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Wie entstehen Legenden?

Das Herz rast, der Atem wird schneller, dann ist es soweit: der Weltrekord, die alles verändernde Idee, die Geschichte, von der nicht nur die eigenen Enkel, sondern die ganze Welt sprechen wird. Schreiben Sie uns, wie es dazu kommen kann.

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Vincent Honrodt, Geschäftsführer Berliner Brandstifter,

Leidenschaft, die man schmeckt

Wer sich selbst als Legende bezeichnet, wird eines mit Sicherheit nie: eine Legende. Die Suche nach dem Kultschalter kann man sich also sparen und stattdessen gleich akzeptieren, dass Legenden nicht einfach so vom Himmel fallen oder erzwungen werden können – sondern ähnlich entstehen wie die edlen Brände, die wir in Berlin herstellen. Alles beginnt mit einem Urknall, der im Fall des Berliner Brandstifters schon fast 100 Jahre zurückliegt: Mein Urgroßvater verlieh mit einen selbstgebrannten Spirituosen den rauschenden Festen der 1920er das gewisse Etwas. Die Geschichten darüber kursieren noch heute in der Familie. Ganz besondere Brände aus lokalen Zutaten herstellen, das wollte ich auch – und entwickelte das Beste aus Tradition und Zeitgeist zu einem Gesamtprodukt, das kurz nach seiner Markteinführung 2009 nicht nur die „New York Times“ überzeugte, sondern uns auch zahlreiche Auszeichnungen für Geschmack und Design einbrachte. Aber Preise sind natürlich nicht alles: Am Ende des Tages sind es die intensiven individuellen Erlebnisse, welche die Menschen mit dem Geschmack unserer Brände verbinden, die dafür sorgen, dass wir in ihren Köpfen nicht einfach nur irgendein Schnapshersteller sind. Wir brennen vor Leidenschaft für das, was wir tun – und das merkt man. Ob das schon zum Legendenstatus reicht? Die Entscheidung überlassen wir liebend gern anderen.

Uschi Obermaier, Genussmensch

Einfach Leben

Wer im Duden das Wort „Legende“ nachschlägt, findet als Erklärung die Begriffe „ausschmückende Darstellung“ und „glorifizierende Erzählung“. Nun sind die Geschichten, die mein Leben geschrieben hat, zwar durchaus prädestiniert für eine gewisse Legendenbildung, daran gearbeitet habe ich aber selbst nie aktiv. Um ehrlich zu sein, habe ich noch nicht einmal in solchen Kategorien gedacht. Kalte Berechnung ist kein Teil meines Wesens. Die Antwort ist stattdessen viel simpler: Ich wollte immer hautnah erfahren, wie etwas funktioniert und wie es sich anfühlt. Ich konnte gar nicht anders, als die Welt um mich herum auf meine ganz eigene Art und Weise zu entdecken – vom Leben in der Kommune über die Männer und Drogen bis hin zu den Reisen. Ich habe mein Leben gelebt, so wie ich es wollte; habe getan, was sich andere nicht getraut haben. Und galt deshalb plötzlich als Verfechterin der sexuellen Revolution. Viele Menschen haben mich deswegen für meinen Mut beglückwünscht, dabei bin ich eigentlich ein großer Schisser – vielleicht habe ich ganz einfach vor anderen Dingen Angst als die meisten Menschen. Dass das Leben irgendwann nicht mehr intensiv ist, ist eines davon. Das bringt sicher eine gewisse Risikobereitschaft mit sich. So wie jetzt: Ich denke darüber nach, mein kalifornisches Paradies hinter mir zu lassen und irgendwo ganz neu anzufangen. Ich glaube, es ist mal wieder an der Zeit für Europa.

Aaron Hubig, Leser und Weltenbummler,

Verloren in zu viel Ablenkung

Verfolge deine Wünsche und Träume, mach dich auf den Weg, dein Inneres kennenzulernen, und lasse los vom Alltagszustand. In dieser Welt hindern uns die sogenannten Black Mirror –TV, Handy, Computer und ähnliches – uns mit uns selbst zu beschäftigen. Wer nimmt sich heute noch die Zeit, wirklich in sich zu gehen und sich mit sich selbst auseinander zusetzen? Gefühle werden verdrängt, weil wir uns beschäftigen oder beschäftigt werden mit nicht glücklich machenden konsumierten Sachen, die uns wichtig gemacht werden. Probiert es doch mal aus, etwas zu ändern und verbringt eine Woche ohne die Black Mirror und schiebt jegliche Newspaper bei Seite. Vielleicht fängt für euch ein Weg der Erkenntnisse an, macht euch selbst zu einer Legende und schlagt ein neuen Weg ein, weil ihr etwas Besonderes, was nur ihr könnt, an euch findet. Beschäftigt euch mit etwas Echtem – euch selbst. Lernt euch selbst kennen und lasst euch nicht programmieren. All you need is less.

Uschi Obermaier, Genussmensch, Leser_In

Einfach leben

Wer im Duden das Wort „Legende“ nachschlägt, findet als Erklärung die Begriffe „ausschmückende Darstellung“ und „glorifizierende Erzählung“. Nun sind die Geschichten, die mein Leben geschrieben hat, zwar durchaus prädestiniert für eine gewisse Legendenbildung, daran gearbeitet habe ich aber selbst nie aktiv. Um ehrlich zu sein, habe ich noch nicht einmal in solchen Kategorien gedacht. Kalte Berechnung ist kein Teil meines Wesens. Die Antwort ist stattdessen viel simpler: Ich wollte immer hautnah erfahren, wie etwas funktioniert und wie es sich anfühlt. Ich konnte gar nicht anders, als die Welt um mich herum auf meine ganz eigene Art und Weise zu entdecken – vom Leben in der Kommune über die Männer und Drogen bis hin zu den Reisen. Ich habe mein Leben gelebt, so wie ich es wollte; habe getan, was sich andere nicht getraut haben. Und galt deshalb plötzlich als Verfechterin der sexuellen Revolution. Viele Menschen haben mich deswegen für meinen Mut beglückwünscht, dabei bin ich eigentlich ein großer Schisser – vielleicht habe ich ganz einfach vor anderen Dingen Angst als die meisten Menschen. Dass das Leben irgendwann nicht mehr intensiv ist, ist eines davon. Das bringt sicher eine gewisse Risikobereitschaft mit sich. So wie jetzt: Ich denke darüber nach, mein kalifornisches Paradies hinter mir zu lassen und irgendwo ganz neu anzufangen. Ich glaube, es ist mal wieder an der Zeit für Europa.

Béla Réthy, ZDF-Sportmoderator, Leser_In

Legende braucht Zeit

Legenden entstehen, wenn Menschen etwas Einzigartiges schaffen, von dem man sich schon zu dessen Lebzeiten immer wieder erzählt oder woran sich sogar die Nachwelt noch erinnern wird. Im Sport fallen mir dazu drei Namen ein: Der erste ist Mario Götze, der im Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 gegen Argentinien das Siegestor schoss. Zu diesem Zeitpunkt war er nicht einmal Stammspieler, sondern wurde nur eingewechselt. Der zweite ist Boris Becker, der mit 17 Jahren Wimbledon gewann und damit jüngster Sieger des bedeutendsten Tennisturniers der Welt wurde. Plötzlich kannte ganz Deutschland das „Bobbele“. Der dritte ist Sven Hannawald, der als einziger Sportler bisher alle vier Wettbewerbe einer Vierschanzentournee gewann. Diese Legenden bleiben – unabhängig davon, wie das Leben der einzelnen Sportler weiterging. Denn nicht bei allen Sportlern lief das Leben danach immer geradeaus. Oft wird es auch zum Problem, immer wieder mit diesem nachhaltigen Ereignis in Verbindung gebracht zu werden. Dennoch wird es sie ihr Leben lang begleiten. Im Augenblick des Geschehens ist es meist noch gar nicht klar, dass eine Person oder ein Ereignis zur Legende wird. Ich habe etwa das 7:1 von Deutschland gegen Brasilien bei der Fußball-WM 2014 kommentiert und man hat dieses legendäre Ergebnis erst später begriffen. Es vergeht bis heute kaum eine Woche, in der ich nicht auf dieses Spiel angesprochen werde. Die damalige deutsche Elf – lebende Legenden.

Hartmut Scherzer, Sportjournalist, Leser_In

Mit dem Größten

Es sind gottgegebenes Charisma, granitartiger Charakter, außergewöhnliche Begleitumstände, mitunter tragische Schicksalsschläge, die über sportliche Höchstleistungen hinaus einen Athleten erst zur wahren Legende werden lassen. Keiner hat den Begriff vom „Heiligenleben“, wie der Duden das Wort Legende umschreibt, so verinnerlicht und ausgestrahlt wie Muhammad Ali. Er benutzte den Boxring als Plattform und den Ruhm seiner epischen Kämpfe für Wertmaßstäbe, die er als einfacher Schwarzer aus Louisville nie hätte setzen können. „Ein Boxer verändert die Welt“ steht auf der Titelseite der Biografie, die die Zeitschrift „Der Spiegel“ nach Muhammad Alis Tod herausgab. Der narzisstische Schreihals, bekannt für sein Mantra „I am the greatest“, machte zunächst mit Witz und Charme neben seinem ästhetischen Boxstil weltweit auf sich aufmerksam. Zu wahrer Größe stieg der „Größte“ auf, als er gegen den Krieg in Vietnam rebellierte, den Wehrdienst verweigerte, den Verlust des Weltmeistertitels und fünf Jahre Haft in Kauf nahm. Nach drei Jahren aus der Verbannung zurückkehren, im historischen „Rumble in the Jungle“ wieder Weltmeister werden, schicksalsergeben mit der Krankheit Parkinson leben – mehr Legendenbildung geht nicht. Dieser außergewöhnliche Mensch besiegte nicht nur Sonny Liston, Joe Frazier und George Foreman, sondern auch eine weiße Gesellschaft, die einen selbstbewussten afroamerikanischen Champion nicht ertragen konnte.

