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Welche Innovationen verändern die Landwirtschaft?

Glyphosat ist tot, es lebe Glyphosat! Trotz der hitzigen Diskussion um das krebsverdächtige Unkrautvernichtungsmittel will Hersteller Bayer an seinem Verkaufsschlager festhalten – es funktioniert einfach zu gut. Dabei passieren gerade eine Menge innovativer Dinge in der Landwirtschaft: Schreiben Sie uns, welche die Zukunft des Ackerbaus nachhaltig verändern werden.

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Tarik Özkök, Leser

Innovation ist auch in der Vergangenheit zu finden

Die Landwirtschaft leidet, an zuviel richtungsloser Optimierung. Denn Innovation wird heute oft mit beschränkten Blick in den Verheißungen der Technik gesucht. Auskömmliche kleinbäuerliche Landwirtschaft wird immer schwerer, wenn Technik nicht nur im Dienste der Lebensförderung steht, sondern in die Abhängigkeit der Industrie führt. Die Innovation, die Landwirtschaft weiter bringt, ist ein lebendiges Denken, das in der Lage ist, größere Zusammenänge bewußt zu machen und das Verhältnis von Mensch und Natur neu zu verstehen. Das intuitive Wissen der Naturreligionen und Mystiker ist den Menschen mit der Naturwissenschaft seit 300Jahren immer mehr verloren gegangen. Die Objektivierung der Naturwissenschaften geschah um den Preis, dass man, um der Exaktheit willen, nur noch tote Natur (seziert und analysiert) in den Blick nahm und das gestaltbildende Leben aus dem sie entsprang, nur noch als Funktion seiner Wirkungen kennt. Würde man sich auf Goethes phänomenologischen Ansatz in der Naturwissenschaft besinnen, wäre es möglich, ganzheitlicher zu denken. Der Mensch würde die Natur dann nicht mehr als technisch manipulierbares Ausbeutungsobjekt ansehen, sondern sich selbst als deren Kind, Partner und kreativen Weitergestalter verstehen. So wird es, meiner Ansicht nach, seit fast 100 Jahren in der Biologisch-Dynamischen Landwirtschaft erfolgreich versucht.

Dr. Otto Ulrich, Leser

"Mutter Erde" - ein neues Politkfeld

„Fridays for Future“ fordert einen grundlegenden kulturellen Wandel – nur, wenn dies ernst genommen wird, und es muss ernst genommen werden – was ist die neue Blickrichtung? Die eingefahrene vertraute Perspektive: Wachstumszwang, immer mehr Maschinen, also immer mehr Energieverbrauch, also immer mehr CO2 Emissionen wird wohl keine Zukunft haben dürfen. Genau gesehen geben die Klimaaktivistin längst auch die neue, es ist eine verlorende gegangene uralte Richtung vor, es ist eine Rückbindung an das Lebendige, an die Mutter unseres Leben, eben, an „Muttererde“, unserer Heimat – sie ist für uns nur noch ausbeutbares Materie, ein Ressourcenlager, längst ist sie krank. Aus Landbau wurde Agrarproduktion, aus Bodenschätzen werden Rohstoffe, wir haben verlernt, wir heute haben es nie lernen können, die Erde, unsere Mutter als lebendigen Organismus zu verstehen, zu schützen, ihm zurück zugegeben, was er uns gibt. Die Wüstenbildung von heute, Ergebnis unseres ehrfurchtlosen und lieblosen Umgangs mit unsere Mutter, darf nicht mehr mit weiterer, gar gesteigender Vergiftung - schon gar nicht wenn damit die Abkehr vom Hunger in der Welt begründet wird - fortgesetzt werden. Humusbildung ist dringlichst angesagt, einer biodynamischen Landwirtschaft, die einzige Chance unseren „blauen Planeten, seine Biosphäre zu heilen, zu gesundend, muss politisches Förderziel werden. Zentrales Kriterium dabei hat

Otto Ulrich, Leser

"Mutter Erde " - ein neues Politikfeld

\"Fridays for Future\" fordert auf, die Blickrichtung zu ändern - Rückbindung an die Lebensgesetze der Erde als Organismus. Gefordert ist Humusbildung anstatt Wüstenbildung. Biologisch-dynamische Präparate anstatt Glyphosat. Politik hat das Lebendige zu fördern, das Werdende und nicht das Gewordene heilt \"Mutter Erde\".

