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Was wollen wir für unsere Kinder?

Ein Kind auf die vielen Möglichkeiten und Herausforderungen der heutigen Zeit vorzubereiten, ist eine große Aufgabe. Berichten Sie uns davon, wie Sie Ihrem Nachwuchs dabei helfen, selbstbewusst seinen Platz in der Gesellschaft zu finden, und ob sie auch das brauchen, was wir uns darunter vorstellen.

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Gerald Hüther, Neurobiologe

Freude am Lernen, ein Leben lang

Niemand weiß heute, was unsere Kinder brauchen, um sich als Erwachsene in einer zunehmend komplexer werdenden Lebenswelt zurechtzufinden. Nur eines ist sicher: Wenn sich die Welt so schnell verändert, sollten unsere Kinder zu Hause, im Kindergarten und in der Schule vor allem diese eine Erfahrung machen können: dass es Freude macht, etwas Neues lernen zu dürfen, und dass es nichts Beglückenderes gibt, als sich gemeinsam mit anderen auf den Weg zu machen, um diese zukünftige Welt menschenwürdig zu gestalten. Diese Entdeckerfreude und Gestaltungslust ist den Kindern angeboren. Oft geht sie ihnen aber bereits im Elternhaus verloren. Aber sie lässt sich wiederentdecken. Das zu ermöglichen, müsste zum zentralen Anliegen aller pädagogischen Bemühungen werden. An diesem Kriterium müsste sich alles ausrichten, was zu Hause, in Kindergärten und in Schulen geschieht. Grundvoraussetzung dafür ist jedoch, dass sich jedes Kind als Subjekt, als Gestalter seines eigenen Lernprozesses erlebt. Und das ist nur dann möglich, wenn Kinder und Heranwachsende von uns Erwachsenen künftig nicht mehr zu Objekten unserer Erwartungen und Bewertungen, unserer Belehrungen und Maßnahmen, unserer Belohnungen oder Bestrafungen gemacht werden. Jedes Kind müsste also spüren, dass es um seiner selbst willen bedeutsam genug ist. Oder einfacher: dass es bedingungslos geliebt wird. So einfach ist es, wir müssten es nur wollen.

Gerhard Fink, Leser

Vorleben und Vertrauen

„Du sollst es einmal besser haben“ – mit diesem gut gemeinten, ehrenwerten Leitspruch wurden und werden leider auch viele Kinder gegängelt und in völlig falsche Richtungen gedrängt. Ziel ist es, unseren Kindern den Weg zu ebnen, eigenständige und selbstständig denkende und entscheidende Individuen zu werden. Mitläufer gibt es schon genug. Die wichtigste Frage ist, wie wir sie auf diesem Weg unterstützen können. In einer Welt der immer schnelleren Veränderungen, des kulturellen Wandels und der politischen Unsicherheit kann man leicht die Orientierung verlieren. Das wirkliche Vorleben – nicht Vorspielen – einer ethisch-moralischen Haltung ist ein Grundpfeiler. Ein anderer ist es, den Gesprächskanal offen zu halten. Zu viele Einschränkungen, Verbote und Ermahnungen blockieren diesen Kanal. Die Kinder werden trotzdem einen Weg finden, das zu tun, was sie wollen. Aber dann sind die Eltern außen vor. Wenn Kinder zu Hause alles erzählen können, wenn sie eine vertrauensvolle Anteilnahme vorfinden und nicht gleich Verurteilung und Maßregelung, dann ist das die beste Voraussetzung, sie auf ihrem Weg wirklich begleiten zu können. Erziehung ist immer eine Gratwanderung zwischen Leitplanken, die wir setzen, und Freiheiten, die wir zulassen. Freiheiten verursachen bei Eltern Ängste, Leitplanken schränken unter Umständen die Kinder ein. Vorleben und Vertrauen sind die beiden Eckpfeiler, auf denen das Aufwachsen unserer Kinder ruhen sollte.

Remo Largo, Kinderarzt und Autor

Frei entfaltet

Eltern, Schule und Gesellschaft wollen die Kinder möglichst fit für die Wirtschaft machen. Die Eltern haben existenzielle Ängste und machen sich große Sorgen um die Zukunft ihrer Kinder. Sie wollen, dass es ihre Kinder einmal genauso gut oder noch besser haben werden als sie. Die Schule steht unter einem enormen Druck, der sowohl von der Bil-dungspolitik als auch aus der Leistungsgesellschaft heraus ausgeübt wird. Die Kinder werden durch die schulischen Anforderungen überfor-dert und fühlen sich weitgehend fremdbestimmt – mit gravierenden ne-gativen Auswirkungen. Ein Drittel der Schulkinder leiden an psychi-schen und körperlichen Störungen wie depressiven Verstimmungen, Schlafstörungen, Kopf- und Bauchschmerzen. Das Burnout-Syndrom, in der Vergangenheit nur bei Erwachsenen diagnostiziert, kommt im-mer häufiger bei Jugendlichen und neuerdings auch bei Kindern vor. Die betroffenen Kinder stehen buchstäblich still. Was wollen die Kinder? Sie wollen alle ihre Fähigkeiten entfalten und nicht nur die, die von der Wirtschaft verlangt werden. Sie wollen ihre Stärken entwickeln und ler-nen, ihre Schwächen zu akzeptieren und damit umzugehen. Sie wollen selbstbestimmt lernen und zumeist Erfolg haben. Nur so werden sie zu kompetenten Erwachsenen, dereinst über ein gutes Selbstwertgefühl und eine gute Selbstwirksamkeit verfügen und zu sich selbst sagen können: „Ich fühle mich gut, so wie ich bin, ich weiß, dass ich in dieser Welt bestehen kann.“

Regina Scholten, Leserin

Guter Start

Wir haben vier Kinder mit allen Höhen und Tiefen durch Schul- und Ausbildungszeit begleitet. All die Jahre hindurch haben wir dabei viel Wert auf gemeinsame Mahlzeiten gelegt, bei denen viel erzählt und diskutiert wurde. Im Sportverein haben sie gelernt, Teamgeist zu entwickeln. Auch erwähnen möchte ich die Pfadfindergruppe, in der sie gelernt haben, Aufgaben zu übernehmen, Verantwortung zu tragen und Rücksicht zu nehmen. Es ist ganz wichtig, dass die Eltern sich engagieren und die Arbeit der Lehrer, Trainer und Jugendbetreuer mit unterstützen. Wir haben im Elternhaus den Grundstock gelegt und die Kinder in die Selbstständigkeit und Eigenverantwortung entlassen. Doch bei entscheidenden Fragen sind unser Rat und unsere Meinung immer noch gefragt.

Magdalena Szykowski, Leserin

Meine Mutter sagte früher zu mir: „Mach dir um mich keine Sorgen! Ich habe mich nicht dazu entschlossen Kinder zu bekommen, damit sie sich irgendwann einmal um mich kümmern. Ich habe euch bekommen, weil ich mich um euch kümmern wollte.“

Dimitra Carapali, Leserin

Wettlauf mit der Realität

Ich wünsche meinen Kindern ein gelungenes Leben, dass sie ihren Platz in der Gesellschaft finden und ein geselliges, zufriedenes Dasein genießen können. Zum einen bin ich davon überzeugt, dass wir als Eltern Werte vermitteln sollten – Werte, die der Gesellschaft förderlich sind, wie Integrität, Fleiß und Respekt. Zum anderen glaube ich an die enorme Kraft des Vorlebens: Wenn ich mir und anderen gegenüber achtsam bin, die Natur achte und auch den Unwägbarkeiten des Lebens noch etwas abgewinnen kann, dann bin ich lebendes Beispiel dafür, dass die vermittelten Werte und Einstellungen förderlich sind. Älterwerdend frage ich mich, wie ich es schaffen kann, dass ich „dran bleibe“ an den Entwicklungen, wie ich im Hier und Jetzt verbleibe, also nicht meinen Kindern Universalgültiges vorbete, während sich ihre Wirklichkeit in eine von mir nicht begriffene Richtung bewegt. Menschen, die ein solches Unvermögen und Nichtbegreifen an den Tag legen, würde ich heute als alt bezeichnen. Darum wünsche ich meinen Kindern Geduld und Liebe, mich immer wieder in „ihre“ Welt mitzunehmen.

Petra Träg, Geschäftsführerin SOS-Kinderdorf-Stiftung

Kindheit prägt

Wenn wir darüber sprechen, was wir für unsere Kinder wollen, reden wir gleichzeitig darüber, was wir uns für die Gesellschaft wünschen. Ich orientiere mich dabei an den Erfahrungen, die Pädagogen, Kinderdorfmütter und Erzieher bei SOS-Kinderdorf in den vergangenen 60 Jahren gemacht haben. Wenn wir jungen Menschen dabei helfen wollen, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden, ist die Grundlage ein sicheres Zuhause, Geborgenheit, verlässliche und liebevolle Beziehungen. Wenn Kinder sich von Anfang an angenommen und geschützt fühlen, können sie sich zu starken Persönlichkeiten entwickeln, die diese Wertschätzung später weitergeben. Ich wünsche mir, dass junge Menschen vielfältige und individuelle Möglichkeiten haben, um ihre Persönlichkeit zu entwickeln und ihren Interessen nachzugehen. Ohne eine faire Chance auf Bildung ist die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben nur schwer möglich. Um das eigene Leben zu gestalten, müssen Kinder erfahren, zu was sie fähig sind und welches Potenzial sie haben. Diese Befähigung ist entscheidend, damit junge Menschen selbstständig handeln und ihren Teil zur Gesellschaft beitragen. Letztendlich kann all dies nur gelingen, wenn Kinder und Jugendliche auch beteiligt werden. Ich bin davon überzeugt, dass sie ihrem Leben nur einen Sinn geben und zu aktiven Mitgliedern der Gesellschaft werden können, wenn sie in ihren Belangen eine Stimme haben und durch ihren Einsatz etwas bewirken.

