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Wie viel Sicherheit braucht die Freiheit?

Mit dem aktuellen Vormarsch der radikal-islamischen Taliban in Afghanistan mussten viele Menschen erkennen: Freiheit hört dann auf, wenn es keine Sicherheit mehr gibt. Aber so wichtig unsere Freiheiten sind, auch sie dürfen nicht zur Gefahr für uns werden – in der analogen wie in der digitalen Welt. Schreiben Sie uns, wie wir frei und gleichzeitig sicher leben können.

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Ulrich Kelber, Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit

Säule der Freiheit

Immer wieder werden neue Sicherheitsgesetze geschaffen oder bestehende erweitert. Anlass sind meist einzelne Ereignisse, die große Aufmerksamkeit erregen. Der Gesetzgeber hat die Befugnisse der Sicherheitsbehörden über Jahrzehnte kontinuierlich erweitert und immer wieder urteilte das Bundesverfassungsgericht gegen ihn. Mitunter entsteht der Eindruck, die Politik wolle schnell einen Lösungsansatz präsentieren, um Diskussionen über mögliche Versäumnisse oder Vollzugsdefizite zu verhindern. Probleme in der Vollzugspraxis lassen sich in der Regel nicht mit neuen Gesetzen lösen. Wenn etwa nicht genug Streifenwagen im Einsatz sind oder Polizeibehörden nicht über ausreichend IT-Experten verfügen, dann lenkt ein neues Gesetz nur von diesen Problemen ab. Ich halte es für dringend geboten, dass die Regierung die schon länger geforderte Überwachungsgesamtrechnung in Auftrag gibt, die durch eine unabhängige Stelle durchgeführt werden sollte und wissenschaftlich fundiert sein muss. Dabei müssen die gesetzgeberischen Ziele in den Blick genommen und mit der Vollzugspraxis abgeglichen werden. Entscheidend ist, die gesetzlichen Regelungen übergreifend zu betrachten. Wurden die bestehenden Möglichkeiten ausschöpft? Welche Auswirkungen haben die gesetzlichen Regelungen und die Vollzugspraxis in ihrer Gesamtheit auf die Bürgerrechte und die Freiheit? Nur auf einer derart gesicherten Basis kann sinnvoll über neue Sicherheitsgesetze entschieden werden.

Markus N. Beeko, Generalsekretär Amnesty International Deutschland

Sicherheit muss der Freiheit dienen

„Jede(r) hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.“ Nach dem Gleichheitsgrundsatz in Artikel 1 und dem Diskriminierungsverbot in Artikel 2 stellt Artikel 3 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte klar: Leben, Freiheit und Sicherheit sind eng miteinander verknüpft. Die oft bemühte Spannung zwischen Freiheit und Sicherheit greift zu kurz: Der Staat ist in der Pflicht, Sorge für ein Leben in Freiheit und Sicherheit zu tragen. Freiheit ist dabei Recht und Möglichkeit, frei von der Willkür anderer und des Staates selbstbestimmt in Würde leben zu können. Sie endet, wo sie die Freiheit und Unversehrtheit anderer bedroht oder verletzt. Sicherheit muss der staatliche Schutz vor genau solchen Bedrohungen durch andere sein. Es kann nicht die Sicherheit sein, die Zuhälter, Mafiabosse, totalitäre Staatenlenker oder eine allgegenwärtige digitale Überwachung versprechen – Schutz, der nur gegen die Aufgabe von Freiheiten und Menschenrechten gewährt wird. Es ist und muss die besondere Stärke von offenen demokratischen Rechtsstaaten mit Gewaltenteilung und Minderheitenschutz bleiben, dass sie „die Freiheit aller sichern“ und dass sich jede Freiheitseinschränkung (Sicherheitsmaßnahme) der ständigen Überprüfung von Notwendigkeit, Verhältnismäßigkeit und einer engen unabhängigen juristischen und parlamentarischen Überwachung stellen muss. Wie sicher wir leben, misst sich an der Freiheit, die wir haben.

Manfred Schneider, Leser

Im Zweifel für die Freiheit

(Individuelle) Freiheit ist der Goldstandard. Aber auch sie muss abgesichert werden können und diese Absicherung zu einem späteren Zeitpunkt nachkontrollierbar sein, was gegebenenfalls zu Konsequenzen führen muss und auf den Einzelfall bezogene Aktionen erfordert. Lässt sich dies nicht von Anfang an sicherstellen, so ist individuelle Freiheit die bessere Lösung, der Goldstandard eben. Gerade Afghanistan ist da ein gutes Beispiel. Dort wurde ein Afghane kontrolliert und einer Leibesvisitation unterzogen, und das von einem Fremden, einem ausländischen Soldaten – nur weil er ein Afghane ist, die dort ortsübliche Kleidung trägt und nicht die Sprache des Anderen spricht beziehungsweise versteht. Beide haben gute Gründe, ihre persönliche Freiheit in Gefahr zu sehen: Der Afghane sieht sein Recht auf Freiheit willkürlich verletzt, der fremde Soldat fürchtet um seine Gesundheit, sein Leben. Aber eine Untersuchung über das Vorgefallene wird es nicht geben.

Norbert Pohlmann, Vorstand IT-Sicherheit, eco – Verband der Internetwirtschaft

Vertrauen schaffen

Unser Leben wird immer digitalisierter – sowohl privat als auch beruflich. Die vielfältigen digitalen Dienste bieten sehr viele neue Möglichkeiten und damit auch ein hohes Maß an Freiheit. Gleichzeitig nimmt mit steigender Digitalisierung das Risiko eines finanziellen Schadens und der Verlust an Privatsphäre zu. Sichere und vertrauenswürdige IT-Lösungen sind essenziell, denn auch die Methoden der Angreifer werden immer ausgefeilter. Das bedeutet: Unsere Freiheit muss vor allem im Internet und bei Online-Diensten durch Cybersicherheit und das vertrauenswürdige Agieren der Anbieter geschützt werden. Nur wenn Menschen sich im Cyberraum sicher fühlen und eine Vertrauenswürdigkeit der Akteure vorhanden ist, können sie Vertrauen in die Digitalisierung fassen. Verschiedene Cybersicherheitsstrategien helfen, IT-Systeme und die Menschen dahinter zu schützen. Mithilfe von Verschlüsselung, Multifaktor-Authentifizierung, Firewall- und Anti-Malware-Systemen können Nutzerinnen und Nutzer IT-Angriffen entgegenwirken, um Schäden zu verhindern oder zumindest zu minimieren. Da es in einer vernetzten Welt keine vollständige Cybersicherheit geben kann, sollten die Menschen die Kompetenz haben, mögliche Cyberangriffe zu erkennen und darauf reagieren zu können. Aber auch die Hersteller und Anbieter müssen transparenter werden, um Vertrauenswürdigkeit aufzubauen – denn Sicherheit und Vertrauenswürdigkeit sind Grundvoraussetzungen, um sich frei zu fühlen.

