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Warum bin ich plötzlich Allergiker?

Der Frühling kommt, die Erkältung bleibt. Aus einer Woche werden zwei, dann drei und irgendwann ist klar: Das ist gar keine Erkältung, das ist eine Allergie. Schreiben Sie uns, wie Sie Ihr Leben mit einer Allergie meistern.

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Johannes Ring, emeritierter Professor für Dermatologie und Allergologie, Universitätsklinikum der TU München

Keine eine Ursache

Allergien sind die Umweltkrankheit Nummer eins. Sie manifestieren sich vor allem an Haut und Schleimhäuten, eben den Grenzflächen unseres Organismus mit seiner Umwelt. Waren in der Mitte des 20. Jahrhunderts Allergien noch relativ selten, gehören sie heute zu den großen gesundheitlichen Herausforderungen der meisten modernen Gesellschaften. Doch warum nehmen Allergien überhaupt zu? Dazu gibt es verschiedene Theorien. Eine davon ist die Schadstoff-Hypothese, die unter anderem besagt, dass Umweltbelastungen wie der moderne „Smog“ in Großstädten mit seinen feinen und ultrafeinen Partikeln einhergehen mit häufigerem Auftreten von Allergien. Eine andere ist die Hygiene- oder Urwald-Hypothese. Dabei haben Untersuchungen ergeben, dass Bauernkinder signifikant weniger häufig unter Allergien leiden als Kinder anderer Berufsgruppen. Denn der maximal schützende Effekt kommt dann zustande, wenn die Mutter während der Schwangerschaft in einem Stall gearbeitet hat. Konträr dazu steht der heutige urbane Lebensstil mit seiner hohen Mobilität oder dem zunehmenden Alltagsstress. Dieser kann die Entwicklung von Allergien sogar beschleunigen, nur lässt er sich nicht einfach definieren – schon gar nicht molekular. Daher ist es auch so schwer, für die Praxis Präventionsempfehlungen zu geben. Bei Allergien handelt es sich um ein komplexes Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren und Ursachen, für deren Behandlung es mehr Allergie-Spezialisten braucht.

Klaus Strömer, Präsident Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD)

Kontakt unerwünscht – aber nicht immer

Eigentlich geht es gar nicht so plötzlich. Manchmal dauert es zehn Jahre und länger, in denen ich Kontakt mit einer Substanz habe, und erst dann entwickelt sich langsam eine Allergie. Die Voraussetzung dafür scheint wie so häufig eine erbliche Veranlagung zu sein. So ganz genau weiß man aber tatsächlich noch nicht, was darüber entscheidet, ob jemand bei seiner Disposition eine Allergie entwickelt oder nicht und wie lange das dauert. Einige Hinweise sind aber wichtig: Kontaktallergien entstehen umso häufiger, je intensiver und länger der Kontakt ist, je stärker eine Substanz als Allergen wirkt und je instabiler die Haut ist. Ekzeme an der Kontaktstelle sind die Folge. Kann das Allergen gemieden werden, kommt es meist auch wieder zu einer Abheilung. Leider lassen sich nicht alle Kontaktallergene meiden. Duftstoffe, Nickel oder Farbstoffe sind weit verbreitet und können immer wieder Probleme hervorrufen. Anders sieht es beim Heuschnupfen aus. Es handelt sich um eine völlig andere Erkrankung, die aber auch Allergie heißt, weil man früher noch zu wenig über die unterschiedlichen Ursachen der beiden Erkrankungen wusste. Beim Heuschnupfen lässt sich das Allergen meist nicht meiden. Hier ist aber eine Gewöhnung häufig hilfreich. Dem Körper soll die Fehlfunktion also durch einen kontrollierten und stetigen Kontakt abgewöhnt werden. Das dazu vom Allergologen angewandte medizinische Verfahren nennt man Hyposensibilisierung.

Klaus Reinhardt, Vorstandsvorsitzender Hartmannbund – Verband der Ärzte Deutschlands

Der Hausarzt weiß Rat

Im Kern gilt: Bei den typischen Anzeichen einer Allergie, wie etwa der Reizung der Schleimhäute, von Nase und Augen, aber auch von Bronchien oder der Haut, ist die Hausärztin oder der Hausarzt zunächst sicher die richtige Anlaufstation. Das Problem liegt dann häufig weniger in der Diagnose als vielmehr im erfolgreichen Finden der auslösenden Allergene. Provokationstests oder entsprechende Laboruntersuchungen sind geeignete Instrumente, bei gegebenenfalls zunächst unspezifischer Diagnose die auslösenden Allergene einzugrenzen. Bei Ärztinnen und Ärzten mit einer allergologischen Zusatzausbildung ist das in der Regel kein Problem. Vor allem saisonal auftretende Allergien gehören in der Hausarztpraxis zum Alltag. Spezifischere allergologische Fragestellungen sollten im Wesentlichen, abhängig von der jeweiligen Lokalisation, von Pneumologen, Dermatologen und HNO-Ärztinnen und -Ärzten versorgt werden. Neben der medikamentösen Linderung der Symptome ist eine Hyposensibilisierung unter Umständen ein probates Mittel der Therapie.

Sonja Lämmel, Oecotrophologin und Pressesprecherin Deutscher Allergie- und Asthmabund (DAAB)

Geänderte Verhältnisse

Im Laufe der letzten Jahre hat die Zahl der Menschen mit Allergien und Unverträglichkeiten stark zugenommen und auch für die Zukunft wird eine weitere Zunahme von Allergien erwartet. Einen Großteil trägt dazu unsere klinische Umgebung bei. Sie sorgt dafür, dass sich das Immunsystem langweilt. Alles wird desinfiziert, gewienert und geputzt. Unser Immunsystem wird nicht mehr ausreichend trainiert und schießt sich auf harmlose Dinge wie Pollen oder Lebensmittel ein. Diese Hygiene-Hypothese stützt sich auf die Annahme, dass der Vormarsch der Allergien in den Industrieländern auf übertriebener Hygiene beruht und einen Verlust der natürlichen Immunität nach sich zieht. Eine weitere Theorie geht davon aus, dass Schadstoffe die Allergieentstehung begünstigen. So werden etwa Pollen durch Umwelteinflüsse wie Ozon oder Dieselruß immer aggressiver. Hinzu kommt, dass wir heutzutage eine weitaus vielfältigere Allergenbelastung haben als noch vor 50 Jahren. Schauen wir uns das Lebensmittelangebot an. Wir gehen immer weiter weg von natürlichen Lebensmitteln hin zu Fertigprodukten und Schnellgerichten mit möglichst wenig Aufwand. Für deren Herstellung sind viele Hilfsstoffe nötig. Die Qualität der Lebensmittel sinkt zu Lasten der Gesundheit. Beispiel Erdnuss: Heutzutage werden Erdnussbestandteile so vielfältig in unseren Lebensmitteln eingesetzt, dass in den letzten Jahren die Zahl der Erdnuss-allergischen Kinder dramatisch angestiegen ist.

