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Was lernen wir von Startups?

Von vielen Startups hat man noch nie etwas gehört und nur wenige werden so erfolgreich, dass man irgendwann ihren Namen kennt. Trotzdem können wir von jeder einzelnen Firmengeschichte etwas lernen. Schreiben Sie uns, was Sie sich von dieser neuesten Generation der Unternehmensgründer abgeschaut haben.

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Günter Faltin, Hochschullehrer, Unternehmensgründer und Initiator Stiftung Entrepreneurship

Chancen neu verteilt

Heute können wir das Thema Gründen ganz anders angehen als in der Vergangenheit. Wissen steht uns dank Digitalisierung mit kurzem Zugriff zur Verfügung. Was früher Geschäftsgeheimnisse waren, wird für uns alle zugänglich. Es ist die Transformation dieses Wissens in erfolgreiche Geschäftsmodelle, das den Ausschlag gibt. Kopf schlägt Kapital. Wir leben im Zeitalter der konzept-kreativen Gründungen. Früher war Kapital der Engpass, heute sind es gute Konzepte. Überzeugenden Konzepten laufen die Kapitalgeber hinterher. Auch die Mittel stehen uns zur Verfügung wie nie zuvor. Große Teile der Infrastruktur eines Unternehmens können wir heute als fertige Komponenten heranziehen. Damit müssen wir nicht mehr alle Teile eines Unternehmens selbst aufbauen und finanzieren. Wir benötigen weit weniger Kapital als früher, können von Anfang an professionell arbeiten und uns auf das konzentrieren, was den Kern eines Startups ausmacht: ein innovatives Konzept auszuarbeiten und es zur Praxisreife zu bringen. Die Zeit ist reif, diese Chancen zu erkennen und zu nutzen. Von vielen Menschen, nicht nur den schnellen Jungs. Zum ersten Mal in der Geschichte kann jeder von uns ein Unternehmen gründen. Als David gegen Goliath. Großorganisationen sind bürokratisch, meiden Risiken, verteidigen eher den Status quo. Gründer gehen mit hohen Erfolgsaussichten an den Start, wenn sie das vorhandene Wissen und die bereits existierenden Mittel überlegt einsetzen.

Mario Ohoven, Präsident Bundesverband mittelständige Wirtschaft, Unternehmerverband Deutschlands (BVMW)

Mittelstand von morgen

Wenn ein traditioneller mittelständischer Unternehmer und der Gründer eines Startups zusammenkommen, prallen häufig zwei Welten aufeinander. Viele Startups setzen auf Disruption und schielen auf kurzfristigen Erfolg, Mittelständler denken dagegen in Generationen und sind eher risikoavers. Beide eint jedoch die Freude am Unternehmertum. Die ständige Suche nach Kapitalgebern zwingt Startups, ihr Geschäftsmodell stetig an die Bedürfnisse des Kunden anzupassen. Auch das Scheitern und ein Neuanfang gehören dazu. Dagegen verfügen mittelständische Unternehmer oft über längere Erfahrung am Markt, höheres Eigenkapital und ein breiteres Produktportfolio. Die Zusammenarbeit von Startups und Mittelständlern verspricht also Vorteile für beide Seiten – und sichert die Innovationskraft in Deutschland. Mittelständler können von Startups lernen, wie Kundenbedürfnisse schneller und flexibler befriedigt und neue Technologien sinnvoll eingesetzt werden können. Dies gilt auch, wenn es darum geht, attraktiver für (junge) Fachkräfte zu werden. Startups bieten sich Kooperationsmöglichkeiten, die ihre Unabhängigkeit sichern und neue Geschäftsfelder erschließen. Sie können zudem von Mittelständlern viel bei der Organisation des eigenen Betriebs lernen, etwa in den Bereichen Personalplanung und Rechnungswesen – aber auch, wie man sich am Markt behauptet. Mit einer langfristigen Wachstumsstrategie wird aus Startups von heute der Mittelstand von morgen.

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin

Freiräume für gute Ideen

„Wir können viel von Berlin lernen“, hörte ich neulich beim Besuch einer Startup-Schmiede im australischen Brisbane. Passend dazu steht das Landing Pad aus Down Under an der Spree und treibt die Vernetzung mit der Berliner Szene voran. Denn Berlin ist die Startup-Metropole schlechthin. Hier sind Tausende Jungunternehmen zuhause und den innovativen Geschäftsideen folgt auch ein Großteil der Investoren – mit rund drei Milliarden Euro allein im letzten Jahr. Kreativität, Mut und die Freiheit zum Ausprobieren sind die unverzichtbare Grundlage dieses Erfolgs, ein konsequenter Ausbau der notwendigen Infrastrukturen und Fördermechanismen die andere Seite der Berliner Medaille. Eine zentrale Rolle spielt dabei die gründungsstarke Berliner Wissenschaft. An unseren Hochschulen und Forschungseinrichtungen kommen Talente aus der ganzen Welt zusammen. Viele von ihnen werden zu den Gründerinnen und Gründern von morgen, unterstützt durch Beratungsangebote, Expertennetzwerke und Inkubatoren. So sind in den letzten Jahren 23.000 neue Jobs alleine aus der Wissenschaft entstanden. Was wir alle davon lernen können? An die eigenen Ideen glauben, sie mit Überzeugung vorantreiben und vor allem die Chancen fest im Blick haben, ohne blind für Risiken zu sein. Aus Sicht der Politik heißt das auch, weiterhin auf die Berliner Mischung aus Freiräumen, Netzwerken und Investitionen zu bauen. Und auf die Idee einer toleranten, weltoffenen Stadt.

Ron Huldai, Bürgermeister von Tel Aviv-Jaffa

Das Wunder von Tel Aviv

Im Laufe der vergangenen Dekade hat unsere Startup-Community an weltweitem Renommee gewonnen und uns wird große Aufmerksamkeit als eine der attraktivsten Städte für Technologieentwicklung zuteil. In Tel Aviv arbeitet heute jeder zehnte Berufstätige im Hightech-Sektor – eine erstaunliche Tatsache, die das Wirtschaftswunder von Tel Aviv offenbart. Einer kleinen Stadt, fernab von allen Technologiezentren, die dank regelmäßiger Veranstaltungen, Konferenzen und Unternehmensgründungen zu einem global bedeutsamen Innovationshub wurde. Ich bin überzeugt, kreative Menschen wollen in attraktiven Städten leben, daher unternimmt unsere Verwaltung alle Anstrengungen zur Förderung eines entsprechenden Ökosystems: So stellen wir bedeutende Geldmittel für Kunst und Kultur bereit, arbeiten unermüdlich an der öffentlichen Sicherheit, unterstützen das Nachtleben und legen innovative wie exzellente Bildungs- und Kommunalprogramme auf. Dank solcher Bemühungen hat sich die Bevölkerungszahl von Tel Aviv in den letzten 15 Jahren verdoppelt und besteht heute zur Hälfte aus unter 35-Jährigen. Zudem fördern wir unsere Entrepreneure durch Steuersenkungen für Early-Stage-Startups, die Schaffung zahlreicher öffentlicher Coworking Spaces oder eines freien WLANs. Diese Maßnahmen zeigen, wie wichtig die Startup-Community in unseren Augen für Tel Avivs Wirtschaft, ihren globalen Rang und vor allem für den lebendigen Geist ihrer Menschen ist.

