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Wie lebt man nachhaltig?

Privater Konsum ist für rund 20 Prozent der in Deutschland ausgestoßenen Treibhausgase verantwortlich. Dass das Verhältnis deutlich niedriger sein könnte, zeigt eine andere Zahl: Über elf Millionen Tonnen Lebensmittel werden hierzulande Jahr für Jahr weggeworfen. Jede Menge Raum also für Verbesserungen. Verraten Sie uns Ihr Rezept für ein nachhaltiges Leben.

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Claudia Kemfert, Leiterin Energie, Verkehr, Umwelt, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)

Vision Deutschland

Wir sind im Jahr 2050. Wir praktizieren eine nachhaltige Effizienz, die nicht den monetären Profit steigert, sondern eine soziale und ökologische Rendite erwirtschaftet. Wir vermeiden Verschwendung und leben in einer Welt ohne Abfälle, in der alles wiederverwertet wird. Statt eines unersättlichen Konsums, der zu Überfischung, Vermüllung und Zerstörung der Erde führt, gehen wir achtsam mit den eigenen Bedürfnissen, aber auch mit den verfügbaren Ressourcen um. Die Energieversorgung wird zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien sichergestellt. Die Treibhausgase sind weitestgehend eingedämmt. Subventionen für fossile oder atomare Energien sind längst abgeschafft. Stattdessen wurden deren Folgeschäden ehrlich eingepreist. Das Energiesystem funktioniert dezentral, flexibel und dynamisch. Es gibt jede Menge regionale Marktplätze, Bürger werden zu Unternehmern, Konsumenten sind gleichzeitig Produzenten – als „Prosumer“ entscheiden wir selbst über die ökonomische und ökologische Zukunft unserer Region. Auch die Arbeit ist vernetzt, dezentral und flexibel. Wohnen und Arbeiten sind nicht mehr getrennt, sondern gehen mehr und mehr zusammen. Die täglichen Wege legen wir zu Fuß, mit dem Rad oder dem ÖPNV zurück. Individualfahrzeuge werden geteilt oder fahren autonom. Intelligente Technik verknüpft jegliche Mobilitätsdienstleistungen klug miteinander. So erreichen wir jederzeit bequem und umweltschonend unser Wunschziel.

Ramina Puzicha, Leserin

Der Schlüssel in dir

Wenn man von Nachhaltigkeit spricht, denkt man in erster Linie an die Umwelt: Ich soll weniger Plastik kaufen, weniger Fleisch essen und den Müll trennen. All das stimmt auch. Aber ohne tieferes Verständnis, warum ich das tue oder wofür, sind diese Maßnahmen ein bloßes Folgen einer neuen gesellschaftlichen Norm. Solange das Verständnis für nachhaltiges Leben die affektive Komponente nicht miteinbezieht, ist dieses Verhalten nicht wirklich nachhaltig. In diesem Sinne beginnt nachhaltiges Leben mit dem Hineinsehen und Hinterfragen der eigentlichen Gründe der eigenen Wünsche: Welche Gefühle und Bedürfnisse stecken dahinter? Die zweite Komponente ist die Empathie, zuerst sich selbst gegenüber. Wie kann ich mich aus meinen internen Ressourcen heraus unterstützen? Dieser Schritt erfordert emotionale Intelligenz. Wenn diese Nachhaltigkeit auf der Mikroebene gegeben ist, folgen weitere Fragen: Kann ich sie auf meine Beziehungen übertragen? Kann ich den Menschen neben mir akzeptieren und Verständnis für seinen individuellen Lebensweg mitbringen? Kann ich ihm das Gute wünschen und es mit meinen tagtäglichen Handlungen stützen? Auf diese Weise expandieren sich die Auswirkungen eines achtsamen Lebens auf die Makroebene. Nachhaltigkeit beginnt in einem selbst, mit dem Hineinsehen und Hinterfragen, mit der Selbstliebe. Man kann nur das weitergeben, was man in sich kultiviert hat. Dafür braucht man nicht unbedingt externe Ressourcen.

Yvonne Zwick, Stellvertretende Generalsekretärin Rat für Nachhaltige Entwicklung

Der Nachfrage-Effekt

In der Corona-Zeit ist vielen von uns die Lust vergangen, von Laden zu Laden zu bummeln. Das setzt auch Impulse für nachhaltigen Konsum. Wir machen uns nun ganz andere Gedanken: je zielgerichteter der Einkauf, desto geringer die Ansteckungsgefahr. In Berlin galt nach dem Shutdown die Losung, Geschäfte im eigenen Wohnviertel zu unterstützen, denen die mehrwöchige Schließung geschadet hatte. Der stationäre Handel bot Online-Vorbestellungen an, die man abholen konnte. Der eigene nachhaltige Konsum stärkt auch unsere Gesellschaft. Unterstützen wir Online-Portale, die mit lokalen Händlern zusammenarbeiten, die Steuern bezahlen und gute Arbeit bieten, stärkt das die lokale Wirtschaft. Bewusster Konsum wirkt sich auch positiv auf unsere Klimabilanz aus: weniger Online-Shopping bedeutet weniger Verpackungsmüll und weniger logistischen Aufwand. Ein Wandel der Lebensweise, kurze Wege und der Kauf ressourcenleichter, vegetarischer oder veganer Kost, die unter fairen Bedingungen erzeugt und gehandelt werden, verändern das Wirtschaftssystem. Wenn sich die Nachfrage ändert, ändert sich das Angebot. Tatsächlich ist in den letzten Monaten die Nachfrage bei Bio-Produkten gestiegen. Nachhaltige Produkte sollten günstiger werden können als nicht nachhaltige Produkte – etwa, indem die Preise die ökologischen und gesellschaftlichen Kosten einbeziehen, die sie verursachen. Und wir sollten Unternehmen unterstützen, die sich um diese Themen kümmern.

Thomas Geuder, Leser

Genug ist genug

Es müsse immer aufwärts gehen, höher, schneller und weiter. So haben es viele bereits als Kind beigebracht bekommen. Grundsätzlich ist das kein schlechter Ansatz, denn sich weiterentwickeln zu wollen, ist in einem freiheitlich-demokratischen Land absolut legitim. Aber es gibt Grenzen, die den Bereich des Sinnvollen abstecken. Das Zauberwort dabei: die Suffizienz, ein Begriff, der mit der vielzitierten Einschränkung nicht viel gemein hat. Im Gegenteil: Wer suffizient lebt, fragt sich nicht, was möglich, sondern was tatsächlich nötig ist. Ich kenne das aus meiner beruflichen Arbeit an Themen aus der Architektur und der Bautechnik sehr gut: Müssen es etwa 80 Quadratmeter Wohnraum pro Person sein oder genügen auch 40? Müssen Ressourcen zur Beheizung ineffizient verbrannt werden oder geht das auch mit regenerativer Energie, die direkt am Haus erzeugt wird? Auch in Stadt und Verkehr gibt es dafür Beispiele: Muss es ein PS-starker SUV sein, wenn man ausschließlich in der Stadt unterwegs ist? Jeder und jede kann selbst herausfinden, was er oder sie wirklich braucht. Dabei sich selbst gegenüber ehrlich zu sein und zu bleiben, ist nicht immer einfach. Die Reduktion auf das benötigte Maß aber lohnt sich, denn sie verschafft viel Raum für neue Ideen. Ich behaupte sogar: Wer nach dem Prinzip der Suffizienz lebt, lebt glücklicher. Probieren Sie es aus.

Olaf Bandt, Vorsitzender Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)

Die Zeit ist reif

Mit Covid-19 zeigt sich wie unter einem Brennglas, wie schnell unser Wirtschafts- und Gesellschaftssystem an seine Grenzen stößt. Die Krise gibt uns einen Vorgeschmack darauf, was mit den fatalen Folgen der Klimakrise, unseres Ressourcenverbrauchs und des Artensterbens auf uns zukommt. Doch gesellschaftliche Einstellungen haben sich geändert: Nachbarschaft und solidarisches Miteinander erfahren neue Wertschätzung. Städtische Erholungsräume gewinnen an Bedeutung, genau wie nachhaltige Mobilität: Fahrradläden blieben als Geschäfte des „täglichen Bedarfs“ geöffnet und Städte schufen kurzfristig neue breite Fahrradwege. Auch die Versorgung mit Produkten und Lebensmitteln aus der Region erscheint in neuem Licht. Und der Sommerurlaub findet in der Nähe statt – die Zahl der Passagierflüge in Europa lag im Juli nur bei einem Drittel des Vorjahresaufkommens. Jetzt gilt es, Bewährtes zu verstetigen: mit weniger Ressourcenverbrauch und einem guten Leben. Doch das geht nur mit den entsprechenden politischen Rahmenbedingungen. Es ist Zeit für eine konsequente Energiewende, den Kohleausstieg bis 2030 und den Ausbau der erneuerbaren Energien – mit Beteiligungsmöglichkeiten für Bürgerinnen und Bürger. Zeit für eine flächendeckende Mobilitätswende – mit sicheren und machbaren Alternativen zu Pkw und Flugzeug. Und Zeit für eine Abkehr vom „immer mehr“ – für eine Wirtschaft mit sicherer Arbeit, Teilhabe und Anerkennung im Rahmen unserer planetaren Grenzen.

Eberhard Brandes, Geschäftsführender Vorstand World Wide Fund for Nature (WWF) Deutschland

Wissen heißt Handeln

Schonen wir das Klima und die Natur, schützen wir auch unsere Gesundheit. Wie eng unsere Gesundheitsrisiken mit dem Zustand des Planeten zusammenhängen, hat uns die Corona-Pandemie dramatisch vor Augen geführt. Naturschutz ist systemrelevant. Das Abholzen der Wälder, das Verfeuern von Kohle und Öl, die Verschmutzung der Ozeane – dies alles bringt unsere Erde mit ihrer biologischen Vielfalt an die Belastungsgrenze. Wir leben nicht nachhaltig, solange wir die Ressourcen von mehr als zwei Erden verbrauchen. Zum Glück kennen wir die Wege zu einem nachhaltigen Leben. Erschreckend bleibt, dass wir zu selten danach handeln. Kleiner Aufwand, großes Ergebnis: Der Wechsel zu Ökostrom dauert im Internet keine zehn Minuten. Trotzdem bezieht nur jeder vierte Haushalt in Deutschland seinen Strom aus Wind- und Sonnenenergie. Die erfolgreiche Energiewende ist der wichtigste Schritt zu einem nachhaltigen Leben. Doch es gibt dabei auch die unbequeme Wahrheit: Kein Wandel ohne Energieeffizienz. Der Energieverbrauch für das Heizen hat eine besonders hohe Bedeutung und daher ist die Modernisierung unserer Wohn- und Arbeitsgebäude ein wichtiger Schlüssel für ein nachhaltiges Leben. Ein bewusster und sparsamer Umgang mit Energie, Wasser, Lebensmitteln und Rohstoffen schont unseren Planeten – und verkleinert unseren Fußabdruck auf der Erde. Dabei kommt es auf jeden Einzelnen an. Wir müssen endlich unser Wissen in allen Lebensbereichen anwenden.

