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Wie gelingt der Alltag mit Diabetes?

Es gibt Diagnosen, die das ganze Leben verändern. Diabetes ist eine davon. Wer ständig seinen Blutzuckerspiegel im Auge behalten muss, kann sich nicht einfach mal so treibenlassen. Oder etwa doch? Schreiben Sie uns, wie Sie Ihren Alltag mit Diabetes meistern – und wie es sich trotz Diagnose gut leben lässt.

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Thomas Danne, Chefarzt Allgemeine Pädiatrie, Diabetologie, Endokrinologie und Klinische Forschung, Kinder- und Jugendkrankenhaus Auf der Bult Hannover

Mehr Zeit im Zielbereich

In den letzten Jahren hat sich die Kinderdiabetologie als Vorreiter in der Entwicklung und Nutzung von Diabetestechnologie erwiesen. Bereits heute verwenden über 50 Prozent aller Patienten unter 18 Jahren eine Insulinpumpe – im Kleinkindalter sind es sogar über 95 Prozent. Sowohl bei Pumpen- wie auch Pentherapie nimmt die Nutzung von kontinuierlichen Glucose-Messgeräten (CGM) zur Stoffwechselüberwachung rasant zu. Seit 2016 ist CGM für Menschen mit Diabetes, die einer intensivierten Insulinbehandlung bedürfen, eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Mithilfe von CGM kann die Blutzuckereinstellung häufig deutlich verbessert werden. Zusätzlich geben Trendpfeile die Richtung der Glukoseänderung an, sodass für eine Einschätzung der aktuellen Situation nicht nur der aktuelle Wert, sondern vielmehr der Trend der Glucosespiegel-Entwicklung (stabil, abfallend oder ansteigend) herangezogen werden kann. Damit man durch die vielen täglichen Glukosekurven nicht verwirrt wird, hat sich die Analyse der sogenannten „Zeit im Zielbereich“ bewährt. Zur besseren Vergleichbarkeit der Werte vor und nach einer Therapieänderung wird die prozentuale Zeit, die im Verlauf der 24 Stunden zwischen Glukosewerten von 70 bis 180 mg/dl (3,9 bis 10 mmol/l) liegt, als Bewertungsgröße für CGM von der zugehörigen Software berechnet. Es bleibt zu hoffen, dass immer mehr Menschen von den Neuerungen der Diabetestechnologie profitieren.

Ortrud Gernand, Leserin

Eine Ehe zu dritt

Mein Mann feiert im Corona-Jahr ein Jubiläum: 50 Jahre Typ-1-Diabetes, 45 davon mit mir gemeinsam. Diese Entwicklung von der Pferdekutsche zum Porschefahren hat nichts von dem Edgar-Wallace-Krimi, bei dem sich Klaus Kinski zitternd die rettende Insulinspritze in den Oberschenkel rammt. Obwohl unser Leben auch filmreif wäre: vom Auskochen der Glasspritzen über den Pen bis zur Insulinpumpe mit Sensor zum Zuckermessen im Oberarm. Zum Vergleich: 2.500 Fingerstiche pro Jahr vor der Sensorzeit und etwa 40.000 Spritzen insgesamt. Wie man das schafft? Das Wichtigste: Bescheid wissen über Diabetes und den Körper, über Kohlehydrate und angepasste Insulinmengen sowie eine Portion Glück. Noch wichtiger: Diabetes als Teil des Lebens annehmen, dann kann man ihn einigermaßen kontrollieren und der Diabetes kontrolliert nicht das eigene Leben. Übrigens: Gefahr für Leben und Beziehung lauert bei Diabetikern in Unterzuckerungen mit Verwirrtheitszuständen, aggressivem Leugnen des Problems und schlimmstenfalls Bewusstlosigkeit. Bei Normalwerten von 120 mg/dl wird es schon ab 50 mg kritisch. Das geht manchmal schnell. Da reichen einige Treppenstufen oder ein Spaziergang. Dem diskret geflüsterten Hinweis „Traubenzucker essen“ kann schon mal ein unter Hypoglykämieschock laut gebrülltes „Lass mich mit deinem blöden Essen in Ruhe“ folgen – und mit ihm sämtliche Blicke der Umgebung. Das Gute: Diese Beziehungskrise ist mit Traubenzucker oder Saft zu beheben.

Barbara Bitzer, Geschäftsführerin Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)

Im richtigen Umfeld

Dank moderner Medikamente und neuer technischer Möglichkeiten ist es Menschen mit Diabetes heute möglich, ein annähernd „normales“ Leben zu führen. Dennoch ist ein Leben lang ein bewusster Umgang mit der Krankheit notwendig, sowohl bei Typ-1- als auch bei Typ-2-Diabetes. Gesundes Essen und regelmäßige Bewegung spielen dabei eine zentrale Rolle. Hier wird es politisch. Denn das persönliche Verhalten hängt maßgeblich von der Umgebung ab, in der sich der Einzelne bewegt: Ist eher gesundes Essen günstig verfügbar oder ungesundes? Wozu animiert die Werbung? Diese Fragen sind natürlich rhetorisch, denn bisher überwiegen im Alltag deutlich die Anreize für ungesundes Essen. Da ist es kein Wunder, dass es viele Betroffene trotz bestem Willen nicht schaffen, ihren Lebensstil umzustellen. Hier ist daher auch die Politik gefordert: Ungesundes muss teurer werden, etwa durch eine Abgabe auf gezuckerte Softdrinks, und Gesundes kostengünstiger, zum Beispiel durch die Streichung der Mehrwertsteuer für Obst und Gemüse. Zudem braucht es eine verständliche Lebensmittelkennzeichnung und ein Verbot von Kinderwerbung für ungesunde Produkte. Die Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass solche bevölkerungsweiten Maßnahmen am meisten dazu beitragen, dass Menschen sich gesünder ernähren. Deshalb setzt sich die Deutsche Diabetes Gesellschaft seit langem auch für politische Maßnahmen zur Eindämmung von Übergewicht ein. Auch das ist Prävention von Diabetes.

Ulrike Thurm, Diabetesberaterin und Fachbuchautorin

Leben lernen

Der Alltag wird heute in vielen Bereichen durch den Einsatz von moderner Technologie erleichtert – das trifft umso mehr für die Behandlung des Typ-1-Diabetes zu. Wenn Betroffene früher mindestens sechs- bis zehnmal täglich einen Blutzuckertest durchführen mussten, wird ihnen heute Ihre Lebensqualität unglaublich durch den Einsatz der kontinuierlichen Glukosemessung verbessert. Diese kleinen Sensoren, die einmalig ins Unterhautfettgewebe platziert werden, messen nicht nur kontinuierlich den Gewebezucker, sondern senden auch bei zu hohen oder zu niedrigen Werten Alarmsignale an den Nutzer. Sie sind besonders nachts wie ein Schutzengel, die über einen sicheren und beruhigten Schlaf wachen. In Kombination mit entsprechenden Insulinpumpen reduzieren oder erhöhen diese Systeme sogar die Insulinausschüttung und verhindern so meistens, dass es überhaupt zu schweren Stoffwechselentgleisungen kommen kann. Wie gut diese Systeme arbeiten, hängt immer vom Engagement, der Motivation und dem Wissensstand des jeweiligen Nutzers ab. Denn um von dieser innovativen Technologie profitieren zu können, braucht es weiterhin die Bereitschaft, sich entsprechend schulen und weiterbilden zu lassen, sich motiviert und engagiert täglich mit seinem Diabetes zu beschäftigen, mit Disziplin und Ausdauer. Denn auch mit diesen neuen technischen Hilfsmitteln bleibt es eine Frage der persönlichen Einstellung, wie man mit dieser chronischen Stoffwechselerkrankung lebt.

