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Was lässt uns träumen?

Traumstrand, Traumhaus, Traumauto oder doch die große Liebe? Träume sind vielfältig und Ausdruck von Wünschen und Sehnsüchten. Erzählen Sie uns Ihre.

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Judith Adlhoch, Filmproduzentin und Fernsehmoderatorin

Kleine Traum-Quickies

Neulich, im Baumarkt, hatte ich wieder so einen Traum-Flash. In der Farbenabteilung. Ein Hauch von Terpentin, ein paar Acryl-Flaschen „Kobaltblau“ und schon bin ich in Mexiko City, in der Casa Azul, dem Haus von Frida Kahlo. Und weil es so schön ist, träume ich mich gleich weiter nach Marrakesch, in den Jardin Majorelle, auch dort dieses sagenhafte Fernweh-Blau. Farben machen das mit mir, genauso wie Gerüche, Licht, Drinks, ein Geschmack im Mund, Musik. All das lässt mich blitzartig abhauen, im Kopf. Das Duftbäumchen „Jasmin“ im Taxi beamt mich auf einen Markt in Tahiti, ein bestimmtes, klares Sonnenlicht am Morgen nach New Mexiko, die Musik von Sigur Rós in die Arktis. Die Körperwärme der Afrikanerin in der U-Bahn schickt mich für eine winzige Weile nach Tansania, das Patschuli-Öl im Vorbeigehen nach Goa und ein Blick in meinen Abfalleimer auf die Müllberge von Maputo. Sogar wenn ich im Stau stehe und mich der KFC-Mann mit seinen Hühnerfetzen anlacht, muss ich an Trotzki denken und Russland und eine schnelle Affäre und Wodka. Wie der Geruch von Sonnencreme Freibadgedanken und Sommer und Urlaubsgefühle auslöst, so funktioniert das bei mir auch mit vielen anderen Kleinigkeiten. Ich liebe diese Reise-Traum-Quickies. Als ich mal zwei Tage in einem Einbaum auf Borneo dahingetrieben bin, habe ich stundenlang in den Himmel geschaut. Ein himmelblauer Himmel mit kleinen weichen Wolken, wie in Bayern, wie zuhause. Ganz traumhaft.

Wolfgang Neisser, Leser

Flüchtiges Glück

Träumen im bewussten Zustand kann nichts anderes sein als Wünsche zu formulieren, die aus einem inneren Begehren einen aktuellen Zustand verändern sollen oder aus einem Mangel notwendig geworden sind. Unsere Gesellschaft kann die meisten Menschen relativ gut versorgen, sodass sie mit ihrem Leben zurechtkommen können. Die meisten Träume, die mit Konsum zu tun haben, sind meines Erachtens obsolet, solange ich mein Leben frei und ohne Not führen kann. Träume werden in der Marktwirtschaft durch Werbung und Marketing künstlich erzeugt, aber die freie Entfaltung des Menschen beinhaltet, dass er sich selbst in die Lage bringen kann, alles zu bekommen, was möglich ist. Diese Träume des Konsums haben immer etwas mit Geld zu tun, weil sich die meisten Menschen Nobelkarossen, Villen oder komfortable Hotels nicht leisten können. Für mein Selbstverständnis existieren keine Träume, allerdings gibt es Wünsche, und diese Wünsche sind immer immateriell. Gesundheit, Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit. Oder auch Solidarität, Kosmopolitismus und Kreolisierung. Die Aufklärung hat uns gezeigt, dass die Menschheit diese Grundsätze dringend braucht und dass, wenn sie endlich erreicht werden würden, viele Träume und Wünsche überflüssig würden. Die Glücksindustrie ist maßgeblich daran beteiligt, dass sich Menschen Träume erfüllen wollen, um glücklich zu sein. Aber das Glück ist flüchtig und in den häufigsten Fällen nicht käuflich.

Alfred Wiater, Vorsitzender Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM)

Hochaktiver Zustand

Der Traumschlaf wird üblicherweise mit dem REM-Schlaf gleichgesetzt. REM steht für „Rapid Eye Movements“ und bedeutet, dass diese Schlafphase durch schnelle unwillkürliche Augenbewegungen gekennzeichnet ist. Wenn man einen Schlafenden in dieser Phase aufweckt, kann er meist darüber berichten, was er gerade geträumt hat. Die hirnelektrische Aktivität im REM-Schlaf gleicht derjenigen des Wachzustands – er ist also ein hochaktiver Zustand. Wir wissen aber, dass wir auch im Nicht-REM-Schlaf träumen. Diese Träume sind jedoch abstrakter, die REM-Schlaf-Träume dagegen sind bunt und szenenreich, manchmal auch von akustischen oder optischen Phänomenen begleitet. Er gilt als die Schlafphase, in der unser Körper wichtige Funktionen überprüft, auch in Bezug auf die Sexualfunktionen. Deshalb erleben wir sexuelle Erregungszustände im REM-Schlaf, die jedoch unabhängig von eventuellen Trauminhalten sind, denn diese stehen häufig in Beziehung zu Tageserlebnissen. Da wir im Schlaf das tagsüber Erlebte in unserem Langzeitgedächtnis abspeichern, können sich diese Erlebnisse im Traum mit zurückliegenden Ereignissen vermischen. Dabei können auch Konstrukte entstehen, die Erlebtes mit Unterbewusstem vermischen und dann zu Trauminhalten werden. Um unsere Hirnkapazität im Schlaf nicht überzustrapazieren, sollten wir darauf achten, unsere Reizeinwirkungen tagsüber zu dosieren – im Hinblick auf den zunehmenden Einfluss digitaler Medien eine gewaltige Herausforderung.

Momo Siebert, Leserin

Am Anfang war ein Traum

In dem Song „Sweet Dreams“ von Eurythmics – übrigens ein grandioser Ohrwurm – heißt es übersetzt: „Hieraus sind süße Träume gemacht. Wer bin ich, dem zu widersprechen? Ich bereise die Welt und die sieben Meere. Jeder ist auf der Suche nach irgendetwas.“ Ich denke, das trifft den sprichwörtlichen Nagel schon ganz gut auf den Kopf. Jeder träumt, weil jeder auf der Suche ist. Nach sich selbst, einem aufregenden Leben, einer besseren Zukunft oder der großen Liebe. Wenn ich als Kind einen schlimmen Alptraum hatte, tröstete meine Mutter mich und sagte: „Träume sind nur Schäume.“ Irgendwie mochte ich ihren Worten nie ganz glauben, auch wenn sie mich nur beruhigen wollte. Denn das würde auch heißen, dass meine Träumereien, meine Ziele und Ideen ebenfalls eines Tages platzen könnten. Träume sind wichtig. Sie geben uns die Basis für das, was wir im Leben wollen. Sie geben eine Richtung und unterstreichen unsere Gedanken, Gefühle und Wünsche. Stellen Sie sich nur einmal die große Rede von Martin Luther King mit den Worten „I have an idea“ vor – irgendwie langweilig oder? Er hatte einen Traum und diesen wollte er unbedingt Realität werden lassen. Dafür hat er gekämpft und das macht unsere Träume so wertvoll: die Vorstellung davon, dass sie eines Tages in Erfüllung gehen können. Wenn wir nur wollen. Zum Schluss heißt es bei Eurythmics ja auch: „Bleibe standhaft, lass dich nicht unterkriegen.“

Ingo Schmidt, Leser

Gruß vom Murmeltier

Jede Nacht der gleiche Traum: Ich stehe auf, fahre zur Arbeit, verschwende dort acht Stunden meiner Zeit, komme nach Hause, verspeise ein fades Essen vor dem TV und gehe erschöpft ins Bett. Dann wache ich schweißgebadet auf. Kurz bin ich erleichtert, stehe dann auf, fahre zur Arbeit, verschwende dort acht Stunden meiner Zeit …