Jan Richard Iken, Leser

Klare Priorität

Nachhaltigkeit wird in gesellschaftlichen wie auch in politischen Kreisen als Label mit positiver Umweltkonnotation geführt. Bezogen auf das klassische Nachhaltigkeitsdreieck Soziales-Ökonomie-Ökologie kann allerdings nahezu alles als nachhaltig betitelt werden. Mit Nachhaltigkeit geht aber auch eine zeitliche Komponente einher: Es geht um die Zukunft. Es bleibt nicht viel Zeit, um dem Klimawandel durch Technologie, globale politische Entscheidungen und persönliche Einstellung in der breiten Masse die Stirn zu bieten. So müssten mit Nachhaltigkeit begründete Konzepte eher dem Teilaspekt der Ökologie nachkommen als denen der anderen beiden. Ja, damit meine ich auch dem sozialen Aspekt. Durch das plötzliche Aufkommen der Corona-Pandemie und deren direkte Wirkung auf die Gesundheit konnten Menschen gut auf eine gewisse Freiheit verzichten. Jetzt gilt es, diese aufmerksame Attitüde beizubehalten. Was heißt das nun für mein persönliches Leben? Es geht um ein gewisses Bewusstsein, das dringend in den Köpfen der Menschen verankert werden muss. Wenn man darauf achtet, nur so viele Lebensmittel zu kaufen wie nötig, spart man Wasser, Transportwege und industrielle Leistungen. Täglicher Fleischkonsum ist unnötig. Die Fleischindustrie trägt einen großen Teil der CO2-Emissionen bei. Ökologie muss neben Zeit und Ökonomie Teil privater Entscheidungsfindung sein.

Karsten Eiermann, Leser

Tiere sind nicht nur Kreaturen, son- dern Lebewesen, deren Leben wir wie unser eigenes berücksichtigen müssen.

Annette Ahme, Leserin

Ein Konto für alles

Es gibt eine starke Tendenz, diese Frage individuell zu beantworten – gerade in der „westlichen“ Gesellschaft, die auf Entscheidungsfreiheit des Einzelnen großen Wert legt. Aber ist das auch sinnvoll? Die Welt kann nicht warten, bis alle Menschen durch Zauberhand ihr Leben individuell nachhaltig gestalten. Politik sollte immer die Schaffung von Rahmenbedingungen sein, die es dem Einzelnen nahelegen, ein gemeinwohlorientiertes Leben zu führen. Bisher sind wir daran gewöhnt, dass Geld eine Hauptrolle in unserem Leben spielt: Leben, Konsumieren, Vermögen aufbauen. Warum sollte unser ökologischer Fußabdruck nicht diese Rolle einnehmen können? Es wäre angemessen und zeitgemäß. Es wäre doch vorstellbar, dass die Weltgemeinschaft eine gerechte maximale Größe für den ökologischen Fußabdrucks eines Menschenlebens festlegt. Alle Produkte erhalten automatische Kennzahlen für CO2 und andere klimaschädliche Stoffe. Bei der Geburt erhält jeder Mensch eine Art Scheckkarte mit einem Lebenskonto aller klima- und umweltschädlichen Stoffe. Diese Scheckkarte kann für jeden Einzelnen zum schönen Hobby werden. Bei jedem Kauf, bei jedem Abonnement wird neben der Geldfunktion auch der ökologische Fußabdruck „heruntergerechnet“. Natürlich sollte man ein Spaß machendes Motivationsprogramm ergänzen – eine Leichtigkeit für heutige Software-Entwickler.

Karsten Schwanke, Meteorologe und Fernsehmoderator

Keine Alternativen

Vergessen wir einmal die Fahrt mit dem Fahrrad zur Arbeit, den Einkauf beim Bio-Bauern, die ökologisch vorbildliche Urlaubsfahrt mit der Bahn und den Vorsatz, weniger Fleisch zu essen. Dies ist alles richtig und wichtig und natürlich auch nachhaltig. Aber diese individuellen Maßnahmen lenken möglicherweise sogar ab vom eigentlichen Ziel, dem wir uns als Gesellschaft widmen müssen: den CO2-Ausstoß so schnell wie möglich zu verringern und noch deutlich vor 2038, dem Jahr des „offiziellen“ Kohleausstiegs, auf null zu bringen – und zwar nicht nur im Energiesektor. Der Dürresommer 2018, die Hitze 2019, die Wasserknappheit in einigen Dörfern 2020 – all das hat gezeigt, was auf uns in Deutschland in den nächsten Jahren zukommen wird. Wir werden wesentlich häufiger mit Dürreperioden rechnen müssen – die noch dramatischer werden – die Temperatur wird noch weiter ansteigen, die Land- und Forstwirtschaft vor riesige Probleme gestellt. Das, was uns die Klimakrise abverlangt, ist kein Spaziergang. Die Transformation unserer Gesellschaft von einer kohlenstoffbasierten zu einer kohlenstofffreien wird eine Menge Geld kosten, es wird auch nicht ohne Verzicht gehen, aber es gibt keine Alternative dazu. Das müssen wir endlich begreifen. Sollten wir das schaffen und damit die Erderwärmung auf maximal zwei Grad begrenzen, dann können wir wirklich von Nachhaltigkeit reden. Die Lösungen liegen dafür auf dem Tisch – seit Jahrzehnten.

Sabine Langkau, Leiterin Nachhaltigkeitsinnovationen und Politik, Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Wandel mit Weitsicht

Nachhaltig leben ist kompliziert, weil leben kompliziert ist. Will man sich verbessern, darf man sich nicht im Detail verlieren, sondern muss bei den wesentlichen Stellschrauben ansetzen. Mit 20 Prozent Anteil beeinflusst Mobilität unsere CO2-Bilanz stark, nur der allgemeine Konsum wiegt mit 42 Prozent noch schwerer. Wie also nachhaltig mobil sein? Schreitet der Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland wie geplant voran, verursacht ein heute angeschafftes Elektroauto über seine gesamte Lebensdauer inklusive Herstellung und Entsorgung 15 bis 30 Prozent weniger CO2-Emissionen als ein vergleichbarer konventioneller Pkw. In der Nutzungsphase schneiden E-Autos noch besser ab, die Herstellung ist allerdings aufwendiger und der Rohstoffbedarf höher als bei konventionellen Pkw. Daher verursachen E-Autos auch höhere Emissionen giftiger Stoffe – und zwar hauptsächlich in Ländern mit geringerem Einkommenslevel und niedrigen Umwelt- und Sozialbedingungen, in denen Rohstoffabbau und Komponentenherstellung stattfinden. Dies bedeutet, dass wir uns beim Ausbau der Elektromobilität auch um eine Verbesserung dieser Bedingungen bemühen müssen, insbesondere durch die gesetzliche Verankerung unternehmerischer Sorgfaltspflichten. Es bedeutet aber auch, dass wir nicht nur einen höheren Anteil an E-Pkw brauchen, sondern auch insgesamt weniger und kleinere Autos. Hilfreich dafür ist eine geeignete Stadt- und Infrastrukturplanung mit Fokus auf den ÖPNV.

Angelika Schwendemann, Leserin

Innerer Antrieb

Es sind kurze Momente, in denen man den inneren Widerstand überwinden muss, um den Wasserhahn oder die Heizung nicht unnötig laufen zu lassen. Es sind kleine Situationen, in denen wir unser Verhalten anpassen können und müssen, um einen nachhaltigeren Lebensstil in unserem Leben zu etablieren. Und es ist der Wille, sich über Nachhaltigkeit zu informieren.

Kerstin Niemann, Leserin

Kleine große Schritte

Nachhaltig leben heißt zuallererst, seinen eigenen Alltag nachhaltig zu gestalten. Da wir wegen der Kinder nicht auf ein Auto verzichten können, haben wir uns vor einigen Jahren für ein Hybridfahrzeug entschieden. In der Stadt sind wir leise und größtenteils elektrisch unterwegs. Wir sind auch nicht auf die wenigen Ladesäulen in der Stadt angewiesen, da unser Auto den Strom selbst erzeugt und speichert. Toll wäre es, wenn diese Autos nicht von Generation zu Generation größer werden, Parkplätze wachsen schließlich auch nicht mit.

Irene Mahr, Leserin

Falscher Überfluss

Jedes Jahr fallen Tonnen von vernichteten Lebensmitteln an. Und obwohl die Anzahl der Einpersonenhaushalte zunimmt, sind die meisten verpackten Lebensmittel für Großfamilien dimensioniert. Da bleibt manches übrig und man muss es, der eigenen Gesundheit zuliebe, entsorgen. Aber sind nicht in Wirklichkeit Handel und Industrie für die Verschwendung verantwortlich? Im Supermarkt kommen Zweifel auf, ob all die Lebensmittel wirklich beim Verbraucher ankommen. Meines Erachtens ist das Überangebot fast identischer Lebensmittel weniger Großkonzerne schuld an der Essensvernichtung. Ich selbst bin alt genug, um mich an Milchgeschäfte, Bäcker und Metzgereien zu erinnern, die ein klar definiertes, qualitativ gutes Angebot vorhielten. Was man dort mit Bedacht kaufte, wurde nicht weggeworfen. Das Überangebot jedoch suggeriert Beliebigkeit und spricht dem Lebensmittel jeglichen Wert ab. Wie konnte sich eine solche Übermacht der global operierenden Fressindustrie etablieren? Essen muss man eben.