Ulla Coester, Leserin

Hand in Hand

Die Vertrauenswürdigkeit von Herstellern und Diensteanbietern – und dazu gehört, dass diese etwa bezüglich der Datennutzung im besten Sinne der Anwender handeln – ist ein wichtiges Thema in Bezug auf die digitale Freiheit. Die Komplexität, die aufgrund der Digitalisierung entsteht, verlangt also ein höheres Maß an Verantwortungsbewusstsein von den Unternehmen. Aber auch die Anwender müssen sich ihrer Verantwortung mehr bewusstwerden, zum Beispiel indem sie sicherheitsbewusst handeln. Das bedeutet, sich mit dem Gefährdungspotenzial der Digitalisierung zu beschäftigen und nicht einfach nur digitale Dienste zu konsumieren. Die maximale Freiheit bei angestrebter maximaler Sicherheit erreichen wir nur, wenn alle zusammen daran arbeiten: Staat, Unternehmen und Bürger.

Thomas Silberhorn, Parlamentarischer Staatssekretär Bundesministerium der Verteidigung

Wehrhaft bleiben

Ohne Sicherheit gibt es keine Freiheit. Wer in Freiheit leben will, muss bereit sein, sie zu verteidigen – auch mit militärischen Mitteln. Der unerwartet rasche Vormarsch der Taliban und der Fall Kabuls sind ein Beispiel dafür. Die Anschläge des 11. September 2001 waren ein Angriff auf die freie Welt. Die internationale Gemeinschaft hat zwei Jahrzehnte lang versucht, die Freiheit vor Terrorismus zu schützen und in Afghanistan Sicherheit zu schaffen. Auch die Bundeswehr beteiligte sich umfangreich daran. Der Blick auf die aktuelle Lage in Afghanistan ist ernüchternd. Die mit Mühe geschaffenen Freiheiten für die afghanische Gesellschaft enden nun dort, wo es keine Sicherheit mehr gibt. Gescheitert ist in Afghanistan nicht die Bundeswehr. Sie hat ihren militärischen Auftrag der Ausbildung und Beratung erfüllt. Für einen Kampfeinsatz gab es seit 2014 keine politische Mehrheit. Gescheitert ist in Afghanistan die Illusion, militärische Gewalt mit politischen Appellen stoppen zu können. Solange ein Akteur seine politischen Ziele mit Gewalt durchzusetzen versucht, wird man ihn nur daran hindern können, wenn man selbst bereit ist, ihm mit militärischen Mitteln entgegenzutreten. Afghanistan und Mali, aber auch die terroristischen Anschläge weltweit zeigen: Sicherheit und Freiheit sind für viele Menschen keine Selbstverständlichkeit. Jede Gesellschaft muss selbst dafür einstehen. Die freiheitlichen Demokratien sollten dazu beitragen.

Holger Berens, Vorstandsvorsitzender Bundesverband für den Schutz Kritischer Infrastrukturen (BSKI)

Freiheit verpflichtet

Hybride Bedrohungslagen, Pandemie, Cyberangriffe, Terrorgefahr, Klimawandel und Naturkatastrophen sind Szenarien, die einen Einfluss auf unsere Freiheit haben können. Die sogenannten Kritischen Infrastrukturen stehen hier besonders im Fokus, da sie für die Grundversorgung notwendig sind. Das Beispiel Cyberangriffe zeigt, dass Gesetze, aber auch freiwillige unternehmerische Maßnahmen unabdingbar sind, um die Freiheit der Gesellschaft und jedes Individuums zu gewährleisten. Wenn man Freiheit als Abwesenheit von Zwang definiert, erscheint auf dem ersten Blick jedes Gesetz als Beschränkung. Auch Unternehmen genießen in diesem Sinne grundrechtlich gewährleistete Freiheit. Das IT-Sicherheitsgesetz greift in diese Freiheit ein, indem die Kritischen Infrastrukturen gezwungen werden, adäquate Schutzmaßnahmen zu implementieren. Was nützt aber die Freiheit des einen, wenn die Grundversorgung mit Strom, Wasser, Lebensmitteln oder gesundheitlicher Infrastruktur durch einen Cyperangriff außer Kraft gesetzt wird. Es ist staatliche Aufgabe im Wege der Daseinsvorsorge, die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Problematisch ist, dass die Mehrzahl der Kritischen Infrastrukturen privatwirtschaftlich betrieben werden. Es ist daher gerechtfertigt, die Unternehmen durch entsprechende Gesetze zu zwingen, sich bestmöglich gegen Angriffe abzusichern. Die Beschränkung der unternehmerischen Freiheit bedeutet also die Gewährleistung der Freiheit.

Matthias Kirchhoff, Leser

Herr der eigenen Daten bleiben

Wieso gab es früher so viele Stahlschränke in Chefzimmern, Kanzleien und Amtsstuben? Wo sind die schützenswerten „Kronjuwelen“ heute geblieben? An den Komfort der Digitalisierung hat sich jeder Anwender schnell gewöhnt. Dabei wird das Thema der digitalen Vertraulichkeit oft vollkommen vernachlässigt und mit Maßnahmen der Authentisierung und Rechtevergabe verwechselt. Es sollte neu gedacht werden, insbesondere wenn Daten irgendwo liegen können. Verschlüsselung, der Besitz eines komplexen Schlüssels und Eigentum an Daten gehören zusammen. Merken muss man sich diesen Schlüssel nicht. Dabei helfen zum Beispiel Security-Schlüssel oder Smartphones. Allein das Wissen der PIN, der Besitz des Fingers oder das identifizierende Gesicht reichen aus, um den Zugriff auf den digitalen Tresor wieder komfortabel bereitzustellen. So bringt man Sicherheit und Komfort wieder zusammen und erhält die Freiheit zurück, selbst über die Lesbarkeit von Daten zu entscheiden. Wichtig ist, dass man die Gefahr unverschlüsselter Daten erkennt und das Thema „Schlüsselalleinbesitzgarantie“ versteht.

Jonas Schmidt-Chanasit, Leiter Arbeitsgruppe Arbovirologie, Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) Hamburg

Der immer wieder selbe Kampf

Würden Sie Ihr Kind ohne Schwimmflügel in den Swimmingpool werfen, wenn Sie wüssten, es kann nicht schwimmen? Mit Sicherheit nicht, weil Sie wissen – im schlimmsten Fall kann das tödlich enden. In den vergangenen Monaten habe ich mich oft gefragt: Warum funktionieren unsere Sicherungssysteme in dem einen Fall und in dem anderen, wenn es um Infektionskrankheiten geht und die Möglichkeiten, sich davor zu schützen, nicht? Woher kommt das Misstrauen gegen Impfstoffe? Von „Gift“ ist da die Rede, von einem Angriff auf die Unversehrtheit des eigenen Körpers, die individuelle Freiheit. Aber ist das nicht seit Hunderten von Jahren so? Damals hieß ein prominenter Impfgegner Immanuel Kant. Ein intellektuelles Schwergewicht, der es eigentlich geistig draufhatte. Und trotzdem, die Pocken-Impfung war für ihn eine „moralische Waghälsigkeit“. Seine Furcht? Dem Menschen würde mit dem Pocken-Vakzin, das man aus Kühen entnahm, auch eine „tierische Brutalität“ eingeimpft. Alles Unsinn, wie wir heute wissen. Die Pocken sind ausgerottet und der immunisierte Mensch ist Mensch geblieben. Manchmal hilft ein Blick zurück, um klarer zu sehen und Chancen als solche zu erkennen.

