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Was stärkt die Gesundheit?

Der Herbst beginnt und mit ihm die Erkältungszeit, die unser Immunsystem alljährlich auf die Probe stellt. Verraten Sie uns Ihre Wege, wie Sie Körper und Geist in der kalten Jahreszeit widerstandsfähig halten und welche Geheimrezepte Sie haben, um gesund zu bleiben.

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Michael „Curse“ Kurth, Systemischer Coach und Musiker

Dem Geist Raum geben

Ich stelle mir Folgendes vor: Ich wache nach einem guten Schlaf auf, frühstücke gesund und treibe Sport. Die Sonne scheint, die Luft ist frisch. Ich spreche mit Freunden über Dinge, die mich bewegen. Meine Arbeit gibt mir Sinn, ich gönne mir dabei genug Pausen. Alles ist so, wie ich es mir wünsche. Dann nehme ich mir vor, für 20 Minuten „nichts“ zu tun. Ich sitze einfach nur da und atme. Dann passieret es: Die Gedanken prasseln auf mich ein. Was muss ich morgen tun, habe ich heute zu sehr gefaulenzt. Ach, ich sollte mich nicht so verurteilen – aber was ich tun sollte, ist später die Wohnung aufräumen. Muss, soll, hätte. Ständig neue Gedanken. Meine Ruhe ist dahin. Ich stehe auf, dieses stille Sitzen ist nichts für mich. Wir alle arbeiten hart dafür, dass die äußeren Umstände uns gesund und glücklich machen. Doch die Basis ist unsere geistige Gesundheit und Ausgeglichenheit. Es ist vor allem die Fähigkeit, das, was in unserem Geist passiert, zu erkennen, anzunehmen und damit zu arbeiten – und nicht wegzulaufen. Ich bin mein Leben lang weggelaufen. Angekommen bin ich doch immer wieder bei mir selbst. Vor zehn Jahren habe ich Meditation entdeckt, entdecken müssen, um nicht zu verzweifeln. Ich verbrenne keine Räucherstäbchen, spiele keine Klangschalen. Ich sitze. Allem, was in meinem Geist auftaucht, biete ich Raum. Das ist das ganze Geheimnis. Seitdem kann ich zum ersten Mal sagen, dass ich wirklich gesünder werde. Jeden Tag ein bisschen.

Ron Eccles, Gründungsdirektor Common Cold Centre, Cardiff University

Vorbeugen lindert

Die Erkältung ist weltweit die am häufigsten auftretende Erkrankung mit allein 165 Millionen Krankheitsfällen pro Jahr in Deutschland. Wie können wir uns vor Erkältungen schützen? Gäbe es darauf eine klare Antwort, wären wir glücklich. Klinische Befunde legen nahe, dass pflanzliche Arzneimittel wie Echinacea und Pelargonium dabei helfen, Erkältungen vorzubeugen und Symptome abzumildern. Auch die Einnahme der Vitamine C und D kann unser Immunsystem stärken. Neueste Forschungsergebnisse zeigen, dass Nasensprays, die ein Algenextrakt, das sogenannte Iota-Carrageenan, enthalten, Erkältungssymptome lindern und die Dauer der Erkrankung verkürzen, indem sie die Viren in der Nase einschließen. Wer sich eine Erkältung einfängt, der kann mit einer Dreifach-Behandlung die häufigsten Symptome mildern: Heiße Getränke, die Honig und Zitrone enthalten, lindern insbesondere Halsschmerzen und Husten. Schmerzmittel wirken fiebersenkend und sind hilfreich bei Kopf-, Hals- und Gliederschmerzen. Und ein Nasenspray befreit die Nase, um freier atmen und nachts besser schlafen zu können. Solange wir nicht jeglichen Kontakt zu anderen Menschen vermeiden, werden wir Erkältungsviren ausgesetzt sein. Wenn wir aber unser Immunsystem durch eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und körperliche Aktivität stärken, können wir die meisten Viren schnell wieder loswerden und leiden nicht zu sehr unter der am weitesten verbreiteten Krankheit der Menschheit.  

Raphael M. Bonelli, Neurowissenschaftler und Psychiater

Glaube stärkt

Religion tut der Psyche gut. Zu diesem Ergebnis kommen die aufwändigen Metaanalysen sämtlicher wissenschaftlich-psychologischer Studien der letzten 40 Jahre. Suchtkrankheiten, Suizide und Depressionen etwa kommen bei religiösen Menschen deutlich seltener vor als bei Atheisten. Das ist psychodynamisch nachvollziehbar. Viele Menschen sind auf sich selbst zurückgeworfen und damit isoliert. Religion verweist auf etwas Höheres, befreit so den Menschen und öffnet ihn auf einen Sinn hin. In der modernen Psychologie nennt man das Selbsttranzendenz. Der Gläubige weiß, da gibt es jemanden, der ihn in der Hand hält und der für ihn sorgt. Er fühlt sich geborgen und das schafft psychische Stabilität. Wir unterscheiden heute zwei Arten von Religiosität. Die sogenannte intrinsische Religiosität ist motiviert um der Religion willen – man glaubt wirklich an Gott und will ihm ernsthaft dienen. Die extrinsische Religiosität hingegen bedient sich der Religion. In die Kirche geht man etwa, weil man sich dort wichtig machen kann. Gott spielt eine Nebenrolle. Letztere hat keinerlei positive Auswirkungen auf die psychische Gesundheit. Zur gesunden, intrinsischen Religiosität kann man sich entscheiden. Es ist aber unmöglich, intrinsisch zu glauben, nur weil man weiß, dass man davon gesünder würde. Denn dann wäre sie extrinsisch und die Wirkung dahin. Religion ist keine Pille – und Gesundheit nur die Nebenwirkung eines gelungenen Lebens.

Mette L., Leserin

Zur Arbeit mit dem Fahrrad fahren und gesundes Essen über den Tag.

Eckhart Tolle, Spiritueller Lehrer und Autor

Auszug aus dem Buch „Jetzt! Die Kraft der Gegenwart"

Es findet eine immense Stärkung des Immunsystems statt, wenn du in deinem Körper bist. Je mehr Bewusstheit du in deinen Körper bringst, desto stärker wird das Immunsystem. Es ist, als würde jede Zelle erwachen und sich freuen. Der Körper liebt deine Aufmerksamkeit. Das ist auch eine wirksame Form der Selbstheilung. Die meisten Krankheiten schleichen sich ein, wenn du nicht im Körper präsent bist. Wenn der Meister nicht im Haus ist, machen sich dort alle möglichen zweifelhaften Figuren breit. Bist du jedoch in deinem Körper anwesend, wird der Zugang für ungewollte Gäste schwierig. Es ist nicht nur dein körperliches Immunsystem, das gestärkt wird; auch dein psychisches Immunsystem wird enorm verbessert. Das Letztere schützt dich vor den negativen geistig-emotionalen Kraftfeldern anderer, sie sind sehr ansteckend. Das Bewohnen deines Körpers schützt dich nicht durch das Errichten eines Schutzschildes, sondern es erhöht die Schwingungs-Frequenz deines gesamten Energiefeldes, so dass alles, was auf einer niedrigeren Frequenz schwingt, wie Angst, Wut, Depression und so weiter, nun sozusagen in einer anderen Art von Realität existiert. Es betritt dein Bewusstseinsfeld nicht mehr, und wenn doch, brauchst du keinen Widerstand zu leisten, denn all das geht direkt durch dich hindurch. Bitte akzeptiere nicht einfach, was ich sage, oder lehne es nicht ab. Probiere es aus.

Arnold Kaufmann, Leser

Du bist, was du isst

Eine gesunde Ernährung ist die Basis für ein starkes Immunsystem, gepaart mit ausreichend Schlaf. In meinen Augen gehören acht bis neun Stunden Schlaf täglich zu den Grundbausteinen einer starken Gesundheit. Das Essen sollten etwa zu 70 Prozent aus veganer Ernährung bestehen. Hinzu kommt, Fleisch aus Massentierzucht zu vermeiden, da jegliche Medikamente, die den Tieren zugeführt werden, auch in unseren Körper gelangen. Das führt mich zum nächsten Punkt: Medikamente sind natürlich wichtig, doch werden diese mittlerweile wie so vieles in unserer Gesellschaft zu viel konsumiert. Dabei spreche ich von Antibiotika und dergleichen und nicht von homöopathischen Medikamenten oder Nahrungsergänzungsmitteln, die zur Unterstützung einer gesunden Ernährung hinzugezogen werden.

Anton Hofreiter, Vorsitzender Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen

Große und kleine Schritte

Saubere Umwelt, Genuss, ausreichend Schlaf – das ist mein Rezept für eine stabile Gesundheit. Schlecht ist nur, dass wir es nicht einfach in der Apotheke einlösen können. Immerhin: Wir können weitgehend selbst dafür sorgen. Für klares Wasser, saubere Luft und gesundes Essen sehe ich vor allem die Politiker in der Bundesregierung, den Landesregierungen und Rathäusern in der Verantwortung. Viele Maßnahmen liegen auf der Hand: raus mit den Dieselrußstinkern aus den Innenstädten, Mikroplastik gehört nicht in Kosmetika und schon gar nicht ins Wasser, Pestizide wie Glyphosat müssen von unseren Äckern verschwinden. Das ist aus meiner Sicht das politische Sofortprogramm für eine gesündere Umwelt. Und auch jeder selbst kann etwas für seine Gesundheit tun. Vor allem sollte sich jeder von uns die Freiheit nehmen, selbst zu entscheiden, was für ihn richtig ist. Ich kann keine Ratschläge geben. Für mich ist wichtig: Zeit nehmen. Das gelingt mir leider nicht oft. Zwischen dem politischen Trubel schaffe ich es trotzdem manchmal noch, mir Zeit zum Abschalten zu blocken. Ich liebe es, gemeinsam mit meiner Freundin oder Freunden in den Bergen zu wandern, die frische Luft zu atmen und den freien Blick auf die Gipfel zu genießen. Wir kehren dann ausgiebig ein oder ich koche auch gern selbst – Hauptsache gut und mit viel Zeit. Und dann freue ich mich jedes Mal, wenn ich ausschlafen kann. Das ist Genuss. Das ist für mich gesund.