Regina Halmich, ehemalige Boxweltmeisterin, Leser_In

Gegen den Strom

Man kann sagen, dass ich immer zwei Kämpfe führen müsste. Der eine fand im Ring statt, das war eigentlich der einfachere. Diesen Kampf konnte ich durch sportliche Leistung gewinnen. Der andere spielte sich außerhalb des Rings ab. Hier musste ich viel Überzeugungsarbeit leisten, als Frau in einer männerdominierten Sportart ernst genommen zu werden. Medien kann man nicht immer beeinflussen und es gab viele Kritiker, die mich niederschrieben. So stand ich dem Showkampf gegen Stefan Raab, der mich wohl in ganz Deutschland berühmt gemacht hat, auch zunächst eher skeptisch gegenüber. Aber manchmal muss man außergewöhnliche Wege gehen. Denn durch dieses Medienereignis wurde ich plötzlich als Sportlerin geachtet und konnte Menschen für das Frauenboxen begeistern – also für das, was mir wirklich wichtig ist. Natürlich musste ich auch weiterhin meine sportlichen Fähigkeiten im Boxring zeigen, sonst wäre ich schnell abgeschrieben gewesen. Ich wollte immer 150 Prozent geben und habe im Nachhinein gemerkt, dass ich viel zu sehr an mir selbst zweifelte. Heute würde ich allen Frauen raten, viel mehr an die eigenen Kompetenzen zu glauben. Aber es waren wohl auch ein Stück weit die Kritiker, denen ich es beweisen wollte – und dies durch kontinuierliche, sportliche Leistung. Ich wollte ihnen einfach die Argumente nehmen. So kam das Feuer in mir auch nicht zum Erlischen und machte mich zwölf Jahre zur ungeschlagenen Weltmeisterin.

Arno Funke, Karikaturist und Autor, Leser_In

Schöner Schein

Legenden waren einst Lebensgeschichten von Heiligen. Heute kann fast jeder zur Legende werden, wenn er etwas Ungewöhnliches getan hat, genügend Menschen davon erzählen und eigene Vorstellungen mit einbringen, die weiter gepostet wer-den. So behaupten manche Menschen, ich sei eine Legende. Wenn ich morgens in den Spiegel schaue, sehe ich dort eine Legende? Kein Heiligenschein, wirres Haar, zerknautschtes Gesicht, unrasiert, gerötete Augen und immer derselbe Gedanke: „Das bin hoffentlich nicht ich.“ Eine Hoffnung, die jedes Mal enttäuscht wird. „Wie ist es denn so, mit einer Legende am Frühstückstisch zu sitzen?“ Diese Frage stellte ich meiner Frau nach 17 Jahren des gemeinsamen Zusammenlebens. Die Reaktion war fast wie erwartet: erst große Augen, dann lautes Lachen. Dabei verschluckte sie sich an ihrem Brötchen, hustete heftig. Dann kurze Stille und wieder schallendes Lachen. Am Ende gab sie doch noch einen Kommentar ab: „Nett!“ Das ist alles, was sie dazu zu sagen hatte. Beim Partner bringt das „Legende sein“ nicht viele Punkte. Heutzutage werden auch Ganoven zu Legenden, wie zum Beispiel Al Capone, Billy the Kid oder so mancher Vorstandsvorsitzende. Weil viele Menschen an einer Le-gende basteln, ist ein sicheres Zeichen, dass man zur Legende geworden ist, wenn der Wikipedia-Eintrag – den man ja nicht selbst verfasst hat – zur Hälfte nicht stimmt. So entstehen Legenden. In meinem Fall eine momentan noch lebende.

Michael Boyer, Gästeführer und Darsteller des "Rattenfängers von Hameln", Leser_In

Unsterbliche Geschichte

„Legenden entstehen, wenn ein überlebensgroßes Ereignis erklärt werden soll. Wenn 4.33 Prozent der Hamelner Bevölkerung auf einmal verschwindet, tut Erklärung bitter Not.“ So jedenfalls heißt es in einem Augenzeugenbericht aus der „Lüneburger Handschrift“ von 1450 über die Tragödie der 130 verschwundenen Kinder von Hameln. Die örtliche Kirche warnte später auf einem Glasfenster vor dem „Täter“ mit den Worten „Folge dem Pfeifer nicht“ und behauptete, er sei „der leibhaftige Teufel“. Bei der Liturgie mahnte sie „eindringlich“ vor dem Rattenfänger. Balkeninschriften an Häusern, eine „bungelose“, also trommelfreie Straße ohne Musik und ein steinernes Kreuz am Tor hielten das Volksgedächtnis wach. Der Verdammnis der Familien müsse eine „Sünde“ vorausgegangen sein, und so kamen die Ratten und der Betrug des Bürgermeisters ins Spiel. 17 Historiker lieferten Theorien, über 22 Versionen der Legende gibt es und zahlreiche Rezeptionen in der Kunstwelt, inklusive des 1972 mit Donovan gedrehten Films „The Pied Piper“ und einer aktuellen TV-Serie in Südkorea. Die Überlieferung berührt weltweit viele Menschen und sie folgen den Klängen des Pfeifers auch heute noch bis zum Tatort des Jahres 1284 in Hameln. Rattenfänger-Freilichtspiel, Musical „Rats“ und Gästeführungen halten die Sage lebendig. 2014 wurden die gelebte Tradition um die Rattenfängersage als immaterielles Kulturerbe in das nationale Verzeichnis der Unesco aufgenommen.

Karl Bartos, Musiker und ehemaliges Bandmitglied von Kraftwerk, Leser_In

Autonome Fantasie

Für viele scheint die Musikgruppe Kraftwerk eine Legende zu sein. Wenn man herausfinden will, was es damit auf sich hat, gibt vielleicht das Medium Auskunft, um das es eigentlich geht: die Musik. In meiner Autobiografie „Der Klang der Maschine“ habe ich mich noch einmal mit ihr beschäftigt. Zweifellos liegt die Zeit der Schöpfung unseres Klangkosmoses in den 1970er-Jahren. Dieser Prozess lässt sich als permanente Unterhaltung beschreiben, bei der wir unsere Gedanken in Musik übersetzten. In den 1980er-Jahren orientierten wir uns mehr an den Produktionen anderer Künstler, so dass sich unser freier kompositorischer Ansatz in Musikdesign wandelte. Mitte des Jahrzehnts erreichte uns dann die Digitalisierung. Die musikalische Interaktion unserer Improvisationen, bei denen wir kommunizierten und uns dabei in die Augen schauten, kam uns abhanden. Stattdessen starrten wir auf Computermonitore, während einer von uns Daten eingab. Ohne es zu bemerken, verloren wir dabei unsere Kernkompetenz: die autonome Fantasie. Mit dem 1991 erschienenen Remix-Album „The Mix“ war die Gruppe zum eigenen Kurator ihrer Musik geworden und leitete mit der permanenten Neugestaltung ihres Gesamtwerks eine Art Selbstkanonisierung ein, die bis heute andauert. Ich denke, im Grunde ist die Legendenbildung zurückzuführen auf die unabhängige Musik, die wir in den 1970er-Jahren mit kompositorischem Handwerk, Hingabe, Emotion und ein wenig Verstand erfanden.

Samuel Schmidt, Leser_In

Die legendären Sieben

Es war einmal ein Anführer. Der erste in einer Gruppe von sieben. Er ging voran und bahnte den anderen den Weg. Er tat alles dafür, dem kommenden Abenteuer mit Schwung zu begegnen und so ein Vorbild zu sein für die anderen. Doch hinter ihm ruhte sich der Zweite in seinem Schatten aus. Der Dritte begriff sich stets als ein ganz durchschnittlicher seiner Art. Der Vierte hatte meist eher das Ziel als den Weg im Blick und der Fünfte war von Natur aus ein Optimist. Der Sechste schließlich führte als Genießer der Gruppe ein Leben für zwei. Dem Siebten wiederum oblag es, das Abenteuer aufzuarbeiten. Doch die Hauptlast, die lag auf dem legendären Ersten, dem sagenumwobenen Montag.

Marius Altenbrück, Leser_In

Harte Arbeit

Eine lebende Legende spielt diesen Winter sein letztes Turnier. Sein Name ist Phil Taylor und man kann ihn als Sportler bezeichnen, auch wenn viele Darts eher als Freizeitbeschäftigung ansehen. Aber was ihn zu einer Legende werden ließ, kann man auf jede Sportart oder jeden Beruf beziehen. Letztendlich auf alles, was zeitintensiv ist, um Perfektion zu erlangen. Das ist auch schon die Antwort auf die Frage, wie Legenden entstehen. Es ist Zeit. Zeit, die man aufwendet, um Perfektion zu erlangen und somit besser wird als alle anderen. 16 Jahre lang in Folge stand er in jedem WM-Finale. Um das zu schaffen, wird vermutet, dass er mehr als zwei Millionen Mal den Dart auf die Zielscheibe geworfen hat. Minuten, Stunden, Tage. Wer zu einer Legende werden will, muss für seine Passion viel opfern. Nur wer bereit ist, Zeit für den Erfolg zu opfern, wird auf lange Zeit gesehen zu einer Legende.

Matthias Buschmann, Leser_In

Außergewöhnlich

Menschen, die die Gesellschaft bereichern. Menschen, die sich von der Allgemeinheit abheben. Die herausstechen durch Geschmack und Stil. Die überaus beliebt und überall gerne gesehen sind. Mit ihnen Zeit zu verbringen, sorgt oft für aufregende Erlebnisse und spannende Abenteuer. Oftmals schaffen sie Sachen am Rande des Möglichen. Sie verschaffen ihrem Umfeld ein gutes Gefühl und sorgen für Momente, über die man gerne spricht und die man sich noch Jahrzehnte später erzählt. Jeder Moment ihres Lebens ist erwähnenswert und besonders. Von vielen bewundert sind Legenden aufopferungsvoll auf das Wohl und das Glück ihres Umfeldes bedacht. Voller Elan und Einsatzbereitschaft helfen und fördern sie vollkommen uneigennützig, wo es ihnen möglich ist und sich die Gelegenheit bietet. Auffällig durch außergewöhnliches Verhalten und herausragende Performance. In frühen Jahren oft als Kurzzeitbrenner eingeschätzt, haben sie sich stetig über alle Erwartungen gesteigert und allen das Gegenteil bewiesen. Ausdauer, Großmütigkeit und Lebensfreude unterstreichen ihre Persönlichkeit. Viele Menschen glänzen in einzelnen Momenten, Legenden schaffen das immer. Schon in frühen Jahren außerhalb „normaler“ Maßstäbe und für viele Menschen und Beobachter kaum zu erfassen. Legenden betreten einen Raum, die Stimmung hebt sich und es geht direkt nach vorne. Sie setzen sich für andere ein und sind immer verfügbar sein. Mitreißend und Freude versprühend.

