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Wie wird man sein eigener Chef?

Rund vier Millionen Deutsche verdienen ihre Brötchen auf eigene Faust. Das Arbeiten ohne betriebliches Sicherheitsnetz ist nicht für jeden etwas – aber wer sich einmal in der Selbstständigkeit eingerichtet hat, genießt eine Freiheit, von der die meisten Angestellten nur träumen können. Schreiben Sie uns, was es alles für diesen Schritt in die Eigenverantwortung braucht.

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Gunter Haake, Leser

Selbstständigkeit braucht Solidarität in der Arbeitswelt

Dem Ideal, der fremdbestimmten Tätigkeit in einer hierarchischen Arbeitswelt zu entfliehen, kommt kaum etwas näher, als die unternehmerische Selbstständigkeit. Die allerdings ist nicht allein durch einen rechtlichen Status gegeben. Die gesuchte selbstständige Programmiererin trifft auf ein deutlich anderes Umfeld (und andere Optionen der freien Entfaltung) als der Kurierfahrer. – Dass ein Drittel der Solo-Selbstständigen es ist, weil die Perspektive auf eine andere Tätigkeiten fehlt, muss sie nicht unglücklich machen, es spricht aber gegen die undifferenzierte Idealisierung der Erwerbsform. Wer nur vom Status her denkt, verliert das eigentliche Ziel, die Autonomie in der Arbeitswelt, leicht aus dem Blick. Damit die Erwerbsform Selbstständigkeit ihre zweifellos großen Potenziale auf Selbstbestimmung realisieren kann, braucht es »Gute Arbeit« und gleichwertige Bedingungen und Einkommen in allen Erwerbsformen eines Berufs sowie leichte Übergänge zwischen abhängiger und selbstständiger Tätigkeit. Bei all dem hilft ein Umfeld des Verständnisses für andere Lebens- und Erwerbslagen und ein Zusammenhalt aller Erwerbstätigen. Eine solidarische Gesellschaft auch in der Arbeitswelt. – Vielleicht ist deshalb ausgerechnet eine Gewerkschaft, die ver.di, heute die größte Mitgliederorganisation für Solo-Selbstständige, in der gegenseitige Hilfe, Beratung und Vernetzung selbstverständlich sind?

Elisabeth Voß, Leserin

Gemeinsam Gründen

Menschen sind verschieden, haben unterschiedliche Wünsche, Vorlieben und Möglichkeiten. Viele brauchen die Sicherheit einer Festanstellung; manche machen sich selbstständig, weil sie das bevorzugen, andere aus Not, weil sie keine feste Stelle finden. Viel zu wenige wissen, dass es eine weitere Möglichkeit gibt, nämlich sich gemeinschaftlich selbstständig zu machen. Grundlegend ist dabei der Genossenschaftsgedanke der gemeinschaftlichen wirtschaftlichen Selbsthilfe und der Solidarität. So bieten beispielsweise IT-Fachleute ihre Leistungen in einer genossenschaftlichen Agentur gemeinsam an und arbeiten in größeren Projekten zusammen. In Handwerksgenossenschaften stellen sich die Mitglieder im eigenen Betrieb an oder führen als weiterhin Selbstständige ihre Aufträge unter dem Dach einer gemeinsamen Organisation aus. Freiberuflich Tätige im Kreativbereich mieten sich gemeinsam eine Etage, arbeiten mal für sich, mal projektweise zusammen und lassen sich voneinander inspirieren. Vieles lässt sich gemeinsam besser als allein organisieren, von punktueller Zusammenarbeit bis zum Kollektivbetrieb gibt es viele Möglichkeiten. Für diese „Kooperation statt Konkurrenz“ kann die Genossenschaft ein geeigneter Rahmen sein, jedoch lassen sich auch andere Rechtsformen genossenschaftlich ausgestalten. Entscheidend für das Gelingen sind die Beteiligten, ihr Miteinander, und dass sie auch in schwierigen Zeiten solidarisch zusammenhalten.

Wolfgang Oesterle-Imbery, Bildungsarbeiter

Am Strand von Mallorca mit dem Laptop arbeiten und Geld verdienen – soll es geben. Auch die „Gründer“-Idee der Ministerin Hoffmeisster-Kraut hat viel Charme. Aber so wenig jede Angestellte Cheffin werden wird, so wenig wird jede Selbstständige die Nische finden in der sie „unabhängig“ in einem marktwirtschaftlichen Geflecht agieren kann. Selbstständige arbeiten für Auftraggeber – und haben hier den Chef, der mitunter die Bedingungen diktiert. Es sind Wenige die in Branchen arbeiten, in denen sich ein kalkulatorischer Preis ohne Weiteres durchsetzen lässt. Der aufschäumende Markt der noch völlig „frei“ regulierten Arbeit bei Internetplattformen, die lediglich eine „App“ als Firmenkapital einbringen, wird den Anteil der abhänig beschäftigten Selbstständigen weiter anwachsen lassen. Ich möchte meine Selbstständigkeit nicht missen, wie viele meiner Kolleginnen. Dennoch, selbstständige Arbeit ist eben auch nur Erwerbsarbeit. Die oft scheinbare Unabhängigkeit hat ihren Preis und dieser Preis ist höher als in abhänngiger Beschäftigung. An den Errungenschaften des Sozialstaats teilhaben zu wolllen sollte auch für Selbstständige eine Selbst-Verständlichkeit sein. Altersarmut ist auch für Selbstständige keine Perspektive. Selbstständige in die bestehenden Sicherungssysteme einzubeziehen sollte ein solidarisches Ziel einer solidarischen Gesellschaft sein. Um dann ihren Job selbst und ständig zu gestalten.

