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Wo bleibt der Genuss?

Selten geben wir und mit allen Sinne etwas hin. Dagegen wird ein Genussmittel allzu schnell zum Rauschmittel. Ist es die Muße, die uns so oft fehlt? Wie genießen Sie?

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Ralf Bos, Feinkostunternehmer und Fachbuchautor

Verkauftes Gewissen

Der Genuss bleibt innerhalb der ambitionierten Restaurants. Deutsche Gäste haben in fast 15 Jahren permanenter Berieselung omnipräsenter Kochshows gelernt, dass es durchaus gute und schmackhafte Lebensmittel gibt. Diese werden aber den Profiköchen überlassen und in diesen Kreisen gibt man auch gerne sein angelerntes Fachwissen zum Besten. „Der Aceto ist viel zu dünn, der ist bestimmt noch keine zwölf Jahre alt.“ Oder: „Ist der Steinbutt geangelt oder mit dem Schleppnetz gefischt? Was, aus der Zucht? Nein, so was esse ich nicht.“ Außerhalb des Restaurants sieht es da ganz anders aus. Es gibt bei uns quasi nur noch fünf Anbieter von Lebensmitteln. Zwei Discounter, zwei Supermarktketten und einen, der sich nicht so recht entscheiden kann. Diese fünf liefern 85 Prozent aller Lebensmittel. Gebildet hat sich dieses Monopol aufgrund eines Preiskampfes, der seit über 50 Jahren andauert. Und das sind nun mal die Gewinner. Tief in unserem Inneren wissen wir, dass billig und gut nicht zusammenpassen. Aber die penetrante Manipulation über Streichpreise und Sonderangebote haben sich so fest in unseren Gedanken etabliert, dass der Genuss nur noch in Form von 40 verschiedenen Artikeln im Einkaufswagen für zusammen gerade mal 50 Euro, zustande kommt. Man genießt die Menge und den günstigen Preis, und satt macht es ja auch. Der Genuss aller Sinne, der Geruch, der Geschmack, die Textur und das Aussehen bleiben da außen vor.

Monika Menzel, Leserin

Oxytocin statt Tatort

Alles hat zwei Seiten, von denen aus man die Dinge betrachten kann. Das bekannte halbleere oder halbvolle Glas. Ein tiefsinniger, intellektueller Mann? Der kann doch nicht mal einen Witz erzählen! Was hat das mit Genießen zu tun? Es ist Abend und meine Kinder liegen im Ehebett rechts und links neben mir. Die Vorlesezeit ist gerade vorbei und es beginnt unser Einschlafritual. Wie jeden Abend vergräbt mein Sohn seine Hand in meinen Haaren, zieht an einer Strähne, die er sich um den Finger gewickelt hat. Meine Tochter greift mein Ohrläppchen und knubbelt sich so in den Schlaf. Das kann schon mal dauern. Ich könnte jetzt mit der Tagesschau etwas für meine Bildung tun. „Mein Abend ist mir heilig. Es ist der einzige Moment am Tag, an dem ich für mich Zeit habe.“ Ich habe auch lange so gedacht. Mittlerweile bin ich ganz in diesem Moment. Ich konzentriere mich mit allen Sinnen auf die Nähe zu meinen Kindern, auf die weichen Haarstoppeln meines Sohnes, den Geruch, das Schmatzen meiner Tochter. Ich mag es, zu hören, wie ihr Atem gleichmäßiger wird und die Kinder in den Schlaf gleiten. Wie der Griff sich vom Ohrläppchen und aus meinen Haaren löst. Den Beginn des Tatorts habe ich auch verpasst, reinschauen lohnt jetzt nicht mehr. Doch der Tatort läuft auch noch in zehn Jahren und die Tagesschau hole ich morgen früh im Auto mit der Presseschau nach. Die Zeit mit den Kindern ist kostbar. Oxytocin ist mein Rauschmittel.

André Rieu, Geiger und Orchesterleiter

Leben ist Genuss

Ich habe das große Glück, einen Beruf auszuüben, der nicht nur anderen Menschen Genuss vermittelt, sondern auch mir selbst. Mein Orchester und ich geben pro Jahr rund 100 Konzerte, Anfang des Jahres immer in Deutschland und danach auf der ganzen Welt. Aber ich arbeite nicht, ich habe Spaß. Gleichzeitig bedeutet Genuss für mich, in einer Stadt zu leben, in der ich mich wohlfühle und die eine große Lebensqualität bietet. Ich bin in Maastricht geboren und habe es nie verlassen. Hier habe ich vor einigen Jahren ein kleines Schloss gekauft und renoviert, eine Orangerie gebaut und einen wunderbaren Garten angelegt. Dort erhole ich mich von Tourneen, sammle neue Energie, genieße die Ruhe. Einmal im Jahr fahren wir mit Familie und Freunden für ein paar Tage nach Rom. Meine Frau und ich lieben die italienische Lebensart, genießen das italienische Dolce Vita, das Essen, die Menschen, die Architektur und die Musik, Melodien wie „Felicità“, „Azzurro“, „Arrivederci Roma“. Gerade die kleinen Momente genießen zu können, gehört für mich zu den wichtigsten Dingen im Leben. Genuss ist für mich gleich Glück. Ich übertreibe es aber nie. Ich trinke gerne ein Glas Rotwein, aber zum letzten Mal betrunken war ich vor 30 Jahren. Geld verschafft mir keinen Genuss. Es bedeutet für mich Freiheit, meine Träume zu verwirklichen, mit meinem Orchester um die Welt zu reisen und viele Menschen glücklich zu machen. Aber das wiederum genieße ich dann!

Anonym, Leser*in

Zusammen allein

Ich genieße, wenn ich mit mir nahestehenden Menschen etwas genießen kann: Das Baden in einem stillen, menschenleeren Moorsee, der Besuch von Museen, wenn sich so gut wie keine Besucher in den Ausstellungen befinden, die drängeln und laut kommentieren, oder wandern in den Bergen und die Gipfel und die Fernsicht genießen, ein gutes Essen mit Freunden und Freundinnen mit raffinierten Zutaten, deren Aromen nachgespürt werden kann, und noch vieles mehr.

Erika Altmann, Leserin

Das richtige Maß

Mein eigener Stil wird durch innere Haltung geprägt. Da ist kein Platz für Klischees.

Felicitas Then, Journalistin und Fernsehköchin

Der Bauch kennt den Weg

In Zeiten, in denen das schlechte Gewissen und Verzicht, Lebensmittelskandale, schmale Hüften und Massentierhaltung weit populärer sind als liebevolle Kuchennachmittage, Kohlenhydrate und Fleisch aus artgerechter Tierhaltung, haben wir verlernt, zu genießen. Man kauft aufwendig hergestellte Ersatzprodukte, die Kopf und Industrie, nicht aber die Zunge glücklich machen. Grünkohlsorten werden verändert, sodass sie dem Lifestyle-Esser auch im Sommer schmecken. Man erfreut sich an Samen, die tausende Kilometer Transportweg hinter sich haben. Ich möchte dazu ermutigen, sich selbst ständig kleine, simple und vor allem heimische Genussmomente zu schaffen. Dabei ist es nicht wichtig, hunderte Euro für Restaurantbesuche oder seltene Produkte auszugeben. Es geht darum, den kulinarischen Alltag zu entschleunigen und sich selbst etwas Gutes wert zu sein. Genießen Sie bereits den Einkauf, durch Marktbesuche, bei denen Sie saisonale, reife Gemüse sehen und kosten können. Machen Sie schon das Frühstück zum Geschmackserlebnis, indem Sie echtes Bäckerbrot mit Rohmilchbutter, glücklichem Schinken, gutem Käse, Sprossen oder Trockenobst verfeinern. Gönnen Sie sich eine handgemachte Praline am Nachmittag, schmecken Sie, wie köstlich heimische Äpfel sind und zelebrieren Sie ein Dinner mit Freunden, bei dem sie hochwertigen statt literweise Rotwein trinken. Es ist ganz einfach!

Nessa Altura, Leserin

Langeweile zulassen

Der erste und der letzte Eindruck seien entscheidend, heißt es. Der erste ist wahrscheinlich optisch – da zähle ich auf den kleinen, feinen Stilbruch in der Gesamterscheinung. Und der letzte? Zum Stil gehören auch Manieren, Takt und Ton. Die nehmen Bezug auf das Gegenüber.

Robert Pfaller, Philosoph

Abstoßend und anziehend zugleich

Alles, wofür es sich zu leben lohnt, ist rund um eine zwiespältige Eigenschaft gebaut: Es ist teuer wie Partykleidung, ungesund wie Alkohol, unanständig oder unappetitlich wie Sex, unvernünftig wie Fantasie, Spiel, Müßiggang oder Verausgabung etc. Menschen sind darum nicht von sich aus dem Glück zugewandt. Spontan verabscheuen sie es vielmehr. Als großartig können sie das Zwiespältige nur dann erleben, wenn sie es feiern. Dann folgen sie einem Gebot der Gesellschaft, das sie ermutigt, ihre üblichen Beschränkungen und Hemmungen hinter sich zu lassen: „Sei kein Spaßverderber, stoß mit uns an.“ Nur als gesellige Wesen sind die Menschen darum glücksfähig, nicht aber auf sich alleine gestellt, als lediglich ihren Eigeninteressen folgende Individuen. Die neoliberale Postmoderne hat die Menschen an die Idee gewöhnt, sie würden sich befreien, wenn sie die Gebote der Geselligkeit und Solidarität abschütteln. Der zum Genuss einladende Andere wurde nun wirksam als Gesundheitsgefährdung, Sicherheitsbedrohung, sexueller Belästiger oder Sozialschmarotzer wahrgenommen. Die gesamte politische Kraft, die sich nicht mehr auf die Regulierung der irrationalen Aktionen auf den Finanzmärkten richtete, wurde nun auf den vermeintlichen Schutz der Individuen vor Belästigung gerichtet. Befreit wurden sie damit aber vor allem von ihrer Glücksfähigkeit – und damit letztlich auch von ihrer Freiheit.

Franziska Wolffheim, Leserin

Meditativer Genuss

Man kann Schokolade sehr langsam essen, sozusagen in Zeitlupe. Man lässt ein Stück auf der Zunge zergehen, wartet ab, wie es langsam schmilzt, schmeckt immer wieder hin und versucht, möglichst genau den Geschmack zu bestimmen. Blumig, nussig, karamellig, würzig? Wie hoch ist der Kakaogehalt? Probiert man erst ein Stück mit 35 und danach eines mit 75 Prozent Kakao, ist das wie Wechselduschen: Der Unterschied ist krass. Die Spanne zwischen süß und bitter erweist sich als immens. Man könnte sogar über den Geschmack von Schokolade meditieren, ganz fokussiert, ohne währenddessen andere Reize aufzunehmen. Dabei verstreichen die Minuten, die Schokolade gibt den Takt vor, man braucht eben so lange, bis sie geschmolzen ist. In dieser Zeit hätte man auch eine ganze Tafel Schokolade essen können oder sogar zwei. Aber warum? So ist es doch viel schöner und der Magen ist kaum gestört in seiner meditativen Ruhe.

Heiner Kausch, Leser

Genuss kennt keine Rente

Ich frag mich selbst des Öfteren, was denn mein Stil ist. Eine Stilikone bin ich ganz sicher nicht, zumindest wüsste ich nicht, für was oder wen. Allenfalls für Gleichaltrige um die 70 Jahre, die es ebenfalls als etwas daneben erachten, sich als „Berufsjugendliche“ zu gebärden. Nein, aber sicher keine Ikone! Das bedeutet für mich andererseits nicht, dass ich mein Alter überbetone. Ich lege Wert auf gepflegtes Aussehen, eher zeitlose, klassische Kleidung. In Gesprächen etwas „weise“ wirken (Lebenserfahrung!) und mich ruhig zu beteiligen. Sicher Understatement, was meine materiellen Attribute wie Auto, Wohnsituation und Einrichtung betrifft. Meine narzisstischen Stilmerkmale, die ich gerne bei Gelegenheit anbringe, beziehen sich auf Gebiete wie Internationalität, Literaturkenntnisse, zumindest Basisfakten bürgerlicher und politischer Bildung. Damit will ich punkten. Ob es mir gelingt, nicht angeberisch zu wirken? Darauf achte ich zumindest und hoffe auf Selbstkontrolle. Zusammengefasst: Stil äußerlich eher unauffällig, also kein besonderer. Im Auftreten der Versuch, weltmännisch, gebildet, vielseitig interessiert zu wirken. Und (noch) nicht zum Alten Eisen zu gehören, auch körperlich entsprechend noch konfiguriert. Halt ein typischer neuer 70er, der wie ein früherer 50er wirken möchte. Kann man das als Stil bezeichnen?

Sandra Brüggemann, Leserin

Körper und Geist

Auch an kalten Tagen, wenn keine Sonne auf meine Haut scheinen kann, braucht mein Körper Balsam. Ich genieße dann die Zeiten in Thermen oder in der Sauna. Noch mehr kann ich bei einer Massage entspannen, wenn selbst meine Füße so durchgeknetet werden, dass eine wohlige Wärme sie durchsteigt. Dann fallen alle Sorgen von mir und eine innere Ruhe kehrt ein. Das ist wahrer Genuss.

Dieter Burghaus, Leser

Genuss setzt die Kenntnis der Grenze zwischen Großzügigkeit und Verschwendung voraus.

