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Was revolutioniert den Verkehr?

Vor ein paar Jahren machte ein chinesischer Anti-Stau-Bus Schlagzeilen, der auf Stelzen über Autolawinen hinwegschweben sollte. Nur stellte sich diese angebliche Verkehrsrevolution am Ende als Betrug heraus. Ein Glück, dass es da draußen jede Menge andere gute Ideen gibt. Schreiben Sie uns, welche davon das Zeug dazu hat, Mobilität auf links zu drehen.

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Andreas Keßler, Auto-Journalist

Mehr Realitätssinn

Die „Verkehrsrevolution“ wird es nicht geben. Eine Revolution muss schnell gehen. Veränderungen der aktuellen Verkehrssysteme bräuchten Dekaden. Die Gründe dafür sind ausgiebig diskutiert worden, revolutionär sind davon nur wenige. Um den Verkehr, zu dem vor allem die selbstbestimmte individuelle Mobilität gehört, schnell und nachhaltig zu revolutionieren, bedürfte es einschneidender Maßnahmen. Einen Vorgeschmack dafür lieferte im Frühjahr dieses Jahres der Lockdown, der den Verkehr zwar nicht zum Versiegen, aber immerhin nur noch zum Tröpfeln brachte. Würde versucht werden, den Verkehr ebenso drastisch zu verändern, würde das scheitern. Wer einer Verkehrswende – ein viel diplomatischeres Wort als Verkehrsrevolution – näherkommen will, muss sich zunächst von der Ziel- und Maßnahmenkakophonie verabschieden und dann realistische Perspektiven aufzeigen. Wem nicht klar ist, wann was erreicht werden soll, der macht nicht mit. Geht es gegen den Lärm? Oder die Schadstoffe? Oder den CO2-Ausstoß? Oder generell gegen die Blechlawine? Oder wird etwa eine „Einheitsmobilität“ angestrebt? Und das ganze morgen oder erst in zehn Jahren? Und bleiben Fahrrad, Tempolimit und E-Auto die Heilsbringer oder gibt es doch Alternativen, die bei allen spontane Zustimmung hervorrufen? Bislang fehlt eine ideologiefreie und ehrliche Kommunikation der Mobilitätsziele und -möglichkeiten. Revolutionär wäre es, wenn diese auch realisiert würden.

Julia Hartmann, Professorin für nachhaltiges Lieferketten-Management, EBS Business School

Kraftstoff 2.0

In seiner jetzigen Form ist der Verkehr für einen substanziellen Teil der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Ungefähr 25 Prozent der jährlichen Emissionen entfallen auf den Transport von Gütern und Personen. Bis heute sind Verkehr und Treibhausgasemissionen eng miteinander verzahnt: Wächst der Verkehrssektor, steigen die Emissionen und umgekehrt. Um dem Klimawandel zu begegnen, müssen wir es schaffen, diese beiden Bereiche voneinander zu trennen. Aber wie? Synthetische Kraftstoffe wären eine Möglichkeit, unser Emissionsproblem anzugehen. Rein technisch ist es möglich, CO2 aus der Luft zu extrahieren, zu verflüssigen und als Treibstoff für verschiedene Verkehrsträger einzusetzen. Damit entstehen keine neuen Kohlenstoff-Emissionen, sondern es werden bereits emittierte wieder und wieder im Verkehr eingesetzt. Sofern das CO2 nach Verbrennung direkt wieder aufgefangen und für die erneute Kraftstoffherstellung verwendet wird, ist diese Technik CO2-neutral. Für die Herstellung von synthetischem Kraftstoff benötigt man neben CO2 allerdings auch Wasser und erneuerbare Energie. Leider sind unsere erneuerbaren Energiekapazitäten bis heute nicht ausreichend und die Kosten für die Herstellung von synthetischen Kraftstoffen zu hoch. Aber irgendwie hat die Menschheit es ja geschafft, die Kosten für die Herstellung und Verteilung fossiler Kraftstoffe zu stemmen. Also schaffen wir das ja wohl auch, oder?

Arne Baumann, Leser

Auf der Bremse

Ich meide öffentliche Verkehrsmittel, so gut es geht. Sie sind unzuverlässig, durch Baustellen meist unterbrochen, überfüllt und beim kleinsten Husten möchte man wegrennen. Die Infrastruktur ist veraltet und die Politik hat seit Jahren geschlafen. Pläne über unterirdische Versorgungsrouten, Schnellbahnen in der Luft und der Umstieg auf E-Autos wurden nicht angegangen, denn die deutsche Wirtschaft liegt kulturell ein Jahrzehnt zurück – und der finanzielle Schaden wäre zu groß. Eine Revolution des Verkehrs beginnt in der Politik.

Andreas Knie, Leiter Forschungsgruppe Wissenschaftspolitik, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

Ende einer Ära

Viele Jahrzehnte bildete das Auto den Fokus der Verkehrspolitik. Es war das Versprechen auf wirtschaftlichen Wohlstand und gesellschaftliches Vorankommen. Dem Auto wurde daher unbedingte Vorfahrt eingeräumt, Einschränkungen im Verkehrsfluss sind legal kaum möglich, Fußgänger und Radfahrer bleiben im wahrsten Sinne Randerscheinungen. Das Ergebnis: Die Straßen sind voll und in den Städten parken Autos überall auf öffentlichen Flächen. In dem Moment, wo alles verstopft ist, der Verkehr nicht mehr fließt und die gesundheitlichen Belastungen größer und die Schäden für das Klima unbeherrschbar werden, verliert das Auto seine privilegierte Stellung. Eine einfache Maßnahme wird den Verkehr in den Städten revolutionieren: Das Parken privater Autos wird zunächst deutlich verteuert – zum Beispiel auf 150 Euro pro Jahr – dann wird der Parkraum verknappt und schließlich das dauerhafte Abstellen von Fahrzeugen auf öffentlichem Grund verboten. Wer ein Auto neu zulassen will, braucht zukünftig einen Nachweis über einen privaten Stellplatz. Das Auto verliert seine exklusive Rolle und ist nur noch ein Teil der Verkehrslandschaft. Diese Maßnahme ist keineswegs originell oder gar neu. Bis zum Bremer „Laternenparker-Urteil“ des Bundesverwaltungsgerichts im Jahre 1966 war das Parken auf öffentlichen Stellplätzen verboten. Es wurde lange Zeit zwar geduldet, aber legal war es nicht. Nun gilt es, den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen.

Robert Glerum, Leser

Strikte Beschränkungen und Maut wie in Singapur. Dazu Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und des Radwegenetzes.

Uta Burghard, Competence Center Energietechnologien und Energiesysteme, Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (Fraunhofer ISI)

Runter vom hohen Mobilitätsniveau

Der Umstieg auf die Elektromobilität hat begonnen und wird das Verkehrssystem nachhaltiger machen. Damit die breite Masse Elektroautos nutzt, brauchen wir eine Vereinheitlichung der Bezahlsysteme bei öffentlichen Ladestationen. Denn sichtbare und leicht nutzbare öffentliche Ladestationen können die sogenannte Reichweitenangst mindern – die Angst, mit dem Elektroauto nicht sein Ziel zu erreichen. Daneben ist ein weiter wachsender Gebrauchtwagenmarkt wichtig – vor allem für private Haushalte. Doch ein Umstieg auf alternative Antriebe reicht nicht aus für eine nennenswerte Reduktion der CO2-Emissionen im Verkehr. Wenn wir eine Klimakatastrophe abwenden wollen, müssen wir runter vom hohen Mobilitätsniveau. Ein Wandel der Mobilität ist möglich durch große gesellschaftliche Krisen wie die Corona-Pandemie oder die Klimakrise. Die Corona-Pandemie könnte einen kulturellen Wandel anstoßen, bei dem der Wert von Mobilität abnimmt. Anzeichen dafür gibt es nicht nur bei Privatpersonen, sondern auch in Unternehmen. Aber was wird das Reisen als Statussymbol ablösen? Das Smartphone? Sport und Fitness? Das Fahrrad oder neue Mobilitätsangebote? Solche neuen Angebote, wie Bike- oder Ridesharing, können auch zu einer Transformation der Mobilität beitragen. Dafür müssen diese Angebote populärer gemacht werden, etwa durch öffentliche Personen, die mittels sozialer Medien die Nutzung dieser Angebote vorleben.