Torben Trauthmann, Leser_In

Höherer Beistand

Herbst 1968. Auf unserem Weg von La Serena nach Santiago de Chile zwang uns eine Autopanne in einem sehr kleinen Dorf namens El Noviciado Rast zu machen. Unser Guide wollte die Nacht zu Fuß nach Santiago laufen und uns am nächsten Tag abholen. Ein Gasthaus oder ähnliches war nirgends zu sehen. Da es schon sehr spät war, waren keine Menschen mehr auf den Straßen. Besorgt, keine Unterkunft zu finden, klopfte ich an verschiedene Türen, ohne jedoch Antwort zu erhalten. Als wir schon aufgeben wollten, um die kalte Nacht im Auto zu verbringen, kam uns ein alter Mann entgegen, der uns einlud, die Nacht in der kleinen Kirche zu verbringen. Am nächsten Morgen suchten wir verzweifelt den Mann, um uns zu bedanken. Doch alles, was wir in Erfahrung bringen konnten ist, dass der heilige Andreas auf Reisende Acht gibt.

Mona Zertler, Leser_In

Postumer Ruhm

Nicht jeder, der jung stirbt, wird zur Legende. Aber bei Kurt Cobain und der Art, wie er sich das Leben nahm, trug es sicherlich dazu bei, zur übergroßen Musiklegende aufzusteigen.

Rita Schaller, Leser_In

Fiktive Vorbilder

Ob das Monster von Loch Ness, Bigfoot oder der Yeti: Immer wieder taucht jemand auf, der behauptet, er hätte sie gesichtet. Es reicht auch ein Kopf im Wasser oder eine Fußspur im Schnee. So entstehen Legenden vielleicht nicht, aber so werden sie am Leben gehalten.

Stefanie Singer, Leser_In

Selbstidentifikation

Ich glaube, sie entstehen im Laufe der Zeit und dadurch, dass die Geschichten bei jeder Wiedergabe bunter werden. Freunde haben sogar schon fälschlich von Erlebnisse erzählt, als wären es ihre statt meine. Das war keine Absicht, es war eher so, dass sie nach so vielen Versionen selbst dachten, sie wären dabei gewesen.

Fritz Bast, Leser_In

Menschen für Menschen

Interessant ist die Doppeldeutigkeit des Legendenbegriffs: einerseits sind Legenden reale Personen oder Ereignisse, die in Erinnerung bleiben. Auffallend ist, dass echte Legenden immer etwas Vereinendes haben, ob Sportereignis, Mondlandung oder legendäre Gestalten, sie vereinen Menschen und lassen gemeinsam staunen und freuen. Anderseits sind Legenden Produkte der Phantasie, die vielleicht nur ein Körnchen Wahrheit enthalten, also im negativen Fall hart an der Grenze zur Fake News. So oder so, Legenden werden immer von Menschen gemacht, also hat alles und jeder die Chance, eine Legende zu werden, wenn nur genug Menschen dahinterstehen. Schwierig ist, wenn etwas von Anfang an zur Legende erklärt oder legendär bezeichnet wird. Hier steckt oft Kalkül dahinter. Legenden brauchen Zeit um zu reifen und ihren Platz in den Köpfen der Menschen zu erobern und unvergesslich zu werden.

Gundi Günther, Leser_In

Meine Eltern

Wenn ich an Legenden denke, dann denke ich an meine Eltern, meine Kindheit und die unendlichen Geschichten und Begebenheiten, die meine beiden Schwestern und ich erlebt haben. Unsere Eltern haben für uns echte Legenden geschaffen und heute ist uns klar, sie waren auch echte Lebenskünstler! Meine Mutter, durch den Krieg zur Waise geworden, die die Kunst beherrschte aus einem Nichts ein gesundes Essen zu zaubern und wenn es erforderlich wurde, einfach ohne großes Aufhebens und ohne Geschmacksverlust das Essen verlängerte, wenn noch Freunde hinzukamen. Mein Vater, der durch den Krieg eine Versehrtheit an der Hand hatte, dadurch aber nie in seiner Tatkraft etwas zu schaffen, eingeschränkt war, dachte sich für uns 3 Mädchen immer etwas Neues aus. Vom Alles-Sammler, alles Macher, vom Tüftler bis zum Reparateur sämtlicher Schadensfälle auch für Nachbarn bis zum Swimmingpool-Bauer war alles möglich. Die Idee, ein Schwimmbad im Garten zu bauen (mein Vater zu der Zeit noch Nichtschwimmer) entstand bereits in den 60-70er Jahren. Durch die Sammelleidenschaft meines Vaters waren die unterschiedlichsten Materialien, verteilt in diversen Lagern im Haus, im Keller, in der Garage und im Stall vorhanden und so entstand ein runder Pool aus einem ehemaligen Förderband, dass in einer geschweißte Blechwanne, Durchmesser 3 Meter, mit hunderten von Schrauben befestigt und verdichtet wurde, und uns Kindern und unseren Freunden jeden Sommer den größten Spaß bereitete. Aus diesem Wunderwerk herausgewachsen, wurde dann in den 80er Jahren ein richtiger, gefliester Pool in der Form eines Oktagons, mit Betonsäulen und einem Blechdach darüber, gebaut, der auch von der im Keller befindlichen selbstverständlich auch selber gebauten Sauna, durch einen unterirdischen Tunnel vom Haus aus, zu erreichen war. Vieles war bei uns einfach abenteuerlich, schon allein deshalb, weil wir auch als Kinder immer in die Arbeitsprozesse eingebunden waren. Noch heute höre ich die bewundernden Worte ehemaliger Nachbarsjungen, was unsere Eltern für uns Kindern alles bereitet haben. Das macht mich auch heute noch sehr, sehr stolz und ganz besonders glücklich. Leider leben unsere Eltern schon lange nicht mehr, aber sie haben, neben dem immer noch existierenden Pool, etwas legendäres, unvergessliches hinterlassen.

Jakob Becker, Leser, Leser_In

Das gewisse Etwas

Ich glaube, der Kern einer jeden Legende ist eine ganz außergewöhnliche Geschichte, die so nicht jeden Tag, sondern nur ganz selten geschieht. Es kann auch ein besonderer Erfolg oder Misserfolg sein. Ich glaube, besonders aus tragischen Niederlagen entstehen legendäre Geschichten, wenn der gefallene Held dem Unglück trotzt und dagegen ankämpft oder wieder aufsteht. Zudem muss die Geschichte etwas Außergewöhnliches haben, eine ganz besondere Wendung oder Leistung zum Beispiel. Moderne Legenden sind ja oft Sportler, Musiker, Politiker oder andere öffentliche Persönlichkeiten. Ich glaube, das liegt daran, dass sich eine Legende natürlich nur mit der entsprechenden Bekanntheit verbreiten kann. Früher konnten nur besonders einzigartige Geschichten und Erzählungen ein wirklich breites Publikum erreichen. In der heutigen Zeit entstehen viele Legenden eher im Fernsehen oder im Internet, weil hier viele Leute von der besonderen Geschichte Notiz nehmen. Zu der breiten Öffentlichkeit kommt auch noch die jeweilige Persönlichkeit. Wir müssen die Helden der Geschichte entweder besonders mögen oder sie besonders ablehnen, damit wir mitfiebern, mitleiden und uns freuen oder trauern können.

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Wer hat den Mut, die Welt zu retten?

Manchmal reicht es schon aus, guten Vorsätzen Taten folgen zu lassen. Wenn positive Überzeugungen den inneren Schweinehund besiegen, kann Erstaunliches entstehen. Wie möchten Sie die Welt zu einem lebenswerteren Ort für alle machen?

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Svenja Schneider,

Superman. Leider ist er nur eine Fiktion, dabei hätte er genug zu tun.

Harald Zindler, Mitbegründer Greenpeace Deutschland, Leser_In

Den Anfang wagen

Die Motivation, aktiv zu werden, speiste sich bei mir aus Betroffenheit und Wut. 1980 waren die Zustände der Flüsse fürchterlich, die Elbe stank und einzelne Fischarten bekamen blumenkohlförmige Geschwüre. Zunächst gab es Widerstand bei den Elbfischern. Die Behörden fühlten sich dagegen nicht verantwortlich. So fingen wir an, die Fische mit den Geschwüren in Aquarien auszustellen, um den Zustand der Flüsse den Menschen vor Augen zu führen. Parallel hörte ich davon, dass sich die internationale Umweltorganisation Greenpeace auch in Deutschland formieren wollte und sie jemanden aus dem Fischereiumfeld für eine Aktion am Hamburger Hafen suchten. Als Kriegsdienstverweigerer war ich immer der Überzeugung, dass Protest gewaltfrei verlaufen und sich an die Entscheidungsträger richten muss, also an Politik und Wirtschaft. Und die konnten wir durch einzelne zielgerichtete Aktionen wie die damalige Blockade des Schiffes „Kronos“, das die verheerende Dünnsäure ins Meer lies und damit für die Missbildungen der Fische mitverantwortlich war, erreichen. Diese Form der gewaltfreien Auseinandersetzung hat mein ganzes Leben geprägt und ich halte es für wichtiger denn je, sich für Umwelt und Klima einzusetzen. Denn ich bin der Überzeugung, dass wir in Zukunft einer Diktatur der Sachzwänge ausgesetzt sein werden. Der Grad der Zerstörung unseres Planeten wird uns zu Handlungen zwingen. Jetzt haben wir es noch in der Hand, sie abzufedern.

