Antwort schreiben

Zum Voten von Antworten musst du angemeldet sein.

Logge dich ein oder registriere dich.

×

Wer baut die Welt von morgen?

Niemand weiß, wie unser Leben einmal aussehen wird. Aber raten können wir ja. Und das ist gerade spannender als selten zuvor: Übernehmen Roboter das Zepter, gestalten multinationale Konzerne unsere Zukunft oder macht die globalisierte Welt eine Rolle rückwärts Richtung Isolationismus? Schreiben Sie uns, wie es Ihrer Meinung nach weitergeht.

Antwort schreiben

Wolfgang Streit, Professor für Mikrobiologie und Biotechnologie, Universität Hamburg

Hungrig auf Plastik

Wie cool wäre es, in einer Welt zu leben, in der es keinen Plastikmüll gibt. Das ist nach meiner Ansicht ein Traum, der zumindest zum Teil wahr werden kann, wenn wir auf Einwegmaterialien aus Kunststoff weitestgehend verzichten, prinzipiell eine hohe Recyclingrate anstreben und nach Möglichkeit synthetische Polymere durch mikrobiologisch abbaubare Materialien ersetzen. Für die Welt von morgen ist das jedoch nicht ausreichend: Wir müssen Materialien entwickeln, die durch Mikroorganismen besser abbaubar sind, aber auch den hohen Ansprüchen, die wir an synthetische Polymere stellen, gerecht werden. Doch das ist nur der erste Schritt. Wirklich nachhaltig wird es erst dann, wenn wir es auch schaffen, machbare Konzepte zu erarbeiten, um Kunststoffe mit Hilfe von Mikroorganismen wieder in Wertschöpfungsketten zu integrieren. Dabei könnten gerade plastikfressende Bakterien eine echte Alternative und ein Schlüssel für innovative Zukunftstechnologien darstellen. Realistische Beispiele wären der Einsatz von plastikabbauenden Mikroorganismen oder deren Enzyme, um den Eintrag von Kunststoffen in Form von Mikroplastik im Abwasser oder in Kompostanlagen zu verringern. Darüber hinaus könnten wir Bakterien mit Werkzeugen der synthetischen Biologie beibringen, aus PET-Flaschen Arzneimittel oder den Treibstoff von morgen zu produzieren. Dank der mikroskopisch kleinen Helfer könnte er wahrwerden, der Traum von einer Zukunft ohne Plastikmüll.

Otto Ulrich, Gestörte Beziehung

Agrarwende jetzt

Die weltweit wachsende Ernährungskrise sollte nicht mit noch mehr Pestiziden, mehr Glyphosat, mit einem agrarindustriellen Ansatz angegangen werden müssen. Die Zukunft gehört einer Agrarwende, die etwa eine bienenfreundliche Landwirtschaft als Teil einer biodynamischen Landwirtschaft zu entfalten versteht, in der darauf geachtet wird, die Wiesen nicht vor der Blütezeit abzumähen – das mögen die Bienen überhaupt nicht. Ein Bienenvolk stellt einen Organismus dar, dessen Integrität zu wahren zum Geheimnis einer Landwirtschaft gehört, die das Geistige darin erkennt, es nutzt und darum weiß, wie diese in Einklang mit der Natur und zum Nutzen der Gemeinschaft entfaltet werden kann. Und das kommt an: Erweiterte Anschauungen zum materiellen Weltbild werden heute verstärkt gesucht, auch weil die konventionelle Landwirtschaft sich mit all ihren nicht-naturgemäßen Auswüchsen als wenig nachhaltigkeitsfähig erweist. Die weltweit wachsende biodynamische Landwirtschaft zeigt im wissenschaftlichen Studienvergleich mit konventioneller Landwirtschaft – was etwa Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität, Wasserverbrauch, Ressourceneffizienz und Tierwohl anbelangt – markante, empirisch ermittelte Vorteile. Sicherlich wird eine zukünftige Landwirtschaft auch ein Lernort sein, um der aktuellen Konfrontation mit der zunehmend virtuellen und digitalen Welt mit einem erweiterten Verständnis des bäuerlichen Umgangs mit den Ressourcen der Natur zu begegnen.

Jan Störmer, Architekt

Alternative Holz

Unser Büro plant derzeit ein Holzhochhaus. Holz ist ein traditioneller Werkstoff, doch beim mehrgeschossigen Bauen kommt heute fast ausschließlich Stahlbeton zum Einsatz. Dabei ist Holz eine gute Alternative. Wir können es lokal und nachhaltig produzieren, es ist ein hervorragender CO2-Speicher und sorgt nebenbei auch für eine kurze Bauzeit und ein gesundes Raumklima. Das wünschen sich viele Menschen. Doch in den Köpfen hält sich das Stigma, Holzbauten seien weder langlebig noch brandsicher. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich in der Holzbautechnologie jedoch unglaublich viel getan, hin zu hochleistungsfähigen Produkten, die für das großmaßstäbliche und serielle Bauen gut geeignet sind und dem Stahlbeton an Brandwiderstand und Tragfähigkeit in nichts nachstehen. Wir sollten in der Zukunft wieder viel mehr mit Holz bauen. Ressourcenknappheit und Klimawandel zwingen uns, umzudenken – aus existenziellen Gründen. Nur ein Beispiel von vielen: Der Sand für das Bauen wird knapp, denn lange nicht jeder Sand ist zur Betonproduktion geeignet. Der weltweite Abbau nimmt dramatisch und völlig unreguliert zu – mit verheerenden Folgen für ganze Ökosysteme. Auch das spricht für das Bauen mit Holz. Trotz aller Vorteile dieser Bauweise ist unser Holzhochhaus in Deutschland ein echtes Pilotprojekt und die Planung mit unserem derzeit geltenden Baurecht ein enormer Kraftakt. In anderen Ländern gibt es schon Beispielbauten. Da haben wir viel aufzuholen.

Alisa Kaps, Demographieforscherin Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

Perspektiven schaffen

Heute leben fast acht Milliarden Menschen auf unserem Planeten. Bis 2050 könnten es noch zwei Milliarden mehr sein. Aber wo werden die Kinder geboren, die die Welt von morgen bauen? Einen Teil der Antwort liefert ein Blick auf unseren Nachbarkontinent: In den kommenden 30 Jahren dürfte über die Hälfte des weltweiten Bevölkerungszuwachses auf Afrika entfallen, denn hier bekommen Frauen im Schnitt mehr als doppelt so viel Nachwuchs als im Rest der Welt. Bislang machen es die hohen Geburtenziffern den afrikanischen Ländern schwer, die nachwachsenden Jahrgänge mit dem Nötigsten zu versorgen. Sollte es ihnen künftig allerdings gelingen, genügend Schulen und Krankenhäuser zu bauen und gleichzeitig Jobs zu schaffen, kann eine große junge Bevölkerung zum Motor für Wirtschaftswachstum und Wohlstandsmehrung werden. Wie das geht, zeigen die Erfahrungen der asiatischen Tigerstaaten: Ehemals arme Agrarländer wie Südkorea oder Taiwan sind in vergleichsweiser kurzer Zeit von Entwicklungs- zu Industrienationen aufgestiegen. Ihr Rezept: Durch Investitionen in Gesundheit und Bildung sanken die Geburtenraten schnell und der Versorgungsdruck nahm ab. Gleichzeitig entstand durch die rückläufigen Kinderzahlen ein Überhang an Menschen im Erwerbsalter, die dank vorhandener Arbeitsplätze für einen wirtschaftlichen Aufschwung sorgen konnten. Afrika kann von den Erfahrungen in Asien lernen. Vielleicht folgen den „asiatischen Tigern“ bald „afrikanische Löwen“.

Petra Baumbach, Leserin

Die Welt von morgen wird heute gebaut. Darum ist es so wichtig, dass die Fragen zu Umweltschutz, Menschenrechten und Globalisierung heute angepackt und nicht auf spätere Zeiten verschoben werden. Die Probleme werden nicht dadurch gelöst, indem man sie ignoriert, sondern wenn man sie umsichtig und zuverlässig angeht. Da sind alle gefragt, Jung wie Alt: die Jungen mit frischen neuen Ideen und die Alten mit ihrer Erfahrung.

Sonja Wlcek, Bioberaterin und Agrarjournalistin

Rob, der Baumeister

Natürlich wird die Welt von morgen von Rob, dem Regenwurm, und seinen Freunden gebaut werden. Wer sollte es sonst tun? Wir Menschen können nur „Unbelebtes“ wie Computer, Häuser oder Maschinen bauen. Das Edaphon – zu Deutsch Bodenleben – dagegen zersetzt organisches Material wie Pflanzenreste, Aas, Pilze und Bakterien in kleinste Bestandteile und baut diese wieder zu komplizierten Verbindungen, dem Humus, zusammen. Etwa zwölf Prozent des Edaphons bestehen aus Regenwürmern: Ihre Grabetätigkeit bringt Luft in den Boden, durchmischt die Schichten und verbindet Huminstoffe zu Dauerhumus. Das Bodenleben ist weltweit gefährdet. Bodenversiegelung bringt Rob und seine Freunde ebenso um wie Agrochemikalien. Offener, unbewachsener Boden wird durch Licht, Regen und Wind geschädigt, weggewaschen und verweht. Je weniger Bodenlebewesen ihn zusammenhalten, umso mehr geht verloren. Weltweit droht ein zusätzliches Drittel der Landfläche zu Wüste zu werden. Wir Menschen benötigen für unsere Nahrung aber Boden(leben). Zum Glück lässt es sich auf den meisten Standorten wieder ansiedeln, selbst in der Wüste. Das Edaphon benötigt allerdings Unterstützung: Viel organisches Material, Fruchtfolge, Bewuchs und Verzicht auf Agrochemie. Also Bio-Landbau. Sollten wir es nicht schaffen, gemeinsam mit dem Edaphon fruchtbaren Boden zu erhalten, werden zwar Rob und seine Freunde irgendwann wieder Boden aufgebaut haben, dann aber ohne uns Menschen.