Froonck, Hochzeitsplaner

Romantik pur

Die Hochzeit lässt uns träumen, sie ist ein Nimbus für das immerwährende, allgegenwärtige Glück, das dieser einzige Tag für uns Menschen greifbar machen soll. Sie soll, nein muss so wundervoll, perfekt, makellos werden, wie man – zuvorderst die Braut – sich das schon von klein auf erträumt hat, eben einfach traumhaft. Es soll das große Fest der Liebe, des gemeinsamen unbeschwerten Feierns und des Glückstaumels werden, eben all dessen, was man sich auch für seine Partnerschaft ersehnt. Nicht umsonst ist die Hochzeit als „der schönste Tag im Leben“ bekannt. Einmal möchte man auch wie ein Königspaar im Mittelpunkt stehen, die volle Aufmerksamkeit haben, verwöhnt werden oder gar Hof halten, sorgenfrei in vollen Zügen den endlosen Überfluss genießen. In vielen Kulturen werden deshalb Bräutigam und Braut auch als König und Königin behandelt, ausgestattet, geschmückt und platziert. Nicht zuletzt träumt man davon, dass dieser Bund für immer hält, dass man den einen Partner gefunden hat, der für immer bei einem bleibt, so dass man nie mehr allein durch die Welt irrt. Mit der Traumhochzeit ist diese große Hoffnung und Zuversicht verbunden, die einem Kraft gibt, nach vorne in eine ungewisse Zukunft zu schauen. Mit der Hochzeit bekunden wir, unsere „bessere Hälfte“, unser Gegenstück, unsere Ergänzung gefunden zu haben, und zelebrieren so auch die Einswerdung, der in Mozarts Zauberflöte göttlicher Status zugeschrieben wird.

Josef Engel, Leser

Verlorenes Paradies

Die Sterne am weiten Firmament. Denn die Sterne lügen nicht. Wir Menschen, im Zweifel, in entscheidungsträchtigen Situationen, in uns bedrängenden Gefühlen der Ohnmacht und der inneren Zerrissenheit, mitunter schon. Mich lässt auch der blaue Himmel mit seinen perfekt platzierten filigranen wie wuchtigen Wolkengebilden träumen. Wir Zweibeiner hingegen meinen, wir könnten ihn geflissentlich ignorieren, weil er uns in seinen Ausmaßen und in seinen Strukturen längst bekannt sei. Welch ein Irrtum! Zwar haben wir die Bahnen des Himmels vermessen und uns von ihm auf dieser Basis letztlich ein Bild gemacht. Das Fatale dabei: Aus diesem Planquadrat in Tusche sind alle Träume ausgewandert. Jetzt und auf der Stelle möchte ich ein Dauervisum beantragen für ihr neues Land.

Mogli, Musikerin und Filmemacherin

Folge deinem Traum

Ich bin Musikerin und Filmemacherin, ein absoluter Traumberuf – jedenfalls für mich. Trotzdem gehört auch jede Menge Alltag dazu. Zwischen zwei Touren, wenn gerade weder ein Albumrelease noch ein Kinofilm ansteht, sitze ich eigentlich hauptsächlich am Laptop und beantworte E-Mails, korrigiere Drehbücher, organisiere Konzerte. Im Winter 2016 ist mir das alles zu viel geworden. Ich hatte keine Lust mehr auf das wilde Berlin und Stunden vor dem Computer. Kurzerhand haben mein Freund und ich online einen alten amerikanischen Schulbus gekauft und sind drei Wochen später in die USA geflogen, um ihn selbst zu einem „Loft on Wheels“ umzubauen. Mit dabei meine Gitarre, mein Klavier und Kameras, um alles filmisch festzuhalten. Unsere „Expedition Happiness“, wie wir unser neues Projekt nannten, war geboren – völlig spontan und ohne jegliche Planung. Wir haben Kanada von Ost nach West durchquert und wollten dann südlich auf die Panamerikana, aber dann erschien uns Alaska auf einmal total nah. Faktisch waren es dann 6.000 Kilometer Umweg für einen Kindheitstraum. Es hat sich gelohnt, umgeben von 360 Grad Bergen und weit weg von der Zivilisation habe ich dort meinen Song „Alaska“ geschrieben. Noch immer bekomme ich täglich Nachrichten, dass er Menschen zum Träumen anregt. Auch unser Film hat viele Menschen dazu inspiriert, ihren Reisetraum zu verwirklichen. So konnte ich meinen Traum leben und gleichzeitig etwas davon weitergeben.

Marion J., Leserin

In Gedanken

Das passiert mir häufiger unfreiwillig bei längeren Vorträgen, Dankesreden oder monotonen Aufgaben. Plötzlich merke ich, dass ich die letzten Minuten nur körperlich anwesend war. Besonders peinlich wird es, wenn ich dann noch anfange, stille Selbstgespräche zu führen, die man mir aber offensichtlich an meiner Mimik ansieht.

Maria Kohl, Vorsitzende Kinderträume e.V.

Die Kraft des Möglichen

Das Ziel von Kinderträume e.V. ist es, lebensbedrohlich erkrankten Kindern durch die Erfüllung ihrer sehnlichsten Träume und Wünsche neue Kraft und neuen Lebensmut zu geben. Jeder weiß, welche enorme Kraft der Freude entspringen kann. Doch was diese Kraft für ein Leben bedeutet, das so jung schon massiv bedroht ist, ist unbeschreiblich. Die Diagnose Krebs, die Angst vor dem Tod, Kliniken, Therapien – diese Kinder denken an vieles. Nur die eigenen Träume werden ganz weit nach hinten gestellt. Diese Wünsche wieder hervorzulocken, ist unsere Aufgabe. Bei den Besuchen in den Kinderkliniken sprechen wir mit den Kindern, die zumeist genau wissen, was mit ihnen los ist. Sie entwickeln eine unglaubliche Reife. Doch gerade diese Reife, dieser Ernst und das Verantwortungsgefühl machen die Arbeit für uns oft schwierig. Häufig werden die Kinder von schweren Schuldgefühlen geplagt, weil sie sich dafür verantwortlich fühlen, dass sie ihren Familien so viel Kummer bereiten. Oft dauert es ein wenig, bis ein Kind weiß: „Genau das ist mein Traum!“ Ein Besuch im Disneyland, ein Treffen mit dem Lieblingsstar, ein Besuch auf dem Reiterhof. Und wenn wir dann diesen Traum erfüllen, strahlt das Kind so viel Glück und Freude aus, einfach überwältigend! Denn es geht bei den Wunscherfüllungen nicht um billigen Trost, falsche Hoffnungen oder um schlechte Geschenke. Es geht um das Vertrauen in eine Welt, in der das Unmögliche manchmal doch möglich wird.

Ernst Michael Schwarz, Leser

Stille Sehnsucht

Es sind diese einfachen Momente, Sonne, Ruhe und Erinnerungen, die guten und die nicht so guten. Das Auf und Ab des Lebens. Was bleibt, was ist wichtig und bringt einen weiter? Die große Liebe, Freunde und Erlebnisse – alles fügt sich zu einem Film, bestimmt einen Traum. An einem Sonntag auf einer Parkbank unter der großen Linde sitzen, über den See schauen und die Gedanken treiben lassen. Erst gehen sie zurück, dann immer weiter weg. Eine friedliche Welt liegt vor mir. Ich weiß, die Welt ist nicht so, jedenfalls nicht überall. Aber träumen darf man von der Welt ohne Konflikte, Krieg und Armut. Mir geht es gut, deshalb kann ich träumen, den Sonntag genießen. Das Meer, die Berge wechseln sich in meinen Träumen ab. Da ist kein Platz für Trübsal und schlechte Gedanken. Jetzt an Bord einer Jacht an der Reling stehen, im Arm den Menschen, den ich liebe, und der Sonne entgegenfahren. Im nächsten Moment ist es die Almhütte oben in den Bergen, dort wo mich der Himmel direkt berührt. Wie oft war ich hier, werde ich sie jemals wiedersehen? Langsam stehe ich auf, schaue noch einmal auf den See. Die Sonne steht jetzt ganz oben am blauen Himmel. Am Parkausgang sitzt er, der alte Mann mit seinem Gepäck. Ob er auch Träume hat? Sicher hatte er einmal sehr viele, jetzt nicht mehr. Wie immer setze ich mich für ein paar Minuten zu ihm, er lächelt mich an. Wir reden irgendwas, es hilft ihm und mir.