Burkhard Wilke, Geschäftsführer Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI), Leser_In

Galerie der Nächstenliebe

Rupert Neudeck hat es 1979 getan und mit der „Cap Anamur“ Tausende „Boot People“ aus dem Chinesischen Meer gerettet. Acht Millionen Ehrenamtliche haben es 2015 getan und spontan Hunderttausenden Flüchtlingen geholfen, viele von ihnen tun es noch heute. Auch Ärzte im ehrenamtlichen Einsatz in Entwicklungsländern und Nothelfer in Krisengebieten tun es: Sie retten Menschenleben und schaffen Lebenschancen. Und nicht zuletzt Spenderinnen und Spender tun es: Sie lassen sich für Hilfebedarf anderer erwärmen, widerstehen der Versuchung des „Wegduckens“, überweisen Geld an eine Organisation ihres Vertrauens. Mut erfordert jede dieser Taten, die das Zeug haben, die Welt zu retten. Mut erfordert es schon allein, sich aus der Bequemlichkeit und dem Eingerichtetsein eines abgesicherten Alltags hier in Deutschland zu lösen und sich Solidarität und Nächstenliebe gegenüber anderen zu öffnen. Mut erfordert in gewisser Weise selbst das Spenden von Geld, denn gerade in Deutschland werden Spenderinnen und Spender schnell als „Gutmenschen“ abgetan, als angeblich naiv. Vertrauen zu fassen gegenüber einer Organisationen, die sich als Mittler von Hilfe anbietet: Auch das ist heutzutage alles andere als einfach oder selbstverständlich. Doch alle, die den Mut aufgebracht haben, wissen: Wer versucht, die Welt zu retten, rettet sich damit auch selbst. Denn helfen macht glücklich.

Rainer Thiele, Leiter Forschungsbereich Armutsminderung und Entwicklung, Institut für Weltwirtschaft (ifw) Kiel, Leser_In

Ambitioniertes Ziel

Von der Weltöffentlichkeit weitgehend unbeachtet ist die Bekämpfung der absoluten Armut in Entwicklungsländern zu einer Erfolgsgeschichte der internationalen Zusammenarbeit geworden. Zwischen 1990 und 2015 hat sich der Anteil der Menschen, die nicht einmal ihre elementarsten Grundbedürfnisse befriedigen können, von 40 auf 15 Prozent verringert. Damit wurde das von den Vereinten Nationen ausgegebene Ziel einer Halbierung der absoluten Armut in 25 Jahren sogar noch übertroffen. Allerdings verbergen sich hinter dieser positiven Entwicklung starke regionale Unterschiede: Während etwa China die absolute Armut nahezu eliminieren konnte, verharrt sie in weiten Teilen Afrikas auf hohem Niveau. Im Oktober 2015 haben die Vereinten Nationen nachgelegt und die vollständige Beseitigung der absoluten Armut weltweit bis 2030 gefordert. Um diesem Ziel nahezukommen, bedarf es gemeinsamer Anstrengungen vieler Akteure. Die Entwicklungszusammenarbeit – sowohl staatlich als auch privat in Form von Spenden für konkrete Projekte – kann hierzu einen wichtigen Beitrag leisten. Wir müssen uns aber darüber im Klaren sein, dass sie nur unterstützend wirken kann. Entscheidend ist die Bereitschaft der Regierungen in den Partnerländern, ihren Bürgern günstige Bedingungen für die Verbesserung der Lebensumstände zu schaffen. Korruption und gewaltsame Konflikte sind die wesentlichen Faktoren, die einer solchen Entwicklung im Wege stehen.

Boyan Slat, Gründer und Präsident The Ocean Cleanup, Leser_In

Versuche das Unmögliche

In den vergangenen 50 Jahren hat die Verschmutzung der Ozeane durch Plastikmüll epische Ausmaße angenommen. Er sammelt sich in den fünf großen Strömungswirbeln unserer Weltmeere und zerfällt dort nach und nach zu gefährlichem Mikroplastik, das von Meeresbewohnern häufig als Futter missinterpretiert wird. Bereits im Alter von 16 Jahren war mir bewusst, dass dieses „unüberwindbare“ Problem gelöst werden muss. Ich glaube fest an den technischen Fortschritt. Er ist der Grund, warum wir in diesen Schlamassel geraten sind, und gleichzeitig unser stärkster Verbündeter für den Wandel. Wir sollten Technologie im positiven Sinne einsetzen – etwa für eine Flotte von umhertreibenden Reinigungssystemen, die denselben Meeresströmungen folgt wie der Plastikmüll. Nach fünf Jahren Entwicklungsarbeit planen wir von The Ocean Cleanup für Mitte 2018 den Start des ersten Reinigungssystems im Nordpazifikwirbel. Unseren Berechnungen zufolge können wir innerhalb von fünf Jahren nach Beginn des flächendeckenden Einsatzes die dortigen Müllansammlungen – den Great Pacific Garbage Patch – um 50 Prozent reduzieren. 2018 erwarten wir nachweisen zu können, dass die Idee von The Ocean Cleanup technisch umsetzbar ist. Das zu erreichen, war mein Ziel, seitdem ich das Projekt gegründet habe. Die Geschichte kennt zahlreiche Beispiele für Dinge, die als unerreichbar galten und dennoch erreicht wurden. Das ist die Art von Geschichte, die ich schreiben möchte.

Peter Maffay, Musiker, Leser_In

Kraft der Gemeinschaft

„Wer auch nur ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt“, heißt es im jüdischen Talmud. Im Umkehrschluss bedeutet dieser Satz: Wer auch nur ein einziges Leben für seine persönlichen Ziele oder seinen politischen Vorteil opfert, versündigt sich an der ganzen Welt. In diesem Jahr waren wir wieder Zeugen des millionenfachen Sündenfalls. Die tödlichen Konflikte wollen nicht enden, die Krisen- und Kriegsherde kommen nicht zur Ruhe. Irgendjemand profitiert immer von Not und Elend anderer oder nimmt sie zumindest billigend für die Durchsetzung seiner Interessen in Kauf. Irgendjemand gewinnt, wenn ein anderer verliert oder verdient sogar am gewaltsamen Tod von Menschen. Was kann der Einzelne dagegen tun? Meine Hoffnung ruht auf der Vernunft von Erwachsenen und auf den Kindern. Sie könnten die Welt eines Tages zum Besseren verändern, wenn sie sich zusammenschließen, um Hass, Vorurteile, Feindseligkeit und Gewalt weltweit zu ächten, über die Grenzen von Nationen und Religionen hinweg. Das gelingt aber nur, wenn wir uns alle heute schon politisch und gesellschaftlich mutig und ohne Angst einbringen, um die Scharlatane auf dem weltpolitischen Parkett zu entlarven, die Öl ins Feuer gießen und sich dann scheinheilig als Feuerwehr in Stellung bringen. Wer also rettet die Welt wirklich? Es sind wir, all diejenigen in der Weltgemeinschaft, die Verantwortung für unseren Planeten und die kommenden Generationen empfinden und übernehmen.

Harald Höppner, Seenotrettungsaktivist, Leser_In

Zutrauen haben

Noch nie gab es soviel Reichtum und gleichzeitig so viele Menschen, die in Armut leben. Nie war Reisen so einfach – mit dem richtigen Pass. Nach wie vor sterben jedes Jahr Tausende, wenn sie ihr Land verlassen wollen. Das ist Wahnsinn. Viele halten diesen Wahnsinn aus oder ignorieren ihn. Sie denken, es betrifft uns nicht, wir sind weit weg. Und viele andere wollen etwas tun, wissen aber nicht wie oder trauen es sich nicht zu. Ich hielt es einfach nicht mehr aus, nichts zu tun. Obwohl ich kein großer Politiker oder berühmter Star bin, wollte ich etwas verändern – weil ich es nicht mehr hinnehmen konnte, dass es in Europa wieder eine Mauer gibt wie in meiner Jugend. Gemeinsam mit ein paar Freunden aus Brandenburg haben wir unsere Ersparnisse zusammengekratzt, ein fast 100-jähriges Schiff gekauft und Menschen vor dem Ertrinken gerettet, weil es als Europäer unsere Pflicht ist. Heute ist Sea-Watch eine der engagiertesten zivilen Seenotrettungsorganisationen auf dem Mittelmeer. Mehr als 400 Freiwillige haben sich in unserem Verein schon für Menschenrechte eingesetzt. Wir waren an der Rettung von mehr als 35.000 Menschen beteiligt. Ich hätte nie gedacht, dass aus dem abstrakten Gefühl, etwas gegen die Ungerechtigkeit machen zu wollen, so etwas Großes und Starkes erwächst. Das macht mich unheimlich stolz und seither bin ich mir sicher: Wir haben alle den Mut, diese Welt zu verändern. Wir müssen uns diesen Mut nur zutrauen.

Anne Balzer, Bildungskoordinatorin, Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN), Leser_In

Nutze deine Stimme

„Nordkorea testet Atombombe“, „Trump droht mit völliger Vernichtung Nordkoreas“ – wir gewöhnen uns an diese Schlagzeilen, nehmen sie als unveränderlich hin. Doch weder sind Atomwaffen eine veraltete oder abstrakte Gefahr, noch ist deren Existenz unveränderlich.
 122 Staaten haben das erkannt. Am 7. Juli 2017 haben sie bei den Vereinten Nationen den Vertrag zum Verbot von Atomwaffen verabschiedet. Es ist ein Meilenstein in der Abrüstung. Ein Meilenstein in der Emanzipation des globalen Südens gegen bisher wirtschaftlich und politisch mächtigere Staaten auf der Nordhalbkugel. Jeder Einzelne von uns kann diesen Prozess zur Ächtung von Atomwaffen unterstützen. Wenn Deutschland dem Vertrag beitritt, bringt das neue Dynamik in den Prozess. Wer sich für diesen Beitritt aussprechen will, kann die von ICAN initiierte Petition an die künftige Bundesregierung unterschreiben. Außerdem kann man überdenken, bei welchem Institut man das eigene Geld anlegt, und prüfen, ob dieses Investitionen in die Atomwaffenindustrie tätigt. Dann sollte man die Bank wechseln und dies auch mitteilen. Wichtiger aber noch ist Informieren und Diskutieren. Egal, ob mit Freunden und Kollegen oder in einer Bürgersprechstunde mit dem lokalen Abgeordneten. Nur wenn sichtbar wird, wie die Bevölkerung über US-Atomwaffen in Deutschland und den neuen Verbotsvertrag denkt, werden Atomwaffen langfristig kein legitimes Instrument mehr für Schrecken, Drohung und Krieg sein.