Peter Burgard, Leser_In

Auf der Strecke der Jagd nach viel und billig.

Brigitte Bonifer, Leser_In

Der Genuss bleibt nicht auf der Strecke: er ist nah und gehört zum Alltag: Selber kochen, viele Gemüse, frische Zutaten und ich weiß, was drin ist! Dazu ein leckeres Glas Wein, Genuss im Alltag!

Franziska Wolffheim, Leser_In

Man kann Schokolade sehr langsam essen, sozusagen in Zeitlupe. Man lässt ein Stück auf der Zunge zergehen, wartet ab, wie es langsam schmilzt, schmeckt immer wieder hin und versucht, möglichst genau den Geschmack zu bestimmen. Blumig, nussig, karamellig, würzig? Wie hoch ist der Kakaogehalt? Probiert man erst ein Stück mit 35 und danach eines mit 75 Prozent Kakao, ist das wie Wechselduschen: Der Unterschied ist krass. Die Spanne zwischen süß und bitter erweist sich als immens. Man könnte sogar über den Geschmack von Schokolade meditieren, ganz fokussiert, ohne währenddessen andere Reize aufzunehmen. Dabei verstreichen die Minuten, die Schokolade gibt den Takt vor, man braucht eben so lange, bis sie geschmolzen ist. In dieser Zeit hätte man auch eine ganze Tafel Schokolade essen können oder sogar zwei. Aber warum? So ist es doch viel schöner, und der Magen ist kaum gestört in seiner meditativen Ruhe.

Stephan Averdung, Leser_In

Der Genuss bleibt da, wo ich genieße, mit der Familie Ruhe und Zeit zu haben.

Monika Menzel, Leser_In

Alles hat zwei Seiten, von denen aus man die Dinge betrachten kann. Das bekannte halb leere oder halb volle Glas. Ein tiefsinniger, intellektueller Mann? – Der kann doch nicht mal einen Witz erzählen! Was hat das mit Genießen zu tun? Es ist Abend und meine Kinder liegen im Ehebett rechts und links neben mir, ich in der Besucherritze. Die Vorlesezeit ist gerade vorbei und es beginnt unser Einschlafritual. Wie jeden Abend vergräbt mein Sohn seine Hand in meinen Haaren, zieht an einer Strähne, die er sich um den Finger gewickelt hat. Meine Tochter greift mein Ohrläppchen und knubbelt sich so in den Schlaf. Das kann schon mal dauern. Ich könnte jetzt mit der Tagesschau etwas für meine Bildung tun. „Mein Abend ist mir heilig. Es ist der einzige Moment am Tag, an dem ich für mich Zeit habe.“ Ich habe auch lange so gedacht. Mittlerweile bin ich ganz in diesem Moment, im Hier und Jetzt. Ich konzentriere mich mit allen Sinnen auf die Nähe zu meinen Kindern, auf die weichen Haarstoppeln meines Sohnes, den Geruch, das Schmatzen meiner Tochter. Ich mag es, zu hören, wie ihr Atem gleichmäßiger wird und die Kinder in den Schlaf gleiten. Wie der Griff sich vom Ohrläppchen und aus meinen Haaren löst. Den Beginn des Tatorts habe ich auch verpasst, reinschauen lohnt jetzt nicht mehr. Doch der Tatort läuft auch noch in 10 Jahren und die Tagesschau hole ich morgen früh im Auto mit der Presseschau nach. Die Zeit mit den Kindern ist kostbar. Oxytocin ist mein Rauschmittel.

Nessa Altura, Leser_In

Wo bleibt der Genuss? Der höchste Genuss ist das, was auf das Ausschalten von permanenter Anregung folgt. Letztere nämlich macht die Sinne stumpf. Langeweile ist der Auslöser von Kreativität. Und die zulassen zu können ist Genuss.

Anonym, Leser_In

Ich genieße, wenn ich mit nahe stehenden Menschen etwas ganz alleine genießen kann: Das Baden in einem stillen menschenleeren Moorsee, der Besuch von Museen, wenn wenn so gut wie keine Besucher sich in den Ausstellungen befinden, die drängeln laut kommentieren und einfach nur stören, oder Wanderrn in den Bergen und die Gipfel und Fernsicht genießen, ein gutes Essen mit Freunden und Freundinnen mit raffinierten Zutaten, deren Aromen nachgespürt werden kann, etc.

Claudia Heinrich, Leser_In

Schon Paracelsius sprach von der richtigen Ration der Dinge. Genussmittel...? Heute nur noch in extremen Sprachwendungen zu finden: Saufen, Quarzen und eh alles Sucht!

Claudia Heinrich, Leser_In

Der Genuss bleibt meistens versagt und er wird gesellschaftlich gerade abgeschafft. Es gibt nur noch Arbeit, Karriere,Fitness und Gesundheitswahn und das Altern wird verzögert, solange, bis der Tod heilbar ist. Darüber wird das LEBEN und der Genuss dessen und aller Dinge, die das LLEBEN ausmacht völlig vergessen. Schade, aber auch gut, dass ich der Generation angehöre, die noch genießen kann!

Klaus Katzenberger, Leser_In

Ganz individuell, mit anderen etwas schönes teilen, ein Erlebnis, ein Essen gemeinsam zubereiten und verzehren. Dabei spielt schon auch ein entspanntes Zeitverständnis eine große Rolle.

Markus Klemenz, Leser_In

Slow food, vegan leben und/oder Fleisch vom Bauern deines Vertrauens, heimischen Wein geniessen, wandern vor der Haustür (wir leben an einem Mittelgebirge), kochen mit Freunden und Kindern. Aber bitte: Küssen mit der (seit 20 Jahren) Liebsten ist immer noch Rausch, und mehr…

Erika Altmann, Leser_In

Da ich nicht mehr berufstätig bin, genieße ich, daß ich gesund bin und sehr gut meine Grenzen wahrnehmen kann was Alkohol und Essen betrifft. Der Verzicht gibt mehr Raum für Muße.

Karsten Holzner, Leser_In

Ich mache regelmäßig einen Termin mit mir selbst! Denke nach was gut, was schlecht läuft, setze negativen Gedanken gezielt positive entgegen und genieße diese. Einmal die Woche gönne ich mir etwas Besonderes: Lieblings-Café, Konzert, Theater oder Einkaufsbummel.

Sven Kaatz, Leser_In

Genießen ist immer subjektiv. Ich für meinen Teil genieße es, wenn ich Zeit finde, zur Ruhe zu kommen und den Alltag Alltag sein zu lassen. Dabei kann ich mich erden und mir bewußt machen, was ich eigentlich im Leben anstrebe. Danach habe ich wieder Kraft für neue Herausforderungen. Wenn das kein Genuß ist.

Heiner Kausch, Leser_In

Wohl dem, der eine Passion, eine Leidenschaft hat, oder sogar zwei, vielleicht sogar drei. Ich kann auch mit 70+ Jahren noch genießen, wenn ich aktiv die Augen schließe und dann passiv mich in oder von meiner Lieblingsmusik versenken lasse. Oder wenn ich mein Segelboot so getrimmt habe, dass ich - jetzt ohne in der Tiefsee zu versinken - von der Naturgewalt Wind über die Ostsee getrieben auf den Wellen ins Gleiten gerate. Da rauscht dann nicht nur das Meer, da rauscht`s auch in mir. Genuss stellt sich bei mir dann ein, wenn ich durch eine meiner Leidenshaften in eine Trance gerate, die mich für einen Zeitraum aus dem Alltag entführt und meine Genusssaiten in Schwingungen versetzen. Da hab ich ihn dann, den Genuss, der über die Trance hinaus ein wenig weiter wirkt und mich motiviert, meine Leidenschaften auch jetzt noch (im Alter) zu pflegen, sowei ich dazu in der Lage bin.

Rainer Baudermann, Leser_In

Für mich ist mein Fahrrad und seine Betätigung immer wieder ein Genuss. Selbst wenn ich mal weniger Lust und Motivation habe: Sobald ich aufgestiegen bin und die ersten Kilometer hinter mir habe, wird mir warm und auch an stressigen Tagen kommt automatisch ein Wohlgefühl auf – und die Erkenntnis: (Körperliche) Anstrengung und seelischer Genuss liegen oft nah beieinander.

Jürgen Simon, Leser_In

Genuss ist für mich mit Zeit und Hingabe verbunden. Bin ich allein im Wald oder in der Natur, gebe ich mich mit allen Sinnen hin, sehe, höre, rieche und staune. Außer dem Genuß der Stille genieße ich aber auch immer wieder Musik, weil ich auch beim Musikhören wunderbar zur Ruhe und zum Ineehalten komme.

Herberrt, Leser_In

Die Frage macht mir bewusst: Dümmer dich um das Genießen.

Wolfgang Unglaub, Leser_In

Wer auch immer gesagt hat \'Wer nicht zu genießen vermag, der wird ungenießbar\', er hat definitiv recht. Genießen hat viel mit Muse, mit Innehalten, mit Konzentration, mit Abkehr vom Alltag zu tun. Dazu sind viele Menschen nicht (mehr) fähig. Ein Verlust, der mit dem Verlust von Lebensqualität einher geht...

Dieter Burghaus, Leser_In

Genuss setzt die Kenntnis der Grenze zwischen Großzügigkeit und Verschwendung voraus.

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Was definiert unseren Stil?

Der Architekt in schwarz gekleidet, der Boxer vollkörpertätowiert und der Mittsechziger im Rausch seiner Jugendmusik. Alles nur Klischees? Verraten Sie uns, was Ihren Stil prägt.

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Friedrich Liechtenstein, Musiker und Schauspieler

Unverwechselbar

Für einen positiven Lebensstil muss man wissen, dass sich Dinge verwandeln können. Ein Funke kann überspringen, wenn wir genau beobachten, rücksichtsvoll sind und uns von unseren Gefühlen leiten lassen. Die Gefühle sind genauer als Gedanken, deswegen sollten wir auf sie hören. Und dann genügt manchmal schon ein kurzer Impuls wie „Dein Schmuck ist gut!“ oder „Hey, Du bist klasse!“. Wir müssen loslegen und dürfen uns nicht schämen, sollen aber auch keine aggressiven Draufgänger sein, sondern vorsichtig vorgehen. Dann funktioniert es auf einmal und die tollen Leute werden noch toller. Viele Menschen sind eher negativ eingestellt, weil sie den Weg als schneller und einfacher erachten, denken wir an Shitstorm und Zerstörungswut. Dabei ist eine positive Ansprache auch nicht viel Arbeit. Wenn ich nicht als öffentliche Person unterwegs bin, flaniere und beobachte ich gerne, bin neugierig. Ich ziehe mich aber auch privat bewusst an, schmücke mich sozusagen und gebe zu verstehen: „Hey Leute, ich habe etwas vor!“ – am liebsten mit einer Popstargeste, die mich größer macht, als ich bin und dann freue ich mich über mich selbst. Wichtig dabei ist mir auch mein Klamottenkanon, der typische Berliner Mix an Ästhetik durch Farben, Schnitt und dem gleichzeitig Nachlässigen. Ein spannender Stil, der trotz des Wunsches nach Individualismus parallel die weltweit gleiche Form des Hipsters hervorbringt. Und das hält auch wieder zusammen.

Paul Davis, Modedesigner

Mode ist Leben

Ich würde es anders formulieren: Unser Stil definiert die Welt um uns herum. Unser Stil ist das, woran wir glauben. Es sind unsere Werte und unsere Prinzipien. Es ist ein Aussage sowohl für unsere Individualität als auch für unseren Zugehörigkeit. Gerade haben es uns die Ereignisse in Paris wieder vor Augen geführt: schon die Freude an einem Essen auf einer Restaurant-Terrasse ist etwas, was wir nicht als selbstverständlich voraussetzen sollten. Wir müssen unseren Lebensstil leben, ihn verkörpern, damit wir ihn bewahren können. Als Modedesigner gibt es für mich kein stärkeres Statement als die Art und Weise, wie wir uns kleiden. In meiner Arbeit geht es darum, es Menschen zu ermöglichen, ihren eigenen Stil über ihre Kleidung auszudrücken und so um uns herum eine dynamischere (oder pulsierende) und vielfältigere Welt zu kreieren. Von den abgeschiedenen Stämmen des Amazonas bis zu den Inuit in der Arktis – überall gehört das Bedürfnis, sich mit etwas zu schmücken, zu unserer menschlichen Erfahrungswelt. Es ist etwas, ohne dass wir nicht leben können, es ist ein Teil unseres Wesens. Es existierte nicht eine einzige Zivilisation, die ein ambivalentes Verhältnis zu Kleidung hatte, weil für uns Stil und die Dinge, an die wir glauben, das gleiche bedeuten. Eine Abschottung ist nicht möglich. Unser Stil durchdringt alle Aspekte unserer physischen Welt und Mode ist seine ultimative Ausdrucksform.

