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Wer ist digital souverän?

Ihr Geschmack wird selbstständig weitergedacht, der Inhalt Ihrer Mails ausgewertet, die AGB sind zu akzeptieren und bei Fragen wenden Sie sich bitte an die Zentrale in Irland. Besteht für Internetnutzer noch ausreichend Selbstbestimmung?

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Ulf Buermeyer, Richter am Landgericht Berlin

Digital unsouverän

„Das Internet darf kein rechtsfreier Raum werden“ – dieser Satz ist einerseits banal und andererseits falsch. Natürlich gelten Gesetze „im Netz“ nicht weniger als im „wahren Leben“, viele Regelungen gelten sogar speziell für digitale Inhalte. Wahr ist allerdings, dass ihre Durchsetzung schwierig sein kann – etwa gegenüber Menschen in fernen Ländern. Aber ist das Recht generell in die Defensive geraten? Ganz im Gegenteil: Das Netz vergisst nichts. Wer das Netz oder auch nur ein Handy nutzt, hinterlässt Datenspuren in einer Dichte, von der Ermittler noch vor kurzem nicht zu träumen wagten. Wer in den 1990er-Jahren einen Brief schickte und keine Fingerabdrücke hinterließ, konnte relativ sicher sein, anonym zu bleiben – ein Briefkasten erfasst keine Absender. Ganz anders in der digitalen Welt: E-Mails enthalten verräterische IP-Adressen. Mobilfunk-Provider speichern HandyPositionen mit großer Genauigkeit und ermöglichen so komplette Bewegungsprofile. Suchmaschinen protokollieren Suchanfragen und damit alles, was uns über Jahre interessiert hat – ein virtuelles Abbild der Persönlichkeit. Staatliche Stellen können auf diese Daten relativ leicht zugreifen, oft brauchen sie nicht einmal eine richterliche Genehmigung. Wer digitale Medien nutzt, gibt allzu leicht seine digitale Souveränität auf. Weitere Einschränkungen sind daher nicht erforderlich – im Gegenteil sollten wir überlegen, wie wir digital wieder souveräner werden können.

Carlo von Lynx, Initiator von Youbroketheinternet

Ein neues Internet ist machbar

Massenüberwachung, Wirtschaftsspionage und Cyberkriminalität setzen schon an den untersten Protokollschichten des Internets an. Im Konkurrenzkampf der politischen und wirtschaftlichen Macht hat sich ein Wettrennen ergeben, keine Schwachstellen ungenutzt zu lassen, was mehrere Grundprinzipien unserer demokratischen Verfassung außer Kraft setzt. Die Rückeroberung der Datensouveränität erfordert eine neue Art und Weise, wie Daten übermittelt und verarbeitet werden. Dank neuer Forschung ist ein sicheres Internet inzwischen technisch möglich. Es bietet: 1. durchgängige direkte Verschlüsselung von Person zu Person oder zu Personengruppen; 2. Einschränkung der Analyse sozialer Verhaltensmuster, Verbindungen und Interessen auf eine verfassungsrechtlich akzeptable Menge; 3. Authentifizierung der digitalen Identität im persönlichen Austausch oder durch gemeinsame Bekannte, nicht über Drittautoritäten; 4. dezentrale Verteilungsbäume zur effizienten pluralistischen Vernetzung von Milliarden von Menschen, als Ersatz für zentralisierte Cloud-Technologien; 5. konsistente Anwendung von standardisierter freier Software sowie eine kontinuierliche öffentliche Überprüfung des Systems durch alle hinreichend kompetenten Personen. Europa hätte nur Vorteile daran, diesen Weg zu beschreiten.

Thomas Stadler, Fachanwalt für IT-Recht

Kein sicherer Hafen

Wer eine E-Mail verschickt, muss damit rechnen, dass sie über ausländische Server geleitet wird. Wer Facebook nutzt, muss sich darüber im Klaren sein, dass seine Daten auf amerikanischen Servern abgelegt werden und auch dem Zugriff der US-Behörden und -Geheimdienste unterliegen. Zwischen der EU-Kommission und den USA besteht das datenschutzrechtliche Abkommen „Safe Harbor“, das US-Unternehmen ermöglicht, Daten von EU-Bürgern in Übereinstimmung mit europäischem Recht zu verarbeiten. Dieses Abkommen ist oft kritisiert worden, weil amerikanische Unternehmen sich damit ohne effektive Kontrolle selbst als datenschutzkonform einstufen können. Der Generalanwalt am Europäischen Gerichtshof hat das Abkommen jüngst gar als ungültig qualifiziert. Das würde allerdings bedeuten, dass eine Übermittlung personenbezogener Daten in die USA unzulässig wäre. An dieser Stelle zeigt sich das Dilemma. Das Internet macht nicht an Landesgrenzen halt. Ohne eine Übermittlung von Daten in Länder außerhalb der EU würde das Internet nicht funktionieren. Man muss sich deshalb eingestehen, dass die Sicherheit unserer Daten im Internet nicht in der Weise gewährleistet ist, wie man es nach den europäischen Standards erwarten dürfte. Letztlich versagt der Schutz des EU-Rechts, sobald die Daten den EU-Raum verlassen. Es wird in Zukunft also darauf ankommen, internationale Abkommen auszuhandeln, die hier tatsächlich zu einer Verbesserung führen.

Axel Wehdorf, Leser

Gelassenheit im Cyberspace

Das liegt letztlich im Auge des Betrachters. Wenn ich im Internet unterwegs bin, fühle ich mich durchaus frei, zu tun und zu lassen, was ich möchte. Dass mein Gesprächspartner und ich im Zuge der Grünen-Pädophilie-Debatte nicht wagten, einen genannten Buchtitel zu googlen: nicht schlimm. Im Buchladen hätte ich ja auch nicht danach gefragt. Und ob jemand meine E-Mails liest, merke ich nun mal nicht.

