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Wie innovativ ist die Landwirtschaft?

Schon immer haben sich Landwirte ihrer Umwelt und den Bedürfnissen der Menschen angepasst. Erzählen Sie uns, wie die Agrarwirtschaft Tradition mit Innovation verknüpfen und die Welt auch in Zukunft sicher ernähren kann.

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Johannes Werner, Leser

Verzerrte Realität

Ich glaube, dass viele Leute heutzutage absolut keine Ahnung haben, wie ein moderner Landwirt arbeitet. Da kollidieren im Kopf oft romantisch verklärte Vorstellungen von Wohlfühlfarmen à la „Old MacDonald hat ne Farm“ mit den schockierenden Bildern von Massentierhaltung und schlechten Bedingungen. Wie modern die meisten Höfe sind, wie innovativ unsere Bauern arbeiten und wie wichtig die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere für sie ist, weiß kaum jemand. Mein Tipp: einfach mal einen Ausflug aufs Land wagen und sich die Betriebe anschauen. Ich kann mir vorstellen, dass der ein oder andere sehr positiv überrascht wird.

Marion Schmidt, Leserin

Mammutaufgabe


Ich habe gelesen, dass bis zum Jahr 2050 laut UN-Prognosen knapp zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben werden. Aber die Erde hat gar nicht die Kapazitäten, um alle zu ernähren und es gibt bereits jetzt schon enorme Schwierigkeiten mit dem Anbau. Die Landwirtschaft muss also sehr innovativ sein, damit wir in Zukunft nicht alle verhungern.

Petra Blum, Leserin

Ich warte noch auf eine innovative Lösung, damit auf den Feldern in unmittelbarer Umgebung zu unserem Grundstück weniger Pestizide versprüht werden.

Dorothea Brückner, Forschungsstelle für Bienenkunde, Universität Bremen

Hilfe für die Helfer

Die Honigbiene, viele Hummelarten und Hunderte von solitären Wildbienenarten bestäuben die Blütenpflanzen unserer Landschaftsräume und Gärten. Sie sind unersetzbar für die Produktion von Gemüse und Obst, denn technische Lösungen zur Bestäubung von Pflanzen im Freiland stehen in absehbarer Zeit nicht zur Verfügung. Der dramatische Rückgang der Bestäuberarten muss jetzt durch innovative Maßnahmen in der Landwirtschaft beendet werden. Bislang gibt es sie nicht in ausreichendem Maße. Die Zerstörung von Habitaten, der übermäßige Einsatz von Insektiziden und Herbiziden sowie die Überdüngung der Böden muss gestoppt werden, denn sie alle sind ursächlich am beschleunigten Artensterben beteiligt. Nur eine tiefgreifende Änderung im politischen Handeln kann meiner Ansicht nach langfristig helfen, die notwendigen innovativen Veränderungen herbeizuführen. Erhebliche Subventionen müssen für nachhaltige und umweltfreundliche Agrarmethoden bereitgestellt werden. Schutz der Bestäuberarten bedeutet Umstrukturierung der Landschaft von großflächigen labilen Monokulturen zu kleinräumigeren stabileren Strukturen. Das Ergebnis wird ein Gewinn an natürlicher Stabilität der Ökosysteme, die Erhaltung der Bestäuberarten durch Restaurierung und Vergrößerung der Habitate sowie eine gesicherte natürliche Bestäubung sein. Die notwendige innovative Landwirtschaft wird es nur bei ausreichender Förderung geben.

Thomas Palm, Leser

Prügelknabe wider Willen

Das Ansehen der Landwirtschaft in Deutschland hat zuletzt stark gelitten. Wir haben nicht nur Kritiker, sondern auch echte ideologische Feinde. Für diese Gruppen sind wir Luzifer vom Lande. Die Landwirtschaft hat sich in den vergangenen 20 Jahren den Bedürfnissen der Verbraucher, des Handels und der Vermarkter anpassen müssen. Wir Bauernfamilien haben uns spezialisiert, investiert und uns hoch verschuldet. Insoweit sind die landwirtschaftlichen Betriebe innovativ, mutig und zukunftsorientiert. Jetzt aber stehen wir zunehmend in der Kritik wegen unserer „Massentierhaltung“, so das Totschlagargument. Ja, es ist richtig: Wir halten mehr Tiere als früher, weil wir mit moderner Technik und viel persönlichem und finanziellem Aufwand hohe Qualitäts- und Sicherheitsstandards gewährleisten müssen, damit die Tiere vermarktbar sind. Sonst müssten wir die Höfe schließen, wie das viele unserer Berufskollegen schon getan haben. Die Tiere sind unsere Existenz, jeder Bauer liebt seine Tiere. Es ging ihnen objektiv nie so gut wie heute. Gleichzeitig arbeiten wir an neuen Konzepten mit abgedunkelten Ruhebereichen, vielen Spielmöglichkeiten, Aufsitzflächen und Pick-, Scharr- und Sandbadegelegenheiten. Ich wünsche mir, dass die Menschen mehr nachfragen, auch im Restaurant, woher das Fleisch kommt. Dass sie den Kontakt zu den Bauern suchen, sich informieren und die vielfach zertifizierte Nahrungsmittelqualität aus Deutschland schätzen lernen.

Hermann Stecker, Leser

Digitale Tierfütterung ist innovativ: Das heißt Arbeitserleichterung und zu wenig essende, kranke Tiere werden schnell erkannt.

Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft

Innovation fördern

Gegenfrage: Was wäre, wenn sie nicht innovativ wäre? Wenn wir nur ein paar Jahrzehnte zurückschauen, haben wir die Antwort. Nämlich Hunger. Wir fühlen uns heute so sicher mit unserer Ernährung. Das sind wir aber nur, weil unsere Landwirtschaft innovativ ist. Die Stichworte heißen Digitalisierung und Präzisionslandwirtschaft. Im Moment vor allem mit dem Ziel, durch Innovation noch nachhaltiger zu werden. Beispielsweise durch Drohnen, die über Maisfelder fliegen und Schlupfwespen abwerfen, damit sie Schädlinge vernichten. Oder durch Traktoren, die über Geodaten gesteuert zentimetergenau Pflanzenschutzmittel oder Dünger sprühen und so deren Einsatz minimieren. Autonomes Fahren ist in der Landwirtschaft oft schon Realität. Bei der Tierhaltung hilft Digitalisierung, früh zu erkennen, wenn es einem Tier nicht gut geht. Die Daten werden direkt auf den Rechner des Landwirts übertragen. Was noch spannend ist: In der Landwirtschaft heißt Innovation auch „zurück zu den Wurzeln“. Etwa wenn wir alte Sorten wieder entdecken – zum Beispiel Äpfel, die weniger Allergien verursachen, resistenter sind oder besser mit dem Klimawandel fertig werden. Mein Ministerium hat den viertgrößten Forschungsetat in der Bundesregierung, um genau das möglich zu machen. Deshalb sind Digitalisierung und Forschung auch Schwerpunkte meiner Politik. Weil sie die Landwirtschaft nachhaltiger machen und ihr zu mehr Akzeptanz in der Gesellschaft verhelfen.

Klaus Pentzlin, Präsident Bundesverband Lohnunternehmen (BLU)

Neue Arbeitsteilung

Während ein Landwirt zu Beginn des vorherigen Jahrhunderts weniger als fünf Menschen ernährte, sind es heute mehr als 150. Das ist nicht das Ergebnis von mehr Fleiß oder Muskelkraft, sondern von Know-how und Innovation. Wie in allen Bereichen unseres täglichen Lebens – Menschen streben danach, Dinge besser und einfacher zu machen. Dabei geht es oft darum, neue Technologien und nachhaltige Methoden zu nutzen, diese aber nicht zwangsläufig auch zu besitzen. Durch Arbeitsteilung werden auch in der Landwirtschaft Kräfte freigesetzt. Der Landwirt konzentriert sich auf sein Kerngeschäft, etwa die Tierhaltung oder das Betriebsmanagement, und überlässt Arbeiten auf dem Acker mit kapitalintensiven und modernen Maschinen seinem professionellen und fundiert ausgebildeten Dienstleister: dem landwirtschaftlichen Lohnunternehmer. Düngung der Pflanzen nach Bedarf, Pflanzenschutz nur dort, wo es nötig ist, Bodenschonung und so weiter. Die modernen Agrardienstleister ermöglichen auch mittleren und kleinen Betrieben den Zugang zu Lösungen, die die Belange von Natur und Umwelt ökologisch nachhaltig – auch im Sinne von Verbrauchern und Landwirten – berücksichtigen helfen. Smart Farming, Landwirtschaft 4.0 – Digitalisierung ist zum Alltag in den Betrieben geworden und ermöglicht quasi eine „minimal-invasive“ Bewirtschaftung. Auch wenn es widersprüchlich erscheint: Nachhaltigkeit ist keine Frage von Größe und PS, sondern von Intelligenz.

Anna Maria Wesener, Leserin

Nichts als Profit

Ich lebe in einem Dorf, das umgeben ist von großflächiger Agrarwirtschaft. Wir alle, die wir hier leben, bezahlen dafür: unsere Straßen werden von Jahr zu Jahr schlechter. Denn die riesigen landwirtschaftlichen Fahrzeuge fahren über unsere Verbindungsstraßen zwischen den Dörfern, fahren durch die Dörfer und jedes Jahr werden die Löcher in den Straßen größer. Jedes Jahr flickt der Landkreis diese Löcher. Jedes Jahr brechen sie im Frost wieder neu auf. Weiterhin bezahlen wir mit der Beeinträchtigung unseres Wohlbefindens: Im Frühjahr werden Unmengen von Gülle aus der intensiven Tierhaltung auf die Felder gekippt. Über dem Land liegt dann ein schwerer und ekelerregender Ammoniakgeruch. Weiterhin müssen wir ertragen, dass die eintönig mit Mais oder Raps bebauten Felder – wobei es keine wirkliche Fruchtfolge gibt, sondern auch mal drei Jahre hintereinander Mais angebaut wird – vor der Aussaat, kurz nach der Aussaat, irgendwann zwischendrin und kurz vor der Ernte mit Unkrautvernichtern und Insektengiften gespritzt wird. Nachts kann es ihnen, wenn sie bei offenem Fenster schlafen, passieren, dass sie vom scharfen Geruch dieser Gifte wach werden. Daher kann ich hier von einer innovativen Landwirtschaft nur träumen. Ich wünsche mir eine Landwirtschaft, die das Wohlergehen von Mensch, Pflanze und Tier respektiert und ins Zentrum rückt. Was hier passiert, ist geldgetriebene Subventionswirtschaft.