Torsten Zuberbier, Leiter Allergie-Centrum-Charité Berlin und Generalsekretär Europäische Forschungsinitiative gegen Allergien und Asthma (GA2LEN)

Auf falscher Fährte

Menschen, die eine Allergie bekommen, haben genetisch festgelegt die Neigung, besonders kräftig mit dem Immunsystem reagieren zu können – grundsätzlich eine gute Eigenschaft. Nur richtet sich das Immunsystem bei der Allergie versehentlich gegen eigentlich harmlose Umweltstoffe wie Pollen oder Hausstaub. Die Ursachen liegen zum einen darin, dass Pollen in der Stadt mit Schadstoffen belastet sind. Diese führen zu einer Irritation, etwa der Nasen- oder Augenschleimhaut, und das wiederum reizt das Immunsystem. Zum anderen aber ist das Immunsystem auch hierarchisch aufgestellt. Wenn schwere Erkrankungen vorliegen, bei denen Allergiker übrigens eine bessere Chance haben zu überleben, kümmert sich das Immunsystem zunächst um diese. Dies ist Grundlage der sogenannten Hygienetheorie. Wächst man nicht mit gefährlichen Bakterien auf, kümmert sich das Immunsystem um weniger gefährliche Stoffe und nimmt eventuell auch Allergene in den Fokus. Glücklicherweise kann man Allergien inzwischen sehr gut behandeln. Es gibt einerseits die Immuntherapie, die Allergien zurückdrängen kann und das Immunsystem wieder tolerant macht. Gerade jetzt gilt für die Betroffenen jedoch die Botschaft: Symptomatische Behandlung ist wichtig. Medikamente wie nicht müde machende Antihistaminika oder Cortison-Nasensprays, die nicht mehr in die Blutbahn übergehen, sind jetzt eine gute Möglichkeit, beschwerdefrei durch das Frühjahr zu gehen. Fragen Sie Ihren Arzt hierzu.

Claudia Traidl-Hoffmann, Direktorin Institut für Umweltmedizin, Technische Universität München

Und wieder der Klimawandel

Unser Immunsystem wird unbemerkt „scharf gestellt“, das heißt auf bestimmte Allergene sensibilisiert. Dies geschieht zunächst ohne Symptome wie Schnupfen oder Juckreiz. Bei einigen Menschen treten bei erneutem Kontakt mit Allergenen Symptome auf. Dies geschieht plötzlich, ohne leicht bemerkbare Vorwarnung. Erst jetzt spricht die Medizin von einer allergischen Erkrankung oder Allergie. Durch den Klimawandel verändern sich Trocken- und Regenphasen: Wetterextreme nehmen zu und neue biologische Nischen entstehen. Dadurch gibt es mehr Pollen von mehr Pflanzen mit hohem Allergiepotenzial über fast das gesamte Jahr hinweg und mit teils aggressiveren Pollen. Diesen Effekt verstärkt die Verstädterung, da die natürliche Vielfalt, mit der wir Menschen auf dem Land über Tiere oder Natur in Berührung kommen, darunter leidet. Zu den klimabedingten Umweltveränderungen kommen menschenverursachte (Luft-)Schadstoffe hinzu, die unser Immunsystem empfänglicher für Allergene machen und so den Weg zur Allergie bahnen. Das ist ein Grund, weshalb in industrialisierten Ländern Allergikerzahlen rasant ansteigen. Aber was hilft? Wenn ich eine Allergie habe, hilft eine genaue Pollenfluginformation und das richtige Wasch , Lüftungs- und Freizeitverhalten. Viele Allergien können durch eine Hyposensibilisierung geheilt werden. Umweltverschmutzung und Klimawandel müssen wir eindämmen und gleichzeitig Mensch und Natur helfen, sich daran anzupassen.

Imke Reese, Ernährungsberaterin

Hilfe vom Profi

Die Themen Allergien und mehr noch Unverträglichkeiten im Allgemeinen treiben viele Menschen um. Vor allem chronische Beschwerden werden nicht selten als Reaktion des Körpers auf bestimmte Lebensmittel interpretiert. Eine Folge dieser Vermutung sind oft umfangreiche Auslassversuche auf eigene Faust. Derzeitige Hauptverdächtige sind Weizen beziehungsweise dessen Klebereiweiß Gluten, Milch, Histamin oder eine als FODMAPs bezeichnete Gruppe von Kohlenhydraten. Doch Auslassversuche ohne diätetische Betreuung sind nicht risikolos: Nährstoffe werden meist nicht adäquat ersetzt, eine Überprüfung des vermuteten Zusammenhangs findet nicht statt und die Vielfalt der Ernährung als Voraussetzung für Darmgesundheit wird massiv eingeschränkt. Dabei entstehen Allergien im Erwachsenenalter vor allem aufgrund von pollenassoziierten Kreuzreaktionen, was in erster Linie eine Einschränkung des Verzehrs von rohem Kern- und Steinobst, Haselnüssen und wenig verarbeiteten Sojaprodukten bedeutet. Auch Laktoseintoleranz und Probleme bei der Aufnahme großer Fruchtzuckermengen können relevant sein. Doch auch dann wird ernährungstherapeutisch nicht mit Meidung gearbeitet, sondern mit einer auf die individuelle Situation angepassten Kost. Auslassdiäten sollten daher niemals ohne ernährungstherapeutische Begleitung durchgeführt werden, da die Risiken zum Teil erheblich sind. Adressen für Ansprechpartner finden Interessierte beim Deutschen Allergie- und Asthmabund.

Torsten Zuberbier, Leiter Allergie-Centrum-Charité Berlin und Generalsekretär Europäische Forschungsinitiative gegen Allergien und Asthma

Auf falscher Fährte

Menschen, die eine Allergie bekommen, haben genetisch festgelegt die Neigung, besonders kräftig mit dem Immunsystem reagieren zu können – grundsätzlich eine gute Eigenschaft. Nur richtet sich das Immunsystem bei der Allergie versehentlich gegen eigentlich harmlose Umweltstoffe wie Pollen oder Hausstaub. Die Ursachen liegen zum einen darin, dass Pollen in der Stadt mit Schadstoffen belastet sind. Diese führen zu einer Irritation, etwa der Nasen- oder Augenschleimhaut, und das wiederum reizt das Immunsystem. Zum anderen aber ist das Immunsystem auch hierarchisch aufgestellt. Wenn schwere Erkrankungen vorliegen, bei denen Allergiker übrigens eine bessere Chance haben zu überleben, kümmert sich das Immunsystem zunächst um diese. Dies ist Grundlage der sogenannten Hygienetheorie. Wächst man nicht mit gefährlichen Bakterien auf, kümmert sich das Immunsystem um weniger gefährliche Stoffe und nimmt eventuell auch Allergene in den Fokus. Glücklicherweise kann man Allergien inzwischen sehr gut behandeln. Es gibt einerseits die Immuntherapie, die Allergien zurückdrängen kann und das Immunsystem wieder tolerant macht. Gerade jetzt gilt für die Betroffenen jedoch die Botschaft: Symptomatische Behandlung ist wichtig. Medikamente wie nicht müde machende Antihistaminika oder Cortison-Nasensprays, die nicht mehr in die Blutbahn übergehen, sind jetzt eine gute Möglichkeit, beschwerdefrei durch das Frühjahr zu gehen. Fragen Sie Ihren Arzt hierzu.