Juliane Bublitz und Lukas Bosch, Unternehmer, Speaker und Innovationsberater

Von der Plage zum Potenzial

Vor einigen Jahren gab es einen interessanten Management-Trend. Führungskräften wurde eingebläut, sie sollten nicht von Problemen sprechen, besser sei: Herausforderung. Wenn wir die Welt gestalten wollen, müssen wir noch weitergehen. Denn die Probleme sind da: Klimawandel, Politikkrise, Flüchtlingsströme. Wenn wir uns diesen Herausforderungen stellen, arbeiten wir gegen sie an, aber lösen sie nicht. Was tun? Oft hilft ein Blick über den Tellerrand. Im Aikido besteht die Kunst darin, den Angriff nicht nur abzuwehren, sondern in eine Verteidigungsbewegung umzulenken, die dadurch doppelt so stark wird. Genauso stecken auch in jedem Problem Ansatzpunkte für die Umkehrung in ein Potenzial. Als Unternehmer haben wir so einen beim Thema biologische Invasoren gefunden. Es handelt sich um Tiere, die durch globalen Handel in fremde Ökosysteme gelangt sind. Sie verdrängen heimische Arten, denn sie haben keine Fressfeinde. Einige gelten in ihren Herkunftsländern als Delikatessen, darunter der Amerikanische Sumpfkrebs, der sich seit einigen Jahren in Berlin wohlfühlt. Aber Moment mal: keine Fressfeinde? Hier liegt das Potenzial: Die Berliner retten mit Genuss ihr eigenes Ökosystem. Schädliche Tiere werden nicht nur beseitigt, sondern die Menschen tun bewusst etwas für ihre Umwelt, ernähren sich gesund und verhalten sich ohne Verzicht nachhaltig. Kleine Schritte können Probleme in Potenziale verwandeln. Das Wichtigste ist: anfangen!

Sonja Mauerhoff, Leserin

Selbst ist der Mensch

Ich denke, dass es zunächst immer mehr in Richtung Automatisierung von Produktion, Dienstleistungen und Services gehen wird. Doch ich hoffe sehr, dass es eines Tages – hoffentlich nicht zu spät – eine Rückbesinnung darauf geben wird, auch mal selbst wieder das Gehirn einzuschalten, auf Kreativität, Gefühle und Menschlichkeit. Insbesondere wünsche ich mir, dass die Menschen ihre Fähigkeiten nicht verlieren. Wer kann heute noch eine Karte lesen und kommt ohne Navigationssystem ans Ziel?

Harry Wagner, Professor für Automotive und Mobility Management, Technische Hochschule Ingolstadt

Urbane Drehkreuze

Wir können es alle nicht mehr hören. Elektromobilität hier, neue Scooter da, autonome Fahrzeuge dort. Und klar ist mittlerweile auch: Die Urbanisierung wird uns noch allen zum Verhängnis werden und wir müssen uns zwangläufig nach neuen Mobilitätslösungen umschauen. Da stellt sich einem die Frage nach dem Allheilmittel für die Mobilität von morgen. Die Antwort hierauf ist nicht trivial, aber trotzdem müssen wir das Rad nicht neu erfinden. Wir müssen es schaffen, bisherige Infrastrukturen effizienter zu nutzen, anstatt neue Straßen zu bauen. In der modernen Städteplanung sollte der Mensch im Mittelpunkt stehen. Die Idee des Bahnhofs als eine Art Mobility Hub muss neu gedacht werden. Ein Drehkreuz, an dem alle Mobilitätskonzepte gebündelt zusammenlaufen und je nach Mobilitätszweck genutzt werden können. So entstehen Angebote um den Nutzer herum, der nach seinen Bedürfnissen Mobilität individuell konsumieren kann. Die Herausforderung besteht darin, zunächst einmal einen physischen Zugangspunkt als Basis für kollaborative Mobilitätskonzepte zu gewährleisten. Der Mehrwert für den Nutzer wird erst danach durch die digitalen Schnittstellen und Dienste geschaffen. Zudem dienen derartige Mobility Hubs in der Zukunft nicht allein nur als Zugangspunkte für Mobilität. Sie werden auch ein Ort sein, an dem neue Konzepte erprobt werden, aber auch Raum für Kreativität schaffen, indem Möglichkeiten des Co-Workings angeboten werden.

Yvonne Hofstetter, Publizistin und Essayistin

Sprung ins Ungewisse

Künstliche Intelligenz (KI) ist en vogue. Technologieriesen, ihre Investoren und globale Beraterfirmen drängen zur Eile: Wer heute nicht KI einrüstet, ist morgen der Verlierer im globalen Wettbewerb. Aber sind Vorstöße wie „KI überall! KI für jedermann!“ vernünftig? KI kann Vorteile haben, etwa als potenzielles Gegenmittel zum Arbeitskräftemangel. Aber beim autonomen maschinellen Ersatz für den Menschen steht die Wirtschaft noch ganz am Anfang. Wer mehr KI baut, verlässt sich auf das Internet of Everything. Denn KI braucht Lagebewusstsein, also jede Menge Daten, um die Umwelt zu verstehen und algorithmische Entscheidungen zu treffen. Selbst wenn wir akzeptieren, dass KI eine gefährliche Technologie ist, weil sie ständig Fehler macht – so wie Menschen auch –, ist die Infrastruktur für KI höchst verwundbar. Die Folgen einer schweren Störung unserer Netzwerke, die manche Staaten vorbereiten, um anderen Staaten ihren Willen aufzuzwingen, können wir uns noch gar nicht ausmalen, weil sie noch nie eingetreten ist. Und wo Staaten radikal neue KI-Lösungen für Waffensysteme ausschreiben, sollte uns allen mulmig sein. Denn KI ist nicht nur Hoffnungsträger. Auch die Kohleförderung war einst als Heilsbringer der deutschen Wirtschaft gepriesen. Erst heute, Jahrzehnte später, wissen wir: Kohleabbau und -verbrennung sind Umweltschädling und Klimakiller sondergleichen. Abwarten, ob sich die KI irgendwann nicht als ähnlich riskant erweist.

Mark J. Valek, Portfoliomanager und Autor

Ende eines Monopols

Verfolgt man aufmerksam die öffentliche Debatte, so scheint die Verunsicherung über das herrschende globale Wirtschaftssystem zuzunehmen. Für den Mittelstand gerät das Ziel des Eigenheimerwerbs zunehmend außer Reichweite. Die seit Jahren von der Europäischen Zentralbank auf einem unnatürlich niedrigen Niveau festgesetzten Zinsen animieren nicht zum tugendhaften Sparen, sondern befeuern die Konsumgesellschaft und die Verschuldung. Profiteure dieser Geldpolitik sind große Unternehmen und Superreiche, die sich zu Niedrigstzinsen am Kapitalmarkt verschulden können und mit einem großen Hebel erfolgreich Immobilienspekulationen durchführen. Auch der verschuldete Staat ist über die Niedrigzinssituation erfreut und lässt die Zentralbanken gewähren. Diese Probleme lassen sich, wie Ökonom Gregor Hochreiter in seinem Buch „Krankes Geld, kranke Welt“ hervorragend darlegte, im Kern auf das heutige Schuldgeldsystem zurückführen. Das Aufkommen dezentraler Währungen wie Bitcoin hat erstmals einen signifikanten Anteil der Bevölkerung dazu bewogen, die Herkunft und Natur des Geldes zu hinterfragen. Was als technologisches Experiment begann, hat mittlerweile viele idealistische Individuen motiviert, an einem besseren Geldsystem zu arbeiten und eine solide Alternative zum staatlichen Zentralbankwesen zu entwickeln. Ein nachhaltiges Geldsystem hat das Potenzial, fundamental positive Änderungen innerhalb der Gesellschaft herbeizuführen.

Holger Althues, Leiter Chemische Oberflächen- und Batterietechnik, Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS)

Treibstoff der Zukunft

Der Mobilitätssektor erlebt aktuell einen Wandel historischen Ausmaßes und wird die Welt von morgen nachhaltig prägen. Klar ist: Die Elektrifizierung von Antrieben und die Nutzung erneuerbarer Energien für die Produktion und den Betrieb von Fahrzeugen sind der Schlüssel für eine erfolgreiche und nachhaltige Transformation in der (individuellen) Mobilität. Das begrenzende Element für Reichweite, Nutzungsdauer und Kosten aller elektrischen mobilen Geräte und Fahrzeuge ist nach wie vor die Batterie. Die heutige Lithium-Ionen-Technologie ist dabei besser als ihr Ruf. Sicherheit, Energiedichte, Lebensdauer und Effizienz wurden in den letzten 20 bis 30 Jahren stetig verbessert und gleichzeitig die Produktionskosten drastisch reduziert. Intensiv geforscht wird zudem an neuen elektrochemischen Speichern, die eine weitere Steigerung der Energiedichte und den Ersatz seltener und teurer Batterie-Rohstoffe, insbesondere Kobalt, ermöglichen. So sind beispielsweise Lithium-Schwefel-Batterien schon heute rund 40 Prozent leichter als die besten Li-Ionen-Batterien und somit prädestiniert für Anwendungen in der Luftfahrt. Das elektrische Fliegen wird dabei zu einem weiteren Meilenstein im Wandel der Mobilität. Eine erfolgreiche und nachhaltige Transformation wird jedoch nur durch ein Zusammenspiel von gesellschaftlichem Umdenken, klugen politischen Entscheidungen und zukunftsweisenden technologischen Entwicklungen möglich.