Katharina Berger, Leserin

Psychisch stark

Wann sind wir eigentlich gesund? Wenn wir keine Schmerzen haben? Wenn wir auf der Arbeit immer funktionieren und etwas leisten können? Oder ist unsere Gesundheit mehr? Für mich heißt gesund sein, eine starke Psyche zu haben. Dafür telefoniere oder treffe ich mich mit meinen Freunden und meiner Familie ziemlich regelmäßig. Dabei vergesse ich nicht, dass ich auch mal Zeit mit mir selber verbringen sollte. Denn in solchen Momenten habe ich die Möglichkeit, tief durchzuatmen und mich nur auf mich, auf meine Ziele, meine Bedürfnisse und vor allem auf meine Gesundheit zu fokussieren. Wenn ich noch dazu zwei bis drei Mal die Woche zum Sport gehe und mich ausgewogen ernähre, stärke ich nicht nur meine Gesundheit, sondern auch das Glücklichsein.

Annette Lehmann, Leserin

Gutes tun tut gut

Don Bosco, ein italienischer Priester, der vielen Kindern zu Lebzeiten geholfen hat, verfolgte das Credo: „Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen.“ Ich denke, dass das auch ein Sinnbild für unsere Gesundheit sein kann. Der, der gelassen und mit Freude anderen hilft, hilft damit auch sich selbst und somit auch seiner Gesundheit.

Louis Lewitan, Psychologe, Management-Coach und Buchautor

Balance finden

Gesundheit ist mehr als die Abwesenheit von Krankheit. Um gesund zu bleiben, müssen wir zum Beispiel begreifen, wie wir unseren Stress in die richtigen Bahnen lenken. Stress ist Lebensenergie, die wir positiv nutzen können oder gegen uns selbst und andere richten, indem wir unsere Persönlichkeit stärken oder unsere Gefühle nicht unterdrücken. Die Psychologie kann sehr nützlich sein, um unsere Gesundheit zu fördern: Selbstreflexion, Selbstwertschätzung, der Umgang mit den eigenen Gefühlen und das Finden der Balance zwischen Aktivität und Pause sind dabei sehr wichtig. Gesund bleiben bedeutet, immer wieder seine Haltung zu hinterfragen, seine Perspektiven zu wechseln, seine Vorurteile zu erkennen, seine Grenzen zu erkunden und sie behutsam zu erweitern. Es bedeutet auch, sich zu fragen: Wie gehe ich mit mir um? Bin ich mir selbst der beste Freund oder bin ich mein ärgster Gegner? Wer sich selbst herabwertet, sich wegen seiner Unvollkommenheit ablehnt, steht seiner Gesundheit und seinem Glück im Weg. Und mit der Balance ist es wie mit dem Autofahren: Wer nur Gas gibt, gefährdet sich und andere, wer nur bremst, kommt nicht vom Fleck. Wer sich hingegen auf seine Stärken besinnt, sich in seiner Gesamtheit annimmt, seine Gefühle ausdrücken kann und auch mal pausiert, um seine Batterien aufzuladen, der lebt gesünder und ist stark genug, um sich und anderen Gutes zu gönnen und dem Stress zu begegnen.

Ulf Beyer, Leser

Positiv denken

In meinem Bekanntenkreis gibt es etliche Nörgler. Sie beschweren sich über alles und jeden. Ob es nun direkt mit ihrem eigenen Leben zu tun hat oder nur indirekt. Meistens geht es auch gar nicht darum, etwas ändern zu wollen. Es geht einfach nur darum, etwas anzuprangern. Es könnte natürlich sein, dass diese Menschen Kraft daraus ziehen und Glücksgefühle erleben, wenn sie etwas anprangern können. Aber auf lange Sicht gesehen denke ich, dass das mehr Kraft kostet, als das es Freude bringen kann, sich aufzuregen.

Paul Enck, Forschungsleiter Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsklinikum Tübingen

Iss dich gesünder

Den Darm macht glücklich, wenn er mit guter Nahrung versorgt wird – nicht nur für unseren Körper, sondern auch für die im Darm lebenden Bakterien, die uns mit Dingen versorgen, die der Körper selbst nicht herstellen kann. Darmbakterien leben von dem, was unsere Verdauung übriglässt, und wandeln sie um in brauchbare Komponenten. Gleichzeitig halten sie unser Immunsystem im Gleichgewicht und stärken die Abwehr von Umweltgiften, die vor allem über die Nahrung in unseren Körper gelangen. Dazu reicht in der Regel eine ausgewogene Ernährung, wie sie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung propagiert. Einseitige Diäten, die im Krankheitsfall nötig sein können, haben bei Gesunden keine zusätzlichen Benefit. Und wenn eine rein pflanzliche Diät aus religiösen oder ethischen Gründen gewählt wird, muss die Ausgewogenheit kontrolliert und gegebenenfalls kompensiert werden. Macht ein glücklicher Darm den Menschen also glücklich? Zwar haben Darmbakterien die Möglichkeit, Gehirnfunktionen über Stoffwechselprozesse, immunologische Mechanismen oder die direkten Nervenverbindungen zwischen Darm und Gehirn zu beeinflussen. Aber zur Erklärung psychischer Krankheiten oder gar zu deren Prävention reichen diese Beziehungen in der Regel nicht aus. Ein kranker Darm macht den Menschen unglücklich – alle chronischen und viele akute Krankheiten haben solche somato-psychischen Folgen. Was die (Darm-)Gesundheit stärkt? Eine gesunde Ernährung für Wirt und Gäste.

Gundi Günther, Leserin

Früh gegensteuern

Prinzipiell schwören wir auf Hausmittel und im Besonderen auf Zink. Sobald in unserem näheren Umfeld die ersten Huster und Schnupfer unterwegs sind, greifen wir zu Zink – als Prophylaxe und auch im akuten Fall, wenn die Bazillen schon angegriffen haben. Außerdem: Bereits ab einem leichten Kratzen im Hals wird mit Salz gegurgelt. Dieses alte Hausmittel meiner Mutti ist zwar etwas eklig, aber sehr wirksam. So kommen wir seit vielen Jahren fröhlich und gesund und ohne große Ausfälle über Herbst und Winter.

Mario Terozzi, Leser

Laufe und schlafe

Da jeder Mensch anderen Herausforderungen gegenübersteht, gibt es meines Erachtens kein Allheilmittel für jedermann. Doch sollte jeder, wie ich denke, auf zwei Dinge in seinem Leben achten, um gesund durch den Tag zu kommen. Als erstes ist da der Schlaf. In der Nacht ruhen wir uns aus und tanken Kraft für den Tag. Daher ist es sehr wichtig, gut schlafen zu können. Das fängt bei der Temperatur und Einschlafzeit an und hört bei der Matratze auf. Nur wer ausreichend und gut schläft, ist gegen die Angriffe auf das Immunsystem gewappnet. Und das andere ist die Bewegung, am besten an der frischen Luft. Wer ständig nur im Büro oder im Auto sitzt, der kann nicht gesund bleiben. Sowohl physisch als auch psychisch ist ständiges Sitzen eine Belastung. Aber der, der sich ausreichend bewegt, muss auch einiges beachten. Etwa die korrekte Körperhaltung und den richtigen Gang. Unsere Füße tragen uns durchs Leben, daher sollten wir besonders auf sie achten.

Raphaela Rieke, Ärztin und E-Health-Produktmanagement Gotthardt Healthgroup AG

Digitaler Faden im Datenlabyrinth

Informationszeitalter und medizinischer Fortschritt stellen den Arzt vor neue Herausforderungen. Aus sich exponentiell expandierendem Wissen muss relevante Information punktuell herausgefiltert werden. Zudem stehen knappe Zeitreserven dem hohen Informationsbedarf des mündigen Patienten entgegen. Obendrein verkompliziert mangelnde Kontinuität die Behandlung. Häufige Stellenwechsel auf Arztseite und Ärztewechsel auf Patientenseite gefährden den Informationsfluss. Intelligente Lösungen bietet die Digitalisierung, um den Informationsverlust einzudämmen und ein Gleichgewicht zwischen Wissensbedarf und menschlichen Grenzen herzustellen. Endlich beginnt der Fortschritt auch im Gesundheitsbereich, auf Messers Schneide zwischen Datenschutz und technischen Visionen. Als überzeugter Befürworter dieser Entwicklung kann ich bei der Gotthardt Healthgroup die Zukunft mitgestalten. In unserer Software für niedergelassene Ärzte, dem GHG Praxisdienst, entwickeln wir aktuell ein Modul, das im Zusammenspiel mit dem Arzt die Patientensituation auf sogenannte Orphan Diseases überprüft. Diese seltenen Krankheiten werden im hektischen Alltag oft zu spät erkannt, was gravierende Folgen für den Patienten haben kann. Wir möchten mit dieser „Dr. House“-Funktion helfen, schwere Krankheitsverläufe zu verhindern. Was stärkt unsere Gesundheit? Digitale Assistenz im Datendickicht, sodass Ärzte sich vollends dem Menschen zuwenden können.

Heinz-Dieter Quack, Leiter Forschungszentrum des Deutschen Wanderinstituts, Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften

Wandern hilft

Warum wandert der Mensch? Fragt man Aktive, so hört man: Natur erleben, Gesundheit, die Region entdecken. Fragt man in Sachen Gesundheit nach, so ergibt sich ein spannendes Bild: Ältere Wanderer schätzen die Möglichkeit, sich moderat und dennoch ausdauernd zu bewegen und so altersassoziierten Einschränkungen vorzubeugen. In zahlreichen Untersuchungen wurden die positiven Gesundheitseffekte des Wanderns belegt. Es hat einen positiven Effekt auf Ausdauer, Gewicht, Blutzuckerspiegel und Blutfettwerte und zeigt gute Wirkung als Begleittherapie, etwa bei Adipositas. In letzter Zeit beobachten wir auch zunehmend jüngere Menschen auf Deutschlands Wanderwegen. Sie möchten Ruhe erleben, den Kopf freibekommen und frei sein. Hier liegt also ein mächtiges Motivbündel im Bereich der mentalen Gesundheit vor. Denn was passiert mit mir, während ich wandere? Die moderate körperliche Anspannung führt durch die oft lang andauernde, relativ gleichbleibende Intensität zu einer größtmöglichen mentalen Entspannung. Gerade in Verbindung mit einem als angenehm empfundenen Setting ergeben sich bereits nach kurzer Zeit erstaunliche Effekte auf das mentale Wohlbefinden: Der wandernde Mensch wird gelassener, das Bedrückende erscheint weit entfernt, die Gedanken können schweifen oder sich auf wesentliche, im Alltag vernachlässigte Dinge konzentrieren. Man ist nach einer Tageswanderung mitunter erholter als nach so manchem zweiwöchigen Urlaub. Wandern hilft also.

