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Wie wird man zum Gründer?

Über anderthalb Millionen Menschen wagten zur Jahrtausendwende den Schritt in die Selbstständigkeit. Seitdem geht die Zahl konstant zurück, 2018 gab es nur noch 550.000 Unternehmensgründer. Woran liegt das und wie können wir den Status quo ändern? Schreiben Sie uns, was einen echten Gründer ausmacht.

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Lea-Sophie Cramer, Gründerin Amorelie

Die Erfahrung deines Lebens

Es gibt zwei Arten der Initialzündung für Gründer: Entweder wollen sie ein Problem lösen oder einen Zustand verbessern und entwickeln dadurch den Drang, etwas Eigenes zu erschaffen – oder sie erkennen, dass Risikobereitschaft, Entscheidungsstärke, Dynamik und Ideenreichtum in der Konzernwelt nicht immer auf fruchtbaren Boden treffen. Bei mir war es eher Zweiteres – gepaart mit dem Wunsch, unsere Gesellschaft voranzubringen. Mich reizen am Unternehmertum drei Dinge. Erstens die Unabhängigkeit: Ich bin frei, sehe direkt, was ich schaffen kann, und entscheide selbst, ob und wie ich etwas machen will. Zweitens das Team: Für mich wird es zur Familie, da wir selbst unsere Werte und Leitplanken definieren, und der Gang ins Büro fühlt sich an, wie nach Hause zu kommen. Drittens die persönliche Weiterentwicklung. Es ist eine verrückte Reise ist mit den „highest highs und lowest lows“ und mit viel Verantwortung: Durch all das sicher und erfolgreich durchzusteuern, ist meine Aufgabe als Gründerin und Geschäftsführerin. Diese spannende und lehrreiche Erfahrung als Gründer sollten sich mehr Menschen zutrauen – gerade Frauen. Im Pitch achte ich auf das Team – wie groß ist es und wie gut finde ich die Gründer? Würde ich sie selbst einstellen? Was ist das Alleinstellungsmerkmal und kann man das verteidigen? Mit der Vision fängt alles an. Und dann heißt es: Einfach mal machen.

Günter Faltin, Vorstand Stiftung Entrepreneurship

Ein gutes Konzept ins Rennen schicken

Die Arbeit am Gründungskonzept ist ein erster, wichtiger Schritt. Einfälle gibt es viele, aber wirklich gute Konzepte sind rar. Konzepte, die ökonomisch, möglichst auch ökologisch überzeugen. Das heißt: Abstand zum Thema gewinnen, recherchieren, tüfteln, verwerfen, neu anfangen – so lange, bis man mit klaren, deutlich erkennbaren Wettbewerbsvorteilen im Markt antreten kann. Aber dabei sollte man eins nicht vergessen: Ein neues, innovatives Konzept ist ein Bündel von Annahmen. Mein Rat an Gründerinnen und Gründer: Prüft eure Annahmen. Ist das Konzept wirklich so realistisch, wie ihr glaubt? Also raus in die Praxis und testen, testen, testen, bevor ihr ins volle Risiko geht. Die Qualität des Gründungskonzepts ist, so meine Erfahrung, wichtiger als die Menge an Kapital. Kopf schlägt Kapital. Lean Entrepreneurship ist heute angesagt. Ein überzeugendes Konzept, in der Praxis überprüft, mit ersten Kunden – mit solchen Vorgaben kann man Kapitalgebern, wenn man sie denn überhaupt braucht, ganz anders gegenübertreten. Und noch ein zweiter Punkt ist wichtig: Arbeitsteilung nutzen. Nicht alles selbst machen, sondern auf die Führungsaufgaben fokussieren. Ich nenne das: Gründen mit Komponenten. Mit professionellen Partnern, die ihre Sache wirklich verstehen und frühzeitig auf Fehlentwicklungen aufmerksam machen. Das Gründungskonzept muss so gut sein, dass es solche professionellen Hilfen finanzieren kann.

Kai Hartmann, Leser

Sprung ins Lauwarme

Wie bei den meisten Dingen im Leben geht es beim Gründen meistens darum, aus der eigenen Komfortzone aufzustehen und Dinge einfach zu machen. Bestenfalls etwas, hinter dem man einhundertprozentig stehen kann. Den sicheren Job zu kündigen und das Risiko des Scheiterns sind sicherlich die größten Herausforderungen. Doch wenn man sich überlegt, was man eigentlich verlieren und zugleich gewinnen kann, wenn alles klappt, dann erscheint der Sprung ins Unbekannte vielleicht doch gar nicht mehr so gefährlich.

Anna Alex, Gründerin eines Mode-Startups

Liebe, was du tust

Wie man zum Gründer wird? Statistisch ist das zumindest einfacher als zur Gründerin zu werden. Nur 15 Prozent von Deutschlands Gründern sind Frauen. Diese Zahl stagniert seit Jahren. Für mich war der Sprung ins Unternehmertum das Beste, was ich je gemacht habe. Nachdem ich für ein paar Startups gearbeitet hatte, wurde mir klar: Die kochen auch nur mit Wasser. Es wuchs in mir der starke Wille, es selber zu versuchen. Ein starker Wille hilft auf jeden Fall in jeglicher Hinsicht. Geringe Lebenshaltungskosten und eine ordentliche Prise Naivität auch. Ich glaube außerdem, dass man sich fragen sollte, was einem so richtig viel Spaß macht. Unternehmerischer Mut ist eine gute Sache, aber gepaart mit echter Leidenschaft kann er großartige Unternehmen hervorbringen, die nicht nur kurzfristig gutes Geld verdienen, sondern unsere Welt nachhaltig prägen. Ich glaube, wenn jeder das täte, was er am liebsten tut, wäre unsere Welt besser. Mir gefällt am Gründerdasein am meisten, dass ich meine eigenen Regeln schreiben kann. Und dass ich mir die Leute herauspicken kann, die daran eine ebenso große Freude haben. Man stellt sich die Sinnfrage nicht. Denn wenn etwas sinnlos ist, ändert man es. Das ist unglaublich beflügelnd. Ohne meine Mitgründerin wäre ich nicht so weit gekommen. Ein Team, das sich vertraut und gleichzeitig herausfordert, ist viel Wert. Da fühlt sich das geteilte Risiko tatsächlich manchmal wie halbes Risiko an.

Sandra Sickel, Leserin

Glaube an deinen Traum

„Sei ängstlich, wenn andere gierig sind, und gierig, wenn andere ängstlich sind.“ Wie oft mir in meinem Umkreis geraten wurde, den unsicheren Hafen des eigenen Unternehmens nicht zu wagen, umso mehr wollte ich ihnen zeigen, jetzt erst recht. Als (angehender) Gründer muss dir klar sein, dass die Zeit der Umsetzung bis zum ersten Geruch des Erfolgs kein Zuckerschlecken wird. Die Einstellung ist der entscheidende Faktor. Für mich gibt es das Wort Misserfolg nicht. Es wird ersetzt durch Lernen. Nur so schaffst du es, in schwierigen Situationen weiterzumachen. Du benötigst Ausdauer, Selbstkritik und die Flexibilität dafür, dass der erste Entscheidungsweg nicht der Endgültige sein muss. Stehe zu 100 Prozent hinter deiner Idee. Überschreite deine Grenzen und hole dir den Blick von außen, um deinen Traum wahr werden zu lassen.

Anny Hartmann, Leserin

Dickes Fell

Mit Einführung von Hartz IV hat sich Unsicherheit in der Bevölkerung breitgemacht. Für Angestellte gibt es noch das ALG I, dieser Puffer entfäll für viele Selbstständige. Die Angst, bei einer Auftragsflaute direkt bei Hartz IV zu landen, wiegt schwer und hält viele Menschen vom Gründen ab. Der Leiter eines Gründerzentrums erzählte mir mal, es gäbe viele Menschen mit innovativen Ideen, die nicht gründen, weil sie nicht wissen, wovon sie bis zur Produktreife leben sollen. Selbstständigkeit bedeutet auch einen hohen bürokratischen Aufwand. Selbst in meinem Ein-Frau-Betrieb als politische Kabarettistin verbringe ich viel Zeit mit Verwaltung und dem Sortieren der Steuerunterlagen. Dazu kommt noch die fehlende Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, es gibt keinen bezahlten Urlaub, bei den Banken hat man einen schlechten Stand, die Krankenkassenbeiträge passen sich nur zeitverzögert dem erzielten Einkommen an und die Altersvorsorge ist auch sehr teuer. Häufig fehlt dann im Bekanntenkreis noch das Verständnis für die unregelmäßigen Arbeitszeiten. Es braucht also schon viel Überzeugung und Leidenschaft für den Schritt in die Selbstständigkeit. Bereut habe ich ihn trotz allem noch nie.

Bruno Wildmann, Leser

Zum Gründen braucht es Einfallsreichtum, Entschlossenheit, Mut, Geduld und Jägermeister.

Céline Flores Willers, LinkedIn-Influencerin und Gründerin einer Kommunikationsberatung

Gründerfeuer im Blut

Es gibt nicht den einen Weg, um Gründer zu werden. Aber das ist gut so, denn ansonsten würde das Schönste am Gründen verloren gehen. Für mich persönlich ist das der Prozess. Gründen ist wie eine verrückte Reise, auf die du dich begibst, ohne das Ziel zu kennen und ohne Rückfahrkarte. Ein echter Gründer gründet nicht, weil er Gründer werden will. Ein Gründer möchte in erster Linie seine Idee verwirklichen. Eine Idee, die ein unaufhaltbares Feuer ausgelöst hat. Gründer sind Visionäre. Sie glauben an das Unmögliche, haben eine blühende Fantasie und lassen sich von nichts und niemandem aufhalten. Sie sind neugierig, wissbegierig und risikobereit. Auch eine gewisse Kühnheit, sich über Grenzen hinwegzusetzen oder sich sogar in gesetzlichen Grauzonen zu bewegen, gehört zum Gründen dazu. Gründer sind extrovertiert und kontaktfreudig. Ein Pitch vor 1.000 Menschen? Kein Problem. Ein Gründer arbeitet hart, anfangs vielleicht auch ganz alleine, und stellt in stressigen Zeiten Freunde, Familie und Hobbys hinten an. Das Leben ist kein Ponyhof und Gründen kein Schlaraffenland. Es kann nicht jeder Gründer werden, weil schlichtweg nicht jeder das Zeug zum Gründen hat – und das ist auch ok so. Es gibt viele andere erstrebenswerte Jobs und Karrierewege. Aber wenn eine Idee dieses Feuer in dir entfacht, dann wirst du es merken. Dann wirst du die Reise antreten – vielleicht sogar, ohne es zu realisieren – und ehe du dich versieht, bist du ein sogenannter Gründer.