Benedikt Rammrath, Leser

Mit gelingt das Leben mit Diabetes gut, denn ich treibe viel Sport, bewege mich viel und mache morgens Gymnastik. Dazu gesunde Ernährung mit viel Haferprodukten, frischem Gemüse und Rohkost. Und regelmäßige Checks. So komme ich gut durchs Leben.

Michaela Berger, Gründungsmitglied Deutsche Diabetes-Hilfe

Wir Alltagsmeister

Puh, heute morgen bin ich wie gerädert aufgestanden. In der Nacht gab es Alarm: Mein Blutzuckerwert war im Keller. Ich bin mir keiner Absicht bewusst, denn der Tag gestaltete sich wie (fast) immer. In der vorigen Nacht war der Blutzucker noch stabil. Aber auch das gehört zum Leben mit Diabetes. Man muss lernen, mit dem Unvorhergesehenen umzugehen, denn der Alltag will laufen. Ich schaue jetzt auf 61 Jahre Erkrankung mit Diabetes mellitus Typ 1 zurück. Jeder Tag ist geprägt von Messen, Abschätzen, was zu tun ist, dem Berechnen der Kohlenhydrate zu jeder Mahlzeit (oder man lässt sie weg), dem Spritzen von Insulin. Ich denke nach, was ist noch alles zu tun. Heute ist das viel einfacher als in meiner Kindheit. Damals mussten etwa Nadeln und Spritzen noch ausgekocht werden. Alltag mit Diabetes bedeutet, tägliche Regeln diszipliniert einzuhalten, sonst geht das schief. Dennoch lasse ich mein Leben nicht von der Krankheit bestimmen. Das dies nicht immer ganz einfach ist, wird man mir jedoch kaum ansehen, weil Diabetes eine weitestgehend „unsichtbare“ Krankheit ist. Zum Glück gibt es lebensrettendes Insulin, Spritzen, Pens, Insulinpumpen. Es gibt viele neue Blut- und Gewebemessmöglichkeiten und keine Verbote mehr. Es wäre aber für jeden Betroffenen wunderschön, wenn die Wissenschaft hinter das Geheimnis des Autoimmungeschehens käme, um zu erfahren, was der auslösende Trigger ist. In diesem Sinne, Kopf hoch.

Sandra Neumann, Mutter von zwei Kindern mit Diabetes Typ 1 und Coach für Diabetes-Familien

Alltag auf Drahtseilen

Sonntagmorgen beim Bäcker: „Och bitte“, höre ich mein Kind sagen. Es schaut mich mit großen Augen an. „Na gut, ausnahmsweise“, sage ich. Zwei Spritzkuchen mit dicker Zuckerkruste landen in der Tasche. Am Nachmittag tafelt das Kind für sich auf: die zwei Spritzkuchen, dazu ein großes Glas Milch. Es sitzt am Tisch und strahlt. Das Mittagessen liegt schon eine Weile zurück. Wir haben extra großzügig gespritzt. Es ist Wochenende, da ist der Insulinbedarf immer höher. Nach elf Jahren mit Diabetes Typ 1 weiß man das. Das Kind misst seinen Blutzucker. 339. Es ist nur eine Zahl. Für das Essen eine viel zu hohe Zahl. Die Gesichtszüge meines Kindes frieren ein. Es ist nicht nur eine Zahl. Es schaut mich enttäuscht an. Ich sehe, wie die Seele meines Kindes zuckt. Sie braucht jetzt diesen Spritzkuchen. Ich denke kurz an Folgeschäden. Dann daran, dass der Fettgehalt des Spritzkuchens die Aufnahme der Zuckerkruste vielleicht ein wenig verzögern wird. Vielleicht. 339. Ich atme tief ein. Und wieder aus. „Na gut“, höre ich mich sagen. Kein ausnahmsweise. Ich gebe ihm einen Kuss auf die Stirn. „Na gut, Kompromiss. Einer jetzt, einer später.“ Das Strahlen meines Kindes kehrt langsam zurück. Das Leben besteht aus Kompromissen, denke ich. Das Leben mit Diabetes sowieso. Man wechselt ständig zwischen körperlichen und seelischen Bedürfnissen hin und her. Diesmal darf die Seele zu ihrem Recht kommen. Die Seele meines Kindes lächelt mich an. Ich lächle zurück.

Heinz Diderich, Leser

Mein zweites Leben

Mit 31 Jahren hatte ich einen schweren Verkehrsunfall, als dessen Folge ich nach einem Schock Typ-1-Diabetiker wurde. Damit begann dann auch das tägliche Insulin-Spritzen. Da ich vom Leistungssport kam, habe ich mich aber weiterbewegt, sodass es mir gelang, nicht nur Halbmarathon zu laufen, sondern auch das Goldene Sportabzeichen zu erwerben. Das habe ich vor vier Jahren mit 80 Jahren zum 18. Mal geschafft, wobei ich mittlerweile durch einen Bizepseinriss im linken Oberarm leider nicht mehr weitermachen konnte. Auch ist es mir gelungen, bei der DLRG meinen Leistungsschein zu erwerben. Mit meinen mittlerweile 84 Jahren war ich bis Ende März als Handelsvertreter selbstständig. Ich kann nur jedem Diabetiker empfehlen, Disziplin zu üben. Durch ständige Bewegung gelingt es, den Zucker im Griff und damit stabil zu halten.

Torben Biester, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin und Diabetologie

Besser im Blick

Für Menschen mit Diabetes Typ 1 muss mittels Insulingabe dafür gesorgt werden, dass der Blutzucker angemessen stabil gehalten wird. Blutzucker aus Nahrungskohlenhydraten ist die Hauptenergie für den Körper. Seit 2016 ist es durch einen kontinuierlichen Glukose-Sensor möglich geworden, Muster zu identifizieren und damit eine langfristige Therapiequalität zu sichern. Beurteilt wird sie mit dem neuen Messwert „Time in Range“ (TIR), die „Zeit im Zielbereich“. Diese gibt den Anteil der Zeit im Tagesverlauf an, in der die Glukosewerte im gewünschten Bereich von 70 bis 180 mg/dl liegen. Die TIR sagt also in einer Zahl aus, wie die Glukosewerte über den Tag oder einen definierten Zeitraum variieren. Für eine erfolgreiche Therapie sind TIR-Werte von mehr als 70 Prozent anzustreben. Von solchen sensorbasierten Messungen können wirklich alle Menschen mit Diabetes profitieren. Besonders bei Kindern und Jugendlichen hat sich diese neue Technik in Deutschland schnell etabliert. Das liegt vor allem daran, dass bei Heranwachsenden der Stoffwechsel je nach Wachstumsphase enorm schwanken kann und der Insulinbedarf und die Therapie ständig angepasst werden müssen. Viele Studiendaten belegen, dass sich durch eine solche Sensormessung in Kombination mit einer Insulinpumpe, die eine teilautomatische Insulinabgabe ermöglicht, die TIR sowie der Langzeitzuckerwert (HbA1c) im Vergleich zu bisherigen Therapien deutlich verbessern lässt.