Gundula Lasch, Leserin

Selbstdisziplin und Kooperationsfähigkeit

Selbstdisziplin ist ebenso wichtig wie die Fähigkeit, mit anderen (auch potentiellen »Konkurrent*innen«) zu kooperieren. Denn als Solo-Selbstständige*r ist es erfolgversprechender, die Ellenbogen einzufahren, anstatt mit harten Manschetten gegen die Konkurrenz anzukämpfen. So kann es u.U. gelingen, gemeinsam z.B. einen regionalen Markt zu beherrschen. Auch wenn es Kapitalismus-Fetischisten nicht wahr haben wollen: Gemeinsam sind auch Solo-Selbstständige stärker, als jede*r Einzelne für sich. Das haben über 30.000 von ihnen verstanden und organisieren sich in ver.di.

Franziska von Hardenberg, Gründerin und Geschäftsführerin Bloomy Days

Zwei-Klassen-Wirtschaft

Zuerst einmal sollte man sich die Frage stellen, ob man das überhaupt möchte. In meinen Augen gibt es vier Eigenschaften, die man mitbringen muss, um ein eigenes Unternehmen zu grünen: Mut, Leidenschaft, Disziplin und Durchhaltevermögen. Wenn man auf diese Herausforderungen Lust hat, dann sollte man noch die passende Idee haben und dann legt man einfach los. Eigentlich relativ einfach: kündigen, gründen, machen. Aber ganz so einfach scheint es dann wohl doch nicht. Sonst hätten wir insbesondere mehr Frauen, die Unternehmen gründen. Warum das nicht passiert? Vielleicht weil das Elterngeld nur Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unterstützt und das Gesetz, welches den Mutterschutz regelt, aus den 1960ern ist. Selbstständige haben übrigens gar kein Anrecht auf Mutterschutz. Wahnsinn! Wenn wir also etwas daran ändern und wieder mehr Unternehmertum in diesem Land sehen wollen, dann müssen wir zuallererst die richtigen Rahmenbedingungen schaffen. Im Grunde lässt sich nämlich ein eigenes Unternehmen sehr gut mit der Familie vereinbaren. Aber so viele Frauen haben Angst zu springen, weil sie einfach überhaupt nicht abgesichert sind. Hallo Politik, wir haben 2019: Lasst uns reden!

Kai Enders, Präsident Deutscher Franchiseverband

Auf erprobten Wegen

Franchising rückt mehr und mehr in den Fokus von jungen Existenzgründern. Innovative Konzepte gibt es in allen Branchen, das einheitliche Markendach bietet dabei zahlreiche Vorteile. Das ist keine Neuigkeit, schließlich ist diese Form der Unternehmenskooperation bereits seit vielen Jahrzehnten ein wichtiger Erfolgsfaktor innerhalb der deutschen Wirtschaft: Ein Unternehmer, der sogenannte Systemgeber, bietet seine Geschäftsidee Franchisenehmern gegen Gebühr zur Vervielfältigung an. Neu sind aber die innovativen Branchen, die dieses Geschäftsmodell mehr und mehr für sich entdecken und die Franchisewirtschaft zu einem dynamischen und reizvollen Umfeld machen. Auch was die Ausrichtung anbelangt: Neben den Kernbranchen Gastronomie, Dienstleistung, Handel und Handwerk gewinnen Social-Franchising und die Startup-Szene zunehmend an Bedeutung. Doch ganz gleich, ob in etablierter oder frischer Form: Als ein auf Partnerschaft basierendes, kooperierendes Geschäftsmodell bietet Franchising Gründern eine enorme Erfolgsperspektive. Als vollwertiger Partner eines Franchisesystems selbstständig zu sein, hat den Vorteil, sich an eine bestehende Geschäftsidee anzukoppeln und den bereits erprobten Weg weiterzugehen und mitzuprägen. In Form einer kooperativen Partnerschaft auf Augenhöhe ermöglicht Franchising dabei Unternehmertum und Selbstständigkeit mit einem Maximum an Sicherheit.

Gunter Morche, Leser

Solide geplant

Grundvoraussetzung ist ein durchdachter Businessplan, mit Investitionskosten, realistischer Schätzung der Erlöse und einem fundierten Konzept. Ganz wichtig: Diesen Plan sollten möglichst mehrere unabhängige Fachleute, zum Beispiel von Handels- oder Handwerkskammern, Innungen und Banken, auf Machbarkeit beurteilen. Auch ein gutes Netzwerk, etwa über einen Berufsverband, und Fortbildungsangebote sind gerade am Anfang hilfreich. Wenn dann die Finanzierung steht und die Arbeitsagentur noch finanzielle Unterstützung bewilligt, kann es losgehen.