Dirk Messner, Präsident Umweltbundesamt

Alle für alle

Der Wandel zu einer Gesellschaft, die die Grenzen des Planeten akzeptiert, verlangt große Veränderungen. Die Reduzierung von Treibhausgasen Richtung Null in 2050, eine umfassende Kreislaufwirtschaft oder Investitionen in die Stabilität der Ökosysteme gehören zu einer solchen Transformation. Wohlstandsproduktion muss vom Umweltverbrauch entkoppelt werden. Dafür müssen Energie-, Industrie-, Infrastruktursysteme umgebaut werden. Ohne Politik und Wirtschaft sind solche Veränderungen undenkbar. Doch in diesem Veränderungsprozess tragen wir alle (Mit-)Verantwortung, die wir nicht einfach auf Politik und Wirtschaft abschieben sollten. Wie und was wir konsumieren, kann erstens Nachhaltigkeit unterstützen oder untergraben: Hoher Fleischkonsum ist klima- und gesundheitsschädlich. Das Drittel unserer Nahrungsmittel, das wir quasi aus dem Kühlschrank in den Müll werfen, belastet unter anderem Böden und Biodiversität. Wir haben die Wahl zwischen Spritfressern, Elektromobilen, Fahrrädern. Zweitens sind es wir Bürgerinnen und Bürger, die wählen, sich äußern und organisieren können: für Umweltbelange, für Klimaschutz, für eine nachhaltige Gesellschaft. Drittens geht es bei Nachhaltigkeitstransformationen auch um einen kulturellen Wandel. Bessere Lebensqualität steht im Zentrum, lebenswerte und menschenzentrierte Städte, weniger Lärm, saubere Luft, Artenreichtum und der Schutz vor Klimawandelfolgen – eine gesunde Umwelt, die allen gut tut.

Kurt Sigl, Präsident Bundesverband E-Mobilität (BEM)

Nachhaltigkeit braucht Konsequenz

Wer sich dafür einsetzt, von Menschen gemachte Fehler zu beheben, die ein langes Miteinander von Mensch und Natur behindern, der kann durch entschiedenes Handeln zum nachhaltigen Leben beitragen. Am Beispiel der Mobilitätswende sehen wir dagegen nur einen Kleckerkurs. Die Bundesregierung beschließt die Förderung der Elektromobilität im Zuge der Corona-Krise und gibt dafür viel Geld aus. Gleichzeitig hält sie aber an der Subvention von Dieselkraftstoff fest. Den Roll-out der Ladeinfrastruktur schiebt sie dagegen auf die lange Bank. Das ist inkonsequent. Wer also ein E-Auto hat, kann nicht sicher sein, ob er überall komfortabel laden kann. Zudem lässt die zügige Umsetzung der von der EU beschlossenen Rahmendaten für den Neubau von Wohnhäusern, die standardmäßig mit Lademöglichkeiten für E-Fahrzeuge versehen sein sollen, auf sich warten. Das steht im Widerspruch zum Umweltpaket, welches alle Bundesministerien mitverantworten. Hinzu kommt: Käufer von Plugin-Hybrid-Fahrzeugen erhalten beim Erwerb einen hohen Staatszuschuss, der den Umstieg auf E-Autos erleichtern soll. Doch daran gibt es große Zweifel. Zu oft liegt das Ladekabel für den E-Antrieb originalverpackt im Kofferraum, weil der Wagen nur wegen der Prämie erworben wurde. All diese Widersprüche verhindern weitere Veränderungen. Es geht zu langsam mit der Mobilitätswende, die verbunden ist mit der Energiewende. Dafür braucht es ein gemeinsames Konzept.

Stefanie Stahnke, Leserin

Licht an, Licht aus

Ich muss mir überlegen, was ich wann nutzen möchte und wie lange. Und wenn ich damit fertig bin, habe ich auch alles ausgeschaltet, was ausgeschaltet werden soll. Ich ärgere mich über mich selbst oder meine Familienangehörigen am meisten, wenn ich zum Beispiel in ein leeres Zimmer komme, in dem das Licht noch brennt.

Michael Ehrmann, Dipl.-Ing.

Nachhaltig leben bedeutet Gutes vorleben

Bedenke bei allem was Du tust, ob Du Deinem Vorsatz \"Nachhaltig leben bedeutet Gutes vorleben\" treu bleibst.

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Wie investiert man jetzt?

Das Geschäftsklima ist schlecht und die deutsche Wirtschaft wird im Corona-Jahr wohl um mehr als sechs Prozent schrumpfen – eine denkbar schlechte Ausgangslage für alle, die ihr Geld anlegen wollen, möchte man meinen. Aber ist die Lage tatsächlich so aussichtslos? Oder warten im toten Winkel der Pandemie ungeahnte Chancen auf findige Investoren? Verraten Sie uns,wie man es richtig angeht.

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Dietrich Grönemeyer, Arzt und Initiator eines Gesundheitsfonds

Nachhaltig investieren in Gesundheit

Die Gesundheitswirtschaft mit all ihren Facetten ist eine der bedeutendsten Branchen weltweit. Ich sehe aber seit Jahrzehnten, dass nicht wirklich in Gesundheit, sondern nur in Medizin, IT, Hightech und sonstige technikgetriebene Werte investiert wird. Nach meinem Verständnis ist Gesundheit viel weiter zu fassen. Deshalb sollten ganzheitliche Konzepte und Innovationen gefördert werden, bei denen das Wohlbefinden der Menschen im Zentrum steht – von Selbstheilung und Naturheilkunde bis zur klassischen Fremdheilung, von Wellness bis zu gesundem Wohnen und Altersvorsorge als Bausteine einer umfassenden Gesundheitsversorgung. Auf dem Weg dorthin braucht es langfristige Ansätze. Daher ist ein Gesundheitsfonds notwendig, der ohne Beimischung branchenfremder Titel in aussichtsreiche Zukunftsthemen der Gesundheit und Vorsorge investiert. Dazu gehören Unternehmen aus den Bereichen Reha, altersgerechtes Wohnen, digitales Gesundheitswesen, Sport und Fitness, aber auch Pflanzenheilkunde und Telemedizin sowie computer- und robotergestützte Anwendungen. Jede Investition in die Zukunft sollte nachhaltig im Sinne der Sustainable Development Goals (SDG) der Vereinten Nationen sein. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Gesundheitswirtschaft sich nur nachhaltig entwickeln wird, wenn die Eigenverantwortung der Patienten und der Aspekt der Vorsorge gestärkt werden – ganz nach meiner Maxime: Der Mensch steht im Mittelpunkt.

Claudia Conen, Hauptgeschäftsführerin Bundesverband Deutscher Leasing- Unternehmen (BDL)

Multitalent Leasing

Die Leasing-Branche ist für den Neustart der Wirtschaft unverzichtbar und kann als Investitionsmotor wirken. Viele Unternehmen haben derzeit ihre Investitionspläne auf Eis gelegt. Das liegt etwa an der Unsicherheit über die künftige Entwicklung, aber auch an Liquiditätsengpässen und Schulden aufgrund der Corona-Krise. Für Firmen, die investieren wollen, stellt Leasing eine gute Lösung dar. Denn Leasing ermöglicht, liquiditätsschonend zu investieren und verringert die langjährige Verschuldung durch erzwungene Kreditaufnahmen. Nach dem „Pay as you earn“-Prinzip lassen sich die Leasing-Raten aus den erwirtschafteten Erträgen des Investitionsobjekts bestreiten. Mittels „Sale and lease back“ (SLB) kann Leasing auch Liquidität verschaffen. Unternehmen verfügen über zahlreiche stille Reserven, zum Beispiel gebundenes Eigenkapital in Immobilien oder Maschinen. Beim SLB-Vertrag kauft die Leasing-Gesellschaft das Objekt vom künftigen Leasing-Nehmer und verleast es diesem anschließend wieder zurück – was Unternehmen derzeit verstärkt nutzen. Leasing unterstützt zudem die Wirtschaft als Treiber bei der Digitalisierung – deren Dringlichkeit sich in den vergangenen Monaten gezeigt hat – sowie bei Nachhaltigkeit und Klimaschutz. So nutzen Unternehmen für die Finanzierung von umweltfreundlicheren Technologien am häufigsten Leasing, wie eine aktuelle Marktstudie belegt. Zudem kann Leasing eine Schlüsselrolle bei der Kreislaufwirtschaft übernehmen.

Jens Ehrhardt, Fondsmanager und Vermögensverwalter

Positive Prognosen

Während die Corona-Pandemie dramatische Entwicklungen in der Realwirtschaft verursacht hat, konnte sich die Börse erstaunlich schnell erholen – vor allem in Europa. Das liegt hauptsächlich daran, dass Europa im Vergleich zu den USA und Asien seine Konjunktur in den letzten Jahren nicht durch hohe Neuverschuldung angekurbelt hat und damit heute mehr Stimulierungspotenzial besitzt. Außerdem haben die Banken und Notenbanken so schnell reagiert wie noch nie zuvor. Fast überall wurden frisch gedruckte Scheine in die Hand genommen, um die Krise schnellstmöglich zu bekämpfen. Auch für Anleger muss die Krise kein Stillstand bedeuten. Geld sollte immer angelegt werden – aktuell am besten in Aktien. Sehr niedrige Zinsen und ein starker monetärer Schub sorgen dafür, dass die Aktienanlage sinnvoll bleibt, trotz wirtschaftlicher Kontraktion. Beispielsweise sind zur Zeit Versorgungsaktien sehr stabil, für unsere Kunden kaufen wir daher solche Aktien als Sicherheitspolster. Auch Goldaktien sind nicht verkehrt, da sie als krisenresistent gelten. Sowieso sollte man sein Geld nicht nur in eine Anlage stecken, sondern streuen. Auch wenn aktuell vermeldet wird, dass die Krise die deutsche Konjunktur gegenüber dem Vorquartal um etwa zehn Prozent hat einbrechen lassen, halte ich an meinen positiven Prognosen auf Einjahressicht fest. Die Konjunktur wird sich mehr erholen, als dass sie weiter einbricht. Voraussetzung: Es gibt keinen neuen Lockdown.