Henning Harnisch, Vizepräsident Alba Berlin und ehemaliger Basketball-Nationalspieler

Sport hält gesund

Ich bin momentan viel in Hessen unterwegs und probiere Sportarten aus. Neulich war ich Hockey spielen – in Limburg, einer echten Hockey-Hochburg meiner Jugend – und habe am Training einer Jugendmannschaft teilgenommen. Ich sah dabei nicht immer souverän aus. Eine so technische Sportart in meinem Alter noch zu lernen, ist fast unmöglich, sagte ich danach zu Paul Lissek, dem Trainer der 1992er Olympiasieger, der vor Ort war. Am selben Tag war ich auch Schwimmen. 1.000 Meter im Freibad, wie jeden Tag in dieser Zeit. Als ich aus dem Becken stieg, war diese Zufriedenheit da, der Kick. Ich habe mich spät ins Schwimmen reingearbeitet. Als Freizeitsportler könnte man auch auf der Couch bleiben. Man muss sich überwinden, etwas zu tun. Aber das High nach einer halben Stunde im Wasser ist es wert. Ich fühle mich gut, gesund, glücklich. Diesen Dreiklang schafft nur der Sport. Warum schätzen wir das eigentlich nicht höher? Sport in Deutschland ist in einer Krise. Bei Alba Berlin haben wir deshalb eine Idee entwickelt, wie alle Kinder, egal wie ihr sozialer oder ökonomischer Hintergrund aussieht, in den Sport hineinwachsen können. Derzeit versuche ich zu zeigen, dass man die Idee auch in meiner alten Heimat Hessen flächendeckend umsetzen kann. Eigentlich sollten die Krankenkassen ein Interesse daran haben, die Sportidee zu ermöglichen. Denn Kinder, die Sport treiben, sind nicht nur glücklicher und fitter, sondern vor allem auch: gesünder.

Charlotte König, Leserin

Allergien vorbeugen

Ein scheinbares Paradoxon ist, dass die Gesundheit von Kindern durch den Kontakt zu Tieren und Dreck gestärkt wird und so Allergien vorgebeugt werden kann. Viele Untersuchungen zeigen, dass Kinder, die auf Bauernhöfen aufwachsen, bedeutend weniger Tierallergien haben. Aber auch wenn man nicht auf dem Lande wohnt, kann man durch ein normales Hygieneverhalten helfen, dass Kinder sich an ihre Umwelt gewöhnen und eine robuste Gesundheit bekommen. Das fängt schon beim Stillen als Grundlage für ein funktionierendes Immunsystem an und hört beim Verzicht auf Desinfektionsmittel in Haushaltsreinigern noch lange nicht auf.

Martin Marhoefer, Leser

Alte und neue Weisheiten

Das Wichtigste ist eine positive Lebenseinstellung. Die stärkt Körper, Geist und Immunsystem. Wer das Leben mit Neugier, Begeisterung und Optimismus anpackt, entwickelt Kräfte, die die Gesundheit stärken. Dazu gehört auch ausreichende Bewegung, die zu einem passt. Wer in Norddeutschland lebt, sollte sich nicht Bergwandern als Ausgleichssport vornehmen. Und wer Joggen tödlich langweilig findet, muss sich einen anderen Sport aussuchen, bei dem er dauerhaft Freude empfindet. Nicht zu vergessen: die gesunde Ernährung. Egal ob überzeugter Fleischesser, Flexitarier, Vegetarier oder Veganer, der Körper reagiert immer darauf, was man ihm zuführt. Und darüber hat man selbst die Kontrolle. Oder etwa nicht? Weiß man tatsächlich, welche Inhaltsstoffe – und Schadstoffe – in unserer Nahrung sind? Ob noch genügend Vitamine im Gemüse stecken? Ob der Fisch nicht mehr Mikroplastik als Omega-3-Fettsäuren enthält? Oder sind wir heute soweit, dass der Körper hochwertige Nahrungsergänzungsmittel benötigt? Zu Beginn der Erkältungszeit auf jeden Fall. Ich bin selbst Arzt und werde eine Zwei-Monats-Kur mit Vitaminen und Mineralstoffen in Kapselform machen.

Victor Thiele, Yogalehrer

Weg der Mitte

Solltest du hier die typischen Yogatipps erwarten, weil ich Yogalehrer bin, dann muss ich dich enttäuschen. Auch ohne Yoga kann man sehr gesund sein. Die Gesundheit zu stärken ist eigentlich einfach und offenbar doch so schwer, dass das Thema nicht nur Bücherregale, Magazine und Gesundheitskurse füllt. Es liegt in der Natur des Menschen, dass er gesund sein möchte. Alles ist ohne Gesundheit nichts. Jeder war schon mal krank, jeder kennt das Gefühl: „Oh mein Gott, das Ende naht!“ – begleitet von dem Versprechen zu sich selbst: „Ab morgen ändere ich mein Leben und tue alles, damit ich gesund werde und bleibe.“ Nach ein paar Wochen wird dann das Projekt Gesundheit aber oft wieder ad acta gelegt. Es geht ja wieder. Das Problem und die daraus resultierende Erkenntnis: Es geht nicht um einen bestimmten Weg, der zur Gesundheit führt. Es ist der Weg der Mitte und genau der Weg, der uns der Yoga lehrt: Lebe maßvoll und einfach. Esse Nahrung, die eine Zutatenliste von einer hat. Nämlich das Lebensmittel selbst. Treibe Sport und übe Yoga – so, dass dein Körper immer wieder aufs Neue herausgefordert und zugleich entspannt wird. Entspanne auch deinen Geist mit Meditation und Atemübungen. Fünf Minuten täglich reichen. Umgebe dich mit Menschen, die dir guttun, die dich inspirieren. Tue Gutes für andere Menschen, das tut der Seele und dem Selbstbild gut. Ach herrje, jetzt sind es doch wieder die typischen Yogitipps geworden. Sorry for that!

Thomas Drechsel, Schauspieler

Richtig programmiert

Das wohl Wichtigste im Leben ist unsere Gesundheit. Wir sollten versuchen, ein Leben lang auf uns aufzupassen. Doch das klingt einfacher, als es ist. Viel Schlaf und eine gesunde, abwechslungsreiche Ernährung sind wohl nur zwei kleine Faktoren, die dies ausmachen – und das allein ist schon schwer genug. Ein weiterer wichtiger Faktor aber ist ein gesunder Geist. Unser Körper ist zwar sehr intelligent, dennoch lässt er sich durch unsere Gedanken steuern und so natürlich auch in die Irre führen. Das will heißen: Wenn wir zu viele negative mentale Einflüsse auf uns einwirken lassen, dann wird nicht nur der Kopf, sondern auch unser Körper krank. Wenn wir uns also einbilden, dass ein Schnupfen im Anmarsch ist, dann werden wir diesen ganz sicher auch bekommen. Ganz anders verhält sich das, wenn wir unserem Körper vermitteln, dass wir gesund sind und über ausreichend Abwehrkräfte verfügen. Der Wille kann uns also ebenso stark machen, wie er uns schwächen kann. Wie man seinen Willen positiv einsetzt und so zu einem gesunden Körper kommt, habe auch ich erst lernen müssen. Es reicht nicht, gesunde Ernährung in seinen Alltag zu integrieren – wichtig ist, sie beizubehalten. Wie man seine positive Einstellung bewahrt, habe ich in meinem neuen Buch beschrieben. Ich selbst habe so zu einem ganz neuen Körpergefühl gefunden und so mehr als 30 Kilo abgenommen. Entscheidend ist, dass unser Kopf vorangeht und wir im Hier und Jetzt unsere Weichen für morgen stellen.

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Was lässt uns genießen?

Was wäre das Leben ohne Genuss. Und wie schön ist doch die Kür nach der manchmal lästigen Pflicht. Über das Suchen und Finden der kleinen und großen Genussmomente erzählen eine passionierte Wiesn-Bedienung, ein Jahrhundertkoch und Gourmetpionier, ein Fernsehproduzent und Freund der französischen Genusskultur, ein Sternekoch, ein Brotpurist, ein Schauspieler und Genussmensch, ein Verhaltenstherapeut und die schreibenden Genießerinnen und Genießer unserer Leserschaft.

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Eckart Witzigmann, Sternekoch und Kochbuchautor

Wie eine Sinfonie

Der Weg zum perfekten Genuss ist eine gefährliche Gratwanderung. Hier der erwartungsvolle Gast, dort der Koch und seine Mannschaft. Ich habe diesen Kampf zwischen Erwartung und Realität über Jahrzehnte ausgefochten und die Erwartungen der Gäste erfüllt und übertroffen. Man muss jedoch konstatieren: Der Genuss liegt zuvorderst beim Gast, der Koch muss sich einem Hochgebirge aus Stress stellen. Ein Restaurant gleicht einem perfekt eingespielten Orchester. Von der Tischwäsche bis zum Blumenschmuck, von der Weintemperatur bis zur Bügelfalte der Kellnerhose, alles ist auf das große Ereignis vorbereitet. Die Küche hat sich in Stellung gebracht, die feinsten Produkte liegen bereit. Die Abläufe sind hundertfach durchexerziert. Und trotzdem schleichen sich manchmal Fehler ein. Der größte Feind der Spitzenküche ist die Routine. Oder der Gast ist indisponiert. Oft reicht ja die berüchtigte Fliege an der Wand oder das Haar in der Suppe wird strapaziert. Zum Genuss gehören immer zwei: der, der ihn erleben will, und der, der ihn bereiten soll. Als ich noch die Muße hatte, nach dem Service eine Runde im Lokal zu machen, habe ich manchmal gehört: Lieber Herr Witzigmann, seit meine Frau ihr neues Buch gelesen hat, kocht sie so gut wie sie. Da geht man dann in die Küche zurück und denkt über die Berufswahl nach. Aber für mich war und ist es der schönste Beruf der Welt: Genuss zu schenken, auch wenn der Weg dorthin manchmal kurvenreich ist.