Marianne Krefft, Leserin

Angst vor Künstlicher Intelligenz ist nicht zwangsläufig und Roboter können nur dass, was der Mensch ihnen zeigt. Ich glaube nicht, dass sie das Zepter übernehmen werden. Natürlich kann jede Technologie missbraucht werden. Wenn sich der Mensch an ethische Regeln hält, könnten Roboter dem Menschen in vielerlei Hinsichten helfen und sie entlasten. Zuviel Science Fiction schürt nur unnötig Ängste. Ich glaube auch nicht, dass der Mensch dann als Arbeitskraft nicht mehr benötigt wird, es wird andere Tätigkeitsfelder geben. Es ist wie mit der roten Biotechnologie. Im Bereich der Medizin ist sie akzeptiert, denn da liegt der Nutzen für den Patienten auf der Hand. Bei der grünen Biotechnologie ist das Gros der Verbraucher skeptisch. Hier wurde die Aufklärungsarbeit nicht goutiert oder bis heute falsch verstanden. Das zeigt, wie labil Akzeptanz und Nutzen neuer Technologien sind. Mit Sicherheit werden multinationale Konzerne ihre Macht ausweiten wollen. Dagegen brauchen wir eine Politik, die vernünftig gegensteuert. Es wird sicher beides geben: Konzerne, die versuchen werden, unsere Zukunft für ihren Profit zu gestalten, und andere, die sich zurückhalten. Dieses Verhalten kann man heute schon beobachten. Die globalisierte Welt wird in naher Zukunft mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Rolle rückwärts machen, aber dann feststellen, dass sie im Isolationismus nicht prosperieren kann.

Matteo Lori, Leser

Ich und du

Ich glaube, Vielseitigkeit, Offenheit und Willenskraft gestalten die Visionen der Zukunft. Und irgendwie glaube ich, wir sollten das alle gemeinsam tun und die Möglichkeiten unserer modernen Kommunikation nutzen. Damit nicht eine Künstliche Intelligenz dann irgendwann in der Zukunft mal alles entscheidet.

Eva-Maria Alles, Leserin

Wer, wenn nicht wir

„Wenn das, was ist, nicht veränderbar ist, ist das, was ist, verloren“, wusste Theodor Adorno. Heißt wohl auch, auf den Erfahrungen von gestern innovativ das Morgen zu gestalten – in allen Lebensbereichen. All das vorhandene Know-how endlich zu nutzen, zum Wohle von Mensch, Tier und Natur einzusetzen, nicht dem Profit dienend. Keine Sorge: Dieser stellt sich ein, wenn mit Verantwortung etwas überzeugend angeboten wird, dann wird es auch nachgefragt werden. Eigentum verpflichtet, auch die Industrie ist in der Pflicht. Sie wird von uns Menschen geformt, so wie die Politik. Wir alle sind gefragt, verantwortlich – egal, auf welcher Seite wir stehen. Denn eines ist gewiss: Wir stehen alle auf dieser einen Erde. Wer baut die Welt von morgen? Die Antwort: Wir.

Timm Kehler, Vorstand Brancheninitiative Zukunft Erdgas

Offen für bewährte Konzepte

Wir leben in einer Zeit des Umbruchs: Globalisierung, Digitalisierung und Vernetzung eröffnen für den Personen- und Güterverkehr ganz neue Möglichkeiten. Der Preis dafür ist ein wachsendes Verkehrsaufkommen, das den CO2-Ausstoß immer weiter in die Höhe treibt. Carsharing-Angebote und ein stärkerer Einsatz des Öffentlichen Nahverkehrs sind wichtige Bausteine, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Sie allein reichen aber nicht aus. Auch bei den eingesetzten Kraftstoffen müssen wir umdenken, wenn die Verkehrswende endlich an Fahrt aufnehmen soll. Als Transitland und Logistikstandort muss sich Deutschland breit aufstellen und all jenen Antriebsalternativen eine Chance geben, die nachweislich zum Klimaschutz beitragen. Eine davon ist Bio-Erdgas. Ob in gasförmiger oder flüssiger Form, es ist derzeit der einzige Kraftstoff, mit dem man hierzulande heute nahezu CO2-frei fährt. Auch der Ausstoß von Stickoxiden und Feinstaub wird so auf ein Minimum reduziert. Ein weiterer Vorteil: Die reichweitenstarken Erdgas-Fahrzeuge sind leise unterwegs – ein entscheidender Pluspunkt für Speditionen, die ihre Waren zunehmend nachts ausliefern. Die Stadt Augsburg beispielsweise setzt bei ihrer Busflotte auf den Kraftstoff und erfüllt damit schon heute das Klimaziel für 2050. Verbrennungsmotor und Klimaschutz müssen kein Widerspruch sein. Zeit also, dass wir in einem offenen Wettbewerb der Mobilitätskonzepte unser Verkehrssystem der Zukunft finden.

Karsten Holzner, Leser

Die Zukunft ist weiblich. Zumindest wenn man den Begriff „bauen“ wörtlich nimmt, denn momentan studieren mehr Frauen als Männer Architektur. Gegenwärtig sind noch weniger als ein Drittel der Architekten Frauen, aber die Männerdomäne bröckelt. Frau Architektin baut mal sehr minimalistisch, mal bunt und fantasievoll, praktisch und lebensnah. Das zeigt gerade eine Werkschau im Hamburger Museum der Arbeit noch bis Anfang September.

Schreib' uns deine Antwort!

Welche Überschrift willst Du Deiner Antwort geben?

Wie viel Tier braucht der Mensch?

Würden deutsche Haustiere einen eigenen Staat bilden, er wäre der siebtbevölkerungsreichste in der EU: Über 34 Millionen Hunde, Katzen und
andere beste Freunde des Menschen leben an unserer Seite – und alleine
im vergangenen Jahr sind 2,7 Millionen dazugekommen. Verraten Sie uns,
wo die ungezügelte Faszination herrührt.

Antwort schreiben

Kurt Kotrschal, Verhaltensbiologe und Gründer Wolf Science Center, Veterinärmedizinische Universität Wien

Gewachsene Bindung

Menschen sind biophil, also nahezu instinktiv an Tieren und Natur interessiert. Das zeigen klar die Säuglinge aller Kulturen, deren Aufmerksamkeitsspannen am höchsten gegenüber Tieren sind. Damit definieren sie eine wichtige Bedingung für ihr gelingendes Aufwachsen, sie zeigen damit aber auch, dass die Beziehungen zu anderen Tieren in der Evolution des Menschen besonders wichtig gewesen sein müssen. Schließlich ist es gar nicht so lange her, dass wir uns aus affenartigen Vorgängern entwickelt haben. Altsteinzeitliche Menschen jagten Tiere, pflegten aber auch spirituelle Beziehungen zu ihnen und hielten bereits Kumpantiere – beispielsweise schon vor 35.000 Jahren die aus Wölfen hervorgegangenen Hunde. Die menschliche Natur entstand in der Tierbeziehung. Heute legen Daten zur Bedeutung von Kumpantieren für Gesundheit und Wohlbefinden tatsächlich nahe, dass Menschen an ein Leben mit anderen Tieren angepasst sind. Positive Wirkungen reichen von der Entwicklung einer resilienten Psyche über die Ausbildung eines gesunden Mikrobioms bis zu einem nicht zu Allergien neigenden Immunsystem. Das Bedürfnis nach einem Leben mit Tieren zeigt sich auch in der weltweit mit der Urbanisierung zunehmenden Haltung von Hunden und Katzen. Menschen und Tiere können zu echten Sozialpartnern werden, weil ihr Verhalten ähnlich organisiert ist, weil sie die Grundemotionen und ein weitgehend identisch funktionierendes soziales Gehirn teilen.