Erika von Mutius, Leiterin Institut für Asthma- und Allergieprävention, Helmholtz-Zentrum München

Immunsysteme können lernen

Warum Kinder Allergien entwickeln, ist ein Thema, das mich als Kinderärztin und Forscherin seit langem beschäftigt. In meiner Sprechstunde sehe ich das ganze Spektrum allergischer Erkrankungen, fast so vielfältig wie die Kinder, die ich behandle. Im Einzelfall ist diese Frage nicht zu beantworten. Wissenschaftlich sieht es so aus, dass viele Bausteine zusammenkommen müssen, damit ein Kind eine Allergie entwickelt. Der Endeffekt ist, dass das Immunsystem nicht gelernt oder verlernt hat, nicht auf natürliche Substanzen in der Umwelt wie Pollen, Tiere, Hausstaub oder Nahrungsmittel zu reagieren. Diese Bausteine haben bei allen Kindern unterschiedliche Gewichte. Bei manchen mag die Genetik eine Rolle spielen, wobei es viele verschiedene Gene gibt, die zu einer Allergie beitragen können. Bei manchen mögen schädigende Umwelt- und Lebensstilfaktoren die Waage zur Allergie hin drücken. Die Frage kann man aber auch umdrehen: Warum bekommen die meisten Kinder keine Allergie? Es gibt heute Hinweise darauf, dass das Nichtreagieren auf Umweltallergene ein aktiver Prozess ist, ein wirkliches Lernen von Toleranz, und dass daher die Vermeidung dieser Allergene nicht sinnvoll ist. Für ein erfolgreiches Lernen sind wahrscheinlich Lernhilfen notwendig, zum Beispiel das Aufwachsen auf einem traditionellen Bauernhof, zahlreiche Geschwister, ein Hund früh im Leben und das Fehlen von lernbehindernden Faktoren, etwa eine bestimmte genetische Ausstattung.

Jörg Kleine-Tebbe, Sprecher Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI)

Ein Puzzle mit vielen Teilen

Die Frage klingt simpel, die Antwort ist es nicht. Bei Allergien kennen wir nicht nur eine, sondern viele Teilursachen. Grob vereinfacht: Alles dreht sich um Vererbung, Umwelt und Lebensstil – und diese Größen sind eng verzahnt. Hier kommt die Epigenetik ins Spiel, die die Einflüsse der Umwelt auf unsere Erbanlagen untersucht. Viele Allergie-Gene sind bereits bekannt. Sie erklären allerdings nur einen Teil der Vererbbarkeit bei Heuschnupfen, allergischem Asthma oder Neurodermitis. Die weltweite Zunahme allergischer Erkrankungen beruht eher auf Umweltfaktoren: Diskutiert werden urbaner Lebensstil, frühkindlicher Keimkontakt, Mikrobiom, Ernährung, Umweltbelastungen, Medikamente und Allergene. Diese und andere Faktoren steuern wahrscheinlich auch die individuelle Allergiekarriere und ihren Start. Was nützt das dem Allergiker? Ehrlich gesagt wenig, wenn die Allergie bereits besteht. Eher dürften zukünftige Risikokinder aus Allergikerfamilien profitieren. Zuvor muss es gelingen, erfolgreich Tipps zur Vorbeugung zu prüfen und umzusetzen. Statt linearer Kausalität entdecken wir eine Welt vernetzter Teilursachen: Allergien gelten als Paradebeispiel komplexer Gen-Umwelt-Interaktionen. Warum bin ich also plötzlich Allergiker? Individuell lässt sich das schwer entwirren und endet meist in Spekulationen. Für den weltweit wachsenden Bevölkerungsanteil mit Allergien sehen wir schon klarer: Viele Faktoren beeinflussen die Allergieentwicklung.

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Wie zeigt man Verantwortung?

Wer im Mittelalter Verantwortung zeigte, stand als Angeklagter vor Gericht. Das Wort hat eine erstaunliche Verwandlung hinter sich – aus der unangenehmen Pflicht ist eine Tugend geworden. Erzählen Sie uns, was Verantwortung für Sie bedeutet.

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Martin Pieper, Leser

Ich werde gebraucht

Bei uns auf dem Land ist es einfach, Verantwortung zu zeigen. Fast jeder hier engagiert sich ehrenamtlich. Für mich war es klar, bei der Freiwilligen Feuerwehr mitzumachen. Schon mein Vater war dabei und ich und meine Brüder konnten es nicht abwarten, in die Jugendfeuerwehr einzutreten. Die Jugendfeuerwehr ist sowieso eine wichtige Einrichtung bei uns. Sie bietet den jungen Leuten eine sinnvolle Beschäftigung und schafft ein Gemeinschaftsgefühl. Durch seinen Einsatz übernimmt man Verantwortung und kann helfen. Als bei uns in der Gegend im letzten Jahr der Wald gebrannt hat, haben viele Feuerwehren aus dem Landkreis geholfen, die Natur zu retten und schlimmeren Schaden zu verhindern. Als der Brand gelöscht war, hingen wir zwar alle in den Seilen, aber das Gefühl war unbeschreiblich.

Ethik-Kurs der 7, Klassen des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Waldkirch (Baden-Württemberg)

Bereit, wenn ihr uns lasst

Verantwortung zu tragen heißt, Aufgaben zu übernehmen für Lebewesen oder Dinge, um die man sich kümmert. Wer das nicht zuverlässig tut, muss die Konsequenzen dafür tragen. Das setzt eine gewisse geistige Reife voraus – man muss von sich aus dazu bereit sein und sich darüber im Klaren sein, dass man damit Verpflichtungen eingeht. Auch wenn Verantwortung einen einerseits einschränkt, kann sie andererseits mehr Freiheit bedeuten. Wenn man etwa auf seine kleinen Geschwister aufpasst, trägt man die Verantwortung für ihre Sicherheit und ihr Wohlergehen. Man kann dann fast wie ein Erwachsener frei darüber entscheiden, was man mit den Kindern macht, stolz darauf sein, dass die Eltern einem das zutrauen, und die Selbstständigkeit und das Selbstwertgefühl genießen. In der Politik zeigt sich aber auch, welche Schwierigkeiten es oft mit sich bringt, Verantwortung zu übernehmen, denn man kann es nie allen recht machen. Wenn man zum Beispiel das Dieselfahrverbot durchsetzt, macht man den Umweltschützern eine Freude, sorgt aber bei vielen Vertretern der Autoindustrie für Empörung.

Gundi Günther, Leserin

Frühe Prägung

Mein Mittelalter war meine Kindheit und meine Mutter, die mich quasi täglich, als Erstgeborene von drei Schwestern, an meine ultimative Vorbildfunktion erinnerte. Als große Schwester sollte ich zu sämtlichen Spiel- und Spaßgelegenheiten meine beiden Schwestern im Schlepptau mitnehmen. Auch unser Vater hatte immer eine verantwortungsvolle Tätigkeit parat. In dieser frühkindlichen Lebensphase, für ein Mädchen im Alter von acht bis 14 Jahren, war das echt nicht immer prickelnd. Tatsächlich aber prägen solche Maßnahmen. Noch heute übernehme ich gern Verantwortung und habe viel Freude bei sämtlichen Aufgaben und Arbeiten. Dafür bin ich besonders meiner Mutter heute sehr, sehr dankbar.