Maximilian Singermann, Leser

Angst heißt Verlust

Gar nicht, ist das, was aktuell viele denken. Geld sparen, weniger ausgeben, ressourceneffizienter Umgang mit dem, was man hat. Neue Werte bestimmen den Alltag. Ein Wandel in eine ressourceneffiziente und wertebestimmte Zeit ist schon lange vonnöten. Doch bedeutet das nicht, dass wir in Angst leben müssen. Angst ist in diesem Fall unser Verlust. Heute im Wandel ist es wichtiger als je zuvor, zu investieren. Nachhaltige Investitionen ist dabei das Schlagwort. Erneuerbare Energien, Wasserstoff und dergleichen werden den Markt leiten. Welche Innovationen werden unser Klima retten, die Digitalisierung vorantreiben und die Gesellschaft im Leben mit einer Pandemie unterstützen? Kenne ich die Antwort, kenne ich den Weg, nachhaltig zu agieren und mich gleichzeitig über meine Rendite zu freuen. Wer heute seine Angst überwindet und die Märkte der Zukunft erkennt, kann morgen als Gewinner dabei sein.

Michael Mieth, Leser

Nach und nach zum Kunstsammler

Wer heute in Kunst investiert, kann morgen davon profitieren. Hat man noch keine Sammlung und möchte nicht gleich Millionen investieren, kann man so vorgehen: Man startet mit mindestens zwei bis drei Kunstwerken von ausgewählten und vorab gut recherchierten Künstlern, deren Werdegang erfolgversprechend ist. Sobald der Wert der Kunstgegenstände um 50 Prozent angestiegen ist, verkauft man eines davon für mindestens den doppelten Preis. So schafft man sich die Möglichkeit, weitere Kunstwerke zu erwerben und gewinnbringend eine Sammlung aufzubauen. Ein Sammler hat seine ganz eigene Handschrift in der Zusammenstellung seiner Sammlung, seinen eigenen Stil. Sobald eine beträchtliche Sammlung zustande gekommen ist, kann der Sammler diese der Öffentlichkeit zugänglich machen. Nicht selten werden kuratierte Werke in wichtigen Museumsausstellungen oder auf Kunstmessen präsentiert. Je öfter der Name des Sammlers fällt, desto interessanter werden seine individuell zusammengestellten Werke auch für potenzielle Käufer. Auch auf exklusiven Privatveranstaltungen und öffentlichen Sammlergesprächen kommt man mit weiteren Sammlern, Künstlern, Galeristen, Kuratoren, Museen, Auktionatoren und Kunstförderern zusammen. Hat man die finanziellen Möglichkeiten, komplette Serien von Künstlern zu kaufen und genügend Fläche, diese zu präsentieren, kann man ein teils staatlich gefördertes Museum bauen lassen, in dem dann auch andere Sammlungen gezeigt werden können.

Herbert von Barís, Leser

Digital statt persönlich

Während Aktien, ETF, CFD-Trade oder ESG meist Begriffe und Abkürzungen sind, die nur ein Vermögensberater oder eine fachkundige Person versteht, können wir heute einfach ohne Wissen online in Sekunden investieren. Trading-Plattformen und Kryptowährung sind die Begriffe des 21. Jahrhunderts. Der Kontakt zum Berater wird immer weniger und die Möglichkeit, schnell und einfach zu investieren, immer größer. Die Pandemie beschleunigt zudem den Prozess, Bargeld zukünftig zu eliminieren. Somit führt kein Weg an Kryptowährungen vorbei. Bitcoin oder eine andere Kryptowährung wird sowohl den Dollar als auch den Euro ablösen und die Welt im Handel digital revolutionieren. Heute hat der Bitcoin schon einen hohen Wert und nicht ohne Grund, aber exponentielle Steigerungen werden rasant in den kommenden Jahren folgen.

Mark Mobius, Portfoliomanager und Finanzautor

Jede Krise bietet auch Chancen

Covid-19 hat die Welt mit ungekannter Wucht getroffen – auf sozialer wie wirtschaftlicher Ebene. Die weitreichenden Lockdowns werden weltweit auch für Unternehmen immense Folgen haben. Trotz allem erholen sich die Märkte in Schwellenländern wie in den Industriestaaten: Seit dem Einbruch im März hat der MSCI Emerging Market Index wieder 45 Prozent zugelegt, der MSCI Euro Index 36 Prozent. Als Investor fallen mir dazu zwei Dinge ein: Erstens entstehen durch Krisen neue Möglichkeiten. Covid-19 hat unsere Art zu Leben verändert. Es gibt Gewinner und Verlierer. Aufgabe eines Investors ist es, die Gewinner ausfindig zu machen – und die finden sich zum Beispiel im Technologie- und im Gesundheitssektor. Zweitens gelten meiner Meinung nach auch in ungewöhnlichen Zeiten wie diesen die gleichen Entscheidungsfaktoren für Investments: Suche nach Unternehmen mit innovativen Geschäftsmodellen, großem Wachstumspotenzial und gesunder Bilanz. Suche nach guten Bewertungen, schaue auf die Risiken und mache eine sorgfältige Due-Diligence-Prüfung. Außerdem sollte man sein Portfolio diversifizieren, zum Beispiel mit einem Goldanteil von mindestens zehn Prozent. Es gibt Chancen. Trotz der jüngsten Kursanstiege gibt es in Schwellen- und Entwicklungsländer interessante Potenziale. Aktienbewertungen liegen dort momentan 65 Prozent unter denen von US-Aktien – das ist die größte Bewertungslücke, die ich je erlebt habe.

Volker Weber, Vorstandsvorsitzender Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG)

Die Wohlfühl-Rendite

Seit Monaten hält Covid-19 die Welt in Atem und verdeutlicht jeden Tag, dass ein Verharren in alten Denkmustern unmöglich ist. Dies gilt gerade auch für die Kapitalanlage, denn Kapital ist der Hebel für die Entwicklung der Wirtschaft und legt die Grundlage für Veränderungen. Natürlich gibt es weiterhin diejenigen, die an einem schnell verdienten Euro interessiert sind. Manche konnten für sich die aktuelle Börsensituation nutzen. Viele Investoren erkennen aber inzwischen die Chancen nachhaltiger Investments, mit denen sich langfristig gute Renditen erzielen sowie Innovationen für eine lebenswerte Umwelt und gesellschaftliche Notwendigkeiten finanzieren und fördern lassen. „Gutes tun und Geld verdienen“ wird das neue Must-have. Doch wie investiere ich nachhaltig? Es gilt zunächst einmal, sich in einem Selbsttest drei Fragen zu beantworten: Welche Rendite ist mir wichtig, also Finanz-, Umwelt- oder Sozialrendite? Was will ich, zum Beispiel gleiche Entlohnung für Mann und Frau, Fairtrade, Biodiversität oder Stabilisierung der Gesundheitssysteme? Was will ich nicht, etwa Umweltverschmutzung, Verletzung von Menschenrechten, Waffen oder Korruption? Mit diesen drei Fragen lassen sich zielgerichtet Investments auswählen und man hat sofort ein gutes Gefühl, zukunftsorientiert investiert zu haben – und ganz nebenbei gute Chancen auf eine überdurchschnittliche Rendite. Denn Nachhaltigkeit und Rendite schließen sich keineswegs aus.

Frank Thelen, Investor

Global denken

In den letzten Jahren hat es eine enorme Werteverschiebung an der Börse gegeben. Die drei größten Tech-Konzerne der USA sind aktuell einzeln mehr wert als alle 30 Dax-Unternehmen zusammen. Tesla hat Anfang des Jahres die gesamte Autoindustrie hinter sich gelassen. Kritiker sehen diese Firmen als maßlos überbewertet, weil sie den Marktwert lediglich vom gegenwärtigen Umsatz und Gewinn ableiten. Bei den meisten Technologie-Unternehmen geht diese Rechnung jedoch nicht mehr auf. Unsere Welt befindet sich gerade im Wandel. Nur, wer jetzt mutig in die Zukunft investiert, wird auch in ein paar Jahren noch an der Spitze seiner Branche stehen. Wie schnell es gehen kann, hat unsere Autoindustrie gerade erlebt. Deshalb gilt es jetzt, in die Unternehmen zu investieren, die den Fokus auf die Zukunft setzen, anstatt nur auf die nächsten Quartalszahlen zu schauen. Die Digitalisierung war erst der Anfang. Neue Technologien wie Künstliche Intelligenz, Blockchain, 3D-Druck oder das Internet der Dinge werden ganze Industriezweige auf den Kopf stellen. Wer hier schon jetzt in diese Innovationen investiert, hat eine Chance, sich am Markt zu behaupten. Deshalb investiere ich mit Freigeist ausschließlich in Tech-Startups. Hier sehe ich nicht nur das größte monetäre Potenzial, sondern bin auch überzeugt, dass Technologie unsere einzige Chance ist, globale Herausforderungen wie den Klimawandel und die Energiewende zu bewältigen.

Franz Beckmann, Leser

Perlentaucher gesucht

In Anbetracht der alles bewegenden Pandemie empfehle ich einen Blick auf die Gewinner und Verlierer der Krise. Bei den Gewinnern ist etwas Vorsicht geboten. Im Raum steht die Frage, ob der Schub der letzten Monate anhält und einen weiteren Boost für das Unternehmen möglich macht. Hier gilt dennoch: The trend is your friend. Bei Verlierern lohnt sich ein Blick auf die wirkliche Substanz des Unternehmens, fernab von PR und dem Getrommel aus der Vorpandemiezeit. Hier gibt es einige unterbewertete Perlen.