Eisbärin Victoria, Bewohnerin des Hamburger Tierparks Hagenbeck

Wir haben nur eine Erde

Die Natur ist ein außerordentlich komplexes System. Pflanzen, Tiere, Menschen, Luft, Wasser und Klima wirken zusammen. Verändert sich in diesem Miteinander zu stark in zu kurzer Zeit, kommt alles ins Wanken. Der Mensch hat sich sehr lange keine Gedanken um mögliche Auswirkungen seines Verhaltens gemacht, daher machen Tiere wie ich durch unsere bloße Präsenz darauf aufmerksam. Ich bin Eisbärin Victoria, 18 Jahre alt, wohne im Hamburger Tierpark Hagenbeck und bin von Beruf Botschafterin. Ich finde es wichtig, dass die Menschen ihre Mitbewohner auf der Erde, die Gefahr laufen, zu verschwinden, selbst erleben können. Der Lebensraum meiner Artgenossen ist ein gutes Beispiel: Die Klimaerwärmung lässt das arktische Eis schmelzen. Wir Eisbären können die langen Winter nicht mehr auf dem Packeis verbringen und Robben jagen. So fressen wir uns normalerweise eine dicke Fettschicht an. Unterernährt sind Eisbärinnen jedoch nicht mehr in der Lage, Nachwuchs aufzuziehen. Sie haben einfach keine Milch, um ihn zu ernähren. So dreht sich die Spirale von Ursache und Wirkung und endet mit einer tierischen Katastrophe. Aus unterschiedlichen Gründen sind Tierarten von solchen Katastrophen bedroht, zum Beispiel die Sibirischen Tiger, die Asiatischen Elefanten, Orang-Utans und leider noch viele weitere. Liebe Menschen, ihr braucht viel mehr Tier, als ihr für möglich haltet. Wir teilen uns den Lebensraum auf der Erde. Gebt uns allen eine Chance!

Dörthe Eickelberg, Fernsehmoderatorin und Filmemacherin

Tiere sind keine Produkte

Der Mensch ist nach der biologischen Systematik ein höheres Säugetier aus der Unterordnung der Trockennasenprimaten. Das habe ich auf die Schnelle gegoogelt, denn ich arbeite im Wissenschaftsjournalismus. Seit zehn Jahren moderiere ich bei Arte das Wissensmagazin „Xenius“. Ich könnte jede Sendung anfangen mit: „Darüber habe ich mal eine Sendung gedreht.“ Schwarze Löcher? Stammzellentherapie? Speläologie? Gerade eine Sendung drüber gemacht. Käse? Spargel? Auch. Je drei sogar. Ich habe viele Institute, Fabriken und Vorzeige-Bauernhöfe besucht, ich habe mit Wissenschaftlern aller Disziplinen über die großen Herausforderungen unserer Zeit gesprochen: Klimaveränderung, Überbevölkerung, Ressourcenknappheit, Hunger auf der einen, Verschwendung auf der anderen Seite – you name it. Als die Kamera aus war, fragte ich sie oft, was nach ihrer Expertise die einfachste Lösung wäre. Die Antwort: „Massentierhaltung abschaffen“. So wurde ich Veganerin. Brauche ich heute noch Tiere, um sie über meinen Salat zu streuen oder aufs Brot zu schmieren, um aus deren Ausscheidungen Käse oder Omelett zu machen? Brauche ich Tiere, um Gummibärchen zu gelieren, Lippenstift zu testen, Kissen zu füllen? Brauche ich exotische Tiere hinter Gittern, damit ich weiß, dass sie existieren? Brauche ich Tiere oben auf der Mütze oder unten an meinen Füßen? Nein. Für mich persönlich ist die Frage nicht: Wie viel Tier braucht der Mensch? Sondern: Wie viel Mensch braucht das Tier?

Jörg Schmit, Leser

Verantwortung lernen

Seit ich mich als Siebenjähriger um die Fische im Aquarium des Nachbarn kümmern sollte und sie aus Leichtsinn überfüttert habe, war das Thema Haustieranschaffung für meine Eltern gestorben, was ich bis heute bedauere. Neidisch lausche ich den grandiosen Abenteuern, die andere in ihrer Kinderzeit mit ihrem Hund erlebt haben. Ich denke, gerade während der prägenden Jugendjahre ist es eine wertvolle Erfahrung, mit einem treuen vierbeinigen Gefährten gemeinsam die Welt zu erkunden. Ein Haustier ist eine schöne Möglichkeit, Verantwortung zu lernen, indem man ein anderes Lebewesen hegt und pflegt, und gleichzeitig den wahren Wert von Freundschaft zu erleben. Leider waren mir diese Erfahrungen nicht vergönnt.

Marco Horn, Leser

Raus aufs Land

In Zeiten von Social Media, Bildschirmzeiten und neuen Gradmessern der Zivilisation wird der Ruf der Wildnis – wenn man so will – immer lauter. Die sichtbare Artenvielfalt in der Stadt beschränkt sich in meinen Breiten doch gerne auf Spatzen und manchmal einbeinigen Tauben. Ein trauriges Bild, wenn man eigentlich aus einer ländlichen Region kommt und weiß, wie gesunde und vermeintlich glückliche Tauben eigentlich aussehen. So treibt einen die Sehnsucht nach Natur und unverbauten Orten bewusst ins Umland. Der Weg dorthin führt begleitet von Greifvögeln durch Alleen zu Seen und Wäldern. Das Gefühl der Entspannung stellt sich hier schnell ein. Was so ein Kuckuck alles bewirken kann.

Udo Kopernik, Sprecher Verband für das Deutsche Hundewesen

Soziale Lehrmeister

Wenn es um den Hund geht, können wir gar nicht genug bekommen. Wir haben unserem engsten Gefährten aus dem Tierreich viel zu verdanken. Hunde haben eine enorme soziale Kompetenz. Sie helfen einander, arbeiten gemeinsam – und mit uns – und sind höchst emotional. Dabei kennen sie kein „wenn-dann“, mit dem wir unsere Kinder und Partner oft versuchen zu manipulieren. Ihn bekommen wir bedingungslos. Ein Spiel? Da ist mein Hund sofort dabei. So lautet sein Motto. Komme ich nach Hause, freut sich mein Hund – selbst wenn ich mich um Stunden verspätet habe. Fragen Sie nicht, wie meine Partnerin in solchen Situationen reagiert. Wölfe und daraus folgend die Hunde haben feine soziale Netze gewoben, mit deren Hilfe sie in der Gruppe Problemlösungen finden und dabei fair miteinander umgehen – kooperierendes Familienleben mit Rentenplan. Das haben wir Individualisten uns vermutlich dort abgeschaut. Und Hunde bauen eine enge soziale Bindung zu uns Menschen auf, verstehen uns. Und sie verstehen es, uns zu gefallen. „Dein Hund lässt sich jeden Tag etwas Neues einfallen, damit wir etwas zum Lachen haben“, meinte mal ein Freund ohne Hund, der mich eine Zeit lang täglich bei Spaziergängen begleitete. Besser kann man es nicht ausdrücken. Es ist jedoch Unfug zu behaupten, wir könnten gar nicht genug Hunde haben. Nicht jeder ist in seiner Lebenssituation in der Lage, einen Hund verantwortungsvoll zu halten. Man sollte aber jemanden kennen.

Detlev Nolte, Generalsekretär Forschungskreis Heimtiere in der Gesellschaft

Tiere tun gut

Es liegt in unserer Natur, von Tieren umgeben zu sein. Auch deshalb können viele Menschen am besten draußen im Grünen oder im Zusammensein mit ihren Tieren Kraft tanken. Forscher nennen das Biophilie. Dass beim Streicheln eines Hundes das „Kuschelhormon“ Oxytocin ausgeschüttet und das „Stresshormon“ Cortisol reduziert wird, ist sogar wissenschaftlich erwiesen. Tiere erinnern uns daran, im Hier und Jetzt zu leben. Sie sind das Gegengewicht zum ewig blinkenden Smartphone, zum flackernden Fernsehbildschirm. Sie freuen sich über Zuwendung, sie nehmen nichts krumm, sie achten nicht auf Äußerlichkeiten. Ob der Mensch, der sie krault, im Rollstuhl sitzt, Altersflecken auf den Händen hat oder geschieden ist, ist ihnen völlig egal. Wer ein weiches Fell streichelt, einen Hund spazieren führt oder ein Gehege saubermacht, der bewegt sich, tut etwas Sinnvolles, knüpft leichter Sozialkontakte, gibt seinem unruhigen Alltag eine Struktur. Kein Wunder, dass Studien ergeben haben, dass das Zusammenleben mit einem Heimtier das Risiko, zu erkranken, reduziert, das Herz-Kreislauf-System stärkt und den Blutdruck senkt. Wie viel Tier braucht der Mensch also? Unsere Antwort: So viel, wie er braucht, um glücklich und entspannt zu sein. Denn Tiere sind gut für Körper und Seele – allerdings nur so lange, wie es ihnen selbst gut geht. Die Frage sollte deshalb auch immer lauten: Kann ich sicherstellen, dass die Bedürfnisse des Tieres auch erfüllt werden?

Sonja Mauerhof, Leserin

Geheime Kraft

Faszinierend ist dass etwas im menschlichen Gehirn passiert, wenn man sich um ein Tier kümmern darf beziehungsweise dieses das eigene Leben bereichert. Was genau, ist noch immer ungeklärt. Ich denke da zum Beispiel an die Einbeziehung von Tieren in die Betreuung von Demenzkranken, an Blindenhunde und Tiere gegen Einsamkeit.

