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Womit werden Unternehmen zukunftsfähig?

An der Schwelle eines neuen Zeitalters stehend gibt es für Unternehmen derzeit viel zu tun. Zur digitalen Transformation kommt der ökologische Umbau, gleichzeitig befinden sie sich im internationalen Wettbewerb um Fachkräfte, Märkte und Ressourcen. Welche Technologien und Strategien helfen da am besten weiter? Sie haben Ideen, wie Unternehmen all das
gelingen kann? Dann schreiben Sie uns.

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Alexander Wonner, Leser

Zukunftsfähig eine Frage der Unternehmenskultur?

Es wird über unterbrochene Lieferketten und der Umgang mit den eigenen Mitarbeitenden, die hohe Anzahl an Unternehmen, die bereits nach kurzer Zeit finanzielle Unterstützung brauchen, und der blaue Himmel über sonst smoggeplagten Grossstädten gesprochen. Ein Thema, welches deswegen nun noch mehr Beachtung finden sollte und dem sich auch Unternehmen stellen müssen, ist die Frage nach den sozialen und ökologischen, aber auch langfristig ökonomischen internen und externen Auswirkungen des eigenen Handelns, kurz: wie nachhaltig gewirtschaftet wird. Damit jedoch Werte wie nachhaltiges Wirtschaften als Organisation umgesetzt werden, müssen sie auch von der Arbeitsplatzkultur getragen werden. Grundsätzlich basiert eine Arbeitsplatzkultur auf drei Dingen: Vertrauen, Führungsqualität und gelebten Werten. Im Klartext bedeutet das, dass Mitarbeitende und Führungspersonen einander vertrauen müssen, die Führungspersonen mit gutem Beispiel vorangehen und die Werte, die im Unternehmen definiert wurden, auch gelebt werden. Betrachtet man die akute Lage des Klimawandels, der Biodiversität oder der fehlenden Solvenz vieler Unternehmen wird insbesondere ein Wert für Organisationen immer wichtiger: Nachhaltigkeit. Als Unternehmenswert muss jedoch auch er gelebt werden.

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Wodurch stärkt man digitale Kompetenzen?

Ob beruflich oder privat: Der Umgang mit digitalen Medien und Technologien ist eine zentrale Schlüsselqualifikation für die gesellschaftliche Teilhabe im Heute und im Morgen. Doch wie, wo und in welchem Alter können wir uns die nötigen Fähigkeiten effektiv aneignen? Und welche Kompetenzen sind besonders gefragt? Wir sind gespannt auf Ihre Antworten.

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Max Thinius, Futurologe

Bildet Strukturen

Seit 2010 leben wir offiziell im digitalen Zeitalter, nicht mehr im industriellen. Das hat weniger mit dem Smartphone oder Technologien zu tun, sondern am meisten mit neuen Strukturen. Die Dampfmaschine hat zu Beginn der Industrialisierung die Städte wachsen lassen, Gewerkschaften und neue Sozialgesetze entstanden, das Bankgeld wurden erfunden und ein soziales Gesundheitssystem etabliert. Der Alltag hatte sich zu über 80 Prozent geändert. Das Meiste davon war positiv. Vor 100 Jahren sind neue Strukturen entstanden, in denen wir bis heute gelernt haben, zu leben. Für die wir auch bestimmte Kompetenzen ausgeprägt haben. Jetzt im digitalen Zeitalter ändern sich unsere Strukturen erneut: Städte, Arbeit, das Gesundheitssystem und viele neue Gesetze. Auch für diese Strukturen müssen wir die richtigen Kompetenzen ausprägen. Aber das ist nicht so einfach. Denn die meisten Unternehmen verwenden heute zwar digitale Technologien, sind aber immer noch industriell strukturiert: Daten werden bei einigen wenigen zentral gelagert statt bei jedem Einzelnen von uns. Wir können digitale Erfahrungen momentan nur durch diese „Filter“ sammeln, gar nicht wirklich unsere Möglichkeiten ausschöpfen und die dafür notwendigen Kompetenzen, also Future Skills, ausprägen. Das heißt: wir könnten schon. Wenn wir uns dessen bewusst sind, hinter die Kulissen schauen, uns mit Mut im Neuen ausprobieren und anfangen, selbst eigene digitale Strukturen zu bilden.

