Antwort schreiben

Zum Voten von Antworten musst du angemeldet sein.

Logge dich ein oder registriere dich.

×

Welche Verantwortung haben wir?

Wir leben in einem der reichsten Länder der Welt – doch längst nicht alle erleben ausreichende gesellschaftliche Teilhabe. Wo sehen Sie Handlungsbedarf, was können wir persönlich leisten und wo sind der Verantwortung Grenzen gesetzt?

Antwort schreiben

Hannes Jaenicke, Leser_In

Die meisten Menschen, die ich beobachte, denken: Nach mir die Sintflut. Das kommt wahrscheinlich daher, dass der Leidensdruck bei uns noch nicht hoch genug ist, um unser Handeln zu ändern. In anderen Ländern ist dies längst der Fall. Man sollte sich klar machen, dass alles, was wir tun, globale Auswirkungen hat – ob Menschen mit ihren schweren SUVs durch Innenstädte kurven oder Plastikmüll produzieren. Mikroplastik etwa landet immer irgendwann im Meer, wird von Fischen aufgenommen, die wir wieder essen. Es gibt also immer Auswirkungen auf uns Menschen. Darum kann man Umweltschutz nicht von Menschenschutz trennen. Viele Menschen freuen sich darüber, wie billig man Kleidung kaufen kann. Aber welche Konsequenzen dies für die Menschen in den asiatischen Billiglohnländern und deren Umwelt hat, daran will keiner denken. Auch, dass Kinder im Kongo in Coltan-Minen für unsere Smartphones und anderen Elektroschickschnack schuften, wird sportlich verdrängt. In anderen Ländern, die diesen Leidensdruck längst spüren, etwa auf vielen Pazifikinseln, wird anders gehandelt. Ich glaube, dass jeder Einzelne die Pflicht hat, Verantwortung für unseren Planeten zu übernehmen. Als sogenannter Promi hat man zusätzlich die Möglichkeit, auf Dinge aufmerksam zu machen, zu informieren, auf Missstände hinzuweisen. Aber das größte Problem ist und bleibt die Untätigkeit der Politik, die Profitgier der Industrie und das Desinteresse vieler Verbraucher.

Götz W. Werner, Leser_In

Unsere Verantwortung ist, dass der Artikel eins, Absatz eins unseres Grundgesetzes endlich für alle Menschen wirksam wird: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Bei aller Komplexität, den Verirrungen in unseren Finanzströmen und dem tiefgreifenden Wandel dürfen wir nicht vergessen: Es geht immer um die Menschen. Sie sind das Ziel. Wir brauchen Rahmenbedingungen, die die Initiative der Menschen fördern, so dass sie selbst erkennen können: Hier kommt es auf mich an. Kontrollstrukturen – ob in Unternehmen oder unserem Zusammenleben – hemmen Initiative und die Entwicklung des Einzelnen. Respekt und Wertschätzung sollten die Eckpfeiler unseres Zusammenlebens sein. Wir brauchen eine Gesellschaft, in der wir jedem Menschen Zutrauen aussprechen und jede Tätigkeit – auch die, die nicht an einen Erwerbsarbeitsplatz gebunden ist – wertschätzen und ermöglichen. Dafür müssen wir uns von gewohntem Denken lösen. Schon Albert Einstein sagte: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ Wenn wir die Herausforderungen der Zukunft gestalten wollen, müssen wir die Verknüpfung von Arbeit und Einkommen überwinden. Wir brauchen ein bedingungsloses Grundeinkommen. Nicht als soziale Wohltat, sondern um den Missstand abzuschaffen, dass das Existenzminimum sowie eine menschenwürdige soziale und kulturelle Teilhabe für etwa jeden fünften Einwohner unseres Landes nicht bedingungslos garantiert ist.

Jürgen Todenhöfer, Leser_In

Wir dürfen die Zukunft unserer Welt nicht allein der Politik überlassen. In Schicksalsfragen wie Krieg, Rassismus oder Umwelt sollten wir persönlich Verantwortung übernehmen. Indem wir die öffentliche Meinung mitgestalten. Beim zehnten kritischen Leserbrief in einer wichtigen Zeitung, bei machtvollen Demonstrationen und großen Bürgerinitiativen kommt jeder Politiker ins Schwitzen. Junge Menschen könnten zum Beispiel beim Streit über Waffenlieferungen in den sozialen Medien Druck aufbauen. Öffentliche Meinung ist eine Großmacht. Für Politiker die wichtigste. Von ihr hängt ihre Wiederwahl ab. In der Außenpolitik müssen wir endlich dem Krieg die Maske der Ehrbarkeit vom Gesicht reißen. Und deutlich machen, dass es bei fast allen Militärinterventionen nicht um Menschenrechte geht, sondern um Macht, Märkte und Moneten. Auch im sozialen Bereich sollten wir Verantwortung übernehmen. In Deutschland leben Millionen arme, vereinsamte alte Menschen. Oft sind sie krank. Vom Staat werden sie, wenn überhaupt, im Minutentakt abgefertigt. Jeder von uns könnte ihnen etwas Zeit widmen. Wohlhabende könnten private Hilfsorganisationen für einsame alte Menschen gründen. Echtes soziales Engagement aber geht über finanzielles Engagement hinaus. Man muss sein Herz öffnen, nicht nur den Geldbeutel. Und andere so behandeln, wie man selbst behandelt werden will. Wenn wir die Welt verbessern wollen, müssen wir bei uns selbst anfangen.

Ana-Maria Stuth, Leser_In

Freiwillig Engagierte erfüllen gesellschaftliche Bedürfnisse, indem sie Angebote im Sport oder in Musik und Kultur machen. Sie füllen Lücken in der Daseinsvorsorge durch Unterstützung in der Pflege, in der Jugendbildung oder in der Organisation von Bürgerläden und Bürgerbussen. Sie engagieren sich in der freiwilligen Feuerwehr, in der Katastrophenhilfe bei Überschwemmungen oder für Geflüchtete. Auch Politik ist auf lokaler Ebene ohne ehrenamtliche Bürgermeister und Stadträte nicht denkbar. Freiwillige verkörpern Verantwortung: Sie setzten sich für die Themen ein, die für sie wichtig sind. Sie wollen mit anderen zusammen etwas im Kleinen oder Großen verändern. Engagement bedeutet Arbeit und Anstrengung, bringt aber auch Spaß, Gemeinschaft und Lernmöglichkeiten und steigert im besten Fall das Gemeinwohl. Verantwortung übernehmen bedeutet aber auch, dort wo es Missstände gibt, diese aufzuzeigen und sich für Verbesserungen zu engagieren. Das können Kampagnen für soziale Gerechtigkeit, gegen Umweltzerstörung und für Tierschutz und gegen oder für Bauvorhaben sein. Sie machen unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse der einzelnen sichtbar. Es ist dann die Verantwortung des Staates, dafür zu sorgen, dass aus den unterschiedlichen Interessen Gemeinwohl entsteht. Diese Vielfalt und dieser Eigensinn des Engagements müssen gefördert werden, damit jeder, der in Deutschland lebt, Verantwortung für die Belange übernehmen kann, die ihn bewegen.

Jennifer Rostock, Leser_In

Welche Verantwortung trägt der öffentlich tätige Mensch? Das ist sehr schwer zu verallgemeinern. Oft ist einem die tatsächliche Reich- und Tragweite, insbesondere von politischen Aussagen, kaum bewusst. Natürlich ist es grundsätzlich erstmal begrüßenswert, wenn Künstler ihre Öffentlichkeit nicht nur zum Selbstzweck nutzen, sondern um auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam zu machen. Darin steckt aber bereits die Krux der Sache. Nur die allerwenigsten haben die Weisheit mit Löffeln gespeist. Wir auch nicht. Wir haben zwar deutliche Meinungen, aber kein fundiertes Fachwissen. So sehen wir es als unsere Aufgabe, es beim Lenken von Aufmerksamkeiten zu belassen. Wir können und wollen keine Meinungen diktieren, sondern können nur zu Diskursen und Debatten innerhalb unserer Bubble anstiften. Mit ein wenig Glück auch darüber hinaus, aber da stößt man schnell an Grenzen, dessen muss sich jeder bewusst sein. Es ist im Übrigen schön und gut, sich damit zu schmücken, wie doof man Nazis findet, aber es bringt kaum etwas, das Leuten zu verklickern, die sowieso ähnlich ticken wie du selbst. Da sollte es schon um spezifischere Themen gehen. Trotz allem ist Position beziehen wichtig. Wichtiger ist allerdings noch, nicht nur stumpf gegen etwas zu schießen, sondern konstruktiv den Dialog zu fördern, auch wenn es manchmal wie ein Kampf gegen Windmühlen scheint. Für diese Erkenntnis haben wir allerdings auch lange gebraucht.