Gabriele Oettingen, Professorin für Pädagogische Psychologie und Motivation, Universität Hamburg

So werden Träume wahr

Positive Zukunftsträume entstehen aus ungestillten Bedürfnissen. Durstige Probanden fantasieren über sprudelnde Wasserhähne, einsame über gute Freunde. Positive Zukunftsträume rauben aber die Energie zur Wunscherfüllung. Je positiver sie waren, desto weniger Erfolg hatten unsere Probanden, zum Beispiel das ersehnte Gewicht, den Traumjob oder den Traumpartner zu erreichen. Was tun? Auf das positive Zukunftsträumen verzichten? Nein, es gibt dem Handeln die Richtung. Also müssen wir den positiven Zukunftsträumereien die Realität an die Seite stellen, sie mental kontrastieren. Beim mentalen Kontrastieren identifiziert man einen wichtigen und machbaren Wunsch (Wish), spezifiziert und imaginiert das schönste Ergebnis (Outcome), man fragt sich: Wie würde sich die Wunscherfüllung anfühlen? Und nun die Realität: Man identifiziert und imaginiert das innere, widerständige Hindernis (Obstacle) und spezifiziert einen Plan zu dessen Überwindung (Plan). WOOP – Wish, Outcome, Obstacle, Plan – ist eine vierstufige bewusste Imaginationstechnik, die über nicht-bewusste kognitive und motivationale Prozesse hilft, das Leben zu sortieren und Wünsche zu erfüllen. Fünf ungestörte Minuten mit WOOP und der Alltag wird klarer, man erspürt, was man wirklich will und wie man seinen Weg auch gehen kann. WOOP hilft bei kurz- und langfristigen, trivialen und lebensverändernden Wünschen. Es ist ein Freund fürs Leben.

Michael Schredl, Wissenschaftlicher Leiter Schlaflabor, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim

Spiegel des Lebens

Es ist verblüffend, wie unser Gehirn Nacht für Nacht Erlebenswelten entstehen lässt – ohne Input von außen und doch genauso real wie die Welt da draußen. Wenn Personen im Schlaflabor geweckt und nach Träumen befragt werden, ist die Erinnerungsrate sehr hoch: Sie liegt bei über 80 Prozent bei Weckungen aus dem traumintensiven REM-Schlaf und bei circa 50 Prozent bei Weckungen aus anderen Schlafstadien. Da beim Aufwachen der ein oder andere Traum verloren geht, gerade bei Weckungen aus dem Tiefschlaf, ist das eine sehr hohe Ausbeute. Viele Forscher nehmen an, dass die Fähigkeit des Gehirns, subjektives Erleben zu erzeugen, nicht nur im Wachzustand immer vorhanden ist, sondern auch im Schlaf. Das Bewusstsein schläft nicht. Doch von was wird geträumt? Emotional intensive Erlebnisse treten oft nach Jahren noch in den Träumen auf. Ein interessanter Aspekt ist, dass wir wesentlich häufiger von sozialen Interaktionen träumen als von hochgeistigen Dingen wie Arbeiten am Computer oder Lesen von Büchern. Deshalb hat eine finnische Forschergruppe die Hypothese formuliert, dass der Mensch in den Träumen seine Sozialkompetenzen trainiert, um besser überleben zu können – der Urmensch war darauf angewiesen, in einer Sippe zu leben. Auch wenn wir häufig von Themen träumen, die uns beschäftigen, sollte der kreative Aspekt nicht vergessen werden. Wir können im Traum fliegen oder andere Dinge tun, die wir im Wachen noch nie erlebt haben.

Fabian Holzheid, Leser

Kreatives Potenzial

Spannender als die Frage „Was lässt uns träumen?“ finde ich die Frage „Wie können wir träumen?“. Das Klarträumen, auch luzide Träumen genannt, ermöglicht es uns, im Traum bewusst zu erkennen, dass wir gerade träumen. Dadurch ist es dem Träumenden möglich, frei zu entscheiden und den Traum zu steuern. Ende der 1970er-Jahre gelang es dem britischen Psychologen Keith Hearne, dieses Phänomen im Schlaflabor nachzuweisen. Die Herausforderung war, mit einer schlafenden Person tatsächlich zu kommunizieren, während sie noch schlief. Das Klarträumen hat eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten, die seit über 40 Jahren wissenschaftlich untersucht werden. Die Datenbank der nationalen medizinischen Bibliothek der Vereinigten Staaten (Pubmed) listet mittlerweile 95 Veröffentlichungen zur Anfrage „Lucid Dreaming“ auf. Die Fähigkeit, bewusst zu träumen, ist vielseitig einsetzbar. Man kann sehr nachhaltig Albträume bekämpfen oder das kreative Potenzial der Träume nutzen. Besonders Schriftsteller, Maler, Tänzer, Musiker können sehr profitieren. Sportler können schwierige motorische Abläufe in ihren Träumen trainieren und nicht zuletzt kann man sehr viel Spaß in seinen Träumen haben.

Till Heldt, Leser

Der Funke Hoffnung

Wenn ich in Momenten der Krankheit, Trauer, Unsicherheit oder Perspektivlosigkeit meinen Kopf auf die Brust meiner Partnerin lege, ihren ruhigen Herzschlag vernehme, von ihr sanft an Schulter und Kopf gestreichelt werde und dabei ihren gleichsam beruhigenden, liebevollen wie verliebten Blick empfangen darf, dann verspüre ich eine wohltuende Wärme und Geborgenheit, woraus ich neue Hoffnung und Mut schöpfe und dabei von einer Zukunft träume, für die es sich durchzuhalten und zu kämpfen lohnt.

Elsa Fuchs, Leserin

Ich habe einen Traum

Die Vorstellung von einer besseren Welt bringt jeden zum Träumen oder? Man stelle sich vor: Alle Menschen gehen gut miteinander um, man muss keine Angst mehr haben und kann einander Vertrauen. Klingt einfach traumhaft. Also packen wir es an.

Merle Sabrina Klein, Leserin

Kino im Kopf

Ich träume schon mein ganzes Leben viel und sehr intensiv. Manchmal ist der Inhalt dabei kurios und absurd, einige Träume sind wunderschön, andere erschreckend und gruselig. Es ist wie ein buntes Fernsehprogramm: Drama, Liebeskomödie, Horror, Abenteuer, Trickfilm oder auch mal eine Dokumentation. Die intensivsten Träume sind natürlich immer die, aus denen ich mit klopfendem Herzen erwache und noch nicht ganz in die Realität zurückgefunden habe. Ist der mutierte, zweiköpfige Axtmörder noch hinter mir her, frage ich mich dann für einen Moment völlig panisch. Bis mir so langsam dämmert: Gott sei Dank, es war nur ein Traum! Interessant ist auch, wie mich bestimmte Gefühle aus Träumen noch den ganzen Tag verfolgen. Wenn mein Freund mich beispielsweise im Traum mit meiner besten Freundin betrogen hat, bin ich sauer auf ihn – dabei weiß ich genau, dass er gar nichts getan hat und der Betrug nur in meinem Kopf stattfand. Und manchmal, extrem selten, gibt es diesen ganz besonderen Traum, der mich unglaublich beflügelt: der Traum vom Fliegen. Dabei laufe ich erst ein bisschen, werde immer schneller, bis ich renne. Ich strecke die Arme aus, stoße mich kraftvoll vom Boden ab und hebe ab. Immer höher in die Lüfte. Die Erde und alle Sorgen werden immer kleiner. Alles fühlt sich dann so leicht an und ich erwache selig und glücklich. Ich bin schon ganz gespannt, welches Programm mein Kopf heute Nacht für meine Unterhaltung zusammenstellt.

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Wie wohnen die Deutschen?

Egal, ob Hausboot, Penthouse oder Häuschen im Grünen – die eigenen vier Wände sind zum Wohlfühlen da. Schildern Sie uns, wie Sie sich Ihr Zuhause eingerichtet haben.