Karl-Heinz Land, Keynote Speaker, Coach und Investor

Sicherheit für alle

Wenn die Komponenten einer Alarmanlage kabellos miteinander und mit anderen Smart-Home-Features kommunizieren, diese sich mobil steuern lässt, Einbrecher aus der Ferne vertrieben werden und der Anbieter vorher weiß, wann etwas ausgetauscht werden muss: ist das nicht „Next Generation“-Sicherheit? Smarte, überwachte Alarmanlagen geben Sicherheit und sind längst kein Privileg der Eliten mehr. Sicherheit ist für jeden verfügbar, der seine Familie, sein Eigentum und sich schützen will, da die Preise niedrig und die Anlagen einfach zu bedienen sind. Die vierte Welle der Pandemie, extremes Wetter und vieles mehr: Die Welt erlebt gerade tiefe Instabilität. Wie viel Verunsicherung hält ein Mensch aus, der sich wünscht, dass alles so bleibt, wie er es kennt? Die Sehnsucht nach Geborgenheit, einer schützenden Hülle, hat daher in diesen Zeiten den Trend des Cocoonings geboren. Am liebsten macht man es sich zu Hause gemütlich und fühlt sich wenigstens hier sicher und geborgen. Fremde sollen diese Hülle nicht beschädigen. Bei Einbrüchen erleben Menschen ja nicht den Diebstahl der Wertgegenstände als das Schlimmste, sondern das Ein- dringen in den privaten Zufluchtsort. Der Verlust des Sicherheitsgefühls ist das, was sie unter Umständen noch lange verfolgt. Mit moderner Sicherheitstechnik und 24/7-Alarmzentrale decken Rundum-Sicherheitsanbieter dieses Bedürfnis jetzt ab – und geben Menschen Vertrauen und dadurch wieder Selbstvertrauen.

Sandra van Kampen, Leserin

Späte Erkenntnis

London verfügt über 68,4 Kameras je 1.000 Einwohner. Nur zwei Städte der Welt, in China, verfügen über eine flächendeckendere Videoüberwachung. Das finde ich schockierend. Brauchen wir so viel Überwachung? Möchten wir, dass jeder unserer Schritte nachvollziehbar ist? Wo bleibt da unsere Freiheit? 2018 berichtete „Der Spiegel“ schon „Hauptstadt der Gewalt – London erlebt eine Welle tödlicher Gewalt“. In 2021 reden wir von Journalisten und Politikern, die heimlich überwacht werden, von Cybercrime-as-a-Service, womit Erpressungen zur Tagesordnung geworden sind – und aktuell vom Vormarsch der radikal-islamischen Taliban in Afghanistan. Spätestens jetzt müssen wir verstehen, dass wir Freiheit nur haben, wenn wir als Gesellschaft für die Sicherheit jedes Einzelnen sorgen.

Udo Goldstein, Leser

Freiheit als fundamentales Menschenrecht

Der Begriff der Freiheit nach Hannah Arendt beinhaltet auch immer „Freiheiten im Sinne von Bürgerrechten […] deren Wesenskern der Zugang zum öffentlichen Bereich und die Beteiligung an Regierungsgeschäften sind“. Bezogen auf das politische Desaster in Afghanistan und die Diskussionen über den Freiheitsbegriff in der Pandemie zeigt, dass Freiheit auch immer die Freiheit des anderen bedeutet. In welcher Form diese dann zum Tragen kommt, hängt von den jeweiligen kulturellen und politischen Rahmenbedingungen ab. Was im Westen selbstverständliche Freiheiten sind wie die Würde des Menschen mit allen Attributen, die dort zugehören, kann in Ländern wie in Afghanistan das radikale Gegenteil darstellen. Es zeigt sich, dass die Übertragung und Definition von Freiheiten im politischen und gesellschaftlichen Sinne immer wieder neu definiert werden muss. Jedes Volk, jede Ethnie, jedes Land muss seine eigene Definition der materiellen und politischen Freiheiten auf seinem Staatsgebiet definieren, ohne das andere Länder meinen, ihre Auffassungen über den Begriff der Freiheit Zwangshaft zu exportieren. Die Grenzen der Freiheit hören dort auf, wo Terrorismus wie durch al Qaida oder der IS dieses auf andere Länder mit massiver Gewalt übertragen wollen. Hier liegt es an den internationalen Institutionen, einen Regelmechanismus zu entwickeln der Terrorismus jeglicher Art verhindert.

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Wie schaffen wir die Mobilitätswende?

Wir alle wollen mobil sein. Für eine klimaneutrale Zukunft müssen wir allerdings den gesamten Verkehr neu denken. Wie genau eine Mobilitätswende gestaltet werden kann, darüber scheiden sich die Geister. Die einen setzen auf den Ausbau öffentlicher Verkehrssysteme, die anderen pochen auf E-Mobilität. Stellen Sie uns Ihre Mittel und Wege vor, die es braucht, damit unsere mobilen Fußabdrücke grün werden.

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Meike Jipp, Leiterin Institut für Verkehrsforschung, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Wir machen die Wende

Die Mobilitätswende schaffen wir, indem wir alle an einem Strang ziehen. Wir sind dabei die Stadt- und Regionalplanung, die neue Nutzungsformen des Raums fördern und so zum Beispiel aus heutigen Parkflächen zukünftige Erholungsgebiete machen. Wir sind Entwicklerinnen und Entwickler, die neue Technologien wie automatisiertes Fahren und Lastenräder, klimafreundliche Antriebe wie Elektromobilität und Wasserstoff sowie innovative Konzepte des öffentlichen Personennahverkehrs wie Mobility-as-a-Service zur Verfügung stellen. Wir sind Betreiberinnen und Betreiber der Verkehrsnetze, die dafür sorgen, dass jede Ecke Deutschlands gut angebunden ist und jeder Verkehrsknoten attraktive Services bietet: Wie wäre es, wenn Sie an jedem Verkehrsknotenpunkt, der auf Ihrem Weg liegt, Pakete abholen oder Lebensmittel für das Wochenende einkaufen könnten? Wir sind natürlich auch die Gesellschaft, die neugierig auf all die neuen Raumnutzungsformen, Technologien, Antriebe, Konzepte und Netze ist. Wir sind die Gesellschaft, die bereit ist, diese vielen Maßnahmen früh im Entwicklungsstadium auszuprobieren und Feedback über Verbesserungsmöglichkeiten zu geben, was gerne von denen, die all dies planen, entwickeln und betreiben, aufgenommen wird. Damit maximieren wir die Chance, dass die Gesellschaft diese Maßnahmen aufnimmt und nutzt. Dann – und auch nur dann – kann die Mobilitätswende gelingen.

