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Wie digital ist Deutschland?

Sind Sie noch analog oder schon digital? Wo befindet sich Deutschland im weltweiten Vergleich? Diskutieren Sie mit uns die Vor- und Nachteile eines zunehmend digitalisierten Alltags.

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Allison Düttmann, Leser_In

Nimmt man als Vergleichsobjekt das Silicon Valley lautet die Antwort: Deutschland ist nicht so richtig digital. Hauptgrund dafür ist die unterschiedliche Aufgeschlossenheit des Einzelnen und der Gesellschaft. Dem deutschen Perfektionismus und akribischem Planen steht die individuelle proaktive Experimentierfreude des Valleys gegenüber: Lernen passiert während Prototyp, Beta-Version, Produkt 2.0 – ohne absehbares Ende. Das gilt für Start-ups, die nach Moonshots greifen, aber auch für die generelle Leitkultur des Silicon Valley, in der Traditionen, Hierarchien und Titel keine Rolle spielen; alles kann neu erfunden werden. Diese elementare Aufgeschlossenheit resultiert nicht nur in einer frühen Adoption von Technologien, sondern im Willen verschiedene auszuprobieren, bis die optimale gefunden ist. Während in Deutschland der vornehm zugeknöpfte Individualismus dominiert, wird die Shareconomy hier innig gelebt: In Kooperationen teilen Menschen Haus, Auto und Haustier und die eigene Arbeit wird als Open Source freigegeben. Das Prinzip des Teilens beflügelt den Digitalismus: Das Lebensumfeld strotzt nur so vor Events, in denen Tech-Interessierte zusammenkommen, um ihr Wissen zu teilen, was den Schneeballeffekt verstärkt, der Technologien „viral“ gehen lässt. Von den Eigenschaften, die das Valley zum digitalen Spitzenreiter machen, könnte man sich mindestens zwei Scheiben abschneiden: mehr experimentieren und mehr teilen!

Thorsten Dirks, Leser_In

Wenn in Deutschland über den Stand der Digitalisierung diskutiert wird, stehen zumeist die Risiken im Mittelpunkt. Wir sprechen viel zu selten über die Chancen – etwa darüber, wie wir dank 3-D-Druck Produktion aus Billiglohnländern zurückholen oder über digitale Vertriebskanäle neue Märkte für unseren Mittelstand erschließen können. Um diese Chancen besser nutzen zu können, hat sich die Bundesregierung 2014 die Digitale Agenda vorgenommen. Von deren 121 Einzelmaßnahmen sind beachtliche 66 bereits umgesetzt und 46 in Arbeit. Darauf darf sich die Politik nicht ausruhen, sondern muss nachlegen. Wir müssen unsere Verwaltung ins digitale Zeitalter überführen. Wir müssen digitale Hubs schaffen, an denen wir große und mittlere Unternehmen unserer Leitbranchen mit Start-ups und Forschungseinrichtungen zusammenbringen. Und wir müssen das Digitale in der Aus- und Weiterbildung stärken, um die Menschen an der Entwicklung teilhaben zu lassen. Aber auch jeder einzelne ist gefordert. Entscheidend ist nicht, wie digital Deutschland heute ist, sondern wie offen wir digitalen Technologien gegenüber sind, wenn es um die Lösung unserer alltäglichen Herausforderungen und die Bereicherung unseres Lebens geht. Digitalisierung ist weder ein Zustand noch ein Ziel, sondern ein fortlaufender Prozess, der die rasanten Innovationen der IT aufnimmt. Wollen wir unseren Wohlstand erhalten, so müssen wir diesen Prozess mit aller Konsequenz vorantreiben.

Jens Heithecker, Leser_In

Verschlafen hat Deutschland das Internet nicht. Deutsche Internetseiten können durchweg mit qualitativen Inhalten aufwarten. Doch kann man sagen, dass Deutschland fast zu arrogant für eine digitale Infrastruktur scheint. Hier ist man stolz auf analoge Strukturen wie die Autobahnen, aber in vielen Regionen hinkt die digitale Infrastruktur stark hinterher. Leider gibt es hierzulande immer noch weiße Flecken auf der digitalen Landkarte, ganz zu schweigen von der schneckenartigen Datenrate. Eine Benachteiligung entsteht zudem durch die Sprachbarriere. Durch sie wird die Geschwindigkeit der Digitalisierung gebremst, gerade bei mittelständigen Unternehmen. Dafür kommt die Medienlandschaft hierzulande langsam im Netz an: Nimmt man das Beispiel Youtube, so gibt es zuhauf junge Leute, die mit einem Video mehr Menschen erreichen als alteingesessene Medien, etwa die Tagesschau. Auch auf neuen Feldern wie Smart Homes und Virtual Reality kann Deutschland mit spannenden Entwicklungen punkten. Was Deutschland vor allem auszeichnet, ist seine hochwertige Produktkultur: Hier kommt ein Erzeugnis erst auf den Markt, wenn es lange getestet wurde. Das sehen wir besonders bei der Mobilität und der Herausforderung, wie wir die Zeit nutzen, die wir im Auto verbringen. Und nicht zu vergessen: Deutschland ist die Heimat der weltweit führenden Messe für Consumer-Elektronik – der IFA Berlin.

Johann Hofmann, Leser_In

Zahlreiche Expertenkommissionen kommen alle einvernehmlich zu dem Schluss, dass Deutschland im Rennen um die Digitalisierung den Anschluss verpasst. Unbestritten ist, dass die USA beim „Internet der Dinge“ eine Führungsrolle einnimmt. Bei der digitalen Transformation der Prozesse habe ich allerdings lange Zeit Deutschland als Vorreiter gesehen. Das liegt zum Teil an selbstentwickelten Industrie-4.0-Lösungen vor allem mittelständischer Unternehmen, die die intelligente Vernetzung von Fertigungsdaten ermöglichen. Die Fertigungen werden damit zu Hochleistungsfertigungen, Produzieren im Hochlohnland Deutschland bleibt wettbewerbsfähig. Man kann sich diese Fertigungen von morgen schon heute live ansehen, viele Produktionsverantwortliche tun das. Am Ende des Tages sind alle voll des Lobes über die gesehene Digitale Produktion. Allerdings fehlt es den allermeisten Unternehmern am Mut, diese Mammutaufgabe im eigenen Betrieb anzugehen. Es gibt jedoch keinen einzigen Grund dafür, auch nur noch einen weiteren Tag zu warten. Wenn sich dieses Verharren in der Zuschauerrolle der deutschen Unternehmer nicht rasch ändert, dann werden wir auch beim „Internet der Prozesse“ abgehängt. Wo ist der Spirit geblieben, der die deutschen Ingenieure einmal auszeichnete? Rein kennzahlengetriebene Manager verspielen unsere Marke „Made in Germany“. Industrie 4.0 gibt es nicht mit Bestellnummer, sondern nur mit Leidenschaft, Mut und Schweiß.

Kristin Narr, Leser_In

In Deutschland wird viel darüber geredet, wie Bildung mit digitalen Medien verändert und verbessert werden kann und sollte. Digitale Medien geben aber keineswegs eine Garantie für besseres Lernen. Vielmehr stellen sich in dem Zusammenhang Fragen, die uns seit jeher beschäftigen: „Wie wollen wir lernen?“ „Wie verstehen wir Bildung in unserer Gesellschaft?“. Die Implementierung digitaler Medien erfordert ein Umdenken hin zu einer Öffnung der Bildungseinrichtungen und veränderten Rolle der Lehrenden. Wenn Ziel sein soll, dass junge Menschen zu emanzipierten und mündigen Bürgerinnen und Bürgern heranwachsen, dann gelingt das nur, wenn digitale Medien auch und noch viel mehr in ihren Bildungskontexten eine Rolle spielen. Denn Medien sind Teil unserer Welt, sie sind Weltlieferanten. Die Emanzipation gelingt nicht, wenn wir junge Menschen in ein Vakuum stecken, das sich außerhalb unserer Welt befindet und nur aus Vorgedachtem, bereits Bekanntem und Verboten besteht. Im Mittelpunkt steht letztlich das Sichtbarmachen und Begreifen unserer Welt. Eine kritische Haltung gegenüber Technologien und ein kompetenter Umgang damit erreicht man nur, wenn man sich aktiv damit auseinandersetzt. Junge Menschen müssen lernen, mit den Ressourcen und Möglichkeiten, die ihnen zur Verfügung stehen, umzugehen – letztlich um diese Welt ein Stück mehr zu verstehen, an der Gesellschaft teilzuhaben und diese mitgestalten zu können.