Thomas Bernrieder, Leser

Mut lohnt sich

Als ich mich vor acht Jahren nach vielen Überlegungen dafür entschieden habe, den Familienhof weiterzuführen, war ich von einer Mischung aus Euphorie und Zukunftsangst beherrscht. Jetzt kann ich sagen, dass die Entscheidung genau richtig war. Zukunftsängste gibt es zwar immer noch, denn das Wetter, politische Entscheidungen und ein Weltmarkt, den man nicht beeinflussen kann, lassen einen manchmal verzweifeln. Aber dann überwiegen die Momente, in denen man genau weiß, dass man den schönsten Beruf, den es gibt, für sich gewählt hat. Wenn im Herbst der Frühnebel auf den Feldern liegt und langsam von der Sonne aufgelöst wird, spürt man eine tiefe Verbundenheit zur Natur. Besonders schön ist, dass wir als Familie zusammen leben und arbeiten dürfen. Meine Eltern mit ihrer Erfahrung und inneren Ruhe sind eine wichtige Stütze für mich und meine Frau. Auch bei unseren Veränderungen haben sie, vielleicht auch mit Bauchschmerzen, mitgezogen. Durch die Solaranlage produzieren wir unseren eigenen Strom und der Anbau von Buchweizen macht uns ein Stück weit unabhängiger vom Markt. Und unsere 30 Bienenvölker sorgen für über 800 Kilogramm Honig, der sich sehr gut verkaufen lässt.

Gerd F., Leser

Geiz ist nicht geil


Finger weg von Billigfleisch! Auch um die Angebote bei Supermarktketten zur Grillsaison sollte man einen großen Bogen machen. Schwein, Rind oder Huhn, eingelegt in gezuckerten Soßen, für wenige Euro zu verkaufen, sollte meiner Meinung nach verboten werden. Das macht den Markt kaputt und steht in keinem Verhältnis zu der Arbeit, die die Bauern leisten.


Julia Minck, Leserin

Das richtige Gespür

Eine innovative Landwirtschaft ist für mich eine Landwirtschaft, die Nischen findet und nutzt. Ich persönlich liebe es, auf der „Grünen Woche“ in Berlin zu sein und Neues aus der Landwirtschaft zu entdecken – ob Heilpflanzenanbau, Urlaub auf dem Bauernhof oder besondere Sorten und Tierrassen auf Feld und Hof. Bauern waren immer Innovatoren und je kreativer sie sind, desto besser sind ihre Marktchancen und ihre Wahrnehmung in der Gesellschaft.

Norbert Böhmer, Leser

So innovativ wie die Subventionierung.

Prof. Dr. Uwe Faust, Leser

Landwirtschaft nicht als Klimaschoner verkaufen!

Weder kann das biologische Landwirtschaften den Hunger der Weltbevölkerung stillen noch die konventionelle Landwirtschaft einen positiven Klimabeitrag leisten. Deshalb nicht hieran herumdoktern. Große Flächen auf unserem Planeten können mit heutiger Technologie durch Meerwasserentsalzung, aus Photovoltaik gewonnen, bewalden und mit biologischer Landwirtschaft durchdringen (z.B. ganz Australien, flache Flächen in Nordafrika, Mexiko), damit das Klima positiv beeinflussen, CO2 in Biomasse binden, Biodiversität wieder erhöhen). Unsere gesamten Globalprobleme können aber nur durch eine schrittweise, langsame, nachhaltige Degression der Bevölkerung durch Aufklärung bis auf ca. 1 Mrd Menschen gelöst werden. Dabei kann jeder Mensch im Wohlstand leben.

Joachim Rukwied, Leser_In

Landwirt sucht Netz

Kaum eine Branche muss so sehr auf kurzfristige Entwicklungen reagieren wie die Landwirtschaft. Das Wetter oder Marktschwankungen zwingen zu schnellen, oft unkonventionellen Entscheidungen. Daher ist gerade die Landwirtschaft besonders aufge- schlossen für Innovationen. Zweidrittel der Bauern sagen, dass sie der Di- gitalisierung offen gegenüberstehen. Viele Höfe sind bereits mit digitalem Hightech ausgestattet. So arbeiten sie effizienter und nachhaltiger – und damit ressourcen- und klimaschonender. Digital Farming und Precisi- on Farming sind die Schlagworte, die die moderne Landwirtschaft derzeit beschreiben. Landwirte nutzen GPS- Daten, um mit teilweise selbstfahrenden Landmaschinen Düngemittel präziser auszubringen oder Pflanzen gezielter zu behandeln. Wetter-Apps, Drohnen, Melkroboter und andere Datenmanagementsysteme helfen, Ernteverfahren zu optimieren und die Betriebe auch wirtschaftlich zu stärken. Doch dafür sind die Land- wirte auf schnelle Internetverbindun- gen angewiesen, an denen es häufig in ländlichen Regionen noch immer mangelt. Laut einer repräsentativen Umfrage des Deutschen Bauernverbandes sind 77 Prozent der Landwirte mit ihrem Zugang zum Netz nicht zufrieden. Die Pläne der Bundesre- gierung, bis 2025 flächendeckend ein gigabit-fähiges Netz ausgebaut zu haben, sind zu wenig ambitioniert. Wir verlieren Zeit und vergeben Chancen, unsere Betriebe im internationalen Wettbewerb stark zu machen.

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Wie wird man alt, weise und zufrieden?

Denken wir an unser späteres Leben, hoffen wir wohl alle auf diese Vorzüge. Kann man vielleicht schon heute darauf hinwirken? Teilen Sie mit uns Ihr Geheimrezept für ein glückliches Leben im Alter.

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Mariella Ahrens, Schauspielerin,

Teilhabe ermöglichen

Menschen werden heute immer älter und damit in meinen Augen auch weiser. Denn Weisheit speist sich aus Erfahrungen, die man im Leben gemacht hat. Für die Zufriedenheit im Alter zählt sicherlich, dass man das Leben genossen hat und mit sich im Reinen ist. Aber ältere Menschen haben noch ganz andere Bedürfnisse, um zufrieden zu sein. Wie jeder Mensch brauchen auch sie Aufmerksamkeit, Zuwendung, Kontakte. Ich selbst bin in Bulgarien bei meinen Großeltern aufgewachsen. Dort war es normal, mit mehreren Generationen in einem Haus zu leben. In Deutschland stelle ich oft fest, dass ältere Menschen viel weniger in die Gesellschaft integriert sind. Es hat auch nicht jeder Ältere Kinder, die sich um ihn kümmern können. Diese Menschen leben dann in Seniorenheimen, die oft vom Pflegemangel betroffen sind. Bedürfnisse nach Zwischenmenschlichem und Zuwendung kommen häufig zu kurz. Wir brauchen daher mehr Engagement von Menschen, die helfen – ob in der Nachbarschaft oder im Heim. In unserem Verein zur Unterstützung von pflegebedürftigen älteren Menschen haben wir festgestellt, dass man schon mit ganz einfachen Aktionen dazu beitragen kann, sie an der Gesellschaft teilhaben zu lassen. Man kann Rollstühle auf Ausflügen schieben, Feiern mitorganisieren oder sich gezielt jemanden zuwenden, der keine Besuche erhält. Die Liste ist lang, jeder Baustein zählt für ein zufriedenes Leben und trägt vielleicht auch zur eigenen Weisheit bei.

Greta Silver, Autorin und Influencerin,

Frei von Ballast

Alter fühlt sich prickelnd an wie Brausepulver auf der Zunge – dafür können wir etwas tun. Zum Beispiel sich von alten Verletzungen freizumachen. Viele tragen sie ein Leben lang im Rucksack mit sich herum. Verzeihen ist die Geheimwaffe, um den Schmerz loszuwerden. Verzeihen bedeutet nicht klein beigeben. Die Tat bleibt so kriminell, wie sie war – aber man selbst wird frei. Unser Lebens-Know-how kann uns keiner nehmen. Wir haben gelernt, Schwierigkeiten zu meistern. Das Leben ging weiter, nur anders. Oftmals glücklicher. Mit dieser Erfahrung können wir über Gräben springen und die Grenzen im Kopf einreißen. Weg mit Sätzen aus Kindertagen wie: „Du kannst das nicht.“ Jetzt ist die Zeit, Talente zu leben, Träume zu verwirklichen – das macht unglaublich zufrieden. Sich anzuschauen, was alles Schönes im eigenen Leben passiert, macht dankbar. Die stärkste Erkenntnis ist wohl, dass wir alle Geheimverträge hinter dem Rücken unserer Mitmenschen abgeschlossen haben. Wir machen sie für unser Glück und für unser Unglück verantwortlich. Der Chef, der Partner, die Kinder sollen sich ändern, damit wir selbst glücklich werden können. Ihnen haben wir die Macht übertragen für unser Glück. Aber keiner kommt vorbei und fragt: „Was brauchst du für dein Glück?“ Nein, wir müssen es selber tun, sind selbst verantwortlich. Auch wenn ich das erst schade fand, habe ich begriffen, das ist Freiheit. Selbst das Glück in die Hand zu nehmen ist wunderbar.