Baptist Gallwitz, Sprecher Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)

Hilfe in der Fläche

Ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Bewegung und gesundem Essen ist wichtig, um einem Diabetes Typ 2 vorzubeugen. Dies sind auch die ersten therapeutischen Maßnahmen, um den erhöhten Blutzucker dauerhaft zu senken und zu kontrollieren. Hierbei ist der Patient besonders gefordert, denn seine Motivation ist entscheidend für den Erfolg. Bei einem fortgeschrittenen Typ-2-Diabetes, bei dem der Körper nicht mehr ausreichend Insulin produziert, sowie bei einem Diabetes Typ 1, der meist in frühen Lebensjahren auftritt, reicht eine Lebensstilanpassung allein nicht aus. Hier gehören die unverzichtbare Insulintherapie und mehrmals tägliche Blutzuckerkontrollen lebenslang dazu. Betroffene müssen ihre Tagesaktivitäten mit Essen, Sport und allem anderen genau planen und eigenverantwortlich mit ihrer Therapie umgehen. Diese Herausforderungen können Ängste und Unsicherheiten hervorrufen, bei denen ein Diabetes-Team und oft das soziale Umfeld helfen können. Auch hier sind Motivation, Vorausschau und Rückgriff auf gute Erfahrung für alle Menschen mit Diabetes hilfreich. Daher sollten Betroffene uneingeschränkt und nahtlos ambulante sowie stationäre medizinische und psychologische Hilfe erhalten können. Hier leisten Diabetes-Abteilungen viel und dürfen nicht aus ökonomischen Gründen „wegrationalisiert“ werden. Die über sieben Millionen von Diabetes in Deutschland Betroffenen brauchen eine flächendeckende Versorgung, um Lebensqualität zu erhalten.

Stephan Martin, Direktor Westdeutsches Diabetes- und Gesundheitszentrum (WDGZ) Düsseldorf

Ist Typ-2-Diabetes heilbar?

Bisher galt: einmal Diabetes, immer Diabetes. Doch für den Typ-2-Diabetes gibt es nun wissenschaftliche Studien, die belegen, dass diese Erkrankung durch eine radikale Änderung des Lebensstils besiegt werden kann. Von Heilung sollte man nicht sprechen, denn wenn man in alte Verhaltensmuster zurückfällt, kommt die Erkrankung zwangsläufig zurück. In Studien aus England, aber auch aus Katar war der vorübergehende Einsatz von Proteinshakes – sogenannten Formuladiäten – der Schlüssel zum Erfolg. 70 Prozent der Personen, die im Mittel bereits vier Jahre an einem Typ-2-Diabetes erkrankt waren und zum Teil mehrere Diabetesmedikamente einnehmen mussten, konnten nach einer Gewichtsabnahme von 15 Kilogramm den Diabetes besiegen. Um nach der Gewichtsabnahme die Erfolge zu bewahren, ist eine Low-Carb-Ernährung sehr hilfreich. Zusätzlich sollten die Betroffenen die körperliche Aktivität deutlich steigern. Nach unseren Erfahrungen mit diesem Ansatz ist es sogar möglich, bei sehr übergewichtigen Patienten mit Typ-2-Diabetes eine Insulintherapie zu beenden. Diese neuen Erkenntnisse werden es aber in der klinischen Praxis nicht einfach haben, denn die „sprechende Medizin“ wird unzureichend honoriert und die finanziellen Anreize, früh Insulin zu verordnen, sind nicht nur bei Ärzten, sondern auch bei den gesetzlichen Krankenkassen hoch. Die Forschungsdaten zeigen aber, dass ein Umdenken dringend notwendig ist.

Claudia Langenberg, Professorin für Computational Medicine, Berlin Institute of Health (BIH)

Den Ursachen auf der Spur

Stell dir vor, du hast Diabetes und niemand findet es heraus. Das passiert häufiger, als viele vermutlich denken. Tatsächlich lebt eine große Zahl von Menschen mit Diabetes, ohne es zu wissen. Während ein Leben mit der Diagnose Diabetes große Herausforderungen für Patienten birgt, nimmt ein Leben ohne Diagnose jede Chance zur Kontrolle der Krankheit und zur Minimierung ihrer Folgen. Das Problem ist, dass ein großer Teil dieser Menschen auch durch empfohlene, klinisch etablierte Tests nicht auffällt. Sie haben eine isolierte metabolische Störung der Zuckertoleranz, die nur durch einen aufwendigen Glukosetoleranztest entdeckt und mit schwerwiegenden Komplikationen einhergehen kann. Diese Menschen haben ein besonders hohes Risiko, zum Zeitpunkt der (verspäteten) Diagnose bereits irreversible Schäden, zum Beispiel ihres Sehvermögens, zu haben. Technische Neuerungen, insbesondere die Möglichkeit, selbst in einer normalen Blutprobe Tausende von Proteinen auf einmal schnell messen zu können, ermöglichen es uns jetzt, diese Information zu nutzen, um solche und andere spezifischen „Subtypen“ des Diabetes Typ 2 in Studien aufzuspüren. Das Potenzial, Schaden zu vermeiden, ist enorm, insbesondere für ältere Menschen und andere Bevölkerungsgruppen, die häufiger als andere an diesen Diabetesformen erkranken.

Gudrun Mattes, Leserin

Wer rastet, der rostet

Um sich fit zu halten, darf Sport und Bewegung im Leben eines Diabetikers nicht fehlen. Morgens habe ich mein Ritual: Noch im Bett fange ich mit Übungen wie Fahrradfahren, mit angehockten Beinen hin- und herschaukeln sowie Dehn- und Streckübungen für alle Gliedmaßen an. Auf der Bettkante geht es weiter: Ich kreise langsam mit dem Kopf, hangele mich mit beiden Armen nach oben und lasse den Oberkörper wieder nach unten fallen. Dann kräftige ich meine Waden- und Fußmuskulatur und schüttele die Gliedmaßen kräftig aus. Auf dem Bettläufer mache ich im Vierfüßlerstand noch ein paar Gymnastikübungen. Danach geht es raus in den Garten. Bei Wind und Wetter laufe ich barfuß über die Wiesen im Storchengang. Ich liebe es, das noch feuchte Gras an meinen Fußsohlen zu spüren. Hinter dem Haus dehne ich an der Wäschestange Beine und Arme wie in einem Karussell. Arm- und Bein-Kneippen und im Sommer Ganzkörpergüsse bilden den Abschluss meines Morgensports. Da- nach bin ich fit für den Tag. Bewegung und Kneippen sind mir ein tägliches Bedürfnis geworden. Inzwischen baue ich auch Yogaübungen mit ein. Gut gelingt mir der „Baum“, die anderen wie „Krieger“ oder „Hund“ sind noch nicht so perfekt, da heißt es dranbleiben und üben. Leider ist mein Körper nicht mehr so gelenkig. Sport und Bewegung sind gesund und wirken sich positiv auf den Zuckerwert aus. Denn wie heißt es so schön: Wer rastet, der rostet.