Marc-Oliver Prinzing, Vorstandsvorsitzender Bundesverband Fuhrparkmanagement (BVF)

Dienstlich mobil mit Elektro

Den Fuhrpark zu elektrifizieren und alternative Antriebe einzusetzen, treibt viele Unternehmen um. Das ist Herausforderung und Chance zugleich. Firmen verbessern ihre Ökobilanz und tragen damit aktiv zur Mobilitätswende bei. In jedem Fuhrpark sollte überprüft werden, wie die Emissionen reduziert und gleichzeitig die Mobilitätsanforderungen erfüllt werden können. Doch den Fuhrpark einfach austauschen, funktioniert nicht. Die Einführung von Elektromobilität bringt viele Anforderungen und einen großen Know-how-Bedarf mit sich. Von der passenden Finanzierungsform und steuerlichen Vorteilen über Abrechnungsmodalitäten und Unfallverhütungsvorschriften bis zu Versicherung und Datenschutz gilt es einiges zu beachten. Insbesondere die Ladeinfrastruktur bereitet Kopfschmerzen. In Deutschland gibt es hunderte Tarife für Autostrom. Fahrer von E-Autos benötigen deshalb eine Vielzahl von Identifizierungs- und Zahlungsmitteln, um bei Dienstreisen quer durch die Republik zuverlässig an Strom zu kommen. Das erschwert auch die Verwaltung von Fahrten. Der Dschungel aus Regelungen und Informationen kann schnell überfordern. Die Verantwortlichen müssen aber Bescheid wissen, um die richtigen Entscheidungen treffen zu können. Sorge bereitete, dass fokussierte Schulungen fehlten – das ist vorbei. Der Fuhrparkverband bietet nun Fleetricity, dröselt die komplexen Dimensionen der Elektromobilität im Fuhrpark auf und erleichtert den Einstieg.

Rainer Claß, Leser

Erst muss die Frage gestellt werden, warum der Individualverkehr so extrem erfolgreich ist. Er scheint kostengünstig zu sein, jederzeit verfügbar, verspricht Prestige und einen Wow-Faktor. Zudem ist ein Leben auf dem Lande so nahezu ohne Einschränkung möglich. Also muss die Revolution indirekt geschehen und keinesfalls diese Vorzüge beschneiden. Die wahren Kosten müssen benannt und entsprechende Gebühren und Steuern auch erhoben werden. Mit den Argumenten des Klimaschutzes ist dies auch möglich, da die Bedrohungen durch den Klimawandel vermutlich noch einschneidender sein werden als die derzeitigen durch die Pandemie. Ganz oben auf der Liste: wasserstoffbasierte Fahrzeuge zur Verfügung stellen, sprich entsprechende Tankstellen einrichten. Natürlich sind die nicht umsonst, aber deutlich günstiger als herkömmliche Fahrzeuge. Das Argument der schlechten Energiebilanz des Wasserstoffs in der Herstellung zieht nach meiner Beobachtung nicht, wenn man bedenkt, wie viele Windräder bei günstigem Wetter stillstehen müssen wegen angeblicher Überproduktion von Strom. Der Prestigefaktor bliebe erhalten, ebenso das Leben in der Natur, ohne die Umwelt zu verpesten. Diese Lösung halte ich für praktikabel. Sie ist schnell umsetzbar und auch realistisch, weil, wenn ich mich im Bekanntenkreis umhöre, das Wort Wasserstoff sofort ein positives Image genießt.

Philipp Wrycza, Leiter AutoID-Technologien, Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (Fraunhofer IML)

Alles Gute kommt von oben?

In Deutschland werden täglich fast zwölf Millionen Pakete zugestellt, man mag sich nicht ausmalen wie der Himmel aussehen würde, sollte man diese zukünftig per Drohne zustellen wollen. Von dem entstehenden Chaos auf Gehwegen mangels geeigneter Übergabemöglichkeiten ganz zu schweigen. Drohnen haben ihre Stärken immer da, wo sie Dinge überfliegen, indem sie dadurch schneller sind oder neue Blickwinkel ermöglichen. Und genau dort sollten sie eingesetzt werden: So setzen größere Produktionswerke Drohnen wirtschaftlich ein, um Bauteile im Notfall an das Band zu transportieren. Der Standardprozess läuft dabei weiterhin über Gabelstapler und Förderbänder, die Drohne springt nur dann ein, wenn es dabei zu unvorhergesehenen Problemen kommt. Auch werden Proben zwischen Laboren geflogen oder schwer erreichbare Orte wie Schiffe mit Drohnen beliefert. Neben dem Transport können Drohnen Daten von Orten sammeln, welche ansonsten nur schwer zugänglich sind. Sie erledigen im Lager Inventurprozesse und dokumentieren, ganz nebenbei, den Zustand der Ware mit einem Foto. Dabei entstehen auch schon Mehrwerte, wenn die Drohne noch durch einen Menschen gesteuert wird, etwa bei der Inspektion von Regalen. Es gibt sie also, die sinnvollen Anwendungen für Drohnen in der Logistik. In der Diskussion um diese zweifellos zukunftsträchtige Technologie würde uns daher an mancher Stelle ein wenig (betriebswirtschaftlicher) Realitätssinn gut zu Gesicht stehen.

Birgit Milius, Professorin für Bahnbetrieb und Infrastruktur, Technische Universität Berlin

Bereit für den großen Wurf

Der schienengebundene Verkehr kann nur durch Menschen revolutioniert werden – wenn beispielsweise Reisende pünktlichere und häufigere Angebote fordern, Politiker Maßnahmen zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit ermöglichen und Ingenieure die Chancen in neuer Technik erkennen und diese in Systeme umsetzen. Das Eisenbahnsystem ist historisch gewachsen. Es ist auch heute organisatorisch und technisch vielen älteren Prozessen und Systemen verbunden. Wir leben in einer Zeit, die es aufgrund neuer Möglichkeiten der IT-Welt, wie Rechenleistung, Speicherkapazität, Virtual Reality oder Künstlicher Intelligenz, erlaubt, das System mittelfristig zu revolutionieren. Viele kleine Schritte wurden schon gemacht. Die Modellierung der Infrastruktur in 3D, automatisches Fahren bei U-Bahnen und Augmented Reality in der Instandhaltung sind bereits realisierte Konzepte auf dem Weg zu einem modernen Bahnsystem, in dem Züge pünktlicher, häufiger und schneller fahren und indem neue und attraktive Arbeitsplätze entstehen. Was wir jetzt brauchen, sind klare rechtliche Rahmenbedingungen, um auf dem eingeschlagenen Weg weiterzugehen und das, was im Moment nur an Ideen und Prototypen existiert, in den regulären Betrieb zu überführen. Gleichzeitig ist der Reisende gefordert, neuen Angeboten und Techniken eine Chance zu geben.