Daniel Krauss, Mitgründer eines Mobilitätsunternehmens

Geborene Unternehmer

Das Gründen ist nur der Impuls, die Frage müsste eher lauten: Wie wird man Unternehmer? Und selbst hier kann ich nicht sicher sagen, ob man erst zum Unternehmer werden muss oder es eigentlich schon immer in sich hatte. Ich glaube, dass Letzteres zutrifft. Meiner Meinung nach sind in erster Linie nicht die Fähigkeiten ausschlaggebend, die man sich aneignet, sondern die, die man schon in sich trägt. Ich würde hier beispielhaft mal Widerstandsfähigkeit, Empathie und Ehrgeiz anführen, es gibt aber noch weitere. Darauf basierend braucht es dann natürlich dennoch weitere Fertigkeiten – betriebswirtschaftliches Know-how, technisches Verständnis oder Verhandlungsführung, um nur ein paar zu nennen. All das zusammengenommen ergibt die DNA eines Unternehmers. Alles darauf Folgende ist Timing und harte Arbeit. Noch wichtiger als eine gute Idee sind aber der Markt, den man beackern möchte und ein tolles Gründungsteam, wie wir es in unserem Unternehmen hatten und haben. In unserem Fall hat uns der Megatrend Mobilität gepackt und das Timing in Deutschland mit der Liberalisierung des für unsere Branche bestimmenden Bundesgesetzes war perfekt.

Renate Wohlig, Leserin

Gute Gründe

Warum sollte man auf die Bequemlichkeiten eines Angestellten- oder Beamtenstatus verzichten und das Wagnis einer Gründung eingehen, für das man im Falle des Scheiterns auch noch Häme kassiert?

Malte Böhm, Leser

Trotz Medienhype durch Gründermagazine, pointierte TV-Sendungen und eine hippe Tischkicker-Startup-Kultur gründen immer weniger Menschen in Deutschland Unternehmen. Vielleicht, weil Überstunden, Ängste und Ärger mit dem Finanzamt und der Bürokratie uncool sind und deswegen von den Medien ausgespart werden, die Menschen aber ein gutes Gespür dafür haben, was es heißt, in Deutschland ein Unternehmen zu gründen: zumeist Stress, Schulden und schlaflose Nächte.

Dominik Hofmann, Gründer eines Coworking Spaces

Einfach machen

Ich bin selbst Gründer, begleite aber auch viele Gründer in unseren Startup-Programmen. Daher weiß ich: Das Gründer-Gen ist in jedem von uns angelegt. Jeder trägt irgendwie das Bedürfnis in sich, etwas aufzubauen. Doch neben Gründer und Gründungsidee muss noch eine Reihe anderer Umstände hinzukommen, damit eine Gründung überhaupt erfolgt – und dann auch noch erfolgreich werden kann. Anfangs braucht es ein Umfeld, das zur Gründung ermutigt, inspiriert und Kontakte zu anderen Gründern ermöglicht. In den späteren Phasen braucht es Mentoring, Beratung, Zugang zu Kapital, rechtliche Begleitung und dergleichen. Ein ganzes Gründer-Ökosystem muss bereitstehen. Das ist in Deutschland, abgesehen von wenigen Metropolen, noch selten der Fall – und in unserem Bildungssystem schon gar nicht: Ich habe BWL studiert, mein Co-Founder ebenfalls. Man könnte also meinen, wir seien aufs Gründen vorbereitet. Doch im Studium sind wir damit nie in Kontakt gekommen. Es braucht also mehr Entrepreneurship in unserem Bildungssystem. Und für die meisten auch einen „Augenöffner-Moment“ im Leben. Für mich war das ein Auslandsjahr in New York. Ich habe dort viele Menschen erlebt, die dieser inneren Stimme gefolgt sind, dass im Leben noch mehr gehen muss. Und sie waren bereit, für ihren Traum anfangs widrige Umstände in Kauf zu nehmen. Zurück in Deutschland war mir klar: Ich will etwas Eigenes aufbauen – und dafür das typisch deutsche Sicherheitsdenken aufgeben.

Simone Chlosta, Professorin für Wirtschaftspsychologie und Entrepreneurship

Gelegenheit macht Gründer

Die Frage erinnert mich an eine Interviewserie, die ich vor über zehn Jahren mit Gründerinnen durchgeführt habe. Damals wollte ich wissen, ob sich selbstständige Frauen als Gründer oder Unternehmer wahrnehmen. Die meisten Frauen konnten sich mit diesen Begriffen nicht identifizieren. Ihre Erklärung war, dass für sie das Bild des Gründers oder Unternehmers in unserer Gesellschaft eher männlich geprägt sei, mit Eigenschaften wie Durchsetzungsstärke oder Risikoneigung, und man weibliche Eigenschaften damit eher nicht assoziiere. Heute würde ich auf die Frage antworten, dass es ein vielschichtiger Prozess ist, Gründer zu werden. Meine eigene Gründergeschichte begann nämlich nicht mit einer Frage, sondern mit einem Impuls von außen. Ich arbeitete als wissenschaftliche Mitarbeiterin, mein Vertrag lief aus und zeitgleich erhielt ich die Anfrage, als Psychologin ein Testverfahren zur Personalauswahl zu entwickeln. Ich habe mein Netzwerk mobilisiert und nach kurzer Zeit waren wir drei Personen, die sich dachten, das machen wir einfach mal. Und so wurden wir zu Gründern. Was würde ich nun anderen Gründungsinteressierten raten? Wichtig sind Menschen an der Seite, denen man vertraut und mit denen man sich identifizieren und austauschen kann. Das können Vorbilder aus der Familie sein, aber auch Schulen und Hochschulen übernehmen hier eine wichtige Rolle, indem sie für das Thema Gründung sensibilisieren und Menschen zusammenbringen.

Rolf Hadert, Leser

Überholte Vorurteile

Viele trauen sich vielleicht nicht, sich selbstständig zu machen, weil sie Angst vor der überbordenden Bürokratie haben. Alles ist zu intransparent und verwirrend. Tatsächlich stimmt das auch teilweise, aber es gibt mittlerweile so viele Materialien und so viele Möglichkeiten, sich Rat zu holen und sich zu informieren. Im Endeffekt ist dann alles nur halb so schlimm, wenn man einmal im Thema ist. Der Fiskus hat letztlich auch Interesse daran, Gründer zu unterstützen, und ist eher Freund als Feind.

Hubertus Bessau, Max Wittrock und Philipp Kraiss,, Gründer mymuesli

Reise deines Lebens

Am Anfang steht die Idee. Und gute Geschäftsideen entstehen selten in einem Konferenzraum, in dem man krampfhaft versucht, sich was Innovatives auszudenken. Sie entstehen oft zufällig. Es klingt zwar cheesy, aber wie eine Sternschnuppe muss man sie dann zufällig entdecken – und ergreifen. Wir glauben nicht an ein Gründer-Gen. Jeder kann Gründer oder Gründerin werden. Aber wer ein Unternehmen gründen möchte, sollte lernen, anders zu denken. Du musst öfter in den Himmel sehen als andere, die Augen nach Ideen offenhalten. Und wenn du die Sternschnuppe siehst? Dann solltest du sofort anfangen, nachzudenken, zu brainstormen, an deiner Idee zu arbeiten – und sie bloß nicht gleich wieder vergessen. Übrigens: Der Zeitpunkt zum Gründen ist selten perfekt. Das bedeutet: Wenn Gründen dein Traum ist und du es irgendwie schultern kannst – vielleicht am Anfang nebenbei – dann ist es vermutlich jetzt auch Zeit für die Umsetzung. Die Devise heißt dann: Einfach machen. Du wirst erleben, wie schön es ist, wenn man eine Idee zum Leben erweckt. Wenn man diesen Prozess zudem noch mit Menschen teilen kann, zum Beispiel weiteren Teammitgliedern oder Mitgründern, dann macht es doppelt Freude. Es ist anstrengend, du hast nicht alles selbst in der Hand, brauchst Glück, manchmal ist es frustrierend oder verrückt, immer lehrreich und es geht oft schief. Doch wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Wir drücken dir die Daumen.

Maria Seeger, Leserin

Engagiert euch

Was beim Thema Gründen oft zu kurz kommt, sind die Möglichkeiten, auch außerhalb von Firmen etwas zu gründen: zum Beispiel Vereine, die sich sozial engagieren und eine hohe Verantwortung tragen. Das Ehrenamt ist der Rückhalt für unsere Gesellschaft.

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Wie lege ich mein Geld sinnvoll an?

Sparbuch, Tagesgeld, Festgeld: Der Dreiklang der sicheren Geldanlage funktioniert schon seit Jahren wegen der Niedrigzinspolitik nicht mehr so, wie er es eigentlich sollte. Wie kann man da heute noch sein teuer Erspartes mit gutem Gewissen vermehren? Verraten Sie uns Ihre Strategie.