Susanne Lin-Klitzing, Bundesvorsitzende Deutscher Philologenverband (DPhV)

Entwicklungsraum Schule

Wir leben heute beschleunigt: in einer Welt der blitzschnellen digitalen Likes und Dislikes, einer Welt, in der Schnelligkeit mit Oberflächlichkeit einhergeht und Demokratisierung mithilfe des Internets auch Popularisierung bedeutet. In dieser Welt brauchen wir als geschützten Entwicklungsraum für unsere Kinder die Schule und den Unterricht als Ort der Ruhe, der Vertiefung, der Gründlichkeit und der personalen Begegnung. Unterricht ermöglicht und erfordert den direkten Dialog zwischen Kindern und Jugendlichen untereinander und mit ihren Lehrkräften. Im Unterricht erhalten Schülerinnen und Schüler das Angebot, in der Auseinandersetzung mit wichtigen Inhalten persönlich zu reifen, sich mit neuen Dingen und ihren Klassenkameraden auseinanderzusetzen und zu gestalten. Die Vermittlung der deutschen Sprache als „Bildungssprache“, die zwischen der Alltagssprache und der Fachsprache in den verschiedenen Fächern vermittelt, ist ein wesentliches Ziel des Unterrichts. Genauso sollte aber auch die Fähigkeit im Fokus stehen, sich aktuell und zukünftig in der analogen und der digitalen Welt zurechtfinden zu können. Unterricht muss deshalb auch ein Ort der Unterscheidung sein, in dem Kinder und Jugendliche sich selbst als unersetzbare, kluge und kreative Menschen erfahren, die analoge und digitale Hilfsmittel zur Erschließung ihrer Welt gebrauchen, nicht aber sich von ihnen bestimmen lassen.

Björn Lindner, Natur-Ranger

Natur wiederentdecken

In Paragraph eins des Bundesnaturschutzgesetzes steht geschrieben, dass Natur und Landschaft in Verantwortung für die künftigen Generationen zu schützen sind. Ich fühle mich dem verpflichtet, auch mit dem Gedanken, in welche Welt wir unsere Kinder entlassen wollen. Wir leben im digitalen Zeitalter, aber wir haben auch noch eine analoge Welt, die uns Nahrung liefert und unsere Lebensgrundlage bildet. Wenn ich die Kinder frage „Wann backt eure Oma Erdbeerkuchen?“, dann antworten alle: „Wenn ich mir das wünsche.“ Dass es eine Saison für Erdbeeren gibt, die Natur Kreisläufen unterliegt und alles in einem Zusammenhang funktioniert, ist den meisten gar nicht bewusst. Viele Kinder im urbanen Raum haben überhaupt keinen Zugang mehr zur Natur. Das wird immer abstrakter. Ich möchte in den Kindern Verständnis wecken für die Zusammenhänge und die Vielfalt der Natur mit Vögeln, Pflanzen, Insekten und anderen Arten. Man kann nur schützen, was man selber kennt, und so können sie ihren Lebensraum selbst bewahren. Im grünen Klassenzimmer machen sie Naturerfahrungen und in meinem Junior-Ranger-Projekt beziehe ich Kinder aktiv ein. Sie lernen Biotoppflege und Artenerfassung und wir feiern auch Erntefeste. Ich will die Kinder für ihr regionales Umfeld im positiven Miteinander begeistern. Die zukünftige Generation muss die Möglichkeit besitzen, gemachte Fehler noch zu korrigieren, damit sie die Chance haben, ihre Lebensgrundlage zu bewahren.

Udo Beckmann, Bundesvorsitzender Verband Bildung und Erziehung (VBE)

Runter von der Bremse

Digitalisierung ist in aller Munde. Seit über zehn Jahren revolutioniert das Smartphone unsere Kommunikation. Das beeinflusst maßgeblich auch die Lebensrealität von Kindern. In der Schule wollen wir sie auf das Leben vorbereiten. Dazu gehört auch, kompetent im Umgang mit Medien zu werden. Allerdings investiert die Politik deutlich zu wenig Geld, um dieses Ziel an den Schulen umzusetzen. Bereits vor zwei Jahren wurde von der damaligen Bundesbildungsministerin vollmundig der Digitalpakt Schule angekündigt. Er hätte fünf Milliarden Euro beinhaltet. Die Ankündigung schürte Erwartungen bei Eltern und Schülern. Diese können bis heute nicht eingelöst werden, da kein einziger Cent geflossen ist. Die Bemühungen der aktuellen Bundesbildungsministerin wiederum werden von einzelnen Kräften konterkariert. Knackpunkt ist die Aufhebung des Kooperationsverbots, damit der Bund die Länder finanziell bei der Herstellung der digitalen Infrastruktur unterstützen kann. Denn nur mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung von Bund, Ländern und Kommunen kann es gelingen, die Schulen mit Hard- und Software auszustatten, Fachkräfte für die Wartung anzustellen und die Lehrkräfte durch Aus-, Fort- und Weiterbildung angemessen vorzubereiten. Die Vorteile liegen auf der Hand: Lehrinhalte können um aktuelle Informationen ergänzt, Inhalte und Zusammenhänge besser dargestellt werden – und die Schüler lernen, verantwortungsvoll mit Medien umzugehen.

Maresi Lassek, Vorsitzende Grundschulverband

Bildung für die Zukunft

Der Grundschulverband tritt mit seinen Mitgliedern aus Schulpraxis, Hochschulen und der Weiterbildung dafür ein, Schulen zu freundlichen und zukunftsfähigen Lern- und Lebensräumen zu entwickeln. Kinder stehen im Mittelpunkt mit dem Ziel, dass die Bildungsansprüche aller Kinder Haltungen, Orientierungen und Werte für die Gestaltung von Schule und Unterricht prägen. Kinder sollen einen Ort der Geborgenheit, Sicherheit und Lebensfreude finden, mit Lernangeboten in guter Qualität und einer respektvollen Haltung im Umgang miteinander. Sie sollen Schule als Raum für Selbst- und Welterfahrung erleben und mit ihren individuellen Könnenserfahrungen angenommen und gefördert werden. Der Wunsch ist, dass in einer anregenden Lernumgebung Kindern Mitsprache und Mitverantwortung für ihr Lernen zugestanden und abverlangt werden. Die Anerkennung von Leistungen und Lernfortschritten stärkt ihr Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen und bereitet damit ganzheitlich auf zukünftige Anforderungen vor. Schule soll die Kinder selbstständig werden lassen, aber auch ein Ort sein, in dem sie im Unterricht und in der Gemeinschaft demokratische Mitwirkungsmöglichkeiten erfahren und verinnerlichen können, wo sie Umgangsformen, Werte und Solidarität erlernen. Schule soll Kinder stark machen und ihnen Orientierung geben, um in einer konsumorientierten, digitalisierten und global ausgerichteten Welt für Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit einzutreten.

Mathilde Kersting, Wissenschaftliche Leiterin Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE), Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum

Gesund und lecker

Für uns als Erwachsene, egal ob als Wissenschaftler oder als Eltern, hat der Aspekt Gesundheit bei der Kinderernährung Vorrang. Denn eine gesunde Ernährung beeinflusst von Anfang an Wachstum, Entwicklung und Leistungsfähigkeit der Kinder ganz wesentlich und trägt längerfristig zur Prävention weitverbreiteter Krankheiten im Erwachsenenalter wie Herzkreislaufkrankheiten und Diabetes bei. Für Kinder sind rationale Argumente bei Essensentscheidungen und erst recht die Zukunftsperspektive der Prävention aber nicht einsichtig. Für sie ist der Geschmack das Wichtigste beim Essen. Und dabei rangieren kalorienreiche, süße und fettreiche Produkte wie Limonade, Schokolade und Pommes frites in der Präferenzskala weit vor gesunden Sachen wie Wasser, Gemüse und Vollkorn. Auflösen lässt sich dieser vermeintliche Widerspruch durch Gewöhnung an „Gesundes“ in kleinen Schritten und durch Kompromisse und Berücksichtigung der kindlichen Vorlieben. Orientierung bietet das von uns entwickelte Präventionskonzept der optimierten Mischkost mit drei einfachen Botschaften: reichlich Getränke und pflanzliche Lebensmittel, mäßig tierische Lebensmittel und sparsam fett- und zuckerreiche Lebensmittel. Am wirkungsvollsten ist aber wohl ein vorbildhaftes Ernährungsverhalten der Erwachsenen im Umfeld der Kinder. Essen und Trinken sind nicht nur eine physiologische Notwendigkeit, sondern ein kulturelles Gut, das Entspannung und Freude bereiten soll, gerade bei Kindern.