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Welche Technologien stehen vor dem Durchbruch?

Rasen wir bald mit Überschallgeschwindigkeit in einem Tunnel in 14 Minuten von Berlin nach Leipzig? Tauchen wir dank Quantencomputern in ein neues Computerzeitalter ein? Und wann erlöst uns die Kalte Fusion endlich von unseren Energiesorgen? Verraten Sie uns, welche Technologien schon bald keine Zukunftsmusik mehr sein werden.

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Manfred Fischedick, Vizepräsident Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt und Energie

Das E-Zeitalter beginnt

Aufgrund der erreichten technischen Fortschritte und der Entscheidung großer Automobilunternehmen, ihr Fahrzeugangebot in den nächsten Jahren weitgehend auf elektrische Antriebe umzustellen, bestehen heute kaum noch Zweifel, dass sich die Elektromobilität durchsetzen wird. Dies gilt vor allem für den Bereich der urbanen Mobilität, wo geringe Reichweiten ausreichen. Herausfordernd sind momentan noch der Ausbau der Ladeinfrastrukturen sowie die Verringerung der Beladungszeiten. Letzteres könnte sich aber schnell erledigen, sollte sich der Austausch von Batterien statt ihre Beladung an der Strom-Zapfsäule durchsetzen. Auf der anderen Seite muss der Energie- und Materialbedarf bei der Batterieherstellung verringert sowie geeignete Recyclingstrukturen aufgebaut werden, um die Voraussetzungen für die massiv zunehmende Zahl von Elektrofahrzeugen zu schaffen. Wenn zeitgleich der Anteil erneuerbarer Energien im Strommix steigt, können die ökologischen Potenziale der Elektromobilität voll ausgespielt werden. Bislang weniger im Fokus stehen indirekte Anwendungen, zum Beispiel die Elektrifizierung der Autobahnen und der damit gekoppelte Einsatz von Oberleitungs-Lkws. Jenseits der Elektromobilität wird es aber auch Anwendungsbereiche für Wasserstofffahrzeuge mit Brennstoffzellen geben. Mit diesen lassen sich hohe Reichweiten erzielen und zudem Bereiche erschließen, in denen Elektromobilität an ihre Grenzen kommt – wie im Schiffsverkehr.

Kurt Sigl, Präsident Bundesverband eMobilität (BEM)

Die mobile Wende ist da

Durchbruch heißt bei uns in der Elektromobilität nicht Marktreife eines Produktes für übermorgen, sondern brechende Dämme auf Seiten der Kundennachfrage heute. So einen Durchbruch erleben wir dieser Tage bei der Umrüstung von Flotten und Fuhrparks auf Batterie-elektrische Lösungen. Vor allem mittelständische Unternehmen und zahlreiche Kommunen in Deutschland haben damit begonnen, die Zukunft in ihren Alltag zu holen. Objekt der Begierde sind sogenannte E-Kits, mit denen sich Nutzfahrzeuge umrüsten lassen. Retrofitting heißt das Verfahren. Die Umrüstung ist in Kommunen auch deshalb ein großes Thema, weil sie teuren Spezialfahrzeugen bei Stadtreinigungen, Abfallbetrieben, Polizei und Feuerwehr ein emissionsfreies zweites Leben bescheren. Lärm- und abgasfrei, robust und wartungsarm sind die Fahrzeuge im Stop-and-go-Verkehr in Innenstädten und Ballungsräumen besonders wirtschaftlich. Während Pkw im Schnitt gerade einmal 30 Minuten am Tag bewegt werden, sind Transporter den ganzen Tag auf Achse. Auf diese Weise lassen sich die Vorteile des Elektroantriebs für Mensch und Umwelt, aber auch die besondere Wirtschaftlichkeit schneller und nachhaltiger verwirklichen. Besonders vorbildlich sind die Unternehmen, die einen Teil der Aufladeenergie auch noch durch werkseigenen Solarstrom produzieren. So wird E-Mobilität mit erneuerbarer Energie hergestellt – alltagspraktisch und ressourcenschonend. Ein Durchbruch auf breiter Strecke.