Günther Bachmann, Leser_In

Verantwortung entsteht im Mikrokosmos gegenüber den Kindern, in der Familie, in der Nachbarschaft und im Beruf. Wir haben Verantwortung nicht einfach, sondern wir übernehmen sie und sie wird uns zugeschrieben. Dann entscheidet sich, ob und wie wir sie tragen. Auch im Großen. Verantwortung ist, was die Gesellschaft, was Institutionen und Unternehmen erhält. Wo sie fehlt, brechen die natürlichen Lebensgrundlagen weg und gehen politische Systeme kaputt. Die Bedrohung der Umwelt lehrt uns, dass Verantwortung global ist – ebenso unteilbar wie jene zur Einhaltung der Menschenrechte. Heute buchstabiert sich Verantwortung als Nachhaltigkeit. Das meint den Wechsel vom Immer-mehr zum qualitativ Besseren. Unsere Verantwortung beginnt im Alltag und hört in der Politik nicht auf. Als ihr Grundsatz muss gelten: Was sich bewährt (hat), gilt es zu erhalten; den Rest gilt es zu ersetzen. Nachhaltigkeit ist keine Ersatzreligion und schon gar keine Lizenz zum Greenwashing. Es geht um harte Politik und zugleich um individuelle Konsequenzen. Anders wird es kaum gelingen, die Grundfeste von Energie und Mobilität, Finanzsystem und Sozialstaat zukunftsfest zu machen. Von allen Beteiligten erfordert das Mut und Verantwortung, zumal Führungsverantwortung. Es geht letztlich um die Selbstbehauptung des ganzheitlichen Denkens gegen partikuläre Interessen. Ich behaupte nicht, dass das einfach ist. Aber Wert, sich daran zu beteiligen.

Raúl Aguayo-Krauthausen, Leser_In

Die Frage, ob soziale Verantwortung mehr als eine politische Forderung ist, würde ich mit einem klaren Ja beantworten. Soziale Verantwortung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Doch was bedeutet das für jeden Einzelnen? Wir müssen unsere eigenen Privilegien hinterfragen und schauen, wo wir Türen öffnen und Barrieren abbauen, damit andere Menschen in die gleiche Lage kommen können. Diesen Ansatz versucht das Prinzip der inklusiven Gesellschaft zu verfolgen und damit gegensätzlich zu einer leistungsorientierten Gesellschaft zu stehen. Wir dürfen daher nicht nur fordern, dass die Politik mehr soziale Verantwortung übernehmen muss, sondern auch selber zeigen, dass wir dieses soziale Miteinander wollen. Wir dürfen beispielsweise bei einer Diskussion um eine barrierefreie Renovierung nicht mehr mit dem Thema Geld argumentieren, Schulsysteme, in denen Kinder mit und ohne Behinderungen lernen, dürfen nicht mehr von Argumenten nur einer Seite bestimmt werden und auch der Arbeitsmarkt muss sich für Menschen öffnen, die auf den ersten Blick nicht der „Norm“ entsprechen. An diese Verantwortung müssen wir uns immer wieder erinnern und ab und zu nach hinten schauen, ob Menschen an Barrieren scheitern, die uns selbst nicht auffallen. Diese eigene Arbeit an einer inklusiven Gesellschaft nimmt die politischen Verantwortungsträger nicht aus der Pflicht, im Gegenteil. Also lasst uns gemeinsam das Ja zur Verantwortung mit sozialem Leben füllen.

Marcel Rosen, Leser_In

Die Medien werden manchmal neben Exekutive, Legislative und Judikative als „vierte Gewalt“ bezeichnet. In den modernen Sozialwissenschaften wurde die naive Annahme, Medien bildeten gesellschaftliche Verhältnisse lediglich ab, durch ein dialektisches Verhältnis zwischen Medien und Gesellschaft ersetzt: Sie bilden zwar selbstverständlich soziales Geschehen ab, indem sie darüber berichten, sind aber auch selbst ein sozialer Akteur, der mitgestaltet. Gerade in Zeiten, in denen Pegida, AfD und andere von der angeblichen „Lügenpresse“ schwadronieren, ist es umso wichtiger, diesen Verschwörungstheorien eine aufrichtige Berichterstattung entgegenzusetzen.

Oliver Maierhofer, Leser_In

Ein englischsprachiges Sprichwort besagt: „With great power comes great responsibility.“ – „Mit großer Macht geht große Verantwortung einher.“ Wer in Positionen mit starker Machtkonzentration sitzt, muss sich seiner Verantwortung gewahr werden, beispielsweise wenn Staaten über ein Arsenal an konventionellen und atomaren Waffen verfügen, mit dem ohne weiteres sämtliches Leben auf dem Planeten ausgelöscht werden könnte.

Matthias Fischer, Leser_In

Meinem Körper gegenüber: Gesünder leben.

Martin Schneider, Leser_In

Wofür ich mich verantwortlich fühle, hat sich durch meine Kinder stark verändert. Für neue Aufgaben musste ich Verantwortung übernehmen und plötzlich Vorbild sein. Im Gegenzug hatte ich weniger Kraft, mich für anderes zu engagieren. Auch im Job war ich ganz froh, wenn ich Verantwortung abgeben konnte. Aber ich merke auch, dass die Möglichkeiten, an anderen Stellen Verantwortung zu übernehmen, wieder steigen, wenn die Kinder größer werden.

Nicola Brenns, Leser_In

Sobald man anderen Individuen näher kommt, hat man auch Verantwortung für sie. Das ist wie beim Kleinen Prinzen, der den Fuchs zähmt und dann für ihn verantwortlich ist.

Franziska Clauss, Leser_In

Ein Bekannter, der „es zu sehr viel gebracht hat“ sagt immer zu Neidern aus seiner früheren Schule: „Wir hatten die gleiche Schulbildung, du hättest es genauso machen können.“ Da ist was dran. Ich persönlich finde, dass unser Mitleid und unsere Hilfe überall dort notwendig ist, wo die Grundvoraussetzungen deutlich schlechter sind (Ernährungs- und Gesundheitsprobleme durch geografische Lage, Schutzbedürftigkeit durch politische Missstände und Kriege etc.). Aber wer eigentlich anders leben könnte und es dennoch nicht tut, also nicht von denen lernt, die „besser“ leben (was ja sogar die meisten Tiere können und tun), und sich nichtmal bemüht, hat keine große Hilfe verdient – und das betrifft auch gewisse Menschen unserer Nationalität im eigenen Land.

Dominik Schott, Leser_In

Unsere größte Verantwortung tragen wir derzeit als Konsumenten. Die Erde trägt und ernährt uns. Wir muten ihr viel zu: Insektensterben, Ressourcenverbrauch, Tierleid, Kima .... Unsere Kaufentscheidungen im Alltag haben direkten Einfluss. Im Rahmen des Zumutbaren sollten wir also immer hinterfragen: Was brauche ich wirklich? Welche Ressourcen werden dafür verbraucht? Dient mein Handeln der Allgemeinheit? Wenn nicht: fügt es zumindest anderen keinen vermeidbaren Schaden zu? Das lässt sich nicht immer klar beantworten - aber etwas mehr Bewusstheit geht immer.

Regine Dewitz, Leser_In

Verantwortung steht für mich immer im Zusammenhang mit : persönlich die Konsequenzen zu tragen. Im Privatenbereich meinem Umfeld gegenüber, in meinem Beruf, mir selbst gegenüber - sprich in allen Rollen, die das Leben für uns bietet. Konsequenzen-tragen bedeutet für mich, zwischen den Extremen von: sich über schöne Erlebnisse zu freuen und bei \"angeblich\" Mißlungenen (in Anführungszeichen, da es Gelegenheit bietet etwas zu verändern) mich auch aus reinem Herzen entschuldigen zu können. Verantwortung umfasst für mich auch die Konsequenz mich ihrer zu entziehen, wenn ich sie nicht mehr tragen kann; weil Umstände nicht veränderbar scheinen. Wohl wissend, das dies u.U. sehr weh tun kann, z.B. die 24-Std. Pflege eines Angehörigen nicht mehr leisten können -wie halte ich dies aus denjenigen im Stich zu lassen?; in einer KLasse mit 25 Schülern inkl. 5 Inklusionskindern allein gelassen sein und dies nicht mehr können,-Berufswechsel sind schwierig einsehen, dass meine Gesundheit sich so nicht mehr nennen kann - wann fängt das an? -welche neue Veränderungen führen zum Erfolg?-halte ich das aus? Deshalb heißt Verantwortung auch für mich, bestimmte Bereiche auszuklammern aus Schutz für mich selbst (neg. Nachrichten aus anderen Ländern, da ich dort wenig verändern kann). - denn ich möchte auch spontan sein, mich freuen und frei leben können, Energie haben für neue Zukunftsgedanken.

Michael Clemens, Leser_In

Jeder Mensch hat zunächst einmal Verantwortung für sich selbst. In vollem Maße gerechtwerden kann er ihr allerdings erst, wenn eine Grundvoraussetzung erfüllt ist: Wenn er nämlich in der Eigen-Liebe ist, die in der aktuellen entweder/oder-Welt gern als Egoismus diffamiert wird. Tatsächlich ist die wohlverstandene Eigen-Liebe jedoch Basis der Fremd-Liebe. Und damit auch Basis für meine Bereitschaft, echte Verantwortung für meine Umgebung zu übernehmen. Für diesen einfachen Zusammenhang sollten alle Menschen sensibilisiert werden. Von Geburt an. Gerade in den angeblich so reichen Ländern der Welt. Die Alternative sehen wir gerade vor uns: Kaputtalismus allerorten.

Schreib' uns deine Antwort!

Welche Überschrift willst Du Deiner Antwort geben?

Wann wird Design zu Kunst?

Ist das Kunst oder kann das weg? Für die einen kann alles Kunst sein, andere verbinden Kunst mit dem Anspruch aus dem Rahmen zu fallen. Uns interessiert: Wann wird für Sie das Produkt zu Kunst, der Eierbecher zum Ausstellungsstück?

Antwort schreiben

mukone, Leser_In

Kunst ist frei interpretierbar, Design muss verstanden werden.