Ari Polanski, Leser

Mutig gegen den Trend

Ehrlich gesagt: eine natürliche Welt abseits der Kollektivhypnose, fernab vom Hauen und Stechen ums Geld, gezügelte Wirtschaftskreisläufe, Verstand durch Bildung und Selbstentfaltung, Selbst- und Kollektivbewusstsein. Die Möglichkeit, analoge Weisheit schon in den eigenen Zwanzigern zu erreichen – nicht erst mit 50 plus. Ihnen den Mut einzuimpfen, einfach den Stecker zu ziehen, um dem Wettrüsten der Vernichtungsstrategen entgegenzutreten. Der Saft der Männer hat der Menschheit genug Probleme bereitet und so ist es an der Zeit, einen oder mehrere Gänge zurückzuschalten, bevor Allmachtsfantasien einiger Weniger eine Matrix erschaffen, in der es zwar teilweise schön bequem ist, aber unlebhaft.

Uwe Sander, Professor für Medienpädagogik, Universität Bielefeld

Kinderwelten sind Medienwelten

Der französische Historiker Philippe Ariès hat 1960 in seinem Werk „Geschichte der Kindheit“ dargestellt, dass Kindheit nichts Natürliches, sondern eigentlich eine geschichtliche Erfindung ist. Im Mittelalter, so Ariès, gab es keine Vorstellung vom „Kinde“. Die entwickelte sich in Europa erst langsam ab dem 16. Jahrhundert. Ab dann stellte sich auch erst die fürsorgliche Frage „Was wollen wir für unsere Kinder?“. Aus den kleinen Erwachsenen des Mittelalters wurden in der Neuzeit Kinder, die versorgt und beschützt werden müssen. Der geschichtliche Blick lehrt aber auch, dass sich Kindheit heute weiter wandelt. Medien spielen dabei eine zentrale Rolle. Die Medienwelten heutiger Kinder werden bestimmt durch Smartphones und Social Media – und die sind gerade mal so alt wie Kinder heute. Facebook wurde 2004 gegründet, Youtube 2005 und das erste I-Phone kam 2007 auf den Markt. Seitdem ändert sich die Medienwelt weiter rasant und revolutioniert auch das Generationenverhältnis. Die Weitergabe des Wissens von Erwachsenen hin zu Kindern beginnt in bestimmten Bereichen vehement zu bröckeln. Kinder überholen ihre Eltern sogar in puncto Medienkompetenz. Dabei ist die digitale Zukunft heutiger Kinder noch völlig ungewiss und muss notgedrungen von ihnen selbst bewältigt werden. Eltern können Kindern lediglich indirekt dabei helfen, stark und selbständig aufzuwachsen, um ihre Medienzukunft autonom gestalten zu können.

Bettina Fox, Leserin

Teil der Gesellschaft

Ich bin Rentnerin und habe keine eigenen Kinder. Umso schärfer schaue ich auf die Kinder anderer Leute, die mich demnächst „an der Backe“ haben. Hoffentlich bekommen sie Liebe und Anerkennung, um möglichst vielfältige Bindungen eingehen und Erfahrungen über den Tellerrand der eigenen Familie hinaus machen zu können.

Nicola Hengst-Gohlke, Leserin

Mitentscheiden lassen

Wir berufen seit Beginn der Grundschulzeit unseres Sohnes bei Bedarf den Familienrat ein. Dieses Format ist eine großartige Spielwiese, um Mitbestimmung zu lernen: Jedes Familienmitglied spricht an, was es zu klären gilt. Alle anderen hören erst einmal nur zu. Im Laufe der „Sitzung“ entwickeln wir gemeinschaftlich Lösungen und Kompromisse, die für alle passen. Auf diese Weise lernte unser Sohn schon früh wichtige Kommunikationsregeln. Er fühlte sich wahrgenommen und als vollwertiges Familienmitglied akzeptiert. Das führte auch dazu, dass er Vereinbarungen ernst nimmt, die uns Eltern wichtig sind. Von Jahr zu Jahr räumen wir ihm mehr Entscheidungskompetenzen ein. Dadurch lernt er, selbstständiger und verantwortungsbewusster mit alternativen Handlungsmöglichkeiten umzugehen. Doch gibt es auch Themen, die nicht verhandelbar sind, beispielsweise das Zähneputzen oder die Aufsteh- und Schlafenszeiten unter der Woche.

Dennis Schubert, Leser

Gute Vorsätze

Schon vor der Geburt meiner Kinder beschäftigen mich einige Fragen: Was wünsche ich ihnen für ein Leben? Wie will ich sie auf ihre Zukunft vorbereiten? Und wie kann ich ihnen gleichzeitig möglichst viel mitgeben, ohne sie bei ihrer Entwicklung und der Entfaltung ihres individuellen Charakters einzuschränken? Ganz zentral ist für mich der Wunsch, dass meine Kinder ihr Leben selbst in die Hand nehmen und Selbstvertrauen entwickeln, ihren Vorstellungen nachzugehen. Sie sollen ihre eigene Persönlichkeit entwickeln können und sich auch trauen, Probleme anzugehen. Ich bin gespannt, wie uns die konkrete Umsetzung gelingt.

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Wie innovativ kann Energie sein?

Die Energiewende ist im vollen Gange und trotz aller Warnungen sitzen wir nicht im Dunkeln. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von besonders effizienter Energienutzung bis zu innovativen Lösungen in der Energieerzeugung und -speicherung. Erzählen Sie uns, ob bei Ihnen der Preis oder die Nachhaltigkeit entscheidet.

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Christian Vorpahl, Wissenschaftler Forschungskonsortium Eurofusion

Energie am Horizont

Kernfusion ist eine überaus innovative Energiequelle, denn sie erfordert absolute Spitzentechnologie und bringt so auch andere Wissenschaftszweige voran. Sie ist das, was unsere Sonne befeuert – und auf der Erde eine große Herausforderung: Um Atomkerne zu verschmelzen, bedarf es höherer Temperaturen als im Sonnenkern. Viel Erfindergeist steckt daher in den Maschinen, die solche Temperaturen erzeugen und aushalten können. Beispielsweise gelingen Wartung und Reparatur unserer komplexen Experimente nur durch Methoden der Virtual Reality, um unzugängliche Stellen an den Maschinen zu erreichen. Im Gegensatz zur Windenergie kann Fusion kontinuierlich Strom erzeugen, es wird kein CO2 frei und Kernschmelzen wie bei Spaltreaktoren sind nicht möglich. Zwar werden Anlagenteile durch Neutronen aktiviert, aber es entsteht kein langlebiger, hochradioaktiver Abfall. Bei Fusionsreaktionen wird so viel Energie frei, dass ein Kraftwerk mit 1.000 Megawatt Leistung mit nur 250 Kilogramm Brennstoff pro Jahr auskäme – gegenüber 2,7 Millionen Tonnen bei einem Kohlekraftwerk. Allerdings sind Fusionskraftwerke zwangsläufig sehr große Anlagen. Dies führt zu langen Entwicklungszeiten und hohen Kosten, die sich derzeit der Großteil der Weltgemeinschaft teilt – so auch bei ITER. Das bisher größte Fusionsexperiment geht 2025 in Betrieb. Dank vieler Vorzüge hat Fusionsenergie das Potenzial, die globale Energielandschaft grundlegend zum Positiven zu verändern.

Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Strom für Afrika

Für uns in Deutschland ist ein Stromanschluss selbstverständlich. In Afrika dagegen müssen rund 600 Millionen Menschen darauf verzichten. Das ist dramatisch, denn ohne Energie können Lebensmittel und Medikamente nicht gelagert werden. Die Wirtschaft kommt nicht in Schwung und es entstehen keine neuen Jobs. Afrika ist aber reich an erneuerbaren Energien: Sonne, Wasserkraft, Biomasse. Diese Ressourcen sind selbst in entlegensten Gebieten reichlich vorhanden. Daher setzen wir auf dezentrale Anlagen wie Solarpanels, Windräder, Kleinwasserkraftwerke oder Bioenergie. Mit unserer Initiative „Grüne Bürgerenergie für Afrika“ fördern wir künftig solche Lösungen nach dem Vorbild deutscher Kommunen und Bürgergenossenschaften. Viele Innovationen helfen bereits heute: In Tansania fördern wir kleine Dach-Solarsysteme und Solarkioske, die die Haushalte über ihr Handyguthaben abzahlen. In Liberia sind über tausend Solarkoffer im Einsatz. Neben Licht und Kommunikationsgeräten enthalten sie ein Ultraschallgerät, mit dem Schwangere weitab vom nächsten Krankenhaus medizinisch betreut werden können. In vielen Ländern modernisieren wir alte Wassermühlen, sodass sie Strom liefern und weiterhin als Mühlen genutzt werden können. Ein Kleinwasserkraftwerk in Ruanda produziert 20 Gigawattstunden Strom im Jahr und deckt so den Strombedarf von 20.000 Haushalten. Mit diesen Innovationen erhalten die Menschen zuverlässige, bezahlbare und vor allem saubere Energie.

