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Welche Krankheiten sind jetzt heilbar?

Mediziner forschen mit großem Erfolg an neuen Behandlungs- methoden gegen Krankheiten. Doch mancher Durchbruch ist gar nicht wirklich bekannt. Tragen Sie mit uns Erfolgsgeschichten von jetzt heilbaren Krankheiten zusammen. 

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Armin Scharrer, Augenarzt und Erster Vorsitzender Bundesverband Deutscher Ophthalmochirurgen e.V. (BDOC)

Hightech fürs Auge

In kaum einem Fachgebiet macht die moderne Medizin so schnelle Fortschritte wie in der Augenchirurgie. Dadurch können wir heute nicht nur viele Augenkrankheiten besser, schonender und sicherer behandeln, sondern auch Erkrankungen, gegen die es früher keine oder nur unzureichende Therapien gab. 1. Der graue Star, also die natürliche Trübung der Augenlinse im Alter, lässt sich durch den Einsatz von Ultraschall und Spezial-Laser nahezu optimal und für den Patienten maximal verträglich beseitigen. Dazu sind heute nur noch zwei Millimeter kleine Schnitte nötig, durch die die trübe Linse entfernt und durch eine moderne Premium-Kunststofflinse, die ein scharfes Sehen sowohl in der Nähe als auch in der Ferne ermöglicht, ersetzt wird. 2. Wenn beim grünen Star die Behandlung durch Medikamente nicht ausreicht, stehen heute äußerst raffinierte Operationstechniken zur Verfügung. Mit einer nur 0,2 Millimeter dünnen Laserfaser lassen sich beispielsweise winzige Öffnungen in das Gewebe einbringen, durch die das gestaute Kammerwasser abfließen kann, sodass viele Patienten keine drucksenkenden Augentropfen mehr benötigen. 3. In der Behandlung der sogenannten Altersblindheit gibt es den größten Quantensprung. Durch Injektionen mit gentechnisch hergestellten Antikörperpräparaten in den Augapfel können wir heute das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen und in vielen Fällen sogar stoppen.

Magnus von Knebel Doeberitz, Ärztlicher Direktor Ab- teilung für Angewandte Tumorbiologie, Universi- tätsklinikum Heidelberg

Warum immer hadern

Seit den 1980er-Jahren weiß man, dass bestimmte Typen der humanen Papillomaviren Krebserkrankungen vor allem des weiblichen Gentialtraktes und des Mund- und Rachenbereichs hervorrufen können. 2006 wurden zwei Impfstoffe gegen diese Viren zugelassen. Zahlreiche Mädchen und junge Frauen konnten vor Krebserkrankungen geschützt werden. In Australien, wo man diese Impfstoffe in ein nationales Impfprogramm von Schulkindern aufgenommen hat, zeigt sich heute schon deutlich die Wirkung. Kurz nach der Markteinführung der beiden Impfstoffe in Deutschland beeinflusste eine irreführende Pressekampagne die Akzeptanz dieser Impfung in der Bevölkerung sehr negativ. Die ursprüngliche Durchimpfungsrate von deutlich über 50 Prozent der jungen Mädchen ging auf unter 20 Prozent zurück. Zigtausende junge Mädchen wurden zumeist aus falscher Sorge der Eltern vor den vermeintlichen Nebenwirkungen dieser Impfungen nicht geschützt. Das können und dürfen wir nicht widerspruchslos hinnehmen. Eine aktive Aufklärung über den sehr positiven Nutzen der HPV-Impfung zur Vermeidung von Krebserkrankungen bei Frauen und Männern ist dringend geboten. Wir alle tragen auch beim Autofahren einen Sicherheitsgurt. Warum sorgen wir dann nicht auch dafür, dass die vermeidbaren Krebserkrankungen durch humane Papillomaviren endgültig der Vergangenheit angehören?

Nikolaus Wülker, Ärztlicher Direktor Orthopädische Universitätsklinik Tübingen

Weniger ist oft mehr

Bandscheibenvorfälle sollen heilbar sein? Was bedeutet schon heilbar! Bandscheiben bestehen aus Knorpel und der verliert mit dem Alter immer an Festigkeit. Jünger werden wir alle nicht. Deswegen wird es auf absehbarer Zeit eine Illusion sein, verschlissene Bandscheiben vollkommen wiederherzustellen, also zu heilen. Das muss man auch gar nicht. Wenn man bei über 50-jährigen nur genau genug nachschaut – etwa mittels Kernspintomographie –, findet man bei über der Hälfte Bandscheibenvorfälle. Die machen aber in aller Regel gar keine Beschwerden. Wenn es trotzdem einmal schmerzhaft wird, insbesondere mit Ausstrahlung ins Bein, behandeln wir die Schmerzen bei 95 Prozent der Patienten erfolgreich, ohne den Bandscheibenvorfall selbst rückgängig zu machen. Dafür gibt es zahlreiche Möglichkeiten, insbesondere durch Krankengymnastik, physikalische Therapie und Medikamente. Bei den restlichen fünf Prozent wird dann doch operiert: Der vorgefallene Anteil der Bandscheibe wird entfernt. Mit einem Mikroskop kann das durch einen Hautschnitt gemacht werden, der nur zwei bis drei Zentimeter lang ist. Diese Operation ist in aller Regel sehr erfolgreich, da das Gewebe um die Bandscheibe die Wirbelsäule ausreichend abstützt. Nur selten nimmt der Verschleiß zwischen den Wirbelkörpern weiter zu, so dass nach Jahren nochmal operiert werden muss, oft mit Implantaten, die das betroffene Segment der Wirbelsäule abstützen.

Mara Heinzberg, Leserin

Gesund auf Rezept

Viele Krankheiten sind heute glücklicherweise einfach durch ein Antibiotikum heilbar. Man sollte es nicht ständig nehmen, vielleicht nicht einmal so oft, wie es verschrieben wird und dann in jedem Fall auch zu Ende. Aber wer schon einmal an einer Blasenentzündung gelitten hat und die Schmerzen auch durch literweise Teetrinken und warm einpacken nicht besser wurden, der weiß, wie dankbar man für dieses schnell wirksame Medikament ist.

Sara Schreiber, Leserin

Wunder der Medizin

Was die Medizin heute vollbringen kann, grenzt schon an Wunder. Nichts ist berührender als Kinder, die heute ein uneingeschränktes Leben führen können, obwohl sie früher an einer Fehlbildung gestorben wären. Die Untersuchungen während der Schwangerschaft sind inzwischen so genau, dass oftmals Kinder direkt nach der Geburt operiert werden können, was ihre Chancen wesentlich erhöht. Nicht alle Krankheiten können geheilt werden, aber ich kenne ein Kind, das jetzt vollkommen gesund ist und allein wegen dieses Kindes gilt dem Können der Ärzte heute meine ganze Bewunderung.

Hannelore Magnas, Leserin

Viele – besonders, wenn man auf sein Recht auf eine Behandlung pocht oder die Angehörigen Druck machen, dass eine Therapie auch eingeleitet und der Patient nicht abgeschrieben wird.

Hermann Gröhe, Bundesgesundheits- minister

Digitaler Nutzen

Die Möglichkeiten der Digitalisierung scheinen gerade im Gesundheitsbereich unbegrenzt. Kontaktlinsen messen den Blutzuckerspiegel und Handykameras sollen Hautkrebs aufspüren. Superrechner werden mit Genom-Daten gefüttert, vergleichen sie in kürzester Zeit mit Studienergebnissen und unterstützen Ärzte so bei der Wahl der passenden Krebstherapie. Daten wecken aber immer auch Begehrlichkeiten. Wichtig ist deshalb, dass die Chancen der Digitalisierung für eine bessere Patientenversorgung genutzt werden und gleichzeitig die höchsten Sicherheitsstandards zum Schutz persönlicher Gesundheitsdaten eingehalten werden. Mit dem E-Health-Gesetz, das Ende 2015 in Kraft getreten ist, schaffen wir eine solche sichere Datenautobahn für den Austausch medizinischer Daten. Datenschutz und Datensicherheit werden ganz groß geschrieben. Die Patienten entscheiden, was auf ihrer elektronischen Gesundheitskarte gespeichert wird und wer zugreifen darf. Und wir sorgen dafür, dass der Patientennutzen endlich im Vordergrund steht: erstens, weil durch gespeicherte Notfalldaten und durch einen Medikationsplan Leben gerettet werden können; zweitens, weil die Selbstbestimmung der Patienten durch die elektronische Patientenakte und das elektronische Patientenfach gestärkt werden; und drittens, weil wir die Telemedizin dort fördern, wo sie dem Patienten auch wirklich nutzt, etwa mit einer Video-Sprechstunde. Es geht nicht darum, was technisch machbar ist. Es geht vielmehr darum, dass wir die technischen Möglichkeiten so einsetzen, dass der medizinische Fortschritt den Patientinnen und Patienten und zugutekommt.

Michael S., Leser

Fenster zum Licht

Tragische Lebensgeschichten mit gutem Ende fördern positive Gedanken. Ich würde mir wünschen, an solchen teilzuhaben, um selber wieder positiv in die Welt zu blicken.

Richard Merkle, Ärztlicher Leiter Viszera Bauchchirurgie München

Moderner Helfer

Unter Sodbrennen leiden hierzulande so viele Menschen, dass man schon von einer Volkskrankheit spricht. Bei chronischem Sodbrennen verbirgt sich meist die gastroösophageale Refluxkrankheit dahinter. Ursache ist ein nicht vollständiger Verschluss des unteren Speiseröhrenschließmuskels zum Magen. Dadurch können Säure und Galle aus dem Magen hochsteigen, ein schmerzhafter Rückfluss. Zunächst werden Medikamente verschrieben, sie können aber nur die Säurebildung hemmen, nicht den Speiseröhrenschließmuskel stärken. Gerade im fortgeschrittenen Stadium bietet sich daher ein kleiner chirurgischer Eingriff an. Die innovativste und seit 2011 mehr als 4000 Mal durchgeführte Methode ist das reversible Einsetzen eines Implantats. Es besteht aus einem kleinen, flexiblen Ring mit einer variablen Anzahl von Titankugeln, die einen Magnetkern besitzen. Im Ruhezustand bilden die Kugeln eine Barriere und lassen keine Säure oder Galle hindurch. Erst bei größerem Druck wie durch Nahrung öffnet sich das Grenzband der Kugeln. Auch umgekehrt, bei Aufstoßen oder Erbrechen, wird der Ring geöffnet. Der Nebeneffekt herkömmlicher Operationen, das „Gas Bloating“, kann so reduziert werden. In Deutschland haben sich bereits 25 Kliniken auf das Verfahren spezialisiert. Studien belegen, dass nach dem Eingriff 94 Prozent der Betroffenen eine Verbesserung spürten und neun von zehn Patienten nach der Operation sogar ihre Medikamente ganz absetzen konnten.

Reinhard Feldle, Leser

Gesetzliche Hürden

Ob Krankheiten jetzt auch geheilt werden können, darüber entscheiden nicht nur der medizinische Fortschritt oder die finanziellen Möglichkeiten, sondern hier in Deutschland auch politische Regelungen, die sich an ethischen Fragen orientieren sollen. Viele Krankheiten ließen sich heilen, Menschenleben könnten gerettet werden, wenn es genügend Spenderorgane geben würde. Aber in Deutschland herrscht die sogenannte Entscheidungslösung für Organentnahmen. Das bedeutet, dass man sich entscheiden kann, nach dem Tod Organe zu spenden. Man muss sich aber nicht entscheiden und letztendlich treffen nur 22 Prozent der Deutschen überhaupt eine Entscheidung. Dabei hätte die Mehrheit der Deutschen gar nichts dagegen, dass ihnen nach dem Tod Organe entnommen werden. Aber der Schritt, sich einen Organspendeausweis auszudrucken und auszufüllen, ist eben für die meisten ein Schritt zuviel. In Österreich hingegen herrscht die Widerspruchsregel, was bedeutet, dass jedem nach dem Tod Organe entnommen werden dürfen, der nicht widersprochen hat. Damit ist die Spenderquote wesentlich höher, obwohl Deutschland und Österreich wenig kulturelle Unterschiede aufweisen. Mit rein ethischen Fragen kann es also kaum zusammenhängen, wohl eher mit der gesetzlichen Regelung.