Miriam Strauss, Leser_In

Gedankenloser Konsum

Den Mut, die Welt zu retten, sollte jeder haben. Die Frage sollte in meinen Augen eher lauten: Was können wir alle tun, um die Welt zu retten? Denn so, wie es momentan läuft, kann es nicht weitergehen. Wir gehen ins Kino und schauen uns den fünften Film an, der uns mit der nächsten drohenden Klimakatastrophe an die Kinokassen lockt. Danach steigen wir in unseren „umweltfreundlichen“ Diesel SUV und schalten natürlich per Smart-Home-Steuerung, am besten schon vor Filmbeginn, unsere Heizung an, damit es ja nicht kalt ist, wenn wir nach Hause kommen. Ich würde mir wünschen, dass wir alle einfach etwas bewusster leben. Das wir uns mit den Dingen, die wir tun, auseinandersetzen und dann bewusst Entscheidungen treffen.

Daniel S., Leser_In

Alle zusammen

Um die Welt zu retten, braucht es tatsächlich jede Menge Wagemut und ganz besonders Energie – und das am besten jeden Tag aufs Neue. Wahrscheinlich ist es auch nur dann möglich, die Welt zu retten, wenn wir alle zusammen im Kleinen und in unserem Alltag anfangen. Wenn jeder von uns in seinem Umfeld den Mut findet, sich selbst zu fordern und zu überwinden. Es beginnt beispielsweise im eigenen Haushalt. Es ist nur ein kleiner Beitrag und er kostet etwas Überwindung, aber es hilft schon, einfach mal die Heizung etwas später anzuschalten und sie etwas früher wieder auszumachen. Und es geht vor der eigenen Haustür weiter. Wenn man Zeuge einer Auseinandersetzung oder einer Einschüchterung wird, dann gehört Mut dazu aufzustehen und zu zeigen, dass man nicht bereit ist, Ungerechtigkeiten zu akzeptieren. Der Mut wird meist belohnt, denn oft genügt eine Person, die Widerstand leistet und so andere Menschen dazu ermutigt, es ihr gleich zu tun. Wir alle können zusammen etwas dafür tun, dass unsere Welt besser wird.

Eberhard Sauer, Leser_In

Unbedachtes Handeln

Manchmal machen gerade die Menschen die Welt kaputt, die sie entdecken wollen und bereisen. Wie beispielsweise der Hobby-Vogelkundler, der ohne böse Absicht in Schutzgebiete eindringt und damit das Leben der dortigen Tiere gefährdet. Oder der Freizeit-Schnorchler, der aus Versehen auf Korallen tritt und sie dadurch beschädigt. Rettet man also die Welt dadurch, dass man zu Hause auf dem Sofa sitzen bleibt? Wohl auch nicht, aber manchmal schadet man ihr damit weniger.

Ulrike Siebert, Leser_In

Früher habe ich tatsächlich nachts oft geträumt, dass ich die Welt rette. Meine Freunde habe mich schon darauf angesprochen: „Na, heute Nacht wieder die Welt gerettet?“ Viele Male musste ich sie vor Umweltzerstörung beschützen, andere Male auch entführte Menschen befreien. Morgens bin ich mit einem Gefühl von Stolz aufgewacht. Schade nur, dass ich im wahren Leben den Mut dazu nicht aufbringen konnte.

Hammed Khamis, Autor, Leser_In

Die Quelle des Mutes

Nicht jeder sollte das Recht haben, über Mut zu sprechen. Denn Mut und Dummheit trennt nur ein sehr schmaler Grat. Mut ist ein Synonym für das Herz eines Lebewesens. In dem einen wohnt eine hässliches und in dem anderen ein schönes Herz. Ein Herz sieht nicht, es hört auch nicht gut. Es reagiert allein auf die Sendungen, die es empfängt. Das eine Herz steht für seine Werte mit der Fahne seiner Mannschaft vor einem Wasserwerfer. Ein anderes Herz läuft in ein brennendes Hochhaus hinein, um Leben zu retten. Mutig ist aber auch das Herz, das anderen Herzen Einhalt gebietet, wenn sie über andere Herzen sprechen, die nicht anwesend sind. Dieses eine Herz, das sich für seine Fehler entschuldigt, zu dem steht, was es ist, Einsicht und Akzeptanz generiert oder einfach das zeigt, was in ihm wohnt, ist dazu im Stande, die Welt zu retten. Dies gänzlich, ohne einen Lohn dafür zu verlangen. Ein mutiges Herz fotografiert sein Essen nicht, um es Sekunden später in sozialen Medien zu veröffentlichen. Es handelt nicht, um sagen zu können, dass es gehandelt hat. Das Herz handelt, weil es ein Herz ist. Dem Besitzer des blinden Herzens bleibt all dies verwehrt. Denn sein Herz spricht nicht mit ihm. Warum sollte man Lebewesen Verantwortung übergeben, die ein Herz besitzen, das seinen Besitzer ungeführt durchs Leben schreiten lässt. Derjenige, der bereit ist, sein Herz für das Herz eines anderen zu geben, hat den Mut, die Welt zu retten.

Christina Prosser, Leser_In

Erhalten statt retten

Wer die Welt nicht zerstört, braucht sie später auch nicht zu retten – und hier führt kein Weg daran vorbei, Unternehmen in die Pflicht zu nehmen, beispielsweise wenn es um Müllvermeidung geht. In manchen Staaten ist man hier schon deutlich weiter als in Deutschland und der Europäischen Union. Selbst in Kenia sind mittlerweile Plastiktüten verboten. In Europa mit seinen übermächtigen Lobbyisten tut man sich mit einem solchen Schritt deutlich schwerer. Das ist beschämend, vor allem wenn man bedenkt, dass die reichen Industrienationen des Nordens immer noch den größten Anteil am globalen Müllaufkommen verantworten.

Helga Winsmann, Leser_In

Selbstloser Einsatz

Wenn ich dies einer Gruppe von Menschen zusprechen würde, dann den Ärzten ohne Grenzen. Ich finde es sehr mutig, in Krisengebiete zu reisen und selbst dorthin zu gehen, wo bewaffnete Konflikte sind. Das ist sehr riskant. Und das, um unparteiisch medizinische Hilfe zu leisten, egal, wer sie braucht und auf welcher Seite der Macht sie stehen – um Menschen in Not zu retten.

Hakan Melek, Leser_In

Ich denke, wir müssen uns alle gemeinsam für unseren Planeten einsetzen.

Lothar Grams, Leser_In

Weniger Raubbau

Die ganze Welt zu retten, wäre wohl etwas viel. Aber ich versuche zumindest, die Erde ein Stück weit zu schonen: Seit einigen Jahren esse ich zum Beispiel nur noch ganz wenig Fleisch. Es hat mir zwar immer geschmeckt, aber wenn man sich bewusst macht, inwieweit der Fleischkonsum den Klimawandel beeinflusst, sollte man sich doch beim Essen zurückhalten. Durch die Rinderhaltung entstehen beispielsweise Methan und Lachgas, aber auch die Rodung von Urwäldern für den Anbau der Futtermittel führt zu höheren Treibhausgasen. So fand ich es auch nur konsequent, als ich gehört habe, dass aus diesen Gründen das Umweltministerium auf vegetarisches Bio-Catering umgestiegen ist. Eigentlich war es sogar höchste Zeit, wenn alle von Nachhaltigkeit sprechen. Aber auch in anderen Bereichen versuche ich, mich umweltfreundlicher zu verhalten. So habe ich auch mein Auto verkauft, aber ich weiß, dass dies auch nur ging, weil ich hier einen guten öffentlichen Nahverkehr habe. Aber sicherlich gibt es für jeden etwas – ob durch anderes Verhalten oder Verzicht – wie er sich der Welt gegenüber ein bisschen besser verhalten kann.

Miriam Hullerring, Leser_In

Welt retten lernen

Als ich in der sechsten Klasse war, haben wir im Sachunterricht einen Ausflug gemacht: Wir sollten uns vor Geschäften positionieren und Käufer ansprechen, warum sie eine Plastiktüte benutzten anstatt eines Einkaufskorbs oder einer anderen Tasche, die man öfter benutzen kann. Das ist jetzt ziemlich genau 30 Jahre her und seitdem versuche ich, immer einen Einkaufsbeutel dabei zu haben, um keine Plastiktüte anzunehmen. Inzwischen muss man glücklicherweise ja auch für Plastiktüten bezahlen, das hätte man ruhig schon vor 30 Jahren einführen können. Aber ich will gar nicht meine Vermeidung von Plastikmüll feiern, sondern will auf etwas anderes hinaus: Ich halte es für essenziell wichtig, Kindern in den Schulen beizubringen, wie sie sich zum Wohl unser Erde verhalten sollten, und ihnen Mut zu machen, die Welt zu retten.

Beate Grosznik, Leser_In

Jugend vor

Ich habe die Hoffnung, dass sich die Generation der jetzt um die 20-Jährigen wesentlich stärker für unseren Planeten einsetzt. Junge Menschen tun mehr für ihre Ideale, haben mehr Energie. Es steht ihnen auch viel mehr Wissen zur Verfügung, als es noch vor 20 oder 30 Jahren der Fall war. Die junge Generation hat zudem allen Grund dazu, denn sie sind den Folgen aus dem Umgang mit der Erde in den letzten Jahrzehnten viel stärker ausgesetzt. Also schon aus eigenem Interesse ist es jetzt an ihnen, die Welt zu retten. Nur Mut.

Thomas Neumeier, Leser_In

Gemeinsam zum Ziel

Klimakollaps, Terror, Armut – es gibt viel zu tun. Dass eine solche Monsteraufgabe nicht von einer einzelnen Organisation, geschweige denn einer Einzelperson, bewältigt werden kann, steht außer Frage. Worum es also letztlich geht ist, dass wir alle unseren Beitrag leisten. Dabei halte ich es für wichtig, nicht das Augenmaß zu verlieren. Wie ist es überhaupt um den Globus bestellt? Ist die Lage wirklich so dramatisch, wie man manchmal den Eindruck gewinnt? Panik ist in keiner Lebenslage ein guter Berater. Der Evolutionspsychologe Steven Pinker wies in seinem Buch „Gewalt: Eine neue Geschichte der Menschheit“ darauf hin, dass sich Gewalt und ihre Folgen im Laufe der Menschheitsgeschichte verringert haben. Die Welt wurde insgesamt friedlicher, die Kindersterblichkeit ist gesunken, die globale Lücke zwischen Arm und Reich wird kleiner. Ja, es gibt noch viele Baustellen. Ja, manchmal ist der Eindruck, es gehe bergab, durchaus verständlich. Aber lasst uns dennoch besonnen reagieren und gemeinsam handeln.