Kevin Schiller, Leser

Das sich die Zeiten ändern und es neue Player am Markt gibt.

Matthias Notz, Director Entrepreneurship Center, Ludwig-Maximilians-Universität München

Machen, scheitern, lernen, machen

Ein erfolgreiches Startup entsteht aus einer Idee und dem starken Antrieb eines Gründerteams, etwas Vorhandenes zu verbessern oder etwas völlig Neues zu entwickeln. Startups denken die Dinge anders, neu, innovativer oder schneller. Aber das müssen sie auch tun, weil die finanziellen Ressourcen zumeist begrenzt sind. Daher geht es in einem Startup stets um das schnelle Machen und Umsetzen von denjenigen Dingen, die sich das Startup für die kommenden Tage oder die nächsten Wochen vorgenommen hat. Schnell heißt also unternehmerisches Handeln im Wochentakt statt in Quartals- oder Jahrestaktung. Startups haben den Mut, nicht zu lange zu planen, sondern loszulegen, ohne immer auf Nummer sicher zu gehen oder gehen zu können. Natürlich kann dabei nicht alles perfekt gelingen. Ganz im Gegenteil: Vieles klappt nicht, einiges geht total schief, technische Funktionalitäten sind noch nicht ausgereift, ein potenzieller Investor interessiert sich nicht, das Produkt kommt bei den Kunden (noch) nicht an und so weiter. Gerne sagen wir in Deutschland mit einem negativen Beigeschmack dazu: man scheitert. In der Tat gehört Scheitern zum Startup-Leben dazu. Aber das ist der springende Punkt: Scheitern ist nicht negativ, sondern der Anlass zu lernen, es besser zu machen. Erfolgreiche Startups zeichnet folglich die Haltung aus: Wenn etwas nicht gelingt, lernen wir schnell daraus und machen es zeitnah besser. Und das immer wieder.

Alex Schaaf, Leser

Führungsqualitäten

Chefs können von Startups lernen, wie man an Mitarbeiter delegiert und ihnen vertraut. Dazu gehört, zu akzeptieren, dass es immer jemanden gibt, der von seinem Fachgebiet mehr Ahnung als man selbst hat.

Robert Stahl, Leser

Start-down

Von Startups lernen? Nach fünf Jahren in der Branche habe ich gelernt, was ich nicht will. Mein anfänglicher Enthusiasmus gegenüber angeblich innovativen, agilen Jungunternehmen, in denen Dinge wie flache Hierarchien und Teamarbeit angesagt sind, ist längst einer großen Frustration gewichen. Stets ist man nervös, weil der Lohn auf sich warten lässt. Und wie inzwischen allseits bekannt, geht es meist nur chaotisch zu. Bestehende Strukturen werden eher aufgelöst als, wie es das Ziel aller Startups ist, zum Besseren verändert. Nein, ich will wieder in einem etablierten Unternehmen arbeiten.

Volker Hofmann, Geschäftsführer der Humboldt-Innovation, Wissenstransfergesellschaft der Humboldt-Universität zu Berlin

Aus Wissen wird Erfolg

Universitäten sind Brutstätten für Innovationen und damit Motor für gesellschaftliche Veränderung. Als Zukunftsorte stellen sie sich der Aufgabe, Fragen aufzuwerfen, die künftig Relevanz für gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Fortschritt haben. Dennoch müssen sich Universitäten oft der Kritik stellen, dass ihre Forschung keinen Praxisbezug habe. Dem widersprechen die Erfolge universitärer Startups, den Ausgründungen aus wissenschaftlichen Einrichtungen. Sie sind nicht nur Beispiel für einen erfolgreichen Wissenstransfer, sondern echte Wachstumsmotoren, die Arbeitsplätze schaffen und die Infrastruktur der Region stärken. Wie alle Startups handeln sie agil und lernen schnell. Sie agieren an der Schnittstelle von Wissenschaft und Wirtschaft und entwickeln mit ihren Innovationen aus der Forschung einen greifbareren Mehrwert für die Gesellschaft. Dabei zielen sie notwendigerweise auf Nachhaltigkeit und nicht auf schnelles Wachstum. Die Überlebensrate universitärer Ausgründungen liegt nach fünf Jahren noch immer bei fast 90 Prozent. Universitäre Startups sind also ein effektiver Weg, um angewandte Forschung in die Gesellschaft zu bringen. Ihr flexibler Zugang zu Forschung und deren Umsetzung sollte daher Vorbild sein. Die substanzielle Förderung und enge Ansiedelung junger und schnell agierender Startups an die Wissenschaftsfabrik „Universität“ muss deshalb für die Wissensgesellschaft eine zwingende Realität sein.

Frank Schmiechen, Chefredakteur Gründerszene

Wo Goliath von David lernen kann

Startups machen alles richtig und große Firmen das meiste falsch – ist es wirklich so einfach? Nein, ist es nicht. Aber drei entscheidende Dinge können Startups wirklich besser: Agil sein: Wenn etwas nicht so läuft wie geplant, neigen große Unternehmen dazu, Projekte trotzdem durchzuziehen. Sie bewegen sich wie ein großer Dampfer auf See, der erst viele Kilometer später auf einen neuen Kurs kommt. Wenn sich in Startups abzeichnet, dass der eingeschlagene Weg ein Irrweg ist, kann blitzschnell umgesteuert werden. Lösungsorientiert arbeiten: In großen Firmen findet sich immer ein Mitarbeiter, der sagt, dass ein Projekt scheitern werde, bevor es überhaupt angefangen hat. Diese Unternehmen werden häufig von branchenfremden, agilen Unternehmen ausmanövriert. Weil es dort immer Leute gibt, die sagen, dass sich ein bestimmtes Problem ganz sicher lösen lasse. Digital denken: Startups sind wie Spürhunde für digitale Geschäftsmodelle. Sie umarmen die neuen technischen Möglichkeiten und Chancen werden schnell identifiziert. Große Unternehmen tun sich schwer, weil sie lange Jahre gut verdient haben. Warum dann das Geschäftsmodell ändern? Wird es wirklich so schlimm? Ja, es wird so schlimm. Und die Veränderungen werden noch schneller und umfassender sein als gedacht. Deshalb ist es hilfreich, sich anzuschauen, wie es erfolgreiche Startups machen. Dann haben auch große Firmen eine Chance, den digitalen Wandel zu überleben.

Steve Blank, Gründer-Guru

Mut zum Risiko

Die Lean-Startup-Methode ist zu einer Zeit entstanden, in der es noch keine Anleitung für die Gründung eines erfolgreichen Startups gab. Die Leute bauten damals ihre Unternehmen nach dem Vorbild der großen Konzerne. Lean Startup funktioniert wie ein Kochbuch. Aufbauend auf den Blaupausen, die Eric Ries und ich damals zur Verfügung gestellt haben, kann seitdem jeder seine eigene Geschäftsidee verwirklichen. Das hat eine ganze Reihe von Menschen, die davor noch nie etwas mit Big Business zu tun hatten, zu Gründern gemacht und sie dazu animiert, völlig neue Ansätze auszuprobieren. Was wir von ihnen lernen können ist, dass Mut zum Risiko und Agilität sehr oft belohnt werden. Der Übergang vom starren Waterfall Engineering hin zum Agile Engineering ist dabei vielleicht der entscheidende Punkt: Produkte werden nicht mehr nach einer starren Zielvorgabe entwickelt, sondern ständig aktualisiert, basierend auf den Erfahrungen, die man während der Entwicklung macht. Im Alltag kennen wir das von Software, die sich durch regelmäßige Updates den jeweils aktuellen Bedingungen und Bedürfnissen anpasst. Es gibt aber auch sehr viel, das Startups noch lernen können - und auch sollten: Um Exzesse wie die des mittlerweile geschassten Uber-CEOs Travis Kalanick zu verhindern, der unter anderem durch unethisches Verhalten und sexuelle Belästigung auffiel, brauchen Startups einen moralischen Kompass und eine funktionierende Form der Selbstregulierung.