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Yvonne Zwick, Stellvertretende Generalsekretärin Rat für Nachhaltige Entwicklung

Mit gutem Gewissen

Es gibt eine Vielzahl von nachhaltigen Finanzprodukten: nachhaltige Renten, Lebensversicherungen, Fonds und ETFs, die auf nachhaltigen Aktienindizes aufbauen, Direktbeteiligungen und Impact Investing. Eine pragmatische Orientierung gibt das Label für nachhaltige Investmentfonds des Forums Nachhaltige Geldanlagen. Dort kann man der Expertenbewertung vertrauen und mit etwas Aufwand selbst herausfinden, welche Anlagen dem eigenen Wertegerüst entsprechen. Wichtig ist, auch die Anbieter selbst zu prüfen. Arbeitet Ihre Investmentgesellschaft, Ihr Finanzinstitut, Ihre Versicherung im Management nachhaltig und transparent? Wofür werden Kredite vergeben? Wie fließen ökologische und soziale Aspekte und Grundsätze guter Unternehmensführung in Investments ein? Die großen Häuser verfolgen eine Strategie des Mainstreamings von Nachhaltigkeitskriterien im gesamten Portfolio. Manche davon haben sich dem Divestment verschrieben, ziehen Investments aus CO2-intensiven Anlagen ab oder wollen klimaneutral werden. Fragen Sie nach. Ob ein Unternehmen Ihren ethischen Schwerpunkten entspricht, können Sie zum Beispiel anhand des Deutschen Nachhaltigkeitskodex nachvollziehen. Sicher, es ist eine Zumutung sich selbst damit zu befassen. Aber Ihre Stimme bei der Wahl geben Sie auch nicht einfach weiter, oder? Und bei dieser Entscheidung geht es immerhin um Ihr Erspartes und wem Sie dieses anvertrauen. Geld wirkt. Ob positiv oder negativ, liegt in Ihren Händen.

Jochen Schweizer, Unternehmer und Investor

Trends fördern

Die Gründerszene in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Gründer sind mutiger geworden, akzeptieren das Risiko, auch mal zu scheitern – eine wichtige Eigenschaft, um am Ende erfolgreich zu sein. Und auch die Gesellschaft zeigt heute durchaus mehr Akzeptanz, es gibt mehr staatliche Förderungen für junge Gründer und es fließt mehr Geld in diesem Bereich. Persönlich habe ich den Markt immer im Blick, um Trends frühzeitig zu identifizieren und mit sinnvollen Investitionen neue Produkte und Dienstleistungen voranzutreiben. Bei einem Investment ist für mich nicht nur die finanzielle Komponente entscheidend. Für mich ist auch wichtig, wie ich meine eigene Expertise in das Projekt einbringen kann – bevorzugt dort, wo meine persönliche Passion liegt. Und ich investiere gerne in Projekte, die durch meine eigene Marke einen Marketing- oder Kommunikationsvorteil erhalten. Das sind derzeit unter anderem Investments in nachhaltige, gesunde Ernährung oder in ein junges Gründerteam im Bereich Fitness-Lifestyle. Wenn ich in junge Startups investiere, dann ist für mich vor allem das Gründerteam entscheidend. Denn Businessplan, Markt und Produkt oder Dienstleistung sind variabel. Sie verändern sich, müssen sich laufend verändern. Der Gründer oder das Gründerteam, Charakter, Energie und Wille sind die am Ende entscheidenden Faktoren für mich als Investor.

Malgorzata B. Borowa, Finanzmanagerin

Im Reich der Devisen

Als vorausschauende Risikomanagerin muss ich zunächst sämtliche Investitionsmöglichkeiten analysieren. Das Ziel lautet, ein krisenfestes, konjunkturunabhängiges und hochprofitables Investment zu finden. Lassen Sie uns zunächst die Möglichkeiten betrachten, die einem Investor offenstehen, der Geld zur Diversifikation gewinnbringend anlegen möchte: Die Europäische Zentralbank hat kürzlich weitere Zinssenkungen angekündigt – sogar bis in den deutlich negativen Bereich. Damit fällt jede Form von Sparen weg. Immobilien-Renditen decken kaum die tatsächlichen Kosten. Aktien unterliegen starken, unvorhersehbaren Kursschwankungen. Gold ist aus verschiedenen Gründen lediglich als Beimischung geeignet. Klassische Unternehmensbeteiligungen sind höchst komplex und konjunkturanfällig. Der Währungsmarkt bietet sehr hohe Gewinnchancen bei gleichzeitig extrem hohen Eintrittsbarrieren. Vergleicht man die Opportunitäten der genannten Investments, dann ist der Währungsmarkt mit Abstand die beste Wahl. Warum also nicht in ein Geschäftsmodell investieren, dessen Produkt jeder kennt und dessen Markt sehr genau einschätzbar ist? Sobald die Eintrittsbarrieren des internationalen Geldmarktes überwunden sind, lassen sich am größten, stabilsten und liquidesten Markt der Welt rund um die Uhr hohe Renditen von circa 3% pro Monat bei minimalem Risiko erwirtschaften. Das macht diese Anlageform konjunkturunabhängig, krisenfest und zugleich hochprofitabel.

Günter Lercher, Leser

In der Niedrigzinsfalle

Es wird den Sparern vor allem von politischer Seite immer schwerer gemacht, sein Geld vernünftig und zinsbringend anzulegen. Sicher profitiert Deutschland einerseits als Exportnation von der gemeinsamen Währung und dem gemeinsamen Binnenmarkt. Anderseits muss die Europäische Zentralbank das Ungleichgewicht innerhalb der Eurozone durch Minizinsen ausbalancieren, was wiederum Gift ist für die normalen Sparkonten der Bürger hierzulande. Auch die neue EZB-Chefin scheint keine Zinswende einzuleiten, was letztlich zu Verwerfungen bei der Altersvorsorge führen wird.

Sven Hord, Leser

Goldene Zeiten

Seit Jahrtausenden hat Gold eine unglaubliche Anziehungskraft auf den Menschen. Denkt man an Reichtum, dann ist das erste Bild im Kopf wahrscheinlich ein Goldbarren oder eine Goldmünze. Nicht umsonst lagert in Fort Knox einer der größten Goldanteile der Welt. Gold ist relativ sicher und vor allem eine endliche Ressource. Irgendwann gibt es kein Gold mehr, das zu Tage gefördert werden kann, und dann ist jeder froh über seine Investitionen in Gold. Im Gegensatz zu digitalen Zahlen auf Konten kann man Gold anfassen und zur Not auch unter das Kopfkissen legen. Bei einem Börsencrash verschwindet das Gold nicht einfach, Dollarzeichen schon. Gold ist nicht günstig und das ist auch gut so, denn da weiß man wenigstens, was man hat. Außerdem ist Gold wunderschön anzusehen. Aus ästhetischer Sicht spricht also auch vieles dafür. Natürlich ist es auch hier wie bei allem: Guter Rat ist teuer und eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht.

Ingeborg Stadler, Leserin

Vermehren ist für den Normalbürger bei Aktien oder Fonds mit Risiko verbunden. Bleiben bei diesen Negativzinsdrohungen Immobilien, so man genug Knete hat.

Natascha Wegelin, Finanzbloggerin und Autorin

Wissen, was man tut

Ständig lesen wir davon, dass die Altersarmut in Deutschland steigt. Aber anders als beim steigenden Meeresspiegel kann ich gegen eine mir drohende Altersarmut etwas tun – und zwar mein Geld sinnvoll anlegen. Die meisten von uns wissen nur nicht, wo sie da anfangen sollen. Genau so ging es mir auch. Vor ein paar Jahren schloss ich eine private Rentenversicherung ab – ohne zu wissen, was ich dort eigentlich unterschrieb. Drei Jahre später stellte sich heraus, dass ich Tausende Euro an Gebühren versenkt hatte. Ich beschloss, dass mir so etwas nie wieder passieren würde. Seitdem lese ich alles über Finanzen. Denn um souveräne Entscheidungen darüber treffen zu können, wie wir unser Geld anlegen, sollten wir uns ausreichend Wissen aneignen – egal ob über Kurse, Video-Tutorials oder Bücher. Die Hauptsache ist, dass wir verstehen, wie eine Geldanlage funktioniert und welche Möglichkeiten sie bietet. Ich persönlich lege mein Geld in ETFs an. Das Gute an diesen Investmentfonds ist, dass sie breit diversifiziert und zugleich kostengünstig sind. Starten kann man, indem man 25 Euro im Monat in einen ETF investiert und dabei die Strategie „buy and hold“ befolgt, also kaufen und halten, was wiederum heißt: kaufen und nichts tun. Das gilt aber nur für die Aktien, nicht für uns selbst. Denn oft vergessen wir, in Bildung oder Gesundheit zu investieren. Zehn Prozent unserer Einnahmen sollten an uns selbst gehen, wenn wir unsere persönlichen Ziele erreichen wollen.

Mick Knauff, Wirtschafts- und Börsenjournalist

Der frühe Vogel fängt die Rendite

In Zeiten von Null-Zinsen auf der Bank gilt es, sich rechtzeitig um seinen Vermögensaufbau zu kümmern. Denn die Zeiten, in denen es noch sechs bis sieben Prozent Zinsen auf dem Sparbuch gab, sind endgültig vorbei und werden sicher auch nicht so schnell wiederkommen. Somit bleibt nur der Weg, sich über die drei tatsächlichen Sachwerte – Immobilien, Gold und Aktien – abzusichern. Ein Portfolio mit 15 ausgesuchten börsennotierten Unternehmen reicht dabei völlig aus, um sich langfristig ein kleines Vermögen über die Börse zu erwirtschaften. Die Auswahl der Aktien sollten Sie dabei so gestalten, dass Sie sich mit den Unternehmen identifizieren können und diese Ihnen auch eine Dividende zahlen. Für mich persönlich sind das die „neuen“ Zinsen. Heißt: Kaufen Sie nur Aktien von Unternehmen, die Sie kennen, die Sie gebrauchen und konsumieren, mit denen Sie täglich zu tun haben und von denen Sie wissen, dass deren Produkte und Leistungen auch noch in zehn Jahren Bestand und Nachfrage haben. Börse beginnt dabei vor allem in jungen Jahren. Denn wer 100 Euro monatlich über 40 Jahre hinweg spart, verfügt am Ende über ein Kapital von knapp 250.000 Euro, bei einem Durchschnittsertrag von sieben Prozent im Jahr. Dieser beruht auf dem Zinseszins-Effekt und man erreicht ihn vor allem mit sogenannten ETFs. Finanzkonstrukte wie Kryptowährungen, CFDs oder auch Optionsscheine sind dagegen nur für sehr erfahrene Anleger zu empfehlen – wenn überhaupt.