Rainer Lutz, Diplom-Psychologe

Kultivierte Wahrnehmung

Genuss braucht Zeit, die vielen in ihrem als stressig erlebten Alltag fehlt. Aber: Es gab zuvor kaum eine Generation mit so viel freier Zeit. Im Durchschnitt haben Deutsche täglich knapp vier Stunden Zeit, in der sie tun und lassen können, was ihnen gefällt. Das Zeitbudget erlaubt also durchaus Genuss und vielfach auch eine Entschleunigung des Alltags. Genuss wird gerne mit Konsum verwechselt. Beim Konsum gilt, was die Werbung predigt: je mehr und je teurer, desto besser. Ein Genießer jedoch sucht bewusst aus, was in einem bestimmten Augenblick gut für ihn ist. Er kann den Genuss aufwändig zelebrieren oder sich einen kurzen Genussmoment schaffen. Er unterbricht quasi den Handlungsstrom und konzentriert seine sinnliche Wahrnehmung ganz auf ein Objekt oder eine Begebenheit – etwa ein gutes Essen, den Sonnenuntergang oder den Duft eines Apfels. Während des Genießens werden nicht nur schöne Erinnerungen oder Bilder geweckt, sondern auch negative Momente aus dem Erleben ausgeschlossen. Zwangsläufig fördert Genuss Entschleunigung und kultiviert die sinnliche Wahrnehmung. Es ist eine bewusste Entscheidung, sich Zeit für Genuss zu schaffen. Das kann ein kurzer Augenblick sein, um sich für einen Genussmoment dem Getriebe des Alltags zu entziehen. Es geht kaum kostbare Arbeitszeit verloren. Zu fragen ist also, ob sich ein Zeitbudget entrümpeln lässt, um Inseln für Genuss zu schaffen und welche Gewohnheiten dem entgegenstehen.

Friedrich Liechtenstein, Musiker und Schauspieler

Die einfachen Freuden

Gerade sitze ich im Zug zur Frankfurter Buchmesse und freue mich auf alte Bekannte, schlaue Männer und Frauen, deren Gegenwart ich sehr genieße und mit denen ich gern um die Häuser ziehe. Im Zug gibt es wieder nichts für Genießer, schlechten Kaffee und ein eingeschränktes Speiseangebot. Der Zug schuckelt seit Stunden, dazu das langsamste Internet der Welt. Naja, ich hör schon auf, ich mach ganz schnell. Einen Sonntag gibt es tatsächlich nicht in meinem Leben. Manchmal ist es an diesem Tag ein wenig ruhiger im Netz und ich kann Ideen bewegen – das wird ja auch von mir erwartet. Der beste leibliche Genuss in der letzten Zeit waren Artischocken mit selbstgemachter Mayonnaise. Mein Gott war das gut. Das Tollste ist ein Tag im Schlafanzug mit einem Kater, der so langsam verschwindet. Dazu Artischocken mit Mayonnaise und irgendwo kramt jemand rum und macht Geräusche. Vor kurzem bin ich komplett angekleidet, also in Anzug und Schuhen, auf einem schönen Sofa in den Überbleibseln einer netten Party aufgewacht. Nach dem Aufstehen gab es Kaffee und Wasser und ein Käsebrot. Kurz: Das war toll. Wenn ich nur ein Beispiel bezüglich des Genusses erwähnen dürfte, dann wäre das ein Fischessen im Dama Bianca in Duino an der italienischen Adriaküste. Es wäre Vorfrühling und meine Kinder wären dabei, vielleicht noch ein paar handverlesene Freunde von ihnen, Freunde von mir und gemeinsame Freunde – aber nicht zu viele.

Maite Harms, Leserin

Im Hier und Jetzt

Genießen bedeutet, zu wissen, was einem guttut. Alles was man tun muss, um dies zu lernen, ist auf sich und seinen Körper zu hören. Ob Pfannkuchen mit Nutella oder ein köstliches Gelato, ob ein wunderschönes Deckengemälde oder einfach nur ein atemberaubender Sonnenuntergang – jedem von uns bereitet etwas ganz anderes Genuss. Vertraut einfach nur euch und euren Vorlieben. Genuss wird so individuell erlebt. Man muss wirklich alles ausprobieren und irgendwann hat man herausgefunden, was einem wirklich gefällt und was die eigene Seele erfreut. Die Erfahrungen, die man tagtäglich machen kann, zeigen es einem schon. Es bedarf nämlich keiner besonderen Anlässe. Willst du darauf warten, dass dein Leben besser wird? Nein, genießen kannst du es schon im Hier und Jetzt. Und es wird höchste Zeit, damit anzufangen, bevor das Leben plötzlich vorbei ist. Warum bist du überhaupt auf der Welt? Das Leben ist ein großes Geschenk.

Paulina Charyyeva, Leserin

Schritt für Schritt

Ein gutes Essen oder ein Abend mit Freunden sind Dinge, die mich genießen lassen. Außerdem genieße ich es, mir Ziele zu setzen, diese dann in kleine Etappenziele zu unterteilen, sie Schritt für Schritt zu erreichen und dabei ein Häkchen dahinter zu setzen.

Jonas Völk, Leser

Ja, ich will

Ich kann vieles genießen, zum Beispiel ein Frühstück mit Speck, einen guten Film, ein kaltes Bier, eine Umarmung und was darüber hinausgeht – ich kann genießen, was immer ich möchte. Aber was lässt mich das alles genießen? Ohne den Willen dazu kann ich nichts genießen. Ich kann mich über allerhand freuen, das mir widerfährt, aber genießen ist ja viel mehr als das. Genuss bedeutet, sich hinzugeben und bewusst alles, was einem passiert, als positiv aufzunehmen. Ich würde sogar sagen, es bedeutet, mögliche negative Aspekte auszublenden. Wie wird diese Erfahrung zugelassen? Dafür bin ich selbst verantwortlich. Ich kann mich aufs Sofa setzen, eine Pizza bestellen, meine Serie anmachen und zu mir sagen: „Ja, das ist ein netter Abend, könnte schlechter sein.“ Oder ich kann mich wohlig seufzend in mein Sofa sinken lassen, mir meine Lieblingspizza mit extra Salami und ein hausgemachtes Tiramisu bestellen, diese großartige Serie, auf die ich mich schon seit dem Aufstehen freue, anmachen und meinen Abend genießen. Welche der beiden Möglichkeiten ich wähle, liegt bei mir. Sicher hilft es, nicht allzu viele Sorgen zu haben. Sicher hilft es auch, dass quasi alle gängigen Genussmittel – wie Pizza, Alkohol und schnelles Internet – in unmittelbarer Reichweite sind. Aber genießen kann ich auch einen Sonnenuntergang, einen Spaziergang auf ihn zu und einen Kuss währenddessen. Ich muss nur genießen wollen.

Carmen Ganghofer, Leserin

24/7

Der Genuss lauert überall, wenn man sich die Zeit für das Wesentliche nimmt und sich an allem erfreut was einem von Montag bis Sonntag be- gegnet. Eine Woche hat sieben Tage.

Gero von Boehm, Regisseur und Fernsehproduzent

Mit allen Sinnen

Es wird vielleicht überraschen – aber für mich ist Arbeit der höchste Genuss. Je größer und schwieriger ein Projekt, desto mehr bringt es in mir die Endorphine zum Tanzen. Filme zu konzipieren, zu drehen, zu schneiden hat etwas höchst Sinnliches. Musik spielt für mich auch eine wichtige Rolle. Während ich sie höre, gehe ich in unserer Bibliothek spazieren, der Duft des Lilienstraußes wetteifert mit dem alter Bücher, ich nehme Kunstbände in die Hand – und schon kommt die nächste Inspiration. Ich versuche, jeden Tag so bewusst wie möglich zu leben. Absolute Grundbedingung: Einmal am Tag etwas Gutes essen und trinken. Ich liebe Restaurants, bin ständig auf der Suche nach neuen Entdeckungen. Belohnungen nach langen Drehtagen, am liebsten in größerer Runde, müssen sein. In Südfrankreich verbringen wir so viel Zeit wie möglich – ein göttlicher Ort, um Drehbücher zu schreiben oder neue Ideen zu entwickeln. Dort wird dann viel gekocht. Weil man einfach Produkte findet, die ein reiner Genuss sind. Ein frischer Fisch aus dem Mittelmeer, mit eigenem Olivenöl zubereitetes Gemüse und Früchte aus dem Garten, dazu ein Weißwein aus der Region – da bleibt kein Auge trocken. Ein besonderer Genuss liegt für mich aber auch in der Stille, die in unserem provenzalischen Tal herrscht und nur von manchmal geheimnisvollen Naturgeräuschen unterbrochen wird. Man kann in diese Stille minutenlang „hineinhören“ und sie bewegt einen auf merkwürdige Weise.

Juliana Schanze, Leserin

Genuss braucht Zeit

Eine Grundvoraussetzung für Genuss ist Zeit. Man kann das beste Glas Wein, die edelste Zigarre oder das delikateste Stück Käse nur mit der entsprechenden Zeit genießen. Dann lässt sich Genuss zelebrieren und verkommt nicht zu einem flüchtigen Eindruck, der seinen negativen Höhepunkt im vermeintlichen Genuss von Fastfood findet. Mit genug Zeit lassen sich auch ganz alltägliche Sachen genießen. Wenn man zum Beispiel an einem kühlen, aber sonnigen Morgen vor die Tür tritt und die würzige Luft einatmet, sich dabei ein bisschen Zeit nimmt und die Augen schließt, tauchen vor dem inneren Auge Bilder von goldenen Herbstwäldern, Nebel über Stoppelfeldern und aromatisch riechenden Lagerfeuern auf.