Regine Silbermann, Leserin

Zuversicht

Es gilt, rechtzeitig im Spannungsfeld von Freiheit und Gleichheit und einer allumfassenden Liebe zur Welt eine starke und aufgeklärte Haltung zu entwickeln, durch die das Gute in der Welt sichtbar wird. Der Lohn ist die Weiterentwicklung von persönlichen Anlagen und Erkenntnissen im Umgang mit Pluralität, d.h. durch Wahrnehmung und Wertschätzung von Alterität. Die Orientierung am Sinn stiftenden Horizont des Gemeinwohls überwindet die Enge individueller, kultureller und politischer Denk- und Lebenszwänge und schafft Zufriedenheit.

Gerd von Seggern, Ganderkesee, Leser_In

Alt, weise und zufrieden

Alt werden wir von selber €:-) Weise werden wir im Laufe der Reise zum Alter; so ab 50. Und zufrieden werden wir, wenn wir rechtzeitig lernen, anders wahrzunehmen.

Markus Brucke, Leser_In

Mein Weg zum Glück

Wer sehnt sich nicht danach, glücklich und zufrieden zu sein? Je älter wir werden, je mehr Erfahrungen wir im Leben machen, umso mehr wissen wir, was uns wirklich glücklich macht im Leben. Es gibt nicht das eine Glück. Jeder Mensch muss seinen Weg zum Glück finden. Es gibt aber bestimmte Lebensweisheiten, bestimmte Lebenseinstellungen, die jeden Menschen zu seinem eigenen persönlichen Glück führen. Deswegen nehme dir folgende Punkte zu Herzen: sei dankbar, lerne, Nein zu sagen, tue jeden Tag etwas für deine Vision, achte auf deine Gesundheit, nutze das Leben und genieße, lebe nach deinen eigenen Regeln, das Leben ist ein Geben und Nehmen, lebe selbstbewusst, lerne zu lieben und Meditation.

Ariane Duis, Leser_In

Standpunktfrage

Ich halte es mit einem Ausspruch des antiken Philosophen und Stoikers Epiktet: „Weise ist, wer nicht bedauert, was er hat, sondern wer sich an dem freut, was er hat.“ Man kann seine Perspektive sehr leicht umstellen. Es ist wie mit dem berühmten halbleeren oder halbvollen Glas Wasser. Eine objektive Wahrheit gibt es sowieso nicht. Alles ist Standpunktfrage. Mit dieser Weisheit gehe ich gerne durch mein hoffentlich noch lange währendes Leben. Zufriedenheit hängt nicht vom Alter ab, ist nicht an Bedingungen gebunden. Aus dem, was man hat, muss man das Beste machen. Dabei ist es nur hinderlich, sich zu vergleichen. Die Zufriedenheit und das Glück liegen in uns selbst und sind nicht dadurch zu erreichen, dass man nach etwas strebt, was andere haben. Jeder hat seinen Platz, den er ausfüllen muss.

Walter Freudenstein, Leser_In

Höhere Gewalt

Wenn ich meinen alten, oft über 90-jährigen Patienten zuhöre, dann sind sie selbst erstaunt, so alt geworden zu sein. Sie haben kein Rezept oder eine Antwort auf unsere Frage. Maßvoll leben wäre ein Rat – in Nahrung und Alkohol, aber auch in Arbeit und Freizeit; ein weiterer niemals aufzuhören, zu lernen und nach Zielen zu streben, sowie Freundschaften und Beziehungen zu pflegen, was besonders den Männern empfohlen sei. Und den Humor nicht vergessen. Schleichende Krankheiten wie Hypertonus und Fettstoffwechselstörungen sollte man ernst nehmen und präventiv behandeln. Auch zur Krebsfrüherkennung sollte man gehen. Der Rest ist einfach Glück, das lässt sich nicht steuern.

Aiko Hovwart, Leser_In

Jeden Tag annehmen und danken dafür sein, dass wir noch immer die Stunden zählen, in denen wir glücklich sind. Auch das, was vor uns liegt, erwarten können, unsere Gedanken lenken und die Arme immer wieder weit ausbreiten in den Momenten, in denen wir das Leben spüren. Unsere Wünsche an den Tag richten und sehen, dass wir etwas von dem Zauber des Jetzt-noch-da-sein erfahren, erleben und auch teilen, mit oder ohne Zipperlein, mit oder ohne Wehmut, mit oder ohne Kraft, aber immer mit der ganzen Leidenschaft des Wissens um die Endlichkeit.

Diana Weber, Leser_In

Wer den Mut aufbringt, in einer Lebenskrise tief in seine Seele zu blicken und zu akzeptieren, dass das Leben, so wie es gelaufen ist, nicht mehr verändert werden kann, der nimmt sich selbst an. Aus dieser Wandlung erwächst geistige Reife. Sie bewirkt, dass wir unser Denken und Handeln positiv verändern. Glücklich sein mit dem, was ist, sich freuen über das Erreichte im Leben, daraus erwächst Zufriedenheit. Durch Freude, Zufriedenheit und einer guten Portion Liebe zu sich selbst entsteht Schönheit, die nach außen wirkt. Ein Mensch, der diese Wandlung erfahren hat, wird nicht alt, sondern reif und weise.

Heike Sturm-Heinz, Leser_In

Pflege für Körper und Geist

Die Gelassenheit und die Ruhe, die ich jetzt mit meinen 60 Jahren habe, möchte ich nicht missen und freue mich über jeden Tag. Meines Erachtens muss man aber auch etwas im Alter tun, damit man fröhlich und eben gelassen leben kann. Für mich ist das zum einen eine ausgewogene Ernährung und Bewegung. Zum anderen muss man schauen, was dem Körper im Alter alles so fehlt und diese Defizite auffüllen. Denn wenn der Körper vernachlässigt wird, ist es mit dem Altwerden nicht weit her. Entsprechende Eigenliebe und eine positive mentale Grundeinstellung sind gefragt. Köpfchen einsetzen und nicht nur stur und brummig durchs Leben gehen – das ist meine Devise.

Christine Gartelmann, Leser_In

Mich so annehmen, wie ich bin, mit allen Schwächen, sagen zu können, ich liebe mich so, wie ich bin.

Simone Gerwers, Leser_In

Mutig das Jetzt leben, nicht zu viel nach hinten und in die Zukunft schauen.

Heike Helen Elles, Leser_In

Selbst in der Hand

Durch alles hindurchgehen, verstehen, respektieren, mit dem Unvermeidlichen verbünden, ändern, was zu ändern ist, lernen loszulassen, sich lieben und Liebe verschenken, dankbar sein für das, was man hat, was man ist, das Älterwerden akzeptieren, Glaube, Liebe und Hoffnung.

Hille Heine, Leser_In

Annehmen, was war, was ist. Jetzt im Ruhestand genieße ich das Jetzt. Ohne Hektik, friedlich und gelassen.

Karin Ausmeister, Leser_In

Äußerlichkeiten nicht mehr so wichtig nehmen, neugierig und wach bleiben auf das, was im Leben, noch so kommen mag.

Michael Süßmann, Leser_In

Mit einer versöhnten Vergangenheit und einer verheißungsvollen Zukunft, besonders im Alter, können wir in einem erfüllten Heute leben.

Marianne Muno, Leser_In

Positiv eingestellt

Die Zufriedenheit mit sich, jeden Tag neu zu erleben, ist etwas Wunderbares und hat auch auf den Körper eine heilende Wirkung. Gute Gedanken steuern einen in die richtige Richtung, aus der die Kraft für alles Neue kommt, sie lassen uns die Neugierde auf das Leben nicht verlieren. Meine Malerei unterstützt mich sehr dabei. Sie ist eine produktive Art der Meditation. Hier schließt sich der Kreis, der mich nicht am Alter zerbrechen lässt, sondern mich jung hält. Frieden mit mir und dem Universum zaubern Glückssterne in mein Leben.

Ria Schatzschneider, Leser_In

Immer in Bewegung

Indem ich mich mehr und mehr akzeptiere, mich liebe und jeden Tag aufs Neue das Glück suche. Dabei unterstützen mich meine Familie, meine Freunde, mein Arbeitgeber. Ich bin 67 Jahre jung und arbeite mit großer Freude nach wie vor. Mein Sport: Ich tanze leidenschaftlich gerne den Fitness-Tanz Nia und mache Yin-Yoga. Reisen verbunden mit Niatanzen ist mein großes Hobby. Das alles sind manchmal große Herausforderungen für mich, doch ich nehme sie gerne an. Ich bin mir bewusst, dass dies mich in Bewegung hält und glücklich macht.

Elke Schumacher, Leser_In

Jeden Tag so leben, als wäre er der letzte, der es wert gewesen wäre. Negative Erlebnisse weglächeln, positive aufsaugen. Und im Herzen jung bleiben. So hab ich meine 60 Jahre ganz gut über die Runden gebracht. Und sollte ich morgen gehen müssen, könnte ich mit Fug und Recht behaupten, es war geil.

Angela Düffels, Leser_In

Ich stelle mir sehr oft die Frage: Ist das wirklich wichtig für mich, was Fremde über mich denken, ob ich dick oder dünn bin oder worüber sich manche so aufregen? Und in so vielen anderen Situationen auch. Das Befreiende ist, die Antwort lautet meistens: Nein. So habe ich gelernt, die für mich wirklich wichtigen Dinge zu erleben und all den unnötigen Ballast von mir fernzuhalten. Ich lasse jeden so sein, wie er will. Es steht mir nicht zu, über andere zu urteilen. Ich kann mir zum Glück aussuchen, mit welchen Menschen ich mich umgebe. Das ist Freiheit.

Alexandra Brown, Leser_In

Ich bin selbst noch nicht ganz so alt. Doch mein bestes Beispiel ist meine 92-jährige Mutter. Sie hat immer so gelebt, wie sie es für richtig hielt. Humor hilft, aber auch ein bisschen Sturheit. Und ganz wichtig: Sie hat nicht alles geglaubt, was die Ärzte ihr rieten.

Katharina-Henriette Rasp, Leser_In

Sich über das freuen, was man hat. Sich an das Schöne, das man erlebt hat, erinnern. Weniger urteilen, sondern das Pro und Kontra sehen. Und alles Schöne, das man erlebt, genießen.