Anja Bensinger-Stolze, Leiterin Organisationsbereich Schule, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)

Quer über alle Fächer

Kinder des 21. Jahrhunderts lernen oft bereits im Vorschulalter, digitale Technologien anzuwenden. Neben der Anwendungskompetenz sind aber auch Kompetenzen gefragt, die auf den ersten Blick nichts mit Anwendungstechnik zu tun haben. Zentral ist etwa die Fähigkeit, Informationen zu filtern – die Informationskompetenz. Hier zeigt sich ein Widerspruch der digitalen Welt: Immer mehr und schnellere Informationen bedeuten noch lange nicht qualitative und vertrauenswürdige Informationen. Schülerinnen und Schüler sollen in der Schule einen kreativen, emanzipierten Umgang mit digitalen Medien lernen – die Medienmündigkeit. Das geht aber nur, wenn sie die elementaren analogen Kulturtechniken Lesen, Rechnen und Schreiben sicher beherrschen. Auch die Strukturen der digitalen Gesellschaft sollen im Unterricht Thema werden: Wie funktioniert Wirtschaft im digitalen Kapitalismus? Wie werden unsere Daten zur Ware? Und wollen wir das? Immens wichtig ist sowohl der technische als auch der kritische Blick hinter die Funktionsweise von Algorithmen und das Programmieren. Datenkompetenz fördert nicht nur das Verständnis und die Interpretation von Datenverarbeitung, sondern auch deren kritisch-reflexive Betrachtung. Zur Förderung digitaler Kompetenzen müssen alle Unterrichtsfächer einen Beitrag leisten – vernetzt und mit selbstgesteuerten Lernformen. Das Ziel: Junge Menschen sollen lernen, emanzipiert in der digitalen Welt zu navigieren und diese zu gestalten.

Andreas Schleicher, Leiter OECD-Bildungsprogramme PISA und INES

Grenzen aufweichen

Digitalisierung richtig verstanden heißt vor allem, das Lernen adaptiver, flexibler, dynamischer und interaktiver zu gestalten. Schüler bekommen durch digitale Medien einen ganz anderen Zugang zur Welt. Dazu gehört auch ein breiteres Spektrum an Lernangeboten. Digitale Kompetenz entsteht nicht durch den Konsum digitaler Inhalte, sondern indem Schüler selbstständig in komplexen Lernumgebungen navigieren und lernen, mit Mehrdeutigkeit umzugehen. Warum sollte man einem Lehrer bei der Erklärung eines Experiments zuhören, wenn man das Experiment auch selbst in einem virtuellen Labor durchführen kann? Darüber hinaus kann Digitalisierung für mehr Individualisierung sorgen, denn Schüler lernen unterschiedlich und Technologie kann auf diese Unterschiede differenzierter eingehen. Sie bietet Lehrkräften eine bessere Datengrundlage, um die außergewöhnlichen Talente gewöhnlicher Schüler zu finden und zu fördern. Wenn Schüler heute an einer guten Lernsoftware eine Aufgabe lösen, dann lernt die Software schnell, wo sie klarkommen und wo es hapert, was ihnen Spaß macht und was sie langweilt. Diese Erkenntnisse sind eine wertvolle Ressource für Lehrkräfte, um Schüler besser zu unterstützen. Schließlich kann die digitale Technik auch die Grenzen zwischen Schule und anderen Lernumgebungen aufweichen, indem man die Schule mehr als sozialen Raum nutzt, aber das Lernen, also die Akkumulation von Fachwissen, nach Hause an den Computer der Schüler verlagert.

Michael Gübeli, Leser

Auf neuen Wegen

Vielfach wird übersehen, dass wohl ohne analoge Kompetenzförderung die digitalen gar nicht entstehen oder gedeihen können. Zu viele Dinge sind in der Zwischenzeit vernetzt und in einer Art und Weise auch in Abhängigkeiten von- und zueinander geraten. Viel mehr braucht es mehr Mut, die bisherigen Grenzen vielfach starrer Systeme zu verlassen und neue Wege auszuprobieren. Das Stärken von Kompetenzen, ob analog oder digital, sollte so oder so das große Ziel der Schulen sein. Die Dringlichkeit für das Erwerben von Kompetenzen, die uns helfen, in Zukunft die an uns herantretenden Herausforderungen zu meistern, ist absehbar. Der technologische Wandel vollzieht sich in einer solchen Geschwindigkeit, dass es so oder so neue Wege brauchen wird, um Schritt zu halten. Wichtig ist dabei auch ein Blick hinter die Kulissen, ein gewisses Verständnis der Technologie, damit auch kritische Fragen Raum und Platz finden. Ansonsten stärken wir unsere Lernenden am besten, indem wir ihnen Vertrauen schenken.

Adriane Sofia Castrinakis, Leserin

Kenne deine Welt

Ich denke, das Wichtigste ist, Schule so zu gestalten, dass sie mit den geforderten Kompetenzen – nicht nur den digitalen – außerhalb der Schule korrespondieren. Damit meine ich nicht nur die Arbeitswelt, sondern auch das Privatleben. Die digitale Welt kritisch zu hinterfragen und gestalten zu können und auch ansatzweise zu verstehen, welche Technologien dahinterstecken, sind für mich der Kern der digitalen Kompetenzen.

Liana Heinrich, Leserin

Denken lernen

In den Lehrplänen der Schulen wird leider immer noch zu viel Wert daraufgelegt, was man denken soll, anstatt zu fördern, wie man denken lernt. Gerade diese Fähigkeit – also Informationen zu bewerten, zu verarbeiten und kritisch zu reflektieren – ist aber eine Schlüsselkompetenz für das 21. Jahrhundert. Einerseits, um Urteile auf der Grundlage von faktenbasiertem Wissen zu fällen, und andererseits, um eine offene und neugierige Denkweise anzunehmen. Damit Kinder kritisches Denken lernen, braucht es meines Erachtens dringend neue Lernformate und neue Lerninhalte wie Cybersecurity und Datensicherheit in der Schule.