Reinhard Pfingsten, Investmentexperte

Der Nische entwachsen

Nachhaltigkeit in der Geldanlage und Vermögensverwaltung ist en vogue. Kaum ein Finanzinstitut, das nicht seinen Kundinnen und Kunden Anlagemöglichkeiten nach ökologischen und sozialen Kriterien bietet – oder sogar aktiv nahelegt. Der Trend zu nachhaltiger Vermögensverwaltung und nachhaltigen Fonds ist in den vergangenen zehn Jahren stetig gewachsen. Finanzinstitute, die diese Anlagestrategie ernsthaft verfolgen, arbeiten dabei mit einem unabhängigen Nachhaltigkeitsbeirat zusammen, dessen namhafte Mitglieder die Investments überwachen und neue Impulse liefern. Diese sollten sogar Einzeltitel ausschließen können, wenn sie ihrem Nachhaltigkeitsanspruch nicht gerecht werden. Die Vermögensverwaltung hat ihrem Urteil dann Folge zu leisten. Denn Erfahrung, Kompetenz, eine verlässliche Datenbasis und klare Investmentkriterien sind entscheidend für die Frage, ob die nachhaltige Kapitalallokation wirklich konsequent erfolgt oder ob eher ein „Green Labeling“ stattfindet. Dabei reicht es nicht, diese Form der Vermögensanlage einfach bereitzuhalten. Banken, die es ernst meinen mit der Nachhaltigkeit, besprechen in der Vermögensverwaltung eine grüne Anlagestrategie standardmäßig als erstes Angebot mit den Kunden. Diese goutieren das Engagement: Bei meiner Bank erwarten wir, dass in diesem Jahr rund zwei Drittel der Mittelzuflüsse in der Vermögensverwaltung in nachhaltigen Produkten erfolgt. Green Finance ist somit längst heraus aus der Nische.

Martin Bolwinsky, Leser

Gut beraten

Nachhaltig investieren ist das neue Schlagwort meines Vermögensberaters. Vor weniger als einem Jahr wurden noch Begriffe wie Performance, Innovation und Hightech benutzt, um mir zu erklären, wie ich am sinnvollsten mein Vermögen aufbaue. Dieses Jahr war einzig die Rede von nachhaltigen ökologischen und ökonomischen Investitionen, erneuerbaren Energien und Schwellenländern. Das beschreibt gut einen Wandel, der selbst bei einem Laien wie mir nicht vorbeiging. Anfangs war ich ängstlich und verstand nicht, wie Investitionen und Rendite in Schwellenländern zusammenhängend funktionieren können. Mittlerweile bin ich dankbar: dankbar, den richtigen Berater zu haben, etwas Nachhaltiges für die Welt, unser Klima und andere Menschen zu tun und trotzdem eine gute Rendite zu erzielen. Investieren ist nach wie vor ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. Dabei habe ich in den letzten Monaten einmal mehr erlebt: Investieren fängt bei der richtigen Bank beziehungsweise dem richtigen Berater an.

Anja Melchior, Leserin

Sichere Bank

Die aktuelle Pandemie ist ein Schicksal, dass wir in dieser Form noch nicht erlebt haben. Wirtschaftlich sind aber Markteinbrüche, Insolvenzen und die Verschiebung der Märkte mit vergangenen historischen Ereignissen vergleichbar. Die Folgen laufen wie zwei Parabeln parallel zueinander, nur in unterschiedlichen Zeiten. Die großen Gewinner – in der Vergangenheit wie in der Zukunft – sind unsere Rohstoffe, besonders Gold.

Wolfgang Beringer, Leser

Im Wandel der Zeit

Während wir vor wenigen Monaten in den Supermärkten teilweise unser täglich Brot nicht mehr vorfinden konnten, Mehl und Klopapier auf Vorrat leer gekauft wurde, wir unsere Türen für Freunde und Familie verschlossen und die Wirtschaft vor ungeahnte Herausforderungen gestellt wurde, war es für wenige eine Zeit der Chancen und Möglichkeit zu hoher Rendite und kurzfristigen liquiden Erlösen. Der Tourismus bleibt aus, viele Fluglinien müssen Insolvenz anmelden und viele Betriebe stehen vor ungewisser Zukunft. Gleichzeitig erwirtschaften Märkte, wie der Online-Handel Umsätze wie nie zuvor. Unsere Gesellschaft befindet sich im Wandel. Ein Wandel, der enorme Chancen birgt. Märkte, die vom Wandel profitieren, werden langfristig die Gewinner sein. Corona ist keine kurzfristige Begleiterscheinung, sondern eine lebensverändernde Pandemie, mit der wir lernen müssen, umzugehen. Somit bedarf es in der heutigen Zeit nicht mehr an Mut zum Investieren, sondern mehr an Verständnis, die richtigen Märkte im Wandel der Zeit ausfindig zu machen.

Markus Koch, Börsenjournalist und Finanzautor

Fähnchen im Wind

Zweifel sind unbequem, aber Gewissheit ist lächerlich. Die Corona-Krise ist eine unangenehme Zeit, weil dieses Abenteuer kein gutes ist und weil unsere Sehnsucht nach Sicherheit herausgefordert wird. Die hohen Schulden, Defizite und Bilanzen der Notenbanken, einhergehend mit der schwachen Wirtschaft und der hohen Arbeitslosigkeit, machen Angst. Diese Krise ist aber auch eine gefährliche Chance. Aus unmöglich wird möglich, weil es anders nicht geht. Es wird agiert, improvisiert, experimentiert. Oder anders gesagt: Es wird gemacht, zu Hause wie in der Politik, der Wirtschaft und bei den Zentralbanken. Fragile Strukturen werden bloßgestellt, Geschäftsmodelle auf mehr Effizienz getrimmt, mit einer beschleunigten Adaption von Technologie. Vorausgesetzt, das Virus will nicht anders, sollte sich die Erholung der Wirtschaft und der Unternehmensgewinne fortsetzen. Zu den Risiken zählt auch der Rentenmarkt. Es sind die negativen US-Realzinsen, die den US-Dollar belasten und die Edelmetalle und Big-Tech-Aktien treiben. Ziehen die Renditen der Anleihen an und preisen ein verbessertes Wirtschaftsumfeld ein, endet die Party in so ziemlich jeder Anlageklasse. Die Bilanz der Federal Reserve Bank wird weiter steigen müssen oder es wird der direkte Weg zu den Girokonten der Verbraucher gewählt. Kann die Wall Street bis zu den Wahlen im November übrigens das Niveau halten, könnte Donald Trump im Weißen Haus bleiben. Mein Tipp auf lange Sicht: Bitcoin.

Bernhard Rathgeber, Vorstand Ökofinanz-21 e.V.

Gute Wahl für unsichere Zeiten

Wer bei seinen Geldanlagen ökologische, soziale und ethische Aspekte berücksichtigt, ist heute im Vorteil – und das gleich mehrfach. Hinsichtlich der Wirkungen eines Investments und der Vermeidung (klima-)schädlicher Effekte gilt dies ohnehin. Vorteile finden wir heute jedoch auch bei Risiko und Performance: Der Vergleich des konventionellen Weltaktienindex MSCI World mit seinem nachhaltigen Bruder, dem MSCI World SRI, zeigt dies seit Jahren – besonders in 2019 und in der jetzigen Krise. Eine Vielzahl an Studien belegt diese Vorteile nachhaltiger Investments. Auch interessant in diesem Zusammenhang: Unter den nachhaltigen Fonds finden sich prozentual mehr Top-Fonds als bei herkömmlichen Fonds. Folgerichtig steigen Anzahl und Volumen nachhaltiger Fonds laut aktuellem Marktbericht des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) rasant. Um Kriterien und die Qualität der Nachhaltigkeit von Fonds zu prüfen, ist das FNG-Siegel eine Option. Es braucht umsichtige Beraterinnen und Berater, die einem dabei helfen, einen Plan zu entwickeln, damit man seine finanziellen Ziele auch in unübersichtlichen Zeiten möglichst erreichen kann. Sie unterstützen zudem bei der Auswahl geeigneter Fonds. Fragen Sie Ihren Berater, seit wann er sich mit nachhaltigen Anlageformen beschäftigt und wie er hier qualifiziert ist.

Michael Ehrmann, Dipl.-Ing.

Nachhaltig investieren

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Wie stärkt man digitale Kompetenzen?

Als die Arbeitswelt, egal ob Lehrer, Angestellte oder Selbstständige, zum Beginn der Corona-Krise einen regelrechten Digitalisierung-Crashkurs einlegen musste, wurde nochmal mit aller Deutlichkeit klar: Für viele ist die digitale Transformation echtes Neuland. Weil der Weg zurück keine Option ist, geht es jetzt darum, die Grundlagen zu vertiefen. Schreiben Sie uns, wie das am besten klappen könnte.

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Florian Nuxoll, Lehrer und Publizist im Bereich Medienbildung

Digital überzeugend

Um die Digitalkompetenz von Lehrkräften und Eltern zu stärken, muss man zunächst zeigen, warum der Einsatz digitaler Technologien für das Lernen überhaupt sinnvoll ist. Es gibt Lehrkräfte und Eltern, die wollen, dass Kinder und Jugendliche analog und nicht abgelenkt durch Social Media, Push-Nachrichten oder technische Probleme lernen. Erst wenn sie erkennen, dass der Einsatz sinnvoll und nötig ist, werden sie bereit sein, diese Kompetenzen nachhaltig zu erwerben. Und er ist nötig, erstens, weil Schüler in einer digitalen Welt aufwachsen und es unsere Aufgabe ist, sie dabei pädagogisch zu begleiten und ihnen zu helfen, Chancen und Gefahren einschätzen zu können. Zweitens, weil Algorithmen beim Unterrichten hilfreich sind. Diese können etwa bestimmte Schülerantworten analysieren und fundierte Rückmeldungen über den Lernstand geben. So kann Technologie helfen, jeden Lernenden individuell zu fördern. Sobald eine positive – oder zumindest nicht mehr negative – Einstellung gegeben ist, werden Ansätze zur Stärkung der Digitalkompetenz erfolgreich sein. Dann braucht es fachspezifische Fortbildungen, eine verlässliche digitale Ausstattung in der Schule und zu Hause, einen Kanon an sinnvollen Apps sowie Bildungstechniker an jeder Schule. Diese können bei technischen Problemen helfen und innovative Unterrichtsszenarien mit umsetzen. So bekommen Lehrkräfte und Eltern die Möglichkeit, ihre Digitalkompetenz Schritt für Schritt zu stärken.