Femke Redelsbach, Leserin

Frage des Maßstabs

Scharlach ist heilbar. Interessanterweise ist die Heilungsdauer aber abhängig davon, in welchem Bundesland man wohnt. Oder wie erklärt sich sonst, dass mein Berliner Sohn drei Tage früher wieder in die Kita durfte als der Sohn meiner besten Freundin in Niedersachsen?

Andreas Reimann, Vorsitzender Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen (ACHSE) e.V.

Zuverlässig statt zufällig

Wenn Krankheiten heilbar werden, ist das ein Segen für die Patienten. Es setzt aber voraus, dass sie die richtige Diagnose erhalten und mit der Erkrankung erfahrene Ärzte gefunden haben. Selbstverständlich? Keineswegs für Patienten, die mit einer der circa 7.000 bis 9.000 Seltenen Erkrankungen (SE) leben. Das gilt für rund vier Millionen Menschen in Deutschland. Oft brauchen sie Jahre, um die richtige Diagnose zu erhalten. Und dann ist ein kompetentes Zentrum mit einem erfahrenen Team von Ärzten und anderen Therapeuten oft weit entfernt – wenn es überhaupt existiert und der Patient davon erfährt. Damit diese zufällige Versorgung zuverlässig wird, wurde vom Nationalen Aktionsbündnis für Menschen mit Seltenen Erkrankungen (NAMSE) ein Zentrenmodell konzipiert. Über ganz Deutschland verteilt soll es krankheitsübergreifende Zentren für Seltene Erkrankungen geben, die Zentren für bestimmte Krankheiten umfassen und mit Zentren außerhalb des Krankenhauses zusammenarbeiten. Damit dieses Konzept auch Wirklichkeit wird, ist jetzt der gute Wille von Krankenkassen, Krankenhäusern und Kassenärzten erforderlich. Und auch dann gilt leider: Nur für etwa ein Prozent der Seltenen Erkrankungen gibt es bislang zugelassene Arzneimittel. Gerade deshalb sieht das Konzept auch vor, dass Versorgung und Forschung eng miteinander verknüpft werden.

Andreas L. Birkenfeld, Professor für Metabolisch- Vaskuläre Medizin, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der TU Dresden

Es bleibt spannend

Der Typ-2-Diabetes wurde früher auch Altersdiabetes genannt. Heute wissen wir, dass diese Form des Diabetes weniger mit dem Alter als vielmehr mit Lebensstilfaktoren, also Überernährung und körperlicher Inaktivität, zusammenhängt. Der Typ-2-Diabetes ist eine komplexe Erkrankung, bei der Umweltfaktoren auf eine genetische Prägung treffen müssen. Man kann am besten durch gesunde Ernährung und Sport vorbeugen, denn heilbar ist er bislang nicht. Trotzdem stellen wir große Fortschritte in der Behandlung fest. So ließ sich in den letzten 20 Jahren die Rate an Herzinfarkten bei diabetischen Patienten um mehr als zwei Drittel reduzieren. Allerdings ist diese Rate heute immer noch doppelt so hoch wie bei Patienten ohne Diabetes. Ein neues Behandlungsprinzip, bei dem der Zucker über die Niere, also beim Wasserlassen, ausgeschieden wird, hat im letzten Jahr erstaunlich gute Ergebnisse erbracht, denen zufolge wir bei Typ-2-Diabetikern den Tod durch Herzinfarkte noch weiter senken können. Hoffnung machen auch andere Behandlungserfolge: Bei sehr schwergewichtigen Typ-2-Diabetikern hilft eine Magen-Darm-Operation. Schon wenige Tage nach der Operation benötigen einige Patienten keine Insulinspritzen mehr. Die Geschwindigkeit dieser Verbesserung legt nahe, dass hier noch unbekannte Faktoren eine Rolle spielen. Diese zu finden ist Gegenstand der aktuellen Forschung. Vielleicht wird der Typ-2-Diabetes dadurch eines Tages heilbar.

Sandra Kellermann, Leserin

Genau hinschauen

Viele Krankheiten sind dann heilbar, wenn man sie frühzeitig erkennt. Als mein Vater noch ein Kind war, wäre er fast an einer Blinddarmentzündung gestorben, weil die Ärzte die Krankheit zunächst nicht erkannt hatten. Sein Hausarzt hat ihm dann das Leben gerettet, weil er den Blinddarm in Betracht zog. Es war dann bereits ein eiternder Blinddarmdurchbruch. Deshalb lasse ich meinen Sohn bei Bauchschmerzen als kleinen Test auch immer auf dem rechten Bein hüpfen und gucke, ob die Schmerzen dann größer werden. Ich will sicher gehen, dass es keine Blinddarmentzündung ist.

Alexa Steiger, Leserin

Besser impfen

Schaut man im Internet nach Krankheiten und deren Impfungen, stößt man an vorderster Front nicht auf medizinische Fachliteratur, sondern erst einmal auf Impfkritikseiten. Natürlich kann eine Impfung für Kinder, die auf Fieber heftiger reagieren als andere, schlimm sein und man würde das Leiden seinem Kind gerne ersparen. Aber durch die Impfung wird die Krankheit nur im Kleinen durchlebt. Wird sie in voller Heftigkeit durchgemacht, ist sie nun einmal viel gefährlicher. Und es gibt Kinder, die sich aufgrund ihres Gesundheitszustandes nicht impfen lassen können. Man sollte bedenken, dass man diese Kinder mit gefährdet, weil die Krankheit sich durch unterlassene Impfung weiter verbreiten kann. Wer denkt, es sei gut für ein Kind, dass es eine Kinderkrankheit einmal mitmachen sollte, dem sei gesagt, es gibt definitiv noch genug Kinderkrankheiten, gegen die man sich nicht impfen lassen kann. Ihr Kind wird also in jedem Fall noch oft genug krank werden!

Frank Stratmann, Bundesverband Internetmedizin e.V. (BiM)

Dem Doktor so nah

Wie passen Internet und Gesundheit zusammen? Das Gesundheitswesen ist online. Zahlreiche Innovationen werden im klinischen Alltag bereits eingesetzt. Zugegeben, noch zurückhaltend, aber immerhin. Wir sprechen gern von Telemedizin oder e-Health. Die unterschätzte Dimension ist die schleichende Renaissance der „sprechenden Medizin“. Die am Gesundheitsgeschehen Beteiligten zeigen sich digital vernetzt. Wenn Märkte Gespräche sind, dann gilt das erst recht für den Gesundheitsmarkt. Das Arzt-Patienten-Verhältnis wird sich neu erfinden. Der gesellschaftliche Diskurs, wie wir mit unseren Daten umgehen, ist in vollem Gange. Eine Messbarkeit von Qualität geht nur über Daten. Big Data lässt grüßen. Ein anachronistisch anmutendes Fernbehandlungsverbot gilt bereits als überwunden. Der erste gesetzliche Versicherer setzt auf Online-Videosprechstunde. Aufzuhalten ist das nicht mehr. Internetmedizin ist da. Sie wirkt im dritten Gesundheitssektor, dem Alltag der Menschen. Deutsche Start-ups zeigen, dass eine digitale Therapie bei Krankheiten wie Tinnitus und Amblyopie möglich ist. Das Smartphone wird zum Medizinprodukt. Krankenkassen bezahlen. Die Gesundheitswirtschaft selbst erwacht aus dem analogen Dornröschenschlaf. Forderungen werden laut, dem Innovationsdrang der deutschen Health-Start-ups Rechnung zu tragen. Ihnen soll der Weg ins deutsche Gesundheitswesen geebnet werden, betonte jüngst der Bundesgesundheitsminister. Helfen muss es.

Gudrun Spiegler, Leserin

Des eigenen Körpers Schmied

Adipositas ist eine Krankheit, die man in vielen Fällen vermeiden und auch wieder heilen kann. Durch eine Umstellung der Ernährung und durch Bewegung. In schwerwiegenden Fällen muss wohl auch eine Operation dazukommen. Dass die Ernährungsweise und Sport die Säulen sind, weiß eigentlich jeder. Aber die Umsetzung ist das schwierige. Es geht darum, den Willen zu entwickeln, seine Lebensweise zwar langsam, aber dann für immer zu ändern. Eingespielte Essensriten, die auch oft den Augenblick schöner machen, zu ändern. Beispielsweise sollte man unterlassen, abends noch vor dem Fernseher zu knabbern, auch wenn es wahnsinnig gemütlich ist. Auch der Kuchen nachmittags führt zu mehr unnötigen Pfunden. Es ist weit verbreitet, seinen eigenen Körper nicht zu mögen, aber ihm Gutes zu tun, das ist eben mit Arbeit und Verzicht verbunden. Aber selbst wenn man sich wirklich redlich bemüht, gesund zu essen, kann man ganz schön hereinfallen. Neulich hatte ich im Bioladen ein Müsli gekauft, das so süß war, dass man es höchstens als Nachtisch, nicht als Malzeit verwenden konnte. Zu Plätzchen hätte man es auch weiterverarbeiten können. Für solche Lebensmittel fände ich die Idee mit der Ernährungsampel gar nicht so schlecht!

Viola Trauter, Leserin

Hans-Wurst-Medizin

Mein Vertrauen in meinen Hausarzt ist nicht sehr hoch. Wie soll er Krankheiten heilen, wenn es sie noch nicht einmal erkennen kann? Ich habe das Gefühl, er muss sie erst noch googeln und Antibiotikum wird prophylaktisch empfohlen und ich soll dann so nach Gefühl entscheiden, ob ich es nehmen will. Natürlich ist ein junger Arzt noch nicht so erfahren wie ein älterer. Trotzdem würde ich mir von meinem Arzt wünschen, dass er sich dann mehr Zeit nimmt und sich intensiver mit den Symptomen auseinandersetzt. Sie fragen, warum ich den Arzt dann nicht wechsle? Er ist fußläufig erreichbar und schreibt mir unkompliziert ein Attest, wenn ich eins benötige.

Nina Hirt, Leserin

Gefühlte Wahrheit

Ich kenne kein deutsches Wort für „man flu“, aber das Phänomen: Auch mein Freund leidet unglaublich, wenn er eine Erkältung hat und hält das bisschen Husten und Schnupfen gleich für eine Grippe. Er will dann ganz besonders viel Pflege und am besten die Tapferkeitsmedaille für das Ertragen der Krankheit. Dagegen hilft meist schon zu sagen, nur gesunde Menschen dürften abends ein Bier trinken. Spätestens aber, wenn ich erzähle, dass bei unseren Nachbarn im Februar schon angegrillt wird, hält auch er sich für gesund genug, wieder das Bett zu verlassen.

Birgit Kallinowski, Apl. Professorin für Gastroenterologie, Universität Heidelberg

Hepatitis C ist endlich heilbar

Wer Hepatitis C bekam, hatte bis vor kurzem nur eine 50-prozentige Chance auf Therapieerfolg. Die eingesetzten Medikamente unterstützen lediglich die Immunabwehr bei der Bekämpfung des Virus. Vor allem die Interferone verursachten viele Nebenwirkungen wie Fieber, Gewichtsverlust und Depressionen. Seit 2014 sind nun auch Substanzen auf dem Markt, die das Virus bereits an seiner Vermehrung hindern können. Der Fortschritt ist beträchtlich: Die deutlich kürzeren Therapien weisen nur eine geringe Rate an Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Juckreiz oder milde Kopf- oder Gliederschmerzen auf. Die Heilungsraten liegen bei über 90 Prozent, die Leberfunktion erholt sich und die HCV-bedingten Beschwerden lassen nach. Einziger Nachteil: Die dreimonatigen Therapien sind mit derzeit circa 60.000 Euro extrem teuer. Grundsätzlich hat jeder mit Hepatitis C infizierte Patient ein Anrecht auf eine Therapie. Welche Therapie für den einzelnen Patienten am besten geeignet ist, hängt aber von vielen Faktoren ab. Die Krankenkassen möchten diese kostenintensiven Therapien möglichst begrenzen auf Patienten mit weit fortgeschrittenen Leberschäden und drohen den behandelnden Gastroenterologen Regresse an. Um die richtige maßgeschneiderte Therapie zu finden, sollten sich Patienten daher an Leberspezialisten wenden. Auf der Homepage www.magen-darm-aerzte.de findet jeder Patient einen wohnortnahen Hepatologen.