Marie-Theres Plobner, Projektleiterin Data-Mining-Cup

Fehlerquellen erkennen

Die souveräne Nutzung digitaler Medien und des Internets setzt voraus, dass man sich mit den Risiken bewusst auseinandersetzt, aber vor allem die vorhandenen Chancen nutzt. Seit 15 Jahren unterstützen wir mit unserem Wettbewerb Studenten beim Sammeln wertvoller Erfahrung im Bereich Data-Mining. Zur Lösung einer Fragestellung aus der Praxis werden anonymisierte Daten analysiert, zum Beispiel um Retouren im Onlinehandel vorherzusagen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse gewährleisten die Anpassungsfähigkeit in einer hochdynamischen Umgebung. Wer die Augen vor der digitalen Revolution verschließt, wird über kurz oder lang scheitern – Neckermann und Quelle sind prominente Beispiele. So gilt es im Handel, die Online- und Offline-Welt intelligent zu verbinden, um die neuen Bedürfnisse der Kunden zu bedienen. Zum Beispiel indem man einen hochgradig personalisierten Service über alle Verkaufskanäle bietet. Für die Echtzeit-Personalisierung sind Bewegungs- und Transaktionsdaten wie Klicks oder angesehene Produkte von Bedeutung. Stammdaten wie Alter oder Geschlecht sind nicht notwendig. Händler und Kunde treffen hierfür eine freiwillige Vereinbarung, Daten gegen einen individuellen Service zu tauschen. Die gesammelten Informationen werden anonymisiert und ohne Rückschluss auf die Person gespeichert. Möchte der Kunde dies nicht, kann er beim Händler widersprechen und bestimmt somit selbst im Sinne seiner digitalen Souveränität.

Matthias Martensen, Pflegeheimleiter

Überwachung im positiven Sinne

Für gesunde Menschen steht Überwachung meist für eine Einschränkung an persönlicher Freiheit. Überwachungstechnik kann aber auch Leben retten und Ängste reduzieren. In Deutschland leiden 1,4 Millionen Menschen unter einer Demenzerkrankung. Jeder Dritte ist älter als 90 Jahre. Mit zunehmender Demenz fällt den Betroffenen die Orientierung immer schwerer. Viele zeigen einen ausgeprägten Wandertrieb. Unsere Erfahrung zeigt, dass demente Menschen stets auf der Suche nach vertrauter Umgebung sind. Sie wollen zurück zum Elternhaus, zum Ehepartner, zur Arbeit oder zu den eigenen Kindern. Immer wieder kommt es dabei vor, dass Sie eine für sie sichere Umgebung unbemerkt verlassen. Besonders im Winter ist die Gefahr groß, dass Betroffene nicht ausreichend warm gekleidet sind und unterkühlt aufgefunden werden. Ausgerüstet mit einem speziellen Chip mit Sendefunktion und SIM-Karte wird den Betroffenen eine persönliche Schutzzone eingerichtet. Angehörige oder auch Mitarbeiter einer Pflegeeinrichtung erhalten eine telefonische Nachricht, sobald ein desorientierter Angehöriger oder Bewohner das Grundstück eines Hauses unbemerkt verlässt. Menschen, die nicht digital souverän sind, nutzen eine Technik zur hilfreichen Unterstützung. Es wird eine Möglichkeit geschaffen, den Erkrankten frei und selbstbestimmt zu belassen. Ohne verschlossene Türen, Medikamente oder gar Fixierungen.

Jan Erlershof, Leser

Digital souverän ist jeder Nutzer ohne Internetanschluss. An der Modembuchse ende das Recht auf persönliche Selbstbestimmung. Ab dort wird ein jeder zum Spielball derer, die die Verteilerknoten, Rechenzentren und Glasfaserkabel kontrollieren.

Katja Hase, Leserin

Immer hinterher

Ich bin etwas enttäuscht, wie banal Facebook und Google meine Daten auswerten: Immer wenn ich einen neuen Liebsten bei der Bildsuche finden will, mischt mir Google den Verflossenen noch unter. Habe ich mich mit einem Thema im Netz auseinandergesetzt, bietet mir Facebook im Nachhinein Werbung dazu an; was interessiert mich Schnee von gestern? Entscheide ich mich gegen den Kauf eines Pullovers, bekomme ich keine Anzeigen für eine coole Alternative, sondern für den gleichen noch einmal. Sitzt ein Bekannter an meinem Rechner, bekomme ich seine Vorlieben angepriesen – sind doch nicht meine. Hält mich die digitale Wirtschaft für so wenig souverän?

Aaron Kalke, Leser

Klick, klick, Knall

Keiner, den ich kenne. Die einen zahlen ihr Lehrgeld, wenn das Kind für 1.000 Euro Drachenfutter kauft, die anderen bekommen mitgeteilt, dass monothematische E-Mails in ihrem Namen verschickt werden und wehe den Ehemännern, die ihre Daten im Cache nicht löschen.

Tomas Schelp, Leser_In

Der, der Whats App und FB Messenger deinstallieren kann und trotzdem im Kontakt bleibt.

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Was bewegt den Mittelstand?

Schnell fallen die Schlagworte Arbeitskräftemangel, Steuerpolitik, Digitalisierung. Doch sind dies auch die Themen, die Ihre Freunde aus dem Mittelstand oder gar Sie selbst betreffen? Wir sind gespannt auf Ihre Erfahrungen, schreiben Sie uns!

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Hans-Toni Junius, Unternehmer

Digitale Frühförderung

Der digitale Strukturwandel zählt für den Mittelstand in den nächsten Jahren zu den größten Herausforderungen. Ich bin überzeugt, dass wir das hinkriegen. Manche mittelständische Unternehmen sind bereits digitale Vorreiter, die meisten arbeiten daran. Bereits jedes dritte Unternehmen nutzt digitale Technologien für Vertrieb und Absatz; jedes fünfte hat eine digitalisierte Produktion. Wahr ist aber auch, dass manche Kollegen die Digitalisierung nur zögerlich in Angriff nehmen und skeptisch sind. Sorge bereitet nicht zuletzt der Datenaustausch direkt von Maschine zu Maschine über Unternehmensgrenzen hinweg. Wie wird da für die Sicherheit der Daten gesorgt, und wem gehören diese Daten? Und natürlich spielen Kosten eine Rolle. Diejenigen, die ein eher traditionelles Geschäftsmodell verfolgen oder wirtschaftlich nicht gut ausgestattet sind, müssen eine besonders große Hürde nehmen. In unserem Unternehmen waren über mehrere Jahre Kosten im hohen einstelligen Millionenbereich zu schultern. Und wir sind noch nicht fertig. Aber ich bin optimistisch: Der Transformations- oder besser Modernisierungsprozess wird sich für Mittelständler lohnen. Denn Wertschöpfung und Kundennähe können sich positiv verändern. Wenn der Strukturwandel insgesamt gelingt, verspricht das Wohlstand und Arbeitsplätze. Wir reden über ein zusätzliches Wertschöpfungspotenzial von bis zu 425 Milliarden Euro – allein bis 2025. Ich finde: Das ist die Mühe wert!