Frida Buchholz, Leserin

Ende der Gier

Menschen, die über das kleine oder große Latinum verfügen, kennen natürlich den berühmten Ausspruch von Kaiser Vespasian: „Pecunia non olet“ – „Geld stinkt nicht“. Mit diesen süffisanten Worten rechtfertigte der damalige römische Imperator seine Steuer auf die Nutzung der Latrinen. Auch heute kann Geld noch Gestank ausströmen, vor allem im übertragenen Sinne. Nicht selten werden mit den Investitionen von Klein- und Großsparern Waffengeschäfte oder Umweltsünden, wie die Abholzung des Regenwaldes, finanziert. Doch der Sparer müsste prinzipiell weder auf seine Rendite noch auf sein Gewissen verzichten. Es gibt längst allerhand grüne und ethische Fonds und Banken und andere moralisch konnotierte Anlagemöglichkeiten. Natürlich lassen sich mit Investitionen in sogenannte grüne Finanzprojekte keine Megaprofite einfahren. Doch die 1980er-Jahre, in denen Michael Douglas in seiner Rolle als schmieriger Börsenmakler Gordon Gekko für seinen zentralen Satz „Gier ist gut“ unreflektiert gefeiert wurde, sind vorbei. In Zeiten von Fridays for Future, schmelzenden Polkappen und der brennenden Lunge unseres Planeten sollte man auch seine Investments auf moralische Tauglichkeit überprüfen. Die größte Rendite nützt nichts, wenn sich der Planet in eine postapokalyptische Wüste verwandelt hat. Denn Dürre macht nicht nur den Martini trocken.

Manuela Koslowski, Leserin

Frage der Perspektive

Das hängt stark davon ab, ob man Kindern oder Enkelkindern etwas vererben will. Wenn man nur für sich plant, sind es je nach Lebensalter vielleicht nur noch die 20 Jahre oder weniger bis zur Rente. Dann sollte sich die Investition bereits gelohnt haben. Hier kann man also nur in etwas investieren, das man problemlos wieder abstoßen kann, wie etwa Aktien, Anleihen, Edelmetalle oder Ähnliches. Wenn man für die Enkelkinder investiert, kann man auch mal in Zeiträumen von 40 Jahren oder mehr denken und ganz anderes ins Auge fassen. Denkbar sind dann etwa Grundstücke, die noch kein Bauland sind und es in den nächsten zehn Jahren auch nicht werden, vielleicht aber in 30, sofern die Region weiter boomt. Und wenn es nicht um Bauland geht, so ist für einige Regionen auch der Anbau von Wein denkbar. Die Weinstöcke tragen zwar erst nach drei bis fünf Jahren, dafür kann man von diesen aber 30 bis 40 Jahre ernten. Da freuen sich mit etwas Glück auch noch die Enkel drüber.

Holger Pleines, Finanzmanager und Buchautor

Richtig streuen

Für viele Menschen stellt sich die Frage: Was tun mit meinem Geld? Gibt es wieder höhere Zinsen auf mein Erspartes? Wenn nicht, was dann? Vorweg die ernüchternde Antwort: Die Zinsen werden auf sehr lange Zeit auf dem niedrigen Niveau verharren oder sogar für Sparer ins Negative rutschen. Der Grund liegt in der hohen Verschuldung der EU-Staaten. Sollte der Zins wieder stärker ansteigen, würde dies zwangsläufig zu dem ein oder anderen Staatsbankrott führen, da die Staaten die Kreditzinsen ihrer eigenen Schulden nicht mehr begleichen könnten. Das Ergebnis für uns Sparer sind negative Renditen, nach Abzug der Inflationsrate. Da auch Immobilien, speziell in den Ballungsgebieten, viel zu hoch bewertet sind, bleibt aktuell als sinnvolle Alternative der Kapitalmarkt. Hier sollte jedoch jedem Anleger klar sein, dass es dort nicht die Sicherheit des gewohnten Sparbuchs gibt. Um hier sein Kapital zu vermehren, sollte nicht alles auf eine Anlageklasse gesetzt werden. Vielmehr ist die richtige Streuung der gesamten Geldanlage das Wichtigste, da dadurch das gesamte Risiko vermindert wird. Investmentfonds sind hierfür eine ideale Möglichkeit. Am geschicktesten wenden Sie sich an einen Finanzberater, der sich allein auf Geldanlage spezialisiert hat und nicht noch zusätzlich Versicherungen, Darlehen oder dergleichen vertreibt. Lesen Sie sich vorher ein wenig mit Hilfe guter Fachliteratur ein, um diesen Berater anschließend besser beurteilen zu können.

Claudia Roland, Leserin

Investments für alle

Bevor man sein Geld intelligent investieren kann, muss man erstmal welches haben. Eine Mindestlohnerhöhung würde es mehr Leuten ermöglichen, etwas Geld zurückzulegen.

Christine Eicherd, Leserin

Beflügle dich selbst

Nichts ist sicherer, als sein Geld langfristig in sich selbst anzulegen. Wie man das macht? Natürlich mit Weiter- und Fortbildungen. Je mehr ich in meine Arbeitskraft investiere und mein Fachwissen verbessere, desto besser stehe ich auf dem Arbeitsmarkt da und kann mir ein Leben ermöglichen, so wie ich mir das wünsche. Und das alles, ohne zu hoffen und zu bangen, ob der Kurs nun fällt oder steigt. Ohne zu befürchten, dass das Unternehmen, in das ich investiert habe, insolvent geht, und ich mein Geld nie wiedersehe. Bilde ich mich weiter, so erweitere ich zusätzlich noch meinen eigenen Horizont und eigne mir Wissen an, das mir grundsätzlich niemand wieder wegnehmen kann. Meiner Meinung nach ist das die sinnvollste Art, Geld anzulegen. Hinzukommt, dass ich mich so auch in der Gesellschaft noch besser profilieren kann. Es ist schön und tut auch gut, sachkundige Gespräche führen zu können. Denn Wissen und Bildung stärken das eigene Selbstbewusstsein immens.

Martin Biesing, Leser

Systematisch lernen

Ich habe mit einem mittleren vierstelligen Betrag aus einem Erbe begonnen, an der Börse zu spekulieren. Dabei war mein Ansatz von Beginn an: Ich nutze dieses Geld, um das Investieren in Aktien zu lernen. So hatte ich nicht den Druck, dass ich das Geld verlieren könnte. Man benötigt Geduld an der Börse und darf nicht auf das Geld angewiesen sein. Nur so kann man die richtigen Entscheidungen treffen. Bei mir hat es funktioniert: Mein Budget ist mittlerweile im hohen fünfstelligen Bereich.

Gundi Günther, Leserin

Nachhaltiger geht nicht

Geld wird vermeintlich ständig weniger wert und Wohnraum brauchen alle. Meine Vorstellung einer sinnvollen Geldanlage ist daher die Schaffung von eigenem Wohnraum. Aus meiner Sicht gibt es nichts Schöneres als Kinder, die in einem Haus mit Garten aufwachsen. Warum also nicht Werte und etwas Bleibendes schaffen und in eigenen Wohnraum investieren? Vielleicht wäre das mit diversen Fördermitteln sogar vielfach realisierbar.

Michael Bergmann, Vermögensverwalter

Kenne das System

Investoren, die auf Erträge angewiesen sind, müssen sich ausgiebig damit beschäftigen, woher diese stammen sollen. Die erste Komponente ist die risikofreie Rendite, also zum Beispiel Bargeld. Deren Höhe liegt außerhalb der Kontrolle des Investors und ist heute bestenfalls gleich Null. Die zweite Komponente ist eine Prämie für die Übernahme eines Marktrisikos, etwa des Aktienmarktrisikos. Sie sind mit Schwankungen verbunden und rentieren sich nur über die Zeit. Kluge Investoren tauschen sich mit einem qualifizierten und erfahrenen Steuermann darüber aus, welche Ertragsziele umsetzbar sind und wie man sich ein robustes Portfolio aus Risikoprämien baut, das auch turbulente Marktphasen übersteht. Als dritte Komponente verbliebe das sogenannte Alpha. Ob nun das Timing von Ein- und Ausstieg, KI-gesteuerte ETF-Portfolios oder ein heißer Tipp zum „nächsten großen Deal“: Alphaquellen gibt es viele und drumherum jede Menge Mythen und nette Verkaufsstorys. Für die Gesamtheit aller Anleger ist Alpha ein Nullsummenspiel. Das bedeutet, nach Gebühren verbleibt ein garantierter Verlust – wie viel davon verträgt Ihr Depot? Fragen Sie sich selbst und Ihren Berater oder Roboadvisor, welcher Anteil Ihrer Geldanlage auf jede der drei Ertragsquellen entfallen soll und warum das jeweils eine gute Idee ist. Legen Sie erst Geld auf den Tisch, wenn Sie es zu 100 Prozent verstanden haben und kontrollieren Sie regelmäßig, wie sich Ihre Anlage tatsächlich entwickelt.