Günther H. Oettinger, Leser_In

Diese Frage stellen wir uns jedes Jahr. Aber auch wie digital die anderen EU-Länder sind und wie gut sie sich im Vergleich zum Vorjahr entwickelt haben. In unserem Index für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft, der jedes Jahr von meinen Experten erstellt wird, schauen wir uns verschiedene Identifikatoren an: Breitbandausbau, Internetnutzung oder digitale Kompetenzen. Danach steht Deutschland insgesamt sehr gut da. Unter den 28 EU-Ländern nimmt es Platz neun ein und hat sich auch im Vergleich zum Vorjahr in vielen Bereichen verbessert. Beispiel Internetnutzung. Während im europäischen Durchschnitt nur 76 Prozent das Internet regelmäßig nutzen, sind es in Deutschland immerhin 84 Prozent. Die Deutschen sind dabei immer stärker in sozialen Netzen aktiv und kaufen auch häufiger im Netz ein, als es in den vergangenen Jahren der Fall war. Auch bei den digitalen Kompetenzen steht Deutschland überdurchschnittlich gut da. Anders sieht es allerdings bei der öffentlichen Verwaltung aus. Online-Dienste ihrer Kommune oder anderer Verwaltungen nehmen nur 19 Prozent der deutschen Internetnutzer in Anspruch. Auch beim schnellen Internet gibt es noch Aufholbedarf – einen schnellen Breitbandanschluss haben weniger Haushalte als im EU-Durchschnitt. Die Bundesregierung plant hier allerdings den Ausbau schneller Breitbandinfrastrukturen von 50 Mbit pro Sekunde zur Versorgung aller ländlichen und städtischen Gebiete bis 2018. Und sie hat darüber hinaus in diesem Bereich bereits anspruchsvollere Ziele für das kommende Jahrzehnt definiert, die mit unseren Ambitionen auf der europäischen Ebene im Einklang stehen. Besonders erfreulich ist die Tatsache, dass die deutschen Unternehmen immer stärker die Möglichkeiten nutzen, die ihnen das Internet bietet. Entscheidende digitale Entwicklungen wie Industrie 4.0 oder das Autonome Fahren werden maßgeblich von der deutschen Wirtschaft und Politik mitgetragen, womit Deutschland eine wichtige Rolle für die digitale Zukunft Europas übernimmt.

Christian Rätsch, Leser_In

Die Digitalisierung hat die Kommunikationsbranche wie ein Tsunami erfasst. Der Blick in den Brockhaus ist durch Google ersetzt. Der junge Youtuber LeFloid erreicht mit seinem Kanzler-Interview fünf Millionen Zuschauer – fünfmal mehr als die Auflage der FAZ. Heute gibt es weltweit mehr Smartphones als Zahnbürsten. Facebook zählt mehr Nutzer als das größte Land der Welt Einwohner. Paradigmen der Kommunikationsbranche stehen auf dem Kopf. Informationen sind zu jeder Zeit, überall und meist kostenlos verfügbar. Die Exklusivität einer Botschaft wird in der Sharing-Economy ausgehebelt. Weil das Internet der Dinge sich mit allem verbindet, wird die Vernetzung zur zentralen Stellschraube, zum Betriebssystem unseres Lebens. Wo alles mit allem verbunden ist, kann Kommunikation keine Einbahnstraße mehr sein. Statt Umwege über Medien zu nutzen, verbinden sich Marken und Unternehmen direkt mit ihren Kunden. Werbung in seiner ursprünglichen Form hat so keine Zukunft, weil sie lästig ist. Das Schicksal der Kommunikationsbranche liegt daher in der Fähigkeit umzudenken: Werbung muss berühren, statt nur zu erreichen. Sie muss aus sich heraus Service sein. „Entertain me“ oder „Help me“ ist die schlichte Erwartungshaltung. Nur in sich relevante Inhalte finden Gehör und verbreiten sich von alleine. 2008 schrieb die New York Times: „Wenn die Nachricht wichtig ist, wird sie mich finden.“ 2016 wissen wir, dass dies stimmt.

Irene Schlicker, Leser_In

Der Nutzen des Internets erschließt sich mir in Dingen wie dem Fahrkartenkauf oder dem Buchen von Ferienwohnungen. Aber ich denke, mit allem, was das Internet oder die Digitalisierung zu bieten hat, muss ich mich nicht mehr beschäftigen. Ich komme sehr gut im Leben zurecht, auch wenn ich nur ein altes Handy besitze. Und ich empfinde es als unhöflich, wenn Menschen um mich herum ständig auf ihre kleinen digitalen Geräte starren.

Kerstin Walter, Leser_In

Das erste, was ich jeden Morgen nach dem Weckerklingeln mache, ist auf mein Smartphone zu gucken. Und das letzte, was ich abends noch mache, ist darauf zu spielen. Dazwischen sitze ich acht Stunden bei der Arbeit am Computer und in der Mittagspause beantworte ich meine privaten E-Mails. Ich kann nicht für alle Menschen in Deutschland sprechen, aber ich selbst scheine wohl durchdigitalisiert zu sein.

Ben Grossmann, Leser_In

Die Digitalisierung hat die Spielewelt revolutioniert. Ich sehe allerdings nicht, dass Deutschland hier eine besondere Vorreiterrolle bei der Game-Entwicklung spielt. Was aber hier, wie aber wohl überall, häufiger vorkommt, als einem lieb ist, ist das Suchtverhalten, das diese Spiele auslösen.

Katharina T., Leser_In

Bei manchen fragt man sich eher: Sind sie physisch noch da? Wenn mein Partner ständig auf sein Smartphone schaut anstatt auf mich und ich ihm aus dem gleichen Raum eine SMS schicken muss, damit er mich wahrnimmt, dann sind wir zu digital.

André Seibalt, Leser_In

Nicht alle deutschen Sparfüchse machen jeden digitale Hype mit. Mir macht es aber einen Riesenspaß, Neues zu entdecken und Verbesserungen zu nutzen.

Holger Schmidt, Leser_In

Als Konsument ist es für mich wichtig, dass ich mir hier in Deutschland die bestmögliche Hard- und Software legal kaufen und installieren kann. Außerdem muss ich sie mir auch leisten können. Viele digitale Lösungen sind kostspieliger, mit dem deutschen Durchschnittseinkommen aber sehr wohl bezahlbar.

Lutz Neumaier, Leser_In

Man muss hier zwischen den Generationen unterscheiden: Die Digital Natives sind es definitiv, die 40-jährigen hängen hinterher, wollen aber von den Jüngeren noch etwas lernen, und die 70-jährigen nutzen gerade mal digitale Basics.

Christine Frohnert, Leser_In

Ziemlich – hier können ja schon Dreijährige Tablets bedienen.

Daniela Fischer, Leser_In

Immerhin wurde der erste frei programmierbare und funktionsfähige Digitalrechner von einem Deutschen erfunden: Der erste Computer war der Z3 von Konrad Zuse. Wie will uns da noch eine andere Nation schlagen?

Mary Bauer, Leser_In

Ich bin froh in dieser Zeit der Digitalisierung zu leben. Wir haben mit dem Internet ein Werkzeug in die Hand bekommen um dieses so positiv einsetzen zu können. Bei Katastrophen zum Beispiel kann viel schneller reagiert werden und dadurch auch Leben gerettet werden. Und dafür gibt es in den letzten Jahren sehr viele schöne Beispiele. Und die Entwicklung steht erst am Anfang. Ich bin gespannt was auf uns die nächsten Jahre zukommen wird.

Dieter Hollwarth, Leser_In

Ich muss an dieser Stelle einmal loswerden, dass ich große Bedenken bei der Digitalisierung habe. Mein ganzes Leben lang habe ich mich gegen diese grauen Stromfresser mit den globigen Bildschirmen gesträubt, weil ich der Meinung bin, dass unser Miteinander darunter sehr leidet. Doch seit circa zehn Jahren, mit dem Aufkommen der Smartphones, wird es von Tag zu Tag schlimmer. Wenn ich durch die Stadt gehe kommen mir immer mehr Handy-Zombies entgegen und ich muss aufpassen nicht über den Haufen gelaufen zu werden. Ich schaue in der Bahn in leere Gesichter die mit Musikuntermalung auf ihr Handy schauen. Meine Frage: Wo soll das alles hinführen?

Margret V., Leser_In

Ich finde, dass die Digitalisierung die meisten Lebensbereiche enorm verändert. Die Voraussetzungen für Information und Kommunikation, den beruflichen Alltag, die Freizeit und vor allem das Konsumverhalten. Es ist bemerkenswert, wie wenig die Menschen diese gesellschaftlichen Veränderungen reflektieren. Manchmal flackert eine Datenschutzdebatte kurzfristig auf, aber führt meist nicht zu einem nachhaltigen Ergebnis über die Schutzwürdigkeit oder Schutzmöglichkeiten persönlicher Daten in der digitalen Welt. Sofern darüber überhaupt Diskussionen geführt werden, sind sie oft von einem orwellschen Grundton geprägt, wonach die technischen Errungenschaften zuhauf verurteilt werden und mit Verschwörungstheorien untermalt, die falschen Signale setzt. Ich würde einen souveräneren Umgang miteinander im Netz befürworten.

Rebecca Hintze, Leser_In

Jahren die Leute in ihren freien Minuten auf ihren Handys nur alte SMS lesen konnten, bewegen wir uns heute mit den Smartphones in jeder freien Sekunde auf digitalen Plattformen, um zu lesen, zu kommunizieren oder Videos zu schauen. Es ist zu einer Selbstverständlichkeit geworden, immer online zu sein. Doch halt: Es gibt immer noch viele Orte in Deutschland, an denen man ewig auf einen Verbindungsaufbau wartet und wartet und wartet und wartet ...