Jennifer Morales, Leserin

Mit Fehlern umgehen, um die Ecke denken, mit Leidenschaft arbeiten, als Team mehr erreichen.

Naimah Schütter, Gründerin eines Technologie-Startups

Mit Hingabe für die Idee

Meine Antwort auf die Frage, was wir von Startups lernen können, lautet: Identifikation mit der Sache. Am Anfang eines Startups steht eine Geschäftsidee. Wer die Idee gut findet, hört zu, stellt Fragen, setzt sich auseinander. Im besten Fall überzeugt die Idee so sehr, dass man dafür arbeiten oder sich beteiligen möchte. Wir haben es erlebt. Nachdem wir die ersten Business Angels überzeugen konnten, waren wir überwältigt von der Vielzahl an Bewerbern. Nach kurzer Zeit haben wir ein kleines Team aufgebaut und ich bin jeden Tag beeindruckt von der Motivation und der Hingabe jedes einzelnen Teammitglieds. Identifikation mit der Sache bringt zwei weitere Vorteile: erstens den inneren Wunsch, zu lernen und sich für neue Inhalte zu öffnen, und zweitens den Mut, ehrlich zu sein und klar zu kommunizieren. Das setzt enorme Energien frei. Ich werde auch oft gefragt warum wir so schnell sind. Genau deswegen. Wenn Deutschland führende Technologienation sein will, ist mehr Flexibilität und Geschwindigkeit nötig. Deshalb brauchen wir auch verstärkt Frühphaseninvestments. Wenn Ideen nicht schnell ausprobiert und angepasst werden können, verwirft man kostbare Erkenntnisse und erstickt Chancen und Umsätze im Keim. Wenn Sie sich also fragen, wie Sie Identifikation erzeugen, schaffen Sie überzeugende Ideen für Produkte oder Businessmodelle. Martin Luther King hat ja auch gesagt „I have a dream“ und nicht „I have a forecast“.

Franziska Divis, Leserin

Talente nach vorn

Industrieunternehmen stehen beim Thema Personal stets vor der Frage, wen sie eigentlich einstellen sollten. Es ist einfach, immer einen dem eigenen Idealbild ähnlichen Charakter auszuwählen. Weil dann aber neue Ideen fehlen, wachsen Unternehmen nur langsam und man verliert sich im Tagesgeschäft. In Startups dagegen bekommt fast jeder die Chance, das Unternehmen mit aufzubauen und von Anfang an mitzubestimmen. Diese Kompetenzen spricht man jungen Talenten in Industrieunternehmen oft ab. Sie müssen sich langsam die Karriereleiter hocharbeiten, bevor sie ernst genommen werden. Oft heißt es, dass eine Idee an sich zwar gut ist, aber zehn Gründe dagegensprechen. Daher lautet mein Plädoyer: Lasst die jungen Talente auch mal im Industrieunternehmen ran und lasst sie mit kreativen Ansätzen den Wandel vorantreiben.

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Wie entsteht Vertrauen?

Jeder Mensch kommt mit einem Urvertrauen auf die Welt. Und doch werden wir früher oder später auch einmal enttäuscht oder enttäuschen andere. Dann muss Vertrauen wieder neu aufgebaut werden. Wie schafft man das? Und worauf legen Sie generell wert, bevor Sie Ihrem Gegenüber
Vertrauen schenken? Wir freuen uns auf Ihre Meinung.

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Ute Frevert, Direktorin Forschungsbereich „Geschichte der Gefühle“, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

Sozialer Kitt

Vertrauen wird in Beziehungen gelernt. Kleinkinder erwerben es, wenn ihnen Mutter, Vater, Großeltern, Geschwister freundlich zugetan sind und als verlässlich erscheinen. Mangelt es an dieser Freundlichkeit und Verlässlichkeit, entstehen Vertrauensbrüche, die das Kind irritieren und verletzen. Sie können aber durchaus gekittet und ausgeglichen werden – nicht zuletzt deshalb, weil Kinder, als Reflex ihrer sozialen Abhängigkeit, unbedingt vertrauen wollen (und müssen). Je unabhängiger sie im Lebensverlauf werden, desto weniger existenziell wird Vertrauen. Aber es bleibt wichtig, erleichtert den Alltag und ermöglicht gesellschaftliches Miteinander. Wer Vertrauen schenkt und selber vertrauenswürdig ist, erfreut sich größerer Sympathien als jemand, der seiner Umwelt mit abgrundtiefem Misstrauen begegnet. Ein gewisser Grad an Misstrauen allerdings tut not, um sich gegen Vertrauensmissbrauch zu wehren. Wer blind und voraussetzungslos vertraut, lädt zum Missbrauch ein, und auch das lernen Kinder bereits auf dem Schulhof. Trau, schau, wem – diese Weisheit gilt bis heute. Damit aber zwischenmenschliches Vertrauen überhaupt entstehen kann, bedarf es institutioneller Absicherungen. Man kann Gesellschaften danach unterscheiden, ob ihre Gerichte, Schulen, Polizisten und so weiter soziales Vertrauen stärken oder schwächen. Dort, wo illiberale Regime ein Klima wechselseitiger Denunziation und Überwachung pflegen, hat Vertrauen keine Chance.

Gregor Mayntz, Vorsitzender Bundespressekonferenz

Wertvolles Gut

Wo „alternative Fakten“ von staatlicher Seite geadelt und Journalisten handverlesen werden, wie es das Weiße Haus vormacht, muss das Vertrauen sowohl in die Medien als auch in die Politik unter Druck geraten. Dagegen helfen Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit. Die Bundespressekonferenz gehört somit zu den vertrauensbildenden Institutionen. Denn sie ist vollkommen unabhängig von der Regierung, weil sich hier Journalisten zusammengefunden haben, um Pressekonferenzen und Briefings nach eigenen Spielregeln und nicht nach denen der Mächtigen zu veranstalten. Hier kommt jedes Mitglied dran, ganz unabhängig davon, wie zurückhaltend oder forsch seine Frage formuliert sein mag, ob es für ein Medium mit großer oder kleiner Reichweite arbeitet. Bestandteil dieser Vertrauensbildung ist auch, dass die gesamte Bundesregierung sich unabhängig von Tagesform oder Großwetterlage drei Mal in der Woche allen Fragen stellt und auch nicht ausweicht, wenn es gerade brisant oder unangenehm werden sollte. Natürlich wissen Politiker und Regierungsvertreter auf der einen und die Hauptstadtkorrespondenten auf der anderen Seite um ihre unterschiedlichen Rollen. Diese Erwartungen haben sie in aller gebotenen Distanz zu erfüllen. Und es kann ihnen nicht gleichgültig sein, wer von ihnen mehr von Vertrauensverlust bedroht ist. Das unterstreicht umso mehr, wie sehr es in beider Interesse ist, Institutionen der Vertrauensbildung mit Leben zu füllen.