Jonas Burgert, Künstler

Form folgt Inhalt

In der bildenden Kunst sind im besten Fall Stil und Inhalt nicht voneinander zu trennen. Stil ohne Inhalt kann Mode sein oder auch Dekoration, beide haben ihre Berechtigung. Für die Kunst wäre diese Loslösung jedoch negativ besetzt. Wenn Stil als Sprachklang zu verstehen ist, so muss dieser den Inhalt als Empfindung in ein formales Gebilde transformieren. Gelingt dies, kann Zeitlosigkeit entstehen. Wenn man jedoch versucht, den Weg abzukürzen, nur die Form zu wählen, die Stilelemente, dann funktioniert es nicht mehr in einem künstlerischen Sinne. Stellen wir uns etwa vor, heute nutzt jemand einfach nur die Formensprache von Gauguin, dann fehlt der Kampf um die Inhalte, es fehlt das Authentische. Ein Künstler muss privat, ehrlich und echt sein. Gleichzeitig gilt es, einen Spagat zu schaffen: Jeder ist eine eigene Persönlichkeit und damit kann auch jeder seinen eigenen Stil schaffen, aber nicht jeder ist in der Lage, andere Menschen abzuholen. Bleibt der Künstler zu privat, ist er in seinen Empfindungen für andere nicht nachvollziehbar. Eine Brücke kann über das Symbolische gebaut werden. Wir merken uns Empfindungen und können diese beim Ansehen einer symbolischen Darstellung wieder hervorrufen. Unsere Sehnsüchte nach einer inhaltlichen Verknüpfung werden bedient. Kunst versucht, Denken zu empfinden, autark und radikal. Der Stil des Malers ist dabei das Orchester der Pinsel und Farben. Kunst ohne Stil gibt es nicht.

Sabine Pech, Leserin

Cool in Berlin

Es ist ein fauler, herbstlicher Samstag. Um die Mittagszeit beschließen wir, auf dem Markt am Boxhagener Platz schnell ein paar Einkäufe zu machen. Vorher noch duschen, stylen oder vielleicht Haare waschen? Mein Freund könnte sich eigentlich noch rasieren. Nein, dafür bleibt keine Zeit. Schließlich wollen wir die Marktleute nicht beim Abbauen antreffen. Macht auch nichts, denn wir ziehen unsere dicken Parkas über den Schlunz-Look und setzen Wollmützen auf. Nach dem Einkaufen kehren wir noch in unser portugiesisches Lieblingscafé ein und fläzen uns zum Teetrinken auf eines der gemütlichen Sofas. Ich schaue über meine Zeitung hinweg zum Eingang und sehe eine Crew von Fotografen und Lichtassistenten hereinkommen. Prompt werde ich angesprochen, ob sie uns nicht für die „Elle Italy“ fotografieren dürften. Sie machen gerade ein Special: „Cool in Berlin.“

Matthias Buschmann, Leser

Viele Facetten

Stil heißt für mich: Meine Leidenschaften, Stimmungen, Gelüste und Neugierde auszuleben, wo und wie lange ich will. Meine Energie mit vielen interessanten Menschen zu teilen und weiterzugeben. Leichtigkeit und Spaß jeden Tag zu genießen. So oft ich kann etwas Neues auszuprobieren. Meinen Hedonismus immer wieder versuchen zu zügeln. Meinen Klamottengeschmack zu erweitern und immer wieder Akzente zu definieren. Mich selbst an meinem Humor zu erfreuen. Meine Motivation, andere Menschen glücklich zu machen und ihren Ehrgeiz zu wecken. Mir durch meinen Spaß an Konsum und Verschwendung nicht meine Sorglosigkeit nehmen zu lassen. Jeden Morgen mit einem Lachen aufzuwachen.

Michael Gläser, Leser

Der Bart im Wandel der Zeiten

Stil kann mehreres bedeuten: mein Aussehen, mein Verhalten, meine Art zu schreiben und vielleicht noch anderes. Nehmen wir mal mein Aussehen, wenn ich meine Wohnung verlasse oder zu Hause Gäste habe. Im Laufe meines Lebens hat es sich natürlich geändert. Je älter ich wurde, desto bewusster habe ich auf mein Aussehen geachtet. Das heißt aber nicht, dass ich mich immer raffinierter gestylt habe. In den 1960er-Jahren fühlte ich mich mit den Anhängern der Studentenrevolte verbunden und ließ mir einen Bart wachsen. Meinem Vater gefiel das überhaupt nicht, also musste der Bart wieder runter. Erst als ich dann mein erstes Geld verdiente und von ihm unabhängig war, ließ ich ihn wieder wachsen. Zuerst war es ein mittellanger Vollbart. Für kurze Zeit habe ich die Backen frei rasiert, es dann aber wieder wachsen lassen. Dahinter stand auch eine gewisse Bequemlichkeit, die mich vom täglichen Rasieren befreite. Dagegen stand allerdings die Pflicht, den Bart sauber zu halten. In den 1980er-Jahren – ich lebte damals in Frankreich – sah ich einen französischen Minister mit einem sehr kurz gehaltenen Vollbart, höchstens zehn Millimeter. Er sah damit verdammt gut aus. Das war für mich der Anlass, mir einen elektrischen Bartschneider zu kaufen und meinen Bart einmal wöchentlich auf ebendiese Länge zu stutzen – bis heute. Erst wenige Jahre später kam die Mode des Drei-Tage-Barts auf, die ich jedoch nicht kopieren wollte.

Franziska Knuppe, Model

Stil ist immer in

Stil ist Aussehen, der Habitus, die Art zu reden oder wie man sich bewegt, und am Ende ist es die gesamte Person. Stil ist nicht abhängig davon, ob man jedem Modetrend hinterherläuft, sondern davon, ob man erkannt hat, wer man wirklich ist. Zwischen Mode und Stil gibt es einen großen Unterschied. Coco Chanel sagte einmal: „Mode ist vergänglich, Stil bleibt.“ Mit unserem Äußeren stellen wir dar, wer wir sind. Zum Beispiel können sich ältere Mitmenschen schrill und bunt anziehen, während eine Mitzwanzigerin vielleicht nur schwarze Etuikleider trägt. Stil haben Menschen, die sich nicht in Schubladen stecken lassen. So lange es ihr Inneres widerspiegelt und sie sich nicht für andere verkleiden, dann definiert das Stil. Und wer Stil hat, macht immer eine gute Figur – ganz egal, welche Modetrends gerade angesagt sind.

Stephan Averdung, Leser

Der Genuss bleibt da, wo ich genieße, mit der Familie Ruhe und Zeit zu haben.

Lena Dietz, Leserin

Erkenne dich selbst

Ich versuche nicht jeder neuen Mode hinterherzurennen, sondern das zu finden, was meiner Persönlichkeit entspricht und sie positiv unterstreicht. Mode soll zu mir passen und mich schöner machen. Den eigenen Stil zu finden, ist nicht einfach. Was hab ich als junges Mädchen alles ausprobiert auf der Suche nach meinem Stil – ganz furchtbare Dinge wie schulterfreie Kleidchen mit Stöckelschuhen oder einen Stilmix aus Doc Martins und Minirock. Das optimale Ergebnis – also der Stil, der zu einem passt und einen glücklich macht – ist oft jahrelanges mühseliges Ausprobieren. Erkennen, was zu einem passt und was nicht, ohne sich verstellen zu müssen: Das macht einen guten Stil aus.

Peter Zec, Kommunikations- und Designberater

Ein Stuhl für die Ewigkeit

Unser Verständnis von Stil ist ebenso vielschichtig wie die Faktoren, die ihn prägen. Er äußert sich in Mode, in Sprache, im Verhalten und weiteren Lebensbereichen. Dabei zeichnet sich guter Stil stets durch Ausgewogenheit aus – durch das Mittel zwischen den Extremen. Davon zeugen etwa wiederkehrende Muster und Formen, welche abseits vom jeweiligen Zeitgeist echte „Dauerbrenner“ sind. Im kollektiven Gedächtnis verankert sind sie den Menschen vertraut und schlicht zeitlos. Auch im Design zeigt sich dies: in Produkten, die uns im Alltag umgeben. Sie überzeugen uns nur dann dauerhaft, wenn die Gestaltung die primäre Qualität der Funktion mit denen der Verführung, des Gebrauchs und der Verantwortung zu einem harmonischen Gesamtentwurf verbindet. Zahlreiche Klassiker verdeutlichen, dass gutes Design nicht nur aktuelle Trends und Tendenzen abbildet, sondern über Jahrzehnte erfolgreich sein kann. Gerade dann, wenn es sich durch eine schlichte Formensprache auszeichnet und in jede Umgebung einfügt. Gelingt dies, kann ein Produkt stilprägend werden und zum Klassiker avancieren. So wie der Eames Plastic Chair, der mit seiner charakteristischen Erscheinung bereits seit 1950 erhältlich und heute noch immer modern ist, oder das I-Phone, das unsere Objektbeziehung zu Mobiltelefonen völlig neu prägte. Produkte wie diese verfügen über außergewöhnlich gutes Design, haben Stil und definieren letztlich den der Menschen, die sie nutzen.

Wolfgang Unglaub, Leser

Menschlicher Darstellungsdrang

Unsere Außendarstellung reflektiert unsere Innenwelt. Das nennen wir Stil. Sind wir uns unserer Innenwelt nicht bewusst, so müssen wir unsere Außendarstellung inszenieren. Was manche dann für Stil halten, ist lediglich schlichte Inszenierung.

Ralf Nöcker, Geschäftsführer Gesamtverband Kommunikationsagenturen GWA e.V.

Die Werbung macht's

Die Antwort ist einfach: Natürlich definiert Werbung unseren Stil, sogar in erheblichem Maße. Denn wie soll ich wissen, was mein Stil sein könnte, wenn nicht durch Werbung oder durch werbefinanzierte Medien? Natürlich gäbe es auch andere Wege, den eigenen Stil zu finden, etwa das Flanieren durch Stil-Hauptstädte, aber das wäre viel aufwändiger. Werbung senkt also – direkt oder indirekt, indem sie Medien finanziert – die Stil-Suchkosten. Das Ganze hat auch eine inhaltliche Dimension. Werbung und beworbene Produkte kann man als Komplementärgüter verstehen. Wer Produkte kauft, kauft die Werbung mit. Wer Nespresso trinkt, fühlt sich ein bisschen wie George Clooney – sonst könnte derjenige auch No-Name-Kapseln zu weniger als der Hälfte des Preises kaufen. Wer ein Auto der Oberklasse fährt, zieht seinen Nutzen auch aus der Werbung, die das Fahrzeug all jenen präsentiert, die sich ein solches Automobil niemals leisten können. Ein Luxusgut, von dem niemand weiß, dass es ein Luxusgut ist, ist kein Luxusgut. Einen Stil, von dem niemand weiß, dass es ein Stil ist, kann man sich in diesem Sinne sparen. Den eigenen Stil kann man übrigens auch definieren, indem man dem in der Werbung und werbefinanzierten Medien präsentierten einen bewussten Negativ-Entwurf entgegenstellt – siehe „Punk“. Aber auch für die bewusste Abgrenzung vom Mainstream muss man diesen kennen. Und das geht am effektivsten und effizientesten über Werbung und Medien.

Claudia Caspers, Graphologin

Wie ein offenes Buch

Jede körperliche Bewegung ist, außer durch ihren eigentlichen Zweck, in einer ganz bestimmten Weise individuell determiniert. Jedes Individuum führt sie auf irgendeine Weise anders aus. Die unverkennbare Eigenart aller Bewegungen eines jeden Menschen ist durch seine geistige und seelische Individualität bedingt. Diese Bewegungen, und somit auch die Schreibbewegung, sind deshalb je nach Mensch, auch bei eineiigen Zwillingen, verschieden. Auf diesen mess- und schätzbaren Beobachtungen macht die Schriftpsychologie als psychodiagnostische Methode folgende sachlich begründete Annahme: Jede handschriftliche Bewegung drückt parallel zu ihrer Funktion als Kommunikationsmittel und Anzeiger für nichtseelische Tatbestände, zum Beispiel für Krankheiten, stets auch die jeweilige Persönlichkeitsstruktur aus. So sind durch die Handschriftanalyse unter anderem Erkenntnisse über die individuelle Weise des Selbsterlebens, der psychischen, kognitiven und emotionalen Anlagen, der Willenseigenschaften und Umweltbeziehungen, der Leistungsfähigkeit und des Arbeitsverhaltens möglich. Auch wenn das Urphänomen der leib-seelischen Ganzheit eines Menschen im letzten nie vollständig beschreib-, mess- und erlebbar ist, so kann die Analyse von Schriftzügen jedoch einen Teil jener menschlichen Komplexität widerspiegeln und so einen Beitrag zur Selbst- und Fremderkenntnis leisten.

Anton Günther Krabbenhöft, Dandy

Realness geht immer

Stil ist eine Haltung, Stil entwickelt sich, Stil ist Kreativität! Mein eigener Stil ist das Ergebnis einer Suche, meine Persönlichkeit nach außen zu transportieren. Heute ist es vor allem die klassische Herrenmode, die mich inspiriert, sie ist zeitlos schön. Im Laufe meines Lebens habe ich aber viel ausprobiert, manches Mal danebengelegen, aber mich immer getraut, einen eigenen Stil zu finden. Mit meiner Mode will ich nicht in der Masse untergehen, so wie ich auch nicht beim Tanzen in der Masse verschwinden will. Wenn ich gemerkt habe, ein Stil wird zu einer Einheitskleidung, habe ich gleich aufgehört, mich entsprechend zu kleiden. So gibt es auch umgekehrt Kleidungsstile, die bei den meisten nicht funktionieren und dann sieht man plötzlich einen Mann in kurzen Hosen, der die entsprechende Körperhaltung dazu hat und sich passend bewegt und es ist stimmig. Er war einfach authentisch. Ein Stil muss auch nicht durchgängig sein, edle Schuhe zu einem lässigen T-Shirt kann auch eine Persönlichkeit ausdrücken. Ich beobachte, dass die Sehgewohnheiten der jungen Leute oft festgefahren sind, tragen sie einmal einen Anzug, nehmen sie gleich eine Körperhaltung ein, die aussagt, ein Anzug geht nicht mit mir, dabei ist ein Anzug auch nur eine Art unter vielen, sich im Laufe des Tages oder der Woche zu kleiden. Warum nicht mehr Vielfalt? Mein Aufruf an die Jugend: Traut euch, experimentiert, seid einzigartig und zeigt es!