Carsten Maschmeyer, Investor

Die Kraft des Algorithmus

Künstliche Intelligenz (KI) ist die Top-Technologie der Zukunft. Sie wird in Unternehmen zu großen Veränderungen führen und unseren Alltag erleichtern. Darauf können wir uns freuen, denn KI ist schon vielfach erprobt und hat bewiesen: sie funktioniert. Ob als Sprachassistenten, als virtuelle Hilfe bei der Online-Reisebuchung oder bei der automatischen Schichteinteilung von Mitarbeitern. Aber das ist erst der Anfang, es kommt noch viel mehr. Dafür drei Beispiele. 1. Mobilität: Wenn KI im Verkehr die Vernetzung und Steuerung übernimmt und selbstfahrende Autos im Einsatz sind, werden bis zu 90 Prozent der Fahrzeuge in Großstädten überflüssig. Das spart Kosten und Emissionen und reduziert Unfälle. 2. Datenverarbeitung: Ob Vertragskündigungen, Fragen oder Adressänderungen: Briefe müssen bisher manuell ausgewertet werden. KI wird die Dokumentenverarbeitung revolutionieren, denn sie erledigt diese bisher eintönige Arbeit verlässlicher und schneller. 3. Medizin: KI unterstützt schon jetzt Ärzte bei der Analyse von Bildaufnahmen, etwa bei der Diagnose von Brustkrebs. Die Ergebnisse sind genauer und sparen Zeit. Denn während bisher mehrere Ärzte jedes Bild beurteilen müssen, immer noch mit hohen Fehlerquoten, identifiziert KI präziser die Problemfälle. Es wird nicht mehr lange dauern, bis KI in vielen weiteren Gesundheitsfeldern den Ärzten bei der Diagnose hilft. Also: Freuen wir uns darauf, wie die KI unseren Alltag verbessern kann.

Harald Lubasch, Leser

Was lange Zeit nur Theorien waren, treffen nun auf Technologien, die sie verwirklichen – Datenmengen, die in Quantencomputern ausgewertet den nächsten Quantensprung ermöglichen.

Ralf Widtmann, KI-Entwickler und Unternehmer

Die nächste Stufe

Was wir unter dem Begriff Künstliche Intelligenz (KI) zusammenfassen, ist ein in den 1950ern geborenes Forschungsfeld, eine mittlerweile milliardenschwere Industrie mit mannigfaltigen Ausprägungen und Anwendungsgebieten, das Spielfeld eines interkontinentalen Technologiewettlaufs und Gegenstand polemischer Diskussionen. Letzteres gerade deswegen, weil oft der Anspruch und die Erwartungen missverstanden werden. Die utopische generelle KI, die selbstständig alles lernt, ist entweder weit entfernt oder prinzipiell unmöglich. Tatsächliche KI-Anwendungen und -Methodiken sind dagegen hochfragmentiert und lösen jeweils ein spezialisiertes Teilproblem. Zum Beispiel das Verarbeiten von geschriebener Sprache oder das Erkennen von Bildinhalten. Es gibt aktuell laufend Durchbrüche im Bereich der Sprachverarbeitung. Dazu gehören etwa Systeme, die beim Beantworten offener Fragen in bestimmten Situationen besser sind als Menschen. Kurz vor dem Durchbruch zu stehen scheint ein methodischer Ansatz: die Kombination von symbolischer KI, also klassischen Algorithmen, und Connectionist KI, also zum Beispiel neuronalen Netzwerken. Die Methode ist vielversprechend für Probleme mit vielen unterschiedlichen Teilaufgaben, sich stark ändernden Umfeldern und wenigen Trainingsdaten. Diese Probleme sind so vielfältig wie die Entscheidungsfindung in neuen Situationen, die Orientierung von Robotern in Haushalten oder die persönliche Finanzberatung sein.