Stephanie Renda, Start-up-Gründerin

Suche: Gründergeist

Start-ups sind der Mittelstand von morgen. Deshalb sind sie so wichtig für die deutsche Wirtschaft. Unter den circa 6.000 innovativen und wachstumsträchtigen Unternehmen befinden sich die zukünftigen Weltmarktführer, viele davon mit digitalen Geschäftsmodellen, dem Megatrend der Wirtschaft. Aber leider sind wir in Deutschland, was den Gründergeist anbetrifft, im internationalen Vergleich lediglich Mittelmaß. Der Weg in die Selbständigkeit ist in Deutschland anstrengend. Das liegt unter anderem an steuerlichen und bürokratischen Hürden, dem Fachkräftemangel, aber auch an einem Versagen des Bildungssystems im Hinblick auf die Vermittlung neuer Technologien und eines positiven Unternehmerbildes. Wir haben in Deutschland anders als beispielsweise in den USA keine Kultur des Scheiterns. Und unsere Unternehmenskultur ist männlich geprägt: Nur eines von zehn Start-ups wird laut „Deutschem Startup Monitor“ von einer Frau gegründet. Dabei sind neueren Studien zufolge Start-ups, in denen Frauen in der Führungsverantwortung sind, statistisch gesehen erfolgreicher. Mädels, traut Euch – in Eurer Hand liegt Deutschlands wirtschaftliche Zukunft!

Manuel Putzer, Leser

Die stete Suche nach Perfektion und der Wunsch, sich endlich zurückzulehnen.

Ingrid Hengster, Vorstandsmitglied der KfW-Bankengruppe

Fachkräftemangel? Chefnotstand!

Die Konjunktur in Deutschland zieht allmählich an, und der Mittelstand blickt zuversichtlich in den Herbst. Mit den gestiegenen Erwartungen verlieren Unternehmen zunehmend ihre Zurückhaltung bei Investitionen. Das ist richtig und gut, reicht jedoch nicht aus. Um sich im internationalen Wettbewerb langfristig durchzusetzen, sind Innovationen notwendig. Neuer Schub hierfür steckt in der gerade einsetzenden Digitalisierungswelle. Der Mittelstand muss die Chancen der Industrie 4.0 ergreifen, um innovative Lösungen zu entwickeln. Gebremst wird diese Entwicklung derzeit noch durch die Unternehmerstruktur in Deutschland: Mehr als 1,3 Millionen Inhaber mittelständischer Unternehmen sind älter als 55 Jahre. Einer Studie zufolge investieren ältere Unternehmer weniger häufig, wenn ihre Nachfolge nicht geklärt ist. In den nächsten drei Jahren suchen knapp 600.000 Unternehmer einen Nachfolger. Die Erfahrung zeigt, dass die Suche mindestens drei Jahre dauern kann. Als eine weitere Herausforderung sehe ich die Investitionen in die Energieeffizienz in Unternehmen. Hier gilt es, die eigene Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stärken. All dies sind Zukunftsaufgaben, mit denen sich der deutsche Mittelstand schon heute auseinandersetzen muss.

Carsten Fleck, Leser

Auf Los geht’s los

Die deutsche Wirtschaft mit dem Mittelstand als Speerspitze, qualitativ hochwertigen Produkten und Tradition „Made in Germany“, muss schauen, dass sie innovativ bleibt. Die letzten großen und vor allem digitalen Errungenschaften kamen nicht aus Deutschland, sondern den USA. Hier braucht es Prozesse und den Willen, nicht nur mitzuziehen, sondern auch neu zu erfinden. „Packen wir es“ sollte hier die Devise lauten. In diesem Sinne: besser heute als morgen!

Martin Kohl, Leser

Der Mittelstand steht vor großen Herausforderungen, um nicht den Anschluss an die großen Player in der nationalen und internationalen Wirtschaft zu verlieren. Vom Unternehmer in Süddeutschland wird nun auch erwartet, dass er sich mit Themen wie Digitalisierung und Transformation auseinandersetzt.

Hans Peter Wollseifer, Präsident Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH)

Nachwuchs sichern!

Der deutsche Mittelstand ist ein Erfolgsmodell. Die Unternehmenskultur unserer Familienbetriebe in Verbindung mit der dualen Ausbildung sind tragfähige Säulen für unsere Wirtschaft und Gesellschaft. Nie schauten unsere Nachbarn in Europa so respektvoll auf dieses gewachsene deutsche System, das noch vor einem Jahrzehnt als nicht marktgerecht verlacht wurde. Mittelstandspolitik darf daher nicht nur ein Lippenbekenntnis sein. Vor allem ist das System der dualen Ausbildung der Garant für die hohe Qualifikation unserer Fachkräfte. Sein Herz ist die Ausbildung zum Gesellen und zum Meister. Die berufliche Bildung sichert Karrierechancen, sorgt für Durchlässigkeit und Integration und die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit europaweit. Wenn heute mehr als die Hälfte eines Geburtenjahrgangs den Weg zu Abitur und Studium wählt, ist das für viele ein Holzweg. Schon heute fehlen in vielen unserer Berufe Fachkräfte und Nachwuchs. Der Mittelstand wirbt daher um die schrumpfende Zahl der Schulabgänger – mit Erfolg. Die Zahl der Abiturienten und Studienaussteiger unter den Auszubildenden, beispielsweise im Handwerk, steigt. Schwächeren Schülern wird mit Hilfe von Assistenzprogrammen der Weg in Ausbildung geebnet. Und viele talentierte junge Flüchtlinge sind bereits in der Ausbildung. Gesellschaftliches Engagement, die Übernahme von Verantwortung gehört zur Unternehmenskultur.