Beate Martin, Leserin

Vertraue dir selbst

Mein Stil ist geprägt durch Form, Farbe, Funktion und davon, ob mich etwas ästhetisch anspricht. Bei Mode zählt für mich auch die Qualität des Materials und seine Verarbeitung. Manchmal ist es aber auch ein Bauchgefühl, das nicht so einfach zu erklären ist, etwa bei der Betrachtung von Kunst. Da folge ich nicht der Maxime „Kunst kommt von Können“.

Kim Lützer, Leserin

Von Stil und Geld

Mein Geldbeutel. Stilsicher greife ich im Regal zu einem Paar Stiefeln. Preis: 420 Euro – ach, die von letztem Jahr tun es auch noch. Der elegante Sekretär aus Teakholz würde sich herrlich in meiner Wohnung machen, wenn das Preisschild nur eine Null hinten weniger hätte. So bleibt das Erbstück meines Vaters stattdessen weiter in meiner Wohnung stehen. Dieses bietet dann ein ungewöhnliches Zusammenspiel sowohl mit den Regalen, die ich mir nicht vom Schreiner nach Maß anfertigen lassen konnte, wie auch mit dem Sessel, bei dem ich mich immer noch nicht zwischen neuem Bezug und Sperrmüll entscheiden mag. Immerhin, ein wenig Kunst gibt es bei mir zu sehen – Drucke und Papierarbeiten. Dabei hätte ich auch nichts gegen Leinwände und Skulpturen einzuwenden. Geeignet wäre auch ein Kunstdepot, aus dem ich mich je nach Lust und Laune bedienen könnte. Und wenn auch dieser Platz nicht reichen sollte, hätte ich auch schon Ideen für mein eigenes Kunstmuseum, geplant vom Stararchitekten mit klaren Formen, nichts Verspieltes. Am besten bei St. Moritz, damit ich meine Anwesenheit dort direkt mit einem stilvollen Skiurlaub verbinden könnte, Helicopter-Skiing könnte mir gefallen. Der Schweizer Ort wäre ja auch gut erreichbar mit einem Privatjet. Wenn nur dieser kleine Haken mit der Finanzierung nicht wäre. Irgendwas läuft hier ganz schief mit meinem Lebensstil!

Anonym, Leser*in

Understatement

Elegant und schlicht, reduziert. Nicht grell, sondern stimulierend und harmonisch, mit einem kleinen Widerspruch.

Mert Dürümoglu, Werbefotograf

Speziell ist Trumpf

In unserer heutigen Zeit umgeben uns viele Einflüsse aus Kunst, Mode, Fotografie und Design. Aus dieser Masse muss man filtern. Es sind die wenigen Dinge, die einen berühren, die in den Stil einfließen. Um als Werbefotograf mit eigenem Stil wahrgenommen zu werden, ist es sinnvoll, sich auf bestimmte Bereiche zu spezialisieren, wodurch man greifbarer für Agenturen wird. Meine Schwerpunkte sind People- und Transportation-Fotografie, wobei Autofotografie mich aus einem besonderen Grund noch mehr fasziniert: Ich bin ein sehr nerdiger Typ. Dadurch, dass man viele Layer produziert, hat man im Nachhinein unendliche Möglichkeiten, das Bild in der Postproduktion zu gestalten. Aber auch meine Assistenzzeit bei mehreren Fotografen hat meinen Stil geprägt. Während dieser Zeit habe ich über Produktion und Fotografieren eine Menge Leute kennengelernt, war ständig auf Achse und hatte eine sehr intensive Zeit. Generell würde ich behaupten, dass man in seine Passion eine Menge Arbeit stecken muss. Die Zusammenarbeit mit Kollegen beeinflusst den Stil, wer macht das Make-up, wer die Haare, wer die Produktion? Bei jungen Fotografen kann ein Stil dadurch sichtbar werden, dass beispielsweise ein neuer technischer Ansatz entwickelt oder eine neue Bildwelt geschaffen wird. Aber mein Stil entwickelt sich auch weiter, jedes Bild beinhaltet die Erfahrungen aus den vorangegangenen und so wird das neueste Projekt auch immer das Beste sein.

Eva Lücke, Leserin

Zeitlose Eleganz

Ich denke, unser Stil wird, ob nun mit oder ohne Absicht, von der jeweiligen Moderichtung beeinflusst. Schließlich kleidet sich ja niemand mehr so, wie in den goldenen Zwanzigerjahren. - Ich bin in einer Kleinstadt aufgewachsen und fast solange, wie ich zur Schule ging, hat meine Mutter, die Schneidermeisterin war, für mich genäht. Ich hatte mich also daran gewöhnt, „Einzelstücke“ zu tragen. Darauf habe ich auch später Wert gelegt, soweit es mein Konto zuließ. Natürlich ziehe ich auch heute als Rentnerin noch Jeans und T-Shirts an, aber wenn ich eingeladen bin oder ausgehe, achte ich immer darauf, dass ich meinen bevorzugten Stil schlichter Eleganz einhalte, auf jeden Fall meinem Alter entsprechend gekleidet bin, nicht unmodisch oder farblos, jedoch nicht etwa mit Super-Minirock oder hauteng oder durchsichtig. Das war auch früher nicht so meine Richtung. Gern habe ich aber jede Mode mitgemacht, sofern sie mir gefallen hat.

Hans-Ulrich Magendorf, Leser

Was uns wichtig ist

Der Friseur eines Freundes sagte einmal: „Die Frisur des Mannes macht achtzig Prozent seiner Gesamterscheinung aus.“ Eine Bekannte behauptet, sie achte bei Männern immer zuerst auf die Schuhe. Von einer anderen weiß ich, dass sie sowohl bei sich selbst wie auch bei allen Menschen um sie herum hauptsächlich auf ihre Zähne guckt und sich so manches Mal denkt, bei denen wäre Bleaching wieder einmal angesagt. Andere versuchen es zwar zu vertuschen, wollen sich bei ihrem Kleidungsstil aber immer dadurch absichern, dass es sich um Markenklamotten handelt. Eine andere steht ganz offen dazu, dass sie unbedingt die Handtasche eines französischen Luxusunternehmens benötigt, um glücklich zu werden. Dann gibt es noch die Botox-Fraktion, die im Gegenzug dafür bereit ist, an anderer Stelle zu sparen. Auch die Entscheidung, den Körper nicht nur durch Muskeltraining und Ernährung zu formen, sondern gleich durch operative Eingriffe, gehört zum Stil. Schmuck verändert ebenso den Typus, bei Männern wie bei Frauen. Wenn man sich nun entscheiden muss, schenkt man seiner Frau also den Brillantring zu Weihnachten oder die Schuhe? Worauf legt das Gegenüber Wert? Es ist doch eigentlich ganz beruhigend, dass für uns einzelne Stilaspekte eine ganz andere Gewichtung haben. Und dann verlieben wir uns plötzlich in eine Person, die allem widerspricht, was an Äußerlichkeiten zuvor für uns eine Rolle gespielt hat und bewerten Stilfragen ganz neu.

Tilo Schauller, Leser

Wenn Stil, dann konsequent

Rock ’n’ Roll. Das ist kein Musikstil, das ist eine Lebenseinstellung.

Merel Biebel, Leser_In

Stil hat vor allem etwas mit der eigenen inneren Haltung zu einem selbst zu tun. Stil zu haben bedeutet sich selbst zu kennen und erfordert persönliche Reife, dann überträgt sich diese Haltung auch nach außen. Guter Stil drückt aus, wie man sich selbst nach außen hin präsentiert, auch wie man sich zu artikulieren vermag, aber ebenso welche Entscheidungen man sich traut zu treffen und wie bewusst man sich zu eben diesen bekennt. Sich zu zutrauen individuell und eigen zu sein, selbstbestimmt und präsent zu sein. Stilvolle Menschen, die mich vor allem im Heranwachsen beeindruckten, waren durch ihre Ausstrahlung und ihr Verhalten oftmals anders als die Masse und in ihrem \"in-sich-ruhen\" auf eine unbeängstigende Art überlegen, da es ihnen unwichtig erschien, wie andere urteilen. Ein schöner Ausdruck von Stil ist Mode, Design, Kunst, Musik, Essen und Sprache und die Neugierde diese immer wieder und in verschiedenen Kulturkreisen neu für sich zu entdecken und zu interpretieren. Mode, eine für mich wichtige Ausdrucksform ist wie Musik, nicht jedes Stück passt zu jeder Stimmung und zu jedem Anlass. Stil erfordert die Wahl und eben auch das Selbstbewusstsein sich mit der nicht optimalen Wahl im Einklang zu befinden und sich offensichtlich damit gut zu fühlen.

Peter Burgard, Leser_In

Dass wir ihn verloren, den Verlust noch nicht bemerkt haben, folglich auch noch nicht auf dem Fundbüro waren.

Brigitte Bonifer, Leser_In

Unser Stil? Meinen Stil definiere ich selbst und weiß, denke ich, inzwischen recht gut, was ich will und was zu mir passt. Anders fühle ich mich nicht wohl und das wäre schlecht!

Beate Martin, Leser_In

Mein Stil ist geprägt durch Form, Farbe, Funktion und ob mich etwas ästhetisch anspricht. Mein modischer Stil ist auch geprägt durch die Qualität des Materials und der Verarbeitung. Manchmal ist es aber auch ein Bauchgefühl, das nicht so einfach zu erklären ist, z.B. in der Kunstbetrachtung. Da folge ich nicht der Maxime \"Kunst kommt von Können\".

Lena Dietz, Leser_In

Ich versuche nicht jeder neuen Mode hinterher zu rennen, sondern das zu finden, was meiner Persönlichkeit entspricht und sie positiv unterstreicht. Mode soll zu mir passen und mich schöner machen. Den eigenen Stil zu finden, ist nicht einfach. Was hab ich nur als junges Mädchen alles ausprobiert auf der Suche nach meinem Stil – ganz furchtbare Dinge, z.B. schulterfreies Kleidchen mit Stöckelschuhen, Stilmix mit DocMartins und Minirock, etc… Das optimale Ergebnis – also der Stil, der zu einem passt und uns glücklich macht – ist oft jahrelanges mühseliges Ausprobieren. Erkennen, was zu einem passt und was nicht, ohne sich verstellen zu müssen – das ist es, was einen guten Stil ausmacht.

anonym, Leser_In

Stil bedeutet, sich frei zu machen von externen Zwängen und schöne bzw. praktische Dinge ungezwungen und modisch zu kombinieren.

Nessa Altura, Leser_In

Was definiert unseren Stil? Der erste und der letzte Eindruck seien entscheidend, heißt es. Der erste ist wahrscheinlich optisch - da zähle ich auf den kleinen, feinen Stilbruch in der Gesamterscheinung. Und der letzte? Zum Stil gehören auch Manieren, Takt und Ton. Die nehmen Bezug auf das Gegenüber.

Anonym, Leser_In

Elegant und schlicht, reduziert. Nicht grell sondern stimulierend und harmonisch mit einem kleinen Widerspruch.

Eva Lücke, Leser_In

Ich denke, unser Stil wird, ob nun mit oder ohne Absicht von der jeweiligen Moderichtung beeinflußt. Schließlich kleidet sich ja niemand mehr so, wie in den goldenen 20er Jahren. - Ich bin in einer Kleinstadt aufgewachsen und fast solange, wie ich zur Schule ging (bis 16/17 Jahre) hat meine Mutter, die Schneidermeisterin war, für mich genäht. Ich hatte mich also daran gewöhnt, \'Einzelstücke\' zu tragen. Darauf habe ich auch später Wert gelegt, soweit es mein Konto zuließ. Natürlich ziehe ich auch heute als Rentnerin noch Jeans und T-Shirts an, aber wenn ich eingeladen bin oder ausgehe, achte ich immer darauf, dass ich meinen bevorzugten Stil \'schlichter Eleganz\' einhalte, auf jeden Fall meinem Alter entsprechend gekleidet bin, nicht unmodisch oder farblos, jedoch nicht etwa mit Super-Minirock oder hauteng oder durchsichtig. Das war auch früher nicht so meine Richtung. Gern habe ich aber jede Mode mitgemacht, sofern sie mir gefallen hat.

Klaus Katzenberger, Leser_In

Bitte keine Schubladen mehr wie in Ihrer Frage. Stil ist individuell, ja auch 60 jährige hören R and B die Musik der eigenen Kinder. Warum nicht? Schließlich haben die Kinder ja auch mit der Musik der Eltern zu hören begonnen. Auch Rentner tragen Farben, nur gut dass die grau, beigen Damen und Herren immer weniger werden. Also bei Stil Mut zum eigenen Geschmack ein ganzes Leben lang. Damit ist sicher auch Wolfgang J. einverstanden.

Markus Klemenz, Leser_In

Stil ist bewusst kleiden, lesen und politisch bilden, mit Freunden Politik diskutieren, Musik hören und tolerieren, tolerante Ideale bilden und vorleben, kritik äussern und vertreten.