Mechthild Schindelmeiser, Leserin

Ausgleich im Alltag

Genuss ist genauso wie auch Ekel eine ganz normale menschliche Sinnesempfindung. Leider steht die Lebenshaltung vieler Menschen dieser positiven Empfindung, der puren Freude am Genuss, skeptisch bis feindlich gegenüber. Wer genießt sündigt, weil er faul oder unproduktiv ist. Dabei ist es der gelegentliche Genuss, der uns den Alltagsstress überhaupt aushalten lässt und unser seelisches Gleichgewicht wiederherstellt. Ab und zu innehalten, die Zeit stillstehen lassen und einfach genießen – ja, das muss sein.

Alfons Schuhbeck, Sternekoch und Gastronom

Genießen mit allen Sinnen

Am meisten genießen kann ich das ebenso gute wie seltene Gefühl, Zeit zu haben. Da geht es mir wie vielen, die mit ihrem Berufs- und Privatleben im Reinen sind. Den zweitgrößten Genuss empfinde ich bei der Kochkunst – nicht nur weil ich Koch bin, sondern weil sie die einzige Kunst ist, die alle Sinne befriedigt. Man kann sie sehen, wenn der schön angerichtete Teller serviert wird. Man kann sie riechen, wenn der duftende Sonntagsbraten aufgetragen wird. Man kann sie hören, wenn es in der Pfanne verlockend brutzelt und schmurgelt. Man kann sie im Mund fühlen, zum Beispiel als knackig beim Zubeißen oder schmelzend am Gaumen. Und, vor allem, man kann sie schmecken. Wie sehr sich ein Essen genießen lässt, entscheiden die Güte und die Frische der Produkte und insbesondere die rechte Würze. Die ist auch das gewisse Etwas in unserem Privatleben, im Zwischenmenschlichen. Denn als fade, feurig, aufdringlich, herzhaft, herb oder wärmend können wir genauso gut Speisen wie Menschen und Gefühle charakterisieren. Gewürze erheben unser Essen von der schlichten Notwendigkeit zum köstlichen Vergnügen. Genuss hat für mich nichts mit Geld oder Luxus zu tun, sondern mit der hoffentlich das ganze Leben lang bewahrten Fähigkeit, sich über etwas freuen zu können. Ich genieße es, mal ein paar Momente still in einer Kirche zu sitzen – und wenn ich dann nichts von Gott will, weiß ich: Ich kann mein Leben genießen.

Marc Rössner, Leser

Das Glück des Seemanns

Für mich ist einer der größten Genüsse das Segeln auf alten Windjammern. Es ist eine kleine Zeitreise und eine Begegnung mit den Naturgewalten, wenn man ohne Motorkraft nur durch die Kraft der Elemente sein Ziel erreicht. Aber auch das Drumherum regt alle Sinne an und ist ein Genuss. Das Knarren des Rumpfes, die rauen Seile und die weißen Segel, gepaart mit der unvergleichlichen Luft auf See und dem speziellen Geruch unter Deck – einer Mischung aus Salz und Holz, veredelt mit einem Hauch Moder, der die Geschichte des Schiffes und seiner Passagiere zu erzählen scheint. Wenn dann abends im Hafen oder vor Anker in einsamer Bucht in der Messe der Ofen brennt, der Rum im Glas schwappt und die Geschichten immer interessanter und unglaubwürdiger werden, ist der Genuss perfekt.

Waltraut Pirker, Bedienung auf dem Münchner Oktoberfest

Mittendrin dabei

Ich arbeite seit 25 Jahren auf der Wiesn. Das sind in jedem Jahr 16 Tage sehr harte Arbeit. Aber ich mache sie wahnsinnig gern, sonst würde ich das wohl auch nicht seit so vielen Jahren machen. Die Menschen, die einmal im Jahr hierherkommen, wollen den Besuch auf der Wiesn genießen. Sie freuen sich auf eine gute Maß, eine Brezn, auf die Musik und aufs Zusammensein. Das Oktoberfest ist das größte Volksfest der Welt, mit einer langen Tradition. Darauf sind die Leute stolz und kommen in Tracht und Dirndl. Auch das genießen sie. Ich habe viele Stammgäste und versuche ihnen die Zeit auf der Wiesn so angenehm wie möglich zu machen. Mein Credo ist: Ich bediene so, wie ich selbst bedient werden möchte. Mit Freundlichkeit und Spaß. Dann fällt auch das Warten leichter, wenn es mit der Maß einmal etwas länger dauert. Ich selbst genieße auf der Wiesn die Stimmung, den Trubel und dass ich dort interessante und ganz unterschiedliche Menschen kennenlerne. Das inspiriert mich. Mein ganz persönlicher Genuss kommt dann nach der Wiesn. Da gönne ich mir ein paar Tage auf der Alm, mit viel Schlaf, gutem Essen und Spaziergängen. Ich habe weder Strom, noch sehe ich irgendeinen Menschen. Es herrscht totale Ruhe, was ich wahnsinnig genieße. Einige Tage an diesem Ort reichen mir aus und dann gehe ich gern wieder unter Menschen. Für mich macht den Genuss auch die Kombination von beidem aus: der Trubel und die Intensität der Wiesn und die Ruhe danach.

Sebastian Däuwel, Brotpurist

Das Manna des Genießers

Brotgenuss fängt bei mir schon in der Backstube an. Dieser unbeschreibliche Geruch, der den ganzen Raum erfüllt, nachdem die ersten Sauerteigbrote aus dem Ofen gekommen sind. Wenn diese dann abgekühlt sind, sich auf dem Brotregal mit ihrer karamell- bis goldbraunen Farbe zeigen, fangen meine Augen an zu glänzen. Einfach immer wieder aufs Neue ein schöner Anblick. Von solch einem Roggenbrot eine fingerdick geschnittene Scheibe – im Inneren noch leicht warm – zu verzehren, ist der reinste Genuss. Vielmehr noch, es ist der pure Genuss und pure Geschmack. Rein, unverfälscht und ehrlich. Reduziert aufs Wesentliche: Mehl, Wasser und Salz. Puristisch eben. Ach ja, und natürlich noch unser selbstgezüchteter Sauerteig, der für die nötige Frischhaltung sorgt. Denn schließlich soll Genuss auch nachhaltig sein und ein Brot bis zur letzten Scheibe schmecken. Auch am dritten, vierten und fünften Tag. Ein nicht enden wollender Genuss sozusagen. Genuss bedeutet aber auch, Momente zu genießen. Momente, die einem ein gutes Brot bescheren. Mit Freunden an einem lauen Sommerabend das gemeinsame Abendbrot genießen. Ein Brotkorb in der Mitte, selbst gemachte Dips und eine gute Flasche Riesling. Oder auch zwei. So lässt es sich stundenlang aushalten. Der gemeinsame Genuss ist eben immer noch am Schönsten.

Dirk Behrends, Leser

Flugmodus an

Ein Blick ins Weite ohne Fokus. Ein tiefer Atemzug. Normale Dinge, die bewusst stattfinden – ohne Routine und Selbstverständlichkeit. Sich die Zeit nehmen für nichts und niemanden und sich nur mit sich selbst beschäftigen. Das ist mein Genuss. Einfach nur atmen und sein. Die Welt dreht sich so schnell. Katastrophen, Schlagzeilen und Dinge, die uns traurig machen. Alle permanent online und unter Strom. Wir finden leider viel zu selten zu uns selbst und schalten wirklich ab. Die Angst, etwas zu verpassen, und der Zwang, über alles informiert zu sein, um mitreden zu können, ist das Problem unserer Zeit. Die Welt ist bestimmt nicht schlimmer als früher, doch ist heute alles nur einen Klick entfernt. In diesem Sinne: Handy aus und zurück in die Realität.

Hermann Voigt, Leser

König Fußball

Für mich ist ein gutes Fußballspiel purer Genuss. Das gilt auch heute noch, wo man gefühlt jeden Tag und zu jeder Uhrzeit irgendwo ein Spiel live verfolgen kann. Doch ich möchte mir den Genuss nicht durch das Überangebot nehmen lassen. Dafür verzichte ich gern auf diese ganzen Freundschafts- und Qualifikationsspiele der deutschen Nationalmannschaft oder die Gruppenspiele in der Champions League, in denen es selten ein Treffen auf Augenhöhe gibt. Natürlich hat punktuell auch mal die Begegnung von einem haushohen Favoriten und einem absoluten Außenseiter seinen Reiz. Aber dafür muss es dann auch wirklich um etwas gehen, beispielsweise um den Einzug in die nächste Runde oder sogar um einen Pokal. Bei Ligaspielen genieße ich eigentlich nur die Spiele, bei denen der Ausgang komplett offen ist. Wenn beide Mannschaften mit vollem Selbstvertrauen aufeinandertreffen und an ihrem Limit spielen. Wenn man das Gefühl hat, dass beide Mannschaften das Spiel gewinnen können und wollen. Dabei bin ich am liebsten ganz allein oder nur mit ganz wenigen Freunden. Denn ich hasse es so sehr, wenn mir Leute das Fußballspiel mit unreflektierten Äußerungen über Millionäre kaputtmachen. Man sollte zumindest anerkennen können, dass es sich trotzdem um Menschen handelt. Mit dieser Einstellung lässt sich König Fußball auch heute noch wunderbar genießen.

Sabine Reichelt, Leserin

Alles und immer

Wer bewusst genießen will, braucht Zeit und Ruhe. Jeder Tag bringt Glücksmomente, die wir genießen sollten. So schwer es uns in unserem Alltag fällt: ohne Ruhe keine Kraft.