Jörg Link, Leser_In

Meine Idee

Wer hat den Mut, die Welt zu retten? Ich hab den Mut, indem ich mich begeb in folgende Gedanken: Ich leb, um in Gott zu gründen. Ich fand und schrieb ein neues Wissen. Dass niemand müsst die Wahrheit missen und aller Irrtum werd’ zerrissen. Allah und Mullahs soll es überzeugen, Jahwe und Rabbis sollen sich ihm beugen. In Gott und Christen weckt es das Gewissen. Nun bin ich alt mit 74 Jahr’, die Menschen geh’n vorüber kalt. Ich finde nirgends Hilf noch Halt. Ich schuf ein Werk, das Gott gefällt. Doch ihm allein möcht ich nicht nur vertrau’n. Drum wend ich mich an alle, die mich dabei woll’n unterstützen. Allein die Welt zu retten, macht keinen Spaß. Habt Mut, mit mir und anderen, den Turm nun zu erbauen. So wendet Euch vertrauensvoll an mich. So wie einst der spanische Philosoph Ramon Llull in der Zeit der Kreuzzüge das Gemeinsame der drei Weltreligionen Christentum, Judentum und Islam betonte, sollten auch wir uns heute auf das Gemeinsame unserer Lebenswelten besinnen. Lasst uns in seinem Namen einen gemeinsames europäisches Haus erbauen: den Cyber Tower for Peace, Tolerance, Informatic and International Understanding.

Gesa Kalbitzer, Leser_In

Um die Welt zu retten braucht es weniger Mut als Bescheidenheit und Durchhaltevermögen. Bescheidenheit weil Verzicht gefordert ist (jedenfalls für uns gut gestellt Europäer), Verzicht auf zu viele Reisen, Flüge , zu viel CO²-Verbrauch. Und Durchhaltevermögen, weil wir dauerhaft unseren Lebensstil ändern müssen.

Carmen Kroll, Geschäftsführerin HAKRO GmbH, Leser_In

Nachhaltig besser

Für uns ist das weniger eine Frage des Mutes, sondern eine grundsätzliche Entscheidung. Jeder von uns kann, entsprechend seiner Möglichkeiten, einen Beitrag für eine bessere Welt leisten. Als Unternehmen setzen wir von HAKRO uns mit Hand, Herz und Haltung für eine lebenswerte Zukunft ein. Unsere geschäftlichen Ziele sind mit dem Anspruch verknüpft, ökologisch und sozial verträglich zu handeln. Basis für unsere Arbeit sind ethisch ausgerichtete Leitlinien. Wir setzen uns für die Produktion langlebiger, hochwertiger Kleidung ein, die verantwortungsbewusst gefertigt wird. Hier arbeiten wir mit sorgfältig ausgewählten Partnern zusammen, die unsere strengen Standards einhalten müssen. Unseren Mitarbeitern begegnen wir mit Wertschätzung und bieten ihnen sowohl langfristige Arbeitsplätze als auch gleiche Chancen – unabhängig von Alter, Geschlecht oder Nationalität. Dabei schätzen wir Charaktere und fördern Vielfalt sowie die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Den ökologischen Fußabdruck will HAKRO so klein wie möglich halten. Unsere Mission ist ein konsequentes und glaubwürdiges Nachhaltigkeitsmanagement. Denn wir wollen zu einem der nachhaltigsten Anbieter in unserer Sparte werden. Dennoch wissen wir, dass sich Nachhaltigkeit nicht per Knopfdruck erreichen lässt, sondern ein dauerhafter, gelegentlich auch anstrengender Prozess ist. In diesem Sinne wollen wir jeden Tag ein bisschen besser werden. Besuchen Sie uns auf: www.hakro.com

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Wie wollen wir leben?

Wir haben viel vor. Immer. Schon jetzt gibt es Pläne für das nächste Jahr. Aber was wäre, wenn es den Knopf für den Neustart gäbe? Zum Jahresende möchten wir von Ihnen wissen, was Sie verändern wollen.

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Stefan H., Leser

Auf zum Horizont

Ich würde gerne mehr aus meinem Leben machen und Neues kennenlernen, unbekannte Wege gehen. Seit es in meinem Umfeld in diesem Winter einige Schicksalsschläge gab, weiß ich, dass man nicht immer darauf setzen kann, erst nach der Rente alle Träume zu verwirklichen. Einen ersten Schritt habe ich deswegen schon einmal gemacht: Ich habe mich in meiner Firma für eine Versetzung ins Ausland beworben. Ich hoffe, es klappt noch in diesem Jahr.

Wladimir Kaminer, Schriftsteller, Leser_In

Leben als Hobby

Ich möchte lernen, langsam zu leben, über jede Kleinigkeit in Ruhe nachdenken können. Ich möchte mein Leben als Freizeitbeschäftigung, als Hobby betrachten. Es wird in der Zukunft sicher dazu kommen, dass jegliche Arbeit von Maschinen erledigt wird. Also müssen wir uns jetzt schon auf ein Leben ohne Arbeit vorbereiten, auf die Suche nach einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung begeben. Angeblich sind wir durch die Arbeit überhaupt Sapiens geworden. Und was nun? Wir, Menschen des Jahres 2017, sind Versuchskaninchen für die Zukunft. An uns wird getestet, wie man dem Menschen die Angst vor dem Nichtstun nimmt. Alle modernen Trends zielen darauf. Die medizinische Forschung, die noch vor Kurzem behauptete, man brauche bloß sechs Stunden Schlaf, hat ihre Meinung geändert. Überall ist nun zu lesen: Je mehr wir schlafen umso gesünder werden wir. Das gleiche geschieht mit dem Essen: Slow Food und selbst kochen sind angesagt. Wir sollen lange frühstücken und langsam kauen. Und nach dem Frühstück Yoga treiben – eine Sportart, die man endlos ausdehnen kann. Beim Meditieren schaut niemand auf die Uhr. Sollten wir doch vor Sonnenuntergang fertig meditiert haben, können wir uns eine Serie anschauen. Serien sind große Mode. Der wesentliche Unterschied zu einem Film besteht darin, dass die Serie nicht so schnell aufhört. Und wenn die 48 Staffeln zu Ende sind, ist das Leben schon fast rum. Kinder, wie die Zeit vergeht.

Léa Linster, Fernsehköchin und Gastronomin, Leser_In

Genuss mit Geduld

Für mich steht der Genuss ganz oben auf der Wunschliste. Denn es gibt nichts Schöneres, als mit Freunden bei einem guten Essen zusammenzusitzen. Wir werden geliebt, wenn wir so bekocht werden. Und erst recht, wenn jemand für uns backt. Zum Glück habe ich das Genießen schon als Kind gelernt. Mein Vater hat mich oft in erstklassige Restaurants in Frankreich mitgenommen. Ich habe es geliebt, alles zu (er)schmecken – und das geht mir heute noch so. Leider haben viele Leute die Freude am Genuss verloren, vielleicht sogar gar nicht erst kennengelernt. Fertigprodukte, Junkfood, schnelles Essen im Gehen auf der Straße, Kaffee im Pappbecher in der U-Bahn: Das alles hat mit genießen nichts zu tun. Und auch nicht mit gutem Leben. Ich denke, der größte Feind des Genusses ist der Überfluss. In heutiger Zeit gibt es immer alles: Erdbeeren im Januar, Walnüsse im Mai, Hummer im Hochsommer. Der Freund des Genusses ist aber das Warten: Warum soll ich unterwegs einen schlechten Espresso trinken, wenn ich eine halbe Stunde später zu Hause einen exzellenten haben kann? Ich sage immer: Man braucht keinen Luxus auf dem Teller, nur Qualität. Nehmen Sie meine Brötchen. Ich liebe es, wenn das Haus danach duftet, wenn sie frisch und knusprig aus dem Backofen kommen. Dazu eine gute Butter und ein bisschen Fleur de Sel – mehr Genuss geht nicht.

Ulrich Reinhardt, Wissenschaftlicher Leiter Siftung für Zukunftsfragen, Leser_In

Wir gestalten

Flexibilisierung, Globalisierung, Digitalisierung, Automatisierung, Medialisierung – fast scheint es so, als wenn derzeit nahezu alles in unserem Leben irgendeiner „sierung“ unterworfen wird. Gleichzeitig verdeutlichen diese Schlagwörter, mit welcher Dynamik sich die Welt verändert. Zweifellos können all diese Entwicklungen einen großen Einfluss auf unser Leben haben. Doch auch wenn sich unsere Welt im Wandel befindet – was sie historisch betrachtet übrigens immer war – sind die Wünsche der Bürger in Bezug auf das Zusammenleben simpel: Gerade in Zeiten einer zunehmenden Komplexität und Schnelligkeit sehnen sich die Bürger nach Sicherheit, Geborgenheit und verlässlichen Bindungen. Entsprechend sehen auch die Wünsche für eine zukünftige Gesellschaftsform aus. Mehr reflektierter, werteorientierter und verständnisvoller Gemeinsinn und eine gelebte Solidarität, sei es in der Familie oder im Freundeskreis, im nachbarschaftlichen Wohnumfeld oder in größeren Raumeinheiten wie einzelnen Stadtteilen oder in ganz Deutschland – und irgendwann hoffentlich auch in Europa und der Welt. Statt also vorschnell Antworten auf die Frage „Wie werden wir in Zukunft leben?“ zu suchen, sollten wir uns zunächst darauf konzentrieren, wie wir in Zukunft leben wollen. Denn ganz gleich welche Möglichkeiten wir haben werden, der Mensch mit seinen Bedürfnissen und Wünschen muss im Mittelpunkt stehen, so dass das Leben auch in Zukunft lebenswert bleibt.