Anne Ha, Leser_In

Eindrücke sammeln

Solange man es körperlich kann, möglichst viele Reisen unternehmen. Vom Tagesausflug in die Nachbarstadt über die Ferientage am Meer mit den Kindern bis zur Fernreise „damals“ als Studentin. Ich denke, dass man von all diesen Eindrücken später mal zehrt, wenn mal eventuell physische Einschränkungen negativ auf unsere Mobilität wirken sollten. Per Geist kann man sich dann jeder Zeit wieder auf Reisen begeben.

Ingrid Merbt, Leser_In

Sich selbst nicht immer so ernst nehmen, leben, lieben, lachen und genießen.

Talke Annemarie Heinken, Leser_In

Gelassen sein

Früher habe ich mich oft über Probleme aufgeregt. Heute, mit 69, sag ich mir: Wenn es ein Problem gibt, suche ich nach einer Lösung. Finde ich eine, ist es gut. Gibt es mal keine, geht es auch weiter. Keine Panik, wer alt ist, hat ja schon eine Menge geschafft.

Doris Radmer, Leser_In

Innere Kraft

Ich habe mit Kundalini-Yoga, verbunden mit entsprechenden Atemübungen und autogenem Training, begonnen. Durch die Übungen wurde mein Körper mit mehr Sauerstoff versorgt, was mich wieder dazu brachte, mehr über den Menschen, über die Natur und deren Zusammenhänge nachzudenken. Es veranlasste mich dann ebenfalls dazu, Seminarleiter für autogenes Training und Yogalehrerin zu werden. Ich begann, man ganzes Leben umzustellen, mich anders zu ernähren und anders mit meinen Mitmenschen umzugehen – und vor allem auch mit mir. Mein Selbstbewusstsein ist dadurch gewachsen und ich begann, mit allen Konsequenzen die Verantwortung für mich und mein Denken und Tun zu übernehmen. Ich hörte auf, Schuld bei anderen zu suchen und begann, alles in Form von Ursache und Wirkung zu sehen und dadurch eine entsprechende Empathie zu entwickeln.

Ann-Katrin Martiensen, Leser_In

Aha-Erlebnis

Ich habe dank Taryn Brumfitt und ihrem Dokumentarfilm „Embrace – Du bist schön“ meinen durchs Alter veränderten Körper wieder lieben gelernt. Ich habe im voll besetzten Kino Rotz und Wasser geheult. Mir war als Kind eingebläut worden, nur schlanke Menschen sind gute Menschen. Als das Licht wieder anging, war eine jahrzehntelange Last von mir abgefallen. Seitdem ruhe ich in mir selbst – mit meinem wundervollen Mann an meiner Seite, der mir übrigens sagte, ich solle endlich aufhören, mir die Haare zu färben. Und das wirkt sich im Privaten wie auch in meinem Geschäftsleben aus. Ich bin im Frieden mit mir und strahle wieder. Und ich habe mit Spaß und Freude zusammen mit meinem Mann Sport angefangen. 20 Minuten zwei Mal die Woche, das lässt sich wunderbar in den Alltag integrieren. Wir essen ziemlich gesund, lieben das eine Glas Rotwein am Tag und lassen oft auch mal Fünfe grade sein. Ich glaube, so kann man sehr schön alt werden. Weise wird man nur, wenn man viel zuhört, von anderen lernt und seinen Tunnelblick aufgibt. Wir Schwaben werden zwar angeblich schon mit 40 weise, aber ich habe gelernt, dass man sich Weisheit hart erarbeiten muss.

F. Wolfgang Günthert, Leser_In

Viel Kontakt mit Kindern und jungen Menschen. Tägliches geistiges und körperliches Fitnesstraining. Und ehrenamtliches Engagement für andere Menschen.

Thorsten Marschner, Leser_In

Das Leben als Fest

Positives Denken und am sozialen Leben teilnehmen. Mach dein Ding auf freundliche, aber nette Art und Weise. Dazu Sport und Musik. Baue außerdem Ängste ab, wage neue Herausforderungen, glaube an dich und feiere die kleinen großen Dinge.

Claudia Höft, Leser_In

Das Leben als Geschenk dankbar annehmen. Man lebt vorwärts, das Leben versteht man aber oft erst rückwärts. Gerade das Negative hat immer genau zu seiner Zeit auch etwas Positives.

Vera Gerlach, Leser_In

Nie stillstehen

Der Schlüssel für mich ist Neugier – immer hungrig bleiben auf Neues. Dazu Achtsamkeit, Humor und, ganz klar, Dankbarkeit.

Susanne Kraus, Leser_In

Innere Kraft

Neugierig sein und bleiben, Begeisterungsfähigkeit erhalten, seinen Körper annehmen, Lebensfreude. Außerdem viel Kontakt über alle Generationen, Gefühle wie Schuld und Scham integrieren, andere nicht schuldig sprechen, Lust leben. Man sollte sich aus dem kollektiven Bewusstsein über die Altersbilder bewusst lösen und aus dem eigenen Inneren leben, das mit all dem gefüllt ist, was ich gerade beschrieben habe. Sich täglich an der eigenen Nase packen und tun.

Ingrid Staufer, Leser_In

Indem man nicht sagt „hätte ich“, sondern „Ich hab für mich alles richtig gemacht.“

Regina Kutzner, Leser_In

Binsenweisheiten

Man wird alt, weise und zufrieden, wenn man sich gesund mit viel Obst und Gemüse ernährt, nicht raucht, wenig Alkohol trinkt und einem Hobby nachgeht, das einen erfüllt, fordert und soziale Kontakte zum Austausch bietet.

Hartmut Dihm, Leser_In

Zweites Standbein

Neben dem beruflichen Engagement sollte man auch andere Interessen pflegen und sich dabei engagieren, um nicht Gefahr zu laufen, bei Eintritt in den Ruhestand in ein tiefes Loch zu fallen. So kann man dann zufrieden auf sein berufliches Werk zurückblicken und dankbar dafür sein, dass man in Gesundheit das „Leben danach“ genießen und sinnvoll gestalten kann. Sich weiter in einem Ehrenamt neuen Herausforderungen zu stellen, womöglich auch dabei ein positives Feedback zu bekommen und sich damit geistig und körperlich fit zu halten, ist wichtig. Ob man so auch weise wird, vermag ich nicht zu sagen. Im Glücksfall wird man dabei zumindest ein bisschen weise.

Hein B, Leser_In

Neugierig und fröhlich bleiben und alles nicht zu ernst nehmen. Am wenigsten sich selbst. Konsequent durchgehalten kommt automatisch ein Quäntchen Weisheit dazu. Damit bin ich mittlerweile 84 geworden und hoffe auf mehr.

Marlene Mueller,

Frage der Haltung

Alt zu werden hängt von der Konstitution ab – und die kann mit gezielter Ernährung und Bewegung gestützt werden. Wegen des psychosomatischen Zusammenhangs wirkt sich aber auch Stress auf Gesundheit und Wohlbefinden aus. Stress hat keine eindeutigen Auslöser. Seine Wirkung hängt davon ab, wie wir bewerten, was wir erleben. Auch ob wir weise werden, hängt damit zusammen, wie wir das Leben verarbeiten. Schwarz-weiß-Denken erzeugt Feinde und damit latente Bedrohung. Hinzuschauen, wie die Dinge tatsächlich zusammenhängen, bringt einen dagegen weiter. Denn so sehr es als Entlastung erscheinen mag, die Urheber unseres Ungemachs zu identifizieren, so unzutreffend ist diese Zuschreibung meist. Wir konstruieren dafür eine Geschichte, die das Geschehen so anordnet, dass wir klar zwischen Gut und Böse unterscheiden können. Konfrontation mit den Tatsachen und Auseinandersetzung mit deren innerer Wahrheit kann zu Weisheit führen. Sie ist aber weniger ein endgültiger Zustand als eine Haltung, die nur annäherungsweise zu erreichen ist, und verlangt Aufmerksamkeit, Anstrengung, Wachbleiben. Zufrieden werde ich, wenn ich mich an dieser Maxime ausrichten kann. Mein Zustand ist dann weniger von äußeren Ereignissen abhängig als davon, wie ich mit ihnen umgehe.

Wilhelm Schuldt,

Jedermanns Sache?

1 . Alt wird man nur, wenn man spät stirbt. Stirbt man aber spät, kann es sehr weh tun. Nicht jedermanns Sache! 2. Weise wird man nur, wenn man bezweifelt, dass man es ist. Zweifelt man nicht daran, bekommt man zu spüren, dass man irrt. Nicht jedermanns Sache! 3. Zufrieden wird man nur, wenn man es sein will. Ist man es trotzdem nicht, fehlt es an Bescheidenheit. Eigentlich jedermanns Sache!

Nina Ruge, Moderatorin und Buchautorin,

„Stirb und werde“

Ja, hab ich’s? Wie halte ich es mit dem größten kollektiven Tabu? Will ich wahrhaben, dass das Leben eine ballistische Kurve ist und ab 30 der Verfall beginnt? Goethe weist uns den Weg aus der Altersdepression: „Und so lang du das nicht hast, dieses: Stirb und werde! Bist du nur ein trüber Gast auf der dunklen Erde.“ Sag ja zum Sinkflug und zum beginnenden körperlichen Verfall. Willige ein in das, was ist: Wer lebt, vergeht. Dann wird aus dem „trüben Gast“ ein durch und durch heiterer auf dieser Erde. Denn Heiterkeit ist das Wesen des Weisen. Und Weisheit korreliert mit Lebenserfahrung. Doch das Tabu regiert. Im Jahr 2018 werden noch immer in vielen Berufen Menschen ab 60 zwangsaussortiert. Älterwerden als Malus. Doch das wird sich drehen. Älterwerden als Chance, das untrügliche Gespür für das Wesentliche zu entwickeln, Wegweiser zu sein im Irrgarten unserer Zeit – geprägt von Unbeständigkeit, Unsicherheit, Komplexität und Widersprüchlichkeit. Älterwerden als Chance, aus dem Dschungel der Möglichkeiten kompromisslos das auszufiltern, was sinnvoll und damit lebenswert ist: die Kunst, zu lieben und Beziehung zu entwickeln, die Entschiedenheit, die Welt ein wenig besser zu machen, jenseits vom Ego. Ein gut angewendetes Leben ist lang und hat noch dazu einen besonders heiteren Effekt: Downaging. Dein Geburtsjahr, die Zahl verschwimmt. Im sinnvollen Tun verflacht die ballistische Kurve. „60 ist das neue 40.“ Wie viele fühlen so, wie viele sind so.