Lutz Goebel, Präsident des Verbands „Die Familienunternehmer“

Ausbildung garantiert Zukunft

Familienunternehmer sind die Ausbilder der Nation. Wir stellen rund 80 Prozent der Ausbildungsplätze in Deutschland. Dies wird von Jahr zu Jahr schwieriger. Bei der Suche nach Auszubildenden sehen wir uns mit drei Problemen konfrontiert. Zum einen gibt es durch den demografischen Wandel immer weniger junge Menschen, die wir für unsere Unternehmen gewinnen können. Dann werden uns durch die Politik Stolpersteine in den Weg gelegt. So setzt der Mindestlohn bei jungen Leuten Fehlanreize, keine Ausbildung zu machen und stattdessen das scheinbar schnelle Geld durch Aushilfsjobs zu verdienen. Zum anderen verfügen viele Bewerber aber auch einfach nicht über die notwendigen Grundkenntnisse. Hier investieren bereits viele Familienunternehmer in Weiterbildungsmaßnahmen, denn sie wissen: Die Auszubildenden von heute sind die Fachkräfte von morgen und je mehr qualifizierte und motivierte Mitarbeiter sie haben, umso besser. Motiviert sind auch viele der Flüchtlinge, die zu uns kommen. Es sollte unser aller Ziel sein, ihnen schnellstmöglich Wege in den Ausbildungsmarkt zu öffnen.

Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK)

Bürokratie aufs Altenteil

Für den Mittelstand ist die zunehmende Bürokratie eine echte Bremse. Eine Fülle von Vorgaben, Auflagen und Fristen erschwert flexibles Agieren an den Märkten. Kleine und mittlere Unternehmen haben in aller Regel keine Rechts-, Steuer- oder Personalabteilung. Hier kocht der Chef selbst. Und jede Stunde und jeder Euro, die ein Unternehmer für Bürokratie aufwendet, fehlt für neue Ideen und für zusätzliche Investitionen. Das Bürokratieentlastungsgesetz vom Juli dieses Jahres ist allenfalls ein Trippelschritt – es erspart den Unternehmen gerade einmal zwei Prozent an Bürokratiekosten. Doch zuvor hat es mit dem gesetzlichen Mindestlohn noch einen kräftigen Bürokratieaufwuchs gegeben. Also: Nach dem Gesetz ist vor dem Gesetz! Vor allem beim äußerst komplexen Steuerrecht sollte die Politik die Hebel ansetzen. Über 60 Prozent der Industrieunternehmen würden mehr investieren, wenn es hier Erleichterungen gäbe – das zeigt eine DIHK-Umfrage. So würde eine Anhebung der seit 50 Jahre alten Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter die Abschreibungspraxis von drei Millionen Unternehmen erleichtern. Und wenn Betriebe ihre Steuerunterlagen nicht mehr zehn, sondern nur noch fünf Jahre aufbewahren müssten, dann stünden ihnen jährlich vier Milliarden Euro mehr für Innovationen und Investitionen zur Verfügung. Mein Appell an die Politik: Machen Sie sich diese Vorschläge zu Eigen, dann haben wir ein echtes Wachstumsprogramm für den Mittelstand.

Sigmar Gabriel, Bundesminister für Wirtschaft und Energie

Unsere Regeln, unser TTIP

Das geplante Freihandelsabkommen TTIP ist besonders für den deutschen, exportorientierten Mittelstand wichtig. Kleine und mittlere Unternehmen haben keine Produktionsstätten in den USA, viele von ihnen leben vom Handel. Sie profitieren, denn TTIP erleichtert ihnen den Zugang zum US- Markt. Zugleich haben wir mit TTIP die Chance, globale Standards für den Freihandel zu setzen und ihn aktiv nach unseren Werten mitzugestalten. Sonst werden die großen Wirtschaftsräume Asiens, allen voran China, Richtung, Tempo und Messlatte der Globalisierung bestimmen. Wir wollen TTIP, aber nicht um jeden Preis. Wir achten auf die Beibehaltung unserer Standards, etwa im Verbraucher- oder Umweltschutz. Unsere Daseinsvorsorge mit kommunalen Krankenhäusern und Stadtwerken wird nicht angetastet; und private Schiedsgerichte sind keine Option. Hier haben wir Vorschläge für ein modernes, transparentes Investitionsgericht entwickelt, die die EU aufgegriffen hat. Das ist ein großer Schritt nach vorn. Wir lassen nicht nach, mehr Transparenz in die Verhandlungen zu bringen. Was wir in Deutschland tun können, machen wir bereits. Auch die EU-Kommission informiert viel umfangreicher als früher. Und das ist gut so, wir müssen die Debatte um TTIP entmystifizieren und falsche Vorurteile aufklären. Ich bin überzeugt, dass wir dieses sehr wichtige Abkommen nur dann zum Erfolg führen können, wenn wir die Menschen auf diesem Weg mitnehmen und einbinden.

Jochen Toppe, Leser

Ab in die Cloud

Der Mittelstand hat derzeit einige Baustellen, an denen er arbeiten wird müssen. Zuallererst ist da die große, über allem schwebende Digitalisierung, die natürlich auch vor mittelständischen Unternehmen nicht Halt macht. Der regelmäßig erscheinende Cloud-Monitor zeigt beispielsweise ganz klar, dass besonders der Mittelstand immer stärker auf die Cloud ausweicht. Das liegt nicht zuletzt daran, dass auch kleinere Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben müssen, auch mit den Global Playern ihrer jeweiligen Branche. Cloud-Technologien sind, je nach Auftragsvolumen, wesentlich flexibler einsetzbar. Auch die Kostenmodelle sind transparenter und lassen sich individueller gestalten. Damit fällt ein Sorgenpunkt weg, nämlich der ständig notwendige und kostenintensive IT-Support im Unternehmen.

Stephan Gehlfuß, Leser

Integration überall

Das Thema Industrie 4.0 stößt in Fertigungsunternehmen im Mittelstand auf stark wachsendes Interesse. Der Wandel zur digital vernetzten Produktion verlangt Hightech gepaart mit moderner Mitarbeiterführung. Die Mitarbeiter spielen eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, Innovationen in ihren Arbeitsalltag zu integrieren und auch zu nutzen. Aufgaben und auch Prozesse werden sich durch die Interaktion mit intelligenten Maschinen und die zunehmende Automation deutlich verändern. Auf dem Weg zur Industrie 4.0 gilt es für Arbeitgeber, ihre Mitarbeiter fit zu machen. Es bedarf vielfältiger Weiterbildungsmöglichkeiten und einer Arbeitsorganisation, die das Lernen fördert. Die berufliche Aus- und Weiterbildung muss sich im Dialog mit der Industrie weiterentwickeln. Nur so ist sicherzustellen, dass die Transformation auch gelingen kann.