Hans-Werner Rohrspecht, Leser

Besiege die Angst

Mehrere Menschen in meinem Freundeskreis leiden unter Flugangst. Von außen wirkt das ganz süß, wenn sie sich vor dem Start an meinen Arm klammern und ständig Fragen stellen, ob dieses oder jenes Geräusch normal sei. Natürlich biete ich ihnen gerne meinen starken Arm als Sicherheit an. Aber für die Betroffenen selbst ist dies gar nicht lustig, sondern eine ernstzunehmende Krankheit: Aviophobie. Bei denjenigen, bei denen es nicht so ausgeprägt ist, reichen meist Beruhigungstabletten, guter Zuspruch und vor allem Sicherheit ausstrahlen. Sie wissen auch selbst, dass die Angst völlig übertrieben ist und Flugzeugabstürze sehr selten vorkommen. Aber auch ich kann die Angst nachvollziehen, weil man in einer Notsituation nichts tun könnte, man völlig ausgeliefert wäre. Wahrscheinlich wird nur wegen der Flugangst vor dem Start immer erklärt, wie toll man ins Wasser rutschen könnte, wenn das Flugzeug dort eine Bruchlandung macht. Bei härteren Fällen der Aviophobie, also bei denjenigen, die nicht einmal ein Flugzeug besteigen würden, wenn es um beruflich relevante Reisen geht, hilft nur eine Therapie. Es geht in der Therapie darum, dass die Angst erst gar nicht entsteht und man mit viel mehr Gelassenheit in den Flieger steigt. Ich kann nur von einer Bekannten sprechen, die solch eine Therapie gemacht hat, aber bei ihr hat es geholfen. Sie hat danach tatsächlich einen Flieger bestiegen, einfach um einmal Urlaub zu machen.

Gottfried Almenau, Leser

Beschwerden durch Krampfadern kann man immer noch nach dem altbewährten Rezept der Kneippkur lindern. Und immer mal barfuß gehen!

Harald Glööckler, Stardesigner

Glatze muss nicht mehr sein

Alle Schönheitsmängel, die dem normalen Alterungsprozess unterliegen, würde ich nicht als Krankheit ansehen. Das Thema Haarausfall kann aber bei Männern zu einer enormen Strapaze führen. Männer reden nicht gerne darüber, aber es stellt in vielen Fällen eine solch psychisch schwierige Belastung dar, dass die Lebensfreude darunter leidet. Einige Männer haben das Glück, mit vollem Haar geboren zu werden. Ich hatte bereits als Kind angeborene Geheimratsecken. Mit Anfang 20 wurde das Problem offensichtlicher und mit Mitte 30 akut. Nun gibt es verschiedene Arten, damit umzugehen. Die einen tragen einen unschönen Kranz, andere ein Toupet oder wieder andere rasieren sich eine Glatze. Für mich wäre eine Perücke am ehesten in Frage gekommen. Irgendwann kam ich an den Punkt und habe mich für eine Haartransplantation entschieden. Diese Operation ist nicht zu unterschätzen und die meisten müssen sich sogar zwei- bis dreimal der Prozedur unterziehen. Mit zunächst kahlen Stellen und nach acht Wochen ausfallenden Haaren bedeutet dies häufig, dass der Betroffene ein Jahr lang keine Haare hat. Trotzdem ist es für Menschen, die es bezahlen können, eine tolle Möglichkeit. In einem Land, das sich eigentlich Gesundheit leisten kann, sollten nicht nur die Folgekrankheiten derjenigen, die tatsächlich psychisch stark unter dem Haarverlust leiden, behandelt werden. Ein neues Konzept der Krankenkassen wäre wünschenswert.

Jörg Klernow, Leser

Manchmal lassen sich Rückenschmerzen ganz simpel heilen: Nämlich durch ein neues Kopfkissen! Ich rate jedem, einfach mal auf einem anderen Kissen zu schlafen, wenn der Nacken weh tut. Bei mir lag es tatsächlich daran.

Uta Reinicke, Leserin

Bewährte Hausmittel

Bei uns in der Familie haben gerade alle mit einer Erkältung zu kämpfen. Daher möchte ich hier gleich einmal meine Tipps für ein besseres Abheilen weitergeben: Was bei mir am besten hilft, ist Inhalieren. Dazu bereite ich Kamillentee aus getrockneten Blüten in einer Schüssel zu, halte den Kopf mit einem Handtuch darüber und atme tief ein und aus. Die heißen Ka- millenteedämpfe brennen ein wenig in der Nase, aber danach ist die Nase tat- sächlich für einige Zeit wieder frei und man kann die wohltuenden Prozedur auch gerne mehrmals am Tag wieder- holen. Bei kleinen Kindern muss al- lerdings ein Erwachsener assistieren und sollte auch aufpassen, dass sich das Kind nicht verbrüht. Abends hilft, Brust und Rücken mit ätherischen Salben einzureiben. Eine heiße Zit- rone oder frisch gepresster Orangen- saft schmecken sogar noch lecker, viel frische Luft tut ebenfalls gut, solange kein Fieber dazu kommt. Bei Kindern ist ganz wichtig, dass sie richtig Nase- putzen üben! Da die Verbindung zwi- schen Nasenraum und Paukenhöhle bei Kindern kürzer ist, kommt es bei Schnupfen und falschem Naseputzen häufig zur Mittelohrentzündung. Und da gilt es im Vorfeld zu vermeiden, dass diese schlimmen Schmerzen ent- stehen.

Ruth Lümmering, Leserin

Zum Glück harmlos

Gelbsucht klingt erst einmal schlimm. Diese Krankheit haben aber über die Hälfte der Neugeborenen, meine Tochter war darunter. Diese Kinder sehen seltsamerweise immer besonders gesund aus, so gebräunt, das liegt an einem gelben Gallenfarbstoff. Da wir nach der Entbindung noch ein paar Tage im Krankenhaus bleiben mussten, war meine Tochter auch immer gut unter Beobachtung und die Ärzte meinten, es würde trotz des gräulichen Winterwetters ausreichen, wenn ich mich zum Stillen ans Fenster setze. Sonneneinstrahlung hilft gegen Gelbsucht, genauso wie Stillen. Nach zwei Wochen sollte die Gesichtsfärbung verschwunden sein und die Kinder wieder käsebleich aussehen. Wichtig ist, besonders wenn man direkt nach der Geburt das Krankenhaus verlässt, dass man zusammen mit der nachbehandelnden Hebamme die Gelbsucht im Blick behält. Denn zu hohe Werte können zu Schäden im Nervengewebe führen. Ich weiß auch von Freunden, dass deren Kinder mit Gelbsucht nach der Geburt mehrmals in einen Kasten zur Bestrahlung mussten, zu einer Lichttherapie. Auch dies ist nicht weiter schlimm für die Kinder. Sie bekommen eine Schutzbrille für die Augen und werden mit blauem Licht bestrahlt. Das Licht dient dazu, dass das Bilirubin, also der gelbe Gallenstoff, ausgeschieden wird. Es handelt sich bei Neugeborenen also um eine sehr unkompliziert heilbare Krankheit, man muss sie nur ernst nehmen und behandeln.

Christian Hellbach, Leser

Geisel Heuschnupfen

So viele Krankheiten werden erforscht, ich wünschte, eines Tages wird auch der Heuschnupfen heilbar sein. Er schränkt die Lebensqualität ungemein ein und betrifft schon die Kinder. Ich selbst bin auf dem Land aufgewachsen und habe es als Kind mit Sensibilisierung probiert, es hat nichts geholfen. Ich musste die schönen Sommer im Haus verbringen. Und heute wollen mir die Ärzte immer nur Schabernack für viel Geld andrehen. Kann nicht die Pharmaindustrie hier einmal ein wirksames Medikament entwickeln?

Sebastian K., Leser

Karies ist heilbar. Sie kann nur teuer werden, wenn man hochwertige Materialien verarbeiten lässt. Ich habe bereits den Wert eines Kleinwagens ausgegeben.

Joseph Rosenecker, Leiter der Arbeitsgruppe „Nukleinsäure Transfer“, Kinderklinik und Kinderpoliklinik der Universität München

An den Bausteinen des Lebens

Kaum eine Disziplin der Medizin hat in den letzten Jahren einen vergleichbaren Zugewinn an Erkenntnissen zu verzeichnen wie die Genetik. Unser Verständnis über die Ursachen angeborener Erkrankungen und deren molekularer Mechanismen hat sich erheblich erweitert. Gleichzeitig wurde die Komplexität der Regulation genetischer Abläufe deutlich. Während die Erfolge diagnostischer Verfahren wie zum Beispiel das Mutations-Screening, das ein frühes Erkennen angeborener Erkrankungen ermöglicht, unbestreitbar sind, blieben die anfangs gehegten Hoffnungen auf die Etablierung neuer Therapieverfahren wie der Gentherapie zunächst aus. Doch die intensive Forschungsarbeit trägt endlich erste Früchte, vor allem bei seltenen angeborenen Erkrankungen. Europäische Forschungsgruppen sind auf dem Feld der Gentherapie besonders erfolgreich. Dies liegt unter anderem daran, dass Forschungsförderung in Europa weniger von kommerziellen Interessen gelenkt wird, als dies in den USA der Fall ist. Bei seltenen Erkrankungen lassen sich im Erfolgsfall einer neuen Therapie nicht so hohe Umsätze erzielen wie bei häufigen Erkrankungen. Aber seltene angeborene Erkrankungen sind oft besser charakterisiert und so lassen sich gezielter entsprechende Gentherapie-Ansätze entwickeln. Eine Vielzahl von Gentherapie-Studien wurde in letzter Zeit gestartet und es ist zu erwarten, dass jetzt auch Erkenntnisse aus der Genetik zu erfolgreichen Therapien führen werden.

Regina Pfännle, Leserin

Bewegt euch

Sport ist ein fantastisches Medikament, es hilft gegen viele Krankheiten. Als Sporttherapeutin kam ich mit diversen Arbeitsgruppen in Kontakt. Nicht jede Sportart ist geeignet und Sport ist auch nicht die einzige Therapieform, aber viele nutzen diese Möglichkeit einfach lieber und bleiben dabei. Bei psychischen Krankheiten wie Depressionen oder Angststörungen hat es positive Effekte, aber auch nach vielen Operationen setzt man inzwischen mehr auf Sport als auf Schonung.

Rebecca Mardier, Leserin

Seit Monaten habe ich eingerissene Mundwinkel und wusste nicht, woran es liegt. Meine Ärztin meinte heute, es könne ein Vitamin-D3-Mangel sein. Das wäre ja einfach zu heilen, ich probiere jetzt einmal Kapseln.

Friedemann Trabenhalt, Leser

Hilfe aus der Natur

Alternative Therapien können mehr Krankheiten heilen als man denkt. Johanniskraut ist ein gutes Beispiel für ein wirksames Mittel aus der Pflanzenheilkunde, aber auch Techniken wie Akupunktur können Schmerzen lindern. Doch wenn man deswegen zum Heilpraktiker geht, sollte man wissen, dass diese Berufsbezeichnung nichts über die Ausbildung aussagt. Eine Heilpraktikerprüfung stellt nur fest, dass bei der Ausübung keine Gefahr für die Gesundheit des Patienten besteht und er rechtzeitig an einen Schularzt überwiesen wird.