Daniela S. Jopp, Professorin für Psychologie, Universität Lausanne und Mitglied Nationaler Forschungsschwerpunkt NCCR LIVES, Schweiz,

Natürliche Vorbilder

Von den Hundertjährigen können wir Jüngeren viel lernen, damit das Leben nicht nur lang, sondern auch lebenswert und zufriedenstellend ist. Folgen wir ihrem Vorbild, dann sollten wir uns gut um unseren Körper kümmern, unseren Geist bilden, unsere sozialen Beziehungen pflegen und unsere Psyche stärken. Unabhängig davon, ob sie in Heidelberg oder New York leben, sie berichten, dass für sie gesunde Ernährung, viel Bewegung und wenig Alkohol, lebenslange Bildung sowie eine gute soziale Einbindung immer wichtig waren. Eine zentrale Rolle spielen aber auch spezielle psychologische Stärken, die helfen, resilient zu sein und die Aufs und Abs des Lebens zu bewältigen. Hierzu gehören beispielsweise Selbstwirksamkeit, Optimismus und Lebenssinn. Man sollte sich in der Lage fühlen, die Dinge zu tun, die einem wichtig sind und sich für seine Leidenschaften engagieren. Dabei hilft ein positive Grundeinstellung zu den Dingen. Das sprichwörtliche Glas sollte eher als halb voll statt als halb leer gesehen werden. Hundertjährige sind oft auch von einer heiteren Gelassenheit getragen, vor allem bezüglich der Dinge, die sie nicht ändern können. Manchen hilft dabei ihr Glaube, anderen Musik oder die Natur. Solche positiven Einstellungen und Bewältigungsstrategien lassen sich trainieren. Da voraussichtlich jedes zweite nach dem Jahr 2000 geborene Kind seinen 100. Geburtstag erreichen wird, würden bereits die Kleinsten davon profitieren, dies zu lernen.

Sophie Rosentreter, Schauspielerin,

Aufeinander bezogen

Die Lebenserwartung steigt, mit ihr aber auch die Zahl demenziell veränderter Menschen. Denn die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung wächst mit höherem Alter. Derzeit sind in Deutschland offiziell etwa 1,8 Millionen Menschen betroffen, 700 Diagnosen kommen pro Tag hinzu – ohne Dunkelziffer. Der Begriff „Demenz“ bedeutet übersetzt „abnehmender Geist“. Eine schwierige Beschreibung, denn obwohl die kognitiven Fähigkeiten schwinden, bleiben doch die seelischen Fähigkeiten erhalten. Für viele zählt der Verstand als wichtigste Größe, für mich gehört die Fähigkeit, mit Menschen Gefühle auszutauschen, auch zum Geist, zur Weisheit. Demenziell veränderte Menschen erreichen wir sehr gut über gemeinsames Lachen oder auch über Lieder. Sie merken sofort, ob wir mit unserer Wahrnehmung bei ihnen sind. Für die Angehörigen ist das wie eine Schulung im Jetztsein. Wer demenziell veränderte Menschen betreut, sollte diese Beziehungsebene stärken. So lernen wir auch für andere Situationen, schöne Begegnungen zu genießen. Wir werden zufriedener, öffnen unsere Herzen. Gleichzeitig rate ich jedem Pflegenden, Hilfe anzunehmen. Das ist keine Schwäche, sondern eine Stärke. Meine eigene Mutter tat dies nicht und ist an der Pflege meiner Großmutter zerbrochen. Wenn wir selbst alt werden wollen, müssen wir auch auf uns achten. Wir dürfen nicht vor schwierigen Situationen davonlaufen, sondern sollten uns dabei helfen lassen, sie in unser Leben zu integrieren.

Ute Kunzmann, Professorin für Entwicklungspsychologie, Universität Leipzig,

Ungleich fordernd

Das Alter ist der Lebensabschnitt, in dem die meisten Menschen am zufriedensten mit ihrem Leben sind. Dies erscheint erstaunlich, ist doch das Alter mit einer Zunahme an Verlusten in vielen Lebensbereichen verbunden. Lebenszufriedenheit hat jedoch wenig mit den objektiven Umständen zu tun, sondern vielmehr damit, wie gut wir uns an diese anpassen und dem Leben so, wie es verläuft, immer wieder positive Seiten abgewinnen können. Dies fällt älteren Menschen meist leichter als jungen. Denn der langjährige Umgang mit den Höhen und Tiefen des Lebens hinterlässt die Erkenntnis, dass das Leben nicht perfekt sein muss, um mit ihm zufrieden zu sein. Mit der Weisheit sieht es anders aus. Die meisten Menschen werden im Alter nicht weiser, zumindest dann nicht, wenn Weisheit als ein differenziertes Wissen über die Komplexität tiefgreifender Probleme der Lebensdeutung und Lebensführung verstanden wird. Der Erwerb eines solchen „Weisheitswissens“ bedarf gerade nicht nur der Anpassung an die Gegebenheiten, sondern deren Hinterfragung und Transzendenz, und hat nicht das persönliche Glück, sondern das gemeinsame Gute im Blick. Um dieses Wissen zu erwerben, bedarf es Fähigkeiten, die nicht alle altersfreundlich sind wie Offenheit für neue Erfahrung und Toleranz für unangenehme Wahrheiten. Weisheit und Lebenszufriedenheit sind also nicht kompatibel. Die meisten Menschen werden mit zunehmendem Alter zwar lebenszufriedener, jedoch nicht weiser.

Christoph Hahn,

Soziales (Ge-)Wissen

Lassen Sie mich einem falschen Klischee starten: Lesen macht schlau. Ich kann mir mit der „Kritik der reinen Vernunft“ die Kante geben oder einen schillernden Lesegenuss mit den „Räubern“ oder der „Ästhetischen Erziehung des Menschen“ verleben, schlau oder gar weise macht mich das nicht. Weisheit entsteht immer erst aus der Erfahrung heraus. Überprüfe ich Immanuel Kants oder Friedrich Schillers Lehren im Alltag, kann daraus also ein Mehrwert erwachsen. Stelle ich etwa fest, dass ich mich erst im Spiel ganz als Mensch fühle oder dass ich ein zufriedeneres Leben führe, wenn ich andere so behandle, wie ich von ihnen behandelt werden will, hat sich das Lesen gelohnt. Wissen kann viel. Nicht zuletzt sorgt es dafür, dass wir uns als Menschheit weiterentwickeln – technisch, gesellschaftlich, aber auch sozial. Leider oft in der genannten Reihenfolge. Dabei macht mich mein Handy auf Dauer sicher nicht so glücklich wie mein Partner oder mein Haustier. Soziale Interaktion ist ein Quell unendlicher Zufriedenheit. Wenn ich all mein Wissen auch nur einmal am Tag nutze, um zu hinterfragen, wie ich ein sozialeres Wesen werde, ist viel gewonnen. Der freundschaftliche Umgang miteinander stärkt Beziehungen, die einen auch im hohen Alter Glück schenken. Um diese wertschätzen bedarf zu können, bedarf es aber auch immer eines offenen Geistes. Es muss ja nicht gleich die gepflegte Kant-Lektüre sein.

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Welcher Trend bleibt?

Die Schlaghose der Hippies war damals der letzte Schrei, heute trägt Mann Bart, wenn er hip sein möchte. Trends kommen und gehen. Schreiben Sie uns, was für Sie einen Trend zum Dauerbrenner macht.

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Jil Sander, Modedesignerin

Individualität trifft Zeitgeist

Wenn man einen Trend als unwiderstehliche Tendenz versteht, dann ist in der saisonalen Mode noch kein Trend geblieben. Aber in einer historisch weiter gefassten Perspektive sind kontinuierliche Großtrends festzustellen, weg von einengender, komplizierter Kleidung und von gesellschaftlicher Klassen- und Geschlechterdistinktion. Ob es auch einen Trend weg vom Ornamentalen gibt, muss man gerade wieder sehr infrage stellen. Die zeitübergreifenden Trends spiegeln die Emanzipation des Individuums in der Demokratie, den technischen Fortschritt und die industrielle Massenproduktion wider. Ich persönlich war immer der Ansicht, dass all diese Entwicklungen uns die Chance für eine moderne Schönheit eröffnen, die auf starke Statements im Sinne modischer Exzentrik gut verzichten kann. Mode war lange auch eine Ersatzhandlung - vor allem für Frauen, die ihren eigenen Weg noch nicht gehen durften. Doch in einer Zeit, die der individuellen Selbstverwirklichung weniger Hindernisse entgegenstellt, nimmt auch das Bedürfnis ab, durch laute Modeakzente Aufmerksamkeit zu erzwingen. Deshalb habe ich Kleidung entworfen, die ihre Trägerin und ihren Träger durch Qualität, Komfort, innovative Materialien, dynamische Eleganz und Understatement bei ihren Aufgaben unterstützt. Was eine Kollektion von der anderen unterschied, war weniger ein Trend als die subtile Handschrift des Zeitgeistes.

Friederike Müller-Friemauth, Professorin für Innovationsmanagement,

Trends bleiben nie...