Daniela Bender, Leserin

Anreize setzen

Letztlich sind es unsere Gewohnheiten, die den Verkehr prägen. Ich denke hier beispielsweise an die kurzen Wege, die wir mit dem Auto oder per Fahrrad zurücklegen. Und an die Wahl des Reisegefährts, vom Auto über das Flugzeug und die Bahn bis hin zum Schiff und darüber hinaus. Aber auch die Politik nimmt fortlaufend Einfluss auf unsere Verkehrsgewohnheiten. Die finanzielle Unterstützung von Pendlern beispielsweise fördert natürlich das Verkehrsaufkommen im Straßenverkehr. Die Revolution im Verkehr wird letztlich von unseren geänderten Bedürfnissen ausgehen.

Jörg Starr, Vorsitzender Clean Energy Partnership (CEP)

Stoff für die Zukunft

Um den Verkehr zu revolutionieren, werden wir nicht nur eine Technologie brauchen. Im Kontext der Energiewende sehen wir uns mit vielen Herausforderungen und Chancen konfrontiert. Um fit für die Zukunft zu sein, müssen wir technologieoffen denken. Im Sinne einer Mobilität ohne Emissionen ergänzen sich Brennstoffzellen- und Batterie-elektrische Fahrzeuge ideal. Entscheidend ist immer die Anforderung an das jeweilige Streckenprofil oder Fahrmuster. Die Clean Energy Partnership (CEP) setzt sich als branchenübergreifende Industrieinitiative für eine Mobilität mit Wasserstoff und Brennstoffzelle ein. Tiefgreifende Veränderungen funktionieren nur im Team. Aus gutem Grund agieren wir Partner daher in einer zukunftsorientierten und stark gestalterischen Zusammenarbeit, jenseits von Wettbewerbsgrenzen. Denn wir wissen, dass Wasserstoff einen bedeutenden Beitrag zu einer erfolgreichen Energie- und Verkehrswende leistet. Angefangen bei Pkw, über den ÖPNV und Lkw bis hin zu Schiffen und Zügen. Die H2-Mobilität mit ihrer mit konventionellen Antriebsformen vergleichbaren Wertschöpfungstiefe kann eine tragende Säule der deutschen Wirtschaft sein. Jetzt gilt es im Schulterschluss von Politik und Industrie, die regulatorischen Rahmenbedingungen für eine zeitnahe Etablierung am Markt und die wirtschaftlich abbildbare Produktion grünen Wasserstoffs zu schaffen. Wasserstoff ist Teil der Lösung. Dieses Potenzial müssen wir nutzen – gemeinsam.

Gerhard Altschäffl, Leser

Ein System für alle

Die Revolution muss und wird in unseren Köpfen stattfinden – oder eben nicht. Unsere Ansprüche an individuelle Fortbewegung bestimmen heute und künftig den Verkehr. Ein Beispiel: In Städten haben individuelle Pkws einfach nichts verloren. Kern ist ein sehr gut ausgebauter ÖPNV, hinzu kommen moderne Sammeltaxis – beides künftig elektrisch und autonom. Das Netz ist so dicht und miteinander verknüpft, dass kein Nutzer weiter als 200 Meter bis zu einem Haltepunkt gehen und länger als fünf Minuten warten muss. Der Nutzer gibt in einer App lediglich seinen Standort und das Ziel ein. Intelligente Software berechnet den optimalen Weg und fordert bei Bedarf ein Sammeltaxi an. Jeder kommt mit diesem System schneller und kostengünstiger ans Ziel als mit dem eigenen Pkw. Sämtliche Parkflächen entfallen und können für andere Zwecke genutzt werden. Straßen brauchen nur mehr eine Fahrspur je Richtung und Randspuren für Ein- und Ausstieg, Liefer- und Abholverkehr. Die Straßen können teilweise zurückgebaut werden und stehen für Radfahrer, Fußgänger und städtisches Grün zur Verfügung. Auf eine umfangreiche elektrische Ladeinfrastruktur kann verzichtet werden. Pkws werden nur mehr für Individualverkehr in der Fläche und für Freizeitaktivitäten dorthin benötigt. Das funktioniert dann vielfach durch Carsharing oder Mietautos. Aber auch auf dem flachen Land vermindern regionale Mitfahr-Apps den individuellen Pkw-Gebrauch. Revolutionär, oder?

Adina Vălean, EU-Kommissarin für Verkehr

Digital unteilbar

Seit dem Vertrag von Paris 1951 geht es in Europa um Freihandel und Warenverkehr. Es handelt sich dabei in erster Linie um ein Netzwerk – sowohl materiell als auch abstrakt. Ein gemeinsamer Markt, eine gemeinsame Währung, eine gemeinsame Politik und eine gemeinsame Infrastruktur – all dies wurde durch die Beseitigung von Schranken effizienter gestaltet. Das hat bis heute gut funktioniert. Aber es geht noch besser, dank der Digitalisierung. Netzwerke sind nämlich manchmal überlastet. Staus in den Städten, Verspätungen auf der Schiene, überfüllter Luftraum. Der Vorschlag der Kommission zum einheitlichen europäischen Luftraum etwa wird zu einem leistungsfähigeren Flugverkehrsmanagement führen. Ein digitales, einheitliches Verkehrsleitsystem wird die Flugstrecken in Europa erheblich verkürzen – und zu niedrigeren Flugpreisen und geringeren Emissionen führen. Ein solcher Ansatz wäre ohne Digitalisierung unmöglich. Ebenso unmöglich wäre es, ihn zu realisieren, wenn es mit der EU nicht einen Rahmen gäbe, in dem alle Akteure miteinander verhandeln können. Eine größere Digitalisierung im Bereich Verkehr und Mobilität wird den Zusammenhalt und die Effizienz der EU erheblich erhöhen. Vor 70 Jahren ging es bei dem Projekt der europäischen Einigung um eine Vernetzung der Volkswirtschaften. Die Digitalisierung schweißt diese jetzt zu einem einzigen zusammenhängenden Konstrukt zusammen, das sich nicht mehr in seine Einzelteile zerlegen lässt.

Gerhard Bachleitner, Leser

Mehr Verkehr wagen

Technisch wäre die Erschließung des Luftraums durch autonome E-Taxis die bevorstehende und sinnvolle Revolution, weil sie eine bessere Verteilung des Verkehrs ermöglichen würde. Aber die deutschen Verkehrsbehinderer werden diesen Modus, wie gewohnt juristisch, verhindern. Man soll aber doch nicht so tun, als ginge es überhaupt um Technik zur Verbesserung des Verkehrs, wenn in den hiesigen Großstädten seit Jahrzehnten alle getroffenen Maßnahmen die Verschlechterung der Verkehrsverhältnisse zum Ziel haben. Administrativ-regulatorisch wäre es eine gleichwertige Revolution, den Verkehr sich selbst steuern zu lassen, wofür nun ebenfalls die Technik verfügbar wäre: Aggregatoren sammeln die Daten der Verkehrsflüsse, aufgrund derer Ampelschaltungen und Spurzuweisungen optimiert werden. Verkehr als selbstorganisierendes System – das wäre tatsächlich ein neuer Denkansatz. Aber auch diese Revolution wird nicht stattfinden, weil sie selbstverständlich mehr Verkehr ermöglicht und damit dem vorgängigen Ziel der Verkehrsbehinderung genau entgegenarbeitet. Wozu also sollte man eine Revolution im Verkehr brauchen oder erwarten, wenn dem Verkehr ohnehin das Existenzrecht abgesprochen wird.