Gregor Gysi, Bundestagsabgeordneter Die Linke und Präsident Europäische Linke

Politisches Pfund

Vertrauen fußt in der Politik wie in den persönlichen Beziehungen darauf, dass man Wort und Tat des- und derjenigen, denen man sein Vertrauen schenken soll, glaubt und darauf baut, dass diese auch im Interesse des Vertrauenden liegen. Dafür müssen Sachverhalte allgemeinverständlich geschildert werden. Gerade weil Wählerinnen und Wähler bei den Politikerinnen und Politikern ihres Vertrauens selbst bei größter Transparenz in der repräsentativen Demokratie selten direkt Einfluss nehmen können, ist deren Glaubwürdigkeit wichtigste Voraussetzung für Vertrauen. Glaubwürdigkeit ist schwer errungen und schnell verspielt. Zum einen steht man immer irgendwie unter Beobachtung – heute mehr als früher, da mit den Smartphones die Kamera praktisch allgegenwärtig ist und mit den sozialen Medien schnelle Verbreitungsformen gefunden worden sind. Zum anderen werden an Politikerinnen und Politiker – in einem bestimmten Maße durchaus zurecht – Anforderungen hinsichtlich ihres Auftretens, ihrer Arbeitsweise, ihrer Aufgaben gestellt, die Fehler fast unverzeihlich machen. Politik hat ohne Glaubwürdigkeit keine Chance. Auch deshalb muss sie ihre Entscheidungen und deren Beweggründe umfassend offen legen und darf zugleich nicht dauerhaft mehrheitliche Meinungen der Wählerinnen und Wähler ignorieren. Deshalb wäre es andererseits auch ein Beweis des Vertrauens in die eigene Bevölkerung, wenn es in Deutschland endlich Plebiszite auf Bundesebene gäbe.

Michael H. Heinz, Präsident Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK)

Überlebenswichtig

„Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“, heißt ein altbekannter Spruch – nicht nur im Kontext geschäftlicher Beziehungen. Doch unser gesellschaftliches Leben ist inzwischen so komplex, differenziert und interdependent, dass es einer Lähmung gleichkäme, wollte man überall Kontrolle statt Vertrauen walten lassen. Welch ein Aufwand wäre nötig, wollte man alles kontrollieren. Wie viel unnötige Arbeit und Zeit erspart uns tagtäglich Vertrauen. Wir sollten daher Vertrauen als eine lebenswichtige Ressource behandeln – wie zum Beispiel saubere Atemluft. Gerade wir Versicherungsvermittler wissen diese Ressource sehr zu schätzen, denn sie bildet die Grundlage unserer geschäftlichen Beziehung zu unseren Kunden. Sie vertrauen uns beim Versicherungsabschluss, wenn sie die Absicherung lebensbedrohlicher Risiken in unsere Hände legen und komplexe Versicherungsverträge auf der Grundlage unserer persönlichen Beratung unterschreiben. Trotz aller Unkenrufe uns gegenüber und trotz des Internetvertriebs vertrauen uns Kunden jahrzehntelang – bei von uns betreuten Familien sogar über Generationen hinweg. Dieses Vertrauen zeichnet uns aus und ist uns Handlungsmaxime, unsere Glaubwürdigkeit täglich im Dienst für die Kunden zu beweisen. Daher folgen wir den Tugenden der ehrbaren Versicherungskaufleute. Denn wir wissen, dass wir es ohne Kundenvertrauen ungemein schwer hätten und setzen alles daran, dieses Vertrauen niemals zu enttäuschen.

Till Hoheneder, Autor

Geben und nehmen

Gute Frage. Vor allem, wenn man wie ich ein neurotischer Kontrollfreak ist, der eher misstraut und allem „Nichtvertrautem“ ängstlich gegenübersteht. Ich mag Veränderungen, solange sich nichts verändert. Vertrauen heißt aber für mich, keine Angst vor Kontrollverlust zu haben. Nur wer vertraut, kann sich öffnen. Seine Ängste, Liebe oder kontroversen Ansichten offenlegen, ohne befürchten zu müssen, deswegen schutzlos vor Angriffen oder Spott zu sein. Als Co-Autor vieler Biografien prominenter Persönlichkeiten versuche ich vor dem Schreiben Vertrauen zu säen: Ich verbringe Zeit mit den Menschen und rede mit ihnen über Gott und die Welt. Natürlich auch über meine Sorgen, Ängsten und Freuden. So aufrichtig wie möglich, auch wenn das nicht immer einfach für mich ist. Bildlich gesprochen: Ich hebe meine Hände und lasse die Hosen runter. Ich zeige meine Verletzlichkeit und signalisiere meinem Gegenüber, dass ich unbewaffnet bin. Vor mir muss man nicht auf der Hut sein. Keine Angst haben. Ich mache meinem Auftraggeber klar, dass er sich mir genauso offen anvertrauen kann. Meistens geht diese Saat nach einiger Zeit auf und es entsteht das nötige Vertrauen, um eine möglichst echte, ungefilterte und faszinierende Lebensgeschichte aufzuschreiben. Es ist ein bisschen wie zwischen den Filmcharakteren Hannibal Lecter und Clarice Starling aus „Das Schweigen der Lämmer“: Quid pro quo. Nur ohne Angst vor einem gemeinsamen Abendessen.

Joan Claude Guerre, Blindenführhundtrainer

Aufeinander bezogen

Vertrauen spielt in der Ausbildung eines Blindenführhunds eine entscheidende Rolle. Dabei ist es hilfreich, zu verstehen, was Vertrauen für Hunde bedeutet. Seine ausgeprägte Rudelmentalität ist der Kontext, in dem er Vertrauen in einer Gemeinschaft finden kann. Das Rudel basiert auf einem klar strukturierten, kommunikativen Zusammenleben. Eine Leitfigur sichert die Existenz und verkörpert eine stabile Persönlichkeit mit einer souveränen Ausstrahlung. Im Verlauf seiner Ausbildung im Rudel erlernt der Junghund eine feine Kommunikations-, Beziehungs- und Anpassungsfähigkeit. Dabei entwickelt er auch sein eigenes Vertrauensgefühl, um später eine vertrauensvolle Beziehung zu seinem Gefährten, dem sehbehinderten oder blinden Menschen, aufzubauen. In der rund neunmonatigen Ausbildung werden typische Abläufe und Situationen seiner zukünftigen Führarbeit eintrainiert. Dazu gehört die Arbeit an seiner Selbstsicherheit, um in schwierigen Situationen selbstständig Entscheidungen treffen zu können. Sind dem Hund die Umgebung und Abläufe vertraut und agiert er souverän, gewinnt auch der sehbehinderte oder blinde Mensch Vertrauen in die Führarbeit des Hundes. Hunde finden im Menschen eher schnell Respekt, Sympathie und Vertrauen. Dagegen braucht der Mensch eine gewisse Zeit, sich auf den Hund einzulassen, um ein inneres Vertrauensgefühl aufzubauen. Diese vertrauliche Bindung zu einem Tier kann für Menschen auch eine therapeutische Wirkung haben.