Nicole Hoffmeister-Kraut, Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau von Baden-Württemberg

Von Beginn an engagiert

Gründerinnen und Gründer gestalten mit ihren innovativen Ideen und Vorhaben die Zukunft unserer Wirtschaft entscheidend mit. Im Jahr 2017 haben wir deshalb die Landeskampagne „Start-up BW“ ins Leben gerufen, mit der wir den Gründerstandort Baden-Württemberg stärken und Startups in jeder Phase der Gründung unterstützen. Gerade die frühe Phase eines jungen Unternehmens stellt dabei eine besonders große und entscheidende Herausforderung für die Gründerinnen und Gründer dar. Sie benötigen ein gutes Netzwerk und erfahrene Berater, die ihnen helfend zur Seite stehen, wenn es um die Entwicklung des Geschäftsmodells, die erste Finanzierungsrunde oder den Markteintritt geht. In unseren „Start-up BW Acceleratoren“ werden sie daher umfassend und intensiv betreut und mit der Frühphasenfinanzierung „Start-up BW Pre-Seed“ sorgen wir für beste Rahmenbedingungen zur Umsetzung ihrer Geschäftsideen. Unverzichtbare Säulen unserer Kampagne sind zudem der einfache und unbürokratische Zugang zu Finanzierungs- und Beratungsangeboten, Gründungswettbewerbe oder Workshops an Schulen, um Schülerinnen und Schüler bereits früh für die Gründung eines eigenen Unternehmens zu begeistern. Dies sind nur einige Beispiele, wie wir die Menschen in Baden-Württemberg dazu ermutigen, ihre eigenen Chefs zu werden, denn eines steht fest: Um das Gründerland weiter zu stärken, brauchen wir noch mehr mutige und engagierte Menschen, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen.

Andreas Lutz, Vorstandsvorsitzender Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland (VGSD)

Unbezahlbares Gefühl

Am Anfang steht die Geschäftsidee. Gut finde ich, wenn sie nicht nur mit finanzieller Motivation zu tun hat, sondern mit Begeisterung für eine Sache, dem Wunsch nach Selbstbestimmung und der Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen. Sofern die Idee kein Hobby bleiben soll, muss sie geprüft werden: Gibt es Leute, die das Angebot brauchen und dafür bezahlen würden? Oder findet der Gründer es nur selber gut? Ein Businessplan zwingt ihn, systematisch zu planen, mit anderen über das Vorhaben zu sprechen und zu berechnen, wie viel Geld für Aufbau und Betrieb des Unternehmens nötig ist. Bereit loszulegen? Dann kommt der Faktor Zeit ins Spiel. Traut sich der Unternehmer, die bisherige Tätigkeit aufzugeben und die ganze Kraft ins Vorhaben zu stecken? Oder fängt er besser nebenher an, um die Idee erst im Kleinen auszutesten? Wichtig ist dabei zu bedenken, dass ein Unternehmer andere Pflichten als ein Angestellter hat. Verdient er so viel, dass er Aufgaben delegieren kann, oder muss er alles selbst erledigen? Klar ist, dass er für seine Arbeit einen höheren Stundensatz ansetzt als zuvor als Angestellter: Er hat jetzt höhere Ausgaben und muss alleine für Kranken- und Rentenversicherung aufkommen. Glücklich ist, wer bei alldem ein Netzwerk um sich hat, erfahrene Selbstständige, die mit Tipps zur Seite stehen – wie den VGSD mit Ansprechpartnern, Stammtischen und Experten-Telkos. Und am Ende? Steht das unbezahlbare Gefühl, etwas Eigenes geschaffen zu haben.

Wolfgang Vogt, Vorstand Senioren der Wirtschaft e. V.

Der Kunde steht im Mittelpunkt

Viele Startups, vor allem aus der Technologiebranche, lieben ihr Produkt, ihre App, ihre nie da gewesene Dienstleistung. Das Problem ist nur, dass ihre zukünftigen Kunden keine Produkte, Apps oder Dienstleistungen kaufen, sondern Lösungen, die ihnen Nutzen bringen. Frage ich Gründer dann, wer ihre Zielgruppe ist, höre ich oft: Alle. Also wohl auch die Schulkinder und die Rentner? Wie kommen sie also dahin, dass echte Kunden am Ende Geld ausgeben? Da gilt es zunächst, die Zielgruppe exakt zu definieren. Bei Endkonsumenten heißt das also zum Beispiel Geschlecht, Alter und Familienstand und bei Geschäftskunden Unternehmensgröße, Branche und Abteilung, die das Budget hat. Mit diesen möglichen Käufern muss man sich dann auseinandersetzen, um basierend auf ihren Bedürfnissen zu verstehen, was ihnen wichtig ist und wofür sie Geld ausgeben. Hier empfehle ich Methoden wie die Empathy Map oder den Value Proposition Canvas. Die können Sie zunächst für sich selbst und Ihre Mitgründer nutzen und die Resultate anschließend mal mit Ihrer Zielgruppe testen. Jetzt verstehen Sie, wer warum kauft. Mit dem guten Verständnis, was Ihre Zielgruppe umtreibt und was sie antreibt, können Sie genau das anbieten, was Probleme löst und Nutzen oder Vorteile generiert. Wenn Sie auch noch klar machen können, warum sie bei Ihnen und nicht bei der Konkurrenz kaufen sollen, werden Sie zum Gewinner.