Alfred Meyerhuber, Leser_In

Die Fragestellung „Wann wird Design zu Kunst?“ ist wenig hilfreich, ja führt in die Irre. Denn in den Antworten werden Äpfel mit Birnen verglichen! Endprodukte nämlich menschlichen, schöpferischen Denkens und Fühlens. Vernünftigerweise sollte eine Antwort (oder auch mehrere) auf die Frage gefunden werden, ob Kunst und Design dieselbe Quelle im Menschen haben. Ist dieser Ursprung zu suchen im `Flow´, in `entspannter Wachheit´, gar in `bipolaren Störungen´ oder, wie Plato es freundlicher sagt, in `poetischer Verrücktheit´? Oder ist bei Kreativen der Schläfen- und Hinterhauptslappen des Gehirns einfach mächtiger? Oder, um das Forschergeschwurbel auf den Punkt zu bringen, ist Kreativität `ein funktionales Zusammenspiel verschiedener Hirnareale in komplexen neuronalen Netzwerken´, woraus Kunst und Design entstehen? Wenn dem so ist, und nichts spricht dagegen, dann bleibt als Unterschied, dass das eine ein Apfel (Kunst) und das andere eine Birne (Design) ist. Und sowohl Apfel, als auch Birne fallen bekanntermaßen nicht weit vom Stamm. Und beide schmecken. Nur eben anders!

Peter Zec, Leser_In

Unter Laien herrscht häufig die Meinung, dass Design Kunst ist. Betrachtet man den Beruf des Entwerfers genauer, so hat er wenig mit dem des Künstlers gemeinsam. Kurt Weidemann, deutscher Grafikdesigner und Typograph, zog eine klare Linie zwischen Kunst und Design: „[…] Design braucht reichlich Objektivität. Kunst ist subjektiv. Design schließt intelligente Kompromisse. Kunst schließt sie aus. Design ist auf das Machbare ausgerichtet. Kunst ist Utopie. Design muss greifbar und verständlich sein. Kunst nicht […].“ Und damit liegt er vollkommen richtig, denn gutes Design ist nicht einfach nur schön. Gut gestaltete Produkte überzeugen durch hohe Funktionalität, einfache Handhabung, technische Innovationen und haptische Besonderheiten. Es gibt zahlreiche Designklassiker, wie von Le Corbusier oder Ray und Charles Eames, die beweisen, dass gute Gestaltung über Jahrzehnte hinweg Bestand haben kann – ein Aspekt, der besonders in der heutigen Wegwerfgesellschaft eine entscheidende Rolle spielt. Zeitloses Design beschreibt eine Formensprache, die sich durch Geradlinigkeit auszeichnet. Die gute Qualität der Klassiker wird maßgeblich durch den Einsatz von innovativen und nachhaltigen Materialien geprägt. Gelingt dieses Zusammenspiel, kann ein Produkt stilprägend für einen gesamten Bereich werden und sogar den Status eines Kunstwerkes erreichen.

Jan Willmann, Leser_In

So viel gleich vorweg: Der Übergang von Design zu Kunst ist heute längst vollzogen. Dies äußert sich in fast schon frivoler Naivität und Entschlossenheit in der Werbung, in der Mode und im Produktdesign, vor allem aber in den digitalen Entwurfs- und Herstellungsverfahren wie auch in der Mediengestaltung und der interaktiven Kunst. Und tatsächlich: Nach den digitalen Anfängen in den 1990er-Jahren bildet sich aktuell eine technologische Basis ab, wie sie seit der Gründung des Bauhauses vor knapp hundert Jahren mehr ersehnt als realisiert wurde. Dabei steht nicht mehr nur die Befreiung von tradierten Formen und Methoden im Vordergrund. Vielmehr geht es um einen Paradigmenwandel, der die gestalterischen Disziplinen insgesamt erfasst und ineinander aufgehen lässt. Die Computerisierung der intellektuellen (und kreativen) Arbeit lässt, verbunden mit einer entsprechenden Herstellungs- und Vermarktungskette, jeden Einzelnen zum vermeintlichen Künstler oder Designer – oder zu beidem – werden. Damit läuft nicht nur die moderne Aufteilung zwischen geistiger Arbeit und Produktion ins Leere. Ebenso lösen sich die tradierten Vorstellungen von Autorenschaft und Disziplinarität auf. Heute entwickeln Design und Kunst für die Medienformen der Digitalisierung zunehmend eigene und kollektive Schaffensformen. Ob sich daraus eine neue gesellschaftliche Identität und Relevanz von Design und Kunst herauskristallisieren wird, bleibt vorerst offen.

Heinrich Paravicini, Leser_In

Der Designer ist kein freier Künstler, sondern er entwickelt Lösungen für ein Problem. Er stellt sich nicht der programmatischen Herausforderung eines Themas losgelöst vom Kontext der Auftragssituation. Dabei ist es unerheblich, ob er sich die Aufgabe selbst stellt oder ob dies ein Auftraggeber tut. Es bleibt das lösungsorientierte Handeln, was ihn antreibt. Gleichwohl kann und soll dies nicht nur zur Profitmaximierung seines Auftraggebers geschehen, sondern auch zur Verbesserung der Gesellschaft und des Zusammenlebens der Menschen. Daher und ob der Tatsache, dass Design in den meisten Fällen mit Formgebung und kreativen künstlerischen Techniken arbeitet, rührt wohl der Umstand, dass Design oft mit Kunst verwechselt wird. Der Designer möchte mit ästhetischen Mitteln die Welt besser und auch schöner machen, aber er tut dies nie zum Selbstzweck, sondern zum Zweck. Das Kunst-Missverständnis liegt also in der Ästhetik seines Tuns. Wenn Design zur Kunst erhoben wird, ist das nie der Anspruch des Designers, sondern es ist die Gesellschaft, die seine ästhetischen Ergebnisse zu Kunst stilisiert. Wenn zum Beispiel auf der Messe „Design Miami“ Möbel oder Objekte wie Kunst präsentiert und gehandelt werden, ist dies das Ergebnis der Tätigkeit von Kuratoren und Vermarktern, nicht das Selbstverständnis des Designers, der die Objekte geschaffen hat. So gesehen: Kunst ist, was zu Kunst erklärt wird. Design will Design sein.

Daniel Libeskind, Leser_In

Alles um uns herum ist konstruiert. Design und Architektur sind deshalb im Grunde genommen nur zwei Begriffe für ein und dieselbe Sache. Wenn man sich das vergegenwärtigt, ist es nur noch ein kleiner Schritt bis hin zur Kunst. Kunst in all ihren Formen ist natürlich immer eine sehr subjektive Angelegenheit. Für mich persönlich aber beginnt sie dort, wo jemand sein Herzblut in die Erschaffung von Dingen steckt. Ich formuliere das bewusst so unspezifisch, weil selbst die banalsten Dinge kunstvoll designt sein können, selbst eine Kaffeekanne. Ob sie dann auch als Kunst wahrgenommen werden, hängt sehr stark vom Kontext ab. Deshalb, und dem versuche ich in jedem meiner Projekte gerecht zu werden, glaube ich fest an die Bedeutsamkeit sinnstiftender Elemente. Ganz einfach, weil wir dem Narrativ nicht entkommen können. Die ganze Welt ist schließlich metaphorisch. Ein Blick auf die Architektur reicht, um das zu erkennen: Jedes Gebäude erzählt seine eigene Geschichte durch die verwendeten Materialien, die gewählte Form oder die Geräusche, die es erzeugt. Wenn wir dieses Zusammenspiel aus dem Kontext reißen, bleibt nur eine leere Hülle. Die Menschen erkennen intuitiv fehlende Sinnhaftigkeit und reagieren entsprechend darauf. Das beeindruckendste und vollständigste Narrativ wird deshalb nicht durch Worte erzählt, es ist ein Ausdruck dessen, wie wir die Welt verändern. Oder anders gesagt: Architektur ist Design ist Kunst.

Mateo Kries, Leser_In

Design kann nicht zur Kunst werden, beides sind völlig unterschiedliche Felder. Dennoch ist es interessant, das Verhältnis beider Begriffe zu untersuchen. Früher hieß Design mal Industriekunst, wurde also als Kunst definiert, die aus der Industrie entsteht. Je mehr sich Design im Verlauf des 20. Jahrhunderts als neue Disziplin herausbildete, desto mehr wehrten sich Designer, als Künstler bezeichnet zu werden. Sie wollten etwas eigenes sein und waren stolz darauf, dass ihre Werke – anders als die eines Künstlers – benutzt werden können. Heute verschwimmen die Grenzen wieder: Viele Künstler spielen mit Versatzstücken aus der Welt des Designs, etwa Tobias Rehberger oder Andrea Zittel. Aber würden sie sich deshalb auch als Designer sehen? Ich denke nicht. Dann wiederum gibt es Designer, deren Entwürfe offensichtlich Kunst sein sollen, und das geht meistens schief. Dennoch können bestimmte große Entwürfe der Designgeschichte die gleiche kulturelle Bedeutung wie ein Kunstwerk haben. Und zwar dann, wenn sie neben ihrem Gebrauchswert nicht nur die subjektive Idee ihres Entwerfers, sondern auch den Geist ihrer Zeit auf den Punkt bringen und für nachfolgende Generationen sichtbar machen. Das ist nicht häufig der Fall, aber wenn, dann entsteht ein Klassiker: zum Beispiel ein Freischwinger von Ludwig Mies van der Rohe oder ein Schalensessel von Charles und Ray Eames, denen wir gerade eine große Ausstellung widmen.