Hartmut Fröhner, Leser_In

Die entscheidende Frage lautet doch: Wie erlangen wir Digitale Souveränität? Um diese zu erlangen, muss uns die älteste Erkenntnis der Technikgeschichte Warnung bleiben: Jede Technologie hat zwei Seiten, eine befreiende und eine repressive. Vor diesem Hintergrund verläuft unser digitalisierter Alltag in höchstem Maße problematisch. Dass Geheimdienste auf bisher unbekannte Schwachstellen setzen, um Geräte zu knacken, hatten Edward Snowdens Enthüllungen offen gelegt. Daß solche Einfallstore auch von Kriminellen entdeckt und von ihnen genutzt werden können, ist bekannt. Unseren Staat sehe ich in der Pflicht, alles zu unternehmen, um unsere persönlichen Daten zu schützen. Daher wäre es wirklich wünschenswert und endlich an der Zeit, daß Edward Snowden sein Wissen dem NSA-Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestags vortragen könnte. Die Bundesregierung hat die Fragen des Datenschutzes und einer angemessenen Netz-Sicherheit als vordringliche Aufgabe einzustufen. Daher bleibt es völlig unverständlich, wenn die Bundesregierung nicht dazu beiträgt, diesem Wunsch zu entsprechen. Und es stellt sich die Frage: Welche Erkenntnis soll uns vorenthalten bleiben?

Eva Regensburg, Leser_In

wer kinder hat kann leichter schritt halten, in dieser rasenden sogwirkenden digitalisierung. streichelhandy, apps, digitale präsenz und lebensorganisation lässt einen auch jenseits der 55+ an diesem digitalen gesellschaftlichen digitalisierungs und entwicklung teilhaben. in atmeberaubender geschwindigkeit kann ich mir ökogemüse bestellen, meine fahrkarte besorgen, mich bewerben und bisher unergründliche informationen, wissensanhäufungen und recherchen eruieren. die geschwindigkeit ist phänomenal, raubt mir den schlaf, ist aber mittlerweile lebenselixier und unverzichtbar. zwischen geseschaftlichem anteil oder sucht pendelnd kannorganisation, partizipation, kommunikation stattfinden, die menschen außerhalb dieser digitalen spären sind ins abseits katapultiert. nicht mehr wegzudenken, wahsinnig praktisch, lebenserleichternd, es ist die individuelle lebens-kunst sich hier den gegeigenten entschleunigungsweg zu bahnen, das weniger ist mehr zu finden, um sich muse und kreativität zu bewahren, aber ohne geht nichts mehr!

Dr. Gerhard Bachleitner, Leser_In

Ich bin seit 1982 digital - und angewidert/abgestoßen von der Smartphonisierung des www. Wenn der digitale Fortschritt darin bestehen soll, die Nutzer zu einem unergonomischen Gerät zu nötigen, um sie dort besser überwachen, verfolgen und ökonomisch ausbeuten zu können, findet er ohne mich statt. Desgleichen die Albernheiten des \"Smart Home\" einschl. des \"intelligenten Stromzählers\", der digitalen Selbstvermessung, des \"Internets der Dinge\", der \"Cloud\", des \"Mobilen Bezahlens\" usw. Mit digitaler Selbstbestimmung hat das in der Regel nichts zu tun. Und Deutschland? Deutschland ist seit 1941 digital: Zuse Z 3. Danach die übliche deutsche Misere, wirtschaftlich damit auf keinen grünen Zweig gekommen (wie auch Siemens, Nixdorf und all die anderen Digitalfirmen, die eben nicht hierzulande, sondern in den USA entstanden sind - warum wohl ;-). Kleiner Tipp: es ist u.a. die Haltung, d.h. die Einstellung zur Wirtschaft. Früher kaufte der deutsche Revolutionär bekanntermaßen eine Bahnsteigkarte, wenn er mit dem Zug zur Revolution fahren wollte. Jetzt hätte man gern Disruption mit Bestandsschutz und Innovation mit Rechtssicherheit. Und die Politik? Agiert angesichts des \"Neulands\" wahlweise ignorant, borniert unfähig oder schlicht destruktiv.

Eckehard Grube, Leser_In

Im privaten Bereich scheuen viele Menschen neue Techniken. Da der Kontakt zur persönlichen Anwendung und gezielte Beratung fehlen, existiert die Meinung : Das ist nichts für mich. Haben Menschen beruflich die Vorteile und Prozesse der Digitaltechnik erfahren, werden moderne Techniken und Geräte sowie Anwendersoftware privat genutzt. Jedoch muss ich oft feststellen, dass die Features eines Gerätes oder einer Software nicht voll genutzt werden, da man keine Zeit oder Interesse hat, sich mit der Komplexität auseinander zu setzen. Die Anwendungsmöglichkeiten, die ein Autoradio, ein Navi, ein Handy oder andere Geräte bieten, bleiben für viele im Verborgenen. Beruflich wird man geschult und erlernt neue Prozesse und die Funktionen neuer Maschinen. Privat beschäftigt man sich oft nur mit dem Nötigsten. Noch bleibt der Kreis der Anwender der Digitaltechnik überschaubar.

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Was stärkt unsere Gesellschaft?

Jeder hat es selbst in der Hand, die Welt ein bisschen besser zu machen. Schreiben Sie uns, wie Sie sich persönlich für unsere Gesellschaft einsetzen und motivieren Sie andere, es Ihnen gleich zu tun.

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Janett Juschka, Leser_In

Wir brauchen Menschen, die sich engagieren und für andere einsetzen. Wir brauchen eine Kultur der Gegenseitigkeit, eine Kultur der Gemeinschaft. Und es gibt sie: Rund 17,5 Millionen Menschen sind ehrenamtlich in Deutschland aktiv – auch Pfadfinderinnen und Pfadfinder. Sie sind ganz nach dem Motto des Gründers der Pfadfinderbewegung „allzeit bereit.“ Vor rund 17 Jahren habe auch ich mein Versprechen als Pfadfinderin abgegeben, mich für Gerechtigkeit und Solidarität in der Gesellschaft einzusetzen. Teil der weltweit größten Jugendbewegung zu sein, bedeutet sowohl internationale Gemeinschaft als auch vor Ort aktiv zu sein. Schon als Kind habe ich in der PSG Demokratie und Kindermitbestimmung erlebt. Die Erfahrung, dass meine Meinung und Ideen ernstgenommen wurden, hat mich gestärkt. Denn um etwas zu bewirken, bin ich nun Diözesanvorsitzende. Aber wie bewirkt man etwas? Die PSG und die anderen Verbände in den Ringen deutscher Pfadfinderinnen- und Pfadfinderverbände sind ein Ort, um Demokratie und Toleranz zu lernen und sich einzusetzen: Es ist möglich, sich für Ämter zur Wahl zu stellen und Verantwortung zu übernehmen. In Gruppenstunden beschäftigen wir uns mit politischen, gesellschaftlichen und religiösen Themen. Wir setzen uns in Gesprächen mit politischen Akteuren jugendpolitisch ein. Stets versuche ich mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und auf Missstände aufmerksam zu machen. Ich bin allzeit bereit!

Martin Winter, Leser_In

Gesellschaft, das sind wir alle. Gesellschaft verändert sich ständig. Sei es durch technologischen Fortschritt oder Herausforderungen, die es aus der Gemeinschaft der Menschen zu lösen gilt. Als Jugendpresse Deutschland sehen wir uns insbesondere als Interessensvertretung junger Medienschaffender. Medien bewegen Gesellschaft tagtäglich, da mit ihrer Hilfe Informationen verteilt werden. Aktuell ist eine Herausforderung die Zahl der Flüchtlinge. Unsere Lehr- und Lernredaktion politikorange zum Themenschwerpunkt „Flucht und Migration“ im Frühjahr zeigte, dass in gemeinsamer Arbeit mit Geflüchteten an einem Projekt mit Ängsten und Vorurteilen aufgeräumt werden kann. Die so gelebte Integration ist eine Möglichkeit, die unsere Gesellschaft weiterbringt. Grundsätzlich ist das wichtigste Werkzeug zur Weiterentwicklung unserer Gesellschaft die Demokratie. Dazu tragen demokratisch organisierte Verbände bei. Junge Menschen zu animieren, sich selbst neben Schule, Uni oder Job ehrenamtlich zu engagieren, stärkt unsere Gesellschaft und die Menschen selbst. Demokratiekritisch ist auch der Vorwurf der Manipulation durch Medien. Hier versuchen wir insbesondere durch unsere Angebote Jugendliche zu animieren, sich ein breites Repertoire an Recherchemöglichkeiten bereitzuhalten und die eigene Meinung nicht auf eine Quelle allein zu stützen. Um mit dem Märchenwald aufzuräumen, veranstalten wir im Oktober die Jugendmedientage in Dresden.