Lukas E., Leser

Als ich vor 10 Jahren mit Mitte 20 die Diagnose Diabtetes bekam war das für mich ein Schock und ich dachte mein Leben wäre zu Ende. Zum Glück hatte ich gute Ärzte und Berater die mir relativ schnell das Gegenteil bewiesen und zeigten, dass ein ganz normales Leben weiterhin möglich ist. Wenn mich jemand nach den Einschränkungen fragte: \"Statt Cola trinke ich nun Cola light und wenn ich Kuchen essen möchte nehme ich halt vorher Insulin\". Natürlich ist es in der Realität etwas komplexer, aber die Grundregeln hatte ich schnell verinnerlicht und spätestens mit Einführung der CGM-Geräte hat man den Blutzucker live auf dem Handy und das lästige \"in den Finger piksen\" entfällt. Die Krankheit schränkt mich im Alltag kaum noch ein. Die technische Entwicklung hilft dabei enorm. Herausforderungen gibt es an ganz anderen Stellen als im Umgang mit dem Blutzucker: Wem erzähle ich wann von meiner Krankheit - etwa auf der Arbeit? Anfangs habe ich sogar bei Dates meinen Diabetes aus Scham verheimlicht. Die Erfahrung zeigt aber, je länger man sich versteckt, desto komplizierter wird es später. Oder: Schließe ich nach der Diagnose noch eine BU-Versicherung zu deutlich schlechteren Konditonen ab oder riskiere ich gar keine zu haben. Fragen bei denen kein Arzt hilft.

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Was lässt uns träumen?

Den einen bringt der Gedanke an ferne Länder zum Schwärmen, der nächste träumt von einer friedlichen Welt mit sauberer Luft – und nicht wenigen würde momentan wahrscheinlich schon reichen, endlich wieder ganz ohne Corona-Angst leben zu können. Verraten Sie uns, wovon Sie träumen.

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Robert Hofmann, Filmkritiker

Tor zu neuen Welten

Das Träumen ist etwas ganz Wunderbares. Egal, ob man dem Alltag entfliehen, sich Ziele und Wünsche vor Augen oder sich einfach einer anderen Welt hingeben möchte. Manchmal können Träume wahr werden, manchmal sind es Luftschlösser, durch die wir gerne wandeln, und manchmal sind es greifbare Abenteuer. Vielleicht habe ich mich deswegen dafür entschieden, beruflich in Traumwelten einzutauchen. Bereits als Kind haben Filme mich begeistert, sei es auf dem Rücken von Pumba zu erleben, wie Simba sich seiner Verantwortung stellt, einen Außerirdischen zu begleiten, wie er mit einem Jungen Freundschaft schließt und den Weg nach Hause sucht oder in einem Auto bei prasselndem Regen über eine tropischen Insel zu rasen, während ein T-Rex brüllend hinterherjagt und den Boden zum Beben bringt. Für mich waren das Grundsteine dafür, das Träumen zu lernen und zu lieben. Ich möchte es nie wieder ablegen. Jedes Mal, wenn das Licht aus und das Lichtspiel angeht, Spannung und Horror einem das Fürchten lehren, Action das Adrenalin durch die Adern pumpen lässt und Liebe und Romantik das Herz erobern, ist das Erleben von Welten, die Träumer für das Publikum erlebbar machen. Ich kann nur jedem Mutigen da draußen beipflichten, die Brücke über den Schlossgraben zum Luftschloss Stein für Stein zu bauen, denn es gibt nichts Schöneres als eigene Träume wahr werden zu lassen und anderen dabei zuzusehen, wie sie ihre verwirklichen. Ein Hoch auf alle Träumer!

Rolando Villazón, Opernsänger, Regisseur und Schriftsteller

Erhabene Unterhaltung

Ob die unkontrollierten Geschichten, die unser Unterbewusstsein während des Schlafs inszeniert, oder die langsam geformten Fantasien, die unser erwachter Geist entfaltet, wir träumen mit Elementen der Wirklichkeit. Und da die Wirklichkeit unsere Träume inspiriert, interessiere ich mich mehr für die mit offenen Augen Geborenen, für die Träume der Vernunft. Es ist erhabene Unterhaltung, zu träumen. Ob naiv oder tiefgründig, einfach oder ausgearbeitet, unsere Träume machen uns zu Schöpfern. Philosophische Konstruktionen, politische und wirtschaftliche Systeme, wissenschaftliche Theorien, künstlerische Ausdrucksformen – sie alle sind am Anfang Träume. Nur wenige haben genug Substanz, um das Bewusstsein zu erschließen und Einfluss auf die Realität zu nehmen. Ich denke an Montaigne in seinem Turm, an Descartes vor seinem Kamin, an Newton unter dem Baum, an Mozart, der in seiner Kutsche reist. Solch große Träumer sollten uns nicht einschüchtern, ebenso wenig die falsche Erwartung, unsere Träume müssten nützlich sein. So viele fertige Träume, die von anderen geträumt wurden, werden uns geschenkt. Aber keiner ist so erfüllend wie unsere ganz eigenen, verstörend aussehenden Spiegel des Wunderlandes, mit ihren dressierten spielerischen Geschöpfen. Und wer weiß, vielleicht wird eines dieser Geschöpfe am Ende zu einem Gedanken und einer Handlung in unserem Leben. Aber das wäre nur ein willkommener Zufall. Es reicht, aus Freude am Träumen zu träumen.

Kirsten Boie, Kinder- und Jugendbuchautorin

Traum aller Träume

Vor Corona habe ich häufig Schulklassen zu Lesungen besucht – besonders gerne in sogenannten benachteiligten Stadtteilen. Wenn ich dort beobachte, wie das türkischstämmige Mädchen mit der Klassenkameradin nigerianischer Herkunft kichert, der russlanddeutsche Junge mit dem syrischen über Bayern München diskutiert und das urhamburgische Kind mit dem aus dem Kosovo Fußballsticker tauscht, dann lässt mich das jedes Mal träumen: von einer Zukunft, in der alle Menschen in Deutschland zu einem gemeinsamen Wir gehören, in der nur eine Rolle spielt, was für ein Mitmensch ein Nachbar oder Arbeitskollege ist und religiöse, ethnische oder kulturelle Zugehörigkeit keine Rolle mehr spielen. Diese Grundschulkinder zu beobachten, macht mir jedes Mal Hoffnung. Aber mein Traum ist ja noch viel unverschämter: Zum großen Wir gehört für mich auch, dass die Chancen für alle Kinder viel gerechter verteilt sein müssen als bisher. Gerade jetzt, wo die notwendige Bekämpfung der Pandemie unendliche Steuermittel schluckt, scheint dieser Traum kühn. Aber: Für eine gelingende gemeinsame Zukunft müssten wir endlich begreifen, dass dieses Ziel nur zu erreichen ist, wenn wir mehr Lehrkräfte ausbilden und einstellen, wenn also die Bildung insgesamt bei den Haushaltsausgaben die Priorität bekommt, die sie in der Realität für unsere Leben immer schon hatte. Das klingt nicht träumerisch genug? Für mich ist dieser Traum die Grundlage für alle weiteren Träume.

Alexander Mann, Leser

Tag- und Nachtträume

Oft spielt die Familie eine Rolle in unseren Träumen. Ich habe letzte Nacht geträumt, dass ich mich mit meinem Zwillingsbruder auf einer idyllischen skandinavischen Insel treffe, wo wir uns mit einem Schiffskapitän, mit dem wir schon seit Ewigkeiten befreundet sind, angeregt über den Bau von Räucherkammern unterhalten haben. Mein Sohn hat letztens geträumt, wie er mit seinem Opa mit dem Unimog zur Schule seiner Schwester fährt und dort nonchalant einen Zaun plattwalzt. Es ist doch bezeichnend, dass die schönen und interessanten Träume oft mit den Menschen zu tun haben, die man liebt. Und genau davon träume ich auch, wenn meine Augen offen sind: dass alle, die man liebt, egal ob Mensch oder Tier, gesund und glücklich sind. Wenn dann auch noch viel Zeit miteinander verbracht werden kann, treten alle anderen Probleme in den Hintergrund. Das ist ein Gedanke, der uns auch Mut machen kann für die nächsten Wochen, in denen wir wieder mit notwendigen Kontaktbeschränkungen klarkommen müssen. Wenn jetzt alle zusammenhalten und vernünftig sind, kann bald jeder wieder seine Träume leben.