Jette Joop, Leser_In

Der größte Reiz in einem Design liegt für mich in der Verbindung von Ästhetik, Technik und Funktionalität. In der Design-Entwicklung spielt neben der Schaffung neuer, ästhetischer Maßstäbe die Berücksichtigung gegenwärtiger Bedürfnisse eine ausschlaggebende Rolle. Seinen Höhepunkt erlebt das Design letztendlich dann, wenn es aufgrund seiner schöpferischen Perfektion zu Kunst wird. Durch mein Studium in Industriedesign mit dem Schwerpunkt Automobildesign am Art Center College of Design in Kalifornien habe ich gelernt, den Design-Prozess zu verstehen und diesen auf unterschiedliche Bereiche anzuwenden. Mit dem Wissen, was technisch umsetzbar ist, begreift man auch die Möglichkeit, zwischen den verschiedenen Design-Thematiken zu springen. Es findet ein Austausch von unterschiedlichsten Design-Expertisen statt und alltäglich Dinge, die an sich gar nichts miteinander zu tun haben, dienen plötzlich als Inspiration füreinander. So entsteht aus Architektur Schmuck, aus Kunst wird Mode und wieder umgekehrt. Alle Design-Bereiche inspirieren sich immer auch gegenseitig. Dieser Entwicklungsprozess ist für jeden Designer besonders spannend. Man beschreitet oft Wege, auf denen noch niemand Spuren hinterlassen hat. Modernes, vernetztes Denken führt zu einem lebendigen Design. So entsteht Crossover im Design.

Fritz Frenkler, Leser_In

Gutes Design ist nicht Kunst und kann es niemals werden. Der Typograph und Gestalter Kurt Weidemann hat einmal die Gegensätze der beiden Disziplinen wie folgt markant beschrieben: „Kunst fertigt Originale. Design Serien. Kunst ist um ihrer selbst willen da. Design ist auftragsbezogene Dienstleistung. Design braucht reichlich Objektivität. Kunst ist subjektiv. Design schließt intelligente Kompromisse. Kunst schließt sie aus. Design ist auf das Machbare ausgerichtet. Kunst ist Utopie. Design muss greifbar und verständlich sein. Kunst nicht. Design geht von etablierten Gepflogenheiten aus. Kunst verlässt sie.“ Damit macht er deutlich, dass sich Kunst und gutes Design einander grundsätzlich ausschließen. Er spricht gleichzeitig Aspekte an, die für das Design von Produkten und Dienstleistungen von Bedeutung sind, zum Beispiel Verständlichkeit, Objektivität oder die Beachtung von Gewohnheiten sowie die Realisierbarkeit einer Designidee. Für ein hervorragendes Design müssen deshalb wissenschaftliche Erkenntnisse aus Soziologie, Philosophie, Psychologie und Medizin berücksichtigt werden. Designer müssen komplexe Gestaltungsprozesse in Zukunft moderieren können. Dazu müssen sie wissen, wie sie die Erkenntnisse der einzelnen Disziplinen einordnen und gemeinsam mit partizipativen Ergebnissen in den Entwicklungsprozess integrieren können. Das ist die eigentliche Herausforderung. Deshalb muss Design Wissenschaft und nicht Kunst werden.

Anna-Maria Jäger, Leser_In

Ich sehe das bei der Haute Couture.

Ulf Peters, Leser_In

Nach meinem Kunststudium gründete ich als Grafiker eine Werbeagentur – so wurde Kunst zu Design.

Klaus Botta, Leser_In

Kunst ist subjektiver Selbstzweck. Design ist die Kunst, Produkte im Sinne der Nutzer \"besser\" zu machen. Ein kompetenter Designer arbeitet ähnlich einem Architekten, der ganz unterschiedliche Gegebenheiten und Anforderungen in seinem Bauwerk berücksichtigt, um daraus gute Architektur entstehen zu lassen. Ebenso der Designer. Er ist quasi der Architekt der Produkte, der verschiedenste Anforderungen unter einen Hut bringen muss und als Ziel ein funktionales, ästhetisches, logisches, einfach bedienbares Produkt entwickelt, welches sich auch noch wirtschaftlich herstellen lässt. Professionelles Produktdesign ist viel mehr als nur eine schöne Form. Es ist die perfekte Symbiose aus Einzellösungen aus angrenzenden Disziplinen wie Ergonomie, Psychologie, Soziologie, Fertigungstechnik, Materialkunde, Marketing, Symbolik, Betriebswirtschaft. Spätestens hier wird deutlich, dass seriöses Produktdesign bzw. Industriedesign meilenweit weg ist, von der Welt der Kunst, bei der es im Wesentlichen um die Sichtweise und Empfindungen des Künstlers geht. Designer sind Generalisten, deren Aufgabe es ist, aus der Vielzahl der Einzelanforderungen ein stimmiges neues Ganzes zu entwickeln – oder besser noch: Neue Konzepte zu entwickeln, die einen höheren Nutzen vermitteln.

Bernhard Peters, Leser_In

Wann wird das Produkt zur Kunst ? Das Produkt, der Gebrauchs-Gegenstand. In der Produktgestaltung ist es sehr verführerisch, sich auf das „künstlerische Moment“ zurück zu ziehen. So sieht ein Produkt sehr schnell nach Kunst aus. Gutes Design, das Kunst sein kann, ist für mich auch immer funktionierendes Design. Durch die Funktion wird ein Produkt für mich vollständig, komplett. Die Funktion verbirgt sich in der Gestaltung, ist vielleicht die Seele des Produktes. Ein Produkt wird für mich zur Kunst, wenn Form, Ornamentik/ Farbe und Funktion zu einer Einheit finden, die Eigenständig ist, eine Seele hat, eine besondere Ausstrahlung. Ein Produkt, das anhaltend spannend bleibt, bei jedem Anschauen neu entdeckt werden will, zeitlos mitgenommen und immer wieder neu wahrgenommen wird. Wenn ein Produkt mit mir in meiner Lebenszeit wächst, sich mit verändert, selbstverständlich wertvoll wird und bleibt, dann ist es auch Kunst, die ich nicht missen möchte.

Wolfgang Kohl, Leser_In

Muss die Frage nicht eher lauten: wodurch wird Design zu Kunst? So oder so gefragt, wird vorausgesetzt, dass dies überhaupt möglich ist. Woran durchaus berechtigte Zweifel bestehen. So drängen sich die nächsten Fragen auf: warum soll Design zu Kunst werden? Wird Design dann besser? Hat gutes Design das nötig? Wenn Produkte zu \"Kunst\" erklärt werden, ist das doch eher eine Frage von Trendanalysen, Marketing und Verkaufszahlen. Wie dem auch sei, viel interessanter ist doch die Frage - da zumindest von einiger kunsthistorischer Relevanz - was bildende Künstler nicht erst seit der Industrialisierung immer wieder derart an Alltagsgegenständen (=Design) fasziniert, dass sie sie zum Thema ihrer künstlerischen Auseinandersetzung machten und machen. Die Ergebnisse sind vielfältig, von der überhöhenden Gegenstandsbeschreibung als akribischem Abbild der Realität, über die interpretierende Analyse der Dingwelt, bis zur gesellschaftskritischen Betrachtung der Mensch-Objekt-Beziehung. Wir geben Gegenständen Namen als Ausdruck persönlicher Individualisierung und Vertrautheit. Dinge können heute bis hin zum Fetisch gesteigerte Begleiter unserer Lebenswege sein, von denen wir uns nur unter Trennungsschmerz verabschieden oder die wir nach nur wenigen Minuten der Benutzung achtlos wegwerfen.

Kai Ehlert, Leser_In

„Allgemein gültige Kriterien zur Beantwortung dieser Frage gibt es nicht. Dafür ist das Feld zu groß und zu vielfältig. Entscheidend ist, ob ein Produkt alle geforderten Funktionen -einschließlich der ästhetischen Funktion- erfüllt, um in den Rang eines Kunstwerks erhoben zu werden. Der Grafik-Designer und Künstler Anton Stankowski bringt es auf den Punkt: „Es ist egal, ob Kunst oder Design, nur gut muß es sein“.

Dieter Klein, Leser_In

Nichts kann weg, weil alles zu Kunst werden kann, was entsprechend bearbeitet und in einen konkreten Kontext einbezogen wird. So habe ich seit Jahren aus kleineren Dingen, die man als „Abfall“ einstufen könnte, wenn auch nur wenige „Objekte“ kreiert, die selbst bei meinen Kindern nur ein verständnisloses Kopfschütteln auslösen können. Um ein vorläufiges Fazit zu ziehen, kann ich nur Folgendes sagen: Ob ein Produkt zu Kunst wird oder nicht, liegt abgesehen von der Intention, die der „Künstler“ damit verbindet bzw. irgendwann einmal intendiert hat, nur auf Seiten des Betrachters. Dieser mag es, aus was für Gründen auch immer, als „Kunst“ oder „Kitsch“ (= Abfall!) ansehen. Es kommt lediglich darauf an, welche Empfindungen, Emotionen, Erinnerungen etc. er damit verbindet. Ob jemand einen Dürer, Matisse, Picassi, Dali oder wen auch immer für einen Künstler hält oder nicht, können Sie ihm nicht durch noch so gelehrte Begründungen, Erläuterungen, kunsthistorische Einordnungen und dgl. plausibel machen. Und das geht erst recht nicht über den „Wert“ oder gar über den Preis, den auf dem inzwischen völlig verkommenen Kunstmarkt ein angebliches oder tatsächliches „Kunstwerk“ erzielt. Was also ist „Kunst“? Worin besteht der Wert eines „Kunstwerks“? Und wer darf sich einen „Künstler“ nennen? Wann ein Eierbecher zum Ausstellungsstück werden kann, hängt doch wohl von sehr unterschiedlichen Faktoren ab, nicht zuletzt von der Kreativität, aber wohl auch von dem entsprechenden Durchsetzungsvermögen des betreffenden Künstlers. Entscheidend kommt es wohl auf das Neue, das bisher noch nicht Dagewesene an – was immer das heißen mag. Ob sich damit immer eine sog. „Aussage“ verbinden muss, bleibt immerhin fragwürdig. Vielleicht könnte man es auf die ganz einfache Formel bringen: Je zweifelhafter, je geheimnisvoller, je vieldeutiger, desto besser. Alles Neue ist ohnehin gewöhnungsbedürftig. Und wie steht es dann mit sog. „alter“ Kunst? Auch sie war ja einmal neu und gewöhnungsbedürftig, und das wird sie bei jeder neuen Begegnung mit ihr hoffentlich auch bleiben. Wenn Kunst nicht zu einem beträchtlichen Teil der Deutung, der Erklärung bedarf, dann düfte es sich wahrscheinlich nicht um „wahre“ Kunst handeln – womit wir wieder bei einem neuen Begriff wären. Aber ich werde mich jetzt hüten, noch eine Diskussion zwischen „wahr“ bzw. „echt“ und „unwahr“ bzw. „unecht“ aufzumachen.