Anna-Maija Mertens, Geschäftsführerin Transparency International Deutschland

Offene Prozesse

Für das Vertrauen in der Gesellschaft ist das Grundgefühl, dass die Dinge gerecht zugehen, entscheidend. Dass das, was vereinbart wurde, eingehalten wird. Dass man selbst Teil des Miteinanders ist. Wer Macht anvertraut bekommt, muss damit vereinbarungsgemäß umgehen und Bericht erstatten, wofür die Macht eingesetzt wird. Auch, damit man die Entscheidung treffen kann, die Macht wieder zu entziehen. Nur durch diese Interaktion bekommen die Menschen das Gefühl, Subjekte des gesellschaftlichen Miteinanders zu sein. Verschiedene Erhebungen der letzten Jahre zeigen, dass das Misstrauen in die Wirtschaft im politischen Kontext wächst. Viele Menschen haben den Eindruck, nicht mehr die Politik, sondern größere Konzerne besäßen die Macht, das Miteinander zu regeln. Für das Vertrauen ist dieser Eindruck fatal. Dieser Verstoß gegen unsere gesellschaftlichen Spielregeln würde bedeuten, dass das Primat der Politik wackelt und die Menschen von Subjekten zu Objekten werden. Daher müssen wir handeln. Für die Menschen muss transparenter werden, wer was, wann und warum entschieden hat, welche Argumente und Interessen gewonnen haben und wie die Gegenargumente lauteten. Wenn politische Entscheidungen nachvollziehbar und überprüfbar kommuniziert werden, wenn nicht nur das Ergebnis, sondern auch der Prozess Gegenstand der Diskussion ist, besteht die Möglichkeit, das Vertrauen in das System zu stärken. Weil die Menschen dann selbst ein Teil davon sind.

Udo Hahn, Leser

Gute Investition

„Ich vertraue Ihnen.“ So hatte ich die erste Begegnung mit einem Kollegen zusammengefasst. Gemeinsam konnten wir viel erreichen. Für den Fall wechselseitiger Abneigung wäre das Zerstörungspotenzial beträchtlich gewesen. Ich erinnere nicht mehr den Grund für meine Vertrauensbekundung. Rückblickend war sie jedoch der Schlüssel für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Verlässlichkeit, Vertrauen, Loyalität – dieser Dreiklang ist aus meiner Sicht der Schlüssel für ein gutes Miteinander. Verlässlichkeit allein reicht nicht, wenn Vertrauen und Loyalität fehlen. Vertrauen ist eine Investition, ein Vorschuss, und muss am Anfang stehen. Wäre Misstrauen der Beginn von allem, läge die Hürde zu einem vertrauensvollen Miteinander unüberwindbar hoch. Vertrauen braucht keine Indizien und Belege, um es, als Rechtfertigung oder Bestätigung, zu gewähren. Es ist bedingungslos. Im beruflichen Kontext finden sich die wenigen Konstellationen bedingungslosen Vertrauens von selbst. Sie sind die Voraussetzung, Gutes entstehen zu lassen.

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Wie investiert man in die Zukunft?

Ob jung oder alt, Unternehmer oder Privatperson: Wer rastet der rostet, sagt der Volksmund. Deshalb möchten wir von Ihnen wissen, was Sie dem Stillstand entgegensetzen und in welche Bereiche Sie Zeit, Geld und Muße stecken, um sich neue Perspektiven für die eigene Zukunft zu schaffen. Wir
sind gespannt auf Ihre Gedanken.

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André Wilkens, Mitbegründer der Initiative „Offene Gesellschaft“ und Direktor Europäische Kulturstiftung

Europa neu entfachen

Zukunft ist für mich eine bessere Version der Gegenwart. Als ich in der DDR aufwuchs, war eine Zukunft ohne Mauer, mit Demokratie und freiem Reisen fast eine Utopie. Dann war die Zukunft mit einem Mal da. Es gab genug Leute, die daran geglaubt haben. Und es gab Investitionen, damit die deutsche Teilung nicht schleichend permanent wurde. Eine dieser Investitionen war Radio und Fernsehen, welche Menschen in ganz Deutschland mit Informationen und Unterhaltung verband und so in gewisser Weise einen freien öffentlichen Raum über physische Grenzen hinweg schuf. Heute haben wir ein Europa ohne Grenzen, utopische digitalen Möglichkeiten, aber einen öffentlichen Raum haben wir nicht. Stattdessen igeln wir uns mehr und mehr in nationale und persönliche Filterblasen ein. Digitale Mauern entstehen da, wo wir früher physische Mauern niedergerissen haben. Deshalb sind für mich Investitionen in einen funktionierenden öffentlichen Raum in Europa essenzielle Investitionen in eine bessere Zukunft. Ich stelle mir eine grandiose europäische Initiative vor, die europäische Medien schafft, die eine echte und bessere Alternative zu Facebook, Netflix und Youtube sind, auf europäischer Datensicherheit fußen und ohne Werbung funktionieren. In den 1960er-Jahren hat Europa mit Airbus schon einmal gezeigt, wie man erfolgreiche Zukunftsinvestitionen macht. Davon sollten wir uns inspirieren lassen und einen Airbus für europäische Öffentlichkeit schaffen.

Karl-Werner Schulte, Immobilienökonom

Klassiker im Wandel

Immobilien gelten vielen Anlegern als langweilige, aber sichere Anlagehäfen: Ein Objekt wird gebaut, irgendwie findet sich schon ein Nutzer und dann fließen regelmäßig stabil planbare Mieteinnahmen. Doch diese holzschnittartige Erwartung an eine Immobilie ist falsch – auch wenn es gerade heute so einfach wirkt, mit Immobilien ein Vermögen aufzubauen. Wir sollten den aktuellen günstigen Marktzyklus nicht mit den strukturellen Veränderungen, die auch auf die Immobilienwirtschaft einwirken, verwechseln. Die Globalisierung führt zu mehr Wettbewerb. Die Digitalisierung erzwingt neue Wertschöpfungsmodelle. Die demografischen Veränderungen erfordern andere Gebäudetechniken und -zuschnitte. Allein diese drei Trends führen dazu, dass unsere Gebäude passgenauer und bei häufigen Mieterwechseln flexibler werden müssen. Dies kann nur mit mehr Technik in den Gebäuden erreicht werden. Auch die Mietverträge müssen den Geist der Flexibilität atmen. Schließlich machen die Flexibilitätsanforderungen nicht am deutschen Regulierungsrahmen halt. Wenn sich Märkte schneller ändern, müssen sich unsere Städte anpassen können. Das Planungsrecht sowie das Genehmigungswesen vertragen mehr Dynamik. Dafür benötigt die deutsche Immobilienwirtschaft hochqualifizierte Professionals, die in der Lage sind, vernetzt zu denken, über Fakultätsgrenzen zu blicken und akute Cashflow-Anforderungen mit zukünftigen Trends zu versöhnen. Eine Herkulesaufgabe, die sich lohnt.