Claudia Kessler, Initiatorin Stiftung Erste deutsche Astronautin

Grenzen verschieben

Die Weltraumforschung sollte es sich in den nächsten Jahren zum Ziel setzen, regelmäßiger und kostensparender Astronauten ins All zu befördern. Aus meiner Sicht haben Weltraumreisen an sich eine große Bedeutung für die Menschheit. Je mehr Menschen die Erde aus der Perspektive des Kosmos sehen und davon berichten, desto rapider wächst das Bewusstsein für die Verletzlichkeit unseres Planeten. Die Sinnlosigkeit von Krieg und Umweltzerstörung erlangen aus der Perspektive des Weltalls ein dramatisches Bewusstsein. Ein weiteres Ziel sollten erneute Flüge auf den Mond sein, die die Nasa bereits mit der ersten Astronautin überhaupt auf dem Erdtrabanten durchführen will. Deutschland und Europa müssen im Allgemeinen darauf achten, in der Weltraumforschung nicht den Anschluss an die USA und andere aufstrebende Weltraumnationen zu verlieren. Es muss mehr Geld investiert und auf die Gleichberechtigung im Weltraumwesen hingearbeitet werden. Eine mögliche Kolonialisierung anderer Planeten wird nur mit Frauen möglich sein. Ich hoffe nicht, dass die Menschheit gezwungen sein wird, den Planeten zu verlassen. Dennoch werden wir eines Tages andere Planeten beheimaten, da der Mensch neugierig ist und einen ausgeprägten Expansionsdrang besitzt. Astronauten benötigen einen technischen Hintergrund. Bestenfalls sind sie Wissenschaftler oder Ingenieure. Sie oder er müssen bereit sein, neue Wege zu gehen und mutige Entscheidungen zu treffen.

Franjo Buchheim, Leser

Welt retten

Ein wirklicher Durchbruch wären für mich Innovationen, die unser größtes Problem lösen: die Klimakrise. Wir brauchen zum Beispiel Technologien, die uns dabei helfen, all das CO2 wieder einzufangen, das für den Treibhauseffekt sorgt. Daher steht für mich die permanente Speicherung von Klimagasen ganz oben auf der Prioritätenliste.Technologien, wie man Kohlendioxid binden oder in seine nutzbaren Bestandteile zerlegen kann, finde ich daher besonders vielversprechend. In rund 30 Jahren könnte etwa die Einspeisung von CO2 in Gesteine Alltag werden. Bis es aber soweit ist, scheint mir die radikale Reduzierung des CO2-Ausstoßes die wichigste Innovation zu sein.

Sebastian Hallensleben, Portfoliomanager Digitale Technologien und KI, Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE)

Digitales Vertrauen

Mit leistungsfähiger Künstlicher Intelligenz ist es heute möglich, digitale Inhalte nach Belieben zu fälschen. Deepfakes, OpenAI und Lyrebird sind nur einige der Werkzeuge, die jedermann zur Verfügung stehen. Wie reagieren wir, wenn Dichtung und Wahrheit im digitalen Raum immer näher beieinander liegen, wenn automatisch beliebige Produktreviews generiert werden können, wenn sich Reputationen mit emotionsheischenden Fälschungen zerstören lassen und wenn der politische Diskurs von überzeugenden Bots vergiftet wird? Wie können wir unsere Wirtschaft und Gesellschaft trotzdem voranbringen, anstatt uns mit kollektivem Zynismus abzuwenden? Die gute Nachricht: Wir verfügen längst über die technologischen Grundlagen, um echtes „digitales Vertrauen“ zu schaffen. Dabei geht es nicht primär um Vertrauen in die digitalen Inhalte selbst, sondern um deren Quellen – und zwar ohne einen aus guten Gründen unpopulären Klarnamenzwang. Wir werden in den kommenden Jahren einen Durchbruch von Vertrauensnetzen und -infrastrukturen sehen, die uns Halt und Orientierung geben. Dabei ist Vertrauen keine absolute Größe. Vertrauen in einen anderen Menschen im digitalen Raum ist immer individuell und subjektiv. Eigentlich ist das wie früher auf dem Dorf, wo sich Menschen auf analogem Weg allmählich ein Bild davon gemacht haben, wem sie wie sehr vertrauen und glauben möchten – jetzt aber digital und für das „Global Village“.