Michael Fischer, Sprecher Arbeitsgruppe Carsharing, Plattform Shared Mobility – Verband für geteilte Mobilität (PSM)

Zentrale Säule

Innovative Mobilitätsangebote haben gezeigt, dass sie den Verkehr in den Städten entlasten und die Mobilität der Menschen verbessern können. Dennoch sind sie häufig noch nicht in die Mobilitätsstrategien der Städte einbezogen. Die Plattform Shared Mobility (PSM) bietet die Chance, als Bindeglied zwischen politischen Entscheidern und Anbietern Vorurteile aufzulösen, gemeinsame Ziele zu definieren und urbane Mobilität in ihrer Gesamtheit zu gestalten. Die neun Gründungsmitglieder repräsentieren einen Großteil des deutschen Shared-Mobility-Markts und verfügen zusammen über 173.670 Fahrzeuge in 78 Städten, die von 8,8 Millionen Menschen genutzt werden. Shared Mobility ist in Deutschland nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken und zu einem aktiven Treiber der Mobilitätswende geworden. Soll die Verkehrswende gelingen, muss die Verkehrspolitik neben ÖPNV und Fahrrad auch innovative Mobilitätskonzepte einbeziehen, um attraktive und verlässliche Alternativen zum eigenen Auto anbieten zu können. Neben Mikromobilitätsangeboten erweist sich Carsharing dabei als zentrale Entlastung für den Verkehr: Es steht als Angebot für die bestimmte Nutzungsfälle zur Verfügung, etwa für den Ausflug ins Grüne oder größere Besorgungen. Zudem macht es Elektromobilität für alle zugänglich und stützt den Umweltverbund. Fest steht: Die Verkehrswende und eine nachhaltige Mobilität der Zukunft gelingt nur gemeinsam. Shared-Mobility muss ein fester Bestandteil davon sein.

Niels Beuck, Geschäftsführer Bundesverband Spedition und Logistik (DSLV)

Valide Strategie

Die Zukunft der Logistik ist grün. Industrie, Handel und Konsumenten erwarten allerdings eine immer schnellere und flächendeckende Verfügbarkeit von Waren und Gütern. Es obliegt deshalb den Architekten des Güterverkehrs – den Spediteuren – durch Bündelung von Sendungen, Vernetzung der Verkehrsträger und Optimierung der System- und Fahrzeugauslastung das ökologische Potenzial des Güterverkehrs zu heben. Die Digitalisierung logistischer Dienstleistung bietet ebenfalls viele Chancen. Zur Wahrheit gehört aber auch: Das nachfragebedingte Güterverkehrswachstum übersteigt die bereits erreichten Emissionsminderungen. Die Verkehrswende im Güterverkehr muss deshalb über alle Verkehrsträger hinweg gelingen. Entsprechend sollen die Anteile beim Schienengüterverkehr und der Binnenschifffahrt bis 2030 erhöht werden. Trotz dieses Umstiegs auf umweltfreundlichere Verkehrsträger wird der Straßengüterverkehr gerade auf kurzen und mittleren Distanzen weiter eine tragende Rolle spielen. Daher kann nur durch den flächendeckenden Einsatz von energieeffizienten Null-Emissions-Fahrzeugen und klimaneutralen Kraftstoffen die grüne Transformation des Güterverkehrs gelingen. Worauf es jetzt auf der Straße wie auch auf Schiene und Wasser ankommt: Infrastruktur. Ein zügiger Ausbau der Tank- und Ladeinfrastruktur muss von staatlicher Seite entschlossen vorangetrieben werden, denn nur damit kann letztlich der Einsatz alternativer Technologien garantiert werden.

Reinhard Lindbrügge, Leser

Der Trend stimmt

Der Gebrauch des privaten Pkw in Großstädten sinkt seit circa einem Jahrzehnt. Mit dem Fahrrad, zu Fuß oder per Carsharing ist der neue Trend. Ich finde das eine positive Trendwende. Jeder Einzelne wünscht sich bessere Luft zum Atmen, weniger Frustration im Berufsverkehr und weniger Umweltbelastung. Hier sollten wir die Sharing-Angebote weiter ausbauen, dabei nur E-Fahrzeuge anbieten und den ÖPNV auf Elektro umstellen. Genau dieser Trend sollte meines Erachtens politisch flankiert, gefördert und gefestigt werden. Aber das allein wird nicht ausreichen, denn wir dürfen den städtischen Wirtschaftsverkehr nicht vergessen, der mit der Zunahme des Onlinehandels auch einen rasant wachsenden Zustellverkehr nach sich zieht.

Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer Deutscher Städte- und Gemeindebund (DStGB)

Mobil in der Fläche

Gleichwertige Lebensverhältnisse sicherzustellen heißt nicht, dass alles gleich sein muss. Gesucht werden Lösungsansätze, die auf die jeweiligen regionalen Lagen und Herausforderungen angepasst sind. Das gilt auch für das Gelingen der Verkehrswende, die sich noch viel zu stark auf die Metropolen konzentriert. Die Debatte um klimafreundlichere Mobilität vernachlässigt, dass mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland in ländlichen Räumen lebt. Die Pendlerpauschale mag für viele Großstädter überflüssig sein, für so manche in ländlicheren Regionen ist sie existenzsichernd – und zwar sowohl für Mensch als auch für Kommune: Städte und Dörfer abseits der Ballungsräume sind nur dann als Wohnstandorte attraktiv, wenn der Arbeitsplatz, Kindergärten und Schulen von dort aus gut erreichbar sind. Standort- und Lebensqualität gehen hier Hand in Hand. Beim Thema Individualverkehr sollten wir folglich die Bedeutung der Pendelnden für das Funktionieren von Wirtschaft und Gesellschaft höher gewichten und nicht über das „Ob“, sondern das „Wie“ diskutieren, nämlich über technologieoffene Förderung im Mobilitätssektor, den Ausbau des Ladenetzes sowie die Revitalisierung des Schienennetzes. Nichtsdestotrotz bleibt der Ausbau des ÖPNV Kernelement der Verkehrswende: mit besserer Taktung, klimaneutralen Flotten und optimierter Vernetzung. Wichtig ist, dass wir die schwarzen Löcher der Erreichbarkeit schließen, auf dem Land und in der Stadt.