Herbert Kubicek, Vorstand Stiftung Digitale Chancen

Unterschiede beachten

Zwischen sieben und acht Millionen der über 70-Jährigen waren noch nie im Internet. Angesichts der fortschreitenden Digitalisierung droht ihnen eine Beeinträchtigung ihrer sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Teilhabe. Diesem Risiko soll nach herrschender Auffassung durch die Förderung digitaler Kompetenzen in Form von Tablet- und Smartphone-Kursen begegnet werden. Die gibt es schon länger, doch nur ein kleiner Teil nutzt diese Angebote. Um das zu verstehen, sollte man vor dem Wie der Förderung digitaler Kompetenzen nach dem Wozu und Warum fragen. Digitale Kompetenzen sind ein Mittel zur digitalen Teilhabe, die Voraussetzung für soziale Teilhabe ist. Der digitalen Teilhabe stehen sehr verschiedene Gründe entgegen. Viele ältere Menschen glauben, das Internet sei nur etwas für die Jungen. Doch die Corona-bedingten Beschränkungen haben gezeigt, worauf man verzichten muss, wenn physische Kontakte eingeschränkt werden und man die digitalen Alternativen nicht nutzen kann. Andere trauen sich als totale Laien nicht in einen Kurs mit möglichweise weiter Fortgeschrittenen. Wieder andere können aufgrund körperlicher Einschränkungen einen Kurs oder andere stationäre Angebote nicht aufsuchen. Und es gibt diejenigen, die mit beginnender Demenz sich nicht merken können, was ihnen gezeigt wird. Nicht zu vergessen sind schließlich diejenigen, die sich angesichts der Altersarmut weder ein Gerät noch einen Vertrag leisten können.

Peter Burgard, Leser

Richtig erklärt

Die Stärkung digitaler Kompetenz erfordert analoge Kompetenz. Hard- und Software erfolgreich zu verwenden, braucht verständliche, möglichst individuelle Anleitung. Selbst in Universitäten wird bei Problemen beim Zimmernachbarn angeklopft oder zum Telefon gegriffen. Handbücher sind nur bedingt hilfreich. Da diese nur noch online zur Verfügung stehen, setzt deren Lektüre bereits digitale Kompetenz voraus. Wie bei den meisten Kompetenzen auch wird digitale Kompetenz in der Zusammenarbeit mit anderen Menschen erworben und erweitert. Wer sich verbessern möchte braucht Unterstützung. Auch hier ist analoge Kompetenz gefordert. Wer digitale Kompetenz vermittelt, sollte sich auf seine Hände setzen, um nicht der Versuchung zu erliegen, durch ein paar rasche Klicks zu demonstrieren, wie einfach doch der Umgang mit einem Computer ist. Kompetenz bedeutet die Fähigkeit zur zielgerichteten, sinnvollen und erfolgreichen wiederholten Bewältigung einer Aufgabe. Am digitalen Gerät zu daddeln oder sich durchs Internet treiben zu lassen, ist vielleicht eine Aktivität, aber keine Kompetenz.

Marie Tritschler, Leserin

Ich glaube, für unsere Kinder wäre es wichtig, wenn unsere Lehrer mehr Freiheiten und mehr Unterstützung in der Ausübung ihrer Leidenschaft erfahren würden. Der Sprung in die digitale Lernwelt ist ein sehr großer.

Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitales

Deutschland lernt

Ob Arbeit, Gesundheit, Mobilität oder Kommunikation: Digitale Kompetenzen sind die Voraussetzung dafür, an der Digitalisierung teilhaben und die Anforderungen, die sich hieraus ergeben, meistern zu können. Sie sind aber auch Voraussetzung, um sich mit den Risiken der Digitalisierung auseinandersetzen zu können. Digitale Kompetenzen sollten so früh wie möglich erworben werden. Insofern setze ich mich für Lehrpläne bereits an den Grundschulen ein, die Mädchen und Jungen auf die digitale Gegenwart und Zukunft vorbereiten und die die Vermittlung der erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten zum Ziel haben. Aber auch ältere Menschen müssen sich im Zuge des lebenslangen Lernens mit der Digitalisierung im Rahmen der beruflichen Aus- und Fortbildung befassen. Von staatlicher Seite müssen hierzu ergänzende Informationsangebote zum Erwerb von digitalen Kompetenzen bereitgestellt werden. So habe ich mit der kürzlich von mir initiierten Bundeszentrale für digitale Aufklärung begonnen, eine Plattform bereitzustellen, die Themen der Digitalisierung aufgreift und entsprechendes Wissen vermittelt. In einer mehrstufigen Aufbauphase soll dieser Informationspool stetig anwachsen und die Bürgerinnen und Bürger auf dem Weg der Digitalisierung mit niedrigschwelligen und vertrauenswürdigen Angeboten begleiten. Ich bin fest überzeugt: Digitale Kompetenz ist Grundlage für die konstruktive Annahme der mit der Digitalisierung einhergehenden Veränderungen.

Kai Reinhardt, Professor für Kompetenz- management und Digita- lisierung, Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin

Digital lernfähig

In allen Bereichen der Wirtschaft hat ein Wettlauf um die Vorherrschaft über Daten begonnen. Wer über Daten verfügt und in der Lage ist, diese für sich zu nutzen, kann Geschäftsmodelle technisch verbessern, Kundenerlebnisse digitaler machen und die Gewinne schneller skalieren. Es geht um nichts Geringeres als darum, die Organisation neu zu erfinden, bevor man selbst disruptiert wird. Doch das kann nicht ohne beträchtliche Investitionen in den digitalen Kompetenzaufbau erfolgen. Entscheider konzentrieren sich dabei oft zu voreilig auf die Suche außerhalb des Unternehmens, etwa durch Einstellung eines Chief Digital Officers oder die Akquisition von Startups, und übersehen dabei das Potenzial der Kompetenzentwicklung ihrer eigenen Belegschaft. Dabei gibt es mit Reskilling und Upskilling zwei starke strategische Instrumente, um die digitale Agenda im Unternehmen voranzutreiben und gleichzeitig Mitarbeitern eine Perspektive zu geben. Zunächst werden digitale Grundkompetenzen im Top-Management aufgebaut und Manager gezielt zu Digitalexperten entwickelt. Zweitens wird Reskilling dafür genutzt, fähige Mitarbeiter in neue Rollen zu entwickeln, etwa als Data Scientist, Data Engineer oder Machine Learning Expert. Der stärkste Hebel aber ist das Upskilling. Hier geht es um eine neue Kultur und neue Erfahrungen aller Mitarbeiter – also darum, eine gemeinsame digitale DNA zu entwickeln und in der ganzen Organisation zum Leben zu erwecken.

Michael Ehrmann, Leser

Bei allen Anstrengungen, die wir zur Stärkung der digitalen Kompetenzen aufwenden, darf die Menschlichkeit nicht vergessen werden.

Thorsten Holz, Professor für Systemsicherheit, Ruhr-Universität Bochum

Gesundes Misstrauen

Der digitale Wandel ist in allen Bereichen unserer Gesellschaft angelangt. Unaufhaltsam durchdringt die Entwicklung ins digitale Zeitalter alle Schichten und Aspekte unserer modernen Gesellschaft. Digitale Kompetenzen werden deshalb immer wichtiger. Wir müssen lernen, effektiv mit den neuen digitalen Möglichkeiten umzugehen. Nahezu parallel mit der zunehmenden Digitalisierung, dem Wachstum des Internets und der Vielzahl der dort angebotenen Informationen und Dienstleistungen steigen die Herausforderungen in den Bereichen Datenschutz und Datensicherheit. Der Austausch von persönlichen und wirtschaftlich relevanten Daten ermöglicht es, viele Aktivitäten und Geschäfte in die virtuelle Welt zu verlagern. Dies schafft Raum für Begehrlichkeiten und Manipulationen. Ein wichtiger Aspekt digitaler Kompetenz ist deshalb die IT-Sicherheit: Nur sichere und vertrauenswürdige IT-Prozesse werden nachhaltig den positiven Einsatz der Informationstechnik möglich machen. Um dies zu erreichen, sollte man ein gesundes Misstrauen in digitale Dienste entwickeln. Beispielsweise stellen Fake News und Deepfake-Bilder große Herausforderungen dar. Wir müssen lernen, solche Bedrohungen effektiv zu erkennen und uns nicht davon täuschen zu lassen.

Ramón Reichert, Kultur- und Medientheoretiker

Ein Land wird digital

Digitale Kompetenz ist heute in aller Munde. Oft wird sie als eine Art Fitnessprogramm bewertet, das der Einzelne für Bildungssysteme, Kapitalmärkte und Technologiesektoren zu absolvieren hat. Digitale Kompetenz kann aber auch als kritisch-kreative Reflexion des digitalen Lebens verstanden werden und firmiert in diesem Sinne als grundlegende Einstellung zur Frage: Wie will ich leben? Digitale Kompetenz kann Chancen der politischen Ermächtigung eröffnen. Sie ebnet den Weg für neue demokratische Beteiligungsverfahren und ermöglicht Initiativen für mehr Bildungsgerechtigkeit und Gendersensibilität. Inzwischen hat sich eine breite Diskussion um den Begriff „Literacy“ etabliert. Er bezeichnet medienreflexive und technologieresiliente Fähigkeiten, die bei der Verwendung von Medien, Technologien und Ressourcen entstehen können. Digital Literacy umfasst neben technisch-praktischen Fertigkeiten auch interpretative und kritische Fähigkeiten der sinnverstehenden Medienrezeption. Befähigt für den digitalen Alltag erkennen Repräsentanten der Digital Literacy rhetorische Verfahren und visuelle Regime von Hate Speech und Cyber-Mobbing. Sie können Fake News gegen den Strich lesen und haben ein Gespür für die Machtasymmetrie von User-Interface und algorithmischer Informationskontrolle. Wer heute digital kompetent sein will, der vereint technologische, soziale und kulturelle Kompetenzen, ist Informatiker, Künstler und Bürger der digitalen Zivilgesellschaft.