Dr. Gerhard Bachleitner, Leser

Wer braucht da eine Revolution?

Technisch wäre die Erschließung des Luftraums durch autonome E-Taxis die bevorstehende und sinnvolle Revolution, weil sie eine bessere Verteilung des Verkehrs ermöglichen würde, aber die deutschen Verkehrsbehinderer werden diesen Modus, wie gewohnt juristisch, verhindern. Man soll aber doch nicht so tun, als ginge es überhaupt um Technik zur Verbesserung des Verkehrs, wenn in den hiesigen Großstädten seit Jahrzehnten alle getroffenen Maßnahmen die Verschlechterung der Verkehrsverhältnisse zum Ziel haben. Administrativ-regulatorisch wäre es eine gleichwertige Revolution, den Verkehr sich selbst steuern zu lassen, wofür nun ebenfalls die Technik verfügbar wäre: Aggregatoren sammeln die Daten der Verkehrsflüsse, aufgrund derer Ampelschaltungen und Spurzuweisungen optimiert werden. Verkehr als selbstorganisierendes System - das wäre tatsächlich ein neuer Denkansatz. Aber auch diese Revolution wird nicht stattfinden, weil sie selbstverständlich mehr Verkehr ermöglicht und damit dem vorgängigen Ziel der Verkehrsbehinderung genau entgegenarbeitet. Wozu also sollte man eine Revolution im Verkehr brauchen oder erwarten, wenn dem Verkehr ohnehin das Existenzrecht abgesprochen wird.

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Wie gelingt die digitale Transformation?

Analog ist zwar nicht tot, aber dass es ohne Digitales nicht mehr geht, hat
uns spätestens Corona gezeigt. Die digitale Transformation ist gerade in aller Munde, nur leider viel zu häufig immer noch als inhaltsleeres Schlagwort. Füllen Sie den Begriff mit Sinn und verraten Sie uns, wie der Wandel gelingen kann.

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Stefan Tewes, Professor für digitale Transformation und Innovation, FOM Hochschule für Oekonomie und Management

Systemische Hebel nutzen

Der Erfolg der digitalen Transformation ist abhängig von drei Hebeln – Schlüsselfaktoren, welche auf das ganze Geschäftsmodell eines Unternehmens wirken und dieses verändern. Der wirksamste Schlüsselfaktor ist der Antriebshebel. Dieser ist gekennzeichnet durch den Unternehmenszweck (Wofür müssen wir transformieren?) und die Veränderungsbewegungen außerhalb des Unternehmens (Was aktiviert den Wandel?), beispielsweise Megatrends, technologische Enabler oder gesellschaftlicher Wandel. Aus dem Antrieb müssen die Potenzialhebel identifiziert werden. Diese sind menschenzentriert – denn Transformation wird immer vom Menschen initiiert und durchgeführt. Dabei müssen die Bedürfnisse der Kunden sowie die vorhandenen Ressourcen und Fähigkeiten des Unternehmens und seiner externen Partner erkannt und miteinander verbunden werden. Anschließend gilt es, den Werthebel ganzheitlich zu nutzen. Ein reiner Fokus auf den Produktverkauf ist heutzutage nicht mehr ausreichend. Vielmehr muss eine Angebotskombination aus Produkt, Dienstleistung und Information kreiert werden, um die Kundenbedürfnisse zu befriedigen. Diese Angebote müssen auf den zuvor bestimmten Elementen des Antriebs- und des Potenzialhebels basieren, um wirklich umsetzbar zu sein. Zuletzt gilt es, die Angebote durch eine konsistente Botschaft und mittels der dazu passenden digitalen Kanäle zu kommunizieren. Das Ziel ist eine dialogorientierte Bindung der Menschen an das Unternehmen.

Jens Bukowski, Leser

Im Tandem lernen

Wenn man über die digitale Transformation nachdenkt, wird es unweigerlich auch diese zwei Gedanken geben: Die Definition wird sich nicht durch die Worterklärung des Dudens erschließen, sondern erst durch den gemeinsamen Gebrauch des Begriffes entstehen und sich dann danach verfestigen. Und: Der Begriff ist absichtlich neu und „unverbraucht“ und verschreckt deswegen rund 50 Prozent der Bevölkerung – vielleicht die obere Hälfte der Alterspyramide. Sie sind verstört, weil es Kraft kostet, einen neuen Begriff zu lernen beziehungsweise ihn sich anzueignen. Digitale Transformation meint meines Erachtens den unablässigen, stufenlosen und immerwährenden Umbau von Face-to-Face-Beziehungen und mechanischen Maschinen in Beziehungen und Maschinen, die auf IT beruhen, also mit Software arbeiten. Zwischen den beiden menschlichen Köpfen beim Face-to-Face schiebt sich die IT dazwischen. In der Herstellung passiert das gleiche: Zwischen dem Input-Material und dem Output steckt eine große Portion IT. Wie oben gesagt, verstehen es 50 Prozent der Menschen ohne Weiteres, die neue Welt als normal zu betrachten. Aber den anderen 50 Prozent ist es erstmal versperrt, in einer digitalen Transformation Vorteile zu sehen. Mein Vorschlag ist: Jedes Mitglied der einen Hälfte bekommt einen „Buddy“ aus der anderen Hälfte. Im Endeffekt wünsche ich mir also Lernpaare, Tandems, die sehr individuell die Aufgaben der digitalen Transformation gemeinsam angehen.

Susanne Nickel, Keynote-Speakerin und Management-Beraterin

Chefsache Kreativität

Die digitale Transformation beginnt mit Menschen, die neue, innovative Ideen einbringen. Genau das ist Chefsache, das Team zu ermutigen und zu inspirieren, kreativ zu sein. Das geht nur, wenn Vertrauen in die Mitarbeiter besteht, Diskurs erlaubt ist und Ideen auch scheitern dürfen. So geht Führung heute: Die eine Hand steuert das Kerngeschäft, die andere die Innovationskraft. Das nennt die Fachwelt Ambidextrie – beidhändiges Führen. Führungskräfte haben die Herausforderung, diesen Spagat zu meistern, um sicherzustellen, dass neue Chancen genutzt werden. Mit einem fixierten Mindset ist das nicht möglich. Wir kennen das zur Genüge: „Das haben wir immer so gemacht“, „Das geht bei uns nicht“. Wir brauchen ein flexibles Mindset, das neue Möglichkeiten und Ideen zulässt. Regeln sind starr und Kreativität ruft nach Flexibilität. Fragt der kleine Leo: „Mama, gibst du mir einen Euro für den alten Mann da drüben?“ Seine Mutter darauf: „Das ist aber nett, dass du dem alten Mann einen Euro geben willst. Wo ist er denn genau?“ Leo: „Da hinten vor dem Supermarkt, er verkauft Softeis.“ Was haben Sie gedacht, Bettler oder Eisverkäufer? Wir haben sofort eine Hypothese. Kreativität entsteht dann, wenn wir bereit sind, unsere Hypothesen auch wieder zu verwerfen. Dann öffnet sich der Raum für neue Möglichkeiten und Innovation. Chefaufgabe ist, diese Spielräume zu schaffen, denn: Spielplätze sind Startbahnen für Innovationen.

Jessica Silberstein, Leserin

Beim Netz beginnen

Für eine gelungene Transformation braucht es Investitionen. Zuallererst muss das Netz so ausgebaut werden, dass es überall schnelles Internet gibt. Damit wäre der Anfang gemacht.