Harald Kress, Leser

Gewinn mit Leidenschaft

Wie man sein Geld sinnvoll anlegt, sollte auch von den eigenen Interessen beeinflusst sein. Man kann sein Geld durchaus auch in Hobbys sinnvoll anlegen. Mittlerweile kann man mit so vielen Dingen Geld verdienen – seien es alte Spiele, originalverpackt und ohne Macken, oder die altbekannten Briefmarken. Wer weiß schon, wie viel solche Dinge in 30 oder 40 Jahren mal wert sein werden? Nicht umsonst gibt es einen gar nicht so kleinen Markt, der sich um solche „alternativen“ Geldanlagen dreht. Sammelleidenschaft macht so viel mehr Spaß als irgendwelche Investmentfonds. Auch wenn sie vielleicht nicht so rentabel sind und schnell Gewinn abwerfen, so hat man hier etwas in der Hand und erfreut sich daran.

Sara Grümer, Leserin

Sinnvoll geht anders

Aufgrund der Klimakrise ist es am sinnvollsten, in nachhaltige Projekte anzulegen. Wenn dann auch noch die Konzerne und Länder anfangen würden, klimafreundlich zu wirtschaften und damit einen riesigen Teil zum Klimaschutz beizutragen, dann ist es auch möglich, diesen Planeten noch zu retten. Sinnvoll bedeutet für mich nicht nur renditeträchtig, sondern mit Hirn und Verstand und somit auch für unsere Zukunft. Es gibt genug Unternehmen, die sich mit alternativen Technologien beschäftigen, denen man mit finanzieller Unterstützung die Zukunft sichern und aus deren Geschäftsmodellen sogar Gewinn erwirtschaftet werden kann. Ich glaube, dass vor allem von der Bevölkerung noch eine Menge Druck aufgebaut werden muss, um ein wirtschaftliches Umdenken endgültig zu etablieren. Aber auch jeder Einzelne muss sich darüber im Klaren sein, auch mal auf etwas verzichten zu müssen. Wir leben in einer Wegwerf- und Konsumgesellschafft. Da erscheint es uns normal, zwei Autos zu besitzen. Aber das ist alles andere als sinnvoll. Weder das Portemonnaie noch die Umwelt können damit glücklich werden. Wir müssen bewusster leben und verstehen, dass Verzicht sogar zufriedener macht.

Daniel Meißner, Leser

Auch wenn jetzt viele aufstöhnen, weil sie damit ihr Kapital nicht aufstocken können, ist die einzig richtige Antwort: in Freunde und Familie. Denn nur hier bekommt man immer mehr zurück, als man investiert hat. Ob es nun Geld oder Liebe ist. Investiert man bedingungslos, sitzt man auf dem Bullen fest im Sattel, egal wie turbulent das Rodeo des Lebens uns herumwirbelt.

Reiner Braun, Volkswirt

Betongold muss nicht glänzen

Immobilien sind besser als Gold. Denn Mieten liefern stabile Renditen auf den Kauf-preis. Sie sind nicht mehr hoch – im Niedrigzinsumfeld konkurrieren Anleger das knappe Angebot im Preis nach oben – aber immer noch höher als bei Geldanlagen. Hö-here Renditen bedeuten aber auch Risiken. Die heißen Leerstand, platzende Preisbla-sen oder Mietendeckel. Deswegen investiert der kluge Anleger in das richtige Objekt am richtigen Ort und mit ausreichend Zeit. Gut funktioniert das in Städten mit Zuzug und Knappheit, einem langen Anlagehorizont und mit Bestandsimmobilien. Denn Ob-jekte in Schwarmstädten minimieren das demografische Preisrisiko, Baulandmangel und Bürgerprotest gegen Neubau garantieren stabile Knappheitspreise, Muße bei der Vermögensanlage erlaubt das Aussitzen blasenbedingter Preisdellen. Und warum Be-standsimmobilien? Sie bieten besseren Schutz gegen politische Risiken, mehr Flexibili-tät in der Bewirtschaftung und sind womöglich nachhaltiger. Ein absoluter Mietpreis-deckel, wie ihn Berlin mutmaßlich plant, gefährdet die Kalkulation vor allem bei hohen Neubaumieten. Mietpreisbremsen sind im Bestand durch sparsame Instandhaltung einfacher zu kompensieren, der Erhalt alter Bausubstanz erfordert zuweilen weniger Primärenergie als Abriss und Neubau. Fazit: Neubau glänzt durch Glas und Stahl, Be-standserwerb durch Rendite, Wohnungspolitik durch Trägheit bei der Schaffung von Baurecht und Bauland.

Marion Runge, Leserin

Auf Dauer gebaut

Langfristig ist für mich die Anlage in Immobilien das sinnvollste Investment. Alleine die Tatsache, dass mein Geld in einer realen Sache steckt – im Gegensatz zu Anlageformen, die nur auf dem Papier oder sogar in Form von Nullen und Einsen bestehen – gibt mir ein ungemein beruhigendes Gefühl. Wenn man diese Immobilie auch noch selber bewohnt, ist man von den Unsicherheiten und Ausschweifungen des Mietwohnungsmarkten geschützt. Die Tatsache, dass man fast ein ganzes Leben Miete bezahlt, um dann im besten Fall eine frisch renovierte Wohnung zu übergeben oder im ungünstigen Fall im hohen Alter wegen Eigenbedarfskündigung auf der Straße zu sitzen, habe ich noch nie verstanden. Natürlich bindet man sich mit einer eigenen Immobilie an einen Ort und es ist im Augenblick auch schwierig, bei steigenden Preisen das richtige Objekt zu finden. Aber wer flexibel ist und auch mal über seine Ansprüche nachdenkt, kann immer noch fündig werden. Auf der anderen Seite helfen die niedrigen Zinsen und die gute Situation auf dem Arbeitsmarkt natürlich jetzt dabei, die eigene Wohnsituation in ein dauerhaftes Investment zu verwandeln, von dem auch die Kinder etwas haben.

Dr. Susann Schäfer, Leserin

Fachkräfte aus dem Ausland

Wissenschaftlich ist es unbestritten, dass sich der bereits heute abzeichnende Mangel von Fachkräften in den kommenden Dekaden ausweiten wird. Hinsichtlich der betroffenen Branchen und Regionen wird es deutliche Unterschiede geben – jedoch zeigt sich, dass endogene Potenziale bereits jetzt häufig ausgeschöpft sind. Deshalb ist die Antwort auf die Frage nach den Fachkräften von morgen: Sie werden zunehmend aus dem Ausland kommen (müssen). Andernfalls droht Unternehmen und ganzen Regionen eine Stragnation oder gar der Rückgang der betrieblichen bzw. regionalen Wertschöpfung. Die Integration ausländischer Fachkräfte in den deutschen Arbeitsmarkt stellt auf verschiedenen Ebenen eine Herausforderung dar: Erstens müssen sich Unternehmen und Belegschaften öffnen und ausländische Fachkräfte aktiv anwerben und integrieren. Zweitens müssen politische Entscheidungsträger bessere Rahmenbedingungen schaffen, dass AusländerInnen mit weniger bürokratischem Aufwand in Deutschland arbeiten können. Und drittens geht es gesellschaftlich darum, eine offene Willkommenskultur zu leben, so dass sich Fachkräfte wohl- und aufgenommen fühlen.

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Wo sind die Fachkräfte von morgen?

Je nach Studie werden 2030 in Deutschland drei bis fünf Millionen Fachkräfte fehlen. Abgesehen davon, dass der deutschen Wirtschaft dadurch mehr als 500 Milliarden Euro an Wertschöpfung verloren gehen würden, könnte in Schlüsselberufen wie der Pflege bald das Personal knapp
werden. Schreiben Sie uns, wie das verhindert werden kann.

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Elisabeth Schöppner, Projektleiterin Bundeskoordinierungsstelle Girls’Day – Mädchen-Zukunftstag

Raus aus der Schublade

Berufe für Frauen – Berufe für Männer? Ja, es gibt sie noch. In Deutschland treffen 69 Prozent der jungen Frauen ihre Berufswahl aus nur 20 Ausbildungsberufen im dualen System – darunter ist kein einziger naturwissenschaftlich-technischer Beruf. Zu den Top Ten bei den Männern zählen weiterhin die Klassiker: Kraftfahrzeugmechatroniker, Industriemechaniker oder Elektriker. Hier setzen alljährlich im Frühjahr der Girls’Day und der Boys’Day an und sagen: Tschüss, Geschlechterklischees! Tausende Unternehmen sind dabei und geben bundesweit für einen Tag praktische Einblicke in Berufe und Studienfächer, in denen bisher nur wenige Frauen oder Männer zu finden sind. Der Girls’Day fördert so den weiblichen Nachwuchs in Handwerk, Industrie, Informatik, Wissenschaft und Technik. Beim Boys’Day erforschen Jungen Berufsfelder in den Bereichen Gesundheit, Pflege, Soziales, Erziehung, Bildung oder Dienstleistungen. Fachkräftenachwuchs von morgen wird durch eine frühe, klischeefreie Personalgewinnung unterstützt. Wer bei den Aktionstagen mitmacht, erreicht technikbegabte junge Frauen oder sozialaffine junge Männer, kann später aus dem Vollen schöpfen und sorgt außerdem für mehr Vielfalt in der Belegschaft. Die nachhaltige Wirkung ist belegt: 38 Prozent der Girls’Day- und 24 Prozent der Boys’Day-Unternehmen erhalten nach dem Aktionstag Bewerbungen für ein Praktikum oder eine Ausbildung. Davon sind jeweils über 70 Prozent erfolgreich.