Gabriele Torn, Leserin

Auf die Schiene

Die Mobilitätswende kann nur gelingen, wenn wir das Potenzial auf die Schiene und nicht auf die Straße bringen. Das sogenannte Blaue Ticket für 365 Euro im Jahr, mit dem man auch städteübergreifend ganzjährig fahren kann, wäre ein Anfang. Hier würde ich sogar so weit gehen, dass dieses für Bürgerinnen und Bürger einer Stadt ab 500.000 Einwohner verpflichtend ist, um alle Kosten zu decken.

Meike Spitzner, Senior Researcher Forschungsbereich Mobilität und Verkehrspolitik, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie

Blinde Flecken

Denken wir die neuen Mobilitätspolitiken mal von der gegenderten Ökonomie aus: Unbezahlte Hausarbeit ist bis heute gesellschaftlich weder ökonomisch noch sozial nachhaltig organisiert. Als diene sie Eigennutz. Jetzt soll die unbezahlte haushaltliche Transportarbeit, die Nahestehende mit Mobilität versorgen muss, wo die Bedingungen für autonome Mobilität nicht gegeben sind, noch teurer werden – als wäre sie schon bezahlt und gesellschaftlich verzichtbar. Dabei kostet sie Frauen bereits heute viel Kraft, Zeit und Verzicht auf eigenständige Einkommen. Gerade althergebrachte E-Mobilitätsangebote dienen der Versorgungsökonomie, von kleinen bis zu großen Mobilitätssystemen. Aber was tut sich heute? Selbst wenn man die Erwartungen auf politische Priorisierung und flächendeckenden ÖPNV-Ausbau beiseitelässt und für einen Moment die ideologische Gleichsetzung von E-Mobilität mit E-Auto-Mobilität hinnimmt, so gut wie nichts. Versorgungsökonomisch relevant wären zum Beispiel Senioren-Kleinfahrzeuge. Es gibt aber bis heute keine leicht transportierbaren Batterien und keine gebrauchsfähigen und an niedrige Renten angepasste E-Angebote. Hausarbeit steht kein Dienstwagen und keine dreifache steuerliche Subventionierung zu Verfügung, durch die jedes Jahr mehr Autos zulasten von Umwelt und öffentlichem Raum ins Land gespült werden. Ob die geringe Innovationsfähigkeit wohl also mit Orientierung an veralteten Maskulinitätsmodellen zusammenhängt?

Gerd Riedner, Leser

Vorrang für Rad- und Fußverkehr

Zuvorderst sollte ständig versucht werden, den Bedarf an Mobilität zu reduzieren – durch die räumliche Nähe von Wohnen, Arbeiten, Bildung und Erholung. Der Individualverkehr mit dem Pkw kann innerorts nicht nur durch ein gutes ÖPNV-Angebot reduziert werden. Auch Maßnahmen wie die Verdrängung von „Laternen-Parkern“ auf Privatgelände oder öffentliche, gut ans ÖPNV-Netz angeschlossene Sammelparkplätze sowie am Grundstücksmarktpreis orientierte Parkgebühren einschließlich der entsprechenden Verwarnungsgelder mindern das Fahren mit dem Auto. Die aktuell vielfältigen Versuche zur Reduzierung des Lieferverkehrs müssen intensiviert und beschleunigt werden, damit sie nach einer Entscheidung zügig realisiert werden können. Um den dann verbleibenden Individualverkehr möglichst umweltfreundlich zu gestalten, ist eine weitgreifende Förderung des Fuß- und Radverkehrs – einschließlich Lastenrädern – notwendig. Die entsprechenden Verkehrsflächen müssen dabei ausreichend breit und barrierefrei sein. Fußverkehr sollte gegenüber dem Fahrverkehr weitgehender Vorrang eingeräumt werden. Mit Arkaden, Sitzbänken, Pflanzen, Brunnen, genügend Fahrrad-Abstellflächen und weiterem mehr kann es gelingen, dass öffentliche Flächen verstärkt zum Aufenthalt einladen und so die Mobilität deutlich entschleunigt wird.

Anne Klein-Hitpaß, Leiterin Forschungsbereich Mobilität, Deutsches Institut für Urbanistik (Difu)

Zeit, dass sich was bewegt

Die Mobilitätswende ist noch lange nicht in unseren Köpfen angekommen. Und das kann sie auch nicht, solange wir in der Autologik der vergangenen Jahrzehnte verharren. Nicht nur die Infrastruktur unserer Städte ist autogerecht, auch der straßenverkehrsrechtliche Rahmen inklusive Bußgeldkatalog ist es, der es den Städten und Gemeinden erschwert, konsequent umzusteuern. Im geltenden Straßenverkehrsrecht genießt das Auto Privilegien, wenn es beispielsweise heißt, dass der „fließende Verkehr“ nur bei einer besonderen Gefahrenlage eingeschränkt werden darf. Das Auto ist die Norm und das Normale – mit der Folge, dass die Förderung von Alternativen zum Auto oft als ideologisch abgetan werden und ohne wahrzunehmen, dass auch diese Autozentriertheit einer Ideologie folgt. Aber besonders in den Kommunen und in der Zivilgesellschaft bewegt sich etwas. So haben sich unlängst mehrere Städte in Deutschland zu einem Bündnis zusammengeschlossen, um Tempo 30 als stadtverträgliche Geschwindigkeit zu fordern. Ganz einfach, um lebendige und lebenswerte öffentliche Räume zu schaffen. Immer mehr Städte schließen sich der Initiative an. Und in einer wachsenden Zahl an Kommunen erwirken aktive Bürgerinnen und Bürger Radentscheide, drücken aufs Tempo und fordern sichere Radwege und ein Verkehrssystem für alle. Das macht Mut, dass sich langsam etwas in den Köpfen bewegt.

Martina Schraudner, Leiterin Fraunhofer Center for Responsible Research and Innovation (CeRRI), TU Berlin

Hört die Stimme der Bürger

Wir schaffen die Mobilitätswende nur, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Dazu bieten sich ko-kreative Prozesse an, in denen Bürgerinnen und Bürger ihre Anforderungen und Wünsche vor dem Hintergrund der technologischen Möglichkeiten einbringen können. Das können Workshops vor Ort oder auch Videospiele sein, mit denen die zukünftigen technologischen Möglichkeiten „greifbar“ und in ihren Konsequenzen vorstellbar werden. In einem solchen Prozess haben sich für Mobilitätskonzepte auf dem Land vier Handlungsfelder herauskristallisiert: „Kunden umfassend informieren“, „Wegeketten neu gestalten“, „Verkehrsangebote sektoren- und landkreisübergreifend koordinieren“ sowie „Infrastruktur zukunftsfähig ausbauen“. In diesen vier Feldern kann jetzt konkret in verschiedenen Regionen an passenden Maßnahmen gearbeitet werden. Denn jede Region hat – genau wie ihre Bewohnerinnen und Bewohner – sehr spezifische Anforderungen an Mobilitätskonzepte. Damit wird die Rolle der Regionen in der Mobilitätswende klar: Es gibt kein allgemeingültiges Patentrezept, wie die Mobilität in jeder Region zukunftsfähig ausgestaltet werden kann. Um den regionalen Besonderheiten gerecht zu werden, ist der Einbezug der Bürgerinnen und Bürger ein entscheidender Faktor. Ihr Engagement, ihre Meinung und ihre Stimme in lokalen Projekten sind für eine erfolgreiche Mobilitätswende von immenser Bedeutung.