Norbert Elgert, Fußball-Lehrer

Gib alles, nur nie auf

Am Anfang steht immer der Traum. Die meisten jungen Fußballer haben den Traum, Fußballprofi zu werden. Aus dem Traum entsteht dann der brennende Wunsch, das Ziel und die dazugehörige Motivation. Für mich persönlich bedeutet Motivation Begeisterungsfähigkeit und Antrieb. Als Trainer ist es meine Aufgabe, Leistungs- und Begabungsreserven zu mobilisieren. Wer spitze sein will, muss wissen, was ihn motiviert. Auch Manuel Neuer und Leroy Sané, die ich zwei Jahre trainieren durfte, sind nur ganz nach oben gekommen, weil neben ihrem Talent Antrieb und Motivation groß genug waren. Eine Frage, die ich meinen Jungs gerne stelle: „Stehst du morgens auf, weil du musst oder weil du es nicht mehr erwarten kannst?“ Ziele sind wie Magneten. Um große Ziele zu erreichen braucht man maximale Motivation, Zeit und einen Plan. Deswegen empfehle ich immer, im Einzelgespräch wie in meinem Buch, sich Etappenziele zu setzen und einen Schritt nach dem anderen zu gehen. Denn Erfolg braucht seine Vorlaufzeit und ein stabiles Fundament. Jeder, der es, egal auf welchem Gebiet, ganz nach oben schafft, hat irgendwann einmal auf der Erfolgsleiter ganz unten angefangen und sich dann Sprosse für Sprosse hochgekämpft. Was ich meinen Jungs immer wieder mit auf den Weg gebe: „Talent stellt euch nur in die Tür zum Profifußball, aber erst Einstellung, Einsatz und Durchhaltevermögen über einen langen Zeitraum bringen euch durch diese Tür.“

Mick Schumacher, Rennfahrer und Mitglied Ferrari Fahrer-Akademie

Ein Traum, ein Ziel

Den Geruch von verbranntem Gummi würden viele Menschen wahrscheinlich als Belästigung empfinden. Und der Sound eines Motors mit 1.000 PS wäre für einige wohl nicht mehr als nur ohrenbetäubender Lärm. Für mich ist das anders. Ich stamme aus einer Motorsport-Familie und seit ich mit drei Jahren zum ersten Mal in einem Go-Kart saß, ist der Rennfahrer-Funke auf mich übergesprungen. Seit diesem Moment ist im Laufe der Jahre in mir der Wunsch gereift, selbst erfolgreich im Motorsport zu werden. Und das nicht in irgendeiner Serie, sondern in der Königsklasse des Rennsports, der Formel 1. Bisher ist meine Karriere überaus gut verlaufen. Ich war Vizeweltmeister im Go-Kart, habe dann in der Formel 4 Rennen gewonnen, in der Formel 3 die Europameisterschaft geholt und stehe in der Formel 2 zwei Rennwochenenden vor Schluss auf Platz eins der Weltmeisterschaft. Doch der Gedanke, auch in der Formel 1 erfolgreich zu sein, ist, was mich anspornt. Ich stelle mir vor, wie ich mich mit den besten Fahrern der Welt messe, in den schnellsten Rennwagen sitze und am Ende ganz oben auf dem Podium stehe, die deutsche Nationalhymne ertönt und ich den Siegerpokal in die Höhe strecken darf. Dieses Gefühl, all das auch in der Formel 1 zu schaffen, muss gigantisch sein. Um dorthin zu kommen, arbeite ich hart an mir und versuche, mich immer weiter zu verbessern. Denn die Leidenschaft für diesen Sport hat dafür gesorgt, dass Rennfahrer genau das ist, wovon ich träume.

Christian Thiele, Schlafberater

So träumen sie besser

Abseits der Welt, die immer hektischer wird, wächst der Wunsch nach Ruhe, Geborgenheit und Muße zum Träumen. Wie schaffen wir uns den Raum für unsere Träume? 1) Gönnen Sie sich Zeit. Machen Sie regelmäßig Pausen, gehen Sie spazieren und atmen Sie bewusst tief in den Bauch. Terminieren Sie Ihre Aufgaben realistisch und blocken Sie Zeit für sich. 2) Entspannen Sie sich. Nutzen sie Entspannungstechniken wie Tai-Chi oder Meditation, um in Ruhe den Tag zu starten und zu beenden. Durch Worte und Gesten gegenüber Mitmenschen zeigen Sie Respekt und bekommen diesen auch zurück. Das entspannt und motiviert. 3) Seien Sie achtsam mit Ihrem Körper. Konzentrieren Sie sich auf positive Gedanken. Ändern Sie nach Möglichkeit die Dinge, die Sie belasten. Akzeptieren Sie auch, dass nicht alles gut sein kann. Ihre Ressource Energie ist endlich, achten Sie auf Ihre Balance. Schlaf ist Ihre Energiequelle. 4) Seien Sie es sich wert. Wir tun immer viel für andere, jetzt sind Sie dran. Gönnen Sie sich genussvolles Schlafen. Nehmen Sie sich Zeit, das richtige Traumequipment auszusuchen. Seien Sie sich bewusst, was das richtige Bett für Ihren Körper tun kann. Das passende Kissen für Ihren Nacken und die perfekt temperierte Zudecke können helfen, gut in den Tiefschlaf zu kommen, damit ihr Körper sich regenerieren kann. Dann sind Sie fit für den nächsten Tag und haben neue Kapazitäten fürs Träumen. Weitere Tipps finden Sie in meinem Schlaf-Blog: bit.ly/somnar

Gundi Günther, Leserin

Der lange Weg zurück

Mein Traum: der einst selbstverständliche spontane Umgang und die Begegnung mit Menschen, wann immer man Zeit und Lust dazu hat. Die CoronaKrise hat uns alle stark getroffen und fordert Tag für Tag immer mehr Aufmerksamkeit. Mein Traum ist realisierbar, wenn wir alle gemeinsam unseren Fokus auf mehr Achtsamkeit richten.

Markus Kamps, Schlafcoach und Fachdozent für Bettwaren

Mein Bett zu Hause – ich freu mich darauf

Für mich spielt guter Schlaf berufsbedingt eine große Rolle – denn nur der lässt uns gut träumen. Warum also nicht von gesundem Schlaf träumen? Meine Reisetätigkeit macht mir da jedoch einen Strich durch die Rechnung – im Hotel beginnen meine Träume von gutem Schlaf oft zu platzen. Obwohl ich mein Kissen und eine Decke mitnehme, ist der Schlaf unterwegs anders. Die Umgebung, Gedanken und Zeiten sind das eine, ein unpassendes Bett das andere. Hinzu kommt derzeit auch noch Covid-19 – da werden in einem fremden Bett Träume oft zu Albträumen. Schon zu Hause fällt es schwer, im Schlaf abzuschalten und sich nicht von dem Virus die schönen Träume rauben zu lassen. In einem fremden Bett ist für viele gar nicht an Schlaf zu denken. Und hier kommt mein übergeordneter Traum ins Spiel: Ich träume davon, dass jeder Mensch gut schlafen und träumen kann. Das bestimmt meine Arbeit beim Schlafcoaching und in der Bettberatung. Ein paar Tipps für alle, die wie ich von gutem Schlaf träumen: In ungewohnter Schlafumgebung reichen oft kleine Dinge – ähnliche Gerüche, das eigene Kissen, gewohnte Nachtwäsche, gekoppelt mit Routinen, um guten Schlaf zu finden. Zu Hause lässt mich mein zu mir passendes Bett träumen, bei dem Lattenrost, Matratze, Decke und Kissen genau auf meine Bedürfnisse abgestimmt sind. Durch meinen Job und meine Vorliebe für gesunden Schlaf könnte man somit sagen: Ich lebe meine Träume.