Uwe Schick, Leser

Chance haben, Chance nutzen

Ohne die Chance und Startkunden hätte ich mich als Alleinverdiener einer Familie nicht selbstständig gemacht. Mit dem Gründungszuschuss und dem Umsatz der Startkunden reichte das Geld die ersten sechs Monate, um die Lebenskosten zu decken. Ein Laptop, ein Smartphone und Internet war und ist alles, was ich zum Arbeiten brauche. Die Investitionen haben sich sehr in Grenzen gehalten, so dass ich eine Besonderheit bin: Ein Unternehmen ohne Schulden. Dazu hatte ich recht schnell ein Geschäftsmodell: vertriebsunterstützende Kommunikation mit Storytelling. Anrufe, Kontakte auf Events brachten Interesse hervor und neue Kunden kamen dazu. Es funktionierte. ich war Einzelunternehmer. Mit fast 50 Jahren. Hätte es nicht funktioniert, wäre ich auf Jobsuche gegangen. Ich brauche auch jetzt noch das Gefühl der Sicherheit, also eine gut gefüllte Neugeschäftspipeline und aktuelle Aufträge. In der Situation fühle ich mich sicher. Aber von außen wird mir immer wieder gespiegelt, wie mutig ich wäre. Doch ich fühle mich gar nicht so mutig. Eher aktiv. Das ist, was mir Sicherheit gibt - wenn ich dranbleibe. Ich gönne mir daher wenig Pausen. Lücken machen mir Angst.

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Wie smart kann die Stadt sein?

Digitale Technologien sollen in den Städten der Zukunft dabei helfen, Ressourcen zu sparen und gleichzeitig die Lebensqualität der Bewohner zu steigern. Doch die neue Welt ist nicht nur schön, sondern kann auch leicht in eine Totalüberwachung kippen, wie das chinesische Sozialpunktesystem zeigt. Verraten Sie uns, wie Sie sich die Stadt der Zukunft vorstellen.

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Markus Losert, CIO Stadt Karlsruhe, Leser

Kooperationen und Digitale Souveränität als Schlüssel zur Smart City

Eine Smart City unternimmt den Versuch, die drängenden Probleme unserer Städte mit Hilfe der Digitalisierung zu lösen. Handlungsfelder sind Mobilitätslösungen, eine nachhaltige Stadtentwicklung, eine moderne Verwaltung, die Ermöglichung von Teilhabe und Partizipation, aber auch Themen wie Sicherheit, Kultur, Energie, Gesundheit und Bildung. Städte können dafür sorgen, dass hierfür die notwendige Infrastruktur geschaffen wird. Eine besondere Rolle kommt der digitalen Souveränität zu. Je höher der Grad der technischen Abhängigkeit, umso anfälliger ist die Smart City für Systemfehler oder Cyberangriffe. Neben „Hardware“ gilt dies insbesondere auch für die Daten einer Smart City, die gesammelt und für vernetzte Dienste genutzt werden können. Auf dieser Basis entstehen Anwendungsfälle, die ggf. zunächst in einem Quartier pilothaft erprobt und anschließend auf die Gesamtstadt und darüber hinaus ausgerollt werden können. Um nicht am Bedarf vorbei zu entwickeln, ist die frühe Einbeziehung der User in die Diensteerstellung essentiell. Auch die Transparenz, welche Daten erhoben werden, wer diese nutzt und die freie Entscheidung der User, in welcher Tiefe ein System genutzt werden möchte, könnten Gegenentwürfe zu den (zumeist asiatischen) »Sensorcities« sein. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor einer Smart City ist zudem die Vernetzung und Kooperation der relevanten Akteure aus Gesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung.

Klaus Englert, Journalist und Architekturkritiker

Smarte Trugbilder

Die Google-Tochter Sidewalk Labs plant seit vier Jahren, inmitten von Toronto das komplette Stadtviertel Quayside ins Hafenareal zu implantieren. Der An-spruch: Die Dinge des alltäglichen Lebens – selbstfahrende Autos, Mobiltelefo-ne, Kühlschränke, Klimaanlage, Heizung – zentral zu steuern. Die Planungen sind schon ziemlich fortgeschritten. Die Propagandisten der Smart City verspre-chen, die Ideale der europäischen Stadt – öffentliche Parks und Plätze – mit den Verheißungen des digitalen Zeitalters – Reduktion von Energieverbrauch und CO2-Emissionen – zu versöhnen. Sie werben mit idyllischen Stadtlandschaften, sauberer Luft und glücklichen Menschen. Und die Realität: Die größten Erfin-der in der digitalen Technologie erschaffen belanglose suburbane Landschaften, Städte, die soziale Ausgrenzung durchsetzen und Technologieblasen hervorbrin-gen, die keinen öffentlichen Raum dulden. Die Stadt wird geformt nach den Interessen der Technologiekonzerne. So entstehen technokratische Idealstädte, die wenig mit der Tradition der europäischen Stadt, aber viel mit dem neolibe-ralistischen Verständnis der Firmenmanager zu tun haben. Die Hafenbehörde Waterfront Toronto hat Sidewalk Labs am 31. Oktober grünes Licht gegeben. Die Auflage: keine Einflussnahme auf städtische Belange und uneingeschränkte kommunale Zuständigkeit für die Infrastruktur. Damit wurde dem Machtstreben von Google zwar Grenzen gesetzt, die Macher um Larry Page dürfte das aber nicht entmutigen.