Kirsten Wendler, Leserin

Keine Panik

Ich schreibe jetzt einmal ganz frei von der Leber weg, obwohl ich nicht weiß, ob man Läuse offiziell zu den Krankheiten zählt. Aber da wir ständig die E-Mail „Läusealarm“ aus der Schule erhalten, ist das Thema zumindest in bestimmten Kreisen extrem verbreitet. Was sind das für Kreise? Vor allem Jungs im Grundschulalter, die sich die ganze Zeit kappeln und Körperkontakt mit anderen Kindern haben. Und seit Schulen anfingen, eine Matratze in den Klassenraum zu legen, eigentlich, damit sich müde Kinder darauf ausruhen können, liegen dort bis zu zehn Jungs eben mal aufeinender und messen ihre Kräfte. Ein Übertragungsparadies für Läuse! Selbstverständlich krabbeln die Läuse nach einigen Stunden zu Hause auch auf die Köpfe sämtlicher Familienmitglieder, die angekuschelt werden. Sie gehen übrigens auch lieber auf gewaschenes Haar. Beim ersten Läusealarm habe ich mich noch krank gemeldet, habe in die Apotheke Läusemittel gekauft, alles gewaschen und in Plastiktüten gepackt. Inzwischen sind wir ganz cool geworden. Wenn es mal wieder juckt, frag ich einfach denjenigen, der gerade da ist, ob er eben mal hinter meinem Ohr nach weißen Punkten gucken könnte und hau mir einfach die Packung Läusemittel ins Haar, die wir inzwischen immer vorrätig da haben. Das müssen natürlich alle Familienmitglieder machen. Kopfkissen wasche ich noch, aber alles in Tüten packen, muss man meiner Meinung nach nicht, um von Läusen geheilt zu bleiben.

Rosi Graupner, Leserin

Ich habe Angst vor Ärzten. Als Gegenmittel belohne ich mich immer nach einem Arztbesuch: Ich gehe schön Essen oder kaufe mir etwas Hübsches zum Anziehen. Schon auf dem Weg zum Arzt versuche ich nur an die Belohnung zu denken, drücke mich dadurch vor keiner Untersuchung und beuge so den Krankheiten vor.

Regina Pfännle, Leser_In

Sport ist ein fantastisches Medikament, es hilft gegen viele Krankheiten. Als Sporttherapeutin kam ich mit diversen Arbeitsgruppen in Kontakt. Nicht jede Sportart ist geeignet und Sport ist auch nicht die einzige Therapieform, aber viele nutzen diese Möglichkeit einfach lieber und bleiben dabei. Bei psychischen Krankheiten wie Depressionen oder Angststörungen hat es positive Effekte, aber auch nach vielen Operationen setzt man inzwischen mehr auf Sport als auf Schonung.

Friedemann Trabenhalt, Leser_In

Alternative Therapien können mehr Krankheiten heilen als man denkt. Johanniskraut ist ein gutes Beispiel für ein wirksames Mittel aus der Pflanzenheilkunde, aber auch Techniken wie Akupunktur können Schmerzen lindern. Doch wenn man deswegen zum Heilpraktiker geht, sollte man wissen, dass diese Berufsbezeichnung nichts über die Ausbildung aussagt. Eine Heilpraktikerprüfung stellt nur fest, dass bei der Ausübung keine Gefahr für die Gesundheit des Patienten besteht und er rechtzeitig an einen Schularzt überwiesen wird.

Jörg Klernow, Leser_In

Manchmal lassen sich Rückenschmerzen ganz simpel heilen: Nämlich durch ein neues Kopfkissen! Ich rate jedem, einfach mal auf einem anderen Kissen zu schlafen, wenn der Nacken weh tut. Bei mir lag es tatsächlich daran.

Christian Hellbach, Leser_In

So viele Krankheiten werden erforscht, ich wünschte, eines Tages wird auch der Heuschnupfen heilbar sein. Er schränkt die Lebensqualität ungemein ein und betrifft schon die Kinder. Ich selbst bin auf dem Land aufgewachsen und habe es als Kind mit Sensibilisierung probiert, es hat nichts geholfen. Ich musste die schönen Sommer im Haus verbringen. Und heute wollen mir die Ärzte immer nur Schabernack für viel Geld andrehen. Kann nicht die Pharmaindustrie hier einmal ein wirksames Medikament entwickeln?

Gudrun Spiegler, Leser_In

Adipositas ist eine Krankheit, die man in vielen Fällen vermeiden und auch wieder heilen kann. Durch eine Umstellung der Ernährung und durch Bewegung. In schwerwiegenden Fällen muss wohl auch eine Operation dazukommen. Dass die Ernährungsweise und Sport die Säulen sind, weiß eigentlich jeder. Aber die Umsetzung ist das schwierige. Es geht darum, den Willen zu entwickeln, seine Lebensweise zwar langsam, aber dann für immer zu ändern. Eingespielte Essensriten, die auch oft den Augenblick schöner machen, zu ändern. Beispielsweise sollte man unterlassen, abends noch vor dem Fernseher zu knabbern, auch wenn es wahnsinnig gemütlich ist. Auch der Kuchen nachmittags führt zu mehr unnötigen Pfunden. Es ist weit verbreitet, seinen eigenen Körper nicht zu mögen, aber ihm Gutes zu tun, das ist eben mit Arbeit und Verzicht verbunden. Aber selbst wenn man sich wirklich redlich bemüht, gesund zu essen, kann man ganz schön hereinfallen. Neulich hatte ich im Bioladen ein Müsli gekauft, das so süß war, dass man es höchstens als Nachtisch, nicht als Malzeit verwenden konnte. Zu Plätzchen hätte man es auch weiterverarbeiten können. Für solche Lebensmittel fände ich die Idee mit der Ernährungsampel gar nicht so schlecht!

Nina Hirt, Leser_In

Ich kenne kein deutsches Wort für „man flu“, aber das Phänomen: Auch mein Freund leidet unglaublich, wenn er eine Erkältung hat und hält das bisschen Husten und Schnupfen gleich für eine Grippe. Er will dann ganz besonders viel Pflege und am besten die Tapferkeitsmedaille für das Ertragen der Krankheit. Dagegen hilft meist schon zu sagen, nur gesunde Menschen dürften abends ein Bier trinken. Spätestens aber, wenn ich erzähle, dass bei unseren Nachbarn im Februar schon angegrillt wird, hält auch er sich für gesund genug, wieder das Bett zu verlassen.

Viola Trauter, Leser_In

Mein Vertrauen in meinen Hausarzt ist nicht sehr hoch. Wie soll er Krankheiten heilen, wenn es sie noch nicht einmal erkennen kann? Ich habe das Gefühl, er muss sie erst noch googeln und Antibiotikum wird prophylaktisch empfohlen und ich soll dann so nach Gefühl entscheiden, ob ich es nehmen will. Natürlich ist ein junger Arzt noch nicht so erfahren wie ein älterer. Trotzdem würde ich mir von meinem Arzt wünschen, dass er sich dann mehr Zeit nimmt und sich intensiver mit den Symptomen auseinandersetzt. Sie fragen, warum ich den Arzt dann nicht wechsle? Er ist fußläufig erreichbar und schreibt mir unkompliziert ein Attest, wenn ich eins benötige.

Gottfried Almenau, Leser_In

Beschwerden durch Krampfadern kann man immer noch nach dem altbewährten Rezept der Kneippkur lindern. Und immer mal barfuß gehen!

Alexa Steiger, Leser_In

Schaut man im Internet nach Krankheiten und deren Impfungen, stößt man an vorderster Front nicht auf medizinische Fachliteratur, sondern erst einmal auf Impfkritikseiten. Natürlich kann eine Impfung für Kinder, die auf Fieber heftiger reagieren als andere, schlimm sein und man würde das Leiden seinem Kind gerne ersparen. Aber durch die Impfung wird die Krankheit nur im Kleinen durchlebt. Wird sie in voller Heftigkeit durchgemacht, ist sie nun einmal viel gefährlicher. Und es gibt Kinder, die sich aufgrund ihres Gesundheitszustandes nicht impfen lassen können. Man sollte bedenken, dass man diese Kinder mit gefährdet, weil die Krankheit sich durch unterlassene Impfung weiter verbreiten kann. Wer denkt, es sei gut für ein Kind, dass es eine Kinderkrankheit einmal mitmachen sollte, dem sei gesagt, es gibt definitiv noch genug Kinderkrankheiten, gegen die man sich nicht impfen lassen kann. Ihr Kind wird also in jedem Fall noch oft genug krank werden!

Hans-Werner Rohrspecht, Leser_In

Mehrere Menschen in meinem Freundeskreis leiden unter Flugangst. Von außen wirkt das ganz süß, wenn sie sich vor dem Start an meinen Arm klammern und ständig Fragen stellen, ob dieses oder jenes Geräusch normal sei. Natürlich biete ich ihnen gerne meinen starken Arm als Sicherheit an. Aber für die Betroffenen selbst ist dies gar nicht lustig, sondern eine ernstzunehmende Krankheit: Aviophobie. Bei denjenigen, bei denen es nicht so ausgeprägt ist, reichen meist Beruhigungstabletten, guter Zuspruch und vor allem Sicherheit ausstrahlen. Sie wissen auch selbst, dass die Angst völlig übertrieben ist und Flugzeugabstürze sehr selten vorkommen. Aber auch ich kann die Angst nachvollziehen, weil man in einer Notsituation nichts tun könnte, man völlig ausgeliefert wäre. Wahrscheinlich wird nur wegen der Flugangst vor dem Start immer erklärt, wie toll man ins Wasser rutschen könnte, wenn das Flugzeug dort eine Bruchlandung macht. Bei härteren Fällen der Aviophobie, also bei denjenigen, die nicht einmal ein Flugzeug besteigen würden, wenn es um beruflich relevante Reisen geht, hilft nur eine Therapie. Es geht in der Therapie darum, dass die Angst erst gar nicht entsteht und man mit viel mehr Gelassenheit in den Flieger steigt. Ich kann nur von einer Bekannten sprechen, die solch eine Therapie gemacht hat, aber bei ihr hat es geholfen. Sie hat danach tatsächlich einen Flieger bestiegen, einfach um einmal Urlaub zu machen.

Ruth Lümmering, Leser_In

Gelbsucht klingt erst einmal schlimm. Diese Krankheit haben aber über die Hälfte der Neugeborenen, meine Tochter war darunter. Diese Kinder sehen seltsamerweise immer besonders gesund aus, so gebräunt, das liegt an einem gelben Gallenfarbstoff. Da wir nach der Entbindung noch ein paar Tage im Krankenhaus bleiben mussten, war meine Tochter auch immer gut unter Beobachtung und die Ärzte meinten, es würde trotz des gräulichen Winterwetters ausreichen, wenn ich mich zum Stillen ans Fenster setze. Sonneneinstrahlung hilft gegen Gelbsucht, genauso wie Stillen. Nach zwei Wochen sollte die Gesichtsfärbung verschwunden sein und die Kinder wieder käsebleich aussehen. Wichtig ist, besonders wenn man direkt nach der Geburt das Krankenhaus verlässt, dass man zusammen mit der nachbehandelnden Hebamme die Gelbsucht im Blick behält. Denn zu hohe Werte können zu Schäden im Nervengewebe führen. Ich weiß auch von Freunden, dass deren Kinder mit Gelbsucht nach der Geburt mehrmals in einen Kasten zur Bestrahlung mussten, zu einer Lichttherapie. Auch dies ist nicht weiter schlimm für die Kinder. Sie bekommen eine Schutzbrille für die Augen und werden mit blauem Licht bestrahlt. Das Licht dient dazu, dass das Bilirubin, also der gelbe Gallenstoff, ausgeschieden wird. Es handelt sich bei Neugeborenen also um eine sehr unkompliziert heilbare Krankheit, man muss sie nur ernst nehmen und behandeln.