Gerd Eisenbeiß, Leser

Menschlich werden

Allzu leichtfertig behaupten wir, wir seien ein Lebewesen, das die Bezeichnung Homo sapiens verdient. Ich träume von einer Zukunft, in der die Erde tatsächlich von wissenden, weisen Menschen bewohnt wird. Das wird keine Welt sein ohne Interessensgegensätze, aber eine Gesellschaft, in der vernünftig und friedlich argumentiert wird mit dem Ergebnis fairen Ausgleichs. Übrigens wird auch erst dann das Mittelalter in die Neuzeit übergegangen sein – denn solange wir Konflikte durch Gewalt und Mord zu lösen versuchen, unterscheiden wir uns vom 15. Jahrhundert nur durch die Art der Waffen.

Heinrich Weinberger, Leser

Auf den Hund kommen

Wenn ich einen Welpen adoptiere, diesen aufziehe und sehe, wie der kleine Racker wächst und die Welt kennenlernt, dann kenne ich die Antwort. Manche finden es vielleicht komisch, wenn man sich selbst als Hundepapa bezeichnet, aber das wäre mein Traum.

Markus Eisenbichler, Skispringer

Traum vom Fliegen

Die Berge haben im Winter ihr eigenes Flair. Die Landschaft mit der weißen Schneedecke, es sind weniger Leute dort oben – da kann ich perfekt abschalten. Ich habe viele Wintersportarten ausprobiert, mich dann instinktiv für Skispringen entschieden. In der Luft bist du auf dich gestellt: Das ist ein Nervenkitzel, der sich schwer beschreiben lässt. Vor manchen Riesenschanzen habe ich schon ein mulmiges Gefühl. Beim Sprung realisiert man die Höhe kaum. Es werden so viele Glückshormone ausgeschüttet, das ist die pure Zufriedenheit, das reine Glück. Ein Kick, den man immer wieder haben möchte, wie beim Wellenreiten oder wenn man schnell Auto fährt. Aber mit dem Alter lernt man auch, vorsichtig zu sein. Vom Skispringen träume ich nachts selten. Man stellt sich den Sprung vor dem Wettkampf bildlich vor, geht alles durch. Wenn du dann am Balken sitzt, versuchst du, nicht nachzudenken, vertraust deinem Instinkt. Ein Albtraum wäre es, zu stürzen und sich schwer zu verletzen, aber daran denke ich nicht. Wir trainieren viel, auch im Sommer auf Matten. Sportlich habe ich noch Träume, wie Gesamtweltcupsieger zu werden oder Skiflugweltmeister. Vor der neuen Saison ist die Vorfreude extrem, selbst wenn wegen der Corona-Auflagen weniger Zuschauer zugelassen werden. Skispringen kann man auch gut am Fernseher verfolgen. Nach der Karriere träume ich davon, mal wieder Silvester zu Hause zu feiern und Vierschanzentournee zu schauen. Doch das hat noch Zeit.

Roman Padiwy, Regisseur, Kameramann und Autor

Netzwerke der Tat

Mein Traum ist eine neue Kultur der Kooperation. Deshalb habe ich vor zehn Jahren das Potenziale-Netzwerk LIZA geschaffen. Bei diesem Netzwerk geht es nicht darum, dass wir uns der Technik anpassen. Sie unterstützt uns dabei, unsere Menschlichkeit zum Ausdruck zu bringen. Die kleinen und großen Dinge, die uns ausmachen. Auf Basis dieser „Werte“ können wir die Talente und Potenziale anderer erkennen und besser nutzen. Ein Netzwerk der Tat. Gerade erleben wir Veränderungen in allen Bereichen. Scheinbar ausgelöst von einer aktuellen Krise. Doch die Krise war schon vorher da. Unser System wankt. Wir bekommen die Chance, es neu zusammenzusetzen. Die Kultur der Kooperation wird entscheiden, wie unsere Welt in Zukunft aussieht. Wenn wir damit anfangen, unsere eigene Definition von Erfolg zu finden, können wir Dinge tun, die uns Spaß machen. Wir werden private und wirtschaftliche Beziehungen finden, die zu uns passen, und auf Augenhöhe kooperieren. So werden Dinge und Projekte möglich, die bisher als undenkbar galten. Mit dem Kinofilm „Wie viele bist Du?“ haben wir eine erste Demonstration dessen geliefert, was aus LIZA möglich ist. Es gibt den Film, weil viele engagierte Kreative, die über LIZA zusammengefunden haben, kooperiert und eine Vision, einen Traum, verwirklicht haben. Es hat drei Jahre gedauert. Aber es hat sich gelohnt. Warum? Nichts ist inspirierender ist, als menschliche Potenziale weltweit verfügbar zu machen.

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Wann gehört das Tier zur Familie?

Vom Hund über die Katze bis zum Koikarpfen halten die Deutschen rund 34 Millionen Tiere bei sich zu Hause. Sie können ein wichtiger Lebensbegleiter sein – rund jeder dritte Halter bezeichnet sein Tier gar als seinen engsten Vertrauten. Schreiben Sie uns, ab wann für Sie das Haustier zum Familienmitglied wird.

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Jörg Luy, Gründer und Leiter Forschungs- und Beratungsinstitut für Tier-, Natur- und Umweltethik (INSTET)

Empathie entscheidet

Wenn vermutlich Millionen von Menschen weltweit einzelne Tiere wie Familienangehörige behandeln, ist das ungewöhnlich. Im übrigen Tierreich kommt solche speziesübergreifende Nähe nur sehr selten vor. Voraussetzung dafür, den anderen als Teil der eigenen Familie zu betrachten, ist die Fähigkeit, Mitgefühl zu entwickeln. Das erklärt, warum Menschen und andere empathiefähige Tiere, beispielsweise Hunde, grundsätzlich in der Lage sind, sich gegenseitig zu adoptieren. Im Einzelfall braucht es zusätzlich noch eine große Portion gewachsenes, gegenseitiges Vertrauen. Interessant ist, dass unser Gerechtigkeitsempfinden funktionell nicht zwischen Angehörigen der eigenen Spezies und fremder Arten unterscheidet, sondern zwischen Individuen, in die es sich empathisch hineinversetzen kann, und Sachen, bei denen es keine Gefühle vermutet. Es beurteilt Handlungen als gerecht, wenn es davon überzeugt ist, dass das behandelte Individuum sie akzeptieren kann. Zu unserem evolutionären Erbe gehört nun allerdings, dass wir die Welt gedanklich aufteilen in zwei Teile: einen, in dem wir aktiv um Gerechtigkeit bemüht sind, und einen, in dem wir im Zweifel diesen Anspruch fallenlassen. Den Teil der Welt, bei dem wir das stärkste Interesse spüren, dass alle Individuen glücklich sind, nennen wir Familie. Hier sind wir am meisten um Gerechtigkeit bemüht – und das schließt auch Tiere ein, wenn sie uns als Individuum ans Herz gewachsen sind.