Frank Überall, Vorsitzender des Bundesvorstands Deutscher Journalisten-Verband (DJV)

Profession verpflichtet

Verantwortung von Journalistinnen und Journalisten beginnt da, wo faktenfreies Getratsche aufhört. Professionell gemachte Medien sind im Gegensatz zu Internet-Plattformen mit Hobbyschreibern kein verlängerter Stammtisch. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Auch im nicht- oder semi-professionellen Bereich gibt es zuweilen hervorragende Leistungen. Aber das ist eben die Ausnahme. Wenn ich zum Friseur gehe, verlasse ich mich auch lieber auf Profis. Genauso muss es im Journalismus sein, der den Rohstoff an Informationen und deren Einordnung für den wichtigen gesellschaftlichen Diskurs zur Verfügung stellt. Zur Verantwortung unseres Berufsstandes gehört es, handwerkliche Regeln einzuhalten – und immer da, wo wir Fehler machen oder von „schwarzen Schafen“ wie im Fall des Spiegel-Reporters Claas Relotius manipuliert werden, offen damit umzugehen. Wir brechen uns keinen Zacken aus der Krone, wenn wir auch mal zugeben, dass ein verschwindend geringer Teil unserer Arbeit nicht perfekt ist. Ganz im Gegenteil: Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler. Die zu vertuschen, wird unserer gesellschaftlichen Verantwortung niemals gerecht. Gleichzeitig brauchen wir aber auch anständige Arbeitsbedingungen, damit wir möglichst fehlerfrei arbeiten können. Dazu wiederum gehört eine anständige Bezahlung. Journalismus kostet Geld, das muss bezahlt werden – und beschreibt die Verantwortung derer, die ordentlich informiert werden wollen.

Barbara Slowik, Polizeipräsidentin in Berlin

Helfen mit Plan

In Konflikt- und Gewaltsituationen Verantwortung zu übernehmen, ist für viele ein großer Schritt. Dabei kann jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten eingreifen. Helfende sollten deeskalierend und waffenlos vorgehen, um sich selbst und andere Personen nicht zusätzlich zu gefährden. Um Verletzungen bei Opfern zu verhindern oder zu begrenzen, sollte das Ziel vor allem die Verhinderung oder Unterbrechung einer Gewalthandlung sein. Helfen ist dabei nicht nur körperliches Dazwischen-Gehen, sondern auch: • das Geschehen beobachten und Tätermerkmale einprägen, • auf Distanz bleiben, • den Polizeinotruf 110 wählen, • in öffentlichen Verkehrsmitteln dem Fahrpersonal Bescheid geben oder die Notbremse oder den Alarmgriff ziehen, • unbeteiligte Personen gezielt auf die Situation aufmerksam machen und zur Unterstützung auffordern, • Helferteam bilden und Täter zur Flucht bewegen, etwa mit dem Satz: „Die Polizei wurde gerufen, sofort aufhören!“, • Täter siezen und weder verbal noch körperlich angreifen, • flüchtende Täter nicht aufhalten, • Betroffene unterstützen, Erste Hilfe leisten und den Feuerwehrnotruf 112 absetzen, • als Zeuge zur Verfügung stellen und Strafanzeige erstatten. Die Polizei Berlin bietet zudem regelmäßig kostenfreie Seminare zum Umgang mit Aggressionen und Gewalt im öffentlichen Raum an, zu denen man sich auf der Webseite der Polizei Berlin anmelden kann. Weitere Informationen zu Zivilcourage finden Sie unter: www.aktion-tu-was.de

Gregor Hackmack, Leiter Change.org Deutschland

Die Mitmach-Generation

Ein grauer Wintertag im Februar 2019 wird für Gustav (16) und Lilli (17) zum aufregendsten Moment ihres bisherigen Lebens. Seit Wochen gehen die beiden freitags nicht zur Schule, sondern auf die Straße – für mehr Klimaschutz. Die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg machte vor, was bis heute europaweit zehntausende Schülerinnen und Schüler nachmachen. Für Gustav und Lilli ist Greta ein Vorbild. Immer mehr Menschen hören ihr zu. Andere Menschen verstehen das nicht und greifen sie an. Der Ton ist hasserfüllt. Gustav und Lilli nehmen das nicht hin. Auf Change.org starten sie ihre #WeloveGreta-Petition. Sie schreiben Greta den größten Liebesbrief aller Zeiten. Als Greta Hamburg besucht, dürfen Gustav und Lilli mit auf die Bühne. Ihr schönster Moment: Sie übergeben ihrem großen Vorbild den Brief mit 80.730 Unterschriften. Die Aktion macht bundesweite Schlagzeilen. Solche Momente zeigen, dass digitaler Protest wirkt. Gustav und Lilli gehören zu einer neuen Generation, die wieder Verantwortung übernimmt. Die Plattform Change.org hilft Menschen wie ihnen, sich per Mausklick zu vernetzen und innerhalb kürzester Zeit viele Gleichgesinnte für ihr Anliegen zu mobilisieren. Gustav und Lilli machen weiter. Sie haben eine neue Kampagne gestartet. Zusammen mit der Deutschen Umwelthilfe wollen sie nun den Bau neuer Fracking-Terminals stoppen. Auch hierfür mobilisieren sie Tausende. Die Zeiten von „Allein kann ich sowieso nichts ändern“ sind vorbei.

Philipp Lahm, Unternehmer und Fußball-Weltmeister

Was mich leitet

Vier Gedanken für verantwortungsvolles Unternehmertum: 1. Stelle nichts her, an dessen Nutzen du selbst nicht glaubst. Meine beiden Unternehmen produzieren Dinge, die meinen Alltag verbessern: Bio-Nahrung und Sportkosmetik. Ich bin zutiefst überzeugt, dass bewusste Ernährung und regelmäßige Bewegung die Lebensqualität jedes Einzelnen steigern. Unsere Produkte können das unterstützen. 2. Sorge dafür, dass möglichst viele Menschen etwas davon haben. Selbst die besten Ideen entfalten keine spürbare Wirkung, wenn sie einem zu kleinen Kreis von Kunden vorbehalten bleiben. Wir haben gerade einen idealen Vertriebspartner gefunden, der es möglich macht, erstklassige Bio-Lebensmittel auch einem großen Publikum zugänglich zu machen – zu erschwinglichen Preisen. 3. Nimm nicht nur, sondern gib auch zurück. Jedes Unternehmen muss ökonomisch gesund sein. Aber Profit allein reicht mir nicht. Ich möchte, dass unsere Produkte einen positiven Effekt auf das Leben vieler Menschen haben. Das hilft mir beim Bestimmen des Sortiments – und das unterstütze ich auch durch die Aktivitäten meiner Stiftung. 4. Tue Gutes – und sprich darüber. Nachhaltigkeit ist nicht nur für die Herstellung unserer Produkte eine Voraussetzung. Unter Nachhaltigkeit verstehe ich auch, von einer Strategie lückenlos überzeugt zu sein und sie öffentlich zu vertreten. Damit sie im besten Fall Schule macht.