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Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB)

Wohnen mit Weitsicht

Komfortabel und gut für die Gesundheit, dazu bezahlbar und positiv für die Umwelt. Wenn wir die Wünsche an das eigene Zuhause auflisten, sind wir schnell bei der Idee der Nachhaltigkeit. Denn Nachhaltigkeit im Bauen und Wohnen ist weit mehr als nur Energiesparen. Neben Ökologie und Wirtschaftlichkeit geht es immer auch um die Menschen mit ihren Bedürfnissen. Gebäude, die mit dem Zertifizierungssystem der DGNB geplant und gebaut wurden, haben dies auf vielfältige Weise berücksichtigt. So wurde in zertifizierten Gebäuden so gut es geht auf Schad- und Risikostoffe verzichtet. Sie zeichnen sich zudem durch eine hohe Innenraumluftqualität aus. Ein hoher thermischer Komfort in den kalten wie in den warmen Monaten und ein hoher Tageslichtanteil tragen ebenfalls zum Wohlbefinden der Bewohner bei. Und auch das Sicherheitsempfinden in den eigenen vier Wänden wurde berücksichtigt. Nachhaltigkeit lässt sich auch mit Qualität und Zukunftsfähigkeit übersetzen. Schließlich sind nachhaltige Gebäude so geplant, dass mögliche kostspielige Maßnahmen zur Instandhaltung, Sanierung oder technischen Umrüstung präventiv vermieden werden. Und auch mit Blick auf die Umnutzungsfähigkeit kann man viel richtig machen, etwa über eine flexible Gestaltung der Grundrisse. Relevant wird dies, wenn Nachwuchs kommt oder die Kinder aus dem Haus ziehen. Mit all dem wird nachhaltiges Bauen zum Synonym für ein Wohnen mit Weitsicht.

Klaus Bernhard, Leser

Bauen im Wandel

Mein erstes Haus habe ich in den 1970er-Jahren gebaut und bis heute etwa 500 Wohnungen und Häuser, vor allem in Hessen. In dieser Zeit hat sich einiges geändert. Das Auffälligste ist der Anspruch an die Wohnfläche. Früher waren Wohnungen kleiner und Familien, die darin lebten, größer. Es war keine Seltenheit, dass eine Familie mit drei Kindern in einer 70 bis 80 Quadratmeter großen Wohnung lebte. Heute wird diese Wohnungsgröße gerne als Zweizimmerwohnung angelegt, wie sie hier im Frankfurter Ballungsgebiet besonders gefragt sind. Natürlich hat sich auch die Bautechnik geändert. Heute wird viel rationeller gebaut. Auch die Kosten der einzelnen Gewerke haben sich gewaltig verschoben. Die Kosten für den Rohbau betragen heute nur noch etwa 30 Prozent, früher waren es 50. Dafür haben sich die Kosten für Haustechnik und Heizungen fast verdoppelt. Aber auch die Mode in der Architektur hat sich gewandelt: Während früher Erker und Giebel gefragt waren, wollen heute viele Häuser im Bauhausstil – natürlich nur in der Optik, denn mit der Idee des preiswerten Wohnens haben sie nichts mehr gemein. Auch legen Käufer heute einen großen Wert auf Details wie Wasserhähne, Türgriffe und Fußböden oder Fenster. Die technischen Möglichkeiten zur flexiblen Nutzung der Grundrisse spielen heute nach meiner Erfahrung eine geringe Rolle. Doch ob man ein Haus wirklich baut oder kauft, das entscheidet sicherlich am meisten die aktuelle Zinssituation.

Van Bo Le-Mentzel, Architekt

Leben statt wohnen

Momentan verbraucht jeder Deutsche im Schnitt rund 40 Quadratmeter. Wenn man Witwen fragt, wie sie ihren Lebensabend verbringen wollen, sagen die meisten: ein bis zwei Zimmer mit Balkon im Grünen, aber in der Stadt. Mit jungen Leuten, aber ganz ruhig. Junge Menschen träumen von einem Haus am Stadtrand. Großer Garten für die Kids, aber mit viel Kulturangeboten und guten Kitas in der Nähe. Wir Deutschen sind schizophren. Wohnpsychopathen. In unseren vier Wänden ist Künstliche Intelligenz eingezogen. Die WGs von morgen teile ich mir mit Alexa und Siri. Was kommt danach? Selbstwohnende Apartments? Wo ich Avatare und Klone bezahle, um für mich zu wohnen? Geht raus, Leute! Hört auf, dieses ewige Sitzen vor einem leuchtenden Rechteck Home Office zu nennen. Verschenkt all eure Bücher und trefft euch in Bibliotheken. Freundet euch mit dem Manager des nächsten Supermarkts an und stellt dort eure urbanen Gärten aufs Dach. Stellt Bierbänke auf Pkw-Anhänger in die Straße und deklariert sie als Parklets. Tapeziert eure Lieblings-U-Bahn. Gründet Reisebüros in Flüchtlingsheimen. Gründet offene Werkstätten in Brandenburger Bahnhöfen und installiert Zahnarztpraxen in Schrebergartenhütten. Hört auf, die Kleinen von den Großen zu trennen, die Jungen von den Alten, die Arbeiter von den Urlaubern, die Fußgänger von den Autofahrern, die Ausländer von den Inländern, das Private vom Öffentlichen. Hört auf zu wohnen. Fangt endlich an zu leben.

Gundi Günther, Leserin

Leben im Licht

Unser Traum – lass die Sonne in dein Haus. Vom Hauseingang aus eine Galerie mit direktem Blick in den Garten. Der Wohnraum offen, durch einen umlaufenden Wintergarten mit viel Licht und Sonne in L-Form – wie wir finden, ganz wichtig zur Vitamin-D-Bildung und zur Steigerung der Produktion von Glückshormonen. Zu jeder Jahreszeit ein Frühstück unter freiem Himmel ohne künstliches Licht. Der Garten minimalistisch, einfach nur grün mit Sommerblumen sowie ein kleiner Teich für Frösche und sonstige Naturburschen. In einer Gartenecke ein kleines Refugium, eingerahmt von einer grünen Hecke zum Schutz vor Sommerhitze. Wir leben diesen Traum von Licht, Sonne und Natur.

Onur Hareli, Leser

Die Deutschen wohnen am liebsten in alle Ruhe, ohne Krach und Stress, ohne, dass andere Nachbarn laut sind. Ab 22 Uhr ist Nachtruhe. Und der Sonntag ist für die Deutschen heilig. Dann am liebsten keine Feiern oder Feten.

Peter Maly, Designer und Innenarchitekt

Klare Entscheidung für Design

Sie wissen natürlich, dass dies eine viel zu pauschale Frage ist – denn es gibt viele, sehr unterschiedliche Milieus. Ich pflücke mir daher nur die eine Gruppe von Menschen heraus, die mir als „Zielgruppe“ der Hersteller designorientierter Möbel ein wenig bekannt ist und für die ich als Designer arbeite. Ich kenne sie leider nur sehr anonym. Es sind anspruchsvolle Menschen, die zeitgemäßes Wohnen lieben. Oft sind richtige Designkenner darunter. Eigentlich sind sie meist schon gut eingerichtet und suchen nur dann nach Neuem, wenn ein Umzug in ein neues Zuhause ansteht – ein Haus gebaut wird oder zwei Singles einen gemeinsamen Hausstand gründen. Dann stehen Entscheidungen ins Haus, und anders als in vielen europäischen Ländern entscheidet man sich klar für eine design-orientierte Einrichtung, mit dem unverzichtbaren mindestens 2,5 Meter langen Familientisch, der offenen Küche mit Kochinsel und dem dicken, kuschelweichen Sofa. Das alles ist in ein warmes, harmonisches Farbkonzept gehüllt und mit viel Naturholz ausgestattet. Einige Trendversessene brauchen dann noch etwas Vintage zum Wohnglück. Ich nicht!

Peter Sonntag, Leser

Festhalten

In Berlin war es ja bis vor etwa 15 Jahren Usus, ständig umzuziehen, weil wo anders eine Wohnung zum gleichen oder günstigeren Preis mehr bot. Heute will hier keiner mehr umziehen, weil die Mieten so gestiegen sind und jeder froh ist, wenn er noch einen alten Vertrag hat – auch dann, wenn die Wohnverhältnisse nicht mehr passen.