Daniel Roesner, Schauspieler, Leser_In

Wo ich bin, ist Zuhause

Meine Eltern erzählten mir immer von ihren damals zu Campern umgebauten Autos und den daraus resultierenden sehr aufregenden Reisen zu ihren Hippiezeiten. Sie haben immer mit leuchtenden Augen davon gesprochen und diese Begeisterung hat sich voll und ganz auf mich übertragen. So kam auch in mir die Sehnsucht auf, wie eine Art Nomade zu leben. Da das Vagabundenleben perfekt zu meinem Beruf als Schauspieler und zu meinem Leben als Surfer passt, möchte ich die damit verbundenen Freiheiten nie mehr missen. Vor zehn Jahren habe ich mir deshalb einen VW-Bus gekauft und ich lebe sozusagen immer noch oft in diesem Transporter – zumindest im Geiste und an meinen Urlaubstagen am Meer. Einen Monat habe ich sogar mal mitten in Hamburg an der Außenalster darin gewohnt. Diese Zeit gehört zu meinen schönsten Erinnerungen. Ich hatte den besten Blick auf die Alster, jeden Morgen den Sonnenaufgang vor dem Fenster. Und ganz im Gegensatz zu den Villenbesitzern, die eine Reihe hinter mir wohnten, war alles komplett mietfrei. Es war wunderbar. Mein derzeitiger Wohnsitz ist ein Hausboot und es stellt in gewisser Weise ein Upgrade zum Leben im Bus dar. Für mich ist es aber trotzdem eher ein Zwischenstopp auf meiner Reise durchs Leben. Bis heute ist mir der Gedanke, in einem konventionellen Haus oder einer Stadtwohnung zu leben, völlig fremd. Aber wer weiß schon, was das Leben noch so mit sich bringt.

Anya Hoffmann, Innenarchitektin und Schauspielerin, Leser_In

Leben heißt wohnen

Wie gestalte ich mein Zuhause so individuell wie möglich und schaffe dabei eine Atmosphäre, die meinen persönlichen Bedürfnissen entspricht? Zunächst einmal sollte neben Optik immer auch auf Funktionalität geachtet werden. Das schönste Möbelstück nützt nichts, wenn es einfach nur unpraktisch ist und seinen Zweck nicht erfüllt. Auch sollte man sich darauf konzentrieren, was einem wirklich wichtig ist. Da kann dann auch einmal die Entscheidung zugunsten eines den Raum beherrschenden Möbelstücks fallen, etwa einer Couch, eines Esstischs oder eines Betts, wenn es den Lebensgewohnheiten entspricht. Wie setze ich ausgefallene Akzente? Das einfachste und effektivste Mittel, um großartige Wirkung zu erzielen, ist Farbe. Dabei ist manchmal ein wenig Mut gefragt. Einen kleinen Raum in dunkle Töne tauchen, eine Decke nicht einfach nur weiß lassen, eine Lieblingsfarbe wählen, die vielleicht an Urlaub und schöne Stätten erinnert. Dazu seinen ganz eigenen Mix finden – mit Dingen, die einen persönlichen Bezug haben, mit der Lust am Dekorieren und am Setzen immer wieder neuer Akzente. 
Gerade jetzt in der Weihnachtszeit macht das besonders viel Spaß. Dabei kann der ein oder andere Trend – in diesem Jahr sind es zarte und pastellige Töne – veredelt mit Silber oder Gold eine schöne Inspiration für die eigenen kreativen Ideen sein.

Sabine Hafner, Geografin und Stadtentwicklerin, Leser_In

Selbst ist der Bürger

Zentral für ein „Buen Vivir“, für ein gutes Leben, ist ein gemeinschaftliches Miteinander im Einklang mit anderen Menschen und der Natur sowie die Wahrung kultureller Identität – so die Essenz eines Konzepts aus Lateinamerika, das sich vom Wachstumsparadigma abwendet. Auch Deutschland benötigt die Auseinandersetzung mit Buen Vivir – mit neuen Wirtschafts- und Lebensmodellen, die die planetaren Leitplanken berücksichtigen und auf einem solidarischen Zusammenleben beruhen. Ein Wandel zu einer nachhaltigen Gesellschaft kann durch die Beteiligung der Bürger und zivilgesellschaftlicher Initiativen gelingen. Kreative Experimente wie Transition Towns, Fairtrade Towns, Cittàslow, Ernährungsräte, Urban Gardening, Solidarische Landwirtschaft, Repair Cafés, Tauschringe und Mietshaussyndikate zeigen, dass eine Transformation von unten möglich ist. Sie ist von Bürgern selbstorganisiert und basiert auf Solidarität und der Sehnsucht nach Gemeinschaft und sinnstiftenden Handeln in einer kommerzialisierten Welt. Daher heißt es, engagierte Bürger in die Stadtentwicklung einzubeziehen – nicht nur, um ihre Alltagsexpertise bei Planungsprozessen zu nutzen und deren Akzeptanz zu erhöhen, sondern um sie als Experten des Wandels für ein deutsches Buen Vivir sowohl in Großstädten als auch in ländlichen Räumen hinzuzuziehen. Die Politik hat dabei die Aufgabe, förderliche Rahmenbedingungen für die Initiativen zu schaffen, so dass sie gedeihen können.

Wanda Alberts, Professorin für Religionswissenschaft, Leibnitz Universität Hannover, Leser_In

Diskutieren lernen

Angesichts zunehmender religiöser Pluralisierung und damit häufig verbundener Rhetorik von Terror und Radikalisierung stellt sich die Frage nach einer friedlichen Gestaltung des Zusammenlebens von Menschen mit verschiedenen Religionen und Weltanschauungen. Wenn es ein gleichberechtigtes Miteinander geben soll, kann man nicht nur eine Anpassung „der anderen“, die ja durch exkludierende Diskurse erst zu „anderen“ gemacht werden, verlangen. Wenn sich Gesellschaften verändern, müssen auch deren Spielregeln neu verhandelt werden, selbstverständlich auf der Grundlage der Menschen- und Bürgerrechte. Dringender Handlungsbedarf besteht in der Schule. Dort gibt es bisher kaum Raum für gemeinsames Lernen über Religionen und Weltanschauungen – in einem Unterricht, der keine bestimmten religiösen oder weltanschaulichen Positionen bevorzugt, sondern Religionen objektiv, kritisch und pluralistisch darstellt. Das sind die Kriterien, die der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte als Grundanforderung für einen gemeinsamen verpflichtenden Religionskundeunterricht festhält, wie er beispielsweise in den skandinavischen Ländern seit vielen Jahren Standard ist. Das ist zwar kein Allheilmittel für weltanschauliche Konflikte. Ein neutraler Raum, in dem viele mit religiöser Pluralisierung in Verbindung gebrachte Zuschreibungen von den Schülern auf Augenhöhe diskutiert werden können, wäre aber zumindest schon einmal ein Anfang.

Hagen V., Leser_In

Mit mehr Privatsphäre. Die Nachbarn müssen nicht alles von einem wissen.

Florian Sörensen, Leser_In

Ich möchte in einer friedlichen Welt leben und bin der Meinung, dass die Menschen trotz aller Konflikte dass auch irgendwann schaffen.

Johanna Unterkassel, Leser_In

Pure Lebensfreude

Ich als echte kölsche Frohnatur räume natürlich dem Spaß am Leben einen großen Stellenwert ein. Und da ist natürlich der Fastelovend, der Kölner Karneval, die beste Gelegenheit, mit anderen netten Menschen Spaß zu haben und das Leben zu genießen. Das heißt natürlich nicht, dass die reale Welt komplett ausgeblendet wird. Aber Humor ist bei vielen Sorgen und Problemen ein gutes Heilmittel und hilft auch dabei, manches zu verdauen, was zu heiß gekocht wird. Das sieht man dann auch am Rosenmontag auf unseren Motivwagen, wo wir den großen Fragen der Welt mit kölschem Humor begegnen. In diesem Sinne: ein dreifaches Kölle Alaaf!

Klaus Sander, Leser_In

Was wirklich zählt

Wenn ich mir die Frage beantworten soll, wie ich leben möchte, dann versuche ich mir vorzustellen, wie ich als alter Mann auf dem Totenbett liege. Wenn man sein Leben gelebt hat, was ist dann das wirklich Wichtige, auf das man zurückblickt? Welche Errungenschaften machen einen stolz, welche hätte man sich lieber erspart? Ich weiß, dass meine Feststellung letztlich eine Banalität ist, aber auch als solche verdient sie ausgesprochen zu werden: Nicht die Karriere wird zählen, wenn die letzten Wochen oder Tage des Lebens anbrechen, nicht der angehäufte Reichtum, sondern das Wissen, dass man Freunde und Familie hatte, die einen liebten und denen man Liebe schenkte.

Tom K., Leser_In

Eigenes Idyll

Wenn ich mir aus allen Möglichkeiten komplett ohne Zwänge mein Leben zusammenstellen könnte, dann würde das in etwa folgendermaßen aussehen: Ich würde gern auf dem Land leben, in einem eigenen Haus mit meiner Familie. Alle drei Generationen unter einem oder zwei Dächern leben, damit wir uns gegenseitig unterstützen können, wenn man mal eine helfende Hand, ein zweites Paar Augen oder offene Ohren benötigt. Ich würde mich gern überwiegend aus meinem eigenen Garten ernähren, saisonales Obst und Gemüse essen und eigene Kräuter anbauen. Nebendran würde ich gern einen Bauernhof führen, mit einem Hühnerstall, einer Schafherde und ein paar Kühen. Das Haus würde an einem kleinen Fluss stehen, dessen Wucht uns konstant mit dem nötigen Strom versorgt. Gleichzeitig sollte natürlich auch die Anbindung an die Stadt problemlos funktionieren, ohne dass ich auf ein Auto angewiesen bin. Es sollte also möglichst ein Bahnhof in der Nähe sein, der gut zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar ist – oder ein Shuttle-Service mit E-Fahrzeugen. Im Hintergrund möchte ich die Berge sehen, auch das Meer sollte nicht allzu weit entfernt sein. Ich könnte auch auf den Shuttle-Service verzichten. Eigentlich brauche ich gar nicht viel zum Glücklichsein.