André Leipold, Mitglied des Aktionskünstler-Kollektivs Zentrum für Politische Schönheit (ZPS)

Aufklärung ist der Weg

So allgemein die Frage auch klingt, sie drückt bei mir sofort bestimmte Knöpfe: Holocaust/Aufklärung, Schuld/Verantwortung. Es sind Begriffspaare, die sich durch meine Arbeit und die gewonnenen Erkenntnisse während vergangener Aktionen des ZPS gebildet haben – Grundmotive also, die uns zur Suche nach kollektiven Antworten auf eine Frage drängen: Welche Rolle spielt der überwundene Zivilisationsbruch im Hier und Jetzt? Es ist eine alle Kategorien sprengende Frage, die viele moralische, politische, wissenschaftliche oder künstlerische Implikationen bereithält. Wir wollen jedoch eine immer und überall gültige Antwort kreieren. So ein übergeordneter Ansatz führt unweigerlich zu kühnen Sprüngen in einer Erzählung, die man sich leider nur im konstruierten Rahmen der Kunst erlauben kann. Die Kurzversion lautet so: Wir übernehmen Verantwortung für die Zukunft, indem wir die Aufklärung verteidigen und das Wissen um ihre Zerbrechlichkeit bewahren. Erst wenn wir aus freien Stücken die Schuld für den Abgrund, den unsere Ahnen aufgerissen haben, annehmen und tragen, können wir über uns hinauswachsen. Sie zu tragen, macht unsere Schultern stärker. Erst dann haben wir die volle Verantwortung übernommen und unsere Mündigkeit für moralischen Fortschritt und utopische Traumverwirklichung gewonnen. Und erst dann haben wir Immanuel Kant wirklich verstanden, denn: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“.

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Wem gehört die Stadt?

Viele unserer Städte werden zur Hälfte bei Airbnb vermietet, die andere Hälfte gehört geldgierigen Investoren und wird weggentrifiziert. Okay, ganz so schlimm ist es noch nicht, aber die Frage bleibt: Gibt es ein Recht auf Stadt oder gehört sie den Meistbietenden? Schreiben Sie uns Ihre Meinung dazu.

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Dieter Reiter, Oberbürgermeister der Stadt München

Nur gemeinsam stark

Die Stadt gehört allen Menschen, die in ihr leben. Doch gerade beim Thema Wohnen zeigt die aktuelle Debatte, wie existenziell die Umwälzungen sind, die wir beobachten. Seit Jahren stemmt sich die Stadt München mit zahlreichen Maßnahmen dagegen, dass Wohnraum immer teurer wird und für viele Menschen nicht mehr bezahlbar ist: Seit 25 Jahren gibt es die sozialgerechte Bodennutzung, die sicherstellt, dass stets ein fester Bestandteil an geförderten Wohnungen in Neubaugebieten entsteht. In 23 Münchner Erhaltungssatzungsgebieten schützen wir heute rund 281.000 Menschen vor Vertreibung. Wir haben die Abwendungserklärung, mit der Investoren das Vorkaufsrecht der Stadt abwenden können, drastisch verschärft, zuletzt im April. München hat seine eigenen städtischen Wohnungsbaugesellschaften mit heute rund 65.000 Wohnungen nie veräußert. Wir kaufen Wohnungen der GBW, die der Freistaat Bayern verantwortungslos verkauft hat, für Hunderte Millionen Euro zurück, um die Mieterinnen und Mieter zu schützen. In unseren Neubauquartieren zeigen wir außerdem, dass soziale und ökologische Anforderungen zusammen gedacht werden müssen. Diese Maßnahmen wirken zwar, die Mieten steigen dennoch weiter. Stoppen können wir die dramatische Aufwärtsspirale der Bodenpreise und der Mieten in München daher nur, wenn auch die Bundesregierung deutlich mehr für den Mieterschutz unternimmt und endlich eine Reform des Bodenrechts auf den Weg bringt.

Tim Renner,

Nicht zu einfach denken

Wer stabile Verhältnisse mag, lebt in der falschen Zeit. Alles ist im Wandel, egal ob Digitalisierung, Globalisierung, Klimakatastrophen, Trump, umkippende Alterspyramide. Die Gesellschaft ist mit Phänomenen beschäftigt, die maximale Unsicherheit schaffen. Weltweit gilt: Noch nie ging es uns so gut wie heute, aber parallel ist die Menschheit kollektiv in Angst wie vielleicht niemals zuvor. Wer Angst hat, zieht sich zurück. Der Rückzug führt in die eigenen vier Wände. Die eigene Wohnung wird zum letzten Zufluchtsort. Dort zittert dann besonders, wer zur Miete wohnt. Wohnungsnot ist eine greifbare Angst. Es verhält sich wie vor zwei Sommern mit dem Thema Migration: Populisten nutzen Ängste schamlos aus – egal ob sie von links oder rechts kommen. Sie bieten einfache, radikale Lösungen. Egal ob „Grenzen dicht“ oder „Deutsche Wohnen und Co. enteignen“ – wir reden hier jeweils über Maßnahmen, die sich historisch bereits als falsch erwiesen haben. Sie lösen das eigentliche Problem nicht. Wer der Sache auf den Grund gehen will, muss ein Grundrecht auf Wohnen einführen, Wohnungen bauen, Mieten begrenzen, Mieterrechte ausbauen, überlegen, wie Wohnen und Arbeiten in der digitalisierten Gesellschaft funktioniert, sich um die Infrastruktur auf dem Land kümmern und vieles mehr. Ja, das ist mühsam und komplex, aber für die Betroffenen weit wirkungsvoller als über Enteignung zu debattieren, durch die kein neuer Wohnraum entsteht.

Melanie Schubert, Leserin

Lebendige Kieze

Wenn ich mit offenen Augen und Ohren durch unser Viertel laufe, kann ich ganz klar sagen, dass die Stadt den Kindern gehört. Und das ist auch gut so, denn genauso, wie die ganze Gesellschaft durch Kinder zukunftsfähig wird, bleibt eine Stadt durch Kinder lebenswert. Nichts ist erschreckender als eine Stadt, die sich ausschließlich an den Bedürfnissen einer vergreisenden Gesellschaft orientiert und alles, was mehr Lärm macht als das Quietschen eines Rollators, sofort stillreguliert. Natürlich ist in dichtbesiedelten Lebensräumen Rücksicht auf andere gefragt und Kinder sollen auch lernen, dass sie nicht der Mittelpunkt des Sonnensystems sind. Kreative Lösungen sind gefragt, um das Miteinander zu gestalten und jedem das Gefühl zu geben, dass die Stadt genau ihm als Teil eines großen Ganzen gehört.

Roland Schmid, Leser

Zivilisation auf Zeit

Wir haben uns die Städte nur von der Natur geliehen. Das sieht man daran, dass sich Natur keine Schranken setzen lässt und versucht, jedes Fleckchen Beton und Asphalt zurückzuerobert. Der Mensch spricht hier oft von Unkraut, Pionierpflanzen trifft es viel besser. Unter dem Pflaster wartet die Wiese auf ihre Rückkehr.

Amelie Richter, Leserin

Harmonische Vielfalt

Alt und Jung, Laut und Leise, Arm und Reich leben auf engstem Raum nebeneinander. Die Vielfalt macht das Stadtleben erst lebenswert und herausfordernd zugleich.