Janina Kaiser, Leserin

Sie wohnen öfter in Mietwohnungen, als ich es in anderen Ländern erlebte, wo man eher Wohnungen kauft und verkauft.

Gerhard Klotter, Landespolizeipräsident Baden-Württemberg

Gut beraten

Erfreulicherweise ist festzustellen, dass das Sicherheitsbewusstsein in der Bevölkerung steigt. Im Jahr 2017 scheiterte fast jeder zweite Einbruch bereits im Versuchsstadium. Die sicherungstechnischen Beratungen der Kriminalpolizeilichen Beratungsstellen tragen hierzu sicherlich bei. Denn beim Thema Einbruchschutz stehen sinnvoll aufeinander abgestimmte mechanische Sicherungen an erster Stelle. Dadurch kann verhindert werden, dass Einbrecher überhaupt erst in ein Objekt gelangen. Ergänzend hierzu rückt die voranschreitende Vernetzung der Haustechnik zunehmend in den Fokus. Immer mehr Haushalte setzen auch beim Einbruchschutz auf Smart-Home-Anwendungen. Dabei ist es empfehlenswert, die mechanische Sicherungstechnik durch elektronische Komponenten sinnvoll zu ergänzen. Es sollten beim Einsatz von Smart-Home-Anwendungen aber immer die Empfehlungen des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik und der Polizei für ein sicheres, vernetztes Zuhause beachtet werden. Moderne Technologien können nämlich nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Schutz vor Einbruch leisten, sondern im Einzelfall auch das genaue Gegenteil bewirken. Bei unzureichender Sicherung kann das vernetzte Zuhause so schnell zum Einfallstor für Kriminelle werden. Deshalb wenden Sie sich bei Fragen an Ihre Polizei – wir unterstützen Sie gerne. Weitere Informationen zur polizeilichen Empfehlungspraxis finden Sie unter www.k-einbruch.de

Katrin Sorbmann, Leserin

Überraschend anders

Als neugieriger Mensch besuche ich gerne andere Menschen zu Hause und bin jedes Mal überrascht, weil man ihnen häufig nicht ansieht, wie sie wohnen. Da war der Motorradfahrer, der in seiner neu ausgebauten Dachgeschosswohnung mit Whirlpool, Sauna und begehbarem Kleiderschrank für die 14-jährige Tochter lebte. Oder der ehemalige Aktienvorstand, der in die Platte ziehen musste, als seine Firma Pleite ging. Oder die Kulturschaffende, die in der Küche eine Dusche hatte und zur Toilette eine halbe Etage runter ins Treppenhaus gehen musste. Oder der smarte Sunnyboy im Anzug in der Eigentumswohnung, die ein riesiges, dreckiges Chaos war, das ihn aber nicht störte. Oder der Architekt ohne Badezimmertür, weil er sich nicht entscheiden konnte, wie er sie konzipieren sollte. Es macht auf jeden Fall Spaß zu sehen, wie anders Menschen wohnen, als man es auf den ersten Blick gedacht hätte.

Manfred Jost, Präsident Verband Wohneigentum e.V.

Kamin adieu

Welcher Mann liebt es nicht, sich an einem kalten Winterabend vor dem knisternden Feuer seines Kamins zu räkeln, gute Musik in den Ohren, die Ehegattin im Arm und ein Glas Rotwein zur Seite. Perfekt, klischeehafter kann man „sich wohlfühlen“ nicht ausdrücken. Wer Wohnen unter ökologischen Gesichtspunkten betrachtet, ist schnell beim Heizen. Und wie heizen die Deutschen? Eine aktuelle Studie des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hat ermittelt, dass in rund Dreiviertel der Wohnungen Zentralheizungen für Wärme sorgen. Aktuelle Untersuchungen zeigen zudem, dass so gut wie jeder zweite Haushalt mit Gas beheizt wird, gefolgt von etwa 24 Prozent Ölheizungen. Diese fossilen Brennstoffe sind endlich und ihre Verbrennung hinterlässt schädliche Klimagase. Immer noch bilden die erneuerbaren Energien nur eine Randerscheinung, wobei sich mancher durchaus einen Umstieg auf Solar-, Geothermie- oder Wärmepumpenanlagen vorstellen kann. Bereits elf Prozent der Befragten vertrauen auf eine nachhaltige Heizkraft und überlegen, zukünftig in erneuerbare Energieträger zu investieren. Hier muss mehr geschehen. Kaminholz ist nachhaltig. Aber auch ökologisch? CO2-Belastungen und das Thema Feinstaubemissionen sorgen dafür, dass der offene Kamin und der Kaminofen zum Auslaufmodell werden. Verzicht aufs Bärenfell? Bei einem zweiten Glas Rotwein sicherlich zu ertragen.

Frederik Ziegler, Leser

Überall Inspiration

Betrete ich zum ersten Mal die Wohnung von Bekannten, schaue ich mich gespannt um. Wie leben die Leute hier, wie haben sie sich eingerichtet? Raumkompositionen, Farben, Stile und Akzente – worauf legt der Bewohner besonders Wert? Entdeckt man die Dauerbrenner des bekannten schwedischen Möbelherstellers, bestaunt man Designerstücke oder ist man umgeben von Antiquitäten? Teppich oder Parkett? Tapete oder Putz? Es ist jedes Mal eine Reise in eine andere Welt und ich erhasche einen Einblick in die Vorlieben und Geschmäcker der Menschen. Meine Devise dabei: Copy and steal everything! Gefällt mir etwas, übernehme ich es für meine eigenen vier Wände und wandle es so ab, bis es perfekt zu mir passt. Bis meine eigene Wohnung fertig eingerichtet ist und ich zufrieden bin, dauert es sicher noch Jahre. Bis dahin schaue ich mich weiterhin um.

Barbara Hendricks, ehemalige Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit

Mehr Wohnraum für alle

In Deutschland lässt es sich gut leben. Das empfinden vermutlich viele Menschen so. Nur wohnen lässt es sich mancherorts nicht besonders gut. In vielen Städten und Ballungszentren sind die Mieten in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. Das trifft die junge Familie, die eine neue Wohnung sucht, weil die alte für zwei Kinder zu klein geworden ist genauso wie die Großmutter, die in ein barrierefreies Apartment ziehen will. Aber auch viele Migranten haben es trotz Job und festem Einkommen in den Ballungszentren sehr schwer – und Menschen ohne Einkommen ohnehin. Die Antwort auf dieses Problem lautet: mehr Wohnungsbau. Der Bund hat in den vergangenen vier Jahren massiv in den geförderten Wohnraum investiert – allein im vergangenen Jahr waren es 1,5 Milliarden Euro. Ich wünsche mir, dass die neue Bundesregierung das Thema so ernst nimmt, wie es ist. Denn wenn nicht gehandelt wird, werden wir in den Städten eine massive Verdrängung der Menschen mit normalen Einkommen erleben. Und ich wünsche mir, dass wir, die wir eine schöne Wohnung haben, uns nicht gegen neue Baugebiete auflehnen. Mehr Wohnungen brauchen auch Raum in unseren Städten. Den Zusammenhalt fördern, das ist das Gebot der Stunde.

Charlotte Böhm, Leserin

Weniger ist besser

Vor einigen Jahren noch häufte ich mir alles Mögliche an Krimskrams und Plunder an. Meine Wohnung war vollgestopft mit Deko, überall gab es etwas zu bestaunen und jede Wand war mit Bildern tapeziert. Ich fühlte mich wohl in meinen „Räumen der Wünsche“ und stellte mir oft vor, dass meine Wohnung mein Inneres repräsentiert: bunt, vielfältig und ein wenig verrückt. Dann musste ich umziehen und drohte beim Packen in meinem ganzen Zeug zu ersticken. Also fing ich an zu entrümpeln und behielt nur das Nötigste. Sich von all dem sinnlosen Kram zu lösen, fühlte sich so gut an. Ich glaube, dass die Wohnung immer ein Spiegel der Seele ist. Meine neue Bleibe ist nun fast schon minimalistisch eingerichtet. Und ich fühle mich sehr wohl, denn das passt viel besser zu dem geordneten und ruhigen Leben, dass ich jetzt führe.