Rolf Zuckowski, Leser_In

„Starke Mädchen haben nicht nur schöne Augen, starke Mädchen haben Fantasie und Mut.“ So heißt es in einem meiner Lieder und weiter: „Starke Jungs sind stark genug, um nachzugeben, starke Jungs, die fall’n auf Sprüche nicht herein.“ Von Kindern gesungen werden solche Zeilen zur Selbstaffirmation. „Kinderlieder“ können diese besondere Kraft haben, die sich in der Wiederholung entfaltet. Ich komme bei der Frage, wie wir unsere Kinder stärken können, zwangsläufig zuerst auf die Musik, denn seit 40 Jahren war dieses Ziel einer meiner Hauptbeweggründe zum Lieder schreiben. Hinzu kam schon bald, und mit Gründung meiner Stiftung „Kinder brauchen Musik“ 2004 ganz dezidiert, das Bestreben, Kinder zu einer aktiven musikalischen Kindheit zu führen. Singende und musizierende Kinder werden stärker für das Miteinander. Sie lernen, dass Zuhören wertvoll ist. Sie wagen es, sich vor die anderen zu stellen und den Ton anzugeben, ebenso können sie sich zum Wohl der Gruppe einordnen. Die musikalische Förderung lässt Kreativität, Selbstvertrauen, Einfühlsamkeit und Teamfähigkeit gedeihen – Schlüsselkompetenzen, die unsere Gesellschaft und die Demokratie dringend braucht. Ermutigen wir die Kinder, zu träumen und das Machbare selbst herauszufinden. Das unmöglich Scheinende wird sie noch oft im Leben herausfordern. Erfinder, Politiker, Freiheitskämpfer oder auch Unternehmer können davon ihre eigenen Lieder singen.

Felix Oldenburg, Leser_In

Es geschieht jeden Tag, millionenfach, und es hat unsere vollste Anerkennung und Würdigung verdient. 31 Millionen Menschen engagieren sich in Deutschland freiwillig. Von Flensburg bis Rosenheim leisten Bürgerinnen und Bürger einen entscheidenden Beitrag für eine lebenswerte, inklusive und innovative Gesellschaft. Ob mit Trainingsstunden im Sportverein, beim Sprachunterricht für Geflüchtete, Vorlesestunden im Seniorenstift, beim Apps entwickeln oder Bäume pflanzen. Freiwilliges Engagement verändert Leben, öffnet Horizonte und baut Brücken, zwischen Generationen und Kulturen. Und es wirkt noch viel tiefgreifender: Soziale Innovationen, die unser Leben und Miteinander klüger, fairer und inklusiver machen, entstehen oftmals genau dort, wo Menschen freiwillig zusammenkommen und gemeinsam an Lösungen für gesellschaftliche Fragen arbeiten. Hier, in der Mitte der Gesellschaft, in der Mitte unserer Leben, liegt die Keimzelle des sozialen Fortschrittes. Das sollte uns dazu anstiften, all den Millionen freiwillig Engagierter nicht nur öfters Danke zu sagen und ihr Engagement mit Aufmerksamkeit zu würdigen, sondern uns auch zu konkreten Taten motivieren: Lasst uns kontinuierlich daran arbeiten, dass wir Engagierten den bestmöglichen gesellschaftlichen und politischen Rahmen für ihr Tun zur Verfügung stellen. Denn es ist das freiwillige Engagement, das unsere Gesellschaft zusammenhält und damit auch in die Zukunft trägt.

Jason Paul, Leser_In

Wir leben in Zeiten, in denen alles in ständiger Bewegung ist. Ohne fixe Strukturen oder Muster. Ich brauche und genieße das. Flexibilität, Offenheit, Vielfalt. Es entspricht meinem Charakter, der sich in meinem Sport besonders gut ausdrückt: Beim Freerunning geht es darum, seinen eigenen Weg zu finden. Freiheit bedeutet aber nicht Egoismus. Ich funktioniere nur in der Gemeinschaft, mit Freunden und Gleichgesinnten. Genauso führen die Sozialen Medien nicht unweigerlich in die Isolation. Ich erfahre beides als extrem positiv. Mein Team Farang könnte internationaler nicht sein: Litauen, Thailand, Australien, Deutschland – wir umspannen die Welt und denken nicht in Grenzen. Wir haben uns virtuell kennengelernt und sind heute unzertrennlich. Unsere sportliche Bühne sind die Sozialen Medien und wir erreichen dadurch so viele da draußen, die wie wir ticken. Gerade kreative Leute, die anders denken, können über die Sozialen Medien Halt finden, weil sie sehen, dass sie nicht alleine sind. So befreiend Ungebundenheit und Vielfalt sind, so sehr brauchen wir doch Stabilität und das Zwischenmenschliche. Und das bringt die virtuelle Vernetzung. Ich kann mich so auch mit Familie und Freunden, die ich nicht so oft sehe, austauschen. Wie unendlich kostbar Freiheit ist, erfahren wir gerade, wenn sie – wie aktuell – bedroht wird. Und: Soziale Medien sind eine mächtige Waffe, die wir gegen Zensur und Unterdrückung positiv einsetzen können.

Friedrich von Metzler, Leser_In

Das bürgerschaftliche Engagement ist eine der schönsten Traditionen meiner Heimatstadt Frankfurt am Main: Hier gab es nie einen Fürstenhof – was den Bürgern wichtig war, haben sie seit jeher selbst in die Hand genommen. Das Städel-Museum, das Bürgerhospital, die Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung oder die Goethe-Universität sind beste Zeugnisse dafür, was gelingen kann, wenn Bürger sich engagieren. Diese Aufzählung ließe sich mühelos fortsetzen. Ich beobachte mit großer Freude die Vielfalt der Initiativen vieler Bürger in ganz Deutschland – in der Nachbarschafts- und Flüchtlingshilfe, in Bildungsfragen oder in der Kulturförderung, um nur einige Beispiele zu nennen. Unsere westliche Zivilisation ist mit Aufgaben konfrontiert, die der Staat alleine nicht lösen kann und soll. Er braucht den mitdenkenden Bürger, der aktiv und verantwortlich am Gemeinwesen teilnimmt. Die Weichen für unser Leben von morgen werden heute gestellt. Engagement bedeutet daher auch, eine sich verändernde Gesellschaft mitzugestalten, Denkanstöße zu geben und Prozesse in Gang zu setzen. Das erfordert Mut, weil man sich diesen Veränderungen stellen muss. Aber es macht auch Mut, wenn man sieht, was sich erreichen lässt. Wenn gemeinsam überlegt wird, was sich verbessern lässt, dann wird gestaltet nach den Prinzipien von Humanismus und Demokratie. Dann zeigt sich eine bürgerliche Gesellschaft von ihrer besten Seite.

Thomas Krüger, Leser_In

Unsere Gesellschaft wird immer vielfältiger. Verschiedene Teile dieser Gesellschaft fühlen sich aus unterschiedlichen Gründen politisch nicht mehr repräsentiert. Ob dieses Gefühl berechtigt ist, sei dahingestellt. So geht es nicht weiter. Vielleicht ist es an der Zeit, die statisch gewordene Repräsentativdemokratie durch mehr Diskurs zu ergänzen? Unsere Gesellschaft ist herausgefordert, ein neues „Wir“ auszuhandeln. Demokratie ist mehr als nur das Durchsetzen von Mehrheitsmeinungen. Sie beruht auch darauf, Minderheitenrechte zu garantieren und baut fest auf die Gewaltenteilung. Integration ist eine Herausforderung für alle Menschen und nicht nur für jene, von der die Mehrheit sagt, sie müssten sich integrieren. Auch hier gilt, was Paul Watzlawick einst sagte: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Kontroverses muss auch kontrovers diskutiert werden. Für mich hieße das: mehr öffentliche Diskussion, mehr öffentliches Abwägen und Aushandeln von Positionen und ja, auch mehr öffentlicher Konflikt. Gute Zeiten für politische Bildung und eine große Chance, die Bürger wieder als aktive Demokraten zu gewinnen. Denn warum sollten sie sich deren Feinden motiviert entgegenstellen, wenn sie selbst nur aus alter Gewohnheit an das Versprechen von Mitsprache und Gemeinwohl glauben? Also: Raus aus dem modernen Biedermeier! Die Schleusen auf und den politischen Diskurs von der Leine! Heute gilt mehr denn je: Kopf hoch und nicht die Hände!

Arved Fuchs, Leser_In

Wer die Wähler der AfD lediglich als Protestwähler definiert, macht es sich zu einfach. Die subtile Furcht vieler Mitbürger trägt seltsame Früchte. Den Deutschen ging es noch nie so gut wie heute – und dennoch diese tiefe Unzufriedenheit, die Angst vor Verlust und Überfremdung. Die globalisierte Welt ist eine andere als vor 20 oder 30 Jahren. Sie stellt ihre eigenen Gesetze auf. Flüchtlingsströme werden deshalb nicht versiegen, weil man Zäune baut oder Obergrenzen festlegt und so tut, als ginge es einen nichts an. Menschen werde in Camps wie in eine Deponie gekehrt. Menschlicher Abfall. Man fühlt sich nicht verantwortlich für das Schicksal der Flüchtlinge. Dieses Verhalten schafft eine explosive Mischung, die vor keinem Zaun, keiner Barriere Halt machen wird. Wir leben zunehmend in einer kosmopolitischen Gesellschaft, die sich nur dann behaupten wird, wenn man Veränderungen zulässt, ohne sich selbst und seine Identität dabei aufzugeben. In der Erkenntnis, dass Veränderungen unausweichlich und auch notwendig sind, erwächst eine gesellschaftliche Stärke. Strukturierte Zukunftsperspektiven, Ursachenbekämpfung und nicht die Verwaltung der eigenen Befindlichkeit lässt Entwicklungen zu. Der Schritt zurück ist keine Option, auch das Verharren im Status quo nicht. Die Entwicklung wird den Unvorbereiteten überrollen. Eine starke Gesellschaft begreift und handelt und moderiert ihrerseits die Entwicklung.