Ulli Vogel, Leser_In

Der Mittelstand wird vor allen Dingen von den Mitarbeiter/innen des jeweiligen Betriebes bewegt. Behandelt die Unternehmerspitze ihre lohnabhängig Beschäftigten gut, zahlt sich dieses aus. Diese Erkenntnis wird kaum erkannt und oft zu spät umgesetzt. Gewinnen werden jedoch nur die, die ihren Mitarbeiter/innen vertrauen; ernsthaft vertrauen!

Marcus Laube, Gründer und Geschäftsführer der crossinx GmbH, Leser_In

Der Mittelstand in Deutschland sollte sich mehr an den Prozessen großer Konzerne orientieren, vor allem was die Internationalisierung und die dieser zugrundeliegenden Umsetzung der Digitalisierung angeht. Die Digitalisierung macht auch vor dem Mittelstand nicht Halt und es reicht nicht, nur einzelne Aspekte aufzugreifen und die Digitalisierung im eigenen Unternehmen nur in Teilbereichen voranzutreiben. Um wettbewerbsfähig zu bleiben und international zu punkten, muss nicht nur der Vertrieb sich weiterentwickeln und mit der Zeit gehen. Auch die Finanzprozesse im Unternehmen müssen zeitgemäß aufgestellt werden. E-Invoicing ist bei vielen KMU mittlerweile ein etablierter Prozess, aber im nächsten Schritt muss ein Verständnis dafür geschaffen werden, dass ein umfassenderes Management aller Rechnungs- und Bestelldokumente für eine Prozessoptimierung und Kostensenkung im Unternehmen sorgt. Nur so lässt sich der zukunftssichernde Schritt in den internationalen Markt auf ein solides Fundament stellen. Gleichzeitig sind in KMU die Mittel zur Finanzierung der Auslandsexpansion nicht in dem Maße vorhanden wie in Konzernen. Daher ist es wichtig, alternative Lösungen für ein verbessertes Working Capital Management nutzen zu können. Dies kann über E-Rechnungen oder die Finanzierung von Rechnungen, zum Beispiel per Financial Supply Chain Management-Lösungen, erfolgen. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, diese Entwicklung zu unterstützen und bieten unseren Kunden individuell auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Lösungen an.

Jochen Toppe, Vice President Product Management bei CoreMedia, Leser_In

Der Mittelstand hat derzeit einige Baustellen, an denen er arbeiten wird oder gar muss. Zuallererst ist da die große, über allem schwebende Digitalisierung, die natürlich auch vor mittelständischen Unternehmen nicht Halt macht. Der regelmäßig erscheinende Bitkom Cloud-Monitor zeigt beispielsweise ganz klar, dass besonders der Mittelstand immer stärker auf die Cloud ausweicht. Das liegt nicht zuletzt daran, dass auch kleinere Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben müssen, auch mit den Global Playern ihrer jeweiligen Branche. Cloud-Technologien sind, je nach Auftragsvolumen, wesentlich flexibler einsetzbar. Auch die Kostenmodelle sind transparenter und lassen sich individueller gestalten. Damit fällt ein Sorgenpunkt weg, nämlich der ständig notwendige und kostenintensive IT-Support im Unternehmen. Big Data spielt ebenfalls eine immer größere Rolle im Mittelstand. Kunden erwarten heutzutage, beispielsweise auch im Internet eine persönliche Beratung und individuellen Service zu erhalten. Daher müssen mittelständische Unternehmen lernen, wie sie ihre Kundendaten einsetzen, um herauszufinden, was ihre Kunden eigentlich wollen. Erst wenn sie ihre Zielgruppe wirklich verstehen, können sie die Geschäftsprozesse dementsprechend optimieren. Dies führt letztendlich zur dritten Thematik im Mittelstand: die Rekrutierung von passenden Fachkräften. Unternehmen, die wirklich verstanden haben, dass ohne eine digitale Transformation heute langfristig gar nichts mehr geht, benötigen qualifizierte Mitarbeiter, die Themen wie Cloud und Big Data verstehen und technisch umsetzen können. Es ist schwierig, die richtigen Leute für diesen Job zu finden, da die Nachfrage aktuell das Angebot übersteigt.

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Wie entsteht Nachhaltigkeit?

Es gibt viele Ansätze, wie verantwortungsvoll mit Ressourcen umgegangen  werden kann, so dass sie nicht schrumpfen – ob durch Schonung oder durch schnellere Regeneration. Welche Vorschläge bringen Sie in die Debatte ein?

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Arved Fuchs, Expeditionsleiter und Buchautor

Alles ist eins

Den drei Säulen der Nachhaltigkeit – Ökonomie, Ökologie und Soziales – möchte ich eine vierte hinzufügen: die der Ökomene. Wikipedia definiert den Begriff Ökomene nämlich nicht nur als Dialog und Zusammenarbeit zwischen christlichen Konfessionen, es nennt auch den Begriff der „Geografischen Ökomene“, was sich auf den ständig besiedelten und landwirtschaftlich nutzbaren Teil der Erdoberfläche bezieht. Die Weltbevölkerung wächst unablässig und mit ihr der Bedarf an Nahrungsmitteln und Lebensraum. Die Artenvielfalt sowie ein schonender Umgang mit den Ressourcen in der Natur sind eine Grundvoraussetzung für die Lebensgrundlage der Völker und damit einer anzustrebenden friedlichen Koexistenz. Stattdessen werden Naturlandschaften in großem Stil vernichtet. Jedes Jahr roden wir etwa 130.000 Quadratkilometer Wald – das entspricht in fünf Jahren etwa der Fläche Deutschlands. Durch das Verbrennen fossiler Brennstoffe verändern wir das Klima sowie die chemische Zusammensetzung der Ozeane – mit unabsehbaren Folgen für die Flora und Fauna. Der zynische Begriff des Wirtschaftsflüchtlings wird den Ursachen nicht gerecht. Hinzu kommen die politischen sowie die Klimaflüchtlinge. Und wir wissen nicht, wie wir damit umgehen müssen. Nachhaltigkeit entsteht aus der Einsicht, dass alles mit allem zusammenhängt und nur im ganzheitlichen Verständnis realisiert werden kann. Ein selektives Denken und Handeln führt unweigerlich in die Sackgasse.