Michael Wolffsohn, Historiker, Publizist und Erbe der „Gartenstadt Atlantic“

Human und urban wohnen

Häuser spiegeln das Menschen- und Charakterbild der Bauherren, Architekten, Bewohner und sogar der Gesellschaft. Herz- und seelenlos sind nicht nur hierzulande die meisten (groß)städtischen Wohnsiedlungen. Das führt zu Frustration und Aggression, also zu Gewalt. Humanes urbanes Wohnen ist daher nicht nur ein Gebot der Menschlichkeit, sondern zugleich Gewaltverhinderung oder -minderung. Urbanes und humanes Wohnen hat, besonders zwischen 1925 und 1930, die deutsche Reformarchitektur vereint. Ihr Vorläufer war die britische Gartenstadt-Idee. Daher war es auch mein Wunsch, die „Gartenstadt Atlantic“ in Berlin-Gesundbrunnen als zeitgemäßen Variante von Reformarchitektur und Gartenstadt zu sanieren. Sie ist groß, aber nicht erdrückend gigantisch wie die meisten Wohnsilos. Hier gibt es auch ohne Luxus Komfort und Behaglichkeit. Ästhetik und Sauberkeit sind Trumpf. Grün, hell und leise sind die nur Mietern zugänglichen Innenhöfe. Alle Wohnungen haben tagsüber Sonnenlicht. Die Hausverwaltung ist für die Mieter da. Nicht umgekehrt. Bewusst sozial sind die Mieten, auf niedrige Nebenkosten wird geachtet. So entstand allmählich ein Wir-Gefühl zwischen Mietern und Vermietern, was allen zugutekommt. „Sahnehäubchen“ sind die kostenfreien Lernwerkstätten. Das Angebot richtet sich an Kinder, Jugendliche und Senioren. Auch an Nicht-Mieter. Pro Jahr sind es 50.000. So strahlt der Mikrokosmos „Gartenstadt Atlantic“ auf den Makrokosmos der Stadt.

Tobias Schreiner, Leser

Wagenburg oder Villa – die Wohnverhältnisse sind sehr unterschiedlich.

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Das Post-it und Facebook haben es schon geschafft. Schreiben Sie uns, was in Ihren Augen bald auch unserer Welt im Kleinen oder im Großen ein neues Gesicht geben könnte.

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Kurt Saygin, Vorsitzender des Vorstandes Ingenieure ohne Grenzen e.V.

Werte ohne Grenzen

Ich schreibe diese Zeilen aus den Rohingya-Flüchtlingscamps im Süden Bangladeschs, wo ich seit über drei Monaten Trinkwasser aufbereite. Die Lebensbedingungen hier sind trotz vieler internationaler Bemühungen katastrophal. Bei fast einer Million Geflüchteten reden wir über die Versorgung von Städten wie Frankfurt am Main oder Köln, die aus dem Nichts organisiert werden muss – mit Nahrung, Trink- und Abwasser, Müllentsorgung, medizinischer Versorgung et cetera. Das ist logistisch kaum zu schaffen. Wir sollten nicht nur nach neuen Technologien Ausschau halten, wenn wir die Welt verändern wollen. Wir können technisch bereits heute schon eine ganze Menge. Dennoch gibt es Gegenden auf unserem Planeten, die den technologischen Stand Europas von vor mehr als 100 Jahren haben. Nach Flüchtlingsbewegungen oder Naturkatastrophen sieht es oftmals noch schlimmer aus. Eine gerechtere Verteilung in der Welt, faire Handelsbedingungen und Entwicklungschancen für ärmere Länder, weniger Export von Geheimdienst- und Überwachungstechnologie sowie Waffen in Diktaturen würde heute schon die Welt zum Positiven verändern. Wir verurteilen auch Waffenverkäufer in Deutschland, wenn später Menschen zu Schaden kommen. Es mangelt uns nicht an neuen Technologien. Es mangelt uns eher an Empathie, Fairness, Kooperationsbereitschaft, ehrlicher Selbstkritik und Konsequenz, gerade wenn wir uns an unseren eigenen Maßstäben, Werten und Worten messen lassen.

Martina Zitterbart, Professorin für Informatik, Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

Ganzheitlich denken

Dem äußeren Anschein nach sind Sensoren meist kleine harmlose Geräte, die Bedingungen und Vorgänge in ihrem Umfeld messen wie etwa Temperatur, Lautstärke oder die Qualität der Luft. So können wir auf sich verändernde Bedingungen reagieren, indem wir die Heizung aufdrehen oder Schritte für sauberere Luft unternehmen. Mit dem Internet of Everything werden Sensoren immer mehr vernetzt. Die gemessenen Daten können blitzschnell im Internet zusammengeführt und ausgewertet werden. Das ermöglicht es zum Beispiel, unsere Wohnumgebung komfortabler zu gestalten, im Verkehr Zeit zu sparen oder Ressourcen zielgerichteter und damit auch sparsamer einzusetzen. Doch es gibt einen Haken: Indem das Internet of Everything seine Sensoren in all unsere Lebensbereiche einführt, dringt es immer tiefer in unsere Privatsphäre ein. Denn die kleinen Spione in unseren Haushaltsgeräten, Smartphones und Autos sammeln rund um die Uhr Daten. Zum Beispiel den gegenwärtigen Energieverbrauch im Smart Home oder den aktuellen Standort im Smart Traffic. Die Frage, wie unsere Privatsphäre geschützt werden kann, wird also immer drängender. Die Herausforderung liegt deshalb im verantwortungsvollen Design dieser neuen digitalisierten Welt, das informatische, ethische, soziale, regulatorische und ökonomische Aspekte gleichermaßen berücksichtigt.

Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung

Aus meiner Sicht sind es nicht Technologien, die die Welt verändern. Wir verändern die Welt, wir Menschen, mit unseren Vorstellungen und Wünschen davon, wie wir leben und was wir nutzen wollen. Wir kaufen uns ein Smartphone, weil es unser Leben vielfach einfacher macht. Dabei geht es längst nicht mehr um Kommunikation allein. Auch Künstliche Intelligenz wird vom Menschen geschaffen. Daher sind wir es auch, die sagen müssen, wo die Entwicklung hingehen soll. Wissenschaft und Forschung sind dafür der Schlüssel, denn mit ihnen können wir Chancen und Risiken neuer Entwicklungen ausloten, Wissen und Verständnis generieren und so schließlich den richtigen Umgang mit dem bislang Unbekannten erlernen. Letztlich muss der Mensch immer die Kontrolle behalten, auch wenn der Fortschritt in der Zukunft noch schneller stattfinden wird. Nicht nur bei Big Data wird daher die entscheidende Frage sein: Wie können wir wertvolles Wissen schaffen und wie wollen wir es anwenden? Dabei können wir durchaus mit Mut und Zuversicht in die Zukunft blicken. Deutschland hat die Möglichkeiten, die Technologien der Zukunft auch international zu gestalten. Unsere Forschung ist substanziell und am Puls der Zeit. Wir brauchen aber auch ein gesellschaftliches Bewusstsein im Umgang mit der Wissenschaft und ihren Leistungen, das von Offenheit und Toleranz geprägt ist. Und wir brauchen den fruchtbaren Transfer, also die sinnvolle Anwendung des Erforschten und die dafür notwendige Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft.

Bernhard Moser, Leser

Bewusst nutzen

Per se hat keine Technologie die Macht, die Welt zu verändern, es sind immer deren Nutzer. Die entscheidende Frage müsste also lauten: Wie verhelfe ich den Menschen zu einem Bewusstsein, Technologien für eine bessere Welt einzusetzen und nicht zu ihrer Zerstörung. Denn nutzen wir sie auf einem weithin niedrigen Bewusstseinsniveau und lassen uns von Profitmaximierung und Konsumwahn leiten, dann hinterlassen wir unseren Nachfahren einen ausgeplünderten, vermüllten und verwüsteten Planeten, der nur noch wenigen Spezies Raum zum Überleben gibt. Wollen wir jedoch, dass die Technologien zu einer positiven Veränderung der Welt führen, müssten wir bei einem spirituellen Bewusstsein ansetzen, welches global und verantwortungsvoll ist. Dessen Kennzeichen sind ein Denken in vernetzten Zusammenhängen, der schonende Umgang mit natürlichen Ressourcen und die Entwicklung einer globalen Ethik, basierend auf geistigen statt materiellen Werten. Ein neues Bewusstsein wird sich aber nur dann verankern, wenn es auch mit positiven Emotionen gekoppelt ist. Mit Druck und Regeln allein werden wir es nicht schaffen. Kleines Beispiel: Wenn ich beim Bergwandern nebenher Müll aufsammle, dann deswegen, weil mir die Natur leid tut, die von Menschen verschandelt wurde; aber auch, weil ich Freude an einer intakten Natur habe und ein wenig stolz darauf bin, an einer Veränderung mitzuwirken. Meine Technologie ist: Teilhabe, Achtsamkeit und Blick fürs Wesentliche.