Udo Beckmann, Bundesvorsitzender Verband Bildung und Erziehung (VBE)

Infrastruktur und Know-how

Es ist nicht damit getan, Gelder anzukündigen und die Schuldigen für die angeblich schleppend vorankommende Digitalisierung in der Schule zu suchen. Die Stärkung digitaler Kompetenzen von Lehrkräften braucht notwendige Voraussetzungen. Nämlich zunächst eine geeignete Infrastruktur, die rechtssicher und für die Bedarfe von Lehrkräften aufgestellt ist. Das Dienstgerät nicht im privaten WLAN verwenden zu dürfen, Daten von Schülerinnen und Schülern nur anonymisiert oder gar nicht speichern zu können oder mit einer sehr beschränkten App-Auswahl arbeiten zu müssen, sind echte Show-Stopper. Die Innovation, die in Sonntagsreden gerne vom Bildungssystem gefordert wird, wird genauso wirksam unterbunden. Parallel zur Infrastruktur muss das Know-how aufgebaut werden. Doch aufgrund des Lehrkräftemangels fällt es immer schwerer, auf Teile des Kollegiums zu verzichten, wenn diese an einer Fortbildung teilnehmen. Zu erwarten, dass die Aneignung der notwendigen Kompetenzen in der Freizeit geschieht, verkennt aber die Realität von Überstunden und Mehrfachbelastung. Nichtsdestotrotz kommt es natürlich auf jede einzelne Lehrkraft an: Die Neugier und die Lust auf Vermittlung von Wissen, die uns diesen Beruf hat ergreifen lassen, sollte uns beflügeln, auch neue Methoden auszuprobieren – wenn denn die Infrastruktur unseren Bedarfen entspricht sowie Fortbildungen und Netzwerke für den Austausch angeboten werden.

Michele Tichauer, Leserin

Alle auf Los

Um digitale Kompetenzen zu erwerben, müssen erst einmal die Voraussetzungen bei allen Schulbeteiligten geschaffen werden. Digitale Kompetenzen werden vor allem dadurch gestärkt, indem man den Schülerinnen und Schülern intelligente digitale Technologien zur Verfügung stellt, die ihnen individuelle Lernwege in ihrem eigenen Tempo ermöglichen. Ein wichtiges Entwicklungsfeld hierbei ist, dass gute digitale Unterrichtsinhalte entwickelt werden, die differenziert, interessant und zukunftsorientiert gestaltet sind. Wichtig ist, dass Inhalte immer gute Impulse geben und die Schülerinnen und Schüler Lust und Interesse haben, weiterzuforschen. Dies kann auch gut in kollaborativen Unterrichtsprojekten geschehen.

Phillip Rosen, Betreiber einer Computerschule für Kinder und Jugendliche

Vergleich mit Norwegen

In unserer Welt gehören mittlerweile digitale Technologien zum Lebens- und Arbeitsalltag. Damit schon die Kleinen mit den heutigen Anforderungen zurechtkommen, muss auch digitale Bildung zum Schulalltag werden. Schule soll jungen Menschen nicht nur Fachwissen vermitteln. Sie soll vor allem auf ein selbstständiges und eigenverantwortliches Leben vorbereiten. Die aktuelle Krise offenbart neben Problemen vor allem auch Chancen. Chancen speziell für unsere Kinder. Um auf die digitale Informations- und Wissensgesellschaft vorbereitet zu sein, benötigen sie Methoden- und Medienkompetenzen. Wie gehen sie richtig mit Handy, Laptop und Tablet um? Wie schaffen sie es, Fähigkeiten zu erlernen, um Probleme zu erkennen und Lösungen effizient zu suchen? Noch besteht in Deutschland hier Nachholbedarf: Hierzulande teilen sich zum Beispiel laut der letzten ICILS-Studie zu computer- und informationsbezogenen Kompetenzen von Achtklässlern aus dem Jahr 2018 11,5 Schülerinnen und Schüler einen Computer. Zum Vergleich: In Norwegen kommen auf einen Rechner gerade einmal 2,4 Schülerinnen und Schüler. Was wir brauchen, sind eine schnelle Internetverbindung, eine leistungsfähige Infrastruktur und vor allem Konzepte, die an die „neuen“ Anforderungen des Lebens angepasst sind. Bestenfalls entwickeln wir aus diesen Bedürfnissen heraus Methoden, die analoge und digitale Bildung miteinander vereinen.