Hubertus Heil, Bundesminister für Arbeit und Soziales

Lebenslang lernen

Die Fachkräfte von morgen sind vielfach die Menschen, die heute schon arbeiten. Gleichzeitig führen Digitalisierung und Strukturwandel dazu, dass Tätigkeiten sich verändern. Wir schätzen, dass 1,3 Millionen Jobs wegfallen, aber auch 2,1 Millionen neue Jobs entstehen werden. Für viele Beschäftigte wird das Spektrum ihrer Aufgaben wachsen und damit wachsen auch die Anforderungen an ihre persönlichen Fähigkeiten. Unser Ziel ist es, dass die Beschäftigten von heute die Arbeit von morgen machen können. Das kann nur gelingen, wenn sie rechtzeitig Zugang zu Qualifizierung und Weiterbildung bekommen. Bund, Länder, Wirtschaft, Gewerkschaften und die Bundesagentur für Arbeit haben sich deshalb in diesem Sommer auf eine Nationale Weiterbildungsstrategie geeinigt. Damit ist der Grundstein für eine neue Weiterbildungskultur in Deutschland gelegt. Ein erster Schritt war das Qualifizierungschancengesetz, mit dem Betriebe und Beschäftigte bei der Weiterbildung unterstützt werden. Noch 2019 wollen wir mit dem Arbeit-von-morgen-Gesetz den nächsten Schritt gehen und Möglichkeiten für Weiterbildung und Qualifizierung über den gesamten Lebensverlauf schaffen. Kern der Gesetze ist es, für unkomplizierte Einstiege, gelingende Umstiege und mögliche Aufstiege im Berufsleben zu sorgen. Mit dieser vorausschauenden Arbeitsmarktpolitik schaffen wir für jeden Einzelnen, aber auch für unsere Wirtschaft als Ganzes die Basis, die Herausforderungen der Zukunft zu meistern.

Peter-André Alt, Präsident Hochschulrektorenkonferenz

Höherer Zweck

Beim Thema Fachkräftebedarf werden auch die Hochschulen mit hohen Erwartungen konfrontiert. In Zeiten, in denen die meisten Absolventen außerhalb der Wissenschaft arbeiten werden, stehen die Hochschulen zu ihrer Verantwortung: Neben der Stärkung der Praxisbezüge und der Vermittlung fachübergreifender Schlüsselqualifikationen üben Career Services wichtige Funktionen an der Schnittstelle zwischen Hochschule und Arbeitsmarkt aus. Dennoch wird immer wieder gefordert, die Hochschulen sollten für einen immer dynamischeren Arbeitsmarkt die passenden Arbeitnehmer bereitstellen. Die Absolventen seien nicht unmittelbar in den Unternehmen einsetzbar und müssten erst aufwändig an die berufliche Praxis herangeführt werden. Verbunden wird diese Klage oft mit der diffusen Forderung nach „mehr Praxis im Studium“. So berechtigt der Arbeitsmarktbezug auch im Studium ist: Durch forschendes Lernen sollen Studierende nicht nur Fachwissen erwerben und anwenden, sondern auch kritisch reflektieren und eine eigenständige, akademische Professionalität entwickeln. Wenn wir dem Fachkräftebedarf erfolgreich begegnen wollen, sollten wir die berufliche und hochschulische Bildung in ihren jeweiligen Merkmalen stärken und die Attraktivität bestimmter Berufsbilder steigern. Beim Versuch, das Studium auf die vermeintlichen Bedarfe eines nicht vorhersehbaren Arbeitsmarkt auszurichten, würde es seinen Wesenskern verlieren: Bildung durch Wissenschaft zu vermitteln.

Michael Zimball, Leser

Oberste Priorität

Alle Unternehmen in Deutschland müssten verpflichtet werden, je nach Größe des Unternehmens mehr oder weniger junge Leute auszubilden. So haben sich gerade viele Großunternehmen jahrzehntelang kaum oder gar nicht an der Ausbildung beteiligt. Sie haben es überwiegend den Handwerksbetrieben überlassen, die Leute gut auszubilden, um sie dann umsonst abzugreifen. Wir müssen uns für bestimmte Berufe, wie Bäcker, Verkäufer oder Altenpfleger, Arbeitskräfte aus dem Ausland holen. Dort gibt es oft gut ausgebildete Jugendliche, die millionenfach arbeitslos sind. Um solche Leute aus dem Ausland zu motivieren, müssen auch einige Anreize geboten werden. So geht es um Anreisekosten, das Stellen von Wohnungen, den Zuzug von Familienangehörigen, Intensivsprachkurse, die Begleitung bei Behördengängen. Dazu kommt eine angemessene Bezahlung. Diese gilt natürlich auch für deutsche Auszubildende. In einigen Betrieben werden Auszubildende als billige Arbeitskräfte missbraucht, das muss aufhören.

Hans-Joachim Schemel, Leser

Arbeitgeber Staat

Fachkräftemangel tritt auf, wenn Tätigkeiten entweder ein relativ seltenes Spezialwissen erfordern oder wenn Bezahlung und Arbeitsbedingungen so schlecht sind, dass sich Personen mit geeigneter Qualifikation eine andere Stelle suchen. Im ersten Fall kann die Knappheit durch Ausbildungsangebote überwunden werden, im zweiten Fall lässt sie sich durch eine Steigerung der Attraktivität des Arbeitsplatzes beheben. Hier können wir auf den Arbeitsmarkt vertrauen. Denn wo hohe Nachfrage nach Arbeit besteht, wird auch kein Mangel an Fachkräften auftreten. Wo allerdings der Marktmechanismus aus sozialen, ethischen oder hoheitlichen Gründen nicht anwendbar ist, wie in den Bereichen Gesundheit und Bildung, werden immer dann Engpässe entstehen, wenn der Staat die Personalkosten nicht vollständig tragen will. Hier liegt das tieferliegende Problem in der Konkurrenz mit der Privatwirtschaft, die Arbeitskräfte mit höheren Löhnen und Gehältern zu sich zieht, zulasten des öffentlichen Sektors. Dieses Problem ist nur lösbar durch höhere Steuereinnahmen oder eine deutliche Verlagerung staatlicher Ausgaben zugunsten der öffentlichen Aufgaben. Nur so kann der öffentliche Arbeitgeber im Wettbewerb der Einkommen bestehen. Ansonsten wird der Mangel an Pflegekräften und anderen wichtigen Fachkräften des öffentlichen Sektors beklagenswert sein und bleiben.

Lars-Roderich Stintzing, Geschäftsführer IfT Institut für Talententwicklung

Selbstdenker bilden

Die Fachkräfte von morgen sind neugierige, selbstdenkende Menschen. Daher sollten wir alle – egal ob in der Familie, in der Schule, in Vereinen oder in unserem persönlichen Umfeld – Kinder und Jugendliche zum Selbstdenken motivieren, ihr Interesse für die Welt wecken, zum lebenslangen Lernen anhalten. Selbstdenker reifen heran in einer ausgeprägten Bildungskultur des Ausprobierens. Lernen und Fehler machen, Bildung und Ausprobieren – das sind zwei Seiten einer Medaille. Selbstdenker sind „notorische Abbrecher“, die Fehler, die ihnen unterlaufen, als eine Chance nach der anderen nutzen. Das erfahren bereits Kinder. Erfinder und Pioniere wissen davon täglich ein Lied zu singen. Die Gesellschaft tut gut daran, Orte der Freiheit verstärkt zu fördern, an denen (junge) Menschen sich selbstwirksam erleben und entwickeln können. Ein außerschulischer Lernort dieser Art sind die 85 vocatium-Fachmessen für Ausbildung und Studium. Jährlich 500.000 Jugendliche im Berufswahlalter sprechen wir auf den vorbereitenden vocatium-Besuch direkt an. Die Fachkräfte von morgen fühlen sich von Orten angezogen, die sie anstoßen und beflügeln. Orte, wo die Menschen lernen, sich Ziele zu setzen, die auch sozialverträglich sind. Wo sie Leistungen in hoher Qualität anstreben und Produkte in attraktivem Format. Orte, wo Menschen sozialen Respekt üben und ein Klima des sympathischen Umgangs pflegen. Eine vocatium-Fachmesse in Ihrer Nähe finden Sie auf: www.vocatium.de

Stephan Weil, Ministerpräsident Niedersachsen

Strategie entscheidet

Der Fachkräftemangel wird immer mehr zum Bremsklotz der Wirtschaft. Ich bin viel in Niedersachsen unterwegs und noch vor einigen Jahren klagten Handwerk und Industrie vor allem über Steuern und Bürokratie. Mittlerweile sind bei diesen Gesprächen die fehlenden Nachwuchskräfte das vordringlichste Problem. Niedersachsen hat bereits vor fünf Jahren mit zahlreichen Arbeitsmarktpartnern eine Fachkräfteinitiative gestartet. Mit vielen Beteiligten wird seitdem an Lösungen gearbeitet. Klar ist allerdings, es gibt nicht den einen Lösungsansatz, sondern es muss auf vielen unterschiedlichen Ebenen gehandelt werden. Die von mir geführte Landesregierung hat beispielsweise vor kurzem das Schulgeld für Gesundheitsberufe abgeschafft. Jetzt werden sich hoffentlich wieder mehr junge Leute etwa für eine physiotherapeutische Ausbildung entscheiden. Für Pflegekräfte benötigen wir einen guten Flächentarifvertrag, damit der Beruf wieder attraktiver wird. Mit Blick auf die zunehmende Digitalisierung brauchen wir eine kluge Aus- und Weiterbildung. Informatik sollte als Schulfach in ganz Deutschland eingeführt werden. Mit seiner Nationalen Weiterbildungsstrategie setzt der Bundesarbeitsminister bei der wichtigen Fortbildung von Arbeiternehmerinnen und Arbeitnehmern auf den richtigen Weg. Fest steht aber auch: Deutschland ist auf die Zuwanderung von Fachkräften angewiesen. Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz geht in die richtige Richtung, reicht aber nicht aus.