Marie Fuchs, Leser_In

In der Summe positiv

Mein Ideal ist ein sorgenfreies Leben. Das es das nur im Märchen gibt, ist aber auch klar. Deswegen versuche ich, Sorgen nicht überzubewerten und Probleme zu lösen. Viele Probleme kann man natürlich nicht auf einen Schlag aus der Welt schaffen. Ich versuche dann, sie in einzelne Teile zu zerlegen, die ich Schritt für Schritt angehe. Man sollte versuchen, jeden Tag so zu gestalten, dass am Ende des Tages die schönen und glücklichen Momente die stressigen und ärgerlichen Situationen vergessen machen. So ist jeder Tag ein bisschen wie im Märchen. Nur im Märchen leben ist wahrscheinlich auch langweilig, so dass kleine Probleme auch das Salz in der Suppe sein können.

Nicola Berter, Leser_In

Eigene Maßstäbe

In einer gerechteren Welt? Was heißt das? Ist es gerechter, wenn es geringere Gehaltsunterschiede gibt oder, im Gegenteil, wenn Leistung höher belohnt wird? Jeder versteht unter Gerechtigkeit etwas anderes. Oder wie es mein Sohn so treffend formulierte: „Hauptsache, es ist für mich gerecht.“

Tobias Sektmann, Leser_In

„Alle als Prinzessinnen in einem Schloss mit Pferden“, sagt meine Tochter.

Jens Persius, Leser_In

Prioritäten leben

Es sind zum einen die klassischen Neujahrsvorsätze, wie ich leben will: mehr Sport treiben und gesünder Essen. Zum anderen will ich aber auch einmal die Woche früher von der Arbeit gehen, um mit genug Energie gemeinsam mit meinem Sohn eine schöne Zeit zu haben und etwas zu unternehmen. Darauf freue ich mich.

Daniel Haberkorn, Geschäftsführer Promedica Plus Franchise GmbH, Leser_In

Freiheiten bewahren

Deutschland wird immer älter. Die Lebenserwartung ist in den vergangenen fünf Jahrzehnten um rund zehn Jahre gestiegen. Dank einer guten medizinischen Versorgung verbringen wir heute so viele Jahre in Gesundheit wie nie zuvor. Bei all den gesellschaftlichen Herausforderungen, vor die uns der demografische Wandel stellt, ist das eine gute Nachricht –und der Wunsch vieler. Denn Gesundheit ist eine wichtige Voraussetzung zum Glücklichsein. Sie macht uns frei und unabhängig. Doch was ist, wenn altersbedingte Beschwerden uns plötzlich einschränken? War es das dann mit dem glücklichen Leben? Ab ins Heim und Schluss – davor fürchten sich viele ältere Menschen. Lieber möchten sie ihren Lebensabend in den eigenen vier Wänden verbringen, wie eine Befragung des Ärztenachrichtendienstes unter deutschen Allgemeinmedizinern ergab. In vielen Fällen klappt das auch. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden bis Ende 2015 rund 73 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause versorgt – knapp die Hälfte davon ausschließlich von Angehörigen. Ein wahrer Kraftakt, mit dem viele überfordert sind. Häusliche Betreuungskräfte könnten für Entlastung sorgen. Doch sind diese aufgrund des Pflegekräftemangels oft schwer zu finden. Die Vermittlung qualifizierter Betreuungskräfte aus Osteuropa bietet hier eine Chance. Sie ermöglicht Senioren, zu Hause alt zu werden – und gibt die Freiheit zurück, die mit der schwindenden Gesundheit verloren zu gehen scheint.

Corinna Wolfien, Leser_In

Auf die Suche gehen

Die Frage ist Segen und Fluch zugleich. Ich bin mir bewusst, was für einen Luxus es bedeutet, mir diese Frage stellen zu können. Oder sagen wir, der Luxus liegt darin, dass ich in ihrer Beantwortung in meiner Lebenssituation ziemlich viel Handlungsspielraum habe. Für mich ist es eine existenziell wichtige Frage und wenn ich weitergehen wollte, würde ich sie als persönliches Menschenrecht ansehen. Wie will ich leben? In dieser Frage steckt schon ein Teil meiner persönlichen Erkenntnis. Für mich ist vor allem entscheidend, wie ich etwas mache. Das „Was“ ist dabei zweitrangig. Wie führe ich Gespräche? Wie gestalte ich Begegnungen? Ich habe mir in den vergangenen zwei Jahren einige Träume erfüllt, weil ich mich intensiv damit auseinandergesetzt habe, wie ich leben will. Diese kurze Frage kann sehr viel Kraft entwickeln. Ich habe mich dafür entschieden, viel zu reisen, und bin momentan einige Monate in Südamerika. Ich bin frei und unabhängig und habe ein sehr stabiles Netzwerk an guten Freunden. Dafür habe ich keine Immobilie und arbeite selbstständig, also nicht in der finanziellen Sicherheit einer Anstellung. Aber ich will genau so leben. Mir diese Frage zu stellen und zu beantworten, heißt, gleichzeitig auf viele andere Dinge zu verzichten, die alternativ im Raum schweben. Und es bedeutet für mich, das zu finden, was zu mir passt. Wünsche sind das eine, aber was nützt es einem Fisch, sein Glück in der Wüste zu suchen?

Heiko Braun, Leser_In

Mehr Verantwortung

Ich habe das Gefühl, dass die Digitalisierung meinen Alltag doch mehr prägt, als ich das wahrhaben möchte. Mich beschleicht immer öfter das Gefühl, dass sich immer mehr Menschen durch die virtuellen Möglichkeiten von ihrem Verantwortungsgefühl lossagen. Vielleicht kommt mir das auch nur so vor, weil ich mit Ansichten konfrontiert werde, die sich zuvor außerhalb meiner „Blase“ abspielten. Sowohl die Inhalte und Meinungen, die „öffentlich“ geschrieben werden, als auch die Vorgehensweisen von manchen Unternehmen erschrecken mich. Wenn man beispielsweise liest, wie viel Überwachung in Smartphones, TV-Geräten und harmlosen Apps steckt, dann muss ich feststellen: Das ist nach meinem Empfinden illegal – und so möchte ich nicht leben (müssen).

Silvia Ruhland, Leser_In

Schätzen lernen

Den Knopf für einen Neustart gibt es – und zwar täglich und für jeden von uns. „Morgen für Morgen kommt man zur Welt“, schrieb Eugène Ionesco. Wie wahr! Wenn wir aufwachen, liegt taufrisch ein neuer Tag vor uns. Darüber können wir uns freuen und den Tag annehmen wie ein kostbares Geschenk. Es ist schließlich nicht selbstverständlich, munter und am Leben zu sein, ein Zuhause und immer genug zu essen zu haben. Manchmal vergesse ich das. Dann jammere ich über den grauen Himmel, die lästigen Pflichten, den Zustand der Welt. Deshalb will ich mir künftig noch vor dem Frühstück eine kurze Pause des Innehaltens gönnen, danke sagen und ein inneres Lächeln anknipsen, bevor ich in den Alltag starte.

Matthias Erich, Leser_In

Zum Wesentlichen

Ich lebe in einem ländlichen Raum und möchte als Imker gerne zusammen mit den mich umgebenden Landwirten Wiesen und Felder wieder als Quelle für Nahrung nutzen. Ich möchte erleben, wie auf den Wiesen wieder Kräuter wachsen und blühen, Kornfelder den Mais ablösen und von Kornblumen durchsetzt sind. Ich möchte erleben, daß die das Jahr über geschlossenen Ställe für unsere Rinder sich öffnen und diese Tiere Gras fressen und Luft genießen können. Ich möchte erleben, daß auf den Milchflaschen nicht mehr „Weidemilch“ draufsteht, ohne daß wirklich komplett Weidemilch drin ist. Ich möchte erleben, daß der Respekt für die Erde wieder darin mündet, daß die Spritzerei der Felder somit der Genozid an vielen Pflanzen und Kleinlebenwesen aufhört und wir frei atmen können in Dankbarkeit für das, was uns Erde und unsere Nutztiere geben: Leben! Letztlich möchte ich erleben, daß unsere Agrarminister als oberste Pfleger und Schützer von Landschaften und ihren Bewohnern dienen und nicht als Bediener der Agrarindustrie funktionieren.

Jens Schumacher, Geschäftsführer JS Lasertechnik GmbH, Leser_In

Nachhaltig wohlfühlen

Nachhaltigkeit spielt bei zukünftiger Wohnraumplanung eine immer wichtigere Rolle. Dabei muss das Rad nicht immer neu erfunden werden. Oftmals ist es besser, wenn Handwerksmeister bestehende Konzepte perfektionieren. Mit modernen Warmluftöfen holen Sie sich das Feuer, die wohl älteste vom Menschen direkt genutzte Wärmequelle, in Ihr Zuhause. Gleichzeitig heizen Sie umweltbewusst mit dem nachwachsenden und CO²-neutralen Brennstoff Holz. Die Bjoern Holzöfen, mit ihrem patentierten Verbrennungssystem, verbinden beim Heizen die ursprüngliche Gemütlichkeit des Feuers mit modernen Erkenntnissen in der Holzverbrennung. Durch gezielte Zuführung der Luft kommt es zu einer nahezu vollständigen Verbrennung, so dass der Ascheanfall auf ein Minimum reduziert werden kann. Auf diesem Weg ist aus jedem Holzscheit das volle Potenzial an Wärmeenergie herausgeholt. Gleichzeitig wird nur so viel CO² beim Abbrand freigesetzt, wie vorher beim Wachsen des Baumes bereits von diesem aufgenommen wurde. Gerade aktuell in der kalten Jahreszeit, wenn man von einem Spaziergang im Schnee nach Hause kommt, ist die von einem Ofenfeuer erzeugte Wärme genau das Richtige, um sich wieder aufzuwärmen. Genießen Sie gemütliche Stunden mit der Familie vor dem knisternden Feuer eines Bjoern Holzofens. Mehr erfahren Sie unter www.bjoern-holzofen.de.

Gerd Eisenbeiß, Leser_In

Ich möchte als homo sapiens unter homines sapientes leben, und wenn das erreicht ist, das Mittelalter beenden, in dem wir immer noch leben.

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