Friedrich Fuß, Chief Digital Officer Stadt Bonn

Sprung in die Zukunft

Bis 2025 möchte die Stadt Bonn die führende Smart City Nordrhein-Westfalens werden. Mit unserer Smart-City-Strategie binden wir für dieses Ziel die gesamte Verwaltung und möglichst große Teile der Bürgerschaft und der Stadtgesellschaft mit ein. Denn wir verstehen diese Strategie als fortlaufenden Prozess. Ein Teil der Transformation betrifft die digitale Verwaltung. Dieser Veränderungsprozess ist tiefgreifender, als er auf den ersten Blick erscheint. Denn: Digitalisierung der Arbeit bedeutet nicht nur einen Eins-zu-Eins-Wechsel von analogen hin zu elektronischen Prozessen. Es geht um neue Arbeitsweisen, eine neue Qualität der Arbeit, der Kommunikation – und der Haltung: offen, eigenverantwortlich, dezernatsübergreifendend kooperativ und zielorientiert. Dienstleistungen, Pflichtaufgaben und freiwillige Angebote der digitalen Verwaltung der Stadt Bonn werden immer unter Berücksichtigung von Sicherheitsaspekten, Privatsphäre, Akzeptanz und Nutzerfreundlichkeit digital redesignt. Das steigert die Qualität und Effizienz der Arbeit der Verwaltung. Für den Bürger bringen die Online-Leistungen unter anderem Zeitersparnis und eine Nutzung rund um die Uhr. Die Stadt Bonn hat 575 Produkte identifiziert, die Zug um Zug zu Online-Leistungen umgewandelt werden. Das reicht von einfachen Terminvergaben, Melde- oder Führerscheinangelegenheiten bis zu komplexen öffentlichen Verfahren wie dem Baugenehmigungsverfahren oder dem Ratsinformationssystem.

Claudia Kemfert, Leiterin Energie, Verkehr, Umwelt, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)

Sehr smart

Dekarbonisierung, Digitalisierung und Demokratisierung werden sich künftig auch in der Mobilitätsbranche zeigen. Die Bedeutung individueller Mobilität wird weiter wachsen. Denn die Menschen wollen flexibel von einem Ort zum anderen kommen – dann, wenn sie es brauchen. Digitale Mobilitätsdienstleistungen ermöglichen eine effektive und klimaschonende Mobilität. Autonome Fahrzeuge erhöhen nicht nur die Auslastung einzelner Fahrzeuge, sondern reduzieren auch die Parkfläche um mehr als die Hälfte. Klimaschonende Verkehrsmittel wie Busse, Bahnen, Fahrräder und E-Scooter, aber auch das Zufußgehen stehen deutlich im Mittelpunkt der zukünftigen Stadtentwicklung. Ziel ist eine Raumordnung der kurzen Wege. So wird die Atmosphäre in Städten und Dörfern um einiges wohnlicher. Die aktive Mobilität wirkt sich durch mehr Bewegung im Alltag außerdem auf das persönliche Wohlbefinden und die Gesundheit aus. Die Kosten für die medizinische Versorgung können so deutlich sinken. Die autogerechte Stadt hat ausgedient. Die menschengerechte Städte vereinen ein gesundes, grünes und friedliches gemeinschaftliches Leben mit wenig Lärm, Staus, Feinstaub und Emissionen. Die Stadt von morgen ist vielfältig, umweltschonend mobil, ruhig, grün und durchmischt – mit kurzen Wegen, Grünanlagen, Fahrradwegen und kurz getakteten Bahnen und Elektrobussen. Und wer ein Auto braucht, kann ein leises und emissionsfreies Elektroauto leihen. Das ist eine super-smarte Stadt.

Berend Hartnagel, Leser

Falsche Vorbilder

Das Thema wirft viele Fragen auf und lässt offen, welche Stadt gemeint ist, welche betroffen und welche Zukunft wir uns wünschen sollen und wollen. Ja, die Frage der zunehmenden Digitalisierung des Lebens ist fraglos eine wichtige Herausforderung. Aber kann die Digitalisierung etwas gegen den Moloch Megacity tun? Da haben wir es in den vergangenen Jahrzehnten versäumt, Sao Paulo, Mexiko-Stadt, Shanghai und Beijing als „Vorbild“ zu betrachten – um nur einige Beispiele zu nennen. Ist es denn die Zukunft, in Städten zu leben, die wesentlich mehr Einwohner haben als Dänemark, Belgien oder Slowenien? Wann werden die ersten dieser Auswucherungen den Beispielen Katalonien, Schottland und Südtirol folgen und Souveränität fordern? Wie ist Demokratie dieser und jener Ausprägung noch aufrechtzuerhalten, wenn mehr als 15 Millionen Menschen auf engstem Raum ihr Leben nicht nur absolvieren, sondern gestalten möchten? Mag sein, dass die digitalen Technologien ein geeignetes Instrument der Totalüberwachung sein werden. Wenn wir diesem Streben der zukünftig dominanten Weltmacht China nicht folgen wollen, dann ist es höchste Zeit, die zunehmende Entvölkerung ländlicher Regionen aufzuhalten und diese attraktiv zu machen. Nur dann bleibt Hamburg mit fast zwei Millionen Menschen aus aller Welt eine Stadt der Zukunft – was immer wir darunter verstehen mögen.