Matthias Noe, Direktor Institut für Technische Physik, Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

Puls der Zukunft

Hochtemperatur-Supraleiter, kurz HTSL genannt, ermöglichen die zehn- bis 100-fache Stromdichte im Vergleich zu konventionellen Leitern – und das bei einem vernachlässigbaren Gleichstromwiderstand. Dadurch ist bereits eine Vielzahl neuartiger Energielösungen entwickelt worden, die in verschiedensten Netzanwendungen ihre technische Machbarkeit unter Beweis gestellt haben. Dazu zählt das kompakte supraleitende Kabel in Essen mit 40 Megavoltampere und zehn Kilovolt, das seit über vier Jahren ohne einen Ausfall im Netz integriert ist. Ein anderes Beispiel sind supraleitende Strombegrenzer, die für Spannungen bis 220 Kilovolt entwickelt wurden und von denen erste kommerzielle Anwendungen realisiert sind. Für kompakte, leistungsstarke Transformatoren und rotierende Maschinen befinden sich aktuell große Prototypen in der Entwicklung. Insbesondere für Windkraftgeneratoren und Antriebe in elektrischen Flugzeugen bieten Supraleiter eine Vielzahl von neuen Möglichkeiten. Bereits heute arbeiten weltweit mehr als zehn Firmen an der Hochskalierung der Fertigungskapazitäten der HTSL der zweiten Generation und an einer ständigen Verbesserung des Preis-Leistungs-Verhältnisses. Wenn sich weiterhin genug Pioniere finden, die diese Potenziale erkennen und für ihre Anwendung nutzen, steht dem Wunsch von Georg Bednorz, der zusammen mit Alex Müller die HTSL entdeckte, nach einer breiten Anwendung der HTSL in der Energietechnik nichts mehr im Weg.

Hartmut Gräter, Leser

Mentale Energiewende

Im Jahre 1972 prognostizierte der Club of Rome in seiner Studie „Grenzen des Wachstums“ eine besorgniserregende Entwicklung der Weltwirtschaft und der Lebensbedingungen auf unserem Planeten. Als kurz danach wegen einer Ölkrise autofreie Sonntage verordnet wurden, hätten wir begreifen müssen, dass man die Ressourcen der Erde nicht vergeuden darf. Doch wir setzen unsere Energie rücksichtslos weiterhin nur dafür ein, Wohlstand durch Wachstum zu generieren. Dagegen wäre eine Wende unseres Verhaltens hin zu einem nachhaltigen Lebensstil dringend angezeigt. Die Bedrohung durch den Klimawandel könnte jeder von uns mindern. Die Lösung liegt nicht in schwer zu entsorgenden Batterien für Autos und Fahrräder – letztere können auch durch Körperkraft bewegt werden. Wirksamer wäre – um nur eine von vielen Stellschrauben zu nennen – die Einschränkung des Fleischkonsums nicht nur durch uns Menschen, sondern auch durch das bedenklich anwachsende Rudel CO2-ausatmender Haushunde. Unsere mentale Energie muss einen Wandel erfahren und innovative Ideen generieren. Die Folgen können nachhaltig und gleichzeitig auch kostengünstig sein: Wenn der Strompreis steigt, reduziert man einfach die Ausgaben beim Metzger.

Aaron Schmidt, Leser

Die Energie kann nur so innovativ sein wie ihre Nutzer.

Marius Julienko, Leser

Innovativ, aber bezahlbar

Alle reden über erneuerbare Energie, umweltfreundlichen Strom und darüber, dass die Welt, wenn es so weitergeht, bald untergeht. Das mag ja alles richtig sein. Und auch ich bin ein Freund der Umweltverträglichkeit. Jedoch ist in meinen Augen die Aufteilung der Kosten ungleichmäßig verteilt. Seit Jahren steigen die Kosten für Energie, die Gehälter und Renten jedoch nicht ansatzweise so schnell. Während die Kosten für die Energiewende auf den Normalbürger umgelagert werden, dürfen sich große Unternehmen, deren Manager Millionengehälter verdienen, auf Subventionen freuen – denn schließlich geht es hier um Arbeitsplätze. Dabei frage ich mich, ob zwei Millionen Euro Gehalt für einen Manager nicht genug sein müssten und wie viele „normale“ Arbeitskräfte von dem Gehalt zum Beispiel eines Herrn Winterkorn finanziert werden könnten? Innovativ kann Energie daher erst sein, wenn diese für alle sauber und zugänglich ist und die, die viel Energie brauchen, auch prozentual mehr dafür bezahlen.

Günter Schiller, Fachgebietsleiter Hochtemperatur-Elektrochemie, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Bereit für die Wende

Die umweltfreundliche Bereitstellung von Energie ist für unsere heutige Gesellschaft eines der großen Schlüsselthemen. Die in Deutschland eingeleitete Energiewende hin zu einem immer größer werdenden Anteil an regenerativer Energie kann als Vorbild für andere Länder dienen. Ab einer bestimmten Menge an regenerativer Energie, die meist über Wind- oder Solarenergie fluktuierend anfällt, ist eine Energiespeicherung zur zeitlichen Anpassung des Energieangebots an den aktuellen Bedarf unumgänglich. Wasserstoff aus Wasserelektrolyse ist der einzige chemische Energieträger, der diese Aufgabe in ausreichendem Maße erfüllen kann. Schon vor 30 Jahren habe ich beim DLR begonnen, an diesem Thema mitzuforschen. Im Projekt HYSOLAR (Hydrogen from Solar Energy) ging es damals um die Kopplung von Fotovoltaik und alkalischer Wasserelektrolyse. Vor kurzem konnte meine Arbeitsgruppe beim DLR weltweit erstmals Solarwärme in einen Hochtemperatur-Elektrolyseur einkoppeln und dadurch den bereits sehr hohen Wirkungsgrad weiter steigern. Durch die Elektrolyse eines Wasser-Kohlendioxid-Gemisches ist auch die Herstellung von synthetischen Kraftstoffen möglich, was weitere Potenziale erschließt. So schließt sich für mich der Kreis in meinem vor 30 Jahren begonnenen Berufsleben. Die Umstellung des Energiesystems von fossiler auf regenerative Energie braucht Jahrzehnte. Es ist jedoch jede Anstrengung wert. Und vielleicht kann ich es ja noch erleben.

Tina Schluter, Leserin

Nachhaltige und smarte Mobilität für Menschen von morgen.

Stefan Them, Energie- und Klimaschutzmanagement Stadt Treuenbrietzen

Mehr Spielraum für Kreativität

Aus der Vergangenheit haben wir gelernt, dass es wie bei jedem erfolgreichen Projekt einen Kümmerer geben muss. Jemanden, der an einem Thema dran bleibt und der die einzelnen Akteure zusammenhält. Wichtig ist auch der Baustein Know-how. Schnell ist man beim Thema Energie bei komplexen rechtlichen und technischen Fragen, die einem Projekt ganz schnell die Beine wegreißen können. Daher ist es super, wenn kompetente Stadtwerke oder größere Unternehmen mit in das Projekt involviert sind und die passenden Antworten einbringen können. Zumeist resultiert daraus auch ein finanzieller Rückhalt, der gerade bei größeren Projekten durchaus vorteilhaft, aber nicht zwangsweise notwendig ist. Letztlich ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor – gerade im ländlichen Raum – die Nähe zu den Bürgern und ein vertrauensvoller Umgang miteinander. Es ist wichtig, dass die Bürger sagen „Wir wollen das“ und nicht die Verwaltung anordnet „Ihr müsst das“. Denn nur so stehen die Bürger hinter dem Projekt und machen es zu ihrem Projekt. Hemmnisse für innovative Lösungen im Bereich Energie und speziell bei der Energieautarkie sehe ich ganz klar in den zu starren und teilweise veralteten gesetzlichen Rahmenbedingungen. Es wäre so vieles möglich, wenn einem der Raum gegeben würde, kreativ sein zu dürfen. Mit Fragen und Problemen zum Energierecht kann man ganze Anwaltskanzleien beschäftigen. Diese Gelder wären in den eigentlichen Projekten viel besser aufgehoben.

Elisabeth Henkel, Leserin

Zivilisationspause

In der Not frisst der Teufel fliegen und gleichzeitig macht Not auch erfinderisch. Heute würde man statt erfinderisch vielleicht innovativ sagen. Ein gutes Beispiel für diese Sprichwörter waren früher immer Stromausfälle, in denen die Menschen besonders kreative und fantasievolle Lösungen für die Probleme fanden, die das Fehlen von Strom mit sich brachten. Man denke nur an allerlei Lösungen mit verschiedenen Kerzenkonstruktionen, mit denen wir den Esstisch und das Wohnzimmer für das Beisammensein mit der ganzen Familie in einem Zimmer hergerichtet hatten. Gleichzeitig fand bei Stromausfällen auch immer eine Rückbesinnung auf die kleinen aber feinen Dinge statt. Wir beschränkten uns auf das Wichtige statt beispielsweise auf das Unterhaltungsprogramm im Fernsehen. Ich persönlich fand das immer sehr schön, wenn wieder etwas die Sinne für die wichtigen Dinge des Alltags geschärft wurden. Gleichzeitig bin ich natürlich froh über die Fortschritte, die zu einer gesicherten Stromversorgung geführt haben. Global gesehen muss man bei der politischen Lage hoffen, dass dies noch lange so bleibt – möglichst für immer.

Erika Schulz, Leserin

Qual der Wahl

Wir leben in einem Haus, welches noch von meinem Großvater errichtet wurde. Über die Jahre wurden etliche Sanierungen notwendig und selbstverständlich musste auch die Heizungsanlage erneuert werden. Nach Stunden der Recherche haben wir uns entschlossen, einen Energieberater hinzuzuziehen. Leider hat diese Konsultation nur noch mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Denn es gibt inzwischen so viele Neuerungen, von denen wir noch nie etwas gehört haben. Daher überlassen wir die Entscheidung jetzt unseren Kindern.