Markus Kern, Leser

Räumt mal auf

Die Stadt gehört uns allen, die wir in ihr wohnen. Jeder Bewohner sollte aus Respekt den anderen und sich selbst gegenüber darauf achten, die Stadt sauber zu halten und seinen Müll ordnungsgemäß entsorgen. Die Stadtsauberkeit ist nämlich der wichtigste Gradmesser für Lebensqualität. Die Vermüllung des öffentlichen Raumes sollte meiner Auffassung nach verschärft geahndet werden. Die Stadt gehört mir genauso wie Ihnen. Es kommt auf jeden Einzelnen von uns an, damit wir es alle gut haben. Schon Goethe wusste: „Ein jeder kehre vor seiner Tür, und rein ist jedes Stadtquartier.“

Andreas Knie, Leiter Forschungsgruppe Wissenschaftspolitik, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

Überdosis Auto

Wer früher beruflich vorankommen wollte, brauchte ein Auto. Wer gesellschaftlich seinen Rang darstellen wollte, tat das mit einem entsprechenden Wagen. Das private Fahrzeug war Teil unseres Lebens und verlagerte ganze Biografien in den immer weiter zersiedelten Raum. Vom Himmel fiel das nicht. Der Staat musste ordentlich helfen, Straßen- und Infrastruktur bauen, das Auto rechtlich zu einem „Gemeingebrauch“ machen, das immer freie Fahrt hat und überall abgestellt werden kann. Für die freie Fahrt für freie Bürger hatte der Staat einen Plan. Aber: Das Gute schlägt bei einer Überdosis ins Gegenteil um. Die Städte ersticken im Stau, das abgestellte Blech okkupiert immer mehr Raum, Pendlermassen quälen sich jeden Morgen durch die Agglomerationsräume und selbst am Dorf staut sich schon der Verkehr. Aber jetzt gibt es keinen Plan. Ganz im Gegenteil: Der Verkehrsminister glaubt Volkes Stimme zu hören und das Auto noch zusätzlich gegen Unbill zu schützen. Der letzte Coup: Stickoxidgrenzwerte im europäischen Recht wurden durch deutsches Sonderrecht verwässert. Fahrverbote für Dieselfahrzeuge sind vom Tisch. Dabei ist die Lösung so offensichtlich. Für die persönliche Freiheit braucht man heute kein Auto mehr. Man bucht sich einfach die notwendige Menge Sitzplätze. Mobile Vernetzung macht Fahrzeuge zu digital buchbaren Objekten. Statt eines eigenen Autos verfügt man plötzlich über einen gigantischen Fuhrpark, der einen von A nach B befördert.

Markus Lewe, Präsident Deutscher Städtetag

Gelebter Zusammenhalt

Auf diese Frage gibt es auf Anhieb nur eine richtige Antwort: Sie gehört allen. Doch hinter der vermeintlich einfachen Antwort verbergen sich unterschiedlichste Interessen. Beispielsweise möchten viele gerne in einer urbanen Nachbarschaft wohnen – mit kurzen Wegen zum Arbeitsplatz, zum Einkaufen, zu Dienstleistungen und Gastronomie. Aber Kunden kommen auch am Abend oder an den Wochenenden. Bewohnerinnen und Bewohner im direkten Umfeld wollen möglichst wenig Lärm und saubere Luft. Die Folge sind Interessenskonflikte: Was dem einen zu laut, ist dem anderen zu leise. Derartige Widersprüche sind zahlreich – zu lange oder zu kurze Öffnungszeiten, zu viel Verkehr oder zu wenig Stellplätze. Unterschiedliche Nutzungen gehören aber unbedingt zu einer lebendigen und lebenswerten Stadt. Die Städte versuchen, diese verschiedenen Interessen zu einem Ausgleich zu bringen. Umfassende Bürgerbeteiligungsverfahren werden beispielsweise dafür genutzt. Unsere Zukunft in den Städten wird im Dialog ausgehandelt. Wir sind im steten Gespräch mit den Bürgerinnen und Bürgern, unserer wichtigsten Zielgruppe. Das Durchsetzen sehr persönlicher Anliegen führt allerdings meist nicht zum Ziel. Wir brauchen die Bereitschaft, die Bedürfnisse der anderen aufzunehmen und – wenn möglich – auch darauf einzugehen. Stadt ist die Fähigkeit zum Kompromiss auf hohem Niveau. Städte sind im besten Fall gelebter Zusammenhalt. Mit einer starken Bürgerkultur.

Christoph Schöpfer, Geschäftsfeldentwicklung Wasser, Arcadis Germany

Wasser ist Leben

Eine Stadt am Wasser hat besonderes Flair. Flüsse und Seen sind magische Anziehungspunkte für Wohnen, Freizeit und Erholung. Doch sie sind auch Rückzugsgebiete für die Natur, sind Brut- und Laichflächen für Vögel und Fische – so wie die Isar in München. Jahrelang funktionierte das Miteinander von Naturschützern, Sonnenanbetern und Freizeitkapitänen. Doch jetzt eskaliert ein Streit. Das zunehmende gesellschaftliche Umweltbewusstsein lässt die angrenzenden Kommunen zu harten Maßnahmen greifen. Gummiboote sollen verboten, die Kiesinseln im Flussbett nicht mehr betreten werden dürfen. Zahlreiche Verbote sollen den Strom der Erholungssuchenden, mitsamt ihren Folgen für die Umwelt, eindämmen. Wem gehört die Stadt und wem gehören ihre Gewässer? Unbestritten müssen wir unsere natürlichen Ressourcen schonen, Flora und Fauna innerhalb der Städte ihren Platz lassen und nachhaltiger leben. Doch hat auch der Mensch als Teil der Natur ein Recht auf Lebensqualität. In Städten tragen Erholungsgebiete dazu einen hohen, wenn nicht sogar den höchsten Beitrag bei. Gewässer und Grünzonen sind für alle da. Sie müssen geschützt werden, aber für den Menschen erlebbar bleiben. Aufklärung und Appelle an den gesunden Menschenverstand stärken das Umweltbewusstsein mehr als Verbotskataloge – und sind somit auch nachhaltiger. Eine friedliche Koexistenz geht gerade in den Städten nicht ohne Kompromisse.

Sebastian Reuter, Leser

Vernachlässigte Oasen

Als Stadtkind erwarte ich von meiner Stadt, dass mein Leben in ihr nicht nur durch die vielen Möglichkeiten einer Metropole wie Berlin bereichert wird, sondern auch, dass zum Beispiel nicht an jeder Ecke Müll liegt oder Parks nicht vertrocknen. In meiner Stadt mag sich keiner so recht um das wenige Grün kümmern. In der Nähe meiner Wohnung liegt der Boxhagener Platz, der vielen vielleicht durch den gleichnamigen Film bekannt ist. Vor acht Jahren befand sich dort einmal eine grüne Wiese. Mittlerweile ist dort leider nichts Grünes mehr übriggeblieben und wenn es mal regnet, gleicht der Platz einer Schlammfläche. Von meiner „grünen“ Bürgermeisterin wünsche ich mir nichts Großes. Nur das Parks wieder aussehen wie Parks.

Carola Schuster, Leserin

Mobile Freiheit

Ohne Verkehr funktionieren Städte nicht. Für mich ist das Auto das Mittel der Fortbewegung. Mit ihm macht man sich selbstbestimmt und sicher auf seinen eigenen Weg. Allen, die in vollen Bahnen oder durchgefroren auf dem Rad unterwegs sind, gilt mein tiefes Mitgefühl.