... sonst wären sie keine. Sie präsentieren Veränderungen, in der Wirtschaft meist als optisch hochgetunte, hip gelabelte Gedanken- und Datenfetzen zu Entwicklungen unklarer Geltung. Sie sollen orientieren, Zeit und Denken sparen, ein Gespür vermitteln für Phänomene, die anders sind als das Bekannte. In Deutschland dominiert diese US-amerikanische Business-Denkweise praktisch den gesamten Zukunftsdiskurs. Trends sind Splitter kybernetischen Denkens: auf Verwertbarkeit getrimmte Information. Die Wirtschaft liebt es. Wissenschaftliche Zukunftsforschung, die „Evaluation of Newness“, existiert hierzulande nicht. Wäre das anders, würden Phänomene von Dauer genauso diskutiert wie volatile. Was also bleibt? Soziokulturelle Evolutionen wie Wertewandel, Lernkurven aus Unfällen, auch technologische Basisinnovationen. Und Wechsel der Weltanschauung. Kopernikus heliozentrisches Weltbild war kein Megatrend, sondern Basis eines neuen Selbstverständnisses. Das aktuelle Akronym der „VUCA-Welt“ kündigt die nächste Stufe an: eine Welt, die unumkehrbar instabiler wird, schwankend, dynamisch, komplex, ungewiss, mehrdeutig. Fürs Erste bleibt davon nur, dass die keiner will. Dagegen geht die Wissenschaft in Science-Märschen auf die Straße und die Politik baut auf Mauern anstatt auf Komplexitätsbewältigung. Das verzweifelte Aufbäumen des Westens gegen den explodierenden Strukturreichtum unserer Weltwahrnehmung ist kein Trend, sondern – Angst.

Jil Sander, Modedesignerin

Individualität trifft Zeitgeist

Wenn man einen Trend als unwiderstehliche Tendenz versteht, dann ist in der saisonalen Mode noch kein Trend geblieben. Aber in einer historisch weiter gefassten Perspektive sind kontinuierliche Großtrends festzustellen, weg von einengender, komplizierter Kleidung und von gesellschaftlicher Klassen- und Geschlechterdistinktion. Ob es auch einen Trend weg vom Ornamentalen gibt, muss man gerade wieder sehr infrage stellen. Die zeitübergreifenden Trends spiegeln die Emanzipation des Individuums in der Demokratie, den technischen Fortschritt und die industrielle Massenproduktion wider. Ich persönlich war immer der Ansicht, dass all diese Entwicklungen uns die Chance für eine moderne Schönheit eröffnen, die auf starke Statements im Sinne modischer Exzentrik gut verzichten kann. Mode war lange auch eine Ersatzhandlung – vor allem für Frauen, die ihren eigenen Weg noch nicht gehen durften. Doch in einer Zeit, die der individuellen Selbstverwirklichung weniger Hindernisse entgegenstellt, nimmt auch das Bedürfnis ab, durch laute Modeakzente Aufmerksamkeit zu erzwingen. Deshalb habe ich Kleidung entworfen, die ihre Trägerin und ihren Träger durch Qualität, Komfort, innovative Materialien, dynamische Eleganz und Understatement bei ihren Aufgaben unterstützt. Was eine Kollektion von der anderen unterschied, war weniger ein Trend als die subtile Handschrift des Zeitgeistes.

Philip Marschal, Leser

Selbstbesinnung

Ich denke, der Trend zur Rückbesinnung auf Vergangenes bleibt der Menschheit immer erhalten. Vergangenes meint dabei nicht alles, sondern Ideen, Einstellungen und Werte. Schon vor tausenden Jahren machten sich Philosophen die gleichen Gedanken wie wir heutzutage. Wie werde ich glücklich? Wie führe ich ein zufriedenes Leben? Wer bin ich wirklich? Auch wenn wir uns als Menschheit weiterentwickeln und aus der Balance kommen, werden wir uns nach einer gewissen Zeit wieder bei den gleichen Fragen einpendeln. Die Geschichte zeigt, dass wir die positiven Dinge der Vergangenheit immer wieder aktivieren. Egal, wie technisch und wissenschaftlich wir voran schreiten, am Ende besinnen wir uns doch zurück auf unsere Wurzeln, die Natur. Auch alles Neue der Welt und des Universums wird uns auf Dauer nicht weit weg von unserem Kern, unserem Sein und der Verbundenheit zur Natürlichkeit entfernen.


Irene Schneider, Leserin

Junges Blut

„Der Trend geht zum jüngeren Mann“ ist einer meiner Lieblingssätze, den ich mal in einer Illustrierten gelesen und in meinen aktiven Wortschatz der Alltagsweisheiten übernommen habe. Ist es nicht absurd, in der Liebe von Trends zu sprechen? Und doch scheint es zuzutreffen – das stelle ich jedenfalls im meinem Bekanntenkreis fest.

Friederike Müller-Friemauth, Professorin für Innovationsmanagement

Trends bleiben nie ...

... sonst wären sie keine. Sie präsentieren Veränderungen, in der Wirtschaft meist als optisch hochgetunte, hip gelabelte Gedanken- und Datenfetzen zu Entwicklungen unklarer Geltung. Sie sollen orientieren, Zeit und Denken sparen, ein Gespür vermitteln für Phänomene, die anders sind als das Bekannte. In Deutschland dominiert diese US-amerikanische Business-Denkweise praktisch den gesamten Zukunftsdiskurs. Trends sind Splitter kybernetischen Denkens: auf Verwertbarkeit getrimmte Information. Die Wirtschaft liebt es. Wissenschaftliche Zukunftsforschung, die „Evaluation of Newness“, existiert hierzulande nicht. Wäre das anders, würden Phänomene von Dauer genauso diskutiert wie volatile. Was also bleibt? Soziokulturelle Evolutionen wie Wertewandel, Lernkurven aus Unfällen, auch technologische Basisinnovationen. Und Wechsel der Weltanschauung. Kopernikus heliozentrisches Weltbild war kein Megatrend, sondern Basis eines neuen Selbstverständnisses. Das aktuelle Akronym der „VUCA-Welt“ kündigt die nächste Stufe an: eine Welt, die unumkehrbar instabiler wird, schwankend, dynamisch, komplex, ungewiss, mehrdeutig. Fürs Erste bleibt davon nur, dass die keiner will. Dagegen geht die Wissenschaft in Science-Märschen auf die Straße und die Politik baut auf Mauern anstatt auf Komplexitätsbewältigung. Das verzweifelte Aufbäumen des Westens gegen den explodierenden Strukturreichtum unserer Weltwahrnehmung ist kein Trend, sondern – Angst.

Ingo Froböse,

Teil unserer Kultur

Betrachtet man Sport als Trend, so hat er sich immer wieder verändert. Lag der Fokus in den Anfängen primär bei der Körperbildung, kam ab den 1960er-Jahren das Thema Herz-Kreislauf-Training auf. Dieser Trend schwappte in den 1980ern in Form von Aerobic in unsere Fitnessstudios über. Zur gleichen Zeit entdeckten die Menschen das noch heute so beliebte Joggen für sich. Auch das Fitnesstraining hat sich verändert. Standen früher dicke Muskeln im Mittelpunkt, erleben wir heutzutage einen gegenläufigen Trend – hin zu Fitnessstudios, die sich zu regelrechten Gesundheitssporteinrichtungen entwickeln und den Körper als Ganzes betrachten. Sie ergänzen ihr Angebot um Yoga, Tai-Chi oder Qigong, um dem Wunsch gerade der jungen Bevölkerung nach definierten, gesunden Körpern zu entsprechen. Ein noch junger Trend begegnet uns, wenn wir den Blick auf den elektronischen Sport richten, den sogenannten E-Sport. Hier werden Wettkämpfe und Spiele auf die Konsole verlagert. Auch wenn es unter dem Begriff des traditionellen Sports nur schwer zu verstehen ist, zeichnet sich hier eine Jugendkultur ab, die sicherlich deutlich mehr Raum in der Gesellschaft einnehmen wird. Sport wird in seinen Dimensionen also immer weiter ausdifferenziert und ist mehr als reine körperliche Aktivität. Sport ist ein Trend, eine Kultur, die sich über alle Altersgrenzen hinweg in allen möglichen Formen manifestiert und sich weiterentwickelt, aber immer Bestand haben wird.

Michael Gregor, Leser

Trendwende voraus

Zu den bleibenden Trends gehört der Wandel beim Konsum von Kleidung. Höherwertige Kleidung, die man auch über Jahre tragen kann, ohne dass sie vorzeitig verschleißt, und der man ihr Kaufjahr nicht auf den ersten Blick ansieht. Die zumeist jugendlichen Kunden bei Primark mit ihren Armen voller Einkaufstüten, die auf die Abgabe nach Gewicht schließen lassen, erscheinen mir nicht als Trend, allenfalls als trendy, dem Lebensalter und den begrenzten Finanzen geschuldet. Von diese Gruppe geht allerdings ein anderer, wohl bleibender Trend aus: weg vom Automobil als Statussymbol hin zum Smartphone. In den Großstädten erwerben immer weniger Heranwachsende einen Führerschein, früher als Zeichen von Mobilität scheinbar unverzichtbar.

Frederick Merckens, Leser

Über den Dingen

Der ultimative und einzig wahre Trend, der alles miteinander verbindet, ist die Vergänglichkeit. Alle Trends im menschlichen Sinne, im menschlichen Sein, sind vergänglich. Sie mögen nach Jahrhunderten oder Jahrtausenden wieder auftauchen, da die menschlichen Wünsche, Träume und Visionen kaum Veränderung unterliegen. Doch alles vergeht irgendwann, verwelkt, um in gleicher, ähnlicher oder veränderter Form wieder zu blühen.


Evelyn Vogt, Leserin

Spiegel des Selbst

Mit der Einführung von Digitalkameras und seitdem Handys mit Kameras ausgestattet sind, wurden Selfies zu einem Trend, der nicht langweilig wird. Warum ich denke, dass dieser Trend bleibt? Ganz einfach: Der Ursprung von Selfies liegt in den Selbstporträts der Künstler. Die ersten soll es bereits in der Antike gegeben haben. Im Laufe der Zeit mag sich die Technik oder das Medium ändern, aber die Beschäftigung mit sich, verbunden mit der Präsentation seiner selbst vor einem Publikum, scheint noch immer zu faszinieren und wird auch in der Zukunft Bestand haben. Denn bei einem Selfie oder einer Selbstdarstellung hat man die Macht über das eigene Bild von sich und davon, wie man von anderen gesehen werden will: authentisch oder abstrakt. Der Mensch wird sich immer fragen, wer er ist, was ihn ausmacht und wie er nach außen wirkt.