Erika Altmann, Leser_In

Mein eigener Stil wird durch innere Haltung geprägt. Da ist kein Platz für Klischees.

Heiner Kausch, Leser_In

Das frag ic h mich selber des öfteren, was denn mein Stil ist.. Eine Stilikone bin ich ganz sicher nicht, zumindest wüsste ich nicht, für was bzw. wen. Allenfalls für Gleichaltrige um die 70 Jahre, die es ebenfalls als etwas daneben erachten, sich als \"Berufsjugendliche\" zu gebärden. Nein, aber sicher keine Ikone! Das bedeutet für mich andrereseits nicht, dass ich mein Alter überbetone. Also: Ich lege Wert auf gepflegtes Aussehen, eher zeitlose, klassische Kleidung. In Gesprächen etwas \"weise\" wirken (Lebenserfahrung!) und ruhig mich zu beteiligen. Sicher understatement, was meine materiellen Attribute ( z.B. Auto, Wohnsituation und Einrichtung ) betrifft. Meine narzistischen Stilmerkmale, die ich gerne bei Gelegenheit \"anbringe\", beziehen sich auf Gebiete wie Internationalität ( relativ viel Übersee-Erfahrung), Literaturkenntnisse, zumindest Basisfakten bürgerlicher und politischer Bildung. Damit will ich punkten. Ob es mir gelingt, nicht angeberisch zu wirken? Darauf achte ich zumindest und hoffe auf Selbstkontrolle. Zusammengefasst: Stil äußerlich eher unauffällig, also kein besonderer. Im Auftreten Versuch weltmännisch - gebildet - vielseitig interessiert zu wirken. Und (noch) nicht zum Alten Eisen zu gehören, auch körperlich entsprechend noch konfiguriert. Halt ein typischer neuer 70er, der wie ein früherer 50er wirken möchte. Kann man das als Stil bezeichnen?

Dr. Michael Gläser, Leser_In

„Stil“ kann mehreres bedeuten: mein Aussehen, mein Verhalten, meine Art zu schreiben und vielleicht noch anderes. Nehmen wir mal mein Aussehen, wenn ich meine Wohnung verlasse oder zu Hause Gäste habe. Im Laufe meines Lebens hat es sich natürlich geändert. Je älter ich wurde, desto bewusster habe ich auf mein Aussehen geachtet. Das heißt aber nicht, dass ich mich immer raffinierter gestylt habe. Ich fange mal mit dem rein Körperlichen an. In den sechziger Jahren fühlte ich mich mit den Anhängern der Studentenrevolte verbunden und ließ mir einen Bart wachsen. Meinem Vater gefiel das überhaupt nicht, also musste der Bart wieder runter. Erst als ich dann mein erstes Geld verdiente und von ihm unabhängig war, ließ ich ihn wieder wachsen. Zuerst war es ein mittellanger Vollbart. Für kurze Zeit habe ich die Backen frei rasiert, es dann aber wieder wachsen lassen. Dahinter stand auch eine gewisse Bequemlichkeit, die mich vom täglichen Rasieren befreite. Dagegen stand allerdings die Pflicht, den Bart sauber zu halten. In den 80er Jahren – ich lebte damals in Frankreich – sah ich einen französischen Minister mit einem sehr kurz gehaltenen Vollbart, vielleicht 5, höchstens 10 Millimeter. Er sah damit verdammt gut aus. Das war für mich der Anlass, mir einen elektrischen Bartschneider zu kaufen und meinen Bart einmal wöchentlich auf ebendiese Länge zu stutzen – bis heute. Erst wenige Jahre später kam die Mode des Drei-Tage-Barts auf, die ich jedoch nicht kopieren wollte. Einen Modestil zu kopieren hasse ich eigentlich. Nun die Haare: In meiner Studentenzeit (60er Jahre) ließ ich mir die Haare lang wachsen, zunächst noch mit Scheitel. Als sich mein oberes Haar beträchtlich lichtete, entschloss ich mich für den Mittelscheitel. Die Art mancher Zeitgenossen, sich die Haare von dem immer weiter zur Seite rutschenden Scheitel über die Glatze zu kämmen, fand ich aberwitzig und abgrundhässlich. Als ich dann den Bart auf 5 bis 10 mm stutzte, habe ich mit dem Bartschneider auch gleich die verbleibenden Kopfhaare auf dieselbe Länge gekürzt – bis vor kurzem. Seit einem Monat lass ich die Haare wieder wachsen und warte ab, wie das vielleicht in ½ oder einem Jahr aussehen wird. Harald Schmid hat das ja auch mal gemacht. Falls es bei mir wie bei Guildo Horn aussehen wird, könnte es vielleicht so bleiben. Auf meiner letzten Pauschalreise (Rom) war eine Frau mit Haaren, die bis zu ihrem Gesäß reichten. Ich fragte sie, wie lange sie darauf warten musste, weil ich das auch vorhabe. Sie wusste es nicht, meinte aber, nach 10 Jahren könnte ich ja mal nachmessen. Der Rest des Körperlichen wären die Fingernägel. Seit ich ein Haus mit Garten besitze bzw. bearbeite, schneide ich sie immer sehr kurz und kontrolliere sie täglich auf ihre Sauberkeit. Das ist nun wohl schon viel zu lang für das +3 Magazin. Aber die Kleidung muss auch her. Auch mein Stil, mich zu kleiden, hat sich im Laufe meines Lebens gewandelt. Ich war natürlich immer auf die im Handel verfügbaren Waren angewiesen wie zum Beispiel die albernen Schlaghosen in den 70ern. Aber ein wenig Spielraum verblieb mir dennoch. Schon in jungen Jahren hatte mich ein Freund darauf aufmerksam gemacht, dass ein Hemd immer sehr gut aussieht, auch in der Freizeit. Eine Kravatte habe ich im Berufsleben nur dann getragen, wenn es nicht zu vermeiden war. Erst jetzt, im Ruhestand, trage ich auch öfter mal ein schwarzes Polohemd oder auch ein schwarzes Hemd. Aber letzteres kommt mir manchmal vor, wie eine Stilkopie von Architekten oder anderen Künstlern. Blue-Jeans trage ich schon lange nicht mehr, sondern nur noch schwarze Jeans, mit Vorliebe die ganz schmalen und elastischen. Das hat auch praktische Gründe, denn ich fahre oft und gerne Fahrrad. Als sich meine Haare lichteten, brauchte ich in der kalten Jahreszeit eine Kopfbedeckung. In den 70er Jahren war es eine Schiebermütze, über die sich damals manche lustig gemacht hatten. Sie war für mich auch ein Zeichen meiner politischen Einstellung. Bei einigen Kollegen nannte man mich deshalb Thälmann. Irgendwann war diese Zeit vorüber und ich trage seit Mitte der 80er Jahre einen richtigen, meist schwarzen Hut. Anfangs wollte man mich mit Udo Lindenberg vergleichen, der aber nicht gerade zu meinen Favoriten gehört. Nach der Wende im Osten, wollte mir einer meinen Hut abkaufen. Seit kurzem habe ich mich entschlossen – wieder aus praktischen Gründen – öfter auch eine Schirmkappe zu tragen. Sie schützt die Glatze vor Kälte und vor allem die Augen vor der Sonne. Inzwischen besitze ich rund 10 Stück in Schwarz, Grau und Rot, drei sogar mit Ohrenklappen für den Winter. Meine Hutsammlung umfasst übrigens ca. 50 Stück, von schwarz über braun, grün, rot, beige und weiß. Nun die Schuhe. Mit Schuhen habe ich das Problem, dass es von 33 Sorten mal eine gibt, die an meine Füße passen. So ist die stilistische Auswahl sehr eingeschränkt. Seit etwa 2 ½ Jahren trage ich ein preiswertes Modell, das das bequemste meines Lebens ist. Ich jogge damit und trage sie auch sonst fast täglich. Auf meinen letzten Reisen, bei denen ich oft den ganzen Tag herumgelaufen bin, trugen sie sich, ohne meine Füße auch nur im Geringsten zu drücken, einzuengen oder ihre natürliche Funktion irgendwie zu behindern. Nur bei Regen trage ich andere, da sie nicht wasserfest sind. Der Sohle habe ich bereits das Profil abgelaufen und Steine haben Löcher eingegraben. Je länger ich sie trage, umso bequemer werden sie. Wie sie aussehen? Gelbe, an den Seiten hochgezogene Sohle, oben dunkelgraues Kunstgewebe, schwarze Schnürsenkel. Zum Glück hatte ich damals ein zweites Paar gekauft für den Fall, dass das erste irgendwann auseinanderfällt. Für besondere Anlässe habe ich noch ein schwarzes, aber auch bequemes Paar aus Elchleder, mein teuerstes Stück. Diese Marke soll auch Altbundeskanzler Kohl getragen haben, aber das erfuhr ich erst später.

Herbert, Leser_In

Meine Person definiert meinen Stil. Es ist das Resultat der Umwelteinflüsse auf mich und meine eigenwillige Eigenart.

Wolfgang Unglaub, Leser_In

Unsere Aussendarstellung reflektiert unsere Innenwelt. Das nennen wir \'Stil\'. Sind wir uns unserer Innenwelt nicht bewusst, so müssen wir unsere Aussendarstellung inszenieren. Was manche dann für \'Stil\' halten, ist schlicht lediglich Inszenierung...

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Wie egal ist uns der Klimawandel?

„Hast du schon gehört, die Welt geht vielleicht unter?“ – „Ja, hab ich. Wollen wir heute essen bestellen? Ich hab keine Lust zu kochen.“ Stößt die drohende Klimakatastrophe auf taube Ohren?

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Miguel Arias Cañete, EU-Kommissar für Klimapolitik und Energie

Die Wende ist Chefsache

Für die EU kann ich sagen: Wir stehen dem Klimawandel absolut nicht gleichgültig gegenüber. Ganz im Gegenteil: Ihn zu bekämpfen, ist eine unserer wichtigsten politischen Aufgaben und eine der strategischen Prioritäten der neuen EU-Kommission unter Präsident Jean-Claude Juncker. Auch die europäische Bevölkerung ist sich der negativen Effekte der Erderwärmung sehr bewusst – nicht zuletzt, weil wir alle die Auswirkungen des Klimawandels in den immer häufigeren Dürren, Überschwemmungen, Lauffeuern und extremen Wetterphänomenen spüren. Um den Klimawandel zu verhindern, brauchen wir: die gründliche Dekarbonisierung der europäischen Wirtschaft und die vollständige Transition zu einem nachhaltigen und klimafreundlichen Energiemodell. Das ist kein Hindernis für wirtschaftliches Wachstum: Seit 1990 haben wir Europäer unsere Emissionen um 23 Prozent gesenkt, und unser Bruttoinlandsprodukt ist um 46 Prozent gestiegen. Wir haben bereits eine ambitionierte „europäische Energiewende“ begonnen. Bis 2030 wollen wir unsere Treibhausgasemissionen um mindestens 40 Prozent im Vergleich zu 1990 reduzieren, unsere Energieeffizienz um mindestens 27 Prozent steigern und den Anteil an erneuerbaren Energien auf mindestens 27 Prozent unseres Energieverbrauchs erhöhen. Wir sind auf einem guten Weg, diese Ziele zu erreichen. Und unser klares Ziel ist es, unsere Bemühungen in Paris auch in einem ambitionierten globalen Klimaabkommen zu verankern.

Martina Witten, Leserin

Nur heiße Luft?

Von der drohenden Klimakatastrophe wird immer wieder gesprochen, aber es folgen kaum Handlungen. Das Sparen von Energie wird nicht belohnt. Im Gegenteil: Je mehr Strom und Gas ein Haushalt verbraucht, desto günstiger ist der Tarif. Fassaden, Denkmäler und Straßen werden oft die ganze Nacht beleuchtet, vom Lichtermeer des Einzelhandels ganz zu schweigen. Es ist schick im Straßenrestaurant im Freien zu dinieren – natürlich auch, wenn es dafür eigentlich zu kalt ist, dafür gibt es ja Heizpilze. Es ist auch billiger und bequemer, mit dem eigenen Auto zu fahren. Konsequent kostenloser engmaschiger Nahverkehr würde die Abgasemissionen in den Ballungszentren deutlich mindern. Elektroautos sind keine dauerhafte Lösung, schließlich muss der Strom auch produziert werden. Es müssten in den Städten mehr Radwege und Abstellmöglichkeiten für Fahrräder geschaffen werden, damit die Radfahrer gefahrlos ihr Ziel erreichen. Viele Lebensmittel in den Supermärkten werden durch die ganze Bundesrepublik gekarrt, frisches Obst, exotische Früchte und Blumen gelangen als Luftfracht zu uns. Ist es nicht an der Zeit, dass mehr vor Ort produziert und regional vermarktet wird? Kritisch sehe ich auch, dass viele unserer alten Autos, die die Abgasnormen nicht mehr erfüllen, in ärmere Länder exportiert werden. Ist uns der Klimawandel wirklich egal? Ist uns eine intakte Natur nur vor unserer eigenen Haustür wichtig?