Simone Kauffeld, Professorin für Arbeits-, Organisations- und Sozialpsychologie, Technische Universität Braunschweig

Lernen im Prozess

Die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien haben unser Leben verändert. Der Mensch sieht sich in der modernen Informationsgesellschaft mit einem Mehr an Optionen konfrontiert, das sich durch alle Lebensbereiche zieht. Allein bei der Berufswahl stehen über 300 Ausbildungsberufe und mehr als 19.000 Studiengänge zur Auswahl. Jeder kann seinen eigenen Weg gestalten oder in der Orientierungslosigkeit erstarren. Traditionen als Handlungsvorgaben oder als kulturelle Richtlinien, nach denen Entscheidungen zu treffen sind und die ein Gefühl der Stabilität im Alltag vermitteln, gibt es nicht mehr. Werte und Vernetzung können in dieser Situation Orientierung geben. Die Komplexität muss durch Klarheit und Reduktion auf das Wesentliche entschärft werden. Wir müssen lernen Ambivalenzen auszuhalten, Gelegenheiten zum (Weiter-)Lernen zu ergreifen, Kompetenzen aufzubauen und Gestaltungspotenzial wahrzunehmen. Lernen im Prozess kann dabei zufällig stattfinden oder systematisch gefördert werden, in dem bewusst Lernerfahrungen geschaffen und Ziele vereinbart werden und Raum für Reflexion und Feedback vorhanden ist. Die Integration von Arbeiten und Lernen und die Unterstützung auf den individuellen Lernpfaden ist existenziell. Dafür gilt es, sich selbst zu kennen, das eigenen Handeln zu reflektieren und immer wieder Passungen etwa zu Anforderungen oder der Organisation herzustellen, ohne einem Selbstoptimierungswahn zu verfallen.

Christine Wegerich, Professorin für strategische Personalentwicklung, Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt

Wissen, was man tut

Um im derzeitigen Umfeld fundamentaler Veränderungen erfolgreich bestehen zu können, gilt es, die strategische Personalentwicklung zu fokussieren: 1) So sollte eine Prozessorientierung in jede Form der Fortbildung einbezogen werden. Es bedarf eines kontinuierlichen Reflexionsprozesses, bei dem alle Mitarbeiter und Führungskräfte für sich selbst und mit anderen die einzelnen (Lern-)Schritte analysieren. 2) Erfolgreiche Personalentwicklung sollte sich ebenso in Kooperationen wiederfinden. Netzwerke sowie interne oder externe Erfahrungsaustauschgruppen sind begleitend wichtig. Lernen in Kooperation erfolgt auch in der Zusammenarbeit diversifizierter Teams. Dies alles sind Formen des kollaborativen Lernens, also der Ausrichtung auf die aktuellen Lernfelder aller Mitarbeiter und Führungskräfte – durch eine Interaktion zwischen verschiedenen Zielgruppen sowie Lernmöglichkeiten in agiler Projektarbeit. 3) Ein weiteres Augenmerk sollte auf das Thema Resilienz gelegt werden. Ziel ist es, dass Mitarbeiter besser mit den genannten Veränderungen zurechtkommen. Menschen, denen mit Achtsamkeit und Wertschätzung begegnet wird und die diese Haltung für sich verinnerlicht haben, können auch in Krisenzeiten stärker und gelassener mit den Anforderungen in der Praxis umgehen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es nicht um ein Mehr an Personalentwicklung geht, sondern um eine klare Ausrichtung.

Helga Müller, Leserin

Goldene Tugend

Ordnung ist das halbe Leben. Die Zeit, die man in die Vorbereitung steckt, spart man hinten wieder. Außerdem hat eine gute Planung direkten Einfluss auf den Ertrag.

Alexandra Kaufmann, Leserin

Zeit zahlt sich aus

Ich kann jedem nur empfehlen, sich mehr Zeit zu nehmen. Die Zeit, die ich investiere, um ein Projekt oder eine Aufgabe bis zum Schluss gut zu machen, wird sich nachhaltig auszahlen. Zudem gönne ich mir gerne mal eine kleine Auszeit, um Gedanken zu sortieren, Erfahrungen zu verarbeiten und mein Verhalten im großen Ganzen aus der Vogelperspektive zu reflektieren. Früher war ich sehr rastlos und unruhig und konnte mir diese Zeit nicht wirklich nehmen. Aber mittlerweile habe ich gelernt, diese Auszeiten als eine Investition in meine Zukunft zu verstehen.

Petra Stangl, Leserin

Alles für die Familie

Ihrer Frage aus der letzten Ausgabe hat mich einige Tage beschäftigt und ich habe mich gefragt, in welche Bereiche ich „Zeit, Geld und Muße stecke“, um Ihre Worte aufzugreifen. Ich bin kein Mensch, der sich gezielt Perspektiven für die Zukunft schafft, aber natürlich investiere auch ich meine Zeit und Kraft in Dinge, die mir wichtig sind. An erster Stelle steht für mich meine Familie, also mein Mann und unsere Tochter sowie meine Mutter und meine Schwester. Nachdem ich mich damit in den letzten Tagen etwas auseinandergesetzt habe, mache ich mir jetzt vermehrt Gedanken, was wir als Nächstes zusammen machen. Das ist meine Investition in die Zukunft.

Gerhard Rübling, Geschäftsführer Deutsche Gesellschaft für Personalführung (DGFP)

Bereit für Veränderungen

Eugen Roth, der deutsche Lyriker, hat es schon längst gewusst: „Nichts wird so bleiben, wie’s sein wird“, und gab seinem Gedicht, dem diese Verszeile entstammt, den Titel „Gründliche Einsicht“. Ist diese gründliche Einsicht wirklich vorhanden? Ist wirklich allen klar, dass in unserer heutigen Zeit nichts so bleiben wird, wie es ist und schon erst recht nicht, wie es einmal sein wird? Ich glaube nicht. Wäre sie vorhanden, könnten wir uns gleich der eingangs gestellten Frage widmen. So bleibt aber zunächst die Notwendigkeit, darüber aufzuklären, dass tiefgreifende Veränderungen anstehen und dass jeder arbeitende Mensch früher oder später davon betroffen sein wird. Und es gilt auch darüber aufzuklären, dass kein Staat, keine Partei, keine Gewerkschaft und kein Unternehmen in der Lage ist, diesen Veränderungsprozess ohne die Mitwirkung der Betroffenen bewältigen zu können. Bis jetzt ging für die meisten alles gut. Die Veränderungen in der digitalen Transformation sind zunächst eher angenehm als erschreckend. Aber die digitale Transformation wird zu neuen Berufsbildern, zu neuen Funktionen und zu neuen Prozessen in den Unternehmen führen. Es ist unsere Aufgabe als Personalmanager, diese gründliche Einsicht herbeizuführen. Und wir müssen die Betroffenen dazu bringen, in sich selbst zu investieren, in ihre Qualifikation, in neue Kompetenzen und in ihre Veränderungsbereitschaft.

Tobias Just, Geschäftsführer IREBS Immobilienakademie, Universität Regensburg

Wachstum ohne Grenzen?