Franziska Clauss, Leser_In

Ein sinnvoller Spruch hinsichtlich der Gestaltung von Gebrauchsgegenständen lautet „design follows function“. Leider wurde unsere Mietwohnung umgekehrt konzipiert. Jeder Besucher ist zutiefst beeindruckt über deren Schönheit und Exklusivität. Aber wer eine völlig putzunfreundliche Wohnung sauberhalten muss, z. B. täglich auf eine große schräge schwarzglänzende Dunstabzugshaube sieht (oder eben nicht, weil die natürlich immer durch fettige Luft verschmiert ist) oder an den Kalkspuren in schwarzen (!!) Waschbecken und WC-Schüsseln verzweifelt, und wem eine Toilette im Bad fehlt, weil neben einer Waschrinne im Format einer Kuhtränke dafür kein Platz mehr war, und auf dem stillen Örtchen nach kurzer Zeit das (naturgegeben runde) Hinterteil schmerzt, weil die Klobrille dreieckig (!!) ist, der würde gern die ganze Wohnung einem Museum überlassen.

Gundi Günther, Leser_In

Mir gefällt ein klares Design und Kunst die schön macht. Nach dem Motto von Alvar Aalto, der sagte: Baue natürlich! In erster Linie muss mir Kunst gefallen. Sie muss zu meinem Zuhause und zu mir passen und ich muss mich mit ihr identifizieren. Sie muss nicht zwingend praktisch sein, muss aber etwas vermitteln. Ich male selber, mal allein oder mit Malfreundinnen, mal nur mit Farben, mal mit Materialmix. Kreativ sein macht sehr viel Spaß. Diese selbstgemalten Bilder sind Kunstwerke, die stolz machen und ein gutes Gefühl geben. Kunst und Design spiegelt den Ideenreichtum der Menschen wieder, soll an die Jetzt-Zeit erinnern und unsere wunderschöne Erde noch schöner machen.

Wolfgang Neisser, Leser_In

Es ist wichtig, dass der Leser zunächst die Begriffe inhaltlich und historisch zu verstehen lernt, weil so einfach ist es nicht, Kunst und Design gegenüberzustellen oder in einer Beurteilung miteinander zu verbinden, ohne die historisch gewachsenen Basiselemente und Richtungsvorgaben vor allem im 20. Jahrhundert untersucht zu haben. Die Frage nach der Kunst ist ohnehin der Wahrnehmung, dem Wissen und dem Empfinden untergeordnet und wird von Experten wie Laien in der Regel unterschiedlich bewertet. Was von einem Kenner oder Insider der Kulturszene als besonders misslungen oder schlecht eingeschätzt wird, kann durchaus von jedem anderen genau gegenteilig als gut oder ausgezeichnet wahrgenommen werden. In der Kunst, also den sogenannten „schönen Künsten“ und im Design, also der Formgestaltung von Produkten oder von Kommunikationsmitteln, differieren die Urteile oft in eklatanter Weise. Seit der industriellen frühkapitalistischen Revolution, genauer seit Mitte des 19. Jahrhunderts, entstand zwangsläufig die Adaption der Stile und handwerklichen Fähigkeiten aus den vergangenen Epochen, die prägend waren und in die neu entstehenden Kunstformen oder -stile übernommen oder vermischt wurden. Die Kunst der Fotografie beispielsweise wurde in diesen Jahren erfunden und es war ein langer Weg von der beschichteten Glasplatte zum digitalen Chip. Daran kann man über anderthalb Jahrhunderte beobachten, dass sich formale Qualität und technische Weiterentwicklung von Jahrzehnt zu Jahrzehnt bis zur heutigen Exzellenz gesteigert haben, dass aber die „gute Fotografie“ am Anfang wie heute durch seine Raumaufteilung, seine inhaltliche Dramatik, ihre inhaltliche Überzeugungskraft und später durch ihre Farbgebung für den Betrachter gut herauszufiltern war So spielt beispielsweise bei Unterscheidungen zwischen freier und angewandter Kunst die Lithografie eine entscheidende Rolle im Wechselspiel zwischen freier Malerei oder Grafik und der neu entstandenen Reklame oder allen übrigen Gestaltungsformen für kommerzielle Zwecke. Eines der verständlichsten Beispiele kann man an dem Werk des bedeutenden Künstler Toulouse Lautrec beobachten. Er war ein geschickter Wanderer zwischen beiden Welten, die formalästhethisch in der Gestaltung der mehrfarbigen Drucke für Plakate wie der Malerei dicht nebeneinander lagen. Seine Plakate und seine Bilder unterschieden sich lediglich durch das Hinzufügen der Typografie und einer damit verbundenen zweckgesteuerten Aussage in der direkten Ansprache an einen potentiellen Konsumenten als Reklame und in einer reproduzierten Auflage durch den Lithografiedruck. Mit der rasant wachsenden Industrialisierung entstand mit zur Hilfenahme des tradierten Kunstbegriffes das Design. In ihrer qualitativen Umsetzung und der künstlerischen Beurteilung wurden „ein Zwilling“ geboren, die aber unterschiedlicher nicht sein konnten. Die Malerei, die freie Grafik, die Skulptur bzw. alle Formen der freien Kunstgestaltung wurden stets mit dem Prädikat „Kunst“ bedacht, während die produktorientierte und in großen Auflagen reproduzierbare in ebenso künstlerischer Absicht gestaltete Reklame oder die Formgebung für Nutzprodukte untergeordnet eingestuft wurde. In dieser Zeit entstanden Berufe wie der des Reklamegestalters, des Kulissenmalers oder des Gebrauchsgrafikers, um den boomenden Ansprüchen und Forderungen des freien Marktes mit Angebot und Nachfrage miteinander konkurrierender Produkte genüge leisten zu können. Das, was heute als Design bezeichnet wird, gab es aber seitdem Menschen sich ihrer Umwelt und ihrer selbst bewusst geworden waren. In den Kulturen vor der Antike wurden wunderschöne Gebrauchsgegenstände oder Dekorationsobjekte aller Art geschaffen, die uns heute in entsprechenden Kunstsammlungen oft in vielen Bereichen ästhetischer und funktionaler vorkommen, als es das zeitgenössische Design heute bisweilen zu leisten vermag. Eine exakte Analyse über Kunst und Design und deren Wechselwirkung wie deren Weiterentwicklung vom Steinzeitmenschen, der Tierzeichen in eine Höhle ritzte und erste Werkzeuge herstellte, bis heute zum „nerdigen“ Konzeptkünstler würden den Rahmen dieses Statements sprengen. Während über Jahrhunderte die „schönen Künste“ zur sakralen Ausschmückung unterschiedlicher Bauten oder dem herrschaftlichen Anspruch der feudalistischen Systeme dienten, näherte sich die Formgebung oder die Formgestaltung für alle Produkte, die für den täglichen Gebrauch gedacht waren oder die menschlichen Anforderungen erfüllen mussten, in direkter Wechselwirkung zur „schönen Kunst“ an. Nach der Gründung erster Schulen, die sich a priori in ihrer Grundausrichtung wie ihrer Lehre um eine dem menschlichen Sein gerechte ästhetischen Gestaltung aller dem Menschen dienenden Produkte und Kommunikationsmittel auf den Grundlagen der Funktionalität wie des kommerziellen Erfolges bemühten, waren die Weichen für die Bewertung der Gebrauchsgestaltung als neuartige Kunstgattung gestellt. Später entstand aus dieser Bewegung das Bauhaus, welches entscheidende ästhetische Formulierungen und Grundsätze für das nun in allen Lebensbereichen angekommene Design festsetzte. Die Überhöhung der „schönen Künste“ als Unterscheidungsmerkmal wurde obsolet, auch wenn sich die Urheber dekorativer Objekte, die natürlich immer Unikate (Einzelstücke) herstellten, immer noch als die besseren oder originären Künstler begriffen. All das, obwohl die „schönen Künste“ in Wahrheit immer auch als funktionales Gestalten im Sinne ihrer Auftraggeber aus Kirche und profaner Welt instrumentalisiert wurden. Von nun an unterlagen „die schönen Künste“ und die Formgestaltung ähnlichen ästhetischen Parametern innerhalb ihrer zwar unterschiedlichen Gestaltungsprozesse, wobei die Formgestaltung oder das Design immer einen praktischen oder nutzbaren Sinn innerhalb ihrer zu realisierenden Zielsetzung erfüllen musste. Meiner Meinung befruchteten sich die freie Kunst wie das Design seit der Entstehung industriell basierter Staatssysteme im 19. Jahrhundert durch alle seitdem entstandenen Kunststile gegenseitig, wobei die „akademische“ Kunst“ nach dem Entstehen abstrakterer oder informeller Stile zwangsläufig weiterhin die Rolle der Kunst aus den vorangegangenen Epochen übernahm, indem sie nun „zweckentleert“ in ihrer Einzigartigkeit die Dekoration der privaten wie der öffentlichen Umwelt bedienen musste. Seit der der Dada-Bewegung entfernten sich Teilbereiche der als „schönen Künste“ bezeichneten Kunstformen weiterhin voneinander, indem sich die Kunst aus der traditionellen Kunstbegrifflichkeit herauslöste und in Konzeptkunst und anderen Stilrichtungen, die alle bisher entstandenen Stile und Gestaltungsmittel miteinander vermischten oder aneinanderkoppelten, indem sie die statischen Umsetzungsformen auf Leinwand, Papier oder festen Materialien verließen und die Kunstwerke immer häufiger inhaltsschwererer bis unverständlicher präsentiert wurden. Letztendlich muss in einer freien Gesellschaft immer der Betrachter das letzte Wort haben oder für sich entscheiden, was ihm gefällt oder nicht und wir können Kunst, ob sie gegenständlich oder abstrakt ist, ob sie formgebunden oder assymetrisch verzerrt erscheint, nur in begrenzter Weise durch bestimmte Gestaltungsregeln wie zum Beispiel den „goldenen Schnitt“ oder „die Farbenlehre“ eindeutig qualifizieren. Aber auch das gelingt nicht, wie das Beispiel Jackson Pollock mit seinen Drip-Paintings beweist: Für die einen, oft sind das Kunstkenner oder solche, die sich dafür halten, ist es großartige befreite Kunst, die in allen bedeutenden Museen zu sehen ist, für andere, meistens sind das Laien oder der zeitgenössischen Kunst ablehnend gegenüberstehende Menschen, ist es „das kann ich auch“, im Sinne von zufälligem oder unsinnigen Geschmiere ohne jeglichen Inhalt und Wert. Kunst oder die Benutzung des Begriffes Kunst als Werturteil ist und bleibt ein vermintes Gelände.