Gregor Gysi, Leser_In

Eine starke Gesellschaft zeichnet sich durch Solidarität, ein hohes Maß an sozialer Gerechtigkeit, die immer auch Steuergerechtigkeit beinhalten muss, aus. Nur Chancengleichheit in der Bildung und beim Zugang zur Kunst und Kultur, unabhängig von Einkommen der Eltern, garantieren Kindern und künftigen Generationen optimale Möglichkeiten der sozialen, demokratischen und kulturellen Teilhabe in unserer Gesellschaft. Die freie Entfaltung der Persönlichkeit als das Ziel eines jeden Menschen ist noch eine Utopie, denn sie ist abhängig von den Bildungschancen, den beruflichen Möglichkeiten, den Verdienstmöglichkeiten jenseits von prekärer Beschäftigung, die wir überwinden müssen. Nach neuesten OECD-Studien zeichnen sich höchst ungleiche Gesellschaften, in denen die Kluft zwischen Armut und Reichtum besonders groß ist, durch niedrigere wirtschaftliche Wachstumsraten aus. Armut erweist sich auch als wirtschaftliches Hemmnis. Der Leistungsgedanke wurde ad absurdum geführt. Er sollte für alle gelten, beim Einkommen, aber auch bei Beiträgen in Form von Steuern und Vermögensabgaben. Das gilt auch für weltweite Konzerne, die Steuerzahlungen vermeiden. Eine starke Gesellschaft zeichnet sich dadurch aus, dass sie sozial Benachteiligte fördert und Menschen integriert statt ausschließt. Das gilt in besonderem Maße auch für die aus Not Zuflucht Suchenden.

Susanne Gaensheimer, Leser_In

Kunst ist in der Lage – wenn sie gut ist –, selbst die dunkelsten Seiten des Lebens zu transformieren und uns weiterzubringen, sei es durch die gedankliche Herausforderung, durch Schönheit oder durch Provokation. Kunst ist deswegen meist dann interessant, wenn sie sich mit den Schattenseiten des Daseins beschäftigt, kompromisslos und radikal, und uns gleichzeitig eine neue, andere Perspektive eröffnet. Mich interessiert vor allem die Kunst, die kritisch Bezug nimmt auf die gesellschaftlichen und menschlichen Grauzonen um uns herum, egal in welchen Medien und Ausdrucksformen sie das tut. Je unkonventioneller desto besser. In meinen Augen – und so betreiben wir das im MMK Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main – ist die Kunst ein schonungsloses Gegenüber, das die Konflikte und Ambivalenzen, die Brüche und Fragestellungen unserer Zeit aufgreift, zuspitzt und uns die Möglichkeit gibt, uns daran zu reiben, erstmal nichts zu verstehen, dann nachzudenken, auf Ideen zu kommen und uns schließlich etwas bewusst zu machen. Ich würde sagen, in Zeiten wie diesen hat die Kunst eine elementare Aufgabe. Das Wichtigste und Schönste, was dabei passieren kann, ist eine Art von Bewusstseinsschärfung.

Hartmut Keuler, Leser_In

Fußball. Immer wieder Samstag bin ich im Stadion und juble meiner Hertha zu. Auf dieses Gefühl, mit meinen Kumpels in der Kurve zu stehen und ein Bierchen zu zischen, freue ich mich schon die ganze Woche. Und wenn meine Hertha dann auch noch gewinnt, ist alles noch ein bisschen besser. Für mich stärkt genau deshalb der Fußball die Gesellschaft. Olé, olé!

Frank Eckstein, Leser_In

Ich würde die Frage wie folgt beantworten: Für mich liegt es klar auf der Hand, dass Vielfalt unsere Gesellschaft stärkt. Gerade in so schwierigen Zeiten wie im Moment sollten wir auch mal richtig auf Deutschland schauen und dann könnten wir feststellen, wie viel in den letzten 50 Jahren erreicht wurde. Natürlich läuft nicht alles rund hier, aber durch die Zuwanderung ist meines Erachtens unsere Gesellschaft deutlich bunter und stabiler geworden. Die zweite und sogar schon die dritte Generation der Gastarbeiter zum Beispiel sind mittlerweile glühende Befürworter unserer Demokratie. Diese Entwicklung erfährt leider viel zu selten die ihr zustehende Aufmerksamkeit. Deswegen bin ich froh, an dieser Stelle eine Lanze dafür zu brechen und ein Leuchtfeuer der positiven Gedanken zu entfachen.

Stephanie Schräghorn, Leser_In

In einer globalisierten Welt kann eine Gesellschaft nur stark sein, wenn sie weltoffen ist.

Ricarda Riedel, Leser_In

Respekt und Toleranz sind die Schlüsselworte, die zu einer starken Gesellschaft führen. Es kann nicht darum gehen, Menschen gleichmachen zu wollen, wir sollten die Vielfalt zulassen. Es kann heute nicht mehr darum gehen, Menschen in ein Bild zu pressen, dem sie nicht entsprechen. Stattdessen müssen wir das Bild unserer Gesellschaft daran anpassen, wie die Menschen sind.

Sven Lanneker, Leser_In

Es ist natürlich die Satire – denn sie führt einem auf sehr amüsante Weise vor Augen, was in unserer Gesellschaft schlecht läuft und dringend einer Änderung bedarf.

Max Stange, Leser_In

Unsere Gesellschaft ist dadurch stark geworden, dass wir in einem Rechtsstaat leben. Weil unabhängige Gerichte entscheiden und ein Mensch so lange unschuldig ist, bis seine Schuld nachgewiesen wurde. Weil nur so die Menschenrechte gewährleistet sind. Weil keiner sich über das Gesetz erheben darf und weil die Gewaltenteilung die Macht der anderen Organe begrenzt. Nur so können wir eine wirkliche Freiheit und Gleichheit haben. Das ist nicht selbstverständlich, schaut man sich nur unsere jüngste Geschichte an oder wirft einen Blick in einige andere Staaten.

Sybille Schwilger, Leser_In

Vorbilder lassen uns nachahmen, ob im wahren Leben, als Filmfiguren oder Protagonisten in Büchern. Beschäftigen wir uns mehr mit Menschen, die Gutes tun, tun auch wir es eher. Je mehr sie sich verbreiten, umso mehr verändern auch wir unser Handeln.

Anna Listrer, Leser_In

Die kleinste Einheit in der Gesellschaft bildet die Familie. Doch was macht Familie eigentlich aus? Ich würde behaupten, es ist die bedingungslose Liebe, die dazu führt, dass man sich gegenseitig unterstützt und das eigene Wohl auch so manches Mal hinter das des anderen stellt. Dies lässt sich aber nicht so einfach auf einen größeren Kreis übertragen. Hier ist es eher das Bedürfnis, der Würde der anderen Menschen auch gerecht zu werden, bis hin zu Mitleid, die uns andere unterstützen lässt. Es kann auch die Begeisterung für eine Sache sein, die der Gesellschaft dient. Wenn der Kreis aber noch größer und damit auch noch abstrakter wird, helfen oft nur noch Regeln und Gesetze durch die wir verpflichtet werden, anderen in bestimmten Situationen zu helfen. Oder auch die Steuerabgaben, die ein Wohl für die ganze Gesellschaft schaffen. Doch weil wir die Personen und Gruppen, die wir damit unterstützen, nicht persönlich kennen, sind viele eher darauf erpicht, diese Abgaben möglichst gering zu halten. Durch Medien können die Gruppen, die gestärkt werden, ein Gesicht bekommen, doch sie werden einem natürlich nie so nah sein wie die Menschen aus dem nahen Umfeld.

Elisabeth Klössthaler, Leser_In

Die Zeit für eingetragene Vereine scheint vorbei, dabei geht es hier genau darum, Personen freiwillig für einen Zweck zusammenzubringen, der meist die Gesellschaft stärkt. Allen voran sind es die karitativen beziehungsweise humanitären Vereine. Für mich können es aber auch Gesangs- oder Kunstvereine sein, weil auch die Kultur die Gesellschaft stärkt.

Robert Weiss, Leser_In

Eins der simpelsten Dinge ist, wählen zu gehen. Aber selbst dieses kleine Kreuz scheint für ein Drittel der Gesellschaft schon zu aufwendig.

Susanne Kerner, Leser_In

Früher waren es die Familie, die Nachbarn, das Dorf, was zusammenhielt. Heute kennen viele noch nicht einmal die anderen Mietsparteien im Haus. Wer sich gegenseitig stärken will, muss sich auch kennen. Oft hilft es schon, bei den Nachbarn zu klingeln und sich vorzustellen. Zuhören und einspringen, wenn Hilfe nötig ist, ist dann kein großer Schritt mehr.