Franziska Divis, Leserin

Nicht lockerlassen

Ich beobachte die Digitalisierung in beiden Rollen, als Mutter eines schulpflichtigen Kindes und als Verantwortliche im IT-Vertrieb. Die letzten Monate haben eklatant gezeigt, wo Deutschland noch aufholen muss. Leider stelle ich hier eine Art Lethargie fest, seitdem sich bei den Menschen der „Fast-Normalzustand“ wieder eingestellt hat. Somit rückt die absolut essenzielle Digitalisierung in vielen Bereichen in den Hintergrund. Viele Eltern höre ich immer noch sagen: „Mein Kind ist noch zu jung für ein Notebook, ich möchte das nicht.“ Auf der anderen Seite steht die Lehrerschaft, die sich hoffentlich in den Sommerferien Gedanken über ihre Kompetenzen im digitalen Unterricht gemacht hat. Mir blutet das Herz als digitaler Pionier, wenn ich sehe, wie sehr sich Menschen in Deutschland vor dem technischen Fortschritt verschließen. Klappen könnte es, wenn sich Eltern und Bildungseinrichtungen, aber auch Arbeitgeber und Mitarbeiter mit dem Thema Digitalisierung bewusst auseinandersetzen und es als Chance begreifen, die sich ihnen bietet. Wir stehen doch für das Qualitätslabel „Made in Germany“, dann nutzen wir doch bitte die Chance und öffnen uns gegenüber diesen tollen neuen Möglichkeiten, die durch die Digitalisierung in allen Bereichen auf einmal machbar werden.

Frank Mattes, Leser

Sichtbarer Gewinn

Ich, noch vor Corona: „Ich installier euch mal beim nächsten Besuch ein Programm, damit wir Videotelefonate führen können.“ Papa und Opa daraufhin unisono: „Nein, sowas brauchen wir nicht und sowas kommt mir nicht ins Haus!“ Wenige Wochen später ruft mein Papa wieder an: „Du, komm doch demnächst mal vorbei. Wir bräuchten mal dieses Videotelefon auf dem Computer, Oma will die Enkel sehen. Kannst du morgen?“ Daraufhin Programm installiert und erklärt, auch Opa sieht jetzt den Nutzen – im wahrsten Sinne des Wortes – und hört beim nächsten Mal wirklich hin, wenn der Enkel mit diesem Internet um die Ecke kommt. Kurzum: Machen und lernen (wollen), dann klappt es auch im Alter noch mit der digitalen Kompetenz.

Christine Scholz, Leserin

Endstation Zukunft

Wir würden als Lehrer gerne mehr digitale Kompetenzen vermitteln, wenn denn die Rahmendaten stimmen. Leider ist unsere Arbeitszeit mit administrativen Aufgaben verstopft, deren Sinn sich nicht immer erschließt. Auch die Dokumentationspflicht frisst Zeit, die für die Schüler verloren geht. Gerade die Corona-Krise hat gezeigt, wie schwierig die Ausgangsbedingungen sind und wie wenig digitaler Unterricht im Schultag angekommen ist. Ein großes Manko war die fehlende Ausstattung der Schüler, Viele Eltern können sich gerade mal ein Smartphone leisten. Auch in den Schulen fehlt eine zeitgemäße digitale Infrastruktur. Der Digitalpakt Schule wird hier sicherlich irgendwann Abhilfe schaffen, aber die schier endlosen Debatten, welche Anwendungen überhaut benutzt werden dürfen, sollten dann endlich beendet sein.

Ilka Hoffmann, Leiterin des Organisationsbereichs „Schule“, Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW)

Auf die Grundlagen kommt es an

In der Corona-Krise hat die Debatte um digitale Kompetenzen einen neuen Schub erhalten. Das ist gut so, denn junge Menschen wachsen in einer digitalisierten Arbeits- und Lebenswelt auf. Demokratie, Teilhabe und Selbstbestimmung lassen sich nur erhalten, wenn die Menschen die Wirkungsweise von Datensystemen durchschauen, die Digitalisierung gesellschaftlich einordnen können sowie die Anwendung beherrschen. Daher wird hier der Ruf nach Pflichtfächern schon ab der Grundschule laut. Aber ist das die Lösung? In Deutschland leben mehr als sechs Millionen erwachsene Menschen, deren Kompetenzen im Lesen und Schreiben für eine gesellschaftliche Teilhabe nicht ausreichen. Studien – nicht zuletzt die PISA-Sonderauswertung zu den digitalen Kompetenzen – kommen zu dem Schluss, dass Lernende nur dann von der Computernutzung profitieren, wenn sie auf solide analoge Grundfertigkeiten – Lesen, Schreiben, Rechnen – zurückgreifen können. Auch Fähigkeiten selbstgesteuerten Lernens und eine gute Konzentrationsfähigkeit sind nötig. Wollen wir in den Schulen junge Menschen heranbilden, die in einer digitalisierten Welt bestehen können, dann heißt das: Analog first! Auch Fernunterricht muss nicht ausschließlich digital sein. Es gibt weiterhin Bücher und Material „zum Anfassen“. Ebenso wichtig wie das Bearbeiten von Lernprogrammen sind der Dialog und der Austausch über Lerninhalte. Hier braucht es ein gutes Konzept, das analoges und digitales Lernen verbindet.

Kevin Zimmermann, Leser

Man lernt durch Anwenden. Das gilt auch für digitale Kompetenzen.

Susanne Schmitt, Geschäftsführerin Hessische Landesstelle für Suchtfragen (HLS)

Kompetenz fürs Leben

Medienkompetenz zählt mittlerweile zu den Schlüsselkompetenzen in unserer Gesellschaft. Digitale Medien verändern unsere Lebenswelt und sind aus Arbeit, Bildung oder Freizeit nicht mehr wegzudenken. Ein kompetenter Umgang mit Medien ist so wichtig geworden wie Lesen und Schreiben. Wer medienkompetent ist, kann die Chancen neuer Medien nutzen und mögliche Risiken reduzieren. Im Internet surfen, Computerspiele zocken, mit dem Smartphone Bilder und Videos machen: Wenn wir Heranwachsende betrachten, bewegen diese sich ganz selbstverständlich in der digitalen Welt. An technischem Wissen über Medien mangelt es ihnen in der Regel nicht, jedoch oftmals am verantwortungsvollen Umgang mit ihnen. Kinder und Jugendliche benötigen daher Unterstützung, um Medien bewusst, kritisch und reflektiert nutzen zu können. Die Förderung der Medienkompetenz sollte demnach bereits im frühen Kindesalter beginnen. Hier sind Eltern und Erziehende Vorbilder und können durch die eigene Haltung zu digitalen Medien die Medienkompetenz ihrer Kinder positiv beeinflussen. Ein unreflektierter Umgang kann leicht zu einer problematischen Mediennutzung führen, nicht nur bei Heranwachsenden. Auch Erwachsene benötigen daher die Fähigkeit, für sich selbst und andere einschätzen zu können, wie viel Medienkonsum altersgerecht und gesund ist. Der Aufbau und die Förderung einer guten Medienkompetenz ist also für alle Altersgruppen wichtig, denn Medienkompetenz ist Lebenskompetenz.

Udo Beckmann, Bundesvorsitzender Verband Bildung und Erziehung (VBE)

Pakt für die Zukunft

Wer Kompetenzen stärken will, muss dafür sorgen, dass mit einer angemessenen Ausstattung Erlerntes geübt und Neues entdeckt werden kann – und dafür ausreichend Zeit zur Verfügung steht. Zum Stärken der digitalen Kompetenzen braucht es daher digitale Endgeräte und qualitativ hochwertige Software und Lernplattformen, die Schülerinnen und Schüler anspricht. Dass das eine Individualisierung nach Alter einschließt, ist selbstredend. Um digitale Kompetenzen vermitteln zu können, benötigen Lehrkräfte entsprechende Aus-, Fort- und Weiterbildungsangebote. Die gibt es weder quantitativ noch qualitativ in ausreichendem Maß. Reine Präsenzveranstaltungen an veralteten Computern müssen endlich der Vergangenheit angehören. Denn Lehrkräfte sollen bei diesen Veranstaltungen selbst den Mehrwert des digitalen Lehrens und Lernens erleben können. Und nicht zuletzt braucht das Stärken der Medienkompetenz die Verabredung, fächerübergreifend digitale Endgeräte einzusetzen, um den Mehrwert der digitalen Recherche zu erleben, der Tools zur Teamarbeit oder auch der Möglichkeit, sich auf neuen Wegen Wissen zu erschließen. Dafür braucht es aber Zeit für die Abstimmung untereinander, Zeit für das Lernen voneinander und Zeit, miteinander die Entwicklung zu evaluieren. Die Richtung ist klar: Wir wollen digitaler werden in den Schulen und die Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler stärken. Dafür die Rahmenbedingungen zu schaffen, ist Aufgabe der Politik.

Ralf Lankau, Professor für Mediengestaltung und Medientheorie, Hochschule Offenburg

Homo Digitalis vs. Humanitas

Ein Virus reicht und wir sitzen am Bildschirm – im Homeoffice oder zum Fernunterricht. Digitalisten jubeln. Heimarbeit macht teure Büros überflüssig, der New Yorker Bürgermeister schwärmt, nach der Pandemie blieben die Schulen geschlossen, um Geld zu sparen. Es gäbe doch die Schul-Cloud. Kinderärzte und Gerontologen, Pädagogen wie Psychologen warnen eindringlich, dass durch Kontaktverbote und Lockdown die Schwächsten der Gesellschaft – Kinder, behinderte und alte Menschen – am stärksten leiden. Das Soziale und Zwischenmenschliche lässt sich nicht digitalisieren. In Schulen etwa hat Covid-19 schon jetzt gezeigt: Für erfolgreichen Fernunterricht brauchen wir mehr qualifizierte Lehrkräfte plus Mentoren und Tutoren. Lernen basiert auf Beziehung und Vertrauen, nicht Technik. Gleiches gilt für die Pflege. Dazu kommt: Die digitale Transformation der Gesellschaft mit dem Ziel der digitalen Organisation von Gesellschaft basiert auf personalisierten Daten. Wir Nutzer sind permanente Datenspender für Personal Analytics (Office) oder Learning Analytics (Schulen). Zum Überwachungskapitalismus gesellt sich die Überwachungspädagogik. Wer daher Digitalkompetenz fördern will, muss die Struktur und Logik der Datenökonomie aufzeigen und Alternativen zur Plattformökonomie entwickeln. „IT neu denken“ heißt die Aufgabe, um Digitaltechnik und Netzwerke vom Fetisch wieder zum Werkzeug zu machen.