Norman Hansen, Leser

Zuerst die Schulen

Die digitale Transformation kann nur gelingen, wenn wir es endlich schaffen, die nächste Generation mit digitalen Kompetenzen großzuziehen. Das bedeutet, zuerst einmal die Schulen mit ordentlichen Computern und einem Breitbandnetz auszustatten und dann auch noch die Lehrkräfte dahingehend zu schulen, dass sie den Schülern auch was beibringen können und nicht umgekehrt. Nur wer in einer digitalen Welt aufwächst, kann auch in diese transformieren – vom aktuellen Chaos, bei dem jeder online machen kann, was er will, hin zu einer geregelten Online-Gesellschaft.

Mario Ohoven, Präsident Bundesverband mittelständische Wirtschaft, Unternehmerverband Deutschlands (BVMW)

Digital in die Zukunft

Corona wirkt für den Mittelstand wie ein Katalysator in Sachen Digitalisierung. In einer aktuellen Umfrage unseres Verbandes geben zwei Drittel der Unternehmer an, digitale Prozesse hätten ihnen bei der Bewältigung der Krise geholfen. Ebenso viele wollen nach Corona verstärkt digitale Instrumente einsetzen. Oft scheitert es jedoch an den Voraussetzungen. So mangelt es im ländlichen Raum vielerorts noch immer an der erforderlichen digitalen Infrastruktur, sprich: Breitbandanbindung. Zudem erschweren es die Rahmenbedingungen Unternehmerinnen und Unternehmern, mehr in Digitalisierung zu investieren. Zusätzlich hemmend wirkt die Bürokratie, etwa die Datenschutzgrundverordnung. Zudem herrscht bei vielen Mittelständlern noch Unsicherheit oder Unwissenheit darüber, welche Potenziale die Digitalisierung für das eigene Geschäftsmodell bieten kann. Aufklärung ist der erste Schritt zum Erfolg. Das Bundeswirtschaftsministerium hat Förderprogramme wie „Mittelstand digital“ oder „Digitalisierung jetzt“ auf den Weg gebracht, die wir aktiv unterstützen. Mit dem Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrum Berlin begleiten wir Unternehmen praxisnah auf ihrem Weg in die digitale Zukunft. Erst kürzlich ist unsere dritte Best-Practice-Broschüre erschienen. Hinzu kommen hunderte Veranstaltungen vor Ort und bundesweite Roadshows. Denn auch für die Digitalisierung gilt: Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit.

Steffi Burkhart, Keynote-Speakerin, New-Work-Beraterin und Autorin

Ändere dein Mindset

Der Motor aller kommenden Veränderungen ist der Mensch. Und Erfolg wird in der Zukunft in der Kombination und dem Co-Play aus technologischer und menschlicher Intelligenz liegen. Uns Deutschen fehlt dafür noch das richtige Ecosystem und die richtige Denkweise, weshalb wir im internationalen Vergleich bei der digitalen Wettbewerbsfähigkeit stark zurückgefallen sind. Die Geschwindigkeit der Ereignisse, die auf uns einwirken, und das Tempo des Wandels, mit dem wir konfrontiert sind, verlangen nach einem fluiden Mindset, einem Beta State of Mind. Es gleicht einer immer wiederkehrenden Korrekturschleife, die mit jeder Iteration eine Möglichkeit zur Neuausrichtung und Verbesserung mit sich bringt. Wir leben inmitten der Entstehung vieler neuen Welten, digital und analog, meist jedoch noch hybrid. Wenn wir aus dem Modus der Erfahrung weitermachen wie bisher, wird keine der anstehenden Herausforderungen gelöst werden können. Schließlich wurden Facebook, Google und Co. auch nicht aus dem Modus der Erfahrung gegründet. Erfahrung ist in der heutigen Zeit überbewertet. Das große Thema unserer Wirtschaft wird die permanente Neuerfindung sein. Das setzt neben einem neuen Mind- und Skillset auch ein neues Arbeitsframework voraus, bestehend aus Raum, Technologie, Methodik, Zeit, Vergütung und Sinn sowie einer veränderten Kultur und Führung, damit wir Millennials, die Schlüssel-Generationen im digitalen Zeitalter, am Arbeitsmarkt Impact erzeugen können.

Mario Herger, Technologietrendforscher und Innovationsberater

German Angst

„Alexa hört ja immer zu!“ Das rief mir jemand aus einer Gruppe von 30 IT-Beratern zu, als ich die Frage stellte, wer schon einen Sprachassistenten einsetze. Keine einzige Hand hatte sich gehoben. Das ist kein Einzelfall. In einem Magazin für digitales Business wurde der digitale Evangelist eines deutschen Autoherstellers nach den Dingen gefragt, die er bei Reisen in seinen Rucksack packt. Er nannte ein I-Phone 6 als unverzichtbaren Begleiter. Das zu einem Zeitpunkt, an dem das I-Phone X schon ein Jahr am Markt gewesen war. Als ob er ein 30 Jahre altes Auto fahren würde, nicht aus Oldtimerliebhaberei, sondern nach dem Motto „Wozu brauche ich das neue Zeugs?“ Das in einem Land, das zweimal so viele Ingenieure pro Kopf der Bevölkerung hat wie die USA und stolz auf German Engineering ist. Aber es ist auch ein Land, das die eigenen Technologien anderen verkaufen will, aber selbst Angst hat vor Technologien anderer Leute. Ein solches Land hat ein Zukunftsproblem. Wir verstehen neue Technologien nicht, weil wir uns nicht mit ihnen beschäftigen wollen. Wenn ich mich im Jahr 2020 nach wie vor weigere, neue digitale Tools selbst auszuprobieren, dann müssen wir über unser Mindset nachdenken. Digitale Transformation beginnt nicht bei den anderen, sondern bei jedem selbst zuerst. Und auch nicht mit dem Besuch der zehnten Digitalkonferenz, sondern im Kopf jedes Einzelnen und beispielsweise einer Alexa zu Hause.

Ria Hinken, Leserin

Vieles ist ungeklärt

Die digitale Transformation ist an manchen Stellen schon weit fortgeschritten, an anderen, oft wichtigen, leider nicht. Durch Corona werden überall digitale Angebote beschleunigt. Da wird der Datenschutz leider oft hintenangestellt. Wir wissen längst, dass Daten, die einmal in der Welt sind, oft nicht mehr oder nur noch mit viel Aufwand kontrollierbar sind. Zurücknahme ist dann meist auch nicht mehr möglich. Wir wissen heute noch nicht, was uns das alles für die Zukunft bringen wird. Massiv gefordert wird auch, dass überall WLAN kostenlos zur Verfügung stehen muss. Auch in Seniorenheimen und Pflegeeinrichtungen. Ich frage mich allerdings, wer dort den Service übernehmen soll. Die Mitarbeiter sind doch jetzt schon überlastet. Wer macht die nötigen Updates? Wer sorgt für den Austausch von veralteten Geräten? Das sind nur zwei Beispiele für die vielen ungeklärten Fragen. Natürlich möchte auch ich, dass gerade Ältere an der Gesellschaft teilhaben können. Es muss allerdings für Datenschutz gesorgt sein. Viele Menschen wissen gar nicht, wer ihre Daten abgreift und wofür diese genutzt werden. Gerne wird behauptet, Datenschutz stehe in Konkurrenz zur Transparenz. Das ist nicht so.