Gerd Eisenbeiß, Leser

Auf dem Holzweg

Deutschland hat sich mit seiner Disziplin und Kompetenz in eine unglückliche Situation manövriert, die zu einem Leistungsbilanzüberschuss von grob 300 Milliarden Euro pro Jahr geführt hat. Die Folge ist, dass viel zu viele Menschen in Deutschland für diesen Überschuss und nicht für die Bedürfnisse der eigenen Bevölkerung arbeiten. Man verdient mit diesem Überschuss ein Vermögen mit Schuldverschreibungen an Defizitländer, aber keinen Wohlstand für alle. Obendrein bestehen erhebliche Zweifel, ob die Schulden je bezahlt werden, ob also die verdienten Vermögen nicht Illusion sind. Besonders abstrus wird es, wenn man zur Aufrechterhaltung dieser hamsterartigen Ökonomie auch noch Fachkräfte aus nichteuropäischen Ländern importiert, gerade jene gut ausgebildeten jungen Menschen, die ihren eigenen Gesellschaften zur Verfügung stehen sollten. Fachkräfte wären in Deutschland und seinen EU-Partnern für alle genug da, wenn man die Leistungsbilanz herunterfahren, die Einkommensverhältnisse zugunsten inländischer Bedürfnisse wie der Pflege verbessern und die Ausbildung junger Menschen in Deutschland mehr auf eigene Bedarfsfelder als auf exportorientierte Berufe hinsteuern würde. Wie man die Leistungsbilanz normalisieren kann? Durch Verminderung der überhöhten Wettbewerbsfähigkeit, etwa durch kräftige Lohnerhöhungen oder – ökologisch besser – durch entsprechende Arbeitszeitverkürzungen.

Achim Dercks, Stellvertretender Hauptgeschäftsführer Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK)

Der Druck wächst

Der Fachkräftemangel ist für die Unternehmen in Deutschland das Geschäftsrisiko Nummer eins. Das sehen aktuell fast 60 Prozent der Unternehmen so, vor weniger als zehn Jahren waren es nur 16 Prozent. Der Blick auf die Demografie zeigt, dass die Fachkräftesicherung künftig Unternehmen und Politik stark bewegen wird. Denn die Zahl der Menschen im Erwerbsalter nimmt in den nächsten 15 Jahren um bis zu sechs Millionen ab – und das auch nur unter der Annahme weiterer Zuwanderung. Immer häufiger finden Unternehmen schon heute keine passenden Mitarbeiter mit einer Berufsausbildung. Deshalb ist es wichtig, die duale Ausbildung zu stärken – zum Beispiel durch eine praxisorientierte Berufsorientierung gerade an Gymnasien, die realistisch und fair die Verdienstmöglichkeiten und Karrierechancen in verschiedenen Berufen aufzeigt. Zudem muss es uns gelingen, die Menschen noch besser in Beschäftigung zu bringen. Dies gilt etwa für Eltern, die nach einer Kinderpause wieder einsteigen möchten – aus Sicht der Betriebe gerne auch mit längeren Arbeitszeiten. Der weitere Ausbau einer guten und flexiblen Kinderbetreuung ist daher unerlässlich. Auch die Zuwanderung ausländischer Fachkräfte kann den Unternehmen helfen, offene Stellen zu besetzen. Mit dem neuen Fachkräfteeinwanderungsgesetz will die Bundesregierung gerade für beruflich Qualifizierte den Zuzug erleichtern. Jetzt kommt es darauf an, diese Regelungen in der Praxis unbürokratisch umzusetzen.

Imke Lohmann, Leserin

Universelle Qualitäten

These: Heute verlieren viele Fachkräfte zu viel Zeit für Tätigkeiten, für die sie keine Fachkräfte sind. Während sie in der Konsequenz darüber nachdenken, wie sie sich vervielfältigen können, um die Aufgaben zu erledigen, geht es in kleinen Organisationen agil zu, weil weniger Menschen eher alles machen. Sie wissen sich zu helfen, weil sie es müssen. Sie schöpfen die Innovationsquellen und die Power des „Nicht-Wissens“ auf eine für sie logische Art und Weise aus. Viele Entrepreneure tun das Gleiche: Sie unternehmen und lassen sich helfen, weil sie sich zu helfen wissen. Ich bin überzeugt, dass wir Menschen mehr Zu-Mutungen benötigen, um in Kontakt mit Empowerment und Kreativität zu kommen. Entlarven wir unsere blinden Flecken als Fachidioten und verlassen wir die Sicherheiten unserer Vorstellungen, die vor neuen Wegen stehen. Überfordern wir uns und wachsen wir über uns hinaus. Die Fachlichkeit, die Perfektion und das „Made in Germany“ haben uns weit gebracht. Für die Zukunft ist das kein Erfolgsrezept mehr. Wichtig wird sein, einen Dialog darüber zu führen, ob die Produktivität zukünftig als Messlatte für die Entlohnung zählt oder die Fachlichkeit. Beerdigen wir unsere weitverbreitete Haltung, zu können, zu wissen und damit Ergebnisse zu kontrollieren. Nutzen wir die Wegbeschreibung, die uns zu Neugierde und Menschlichkeit rät, damit wir fragend finden, was uns guttut.

Friedrich Schönhoff, Leser

Der Gier geschuldet

Um vor allem in der Pflege die Frage zu beantworten, woher das Personal für morgen kommt, sollte man einen Blick in die Vergangenheit werfen. In den personell entspannten Zeiten der 1990er-Jahre haben viele tariflich gebundene Träger durch die Gründung eigener Zeitarbeitsfirmen die Personalkosten gesenkt. Später begann man, die Bereiche, die nicht das Kerngeschäft Pflege betrafen, etwa die Hauswirtschaft, outzusourcen. Da war die Gier nach Gewinnmaximierung größer als die Wertschätzung der eigenen Mitarbeiterschaft. Hinzukommt, dass seit vielen Jahren Führungskräfte in der Pflege fehlen. Woher sollen sie auch kommen. Niemand wird Altenpfleger, um in der Bereichsorganisation, Kundenpflege oder Personalführung tätig zu sein. Das aber sind heute Kernaufgaben der Wohnbereichsleitungen, die, gemessen am Mehraufwand, nicht genug geschult und erst recht nicht angemessen bezahlt werden.

Johanna Knüppel, Referentin Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK)

Pflege für Pflegende

Es gibt sie – junge Leute, die einen Pflegeberuf wählen. Mehr als 50.000 sind es derzeit, die eine Ausbildung in der Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpflege bzw. Altenpflege an deutschen Pflegeschulen antreten. Hinzukommt die steigende Zahl derer, die ein grundständiges Pflegestudium absolvieren. Wäre es in den vergangenen Jahren gelungen, sie erfolgreich durch ihre Ausbildung zu begleiten und zu motivieren und im Anschluss daran auch in den Beruf zu bringen, hätten wir keinen Pflegefachpersonalmangel. Wir könnten die bald ausscheidende Babyboomer-Generation ersetzen und hätten auch Kapazitäten, um den steigenden Bedarf an professioneller Pflege zu bedienen. Die Realität sieht anders aus. Tausende Stellen sind unbesetzt, die Lücke wird von Tag zu Tag größer. Viele mit großer Begeisterung und vielen Zukunftshoffnungen gestartete Auszubildende brechen vorzeitig ab, andere entscheiden sich später für eine andere Tätigkeit. Denn was sie in den Praxiseinsätzen erleben, weckt Zweifel, einen guten Beruf gewählt zu haben. Statt geplanter, begleiteter praktischer Ausbildung zügiges Funktionieren-Müssen nach kurzer Einweisung, Zeitdruck, Überstunden, Einspringen aus dem Frei, Überforderung – der Alltag der Lernenden ist ähnlich frustrierend wie der derjenigen, die sie anleiten sollen und dafür keine Zeit haben. Wer sich den eigenen Auszubildenden nicht glaubhaft als guter Arbeitgeber präsentiert, wird morgen keine Pflegefachkräfte mehr haben.

Nathalie von Siemens, Co-Sprecherin Nationales MINT Forum und geschäftsführende Vorständin der Siemens Stiftung

Wandel braucht MINT-Bildung

Wenn man sich ansieht, was gerade auf der Welt passiert, wird deutlich, dass MINT-Bildung eine Grundlage zur Gestaltung des 21. Jahrhunderts ist. Sie vermittelt die Kernkompetenz, um die technologischen Entwicklungen voranzutreiben, mit denen Hunger, Armut und Klimawandel wirksam bekämpft werden können. Deshalb hat der Fachkräftemangel nicht nur eine wirtschaftliche Dimension, sondern auch ökologische und soziale Relevanz für die Zukunft unserer Gesellschaft. Verstärkt wird diese Dynamik durch den Paradigmenwechsel der Digitalisierung. Durch ihn verändern sich die Grundlagen der Wertschöpfung, kulturelle Normen, die Grundlagen unseres Zusammenlebens und damit auch die Kompetenzen, die benötigt werden, um diese veränderte Welt mitzugestalten. Genau hier liegt die Jahrhundertaufgabe für unser Schulsystem. Es sind pädagogische Konzepte zu entwickeln, die der nächsten Generation nicht nur Wissen, sondern auch Lösungsorientierung, abweichendes Denken, Kreativität und soziale Kompetenzen vermitteln. Schule beginnt, sich in diese Richtung zu öffnen, aber sie wird den Wandel nicht alleine bewältigen können. Mit dem Digitalpakt und dem MINT-Aktionsplan sind Bund und Länder auf dem richtigen Weg. Das Nationale MINT Forum setzt sich dabei für eine enge Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Bildungsanbietern und der Wirtschaft entlang der gesamten Bildungskette ein – nur dann kann ein nachhaltiger Wandel gelingen.