Ingeborg Stadler, Leserin

Fortschritt von gestern

Als besonders innovativ wurde die Nachtstromspeicherheizung gefördert – früher. Inzwischen hilft sie immer noch, die Stromnachttäler auszugleichen. Doch gilt sie heute als Stromfresser. Die Versorger haben die Nachttarife fast den Tagtarifen angepasst. Wenn man Speichermöglich-keiten für neue Erzeugung gefunden hat, könne sich das wieder ändern. Also haben wir bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag statt einer ehemals hochgelobten Innovation die teuerste Heizungsart im Haus – auch bei bester Isolierung.

Martin Koch, Leser

Wissen ist Vorsprung

Das Thema Energie treibt uns Menschen an – im wahrsten Sinne des Wortes. Wir wollen uns unabhängig machen von den Ressourcen, die uns geschenkt wurden und in Böden und Bergen zu finden waren. Die Suche nach neuen Energiequellen, die unseren unstillbaren Durst stillen, verfolgt jede Generation auf diesem Planeten. Die Fusionskraft ist der Atomkraft weit überlegen. Wir brauchen viel mehr kluge Köpfe in der Forschung als in der Verteidigung – und damit retten wir den Planeten.

Martin Winter, Gründungsdirektor MEET (Universität Münster) und Helmholtz-Institut Münster (Forschungszentrum Jülich)

Zünglein an der Waage

Nach dem Motto „Never change a running system“ passierte lange Zeit nicht viel im Markt für Energieerzeugung und -nutzung und es man erwartete auch keine großen Veränderungen von außen. Zwar wurden bestehende Technologien ausgereift, an den großen Eckpfeilern der zentralen Energiegewinnung durch Kohle, Gas und Atomkraft rüttelte man jedoch nicht. Dies änderte sich, als der Klimawandel und die steigenden ökologischen und ökonomischen Kosten zur Ressourcengewinnung in den Fokus der Aufmerksamkeit rückten. Seitdem ruft der Energiesektor nach Innovationsgeist und Erfindungsreichtum – aber wird er auch erhört? Die Vision einer klimaneutralen und energieautarken Gesellschaft, von Großstädten mit sauberer Luft und einer sicheren, für alle verfügbaren Energieversorgung ist ein kraftvoller Motivator für Weiterentwicklung, aber sie muss auch umgesetzt werden. Bei der Neugestaltung unseres Energiesystems spielt die effiziente Energiespeicherung, gerade auch in Batterien, eine große Rolle. Sie macht viele Innovationen überhaupt erst möglich. Gleichzeitig ist sie selbst das Objekt innovativer Entwicklungen. Man kann die Stellschrauben, die es gibt, um die Performance einer Batteriezelle zu verbessern, kaum zählen. Dabei ist die Zelle ein komplexes interaktives System und das Drehen an einer Schraube ändert viele andere Parameter – ein Eldorado für systemisch arbeitende Forscherinnen und Forscher.

Dirk Uwe Sauer, Vorsitzender des Direktoriums, Akademienprojekt „Energiesysteme der Zukunft“ (ESYS)

Integrierte Prozesse

Das Energiesystem erfindet sich gerade neu. Bisher basierte die Stromerzeugung auf wenigen großen Kraftwerken, überwiegend betrieben mit fossilen Brennstoffen. Gas und Öl wurden größtenteils importiert. Strom, Gas, Kraftstoff und Wärme waren weitgehend eigenständige Geschäftswelten. Aktuell sehen wir aber einen grundlegenden Struktur und Technologiewandel. Photovoltaik und Windkraftanlagen zur Stromerzeugung oder Batterien und Prozesse zur Umwandlung von Strom in Gase und Kraftstoffe zur Energiespeicherung brauchen modernste Materialien und Prozesse. Kommunikation, Steuerung und Ab rechnung für Millionen von Erzeugern – Speicher und Verbraucher müssen auf absolut sicheren Kommunikations und Steuerungssystemen oder Blockchain Technologien basieren. Mobilität wird direkt durch Stromnutzung in Elektroantrieben oder durch synthetische Kraftstoffe ermöglicht, Wärme wird durch hocheffiziente Wärmepumpen und geothermische Quellen bereitgestellt. Industrieunternehmen flexibilisieren Produktionsprozesse, um auf die Stromerzeugung aus Sonne und Wind reagieren zu können. Dazu werden Preisinformationen und präzise meteorologische Vorhersagen durch Big Data und Künstliche Intelligenz erstellt. Integrierte Entwicklungsprozesse müssen ressourcenschonende Produktion und effizientes Recycling ermöglichen. Über allem steht ein unbedingter Zuverlässigkeitsanspruch: Systemausfälle sind keine Option, niemals. Mehr Innovation geht kaum.

Viviane Wenders, Leserin

Jeder ist gefordert

Aufgrund der unaufhaltsam fortschreitenden Technisierung und dem dadurch steigenden Energiebedarf ist es nicht nur dem Geldbeutel wegen, sondern in erster Linie der Umwelt zuliebe von größter Wichtigkeit, dass wir mit unseren Energiequellen richtig haushalten und schonend umgehen. Wenn das nicht passiert, mag ich mir die Zukunft nicht mehr vorstellen. Ein bewusster Umgang mit unseren Ressourcen ist daher eine zentrale Herausforderung unserer Zeit und nicht nur ein wichtiges Thema für die Politik, sondern für jeden von uns. Um unsere Fußstapfen zu reduzieren, um umweltentlastender zu werden, müssen wir in unseren Lebensstilen wohl innovativer werden. Denn die meisten unserer Lebensgewohnheiten sind einfach schändlich. Wir sollten uns klar machen, dass eine nachhaltige Lebensweise zukunftsentscheidend ist, aber kein Verzicht auf Lebensfreude bedeuten muss.

Julian König, Leser

Homo Energeticus

Wir suchen alle nach dem Perpetuum mobile, doch brauchen wir nur in den Spiegel zu schauen. Warum sind wir nicht mal offline?

Bente Heckel, Leserin

Atomkraft? Nein danke

Allmählich wird es Zeit, auch die letzten Atomkraftwerke vom Netz zu nehmen. Täglich häuft sich in Deutschland weiter hochradioaktiver Atommüll an. Das Schlimme ist, dass noch immer niemand sagen kann, wohin dieser strahlende Schrott sicher gelagert werden kann. Ohnehin belasten wir damit noch viele Generationen. Aber es kann noch viel, viel schlimmer kommen. Tragödien wie in Tschernobyl oder zuletzt Fukushima können sich jederzeit irgendwo auf der Welt wiederholen. Ich hoffe inständig, dass wir die weltweite Energieversorgung umstellen. Ich bin mir sicher, dass mithilfe innovativer Technologien sichere, umweltverträgliche und wirtschaftliche Energie erzeugt werden kann.

Lothar Ahlers, Leser

Not macht innovativ

Der steigende Energiebedarf der Menschheit führt zu einer dramatischen Verknappung unserer wichtigsten Ressourcen. Der Grund dafür ist nicht nur das rasante Bevölkerungswachstum, sondern auch der hohe Verbrauch von Energie in Industrieländern. Das ist ein großes Problem, vor dem wir stehen. Fossile Brennstoffe sind ein Klimakiller und endlich. Mit Photovoltaik allein ist es nicht getan. Höchste Zeit, innovativ zu werden.

Gunther Baum, Leser

Stromfresser Mensch

Der Bedarf nach innovativen Energielösungen wird mit dem steigenden Energieverbrauch auf der Erde immer größer. Schließlich decken wir unseren derzeitigen Strombedarf überwiegend mit endlichen Ressourcen. Ich bin gespannt, ob auf diesem Gebiet im kommenden Jahrhundert neue Innovationen für eine ähnliche Zeitenwende sorgen werden, wie beispielsweise die Kultivierung des Feuers oder Erfindungen wie die Dampfmaschine und die Glühbirne. Für unsere Zukunft auf dieser Erde sind neue nachhaltige Energiequellen, bessere und effektivere Energiespeicher und vielleicht auch eine effektivere Nutzung der Energie langfristig sicherlich nötig.

Marco Weiss, Leser

Alternativlos

Fossile Energie ist endlich und daher immer nur eine Übergangslösung. In nicht allzu ferner Zukunft müssen wir ohnehin 100 Prozent klimaneutral zurechtkommen. Wie soll ich meinen Enkelkindern in 30 Jahren erklären, dass uns im Jahr 2018 Braunkohlestrom, Billigflüge und SUVs wichtiger waren als der Klimawandel? Und dies, obwohl wir die Folgen heute genau absehen können. Ich bin selber in der Branche der erneuerbaren Energien tätig und kann versichern: Die Lösungen sind fertig, wir müssen sie nur umsetzen. Es wird teurer als mit fossiler Energie, aber gegenüber den Folgekosten des Klimawandels sind das Peanuts. Ich wünsche meinen Enkelkindern Eisbären, Korallenriffe und alles, was das Paradies Erde zu bieten hat, in Natura und nicht aus dem Bildband.

Heinz Mandl, Leser

Unversiegbare Kraft

Sehr geehrte Redaktion, ich lese Ihr Magazin stets sehr gern und finde hier des Öfteren sehr interessante Anregungen in Ihren Beiträgen. Nun möchte ich Ihnen auch einmal eine Antwort zukommen lassen. In Ausgabe 46 hat mir Ihre Diskussion mit der Frage „Wie gelingt Innovation?“ sehr gut gefallen. Eine Antwort hat hier in meinen Augen allerdings gefehlt, die ich aber sehr passend für Ihr neues Thema finde: Innovation gelingt nur, wenn man die nötige Energie aufbringt, um an seine Ideen zu glauben und diese gegen Widerstände durchzusetzen. Daher ist meine Antwort auf Ihre Frage „Wie innovativ kann Energie sein?“ ein ganz klares „unendlich“. Denn es gibt eigentlich nichts, was Innovationen mehr fördert als Energie. Hiermit meine ich sowohl die Energie in jedem einzelnen Menschen als auch Stromenergie, die für heutige Innovationen unerlässlich ist.

