Antwort schreiben

Zum Voten von Antworten musst du angemeldet sein.

Logge dich ein oder registriere dich.

×

Wo steht die Energiewende?

61 Prozent der Deutschen sind mit der Entwicklung der Energiewende unzufrieden, zwölf Prozent mehr als noch 2017. Steht die hehre Vision einer sauberen Bundesrepublik vor dem Scheitern oder malen wir, typisch deutsch, mal wieder den Teufel an die Wand? Verraten Sie uns Ihre Meinung.

Antwort schreiben

Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme, Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin

Taten statt Worte

Seit Wochen gehen bundesweit junge Menschen unter dem Motto „Fridays for Future“ für wirksamen Klimaschutz auf die Straße. Gemeinsam mit über 20.000 Wissenschaftlern haben wir uns mit der Erklärung „Scientists for Future“ hinter die Forderungen der Schüler gestellt. Ohne eine radikale Veränderung unserer Lebensweise und unserer Energieversorgung wird die Erde unweigerlich in eine lebensfeindliche Heißzeit driften, mit katastrophalen Auswirkungen für die junge Generation. Wollen wir das verhindern, müssen wir das Pariser Klimaschutzabkommen erfüllen. Dazu brauchen wir in den nächsten 20 Jahren eine Energieversorgung ganz ohne Erdöl, Erdgas und Kohle. Für Deutschland ist der Weg noch weit. Erneuerbare Energien deckten 2018 gerade einmal 14 Prozent unseres Energiebedarfs. Darum brauchen wir jetzt einen Kohleausstieg bis 2030, keinen Einbau neuer Erdöl- und Erdgasheizungen ab 2020 und keine neuen Benzin- und Dieselmotoren ab 2025. Kapazitäten von Solar- und Windkraftanlagen müssen vervielfacht und Batterie- und Gasspeicherkapazitäten schleunigst erschlossen werden. Das bedeutet einen radikalen Umbau in kürzester Zeit, der auch die Geschäftsmodelle der großen Energie- und Automobilkonzerne bedroht. Anstatt deswegen die Energiewende weiter zu verzögern und zu verschleppen, könnten wir auch die enormen Chancen für Wirtschaft und Gesellschaft erkennen und unsere Kinder nicht nur mir warmen Worten, sondern mit echten Taten unterstützen.

Michael Zimball, Leser

Es braucht den Protest

Viele Länder haben sich seit der Klimakonferenz in Paris auf Deutschland verlassen. Jetzt, im Jahr 2019, fühlen sich viele Menschen weltweit von Deutschland enttäuscht. Kohleausstieg erst 2038, Dieselskandal und viel zu wenige Schritte bei der Entwicklung der neuen Energien. Auch das Elektroauto ist eher nicht die Lösung. Hier haben die Lobbyisten der Politik wieder die Feder geführt. Vielleicht ist ja der Antrieb mit Brennstoffzelle doch die bessere Lösung. Wir müssen wieder auf die unabhängigen Wissenschaftler hören. Die Aktionen von Greta Thunberg aus Schweden müssen weltweit weitergeführt werden und wir als Erwachsene dürfen die Jugendlichen nicht im Regen stehen lassen. Wir, die Etablierten, sollten uns schämen, dass wir nicht viel früher dafür eingetreten sind, unsere Welt zu schützen. Aber wir haben es immer noch in der Hand, nicht noch weiter hinter Paris zurückzufallen. Also auf zu den Freitagsaktionen der Schülerinnen und Schüler, um denen den Rücken zu stärken.

Silke Laimer, Leserin

Die Energiewende steht noch ganz am Anfang. Die ersten Schritte sind oft die schwersten.

Andreas Löschel, Ökonom und Vorsitzender der Expertenkommission zum Monitoring-Prozess „Energie der Zukunft“ der Bundesregierung