Paul Müller, Leser

Anderes Wort für Glück

Letztens saß ich mit zwei Freunden auf dem Dach der verwilderten ehemaligen irakischen Botschaft in Berlin bei Sonne, Bier und guter Laune. Danach haben wir uns ein fürchterlich schlechtes Fußballspiel auf einer Bezirkssportanlage angesehen und den Tag bei Getränken ausklingen lassen. Ein Tag zum Genießen. Vor einigen Jahren bin ich mit Freunden auf einen Stadtspaziergang quer durch Berlin aufgebrochen. Es folgte der genussvollste Müßiggang meines Lebens und dauerte 14 Stunden. Ich lache immer noch, wenn ich heute den ein oder anderen spontan gewählten Rastplatz von damals sehe. Ansonsten denke ich beim Thema Genießen an den Moment in einem Club, wenn du auf der Tanzfläche stehst, die Sonne aufgeht und durch das einzige Kleine Orangegetönte Fenster bricht und den Laden in warmes Licht taucht. Unbeschreiblich für mich. Grundsätzlich ist Genuss flüchtig wie gute Laune an Montagen oder Parfüm vom Schwarzmarkt. Er besteht aus Momenten, die nicht greifbar sind. Er ist nicht beliebig wiederholbar. Umstände ändern sich. Man kann den Genuss des Augenblicks nicht planen. Er ist eng verbunden mit Glück. Mit glücklich sein. Wenn das Zusammenspiel von sich selbst und dem Moment in Ausgeglichenheit und innerer Ruhe mündet. Ich weiß, diese Momente kann man nicht festhalten. Aber der Gedanke an dieses Gefühl, von dem zehre ich auch an vielen grauen Tagen. Glücklich sein für ist mich der nachhaltigste, erstrebenswerteste und schönste Genuss.

Stefan Freund, Leser

Lebe den Moment

Das Wetter lässt mich genießen. Sowohl bei Sonnenschein, als auch an trüben Tagen. Wenn die Sonne lacht und die Temperaturen steigen, freue ich mich auf ein kaltes Bier. Der Grill lässt die Farbe feinsten Fleisches von zartem Rosa zu kräftigem Braun werden und ich genieße den Tag bis in den späten Abend. Ist der Sommer vorbei und die Temperaturen sinken, freue ich mich auf Regen, Wolken und Wind. Denn auch das lässt mich genießen. Ein stürmischer Tag im Kreise der Familie in den heimischen vier Wänden: auch der ist schön. Der Kamin wird befeuert, wir sitzen gemeinsam und spielen oder kauern uns unter die Decke und Papa liest vor. Doch während ich in Erinnerungen schwelge, wird mir allzu sehr bewusst, dass Genüsse sich ändern, so wie das Leben auch. Wichtig ist, so denke ich, sich des Moments einfach nur bewusst zu sein.

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Was leisten unsere Bauern?

Sie ernähren uns, prägen Landschaften und sichern die Artenvielfalt. Zum Erntedankfest blicken wir gemeinsam mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, auf die Herausforderungen der Zukunft in der Landwirtschaft. Erzählen Sie uns, was Sie sich von unseren Bauern wünschen.

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Sonja Moor, Bio-Bauerin

Säule der Gesellschaft

Es gibt meines Erachtens kaum Bereiche, in denen die Bauern nicht dem allgemeinen Wohl zuträglich sind – vorausgesetzt, sie wirtschaften ethisch. Deshalb ist für mich auch der Begriff der Agrikultur so wichtig. Wir müssen von der Agrarwirtschaft wieder zur Agrikultur kommen. Der Mensch prägt die Kultur und die Kultur prägt den Menschen. Was wären wir ohne funktionierende Landwirtschaft? Die Landwirte sichern die Lebensmittelproduktion und pflegen die Kulturlandschaft. Dafür braucht man geschlossene Kreisläufe. So wie einst Bewirtschaftung und Nutztierhaltung mit der Landschaftspflege verzahnt waren, so bestand auch zwischen Stadt und Land eine enge Verbindung. Das waren funktionierende Kreisläufe. Man hat früher mit dem gewirtschaftet, was das Land an Ort und Stelle hergab. Das ist auch für die Erhaltung der ländlichen Strukturen enorm wichtig. Wenn in Brandenburg riesige Ackerflächen von Unternehmen bewirtschaftet werden, die man auch nicht mehr als Nachbarn kennt, brechen die dörflichen Strukturen weg. Schulen, Kindergärten und der öffentliche Nahverkehr verschwinden, Familien wandern ab. Für uns Bauern fallen wiederum die Schlachtbetriebe und Landmaschinenmechaniker weg und noch vieles mehr. Über diesen Fakt wird zu wenig gesprochen. Die Zusammenarbeit mit den Bauern ist lebensnotwendig und alternativlos, denn Landwirtschaft ist existenziell für die Gesellschaft. Sie hat unmittelbar mit dem Leben zu tun und geht alle etwas an.

Sabine Asum, Leserin

Was ist es uns wert

Vielen Menschen ist die Bedeutung der heimischen Landwirtschaft heute nicht mehr bewusst. Manch einer fragt sich, was die Bauern hier überhaupt noch machen. Dafür tragen wir selbst ein Stück weit die Verantwortung. Denn wir Bauernfamilien haben uns immer angepasst: an die Bedürfnisse des Handels, der Verbraucher oder der Politik. Gleichzeitig werden Flächen zunehmend versiegelt, die Bodenpreise steigen. Viele Bauern können es sich nicht mehr leisten, Ackerland zu pachten oder gar zu kaufen, sondern sehen sich gezwungen, ihre Felder intensiver zu nutzen. Aber die Öffentlichkeit wünscht sich einen heimeligen Bauernhof. Davon freilich kann keine Familie leben. Folglich sind wir Landwirte gefordert, den Menschen besser zu verdeutlichen, was Landwirtschaft heute bedeutet. Wir produzieren hervorragende Erzeugnisse, aber können mit dem enormen Preiswettbewerb aus Osteuropa, China und Südamerika nicht mithalten. Dort wird billigst produziert – unter erheblich niedrigeren Qualitäts-, Sicherheits- und Tierwohlstandards. Die Landwirtschaft in Deutschland wird nur eine Chance haben, wenn die Politik sie stützt, der Handel die ruinöse Preisspirale nach unten stoppt, die Verbraucher mehr auf regional erzeugte Lebensmittel achten und alle bereit sind, für Nahrungsmittel ein paar Cent mehr zu investieren. Das geht nur mit einem Bewusstsein für den Wert des Essens. Wir Landwirte alleine schaffen das nicht, wir brauchen alle Bürger dazu.

Tobias Dürr, Pfarrer und Bauernsohn

Unbekannter Ernährer

Was haben Bauern mit Gott gemeinsam? Jeder hat sein eigenes Bild davon, egal wie viel man tatsächlich darüber weiß. Wenn es um Landwirtschaft geht, scheinen viele zu wissen, was Sache ist. Gar nicht so selten wird es dann kontrovers und emotional. Aber wer kennt überhaupt einen Bauern persönlich oder sogar den Alltag auf dem Bauernhof aus eigener Erfahrung? Schon in meiner Schulzeit war ich eines von ganz wenigen Bauernkindern in meiner Klasse, und das obwohl ich ein kleines Gymnasium auf dem Land besucht habe. Trotzdem prägen unsere Bauern nach wie vor das Land. Weite Teile unseres Landes zeugen von bäuerlicher Arbeit und Pflege über Generationen hinweg. Natürlich gibt es industrielle Landwirtschaft, wo Investoren und Manager ihre Finger im Spiel haben. Bauern, das sind aber oft ganze Familien, die nicht nur von, sondern auch für einen Bauernhof leben. Ein wesentlicher Ertrag ihrer Arbeit sind unsere Lebensmittel, auch wenn sie verpackt nicht mehr danach aussehen. Wenn wir Erntedank feiern, können wir den Bauern zeigen, dass wir ihre Arbeit sehen und schätzen. Es bringt im besten Fall Nicht-Bauern und Bauern zusammen. Und das ist heute in der Stadt und auf dem Land notwendig. Den Bauern wird hoffentlich nicht erst an Erntedank bewusst, dass es nicht an ihnen allein liegt, wenn sie etwas zu ernten haben. Die Ernte geht durch ihre Hände, kommt aber von Gott. Gemeinsam tut jede Seite ihren Teil, damit wir satt werden.

Arndt Singer, Leser

Vielleicht muss die Frage auch heißen: „Was sollen Sie leisten.“ Ich wünsche mir mehr Kleinbauern, die gesunde und natürliche Lebensmittel anbauen.

Sabine Riechmann, Leserin

Zwischen den Fronten

Ich glaube, viele Menschen können sich gar nicht vorstellen, wie schwer die Arbeit in der Landwirtschaft auch heute noch ist. Auf der einen Seite steht der finanzielle Druck, den unsere Konsumgesellschaft und die großen Supermärkte auf die landwirtschaftlichen Betriebe ausüben. Und auf der anderen Seite ist da die Leidenschaft und die Liebe, die sie für ihren Betrieb und ihre Tiere haben. Dieser Spagat würde mir wahrscheinlich das Herz zerreißen – und natürlich die Notwendigkeit, die Tiere zu schlachten.

Axel Gericke, Stadtbauer

Gut integriert

Als Stadtbauer stehe ich bei der Landschaftspflege und der Produktion von Nahrungsmitteln vor anderen Herausforderungen als meine Kollegen auf dem Land. Ich habe nicht so viel wertvolle Anbaufläche zur Verfügung und die kleine Fläche muss gut bewirtschaftet werden, zum Beispiel mit zusätzlicher Tierhaltung. Fast 90 Prozent der Bauern in Berlin sichern sich ihr Leben durch die Kombination von Ackerbau und Pferdehaltung. Durch die Pferdehaltung findet auch eine Form der Betreuung von Jugendlichen statt. Die Jugendlichen haben etwas zu tun, sie kommen einer Verpflichtung nach und übernehmen Verantwortung. Als Bauer übernimmt man also auch gesellschaftliche Mitverantwortung. Wir Stadtbauern haben mehr Anfragen von Schulen und Kindergärten als meine Kollegen auf dem Land und ich öffne meinen Hof gerne. Was für mich eine wirkliche Herausforderung ist, sind die Menschen, die zum Spazierengehen und mit ihren Hunden auf die Äcker gehen und oft auch aus Unwissenheit über das Feld spazieren und alles niedertrampeln. In der Stadt sind das ja nicht nur ein paar wenige, sondern ganz viele, jeden Tag. Die Leute betreten den Acker, als wäre es ihrer. Da habe ich wirklich manchmal den Eindruck, dass unsere Arbeit mit Füßen getreten wird und noch viel Aufklärungsarbeit nötig ist. Trotz allem habe ich großen Spaß an meiner Arbeit und liebe meinen Beruf. Wer sich dafür entscheidet, Landwirt zu sein, macht das mit Leib und Seele.