Karin Unkrig, Leser_In

Wann wird Design zu Kunst? Wenn ein Gegenstand neu gedacht wird, in einer überraschenden Form auftritt und erst noch – in seiner ursprünglichen Zuschreibung – funktioniert. So geschehen bei der Museum Watch von Movado. Nicht hingehauen hat dies bei der Zitronenpresse von Juicy Salif Alessi: Sie ist zu umständlich und nimmt zu viel Platz weg.

Johannes Ahrens, Leser_In

Bild dazu kann leider nicht eingefügt werden. (Anm. der Redaktion) Auch mit sehr viel Phantasie kämen die wenigsten auf die merkwürdige Geschichte dieses sehr eigentümlichen Gegenstandes; an ihr zeigt sich, wie sich dessen Bedeutung verändern kann - je nachdem, was wir in den Dingen sehen. Dieses „Produkt“ - ein in Silber gefasster Bergkristall aus den Jahren um 1500 - diente skurrilerweise bis 1901 als Griff eines Klingelzuges im Magistratszimmer des Flensburger Rathauses. Wie es dorthin gelangt war, ist ungeklärt. In einer anderen Wirklichkeit - wahrscheinlich der vorreformatorischen - hatte es noch als Röhrenreliquiar gedient, mithin als ein Behältnis, in welchem irdische Überbleibsel eines Heiligen aufbewahrt und verehrt wurden. Natürlich ließe sich das Objekt auch unter rein kunsthandwerklichen Gesichtspunkten betrachten und etwa nach der Qualität seiner Machart oder seiner kunsthistorischen Relevanz beurteilen. So taxiert die Versicherung den Wert des Objekts auf etwa 40.000,-€ - eine Angabe, die relevant wurde, als das Reliquiar kürzlich bei einem nächtlichen Einbruch in die Nikolaikirche gestohlen wurde. Offenbar war dieses Diebesgut unverkäuflich; wenig später wurde es nämlich von Polizeitauchern aus dem Flensburger Hafenbecken gefischt. Ob Sakralkunst, praktischer Handgriff oder heiße Hehlerware: Die Bedeutung von Gegenständen fließt noch immer - heutzutage nur meist in die umgekehrte Richtung: manche Meilensteine der Designgeschichte, ursprünglich als pragmatische Industrieprodukte entworfen, sind als Kunst anerkannt und werden mitunter als Ikonen durch gläubige Ästhetik-Jünger nicht weniger verehrt als weiland dieses Röhrenreliquiar.

Susanne Patzke, Leser_In

Aus welchem Grund scheint diese Antwort so schwierig zu sein? Das entscheiden die Künstlerin und/oder die Käuferin und/oder die Betrachterin. Beim Essen entscheide ich doch auch ganz allein, was mir schmeckt und was nicht. Somit ist für mich persönlich geklärt, was gutes Essen und was schlechtes Essen ist. Bei der Kleidung entscheide ich ganz allein, was mir gefällt und was nicht, ganz unabhängig davon, ob es mir steht, oder nicht. Somit ist für mich persönlich geklärt, was schöne Kleidung ist, egal, ob ich es selbst tragen werde, oder nicht. Bei Musik entscheide ich allein, welche davon ich gerne höre und welche in meinen Ohren schmerzt. Aber ich kann doch deshalb nicht behaupten zu wissen, was „gute Musik“ und was „schlechte Musik“ ist. Wenn ich mich in einem Bereich gut auskenne, weil ich mich damit beschäftigt und auseinandergesetzt habe, dann entwickele ich einen geschulten Blick, Geschmack, ein feines Gehör für eben diesen Bereich. Und dennoch werde ich letztendlich in meinem Urteil weiterhin geleitet von dem, was mir persönlich zusagt. Warum auch immer es mir persönlich zusagt, selbst wenn sich das im Laufe der Jahre ändert von rot zu blau, oder Klassik zu Barock, oder Vanillepudding zu Crème brûlée... Und das gilt genauso für Kunst. Diese Antwort ist nicht schwierig. Man muss sich nur trauen, es für sich selbst zu entscheiden und die Möglichkeit einer anderen Sicht akzeptieren.

Schreib' uns deine Antwort!

Welche Überschrift willst Du Deiner Antwort geben?

Wie arbeiten Bauern heute?

Gentechnik, Haltungsbedingungen, ökologische Nachhaltigkeit und Rentabilitätszwang: Landwirte müssen heute vieles bedenken. Schreiben Sie uns, was Sie unter nachhaltiger Landwirtschaft verstehen und was Sie von den Lebensmitteln erwarten, die auf Ihrem Teller landen.

Antwort schreiben

Klaus Mäding, Leser_In

Die Stellungnahme von Christian Schmidt, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft finde ich sehr enttäuschend. Niemand bestreitet, dass die Bauern achtbare Arbeit leisten. Es geht jedoch nicht darum, sich bei diesem Berufsstand anzubiedern, sondern die unzureichend gelösten Probleme in der Landwirtschaft in Deutschland mit mehr Entschiedenheit anzugehen. Es geht hier nicht nur um Innovationen und Forschung, wie Herr Schmidt meint, sondern um eine schwierige grundsätzliche Umorientierung. Pofitmaximierung kann heute nicht mehr das alleinige Ziel sein, sondern die Bauern haben zusätzlich eine landespflegerische Aufgabe. Wenn die Stellungnahme des Bundesministers seine politische Haltung richtig wiedergibt, können wir unter seiner Leitung wenig erwarten in den drängenden Fragen von Massentierhaltung, Gülleüberproduktion, Pestizideinsatz, Insektenvernichtung etc. etc. Statt entschieden Grenzen zu setzen, denken die politischen Instanzen an die Gunst von Wählergruppen !

Felix Prinz zu Löwenstein, Leser_In

Nur wenige Bauern können ihre Arbeit in direktem Kontakt zum Kunden erklären und so die Preise erzielen, die ihre individuellen Kosten decken. Alle anderen wirtschaften für einen anonymen Markt. Auf die Produktpreise haben sie keinen Einfluss und müssen so kostengünstig wie möglich produzieren. Sie müssen alle Register ziehen, die auch für ihre Konkurrenten erlaubt sind. Wozu das in der konventionellen Landwirtschaft führt, wird immer deutlicher: Zerstörung der biologischen Vielfalt und Bodenfruchtbarkeit, eine Nutztierhaltung, die nicht den artgemäßen Bedürfnissen der Tiere entspricht, Anheizen der Klimakrise, Stickstoffüberfrachtung von Ökosystemen und vieles mehr. Diese industrielle Logik schädigt die Grundlagen der Landwirtschaft und die Lebensgrundlagen der Zukunft. Daraus kann der einzelne Landwirt nur ausbrechen, wenn er für einen Markt produziert, der für eine nachhaltige Produktionsweise zu zahlen bereit ist. Der Ökolandbau hat diesen stark wachsenden Markt und die 27.000 Biohöfe in Deutschland können noch viel Zuwachs vertragen. Biobauern orientieren sich mit ihrer Produktion möglichst nah an stabilen natürlichen Systemen – durch Vielfalt im Anbau, die Förderung des Bodenlebens, eine artgerechte Tierhaltung und Landwirtschaft ohne synthetische Düngemittel und Pestizide. Forschung und Ausbildung, die Solidarität der Verbraucher und die richtige Agrarpolitik sind die Voraussetzung dafür, dass Bio der Normalfall werden kann.