Magdalena Sussendorf, Leserin

Wachstum nicht auf fremde Kosten

Einer der Eckpfeiler der Nachhaltigkeit muss die Armutsbekämpfung sein. Das bedeutet jedoch nicht, wie so oft geschehen, dass Wirtschaftswachstum auf Kosten ökologischer Ressourcen gehen darf. Das Wissen der reichen Industrieländer um Umweltschäden muss an Entwicklungsländer weitergegeben werden, bevor sich die Fehler wiederholen.

Sebastian Stricker, Mitbegründer der App „ShareTheMeal“

Jederzeit und überall

Nachhaltigkeit entsteht bei jedem von uns, jederzeit und überall. Beispiele wie Foodsharing zeigen, dass es heute so einfach ist wie nie, unsere Ressourcen mit anderen zu teilen und Gutes zu tun. Es gibt 20-mal so viele Smartphone-Nutzer wie hungernde Kinder weltweit. Neue Spendenmodelle schlagen eine Brücke zwischen beiden Gruppen. Wir können heutzutage einen kleinen Beitrag leisten, egal wo wir uns gerade aufhalten – im Restaurant mit Freunden oder mittags in der Kantine. Wenn jeder von uns mit nur 40 Cent „Mahlzeiten teilt“, können wir viel bewirken. Nachhaltigkeit geht durch den Magen. Anfang dieses Monats hat sich die Welt auf einen Zukunftsvertrag geeinigt und Nachhaltigkeitsziele verabschiedet. Den weltweiten Hunger bis 2030 zu beenden, steht mit an vorderster Stelle. Nutzer unserer App helfen beispielsweise hungernden Kindern in Lesotho mit Schulmahlzeiten. Der Hilfsbedarf ist hoch, da 40 Prozent aller Kinder nicht ausreichend Essen bekommen. Kinder aus armen Familien können oftmals nicht in die Schule gehen, weil sie sich ihr Essen selber erarbeiten müssen. Schulspeisungen ermöglichen den Eltern, ihr Kind in die Schule zu schicken. Die Aussicht auf eine nahrhafte Mahlzeit am Tag fördert die regelmäßige Anwesenheit der Schüler. Die Kinder können gesünder aufwachsen und dem Teufelskreis aus Hunger und mangelnder Bildung entkommen – ein gutes Beispiel für nachhaltige Ernährungshilfe.

Hans-Joachim Lagemann, Leser

Ein wichtiger Schritt wäre, alte Smartphones nicht in den Müll zu werfen oder zu behalten, sondern recyceln zu lassen. Seltene Stoffe könnten wieder genutzt werden. Oder besser noch, nicht immer ein Neues!

Hans Hohenester, Vorsitzender Naturland – Verband für ökologischen Landbau e.V. und Ökobauer

Mit Öko fängt Nachhaltigkeit an

Nachhaltigkeit entsteht im Kopf und im Herzen. Öko-Bauern betreiben durch ihre moderne Wirtschaftsweise im Einklang mit der Natur aktiven Boden-, Klima-, Arten- und Wasserschutz. Mit Leidenschaft kümmern sie sich um den Aufbau der Bodenfruchtbarkeit, die eine Schlüsselrolle in der nachhaltigen Landwirtschaft einnimmt, hier und auch weltweit. Aber sie tun mehr, als nur die Grundlagen ihres eigenen Produktionssystems zu erhalten. Und genau bei diesem „mehr“ beginnt die Nachhaltigkeit. Denn Nachhaltigkeit ist niemals eindimensional. Sie entsteht vielmehr erst im Zusammenspiel ökologischer, sozialer und ökonomischer Aspekte. Öko-Bauern entwickeln neue regionale Vermarktungsmodelle, arbeiten in Netzwerken und engagieren sich in der Gesellschaft. Die Tiere im Öko-Landbau sind mehr als nur Eier-, Milch- oder Fleischlieferanten. Sie spielen eine wichtige Rolle im ökologischen Kreislauf. Als Mitgeschöpfe haben sie einen Anspruch auf das Ausleben ihrer eigenen, artgemäßen Bedürfnisse. In diesem Sinne ist Öko-Landbau mehr als nur die Änderung einiger landwirtschaftlicher Praktiken. Er ist vielmehr Leitbild für eine zukunftsfähige Landwirtschaft, die Verantwortung übernimmt für Mensch, Tier und Umwelt gleichermaßen.

Maximilian Gege, Vorstandsvorsitzender Bundesdeutscher Arbeitskreis für Umwelt- bewusstes Management e.V. (B.A.U.M.)

Die Letzten werden die Ersten sein

Es gehört zum Prinzip der Nachhaltigkeit, langfristig zu denken. Auf unserer Jahrestagung Ende September haben wir daher den Blick in die Zukunft gerichtet und diskutiert, wie Unternehmen innovative Angebote gestalten können, die langfristig tragfähig sind: wirtschaftlich erfolgreich, schonend im Umgang mit natürlichen Ressourcen, sozial gerecht und kulturell vielfältig. Wirtschaft und Gesellschaft befinden sich heute in einem äußerst dynamischen Veränderungsprozess. Energie- Ressourcen-Verfügbarkeit, Industrie 4.0, Digitalisierung, 3-D-Druck oder Share Economy stellen Unternehmen vor große Herausforderungen. Ich bin davon überzeugt, dass sie darauf nur dann erfolgreich reagieren können, wenn sie die Nachhaltigkeit im Blick behalten. Bei der Entwicklung neuer Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle müssen Nachhaltigkeitskriterien von Beginn an berücksichtigt werden. Nachhaltigkeit ist nicht als „add-on“ zu haben, wenn sie konsequent umgesetzt werden soll – zum Wohle der Natur und künftiger Generationen. Viele unserer Mitglieder haben ihre Unternehmensführung schon vor Jahren auf Umwelt und Nachhaltigkeit ausgerichtet und sind dadurch auch erfolgreich. Unser Netzwerk setzt sich dafür ein, das bereits Erreichte zu bewahren und stetig fortzuentwickeln. Daher begleiten wir auch die Diskussionen um TTIP und vergleichbare Abkommen kritisch und konstruktiv und beleuchten deren Auswirkung auf die Nachhaltigkeitsstrategien in Unternehmen.