Andreas Behrens, Leser

Mehr als wir glauben. Schließlich sind die Bauern dafür verantwortlich, dass wir alle mit genug zu Essen versorgt sind.

Frank Uekötter, Umwelt- und Agrarhistoriker, University of Birmingham

Einmaliges Experiment

Haben die Bauern erst die heutige Industriegesellschaft möglich gemacht? Der Industriellen Revolution in England ging ein Aufschwung der Landwirtschaft und eine ungewöhnlich lange Zeit ohne Hungerkrisen voraus. Ob sich hinter diesem zeitlichen Zusammenhang auch eine Ursache-Wirkung-Beziehung verbirgt, liefert seit Generationen Diskussionsstoff für Historiker. Klarer wird das Bild, wenn man den chronologischen Rahmen erweitert. Auf lange Sicht ist nämlich offenkundig, dass der Wandel der Agrarproduktion einen Beitrag zur Industriegesellschaft leistete: Ohne höhere Hektar- und Arbeitsproduktivität hätte man die wachsenden Großstädte der Moderne gar nicht ernähren können. Für den größten Teil der Weltgeschichte arbeiteten die weitaus meisten Menschen in der Landwirtschaft, und doch reichte es oft nur zu einem Leben an der Schwelle zum Hunger. Ein Bauer des Mittelalters wäre wohl mächtig erschrocken beim Gedanken an eine Welt, in der ein einzelner Landwirt mehr als 100 Menschen ernährt – von dem massiven Einsatz von Technik und Wissen, der hinter solchen Leistungen steckt, einmal ganz zu schweigen. Agrarhistorisch gesehen sind die überwiegend urbanen Gesellschaften der Gegenwart eine Errungenschaft ohne Vorbild – oder, je nach Standpunkt, eine Anomalie. Denn man kann die moderne Landwirtschaft auch als ein welthistorisches Experiment mit ungewissem Ausgang betrachten. So etwas hat die Menschheit noch nie zuvor gemacht.

Joachim Rukwied, Präsident Deutscher Bauernverband (DBV)

Hüter des Landes

Ob Fleisch, Getreide, Obst und Gemüse, Milch oder Wein – die deutsche Landwirtschaft schafft die Grundlagen für unsere Ernährung. Aber die Bauernfamilien leisten noch mehr: Gerade in diesem Sommer sehen wir, wie wichtig es ist, auch auf den Klimawandel zu reagieren. Wir wissen, dass die Landwirtschaft mit etwa sieben Prozent an den Emissionen beteiligt ist. Deshalb tragen wir auch zur Lösung bei: Schon vor einigen Jahren haben wir in unserer Klimastrategie eigene Emissionsreduktionsziele formuliert. Wir setzen auf eine schonende Bodenbearbeitung und wassersparende Anbauverfahren wie etwa Mulchsaat, auf vielfältige Fruchtfolgen und Zwischenfrüchte, und wir werden bei der Düngung noch präziser werden. Die deutsche Landwirtschaft befindet sich also seit längerem in einem Veränderungsprozess hin zu noch mehr Nachhaltigkeit. Zudem spielt Tierwohl für viele Verbraucher eine zunehmend größere Rolle. Das ist richtig und auch darauf haben wir Antworten. Der Deutsche Bauernverband hat gerade beim Schweinefleisch eine verpflichtende Haltungs- und Herkunftskennzeichnung für alle Fleisch- und Wurstwaren vorgeschlagen. Und wir waren es, die gemeinsam mit dem Lebensmitteleinzelhandel die „Initiative Tierwohl“ ins Leben gerufen haben. Seit Jahrhunderten setzen sich die deutschen Bauernfamilien für die Pflege der Kulturlandschaft und des ländlichen Raumes ein. Das ist heute wichtiger denn je – denn 70 Prozent Europas sind ländlicher Raum.

Sabine Meisel, Leserin

Täglich Brot

In meinen Augen ist das, was unsere Bauern heute leisten, gar nicht groß genug zu würdigen. Ich denke, kein Markt ist so hart umkämpft. Subventionen in Millionenhöhe werden ausgeschüttet, um Arbeit zu finanzieren, auf die wir alle angewiesen sind. Dabei geht es schon lange nicht mehr um Qualität, sondern um Quantität. Wenn man sich jedoch vor Augen führt, wie viel der produzierten Güter verschwendet werden, kann einem übel werden. Kein Landwirt auf der Welt würde seine Tiere so halten, wenn es ihm nur darum ginge, hochwertige Produkte auf den Markt zu bringen. Doch sie müssen. Aber nur der Verbraucher kann daran etwas ändern. Indem er die unterstützt, die trotz widriger Voraussetzungen das Wohl der Tiere über ihr eigenes setzen.

Frank Küchlin, Obstbauer und Betreiber einer Brennerei

Traditionelles neu interpretiert

Das Brennerhandwerk ist für mich zugleich Beruf und Leidenschaft. Seit über 30 Jahren destilliere ich über 40 verschiedene Brände und seit einem Jahrzehnt Whisky, Gin und Rum. Meine Erfahrung als Brenner brachte mich 2013 nach Namibia. Dort galt es eine Brennerei einzurichten und die Menschen vor Ort in die Bedienung der Brennerei einzuweisen und auf dem Gebiet der Brennerei zu schulen. Durch die Brennerei sind zahlreiche Arbeitsplätze in der Früchtevorbereitung und in Abfüllung, Etikettierung und Verkauf der Destillate entstanden. Bei meinem zweiten Besuch in Namibia reiste ich mit der Idee an, den ersten Gin des Landes zu destillieren – im Gepäck die Rezeptur und das notwendige Equipment. Außer der traditionellen Ingredienzen für die Destillierung von Gin verwendeten wir auch die namibische Teufelskralle – eine Heilpflanze, die in den Steppen des Landes wächst. Ziel war es, dem Gin dadurch eine individuelle Note zu geben. Mittlerweile ist der „Namgin“ ein Topseller und wird in vielen Bars im südlichen Afrika getrunken. Gin-Tonic hat dort zwölf Monate im Jahr Saison. Mit dem Leiter der Brennerei in Namibia stehen wir nun seit mehr als fünf Jahren in engem Kontakt und tauschen unser Wissen über die Destillation edler Brände aus. Es ist sehr schön, wenn man mit seinem Fachwissen in fernen Ländern etwas bewirken kann. Mitzuerleben, wie sich ein Projekt weiterentwickelt, ist die höchste Entlohnung für sein Schaffen.

Andrea Knierim, Leserin

Falsch gefragt

„Unsere Bauern“, die gibt es nicht. Tatsächlich suggeriert diese Formulierung: Wir und die Bauern sitzen alle in einem Boot. Oder anders ausgedrückt: Wir „haben“ Bauern. Wer sind wir, dass wir beurteilen, was Bauern leisten? Warum sollten wir uns etwas von ihnen wünschen? Ja, es ist wichtig, dass wir uns in der Gesellschaft darüber austauschen, welche Formen der Landwirtschaft wir möchten, wofür wir bereit sind (mehr) zu bezahlen oder wie sich unsere Wünsche als Konsumenten mit unseren Werten als Bürger vereinbaren lassen. Bauern und Bauerinnen sind Unternehmer. Mit ihren Tätigkeiten verfolgen sie (auch) wirtschaftliche Ziele. Sie möchten ihre Existenz und die ihrer Familien und Mitarbeiter sichern. Welche Ziele, Interessen und Zwänge leiten Landwirte, wenn sie mit Boden, Pflanzen, Tieren und Maschinen umgehen? Und wie sind landwirtschaftliche Praktiken und die Landschaften, die Dörfer und Städte, die Ökosysteme und die natürlichen Ressourcen Wasser, Boden und Luft miteinander verwoben? Diese Fragen berühren essenziell die in der Gesellschaft wahrgenommenen Leistungen von landwirtschaftlichen Akteuren. Da sie nicht allgemein, sondern immer nur für den konkreten Fall beantwortet werden können, brauchen wir den Dialog auf Augenhöhe zwischen Landwirten und anderen engagierten Akteuren über die Erbringung und Anerkennung bäuerlicher Leistungen für die Gesellschaft. Hierzu kann auch Ihr Magazin beitragen. Dafür möchte ich werben.

Elisabeth Winter, Leserin

Getrieben und frei

Die größte Leistung, die Bauern in meinen Augen vollbringen, ist zweifellos das frühe Aufstehen. Ich habe in meiner Verwandtschaft zwei Bauernfamilien. Hier beginnt der Tag meistens schon um fünf Uhr, während der Ernte teilweise noch früher. Weitverbreitet ist hier aber offenbar noch das ausgestorben geglaubte Phänomen des Mittagsschlafs. Das scheint sowieso einer der größten Vorteile des Berufs zu sein: sein eigner Herr zu sein, sich die Arbeit selbst einteilen zu können und am Abend zu wissen, was man geschafft hat.