Christian Spancken, Strategieberater, Referent und Buchautor

Gewollter Wandel

Wirtschaft, Medien, Bildung, Organisationen – Digitalisierung betrifft alle. Doch wie kann tiefgreifender Wandel wirklich gelingen? Unternehmen suchen die Antwort zu oft in Prozessoptimierungen und Softwarelösungen. Erst wenn sie sich mit ihrem Kern, ihrem Geschäftsmodell und ihrer Beziehung zum Kunden auseinandersetzen, gelingt die Transformation. Dabei geht es nicht mehr zwingend um neueste technische Innovation oder das x-prozentig optimierte Produkt, sondern um echte Kundenerlebnisse und faire, transparente und flexible Kundenbeziehungen. Wir erleben in vielen Branchen den Wandel von Geschäftsmodellen. Investitionsgüter werden in Servicemodelle umgewandelt: Handwerker bezahlen nicht mehr für die Bohrmaschine, sondern für die Anzahl Bohrlöcher, Barista nicht mehr für die High-End-Kaffeemaschine, sondern für die Menge Espressos. Kundenbeziehungen werden flexibler, digitale Plattformen schaffen Abrechnungsmodelle, Internet-der-Dinge-Anwendungen bringen Geräte ins Netz und in Kombination mit digitalen Vertriebswegen entstehen völlig neue Angebote. Selbst im Maschinenbau geht es nicht mehr um das nächste tolle Feature, sondern um belastbare Prognosen von Ausbringungsmengen und Produktqualitäten. Konsequent gedacht und umgesetzt, nutzen Anbieter dann digitale Lösungen ganz selbstverständlich und nicht zwanghaft und technokratisch. So gelingt echte Transformation – mithilfe der Digitalisierung und nicht um ihrer selbst willen.

Thomas Middelhoff, Ex-Manager und Tech-Pionier

Konsequenz schlägt Bewahrertum

Das Management einer digitalen Transformation ist zeitintensiv, beansprucht in der Regel größere finanzielle Ressourcen bei ungewissem Ausgang und hat erst zeitversetzt positiven Einfluss auf die Ergebnisse. Diese Tatsache trifft auf Manager, die in Quartalsergebnissen denken und das Risiko scheuen, das sich bei einem Misserfolg für ihren Arbeitsplatz ergeben könnte. Sie sind stattdessen eher bestrebt, bequem und sicher ihre Pensionsgrenze zu erreichen. Kreativität zum „Out of the box“-Denken und Kraft zum Umsetzen disruptiver Strategien fehlt dann häufig. In der Regel wird damit verbunden das Ziel der Marktführerschaft verfolgt, dem sich alles andere unterzuordnen hat. Dieses Verhalten kennzeichnete die Strategie der Volumenhersteller in der Automobilindustrie zumindest ab dem Jahr 2000. Die konsequente Transformation in Richtung CO2-Reduzierung, E-Mobilität und Digitalisierung wurde nicht als Priorität verfolgt. Ein Elon Musk wäre in deutschen Management-Etagen völlig unvorstellbar. Jemand, der Visionen hat, dabei operativ ausgerichtet pragmatisch ist, sehr hart arbeitet, gelegentlich Marihuana raucht und das Establishment mit seinen Ideen herausfordert, säße in Deutschland in der Psychiatrie oder im Gefängnis, nicht aber im Sessel des Vorstandsvorsitzenden eines Unternehmens, das zwischenzeitlich bei der Marktkapitalisierung nicht nur die Daimler AG, sondern die Summe der deutschen Autobauer überholt hat.

Kerstin Hoffmann, Kommunikations- und Strategieberaterin

Längst bereit

Will man Wandel bewirken, dann muss man die Bedürfnisse, Ängste und Hoffnungen der beteiligten Menschen kennen und darauf angemessen eingehen. Dies betrifft zum einen Inhalte und die Art der Ansprache, aber zum anderen auch die Medien und Mechanismen. Die digitale Transformation ist eines der größten Change-Projekte der menschlichen Geschichte. Kommunikationstechnologie verändert Realität. Die Umbrüche der Renaissance waren erst durch den modernen Buchdruck und die damit beginnende Massenkommunikation möglich – eine große Gefahr für die starren, hierarchisch organisierten Machtapparate in Staat und Kirche. Heute behindern starre Strukturen in Unternehmen und Gesellschaft eine agile Kommunikation und halten damit ihre eigene digitale Entwicklung auf. Dabei sind die Menschen oft längst weiter als die Organisationen selbst. Während Hausjuristen auf Compliance pochen, tauschen sich Mitarbeitende schnell und selbstorganisiert in Messengern und sozialen Netzwerken aus – nicht nur miteinander, sondern auch mit Kunden, Geschäftspartnern und Meinungsbildnern. So sind sie es aus dem Privatleben längst gewöhnt. Nicht die Vorgaben der PR-Abteilung entscheiden über den Weg der Kommunikation, sondern die Anwender. Wenn es gelingt, die beteiligten Menschen mitgestalten zu lassen, von ihren Erfahrungen zu profitieren und Kontrolle loszulassen, kann digitale Transformation gelingen. Voraussetzung dafür ist eine ebenso ausgereifte wie flexible Strategie.

Dorothee Töreki, Keynote-Speakerin und Digital-Beraterin

Entfesselnde Kraft des Nichtwissens

2020 ist das Brennglas, das uns die Merkmale der digitalen Welt spüren lässt: Pläne werden Makulatur, Gewohnheiten brechen weg. Die großen Veränderungen sind am Horizont sichtbar: Der Mensch, der 500 Jahre alt wird, ist vielleicht heute schon geboren. Künstliche Intelligenz und Robotik werden uns die Last der Arbeit abnehmen und uns vor die Frage stellen, was uns als Mensch ausmacht. Der Klimawandel lässt uns unsere Werte infrage stellen. All das passiert gleichzeitig, Auswirkungen überlagern sich. Irgendjemand hat dies einmal mit einem Topf Spaghetti verglichen: Ziehen wir an einer Nudel, verschiebt sich das ganze System, aber wir wissen vorher nicht genau wie. Das ist Komplexität: Ursache und Wirkung sind nicht mehr linear, wir müssen in Systemen denken. Schlaumeier, die sofort die eine Lösung parat haben, bringen uns nicht weiter. Das ist der Tunnelblick des Unwissens. Wer sich mit digitalen Technologien, deren Möglichkeiten und Auswirkungen auseinandersetzt, erkennt schnell, dass das Zeitalter einsamer Entscheidungen vorbei ist und die Ära der Vielfalt beginnt. Wir erkennen unser individuelles Nichtwissen an, das uns eine offene Haltung ermöglicht: Transparenz statt Herrschaftswissen, Vernetzung statt Abteilungssilos, Hinterfragen von Prozessen – all das entfesselt unsere kreativen Fähigkeiten. Die Herausforderung ist groß, die Chancen sind es auch.

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Wie sicher sind unsere Daten?

Dass soziale Medien nicht umsonst sind, sondern wir mit unseren privaten Daten bezahlen, weiß mittlerweile jedes Kind. Aber wie ist das eigentlich mit all den (digitalen) Informationen, die wir nicht mit Gott und der Welt teilen? Schreiben Sie uns, warum Sie sich sicher fühlen – oder warum gerade eben nicht.