Martin Rambick, Leser

Vom Schach zum Krebs

Nachdem Garri Kasparov Mitte der 1990er von Deep Blue geschlagen und der Begriff Künstliche Intelligenz (KI) global bekannt wurde, blieb es lange Zeit ruhig um diese Technologie. Den nächsten großen Auftritt hatte sie erst vor einigen Jahren, als uns das noch viel komplexere Spiel Go bekannt gemacht wurde und es hieß, die KI hätte nun die Oberhand gewonnen. Mittlerweile sind die Anwendungsbeispiele bedeutend vielfältiger. Da uns nun auch die technologische Infrastruktur zur Verfügung steht, KI weiterzuentwickeln, sollten wir gespannt sein, was in den nächsten Jahren hier auf uns zukommen wird. Meine Hoffnung sind Entwickler, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind und verstehen, mit welchem Feuer sie hier spielen.

Frank Thelen, Investor

Die Welle rollt

Historisch betrachtet standen noch nie so viele und entscheidende Technologien vor dem Durchbruch: Künstliche Intelligenz, das Mobilfunknetz 5G, Blockchain, 3D-Druck, Roboter, die Genschere CRISPR, Quantencomputer. Durch diese Technologien werden Innovationssprünge möglich, die heute für viele noch schwer vorstellbar sind. Künstliche Intelligenz, Sensoren, Big Data und neue Chips ermöglichen schon sehr bald autonomes Fahren, den nächsten Durchbruch in der Mobilität nach der Entwicklung von der Kutsche zum Auto. Dank 3D-Druck-Technologie wird die Produktion von Möbeln, aber auch von ganzen Häusern um ein Vielfaches günstiger und on demand verfügbar. Drohnen und Roboter werden eine große Rolle in der Logistik spielen – vor allem für den Transport auf der sogenannten letzten Meile. Allen Technologien voran wird die Künstliche Intelligenz einen Einfluss auf beinahe jeden Industriezweig haben. Es ist noch nicht abzusehen, wann hier der Durchbruch erreicht ist und wir an Sprachassistenten wie Alexa oder Siri nicht mehr verzweifeln. Fakt ist aber, dass die Entwicklung dieser Technologie ab einem bestimmten Punkt exponentiell verläuft und ab da quasi nicht mehr zu bremsen ist. Das mag aktuell noch schwer zu begreifen sein, aber dieser Durchbruch wird kommen und viele Chancen und Möglichkeiten mit sich bringen, uns aber auch vor einige gesellschaftliche Herausforderungen stellen.

Heinrich Möllersleben, Leser

Doppelbödig

„Der Mensch erfand die Atombombe, doch keine Maus der Welt würde eine Mausefalle konstruieren“, mahnte schon Albert Einstein, der als ehemaliger Patentamtsangestellter sicher kein Technologiefeind gewesen ist. Doch auch als Freund des technologischen Fortschrittes sollte man bedenken, dass dieser von ethischen Werten flankiert werden sollte, um dystopischen Zukunftsszenarien à la Terminator präventiv zu begegnen. Die Neugierde und der Wissensdrang der Menschheit sind schwer zu limitieren. Dennoch müssen moralische Grenzen gesetzt werden – nicht nur, um Katastrophen zu verhindern, wie sie Einstein im Fall der Atomtechnologie andeutet, sondern auch, um sich das Menschsein per se zu bewahren.

Jens-Uwe Meyer, Autor und Keynote Speaker

Anwender gesucht

Der Treiber von Innovation wird in den kommenden Jahren nicht eine einzelne Technologie sein. Es ist die nutzenstiftende Kombination von Technologien. Ob Künstliche Intelligenz, Blockchain oder 5G: Innovation ist zwar technologiegetrieben, aber trotzdem steht die Technologie dabei nicht im Mittelpunkt. Innovation wird heute vielmehr darin bestehen, neue Kundenbedürfnisse zu entdecken und innovative Anwendungsfälle zu schaffen. Diese Anwendungsfälle nutzen zwar neue Technologien, aber der wesentliche Treiber ist die Schaffung eines neuen Kundennutzens. Entsprechend werden die Unternehmen zu digitalen Gewinnern, die es verstehen, die neuen Technologien gezielt zu bündeln und anzuwenden. Nehmen wir als Beispiel 5G: Die Technologie kann beispielsweise in der Baubranche perfekt dazu genutzt werden, um dem Fachkräftemangel zu begegnen – wenn beispielsweise Kranführer Geräte aus mehreren hundert Kilometern Entfernung steuern können. Die technologische Grundlage ist die geringe sogenannte Latenzzeit – also die Tatsache, dass die Steuerung fast in Echtzeit erfolgt. Die eigentliche Innovation besteht aber im Aufbau des Geschäftsmodells „Kranführer Remote Service“. Die Innovation hört also nicht bei der Lösung einer technischen Fragestellung auf. Häufig sind damit Umstrukturierungen von Unternehmen verbunden. Der technologischen Innovation folgt die Nutzeninnovation und dann die Innovation in den Strukturen von Unternehmen.