Petra Baumbach, Leserin

Partner für moderne Patchwork-Leben

Haustiere sind für viele Menschen ein Menschenersatz geworden. Das ist traurig aber war. Eine Hundebesitzerin sagte mir mal: „Meine Hunde sind Kinder mit Fell.“ Und so denken viele Menschen. Tiere sind dankbar, widersprechen nicht und passen sich ihrem Herrchen oder Frauchen an. Scheinbar sind das Attribute, die viele Menschen mögen. Denn mit Mitmenschen muss man sich auseinandersetzen, auch mal streiten. Aber es findet immer ein Dialog auf Augenhöhe statt. Allerdings ist es in der heutigen Zeit, in der viele Familien zerrissen sind weil berufliche Notwendigkeiten (Umzug in andere Städte) eine enge Lebensgemeinschaft erschweren. Und die Möglichkeiten, andere Menschen kennen

Siegfried Moder, Präsident Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt)

Gesunde Tiere braucht der Mensch

Innerhalb der Familie, an der Seite von Kindern, spielen heutzutage Heimtiere eine besonders wichtige Rolle. Nicht nur Hunde und Katzen, auch Meerschweinchen, Kaninchen und Co. werden als vertraute Gefährten geschätzt. Für alte Menschen sind sie oft einzige Verbindung zum Leben, für Singles häufig Ansprech- und Schmusepartner in einsamen Stunden. Intensives Für- und Miteinander kennzeichnet die emotionale Bindung und ihren sozialen Wert. Für den Partner Tier ist deshalb häufig nur das Beste gut genug. So sind auch die Ansprüche auf eine optimale gesundheitliche Versorgung des tierischen Familienmitglieds erheblich gestiegen. Im Erkrankungsfall schöpfen Tierbesitzer die vielfältigen medizinischen Möglichkeiten häufig aus, um ihr Tier nicht zu verlieren. Der Gesundheitsvorsorge dagegen messen sie zu wenig Bedeutung bei. Oft bringen sie ihr Tier erst zum Tierarzt, wenn die Krankheitssymptome unübersehbar sind. Doch dann kann es schon zu spät sein. Deshalb sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, vorbeugende Impfungen und Parasitenprophylaxe so immens wichtig. Denn bei rechtzeitiger Diagnose sind viele Erkrankungen, die ohne Therapie zu schweren gesundheitlichen Schäden oder zum Tod des Tieres führen, einfach zu behandeln und heilbar. Überdies schützt Prophylaxe beim Tier auch die menschliche Gesundheit, denn einige Infektionskrankheiten und Parasiten können auf den Menschen übertragen werden.

Jörg Junhold, Präsident Verband der Zoologischen Gärten (VdZ)

Wiederentdeckte Nähe

Wie viel Tier der Mensch braucht, hängt von der Gesellschaft ab und verändert sich parallel zu ihr: Je weniger Natur den Alltag prägt, desto mehr Tier braucht der Mensch. Gegenwärtig wächst die Sehnsucht nach Natur und tierischen Begegnungen. Dieses Phänomen erklärt den großen Zuspruch, den Zoos gerade genießen. Es bedeutet aber auch eine wachsende Verantwortung, die Zoos für Mensch und Tier gleichermaßen haben. Die uns anvertrauten Tiere sind Botschafter ihrer Artgenossen, deren Lebensräume genauso schwinden wie der Kontakt des Menschen zur Natur im urbanisierten Leben. Damit sind Zoos einerseits moderne Arche für die vom Aussterben bedrohten Tierarten, andererseits die größte außerschulische Umweltbildungseinrichtung, die den Kontakt zur Natur herstellt und für selbige begeistert. Die unmittelbare Begegnung mit den unterschiedlichsten Tieren, die wir sehen, hören und riechen können, weckt Emotionen und schafft Erlebnisse und Erinnerungen, wie es kein Buch und keine TV-Reportage zu leisten im Stande wäre. Der Mensch lernt am besten durch Emotionen und Selbsterfahrungen – die tierischen Begegnungen in Zoos bauen die Brücke, die so wichtig ist, um die Bedeutung der natürlichen Lebensräume und die Dringlichkeit, dem Artensterben Einhalt zu gebieten, zu transportieren. Das bedeutet aber auch, dass das Tier auch den Menschen braucht, der nicht nur verantwortlich ist für den Verlust der Lebensräume, sondern nun auch für deren Schutz.

Anne Kreibich, Produktmanagerin Ecupahr

Die unterschätzte Angst

Der Sommer kommt mit vielen lauten Geräuschen daher: Baustellen, Konzerte, Feuerwerk und Donner. Wussten Sie, dass nahezu 50 Prozent der Hunde ängstlich auf solche Geräusche reagieren? Auch Motorengeräusche, etwa bei der Fahrt in den Urlaub, können bei Hunden Angst und damit extremen Stress auslösen. Das Verhalten, das ein Hund als Reaktion auf Angst durch diese Geräusche zeigt, kann dabei sehr unterschiedlich sein. Gerade Besitzer junger Hunde mit Geräuschangst sind davon überzeugt, dass ihr Hund aus dieser Angst schon noch „herauswachsen“ wird. Doch Geräuschangst verschlimmert sich oft mit der Zeit, so dass später selbst kleinste Reize starke Reaktionen auslösen können. Ohne Behandlung kann die Geräuschangst von selteneren, aber typischen angstauslösenden Geräuschen wie Feuerwerk oder Donner auf alltägliche Geräusche wie das Zuschlagen einer Autotür oder das Brummen des Staubsaugers übertragen werden. Wenn Ihr Hund Anzeichen von Geräuschangst zeigt, sollten Sie sich schnellstmöglich an Ihren Tierarzt wenden, denn die beste Strategie ist eine frühzeitige Erkennung und Behandlung. Die Behandlungsmöglichkeiten schließen Verhaltenstherapie, Pheromone und Ergänzungsfuttermittel ein. Mittlerweile gibt es aber auch Arzneimittel, die speziell auf die Linderung von Geräuschangst zugeschnitten sind. Welche Anzeichen bei einem Hund auf Geräuschangst hindeuten, finden Sie hier im Fragebogen: [QR-CODE]

Pietro Leemann, vegetarischer Sternekoch

In Harmonie leben

Essen geht nicht nur durch den Magen, sondern wandert auch in Geist und Seele. Nach einer langen Reise durch Asien in den 1980ern wurde ich Vegetarier. Nach meiner Rückkehr wollte ich nicht nur fleischlos leben, sondern auch fleischlos kochen. Da aber zu dieser Zeit mehr traditionelle Speisen auf dem Teller landeten, eröffnete ich einfach selbst ein vegetarisches Restaurant in Mailand. 1996 wurde ich zum ersten vegetarischen Sternekoch Europas ausgezeichnet. Seitdem hat sich viel verändert. Die Menschen wollen mehr Verantwortung für unseren Planeten übernehmen. Dazu gehört auch eine bewusste Ernährung, die auf einem respektvollen Umgang mit Tieren basiert. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass alle Menschen komplett auf Fleisch verzichten sollten. Es reicht schon, wenn sich alle mehr mit der eigenen Ernährung beschäftigen. Denn du bist, was du isst. Bei mir persönlich ging es meiner Gesundheit und meinem Geist besser, als ich aufgehört hatte, Fleisch zu essen. Es ist wichtig, dass man in sich hineinhorcht und den Körper fragt, was einem guttut. Ich für meinen Teil glaube an eine Welt, in der Mensch und Tier in Harmonie leben. Ich betrachte Tiere als Freunde, die mit mir leben und die mir Freude bringen. Denn was uns Menschen glücklich macht, sind gute Beziehungen. Zwischen Mensch und Mensch, aber auch zwischen Mensch und Tier. Zu Hause habe ich einen Hund und eine Katze – beides keine Vegetarier, aber es harmoniert.

Matthias Feltz, Leser

Endgegner Mensch

Zählen Fleischlieferanten zu den Haustieren? Dann stellt sich die Frage nach der Nahrungsaufnahme tierischer Produkte. Ganz ohne wird es nicht gehen. Es gilt, die Kreatur würdig zu behandeln, bis in den Tod. Vielfältig ist die Nutzung von Tiernebenprodukten in der Kosmetik, zum Beispiel von Gelatine. Das ist so und solange oben Gesagtes berücksichtigt wird, so sei es denn. Das Verwaltungsgericht Gießen hat gerade der Universität Marburg untersagt, Versuche an Hamstern zur Simulation von Winterschlaf und des dadurch hervorgerufenen reduzierten Energiebedarfes durchzuführen. Eine sorgfältige Abwägung des Für und Wider ist nötig und das Tier hat nur den Menschen als Verteidiger seiner Rechte. Das Tier als therapeutischer Helfer kranker Menschen: Extrem schön sind Therapien mit Delphinen, Hunden und Pferden. Katzen und Hunde helfen alten Menschen, Freude zu empfinden, was will man mehr. Ich habe etwas vergessen: Insekten, der wahrhafte Knaller der Schöpfung.

Manja Busack, Leserin

Arche Welt

Heutzutage braucht niemand mehr Tiere, um sich ausgewogen zu ernähren. Tiere sollten nicht für den eigenen Genuss leiden oder gar sterben müssen. Menschen haben Tiere lange genug ausgebeutet. Wir haben eine Verantwortung und es ist Zeit, umzudenken. Wir sollten Tieren auf Augenhöhe begegnen.