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Bruce Schneier, Kryptograph und Autor

Wachsendes Risiko

Die erwartbare Antwort lautet: Es kommt darauf an – um welche Daten es geht, wer sie sichert und was wir unter sicher verstehen. Über die meisten unserer Daten haben wir keine Kontrolle. Sie liegen auf Clouds von Unternehmen, die von diesen Daten profitieren, sind in Datenbanken gespeichert oder werden durch die Nutzung von digitalen Devices und Kreditkarten gesammelt. All diese Daten gehören uns nicht und wir sind weitgehend machtlos, wenn es um ihre Sicherheit geht. Und wie sicher unsere Daten vor staatlichem Zugriff oder Cyberkriminellen sind, hängt von nationalen Gesetzen und den Geschäftsmodellen der Unternehmen ab. In manchen Ländern kaufen und verkaufen Unternehmen ständig Daten – und der Staat greift ebenso auf sie zu. In anderen Ländern sind solche Praktiken verboten oder zumindest teilweise reguliert. Die Daten auf unseren eigenen Computern und Festplatten kontrollieren wir direkt. Hier kommt es auf das Know-how in der Datensicherung jedes Einzelnen an. Sie können sehr sicher sein oder werden gerade gestohlen, während Sie diese Zeilen lesen. Mit der Verlagerung unseres Lebens in die Online-Welt sind auch unsere Daten dorthin umgezogen. Dadurch sind die Sicherheitsrisiken gestiegen – sowohl durch deren legale Nutzung, die wir nicht verstehen oder durchschauen, also auch durch deren illegale Nutzung, von der wir in der Presse lesen. Diese Trends werden sich noch verstärken, je mehr Bereiche von Computern gesteuert werden.

Jochim Selzer, Netzaktivist und Mitglied Chaos Computer Club

Sicher dich selbst

Halten Sie Ihre Systeme softwareseitig aktuell, also auch Router und Drucker. Das bedeutet insbesondere: Verabschieden Sie sich von (Mobil-)Betriebssystemen, die nicht mehr mit Aktualisierungen versorgt werden. Verwenden Sie für jedes Konto ein eigenes Passwort, das aus mindestens zehn zufällig gewählten Zeichen oder vier bis fünf zufällig gewählten Wörtern bestehen sollte. Wenn Sie sich diese Passwörter nicht merken können, nehmen Sie Passwortmanager, zur Not ein Blatt Papier in der Hosentasche. Sofern möglich, nutzen Sie die Zwei-Faktor-Authentifizierung. Schützen Sie Ihre Mailadresse zur Passwortwiederherstellung besonders gut. Seiten wie haveibeenpwned.com oder der HPI Identity Leak Checker geben Hinweise, ob Ihre Anmeldedaten im Netz kursieren. Misstrauen Sie Mails, die Sie auf angebliche Bankenseiten locken oder angebliche Rechnungen im Anhang öffnen lassen wollen. Doch das ist nur ein Aspekt. Wenn Sie Ihr Innerstes auf Facebook ausbreiten, Ihre Unterlagen bei Google speichern und Ihre Adressbücher an Whatsapp schicken, nützt Ihnen das beste Passwort wenig. Erwägen Sie deshalb, auf vertrauenswürdigere Dienste auszuweichen und dafür, wenn nötig, auch Geld zu zahlen. Im Moment zahlen Sie mit Ihrer Privatsphäre. Werden Sie politisch aktiv. Ein Staat, der das Recht hat, unbemerkt auf Ihren Rechner zuzugreifen, um Ihre Kommunikation zu belauschen, gefährdet nicht nur Verbrecher, sondern die weltweite IT-Sicherheit.

Manuel Atug, Gründer und Sprecher AG KRITIS

Im kritischen Bereich

Cybersecurity im Bereich der kritischen Infrastrukturen wird ein immer bedeutenderer Faktor für die Aufrechterhaltung der für eine Bevölkerung elementaren Versorgungsleistung durch Wasserwerke, Energieversorger, Krankenhäuser oder auch Banken und Versicherungen. Denn eine Gesellschaft kann nicht bestehen, wenn sie kein Wasser, keinen Strom oder keine medizinische Versorgung in ausreichendem Maße erhält. Aufgrund der hohen Verfügbarkeitsanforderungen sind Anpassungen und Updates auf aktuelle Systeme nicht immer trivial realisierbar, was die Betreiber kritischer Infrastrukturen schon lange vor Herausforderungen stellt. Durch die fortschreitende Digitalisierung und Vernetzung werden diese Versorger immer anfälliger für Cyberangriffe und organisierte Kriminelle, die an die Daten und damit an Geld kommen wollen, wie wir in aktuellen Fällen wie beim Uniklinikum Düsseldorf sehen, welches sich aufgrund eines Hacks von der Notversorgung abmelden musste. Unserem sozialen Wohlergehen, aber auch der Wirtschaft kann es also langfristig nur gut gehen, wenn unsere kritischen Infrastrukturen durch die Erhöhung der Cyberresilienz eine ausreichende Widerstandsfähigkeit gegen alle Gefahren und Angriffe aus dem Cyberraum besitzen. Denken Sie einfach mal bewusst daran, wenn Sie sich das nächste Mal ein frisches und sauberes Glas Trinkwasser einschenken und freuen können, dass sich KRITIS-Betreiber täglich der Aufgabe der Cybersicherheit stellen.

Michael Meier, Professor für IT-Sicherheit, Universität Bonn

Ein Dienst, ein Passwort

Heute nutzt jeder von uns circa 100 verschiedene Online-Dienste und vertraut diesen seine Daten an. Das Spektrum der Dienste reicht dabei von Online-Shopping, Zeitschriften und Social Media über Versorger, Entertainment und Versicherungen bis hin zu privater und beruflicher E-Mail und Berufsverbänden. Geschützt sind unsere Nutzerkonten dabei meist durch Passwörter, die hoffentlich für alle diese 100 Online-Dienste unterschiedlich gewählt sind. Leider sind unsere Daten nicht bei allen Anbietern in sicheren Händen. Immer wieder kommt es vor, dass sich Kriminelle Zugang zu den Systemen der Dienstbetreiber verschaffen und zum Beispiel Passwortdaten entwenden und dadurch Zugriff auf unsere Nutzerkonten und -daten erhalten. Mit Passwort Leak gibt es sogar schon ein eigenes Wort für dieses Phänomen. Darüber hinaus ergaunern sich Kriminelle Zugangsdaten und Passwörter durch Phishing oder Spionagesoftware. Gelangt ein Passwort in die Hände Krimineller, sind alle Nutzerkonten gefährdet, die dieses Passwort verwenden. Deshalb ist für jeden Dienst ein anderes Passwort festzulegen. Zum Glück gelingt es Sicherheitsforschern, Milliarden von Passwort- und Nutzerkontodatensätzen einzusammeln, die in kriminellen Kreisen kursieren, sodass Nutzer, aber auch Unternehmen mittels sogenannter Leakchecker überprüfen können, ob Passworte ihrer Nutzerkonten in falsche Hände geraten sind. So (un)sicher sind unsere Daten: leakchecker.uni-bonn.de

Viola Ahrens, Leserin

VPN, Speichern in der Cloud und Videochat sind die neuen Highlights meines Arbeitgebers. Datensicherheit beginnt dabei aber nicht in der IT, sondern im Umgang aller Mitarbeiter mit den eigenen Zugangsdaten.