Jens Swadtke, Leser

Stille Revolution

Die Lebensmitteltechnologie hat sicherlich die Welt verändert. Allerdings habe ich nur allzu oft den Eindruck, dass man nicht mehr verstehen kann, was man da eigentlich isst. Wenn in der Zutatenliste lauter kryptische Angaben stehen, die man erst nachschlagen müsste, fällt es doch schwer, genussvoll zuzubeißen. Und dann ist auch wieder die Frage, ob denn auch alles in der Zutatenliste angegeben wurde – die Rieselhilfe für den Zucker fällt da bestimmt raus. Und so manche verdeckte Zutat erfährt man erst, wenn man sich aktiv damit beschäftigt, was man vermeiden muss, weil man dagegen allergisch ist oder weil man etwa aus ethischen Gründen auf tierische Produkte verzichten will.

Katrin Weißenfeld, Leserin

Synergien

Ich glaube, dass wir gerade dadurch einen Fortschritt in der Welt erleben, weil wir Methoden unterschiedlicher Disziplinen miteinander verweben und aus diesem Ansatz heraus neue Technologien entwickeln.

Nora Mittmeier, Leserin

Ich bin gespannt, was die Quantencomputer so bringen werden.

Christopher Grundmann, Leser

Die Mensch-Maschine

Ich denke, das nächste große Ding wird die Optimierung von humanoiden Robotern sein. Es ist schon erstaunlich, was Maschinen heutzutage alles können. In Zukunft werden wir sie wahrscheinlich nicht mal mehr von Menschen unterscheiden. Das wird auf jeden Fall die Welt verändern – im Guten oder im Schlechten.

Stefanie Hofmeister, Leserin

Die Maschine übernimmt

Wenn die unzählbaren Daten, die von uns Tag für Tag gesammelt werden, als unbedeutend erscheinende Mosaiksteinchen zu einem allumfassenden Gesamtbild zusammengefügt werden, dann werden es die Algorithmen der Rechenmaschinen sein, die über den individuellen Wert eines Menschen entscheiden. Wir werden angehalten sein, im Sinne der Norm zu funktionieren. Die Menschlichkeit wird dabei zu einer unbedeutenden Nebensächlichkeit.

Nikolaus Rajewsky, Leiter Berlin Institute for Medical Systems Biology (BIMSB), Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)

Neues Kapitel im Buch des Lebens

Menschliche Zellen sind komplex und dynamisch. Um ihre molekulare Zusammensetzung zu bestimmen, bedarf es aufwändiger experimenteller und computerbasierter Verfahren. Inzwischen reicht eine einzige Zelle pro Analyse aus, gleichzeitig können Hunderte solcher Analysen parallel erfolgen. Dadurch können wir so präzise wie nie zuvor beobachten, welche Gene in welcher Zelle eines Gewebes oder eines Organs aktiv sind. Auch neue Zelltypen können wir so entdecken. Besonders aufschlussreich ist diese Methodik zum Beispiel in der Krebsforschung, da sich Zellen innerhalb eines Tumors stark unterscheiden. Einzelzell-Technologien werden unser Wissen über die Entstehung von Krankheiten revolutionieren, wenn wir damit Krankheitsverläufe, also gesunde, kranke und geheilte Gewebe, untersuchen. Solche Forschung erfordert sowohl innovative experimentelle Ansätze als auch neue computerbasierte Methoden, die auf maschinellem Lernen und Künstlicher Intelligenz basieren. Über 60 Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen aus ganz Europa haben zu diesem Zweck das LifeTime-Konsortium gegründet. Angeführt vom BIMSB/MDC und dem Institut Curie in Paris bewirbt sich LifeTime um ein EU-Flaggschiff für eine fächer- und länderübergreifende Erforschung von Krankheitsverläufen auf der Ebene einzelner Zellen. Unser Ziel ist es, neuartige, auf den Patienten zugeschnittene Therapien zu entwickeln.

Bernhard Jung, Professor für Virtuelle Realität und Multimedia, Technische Universität Bergakademie Freiburg

Virtuell wird real

Ob Google, Facebook, Apple oder Microsoft: viele Hightech-Unternehmen investieren derzeit massiv in Virtuelle und Augmentierte Realität. Sichtbares Zeichen dafür ist das wachsende Angebot preisgünstiger Datenbrillen. Etwas im Hintergrund, aber ebenfalls wichtige technologische Treiber sind neue Verfahren zur vereinfachten Erstellung von 3D-Inhalten aus Kamerabildern. Photogrammetrische Verfahren etwa ermöglichen die Erzeugung fotorealistischer 3D-Modelle aus Bildsequenzen, die dasselbe Objekt aus unterschiedlichen Perspektiven zeigen. Die großen Internet-Player zielen auf den Massenmarkt: Facebook und Co. hoffen auf VR als zukünftige Mensch-Maschine-Schnittstelle zu sozialen Netzwerken. AR-Technologien sind heute bereits in Betriebssystemen für Smartphones integriert. Andere Ansätze zielen auf die Arbeitswelt: Sie unterstützen Arbeitsaufgaben, die nicht am PC erledigt werden können, indem zum Beispiel über AR-Brillen relevante Zusatzinformationen eingespielt werden. Neue Anwendungen liegen auch im autonomen Fahren. Heutige Bilderkennungssoftware für autonome Fahrzeuge wird in der Forschung bereits erfolgreich mit gemischtem Bildmaterial von Kameras und fotorealistischen virtuellen Welten trainiert. Für die Zukunft ist vorstellbar, dass Millionen von Autos als rollende 3D-Scanner fungieren. Die von ihnen im Straßenverkehr aufgenommenen Kamerabilder könnten zur Erzeugung fotorealistischer virtueller Welten genutzt werden.

Petra Schweizer-Ries, Leiterin Forschungsgruppe Umweltpsychologie, Universität des Saarlandes

Akzeptanz fördern

Die Energiewende bedeutet eine fundamentale Veränderung unseres Energieversorgungs- und -nutzungssystems und stellt eine der beschlossenen großen gesellschaftlichen Transformationen dar. Dabei geht es nicht nur um die Einführung von Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energien sondern auch um die Verteilung der Energie und die Steuerung des Verbrauchs. Der Veränderungsprozess kann nur gelingen, wenn er von gesellschaftlicher Akzeptanz und Mitwirkung begleitet ist. Mit der Akzeptanz der Nutzung von erneuerbaren Energien und Energiespartechnologien beschäftigt sich die umweltpsychologische Forschung seit einiger Zeit, vor allem bezogen auf Bewusstseinsbildung. Die Forschungsergebnisse auch aus anderen Bereichen zeigen, dass jede technologische Innovation ohne adäquate gesellschaftliche Einbettung nicht erfolgreich sein kann. Als Forschende entwickeln wir standardisierte Methoden, um Akzeptanz messbar zu machen, und erproben Verfahren, die akzeptanzförderlich sind. Als entscheidend hat sich dabei die frühzeitige und kontinuierliche Einbeziehung der Bevölkerung in transparente und faire Planungsverfahren und die gemeinsame Entwicklung und Auswahl von lokal angepassten Optionen erwiesen. Dafür bedarf es auch des Gewinnens der Entscheidungsträger oder in anderen Rollen und Organisationen Involvierte für eine integrierte Energiewende, die zu einem wirklichen Wandel hin zu einer nachhaltigen Energiekultur in der Gesellschaft beitragen kann.