Marc-Oliver Prinzing, Vorstandsvorsitzender Bundesverband Fuhrparkmanagement (BVF)

Masterplan jetzt

Die Mobilität von Personen und Gütern ist eine Voraussetzung für unternehmerischen Erfolg und gesellschaftlichen Wohlstand. Daraus folgt, dass die Sicherstellung der betrieblichen Mobilität zum Teil eine hoheitliche Aufgabe der Daseinsvorsorge ist. Unternehmensmobilität muss aber ökologisch und ökonomisch tragfähig sein, um langfristig bestehen zu können. Die Weichen dafür müssen jetzt gestellt werden. Auf politischer Ebene bedarf es eines Masterplans für den Mobilitätswandel. Da muss vernetzt und umfassend gedacht werden. Die wichtigsten Treiber müssen in den Fokus genommen und auch in steuerlicher Hinsicht optimiert werden: etwa Aspekte wie Arbeitswege, Übergangstechnologien, Mobilitätsbudgets oder Mobility-as-a-Service. Im Rahmen des Masterplans sollte die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge an Firmenstandorten priorisiert behandelt, das Abrechnungschaos an den Ladestationen beseitigt sowie ein verbindliches Roaming-System geschaffen werden. Zudem ist eine stärkere Differenzierung der Förderung erforderlich. Plug-in-Hybride etwa lassen keinen nennenswerten Nachhaltigkeitseffekt erkennen. Mithilfe eines Mobilitätsgesetzes können regulatorische Rahmenbedingungen für die betriebliche Mobilität geschaffen werden. Und: Mobilitätsdaten müssen hürdenfrei bereitgestellt werden, um weitere Services zur Verbesserung der Mobilität nicht einzuschränken. Es gibt also viel zu tun. Aktives Handeln der neuen Bundesregierung ist gefragt.

Sebastian Maaß, Leser

Umwelt-Challenge

Die Mobilitätswende fängt in den Köpfen an. Jeder sollte überlegen, ob man den Weg, der vor einem liegt, immer mit dem gewohnten Verkehrsmittel zurücklegt oder ob es nicht eine Alternative gibt, die für die Umwelt und die körperliche Fitness vorteilhafter ist. Der sprichwörtliche tägliche Weg zum Bäcker kann mit ein bisschen Umgewöhnung und bei schlechtem Wetter auch mit „Zähne zusammenbeißen“ zum täglichen Frühsport werden, der nicht nur den Geldbeutel schont, sondern ganz besonders der Umwelt nutzt, da der Schadstoffausstoß eines konventionellen Pkw auf den ersten Kilometern besonders hoch ist.

Christiane Graf, Leserin

Grüne Seefahrt

Ein wichtiger Aspekt der Mobilitätswende kommt oft zu kurz: der durch die Globalisierung stark angewachsene Güterverkehr. Hier sorgen vor allem die Frachtschiffe für eine immense Umweltverschmutzung. Eine ehrliche Besteuerung dieser Transportkosten sorgt dafür, dass eine lokale Produktion eine faire Chance hat und würde gleichzeitig Mittel generieren, mit dem eine umweltfreundliche Logistik gefördert werden kann. Innovationen wie Wasserstoff als Treibstoff, Solarantriebe und Frachtsegler bieten faszinierende Möglichkeiten für die Mobilitätswende auf See.

Christian Hochfeld, Direktor Agora Verkehrswende

Vielfältig und fair

Für die Mobilitätswende gilt es, viele politische Instrumente zu orchestrieren, von den CO2-Flottengrenzwerten für Pkw auf EU-Ebene bis zur Gestaltung der Mobilität vor Ort in den Kommunen. Auf den Policy-Mix kommt es an. Deshalb muss die Bundesregierung endlich ein valides Gesamtkonzept für den Weg zum klimaneutralen Verkehr vorlegen. Wichtig ist die Einsicht, dass wir uns aus der Klimakrise nicht „herausfördern“ können. Denn den ÖPNV auszubauen und Elektromobilität oder Radverkehr zu fördern, ist nur eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite braucht es eine andere Bepreisung und Finanzierung: Von der Parkraumbewirtschaftung in Städten bis hin zur Kfz-Steuer müssen wir fossil betriebenen Autos die Kosten anrechnen, die sie gesellschaftlich verursachen. Im Moment subventionieren wir noch massiv klimaschädliche Mobilität – ein Weiter so ist keine Option. Aber ist es fair, dass der Kassierer aus dem Supermarkt das E-Auto des Zahnarztes mitfinanziert? Denn derzeit fördern wir Elektromobilität aus dem Steuerhaushalt. Das muss nicht sein. Aus unserer Sicht sollten Neuwagenkäuferinnen und -käufer, die sich für einen Pkw mit hohen CO2-Emissionen entscheiden, einen Aufschlag zahlen, der zukünftig den Bonus für Elektrofahrzeuge trägt. Das ist nur ein Beispiel, wie wir die Mobilitätswende sozial gerecht gestalten können – quasi als Fairkehrswende. Nur so werden wir Mehrheiten für diese gesellschaftliche Transformation gewinnen.

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Was bringt uns zum Träumen?

Lange Zeit glaubten Menschen, Träume seien verschlüsselte Botschaften von Göttern und Dämonen. Heute gehen viele Wissenschaftler davon aus, dass Träume durch Sinneseindrücke, Gefühle und aktuelle Erlebnisse entstehen. Aber auch wenn wir wach sind, träumen wir – zum Beispiel vom nächsten Urlaub oder von einer besseren Welt. Verraten Sie uns, was Sie zum Träumen bringt, sei es im Schlaf oder im Wachzustand.