Petra Eisenberg, Leser_In

Unsere heutige Gesellschaft ist darauf angewiesen, dass sich jeder einzelne engagiert. Das kann passieren, indem man Kuchen auf Turnieren verkauft, um die Kasse des Sportvereins aufzufrischen oder bei der Elternbeteiligung in der Schule, die Teil jedes Schulkonzepts ist oder seit letztem Jahr zunehmend in der Flüchtlingshilfe. Jeder setzt andere Schwerpunkte und nicht jeder muss sich für alles einsetzen. Aber Menschen, die sich aus allem heraushalten, lehnen es nicht nur ab, andere zu stärken, sie sind damit auch selbst kein starker Teil der Gesellschaft.

Susanne Tyll, Leser_In

Selbstverständlich ist, dass hinter dem Tresen von Apotheken gut ausgebildete oder studierte Men-schen stehen, die über Risiken und Nebenwirkungen der Arzneimittel beraten. Genauso gewohnt ist, dass Apotheken im Quartier sind. Selbstverständlich muss hinter dem Tresen der „Apotheken des Geistes“, wie es der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn nannte, hauptamtliches, gut ausgebildetes Bibliothekspersonal stehen, das die Besucher passgenau und professionell zu ihren jeweiligen Wünschen und Bedürfnissen berät. Umso wichtiger ist das, da sich in den ersten Lebensjahren entscheidet, ob Menschen ans Lesen her-angeführt werden oder nicht. Städtische Büchereien müssen für alle genauso gut erreichbar sein wie Apotheken, insbesondere für ältere Menschen, Kinder, Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, Fami-lien mit und ohne Migrationsgeschichte sowie Personen mit geringem Einkommen. In unserem Arbeitskreis „Erhalt Bücherei Uerdingen“ mit zehn lesefreudigen, engagierten Frauen und Männer setzen wir uns seit 2010 für den Erhalt und seit Mai 2013 für die Wiedereröffnung der städti-schen Nebenstelle der Bücherei in einem Quartierszentrum in Krefeld-Uerdingen ein. Seit der Schlie-ßung der Bücherei fanden bei jeder Witterung ununterbrochen 172 Montagslesungen statt. Bisher ha-ben Menschen im Alter von 7 bis 95 Jahren vorgelesen. Zu den Lesungen kommen zwischen 15 und 70 Personen. Denn unsere Gesellschaft braucht Geist.

Roswitha Hesse-Stender, Leser_In

Meine Vorliebe als ehemalige Lehrerin ist das „Darstellende Spiel“ mit Kindern. Meine Zielgruppe sind vor allen Dingen Kinder, die sich auf Grund ihrer Lebensumstände ganz besonders über Verständnis, Respekt, Anerkennung und Aufmerksamkeit freuen. Wir entwickeln gemeinsam kleine Aufführungen, in denen auch die Sorgen, Nöte, freudige Ereignisse und eigenes Können seinen Platz findet. Es wird gelobt, aber auch Kritik geübt. Regelmäßig spiele ich in einer Förderschule mit einer Schülergruppe Theater und lasse auch in den Deutschunterricht für Flüchtlingskinder, wann immer es sinnvoll ist, das „Darstellende Spiel“ einfließen. Frustrationen und schwierige Situationen werden durch den Mut, sich auf einer Bühne zu präsentieren, durch Selbstreflektion und durch wachsendes Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen entschädigt. Natürlich kommen auch manchmal Aufführungen dazu, die von den Zuschauern beklatscht werden. Bisweilen beschert mir meine Arbeit mit den Kindern regelrechte Glücksmomente. Auf jeden Fall bedeutet sie für mich eine Bereicherung meines Lebens.

Eva Lücke, Leser_In

Es gibt ein bekanntes Sprichwort, dass meine Mutter mir schon in jungen Jahren ans Herz legte: \"Was du nicht willst, das man dir tu, das füg\' auch keinem Andren zu.\" Ich beherzige es seither, nicht immer gelingt es mir, leider.

Eva Regensburg, Leser_In

jede veränderung ruht im einzelnen, im kleinen, im mikrokosmos und nur oder trotzdem kann dieses wissen in das umfeld, die gruppe, die region und in die gesellschaft einsickern. beharrlichkeit, überzeugung, persönliche berührtheit trifft irgenwann jeden(e). eben drum oder dafür werden filme gedreht wie \"plastic planet\" und jetzt, 8 jahre später kommen firmen, kaufhäuser bereits mit dem konzept, die ersten schritte zur entplastinierung unseres planeten mit zu gehen. der lobbyismus trägt diese trägheit, aber ich denke trotzdem - ein schritt ist gemacht und freue mich! wieviele meiner kollegen kauften nach dem pflichtgenuss dieses doku-films waschmittelkartonagen (schleppten 10 kilo nach hause, nur um eine plastikumverpackung zu vermeiden)...bei der unermesslichen zahl von überlebensfragen kann eben nur luther zitiert werden....wenn ich wüßte dass morgen die welt unterginge, würde ich heute noch ein apfelbäumchen pflanzen...

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Welche Verantwortung haben Unternehmen?

Erst das Geldverdienen, dann die Moral? Wir diskutieren, wie Unternehmen wirtschaftlichen Erfolg und Verantwortungsbewusstsein vereinen. Erzählen Sie uns, wie Sie in Ihrem Arbeitsalltag Verantwortung übernehmen.

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Edda Müller, Leser_In

Nachhaltiger Konsum und nachhaltige Produktion verlangen verantwortliches Handeln von Verbrauchern, Handel und Produzenten. Deutschland trägt hier eine besondere Verantwortung. Deutsche Unternehmen beauftragen Zulieferfirmen in vielen Teilen der Welt. Große Handelsunternehmen lassen ihre Waren in Billiglohnländern produzieren, in denen nicht selten korrupte „Eliten“ zur Verletzung von Menschenrechten beitragen. Sie alle tragen Verantwortung dafür, dass entlang der Lieferkette Sozial- und Umweltstandards eingehalten werden und Korruption keine Rolle bei der Auftragsvergabe spielt. Dies wird aber nur dauerhaft funktionieren, wenn die deutschen Verbraucher ethisches Verhalten von Produzenten und Handel honorieren. Hierfür brauchen Verbraucher verlässliche Informationen über die „inneren Werte“ von Waren und Dienstleistungen. Derzeit werden ihnen diese weitgehend vorenthalten. Unternehmen behandeln Informationen zu den Arbeits- und Herstellungsbedingungen zumeist als Betriebsgeheimnisse. Die CSR-Richtlinie der EU will die Transparenz der Geschäftsabläufe erhöhen. Große börsennotierte Unternehmen innerhalb der EU sollen künftig über Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange, die Achtung der Menschenrechte und Maßnahmen zur Korruptionsvermeidung berichten. Die Bundesregierung sollte den 2017 in Deutschland tagenden G-20-Gipfel nutzen, um auch die Schwellenländer zu mehr Transparenz in der Lieferkette zu gewinnen.

Saskia Juretzek, Leser_In

Auch wenn sich immer mehr Unternehmen ihrer Verantwortung bewusst werden, hapert es noch sehr an der Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien in der Praxis. Die größte Herausforderung für Nachhaltigkeitsmanager sind wohl die alltäglich zu bewältigenden Dilemmata zwischen widersprüchlichen ökonomischen Rationalitäten (Effizienz und Nachhaltigkeit) und Konflikten zwischen den Dimensionen nachhaltiger Entwicklung selbst (sozial, ökologisch, ökonomisch). Nach meiner in 2013/14 unter Managern und Beratern durchgeführten Studie sind die häufigsten die zwischen Nachhaltigkeit und Kosteneffizienz. Berater sagten aus, dass Manager diesen Dilemmata meistens unbewusst ausweichen – nur ein Drittel sieht eine bewusste Bewältigung. Dies erfordert aber bestimmte, selten umfassend vorhandene Kompetenzen der betroffenen Entscheider. Unter den fünf wichtigsten finden sich Beharrlichkeit, Glaubwürdigkeit, systemisches Denke, fachübergreifendes Nachhaltigkeitswissen und Kommunikationsfähigkeit. Eine erfolgreiche Umsetzung erfordert letztlich ein Bewusstsein für Dilemmata zu entwickeln, alle gesetzten Nachhaltigkeitsziele langfristig zu verfolgen und die erforderlichen Kompetenzen der Manager zu trainieren. Unternehmen müssen erkennen, dass es oft weniger relevant für einen Nachhaltigkeitsmanager ist, Erfahrung in einem bestimmten Unternehmen oder einer Branche zu haben, sondern ein fundiertes fachübergreifendes Nachhaltigkeitswissen zu besitzen.

Rainer Dulger, Leser_In

Wer die gesellschaftliche Rolle von Unternehmen heute noch ernsthaft auf die Bereitstellung von Arbeitsplätzen sowie die Zahlung von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen reduziert, der blendet die Wirklichkeit komplett aus. Nirgendwo zeigt sich so sehr, was hinter dem Begriff Soziale Marktwirtschaft steckt, wie im vielfältigen gesellschaftlichen Engagement unserer Unternehmer: Sie setzen auf Ausbildung von Fachkräften, ressourcenschonende Produkte, fördern technologische und soziale Innovationen, übernehmen nachhaltig Verantwortung für ihre Mitarbeiter, sind politisch aktiv, sozialverantwortlich und leisten so einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung unserer Gesellschaft. Zu häufig herrscht in öffentlichen Debatten ein eindimensionales und bösartig verzerrtes Bild der deutschen Wirtschaft. Die Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung durch Unternehmen wird viel zu selten beachtet oder unter die Decke gekehrt. Dabei ist hierzulande Engagement in allen gesellschaftlichen Bereichen sehr weit verbreitet, gerade vor der eigenen Haustür. In unserem Familienunternehmen ProMinent beispielsweise gehört die Unterstützung zahlreicher sozialer Einrichtungen und Institutionen aus den Bereichen Technologie und Wissenschaft in der Region seit der Gründung zur Unternehmenskultur. Unternehmern ist klar: Aus wirtschaftlichem Erfolg erwächst die gesellschaftliche Verantwortung, auch anderen Menschen Chancen zu ermöglichen.