Björn Nölte, Mitglied Institut für zeitgemäße Prüfungskultur

Noten sind hinderlich

Digitale Kompetenzen sollten in der Schule ausgeprägt werden. Wie Schülerinnen und Schüler lernen, wird maßgeblich durch die Form der Leistungsbewertung beeinflusst. Wenn das Lernen wirklich in der Kultur der Digitalität ankommen soll, muss auch die Kultur des Prüfens endlich digital werden. Gemeint ist damit nicht, dass bereits existierende Formate eins zu eins übertragen werden, sodass aus dem Aufgabenblatt auf Papier ein PDF wird. Gemeint sind echte Neuentwicklungen – etwa Formate, in denen die Lernenden im Prozess des Schreibens oder des Lösens mathematischer oder naturwissenschaftlicher Probleme über einen längeren Zeitraum begleitet werden, um fachspezifische digitale Kompetenzen anwendungsbereit auszubilden. Dazu gehört auch das Erlernen digitaler Kollaboration. Zusammenarbeit darf kein Schummeln mehr sein, sondern eine geforderte Fähigkeit. Um Leistung zu entfachen, braucht man keine Noten, sie sind eher hinderlich. „All feedback, no grades“ heißt ein erfolgreicher Ansatz, der fundamental auf das Digitale angewiesen ist: Die Grundlage bilden Lerndialoge und Feedback-Schleifen. Mithilfe von Kommentaren, Audio- und Videofeedback werden Texte überarbeitet und relevante Probleme gelöst, auch kollaborativ. In vielfältigen digitalen Lernprodukten, die auch in reale Kontexte eingebunden werden, kann sich Leistung abbilden. Motivation und Eigenverantwortung wirken hier stärker als Noten. Das Ziel sind digital mündige Individuen.

David Halser, Leser

Lust auf Wandel

Gerade weil (noch) nicht ganz klar ist, was digitale Kompetenzen sind oder sein werden, finde ich es wichtig, dass wir als Schule unseren Lernenden immer wieder Möglichkeiten bieten, dies für sich selbst und im Dialog mit anderen herauszufinden. Dazu braucht es einerseits vielfältige Lernsettings mit Freiräumen, welche es den Schülerinnen und Schülern erlauben, eigene Erfahrungen mit Funktionen der Digitalität zu machen, und andererseits Diskussionen auf der Metaebene über genau diese Erfahrungen. Und zu guter Letzt braucht es Lehrpersonen, die selbst offen für ein vernetztes Lernen in einer Kultur der Digitalität sind. Ich finde es absolut toll, gerade in dieser Phase des Leitmedienwandels mit Jugendlichen arbeiten zu dürfen.

Jannik Steinhaus, Leser

Näher am Leben

Der Aspekt, dass es nicht um Übertragungen der vorliegenden Formate ins digitale Gewand gehen soll, spricht mir aus dem Herzen. Digitalisierung bedeutet nicht, analoge Prozesse digital zu machen, sondern mit den digitalen Möglichkeiten Prozesse neu zu denken. Das ist einfacher gesagt als getan und braucht ein anderes Mindset. Mit Blick auf Schule und Prüfungskultur sollten wir uns daher noch intensiver mit anderen Formen der Leistungsüberprüfung als einer 90-minütigen Klausur beschäftigen. Mit „Take Home Exams“, wie es in skandinavischen Ländern schon weiter verbreitet ist, können digitale Leistungsergebnisse wie Videos und Audios die digitalen Kompetenzen, aber vor allem auch wertvolle persönliche Kompetenzen wie Kreativität, kritisches Denken und Selbstorganisation, stärker trainieren. Mit Blick auf spätere Herausforderungen in vielen Berufen sehe ich diese persönlichen Kompetenzen als Schlüssel für projekthaftes Arbeiten.

Tobias Hasenberg, Leser

Angebote machen

Um digitale Kompetenzen zu fördern, müssen alle Akteure gemeinsam das Lernen anschlussfähig gestalten – durch Angebote, bei denen sich die verschiedenen Bildungsbegleiter über Best Practices und Kompetenzentwicklungsprozesse vernetzen und austauschen; durch Angebote, die den Lernenden die Fenster zur Welt didaktisch begründet öffnen; und durch eine technische Infrastruktur, die so aufeinander abgestimmt ist, dass Lernen zu (fast) jeder Zeit möglich ist und passende Schnittstellen bestehen.

Michael Bachmann, Leser

Fehler erlaubt

Gemeinsam mit Groß und Klein: Die „Lebenserfahrung“ der Lehrenden gepaart mit der Neugier und unmittelbaren Adaptionsfähigkeit der Lernenden macht sie zu gemeinsam Lernenden. Beide profitieren fachlich und persönlich noch viel mehr. Das bedingt natürlich ein offenes, möglichst hierarchiefreies Verhältnis und eine Kultur, in der Fehler erwünscht sind und das Scheitern zelebriert wird, um gemeinsam wieder neue Wege zu finden. Just do it!