Wolfgang Loggen, Leser

Die gesuchten Fachkräfte wohnen in unserer Nachbarschaft. Überall wächst aber gerade auch die Unsicherheit der jungen Leute, in welche Richtung sie sich beruflich orientieren sollen. Schulleitungen sehen zu oft in diesem Feld nicht ihre Aufgabe, die Politik versucht mit teils wenig effizienten Maßnahmen gegenzusteuern und die Arbeitsagenturen bleiben in der Berufsberatung oft wenig konkret. Vielen jungen Leuten fehlt bei ihrer Suche ein unvoreingenommenes Gespräch – unabhängig von Begabung, Aussehen, Herkunft und Lebenseinstellung. Ihnen mangelt es oft an Begegnungen mit Menschen, die der Überzeugung sind, dass jeder junge Mensch, auch unter dem Abiturniveau, etwas kann, das aus oft unerkannten Fähigkeiten resultiert. Dieses Bewusstsein in die eigenen Stärken und Interessen muss geschärft und das Vertrauen in sie gestärkt werden. Dabei sollten nicht die Interessen des Arbeitsmarktes entscheiden. Allein das Interesse für diesen oder jenen Beruf zählt. Wichtig bleibt: Früh mit der Informationssuche zu starten. Ein Praktikum in einem Bereich zu machen, der wirklich interessiert. Hören, was läuft in den umliegenden Hochschulen, Industrie- und Handwerkskammern, in den Betrieben oder im Öffentlichen Dienst.

Erich Meisdorf, Leser

Über den Tellerrand

Bürokratische Hürden und die verbreitete Furcht vor Migration erweisen sich als signifikante Hemmnisse für den Wirtschaftsstandort Deutschland, wenn es darum geht, qualifizierte Arbeitskräfte aus anderen Ländern anzuwerben. Auch andere Industrienationen haben mit dem Geburtenrückgang zu kämpfen und konkurrieren mit Deutschland um die besten Köpfe. In dieser Beziehung ist Deutschland ein Spätzünder, da es erst vor wenigen Jahren überhaupt anerkannt hat, ein Einwanderungsland zu sein. Wichtig wäre es vor allem, ausländische Studenten im Land zu halten. Viele genießen hier eine umfangreiche Ausbildung, die sie dann in für sie attraktiveren Ländern anwenden.

Mario Ohoven, Präsident Bundesverband mittelständische Wirtschaft, Unternehmerverband Deutschlands (BVMW)

Fragt den Mittelstand

Der Mittelstand bildet verlässlich acht von zehn Auszubildenden aus. Bei der rein praktischen Ausbildung in den Betrieben bleibt es selten. Um den Berufsabschluss zu erreichen, brauchen 60 Prozent der Azubis Nachhilfe in Deutsch und Mathematik – der Ausbilder wird zum Nachhilfelehrer. Hier ist die Politik gefordert: Schulische Bildung muss junge Menschen fit für das Berufsleben machen. Das erfordert klare Leistungskriterien in einem differenzierten Bildungssystem sowie transparente Notengebung. Zudem müssen die Schulen wirtschaftliches Wissen vermitteln und junge Menschen für das Unternehmertum begeistern. Solange junge Menschen, die sich für eine Lehre entscheiden, als Bildungsabsteiger angesehen werden, läuft generell etwas falsch. Deshalb muss endlich die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung verwirklicht werden. Wir brauchen mehr Meister und weniger Master. Klein- und Mittelbetriebe nahezu aller Branchen und Regionen leiden unter akutem Fachkräftemangel. Die mittlere Bildung könnte helfen: In Bundesländern mit einer starken Realschule ist der Fachkräftemangel weniger stark. Studienabbrecher sollten in die duale Ausbildung integriert werden. Derzeit beginnen zwei Drittel der Studienberechtigten eines Jahrgangs ein Hochschulstudium, 30 Prozent brechen es jedoch innerhalb der ersten beiden Semester wieder ab. Durch die Anrechnung bereits erworbene Lerninhalte ließe sich die Ausbildungszeit verkürzen.

Matthias Baum und Alexander Küsshauer, Lehrstuhl für Entrepreneurship, Technische Universität Kaiserslautern

Umworbene Spezies

Zahlreiche Unternehmen sehen sich, trotz erster konjunktureller Eintrübungen, vor der Herausforderung, offene Stellen zu besetzen. Vor allem Fachkräfte mit nichtakademischem Hintergrund werden gesucht wie schon lange nicht mehr. Eine Studie, die wir gemeinsam mit meinestadt.de 2017 durchgeführt haben, verdeutlicht, was Unternehmen machen können, um attraktiv für solche Fachkräfte zu sein. Etwa zwei Drittel der Befragten gaben an, sich einen sicheren, also unbefristeten Arbeitsplatz sowie eine pünktliche Gehaltszahlung zu wünschen. Diese Punkte werden häufig als selbstverständlich angesehen, sollten jedoch bei der Werbung um Fachkräfte nicht vernachlässigt werden. Weitere wichtige Punkte sind die gelebte Arbeitskultur und der erste persönliche Eindruck. Hier müssen Arbeitgeber besonders überzeugen. Weniger wichtig scheinen hingegen die Aufstiegschancen sowie die Höhe des Gehalts für die Zielgruppe der Fachkräfte zu sein. Weiterhin zeigt die Studie, dass Standardkommunikationskanäle wie ansprechende Karriere-Webseiten für Fachkräfte nicht notwendigerweise geeignet sind. Wesentlich wichtiger ist und bleibt der persönliche Eindruck im Vorstellungsgespräch sowie Berichte aus dem persönlichen Netzwerk. Durch ein zielgerichtetes Management dieser Kontaktpunkte, können Unternehmen ihre Arbeitgebermarke für Fachkräfte attraktiver machen.

Thomas Wiesner, Leser

Die meisten, die schon mal die Dienste eines Handwerkers benötigten, sind sich des Problems des Fachkräftemangels bewusst. Dies hängt auch damit zusammen, dass wir unseren Kindern suggerieren, dass sie ohne Studium beruflich nichts erreichen werden.

Lars Vollmer, Unternehmer, Autor, Honorarprofessor

Neuer Wettbewerb der Argumente

Der Fachkräftemangel ist ein modernes Narrativ, erzählt von Personaldienstleistern und denjenigen Unternehmen und Institutionen, die mit einer hochnäsigen Arbeitgeberattitüde und (nun inzwischen digitalisierten) Rekrutierungsmethodiken aus dem Industriezeitalter nach einer aufgeklärten wie selbstbewussten Generation angeln und Fachkräfte für Fische halten. Und keiner beißt an. Etwas weniger vorwurfsvoll ausgedrückt, klingt das so: Fachkräfte sind vorhanden. In großer Zahl, zumeist ambitioniert, motiviert, mobil, der Wirtschaft zugewandt und höchst anspruchsvoll. Nur laufen sie nicht mehr arbeitssuchend herum. Dass wir einen Wandel vom Arbeitgeber- zu einem Arbeitnehmermarkt erleben, darf uns angesichts einer Quasi-Vollbeschäftigung nicht wundern und sogar gesellschaftlich erfreuen. Das kann sich auch wieder ändern. Es gilt vielmehr, als moderner Arbeitgeber sinnhafte Argumente für Fachkräfte zu finden – und die liegen jenseits von Performance Reviews, stupiden Incentivierungen, anonymen Mitarbeiterbefragungen, Meeting-Kollaps und Eckbüro. So ist es keine Überraschung, dass längst nicht alle Unternehmen unter Fachkräftemangel leiden. Es scheint gallische Dörfer auch außerhalb von Ballungsräumen zu geben, die das Narrativ nicht kennen und die hohe Dynamik des Marktes förmlich lustvoll in Gebrauch nehmen.

Ralf Hocke, CEO spring Messe Management

Change your mind

Gut ausgebildete Fachkräfte sind in einem rohstoffarmen Land wie Deutschland der Motor unserer Wirtschaft. Die Generation der Babyboomer geht in den nächsten Jahren in Rente und es kommen nicht genügend Arbeitskräfte nach. Verschärft wird diese Situation durch die sich fundamental verändernden Qualifikationsanforderungen, die die (digitale) Transformation mit sich bringt. Angesichts dieser Entwicklungen sind die Arbeitgeber – und damit insbesondere die HR-Abteilungen – gefordert, die Talente von morgen zu finden, erfolgreich an das Unternehmen zu binden und weiterzuentwickeln. Umso mehr nehmen die Bedeutung von Employer Branding in Form einer klar definierten Arbeitgebermarke und Qualifizierung der Mitarbeiter zu. Ein Ansatz, um all dies zu vereinen, ist das Future-of-Work-Konzept: Es basiert auf den vier Säulen Spaces, Tools und Methods, Leadership, Culture und Mindset sowie Skills und Competences. Der Gleichklang aller Säulen ermöglicht es Unternehmen, ihre Arbeitswelt zukunftsgerecht aufzustellen und zugleich die (digitale) Transformation erfolgreich zu gestalten. Wie dieser Change Prozess gelingen kann, zeigt beispielsweise die Konferenz Digital Mind Change am 24. Oktober in der BMW Welt München – präsentiert von spring Messe Management, dem Veranstalter von Europas führenden Expos, Events und Conferences für die Welt der Arbeit. Erfahren Sie mehr auf: www.digitalmindchange.de

Ingrid J., Leserin

Schöpft die Möglichkeiten der Ü50 aus!

Ich kann dieses Gejammer über Fachkräftemangel nicht mehr hören. Es werden noch lange nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Wie sieht es denn aus mit den Fachkräften über 50 bzw. 55 Jahren? Wir haben noch 10-12 Jahre zu arbeiten, sind oft excellent ausgebildet, bekommen keine Kinder mehr (oder sie sind schon aus dem Haus), sind heutzutage flexibel, belastbar, lernwillig. Ich schreibe seit über einem halben Jahr Bewerbungen, bin hervorragend ausgebildet und vieles mehr - ich bekomme keine Chance mich überhaupt vorzustellen. Ich werde altersmäßig meist sofort aussortiert. Das gibt natürlich keiner zu, aber so ist es. Alle wollen junge Leute, die natürlich auch billiger sind als erfahrene Manager und wahrscheinlich auch bequemer, da formbarer. Und das enorme Know-How und Erfahrungspotential von Ü50 liegt brach und wird nicht genutzt.

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