Dipti Bhatnagar, Koordinatorin für Klimagerechtigkeit, Friends of the Earth International

Kritische Masse

Vom Klimawandel Betroffene beschäftigen sich intensiv mit dem Thema, auch wenn sie nicht immer dieses Wort benutzen. Der Klimawandel passiert jetzt, er bringt mehr verheerende Überschwemmungen, Stürme und Dürren. Arme und ländliche Bevölkerungsgruppen tragen am wenigsten zu dem Problem bei, leiden aber am meisten unter dessen Folgen. Wir benötigen jetzt einen Kurswechsel. Viele Menschen verstehen, dass wir eine gerechte und drastische Veränderung unserer Gesellschaften und unserer Wirtschaftssysteme brauchen. So realisieren zum Beispiel Menschen überall gemeinschaftlich getragene erneuerbare Energielösungen, von denen sie selbst profitieren und nicht multinationale Konzerne. Vielseitige Lösungen existieren. Leider haben die Entscheider reicher Industrienationen, die unter dem Einfluss mächtiger umweltverschmutzender Konzerne stehen, kaum Ambitionen, die globale Klimakrise anzugehen. Ihre Klimaschutzversprechen stehen in keinem Verhältnis zu der immensen historischen Verantwortung, die sie tragen. Als Friends of the Earth International bringen wir stetig mehr Menschen zusammen, um gegen die Macht der Umweltverschmutzer anzugehen. Wir sorgen dafür, dass die Stimmen derer Gehör finden, die den Klimawandel und das durch ihn verursachte Leid ernst nehmen. Unsere Vision: eine gerechte, friedliche Welt.

Markus Klemenz, Leser

Mir auch nicht!

Gar nicht egal: Kinder zum Stromsparen anhalten und erziehen, Energiesparlampen verwenden, Fahrrad statt Kurzstrecke mit dem Auto, Heizung zwei Grad runterdrehen, Urlaub vor der Haustür, Fliegen vermeiden, 100 km/h bei langen Autobahnfahrten, Haus dämmen, Bäume pflanzen und so weiter.

Ludger Stroeker, Leser

Entdecke die eigenen Möglichkeiten

Wir wissen: Die großen Einflussfaktoren sind das wirtschaftliche Verhalten von Industrie und Handel sowie das des weltweiten Konsums, vom Übermaß in den reichen Ländern bis zur reinen Existenzsicherung in der Dritten Welt. Steuern könnten die sogenannten Klimagipfel, bislang aber mit relativ wenigen konkreten Maßnahmen. Gründe genug, um zu resignieren. Doch individuell können Zeichen gesetzt werden. Beispiel: Viele Nebenerwerbslandwirte oder Kleinbauern, die inzwischen ihre Flächen nicht mehr selbst bewirtschaften und an Großbauern verpachtet haben, können ihren Grund und Boden zumindest teilweise in Naturflächen zurückführen – in Wald, Wallhecken, Biotope, Streuobstwiesen. Ich habe es gemacht und bin täglich froh über das „zurück zur Natur“.

Stephan Averdung, Leser

Der Genuss bleibt da, wo ich genieße, mit der Familie Ruhe und Zeit zu haben.

Saúl Luciano Lliuya, peruanischer Klimakläger

David gegen Goliath

Als Bergführer und Kleinbauer lebe ich in den peruanischen Hochanden eng mit der Natur zusammen. Ich sehe, dass sich viel auf Mutter Erde verändert. Ich frage schon längere Zeit nach den Verursachern der dramatischen Gletscherschmelze in meiner Heimat. Ich sehe mit großer Sorge, dass das Wasser in den Gletscherseen immer mehr ansteigt. Oberhalb meiner Heimatstadt Huaraz staut sich im Palcacocha-Gletschersee eine so große Wassermasse auf, dass der See jederzeit überfluten könnte. Viele Menschen sind bedroht. Durch glückliche Umstände habe ich vor mehreren Monaten eine deutsche Umweltorganisation kennengelernt, die mir viel erklären und Kontakte herstellen konnte, auch zu meiner heutigen Anwältin. Ich habe nämlich gerade beim Landgericht in Essen eine in ihrer Art in der Welt einmalige Klimaklage gegen den größten europäischen Produzenten von Klimagasen, RWE, eingereicht. Ich will mit diesem Musterprozess erreichen, dass dieser Konzern anteilig für seine Mitschuld am Klimawandel von den Richtern zur Verantwortung gezogen wird. Damit durch entsprechende, von RWE mitfinanzierte Schutzmaßnahmen oben am See mein Haus und die Häuser meiner Nachbarn abgesichert werden. Die Politik sollte gemeinsame internationale Regeln schaffen, damit die besonders vom Klimawandel betroffenen Menschen nicht alle einzeln klagen müssen. Es muss Klimagerechtigkeit geben. Mir ist das nicht egal! Wir alle sollten uns mutig einmischen!

Patrick Graichen, Direktor Agora Energiewende

Scheinbar weit weg und doch ganz nah

Das Diskrepanzproblem des Klimawandels ist, dass die Verursacher nicht die Leittragenden sind. Die Verursacher, das sind wir – indem wir Benzin, Kohlestrom und Gas verbrennen. Die Leittragenden sind jene, die dort wohnen, wo es durch den Klimawandel immer weniger Regen und immer mehr Dürren gibt. Und es sind künftige Generationen, die einer Welt mit steigendem Meeresspiegel, noch schlimmeren Dürren und noch stärkeren Stürmen entgegenleben. Weil für uns Verursacher die Leidtragenden weit weg scheinen, kümmern wir uns nicht genug um das Problem. Das ist eine Täuschung. Denn Dürren führen zu Missernten – und treiben Menschen in die Flucht. Das steckt auch hinter der Massenflucht aus Syrien: Dem dortigen Krieg ist eine vierjährige Rekorddürre vorausgegangen. Sie hat mehr als eine Million Bauern und Hirten in die Städte getrieben. Doch das Regime war unfähig, den Klimaflüchtlingen Lohn und Brot zu geben. Und auf einmal steht der Klimaflüchtling vor unserer Tür und begehrt Einlass. Ähnlich verhält es sich bei den künftigen Generationen. Bis 2050 soll die Dekarbonisierung weitgehend vollzogen sein, so das Ziel der großen Industriestaaten. Das erscheint weit weg, doch wenn man die Perspektive seiner Kinder einnimmt, ändert sich alles. Meine Zwillinge sind im Jahr 2050 so alt wie ich jetzt: 43. So rückt 2050 ganz nah an einen heran. Der Klimawandel steht direkt vor uns, wir müssen nur die Augen öffnen, ihn sehen – und handeln.

Roland Dopfer, Leser

Er ist schon da

Die meisten Menschen haben nicht erkannt oder wollen nicht realisieren, was für Probleme da auf uns zukommen. Betrifft uns ja nicht mehr, also machen wir so weiter wie bisher. Die Temperaturen dieses Jahr, die Wasserknappheit im Moment könnten noch ein Weilchen andauern, so dass auch der letzte am eigenen Körper verspürt, dass der Klimawandel bereits voll im Gange ist. Vielleicht hilft es ja weiter, wenn es wieder einmal Verbote gibt, den Garten zu wässern und das Auto zu waschen, wie in Amerika bereits mehrfach praktiziert.

Joseph Grohtler, Leser

Ski unheil

Wer wie wir vom Wintersport lebt, den schaudert es schon bei den Prognosen. Das betrifft zum einen ganz direkt die Frage, wie viel Schnee man jeweils im Winter noch bekommen mag, zum anderen herrscht aber auch eine große Unsicherheit, wie weit Investoren weiterhin ihr Geld in die Erneuerungen der Wintersportanlagen stecken werden. Denn ohne weitere Investitionen können ganze Skigebiete dichtmachen.

Reinhard Lindenhahn, Leser

Schwarze Peter überall

Es hat schon etwas Widersinniges: Je wärmer es wird, desto dicker wird unser Fell gegen den drohenden Klimawandel. Kaum sind die Medien voll von irgendwelchen aktuellen Ereignissen, schon geraten die wirklich lebensbedrohlichen Entwicklungen auf dieser Erde aus dem Blickfeld. Es ist so bequem, in dem Sinne unmündig zu sein, dass man die Verantwortlichkeiten den Politikern und den multinationalen Konzernen gibt. Dabei gilt heute mehr denn je ein Satz von Bertrand Russell: „Keiner machte je einen größeren Fehler als jener, der nichts tat, weil er nur wenig tun konnte.“

Sigrid Schulze, Leserin

Verschobene Maßstäbe

Den Klimawandel zu ignorieren ist das Ergebnis fehlenden Wissens um Zusammenhänge in der Natur. Dies kann ganz konkret verstanden werden, da sich die Menschen in Industrienationen kaum noch als ein Teil der Natur begreifen, ist aber auch im übertragenen Sinn gemeint, da sich viele der eigenen Bequemlichkeiten und Muster, der „eigenen Natur“ zu wenig bewusst sind. Die Fragen danach, wie meine Urgroßeltern gelebt, sich ernährt, gekleidet, gepflegt und dabei ein für ihr Verständnis gutes, verantwortungsvolles Leben geführt haben, kann ein Korrektiv für eigene Gewohnheiten sein. Das Gleiche gilt für die Frage, wie Menschen in einer anderen Klimazone ein gutes, verantwortungsvolles Leben gestalten und für Nachhaltigkeit sorgen. Wir verstehen den Menschen zunehmend als ein Objekt der Mode oder als Akteure der Geldwirtschaft, nicht als Teil einer zu respektierenden und zu schützenden Natur. Wer sich Essen bestellte, wer kochen oder liefern ließ, war früher ein mächtiger, reicher Mensch. Durch das Internet beschäftigen wir heute, ohne mächtig und reich zu sein, die ganze Welt zur Befriedigung unserer Bedürfnisse. Sind wir so weltbewegend? Natürlich nicht! Und trotzdem üben wir Macht aus, zerstören Ökonomien und betreiben enormen Aufwand mit uns! Wo bleibt die Fantasie, der Wille zur Freiheit, zur Unabhängigkeit?

Stephan Articus, Hauptgeschäftsführer Deutscher Städtetag

Eine Frage des Fokus

Eine nachhaltige Klimaschutz- und Energiepolitik lässt sich am wirkungsvollsten verwirklichen, wenn Energieverbräuche vermieden werden, der Energieeinsatz durch eine effiziente Anlagentechnik vermindert und der Anteil der erneuerbaren Energien an der Energieerzeugung bedeutender wird. Derzeit findet die Energiewende in Deutschland vor allem im Bereich der Energieerzeugung statt. Die Potenziale der Energieeffizienz werden noch nicht ausgeschöpft. Aus Sicht des Deutschen Städtetages sollten daher verstärkt Aspekte der Steigerung der Energieeffizienz und der effizienten Wärmeversorgung in den Fokus der politischen Diskussion genommen werden. Viele Städte treiben eine höhere Energieeffizienz in Form von Einzel- und Quartiersanierungskonzepten voran und unterstreichen damit die außerordentliche Relevanz der Energieeffizienz für die Zukunftsfähigkeit von Städten. Mit ihrem eigenen Gebäudebestand sowie dem Wohnungs- und Gewerbegebäudebestand der kommunalen Unternehmen besitzen sie einen wichtigen Hebel, um die Energieeffizienz in ihrem Wirkungskreis zu erhöhen. Wirtschaftliche und technologieoffene Maßnahmen in Energieeffizienz, welche die finanziellen Möglichkeiten der Eigentümer berücksichtigen, können die Energiekosten senken, erhalten die Bausubstanz und sichern Lebensqualität in städtischen Quartieren. Dazu gehört dann selbstverständlich auch eine verbrauchernahe und bedarfsorientierte Energieberatung.

Gerd Eisenbeiß, Leser

Kurzsichtige Evolution

Mehrheitlich sicher so egal wie seit je her. Denn nie in den letzten hunderttausend Jahren musste der Mensch seine Kurzsichtigkeit in Raum und Zeit in Frage stellen. So hat sich eben sein Hirn und seine Kultur entwickelt. Nun müssten wir alle an ferne Länder in ferner Zukunft denken, ihnen zuliebe auf manches verzichten: das ist ein Bewusstseinsschock! Viele beginnen, das zu verstehen, aber bei nur wenigen führt das bereits zu Änderungen des Verhaltens. Bitter, aber verständlich.

Anonym, Leser*in

Ein echtes Dilemma

Der Klimawandel ist ein globales Problem. Eigenverantwortung und Lebensstil müssen subjektiv harmonisiert werden. Das Klima hat sich auf der Erde immer gewandelt und war dadurch der Motor für Veränderung, die Mensch, Tier und Pflanzen nachhaltig betroffen haben. Wir können den Ist-Zustand nicht einfrieren, sollten aber auch nicht die Veränderung künstlich beschleunigen. In diesem Dilemma steht jede Entscheidung.

Peter Lemke, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung für Globale Umweltverände- rungen (WBGU)

Am Ende leiden alle

Ein ungebremster Klimawandel gefährdet die natürlichen Lebensgrundlagen der Menschheit. Dabei hängt es sehr davon ab, wie stark die Erderwärmung ausfällt. Der Weltklimarat hat folgende Gefährdungslagen identifiziert: Die bisherige anthropogene Klimaerwärmung bedroht bereits heute einige Ökosysteme. Die Gefährdungsrisiken für viele Arten steigen ab zwei Grad erheblich. Beispiele sind das arktische Meereissystem oder Korallenriffe. Klimabedingte Risiken für Wetterextreme wie Hitzewellen, Starkniederschläge und Überschwemmungen von Küstenzonen werden bei einer Erwärmung ab einem Grad als hoch eingeschätzt. In einer um vier Grad wärmeren Welt ist in vielen Regionen mit bisher nicht bekannten Hitzewellen und schweren Dürren zu rechnen. In Regionen niedriger geographischer Breiten und geringem Entwicklungsstand sind die Risiken für eine unverhältnismäßig große Zahl Betroffener allgemein am höchsten. Für die Nahrungsproduktion und die Wasserressourcen ergeben sich bei einer Erwärmung von über zwei Grad für einige Länder hohe Risiken. 
Die Risiken für die Weltwirtschaft und die Biodiversität werden bei einer Erwärmung zwischen einem und zwei Grad als moderat und bei drei Grad als hoch eingeschätzt. Mit steigender Erwärmung besteht für manche physikalischen Systeme oder für manche Ökosysteme das Risiko abrupter und drastischer Änderungen. In Korallenriffen und in der Arktis sind solche unumkehrbaren Regimeübergänge bereits Realität.