Sebastian Joy, Geschäftsführer ProVeg Deutschland

Frage der Vernunft

Wir nutzen Tiere zu zahllosen Zwecken. Die meisten leiden und sterben jedoch für unser Essen – mit katastrophalen Folgen. Intelligenten, fühlenden Wesen wird nicht nur die Erfüllung von Grundbedürfnissen verwehrt, sie leiden auch unter Qualzucht, traumatisierender Haltung und unwürdiger Schlachtung. Und das alles für einen kurzen Gaumenkitzel. Auch die Umwelt leidet, da die Nutztierhaltung mit rund 16 Prozent aller Treibhausgasemissionen mehr zum Klimawandel beiträgt als der Ausstoß aller Autos, Schiffe und Flugzeuge zusammen. Nicht zuletzt verschärft der Tierkonsum zahlreiche Zivilisationskrankheiten, während rund 70 Prozent aller Antibiotika in die Tierzucht gehen und immer mehr lebensbedrohliche multiresistente Keime entstehen lassen. Dabei gibt es heutzutage für jedes Tierprodukt eine leckere, gesunde pflanzliche Alternative. Zahlreiche Studien belegen, dass der ökologische Fußabdruck von Obst, Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchten bedeutend besser ist. Und auch zellbasierte Alternativen, die ohne Tierzucht auskommen, können eine zukunftsfähige Option sein. Tiere gehören nicht auf den Teller – aus Gründen der Ethik und der Vernunft. Daher setzt sich ProVeg für eine Halbierung des Tierkonsums bis 2040 ein und fordert eine Ernährungswende hin zu pflanzlichen und zellbasierten Alternativen – für eine Welt, in der wir uns für eine leckere und gesunde Ernährung entscheiden, die gut für alle Menschen, Tiere und unseren Planeten ist.

Marina Bleyl, Leserin

Fünf vor zwölf

Der Mensch ist das gefährlichste Tier auf diesem Planeten. Aus Profitgier rodet er Wälder, überfischt Ozeane und zerstört Lebensräume in kürzester Zeit. Das seine Zukunft auch an das Wohlergehen der anderen Erdbewohner geknüpft ist, wird er hoffentlich nicht zu spät merken.

Thomas Füting, Leser

Echte Beziehungen

„Seit ich die Menschen kenne, liebe ich die Tiere.“ Vielleicht liegt in diesem ziemlich polemischen Spruch ein Schlüssel, um die Faszination der Menschen für Tiere zu erahnen. Von jeher hatte der Mensch eine tiefe Neigung zum Tier. Sicher größer als umgekehrt. Nur benötigen wir kein Pferd mehr, um von A nach B zu kommen. Wer hat schon eine Schafherde, die der Schäferhund umsorgen muss? Und den Muli samt Karren braucht hierzulande auch kein Mensch mehr. Andererseits: Reiten kann charakterbildend sein und eine Menge Spaß bringen, wenn man das Pferd als Kameraden begreift, nicht als Sportgerät, das zu funktionieren hat. Zur Kompensation eigener Defizite. Für elterlichen Ehrgeiz. Oder der wilde, lebenshungrige, entzückende Hund, von allen Familienmitgliedern – und da ist er der einzige – gleichermaßen geliebt. Wo ist das Problem, wenn für den notwendigen Auslauf und gute Ernährung gesorgt ist? Allerdings: Der Schritt hin zur Tierquälerei ist nicht sehr groß. Die Katze in der Zwei-Zimmer-Wohnung, der Vogel im Käfig, der Hamster im Rad: das ist Ausbeutung. Ausbeutung einer Kreatur, die ein Vakuum füllen muss. Die dem Leben von Herrchen und Frauchen Sinn geben soll – und sei es nur der, jemanden lieb haben zu können. Der Gipfel: ein Hund, geschaffen nach dem „Geschmack“, ja, von wem eigentlich? Ein Mops, dem Hirn und Riechorgan weitgehend weggezüchtet worden sind, der eine qualvolle Existenz lebt mit permanenter Atemnot – ein Pflegefall von Anbeginn.

Josef H. Reichholf, Evolutionsbiologe

Tiere machen uns erst menschlich

Nicht die Menge macht’s, sondern die Qualität der Beziehung. Denn vorrangig geht es um die emotionale Zuwendung zum Tier. Und diese setzt voraus, dass Tiere als Individuen empfunden werden. Daher bekommen sie einen Namen wie andere Menschen auch. Hören und reagieren sie darauf, verstärkt sich die Bindung. Hund oder Pferd, die dazu besonders befähigt sind, werden zu Partnern. Sie gehen auf uns ein. Damit formen sie unser Menschsein. Und fordern es auch heraus, weil an die Tiere nicht einfach Fragen gestellt werden können, die sie zu beantworten haben. Die Wechselwirkung mit ihnen kommt über die nichtsprachliche Kommunikation zustande. Wir sollten diese beherrschen, setzen sie aber in der Menschenwelt aufgrund der Dominanz der Sprache zu wenig ein. Ohne diese emotionale Begleitung wirkt der Mensch jedoch zu kalt, zu rational. Deshalb ist es für Kinder eminent wichtig, über den Kontakt zum Tier Kompetenz in der sozialen Kommunikation zu entwickeln. Aus triftigen Gründen geht eine vorwiegend US-amerikanische Forschungsrichtung davon aus, dass Tiere einst ganz entscheidend an der Menschwerdung der Urmenschen mitgewirkt haben – allen voran der zum Hund gewordene Wolf. In der tiergestützten Therapie äußert sich diese uralte Wechselwirkung auf heilsame Weise. Die Schlussfolgerung liegt auf der Hand: Wer ohne Tiere aufwächst, hat ein Defizit, das nur schwer auszugleichen ist.

Schreib' uns deine Antwort!

Welche Überschrift willst Du Deiner Antwort geben?

Was steigert die Lebensqualität?

Sport, gesunde Ernährung, ein gutes Buch, ein schöner Abend mit Freunden – alles Dinge, die für ein erfülltes Leben stehen. Genauso wie politische Selbstbestimmung, persönliche Freiheit, Gleichberechtigung. Lebensqualität ist so individuell wie die Menschen selbst. Erzählen Sie uns, was Sie glücklich und zufrieden macht.

Antwort schreiben

Johann Lafer, Spitzenkoch

Im Einklang

Lebensqualität entspringt keiner Norm. Ganz im Gegenteil: Sie ist individuell. Bevor das eigene Leben lebenswerter wird, muss man in sich hineinhorchen. Was genau macht mich glücklich? Das klingt vielleicht erstmal egoistisch, ist es aber nicht. Denn nur wer mit seinem eigenen Leben im Einklang ist, kann diese Harmonie auch auf seine Mitmenschen übertragen. Ich persönlich habe mir ein Leben für den guten Geschmack auf die Fahne geschrieben. Das bedeutet auch, dass ich mich am meisten wohlfühle, wenn ich etwas kulinarisch entdecke und empfinde. Für mich gibt es kaum etwas Schöneres als ein tolles Essen mit Menschen, die ich mag und die ebenso dieses tolle Essen wertschätzen können. Auch wenn meine Kinder nicht meine berufliche Laufbahn eingeschlagen haben, so erfreuen sie sich genauso wie ich an gutem Essen. Lebensqualität wird also auch vorgelebt. Und manchmal macht es Sinn, Kinder zu ihrem Glück zu zwingen. Als ich für vier Jahre eine Schulmensa in Bad Kreuznach betrieb, war es anfangs schwierig, die Kinder von bewusster und gesunder Ernährung zu überzeugen. Doch schon bald hatten auch sie Spaß daran. Und glauben Sie mir: Es ist gar nicht so einfach, bei jungen Menschen gegen einen Burger von McDonald’s anzukommen. Glücklicherweise geht seit „Fridays for Future“ ein junger Trend in Sachen Nachhaltigkeit um. Und genau damit hat auch Lebensqualität zu tun. Denn nur ein bewusstes Leben kann erfolgreich und erfüllt sein.

Sonja Mauerhoff, Leserin

Back to the Roots

Einfach mal raus aus dem Alltag, in dem man allzu schnell vergisst, in welcher relativen Komfortzone wir alle leben, und die einfachen Dinge genießen. Das geht am besten im Schäferwagen am See, beim Kochen und Duschen draußen an der frischen Luft. Das ist wahrer Luxus.

Gunter Morche, Leser

Trautes Heim

Ganz wichtig für meine Lebensqualität ist das soziale Umfeld: Familie, Freunde, nette Nachbarn und eine schöne Wohnung, in die ich gern zurückkehre. Da kann der Urlaub noch so erlebnisreich gewesen sein, ich freue mich immer, nach Hause zurückzukommen. Wichtig ist deshalb auch die Qualität der Wohnung selbst und ihre Lage. Wenn dann im Wesentlichen die Gesundheit mitspielt, bin ich mit meiner Lebensqualität sehr zufrieden.

Petra Baumbach, Leserin

Frei sein

Lebensqualität ist ein Thema, das sicherlich auch altersabhängig ist. Ich bin im letzten Drittel meines Lebens. Für mich ist es immer wieder ein tolles Gefühl, frei zu sein. Meine Kinder sind erwachsen und bedürfen meiner Hilfe nicht mehr wirklich – wenngleich auch Oma-Dienste gerne in Anspruch genommen werden. Aber die Verantwortung für die Aufzucht gibt es nicht mehr. Nun habe ich das Gefühl, wieder so viele Entscheidungsmöglichkeiten zu haben wie zu dem Zeitpunkt, als ich jung war. Ich kann reisen, Ausflüge machen, bin einfach unabhängig.