Die Immobilienwirtschaft hetzt von einem Rekord zum nächsten. Die Preise und Mieten steigen in fast allen Städten. Das Transaktionsvolumen wird vor allem durch fehlendes Bauland und Arbeitskräfte beschränkt, nicht durch mangelnde Nachfrage. Die Mietrenditen sind auf ungekannt niedrige Niveaus gesunken. Handelt es sich hierbei etwa schon um eine spekulative Übertreibung und sollten Anleger vorsichtiger werden? Nun, Anleger sollten auf Immobilienmärkten immer vorsichtig agieren, denn die spezifischen Risiken wiegen schwer – nicht zuletzt, weil jede Immobilie standortgebunden ist und irgendwie ein Unikat darstellt. Die aktuelle Immobilienrallye wird weitgehend gestützt durch die gute Lage auf den Arbeitsmärkten, die Zuwanderung, die niedrigen Zinsen und die moderate Bautätigkeit. Doch keines dieser Argumente hat eine Ewigkeitsgarantie. Auf einigen Teilmärkten, zum Beispiel bei Luxuswohnungen in Ballungsräumen, scheinen Anleger dies vergessen zu haben. Hinzu kommt, dass viele institutionelle Anleger auf den Immobilienmärkten aktiv sind, weil sie händeringend nach Alternativen für die trockenen Anleihemärkte suchen. Diese Akteure handeln rational und zahlen dennoch sehr hohe Preise. Sobald die langfristigen Zinsen steigen, wird sich ein Teil dieser Anleger umorientieren. Das erfolgt nicht hektisch, aber mit der Kraft einer Gletscherbewegung. Für 2019 gilt ein Preisrutsch jedoch noch als unwahrscheinlich.

Herbert Rieger, Leser

Trends entdecken

„The trend is your friend“, sagt man an der Börse. Gemeint ist bekanntlich, dass man sich an einem Börsentrend beteiligt und die Gewinne so lange mitnimmt, bis sich der Trend dreht. Doch der Trend ist auch langfristig der Freund eines Anlegers, denn nur wenn man sich damit beschäftigt, was die Zukunft wahrscheinlich bringt, kann man auch zielgerichtet investieren. Woran wird derzeit geforscht? Wo sind Investitionen geplant? Wo geht das Geld hin? In welchen Bereichen stehen Veränderungen bevor? Und welche Möglichkeiten ergeben sich aus den veränderten Parametern? Man muss sich mit diesen Fragen beschäftigen, wenn man wirklich nachhaltig in die Zukunft investieren will.

Manfred Bruhn, Professor für Wirtschaftswissenschaften, Universität Basel

Zusammen zum Erfolg

Es ist deutlich teurer, einen neuen Kunden zu akquirieren, als bestehende Kunden zu binden – daher investieren viele Unternehmen auch bewusst in ihr Kundenbindungsmanagement. Wie aber steht es um die langfristige Mitarbeiterbindung? Leider wird dieses Thema häufig nur stiefmütterlich behandelt. Dies beginnt damit, dass Unternehmen sich die Wirkungsmechanismen nicht bewusst machen. Wir sprechen hier von der Erfolgskette des internen Relationship-Marketing: Auf den richtigen Maßnahmenmix folgt Mitarbeiterzufriedenheit, daraufhin Mitarbeiterloyalität und im besten Fall Mitarbeiterproduktivität oder auch das Engagement einzelner Mitarbeiter als Markenbotschafter für ihr Unternehmen. Mitarbeiterbindung lässt sich also konkret gestalten. Was aber macht den richtigen Maßnahmenmix aus? Gerade bei der Generation Y spielt der Faktor Gehalt zunehmend eine weniger wichtige Rolle und auch klassische Aufstiegschancen sind in vielen Fällen kein Begeisterungsfaktor mehr. Hier ist deutlich mehr Engagement von Unternehmen gefragt. Dies muss sich auch nicht in jedem Fall in modernen Tools wie schicker Büroeinrichtung und Enterprise 2.0 ausdrücken. In einer aktuellen Studie bei einem Mobilitätsunternehmen konnten wir feststellen, dass einer der zentralen Treiber von Mitarbeiter-Commitment echte Wertschätzung durch die Vorgesetzten ist. Somit ist es gar nicht so schwierig, in die Zukunft des Unternehmens zu investieren – aber man muss es wollen.

Magdalena Gläser, Leserin

Mehr als reiner Profit

Wenn man bei Entscheidungen nur den eigenen Profit vor Augen hat, sägt man an dem Ast, auf dem wir alle sitzen. Alle Entscheidungen, die man trifft, sollten mit dem Wissen im Hintergrund getroffen werden, dass alles eine Auswirkung auf das Ökosystem Erde hat und Konsequenzen nach sich zieht. Egal ob die Entscheidung lautet, wegen des Verpackungsmülls und der Lieferkette auf den Onlinekauf zu verzichten oder ob man sein Geld in nachhaltige Anlageformen wie alternative Energien investiert.

Markus Koch, Wallstreet-Korrespondent und Wirtschaftsjournalist

Besser als sein Ruf

Sicherlich wollen wir schon heute wissen, was morgen passieren wird. Aber die Zukunft ist ungewiss. Wer sich aber selbst gut kennt, richtig navigiert und irrationale Emotionen im Griff hat, findet die Gewissheit, die es an der Börse niemals geben wird. Der Ausgangspunkt einer langfristig erfolgreichen Geldanlage ist weniger das Geld selbst, sondern unsere Träume, Ziele und Sorgen. Genauso wie der Beruf eine Berufung sein sollte, kann Geld nicht der Anfang unseres Tuns sein. Deshalb ist es wichtig, nicht automatisch die Frage nach dem „Wie viel“ zu stellen. Qualität statt Quantität ist entscheidend. In der Geldanlage ist der Weg zu mehr Qualität zumindest eingeschlagen. Insbesondere Frauen und Millennials legen vermehrt Wert auf Nachhaltigkeit und wollen wissen, was mit ihrem Geld passiert. Unternehmen, die nachhaltig orientiert arbeiten, sind langfristig zudem besser aufgestellt. Es entstehen keine Renditenachteile für Anleger. Letztendlich ist Geldanlage ein Spiel der Statistiken und Wahrscheinlichkeiten. Zum Beispiel haben Anleger mit einem breit gestreuten Aktienportfolio auf den Dax nach zwölf Jahren noch nie Geld verloren. Selbst beim Einstieg unmittelbar vor einem Crash. Nicht zu unterschätzen sind auch Dividenden. Über fünfzig Jahre reinvestiert machen sie über 80 Prozent der Gesamtrendite im Index S&P 500 aus. Trotzdem spielt jeder zweite Deutsche lieber Lotto und nur jeder siebte setzt auf Aktien. Statistisch unsinnig.