Jens Libbe, Leiter Forschungsbereich Infrastruktur, Wirtschaft und Finanzen, Deutsches Institut für Urbanistik (Difu)

Wir steuern den Wandel

Den Terminus „smart“ empfinde ich im Kontext von Stadtentwicklung zuweilen als Anmaßung, suggeriert er doch, dass Städte bisher nicht intelligent geplant wurden. Stadtentwicklung ist ein Resultat von politischen Aushandlungsprozessen. Das heißt für mich selbstverwaltet, partizipativ und demokratisch. Die Annahme, dass sich mittels smarter Steuerung die städtischen Systeme quasi aus sich heraus optimieren lassen, greift zu kurz. Algorithmen sind weder neutral noch wertfrei. Ihnen liegen Wertungen und Gewichtungen zugrunde. Wir werden auch künftig politisch entscheiden müssen, in welchen Städten wir leben wollen und was die Lebensqualität einer Stadt ausmacht. Digitale Technologien können dabei unterstützen, notwendige Entscheidungen zu treffen, sie können diese aber nicht ersetzen. Sie können Prozesse verbessern, uns aber nicht die Entscheidung abnehmen, welche Infrastrukturen oder Dienstleistungen wir im Sinne einer nachhaltigen und sozial verantwortlichen Stadtentwicklung bevorzugen sollten. Welche digitalen Technologien für das Leben in unseren Städten hilfreich sind, muss stets im Interesse der Bürgerinnen und Bürger entschieden werden. Digitale Kommunikation kann das demokratische Gemeinwesen bereichern und digitale Visualisierungstechnologien können städtische Projekte anschaulich machen. Dies setzt voraus, dass die Technik die Teilhabe aller Menschen verbessert und nicht neuen sozialen Ausschluss bedeutet.

Sabine Meigel, Leiterin Digitale Agenda Stadt Ulm

Der Bürger ist immer dabei

Wie in allen anderen zukunftsorientierten Städten stellt uns die digitale Transformation auch in Ulm vor neue Herausforderungen. Zum Glück, denn sie bieten allen Teilen der Stadtgesellschaft große, mitunter noch ungeahnte Chancen, die es effizient und nachhaltig zu nutzen gilt. Dabei geht es beileibe nicht nur um den Aufbau einer digitalen Infrastruktur und smarter Anwendungen, sondern immer um eine gesamtgesellschaftliche Betrachtung, den Aufbau von Kompetenzen und die Überwindung digitaler Kluften. Wir in der Geburtsstadt von Albert Einstein und Albrecht Berblinger verbinden seit jeher Lebensqualität mit Toleranz und dem Gefühl der bürgerschaftlichen Selbstverwirklichung. Mit dem Credo „Offen, für alle, clever und nachhaltig“ übertragen wir diese Prinzipien auf unsere Digitalisierungsstrategie – gemeinsam mit den Bürgern. Ein Beispiel sind für mich smarte Urban-Gardening-Modellprojekte in den Stadtquartieren mit Hochbeeten, die mit Regenwasserspeichern, Feuchtesensoren und Solarpanelen ausgerüstet und mit einer für alle zugänglichen Datenplattform verbunden sind. So können digital Absprachen zur gemeinsamen Pflege, zum Samen- und Pflanzentausch oder der Ernte getroffen werden – und eine Webcam bringt den Wachstumsstand des Gemüses ins Netz. Auf diese Weise können junge Menschen über Social-Media-Formate Gemeinschaft in der Nachbarschaft erfahren und erleben lernen – offen, für alle, clever und nachhaltig.

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Was stärkt die Familie?

Brauchen Familien tägliche Rituale wie das gemeinsame Abendessen für den Zusammenhalt? Ist es wichtig, ein offenes Ohr für die Sorgen und Probleme der anderen Familienmitglieder zu haben? Oder sind eine starke Hand in der Erziehung und klare Hierarchien doch eher die Zutaten, die eine Familie stark machen? Erzählen Sie uns Ihre ganz persönlichen Rezepte und Erfahrungen.

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Julia Dreseler, Familienpsychologin

Mosaik der Erlebnisse

Gemeinsame Erinnerungen können den Zusammenhalt einer Familie stärken, indem sie das Erleben von Zugehörigkeit wachsen lassen. Häufig sind es alltägliche Kindheitserlebnisse wie gemeinsame Spiele oder erzählte Geschichten, die unsere Erinnerungen prägen. Auch Familienrituale wie der Ablauf von Festen, Essensrituale oder Urlaube haben diese Funktion. Sie bedingen ein Gemeinschaftsgefühl und unterstreichen die Individualität einer Familie. Das gemeinsame Rekapitulieren dieser stärkenden Erlebnisse macht sie zu einem festen Bestandteil einer Familiengeschichte. Erinnerungen an die eigene Herkunftsfamilie bedeuten zudem eine Zeitreise zu unseren Wurzeln, zu dem, was wir geworden sind. Teilen wir sie mit Partner und Kindern, entsteht Nähe und unsere Lieben können manche unserer Verhaltensweisen besser verstehen. Wie verhält es sich jedoch mit „schwierigen“ familiären Erinnerungen? An einigen knabbern wir sicherlich ein Leben lang und können ihnen nur schwer etwas Positives abgewinnen. Viele herausfordernde Erlebnisse können jedoch aus einem anderen Blickwinkel heraus betrachtet werden, indem wir etwa unseren Fokus auf das dennoch Gute richten oder anerkennen, dass wir daran gewachsen sind. Insbesondere Erlebnisse von außen wie Krankheit, die eine Familie gemeistert hat, können den Zusammenhalt durch Stolz auf das gemeinsam Bewältigte stärken. Lasst uns also möglichst viel gemeinsam erleben und die positiven Folgen davon genießen.