Henriette L., Leserin

Alles rund um die Digitalisierung wird bestehen bleiben und uns auch in Zukunft immer mehr begleiten.

Gerd Leonhard, Zukunftsberater und Buchautor

Humanes Gegengewicht

Beobachtet man technologische Trends, so kann man nicht einfach sagen, sie blieben – denn sie verlaufen exponentiell und kombinatorisch. Was Technik kann, verdoppelt sich nach Moores Gesetz alle 12 bis 24 Monate. Das große Dilemma ist dabei, dass im Gegensatz zur exponentiellen Technologie die Menschen linear sind. Die jetzigen technologischen Fortschritte, wie etwa bei der Künstlichen Intelligenz und den „denkenden Maschinen“, werden uns als Menschen ganz grundlegend verändern – nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich. Die technologischen Fortschritte können sowohl himmlische Resultate als auch höllische Konsequenzen mit sich bringen, je nachdem, wie gut wir mit diesen neuen Mächten umzugehen wissen. Daher wird auch die digitale Ethik eine wichtige Funktion einnehmen müssen. Wer die Mission Control für die Menschheit übernehmen, müssen wir uns fragen. Meine Antwort lautet: Wir müssen unsere Androrithmen dringend mehr wertschätzen und beschützen. Sie sind das Gegenteil von Algorithmen; sie beinhalten menschliche Eigenschaften wie Emotionen, Empathie, Anteilnahme, Kreativität, Geheimnisse, Zufälle und Fehler. Alles, was Maschinen nicht können, sondern nur der Mensch, wird immer wertvoller werden. Zivilisationen werden zwar durch ihre Technologien verändert, sie sind aber durch ihre Menschlichkeit definiert. Wir sollten Technologie daher umarmen, aber nicht zu Technologie werden.

Sebastian Mohr, Leser

Mehr als ein Trend

Trends kommen und gehen – manche verschwinden früher, andere später. Wenn ein Trend bleibt, dann war es kein Trend, sondern der Beginn einer Entwicklung. Die Antwort auf die Frage lautet also: Kein einziger Trend bleibt. Es stellt sich dann nur noch folgende Frage: „Wie erkenne ich, ob es nur ein Trend ist?“

Amy Zumer, Leserin

Wissbegierig

Ich denke, der Trend, immer mehr Wissen zu wollen über die unendlich weite Welt und über uns selbst, bleibt uns erhalten. Es gibt so viele Dinge, die wir schon wissen, aber noch um ein Vielfaches mehr, was wir nicht wissen oder gar in Erwägung gezogen haben. Die riesengroße Neugierde, die in uns steckt, und das fleißige, achtsame Streben nach Wissen liegen in der Natur des Menschen. Das, was wir wissen, ist ein Tropfen auf einem heißen Stein, was wir nicht wissen, ist ein Ozean.

Cornelia Fichte, Leserin

Neue Verhältnisse

Bezogen auf unserer Gesellschaft nehme ich den Trend war, dass sich das Engagement von Müttern und Vätern gegenüber ihren Kindern immer mehr angleicht. Väter verbringen viel mehr Zeit mit ihren Kindern, als ich es aus meiner West-Kindheit kannte. Sie gehen mit auf den Spielplatz, zum Kinderarzt, zum Elternabend, zur Schulaufführung, unterstützen bei den täglichen Hausaufgaben oder holen das Kind vom besten Freund ab. Alltag eben. Ich hoffe, es betrifft nicht nur den Bezirk, in dem ich lebe, dass bei diesem schönen Wetter die Straßen voller kinderwagenschiebender Väter sind. Und wer dachte, hier gäbe es nur Latte Macchiato trinkende Mütter, der irrt. Außerdem ist es wohl inzwischen auch eher der Cortado. Selbst bei meinen Freunden in der Provinz habe ich diesen Trend auch wahrgenommen – okay, dort vielleicht ohne Cortado.

Konstantin Wittig, Leser

Trends mit Substanz

Die Welt dreht sich immer schneller, zumindest fühlt es sich für mich oft so an. Deswegen folge ich ganz bewusst nicht jedem neuen Trend, denn neue Trends kommen und gehen sehr schnell. Oft liegt es wahrscheinlich auch daran, dass ich nicht immer den Sinn und Nutzen erkenne, der sich hinter einem neuen Trend versteckt. Das führt natürlich dazu, dass ich auch mal etwas verpasse, obwohl es für mich die Lösung für ein Problem gewesen wäre, nach der ich bereits lange gesucht habe. Ich finde es immer wieder bemerkenswert, wenn ich von neuen Möglichkeiten so oft höre, dass ich denke, das kann ja gar nicht so toll und gut sein, wie alle immer sagen. Irgendwann komme ich dann trotzdem damit in Berührung und stelle begeistert fest, was mir die ganze Zeit entgangen ist. Ich glaube, dass immer die Trends überleben, die mehr Substanz haben als nur „cool“ zu sein.

Robert Küfner, Blockchain-Unternehmer

Der nächste Schritt

Es gibt keine eindeutige Antwort auf die Frage, ob Kryptowährungen eine zukunftsweisende Technologie sind. Ein Trend sind sie in der Tat. Nur werden sie durch eine Technologie angetrieben, die Stand heute noch nicht bereit für die breite Masse der Gesellschaft ist. Dennoch spricht jeder, der sich täglich mit Kryptowährungen und der ihr zugrunde liegenden Distributed Ledger Technology (DLT) beschäftigt, von einer Technologie, die gekommen ist, um zu bleiben. In naher Zukunft wird sie eine allgegenwärtige Veränderung auslösen, die unseren Alltag mitbestimmt. Sie können es sich wie bei der Entwicklung der Geschwindigkeit des Internets vorstellen. Mittlerweile weiß man, was möglich ist, aber auch, dass Weiterentwicklungen Zeit benötigen. Kryptowährungen und DLT sind heute funktionsfähig. Es ist jetzt eine Frage der Effizienz, Skalierbarkeit und Benutzerfreundlichkeit. Es gibt äußerst intelligente und kreative Entwickler, die alle das gemeinsame Ziel verfolgen, DLT in die reale Welt zu bringen. Die Technologie wird Rechenschaftspflicht, Transparenz, Überprüfbarkeit und Dezentralisierung in ungekannter Form in die digitale Welt bringen. Das wird die Art, wie wir miteinander interagieren, fundamental verändern. Vertrauen wird keine menschliche Interaktion mehr sein, sondern ein eingebautes Protokoll. Die Antwort auf die Frage, ob Kryptowährungen ein Trend bleiben oder zum Game-Changer werden, ist also nur noch eine Frage der Zeit.

Jan Plagge, Präsident Europäischer Bio-Dachverband IFOAM EU Group

Vom Trend zur Notwendigkeit

Soja vom Oberrhein. Wasserbüffel in Niedersachsen. Stadtimker von Berlin bis München. Was verbindet diese Phänomene? Lebensmittel sind mehr als reine Nahrung. Sie sind Teil der eigenen Geschichte, unserer Kultur und Heimat. Und wir alle sind ein Teil davon – tagtäglich. Was gebe ich meinen Kindern zu essen? Welche Werte vermittle ich ihnen? In den 1970er-Jahren, als wir mit der Umwelt- und Friedensbewegung losgelaufen sind, hätte man noch sagen können, dass es ein Trend sei. Denken wir aber größer, wird klar, Bio ist kein Trend. Keine Momentaufnahme. Bio heißt Landwirtschaft, die die Regeln und Grenzen der Natur respektiert. Lassen Sie mich ein konkretes Beispiel benennen: Für ein Kilo Stickstoffdünger wird in der Herstellung die Energie von einem Liter Rohöl genutzt. Dabei gibt es Pflanzen wie Ackerbohnen, Luzerne oder Klee. Sie speisen den Stickstoff aus der Luft auf natürliche Weise in den Boden. Dort wird er dann von winzigen Organismen verarbeitet. Das Ergebnis sind fruchtbare und lebendige Böden. Das Rad des Lebens bleibt in Schwung, denn vom Regenwurm bis zur Feldlerche werden alle satt. Wie wichtig dieser Lebensraum für die Natur ist, hat zuletzt wieder eine Untersuchung vom BUND in Bayern gezeigt: Allein die 100 wichtigsten Ackerwildpflanzen ernähren rund 1.200 Wildtierarten. All das ist kein Trend, sondern die Landwirtschaft der Zukunft. Unser Versprechen an die nächsten Generationen.

Clemens Koshinsky, Leser

Ängste besiegen

Ich denke, dass der Trend bleibt, sich immer neue Möglichkeiten selbst zu erschaffen. Der Kreativität des Menschen sind keine Grenzen gesetzt. Doch oftmals stoppt uns etwas in unserem Handeln. Es begegnen uns Befürchtungen und Sorgen, die uns daran hindern, etwas Neues auszuprobieren. Diese werden sehr häufig mit dem Wort Angst verbunden. Meiner Meinung nach ist die Angst gesund, wenn sie in einer Bewegung stattfindet. Aus dieser Beobachtung heraus würde ich sagen: Wenn wir unsere Befürchtungen und Sorgen hinter uns lassen, uns mehr ausprobieren und bewegen, dann kommen wie auch zu neuen Möglichkeiten. Angst ist nur eine Illusion und eine Kreation unser selbst. Um unsere Ängste zu besiegen, gab mir ein smarter Gelehrter einen super Tipp mit auf meinen Weg: Gib deiner Angst einen Namen, wenn sie dich übermannt. Zum Beispiel: Horst. Hallo, da kommt wieder Horst. Wir fangen an zu lachen und setzen uns damit automatisch in eine Bewegung der Freude. Was ist besser, als lachend eine neue Erfahrung anzufangen. Meiner Meinung nach eröffnen sich so neue Möglichkeiten und Wege für uns. Dieser Trend bleibt.