Sebastian Staack, Leser

Offen für Neues

Eine Stärkung digitaler Kompetenzen gelingt – egal ob Schüler oder Lehrperson – schlicht formuliert, indem wir Szenarien so gestalten, dass Begeisterung zielorientiert entfesselt wird. Auf den ersten Blick mag dieses Lernen in einer Kultur der Digitalität nicht neu erscheinen. Aber es geht erstens darum, der technischen Struktur unserer Umwelt kritisch auf den Grund zu gehen. Zweitens sollen Lernende jeden Alters befähigt werden, Neues entstehen zu lassen. Dies kann eine 3D-Modell, eine Virtual-Reality-Landschaft oder sogar eine kleine Programmierleistung sein. Ich behaupte, dass nahezu jeder Mensch zu solchen neuen Kulturleistungen fähig ist. Dies erlebe ich als Lehrer an einer Integrierten Gesamtschule, aber auch als Fortbildner in Workshops mit Lehrkräften. Digitale Kompetenzen gehören in den gemeinsamen Austausch. Indem wir miteinander die räumlichen Grenzen kollaborativ in den digitalen Raum verschieben, erweitern wir unser Denken um neue Formen auf der Projektebene. Suchende hier zu fördern, gelingt durch das Anfangen und das Vernetzen. Dies ist ein einfacher Schritt, eine Einstellung zum Handeln, ein Weg zur infernalischen Begeisterung, die immer weiterträgt. Aber nur durch eine solche Offenheit auf Neues gelingt ein Kompetenzzuwachs.

Philipp Zimmer, Schulleiter Volksschulgemeinde Wigoltingen (Schweiz)

Lernwelten ermöglichen

Der Erwerb digitaler Kompetenz ist fester Bestandteil unserer Lehrpläne. Digitale Technologien nur zu verstehen oder zu beherrschen, reicht aber nicht. Erst in der kreativen, kollaborativen und kritischen Anwendung entsteht die eigentliche Chance: das Erfahren von Selbstwirksamkeit in der Auseinandersetzung mit den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Im Makerspace unserer Schule tüfteln Jugendliche an einem vertikalen Garten. Die Pflanzen an der Wand ihres Klassenraums sollen automatisiert bewässert werden, wenn die Sensoren in der Erde Trockenheit melden. Um den Garten nachhaltig und autonom zu betreiben, installieren sie Solarzellen auf dem Dach. Ihr Lehrer, ein Wissenschaftler, zwei Vertical-Farming-Experten und ein Handwerker stehen den Jugendlichen als Netzwerk zur Verfügung. Konstruktion und Programmierung entwickeln sie erforschend, denn es existiert kein fertiger Bauplan. Im interdisziplinären und problembasierten Lernen erleben sie digitale Technologien wirksam gegen CO2-Ausstoß und Klimawandel. Das gestalten einer Kultur der Digitalität hat dabei stets mehr Gewicht als die Digitalisierung per se. Die Technik erscheint nur noch als Mittel zum Zweck. Kinder und Jugendliche wollen zukunftsfähig sein und sich an der Gestaltung ihrer Zukunft aktiv beteiligen. Wenn Schulen soziale Lern- und Lebenswelten ermöglichen, die den Erwerb von digitalen Kompetenzen stärken, wird es was mit der Zukunft. Eine Zukunft, auf die ich mich freue.

Angela Jetter, Leserin

Dranbleiben

Ich bin erstaunt, dass sich das weit verbreitete Verständnis von Digitalisierung „Der Roboter und die App ersetzen die Lehrkraft, das Tablet das Buch und das interaktive Whiteboard die Wandtafel“ hartnäckig hält. Es braucht mehr als neue Lern-Apps. Es braucht einen Systemwandel in der Schule. Blöderweise hat das System, wie Soziologe Niklas Luhmann schon sagte, keine Adresse, an die wir unsere Wünsche und Beschwerden schicken können. Das System sind wir. Es besteht aus vielen kleinen Mikrosystemen und zu diesen haben wir Zugang. Digitale Kompetenzen stärken heißt daher für mich: Digitale Helfer im Alltag da einsetzen, wo es Sinn macht. Einen natürlichen und unverkrampften Umgang damit pflegen. Uns eingestehen, dass wir nicht alles wissen und alle voneinander lernen können. Und nicht zuletzt: Dranbleiben, dranbleiben, dranbleiben.