Sarah Wiener, Leser_In

Der Bauer ist tot. Es lebe der Landwirt! Der freie Bauer ist eine aussterbende Spezies. Stattdessen gibt es nun den Landwirt, den Energiewirt, den Spezialist für eine bestimmte Sparte im Nutztier- oder Ackerfruchtsektor. Oder auch den Subventionsempfänger und den Buhmann der Nation. Es gibt eine immer größer werdende Kluft zwischen der Gesellschaft und den Bauern. Nicht nur das: Auch zwischen Bauern und Bauern verläuft ideologisch und wettbewerbsbedingt ein Graben. Ich bedauere das, denn Politik, Handel und auch die globalen Wirtschaftsstrukturen kommen ungeschoren davon. Klar ist, dass die Landwirtschaft, so wie sie jetzt läuft, kein zukunftsfähiges Modell ist. Sie stößt ethisch, ökologisch und ökonomisch an Grenzen. Die agroindustrielle Landwirtschaft ist zum Scheitern verurteilt, weil sie zu viel teuren Müll erzeugt, für eine Nahrungskalorie zu viel Energie vernichtet, Lebewesen ihre Würde raubt und Ungerechtigkeit in der globalen Ernährung befördert. Ein System, das immer mehr Medikamente, Pestizide und Kunstdünger benötigt und damit unsere Gesundheit und Lebensgrundlage aufs Spiel setzt, hat keine Zukunft. Denn in der Zwischenzeit landet dieses Essen bei uns auf dem Teller. Das kann niemand, der gerne genussvoll lebt, guten Gewissens akzeptieren. Wir brauchen dringend einen gesellschaftlichen Diskurs, wie wir die Landwirtschaft zukunftsfähig transformieren können. Es eilt.

Werner Wald, Leser_In

Seit dem 1. Oktober 2017, dem Ende der EU-Subventionen für Zuckerrüben, hat sich die Lage für Landwirte, die diese Pflanze anbauen, komplett geändert. Während es früher einen Festpreis für die Tonne gab, sind die Rüben jetzt freie Ware. Wir Zuckerrübenbauern müssen mit dem Weltmarkt konkurrieren, allen voran mit Erzeugnissen aus Brasilien, Indien, China und den AKP-Staaten. Dabei ist der Anspruch an die Zuckerreinheit in Europa höher und die Auflagen wie Dokumentationen sind weit umfangreicher. Während zwar für alle EU-Staaten die Subventionen entfallen, wird trotzdem nicht mit gleichen Waffen gekämpft, denn Länder wie Polen, Schweden, Italien oder Spanien vergeben Flächenprämien für den Zuckerrübenanbau, in Deutschland müssen wir Landwirte rein vom Tonnenpreis leben. Beschlossen wurde das Ende 2006, seitdem haben viele Betriebe ihre Zuckerrübenlieferrechte verkauft, trotz der guten Weltmarktpreise vor vier, fünf Jahren. Derzeit brechen die Preise zusammen und der Preis pro Tonne ist um rund 150 bis 200 Euro gesunken. Hinzukommt die unsichere Wetterlage. Als leidenschaftliche Zuckerrübenbauern hatten mein Sohn und ich uns entschlossen, die Rübe auch weiterhin anzubauen – jetzt machen wir uns natürlich Gedanken, was am Ende im Geldbeutel noch übrig bleibt. Und ob der freie Markt letztendlich dem Verbraucher zugutekommt oder ob die Verarbeiter den Preisunterschied für sich verbuchen, werden wir sehen.

Christa Reineck-Baltz, Leser_In

Ich erlebe meinen Beruf als Winzerin als ein großes Privileg. Besonders beim Weinverkauf erhalte ich ganz unmittelbare Reaktionen von den Kunden. Das macht ganz einfach Spaß und gibt viel an Energie zurück, die man über das Jahr in die Arbeit gesteckt hat. Diese Arbeit fängt im Januar mit dem Rebschnitt an. Er bestimmt, wie viel Ertrag man erreicht, und damit auch, welche Qualität der Wein haben soll. Im April kommen dann die ersten Triebe, die im Laufe des Sommers in den Drahtrahmen nach oben wachsen. Im Sommer heißt es, Gras mulchen, das Laub beschneiden und Blätter entfernen, damit die Sonne die Trauben erreicht. Geerntet wird im September, bei uns teils mechanisch, teils per Hand. Die besten Weine stammen aus Weinbergen mit reduziertem Ertrag und intensiver Pflege, bei einfachen Weinen ist man großzügiger. Die geernteten Trauben werden gekeltert und die Gärung des Mostes setzt ein. Beim Ausbau der Weine hat der Winzer seine Spielwiese und zeigt sein handwerkliches Können. Über die Wintermonate reift der Wein in den Fässern und abgefüllt in Flaschen wird dann im Frühjahr. Da ich schon als Kind auf einem Weingut aufgewachsen bin, die Ferien und die Zeit nach der Schule oft im Weinberg verbracht habe, wurde schon früh meine Leidenschaft für diesen Beruf geweckt. Für mich steht Weinbau dafür, draußen in der Natur zu sein, die Herausforderungen des Wetters anzunehmen und daraus etwas zu schaffen, was zur Lebensfreude beiträgt.

Renate Künast, Leser_In

Viele Bauern haben alles so gemacht, wie es ihnen jahrzehntelang von Agrarindustrie und Deutschem Bauernverband aufgedrängt wurde: Wachse oder weiche. Ein Beispiel ist die Fleischerzeugung, wo massiv für den Export produziert wird. Der Exportüberschuss beträgt bei Schweinefleisch fast drei Milliarden Euro pro Jahr. Was in der alten Logik als Erfolg gewertet wird, ist aus Sicht von immer mehr Verbrauchern, Natur- und Tierschützern Ausdruck einer Fehlentwicklung. Denn er geht einher mit belasteten Böden, gentechnisch veränderten Futtermitteln, massiven Waldrodungen, vermehrtem Einsatz von Ackergiften, verschmutztem Grundwasser und Gesundheitsgefahren. Den schwarzen Peter bekommen die Bauern, die eigentlich nichts anderes getan haben, als so zu wirtschaften, wie es von ihnen erwartet wurde. Wir müssen mit einem Dreiklang eine Agrarwende herbeiführen und Sorge tragen, dass 1. Pestizide wie Glyphosat und Neonikotinoiden verboten werden und unsere Äcker von Gentechnik freigehalten werden, 2. die Förderung stimmt, damit die Bauern den Umbau mitgehen können, und 3. es eine verbindliche Tierhaltungskennzeichnung gibt, damit die Menschen wissen, was sie kaufen und bessere Tierhaltung belohnen können. Echte Bauernfamilien achten auf Boden, Wasser, Tiere und die Kulturlandschaft. Agrarindustrie betreibt Raubbau und schafft eine stille Natur, weil Vögel ohne Futter bleiben und verschwinden. Aus „Wachse oder weiche“ muss „Klasse statt Masse“ werden.

Phil Hogan, Leser_In

Seit 60 Jahren garantiert die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) die Lebensmittelsicherheit aller EU-Bürger. Gleichzeitig ermöglichen die in den EU-Verträgen festgeschriebenen Verpflichtungen Landwirten eine angemessene Vergütung für ihre Arbeit. Dieses Prinzip bleibt unangetastet. Gleichwohl ist es Zeit, unsere Politik mit dem Blick auf die Bedingungen einer sich verändernden Welt weiterzuentwickeln. Die EU-Kommission wird daher Ende November Grundzüge zur Modernisierung und Vereinfachung der GAP vorstellen. Die Verbesserungen werden sowohl den Landwirten als auch den Verbrauchern zugutekommen. Landwirte werden von einem einfacheren und effizienteren Fördersystem profitieren und erhalten einen verbesserten Zugang zu Forschung und Innovation. Für eine neue Generation ambitionierter Landwirte muss das Ziel sein, mehr Ertrag bei geringem Input zu erzeugen. Verbesserte Tools zum Risikomanagement sollen sie dabei unterstützen, erfolgreich mit Risiken und Krisen umzugehen. Die GAP soll auch dabei helfen, mehr hochqualifizierte Jobs in der Landwirtschaft zu schaffen und die Infrastruktur des ländlichen Raumes zu verbessern. Und nicht zuletzt muss sie dazu beitragen, dass Europa seine ambitionierten Klimaziele erreicht. All diese Vorhaben erreichen wir nur mit einer starken und finanziell gut ausgestatteten GAP. Dafür werbe ich. Denn langfristig kommen ein gesunder Agrarsektor und dynamische ländliche Gebiete uns allen zugute.

Matthias Gauly und Gesa Busch, Leser_In

Die Nutztierhaltung steht im Fokus der öffentlichen Kritik. Und das, obwohl sie sich zu einem wirtschaftlich sehr erfolgreichen Sektor entwickelt hat und belegbare Fortschritte in Bezug auf die Ressourcennutzung erreicht wurden. Zum Synonym für wenig tiergerechte Haltungs-systeme ist der Begriff Massentierhaltung geworden. Wissenschaftlich belastbare Erkennt-nisse über die Zusammenhänge von Bestandsgrößen und Tierwohl liegen jedoch kaum vor. Berechtigte Gründe zur Kritik an der heutigen Tierhaltung gibt es dennoch, zum Beispiel die kurze Nutzungsdauer von Milchkühen und Sauen, hohe Anzahlen von Frakturen bei Lege-hennen oder Lungen- und Gliedmaßenveränderungen bei Mastschweinen. Die Ursachen für die Probleme sind vielfältig. Sie liegen etwa in den Haltungssystemen, beim Leistungsniveau der Tiere oder bei den im Management solcher Tiere teilweise überforderten Landwirten. Letztere kämpfen nicht mehr nur um ihre ökonomische Existenz, sondern auch um ihren Platz in der Gesellschaft. Die Landwirte sind das schwächste Glied in der Kette. Primär ge-fordert, um Veränderungen anzustoßen, sind andere Akteure: die Wissenschaft, berufsstän-dische Vertreter, die Politik, der Handel und die Verbraucher. Ideen für eine tiergerechte, gesellschaftlich akzeptierbare und ökonomisch tragfähige Nutztierhaltung gibt es viele, der Weg dorthin ist jedoch noch nicht ganz klar. Ein erster Schritt wäre die Einsicht zum notwen-digen Wandel.