Margarete Bause, Bundestagsabgeordnete Bündnis 90/Die Grünen

Für den Wandel

Ich bin auf einem niederbayerischen Bauernhof mit Kühen, Schweinen, Hühnern, Hund und Katze aufgewachsen und weiß aus eigener Erfahrung, welche Leistungen Bauerinnen und Bauern erbringen: Sieben Tage die Woche rund um die Uhr verfügbar sein, kaum Urlaub, häufig schwere Arbeit für zu geringen Lohn. Und das, obwohl sie es sind, denen wir unsere Lebensmittel verdanken. Doch der Wert der Nahrung ist vielen heute kaum mehr bewusst. Und die Landwirte sind einem Agrarsystem ausgesetzt, das sie zwingt, so viel und so billig wie möglich zu produzieren. Das ist schlecht für Wasser und Böden, schlecht für die Tiere, schlecht für die Artenvielfalt und letztlich auch schlecht für die Verbraucherinnen und Verbraucher. Übrigens: Auch die Bauern profitieren nicht davon. Denn trotz der Milliardensubventionen müssen immer mehr Höfe aufgeben und die Liste der Lebensmittelskandale wird immer länger. Dieses System hat keine Zukunft. Deshalb muss als erstes eine Reform der Agrarförderung her. Weg von der Förderung von Masse und industriellen Strukturen hin zur Unterstützung bäuerlicher Betriebe, die ökologisch nachhaltig und tiergerecht wirtschaften, ohne Gentechnik, Glyphosat und Antibiotika. Gerade der diesjährige Dürresommer führt uns vor Augen, dass wir auch in der Landwirtschaft nicht weitermachen können wie bisher. Eine gute Zukunft wird es nur geben, wenn wir erhalten, was uns erhält – erst recht in Zeiten der Klimaerhitzung.

Josef Haber, Leser

Vorstellung trifft Realität

Landwirte haben einen sehr wichtigen Beruf und stellen den Bürgern hochwertige und kostengünstige Nahrungsmittel bereit. Die Ausgaben der Konsumenten für Ernährung sind sehr niedrig und gesundheitlich gibt es nach Meinung der Fachleute keine Risiken, es sie denn, man isst und trinkt einfach zu viel. Welch ein Unterschied zum Mangel in historischen Zeiten oder anderen Regionen der Welt. Dennoch erfährt der Landwirt wenig Wertschätzung – weder in der öffentlichen Diskussion noch in Form von fairen Preisen. Dabei erwarten wir noch viel mehr: schöne Landschaften, glückliche Tiere und nachhaltiges Wirtschaften. Vieles ist möglich und Landwirtschaft war immer ein Spiegel der Gesellschaft. Um junge Leute für die Landwirtschaft zu begeistern, bedarf es echter Wertschätzung und Planungssicherheit für ihre Betriebe. Unsere Landwirte sind begeisterungsfähig für Neues und offen für den Dialog mit der Gesellschaft. Es ist an der Zeit, sich selbst ein Bild zu machen und Landwirtschaft zu erleben. Jenseits der Klischees. Landwirte leisten auch einen Beitrag zur Erfahrung der nächsten Generation über Natur und Ernährung. Es gibt jede Menge Foren und „offene Hoftage“.

Dirk Schramm, Agraringenieur auf der Insel Usedom

Die Mühe wert

Unser Betrieb existierte zu DDR-Zeiten als LPG und arbeitet bereits seit 1992 nach den Prinzipien der ökologischen Landwirtschaft. Im Laufe der Jahre haben wir viel investiert, das Winterquartier für Rinder und die Schweineställe umgebaut sowie Beton durch Büsche und Bäume ersetzt, wo es sich anbot. Auf den weitläufigen Grünflächen ist so unser drittes Standbein entstanden: die Geflügelhaltung. Wir entschieden uns damals für die altbewährte Zweinutzungsrasse „Les Bleus“ und ein ökologisches Vertriebskonzept. Alle Küken werden bei uns ausgebrütet – wir sortieren keine männlichen Küken aus. Hähne und Hennen ziehen wir gemeinsam auf. Sie leben in Gruppen von maximal 1.000 Tieren mit noch mehr Platz als bei der Standard-Ökohaltung in Mobilställen, die nach Bedarf auf frische grüne Flächen umgesetzt werden. Obligatorisch sind Bio-Futter und längere Mastzeiten. Müssen wir „Les Bleus“-Geflügel daher als Abenteuer betrachten? Im Alltag gibt es einige Unterschiede zu den Hybridrassen: Die Tiere legen weniger und am Anfang viele kleine Eier, sie sind robuster und lebhafter, fressen aber mehr, zusätzlich auch durch die längere Haltungsdauer. Sie sind also mehr Lebewesen als Lebensmittel. Wir Bauern sind deshalb auf höhere Preise angewiesen. Für die Zukunft wünschen wir uns daher: bessere Vermarktung des exzellenten Hähnchenfleischs, mehr Landwirte, die mitmachen, und viele Verbraucher, die dieses Qualitätsprinzip erkennen.

Brigitte Scherb, Präsidentin Deutscher Landfrauenverband (dlv)

Herz und Motor der Betriebe

Die Aufgaben der Frauen in der Landwirtschaft haben viele Facetten. Sie leiten erfolgreich landwirtschaftliche Betriebe, treffen dabei mutige Entscheidungen und bauen ideenreich neue Standbeine auf. Sie sind es, die der Landwirtschaft ein Gesicht verleihen und oft die erste Ansprechpartnerin rund um das Thema Landwirtschaft sind – sei es im Kindergarten, in der Schule oder im Supermarkt. Nicht immer eine leichte Aufgabe. Das erinnert mich an meine Mutter, die in schwierigsten Zeiten mit meinem Vater unseren Hof wieder in Schwung brachte. Und uns Kindern eine glückliche Kindheit auf dem Hof ermöglichte – arbeitsreich, voll früher Verantwortung und so schön, dass auch wir nur eines wollten: Landwirtschaft machen. Das gilt übrigens auch für meinen Sohn und meine zwei Töchter. Beide haben in einen Hof eingeheiratet, wo sie gleichberechtigt den Betrieb mitleiten. Hier wird deutlich, warum Frauen häufig nicht als Chefin in der Statistik auftauchen. Die Zahl der Betriebsleiterinnen liegt laut statistischer Erhebung bei 8,6 Prozent, aber in der Realität sind mehr Frauen in der Betriebsführung aktiv. Der Deutsche Landfrauenverband setzt sich mit Kraft dafür ein, dass es bald selbstverständlich ist, dass eine Chefin das Sagen hat. Denn eines ist sicher: Ob landwirtschaftliches Studium oder praktische Ausbildung, gut qualifiziert sind die jungen Frauen und sie wollen mitbestimmen.

Friederike Loth, Leserin

Mehr als Lebensmittel

Es ist erstaunlich, wie oft man ohne nachzudenken mit Bauern und ihren Produkten in Berührung kommt. Als erstes fällt einem dabei natürlich das tägliche Essen ein. Letztendlich hat jedes Nahrungsmittel, auch in Form von Fleisch, seinen Ursprung in der Erde und wurde durch Bauern angebaut und geerntet. Irgendwie ist es auch ein beruhigendes Gefühl, dass man diese überlebenswichtigen Produkte und ihre Entstehung nicht digitalisieren kann, sondern dass hier immer Menschen am Werk sind. Aber auch andere Lebensbereiche werden von Landwirten mitgestaltet – ob es der Urlaub auf dem Bauernhof ist, der klassische Ausflug ins Grüne oder der Reitunterricht für Kinder. Ein weiteres Bestätigungsfeld ist der Energiesektor. Felder und Hofgebäude dienen als Standort für Wind- und Sonnenergie, Abfallprodukte werden zu Biogas und nachwachsende Rohstoffe können zu Kraftstoff verarbeitet werden.

Josef Karl, Leser

Helden des Ackers

Für mich als Hobbygärtner ist es faszinierend zu beobachten, wie sich Pflanzen im Lauf der Jahreszeiten entwickeln. Angefangen bei der Aussaat über das Keimen bis hin zur Ernte. Obwohl das alles wissenschaftlich untersucht ist und jedes Kind in der Schule lernt, was hier im Detail passiert, ist es immer wieder ein Wunder, wie neues Leben entsteht und wie wir Menschen letztendlich davon profitieren. Wenn man selber Hand anlegt, weiß man aber auch, wie viel Arbeit nötig ist, um am Ende Kartoffeln, Mohrrüben oder Erdbeeren zu ernten. Bauern leisten diesen ganzen Prozess im großen Maßstab, zuverlässig Jahr für Jahr – und dass in einer Qualität und zu Preisen, die ein einzelner Enthusiast niemals hinbekommen kann. Leider ist vielen nicht bewusst, wie viel Arbeit in unseren Nahrungsmitteln steckt.

Stefan Pieper, Leser

Gute alte Zeit?

Früher war alles besser. Das ist doch das klassische Totschlagargument von allen, die Angst vor Veränderungen haben und sich am liebsten mit dem Status quo zufriedengeben. Gerade in der Landwirtschaft wird schnell klar, dass ohne Veränderungen und Fortschritt die heutige Gesellschaft nicht möglich wäre. Im Mittelalter hat sich eine Bauernfamilie selbst versorgt und musste mit ihren Überschüssen den Klerus und den Adel durchfüttern. Durch die Verbesserungen in der Landwirtschaft ist es heute so, dass sich ein Bruchteil der Bevölkerung um den Anbau der Nahrungsmittel kümmert und die große Mehrheit die Möglichkeit hat, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen. Wenn man sich allerdings ansieht, welche Auswirkungen das auf die Umwelt hat und wie viel unnötiger geistiger und materieller Unsinn verzapft wird, wünscht man sich doch das ein oder andere Mal in die gute alte Zeit zurück.

Karsten Hosiner, Leser

Zu Unrecht kritisiert

Das Thema Klimawandel lässt uns nicht los. Im Gegenteil: Erst dieser sehr heiße und trockene Sommer hat uns mal wieder gezeigt, wohin die Reise wahrscheinlich geht. Nun haben unsere Bauern deswegen eine Nothilfe vom Staat beantragen müssen – und zum Glück auch bekommen. Ich habe das Gefühl, dass sie dafür zu Unrecht kritisiert wurden. Natürlich trägt die industrialisierte Landwirtschaft mit der Massentierhaltung auch zur Verschärfung der Situation bei. Doch daran sind auch wir Nichtbauern mit unseren Anforderungen schuld. Und im Gegensatz zu einem Großteil der Bevölkerung steuern die Landwirte ihren Anteil zur Energiewende bei, da sie auf ihren Flächen große Anlagen zur Erzeugung von sauberem Strom betreiben.

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