Katja Borns-Löhn, Geschäftsführerin Bundesverband der Fernstudienanbieter

Lebenslang lernen

Der Generation Z wird nachgesagt, sie verfüge über digitale Kompetenzen wie keine Generation vor ihr. Sie gilt daher als wichtiger Akteur, um Transformationsprozesse in Gesellschaft und Wirtschaft voranzutreiben – aber sie ist nicht der einzige. Denn wer zum Beispiel ein Unternehmen erfolgreich transformieren will, muss alle Mitarbeitenden mitnehmen – vor allem die, die über das fachliche Know-how verfügen. Wir reden hierbei weniger über Berufsstarter, sondern über Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Alter von 45 plus. Sie stecken in einer agilen Lebensphase und sind sich der Tatsache bewusst, dass lebenslanges Lernen für sie essenziell ist, um beruflich erfolgreich zu bleiben. Ein Fernstudium bietet dafür häufig Lösungen. In themenbezogenen nebenberuflichen Weiterbildungen werden Techniken und Methoden vermittelt, um die digitale Transformation von Arbeitswelt und Gesellschaft zu realisieren. Der Vorteil: Schon durch die Weiterbildungsform wird Digitalität weiter im Alltag der Lernenden verankert und neu erworbene Kompetenzen finden direkt ohne Zeitverluste Anwendung im Berufskontext. Mit unserem Studienpreis vergeben wir seit vielen Jahren Auszeichnungen an Absolventen von Fernunterricht und Fernstudium, etwa in der Kategorie „Lebenslanges Lernen“. Dabei beobachten wir, dass sich immer mehr Personen der Altersgruppe 45 plus bewerben, die mit ihren Weiterbildungen primär ein Ziel verfolgen: ihre digitalen Kompetenzen zu stärken.

Dominic Pando, Leser

Neue Grundhaltung

Viele digitale Medien bergen ein großes Potenzial zur Förderung von Kooperation, Kommunikation, Kreativität und Peer-to-Peer-Learning. Dieses Potenzial und die Förderung digitaler Kompetenzen wird jedoch nur ausgeschöpft, wenn Lehrpersonen produkt- und projektorientiertes Lernen ermöglichen, bei dem Schülerinnen und Schüler zunehmend selber Produzenten sein dürfen und weniger Konsumenten sein müssen. Dies setzt jedoch eine Grundhaltung von Lehrpersonen voraus, die große Auswirkungen auf die Rolle der Lehrenden und das Lernen überhaupt, auf Übungsphasen und auch auf die Beurteilung hat.

Verena Zimmer, Leserin

Change Maker

Digitale Kompetenzen werden dann gestärkt, wenn das Lernen bedeutungsvoll und authentisch durch digitale Tools unterstützt wird, wenn die Lernenden die Chance zur lokalen und globalen Partizipation bekommen, wenn sie digital interagieren und gemeinsam mit anderen zum Change Maker werden und die Herausforderungen unserer heutigen Zeit angehen wollen.

Ines Bieler, Leserin

Zum Nutzer werden

Digitale Kompetenzen – ein in letzter Zeit sehr strapazierter Begriff, unter dem jeder etwas anderes versteht. Digitale Kompetenzen lassen sich nicht so einfach benennen wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Sie sind Grundlage eines Workflows, der sich im 21. Jahrhundert durch die Nutzung von digitalen Geräten, Medien und Konzepten etabliert hat. Meiner Meinung nach lassen sich digitale Kompetenzen im Bildungskontext nur fördern, wenn Lehrende und Lernende in der Kultur der Digitalität diese nutzen und in ihr arbeiten.

Dominik Bayer, Leser

Steter Austausch

Mein spontaner Gedanke: zulassen, fördern, ausprobieren, anpassen und weitermachen – und das bei Klein und Groß. Verschiedene Kompetenzen schwirren bereits durch unsere Schulhäuser, die sollten genutzt werden. Die Kids und auch die Lehrkräfte sind oft weiter, als wir meinen. Für mich als Schulleiter heißt das, dass wir einander tolle Tools zeigen, Zeitgefäße für Austausch und Support anbieten, bestehende physische Prozesse hinterfragen und nach Möglichkeit durch digitale ablösen sowie Geräte und Budget für neue Ideen zur Verfügung stellen. Ich selbst probiere auch Neues aus, besuche Kurse und teile meine Erfahrungen wieder. Eigentlich nichts anderes als bei der Stärkung aller anderen Kompetenzen, oder?

Rosi Bock, Leserin

Erfolge motivieren

Lernen mit digitalen Medien sollte das Ziel haben, halbgares Wissen mit Übungen und dem sofortigen Feedback gehirntechnisch zu etablieren. Am besten so, dass rückstandsfrei geübt werden kann, um dann bei der dokumentierten Prüfung brillieren zu können. Nichts ist motivierender als Erfolg.

Nicolas Colsman, Leser

Goethes Hashtags

Man nehme ein Unterrichtselement, zum Beispiel Goethes „Faust“, und lese diesen im Unterricht unter dem Aspekt: Was wären die Hashtags, worüber würde Mephistopheles twittern und welchen Influencer würden die Protagonisten warum folgen? Damit geht man somit auf die Instagram-Realität der Jugendlichen ein und motiviert sie, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Außerdem kann man das eigene digitale Verhalten reflektieren, über weniger beachtete Aspekte der Digitalität diskutieren und sich emphatisch in die Probleme der Charaktere in unserer Realität versetzen. Und ja, es muss nicht unbedingt „Faust“ sein. Besonders stark ist dann die Fortführung zu einem Projekt: Es als Stück selbst aufzuführen fördert die sogenannten vier K – Kollaboration, Kommunikation, Kreativität und kritisches Denken – wenn man sich selbst um die Organisation kümmern muss.