Moritz Dressel, Kurator Technik-Museen Sinsheim und Speyer

Zurück in die Zukunft

Die Entwicklung des ersten Automobils ist nun 133 Jahre her, die des antreibenden Aggregats geht sogar bis auf das Jahr 1670 zurück. Von verschiedensten Antriebsarten haben wir geglaubt, sie seien die Zukunft. Doch die meisten Ideen wurden wieder verworfen. Schauen wir auf die Geschichte der Automobilentwicklung, dann finden wir schon in den frühen Jahren den Einsatz von Elektromotoren. Ein Beispiel dafür ist der in Sinsheim ausgestellte Columbia von 1904. Doch war damals schon die Reichweite der Batterie zu gering. Um diese zu erhöhen, setzte man seine Hoffnung in den Hybridantrieb. Was man damals schon in der Automobilindustrie für eine gute Idee hielt, sehe ich auch heute noch als die Zukunft der automobilen Fortbewegung an. Denn die Erzeugung des Stroms für den Elektroantrieb direkt im Fahrzeug erspart viel Gewicht für Batterien und sorgt für hohe Reichweiten sowie schnelleres Aufladen. Um ein möglichst breites Spektrum an Kraftstoffen verwenden zu können, bietet sich hier die Brennstoffzelle an. Diese kann sowohl mit Wasserstoff als auch mit anderen Brennstoffen, wie zum Beispiel Erdgas oder Methanol, betrieben werden. Ich denke, dass keine einzelne Technologie vor dem Durchbruch steht, sondern dass die Zukunft der automobilen Fortbewegung in der Verbindung der einzelnen Technologien liegt.

Maja Schmitz, Leserin

Human first

An beeindruckenden Technologien mangelt es derzeit wohl kaum. Ich würde mir wünschen, dass der Durchbruch kommender Technologien vor allem daran gekoppelt wird, wie diese in der Praxis funktionieren. Aktuell gibt es schon genug unausgereifte Prototypen, mit denen wir in den letzten Jahren beworfen wurden. Es muss doch möglich sein, Fortschritt und Achtsamkeit zu gewährleisten.

Andreas Bett, Leiter Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) Freiburg

Solarstrom wird Alltag

Die Photovoltaik ist heute die kostengünstigste Stromquelle überhaupt. Nicht nur in sonnigeren Regionen der Welt, auch hier in Deutschland kann man heute für weniger als fünf Cent pro Kilowattstunde Solarstrom erzeugen. In den letzten 15 Jahren konnten dank Marktanreizprogrammen und Massenproduktion die Kosten für Solarmodule um 90 Prozent gesenkt werden. Um die Energiewende in allen Sektoren mit bis zu 100 Prozent CO2-Freiheit zu realisieren, müssen wir in Deutschland mehr als zehnmal so viel Photovoltaik installieren, als wir heute haben. Das ist auch ohne Probleme machbar. Wir werden dabei allerdings nicht nur beim Ausbau auf Dächern und Freiflächen stehen bleiben. Solarmodule werden auch jetzt schon und künftig noch mehr in unsere bereits bebaute Umwelt integriert werden: in Fassaden von Gebäuden, als Panoramadächer in Autos, als schwimmende Einheiten auf nicht anderweitig genutzten Gewässern oder als Agrophotovoltaik, die mit aufgeständerten Modulen auf Agrarflächen eine doppelte Landnutzung erlaubt. Es ist ein riesiger Markt im Entstehen, für den die Technologie immer noch hier in Europa entwickelt und vorangetrieben wird. Die produzierenden Firmen aber sitzen derzeit in Asien. Es bedarf industriepolitischer Entscheidungen – konkret einer Wiederansiedlung der Produktion in Europa – um uns nicht für alle Zukunft bei unserer Energieversorgung ähnlich abhängig zu machen wie heute von Öl und Gas.

Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB)

Zurück zum Wesentlichen

Im Bau- und Immobiliensektor ist Nachhaltigkeit das Gebot der Stunde. Dabei geht es um mehr als Energieeffizienz, nämlich um Qualität. Es geht um die Umwelt, eine langfristige Wirtschaftlichkeit und nicht zuletzt die Menschen, die die Gebäude nutzen. Verschiedenste Technologien können helfen, den nachhaltigen Weg möglich zu machen. Dabei entsteht Innovation oft mit der individuellen Bauaufgabe, denn praktisch jedes Gebäude ist ein Unikat. Trotzdem muss nicht jedes Mal das Rad neu erfunden werden. Es geht darum, für die jeweilige Bauaufgabe die intelligenteste, nachhaltigste Lösung zu finden, anstatt sich gleich in die Suche nach der neuesten technologischen Finesse zu stürzen. Denn nicht alles, was smart ist, macht auch Sinn. Vieles ist Spielerei, wartungsintensiv und beim Einbau im Grunde schon veraltet. Vielmehr beschäftigen sich die wirklich spannenden Innovationen im Bauen beispielsweise mit den Ideen einer Circular Economy. Unsere Ressourcen sind endlich. Deshalb muss lineares Wirtschaften in zirkuläre Geschäftsmodelle überführt werden. Erste Lösungen gibt es, viele weitere werden folgen müssen. Genauso wichtig sind Architekten und Planer, die verstehen, Gebäude so zu konzipieren, dass ihnen der Weg in die Klimaneutralität gelingt – zum Beispiel über Lowtech-Ansätze. Und es gibt genug Beispiele, die zeigen, dass dies ohne Abstriche im Wohlempfinden der Nutzer möglich ist.

Dr. Andreas Kronenberg, Leser

Renaissance "alter" Ideen

Können wir in der Zukunft wirklich sensationell Neues erwarten, wo MINT Fächer kaum noch jemanden interessieren und wir das Denken den Computern überlassen? Wer hinterfragt denn noch Dinge oder überlegt gar wie man etwas besser machen könnte? Die Klimadiskussion zeigt wie wir uns in diffusen Ängsten verlieren. Die Klimadiskussion, der ich persönlich sehr skeptisch gegenüberstehe, wird – meiner Meinung nach – aber bewirken, dass wir wieder zur Technik zurückfinden. Und daher glaube ich fest, dass wir eine Renaissance von Ideen wie Überschall-Flugzeugen, Transrapid, Kerntechnik u.v.m. erleben werden. Auch wenn ich den Verbrennungsmotor nicht als das Übel aller Dinge sehe und seine Öko/live cycle – Bilanz sogar sachlich falsch in den Medien dargestellt sehe, wird es eine Verknappung von Öl geben, weshalb ich daran glaube, dass wir die Kernenergie nicht nur als Energiequelle wiederentdecken, sondern sogar als Antriebssystem. Nuklear angetriebene Autos, Züge, Flugzeuge sind Ideen der 60’er Jahre, aber erst jetzt haben wir die Materialien und die Erfahrungen um es universell sicher zu machen. Das Atomschiff „Otto Hahn“ gab es ja sogar in Deutschland für einige Jahre. Ich glaube auch daran, dass wir uns vom elektrischen Strom verabschieden müssen, weil die Leitungsverluste einfach zu groß sind. Wir werden Licht aus Plasmareaktoren übertragen und erst beim Verbraucher das Licht in andere Energieformen umwandeln.

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Wie lebt man mit Diabetes?

Wenn Zuckerkranke Zucker essen dürften, wären sie wohl kaum zuckerkrank. Richtig? Falsch, nur auf die richtige Menge kommt es an. Dafür, dass fast zehn Prozent aller Deutschen an der Stoffwechselerkrankung leiden, weiß die Allgemeinheit erstaunlich wenig darüber. Helfen Sie, daran etwas zu ändern, und schreiben Sie uns über Ihr Leben als Diabetiker – oder einfach, weil Sie sich auskennen.

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