Hildegard Jung, Tierärztin und Verhaltenstherapeutin

Hund bleibt Hund

Es klingt so einfach: Wir lieben unsere Heimtiere – und entwickeln eine elternähnliche Bindung zu ihnen. Besonders gut untersucht ist dies beim Hund, der uns in seinen Sozialbedürfnissen sehr ähnlich ist. Der Mensch fühlt sich wohl, wenn sein Tier anwesend ist, und vermisst es, wenn es nicht da ist. Er will seinem Hund sicherer Hafen sein und wird bei seinem Fürsorgeverhalten selbst belohnt. Gemeinsam auf der Couch zu liegen und das Fell zu kraulen, erhöht beidseits das „Kuschelhormon“ Oxytocin. Doch reichen Gefühle für eine gute Beziehung? Wirklich verstehen können die meisten Menschen ihr Tier nicht. Studien zeigen, dass nur ein Drittel der Hundehalter feine Signale seines Tieres richtig deuten und darauf Rücksicht nehmen kann. Die Folge: Beziehungsstress. Gerade unser mobiles Leben überfordert viele Hunde. Immer dabei sein zu dürfen, führt leicht zu Schlafmangel. Auch zu Hause zu bleiben ist nicht immer eine gute Alternative, im Rudel wäre er schließlich nie allein. Dies löst leicht Stress oder sogar Panik aus. Einen Auslands-Hund aufzunehmen, liegt im Trend. Doch der ist meist nicht in der Familie aufgewachsen und mit Kuschelnähe und zu vielen unbekannten Eindrücken schnell überfordert. Hunde mögen einen vorhersehbaren Tagesablauf und ein bisschen Kontrolle über ihr Leben. Wir müssen also ganz genau hinsehen, um die individuellen Bedürfnisse unseres Familienmitglieds zu erkennen und den „besseren Menschen“ auch mal Hund sein lassen.

Udo Kopernik, Vorstand Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) und Leiter VDH-Akademie

Liebe mit Grenzen

War das nicht immer schon so? Eine neue Erfindung ist es sicher nicht, insbesondere den Hund auch als Familienmitglied wahrzunehmen. Der Hund ist dem Menschen schon sehr früh auf die Pelle gerückt und diente unseren naturnah lebenden Vorfahren bei strenger Kälte durchaus auch als „Wärmekissen“ in der Nacht. Da kommt man sich nahe. Das fördert ein Gefühl von Zusammengehörigkeit. So etwas muss auch der frühere Bundespräsident Johannes Rau gemeint haben, als er seinen Vierbeiner Scooter beschrieb: „Als Hund eine Katastrophe, aber als Mensch ganz wunderbar!“ Damit der Hund jedoch nicht auch als „Mensch“ zur Katastrophe wird, muss der Mensch ihm nicht nur Grenzen setzen – etwa in seiner Erziehung – sondern auch Grenzen zwischen sich und dem Tier ziehen. Ein Hund hat andere Bedürfnisse, man kann ihn nicht als gleichberechtigten Partner sehen. Damit würden wir ihn nur hoffnungslos überfordern. Ebenso wenig kann ich meinem Hund nicht meine Weltanschauung und Lebensweise überstülpen und ihm etwa als Fleischfresser eine vegane Ernährung aufzwingen. Es gibt Grenzen, die müssen alle respektieren. Der Hund hat in der Familie seine eigene, kleine Rolle, darin müssen wir ihn Hund sein lassen. Selbst wenn dies manchmal schwerfällt. Dafür tragen wir die Verantwortung – denn dies zeichnet den wahren Tierfreund aus.

Roger Rundstein, Leser

Nicht man selbst findet den Hund, sondern der Hund findet den Menschen.

Achim Gruber, Professor für Tierpathologie, Freie Universität Berlin

Der Preis für unsere Liebe

Wir lieben Tiere, aber wir lieben sie auch krank und zu Tode. Nicht nur unsere Nutztiere, sondern auch unsere Kuscheltiere zahlen einen hohen Preis. Als Tierpathologe sehe ich das Drama täglich auf dem Seziertisch. In einer vereinsamenden Gesellschaft übernehmen sie immer öfter die Rolle eines Kindes- oder Sozialpartnerersatzes. Sie füllen die Menschenleere und erwärmen das Herz, besonders auch zu Corona-Zeiten. Das ist erst einmal gut so. Aber unsere Liebe zu ihnen macht uns auch blind. Auf dem Weg ihrer Vermenschlichung opfern uns Hunde, Katzen und andere Lieblinge ihre Natur, ihre Gesundheit und nicht selten ihr Leben. Wir züchten sie krank, lahm, taub, kurzatmig, allergisch, epileptisch, tumorös und stupide und finden das niedlich, hübsch oder extravagant. Manche können nicht ertragen, dass Tiere andere Tiere essen und füttern Hund oder Katz vegetarisch oder vegan. Und machen sie damit zum Affen. Wird das Tier so zum Familienmitglied, verliert es seine Würde. Haben Tiere eine Würde? Unsere eigene ist nach unserer Verfassung unantastbar. Warum sind wir dann skrupellos mit ihrer Würde, erst recht, wenn wir sie vermenschlichen? Es ist paradox: Das Tier gehört doch erst dann wahrhaftig zur Familie, wenn wir es lieben, respektieren und halten, wie die Natur es geschaffen hat: um seiner selbst willen. Unsere gelebte Tierliebe aber ist meist egoistisch und blind. So würden wir nicht geliebt werden wollen.

Andreas Stoklosa, Leser

Beim ersten Blick

Da wir beide berufstätig sind und ich es als eine Qual ansehe, das Tier täglich über acht Stunden allein in der Wohnung zu lassen, stand eine Anschaffung für mich nie zur Debatte. Eines Abends, es war ein Sonntag, komme ich nach Hause und meine Partnerin stellt sich vor mich und grinst mich verstohlen an. Sie macht einen Schritt zur Seite und auf der Couch saß die kleine Aura. Seit ich ihr das erst Mal in die Augen geschaut habe, gehört sie zur Familie. Ich nehme sie noch heute jeden Tag mit zur Arbeit. Was soll ich noch sagen? Heute ist die Frau weg, aber der Hund noch da.