Holger Scholze, TV-Börsenkorrespondent und Moderator

Investieren mit Plan

Derzeit bekommt man auf Fest- und Tagesgeldkonten fast gar keine Zinsen. Unter Berücksichtigung der Inflation verliert das Geld hier aktuell sogar an Wert. Somit ist es auch nicht sicher, wie vermutlich 85 Prozent der Deutschen glauben. Um das eingesetzte Kapital wenigstens im Wert zu erhalten oder zu steigern, ist es momentan unumgänglich, gewisse Risiken einzugehen. Diese kann man jedoch frei wählen. Hier gibt es eine riesige Palette an Möglichkeiten, damit sich ein Anleger entsprechend seiner persönlichen Vorstellungen wohlfühlen kann. Der nachhaltige Erfolg ist immer von einem Mix aus verschiedenen Anlageklassen geprägt. Eine Mischung aus Aktien und ETFs sowie Zertifikaten zur Renditeoptimierung und Absicherung wäre optimal. Das alles möglichst länder- und branchenübergreifend, um die Chancen zu erhöhen und die Risiken zu verteilen. Besonders sinnvoll ist ein langfristig angelegter Investitionsplan, mit dem regelmäßig ein zuvor festgelegter Betrag, der sich natürlich auch erhöhen ließe, eingezahlt wird. Hiermit lässt sich ein stattliches Vermögen aufbauen. Je früher man damit beginnt, umso leichter wird es. In meinen Vorträgen an Hochschulen und Universitäten ermutige ich die Zuhörer außerdem dazu, auch mal eigenen Ideen zu folgen, sich mögliche Szenarien zu durchdenken und die jeweils passenden Wertpapiere zu suchen. Selbstverständlich gilt auch hier immer, das Geld intelligent zu streuen.

Heiko Kietzer, Leser

Nie wieder arbeiten

Ob man richtig in die Zukunft investiert hat, weiß man erst hinterher. Wichtig ist, dass man etwas versucht und den Mut hat, auch nach Rückschlägen weiterzumachen. Mir fällt spontan ein, womit ich und mein Freund Harvey reich werden wollten: Feuerwerk. Und dass in großem Stil. Wir hatten für den Jahreswechsel 1999/2000 vier Läden gemietet, ein Lager, Personal und Logistik organisiert und von den Sternen im Himmel geträumt. „Ey Kietzer, wenn das gut läuft, müssen wir nie wieder richtig arbeiten.“ Mit diesem Zitat kann ich Harvey auch heute noch auf den Boden der Tatsachen zurückbringen. Es lief nämlich durchschnittlich, weil natürlich jeder, auch die großen Discounter, ein Stück vom Millenniumkuchen abhaben wollten. Wir sind dann mit plus/minus null aus der Sache rausgekommen, es hat sich aber nicht auf unsere Unternehmerlaune ausgewirkt: Harvey führt heute eine erfolgreiche Druckerei und ich habe ein Startup. Und außerdem war damals auch ein Artikel ausverkauft: Römische Lichter, acht Schuss.

Vincent Heitmann, Leser

Bildung vor

Für mich hängt unsere Zukunft von den Köpfen unserer Kinder ab. Jede Investition in die Bildung unserer Kinder hilft, dass sie sich richtig entwickeln können und die Chance haben, unsere Zukunft zu gestalten. Neben handfesten Investitionen in Schulbauten, Lehrer- und Erziehergehälter und die digitale Infrastruktur ist Zeit die beste Investition. Kinder sollten die nötige Zeit bekommen, die sie brauchen, um etwas wirklich zu begreifen und zu lernen. Wenn sie sich starren Vorgaben unterwerfen müssen, ist das kontraproduktiv für ihre Entwicklung. Genauso wichtig ist die Zeit, die Eltern mit ihren Kindern verbringen. Dabei besonders wichtig: Eltern müssen sich frei von Medieneinflüssen mit ihren Kindern beschäftigen und ihre Verantwortung nicht abschieben.

Christian Spancken, Wirtschaftsinformatiker und Berater für digitale Transformation

Digitale Affäre starten

Was klingt wie ein unmoralisches Angebot, ist die Einladung, mit Lust und Mut das gesamte Potenzial der Digitalisierung zu nutzen. Keine Angst: Digital denken bedeutet nicht, alles sofort zu ändern, sondern flexibler zu werden – im Hinblick auf zukünftige Prozesse, aber auch mit klugem Gespür für Kundenwünsche und Mitarbeiterentwicklung. Der Mittelstand ist seit 50 Jahren tragende Säule der deutschen Wirtschaft. Doch die Wahrheit ist: Aktuelle Geschäftsmodelle werden bald nicht mehr funktionieren. Ob Produktion, Dienstleistungen, Cybersecurity oder Steuern: Künstliche Intelligenz übernimmt zunehmend komplexe Aufgaben. Digitalisierung verändert Arbeit: Jobs entfallen, gleichzeitig entstehen völlig neue Aufgaben. Manche Strukturen bleiben, sind aber jetzt skalierbar. Wir brauchen Wissensträger, die mitgestalten – nur dann bringen Roboter und Algorithmen wirkliche Wertschöpfung. Daher: Investiert in eure Mitarbeiter. Auch in die Älteren, damit sie Innovationsprozesse mit ihrer Erfahrung fördern und nicht ausbremsen. Digitale Kompetenz kann man lernen und so echte digital erlebbare Unternehmenskultur schaffen. Liebe Unternehmer, erinnert euch an euren Gründermut und das erste Kribbeln im Bauch. Weniger Bestandsverwaltung, mehr Ausprobieren. Deutschland will immer das perfekte Ergebnis, wohingegen andere Länder erfolgreich nach dem Motto verfahren: Schnell testen und aus Fehlern lernen. Verliebt euch in die Digitalisierung!

Heinz Gärtner, Leser

In guten Händen

Die wichtigste Investition in meinem Leben war es, mir die Zeit zu nehmen und nach einem geeigneten Nachfolger für mein Unternehmen zu suchen. Ich empfehle hier, sich nicht nur intern umzuschauen.

Herbert Matthäus, Leser

Das Leben aufsaugen

Die beste Investition in die eigene Zukunft ist es, sich die Neugier zu bewahren, demütig zu bleiben und sich immer wieder mit Menschen zu umgeben, die etwas wissen, das man selbst nicht weiß.

Hartmut Rauen, Stellvertretender Hauptgeschäftsführer Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA)

Flexible Systeme

Für den Mittelstand ist die Automatisierung ein Segen. Große Konzerne konnten in den vergangenen Jahrzehnten die Produktion in ferne Länder verlagern, um Kosten zu sparen. Der typische Mittelständler, auch im Maschinenbau, der zuhause weitermachte, geriet damit in einen Wettbewerbsnachteil. Eine automatisierte Produktion macht diesen Nachteil auch am Hochlohnstandort Deutschland wett – und sichert Arbeitsplätze. Dabei geht es nicht um die menschenleere Fabrik, sondern um eine andere, modernere Art des Produzierens. Der Mensch ist gefragt als Ideen- und Taktgeber, als Entscheider an der Maschine und als Co-Worker des Roboters. Automatisierung lohnt sich insbesondere dort, wo Fachkräfte schon Mangelware sind oder zunehmend werden. So lassen sich zum Beispiel Transportsysteme in der Fabrik durch selbststeuernde Fahrzeuge organisieren. Niemand sollte Paletten und Kisten noch mühsam auf dem Hubwagen durch die Hallen ziehen müssen. Klar ist, dass eine solche Veränderung sich auch in der Aus- und Weiterbildung widerspiegeln muss. Denn die Automatisierung wird nicht einmalig eingeführt und dann nie mehr verändert. Automatisierung ist ein ständiger Prozess und es braucht die Bereitschaft der Menschen, ihr Wissen und ihr Können ebenfalls ständig zu erweitern. Deshalb müssen auch Mittelständler in entsprechende Schulungen investieren und ihre gesamte Mitarbeiterführung von den bisherigen, bisweilen starren Systemen lösen.

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