Tobias Kollmann, Professor für Digital Business und Digital Entrepreneurship, Universität Duisburg-Essen

Digitale Offensive

Sowohl im privaten als auch im beruflichen Bereich sind wir von der Digitalisierung umgeben. Wir benötigen daher digitale Kompetenzen, um mit den Veränderungen in den Bereichen Information, Kommunikation und Transaktion umgehen zu können. Leider werden diese in Schulen oder Hochschulen nicht konsequent vermittelt und für bereits Berufstätige gibt es auch wenig Unterstützung. Wir brauchen daher eine Bildungsoffensive für digitale Kompetenzen auf allen Aus- und Weiterbildungsebenen. Dazu gehört zum Beispiel ein Schulfach „Digitalkunde“ mit einer allgemeinen Wissensbasis für die Partizipation an gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Prozessen im Internet. An den Hochschulen sind gerade in den Wirtschaftswissenschaften konkrete Angebote für ein Digital Business und Digital Entrepreneurship notwendig, um die digitale Transformation der vorhandenen Unternehmen wie auch die Gründung neuer Unternehmen zu unterstützen. Im Berufsleben muss es zudem ein Recht auf Weiterbildung für Arbeitnehmer im Hinblick auf digitale Kompetenzen geben. Dies muss in letzter Konsequenz zu einem Schulterschluss zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern führen. Es reicht eben nicht, nur Digital Leadership für Führungskräfte zu fördern, wir brauchen auch ein Digital Followship für Fachkräfte. Die zugehörigen digitalen Kompetenzen müssen in den Bereichen Digital Mindset (Offenheit), Digital Skills (Wissen) und Digital Execution (Umsetzung) gebildet werden.

Werner Wehrli, Leser

Mittel zum Zweck

Gibt es digitale Kompetenzen ohne analoge Kompetenzen? Mein Ansatz: Digitalisierung ist nicht das Ziel, sondern ein mögliches Mittel zur Förderung analoger Kompetenzen. Und zwar lebenslang, nicht bloß in der Schule.

Janine Bonadimann, Leserin

Daten überall

Mir kommen drei Kompetenzzweige in den Sinn: Konsumieren, Verwalten, Produzieren. Wobei zweiterer auf die beiden anderen einen zentralen Einfluss hat. In diesem Zusammenhang teile ich gerne einen Einblick meines Besuchs im Flutarium in Berlin. Hier werden die drei Bereiche Mensch, Natur und Technik ins Zentrum gerückt. Eine Aussage war, 2022 werden 50 Milliarden Geräte miteinander vernetzt sein. So viel Wissen ist schon heute jeder Zeit verfügbar. Den ziegelrichteten Umgang damit müssen wir lernen und hier hat die Schule einen großen Aufholbedarf. Von der Digitalisierung in die Digitalkultur.

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Wie geht man mit Diabetes um?

Acht Millionen Deutsche leiden an Diabetes und täglich kommen 1.600 Neuerkrankungen hinzu. Höchste Zeit also, dass wir uns mit dem Thema beschäftigen und Antworten finden. Wie kann ein wirkungsvoller Schutz vor Diabetes aussehen? Mit welchen Umstellungen gelingt der neue Alltag nach einer Diagnose? Und mit welchen Änderungen sollten wir als Gesellschaft auf die Volkskrankheit reagieren? Schreiben Sie uns Ihre Meinung.

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Jens Kröger, Vorstandsvorsitzender Deutsche Diabetes-Hilfe (diabetesDE)

Immer beherrschbarer

Diabetes mellitus ist prädestiniert für digitale Lösungen, die das Leben von chronisch Kranken im Alltag erleichtern. Wie bei keiner anderen Erkrankung sind Menschen mit Diabetes angehalten, regelmäßig ihre Glukosedaten zu überprüfen und die Therapie anzupassen. Von der Digitalisierung versprechen sich Patienten mit Diabetes eine Erleichterung ihrer Krankheitslast und die Stärkung des Patientenselbstmanagements. Die kontinuierliche, unblutige Glukosemessung (CGM) und die automatisierte Insulingabe sind bei vielen bereits genauso Realität wie die Dokumentation therapierelevanter Daten mittels Software oder App statt eines Blutzuckertagebuchs. CGM-Systeme ermöglichen die permanente Überwachung der Glukosewerte, tragen zur Vermeidung von Hypoglykämien bei und geben den Patienten mehr Sicherheit. Diese Sicherheit wird durch die Kombination von Insulinpumpen mit CGM-Systemen als Hybrid-Closed-Loop-Systeme noch erhöht, was die Therapieergebnisse weiter verbessert. Telemedizinische Sprechstunden ersparen beschwerliche Wege zum Arzt und unnütze Wartezeiten. Der Zugang zu und der Umgang mit medizinischen Daten wird zukünftig durch die elektronische Patientenakte erleichtert. Hinzu kommen digitale Gesundheitsanwendungen (DiGas), die die Therapie zum Beispiel in Ernährungsfragen unterstützen. Übrigens: Selbst der Patiententag zum Weltdiabetestag am 14. November wird in diesem Jahr digital sein: weltdiabetestag.de