Eva Grunwald, Leiterin Immobiliengeschäft Postbank

Zeit zum Gegensteuern

Städte gehören den Menschen, die dort wohnen. In Deutschland gilt das nicht mehr uneingeschränkt. Noch nie war Wohnen so teuer wie heute. In den Metropolen sind Grundstückspreise und Mieten oft für Normalverdiener nicht mehr finanzierbar und ein Ende des Preisanstiegs ist nicht in Sicht. Das zeigt der aktuelle „Postbank Wohnatlas“ mit seiner Kaufpreisprognose bis 2030 sehr deutlich. Die Gründe dafür sind vielfältig: Grundbesitzer halten Bauland zurück, weil sich sein Wert konstant erhöht. Auch Bund, Länder und Gemeinden wollen beim Verkauf von Grundstücken Gewinn machen. Genehmigungsverfahren und Kaufnebenkosten verteuern Immobilien zusätzlich – so dass sie nur noch für Investoren interessant sind. Unsere Studie belegt, dass längst auch viele mittlere Städte Schauplätze des Immobilienbooms sind. Dadurch fällt der Neubau in Deutschland weiter hinter den Bedarf zurück. Wichtig wäre, dass der Staat bürokratische Hürden beseitigt und die öffentliche Hand zügig mehr Bauland ausweist. Auch eine Ausweitung der staatlichen Förderung für den Wohnungsbau und eine Reform der Grundsteuer wären richtige Impulse. Ob auch eine Bodenwertsteuer oder die konsequente Durchsetzung des Baugebots, dass Grundstückseigentümer bei Bedarf zum Bau oder Verkauf zwingt, gut wären, mag jeder für sich entscheiden. Fest steht: Wenn wir verhindern wollen, dass sich nur noch Wohlhabende die eigenen vier Wände leisten können, muss die Preisspirale gestoppt werden.

Michael Ludwig, Bürgermeister der Stadt Wien

Wien-win-Situation

Wem gehört Wien? Den Wienerinnen und Wienern. Und das ist nicht nur ein wohlfeiler politischer Slogan, das ist eine Tatsache. Heute gibt es in Wien – der laut aktueller Mercer-Studie lebenswertesten Metropole der Welt – 220.000 Gemeindewohnungen und mehr als 200.000 geförderte Miet- und Genossenschaftswohnungen. Das ist weltweit ein Unikum. Und wem gehört der größte Immobilienverwalter Europas? Der Stadt Wien und heißt Wiener Wohnen. Die für die Wiener Bevölkerung erfreulichen Folgen liegen auf der Hand: 62 Prozent der Bürgerinnen und Bürger Wiens leben in geförderten oder kommunalen Wohnungen auf hohem Qualitätsniveau. Niemand muss sich vor Mietkostenexplosionen oder Delogierungen fürchten. Zudem weiß sich die Stadt dank der neuen Widmungskategorie „Geförderter Wohnbau“ vor Spekulanten sicher. Bei Umwidmungen in Bauland sind zwei Drittel der Fläche für den geförderten Wohnbau vorgesehen. Seit 100 Jahren erfolgreich ist auch das Modell der sozialen Durchmischung. In unseren kommunalen Wohnbauten leben oft Anwälte Tür an Tür mit Briefträgern, Ghettobildungen mit Gewaltpotenzial sind ein No-Go. Und während andere Großstädte ihren Wohnraum vor allem verdichten, forciert Wien großzügige Stadtentwicklungsprojekte wie die Smart City Seestadt Aspern. All das veranlasste Europas oberste Mieterschützerin, Barbara Steenbergen, zu dem Lob: „Wien ist aus Mietersicht ein Vorbild für ganz Europa.“ Das macht mich dankbar und stolz

Kai Warnecke, Präsident Eigentümerverband Haus und Grund Deutschland

Verantwortung leben

66 Prozent aller Mietwohnungen in Deutschland werden von Privatpersonen angeboten. Um das Mietverhältnis muss sich der Vermieter also in der Regel neben seiner normalen Arbeit kümmern – häufig abends und am Wochenende. Es gilt, ständig kleinere oder größere Probleme zu lösen: ein Wasserhahn tropft, ein Nachbar hört in der Nacht laut Musik und stört andere Hausbewohner oder ein Graffito muss von der Hauswand entfernt werden. Hinzu kommen die alljährlichen Betriebskostenabrechnungen. Hierum muss sich ein Vermieter regelmäßig kümmern. Die Verantwortung eines privaten Vermieters reicht aber auch über den Tag hinaus. Die gesellschafts- und umweltpolitischen Erwartungen an die Haus- und Wohnungseigentümer steigen stetig: Die Eigentümer sollen und wollen ihren Beitrag für den Klimaschutz leisten. Dabei gilt es, die eigenen finanziellen Möglichkeiten und die der Mieter im Auge zu behalten. Ebenso wichtig ist, das Haus oder die Wohnung langfristig für Mieter attraktiv zu halten. In einer alternden Gesellschaft ist es unabdingbar, eine Wohnung barrierearm umzugestalten. Für eine langfristige Vermietbarkeit spielt dazu das nähere Umfeld eine Rolle. Wie präsentiert sich das Quartier insgesamt? Die privaten Eigentümer, die mit ihren Immobilien unsere Innenstädte prägen, haben folglich ein vitales Interesse, das Quartier lebenswert zu halten, damit auch die Erben ihrer Verantwortung für eine gute Wohnraumversorgung gerecht werden können.

Amelie Rost, Architektin

Das Wesen des Wassers

In den letzten zehn bis 20 Jahren lässt sich ein spannender Veränderungsprozess in der Wahrnehmung und Entwicklung innerstädtischer Wasserflächen feststellen. Wasserflächen werden in Groß- und Kleinstädten zunehmend als städtische Leerstellen, als vernachlässigter Raum oder aber als Möglichkeitsraum entdeckt. Sie werden von verschiedenen Akteuren und Initiativen mit diversen Nutzungen neu bespielt oder von den verantwortlichen Stadtbehörden in den Fokus stadtplanerischer Entwicklung gerückt. Es entstehen Projekte, die den Raum auf dem Wasser zugänglich machen sollen – sei es für private oder öffentliche Nutzungen – oder Projekte, die das Wasser selbst, zum Beispiel in einem Flussschwimmbad, erfahrbar machen wollen. Es ist in jedem Fall nicht mehr nur der Raum entlang des Wassers, es ist der Wasserraum selbst, der zum Transformationsraum geworden ist. Immer häufiger wird in diesem Zusammenhang die Frage „Wem gehört das Wasser?“ diskutiert. Viel spannender scheint es mir aber, die Frage „Was kann das Wasser?“ zu stellen. Was kann es alles sein? Wie kann es unterschiedlichen Ansprüchen gleichzeitig gerecht werden? Wie kann es von vielfältigen Akteuren gleichzeitig oder abwechselnd genutzt und immer wieder neu beschrieben werden? Das Wesen des Wassers bestimmt sich zu großen Teilen über seine Nutzung. Eine Aushandlung der neuen Nutzungsansprüche kann dazu beitragen, neue Narrative für innerstädtische Wasserflächen zu entwickeln.