Rudi Erlacher, Vizepräsident Deutscher Alpenverein (DAV)

Das Gute liegt so nah

Die Frage nach der Steigerung der Lebensqualität leidet unter einem Steigerungsimperativ, der nicht glücklicher macht. „Das intensive Leben – eine moderne Obsession“, diagnostiziert der Philosoph Tristan Garcia. Da weicht man bei der Antwort besser seitlich aus. Robert Musil nennt es den „anderen Zustand“, der sich auch unverhofft und ungeahnt einstellen kann. Ein tieferes Empfinden, höhere Aufmerksamkeit, eine Verrückung der Situation, ohne dass man gleich seltsam wird. In unserer Gesellschaft vermutet man diesen „anderen Zustand“ auf anderen Kontinenten. So lockt die Lufthansa mit einem Elefanten und dem Slogan „Auf Reisen gehören Abenteuer zum Alltag“ zum Flug nach Afrika. Da hat jemand etwas nicht verstanden. In Aldous Huxleys „Schöner neuen Welt“ entführt der Rebell gegen die schöne neue Welt seine Schöne zum Erleben des „anderen Zustands“ auf eine Alm am Fuße des Hochvogels im Allgäu. Das ist konsequent. Nicht konsequent ist, dass er dahin mit dem Hubschrauber ausbüxt. Er ist auch nicht erfolgreich. Ich hätte eine Bergtour von ganz unten aus vorgeschlagen. Da schaut der Berg unerreichbar aus. Die sichtliche Annäherung an das nicht für möglich Gehaltene hat noch jede und jeden überzeugt, leiblich und seelisch. Beim Rückweg über die Hütte kann man dann die Lebensqualität mit alpiner Poesie beschließen: „Radler und Russen werden nur in Maßen ausgeschenkt“, heißt es auf dem Rotwandhaus. Prost Leben!

Karin Fehres, Vorstand Sportentwicklung, Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB)

Ein Land bewegt sich

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie gut man sich fühlt, wenn man Sport getrieben hat: Man ist glücklich und zufrieden mit sich. Und wissenschaftlich ist es ohnehin unumstritten, dass Bewegung und Sport sowohl der physischen als auch der psychischen Gesundheit zuträglich sind. Unmengen von Studien beweisen, dass sich sportliche Aktivität auf das Herz-Kreislauf-System, auf Muskeln und Knochen ebenso positiv auswirken kann wie auf die Seele. Sport ist Lebensqualität. Großartige Einrichtungen sind dabei unsere Sportvereine, rund 90.000 an der Zahl. Im Sportverein macht Sport so viel mehr Spaß: weil man gemeinsam mit anderen turnen, tanzen, rudern, spielen und noch viel mehr Sportliches tun kann, weil man sich in Wettkämpfen messen kann, weil man die eigenen Grenzen austesten kann, weil man Siege feiern kann und auch mit Niederlagen umgehen lernt, weil man Fairplay, Respekt und Teamgeist erleben kann, weil man unter fachlicher Anleitung trainieren oder auch neue Sportarten lernen kann. Man könnte hier noch viel mehr aufzählen, aber auch so wird schon klar, wie vielfältig und attraktiv der Vereinssport ist und wie viel Spaß er macht. Dass sich rund acht Millionen Menschen in den Sportvereinen freiwillig und überwiegend unentgeltlich engagieren, spricht ebenfalls für sich. Auch das Ehrenamt, von dem unser Vereinssport lebt, hält jung und aktiv und steigert die Lebensqualität: Acht Millionen Menschen können nicht irren.

Daniel Papst, Leser

Mit sich im Reinen

Ein Job, zu dem man gerne geht. Zeit für sich selbst und für die Menschen zu haben, die einem am Herzen liegen. Sich nicht Gedanken darüber machen zu müssen, ob man sich dieses oder jenes leisten kann. Die eigene Gesundheit und die von denen, die einem nahestehen. Guter, erholsamer Schlaf. Ein reines Gewissen und die damit verbundene Gewissheit, dass man die Entscheidungen der Vergangenheit nicht bereuen muss und rückblickend immer noch vertreten kann. Das ist meine Antwort.

Gundi Günther, Leserin

Im Kreis der Familie

Gemeinschaft macht glücklich und das Miteinander mit lieben Menschen. Ich glaube, dass Menschen hauptsächlich älter werden, weil sie zu Gruppen gehören, Freunde haben und in einer Familie leben, dort einen festen Platz haben, teilhaben und mitgenommen werden und eingebunden sind in das Netzwerk Familie. Das Familienmodell … bestimmt nicht immer nur einfach, aber eines der Schönsten und eines, dass glücklich macht.

Kathrin Heckmann, Outdoor-Reisen-Bloggerin

Am besten draußen

Für mich ist Lebensqualität untrennbar mit dem Draußensein verbunden. Dass ich erst so richtig glücklich bin, wenn ich mit Wanderschuhen bewaffnet in irgendeiner menschenleeren Landschaft stehe, das Meer vor meinem Zelt rauschen höre oder den Sonnenuntergang von einem Berggipfel aus betrachte, war mir bis vor wenigen Jahren noch gar nicht so richtig bewusst. Aber spätestens, als ich mein Zelt zum ersten Mal auf einem einsamen schottischen Hügel aufschlug und die Abendsonne die Highlands in ein goldenes Licht tauchte, während ich meine Nudelsuppe schlürfte, wusste ich, dass ich da etwas ganz Großem auf der Spur war. Seit diesem Tag ist meine Leidenschaft fürs Draußensein immer weiter gewachsen und zu einem festen Bestandteil meines Lebens geworden. Dabei müssen es aber nicht die höchsten Gipfel oder die weitesten Wege sein. Draußen sein, frei sein, glücklich sein ist das, was mir wirklich wichtig ist. Und das suche und finde ich auf einer 1.000 Kilometer langen Fernwanderung in Australien oder einem vierwöchigen Solo-Roadtrip durch die endlose Weite Alaskas genauso wie auf einem Kurztrip in den Schwarzwald. Aber auch kleine Dosen Natur, zum Beispiel ein kurzer Spaziergang im Park oder eine Feierabendrunde mit dem Rad, steigern die Lebensqualität erheblich. Denn Draußensein macht nicht nur glücklicher, sondern auch gesünder, kreativer, entspannter und vieles mehr. Das ist mittlerweile wissenschaftlich bestens nachgewiesen.

Ingo Fietze, Leiter Schlafmedizinisches Zentrum, Charité Berlin

Lebe und schlafe

Schlaf gehört nicht zur Lebensqualität, er bestimmt sie. Wir streben nach optimaler Fitness und gesunder Ernährung, vernachlässigen dabei aber den Schlaf. Wenn man gesund schlafen will, dann braucht man dafür 7,5 bis 8 Stunden pro Nacht. Schaffe ich nicht, werden viel sagen. Aber hier ist es wie mit der Fitness. Ich muss nicht jeden Tag Sport treiben, 2,5 bis 5 Stunden die Woche reichen aus. Beim Schlaf sind es 52,5 bis 56 Stunden. Die schafft man, wenn man an freien Tagen Schlaf nachholt. Man kann nachschlafen, zumindest im Wochenverlauf. Mit einem gesunden ausreichenden Schlaf geht man erfrischt und gut gelaunt in und durch den Tag, ist leistungsfähig und sieht gut aus. Ein Schlafdefizit – da reicht schon eine kurze Nacht von weniger als sechs Stunden aus – macht müde, schlechte Laune, mindert Konzentration, Gedächtnisleistung und Reaktionsschnelligkeit und man sieht müde aus. Ein chronisches Schlafdefizit ist auch noch ungesund, für Herz und Kreislauf, Gehirn, Immunsystem, Knochen und Muskeln sowie den Stoffwechsel. Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, Depression, Diabetes oder Krebs haben mit Lebensqualität erst recht nichts zu tun. Daher sollten die gesunden Schläfer zumindest sechs Stunden schlafen. Die vielen sensiblen Schläfer haben zusätzlich auf Schlafkomfort, eine ruhige, dunkle und wohltemperierte Umgebung zu achten und die vielen Schlafgestörten sollten rechtzeitig Hilfe suchen. Schlafqualität geht uns alle an.

Felix Nimmich, Leser

Mach’s dir schön

Die Frage nach der Lebensqualität ist wie bei vielen anderen Sachen sehr individuell. Für einen fängt sie abends nach dem Arbeitstag an, wenn er im Sitzen essen darf und ein weiches Bett hat. Für den anderen ist die Lebensqualität schon massiv eingeschränkt, wenn im Fünf-Sterne-Hotel am Gardasee die Handtücher nicht weich und weiß genug sind. Für die Menschen mit begrenzten Möglichkeiten kann die Lebensqualität bereits durch Barrierefreiheit im öffentlichen Raum bedeutend steigen. Ich persönlich versuche, die schönen Momente zu schätzen und kreiere mir damit meine Lebensqualität selbst. Ein freier Tag mit der Familie, ein Plausch mit den Nachbarn, ein Abendessen mit Freunden liefert einen Grund für Zufriedenheit. Sogar eine lange Autofahrt in den Urlaub mindert die Lebensqualität nicht, wenn ich Freude an der Gesellschaft habe und dankbar für die Möglichkeit des Verreisens bin. Lebensqualität ist immer eine relative Sache, der kleinste gemeinsame Nenner ist aber die Gesundheit, die zu jedem Geburtstag und nach jedem Niesen gewünscht wird.

Mia Marie Dünkel, Leserin

Ich engagiere mich

Jeden Freitag mit vielen anderen Schülerinnen und Schülern an den Fridays-for-Future-Demonstrationen teilzunehmen, steigert meine Lebensqualität im Moment. Ich habe Spaß daran, mit anderen gemeinsam für eine bessere, lebenswerte Zukunft zu streiten, und die Hoffnung, dass wir wirklich etwas erreichen können.