Karl-Heinz Schmidt, Leser

Bewährt ist gut

Bei allem, was als Innovation verkauft wird, bin ich immer erst einmal skeptisch. Denn ich bin kein Freund von vorschnellen Entscheidungen. Bei diesen Solarplatten auf den Dächern habe ich auch erstmal abgewartet, ob sich das wirklich rechnet oder ob die nicht viel zu schnell kaputt gehen. Mittlerweile denke ich aber auch darüber nach.

Leo Hinrichs, Leser

Ziele setzen

Usain Bolt hat lange seine ganze Energie dafür aufgewendet, der schnellste Mann der Welt zu sein. Heute setzt er sie dazu ein, mit über 30 Jahren noch einmal Fußballprofi zu werden. Energie kann innovativ sein, wenn man sich immer wieder neu erfindet. Sich neue Ziele zu setzen und zu erreichen muss unser Ziel sein.

Andreas Leeson, Leser

Unsere Energie

Energie – wir brauchen sie, wir nutzen sie, wir erzeugen sie, wir verschwenden sie. Der Punkt, auf den ich hinaus will, ist der: Egal wie innovativ, grün oder gelb Energie jemals sein wird, wenn wir nicht anfangen, die erzeugte Energie bestmöglich zu nutzen, ist sie verschwendet. Doch Verschwendung führt uns nicht an das Ziel, das wir erreichen möchten. Und dieses ist in meinen Augen unseren Kindern und deren Kindern ein Leben zu ermöglichen, das lebenswert ist. Daher bitte ich Sie inständig: Machen Sie sich bewusst, wofür Sie Energie aufwenden und ob es nicht doch einen Weg gibt, diese besser zu nutzen.

Stefan Oehrlein, Projektleiter Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Kenia

Kleine Schritte, große Wirkung

Die Frage nach nachhaltigen Lösungen zur Reduzierung von Treibhausgasen und dem Einsatz erneuerbarer Energien stellt sich nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Teilen der Welt. Zum Beispiel in Kenia: Die Stromversorgung des Landes wird bereits jetzt zu mehr als 70 Prozent aus erneuerbaren Energien gedeckt, wobei Geothermie und Wasserkraft den größten Anteil ausmachen. Gleichzeitig haben weite Teile der Bevölkerung Kenias keinen Zugang zum Stromnetz. Vor allem entlegene und ländliche Gegenden sind davon betroffen. Hier stellen solarbetriebene Inselnetze eine kostengünstige Lösung dar. Wie privaten Unternehmen die Investition in solche Inselnetze erleichtert werden kann, hat die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums etwa mit einem Pilotprojekt in der Kleinstadt Talek im ländlichen Südwesten Kenias getestet: Seit Juni 2015 versorgt eine 50-Kilowatt-Anlage das Handelszentrum mit seinen rund 1.500 Einwohnern mit Solarstrom und schafft so wirtschaftliche Impulse und neue Perspektiven für Beschäftigung. Ein Schreiner kann sein Holz nun mit Maschinen bearbeiten und dank der Zeitersparnis mehr Aufträge annehmen. Ein Apotheker lädt gegen Gebühr die Handys seiner Kunden und hat somit zusätzliche Einnahmen. Nach der Inbetriebnahme der Anlage sind so knapp 40 neue Geschäfte und rund 125 neue Arbeitsplätze entstanden – Tendenz steigend.

Peter Valenta, Leser

Politisch gewollt

Energie ist der wirtschaftlich-technische Nerv einer modernen Gesellschaft. Neben einer klugen und zentralen Vernetzung der Energien sind lokale Insellösungen anzustreben, sodass es im Falle von Katastrophen zu keinem nationalen Blackout kommen kann. Ich leiste mir Nachhaltigkeit, aber leider gibt es zu viele Menschen, zum Beispiel Familien mit Kindern, die das nicht können. Aus diesem Grund muss politisch die sogenannte Gemeinwohlökonomie als Ziel ausgegeben werden.

Dirk Schuster, Leser

Windräder am Meer und Solar in der Wüste. Die produzierte Energie gleich in Wasserstoff umwandeln und aus dem Auto tropft nur noch Wasser.

Michael Opitz, Leser

Alles Grün?

Innovation bedeutet Erneuerung. Daher kann innovative Energie nur erneuerbare Energie sein. Dementsprechend sind wir mit der Umstellung auf erneuerbare Energien auf dem richtigen Weg. Was ich mir jedoch wünschen würde, ist mehr Transparenz im Energiedschungel. Die Frage ist nämlich: Ist die Energie, die ich beziehe, wirklich grün oder zahle ich nur dafür? Denn wer garantiert mir, dass das, was aus der Steckdose kommt, wirklich das ist, was ich möchte? Nachweisen können wird mir das wohl niemand.

Daniel Manig, Leser

Licht im Nirgendwo

Wir verbrauchen immer mehr Strom, da mittlerweile alles elektrisch und nun auch vernetzt funktioniert. Die meisten Geräte versprechen Erleichterung. Sicherlich ist die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen das Ziel Nummer eins. Doch ich denke, dass im Energiesparen und dem bewussten Umgang mit Energie und Ressourcen generell ein riesiges Potenzial schlummert. Intelligent wäre etwa eine Straßenbeleuchtung, die nur dann leuchtet, wenn auch einer in der Nähe ist. Der Blick aus dem Flugzeug bei Nacht zeigt leuchtende Wiesen im Nirgendwo. Wer bezahlt da eigentlich die Rechnung, oder ist Strom einfach zu günstig, um effizienter genutzt zu werden?

Felicitas Theck, Leserin

An morgen denken

Für mich ist Energie dann innovativ und nachhaltig, wenn sie das macht, was sie soll und keinem weh tut oder etwas wegnimmt. Das heißt, wenn wir durch das Verbrennen von Holz Wärme erzeugen, müssen wir schauen, dass für die kommenden Generationen noch etwas Wald übrigbleibt. Der hat schließlich auch noch andere Funktionen, als uns mit Brennholz zu versorgen. Wer sagt das diesem Trump?

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Welche Arbeit zählt?

Die Unterschiede bei der Entlohnung und dem sozialen Status in unserer Gesellschaft werden immer größer. Dabei bekommen viele Tätigkeiten nicht die Anerkennung, die sie verdienen. Schreiben Sie uns, was für Sie eine sinnvolle Tätigkeit ausmacht und welche Berufe Sie mal als besonders wertvoll hervorheben wollen.

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Horst Opaschowski, Zukunftswissenschaftler

Aufgaben ohne Ende

Arbeit hat viele Gesichter. Als Arbeit zählt jede Tätigkeit, die dem Menschen und der Gesellschaft dient und dabei neue Lebenswerte schafft – von der Vollzeit-, Zeit- und Leiharbeit über Zweit-, Neben- und Minijobs bis zur Be-ziehungs-, Sozial- und Bildungsarbeit. Immer geht es dabei um das Wohler-gehen für Menschen und Märkte. Im Zuge des Struktur- und Wertewandels stellt sich die Frage „Welche Arbeit zählt?“ neu. Eine Arbeitsplatzsicherheit ist heute wichtiger als eine Einkommenserhöhung. Und bei der jungen Gene-ration Z (wie Zukunft) rangiert die private Freizeit vor dem beruflichen Auf-stieg. Die Menschen wollen schon durch Arbeit und Einkommen auf Nummer sicher gehen, dabei aber die Sinnfrage des Lebens nicht aus den Augen ver-lieren. Nach dem aktuellen Wohlstandsindex für Deutschland zählen die „drei G“ im Leben: Geld, Gesundheit und Geborgenheit. Es geht um die Gewinn-maximierung des ganz persönlichen Lebens. Das kann auch bedeuten: Gut leben statt viel haben. Jedes im Jahr 2018 Neugeborene wird in hundert Jah-ren noch am Leben sein. In einer solchen Gesellschaft des langen Lebens än-dern sich die Prioritäten grundlegend. Dann heißt es: ein Job, eine Familie, ein Ehrenamt. Wer eine Arbeit hinter sich hat, soll eine Aufgabe vor sich ha-ben. In Zukunft erwartet die Menschen ein Leben mit immer neuen Anfängen und mit Aufgaben ohne Ende. Diese Zukunftsperspektive gibt Sinn-Antworten auf die Frage, wofür es sich zu leben lohnt.