Robert Heberle, Leser

Mit Workshops, bei denen Lehrer und Schüler zusammen neue Unterrichtstools kennenlernen. So begeben sie sich in einen ehrlicheren Austausch als im Frontalunterricht, der den Lehrer als Alleswisser positioniert.

Tarik Özkök, Leser

Souveräner Umgang

Natürlich stärkt man digitale Kompetenzen, indem man sich in Anwendung und Verständnis digitaler Werkzeuge schult. Aber die zentrale Kompetenz wird dabei oft übersehen: auch mal was abzulehnen und technische Innovation nicht mit Zukunft gleichzusetzen. Denn wenn man sich zu sehr von den messianischen Verheißungen der Tech-Industrie blenden lässt, versäumt man, sich als Gesellschaft demokratisch zu fragen, ob man das wirklich braucht und in welchem Maße, oder ob nicht menschliche Fähigkeiten erweitert werden müssten. Ist nicht das Internet Ausdruck der Sehnsucht, ein weltumspannendes Bewusstsein zu entwickeln? Ist nicht das Auto Ausdruck für das Ziel, einen freien Willen zu entwickeln? Sind soziale Medien nicht Ausdruck der Sehnsucht nach Freundschaft und menschlicher Begegnung? Ist unser Bilderdurst nicht ein Zeichen für den Wunsch, selber kreativ zu sein? Wo die Technik dem Menschen und seiner persönlichen Entwicklung dient, hat sie das richtige Maß. Diese Souveränität sollte die Basis digitaler Fertigkeiten bilden.

Uwe Schick, Leser

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg

Es ist erschreckend, wie manche im Grunde gar nicht mit digitalen Tools umgehen können. Ich gehöre zur Generation X und kann nicht verstehen, warum es so sehr an digitalen Kompetenzen mangelt. Wer will und eine halbwegs neue Hardware hat, kann sich die Software leicht beschaffen, oft kostenfrei. Wer nicht vorankommt, gibt die Frage an eine Suchmaschine weiter und findet die passende Antwort. Niemand kann ernsthaft behaupten, ihm würde es lange an Kompetenz fehlen – eher am Willen. Das Wissen ist überall verfügbar. Für alle. Mir wird es nicht angerechnet, mit 16 Jahren kleine Spiele in der Programmiersprache Basic geschrieben zu haben. Dabei gehört zum digitalen Denken klar mehr als Apps herunterladen und bedienen zu können–- Apps, über deren leichte Anwendung Experten lange nachgedacht haben. Sie sollte jeder anwenden können. Als Problem erweist sich in meinen Alltag eher die Vielfalt an Apps für die gleiche Anwendung. Auch hier helfen Fragen weiter, die Freunde oder Suchmaschinen beantworten. Ein Mangel an digitaler Kompetenz ist ein Mangel an positiver Einstellung der Digitalisierung gegenüber. Hieran sollte Deutschland auf allen Ebenen arbeiten. Und das macht Deutschland bereits. Digitalkompetenz erfordert ein neues Denken. Es gibt von Stiftungen, Unternehmen und anderen Institutionen viele Kurse, die Anwender schulen, aber auch Grundlagen vermitteln für Kinder, Lehrer und andere. Kostenfrei. Los geht es.

Andrea Radlbeck, Leserin

Der kluge Kopf baut vor

Digitales Know-how wird für Deutschlands Unternehmen zunehmend zum Wettbewerbsfaktor. Die Corona-Pandemie hat diesen Trend nochmals beschleunigt. Jobs und Anforderungen an die Arbeitnehmer verändern sich rasant. Jeder Einzelne hat die Verantwortung, für seine Arbeitsmarktfähigkeit zu sorgen. Hilfestellung dafür bieten passende Weiterbildungsangebote. Digitale Zukunftskompetenzen halten bundesweit erstmals im großen Stil Einzug in die Stundenpläne der technischen Fachkräfte von morgen. So zum Beispiel das Thema Digitale Transformation, das alle notwendigen Kompetenzen für die Arbeits- und Berufswelt von morgen vermittelt und dabei unterstützt, die Skills der vierten industriellen Revolution bereits während einer Weiterbildung zu erlernen. Dank der digitalen Revolution auf dem Stundenplan, ganzheitlichen digitalen Ansätzen, dem Arbeiten in innovativen Hightech-Lernlaboren, umfassenden virtuellen Angeboten und dem klaren Fokus auf die künftigen Praxisherausforderungen in der Wirtschaft bilden sich die Teilnehmer in Lern- und Kompetenzzentren für die Smart Factory weiter, ihre Arbeitsumgebung der Zukunft. Auch digitale Lernplattformen mit digitalen Weiterbildungsangeboten kommen zunehmend zum Einsatz.

Claudia Ziegler, Leserin

Wie, wo, warum

Die wichtigste Fähigkeit wird in Zukunft das technische Verständnis sein. Hier liegt die Grundlage für jede tiefergehende Auseinandersetzung mit digitalen Werkzeugen und Themen. Ohne dieses Verständnis können grundlegende Fragen zum Datenschutz (Warum sind meine Daten wo?), zu CloudLösungen (Wo sind die Daten?) oder zu Suchergebnissen (Warum werden mir welche Daten angezeigt?) nicht beantwortet werden. Ohne technisches Verständnis ist das alles nichts.

Mina Ghomi, Zentrum für technologiegestütztes Lernen, Humboldt-Universität zu Berlin

Lehrkraft 4.0

Um die digitale Kompetenz von Schülerinnen und Schülern zu fördern, müssen Lehrkräfte selbst digital kompetent sein. Was das konkret heißt, beschreibt der Europäische Rahmen für die digitale Kompetenz von Lehrenden, kurz DigCompEdu. Demnach müssen Lehrkräfte in der Lage sein, digitale Medien didaktisch sinnvoll einzusetzen. Wichtiger ist jedoch, dass sie ihre Methodenkompetenz erweitern und Strategien, die selbstgesteuertes und kollaboratives Lernen fördern, routiniert umsetzen und effektiv begleiten. Individuelle Lernpläne und deren feinmaschige Betreuung gehören genauso ins Repertoire digital kompetenter Lehrkräfte wie neue Konzepte der begleitenden Lernkontrolle. Bildungseinrichtungen sind nun gefragt, entsprechende Aus- und Fortbildungsangebote anzubieten. In der Hauptstadtregion wird auf der Basis des DigCompEdu zukunftsweisend gearbeitet: das Brandenburger Ministerium für Schule, Jugend und Sport plant zum Beispiel flächendeckende Fortbildungsmaßnahmen für Lehrkräfte. Und in Berlin wird am Zentrum für technologiegestütztes Lernen der Humboldt-Universität unter anderem an der Entwicklung und Evaluation von wirksamen Aus- und Fortbildungsangeboten geforscht. Es braucht Initiativen und Projekte wie diese, um Lehrende für das Arbeiten und Unterrichten mit digitalen Technologien zu befähigen, sodass auch Online-Unterrichten keine Herausforderung mehr darstellt.

Olaf Keller, Leser

Wissen, wie es geht

In der modernen digitalen Welt kommt man ohne Digitalfähigkeiten bald nicht mehr zurecht – eigentlich schon heute nicht mehr. Doch was muss man wissen und können? Wer heute zur Schule geht, muss mit digitalen Angeboten lernen, arbeiten und leben können. Er muss verstehen, wie Algorithmen arbeiten, muss überblicken, welche Daten hinterlassen werden und was damit möglich ist. Kurzum: Es ist fundamental, in die digitale Welt einzutauchen, mit und in ihr zu spielen, sie zu genießen und sich vor ihr zu schützen. Vor 50 Jahren zur Schule gegangen heißt heute, sich noch einmal anzupassen, digitale Räume zu betreten und keine Berührungsängste zu haben. Es heißt auch zu akzeptieren, dass man in Zukunft smarte Geräte bedienen können muss, sonst droht die digitale Isolation. Hört sich für analoge Ohren kaum dramatisch an, beim Geldabholen oder bei der Kommunikation mit Ärzten und der Krankenkasse wird eine Digitalverweigerung aber zur Abhängigkeit von anderen oder zum Abgehängtsein führen. Digitale Kompetenzen bedeuten heute Freiheit. Denn im Internet gibt es tatsächlich alles. Man muss nur wissen, wie man es richtig bedient.

Michael Ehrmann, Dipl.-Ing.

Menschlichkeit nicht vergessen

Bei allen Anstrengungen zur Stärkung der digitalen Kompetenz darf die Menschlichkeit nicht vergessen werden

Uwe Schick, Leser

Es ist alles da für die digitale Bildung

Es ist erschreckend, wie im Grunde gar nicht manche mit digitalen Tools umgehen können. Ich gehöre zur Generation X und kann nicht verstehen, wie sehr es an digitalen Kompetenzen mangelt. Wer will und eine halbwegs neue Hardware hat, kann sich die Software leicht beschaffen, oft kostenfrei. Wer nicht weiterkommt, gibt die Frage an eine Suchmaschine weiter und findet die passende Antwort. Niemand kann ernsthaft behaupten, ihm würde es lange an Kompetenz fehlen - eher am Willen. Das Wissen ist überall verfügbar. Für alle. Als Generation Xler wird mir nicht angerechnet mit 16 Jahren kleine Spiele in der Programmiersprache Basic geschrieben zu haben. Dabei gehört zum digitalen Denken klar mehr als Apps herunterladen und bedienen zu können - Apps über deren leichte Anwendung Experten lange nachgedacht haben. Sie sollte jeder anwenden können. Als Problem erweist sich in meinen Alltag eher die Vielfalt an Apps für die gleiche Anwendung. Auch hier helfen Fragen weiter, die Freunde oder Suchmaschinen beantworten. Ein Mangel an digitaler Kompetenz ist ein Mangel an positiver Einstellung der Digitalisierung gegenüber. Hieran sollte Deutschland auf allen Ebenen arbeiten. Und das macht Deutschland bereits. Digitalkompetenz erfordert ein neues Denken. Es gibt von Stiftungen, Unternehmen und anderen Quellen viele Kurse, die Anwender schulen, aber auch Grundlagen vermitteln für Kinder, Lehrer und andere. Kostenfrei. Los geht es!

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