Susanne Meister, Leserin

Urlaub für die Seele

Für mich bedeutet schon das alleinige Nachdenken über Lebensqualität ein Stück Lebensqualität. Das ziellose Kreisenlassen der Gedanken in einer entspannten Mußestunde trägt meiner Meinung nach nicht nur zum Erhalt der geistigen Gesundheit bei, sondern wirkt zudem ungemein belebend, wenn man ungestört nichts anderes vernimmt als das Echo der eigenen Ideenwelt. In unserer betriebsamen und hektischen Zeit ist die Gelegenheit selten geworden, sich allein der ungezügelten Kontemplation hinzugeben. Die wenigsten schaffen es noch, nur mit sich selbst beschäftigt zu sein. Viele sind einem ständigen Reiz ausgesetzt. Einen Tag lang nichts schaffen zu müssen und dem Drang zu widerstehen, sich durch externe Unterhaltungsquellen berieseln zu lassen, das ist für mich Lebensqualität.

Monika Kellerer, Präsidentin Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)

Wissen, was man isst

Lebensqualität bedeutet für Menschen mit Diabetes mellitus, ein möglichst normales Leben mit der Erkrankung zu führen und möglichst keine Folgeerkrankungen zu erleiden. Um die Erkrankung diszipliniert zu managen, müssen die Betroffenen täglich viele Hürden nehmen. Insbesondere Menschen mit einem drohenden oder bereits diagnostizierten Diabetes Typ 2 können selbst sehr viel beitragen und mit einem ausgewogenen Lebensstil – also gesunder Ernährung, Bewegung und bei Bedarf Gewichtsreduktion – ihre erhöhten Zuckerwerte im Blut reduzieren. Diese Maßnahmen können auch helfen, eine Medikamentengabe anfangs zu verhindern oder zumindest zu verzögern. Doch nicht immer liegt es nur an den Betroffenen selbst, einem Diabetes Typ 2 optimal vorzubeugen. Auch die Unterstützung durch gesellschaftliche und politische Maßnahmen ist notwendig, um eine gesündere Umgebung zu schaffen. Ein Schritt in diese Richtung könnte eine Lebensmittelkennzeichnung mit dem wissenschaftlich geprüften Nutri-Score sein: Für jedes verpackte Lebensmittel werden aus eher günstigen Inhaltsstoffen wie Obst, Gemüse und Ballaststoffen und eher ungünstigen Inhaltsstoffen wie Zucker, Salz und gesättigten Fettsäuren ein Gesamtpunktwert ermittelt, der sogenannte Score. Dies schafft Übersichtlichkeit für den Verbraucher und kann schließlich zu einer gesünderen und besseren Lebensqualität für alle beitragen. Wir hoffen, dass die Politik bald eine effektive Lösung findet.

Sven Grand, Leser

Fest im Sattel

Meinen täglichen Arbeitsweg – acht Kilometer hin und zurück – mit dem Fahrrad zurückzulegen, steigert meine Lebensqualität. Und das auch bei schlechtem Wetter und auf schlechten Radwegen. Um es mit Henry Miller zu sagen: „Wenn ich radfuhr, wurde ich erquickt, belehrt und gesalbt. Vive le vélo!“

Svenja Drews, Psychologin beim Weißen Ring

Wenn die Unsicherheit bleibt

Aufgehebelte Fenster, verschobene Möbel, der Schrankinhalt auf dem Boden verteilt. Opfer von Einbrüchen finden ihre Wohnung nicht selten im völligen Chaos vor. Neben materiellen Schäden hat ein Wohnungseinbruch oft auch psychische Folgen, die die Lebensqualität der Betroffenen massiv einschränken können. Während der erste Schock nach einigen Stunden bis Tagen abklingt, sind viele Betroffene auch langfristig belastet. Das eigene Zuhause ist für die meisten Menschen ein scheinbar sicherer Rückzugsort. Dringen Fremde in diesen ein, handelt es sich um einen erheblichen Eingriff in die Privatsphäre, dem sich Betroffene schutzlos ausgeliefert fühlen. Häufige psychische Auswirkungen sind innere Anspannung, Schlafstörungen oder ein permanentes Gefühl von Unsicherheit in der sonst vertrauten Umgebung. Was hilft, um das Geschehene zu verarbeiten und zurück zu einem normalen Alltag zu finden, ist sehr individuell. Einige Betroffene haben das Bedürfnis, möglichst schnell aufzuräumen, andere verbringen die erste Zeit nach dem Einbruch bei Bekannten, um etwas Abstand zu gewinnen. Insgesamt kann sozialer Rückhalt sehr hilfreich sein. Wer mit Freunden oder der Familie über das Geschehene und auch die eigenen Gefühle spricht, findet oft schneller zurück in den Alltag und hin zur alten Lebensqualität. Wenn die Symptome jedoch anhalten, sollten Betroffene nicht zögern, sich psychotherapeutische Unterstützung zu suchen.

Barbara Dünkel, Leserin

Maß aller Dinge

Das Grundgesetz ist 2019 70 Jahre alt geworden. Seine Existenz und Durchsetzung steigern meine Lebensqualität auch heute täglich: Ich kann meine Meinung frei äußern, öffentlich protestieren und demonstrieren, meine Rechte vor Gericht erstreiten und frei, gleich und geheim wählen. Den meisten Bürgern erscheint das selbstverständlich und kaum beachtenswert, 2016 waren aber nur 63 Prozent aller Länder weltweit Demokratien. Gerade heute gibt es massive Tendenzen zurück zu autoritären Regimen und „starken Männern“. In einem freien Land zu leben, ist für mich das Maximum an Lebensqualität.

Hartmut Fröhner, Leser

Essenz des Lebens

Die Fähigkeit zu lieben und sich an die Liebe zu erinnern. Ich denke, dass Liebe in all ihren Facetten zum großen Teil aus der Sehnsucht nach ihr besteht und aus der Erinnerung an sie. Oft ist die Liebe nur ein kurzer, schöner Moment – und im nächsten Moment erinnern wir uns an ihn. Diese Erinnerung festzuhalten, steigert die Lebensqualität nachhaltig.

Paul Müller, Intendant Münchner Philharmoniker

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein

Kultur, Kunst und Musik sind für die Menschen ein essenzieller Erfahrungsraum, der nicht durch kommerzielle Bedürfnisse und deren Erfüllung befriedet werden kann. Kunst schafft Tradition, schreibt Geschichte, gibt dem Menschen Herkunft, eine Heimat und damit Orientierungshilfe. Gleichzeitig ist der Pluralismus unterschiedlicher Kulturen das Aufregendste – vielleicht auch das Komplizierteste. Musik öffnet, verbindet und bedarf keiner gemeinsamen Sprache. Kein anderes Medium kann so schnell Verständigungsbarrieren durch Musizieren in einer Gruppe auflösen. Kunst erzeugt Emotionen bei jedem Individuum. Das sind unvergessliche Momente für jeden Einzelnen – real, nicht virtuell, aufgeladen durch Begeisterung und tiefe Berührung. Musik ist ein strukturell komplexes Phänomen. Kein anderes Medium kann die Verbindung von Geist, Verstand und Emotion so der Gesellschaft bieten. In der Oper, im Theater findet sich die gesamte Palette menschlichen Daseins wie etwa Liebe, Mord, Verlust, Freundschaft. Als Spiegel der Realität, als kreatives Medium von Visionen und Träumen lädt Kunst jeden ein, eine Zeitlang in mehreren Leben und Fantasien gleichzeitig sein zu können. Der Kontakt zur Musik gab mir früh die Möglichkeit aus meiner begrenzten Welt auszusteigen – ich bin in einem kleinen Dorf neben Kühen in Westfalen aufgewachsen. Die Musik hat meinen Horizont extrem erweitert und mir meine Entwicklungschancen geebnet.

Gerd Riedner, Leser

Arbeit!

Lebensqualität heißt für mich Zufriedenheit im Alltag. Zufrieden bin ich grundsätzlich, wenn mich meine Tätigkeit ausfüllt, mich fordert und bestätigt. Die Lebensqualität steigt, wenn die berufliche Leistung einerseits von anderen anerkannt wird und andererseits wenn ich selbst damit zufrieden bin, wenn ich stolz darauf sein kann. Vielleicht bin ich dann zwar körperlich ‚geschafft‘, aber doch froh, etwas geschaffen, vielleicht anderen im weitesten Sinne bei der Erfüllung ihrer Wünsche geholfen zu haben. Mit meinem Tageswerk zufrieden zu sein, das ist für mich Lebensqualität. Selbst wenn meine berufliche Tätigkeit weniger Berufung, sondern mehr ein Job ist, den ich um des nötigen Geldes wegen mache, dann kann ich mir meine Zufriedenheit, meine Lebensqualität in verschiedenen Ehrenämtern holen und natürlich auch in der sogenannten Freizeit; egal ob durch Sport, oder ein anderes Hobby; so macht beispielsweise auch Holzhacken zufrieden, man strengt sich an und hat die erbrachte Leistung - den Stoß gehackten Holzes - vor Augen.

Schreib' uns deine Antwort!

Welche Überschrift willst Du Deiner Antwort geben?