Roswitha Dannenberg, Pressereferentin Verein für Deutsche Schäferhunde

Echte Beziehung

Keine Frage: Wer sich zur Anschaffung eines Hundes entscheidet – hoffentlich nach vorheriger Information über die Bedürfnisse des auserwählten Vierbeiners – hat damit ein Familienmitglied hinzugewonnen. Und wie man es von Familienmitgliedern kennt, hat es Bedürfnisse und stellt Anforderungen, insbesondere an das Zeit-Budget. Wer das nicht leisten kann oder möchte, sollte Tierfreund sein und sich für ein niedliches Plüschtier entscheiden. Für ein soziales Wesen wie den Hund ist es von existenzieller Wichtigkeit, Teil seines Menschen-Rudels zu sein. Die Auswahl des Hundes sollte nicht allein nach der Optik getroffen werden. Das kann gründlich schiefgehen. Letztendlich wurde jede Hunderasse ursprünglich für einen Zweck oder eine Aufgabe gezüchtet. Diese sind nach wie vor mehr oder weniger ausgeprägt vorhanden. Sich einen Jagdhund anzuschaffen und erstaunt über seinen Jagdinstinkt zu sein? Keine gute Idee. Gerade Arbeitshunde wie der Deutsche Schäferhund müssen ihrer Veranlagung entsprechend beschäftigt werden. Dafür bedarf es keiner Schafherde, aber geistiger und körperlicher Forderung und Förderung. Mit diesem Allrounder unter den Hunden kann man fast jede (Hunde-)Sportart betreiben, je nach Talent des Hundes und der eigenen Vorlieben. Oberste Priorität: Spaß muss es machen und zwar dem Zwei- und Vierbeiner. Eine Auswahl an Beschäftigungsmöglichkeiten und Wissenswertes über den Deutschen Schäferhund finden Sie hier: schaeferhunde.de

Roman Schley, Leser

Alle Tiere zählen

Wer einen veganen Lebensstil praktiziert, wird diese Frage sicherlich anders beantworten als jemand, dem egal ist, wie viel oder wenig das Geflügel im nächsten Supermarkt kostet. Wir würden ja auch nicht unsere Oma essen, nicht wahr? Für mich ist es schwierig, hier eine faire Grenze zu setzen. Ich bin ein absoluter Tierfreund, engagiere mich und meine Hundedame gehört definitiv auch zu meiner Familie. Trotzdem esse ich Fleisch. Ich versuche zwar, kein Billigfleisch zu holen und darauf zu achten, dass die Tiere gut gehalten wurden, aber reicht das? Schließlich wurde trotzdem für mich ein Leben beendet. Einfach so. Ich glaube, es wird Zeit, dass ich so langsam eine klare Position beziehe. Für mich selbst, vor allem aber für die Tiere. Die entscheidende Frage ist doch, kann ich mich mit jemandem über Tierwohl unterhalten und mir gleichzeitig das nächste Schnitzel reinschieben?

Deborah Rammrath, Leserin

Ich war früher so eng mit meinem Pony, dass ich es als Familienmitglied gesehen habe. Ich war mindestens drei- bis viermal am Tag mit meiner Susi zusammen. Es war einfach toll.

Mieke Roscher, Professorin für Human-Animal Studies, Universität Kassel

Wandelbare Beziehung

Menschen und Tiere leben seit Tausenden von Jahren miteinander, voneinander und nebeneinander. So eng ist diese Verbindung, dass wir von Interspezies-Gesellschaften sprechen müssen. Dies gilt global und für alle Kulturen, auch in der historischen Tiefenbetrachtung. Man könnte also genauso gut fragen, wann das (domestizierte) Tier nicht zur Familie gehörte. Das moderne, westliche Familienverständnis ist ja ein relativ neues. Es hat sich von Groß- und Haushaltsfamilienmodellen, bei denen Tiere durchaus auch Teil des Hausstandes waren und mit unter einem Dach lebten, zur (bürgerlichen) Kernfamilie entwickelt – mit neuem Status von Mensch und Tier. Im Laufe dieses Prozesses wurden Haustiere von Heimtieren getrennt und jeweils unterschiedlichen räumlichen Sphären zugeordnet. Haustiere wie Rinder und Schweine wurden fortan abgesondert, die urbane Gesellschaft entledigte sich ihrer Gegenwart, während Heimtiere, insbesondere Hunde und Katzen, in die guten Stuben einzogen. Hier waren sie in die patriarchale, hierarchisierte Familienordnung eingebunden. Mit der Auflösung traditioneller Familienmodelle ist dieses interfamiliäre Beziehungsgeflecht fluider geworden. Das heißt auch, dass Tiere hier einen aufgewerteten und prominenteren Platz einnehmen können, ohne dass dies gesellschaftlich sanktioniert werden würde. Tiere sind hierin ergänzende Mitglieder, ihre konkrete Rolle ist jedoch nicht von vornherein festgelegt.

Franziska Suchert, Leserin

Nicht für mich

Für jemanden wie mich, der eigentlich nicht viel mit Haustieren am Hut hat, ist dies eine interessante Frage, denn ich habe darüber noch nie wirklich nachgedacht. Dennoch kann ich mir gut vorstellen, dass Tiere für viele Menschen eine große Rolle in deren sozialem Gefüge spielen. Ich für mich würde die Frage wahrscheinlich eher so beantworten, dass ein Tier für mich nicht zur Familie gehört. Doch möchte ich das Tier dadurch nicht herabwürdigen. Alle Geschöpfe auf unserer Erde sollten so behandelt werden, wie man selbst gerne behandelt werden möchte. Aber als Teil meiner Familie würde ich den Kater meiner Mutter nicht unbedingt zählen, auch wenn sie das bestimmt anders sieht. Bin ich denn Familie für Ihn?

Laura Zirkner, Leserin

Bei uns schon immer

Ich bin mit Haustieren aufgewachsen. Schon immer hatten wir Katzen und als ich alt genug war, kam auch ein Hund dazu. Irgendwie habe ich das immer für selbstverständlich gehalten, sie waren halt da und es war schön. Aber erst, nachdem ich ausgezogen war und aus eigenem Antrieb die Entscheidung traf, einen Hund aufzunehmen, habe ich verstanden, wie wichtig mir die Tiere waren und immer noch sind. Mittlerweile stellt sich mir nicht mehr die Frage, ob oder wann das Tier zur Familie gehört, es ist eher ein Fakt für mich. Ich gehe sogar so weit, dass mir das Wohl der Tiere oftmals wichtiger ist als das der Menschen. Stirbt ein vierbeiniges Familienmitglied, so trauere ich genauso, wie ich es bei meinen Großeltern tat. Zugegeben, ich habe auch Fische, aber hier ist die emotionale Bindung nicht ganz so stark ausgeprägt. Offensichtlich gibt es hier doch Unterschiede. Ich hoffe, die nehmen mir das nicht allzu übel.

Carmen Hanken, Tiertherapeutin

Freund fürs Leben

Hunde suchen eine enge soziale Bindung zum Menschen. Das sehe ich tagtäglich in meiner Behandlungsarbeit mit ihnen. Sie sind keine „Kinder mit Fell“. Sie wollen als Hunde respektiert, gehalten und vor allem geführt werden. Ein Hund kann und sollte schnell zur Familie gehören. Denn Hunde haben die Fähigkeit, den Menschen schon nach kurzer Zeit zu spiegeln. Kinder, die entsprechend mit Hunden umgehen, lernen früh, Verantwortung zu übernehmen. Gerade Hunde, die gesundheitlich eingeschränkten Menschen in ihrem Alltag helfen, zum Beispiel „Assistenzhunde“ wie Blindenhunde oder Diabetikerhunde, die auf die Krankheiten ihrer Besitzer trainiert sind, brauchen die familienähnliche Bindung, da diese Hunde für ihre Besitzer unter Umständen (über-)lebenswichtig sind. Ein Ausgleich zu seiner Arbeit ist wiederum für den Hund wichtig. Ich lebe mit zwei Hündinnen als Familie. Sie kennen mich in- und auswendig, so wie ich sie. Sie sind mit Vertrauen und Respekt erzogen, können mich scannen und jeder von uns Dreien lebt so, dass er in der Gemeinschaft wie in einer Beziehung auch nicht sein Ich verstellen muss. Das finde ich sehr wichtig.

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