Noch viel zu tun

Die Energiewende in Deutschland kommt in etlichen Feldern nicht wie gewünscht voran. Zwar macht der Ausbau der erneuerbaren Energien weitere Fortschritte, diesen stehen jedoch erhebliche Defizite, etwa bei der Steigerung der Energieeffizienz, gegenüber. Die Entwicklungen im Verkehrssektor gehen sogar in die falsche Richtung: CO2-Emissionen und Energieverbrauch sind zuletzt angestiegen. Das deutsche Klimaschutzziel für das Jahr 2020 wird deutlich verfehlt und auch das Erreichen des Ziels für 2030 ist mit der jetzigen Dynamik nicht möglich. Dazu müssten die jährlichen Treibhausgasemissionen dreimal stärker gesenkt werden als in den letzten zwei Dekaden. Die Bestandsaufnahme zeigt: Die Energiewende muss wieder einen höheren Stellenwert auf der politischen Agenda bekommen. Es gibt viel zu tun. Die erneuerbaren Energien müssen rasch weiter ausgebaut und besser in den Strommarkt integriert werden. Es braucht erhebliche Anstrengungen, insbesondere in den Bereichen Verkehr und Gebäude. Kohlekommission, Mobilitätskommission, Klimakabinett – es bewegt sich einiges. Wichtig für den weiteren Erfolg ist nun der richtige Rahmen für die Energiewende. Dazu braucht es eine umfassende Reform der Energiepreise, durch die aufkommensneutral bestehende Umlagen und Abgaben durch einen CO2-bezogenen Zuschlag ersetzt werden. Dies macht erneuerbare Energien wettbewerbsfähig und ermöglicht den Ersatz von fossilen Energien im Wärme- und Transportbereich.

Aribert Peters, Stellvertretender Vorsitzender, Bund der Energieverbraucher

Hört die Signale

Effizienz, erneuerbare Energien und Bürgerenergie anstelle von Atom- und Fossilenergie, kurz die Energiewende: Sie wird von Verbrauchern gefordert. Und auch bezahlt. Aber von der Fossilindustrie hintertrieben, deren Lobby großen Einfluss auf die Politik hat. Mit Unwahrheiten, Auslassungen, Bremsen, mit Paragrafengestrüpp, Deckeln und Verboten als Folge. Statt den Ausbau Erneuerbarer Energien zu beschleunigen, wird er gebremst, Solar- und Windindustrie ins Ausland vertrieben. Verkehrswende und Gebäudewende wurden noch nicht ernsthaft begonnen. Die Früchte des beträchtlichen Verbraucherengagements werden uns vorenthalten: Sicherheit und günstige Preise. Der deutliche weltweite Vorsprung wird verschenkt. Wenn uns jetzt Schüler vormachen: „Stopp, wir machen nicht mehr mit“, wenn Gerichte die Regierungen zur Vernunft zwingen müssen, dann haben sie recht damit. Wir wissen zu gut, was zu tun ist. Tun wir es gemeinsam, jeder an seinem Platz. Das Klima geht kaputt, die Fossilvorräte gehen zur Neige – und wir tun so, als könne es so weitergehen, lassen die Politik weiterwursteln. Wir müssen jetzt die Weichen richtig stellen, damit wir möglichst rasch in einer erneuerbaren nachhaltigen Zukunft ankommen. Noch ist die Welt zu retten. Wir sollten innehalten, um unsere Verantwortung zu spüren. Kriegen wir die Kurve? Viele mutige Verbraucher, ganze Gemeinschaften und Kommunen sind nicht mehr Teil des Problems, sondern der Lösung.

Thomas Söllner, Leser

Alles auf Anfang

Die Hoffnung, die in die Energiewende gesetzt wurde, wandelt sich zunehmend in Ernüchterung. Die Gründe dafür liegen in einer unguten Mischung aus Wunschdenken, politischem Opportunismus und mangelnder Fachkompetenz. Es verbietet sich eigentlich, ein funktionierendes System außer Betrieb zu nehmen, solange kein neues zuverlässiges System existiert. Gesicherte Kraftwerksleistung etwa kann nie allein durch eine wetterabhängige Stromerzeugung ersetzt werden. Das Ende für Atom- und Kohlekraftwerke ist beschlossen, ohne dass geklärt wäre, wie ihr Ersatz aussehen soll. Setzt man auf zentrale oder dezentrale Erzeugung? Die Aufgabe der Politik wäre es, dafür die Rahmenbedingungen zu schaffen und sich in der Bevölkerung um die notwendige Akzeptanz zu bemühen. Es geht leider nicht, im Norden die Windkraft auszubauen und dann die notwendigen Stromtrassen nach Süddeutschland zu blockieren. Und wer auf dezentrale Erzeugung setzt, muss den Menschen auch erklären, dass dafür überall in der Nähe von Wohn- und Gewerbegebieten kleine bis mittlere Kraftwerke gebaut werden müssen. Derzeit stellen Atom- und Kohlekraftwerke rund um die Uhr die dafür notwendige gesicherte Kraftwerksleitung zur Verfügung. Wie das an einem kalten, trüben und windstillen Wintertag künftig funktionieren soll, hat noch niemand plausibel dargelegt. Daher droht das nächste große Infrastrukturprojekt in Deutschland krachend zu scheitern. Ein Neustart ist darum dringend notwendig.