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Nico Hofmann, Film- und Fernsehproduzent

Gegenwelten

Ich war dreizehn, als ich in der Garage meiner Eltern mit einem Super-8-Projektor ein Kino für die Kinder in der Nachbarschaft eingerichtete. Dort habe ich kurze Disneyfilme vorgeführt, später meine ersten eigenen Filme. Für mich und meine Freunde schien damals alles möglich. Die kleine Garage war für uns riesengroß – ein ganzer Kosmos. Seit dieser Zeit ist Filmemachen nicht nur mein Beruf geworden, sondern auch mein Weg, dieser Welt zu begegnen. Kino kann die Welt schonungslos und realistisch abbilden, und uns so die Augen öffnen für das, was ist. Vor allem aber kann es uns zum Träumen einladen. Es kann neue Welten erfinden, Utopien entwerfen und gesellschaftliche Gegenentwürfe ausdenken. Und uns so eine Vorstellung von dem geben, was sein könnte. Eine Gesellschaft braucht diese Orte, an denen Träume durchgespielt werden, um sich weiterzuentwickeln. Während der Pandemie waren die Kinos geschlossen. Manchmal fühlte es sich deshalb so an, als hätte das Träumen keinen Raum mehr. Denn das, wovon wir in unseren Filmen träumen, kann nur Wirklichkeit werden, wenn es Zuschauer gibt. Am besten viele, die gemeinsam träumen. Anfang Oktober verleihen wir in Berlin den Deutschen Filmpreis. Einige der nominierten Filme konnten noch gar nicht oder nur kurz in den Kinos gezeigt werden. Aber diese Filme jetzt alle endlich zu sehen, erfüllt mich mit Glück. Die Träume kehren zurück. Und die Welt ist mit einem mal wieder unendlich viel größer geworden.

Hannah Schiller, Schauspielerin

Von einem kleinen Traum zum nächsten

Das will ich machen. Am besten sofort. Da war ich fünf und hatte das erste Mal Kinderdarsteller im Fernsehen gesehen. Die Schauspielerei fühlte sich nicht an wie ein Traum, sondern wie ein Ziel. Ich wollte dafür arbeiten, wusste aber gar nicht, wo ich anfangen sollte. Obwohl mir dieses Ziel zum Greifen nah vorkam, war die Arbeit als Schauspielerin wohl kaum mehr als ein weit entfernter Traum. Ein Traum, den außer mir noch tausende andere träumten. Und so greifbar er auch wirken mag, so unerreichbar fern ist er doch zur gleichen Zeit. Denn ob man Erfolg haben wird, hängt nicht von Logik oder Fakten ab. Vielleicht ist es gerade diese Unerreichbarkeit, die die Faszination so vieler weckt. Jeder träumt vom eigenen Mythos des Schauspielerlebens, denn eine Anleitung, wie man diesen Beruf erreicht und was er eigentlich bedeutet, gibt es nicht. Egal, auf welcher Sprosse der Karriereleiter man steht, den einen Moment der Erfüllung des Traums spürt man nicht, denn was morgen kommt, das weiß man nie. Nach jedem Film steht man gewissermaßen wieder am Anfang, träumt von einem neuen Ziel und sollte sich wohl öfter erinnern an seine früheren Träume, die sich schon erfüllt haben. Die Schauspielerei ist vielleicht nicht ein großer Traum, sondern eine Reihe vieler kleiner Träume, die man erst im Rückblick, nach deren Erfüllung, als solche identifizieren kann.

Mogli, Musikerin

Verletzlichkeit inspiriert

Zum Träumen bringt mich meine Tochter. Wie kann ich diese Welt mitgestalten, so, dass ihre Welt in der Zukunft existiert? So, dass in ihr Liebe herrscht? Ich hoffe, durch Verletzlichkeit. Zu kommunizieren, wie es uns wirklich geht, gibt anderen eine Chance, empathisch zu sein. Empathie muss unsere Waffe gegen Spaltung sein. Ich träume von einer Rückbesinnung auf uns als Menschen, als Kollektiv, ganz egal welchen Geschlechts, welcher Sexualität, Religion oder Hautfarbe und vor allem welcher „Herkunft“. Patriotismus ist eigentlich nur ausgeweiteter Egoismus. Vielleicht können wir ihn weiter ausweiten, auf alle Bewohner dieses Planeten? An einem Strang ziehen, um unser aller Lebensraum zu erhalten? Eine Utopie, die ich auch in meinem neuen Film „Ravage“ zeichne. Denn auch wenn ihr Gegner, der Kapitalismus, mächtig ist, versuche ich weiter zu glauben – an Gerechtigkeit und Verbundenheit. Und genau da können wir anfangen. Wenn die Gräben zwischen uns immer größer werden und Verständnis schwerfällt, können wir uns, anstatt zu fragen, mitteilen. Wahrhaftig öffnen. Dann habe ich die Erfahrung gemacht, dass uns zugehört wird, verstanden wird und dann geantwortet. Verletzlichkeit inspiriert. Deswegen mache ich mich verletzlich, in meiner Kunst und in meinem Leben, damit mein Traum keine Utopie bleibt.

Johann König, Galerist

In Verbindung treten

Ich hatte schon in der Oberstufe diesen Traum, etwas mit Kunst zu machen. Dass ich dann eine Galerie eröffnet habe, war eher eine Notlösung: Ich sah keine andere Möglichkeit, dem nachzugehen. Aus dem Traum wurde zeitweise auch ein Alptraum, weil ich so gefangen darin war. Aber heute ist es tatsächlich traumhaft, diese Freiheit zu haben, so viele Experimente machen zu können. Die wichtigste Erkenntnis für mich ist, dass man viel früher seinen Träumen, seinen Ideen und Visionen folgen sollte. Ich habe lange gebraucht, bis ich mich wirklich getraut habe, das zu tun. Im Grunde genommen ist jede neue Ausstellung der Versuch, zum Träumen zu inspirieren. Der Raum selbst spielt dabei eine zentrale Rolle, denn es geht mir immer um eine ganzheitliche Erfahrung: Das Ziel lautet, Räume zur Verfügung zu stellen, sowohl physisch als auch online, die diesen Erfahrungshorizont aufmachen. Mein Traum ist es, die Kunst in die Mitte der Gesellschaft zu rücken und den Leuten klarzumachen, dass man Kunst auch einfach konsumieren kann wie etwa Musik. Träume und Visionen fungieren dabei jedes Mal als verbindendes Element: Galeriebesucherinnen und -besucher wie auch Sammlerinnen und Sammler treten ein in die Welt der Künstler und Künstlerinnen, und umgekehrt entlassen diese Teile ihrer Welt nach außen und machen sie erlebbar. Das Tolle daran ist, dass die Kunst ultranachhaltig ist: Diese Welten leben ja weiter, der Transfer kann immer wieder stattfinden.

Ullrich Maurer, Leser

Sinnesträume

Für mich sind Gerüche einer der stärksten und schönsten Auslöser für (Tag-)Träume. Ob es das Lieblingsparfüm meiner Frau ist, dass jedes Mal ein inneres Feuerwerk auslöst, oder der warme Geruch von frischem Brot, der überall auf der Welt ein Gefühl von Zuhause verbreitet – letzteres ist übrigens ein alter Trick von Immobilienmaklern, wenn Interessenten noch subtil überzeugt werden sollen. Manchmal sind es auch ganz ungewöhnliche Gerüche, die eine Flut von Erinnerungen und Träumen auslösen. Die einzigartige Mischung aus Salz, Diesel, Holz, Moder und Öl lässt die Segel vor dem inneren Auge gesetzt sehen und die Träume auf See gehen. Auch der warme, dunkelbraune Geruch von Pferden versetzt mich auf grüne Koppeln und lässt mich innerlich in die sanften Augen dieser wunderbaren Kreaturen blicken.