Kirsten Wendler, Leser_In

Ich schreibe jetzt einmal ganz frei von der Leber weg, obwohl ich nicht weiß, ob man Läuse offiziell zu den Krankheiten zählt. Aber da wir ständig die E-Mail „Läusealarm“ aus der Schule erhalten, ist das Thema zumindest in bestimmten Kreisen extrem verbreitet. Was sind das für Kreise? Vor allem Jungs im Grundschulalter, die sich die ganze Zeit kappeln und Körperkontakt mit anderen Kindern haben. Und seit Schulen anfingen, eine Matratze in den Klassenraum zu legen, eigentlich, damit sich müde Kinder darauf ausruhen können, liegen dort bis zu zehn Jungs eben mal aufeinender und messen ihre Kräfte. Ein Übertragungsparadies für Läuse! Selbstverständlich krabbeln die Läuse nach einigen Stunden zu Hause auch auf die Köpfe sämtlicher Familienmitglieder, die angekuschelt werden. Sie gehen übrigens auch lieber auf gewaschenes Haar. Beim ersten Läusealarm habe ich mich noch krank gemeldet, habe in die Apotheke Läusemittel gekauft, alles gewaschen und in Plastiktüten gepackt. Inzwischen sind wir ganz cool geworden. Wenn es mal wieder juckt, frag ich einfach denjenigen, der gerade da ist, ob er eben mal hinter meinem Ohr nach weißen Punkten gucken könnte und hau mir einfach die Packung Läusemittel ins Haar, die wir inzwischen immer vorrätig da haben. Das müssen natürlich alle Familienmitglieder machen. Kopfkissen wasche ich noch, aber alles in Tüten packen, muss man meiner Meinung nach nicht, um von Läusen geheilt zu bleiben.

Rebecca Mardier, Leser_In

Seit Monaten habe ich eingerissene Mundwinkel und wusste nicht, woran es liegt. Meine Ärztin meinte heute, es könne ein Vitamin-D3-Mangel sein. Das wäre ja einfach zu heilen, ich probiere jetzt einmal Kapseln.

Rosi Graupner, Leser_In

Ich habe Angst vor Ärzten. Als Gegenmittel belohne ich mich immer nach einem Arztbesuch: Ich gehe schön Essen oder kaufe mir etwas Hübsches zum Anziehen. Schon auf dem Weg zum Arzt versuche ich nur an die Belohnung zu denken, drücke mich dadurch vor keiner Untersuchung und beuge so den Krankheiten vor.

Sebastian K., Leser_In

Karies ist heilbar. Sie kann nur teuer werden, wenn man hochwertige Materialien verarbeiten lässt. Ich habe bereits den Wert eines Kleinwagens ausgegeben.

Femke Redelsbach, Leser_In

Scharlach ist heilbar, interessanterweise ist die Heilungsdauer aber abhängig davon, in welchem Bundesland man wohnt. Oder wie erklärt sich sonst, dass mein Berliner Sohn drei Tage früher wieder in die Kita durfte als der Sohn meiner besten Freundin in Niedersachsen?

Mara Heinzberg, Leser_In

Viele Krankheiten sind heute glücklicherweise einfach durch ein Antibiotikum heilbar. Man sollte es nicht ständig nehmen, vielleicht nicht einmal so oft wie es verschrieben wird und dann in jedem Fall auch bis zu Ende. Aber wer auch schon einmal an einer Blasenentzündung gelitten hat, diese Schmerzen hatte, und die Blasenentzündung wurde auch durch Literweise Teetrinken und warm einpacken nicht besser, der weiß, wie dankbar man für dieses schnell wirksame Medikament ist.

Hannelore Magnas, Leser_In

Viele – besonders wenn man auf sein Recht auf eine Behandlung pocht oder die Angehörigen Druck machen, dass eine Therapie auch eingeleitet wird und der Patient nicht abgeschrieben wird.

Uta Reinicke, Leser_In

Bei uns in der Familie haben gerade alle mit einer Erkältung zu kämpfen. Daher möchte ich hier gleich einmal meine Tipps für ein besseres Abheilen weitergeben: Was bei mir am besten hilft, ist Inhalieren. Dazu bereite ich Kamillentee aus getrockneten Blüten in einer Schüssel zu, halte den Kopf mit einem Handtuch darüber und atme tief ein und aus. Die heißen Kamillenteedämpfe brennen ein wenig in der Nase, aber danach ist die Nase tatsächlich für einige Zeit wieder frei und man kann die wohltuenden Prozedur auch gerne mehrmals am Tag wiederholen. Bei kleinen Kindern muss allerdings ein Erwachsener assistieren und sollte auch aufpassen, dass sich das Kind nicht verbrüht. Abends hilft, Brust und Rücken mit ätherischen Salben einzureiben. Eine heiße Zitrone oder frisch gepresster Orangensaft schmecken sogar noch lecker, viel frische Luft tut ebenfalls gut, solange kein Fieber dazu kommt. Bei Kindern ist ganz wichtig, dass sie richtig Naseputzen üben! Da die Verbindung zwischen Nasenraum und Paukenhöhle bei Kindern kürzer ist, kommt es bei Schnupfen und falschem Naseputzen häufig zur Mittelohrentzündung. Und da gilt es im Vorfeld zu vermeiden, dass diese schlimmen Schmerzen entstehen.

Sandra Kellermann, Leser_In

Viele Krankheiten sind dann heilbar, wenn man sie frühzeitig erkennt. Als mein Vater noch ein Kind war, wäre er fast an einer Blinddarmentzündung gestorben, weil die Ärzte die Krankheit zunächst nicht erkannt hatten. Sein Hausarzt hat ihm dann das Leben gerettet, weil er den Blinddarm in Betracht zog. Es war dann bereits ein eiternder Blinddarmdurchbruch. Deshalb lasse ich meinen Sohn bei Bauchschmerzen als kleinen Test auch immer auf dem rechten Bein hüpfen und gucke, ob die Schmerzen dann größer werden. Ich will sicher gehen, dass es keine Blinddarmentzündung ist.

Sara Schreiber, Leser_In

Was die Medizin heute vollbringen kann, grenzt schon an Wunder. Nichts ist berührender als Kinder, die heute ein uneingeschränktes Leben führen können, obwohl sie früher an einer Fehlbildung gestorben wären. Die Untersuchungen während der Schwangerschaft sind inzwischen so genau, dass oftmals Kinder direkt nach der Geburt operiert werden können, was ihre Chancen wesentlich erhöht. Nicht alle Krankheiten können geheilt werden, aber ich kenne ein Kind, das jetzt vollkommen gesund ist und allein wegen dieses Kindes gilt dem Können der Ärzte heute meine ganze Bewunderung.

Reinhard Feldle, Leser_In

Ob Krankheiten jetzt auch geheilt werden können, darüber entscheiden nicht nur der medizinische Fortschritt oder die finanziellen Möglichkeiten, sondern hier in Deutschland auch politische Regelungen die sich an ethischen Fragen orientieren sollen. Viele Krankheiten ließen sich heilen, Menschenleben könnten gerettet werden, wenn es genügend Spenderorgane geben würde. Aber in Deutschland herrscht die sogenannte Entscheidungslösung für Organentnahmen. Das bedeutet, dass man sich entscheiden kann, nach dem Tod Organe zu spenden, man muss sich aber nicht entscheiden und letztendlich treffen nur 22 Prozent der Deutschen überhaupt eine Entscheidung. Dabei hätte die Mehrheit der Deutschen gar nichts dagegen, dass Ihnen nach dem Tod Organe entnommen werden. Aber der Schritt, sich einen Organspendeausweis auszudrucken und auszufüllen, ist eben für die meisten ein Schritt zuviel. In Österreich hingegen herrscht die Widerspruchsregel, das bedeutet, dass jedem nach dem Tod Organe entnommen werden dürfen, der nicht widersprochen hat. Damit ist die Spenderquote wesentlich höher, obwohl Deutschland und Österreich wenig kulturelle Unterschiede aufweisen. Mit rein ethischen Fragen hängt es also kaum zusammenhängen, wohl eher mit der gesetzlichen Regelung.

Michael S., Leser_In

Tragische Lebensgeschichten mit gutem Ende fördern positive Gedanken. Ich würde mir wünschen an solchen teilzuhaben, um selber wieder positiv in die Welt zu blicken.

familie-polke@web.de, Leser_In

Herpes

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Was verbindet uns?

Wir gegen die – dass ist das altbekannte Muster. Warum fokussieren wir eigentlich immer zuerst die Unterschiede? Welche Gemeinsamkeit haben Sie mit Ihnen persönlich völlig Fremden?

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Ulrich Wickert, Autor und Journalist

Unbekannte Freunde

Reisen können uns verbinden. Allerdings nur dann, wenn wir mit Neugier und Wissensbegierde unterwegs sind. Wenn wir nicht sagen: die anderen sind anders, sondern wenn wir fragen, warum sind die anderen anders. Ich habe das selber immer wieder erfahren. Denn als Journalist hatte ich das große Glück, reisen zu können. Ich erinnere mich, dass ich aus persönlichen Gründen 1979 nach China fuhr und dort ein ganz anderes Land, eine ganz andere Kultur, ganz andere Menschen kennenlernte, als ich durch die Lektüre von Fachliteratur kannte. Daraufhin bemühte ich mich um eine Drehgenehmigung und konnte ein halbes Jahr später für sechs Wochen mit einem Kameramann in China drehen. Während die westliche Welt Peking als ein schrecklich autoritäres Regime verurteilte, konnte ich dort in den Straßen der Hauptstadt Demonstrationen von Intellektuellen oder von Bauern drehen, Interviews mit den Protestierenden machen, ohne dass die Polizei eingriff. Ich habe eine typische chinesische Intellektuellen-Familie porträtieren können, die in einer eigenen Villa mit einer Köchin lebte. Wer hätte sich das vorstellen können, dass in dem Land, in dem alle so gleich waren, dass sie nur im Mao-Look gekleidet sein durften, jemand über Hauspersonal verfügte. Wenn wir also reisen und die Augen offen halten, wenn wir uns für die anderen Menschen interessieren, dann lernen wir sie kennen und mögen. Vielleicht lernen wir sogar etwas für uns eigenes Leben.

Ute Erdsiek-Rave, Vorsitzende des Expertenkreises „Inklusive Bildung“, Deutsche Unesco-Kommission

Miteinander lernen

Das Leitbild für die Zukunft unserer Gesellschaft sollte Inklusion heißen – in allen Lebensbereichen, nicht nur in der Bildung, nicht nur für Menschen mit Beeinträchtigungen, sondern insgesamt für das Zusammenleben in einer vielfältigen Gesellschaft. Im Bildungssystem allerdings ist das Leitprinzip Inklusion der Testfall. Inklusion heißt Verschiedenheit im Können, im kulturellen und sozialen Hintergrund, in der ganzen Bandbreite körperlicher, geistiger und emotionaler Möglichkeiten des Menschen anzunehmen, wertzuschätzen und diese Möglichkeiten zu entwickeln. Das gelingt am besten wenn Kinder, die ja unterschiedlichste Facetten mitbringen, von Anfang an gemeinsam leben und lernen. Noch sind wir von einem inklusiven Bildungssystem weit entfernt. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind groß, die Wege verschieden, die Anstrengungen oft halbherzig. Die Zahl der Kinder die inklusiv lernen, ist deutlich gestiegen, aber die Zahl der sogenannten Sonderschüler auch. Das Vorurteil, Inklusion sei leistungsfeindlich, ist schwer auszurotten. Dabei zeigen uns andere Länder, aber auch viele beispielhafte Schulen in Deutschland, wie falsch diese Vorstellung ist und wie förderlich das Lernen in heterogenen Gruppen sein kann. Meine Hoffnung ist, dass die Integration der vielen Flüchtlingskinder nach dem Prinzip der Inklusion, des gemeinsamen Lernens und Lebens gestaltet wird. Dann könnte es gelingen, dass Vielfalt als Reichtum erfahren wird.