Birgitte Svarre, Director & Cities Team Lead, Copenhagen

Städte neu denken

Es ist leicht gesagt, dass eine Stadt für alle da ist. Aber sie so zu gestalten, dass sie für alle funktioniert, ist eine große Herausforderung. Das Kopenhagener Büro, für das ich arbeite, hat eine lange Tradition in der Erhebung relevanter Daten über das Leben in der Stadt. Die sind entscheidend, um zu verstehen, was funktioniert und was nicht, wer sich wie in der Stadt bewegt und was Menschen von städtischen Räumen ausschließt – etwa Kinder oder ältere Menschen. Das klingt simpel, ist aber nicht die Norm. Traditionell zählen Städte Autos und richten ihre urbanen Strategien primär am Autoverkehr aus. Zum Glück ändert sich das gerade. Die Untersuchung des öffentlichen Lebens im Verhältnis zum Raum gewinnt an Bedeutung. Dadurch erhalten wir aussagekräftige Daten, die es uns erlauben, Städte für die Menschen zu designen. Das ist auch eine Antwort auf die Forderung unserer Kinder, uns endlich den Herausforderungen des Klimawandels zu stellen. Wir sollten ihnen zuhören und gewohnte Verhaltensmuster im Bezug auf Mobilität und Bauen – den größten Emissionsquellen in unseren Städten – überdenken. Lasst uns die „Das geht hier nicht“-Perspektive über Bord werfen und den Mut haben, die Vision einer fairen Stadt zu verfolgen, die den Menschen Raum, umweltfreundliche Transportsysteme und eine saubere Umgebung bietet. Dafür müssen wir kreativ denken, Experten aus verschiedenen Disziplinen zusammenbringen und auf neuen Wegen miteinander kollaborieren.

Derk Ehlert, Wildtierexperte des Landes Berlin

Tierische Mitbewohner

Städte werden von Menschen gebaut. Die Infrastruktur ist die Lebensader, die Arbeitsplätze der Motor. Und die Menschen machen es sich darin gemütlich. Meist klappt das auch ganz gut. Damit wir nicht ganz die Beziehung zur Natur verlieren und die Luft sauber bleibt, gibt es in jeder Stadt Bäume, dazu Parks, Seen oder Flüsse. In gewisser Weise gehört die Stadt also den Menschen. Wenn wir uns da mal nicht irren, denn in jeder Stadt gibt es mindestens genauso viele Tiere wie Menschen. Einige von ihnen kommen gezielt in die Stadt, weil sie dort entweder bessere Lebensbedingungen vorfinden als in der intensiv genutzten Agrarkultur oder die Stadt ihnen Lebensräume bietet, die sie sonst nicht hätten. Der Mauersegler beispielsweise. Als ehemaliger Waldbewohner brütete er ursprünglich in Baumhöhlen, heute ist er ein Gebäudebrüter. Amseln leben in Städten in dichteren Beständen als auf dem Land. Nachts flattern Fledermäuse durch die Straßenfluchten, jagen Insekten und leben unter Dächern. Füchse, die in der Stadt einen reich gedeckten Tisch vorfinden und nichts von Jägern zu befürchten haben, verlassen die Städte gar nicht erst. Metropolen wie Berlin, die groß genug sind und auch noch grün dazu, bieten darüber hinaus Tieren wie Wildschweinen, Dachsen, Mardern und Waschbären „Wohnraum“. Über 20.000 Tier- und Pflanzenarten kommen allein in Berlin vor. Städte sind zwar keine Arche Noah, aber ebenso von Tieren besiedelt wie von Menschen.

Franz-Georg Rips, Präsident Deutscher Mieterbund

Endlich handeln

Die Stadt gehört nicht denjenigen, die als Eigentümer im Grundbuch eingetragen sind. Sie ist ein soziales Gefüge, das den Bewohnern gehört und ein Gemeinschaftsgefühl vermittelt. Nach sträflicher Vernachlässigung der Wohnungspolitik seit 1990 ist heute in vielen Städten ein Defizit entstanden. Was wir vor allem brauchen, sind bezahlbare Wohnungen, die einen durchschnittlichen Haushalt nicht mit mehr als 30 Prozent des verfügbaren Einkommens belasten. Wir brauchen eine Stärkung des öffentlich geförderten Wohnungsbaus. Wir brauchen im Anbieterbereich Investoren, die Immobilien nicht als Spekulationsobjekte sehen, sondern sich der sozialen Verantwortung des Wohnens stellen. Solche Investoren sind kommunale und kirchliche Wohnungsunternehmen und Genossenschaften. Ihnen muss der Zugang zu den im öffentlichen Eigentum stehenden Grundstücken erleichtert werden. Wir brauchen Planungsvorgaben, die bei jedem Neubauvorhaben einen Anteil von wenigstens 30 Prozent Sozialwohnungen sicherstellen. Wir müssen den Werkswohnungsbau reaktivieren und auf gewerblich genutzten Flächen Wohnungen im großen Stil aufsetzen. Wir brauchen einen gesellschaftlichen Diskurs über die Chancen und Möglichkeiten der Nachverdichtung. Und wir brauchen ein Mietrecht, das jedenfalls in der Zeit des Mangels an Wohnraum vor zu hohen finanziellen Belastungen schützt. Dazu gehören eine wirksame Mietpreisbremse und ein Modernisierungsrecht, das Mieter vor Verdrängung schützt.

Philipp Sattler, Geschäftsführer Stiftung Die Grüne Stadt

Grüne Infrastruktur

In Zeiten des Klimawandels wird Stadtgrün zum überlebenswichtigen Faktor für unsere Zukunft. Angesichts von Verstädterung und Nachverdichtung ist die Erhaltung und Erweiterung von urbaner Natur der Garant für Artenvielfalt, die Basis für Sport, Erholung und Entspannung und das Gegengewicht zu Hitze und Trockenheit. Attraktive und gut gepflegte Grünflächen sind dazu soziale Begegnungsorte, an denen sich kulturelles Leben ohne Konsumzwang und echte gesellschaftliche Teilhabe entwickeln kann. Ein städtisches grünes Wohn- und Arbeitsumfeld steigert die Lebensqualität und schafft konkret messbare Werte: Investitionen in Grün erzeugen direkte Einsparungen bei Gesundheit und Sicherheit. Ein grünes Arbeitsumfeld führt zu weniger Krankmeldungen und größerer Kreativität und Effizienz. Wohnen im Grünen steigert die Zufriedenheit und den verantwortlichen Umgang mit dem eigenen Quartier und mindert Vandalismus. Dazu animiert Stadtgrün nachweislich zu sportlicher Betätigung und aktiver Freizeitgestaltung. Konkret: Natur muss als „grüne Infrastruktur“ tragender Bestandteil zukünftiger Stadtentwicklung sein: als Dach-, Fassaden- und Innenhofgrün, das beim Neubau von Anfang an mitgebaut und im Bestand intelligent nachgerüstet wird. Als grüne Wiederbesiedlung von grauen Firmengeländen und Verkehrsräumen. Als grüner Rahmen von Schnelltrassen für Rad- und Fußwege. Als grüne Perlenkette von Straßenbäumen. Kurz: als mehr grüne Stadt.

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