Till Meyer, Leser

Träume sind Schäume

Mich bringt es zum „Träumen“, weniger zu träumen und mehr zu machen. Dann kann ich hinterher auch besser schlafen und habe mehr erlebt, woraus sich dann wieder meine Träume im Schlaf speisen. Mich nerven diese Leute, die irgendwelche Wunschträume hegen und pflegen und dann nichts dafür tun, dass diese Träume Realität werden. Ich glaube solche Leute spüren, dass sich ihre Träume nicht im echten Leben umsetzen lassen. Oder sie spüren, dass sie sie nicht umsetzen können und beim Versuch scheitern würden. Und aus Angst vor der Realität trauen sich diese Träumer dann nicht, es einfach mal zu probieren. Doch was habe ich gegen diese Art von Träumen? Mich stört daran, dass sie das Gegenteil von Leben sind. Träume haben so viel Potenzial. Sie können so viel Kraft geben. Sie können Grundlage für Visionen sein, für Erfolge und Verbesserungen. Aber träumen nur um des Träumens willen? Dieses Träumen lässt mich schäumen.

Tamina Kallert, Reisejournalistin, Autorin und Fernsehmoderatorin

Verbundene Welt

„Sie haben ja einen Traumjob!“ Diesen Satz höre ich oft. Als Reisejournalistin freue ich mich, wenn wir unsere Zuschauerinnen und Zuschauer zum Träumen bringen. Ich vermittle ihnen Erlebnisse. Sie sehen mir zu, wenn ich Köstliches genieße, sie sind dabei, wenn ich in Nordjütland mit einem Bein in der Nordsee stehe und mit dem anderen in der Ostsee. Am schönsten ist für mich, wenn unsere Sendungen Mut machen, selbst die Welt zu entdecken und Träume zu verwirklichen. Zu erleben, dass es viel mehr Verbindendes als Trennendes gibt auf der Welt. Oft sind es die kleinen Momente, die besonders nachwirken – wie meine erste Begegnung mit einer Riesenschildkröte auf den Seychellen. Sie war anderthalb Meter lang und über 100 Jahre alt. Vorsichtig hockte ich mich neben sie, zuerst mit einigem Respekt. Sie reckte ihren Hals vertrauensvoll weit aus ihrem Panzer heraus. Ich konnte es nicht fassen, sie schien darauf zu warten, dass ich sie berühre. Ihr Hals war ledrig-weich, trocken und warm, faltig und ein wenig schuppig. Mein Tastsinn wusste gar nicht, wie er all diese Eindrücke gleichzeitig aufnehmen sollte. Auch für die Schildkröte war es offenbar ein Wohlfühlmoment. Ich bin voller Dankbarkeit für diesen Augenblick. Ich durfte um die halbe Welt fliegen und auf dieser abgelegenen Insel ein Tier am Hals kraulen, das geradewegs aus der Urzeit stammt. Nichts Trennendes gab es hier zwischen Mensch und Tier – eine Erfahrung, die mich tief berührt hat.

Ingo Fietze, Leiter Schlafmedizinisches Zentrum, Charité Berlin

Paradoxe Welt

Träume sind Schäume – eben noch da und im nächsten Moment wieder weg. Dieses Phänomen beeindruckt mich noch heute. Der Traum ist für die Gedächtnisprozesse wichtig, aber ihn selbst vergisst man. Ist schon paradox. Als schlechter Schläfer nehme ich selbst viele meiner Träume wahr. Lange Traumphasen treten in der zweiten Nachthälfte auf, wo schlechte Durchschläfer wie ich dann oft aus einem solchen wach werden. Fazit meiner Traumerfahrungen: Träume widerspiegeln zu circa 80 Prozent die Realität. Ein ungewohntes Ereignis tagsüber findet sich mit hoher Wahrscheinlichkeit im Traum wieder. Und man kann weiterträumen, manche nennen es lucides Träumen. Erwache ich aus einem Traum, durch ein Geräusch oder weil ich mich drehe, merke ich mir bewusst den Trauminhalt, um weiterträumen zu können. Geht der Traum dabei verloren, wird man meist wach und ärgert sich über die nächste Stunde unnützen im Bett Liegens, bevor man vielleicht wieder einschläft. All denjenigen, die sagen, sie träumen nicht, attestiere ich einen guten Schlaf. All denjenigen, die oft aus Träumen wach werden, sei gesagt: Nutzen sie diese ungewollte Chance, um die Träume zu genießen. Gelingt dies nicht und plagen Sie Alpträume oder ein schlechter werdender Schlaf, dann suchen Sie Hilfe beim Schlafmediziner. Und für alle Trauminteressierten und jene, die gern wissen möchten, was Ihnen da nachts durch den Kopf geht, sei gesagt: In einigen Jahren werden wir die Träume lesen können.

Sabine Roidl, Leserin

Traum der Kunstlehrerin

Viele Eltern finden Kunst an der Schule wichtig, will aber ein Kind wirklich Künstler werden, ist die Empörung oft groß. Aber davon kann man doch nicht leben, sagen die klugen Eltern. Mal Hand aufs Herz: Wer könnte ohne das leben? Mach es wirklich: Lege deine Hand auf dein Herz und denke an die schönsten Augenblicke deines Lebens, die ganz großen (als du den Menschen getroffen hast, den du noch immer liebst) und die kleinsten, stillsten (der Löwenzahn mit der Schneeflockenhaube, den Kirschmichlauflauf gestern …). Wofür hat dein Herz geschlagen? Hat es laut geklopft? Nicht nur für diesen schönen Augenblick, sondern auch, es ist nur eine Vermutung, weil ein großer, ewiglicher Traum dahintersteht? Das muss sie wohl sein, die große Kunst. Davor liegt erst einmal ein weißes Blatt. Eine Bildidee muss gefunden, das Handwerk des Zeichnens erlernt werden. Das braucht Mut, Durchhaltekraft und oft mehr Geduld, als man hat. Aber nichts ist unmöglich in meinen Träumen von Löwenzähnen, Schneehauben und dem Kirsch Michel. Das wichtigste Werkzeug des Künstlers ist der Papierkorb: Eine Idee ist aber nur gut, wenn sie ausgeführt wird und oft genug nicht einmal dann. Scheitern gehört dazu. Es wieder probieren, auch wenn es wieder, wenn es nie so wird, wie gedacht. Aber vielleicht wird es schon ein wenig besser als beim letzten Mal. Macht nichts, fangen wir noch einmal an! Mit großer Freude, mit ganzem Herzen.

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