Hubertus Meyer-Burckhardt, Produzent, Autor und mit Barbara Schöneberger Gastgeber der NDR-Talkshow

Der richtige Deckel

Liebe ist das Lachen, das Weiche und die Zeit. Fangen wir mit der Zeit an. Peter Ustinov hat gesagt: „Ab einem bestimmten Alter merkt man, dass das, was man für die Generalprobe gehalten hat, schon die Vorstellung ist.“ Die meisten Theaterschauspieler sagen immer wieder, dass das Probieren mehr Freude bereitet, als die Vorstellung selbst. Bei Langzeitliebe hilft das aber nichts: Ustinov hatte Recht. Daher ist es umso wichtiger, dass man die Zeit mit dem verbringt, der ein Seelenpartner ist. Mag sein, dass sich Gegensätze anziehen. Aber was ist danach, wenn die Nähe da ist – ohne, dass sie da ist. Anton Tschechow warnte: „Wenn du die Einsamkeit fürchtest, dann heirate nicht.“ Man sollte sich daher glücklich schätzen, wenn es so etwas wie blindes Verständnis mit dem Partner gibt. Liebende haben einen sehr ähnlichen Blick aufs Leben, treffen Verabredungen ohne sprechen zu müssen und entdecken mitunter die Leichtigkeit des Seins mitten im Alltag. Meine Frau nennt das dann „weich“. Ein besseres Adjektiv gibt es nicht, finde ich. Und damit sind wir beim Lachen. Gemeinsam Dinge leichter nehmen, gemeinsam sich freuen zu können. Ein spanischer Mann, ein Leben „für den Daimler“ in Stuttgart gearbeitet, lebt heute wieder in seiner Heimat, der eher armen Extremadura. Befragt, warum dort trotzdem mehr gelacht wird als bei uns in Deutschland, erwidert er: Weil für uns hier in Spanien alles Komödie ist, was nicht Tragödie ist.

Karsten Holzner, Leser

Jeder Mensch auf dieser Erde möchte glücklich und zufrieden leben.

Frauke Zerwich, Leserin

Zusammen zum Ziel

Es sind die gemeinsamen Erlebnisse, die einen mit anderen Menschen verbinden. Zum Beispiel, wenn man einmal gemeinsam auf einer Skitour unterwegs war, die Gruppe sich verfahren hat und man den Berg wieder hinauf muss. Keiner hat mehr Kraft, doch im Wechsel legt man die Spur und jeder aktiviert noch einmal alle Energiereserven. Die Gruppe quält sich hoch und erreicht am Abend sicher die Hütte. Solche Tage verbinden für immer.

Familie Polke, Leser*in

Glaube, Liebe, Hoffnung, Toleranz.

David Lambrecht, Leser

Überraschend nah

Gemeinsamkeiten ergeben sich mit Menschen aus scheinbar völlig fremden Kulturkreisen, und wenn es nur das beiderseitige Interesse am Dialog ist. Gespräche mit Afghanen und Indern erweitern nicht nur den eigenen Horizont, wenn sie uns Deutschen von ihren Heimatländern erzählen. Man erfährt zugleich, wie die eigene Heimat in den Augen der Fremden aussieht. Ein Blickwinkel, der sensibilisieren und auf Defizite in unserer Gesellschaft aufmerksam machen kann. So berichtete mir ein Inder, der seit zwei Jahren in Deutschland lebt, dass die Menschen, denen er auf der Straße begegnet, so freudlos wirkten, als ob sie eine Last mit sich herumtrügen. Verbindend wirkte hier vielleicht schon ein (erwidertes) Lächeln. Alle Menschen verbindet, sofern die materiellen Grundbedürfnisse befriedigt sind, der Wunsch nach Respekt und Anerkennung. Verbindend und verbindlich sein sollte weltweit – unabhängig von Kultur und Religion – Immanuel Kants Kategorischer Imperativ: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“

Reiner Knizia, Spieleautor

Spielen verbindet uns!

Gesellschaftsspiele bringen uns zusammen. Sie laden uns ein, den Alltag für eine Weile zu vergessen und uns auf das gemeinsame Spielerlebnis einzulassen. Im Spiel sind alle gleich. Die Regeln des Spiels gelten für uns alle. Es spielt keine Rolle, wie alt wir sind, woher wir kommen, welche Hautfarbe wir haben oder an welche Götter wir glauben. Wir spielen gleichberechtigt in der Welt, die das Spiel vor uns ausbreitet. Das Spiel schafft eine gemeinsame Basis. Wenn wir miteinander spielen, signalisieren wir die Bereitschaft, unsere Zeit mit den Mitspielern zu verbringen, um gemeinsam die Höhen und Tiefen des jeweiligen Spiels zu erleben. Es spielt dabei überhaupt keine Rolle, ob wir das Spiel gewinnen oder verlieren. Bei einem guten Spiel gewinnen alle, egal wie das Spiel ausgeht. Was zählt und bleibt, ist der gemeinsame Spielspaß. Spiele öffnen die Tür zu anderen Menschen. Und sie bieten einen sicheren Rahmen für das Miteinander, auch wenn man sich ansonsten noch fremd ist. „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“, sagte bereits Friedrich Schiller. Ein gutes Spiel ist eigentlich nur eine Plattform, die uns einlädt, eine angenehme und anregende Zeit mit anderen Menschen zu verbringen. Und obwohl es nur ein Spiel ist, lernt man doch nirgendwo Menschen so schnell und gut kennen wie hier. Wann haben Sie zum letzten Mal gespielt? Nutzen Sie diese Chance – und haben Sie Spaß dabei!

Wolfgang Krüger, Psychotherapeut und Autor des Buches „Freundschaft: beginnen, verbessern, gestalten“

Gewachsene Nähe

Wahre Freundschaften sind Herzensbeziehungen, in denen man sich rückhaltlos anvertrauen kann. Der Freundin, dem Freund kann man auch peinliche Situationen erzählen, von Ängsten und Sorgen berichten. Es sind innige Beziehungen, die selbst dann bestehen bleiben, wenn man in eine andere Stadt zieht. Doch solche Freundschaften müssen reifen, es dauert Monate und Jahre, bis wir dem anderen voll vertrauen. Auch in solchen Freundschaften gibt es Auseinandersetzungen, aber man hat gelernt, diese Konflikte zu bewältigen, weil man den anderen nicht verlieren will. Und so entsteht im Laufe der Jahre eine Beziehung mit einer hohen Innigkeit, die aber zugleich unserem Wunsch nach Autonomie entspricht. Im Unterschied zu einer Partnerschaft muss man sich immer wieder verabreden, gibt es Zeiten der äußeren Distanz. Aber man denkt aneinander, ist innerlich aufeinander bezogen. Der Philosoph Georg Christoph Lichtenberg sagte, dass man sogar voneinander träumt. Und in sehr guten Freundschaften kann man auch miteinander schweigen. Doch solche Freundschaften haben Seltenheitswert. Nur zwei Drittel der Frauen und ein Drittel der Männer kennen solche Herzensfreundschaften, auf die man sich auch in Krisen absolut verlassen kann. Und wir alle haben höchsten zwei bis drei dieser innigen Freundschaften. Alles andere sind Durchschnittsfreundschaften. Insofern sind Herzensfreundschaften wie Diamanten: schön, selten und kostbar.

Merlot Jünger, Leser

„Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, Artikel 1: (1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. (2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt. (3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.“

Nicolas Schulz, Leser

Hand in Hand

Uns verbindet, dass wir alle Menschen sind. Ich bin stolz, dass Deutschland viel Kraft aufbringt, um Menschen zu helfen, die Hilfe benötigen. Ebenso ziehe ich den Hut vor den Menschen, die selbstlos immer noch jeden Tag diese Hilfe leisten. Ich würde mir wünschen, dass dieser Kurs weiter aufrechterhalten wird.

Donata Hogel, Leser_In

Wir müssen den Mut aufbringen, den Menschen aufrichtig in die Augen zu sehen und uns nicht wegzuducken.

Thomas Kollmann, Leser_In

Kulturübergreifend ist man mit den Menschen verbunden, die sich für das Gleiche engagieren. Das kann der Erhalt des Regenwaldes sein, der Einsatz Menschen medizinische Hilfe in Krisenregionen zu gewähren oder auch im Wohnviertel ein Projekt zu starten. Wenn Menschen zusammenkommen, ob physisch oder virtuell, um gemeinsam an einer Sache zu arbeiten, Zeit in etwas investieren, an deren Sinn sie glauben, dann verbindet dies weit mehr als eine gemeinsame Sprache oder das gleiche Herkunftsland.

Melanie Müller, Leser_In

Was verbindet mehr als das gemeinsame Lachen? Eine ulkige Situation, dann dieser Blick zwischen zwei Menschen und plötzlich können sie man nicht mehr und müssen sich krümmen und laut losprusten. Bei Jugendlichen findet man das ganz häufig, aber glücklicherweise auch noch bei Erwachsenen. Tränen in den Augen vor Lachen, sie wollen aufhören, weil es sich nicht schickt, aber es geht nicht. Immer wieder kommt das Lachen raus, alles ist so todwitzig. Und es kann sogar soweit gehen, dass danach eine für sich alleine noch an die Situation denkt und mitten auf der Straße loslachen muss, doch ist man dabei mit der Person verbunden, mit der man gelacht hat.

Frauke Zerwich, Leser_In

Es sind die gemeinsamen Erlebnisse, die einen mit anderen Menschen verbinden. Wenn man einmal gemeinsam auf einer Skitour unterwegs war, die Gruppe hat sich verfahren und man muss den Berg wieder hinauf. Keiner hat mehr Kraft, doch im Wechsel legt man die Spur und jeder aktiviert noch einmal alle Energiereserven. Die Gruppe quält sich hoch und erreicht am Abend sicher die Hütte. Solche Tage verbinden für immer.

Nicolas Schulz, Leser_In

Uns verbindet, dass wir alle Menschen sind. Ich bin stolz, dass Deutschland viel Kraft aufbringt um Menschen zu helfen die Hilfe benötigen. Ebenso ziehe ich den Hut vor den Menschen die selbstlos immernoch jeden Tag diese Hilfe leisten. Ich würde mir wünschen, dass dieser Kurs weiter aufrecht erhalten wird.

Merlot, Leser_In

\"Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland in der im Bundesgesetzblatt Teil III, Gliederungsnummer 100-1, veröffentlichten bereinigten Fassung, das zuletzt durch Artikel 1 des Gesetzes vom 23. Dezember 2014 (BGBl. I S. 2438) geändert worden ist\" Art 1 (1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. (2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt. (3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.

Polke, Leser_In

Glaube Liebe Hoffnung Toleranz

David Lambrecht, Leser_In

Gemeinsamkeiten ergeben sich mit Menschen aus scheinbar völlig fremden Kulturkreisen, und wenn es nur das beiderseitige Interesse am Dialog ist. Gespräche mit Afghanen und Indern erweitern nicht nur den eigenen Horizont, wenn sie uns Deutschen von ihren Heimatländern erzählen. Man erfährt zugleich, wie die eigene Heimat in den Augen der Fremden aussieht. Ein Blickwinkel, der sensibilisieren und auf Defizite in unserer Gesellschaft aufmerksam machen kann. So berichtete mir ein Inder, der seit zwei Jahren in Deutschland lebt, dass die Menschen, denen er auf der Straße begegnet, so freudlos wirkten, als ob sie eine Last mit sich herumtrügen. Verbindend wirkte hier vielleicht schon ein (erwiedertes) Lächeln. Alle Menschen verbindet, sofern die materiellen Grundbedürfnisse befriedigt sind, der Wunsch nach Respekt und Anerkennung. Verbindend und verbindlich sein sollte weltweit - unabhängig Kultur und Religion - Immanuel Kants Kategorischer Imperativ: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“

Karsten Holzner, Leser_In

Jeder Mensch auf dieser Erde möchte glücklich und zufrieden leben.

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Wie viel Arbeit ist gesund?

Yoga-Wohlfühl-Arbeitsstil mit Balance prallt auf 60-Stunden-Woche mit Leistungsdruck. Die Arbeitswelt scheint gespalten in zwei Denkschulen. Was ist zu wenig, was zu viel Einsatz für den Arbeitsplatz?