Mojib Latif, Professor für Ozeanzirkulation und Klimadynamik, GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Mathe lügt nicht

Viele Menschen fragen sich angesichts der Schwierigkeit verlässliche Wettervorhersagen über mehrere Tage zu erstellen, ob man dann überhaupt die Klimaentwicklung über Jahrzehnte vorhersagen kann. Man muss Wetter von Klima unterscheiden. Als Wetter bezeichnet man die kurzfristigen Geschehnisse in der Atmosphäre, als Klima die gemittelte Entwicklung über längere Zeiträume. Ein Beispiel: Wir wissen ganz sicher, dass der kommende Winter kälter sein wird als der letzte Sommer. Wir wissen jedoch nicht, ob Heiligabend Schnee liegen wird. Ersteres ist eine Klimavorhersage, letzteres eine Wettervorhersage über viele Wochen. Dieses Beispiel ist nicht so trivial wie es auf den ersten Blick erscheint. Warum wissen wir, dass der Winter kälter als der Sommer ist? Weil sich der Sonnenstand ändert. In der Mathematik spricht man von einer Randbedingung. Und Randbedingungen können Ordnung ins Chaos bringen. Auch beim Klimawandel ändert der Mensch eine Randbedingung, die Zusammensetzung der Luft infolge des Ausstoßes sogenannter Treibhausgase wie Kohlendioxid. Das muss zur globalen Erwärmung führen. Wir wissen aber nicht, wie viele Treibhausgase wir in den kommenden Jahrzehnten ausstoßen werden. Deswegen sind auch Vorhersagen im eigentlichen Sinne gar nicht möglich. Wir führen Wenn-Dann-Rechnungen durch. Das erklärt die große Bandbreite in den Ergebnissen, denn sie hängen sehr stark von dem angenommenen Emissionsszenario ab.

Erwin Thoma, Leser

Erzwungener Wandel

Irgendwie machen wir die Augen zu – vor Realitäten, die längst ablaufen. Aber es wird nicht mehr lange dauern und wir haben keine Wahl des freien Handelns mehr. Der Umbau der Wirtschaft und der Industrie in Richtung Kreislaufwirtschaft und CO2-Neutralität ist unaufschiebbar. Nicht nur aus ökologischen oder philosophischen Gründen. Die Kosten des Klimawandels werden exponentiell steigen und somit unser Handeln in diese Richtung erzwingen.

Karsten Pohl, Leser

Es muss erst wehtun

Uns allen, so scheint mir, ist der Klimawandel ziemlich egal. Dem einen oder anderen Individuum mag er etwas bedeuten und auch zu verändertem Verhalten führen. Doch wo, bitte schön, bleibt denn der Druck, den wir alle auf die scheinbar in einer anderen Welt lebenden Entscheider in Politik und Wirtschaft ausüben können? Die Ursachen sind seit Jahrzehnten bekannt, doch der eigene Vorteil ist erst einmal wichtiger. Ist ja bisher immer noch gut gegangen. Ich habe wenig Hoffnung, dass sich generell etwas ändert, bevor es uns klimatisch richtig an den Kragen geht. Nur ein bisschen öfter Radfahren hilft da nicht.

Anselm Heiß, Leser

Augen zu und durch

Da wir ihn nicht aufhalten können, können wir uns nur mit den Folgen beschäftigen. Zur Zeit gibt es für mich Wichtigeres.

Dr.-Ing. Fritz Brickwedde, Präsident Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) e.V.

Klimaschutz nur mit Erneuerbaren Energien

Vieles, was in den vergangenen Wochen zum Klimaschutz zu lesen war, ist ermutigend: Bill Gates und einige Superreiche investieren Milliarden in die Erforschung der erneuerbaren Energien. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller stellt bis 2020 drei Milliarden Euro für Afrika bereit, damit 25 Millionen Menschen einen besseren Zugang zu sauberer Energie erhalten. Die internationale Allianz „Carbon Pricing Leadership Coalition“ von IWF und Weltbank fordert einen angemessenen Preis für den CO2-Ausstoß und damit Fairness im Wettbewerb zwischen Kohle, Sonne und Wind. Die zentrale Bedeutung erneuerbarer Energien für den Klimaschutz wird weltweit zunehmend erkannt. Sie sind der einzige Weg für mehr Klimaschutz bei gleichzeitigem Wirtschaftswachstum. Während alle Welt auf Paris blickt, tritt ausgerechnet Berlin auf die Bremse: Mit den Reformen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes macht das Bundeswirtschaftsministerium aus einem der wichtigsten Klimaschutzinstumente ein Gesetz zur Begrenzung des Ausbaus erneuerbarer Energien. Nach Biotreibstoffen 2009, Photovoltaik 2012 und Biomasse 2014 droht 2016 nun der Windenergie eine drastische Drosselung. Dabei sind die Technologien für einen raschen Ausbau der erneuerbaren Energien vorhanden – und sie werden immer günstiger. Mit einer ambitionierten Energiepolitik könnte viel mehr CO2-Einsparung erreicht werden. So droht dem Land der Energiewende die Verfehlung der eigenen Klimaschutzziele.

Albert Hartl, Leser_In

Der Klimawandel ist mir nicht egal. Ich versuche im Rahmen meiner Möglichkeiten politisch auf Angela Merkel, Sigmar Gabriel und Horst Seehofer einzuwirken, dass sie nicht nur von Gegemaßnahmen reden, sondern ihre Unterstützung der fossilen Kraftwerke und die Blockadehaltung gegen die erneuerbaren Energien zurücknehmen.. Wer das als zu naiv sieht, sollte sich bei Nichtregierungsorganisationen und online-Portalen umsehen. Da engagieren sich immer mehr Menschen, denen der Klimawandel nicht egal ist.

Wolfgang Millauer, Leser_In

Ich beziehe mich auf den Kurzbeitrag von Mojib Latif \"Mathe lügt nicht\". Hierin wird die Behauptung aufgestellt, dass die einzige Unsicherheit in den Voraussagen über eine zu befürchtende globale Erwärmung in der Abschätzung der Menge der zu erwartenden CO2-Ausschüttung besteht. Genau das geht aber doch an der Wahrheit vollständig vorbei. Die Wahrheit ist, dass man bis heute den quantitativen Einfluss von CO2 auf die Erderwärmung, die sog. CO2-Sensitivität überhaupt nicht kennt. Alle Versuche diese über Modelle voraus zu berechnen, sind doch kläglich gescheitert. Kein Modell konnte den Erwärmungsstillstand, den wir nun schon seit vielen Jahren haben, vorhersagen. Vieles von dem, was da an Prognosen bisher in die Welt gesetzt wurde, zum Teil meist Panik erregend, musste doch schon korrigiert werden. Frühere Prognosen für Jahre, die inzwischen schon der Vergangenheit angehören konnte man doch klanglos in die Tonne treten. Die gesamte Atmosphärenphysik ist viel zu komplex und in vielen Details bis heute unverstanden um eine Temperaturentwicklung bis zum Ende des Jahrhunderts zu prognostizieren. Genau solche Veröffentlichungen wie diese hier sind es, die mich gegenüber dieser sog. Wissenschaft und auch gegenüber solchen Wissenschaftler so maßlos misstrauisch machen. Da glaub ich kein Wort mehr. Klar, \"Mathe lügt nicht\", Klimawissenschaft ist aber auch keine Mathematik.

Lena Petri, Leser_In

diesen Herbst bin ich aus der Nähe von Frankfurt am Main nach Berlin gezogen, um dort Nachhaltiges Management an der TU Berlin zu studieren. Mir ist der Klimaschutz unglaublich wichtig und es sollte meiner Meinung nach im Kopf eines jeden Bürgers verankert sein, auf seinen Konsum zu achten und den Klimawandel nicht noch weiter voran zu treiben. Umso enttäuschter bin ich deshalb von den meisten meiner Mitmenschen, sieht man doch auf den Straßen fast jeden mit umweltschädlichen Plastiktüten herum laufen und viele Leute selbst die kleinsten Strecken mit dem Auto fahren. Irgendetwas muss sich grundlegend in den Verhaltensweisen der Menschen verändern, sonst sehe ich schwarz für das Erreichen des 2-Grad-Ziels. Nicht nur auf großer Ebene, etwa mit dem Ausbau erneuerbarer Energien, muss Klimaschutz geschehen, sondern auch bei jedem unserer Mitmenschen zuhause. Hoffentlich wird bald eingesehen, wie wichtig es für die nächsten Generationen ist, unsere Welt nicht noch weiter zu zerstören und es wird nicht mehr so egoistisch und rücksichtslos gehandelt. Ich finde es toll, dass Sie mit Ihren Veröffentlichungen die Menschen zum Denken anregen. Weiter so!

Rita Schäfer, Leser_In

Der Klimawandel ist mir keineswegs egal, weil seine Folgen bereits jetzt Menschen im südlichen Afrika vor große Herausforderungen stellen, wie die Informationsplattform Africanclimatevoices dokumentiert. http://africanclimatevoices.com/ Hier kommen Afrikanerinnen und Afrikaner unterschiedlicher Herkunft und aller Altersgruppen zu Wort.

Peter Burgard, Leser_In

Aber was soll man machen, wenn man sein Kind selbst im Sommer nur mit einem Geländewagen in den Kindergarten bringen kann?

Sigrid Schulze, Leser_In

Den Klimawandel zu ignorieren ist eine Frage der Bildung, d.h. des Wissens um Zusammenhänge der Natur. Zugleich ist es das Ergebnis dessen, die eigene Natur zu ignorieren. Dies ganz konkret verstanden - da sich die Menschen in Industrienationen kaum noch als ein Teil der Natur begreifen - und auch im übertragenen Sinn gemeint - da sich viele der eigenen Bequemlichkeiten und eigenen Muster, der eigenen \"Natur\" zu wenig bewusst sind. Wenn ich sage, dass es eine Frage der Bildung sei, den Klimawandel zu ignorieren, meine ich, dass nicht jeder in der Lage ist, sich mit einer gewissen selbstkritischen Distanz zu sehen, sich also auch in einen historischen bzw. in einen geografischen Vergleich zu setzen. Die Fragen danach, wie meine Urgroßeltern gelebt, sich ernährt, gekleidet, gepflegt haben und dabei ein für ihr Verständnis gutes, verantwortungsvolles Leben führten, kann ein Korrektiv für eigene Gewohnheiten sein. Das Gleiche gilt für die Frage, wie Menschen, die in einer anderen Klimazone als Mitteleuropa ein gutes, verantwortungsvolles Leben gestalten und sorgen und für Nachhaltigkeit sorgen? Das Verständnis für die Ökonomie der Natur und ihr Potential an Nachhaltigkeit ist uns weitgehend abhanden gekommen. Nur wenige leben noch in engem Kontakt mit den Pflanzen oder Tieren, dem Gebirge oder der See, den Wiesen oder dem Wald. Vielmehr verstehen wir den Menschen zunehmend als ein Objekt der Mode oder als Akteure der Geldwirtschaft, nicht als Teil einer zu respektierenden und zu schützenden Natur. Wer sich Essen bestellt, wer kochen lässt und liefern lässt, war früher ein mächtiger, reicher Mensch. Durch das Internet beschäftigen wir heute, ohne mächtig und reich zu sein, die ganze Welt zur Befriedigung unserer Bedürfnisse - essen, lesen, einer Melodie zuhören. Sind wir so weltbewegend? Natürlich nicht! Und trotzdem üben wir Macht aus, zerstören Ökonomien, betreiben enormen Aufwand mit uns! Wo bleibt die Phantasie, der Wille zur Freiheit, zur Unabhängkeit? Wo die Freude an Individualität, an Intimität?

Brigitte Bonifer, Leser_In

Mir ist der Klimawandel nicht egal - Daher versuche ich, da wo ich Einfluss nehmen kann, entsprechend zu handeln. Wenn das jeder an seinem Platz Tür, erreichen wir, dass uns der Klimawandel etwas angeht, ziemlich viel!