Hans-Josef Fell, Präsident Energy Watch Group und ehemaliger Bundestagsabgeordneter, Bündnis 90/Die Grünen

Ende vor dem Anfang

Das von mir mitentworfene Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), im Jahr 2000 unter Rot-Grün verabschiedet, hat der Welt den Schlüssel zu wirksamem Klimaschutz gegeben. Die Klimagasemissionen müssen vollständig gestoppt werden, so wie das auch die junge Klimaaktivistin Greta Thunberg auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos forderte. Das EEG hat die dafür notwendigen Nullemissionstechnologien marktreif gemacht. Solar- und Windenergie sind heute günstiger als fossile und atomare Energie. Daher setzen sie sich nun global durch – in China, den USA, Indien, Australien, Lateinamerika. Aber nicht mehr in Deutschland. Mit den EEG-Reformen seit 2010 ist der Ausbau der Erneuerbaren massiv eingebrochen, von rund 40 Milliarden US-Dollar in 2010 auf etwa zehn Milliarden in 2018. In der Solarbranche hat man so etwa 80.000 Jobs vernichtet. Nun wurde mit der Umstellung auf Ausschreibungen auch das Schrumpfen der Wind- und Bioenergiebranche verordnet. Stattdessen bräuchte es eine neuartige EEG-Vergütung für Investitionen, die ganzjährig lokale 100 Prozent erneuerbare Vollversorgung schaffen. So kommt Versorgungsicherheit dezentral von unten. Hohe Kosten für überregionalen Netzausbau werden vermieden. Ein Abbau aller Subventionen für Erdöl, Erdgas und Kohle wird die erneuerbaren Energien beflügeln, auch bei Heizungen und im Verkehr. Zudem müssen die hohen Genehmigungshürden für Wind- und Wasserkraft beseitigt und Forschung und Entwicklung gestärkt werden.

Gerd Eisenbeiß, Leser

Nur wenn die Menschheit die Verbrennung jedes einzelnen Kohlenstoffatoms aus Kohle, Öl und Erdgas teuer macht, kann eine weitgehend klimaneutrale Energiewirtschaft gelingen.

Franz Alt, Journalist und Buchautor

Ein bisschen ist nicht genug

2019 produzieren wir in Deutschland bereits 40 Prozent Ökostrom. Das ist etwa achtmal so viel wie im Jahr 2000. Aber bei der Verkehrs-, der Landwirtschafts- und der Wärmewende haben wir seither kaum Fortschritte erzielt. Deutschland hat keinen Verkehrsminister, sondern lediglich einen Autominister. Auch deshalb sind uns China, Japan, Südkorea, Kalifornien und Frankreich bei der E-Mobilität weit voraus. Selbst in dem vergleichsweise kleinen Land Norwegen fährt inzwischen jeder zweite neue Pkw elektrisch. Aber es kann keine wirkliche Energiewende geben ohne Verkehrswende, Landwirtschaftswende und Bauwende. „Unsere Zukunft hängt davon ab, was wir heute tun“, sagte Gandhi einst. Um die völkerrechtlich verpflichtende Energiewende bis zur Mitte des Jahrhunderts hinzukriegen, muss die Politik das bevorstehende Klimaschutzgesetz so gestalten, dass alles, was neu gebaut wird, auch emissionsfrei ist. Ab sofort darf kein Kraftwerk mehr zugelassen werden, das keine erneuerbare Energien benutzt. Ab 2025 dürfen in Deutschland nur noch Elektroautos zusätzlich auf die Straße. Der öffentliche Verkehr muss sich bis 2030 mindestens verdoppeln. Auch in der Landwirtschaft müssen die Emissionen bis 2030 um 30 Prozent sinken. Rund ein Drittel aller Emissionen hierzulande entstehen in Gebäuden. Deshalb muss der Bauminister endlich den Klimaschutz für sich entdecken. Denn vor allem hier gilt: je später, desto teurer und komplexer.

Schreib' uns deine Antwort!

Welche Überschrift willst Du Deiner Antwort geben?

Wieviel Kultur steckt im Essen?

Sag mir, was du isst, und ich sag dir, wer du bist. Tatsächlich ist Essen mehr als der kleinste gemeinsame Nenner der menschlichen Bedürfnispyramide. Wie wir essen, spiegelt auch ein Stück unserer Persönlichkeit und unserer kulturellen Identität wider. Erzählen Sie uns, was Sie alles mit Essen verbinden.

Antwort schreiben

Schreib' uns deine Antwort!

Welche Überschrift willst Du Deiner Antwort geben?

Wie digital ist der Mittelstand?

Antwort schreiben

Schreib' uns deine Antwort!

Welche Überschrift willst Du Deiner Antwort geben?