Günther Bachmann, Leser_In

Saubere Kinderhände halten fein gesiebten Torfboden. Ein Schmetterling fliegt in das Sonnenlicht. Ein grün gefärbter Globus. Solche Bilder beschmücken oft Texte zur Verantwortung von Unternehmen. Der Liaison aus Chefetage und Werbeagentur gilt die Nachhaltigkeit als ein Stoff aus Idylle und Ideal. Das soll die reale Verantwortung auf geräumiger Distanz halten. In der realen Welt gilt indessen anderes. Dort zählt der Mut zum Übergang, wenn nötig auch zum Alleingang. Dort müssen Produkte auch gegen harte Interessen verändert, Produktionen auch einmal eingestellt werden. Dort ist Verzicht zwar unangenehm, aber nicht ausgeschlossen. Dort schafft man Chancen und Nutzen, indem man die Maximierung von Gewinn am gesellschaftlichen Sinn bemisst. Längst geht es um mehr als ein paar „politisch korrekte“ Umweltmaßnahmen. Der Nachhaltigkeitskodex überprüft auch Menschenrechte, Rohstoffe und Anti-Korruption, Beteiligung von Mitarbeiter, fairen Handel. Mittlerweile gewinnt die nachhaltige Wirtschaft an Gewicht, in manchen Branchen schon sehr deutlich. Aber die Mehrheit verweigert sich. Ihr gilt die Nachhaltigkeit noch als ideologischer Sonderposten. Komisch eigentlich, denn unverantwortliches Handeln gefährdet die Kultur eines Unternehmen und damit dasselbe nicht selten auch als Ganzes. Die Idylle ist eine Flucht in die Verweigerung, gelebte Nachhaltigkeit ist eine Bewährungsprobe.

Julian Nida-Rümelin, Leser_In

„Eigentum verpflichtet“ heißt es im Grundgesetz. Unternehmen haben eine Verantwortung gegenüber ihren Eigentümern, gegenüber ihren Kunden und Geschäftspartnern, aber auch gegenüber der Allgemeinheit. Der ökonomische Erfolg eines Unternehmens hängt in hohem Maße von einer Kultur des Vertrauens und der Verlässlichkeit in der Belegschaft und im Verhältnis zu Kunden und Geschäftspartnern ab. Eine kleinteilige Optimierungsstrategie von Boni-Systemen gesteuert kann die intrinsische Motivation von Mitarbeitern zerstören und das Unternehmensethos gefährden. Der ökonomische Markt ist auf Bedingungen angewiesen, die er nicht garantieren kann, ja, die er auf sich selbst gestellt, zerstört. Ökonomische Märkte sind heute mehr als je zuvor auf eine funktionierende Kommunikation angewiesen. Ohne Wahrhaftigkeit erwächst kein Vertrauen und ohne Vertrauen entsteht weder Kundenbindung noch Loyalität der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen eines Unternehmens. Die ökonomische Praxis muss eingebettet bleiben in den kulturellen Zusammenhang einer zivilen Gesellschaft, in der sich Menschen wechselseitig respektieren und ihre Rechte und Freiheiten achten. Eine Gesellschaft, in der nicht alles zur Ware wird und deren Mitglieder nicht nur Produzenten und Konsumenten, sondern Bürgerinnen und Bürger mit einer Verantwortung für das Gemeinwohl sind.

Katja Kraus, Leser_In

Es gibt sehr unterschiedliche Verantwortungsebenen für ein Wirtschaftsunternehmen. Auf der Ebene des verantwortlichen Arbeitgebers haben gesellschaftliche Veränderungen, die sinkende Bedeutung von Erwerbstätigkeit im Gesamtlebenskontext und ein zunehmender Wettbewerb um die besten Kräfte das Bewusstsein neu definiert. Neben dem Schaffen von Rahmenbedingungen für Vereinbarkeit von Familie und Beruf liegt die Aufgabe, so ein Unternehmen tatsächlich auf den Gewinn durch Pluralität setzt, in der Etablierung einer angemessenen Führungskultur. Menschen zu fördern heißt zunächst, Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit wahrzunehmen. Auch und insbesondere bei der Förderung von Frauen ist es notwendig, Persönlichkeitsdispositionen und Sozialisationsgrundierungen, die Frauen ausmachen, zu verstehen und zum Teil des Entwicklungsprozesses zu machen. Dazu braucht es das Bewusstsein für das anhaltende Defizittrauma bei berufstätigen Müttern, für die Abwägung, die Frauen bei Aufstiegsmöglichkeiten oft zu lange zögern lässt. Auch für die Skrupel im Wettbewerb alle Mittel einzusetzen. Die Zurückhaltung wird Frauen oft zur Last und als mangelnde Durchsetzungsfähigkeit ausgelegt. Dabei sind genau diese Eigenschaften – Empathie, Wirkungsreflexion, Moderationsfähigkeit und verantwortliches Handeln – die Führungskompetenzen dieser Zeit.

Sahra Wagenknecht, Leser_In

Streng genommen können Unternehmen keine Verantwortung übernehmen. Das können nur handelnde Personen: Unternehmer, Manager und Arbeitnehmer. Die aber müssen heute – insbesondere in großen Betrieben – die Vorgaben der Kapitalgeber berücksichtigen. Nicht selten haben Unternehmensgründer und technische Pioniere, wie schon der Ingenieur Gottlieb Daimler, so in ihren Firmen ihre Selbständigkeit eingebüßt. Das ist fatal, denn die Interessenunterschiede sind immens. Kapitalgeber wollen Rendite sehen und Geld aus dem Unternehmen ziehen. Faktisch ist das leistungsloses Einkommen, das dann für Investitionen oder gute Löhne fehlt. Ein von der Zentralbank finanzierter öffentlicher Wagniskapitalfonds könnte diese Abhängigkeit überwinden helfen. Unter den gegenwärtigen Bedingungen dagegen können Kapitalgeber in ihrem Interesse starken Druck ausüben. Rendite kann nicht nur durch überlegene Qualität und Produktivität gesteigert werden, sondern auch, indem auf langfristige Investitionen verzichtet, der Preis bei Zuliefern gedrückt oder auch mal bei der Erfüllung von Abgasnormen betrogen wird. Unternehmer, Manager und Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat haben sicherlich eine Mitverantwortung. Aber damit sie wirklich Verantwortung für die Ziele und Prioritäten des Wirtschaftens übernehmen können, muss ihre Abhängigkeit von externen Eigentümern überwunden werden. Anders ausgedrückt: Wir brauchen eine Marktwirtschaft ohne Kapitalismus.

Marc S. Tenbieg, Leser_In

In Deutschland haben Unternehmen in ihrem mehrheitlich als Familienunternehmen geführten Betrieb eine traditionelle Leitfunktion und tragen eine besondere Verantwortung – für die Beschäftigten, deren Familien und auch für die Gesellschaft. Vorbildfunktion, Engagement und Verantwortung tragen dazu bei, dass insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen rückblickend betrachtet viele Krisen und Problemsituationen gut gemeistert haben. Möglich machte dies aber erst der Rückhalt in der Belegschaft, die Flexibilität der Beschäftigten und deren Identifikation mit dem Unternehmen, für das sie arbeiten. Ist die Stimmung gut, läuft es auch im Unternehmen besser. In Zeiten der Globalisierung, den politischen Veränderungen in Europa, einem wieder aufkeimenden Nationalismus und die Angst eines Teils der Bevölkerung vor Veränderungen sind Unternehmen mehr denn je gefordert, sich in der Öffentlichkeit als Vorbild zu zeigen. Die Schaffung von Ausbildungsplätzen, die Integration von Flüchtlingen, soziales Engagement, Mitarbeiterbeteiligungen und stets ein offenes Ohr für die Probleme der Beschäftigten zu haben, sollten mehr denn je auf die Agenda gesetzt werden. Verantwortung zu haben bedeutet aber auch, sich vorbildhaft zu verhalten. Unternehmen, aber auch Freiberufler oder Beschäftige sollten sich immer wieder der Frage stellen, ob sie das eigene Handeln kritisch hinterfragen.

Susanne L., Leser_In

Ich erwarte von einer Unternehmensphilosophie, dass Wert auf einen würdevollen Umgang mit den Angestellten gelegt wird. Gespräche müssen freundlich und sachbezogen verlaufen. Der in der Hierarchie Unterstellte darf nicht ausweglos den Launen des Vorgesetzen ausgeliefert werden. Kein leichtes Vorhaben in einer Unternehmensstruktur, die durch starke Hierarchie und Abhängigkeit geprägt ist.