Angelique Kerber, Tennisprofi

Unermüdliche Helfer

Ich habe das große Glück, dass ich mein Hobby zum Beruf machen konnte. Mein Leben lang hatte ich das Privileg, von meinen Eltern gefördert zu werden und meine Träume verfolgen zu dürfen. Ich weiß aber auch, dass viele nicht so viel Glück haben. Etwa die viel zu vielen Kinder weltweit, die unter schwierigsten Bedingungen aufwachsen. Die beispielsweise vor Krieg fliehen müssen, nicht genug zu essen haben oder nicht in die Schule gehen können. Seit 2017 engagiere ich mich deshalb als Unicef-Patin für die Rechte benachteiligter Kinder. Ich tue das mit meinem Namen und meiner Bekanntheit – und hoffe, damit etwas von meinen Privilegien zurückgeben zu können. Warum Unicef? Weil ich glaube, dass die Organisation einen echten Unterschied macht. Sie ist praktisch überall auf der Welt präsent, arbeitet mit Partnern und Regierungen zusammen, kann viel bewegen, zum Beispiel mit Hilfsgütern. Und weil es mich unheimlich beeindruckt, wie die Unicef-Helfer in den ärmsten Regionen der Erde jeden Tag für die Kinder da sind. Selbst in gefährlichen Kriegsgebieten wie in Syrien oder nach Naturkatastrophen. Vor dieser Arbeit kann man nur den Hut ziehen. Und häufig verschwinden ja selbst große humanitäre Krisen fast aus der Öffentlichkeit und aus unserem Bewusstsein. Trotzdem sind die Teams von Unicef immer wieder im Einsatz. Ich finde das wirklich bewundernswert, denn diese Menschen geben viel auf, um anderen Menschen und Familien zu helfen.

Michael Bohmeyer, Aktivist für das bedingungslose Grundeinkommen

Zeichen der Zeit

Das Grundeinkommen entkoppelt Arbeit von Leistung, aber das bedeutet nicht, dass die Menschen nichts mehr leisten wollen. Im Gegenteil: Unser Experiment mit 200 Menschen, denen wir Grundeinkommen auszahlen, zeigt, dass die Menschen stressfreier weiterarbeiten, sich fortbilden, Firmen gründen und nicht daran denken, zu Hause zu bleiben – aber durchaus anders arbeiten als bisher. Denn das Grundeinkommen kann die Frage nach dem Sinn noch einmal ganz neu stellen: Was lerne ich, um Geld zu verdienen? Was kann ich am besten? Was ist mein sinnvoller Beitrag zur Welt? Was zählt für mich? Die Digitalisierung und die neuen bahnbrechenden Technologien verursachen in unserer bisherigen Arbeitswelt aktuell einen tiefgreifenden Wandel. Während in der Industrialisierung der Wandel von der Muskel- zur Kopfarbeit stattgefunden hat, wird nun die Kopfarbeit zunehmend von Maschinen abgelöst. Der Mensch wird in der zukünftigen Arbeitswelt mit seiner Arbeitskraft immer weniger zählen. Es wird so viel darüber diskutiert, ob wir uns die Einführung eines Grundeinkommen leisten können. Die Frage muss vielmehr lauten: Können wir es uns leisten, das Grundeinkommen nicht einzuführen? Ich glaube nicht an das Ende der Arbeit, aber die Gesellschaft muss Umschulungsmaßnahmen ergreifen. Sie muss das Herz schulen, denn emotionale Arbeit wird viel wichtiger werden. Das Grundeinkommen sorgt dafür, dass der Mensch etwas zählt, auch wenn seine Arbeit nichts zählt.

Brigitte Bonifer, Leserin

Welche Arbeit zählt?

Jede Arbeit, mit der ein Mensch redlich seinen Lebensunterhalt bestreiten und sich ein lebenswertes Leben finanzieren kann, ist natürlich ok. Aber: Es gibt so viele für die Gesellschaft und deren Zusammenhalt wichtige Aufgaben, die uns zugleich eine lebenswerte Zukunft ermöglichen, aber entscheidend zu wenig geachtet werden. Dazu zählen Erziehung, Bildungsarbeit, Kranken- und Altenpflege, Naturschutz, um nur einige zu nennen. Insofern muss die Sicht auf Arbeit, die wirklich für die Menschen, die Gesellschaft, das Miteinander und die Zukunft zählt, einen ganz anderen Stellenwert einnehmen als aktuell. Fangen wir an umzudenken.

Konstantin Adamopoulos, Leser

Jeder ist wichtig

Grundsätzlich erscheint es mir heute gesellschaftlich sinnvoll, wenn jedes Individuum seine eigenen reichen Potenziale ergründen lernt und sie so zu Entfaltung bringt. Dabei sollten wir uns gegenseitig unterstützen. So werden auch die notwendigen sozialen Aspekte gestärkt – wie der Respekt vor der Würde des Menschen, unabhängig von seinem Beruf.

Silvana Hübig, Leserin

Als Schülerin habe ich in den Ferien immer bei der Inventur geholfen. Zählen macht bei Blumentöpfen definitiv mehr Spaß als bei Schrauben.

Bernd Meurer, Präsident Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa)

Unentbehrliche Profis

Altenpflege ist ein vielseitiger Beruf mitten im Leben und nah am Menschen. Altenpflegerinnen und -pfleger brauchen ein Gespür für die individuellen und sozialen Bedürfnisse älterer Menschen sowie als Soft Skills viel Geduld und Empathie. Darüber hinaus ist Interesse an medizinischen und pflegewissenschaftlichen Fragestellungen ebenso notwendig wie die Fähigkeit, Aufgaben im Bereich der Betreuung, Organisation und Verwaltung zu meistern und im Team zu arbeiten. Für gelernte Altenpflegerinnen und -pfleger bieten sich zahlreiche Aufstiegschancen, zum Beispiel in die Praxisanleitung oder die Leitung eines Pflegeheims beziehungsweise eines ambulanten Dienstes. Auch im Krankenhaus sorgt der hohe Anteil älterer pflegebedürftiger Menschen für hohen Bedarf. Darüber hinaus ist die Tätigkeit in der Altenpflege aufgrund des demografischen Wandels zukunfts- und krisensicher, und Pflegeeinrichtungen gibt es überall. Auch in Zeiten der Digitalisierung zählt die Altenpflege zu den sichersten Berufen in Deutschland. Im Schnitt bleiben die Beschäftigten in der Altenpflege ihrer Profession über 19 Jahre treu – was belegt, dass die Arbeit für sie nicht nur ein Job, sondern auch sinnstiftende Berufung ist. Dem Bundesinstitut für Berufsbildung zufolge liegt die sogenannte Stayer-Quote in den Pflege- oder Gesundheitsberufen damit bei 74 Prozent – während im Durchschnitt aller Berufe nur 47 Prozent in ihrem erlernten Beruf verbleiben.

Thorsten Schulten, Referent Arbeits- und Tarifpolitik in Europa, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung

In Würde leben

Welche Arbeit zählt? Jede Arbeit! Aber nicht jede Arbeit erhält die entsprechende Anerkennung. Dies zeigt sich vor allem beim Lohn. In vielen Bereichen werden in Deutschland extrem niedrige Löhne gezahlt. Das gilt vor allem für private Dienstleistungen, ohne die unser Alltag kaum denkbar wäre. Angefangen von Zustellern, die uns die Zeitung und Pakte vom Online-Shopping bringen, über die Beschäftigten in der Gastronomie, die für unser leibliches Wohl sorgen, bis zu den Reinigungskräften, die für uns eine saubere Umgebung schaffen. Diese und viele andere Berufsgruppen bilden heute einen der größten Niedriglohnsektoren in Europa. Nicht zufällig sind hier vor allem Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund beschäftigt. Was diesen Gruppen fehlt, ist oft nicht nur die Wertschätzung ihrer Arbeit, sondern auch die politische Mächtigkeit, höhere Löhne durchzusetzen. Die Einführung eines allgemeinen Mindestlohns war deshalb ein wichtiger und notwendiger Schritt. Allerdings ist das Niveau von derzeit 8,84 Euro pro Stunde so niedrig, dass man selbst bei einer Vollzeitstelle kaum über die Runden kommt. Der Mindestlohn sollte deshalb zu dem werden, was im Englischen als „Living Wage“ bezeichnet wird – also zu einem Lohn, der eine vollwertige Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht. Wahrscheinlich müsste man dann für die eine oder andere Dienstleitung etwas mehr bezahlen. Das sollte es uns aber Wert sein, denn jede Arbeit zählt.

Kathrin Herold, Hebamme und Vorsitzende Landeshebammenverband Mecklenburg-Vorpommern

Leistung muss sich lohnen

Als ich mich vor gut 20 Jahren für eine Ausbildung zur Hebamme entschloss, wollte ich einen Beruf wählen, der sich primär mit dem Thema Frauen auseinandersetzt. Die Tätigkeit als Hebamme schien mir dafür geeignet zu sein, da ich damals dieses Thema unterrepräsentiert fand – in meinem Leben, aber auch in der Gesellschaft. Das hat für mich gezählt. Für mich ist das Thema Arbeit auch immer mit einem Lebenssinn verbunden. Ich habe damals nicht bewusst einen helfenden Beruf gewählt. Heute kann ich sagen, ich habe über die Jahre meinen Traumberuf gefunden. Hebamme ist ein Beruf mit sehr hoher Wertschätzung. Leider spiegelt sich in Deutschland der Wert einer Arbeit nicht immer monetär wieder. Die Bezahlung ist in meinem Beruf häufig nicht angemessen und muss verbessert werden, etwa in der Stillberatung. Um das zu erreichen, wäre es notwendig, dass die Arbeit der Hebammen in Bereichen wie der Stillberatung nicht nur bei den jungen Familien Anerkennung findet, sondern auch in der Gesundheitspolitik eine höhere soziale und finanzielle Wertschätzung erfährt. Ich wünsche mir außerdem mehr Respekt und Anerkennung für Mütter, die ihr Kind stillen. Denn das Stillen hat für Mutter und Kind einen unschätzbaren Wert. Um Familien dabei mit unserer Fachkompetenz unterstützen zu können, brauchen wir eine gute und wissenschaftlich fundierte Ausbildung. Die anstehende Akademisierung des Hebammenberufes ist hier der richtige Schritt.

