kreuzungen vorzustellen oder gar zu visualisieren. Die permanente Bereicherung unseres Denkens und Reflektierens rast von Synapse zu Synapse, von Gefühlsphänomenen zu Gefühlseruptionen und legt in millionenfacher Lichtgeschwindigkeit die Fortsetzung unseres Lebens fest. Wenn diese Wege gemeint sind, gibt es auch viele Ziele oder aber vielleicht ein Nichts, weil alles nicht stimmt oder nur eine Fata Morgana ist. Just live. Alles andere sollte man unter der Begrifflichkeit Kontingenz subsumieren. Damit will ich sagen, dass ich sehr gerne lebe und nichts aus meinem Blick auf die Welt mit dem Leben vergleichbar ist.

Carena Barkawi, Leser_In

Endlich ohne Migräne – Mein Weg heraus aus dem Schmerz So manches Mal wollte ich Ärzten, Kollegen und allen anderen Verständnislosen ins Gesicht schreien: „Esst drei Kugeln Eis innerhalb weniger Minuten, und das, was Ihr dann für unerträglich 30 Sekunden fühlt, ist das, wovon Menschen mit Migräne vor Schmerzen kotzen!“ 25 Jahre war dieser Schmerz mein ständiger Begleiter, zunächst ab und zu, irgendwann täglich. Ich rannte mittendrin aus dem Business-Meeting und erbrach mich, morgens wachte ich mit brüllenden Kopfschmerzen auf, und wußte nicht, wie ich den Tag mit diesem Schmerz, einen anspruchsvollen Job und drei Kindern meistern sollte. Idiotische Stress-Diagnosen und teure, aber nutzlose Therapieansätze pflasterten meinen Weg. Nichts hat geholfen! Von Schulmedizin bis Alternativmedizin, vom MRT in der Neurologie über Allergiespezialisten und Akkupunktur-Gurus bis hin zum skurrilen Wünschelruten-Test - der Schmerz blieb. Eines Tages fing ich an, für andere Betroffene einen Therapie-Leitfaden niederzuschreiben, um darüber zu informieren, welche Dinge zumindest definitiv NICHT helfen, sondern pure Abzocke verzweifelter Patienten sind. Parallel dazu wurden meine Selbstversuche immer radikaler, denn schon lange hatte ich einen Verdacht...! Mein immer wieder modifizierter Versuchsaufbau wies bislang jedoch einen winzigen, aber entscheidenden Fehler auf, der auch später zum Titel des Buches „Die Grissini-Falle“ führte. Als ich diesen gefunden und beseitigt hatte, war der Schmerz weg. Einfach weg! Und er blieb auch weg! Denn die Ursache war simpel: Der Körper verfügt über eine Art Hybrid-Motor, der sowohl Glukose als auch Fett verbrennen kann - das hat die Evolution sehr sinnvoll für uns vorgesehen! Bei Migränikern hat der Körper letzteren „vergessen“ und manch einer von uns muss ihn mit einem radikalen Entzug sehr unsanft daran „erinnern. “ Der Weg wurde zum Ziel: Das Buch brachte mir den Durchbruch in einer grauenvollen, jahrzehntelangen Schmerz-Karriere und war meine Rettung. Aus dem zunächst geplanten, informativen, lakonisch-ironischen Therapie-Überblick wurde eine detaillierte Anleitung - inclusive wissenschaftlich fundierter Begründung der Ursachen - für schwer schmerzkranke Leidensgenossen, denn es funktioniert nicht nur bei mir! Heute erinnern mich nur noch drei Kugeln Eis in kürzester Zeit gefuttert an die schlimmste Zeit meines Lebens!

Karl Wilhelm, Leser_In

Der Weg kann nichts anderes als das Ziel sein, umgekehrt das Ziel nichts anderes als der Weg. Oder leben wir mit dem Ziel zu sterben? Der Tod ist zwar das Ende des Lebensweges, aber nicht sein Ziel. Das einzige Ziel des Lebens kann nur das Leben selbst sein. Sonst wäre, wer nicht geboren wird, bereits am Ziel. Absurd. Auch Musizieren, Sport, Telefonieren sind sich selbst Ziel und Zweck. Sogar der Autor hat kein Ziel erreicht, wenn sein Buch fertig ist. Es muss noch gelesen werden. Und wann ist der Reiche reich, der Weise weise genug, der Strebsame fertig mit Streben? Ich meine: Ziele gibt es gar nicht, nur Wege.

Kelly Lillian Falkenberg, Leser_In

„Ziel-Streben“ Zielstrebig zu sein bedeutet immer auf ein festes Ziel hinzuarbeiten, ohne diese aus den Augen zu verlieren. Doch wer lebenserfahren ist, der weiß, dass das Leben Einem gerne dazwischen kommt und das Zielstreben auf die Probe stellt. So ist es nicht schwer das eigentliche Ziel schnell aus den Augen zu verlieren, egal ob auf Kurz oder auf Lang. Ob nun das Zielstreben, oder das Streben nach einem Ziel, bei dem der Weg zum Ziel wird/ geworden ist, letzten Endes bringen Einen doch beide Arten weiter… Der Weg als Ziel – die andere Art des Zielstrebens Der Weg, das Ziel, ist oftmals von Resilienz gekennzeichnet – wer kennt das nicht. Das eigentliche Ziel mal mehr, mal weniger aus den Augen verloren. Von einer kleinen Freude am Tag zur nächsten gehangelt - ein Weg des optimistischen Geistestrainings. Die Kunst dabei: „ins Leben selbst zu vertrauen“, „gelassen die Dinge anzugehen“ und „sich beim Handeln zugleich zu entspannen“ - ganz nach dem Motto: „Ein Ziel zu seiner Zeit und mit der Zeit, die es dafür braucht.“. Eine der vielen großen Lebensaufgaben - eine, die Ziel und Weg zugleich ist. Ist diese doch einmal gemeistert, so wird sie groß belohnt – mit Klarheit, Erfahrungswert, Stärke, Toleranz und sogar Weisheit. So ist´s, wenn der Weg zum Ziel wird.

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