Elena Trautmann, Leser_In

Soziale Verantwortung ist für große Unternehmen schon immer ein wichtiges Thema gewesen. So ist es zum Beispiel der Familie Krupp zu verdanken, dass kostengünstige Wohnungen neben der Fabrik entstanden sind und wir dadurch heute unsere Sozialsysteme haben. Krupp war es wichtig, dass sich seine Mitarbeiter wohlgefühlt haben und die Firma wie eine Familie sahen. Heutzutage gehen manche Unternehmen sogar noch etwas weiter, was mich manchmal eher an eine Sekte erinnert. Aber alles in allem ist es wichtig, dass sich Unternehmen um ihre Mitarbeiter kümmern, denn das Humankapital wird in Zukunft über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.

Klaus Dieter Kunze, Leser_In

Eine große Verantwortung, die ein Unternehmen zu tragen hat, ist für mich der Arbeitsschutz. Ich habe 28 Jahre lang als Dachdecker gearbeitet und bin letztes Jahr im Oktober bei der Arbeit verunglückt. Mein ehemaliger Arbeitgeber hat es mit den Schutzmaßnahmen nicht so genau genommen. Das Gerüst, von dem ich gestürzt bin, hätte gar nicht mehr verwendet werden dürfen. Ich kämpfe bis heute noch vor Gericht, um meine Existenz sichern zu können. Leider nimmt mein ehemaliger Chef es mit der Verantwortung nicht so ernst.

Rainer Winkelmann, Leser_In

Ich finde, dass gerade große Unternehmen es nicht so genau mit der Verantwortung nehmen. Man nehme zum Beispiel einen großen Elektronikhersteller, der eine Frucht im Logo hat. Die Steuermentalität dieses Konzerns ist unter dem Gesichtspunkt der Verantwortung gesehen mehr als nur fraglich. Im Gegenzug wird aber mit der ökologisch nachhaltigen Produktion der Geräte geworben. Komisch.

Silvia Bratmann, Leser_In

Wenn die Pariser Klimaziele erreicht werden sollen, geht dies nur mit einer grünen Wirtschaft, die sich für Energieeffizienz, Klima- und Ressourcenschutz einsetzt. Unternehmen müssen ihren Beitrag zur Dekarbonisierung leisten und ökologische Standards einhalten. Sei es bei den Transportwegen, in einer nachhaltigen Landwirtschaft oder in energieeffizienten Gebäuden. Während dies als Ziel in der Gesellschaft schon verankert ist, wenn auch nicht immer von Privatpersonen umgesetzt, sollte es im besten Fall für Investoren ausschlaggebend sein, Gelder nur in nachhaltige Unternehmen zu investieren. Den größten Beitrag aber haben die Unternehmen selbst zu leisten. Hier müssen sie die Verantwortung übernehmen.

Klaus D., Leser_In

Ein schwach wirtschaftendes Unternehmen wird nicht in der Lage sein, die Verantwortung zu übernehmen, nach der alle in der Kleinstadt schreien: nach der Unterstützung bei Fußballturnieren, die Finanzierung der Gruppenausstellung im Heimatmuseum oder der Anzeigenschaltung in der Schülerzeitung. Das sind alles schöne Projekte, jedes einzeln gesehen kostet auch nicht viel. Oft ist es als Unternehmer schwer, engagierten Gruppen klarzumachen, dass es erst einmal darum geht, die Arbeitsplätze zu erhalten, bevor man als Sponsor auftritt. Denn das ist die wichtigste Verantwortung, die ein Unternehmen hat: Es darf sich nicht übernehmen und dadurch insolvent werden.

Roland von Hertzberg, Leser_In

Unternehmen übernehmen Verantwortung in ihrer Region. Das spüren Gemeinden, die Unternehmen einst dazu bewegten, sich anzusiedeln: Vom Wohlstand durch Arbeitsplätze bis zum Sponsoring lokaler Veranstaltungen.

Miranda D., Leser_In

Immer wieder passiert es, dass Mitarbeiter in Unternehmen gemobbt werden. Viele Unternehmen gehen dagegen nicht wirksam vor. Sie lassen es einfach laufen und scheuen den Konflikt. Dabei tragen auch sie die Verantwortung dafür, wenn Menschen deshalb Ängste durchleiden und arbeitsunfähig werden.

Sieghard Brender, Leser_In

Zu den Unternehmen, die am stärksten gefährdet sind unverantwortlich zu handeln, gehören sicherlich diejenigen, die metallische oder mineralische Rohstoffe importieren. Konkret geht es um Umweltprobleme vor Ort, Korruption und ausbeuterische Arbeitsbedingungen – und im Kongo außerdem um die Finanzierung des Bürgerkriegs durch den Handel mit Rohstoffen wie Coltan, Kupfer, Zinn und Gold.

Inge Lorenz, Leser_In

Unternehmen sollten Verantwortung für die Summe der „Schadschöpfung“ übernehmen, nicht die Gesellschaft.

Hannes F, Leser_In

Ich bin kein Großaktionär, sondern lege lediglich einen Teil meines Geldes, der für die Rente gedacht ist, in Aktien an. Dabei muss ich mir überlegen, warum ich in welches Unternehmen investiere. Die Rendite spielt, wie wohl bei den meisten Anlegern, natürlich auch eine wichtige Rolle. Trotzdem würde ich von einem Unternehmen, in das ich Geld investiert habe, niemals wollen, dass es sein Geld auf Kosten der Umwelt und auf Kosten seiner Arbeitnehmer, wie beim Arbeitsplatzabbau, erwirtschaftet.

Jutta Briegendura, Leser_In

Kein Unternehmen darf an irgendeinem Punkt in der Lieferkette zulassen, dass Produkte durch Kinderarbeit hergestellt werden. Es muss ihre Aufgabe sein, das zu kontrollieren.

Karl-Günther Braun, Leser_In

Wenn Unternehmen, die mit Entwicklungs- und Schwellenländern kooperieren, auch die Verantwortung für die dortige Armutsbekämpfung mit übernehmen würden, könnten dadurch auch Fluchtursachen entscheidend bekämpft werden. Es ist also dringend geboten, hier nicht mehr nur von Verantwortung zu sprechen, die in alle Richtungen gedehnt werden kann. Es sollten strikte Regelungen, am besten länderübergreifende, festgelegt werden.

Peter Kalkmann, Leser_In

Das wichtigste Ziel von weltweit agierenden Unternehmen muss die Beachtung der Menschenrechte sein. Dafür tragen sie Verantwortung. Die Menschenrechte müssen auch an Produktionsstandorten in Niedriglohnländern eingehalten werden, an denen sie nicht die gleiche Bedeutung wie bei uns haben. Wenn die Wirtschaft wächst, muss auch die Achtung der Menschenrechte anschließen.

Marco Hermann, Leser_In

Jedes Unternehmen hat auch eine ökologische Verantwortung. Dabei geht es gar nicht nur um große Unternehmen, sondern auch um kleine und mittlere, die durch einzelne Schritte etwas für die Umwelt tun können. Ob bei der Lüftung oder der Beleuchtung oder energieeffizienten Antrieben: Es gibt viele Möglichkeiten, wie man Energie sparen und dadurch das Klima schützen kann. Deswegen halte ich es auch für wichtig, dass der Energieverbrauch von Unternehmen vom Gesetzgeber in Zukunft noch strenger geregelt wird. Denn viele Unternehmen sind sich allzu oft ihrer Verantwortung nicht bewusst und setzen nur Maßnahmen zur Energieeffizienz um, wenn sie auch dazu verpflichtet werden.

Jessika Weber, Leser_In

Unternehmen haben vor allem für die Sicherheit der Arbeitsplätze zu sorgen. Das bedeutet, dass gerade Firmenfusionen nicht dazu führen dürfen, dass Manager riesige Gewinne einfahren, wenn sie gleichzeitig Arbeitsplätze streichen. Ein Unternehmen sollte hinter der Belegschaft stehen und Verantwortung für sie und deren Familien übernehmen. Eines der wichtigsten Ziele, was Unternehmen für die Gesellschaft leisten können, ist eine hohe Beschäftigungsrate.

Saskia Neumann, Leser_In

Denkt man an die ökologische Verantwortung der Unternehmen den CO2-Ausstoss zu reduzieren, so ist es sicherlich ein gutes Zeichen, dass „der Firmenwagen“ für Mitarbeiter nicht mehr die Bedeutung wie früher hat, als Jobanreiz zu dienen. Trotzdem hört man wenig von Unternehmenskonzepten, die Mitarbeitern eine umweltfreundliche Lösung bieten, zum Arbeitsort und zurück nach Hause zu gelangen. Nur bei Praktikanten ist es mir geläufig, dass sie ein Monatsticket für den öffentlichen Nahverkehr erhalten.

Eva Regensburg, Leser_In

ich wünsche mir firmen und arbeitgeber die ihre macht ausnützen um trends zu setzten, die prämien und wettbewerbe für nachhaltiges denken und wirken verteilen, warum kann die politik hier nicht unterstützen?... denn jeder mensch würde/wird hier mitgehen....warum nicht? das kann mir niemend erzählen!

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