Henrik Lube, Leser

Mehr Wertschätzung für Grundversorger

Die medizinischen und pflegenden Berufe sind in meinen Augen besonders wertvoll. Es sollten genügend Ärzte überall im Land zur Verfügung stehen. Deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben eine große Verantwortung – und verdienen übrigens deutlich zu wenig Geld. Ebenso natürlich Alten- und Krankenpflegerinnen und -pfleger. Sie dienen den Menschen im grundlegendsten Lebensbereich: der Gesundheit, die fast jeder Mensch als das Wichtigste überhaupt bezeichnet. Sinnvoll sind insbesondere Tätigkeiten, die dem Menschen und dem Gemeinwohl unmittelbar dienen. Die Versorgung der Bevölkerung mit grundlegenden Dingen wie Gesundheit, Trinkwasser, Elektrizität, Transport und Sicherheit hat große Bedeutung und sollte in öffentlicher Verwaltung bleiben. Die Privatisierung hat vielfach zu negativen Entwicklungen geführt.

Karin Unkrig, Leserin

Helden der Straße

Die Arbeit der Beschäftigten der Autobahn- und Straßenmeistereien. Sie sind Tag und Nacht, bei Wind und Wetter für die Verkehrsteilnehmer im Einsatz und müssen sich dabei beschimpfen lassen, wenn sie die Verkehrsführung für Baustellen einrichten, werden hupend bedrängt, wenn sie den Schnee auf den Straßen räumen, oder zu Unrecht für Vandalismus an den Toilettenanlagen verantwortlich gemacht.

Juliane Germisch, Leserin

Dienst für Menschen

Ich arbeite im Bereich der ambulanten Krankenpflege. Aber ich möchte hier keine Lanze für den Pflegesektor brechen, denn in meinen Augen zählt jede Arbeit für die Gesellschaft. Dennoch möchte ich hervorheben, dass wir eine Gemeinschaft sind und wir daher alle füreinander da sein müssen. Und natürlich besonders für die, die ohne Hilfe kein selbstbestimmtes Leben mehr führen können. Daher liegt es mir besonders am Herzen, meinen Kollegen zuzurufen: Seht unsere Tätigkeit nicht als Arbeit, sondern mehr als Dienst für die Menschlichkeit. Selbst wenn der Dank oftmals fehlt, viele wissen, was sie an uns haben.

Matthias Lindemann, Leser

Hinter den Kulissen

Ich hatte schon viele Jobs in meinem Leben. Wenn man anfängt zu arbeiten, dann wachsen die Aufgaben von Etappe zu Etappe. Die ersten Jobs wurden mir noch von meinen Eltern vermittelt, weil sie wohl dachten, ich hätte zu viel Freizeit in den Sommerferien. Später wählt man seine Beschäftigung dann zum Glück selbst aus. Mir war der Kontakt zu Menschen immer wichtig und oft war es ein interessantes Schauspiel, Menschen zu beobachten, wie sie sich verhalten, wenn man quasi für sie arbeitet. Hier zeigt sich, wer oft geschubst wurde oder vielleicht Geschwister hat. Interessante Erfahrungen auf jeden Fall.

Rutger Bregman, Journalist und Autor

Utopie wird Realität

Es ist Zeit komplett zu überdenken, was wir unter Arbeit verstehen. Heutzutage gibt es eine Vielzahl von Menschen, die zwar hart arbeiten, aber kaum etwas zum Allgemeinwohl beitragen. Damit sind natürlich nicht Krankenpfleger oder Lehrer gemeint, sondern Berater, Banker oder Unternehmensanwälte – Menschen, die oft selbst ihren Job als ziemlich nutzlos beschreiben. Würden sie in Streik treten, es hätte kaum Auswirkungen. Der einzige Bankerstreik, den ich kenne, fand 1970 in Irland statt. Alle Experten waren sich sicher, er würde zu einem Infarkt der Wirtschaft führen. Tatsächlich passierte kaum etwas. Es ist offensichtlich, dass ein neues Verständnis von Arbeit mit dem Umdenken in der Bildung beginnt. Unser heutiges Bildungssystem ist darauf ausgerichtet, Kinder so schnell wie möglich in einen gutbezahlten Job zu bringen. Aber Geld ist kein guter Ausdruck für Werthaftigkeit. In der Zukunft sollte Schule junge Menschen nicht für die Arbeit, sondern für das Leben vorbereiten. Wie werden Historiker zukünftig auf unsere Zeit zurückschauen? Wie werden sie über die Gefängnisse, die wir „Büros“ nennen, urteilen, in denen Millionen von Menschen zwar vorgeben zu arbeiten, in der Realität aber nur Berichte schreiben, die niemand liest, und auf Facebook unterwegs sind? Eines ist sicher: Es kann keine ökonomischen Gründe geben, die Dinge auf diese Weise anzugehen. Dahinter muss eine bizarren Ideologie stehen, oder eine Religion.

Mirela Puljic, Kassenwartin des heute ältesten deutschen Fußballvereins B.F.C. Germania 1888

Erfüllende Aufgabe

Ich bin seit 2012 ehrenamtlich als Kassenwartin tätig und für mich bedeutet diese Arbeit mein Leben. Angefangen habe ich im Spielbetrieb Jugend und jetzt bin ich dort Schatzmeisterin. Meine ehrenamtliche Arbeit im Verein zählt also im doppelten Wortsinn. In meiner erwerbstätigen Arbeit bin ich Verkäuferin, inhaltlich liegen Arbeit und Ehrenamt damit nah beieinander. Für mich ist mein Ehrenamt allerdings keine Arbeit: Ich muss es nicht machen, ich möchte es machen. Die Papiere durchsehen, die Kasse überprüfen, checken, ob alle Beiträge bezahlt sind – das gehört einfach zu meinem Leben dazu und ist selbstverständlich. Ich bekomme sehr viel und gebe damit etwas zurück. Mein Mann und mein Sohn spielen aktiv im Verein und wir verbringen als Familie jede freie Minute dort, auch wenn spielfrei ist. Es gibt immer etwas zu tun. Meine Freizeit ist mein Ehrenamt. Ich denke schon, dass meine Tätigkeit auch von den Vereinsmitgliedern anerkannt wird und sie zu schätzen wissen, dass wir Ehrenamtliche uns schnell um alles kümmern, was anliegt. Der erste Vorsitzende des immerhin ältesten noch bestehenden Fußballvereins in Deutschland macht das seit 50 Jahren. Er ist das Herz des Vereins, ohne ihn gäbe es den Verein vielleicht nicht mehr. Das könnte eine Vision sein: Ich möchte auch in 50 Jahren noch im Verein stehen. Der Wert meiner Arbeit lässt sich nicht in Geld auszahlen, sondern in dem Gefühl, dass mich das Ehrenamt einfach glücklich macht.

Gisela Kurz, Leserin

Richtige Adresse

Wir kommen alle auf die Welt und wir sterben alle. Warum nutzen wir nicht die Zeit dazwischen ganz egoistisch, um denen ihre Arbeit mit finanziellen Aufstockungen zu erleichtern und ihnen hohe soziale Wertschätzung zu gewähren, deren „Nutznießer“ wir alle sind: den Müttern und den Hebammen, die uns auf die Welt bringen, und allen Kranken- und Pflegekräften, die uns den Abschied von dieser Welt erträglich machen. Reicht dafür das richtige Häkchen auf zukünftigen Wahlzetteln?

Rolf Müller, Leser

Spüre die Kraft

Mein erster Gedanke war, dass jede Arbeit zählt. Denn ein Arbeitsplatz sorgt schließlich dafür, dass man sein Leben unabhängig führen kann. Dies gilt natürlich nur, wenn die Arbeit auch bezahlt wird. Doch je länger ich über Ihre Frage nachgedacht habe, desto mehr habe ich für mich persönlich festgestellt, dass Arbeit natürlich nicht gleich Arbeit ist. Ich selbst habe lange Zeit von einer Büroanstellung geträumt, da meine Tätigkeit körperlich sehr anstrengend war. Als ich letztlich in meinem Betrieb in die Verwaltung gewechselt bin, habe ich allerdings auch die Nachteile der Kopfarbeit und die Vorzüge der körperlichen Arbeit kennengelernt. Ich habe nämlich plötzlich auch nach Feierabend gedanklich noch oft Zeit bei der Arbeit verbracht, statt mit dem Feierabend auch wirklich die Arbeit hinter mir zu lassen. Meine Schlussfolgerung war letztlich, dass ich mich in meiner Freizeit vermehrt mit körperlicher Arbeit in unserem Garten abgelenkt habe. Und ich habe festgestellt, dass körperliche Arbeit für mich einen viel größeren Wert hatte als zuvor.

Gustav Heinrich, Leser

Aktiv bleiben

Als ich vor zehn Jahren meine Arbeit als Ingenieur verloren habe – heute bin ich 73 – war ich zu stolz, um eine Arbeit anzunehmen, die unter meiner Qualifikation lag. Ich bin in Frührente gegangen und habe die finanziellen Einbußen hingenommen. Denn diese kann ich verkraften. Aber rückblickend betrachtet bereue ich dies, denn jede Arbeit zählt.

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