Jana Schwager, Leserin

Da einige Freunde von mir gerade eine neue Wohnung gekauft haben, habe ich festgestellt: Der Trend zur Wohnküche bleibt. Noch etwas Gemütlichkeit dazu: perfekt.

Adi Matzek, Zweifacher Grillweltmeister

Gelebter Genuss

Beim Grillen geht der Trend eindeutig in den Qualitätsbereich. Es wird bewusster und teilweise auch weniger konsumiert. Das, was man sich auf den Grill legt, wird teurer und in höherer Qualität eingekauft. Qualitätssünden werden beim Grillen viel schneller bestraft und erkannt, daher hat dieses Umdenken auch so nachhaltig eingesetzt. Rindfleisch wird immer mehr zum Qualitätskriterium der Grillszene; der Steak-Boom ist da und er wird bleiben. Das Thema Reifung beim Rindfleisch ist ein weiterer wichtiger Bereich, in welchem die Menschen immer mehr auch selber Hand anlegen oder über den sie einfach mehr wissen wollen. Daher empfehle ich gerne ein bewusstes und sparsames beidseitiges Würzen, was eine harmonische Aromabildung ermöglicht. Dies geschieht am besten kurz vor dem Grillen. Gewürze sollten allerdings lediglich den Eigengeschmack des Fleisches unterstützen, ihn aber niemals überdecken. Verwenden Sie nur Öle, die hohen Temperaturen gut standhalten, zum Beispiel Erdnussöl oder Rapsöl. Dem Bestreben der Konsumenten, wieder mehr über Lebensmittel und deren Zubereitung zu erfahren, wird in Grillschulen Rechnung getragen. Generell sehen die Leute das Grillen als eine Aufwertung des Lebensgefühls – so wie wir es schon länger beim Wein beobachten können. Dadurch wird der Besuch eines Grillseminars zur beliebten Genussveranstaltung, die immer mehr Menschen begeistert. Ein Trend, der sicherlich bleiben wird.

Arne Schneider, Leser

Einfach machen

Ich denke, dass der Trend zu Entwicklung ein stetiger Begleiter der Menschheit ist und auch bleibt. Ausgestattet mit der Neugier haben wir schon immer Neues entdeckt und ans Licht gebracht. Oftmals hat der Zufall uns dabei geholfen und in die Karten gespielt. Als Beispiel führe ich hier den Forscher und das Kind auf. Mit einer Achtsamkeit schauen sich beide neue Dinge im Leben an und macht sie erst mal kaputt, um daraus zu lernen. Fehler sind da, um gemacht zu werden. Sie sind für jeden Einzelnen mit einer neuen Erfahrung verbunden. Wenn wir stehen bleiben, erkunden wir nichts Neues und erlangen auch keine neuen Erkenntnisse oder machen neue Erfahrungen. Jeden Tag etwas Neues machen, ist meine Devise. Uns Menschen wurde das in die Wiege gelegt. Deswegen besinne ich mich auf den Trend, der schon immer vorhanden war. Das Rad muss nicht neu erfunden werden. Ich mache es einfach auch. Jäger und Sammler entwickelten Techniken, die zu einem dauerhaften Wachstum führten, wenn man sich die Geschichte der Zeit mal ganz einfach anschaut. Meilensteine wurden durch Machen in die Zeitgeschichte gerammt. In diesem Sinne: Hört auf, nur zu reden.

Marco B., Leser

Work hard, play hard

Vor einigen Jahren waren Computerspiele noch eine kleine Randerscheinung in der Gesellschaft. Gamer wurden als picklige Außenseiter dargestellt, die mehr Zeit im Zimmer vorm PC als im Freien verbringen und denen durch den Einfluss von gewalthaltigen Spielen ein hohes Aggressionspotenzial zugeschrieben wurde. Im Laufe der Zeit wurden Spiele von einer Kulterscheinung – mit nostalgischen Erinnerungen zum Beispiel an die ersten Super-Mario-Spiele auf dem Gameboy – zu einem Trend, der definitiv auch in der breiten Masse angekommen und nicht mehr wegzudenken ist. Das hat viele Ursachen. So haben die liebenswerten Nerds aus Serien wie „The Big Bang Theory“ für eine Imageaufbesserung gesorgt. Aber auch die Weiterentwicklung von Mobile Gaming, also dem Spielen auf dem Smartphone, hat das Zocken in die breite Öffentlichkeit gebracht und begleitet somit den Alltag fast aller Altersgruppen. So mancher Trend flaut nach dem großen Boom schnell wieder ab – siehe Pokémon Go. Aber Spiele werden definitiv auch in Jahren noch eine wichtige Rolle einnehmen – beispielsweise, wenn man sich aktuell den Hype um Virtual und Augmented Reality anschaut. Hier ändert sich das Erlebnis des Spielers grundlegend: Die Realität um ihn herum wird erweitert und virtuelle Dinge werden ins Sichtfeld eingeblendet. Das wird ein besonderer Trend der Zukunft sein, an dem derzeit viel gearbeitet wird – auch um das Spielen noch intensiver und echter zu gestalten.

Ute Himmern, Leserin

Modeerscheinung

„Die Menschen wollen zum Sommer immer mehr Farbe haben“, sagte meine Friseurin auf meine Frage hin, warum sich denn jetzt lauter junge Leute die Haare aufwändig bleichen und dann mit einer Nuance Lila versehen. Einen Trend zu helleren Haaren im Sommer könnte ich ja nachvollziehen, da mache ich sogar mit – es hat etwas von Haare bleichen an langen Sommernachmittagen im Freibad. Aber ob pastell-lila Haare ein Trend ist, der bleibt?

Irene Holzmann, Leserin

Im Alter bleiben gerne mal die Modetrends früherer Jahre. Denn man hat gelernt, was dem eigenen Körper steht und lässt daher auch mal einen Modetrend aus.

Jutta Harms, Leser_In

Weniger ist mehr

Für mich zählt – auch wenn es mittlerweile abgedroschen klingen mag – Nachhaltigkeit mehr als Hipness. Das ist für mich der Trend, vielleicht der einzige, der dazu beitragen kann, dass wir unseren Planeten nicht vollends ruinieren. Leider ist der Begriff zu einem Marketing-Schlagwort umgenutzt worden. So liegt es an uns Verbrauchern: Wir müssen uns selbst informieren und nicht unbedingt jeden kurzlebigen (Mode-)Trend mitmachen. Das heißt für mich, dass ich sorgfältig und stilbewusst auswähle, wenn ich Kleidung kaufe. Nur so kann ich sicher sein, dass mir die Sachen die nächsten Jahre noch gefallen. Weniger kaufen ist immer am nachhaltigsten. Das widerspricht zwar dem Wachstumsdiktat herkömmlicher Ökonomie, ist für mich aber der beste Trend überhaupt. Zumal das unbegrenzte Wachstum gerade sowas von aus der Mode kommt.

Philip Marschal, Leser,

Selbstbesinnung

Ich denke, der Trend zur Rückbesinnung auf Vergangenes bleibt der Menschheit immer erhalten. Vergangenes meint dabei nicht alles, sondern Ideen, Einstellungen und Werte. Schon vor tausenden Jahren machten sich Philosophen die gleichen Gedanken wie wir heutzutage. Wie werde ich glücklich? Wie führe ich ein zufriedenes Leben? Wer bin ich wirklich? Auch wenn wir uns als Menschheit weiterentwickeln und aus der Balance kommen, werden wir uns nach einer gewissen Zeit wieder bei den gleichen Fragen einpendeln. Die Geschichte zeigt, dass wir die positiven Dinge der Vergangenheit immer wieder aktivieren. Egal, wie technisch und wissenschaftlich wir voran schreiten, am Ende besinnen wir uns doch zurück auf unsere Wurzeln, die Natur. Auch alles Neue der Welt und des Universums wird uns auf Dauer nicht weit weg von unserem Kern, unserem Sein und der Verbundenheit zur Natürlichkeit entfernen.

Ingo Froböse, Professor am Institut für Bewegungstherapie und bewegungsorientierte Prävention und Rehabilitation, Deutsche Sporthochschule Köln,

Teil unserer Kultur

Betrachtet man Sport als Trend, so hat er sich immer wieder verändert. Lag der Fokus in den Anfängen primär bei der Körperbildung, kam ab den 1960er-Jahren das Thema Herz-Kreislauf-Training auf. Dieser Trend schwappte in den 1980ern in Form von Aerobic in unsere Fitnessstudios über. Zur gleichen Zeit entdeckten die Menschen das noch heute so beliebte Joggen für sich. Auch das Fitnesstraining hat sich verändert. Standen früher dicke Muskeln im Mittelpunkt, erleben wir heutzutage einen gegenläufigen Trend – hin zu Fitnessstudios, die sich zu regelrechten Gesundheitssporteinrichtungen entwickeln und den Körper als Ganzes betrachten. Sie ergänzen ihr Angebot um Yoga, Tai-Chi oder Qigong, um dem Wunsch gerade der jungen Bevölkerung nach definierten, gesunden Körpern zu entsprechen. Ein noch junger Trend begegnet uns, wenn wir den Blick auf den elektronischen Sport richten, den sogenannten E-Sport. Hier werden Wettkämpfe und Spiele auf die Konsole verlagert. Auch wenn es unter dem Begriff des traditionellen Sports nur schwer zu verstehen ist, zeichnet sich hier eine Jugendkultur ab, die sicherlich deutlich mehr Raum in der Gesellschaft einnehmen wird. Sport wird in seinen Dimensionen also immer weiter ausdifferenziert und ist mehr als reine körperliche Aktivität. Sport ist ein Trend, eine Kultur, die sich über alle Altersgrenzen hinweg in allen möglichen Formen manifestiert und sich weiterentwickelt, aber immer Bestand haben wird.

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