Helene Hirschwehr, Leserin

Mit allem, was wir Menschen tun, beanspruchen wir natürliche Ressourcen. Wir können den Verbrauch zwar reduzieren, ihn aber nicht ganz aufhalten. Die Konsequenz aus dieser Erkenntnis wäre aber – ginge es uns allein um den Erhalt unseres ökologischen Bestands –keine weiteren Kinder mehr in diese Welt zu setzen und das ist gegen unsere Natur.

Dirk Riestenpatt, Vorsitzender Forest Stewardship Council Deutschland

Nachhaltigkeit beginnt im Kopf.

Beobachtungsgabe und Scharfsinn haben dazu geführt, dass vor 300 Jahren der Begriff Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft geboren wurde. Die Idee reifte an persönlichen Erfahrungen und der Reflektion darüber, welche Folgen aus dem verschwenderischen Umgang mit dem natürlichen Rohstoff Holz entstehen. Die Geburtsstunde der Nachhaltigkeit war geprägt von akuter Holznot, und das wurde damals noch als existentielle Bedrohung wahrgenommen. Die Not von damals haben wir für uns in Deutschland überwunden, die Not des Waldes hat sich in andere Regionen der Erde verlagert. Globalisierte Warenströme tragen mit dazu bei, dass nun andere Länder in Bezug auf Wald mit Problemen konfrontiert sind wie unsere Vorfahren vor 300 Jahren. Heute ist Nachhaltigkeit häufig immer noch auf den Ausschnitt der Holzproduktion begrenzt. Dabei verlangt nachhaltiges Wirtschaften im umfassenden Sinne, den langfristigen Erhalt des Ökosystems Wald wirksam sicherzustellen. Dazu muss nachhaltige Waldwirtschaft über das Mindestmaß der nachhaltigen Holzversorgung hinausgehen. Sie setzt voraus, dass wir unseren Anspruch an eine umfassende Nachhaltigkeit weiterentwickeln und dabei den Kernaspekt der Langfristigkeit nicht aus den Augen verlieren. Auch wenn das manchmal im vermeintlichen Widerspruch zu kurzfristigen wirtschaftlichen Zielen zu stehen scheint.

Marlehn Thieme, Vorsitzende des Rates für Nachhaltige Entwicklung

Dem Kodex folgen

Durch Menschen und mit Menschen! Es ist meine und Ihre Entscheidung, die uns nach umweltgerecht und verantwortungsvoll erzeugten Nahrungsmitteln und Textilien greifen oder nach gerechten und fairen Alternativen fragen lässt. Nachhaltigkeit entsteht durch Werte und Haltungen. Der Einzelne ist wichtig, aber mindestens so entscheidend sind Rahmenbedingungen und wirtschaftliche Voraussetzungen. Hier entscheidet sich, ob Verantwortung für die Zukunft institutionalisiert und zu einer allgemein beachteten Regel wird. Das ist der Schlüssel, um Nachhaltigkeit in der Mitte der Gesellschaft entstehen zu lassen. Hier haben wir noch Nachholbedarf. Für die Wirtschaft ist der Deutsche Nachhaltigkeitskodex das geeignete Hilfsmittel, das ethische Grundnormen mit konkretem Handeln verbindet. Er müsste viel breiter angewendet werden; auch dort, wo man sich bisher vor allem verbal für mehr Nachhaltigkeit einsetzt. Soeben haben die Vereinten Nationen globale Nachhaltigkeitsziele beschlossen. Natürlich: Eine bessere Welt entsteht nicht auf Beschluss. Dieser Beschluss aber trotzt den Kriegen, dem Terror und der Vertreibung von Millionen Menschen aus ihrer Heimat. Und er trotzt der diplomatischen Uneinigkeit auf fast allen wichtigen Gebieten. Hier kann Nachhaltigkeit entstehen, aber nur, wenn sich Menschen entschieden dafür einsetzen – auch dafür, dass die Politik jetzt eine kraftvolle Umsetzung einleitet.

Peter Jagusch, Stammleser

Gute Gier und wahre Werte

Nachhaltigkeit können wir nur erreichen durch: 1. verlustfreie Rohstoffgewinnung: Eine Entnahme von Rohstoffen aus der Natur darf keine dauerhaften Schäden verursachen. 2. vollkommen geschlossene Wirtschaftskreisläufe: Ein Produkt muss am Ende seiner Lebensdauer wieder in die Stoffe zerlegt werden können, aus denen es produziert wurde oder komplett erneuert werden. 3. ausschließliche Verwendung erneuerbarer Energien: Wer glaubt, das sei zu teuer, der hat noch nicht verstanden, dass in einer endlichen Welt Wachstum auf Dauer nur nachhaltig funktionieren kann.

Julia Böhm, Leserin

Es ist Herbst und ich habe das Gefühl, dass ganz Deutschland im Wald auf der Suche nach Pilzen ist. Was man dort findet, ist aber oft auch Müll. Jeden stört dieser Anblick, da bin ich mir sicher. Schon mit einer Mülltüte in der Tasche entsteht Nachhaltigkeit. Denn im nächsten Jahr erspare ich mir das Gefühl, nicht die Erste gewesen zu sein.

Walter Henle, Leser_In

Nachhaltig ist nur die Subsistzenzwirtschaft - jeder lebt von dem, was er von seinem Boden gewinnt. Sie wird entstehen, wenn alle Boden- schätze ausgebeutet sind. Dann hat die Industrie keine Rohstoffe mehr, sie bricht zusammen. Das wird das Ende der Zivilisation sein. Wann wird das sein? Schwer zu sagen, der Markt spielt da eine Rolle: Knappe Ressourcen sind teuer, dann wird manches Rohstoffvorkommen doch noch rentabel und wird ausgebeutet. Nicht vergessen: Altstoffe können verwendet werden, der Maschinenschrott des Zeitalters der Vergeudung wird lange für handwerkliches Werkzeug gut sein. Ich neige zu der Ansicht, dass schon im kommen nächsten Jahrhundert die Preise für Konsum- und Gebrauchsartikel steigen werden, z.T. exorbitant. So um das Jahr 3000 herum, da werden unsere Nachfahren wohl nachhaltig leben.