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Klaus Hurrelmann, Professor für Gesundheits- und Bildungspolitik, Hertie School of Governance Berlin

Mitbestimmen dürfen

Wer heute einen jungen Mann oder eine junge Frau mit guter Qualifikation einstellt, muss schon im Vorstellungsgespräch mit der Frage rechnen, wann denn wohl die tägliche Arbeitszeit endet, wie die Freitage organisiert sind, welche Urlaubsregeln gelten und ob auch mal Unterbrechungen des Arbeitsvertrages für Freizeit möglich sind. Das klingt missverständlich, geradezu hedonistisch. Aber dahinter steckt die Weisheit der jungen Generation, dass Arbeit in Zeiten moderner Technik in jedweder Hinsicht grenzenlos ist. Immer mehr Arbeitsschritte können an jedem Platz zu jeder Zeit in jeder Konstellation erledigt werden. Dadurch verschwimmen die Bereiche Freizeit und Arbeit, Familie und Beruf. Die junge Generation liebt diese Vermischung, sie möchte die sture und mechanische Trennung aufheben, die von der Babyboomer-Generation gepredigt wird. Aber die wiederum fürchtet die Inanspruchnahme durch Arbeit als „never-ending story“. Deswegen will sie gleich vom ersten Tag an wissen, woran sie genau ist, welche Parameter sie in der eigenen Hand hat. Sie möchte selbstbestimmt die Grenze zwischen Arbeit und Leben ziehen, flexibel und ganz nach persönlichem Interesse und Geschmack. Wie immer ist die junge Generation mit ihrer Haltung der Trendsetter. Genau das wird die Antwort auf die Frage sein, wie viel Arbeit gesund ist: So viel nämlich, wie jeder sich selbst zurechtlegt und für möglich hält.

Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 8 bis 10, Montessori-Schule im Olympiapark München

Der unbefangene Blick

Ich glaube, wir werden teilweise ziemlich überlastet. Auch wenn man denkt: „Ach, das passt schon mit sechs, sieben Stunden pro Tag.“ Denn letztendlich ist es in der Gesamtsumme schon viel und das können wir nicht sehen, weil wir so in unserem „zu wenig Geld“, „keine gute Leistung“ usw. vertieft sind. So denke zumindest ich. Für mich persönlich sind 60 Arbeitsstunden pro Woche zu viel. Zu wenig gibt’s nicht wirklich, zumindest nicht so deutlich, wie zu viel Arbeit. Dass ich selber zu viel arbeite, erkenne ich, wenn ich irgendwann genervt, müde und total kirre bin. Irgendwann bekomme ich kaum noch was von außen mit. Wenn ich zu wenig arbeite, habe ich einfach ein schlechtes Gewissen und denke mir: „Oh Mist, ich muss noch so viel machen. Verdammt!“ Dann mache ich mir Stress und nehme mir mehr vor. Ich selber brauche keinen Druck von außen, um zu arbeiten. Mich motiviert der Spaß an der Arbeit oder, dass ich mich auf etwas freue, wenn ich fertig bin. Da gibt es viele Möglichkeiten. Ich denke, wir könnten total ohne Druck auskommen, wenn wir mal nach unseren Wünschen gehen würden und nicht danach, wie viel man verdient. Ich denke, zu wenig Einsatz ist, wenn man zum Beispiel eine Arztpraxis hat und nach zehn Patienten an einem Tag Urlaub macht. Zu viel ist, wenn man am Tag 60 Patienten behandelt und dann höchstens am Sonntag mal frei hat. Ich merke, dass ich zu wenig arbeite daran, dass mir langweilig ist, und wenn ich zu viel arbeite, werde ich gestresst. Ich glaube, ich brauche keinen Druck von außen, um zu arbeiten, Ohne Druck hat man weniger Stress und mich motiviert, dass ich für mich selber lerne. Ich denke, man sollte so viel arbeiten, damit man gut mit dem verdienten Geld leben kann. Aber man sollte beachten, dass man genug Zeit für Freundin, Freunde und Familie hat. Außerdem sollte man sich nicht zu viel stressen und sich auch mal eine Auszeit gönnen. Ob ich zu viel oder zu wenig arbeite, erkenne ich daran, ob ich genug Zeit mit meinen Freunden verbringe. Außerdem schaue ich, ob ich mit meiner Arbeit hinten dran oder vorne weg bin. Ich denke, Menschen brauchen keinen Druck, um zu arbeiten. Mich motivieren Langeweile und dass ich Geld verdiene, mit dem ich Dinge kaufen kann. Es gibt genügend Menschen, die auch ehrenamtlich arbeiten, um anderen zu helfen. Zu viel Arbeit ist, wenn man jeden Tag voll konzentriert arbeitet, keine Pause macht, aber viele Überstunden. Zu wenig Arbeit ist, wenn man keine Lust hat, etwas zu tun und manchmal die Arbeit schwänzt. Man findet heraus, ob man zu viel oder zu wenig arbeitet, indem man sich anschaut, was man schaffen wollte oder sollte und was man davon tatsächlich geschafft hat. Manche Menschen brauchen vielleicht ein wenig Druck. Mich persönlich motiviert, wenn ich überlege, was ich später mal erreichen will. Zu viel ist es, wenn man keine einzige andere Beschäftigung hat außer dem Arbeiten. Und zu wenig ist es, wenn man mit allem in der Arbeit nicht hinterher kommt. In der Schule erkennt man, ob man zu viel oder zu wenig arbeitet, an den Testergebnissen. Mich motiviert die Vorstellung meines späteren Lebens, denn alles, was ich später machen möchte, setzt einen Abschluss voraus.

Norman Tadde, Leser

Der Druck ist da, ja. Und es ist schwer, sich dem zu entziehen. Dennoch, wir können uns glücklich schätzen, dass wir so leben können, wie wir es tun. Hier kann jeder jederzeit sagen: „Ich kündige, ich mache jetzt was Neues.“

Iris Hauth, Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie und Präsidentin der DGPPN

Richtig reagieren

Arbeit ist zunächst ein wichtiger Faktor für die psychische Gesundheit. Sie stiftet Sinn, strukturiert den Tag und bietet Anerkennung. Auf der Arbeit können wir uns entfalten und soziale Kontakte pflegen. Doch zu viel Arbeit kann uns auch krank machen. Wo diese Grenze verläuft, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Wer sich jedoch ständig gestresst und erschöpft fühlt, sich nicht mehr erholen kann, unter Anspannung, Schlaf- oder Konzentrationsstörungen leidet, hat Anzeichen für ein Burn-out. Dieses Gefühl des Ausgebranntseins ist an sich noch keine Erkrankung. Der Begriff Burn-out bezeichnet einen Risikozustand für die psychische und physische Gesundheit. Hält die Erschöpfung länger an, kann sie in psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Suchterkrankungen münden. Wer Symptome bei sich feststellt, sollte deshalb möglich rasch reagieren. Ein erster Schritt könnte zum Beispiel sein, bewusst Pausen in den Alltag einzuplanen – zum Beispiel für einen entspannten Abend auf dem Sofa, einen Spaziergang, Sport oder Ausflüge mit der Familie. Wenn solche Maßnahmen nicht helfen, sollte man unbedingt professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Das kann der Hausarzt, der Betriebsarzt, ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie oder ein ärztlicher oder psychologischer Psychotherapeut sein. Diese klären die Ursachen hinter der Erschöpfung ab und leiten, falls notwendig, die geeigneten Therapien ein.

Hans A. Wüthrich, Professor für internationales Manage- ment, Universität der Bundeswehr München

Da will ich arbeiten

In der Wissensgesellschaft entscheiden kreative Talente und nicht Pflichterfüller über die Wettbewerbskraft einer Organisation. Talentgewinnung und Potenzialentfaltung werden deshalb zu Schlüsselfähigkeiten. Das exakte Bild eines Talentmagneten lässt sich nicht zeichnen, Konturen aber sind erkennbar. Als Talentmagnet anziehend wirken Organisationen, wenn sie Sinn und Autonomie bieten. Sie schaffen Rahmenbedingungen, in denen Mitarbeitende Selbstverwirklichung und Erfüllung in ihrem Tun finden. Talent- magnete definieren wenige verbindliche Orientierungsgrößen, im Sinne von harten Polen und lassen maximale Freiheiten zu. Sie gehen von einem Menschenbild aus, das Mündigkeit, Eigenverantwortung und Selbstorganisationsfähigkeit unterstellt. Sie erkennen, dass sich Talente gebunden, aber nicht angebunden fühlen wollen. Sie bieten herausfordernde Tätigkeiten und schaffen rechtfertigungsfreie Räume, in denen die Verspieltheit, das Staunen und Ausprobieren möglich sind. Sie verzichten auf alles, was professionell aussieht, aber Druck erzeugt. Wenn Organisationen nicht den Grund zum Glücklichsein bieten, werden Talente ihre Potenziale nicht Organisationen zur Verfügung stellen, sondern das eigene Unternehmen gründen. Ohne neu gelebte Führung und radikale Musterbrüche wird dies wohl kaum gelingen. Zutrauen, loslassen und experimentieren lautet das Credo für Führungskräfte.

Gerhard Huhn, Lehrcoach und Leiter der Flow Akademie Berlin

Höre auf dich selbst

Objektiv ist das nicht in einer Mengengröße anzugeben. Es kommt auf Art und Gestaltung der Arbeit, die gesellschaftlichen und sozialen Bedingungen und vor allem auf die äußerst unterschiedlichen persönlichen Voraussetzungen an. Ein Schriftsteller oder ein Dirigent wird das gesunde Maß an Arbeit anders bewerten als ein Minenarbeiter oder ein Fluglotse. Individuell ist das also durchaus möglich. Jeder Mensch verfügt über ein inneres Feedbacksystem, das ihm Rückmeldungen über die Qualität seiner Bewegungen vermittelt und das dafür sorgt, dass Bewegungsabläufe optimaler und sicherer immer wieder aktiviert werden können. Parallel dazu gibt es ein Selbstbewertungssystem, das uns in jedem Moment Auskunft über unsere Lebensqualität gibt. Wenn wir auf dessen Signale achten, können wir uns im gesunden Balancebereich zwischen Unterforderung (Langeweile) und Überforderung (Stress) bewegen. Wir spüren dann eine Stimmigkeit, eine tiefe Befriedigung mit dem, was wir tun oder wahrnehmen. Wir sind im Flow. Denken und Handeln gehen flüssig ineinander über. Wir leben unsere Talente und Interessen zielgerichtet dort aus, wo wir für uns wesentliche Werte verwirklichen, also Sinn erleben. So zu arbeiten ist gesund. Leider ist vielen Menschen der Zugang zu dieser Wahrnehmung verschüttet und muss erst wieder erschlossen werden. Hier liegt ein wichtiges Arbeitsfeld von Coaches und Therapeuten, aber auch von Lehrern und Führungskräften.

Christina Kampmann, Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Neue Spielregeln

Familien brauchen Zeit füreinander. Doch davon haben die meisten zu wenig. Dass Zeitmangel – quer durch alle Gesellschafts- und Einkommensgruppen – das zentrale Problem für Familien ist, hat der „Familienbericht NRW“ deutlich gezeigt. 1000 Familien aus ganz Nordrhein-Westfalen wurden dabei zu ihrer Lebenssituation befragt. Dieser Zeitmangel resultiert im Wesentlichen daraus, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht hinreichend gelingt. Zum Beispiel klagen Eltern über zu wenig Flexibilität bei der Arbeit. Der Stress, der daraus entsteht, ist definitiv nicht gesund – für die Eltern nicht und auch nicht für die Kinder. Ich möchte keine abgehetzten Mütter und Väter. Deshalb ist das Thema „Neue Vereinbarkeit“ essentiell und Schwerpunkt meiner Arbeit als Familienministerin. Wir arbeiten mit Hochdruck am weiteren Ausbau von guter Kinderbetreuung. Wir brauchen aber auch familienfreundliche Unternehmen in NRW. Für die „Neue Vereinbarkeit“ braucht Politik starke Partner. Ich bin froh, dass in einer gemeinsamen Erklärung zum Familiengipfel NRW Wirtschaft, Gewerkschaften, Kommunen, Verbände und Organisationen sich dazu bekannt haben, Familien stärker in den Blick zu nehmen und die Arbeitswelt besser auf ihre Bedürfnisse einzustellen.