Horst Niederstedt, Leser

Riskantes Experiment

Nach dem jüngsten tödlichen Unfall, bei dem ein selbstfahrendes Auto eine Frau überfahren hat, fragt man sich natürlich, ob diese Technologie der Heilsbringer für den Verkehr ist. Allerdings muss man auch sehen, dass durch von Menschen gesteuerte Autos alleine in Deutschland 2017 über 3.000 Menschen ums Leben kamen. Was für die Maschinen spricht, ist, dass sie nicht müde werden und auch nicht unter Alkoholeinfluss fahren. Sie sollen auch schneller reagieren können als Menschen, müssen aber noch dazulernen. Aber vielleicht wird der Straßenverkehr der Zukunft auch auf ganz andere Fortbewegungsmittel setzen als auf die üblichen Kraftwagen für ein bis fünf Personen.

Karin Reinke-Denker, Leserin

Erst der Anfang

Ich denke die Generation 40 plus wird noch ordentlich Bauklötze staunen, denn wir sind ja erst am Anfang der Digitalisierung und mit den neuen Möglichkeiten von Sensornetzwerken wird der Einsatz grenzenlos. Neue Übertragungstechnologien wie LoRa und NB-IoT – um nur zwei Alternativen zu benennen – eröffnen ein ungeahntes Potenzial in fast allen Bereichen. Smartphones waren nur der Anfang der Wireless-Technologien und ich bin davon überzeugt, dass eine allgegenwärtige Vernetzung von Mensch und Dingen das Ergebnis sein wird.

Mario Ohoven, Bundesverband mittelständische Wirtschaft, Unternehmerverband Deutschlands (BVMW)

Auf dem richtigen Weg

Die Zukunft von Wirtschaft und Arbeit ist digital. Daher sichert nicht Angst vor, sondern Freude auf die Digitalisierung den Erfolg. Deutschland weist die dritthöchste Roboterdichte der Welt auf und hat gleichzeitig 2017 einen neuen Beschäftigungsrekord aufgestellt. Die digitale Transformation bedeutet einen tiefgreifenden und vor allem schnellen Wandel, Stichwort: Industrie 4.0. Neue Automatisierungsansätze setzen auf die Kombination menschlicher und maschineller Stärken. Einen weiteren Meilenstein markiert M2M, der automatisierte Informationsaustausch zwischen Maschinen untereinander oder mit einer zentralen Leitstelle via Internet. Der deutsche Mittelstand geht mit der Zeit: Vier von fünf Mittelständlern haben bereits Digitalisierungsprojekte erfolgreich umgesetzt. Gerade Klein- und Mittelbetrieben bietet die digitale Vernetzung große Potenziale, wie die kostengünstige Produktion mit kleinen Losgrößen. Kundenbeziehungen können durch die Digitalisierung intensiviert werden. Hinzu kommen erhebliche Einsparmöglichkeiten durch modernste Messtechnik und Sensorik. Mittelständler brauchen Beispiele zu ihrer Orientierung, also Unternehmen, die ihnen von den Ressourcen, finanziellen Mitteln und der Betriebsgröße her vergleichbar sind. Wir als BVMW unterstützen sie auf ihrem Weg in die digitale Zukunft im Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Berlin. Dort erfahren die Unternehmer praxisnah, wie sie von der Digitalisierung profitieren können.

Marcel Bauer, Leser

Nachrichten aus der Box

Sprachassistenten sind etwas Innovatives. Sie lesen auf Wunsch anstehende Termine vor, spielen Musik ab und erzählen sogar Witze. Diese Plattformen werden sich in den nächsten Jahren immer weiter entwickeln, neue Kommunikationswege finden und sich besser in Gespräche einbringen. Auch werden sie flüssiger und weniger mechanisch antworten. Dank der Weiterentwicklung der Künstlichen Intelligenz werden sie lernen, unsere Gefühle zu deuten und darauf angemessen zu reagieren. Das ist natürlich noch Zukunftsmusik. Wenn sie aber jetzt schon etwas Unerwartetes tun, etwa mitten in der Nacht grundlos loszulachen, erscheinen sie uns gruselig. Denn hoffentlich lachen sie dabei nicht über uns.

Julian Hosp, Blockchain-Experte

Sichere Kette

So wie das Internet zu einer der großartigsten Erfindungen des 20. Jahrhunderts wurde, so ebnet die Blockchain-Technologie den Weg für den sicheren und nachweisbaren Besitz von Eigentum im 21. Jahrhundert. Wollte man zuvor etwa Geld an eine Person senden, beruhte die Überprüfung der Transaktion auf der Kontrolle einer zentralen Institution – der Bank. Bei der Blockchain übernimmt die gesamte Gemeinschaft diese Aufgabe. Neben klaren Regeln, die jeder einsehen und verfolgen kann, wird großer Wert auf Transparenz, Prüfbarkeit und Privatsphäre gelegt. Die Blockchain ist eine vollständige und unveränderliche Historie aller Transaktionen, die je passiert sind. Sie ist extrem schwer zu hacken, da keine Partei im Besitz des gesamten Eigentums ist, sondern jeder ein Bruchstück, der Teil davon ist, hält. Dieses Vertrauen in die Dezentralisation bietet die Grundlage für dezentrale, digitale Währungen wie dem Bitcoin, der ersten Anwendung auf Basis der Blockchain. Es gibt viele weitere Anwendungen, zum Beispiel Identifikation, Kommunikation und Eigentum, die die Dezentralisierung bevorzugen und daher eine zentrale steuernde Partei loswerden wollen. Um Unstimmigkeiten zu vermeiden, wird sogenanntes Mining als eine Möglichkeit verwendet, um Transaktionen zu überprüfen und zu verifizieren. Die Blockchain-Technologie kann man als zweite Generation des Internets bezeichnen. Sie wird die Währungs- und Geschäftswelt nachhaltig verändern.

Mauricio Esguerra, Leser

Das kabellose induktive Laden insbesondere von E-Fahrzeugen. Damit lässt sich die Reichweitenproblematik lösen: Laden beim Fahren. So lassen sich die Batterien verkleinern und die Fahrzeuge deutlich verbilligen.

Gerd Erdmann, Leser

Beam me up

Ich denke, dass die Weiterentwicklung der Fahrzeuge unsere Zukunft bald sehr verändern wird. Fortbewegen muss sich der Mensch immer, erstrebenswert dabei ist ein sicherer und umweltschonender Transport. Öffentliche Verkehrsmittel sind dabei oft noch viel zu unzuverlässig. Der Stresspegel steigt, wenn man auf dem Weg zur Arbeit im Stau feststeckt, und Rücksichtnahme auf andere Teilnehmer im Straßenverkehr, wie etwa Radfahrer, scheint zumindest in Großstädten noch immer ein großes Problem zu sein. Kein Wunder bei der Vielzahl an Terminen und Deadlines, die wir tagtäglich stemmen müssen. Zeit ist der wahre Faktor, um den sich alles dreht. Wie also bekommen wir die Menschen sicher und schnell von A nach B? Man denkt dabei an Zukunftsvisionen aus Science-Fiction-Filmen: Röhrensysteme scheinen für einen massentauglichen Transport nützlich zu sein. Auch die Ausnutzung des Flugraums in den Städten, könnte eine Lösung für das Problem sein. Und um es jetzt noch etwas absurder zu gestalten: Die einfachste Möglichkeit wäre das Beamen an den gewünschten Ort. Natürlich klingt das alles erst einmal lächerlich, jedoch ist eigentlich nichts unmöglich, wie wir wissen. Fotos auf einem kleinen Apparat zu schießen und diese dann ans andere Ende der Welt zu versenden – daran hätte noch vor 100 Jahren niemand geglaubt. Und wer weiß – vielleicht beamt uns Scotty in einigen Jahren nicht nur zur Arbeit, sondern auch „hoch“. Wohin auch immer.

Svenja Oberbaum, Leserin

Die Fortschritte in der Medizin: Implantationen, Medikamente und Operationen, sodass 120 bis 150 Jahre Lebenserwartung möglich sind.

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