Carl-A. Fechner, Regisseur, Leser_In

Nachhaltigkeit entsteht durch die Erkenntnis: Jeder Mensch kann eine neue Energiewelt mitaufbauen und von ihr profitieren, jeder kann sich heute entscheiden, Energie zu sparen, seinen Stromanbieter zu wechseln und weniger Auto zu fahren. Jeder kann sich im Alltag zu nachhaltigem Handeln bekennen und sich dem Diktat der Kohle-, Öl- und Atom-Lobbyisten widersetzen. Gerade vor der UN-Klimakonferenz in Paris wollen wir visionäre Ideen vorstellen von Menschen, die heute schon an der Energieversorgung der Zukunft arbeiten. Mit der Verbreitung von Informationen, Geschichten und bewegenden Bildern können wir zeigen, wie eine nachhaltige Energieversorgung gelingt. Dieser Aufgabe habe ich mich als Journalist und Filmemacher verschrieben. So machen wir erlebbar, wie eine nachhaltige Zukunft aussehen kann. Und wecken Mut einzutreten für die Botschaft: „Wir brauchen – und zwar jetzt – einen radikalen Umbau hin zur dezentralen Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen.“ Carl-A. Fechner, Regisseur des Kino-Dokumentarfilms Power To Change – Die EnergieRebellion.

Indra Enterlein, Referentin für Umweltpolitik NABU, Leser_In

Nachhaltigkeit hat etwas mit uns selbst zu tun und ist gleichzeitig ein gesellschaftlicher Aushandlungsprozess. Es ist eine Einstellung, eine Idee wie wir gerne die Welt begreifen möchten. Ich würde mir mehr Mut vonseiten der Politik wünschen, hierfür einen sinnvollen Handlungsrahmen zu setzen. Unternehmen könnten durch kleine und große Veränderungen riesige Hebel bewegen. Bei der Abfallvermeidung sind aber auch wir Konsumenten gefragt. Da geht es auch nicht nur um Verpackungsmüll, an den man als erstes denkt. Auch wie viele Dinge wir produzieren und kaufen, wie wir sie nutzen und wie schnell sie im Müll landen, ist Gradmesser unserer Nachhaltigkeitsengagements. Denn Abfallvermeidung ist auch eine Einstellung. Zunächst hört sich das einfach an: Ich vermeide Abfall. Aber die Natur kennt keinen Abfall, sie lebt in Kreisläufen, bei dem aus genutztem Material wieder Neues entstehen kann. Bei einer gelebten Abfallvermeidung ist das Produktdesign der Anfang eines Prozesses. Die eingesetzten Materialien sind lange haltbar, gut reparierbar, natürlich schadstofffrei und werden am Schluss recycelt – und zwar so gut, dass sie wieder Ausgangsprodukt für etwas Neues sind. Die Nutzungsdauer und die schiere Menge an gekauften Produkten hat etwas mit uns zu tun. Mit unserem Lebensstil und der Art und Weise, wie wir Dinge benutzen. Ganz kurz und knapp sind meine Tipps: Kaufen Sie weniger, kaufen Sie hochwertig Kleidung, Geräte etc. und nutzen sie diese lange. Teilen sie Gegenstände, entweder in ihrer Nachbarschaft oder auf Mietbasis. Spenden oder verschenken und verkaufen Sie ausgemusterte Dinge, damit diese weiter genutzt werden können.

Christoph-D. Teusch, Leser_In

Nachhaltigkeit ist wie ein Würfel - alle haben ihn im Blick, sehen aber häufig doch etwas verschiedenes. Das ist aber nicht weiter tragisch, sondern sogar sehr gut. Jeder Mensch (und jede Organisation) muss für sich reflektieren, welche Themen für seine aktuelle Situation, für sein Milieu, für seine Lebensphase relevant sind. Das fängt beimWohnen an, geht über Mobilität und Reisen bis zum alltäglichen Konsum oder Konsumalternativen. Peter, 50 Jahre, 2 Kinder wird sicher andere Prioritäten und somit Verbesserungspotenziale haben (z. B. Mobilität: Hohe CO2-Emissionen durch tägliche Autonutzung) als, Lisa 19, Single, WG (Mobilität ist kein wesentliches Thema, da sie Fahrrad fährt).

Ilma Monßen, Leser_In

Nein so einfach ist es in dieser Zeit nicht mehr. Der Autor hat auch mit Sicherheit etwas anderes gemeint. Monumente zu erschaffen erzeugt keine Nachhaltigkeit sonder nur das Verhalten jedes Einzelnen wie er mit der Natur und deren Geschenke umgeht.

Peter Jagusch, Leser_In

Nachhaltigkeit können wir nur erreichen durch - Verlustfreie Rohstoffgewinnung: Eine Entnahme von Rohstoffen aus der Natur darf dort keine dauerhaften Schäden verursachen. - vollkommen geschlossene Wirtschaftskreisläufe: Ein Produkt muss am Ende seiner \"Lebensdauer\" wieder in die Stoffe zerlegt werden können, aus denen es produziert wurde. Oder es muss komplett \"erneuert\" werden können. - Ausschließliche Verwendung erneuerbarer Energien. Wer glaubt, das ginge nicht, der irrt. Wer glaubt, das sei zu teuer, der hat noch nicht verstanden, dass in einer endlichen Welt Wachstum auf Dauer nur nachhaltig funktionieren kann.

Gabi Köhler, Leser_In

Nachhaltigkeit entsteht von ganz alleine, indem wir Menschen uns weiter entwickeln, indem wir Monumente errichten, indem wir Werke schaffen, die unvergessen bleiben...indem wir einfach auf dieser Erde existieren und unsere \"Male\" hinterlassen.

Carsten Veller, Leser_In

Inne halten. Entschleunigen. Reflektieren. Kreisläufe beachten. Bekannte Wirtschaftsweisen über Bord werfen. Kreativ sein. Gemeinsam aktiv werden. An morgen denken.

Dr. Heidje Duhme, Leser_In

Sie entsteht zuallerst auf der Basis individueller Erfahrung des Einzelnen, indem er seine individuellen körperlichen, emotionalen und mentalen Resourcen erforscht. In „Bewusstheit durch Bewegung“ kann er die universell gültigen Grundlagen des Bio - logischen in sich entdecken und sein Potential entfalten. Das ökologische und ökonomische „Betriebsgeheimnis der Natur“ wird als plausibel und nachhaltig in der Wirkung erkannt und umgesetzt. Die Regenerationsfähigkeit eines /des biologischen Systems wird als Basis für Kreativität und Schonung von Resourcen subjektiv erforscht, vernetztes Denken angeregt und in Beziehung zu den Phänomenen der Umgebung gesetzt.

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