Gundi Günther, Leserin

Sicherer Hafen

Jede Familie hat eine eigene Sprache, in der man miteinander kommuniziert, mit der sich die Familie auskennt und die die Basis für das Grundvertrauen darstellt. Zum Beispiel finden bei meiner Tochter, ihrem Mann und den drei Kindern bei den täglichen gemeinsamen Mahlzeiten solche Familiengespräche und ein reger Austausch statt. Einmal wöchentlich bin auch ich Teil dieses sehr lebhaften Familienlebens. In unendlich vielen Diskussionen erlebe ich, wie sich Meinungen bilden und vertreten werden – und alles mit dem wirklich guten Gefühl, Teil von etwas ganz Großem zu sein, eine Stimme zu haben und gehört zu werden.

Regina Scholten, Leserin

Werte lernen

In unserer sechsköpfigen Familie gab es einige Regeln, die konsequent beibehalten wurden. Kein Kind ging ohne Frühstück zur Schule. Mittags gab es immer warmes Essen. Ich habe großen Wert auf Tischkultur gelegt: mit Aufschnitt auf einen Teller legen, Milch in eine Kanne umfüllen, später absolutes Handyverbot. Sonntags wurde gemeinsam gefrühstückt, egal wie kurz die Nacht war. Bei den gemeinsamen Mahlzeiten lernten alle, sich mitzuteilen, aber auch zuzuhören. Uns war auch das gemeinsame Morgen- und Tischgebet wichtig – zwei Minuten, in denen man zur Ruhe kommen und sich bewusst werden konnte, dass nicht alles selbstverständlich ist. Mittlerweile haben alle vier Kinder ihre eigenen Familien. Es ist schön zu beobachten, welche Traditionen sie weiterführen.

Ulrich Hoffmann, Präsident Familienbund der Katholiken

Mehr Zeit

Der gemeinsame Besuch des Spielplatzes oder des Schwimmbads, der Waldspaziergang oder die heimisch verbrachte Spielerunde, die scherzhafte Plauderei – nichts stärkt Familien mehr als Zeit für- und miteinander. Sie schafft jene stabilen Bindungen, die das Selbstvertrauen und die Persönlichkeit eines jungen Menschen ein Leben lang prägen und stärken. Zuversichtliche, reflektierte und unbeschwerte Menschen sind zudem die Grundlage von Demokratien. Eine verantwortungsvolle Familienpolitik nimmt auf die gemeinsame Zeit von Familien Rücksicht und fördert sie durch eine umsichtige Zeitpolitik. Gesetzliche Vorgaben zu einer flexiblen Erwerbstätigkeit in Teilzeit, Ausdehnung der Elternzeiten, Optionszeitenmodelle über den gesamten Lebensverlauf oder die finanzielle Honorierung von Erziehungsarbeit durch bezahlte und rentenwirksame Sozialleistungen und Beitragssenkungen in der Sozialversicherung für Eltern – die Instrumente, um Familien Zeit bei finanzieller Absicherung zu ermöglichen, sind vielfältig. Die Familienpolitik des Bundes ist jedoch weit von einer Zeitpolitik für Familien entfernt. Im Gegenteil: Sie strebt eine möglichst hohe Erwerbstätigkeit der Eltern als Schutz vor Familienarmut an. Zusätzlich baut sie die Kitalandschaft aus. Mehr Zeit ermöglicht eine solche Politik Familien nicht. Ebenso wenig stärkt es den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Souveränität von Familien über die eigene Zeit – sie ist heute wichtiger denn je.

Renate Gottschewski, Leserin

Gemeinsam stark

Gewiss kann Familie durch äußere Rahmenbedingungen gestärkt werden. Andererseits bringt das wenig, wenn die Familie von innen ohne Liebe auskommen muss. Eine starke Familie braucht starke Persönlichkeiten. Je mehr Familie als Team verstanden wird und nicht als „heilige“, nicht infrage zu stellende Institution, je stärker ist sie im Inneren. Im Übrigen ist es ein bisschen ungerecht, dass niemand sich von seinen Eltern scheiden lassen kann, aber es ist eben so: Wir haben nicht alles in unserer Hand und müssen die Familie so nehmen, wie sie ist – und das Beste daraus machen. In dem Film „The Straight Story“ von David Lynch erzählt der Hauptdarsteller einer jungen Ausreißerin folgende Geschichte: „Schau, das ist ein kleines Ästchen, das bist du. Guck, wie einfach ich dieses Ästchen durchbrechen kann. Wenn ich dem dünnen Ästchen jetzt noch viele weitere dünne Ästchen beilege, dann kann niemand das Bündel und damit auch dich als einzelnes Ästchen durchbrechen. Das ist Familie.“ Diese Geschichte widerspricht scheinbar dem oben Gesagten. Aber es bedarf eben auch einer starken Persönlichkeit, die eigene Zerbrechlichkeit überhaupt erkennen und annehmen zu können.