Gerhard Bachleitner, Leser_In

Das Leben ist in einem für heutige Verhältnisse grausamen Klima entstanden. Spätere Klimaänderungen, u.a. durch geologische Vorgänge, haben Evolutionsschübe (nach Auslöschung einiger Arten) hervorgerufen und zivilisatorische Fortschritte ermöglicht. Die letzte große Eiszeit vor 21.000-17.000 Jahren reduzierte den Meeresspiegel um ca. 120 m, Wasser, das ihn nach dem Ende der Eiszeit vor etwa 12000 Jahren natürlich wieder anhob. Damals hätten die heutigen Zeitgeistagenten des Katastrophismus neben ihren Iglus mit Transparenten gestanden \"Rettet die Eiszeit!\" \"Rettet die Landbrücke zwischen Asien und Amerika!\" \"Wein am Rhein - Niemals!\" Natur ist kein zu konservierender absoluter, ewig gültiger Bestand, sondern ein Sortiment wechselnder Gegebenheiten, die ebenso Anpassung heischen, wie sie Umwandlung freistellen. Es kann sinnvoll sein, bestimmten absehbaren Folgen anthropogener Klimaveränderung gegenzusteuern, aber nur nach Maßgabe technischer und ökonomischer Rationalität, was in erster Linie heißt: Verhältnismäßigkeit. Die hierzulande propagierten und politisch oktryierten Klima\"ziele\" sind extrem unverhältnismäßig. Mit exorbitantem Aufwand - Dämmwahn, ökologisch verteuerte Bau- und Industrienormen und Lebenshaltungskosten, teure Photovoltaik auf sonnenarmem Gebiet usw. - werden minimale Einsparungsziele erreicht, während im Rest der Welt vielfach größere Einsparungsziele gar nicht wahrgenommen werden. J. Lovelock rechnete 2007 beispielsweise vor, daß in China alle 5 Tage ein Kohlekraftwerk in Betrieb gehe. In den USA wird nach wie vor ein verlustreiches 110V-Versorgungsnetz betrieben, von der flächendeckenden Verbreitung energiehungriger Klimaanlagen gar nicht zu reden. Die hiesige Hexenjagd gegen \"Klimasünder\" spielt also für das Weltklima nicht die geringste Rolle, dient nur dem in Deutschland eingeübten Wahn (nutzloser) Selbstanklage. Die Deutschen verstehen sich als Selbstbezichtigungsgemeinschaft. Energieverbrauch ist Sünde und darf natürlich nicht nur keine Lust bereiten, sondern nicht einmal rational organisiert werden. Man kapriziert sich in irrationalen Stromsparexzessen. Würde in Deutschland ein Verfahren zur Lösung des Energieproblems gefunden - der grüne Zeitgeist wäre dagegen und würde weiterhin fordern: Energie muß teuer sein. Deutsche wollen die Energiefrage immer als Selbstbestrafung verstanden und behandelt wissen.

Ludger Stroeker, Leser_In

Wir wissen: die großen Einflussfaktoren sind das wirtschaftliche Verhalten von Industrie und Handel, sowie das des weltweiten Konsums, vom Übermaß in den reichen Ländern bis zur reinen Existenzsicherung in der dritten Welt. Steuern könnten die sog. Klimagipfel, bislang mit relativ wenigen konkreten Maßnahmen. Gründe genug, um zu resignieren. Doch individuell können Zeichen gesetzt werden. Beispiel: viele Nebenerwerbslandwirte oder Kleinbauern, die inzwischen ihre Flächen nicht mehr selbst bewirtschaften und an Großbauern verpachtet haben, können ihren Grund und Boden zumindest teilweise in Naturflächen zurückführen (Wald, Wallhecken, Biotope, Streuobstwiesen). Ich hab‘s gemacht und bin täglich froh über das „zurück zur Natur“.

anonym, Leser_In

Überhaupt nicht. Es gibt viel zu viele Dinge, bei denen man sich auf einfacher Weise gegen den Klimawandel einsetzen kann. Dies umfasst u.a. die Autonutzung, die Lebensmittelnutzung (soweit möglich aus der Region) sowie die menschenwürdige und gesunde Herstellung von Kleidung, Spielzeug und Technik. Ziel ist der verantwortliche Konsum.

Erwin Thoma, Leser_In

Irgendwie machen wir die Augen zu - vor Realitäten die längst ablaufen. Aber es wird nicht mehr lange dauern und wir haben keine Wahl des freien Handelns mehr. Der Umbau der Wirtschaft und Industrie in Richtung Kreislaufwirtschaft und CO2 Neutralität ist unaufschiebbar. Das nicht nur aus ökologischen oder philosophischen Gründen. Die Kosten des Klimawandels werden exponentiell steigen und somit unser Handeln in diese Richtung erzwingen.

Nessa Altura, Leser_In

Wie egal ist uns der Klimawandel? Er ist uns nicht egal, aber wir schaffen es nicht, langfristige Ziele zu verfolgen. Was sich nicht unmittelbar politisch auszahlt (die nächste Wahl kommt ganz gewiss), wird nicht gemacht. Aufhalten wird man den Klimawandel so nicht, aber man könnte sich zumindest um Notfallplanungen kümmern, vorbereitet sein, Organisationsstrukturen schaffen. Dass es daran hapert, hat man jetzt in der Flüchtlingsfrage gemerkt.

Anonym, Leser_In

Der Klimawandel ist ein glogales Problem. Eigenverantwortung und Lebensstil müssen subjektiv harmonisiert werden. Das Klima hat sich auf der Erde immer gewandelt und war dadurch der Motor für Veränderung, die Mensch, Tier und Pflanzen nachhaltig verändert haben. Wir können den Ist-Zustand nicht einfrieren, sollten aber auch nicht die Veränderung künstlich beschleunigen. In diesem Dilemma steht jede Entscheidung.

Reinhard Lindenhahn, Leser_In

Es hat schon etwas Widersinniges: Je wärmer es wird, desto dicker wird unser Fell gegen den drohenden Klimawandel. Kaum sind die Medien voll von irgendwelchen aktuellen Ereignissen, schon geraten die wirklich lebensbedrohlichen Entwicklungen auf dieser Erde aus dem Blickfeld. Es ist so bequem, in dem Sinne unmündig zu sein, dass man die Verantwortlichkeiten den Politikern und den multinationalen Konzernen gibt. Dabei gilt heute mehr denn je ein Satz von Bertrand Russell: \"Keiner machte je einen größeren Fehler als jener, der nichts tat, weil er nur wenig tun konnte\".

Karsten Pohl, Leser_In

Uns, also uns allen, so scheint mir, ist der Klimawandel zielmlich egal. Dem einen oder anderen Individuum mag er etwas bedeuten und auch zu verändertem Verhalten führen. Doch wo, bitte schön, bleibt denn der Druck, den wir alle auf die - scheinbar in einer anderen Welt lebenden - Entscheider in Politik und Wirtschaft ausüben können? Die Ursachen sind seit jahzehnten bekannt, doch der eigene Vorteil ist erstmal wichtiger. Ist ja bisher immer noch gut gegangen. Ich habe wenig Hoffung, dass sich generell etwas ändert, bevor es uns klimatisch richtig an den Kragen geht. Nur ein bisschen öfter Radfahren hilft da nicht.

Klaus Katzenberger, Leser_In

Leider sehr egal, dabei denke ich nicht an \"Otto Normalverbraucher\", sondern an die sogenannten Entscheider. Beispiel: VW Abgasskandal, alle Welt spricht von Rückruf, Betrug, Technik. Keiner , von den Entscheidern sagt ein einziges Wort darüber wie der Dreck wieder aus der Luft gereinigt wird. Z. B. könnte VW und die anderen Hersteller mal 100 Quadratkilomter Regenwald am Amazonas aufforsten, wär doch was, oder?

Dr.-Ing. Gerd Eisenbeiß, Leser_In

Mehrheitlich sicher so egal wie seit je her. Denn nie in den letzten hunderttausend Jahren musste der Mensch seine Kurzsichtigkeit in Raum und Zeit in Frage stellen. So hat sich eben sein Hirn und seine Kultur entwickelt. Nun müssten wir alle an ferne Länder und Zukünfte denken, ihnen zuliebe auf manches verzichten: das ist ein Bewusstseinsschock! Viele beginnen, das zu verstehen, aber bei nur wenigen führt das bereits zu Änderungen des Verhaltens. Bitter, aber verständlich.

Markus Klemenz, Leser_In

Garnicht egal: Kinder zum Stromsparen anhalten und erziehen, Energiesparlampen verwenden, Fahrrad statt Kurzstrecke mit dem Auto, Heizung 2°C runter drehen, Urlaub vor der Haustür, Fliegen vermeiden, 100 km/h langen auf der Autobahn, Haus dämmen, Bäume pflanzen, etc. …

Erika Altmann, Leser_In

Der Klimawandel und mit ihr Klimakatastrophe wird kommen, bzw. ist schon da. Jeder kann dazu beitragen, Radfahren, statt Autofahren, Elektroauto kaufen, das Fliegen einschränken. Die richtige Politik wählen.

Jörg Trojan, Leser_In

Klimawandel ist einer der Faktoren, die unsere Zukunft maßgeblich beeinflussen werden. Wie genau, ist noch für keinen absehbar. Da der Klimawandel globale Folgen haben wird, ist aus meiner europäischen Sicht die Ignoranz mancher Industriestaaten (China, USA, u.v.a.) bedrückend. Trotzdem kann auch der Einzelne durch den persönlichen Konsum einen wichtigen Beitrag leisten.

Martina Witten, Leser_In

Von der drohenden Klimakatastrophe wird immer wieder gesprochen, aber aber es folgen kaum Handlungen. Das Sparen von Energie wird nicht belohnt. Im Gegenteil, je mehr Strom und Gas ein Haushalt verbraucht, desto günstiger ist der Tarif. Die offene Einkaufsmeile in unserem Leipziger Hauptbahnhof ist klimatisiert- im Sommer angenehm kühl, im Winter warm temperiert. Fassaden, Denkmäler und Straßen werden oft die ganze Nacht beleuchtet. In der Weihnachtszeit wetteifern auch noch viele private Haushalte mit mehr oder minder geschmackvoller Weihnachtsbeleuchtung, vom Lichtermeer des Einzelhandel ganz zu schweigen. Es ist schick im Straßenrestaurant im Freien zu dinieren - natürlich auch, wenn es dafür eigentlich zu kalt ist- dafür gibt es ja Heizpilze. Es ist auch billiger und bequemer, mit dem eigenen Auto zu fahren. Konsequent kostenloser engmaschiger Nahverkehr würde die Abgasemissionen in den Großstädten und Ballungszentren deutlich mindern. Leider hat in vielen Städten die gute alte Straßenbahn ausgedient. Elektroautos sind keine dauerhafte Lösung, schließlich muss der Strom auch produziert werden- was ebenfalls zu Umweltbelastungen führt. Es müssten in den Städten mehr Radwege und Abstellmöglichkeiten für Fahrräder geschaffen werden, damit die Radfahrer gefahrlos ihr Ziel erreichen. Viele Lebensmittel in den Supermärkten werden durch die ganze Bundesrepublik gekarrt, frisches Obst, exotische Früchte und Blumen gelangen als Luftfracht zu uns. Ist es nicht an der Zeit, dass mehr vor Ort produziert wird und wirklich regional vermarktet wird? Kritisch sehe ich auch, dass viele unserer alten Autos, die die Abgasnormen nicht mehr erfüllen, in ärmere Länder exportiert werden. Die veralteten Fahrzeuge sind aber keinesfalls nur aus Europa. So wird zum Beispiel ein Großteil des öffentlichen Busverkehrs in Guatemala von ausgemusterten amerikanischen und kanadischen Schulbussen abgedeckt, die mindesten schon 40 Betriebsjahre hinter sich haben und die gewaltige Rußwolken ausstoßen. Ist uns der Klimawandel wirklich egal? Ist eine intakte Natur nur vor unserer eigenen Haustür wichtig?

Heiner Kausch, Leser_In

Keineswegs, schon aus beruflichen (Medizin) und partnerschaftlichen (Meeresbiologie) Gründen frühzeitig von diesem Thema angefixt bzw. damit befasst. Wenn das allerdings bedeuten sollte, dass ich danach lebe, dann nur mit sündigen Lücken. \"Es gibt kein richtiges Leben im falschen\" (Teddy Adorno), aber sicherlich könnte ich selber mehr tun oder danach leben, wenn ich konsequenter wäre. Zumal ich zu der Schicht gehöre, die sich das finaziell leisten könnte. Shame on me! Also gehöre ich zu den widersprüchlichen Menschen mit Schere im Kopf. Ich glaube den Warnern. Egal ist`s mir überhaupt nicht. Deswegen tue ich, was ich kann, immer öfter, immer mehr, z.B. Segel- statt Motorboot, innerstädtisch konsequent Radl statt Auto (hab aber einen alten Diesel!), kaum Fleischkonsum, bewusst energiesparsam zuhause. Immerhin, oder? Über die Sünden schweige ich lieber, obwohl ich mich da in guter Gesellschaft wiederfinde.

anselm Heiß, Leser_In

Da wir ihn nicht aufhalten können, können wir uns nur mit den Folgen beschäftigen. Z.Z. gibt es für mich wichtigeres.

Herbert, Leser_In

Begriffen wird die Klimakatastrophe schon, nur das entsprechende Handeln fällt so schwer.

roland dopfer, Leser_In

die meisten menschen haben nicht erkannt oder wollen nicht realisieren, was für probleme da auf uns zukommen, betrifft uns ja nicht mehr, also machen wir so weiter wie bisher. die temperaturen dieses jahr, die wasserknappheit im moment könnten noch ein weilchen andauern, dass auch der letzte am eigenen körper verspürt, dass der klimawandel bereits voll im gang ist. vielleicht hilft es ja weiter, wenn es wieder einmal verbote gibt, den garten zu wässern und das auto zu waschen, wie in amerika bereits mehrfach praktiziert.

Dieter Burghaus, Leser_In

Was für ein Traumwetter im November!

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