Walter Fritz, Leser_In

Bauern sind Innovatoren. Sie suchen Nischen, in denen Höfe Zukunft haben. Ob Öko-Landbau, Energie, Heilpflanzen oder Tourismus: Es gibt für jeden Hof Alternativen, mit dem er sich vom Markt emanzipieren kann. Hierzu habe ich auf einem Hof einen passenden Leitspruch gelesen: „Bauernstand ist Ehrenstand, ernährt die Stadt, ernährt das Land. Er ist der Pionier der Zeit und bleibt’s in alle Ewigkeit.“

Silke Finkelmeyer, Leser_In

Als Stadtmensch bekommt man selten Einblicke, wie Bauern arbeiten. Mein Cousin brachte uns aber auf die Idee, mit unseren zwei Kindern die Ferien auf dem Bauernhof zu verbringen. Seitdem haben wir schon sechsmal auf Bauernhöfen Urlaub gemacht. Auf der einen Seite kann man sich erholen, auf der anderen bekommt man auch vieles aus dem Alltag der Bauern mit. So konnte mein Mann einmal mit den Traktor fahren und bei der Kartoffelernte helfen, die Kinder durften beim Kühemelken mitmachen. Die Kinder konnten auch immer frei herumrennen und mit den Kaninchen und Katzen spielen, die Pferde striegeln und reiten oder die Gänse füttern. Das ist für Eltern natürlich sehr entspannend. Schön war auch, dass wir die frische Milch immer mit dem Krug direkt vom Kanister zapfen konnten. Es gab auch einen traurigen Moment, als ein Kalb kurz nach der Geburt starb, aber der Tierarzt hat unseren Kindern erklärt, dass dies eben auf einem Bauernhof auch dazugehören kann. Unsere Kinder haben es erstaunlich gut aufgenommen. Es ist natürlich die Sicht eines Gastes, dass man die Mischung aus Aktivität und Erholung genießen kann. In unserem Fall kam sogar noch der Blick auf die Berge und das viele Grün dazu. Aber alle Bauern haben bei ihrer Arbeit auch immer etwas, dem ich viel abgewinnen kann: Die gute Landluft, die vielen Tiere, durch die immer Leben da ist, und Laute, die ganz andere sind als die in einer Stadt.

Erk Steen, Leser_In

Wir wohnen in Niedersachen auf dem Land, in einer Gegend mit vielen Höfen. Daher, und weil unsere Familie selbst auch einen Hof hat, war es für mich naheliegend, mein Taschengeld in der Landwirtschaft aufzubessern. Wenn ein Nachbar anruft und Hilfe braucht, springe ich ein – ob es um die Kühe geht oder um die Arbeit auf dem Acker. Es sind relativ kleine Betriebe, die sich aber auch zum Beispiel für die Biogasanlage hier zusammengeschlossen haben. Mit 16 Jahren habe ich dann gleich den Traktorführerschein gemacht. Dieser Führerschein ist zweigeteilt. In der ersten Stufe geht es um Traktoren mit einer maximalen Geschwindigkeit von 32 Kilometern pro Stunde, inzwischen habe ich auch den Traktorführerschein T gemacht, mit dem ich generell alle Maschinen fahren darf. Da ich aber noch keine 18 Jahre bin, ist er zunächst noch beschränkt auf 40 Kilometer pro Stunde. So fahre ich auch schon mal ganze Tage den Acker auf und ab. Ich muss sagen, dass das einfach Spaß macht. Es ist etwas ganz anderes, als ein Auto zu fahren. So eine Maschine hat nämlich viel mehr Kraft. Deshalb habe ich für mich beschlossen, später zwar kein Bauer zu werden, dafür aber Landmaschinenbau zu studieren – eine Spezialisierung des Studiengangs Maschinenbau. Denn durch meine Arbeit in der Landwirtschaft habe ich meine Leidenschaft für die Landmaschinen entdeckt.

Uli Heß, Leser_In

Landwirte sind eine inhomogene Gruppe, die ich für mich als Inhaber eines Bio-Lieferdienstes zunächst danach aufteile, ob sie konventionell oder ökologisch wirtschaften. Die Bio-Landwirtschaft bietet die Möglichkeit, nachhaltig und ressourcenschonend gesunde Lebensmittel zu produzieren. Kleinere Betriebe, die möglichst regional und direkt ihre Produkte vermarkten, kommen nicht so sehr unter den Druck, zu Weltmarktpreisen produzieren zu müssen. Insbesondere für die Verbandsbetriebe der ökologischen Landwirtschaft sehe ich hier große Chancen für die Zukunft. Der wirtschaftliche Druck, unter dem Landwirte stehen, und der globale Handel mit Lebensmitteln haben dagegen dazu geführt, dass in den letzten 40 Jahren viele Betriebe aufgegeben oder ihr Heil in größeren und wirtschaftlicheren Strukturen gesucht haben. Bei diesen Großbetrieben habe ich das Gefühl, dass diese aufgrund von Existenzangst und dem Preisdruck durch die Strukturen des deutschen Lebensmittelhandels stets versuchen, maximale Erträge zu minimalen Kosten zu generieren. Dabei riskieren sie durch die Ausbeutung von Ressourcen ihre eigene Zukunft, vor allem aber die der nächsten Generationen. Immer wieder sehe ich aber auch Betriebe, die mit guten Ideen eine Nische für sich erschließen. Oft wird dabei die eigentliche Landwirtschaft mit Angeboten wie Ferien auf dem Bauernhof ergänzt und der Betrieb so unabhängiger von den Lebensmittelmärkten.

anonym, Leser_In

Darf man in einer Wegwerfgesellschaft einen Berufszweig herausgreifen und von ihm Nachhaltigkeit verlangen? Sind wir nicht alle auch Landwirte Kinder unserer Zeit? Wenn ich selbst nicht umdenke im täglichen Leben; wie kann ich es von anderen erwarten? Was nützt die tollste nachhaltigste Landwirtschaft, wenn wir weiterhin alles doppelt und dreifach verpacken, fliegen-reisen, alle naslang ein neues Auto leasen, neue Smartphones brauchen und, und, und

Alfons Bauschmid, Leser_In

Die Landwirtschaft in Deutschland konnte seit dem zweiten Weltkrieg durch den Einsatz industriell gefertigter Inputs wie Mineraldünger, Pflanzenschutzmittel und Maschinen aller Art ihre Produktivität kontinuierlich verbessern. Der züchterische Fortschritt im pflanzlichen und tierischen Bereich führte zudem zu enormen Ertragssteigerungen. Als Folge dieser Entwicklungen konnten die biologischen Grundregeln der landwirtschaftlichen Erzeugung wie eine vielfältige Fruchtfolge zur Verringerung des Schädlingsbefalls, eine flächengebundene Tierhaltung für einen geschlossenen Nährstoffkreislauf, eine artgerechte Tierhaltung und vieles mehr durchbrochen werden. Auf wirtschaftlichen Druck einer weltweiten Konkurrenz und zur arbeitswirtschaftlichen Optimierung werden diese biologischen Grundregeln, unterstützt durch die staatliche Beratung, immer wieder überschritten. Einseitige Fruchtfolgen (Maismonokultur), hohe Stickstoffüberschüsse durch Gülledüngung und intensive Tierhaltung führen in der Folge zu erheblichen Umweltproblemen in verschiedenen Regionen in Deutschland. Diese Probleme werden von den einflussreichen Vertreter der Landwirtschaft nicht kritisch gesehen und verharmlost. Es werden im Gegenteil diese Produktionsverfahren auch noch verteidigt. Damit gerät die gesamte Landwirtschaft in Verruf. Gleichzeitig mit der Entwicklung hin zu einer städtischen Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft geht in großen Teilen der Bevölkerung der Bezug und das Wissen über landwirtschaftliche Produktionsmethoden vollkommen verloren. Vor allem viele Städter, die die Landwirtschaft nur aus romantischen Filmen und Bilderbüchern kennen, sind von der modernen Landwirtschaft überrascht und zum Teil entsetzt. Hier wird der ökologische Landbau als nachhaltigste Form der Landwirtschaft angesehen. Die konventionelle Landwirtschaft ist in einem großen Dilemma: Wenn der Landwirt so wirtschaftet wie der Verbraucher es erwartet, dann ist er nicht existenzfähig, wirtschaftet er aber so weiter wie bisher, wird er vom Verbraucher nicht akzeptiert. Damit unsere konventionelle Landwirtschaft zukunftsfähig bleibt, müssen Entwicklungen hinterfragt und angepasst werden. Es wird nicht reichen, wie von manchen Verbandsvertretern gefordert, mit Aufklärungsarbeit den Verbraucher von den aktuellen Produktionsmethoden zu überzeugen.

Schreib' uns deine Antwort!

Welche Überschrift willst Du Deiner Antwort geben?