Jan-Uwe Rogge, Familien- und Kommunikationsberater

Keine Angst vor Fehlern

Stärke hat nichts zu tun mit Allwissenheit und Perfektionismus. Stärke speist sich aus Momenten, in denen Eltern zufrieden sind und Kinder sich glücklich wähnen, dass das Universum ihnen diesen Ort zugewiesen hat. Aber dann gibt es jene Tage, an denen man sich seine Inkompetenz zeiht und die Kinder auf die Rückseite des Mondes wünscht – und die Kinder am liebsten das Weite suchen möchten, weg von diesen peinlichen, ewig bevormundenden Eltern. Stärke hat zwei Gesichter, denen man sich zu stellen hat: Da sind diese himmelhochjauchzenden Gefühle, in denen man die ganze Welt umarmen möchte. Aber dann gibt es jene Augenblicke, in denen man einfach fertig ist, weil wirklich alles schiefläuft. Das gilt für Eltern wie Kinder gleichermaßen. Stark werden Familien nur, wenn diese sich auf drei Dinge besinnen: Humor, Verstand und Vertrauen. Lache drei Mal am Tag mit deinem Kind, hat der Pädagoge Johann Heinrich Pestalozzi einst den Eltern vorgeschlagen. Lasse dich von ihrer Fröhlichkeit anstecken. So wichtig das Nachdenken auch ist, so bedeutsam ist ein Bauchgefühl in der Begleitung von Heranwachsenden. Kinder sind spontan und authentisch, davon kann man als Eltern lernen. Und Kinder brauchen Eltern, die ihnen Vertrauen schenken. Das setzt Väter und Mütter voraus, die Vertrauen zu sich haben. Manchmal macht man dabei Fehler. Doch Umwege erweitern die Ortskenntnis und ermutigen und stärken Eltern wie Kinder darin, neue unbekannte Wege zu gehen.

Klaus Zeh, Präsident Deutscher Familienverband (DFV)

Mehr Wertschätzung

Für Kinder und Familie bleit heute immer weniger Zeit. Familien müssen sich den Bedürfnissen des Arbeitsmarkts anpassen: Wer Kinder erzieht oder Angehörige pflegt, nimmt in den meisten Fällen erhebliche berufliche und finanzielle Nachteile in Kauf. Selbst von gesetzlich garantierten Schutzzeiten wie der dreijährigen Elternzeit können Familien heute nicht mehr selbstverständlich Gebrauch machen. Der Deutsche Familienverband fordert daher von der Politik, sich hinter die Familien zu stellen und sich konsequent für die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf einzusetzen. Denn nicht die Familien müssen sich dem Arbeitsmarkt anpassen, sondern der Arbeitsmarkt den Familien. Dazu gehört, dass Arbeitszeiten familiengerecht gestaltet und zum Beispiel Eltern nach Phasen der Kindererziehung beruflich nicht schlechter gestellt werden. Bei der Besetzung von Arbeitsstellen müssen die besonderen Fähigkeiten von Eltern und pflegenden Angehörigen positiv berücksichtigt werden. Warum nicht Mütter und Väter dadurch stärken, dass man sie – bei gleicher Qualifikation – bevorzugt einstellt? Wer unbefristet Verantwortung für Kinder übernimmt, darf außerdem nicht mit befristeten Arbeitsverträgen abgespeist werden. Bund, Länder und Kommunen müssen als öffentliche Arbeitgeber mit gutem Beispiel vorangehen. Dass dem Familienleben die nötige Sicherheit, Ruhe und Zeit zur Verfügung steht, dafür muss nicht zuletzt auch die Arbeitswelt Sorge tragen.

Theresa Baumann, Leserin

VERTRAUEN und HUMOR

Eine Familie ist wie ein Fels in der Brandung. Jeder kann sich auf jeden verlassen. Jeder sollte sich in den anderen einfühlen können. Aber man muss wissen, dass einem Kinder nicht gehören, sondern dass man sie loslassen muss, wenn sie erwachsen sind. Stark macht eine Familie auch, dass man immer so sein kann,wie man ist und sich nicht verstellen muss. Das stärkt das Selbstbewusstsein. Die Eltern lernen den Kindern dass es gut ist, so wie sie sind. Ja und absolute Ehrlichkeit gehört auch dazu. Wenn die Eltern würdevoll miteinander umgehen, dann überträgt sich das auch. Vielleicht kann auch helfen, dass man auch mal etwas mit Humor nimmt . Ganz gut ist es auch, wenn man gerne beisammen ist und redet und sich für die gegenseitigen Belange interessiert. Mich hat es auf jeden Fall stark gemacht, dass ich als Kind immer alles sagen konnte und das haben wir bei unseren Kindern auch beibehalten und zwar immer im Vertrauen, dass alles vorbei geht, d.h. Positives und Negatives.

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