Max Springer, Leser

Das richtige Maß

In Deutschland definieren sich immer noch die meisten durch ihren Job. Dabei lebt es sich auch ganz wunderbar, wenn man andere Schwerpunkte setzt und im Beruf nur soviel Energie einsetzt, damit man seinen Unterhalt bestreitet kann. Denn was hat man davon, wenn die Zeit fremdbestimmt ist und man als Entschädigung Geld bekommt, das die meisten dann doch für Konsumgüter ausgeben. Und diese schaden letztendlich auch noch unserer Erde. Soll ständiges Konsumieren für unsere Gesellschaft also wirklich besser sein? Immer noch erfährt der teure Kurztrip in die Südsee mehr Anerkennung als viele lange Spaziergänge im heimischen Wald. Das kann ich nicht nachvollziehen. Man könnte behaupten, jemand, der wenig arbeitet, würde seine Energien verschwenden, weil er sie nicht bis zum Anschlag hergibt. Aber würde man über diejenigen Indianer, die nur so viele Büffel getötet haben, wie sie tatsächlich zum Leben brauchten, auch sagen, sie seien Faulpelze? Hier bewundern wir plötzlich den Willen, sich einzuschränken, sehen es als nachhaltig an. Und das Arbeit selten einen tieferen Sinn gibt als Freundschaft und Liebe, wie alles, was man sonst nur erfahren kann, wenn man auch Zeit dafür hat, haben zum Glück dann doch die meisten gemerkt.

Samira Drosster, Leserin

Immer länger

Ich wünsche mir eine gerechtere Aufteilung der Arbeitsjahre zwischen den Generationen. Wenn der Jahrgang derjenigen, die wie ich in den 1980er-Jahren geboren wurden, noch 50 Jahre Arbeitsleben vor sich hat, dann graut mir nur noch vor der Arbeit. Früher haben sich die Menschen noch auf die Rente gefreut. Wenn sie in so weite Ferne gerückt ist, sucht man sich andere Möglichkeiten, dem Arbeitsalltag zu entfliehen.

Matthias Wagner, Leser

Es hängt vor allem damit zusammen, was wir arbeiten. Obwohl, wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass man bei einem Aushilfsjob auf dem Bau, ohne es zu wissen, mit Asbest gearbeitet hat, war jede Minute zu viel!

Horst Sägenhein, Leser

Kein Ende in Sicht

Ich habe vor 32 Jahren ein Firma gegründet und würde nun, mit 70, gerne meinen wohlverdienten Ruhestand einläuten. Aber keines meiner Kinder wollte die Firma übernehmen und es ist nicht leicht, in einer Kleinstadt einen geeigneten Nachfolger zu finden. So muss ich wohl, obwohl meine Gesundheit nach mehr Urlaub und kürzeren Arbeitszeiten verlangt, weiter arbeiten, bis sich eine Lösung findet. Denn mein Lebenswerk einfach wegwerfen, das will ich auch nicht.

Hilde Fröhlbach, Leserin

Im Gleichklang

Wie viel, das hängt meist von unseren Lebensumständen ab, beispielsweise davon, ob wir noch Verwandte pflegen oder Kinder großziehen. Aber Arbeit dient auch unserem Selbstwertgefühl. Wir bekommen Anerkennung durch den Beruf, wir sind in den meisten Berufen im Austausch mit anderen Menschen und das tut uns gut.

Anna-Maria Kunze, Leserin

Wenn die Arbeit Spaß macht, kann ich auch ein Wochenende durcharbeiten. Ich mache aber schlapp, wenn ich 17 Tage keinen freien Tag haben konnte.

Marco Herdenfeld, Leser

Gleichberechtigung mal andersherum

Was ich immer noch nicht verstanden habe, ist die Berechnung des Renteneintrittsalters. Frauen leben gesünder und werden älter. Warum müssen vor 1952 geborene Frauen dann nicht mindestens genauso lange arbeiten wie Männer?

Natascha Grubinger, Leserin

Die wenigsten Deutschen können wegen physischer Beschwerden nicht mehr arbeiten. Der Rücken leidet durch das ständige Sitzen vor dem Computer, auch in der Freizeit.

Anna-Maria Kunze, Leser_In

Wenn die Arbeit Spaß macht, kann ich auch ein Wochenende durcharbeiten. Ich mache aber schlapp, wenn ich 17 Tage keinen freien Tag haben konnte.

Marco Herdenfeld, Leser_In

Was ich immer noch nicht verstanden habe, ist die Berechnung des Renteneintrittsalters. Frauen leben gesünder und werden älter. Warum müssen vor 1952 geborene Frauen dann nicht mindestens genauso lange arbeiten wie Männer?

Natascha Grubinger, Leser_In

Die wenigsten Deutschen können wegen physischer Beschwerden nicht mehr arbeiten. Der Rücken leidet durch das ständige Sitzen vor dem Computer, aber auch in der Freizeit.

Horst Sägenhein, Leser_In

Ich habe vor 32 Jahren ein Firma gegründet und würde nun, mit 70, gerne meinen wohlverdienten Ruhestand einläuten. Aber keines meiner Kinder wollte die Firma übernehmen und es ist nicht leicht, in einer Kleinstadt einen geeigneten Nachfolger zu finden. So muss ich wohl, obwohl meine Gesundheit nach mehr Urlaub und kürzeren Arbeitszeiten verlangt, weiter arbeiten, bis sich eine Lösung findet. Denn mein Lebenswerk einfach wegwerfen, das will ich auch nicht.

Samira Drosster, Leser_In

Ich wünsche mir eine gerechtere Aufteilung der Arbeitsjahre zwischen den Generationen. Wenn der Jahrgang derjenigen, die wie ich in den 1980er-Jahren geboren wurden, noch 50 Jahre Arbeitsleben vor sich hat, dann graut mir nur noch vor der Arbeit. Früher haben sich die Menschen noch auf die Rente gefreut. Wenn sie in so weite Ferne gerückt ist, sucht man sich andere Möglichkeiten, dem Arbeitsalltag zu entfliehen.

Matthias Wagner, Leser_In

Es hängt vor allem damit zusammen, was wir arbeiten. Obwohl, wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass man bei einem Aushilfsjob auf dem Bau, ohne es zu wissen, mit Asbest gearbeitet hat, war jede Minute zu viel!

Hilde Fröhlbach, Leser_In

Wie viel, das hängt meist von unseren Lebensumständen ab, wie beispielsweise ob wir noch Verwandte pflegen oder Kinder großziehen. Aber Arbeit dient auch unserem Selbstwertgefühl, wir bekommen Anerkennung durch den Beruf, wir sind in den meisten Berufen im Austausch mir anderen Menschen und das tut uns gut.

Max Springer, Leser_In

In Deutschland definieren sich immer noch die meisten durch ihren Job. Dabei lebt es sich auch ganz wunderbar, wenn man andere Schwerpunkte setzt und im Beruf nur soviel Energie einsetzt, damit man seinen Unterhalt bestreitet kann. Denn was hat man davon, wenn die Zeit fremdbestimmt ist und man als Entschädigung Geld bekommt, das die meisten dann doch für Konsumgüter ausgeben. Und diese schaden letztendlich auch noch unserer Erde. Soll ständiges Konsumieren für unsere Gesellschaft also wirklich besser sein? Immer noch erfährt der teure Kurztrip in die Südsee mehr Anerkennung als viele lange Spaziergänge im heimischen Wald. Das kann ich nicht nachvollziehen. Man könnte behaupten, jemand, der wenig arbeitet, würde seine Energien verschwenden, weil er sie nicht bis zum Anschlag hergibt. Aber würde man über diejenigen Indianer, die nur so viele Büffel getötet haben, wie sie tatsächlich zum Leben brauchten, auch sagen, sie seien Faulpelze? Hier bewundern wir plötzlich den Willen, sich einzuschränken, sehen es als nachhaltig an. Und das Arbeit selten einen tieferen Sinn gibt als Freundschaft und Liebe, wie alles, was man sonst nur erfahren kann, wenn man auch Zeit dafür hat, haben zum Glück dann doch die meisten gemerkt.

Tadde, Leser_In

Der Druck ist da, ja. Und es ist schwer sich dem zu entziehen. Dennoch wir können uns glücklich schätzen, dass wir so leben können wie wir es. tun. Hier kann jeder jederzeit sagen: \"Ich kündige, ich mache jetzt was neues.\"

SchülerInnen der LG IV Oberstufe, Jahrgänge 8 bis 10 an der Montessori-Schule im Olympiapark, München, Leser_In

Ich glaube, wir werden teilweise ziemlich überlastet. Auch, wenn man denkt: „Ach, das passt schon mit sechs, sieben Stunden pro Tag.“ Denn letztendlich ist es in der Gesamtsumme schon viel und das könne wir nicht sehen, weil wir so in unserem „zu wenig Geld“, „keine gute Leistung“, … vertieft sind. So denke zumindest ich. Für mich persönlich sind 60 Arbeitsstunden pro Woche zu viel. Zu wenig gibt’s nicht wirklich, zumindest nicht so deutlich, wie zu viel Arbeit. Dass ich selber zu viel arbeite, erkenne ich, wenn ich irgendwann genervt, müde und total kirre bin. Irgendwann bekomme ich kaum noch was von außen mit. Wenn ich zu wenig arbeite, habe ich einfach ein schlechtes Gewissen und denke mir: „Oh Mist, ich muss noch so viel machen. Verdammt!“ Dann mache ich mir Stress und nehme mir mehr vor. Ich selber brauche keinen Druck von außen, um zu arbeiten. Mich z. B. motiviert der Spaß an der Arbeit, oder dass ich mich auf etwas freue, wenn ich fertig bin oder so. Da gibt es viele Möglichkeiten. Ich denke, wir könnten total ohne Druck auskommen, wenn wir mal nach unseren Wünschen gehen würden und nicht danach, wie viel man verdient oder so. L. Sch. Ich denke, zu wenig Einsatz ist, wenn man z. B. eine Arztpraxis hat und nach zehn Patienten an einem Tag Urlaub macht. Zu viel ist, wenn man am Tag 60 Patienten behandelt und dann höchstens am Sonntag mal frei hat. Ich merke, dass ich zu wenig arbeite daran, dass mir langweilig ist und wenn ich zu viel arbeite, werde ich gestresst. Ich glaube, ich brauche keinen Druck von außen, um zu arbeiten, Ohne Druck hat man weniger Stress und mich motiviert, dass ich für mich selber lerne. L.B. Ich denke, man sollte so viel arbeiten, damit man gut mit dem verdienten Geld leben kann. Aber man sollte beachten, dass man genug Zeit für Freundin, Freunde und Familie hat. Außerdem sollte man sich nicht zu viel stressen und sich auch \'mal eine Auszeit gönnen. Ob ich zu viel oder zu wenig arbeite, erkenne ich daran, ob ich genug Zeit mit meinen Freunden verbringe. Außerdem schaue ich, ob ich mit meiner Arbeit hinten dran oder vorne weg bin. Ich denke, Menschen brauchen keinen Druck, um zu arbeiten. Mich motivieren Langeweile und dass ich Geld verdiene, mit dem ich Dinge kaufen kann. Es gibt genügend Menschen, die auch z. B. ehrenamtlich arbeiten, um anderen zu helfen. L. Sch. Zuviel Arbeit ist, wenn man jeden Tag voll konzentriert arbeitet, keine Pause macht, aber viele Überstunden. Zu wenig Arbeit ist, wenn man keine Lust hat, etwas zu tun und manchmal die Arbeit schwänzt. Man findet heraus, ob man zu viel oder zu wenig arbeitet, indem man sich anschaut, was man schaffen wollte oder sollte und was man davon tatsächlich geschafft hat. Manche Menschen brauchen vielleicht ein wenig Druck. Mich persönlich motiviert, wenn ich überlege, was ich später \'mal erreichen will. M. P. Zu viel ist es, wenn man keine einzige andere Beschäftigung (Freizeit) hat außer dem Arbeiten. Und zu wenig ist es, wenn man mit allem in der Arbeit nicht hinterher kommt. In der Schule erkennt man, ob man zu viel oder zu wenig arbeitet an den Testergebnissen. Mich motiviert die Vorstellung meines späteren Lebens, denn alles, was ich später machen möchte, setzt einen Abschluss voraus. Q. H.

Polke, Leser_In

Auf Arbeitnehmer wird immer mehr Druck ausgeübt Leistung zu bringen und ersetzbar zu sein. Die Wertschätzung des einzelnen sinkt im modernen Führubgsstil dramatisch, da ausschließlich kurzfristige Ziel zählen.

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