Ulrich Kelber, Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit

Mehr Alternativen

Die Pandemie hat es schonungslos offengelegt: Deutschland hinkt bei der Digitalisierung massiv hinterher und es mangelt an benutzer- wie datenschutzfreundlichen Lösungen. Beschäftigte wurden ins Homeoffice geschickt, Selbstständige auf die Online-Welt begrenzt und Bildung ins Digitale verlegt. Bei der konkreten Umsetzung stießen Behörden und Unternehmen schnell an ihre Grenzen. Oft fehlte es an einer entsprechenden digitalen Infrastruktur als Grundlage für gute Lösungen. In der Not wurde auf Produkte zurückgegriffen, die oft unsicher sind und deren Nutzung oder zumindest Nutzungsform datenschutzrechtlich rechtswidrig sein dürfte. Die Anfragen bei Datenschutzbehörden und umfangreiche Diskussionen im Netz zeigen aber, dass das Bewusstsein für Datenschutz durchaus vorhanden ist. Was nützt es nun, wenn Datenschutzbehörden die Verwendung von Produkten untersagen können, es aber nur wenige und unbekannte datenschutzfreundliche Alternativen gibt? Wir brauchen dringend eine Förderung dieser Alternativen und erweiterte Befugnisse der Datenschutzbehörden gegenüber Herstellern. Denn der große Bedarf für datenschutzkonforme Lösungen wird nicht bedient, die Bundesregierung sollte entsprechende Fördergelder bereitstellen. Deutsche und europäische Unternehmen müssen diese Chance erkennen und nutzen. Wir alle wollen und brauchen nicht nur in Pandemiezeiten innovative datenschutzgerechte Produkte „Made in Germany“ und „Made in Europe“.

FIL, Hacker

Kenne deine Gegner

Unternehmen stehen heute vor der Herausforderung, den Weg zur Digitalisierung zu meistern und die unterschiedlichen Technologien zu verstehen und so sicher zu machen, dass die Daten von Kunden und dem Unternehmen selbst geschützt sind. Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass Sicherheit aus der Perspektive eines Unternehmens etwas ganz anderes ist als aus der eines Angreifers. Für eine IT-Abteilung wird es immer schwierig sein, die Rolle eines Angreifers einzunehmen, denn sie kann und darf die eigenen Daten und Systeme nicht zerstören oder beschädigen. Einem Angreifer jedoch ist es völlig egal, wie er an sein Ziel kommt. Doch wer sind diese Angreifer? Grundsätzlich unterscheidet man vier Gruppen: Skript Kiddies sind junge Menschen, die sehen wollen, was sie mit ihrem technischen Know-how erreichen können. In der Regel geht es ihnen um Ruhm und Anerkennung. Cyberkriminelle dagegen sind Verbrecher, deren Ziel einzig und allein der Profit ist. Hacktivisten wiederum wollen auf einen bestimmten Umstand aufmerksam machen, zum Beispiel Tierversuche oder Datenmissbrauch. Staatliche Akteure schließlich betreiben vor allem klassische Wirtschaftsspionage und Kriminalitätsbekämpfung. Gefahrenquelle Nummer eins für jedes Unternehmen bleibt der Mensch. Laut einer Studie von 2015 standen sechs von zehn Angreifern einst auf der Lohnliste des angegriffenen Unternehmens. Denn ehemaligen Mitarbeiter kennen die Schwachstellen des jeweiligen Systems.

Hajo Schumacher, Leser

Hacker sind schneller

Wir erleben ein Sicherheitsparadox: Nahezu jedes Update für unser Smartphone soll neue Sicherheitslücken schließen. Doch die Hacker werden immer schneller sein. Denn Cybercrime lohnt sich. Es ist wie mit der Drogenkriminalität: Wo es um viel Geld geht, sind die Kriminellen immer einen Schritt voraus. Mit dieser Realität haben wir klarzukommen. Und sollten unsere Daten allenfalls auf der eigenen Festplatte sicher wähnen.

Samir Fetic, Leser

Noch nicht bereit

Ich glaube nicht, dass alle schon ein Gefühl dafür haben, dass soziale Medien nicht umsonst zu haben sind. Und es kann nicht schaden, dies immer wieder und gerade den Jüngeren zu verdeutlichen. Ich selbst fühle mich sicher, weiß aber, dass es immer auch eine Gefahr ist, die einen begleitet.

Norbert Pohlmann, Vorstand IT-Sicherheit, eco – Verband der Internetwirtschaft

Basis für Vertrauen

Der digitale Wandel verändert unseren Alltag und unserer Arbeitswelt sowie alle Geschäftsmodelle. Er ist entscheidend für die Wirtschaftskraft, den Wohlstand und die Leistungsfähigkeit unserer Gesellschaft. Doch mit der Komplexität der IT steigt auch deren Anfälligkeit für bösartige Angriffe. Unsere IT-Architekturen, Endgeräte, Server, Netzkomponenten und zentralen IT-Dienstleistungen sind zurzeit nicht sicher genug konzipiert, um Angriffe intelligenter Hacker erfolgreich abzuwehren. Täglich können wir den Medien entnehmen, wie sich Kriminelle die unzureichende Qualität der Software zu Nutze machen. Sie installieren Malware, stehlen Passwörter sowie Identitäten, spionieren unsere Endgeräte und die IT-Systeme aus, verschlüsseln sie und fordern Lösegeld für die notwendigen Schlüssel zur Entsperrung. Die Herausforderung, eine angemessene, sichere und vertrauenswürdige IT umfänglich zu nutzen, ist jedoch entscheidend für unsere digitale Zukunft. Das gilt für jedes einzelne Unternehmen und für die gemeinsamen digitalen Infrastrukturen. Nachhaltige Digitalisierung gelingt nur, wenn IT-Technologien und -Services sicher und vertrauenswürdig aufgebaut und umgesetzt sind. Ungesicherte IT-Systeme genießen noch immer eine zu große Toleranz bei Nutzern und Unternehmen. Diese Einstellung wird sich in Zukunft mit der Bedeutung der Digitalisierung in unserer Gesellschaft radikal ändern müssen, wenn wir die Chancen weiterhin positiv nutzen wollen.

Jan Tobler, Leser

Schnell zu spät

Datensicherheit gehört zu den kompliziertesten Herausforderungen unserer Zeit. Die Pandemie wirkt als Motor der Digitalisierung, aber gleichzeitig steigt die Cyberkriminalität drastisch an. Noch nie zuvor war der Datenschutz für Unternehmen so wichtig wie im heutigen Informationszeitalter. Denn Cyberkriminalität wird nicht von einzelnen Personen bestimmt, die im Wohnwagen durch die Straßen fahren und vereinzelt Menschen durch Datendiebstahl erpressen. Es handelt sich um gut organisierte Kollektive, die systematisch Schwachstellen suchen und Unternehmen massiven Schaden zufügen. Gleichzeitig ist der Schutz vor Cyberkriminellen mit hohen Kosten verbunden. Ähnlich wie bei der Berufsunfähigkeitsversicherung ärgert man sich erst dann, wenn es zu spät ist und man keine hat. Wenn die Politik den Mittelstand nicht unterstützt, wird Cyberkriminalität zukünftig keine Grenzen kennen.

Thomas Berger, Leser

Unsere Daten sind nicht sicher und wir sollten auch nicht glauben, dass dies anders ist. Letztlich kommt es auf die Ressourcen an. Aber: Kein Zugang zum Netz kann Daten schützen.

Carleone, Leser

Gutgemeinte Datenschutzmassnahmen führen zu Monopolen und erschweren die technische Entwicklung

Warum fallen die Analyse und entsprechend auch die Massnahmen zum Thema Datenschutz oft so angstgetrieben aus? Wir sollten vielleicht eher darüber sprechen was wir für unsere Daten erhalten und im Gegenzug bekommen. Darauf abgestützt fände ich dies eine zielführendere Diskussion. Wir «können» doch alle nicht mehr auf die ganzen Datengetriebenen Dienstleistungen verzichten, geschweige denn in der Zukunft, wo das ganze durch AI BigData Analyse noch um Welten besser wird. Doch wenn die Vorsichtigen und Ängstlichen nur blockieren, dann wird eben den Rücksichtslosen das Feld überlassen, bei denen sie dann wieder anklopfen, um den Kreislauf zu schliessen.

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