Barbara Bitzer, Geschäftsführerin Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und Sprecherin Deutsche Al- lianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK)

Auf die Verhältnisse kommt es an

Die neue Bundesregierung hat viele und große Aufgaben vor sich, die gezielte Prävention nichtübertragbarer Krankheiten gehört dazu. 71 Prozent der Todesfälle weltweit werden durch ernährungsabhängige Krankheiten verursacht. Auch in Deutschland sind bereits heute zwei Drittel der Männer und über die Hälfte der Frauen übergewichtig. Und: Etwa jedes siebte Kind ist zu dick. Appelle an die Eigenverantwortung eines jeden Einzelnen, sich gesünder zu ernähren, verhallen und bundesweite Angebote für mehr Ernährungsbildung erreichen nur die, die sich ohnehin mit einer gesunden Lebensweise beschäftigen. Damit wird Deutschland der Entwicklung nicht Herr. Wir brauchen einen Paradigmenwechsel von der Verhaltens- hin zur Verhältnisprävention. Die kommende Bundesregierung muss endlich ein Umfeld schaffen, das es allen Menschen in unserem Land erleichtert, sich gesund zu ernähren. Mit einem verpflichtenden Nutri-Score auf allen Lebensmitteln, einem Werbeverbot für ungesunde Kinderlebensmittel und einer nach Nährwertprofil gestaffelten, sogenannten gesunden Mehrwertsteuer, die gesunde Produkte steuerlich entlastet und im Gegenzug Lebensmittel, die viel Zucker, Fett und Salz enthalten, stärker besteuert, können wichtige Signale gesetzt und der Adipositas-Tsunami gebremst werden.

Matthias Steiner, Olympiasieger im Gewichtheben und Lebensmittelunternehmer

Low Carb und Bewegung schützen

Ich habe seit meinem 18. Lebensjahr Diabetes Typ 1, ausgelöst durch einen grippalen Infekt. Diabetes Typ 1 ist nicht heilbar. Das unterscheidet ihn von der anderen Form des Diabetes, dem Typ 2. Der geht oft mit Übergewicht einher und ließe sich nicht nur verhindern, sondern meist auch heilen. Das ist gar nicht so schwierig: Typ-2-Diabetiker müssten „nur“ ihren Insulinspiegel dauerhaft senken. Insulin benötigt der Körper, um Kohlenhydrate zu verarbeiten. Kohlenhydrate sind alle Formen von Zucker und Stärke und kommen in vielen Lebensmitteln vor – neben Süßigkeiten und Softgetränken auch in Brot, Nudeln und Pizza. Übergewichtige schütten mehr Insulin nach einer Mahlzeit aus. Selbst wenn sie gleichviel Kohlenhydrate essen wie Schlanke, produzieren sie mehr Insulin und durch die erhöhte Insulinproduktion werden sie schneller wieder hungrig. Insulin blockiert bei uns allen die Fettverbrennung. Ich persönlich sehe das eins zu eins an meinem Insulinverbrauch. Wenn ich mich bewege und kohlenhydratreduziert esse, verbrauche ich in einer Woche wesentlich weniger Insulin und wiege ein Kilo weniger. Treibe ich wenig Sport und esse Kohlenhydrate, ist mein Insulinverbrauch wesentlich höher und die Waage zeigt ein Kilo mehr an. Dieses Wissen half mir nicht nur dabei 45 Kilo abzunehmen, sondern ist Triebkraft meines Unternehmertums. Ich entwickle Low-Carb-Lebensmittel, um Menschen dabei zu helfen, abzunehmen und ihren Diabetes zu besiegen.

Kerstin Maurer, Leserin

Tierischer Warnschuss

Mir war unbekannt, dass Tiere auch an Diabetes leiden können. Erst als mein Tierarzt diese Diagnose bei meinem Hund stellte, habe ich mich schlau gemacht. Mir war aufgefallen, dass er normal fraß und viel mehr Wasser brauchte. Trotzdem war er ständig müde und nahm ab. Jetzt müssen wir spezielles Futter geben und auch die Fütterungszeiten genau einhalten. Zusätzlich muss ich zweimal am Tag Insulin spritzen. Das geht einfacher als befürchtet, mittlerweile ist es Routine für uns beide. Für mich war die Erkrankung ein Warnschuss, seitdem ernähre ich mich bewusster und beschäftige mich mit Diabetes.

Catharina Rode, Leserin

Vorbereitet sein

Seit ich Diabetikerin bin, hat sich der Reiseaufwand erhöht. Habe ich genug Patronen für den Pen, funktioniert mein Testgerät und reichen die Teststreifen? Aber die Vorbereitungen fangen schon bei der Wahl des Reiseziels an: Wie kann ich mich ernähren, bekommt mir das Klima und wo finde ich im Notfall ärztliche Hilfe? Zum Glück gibt es im Internet vie- le Ratgeber, und auch die Patientenorganisationen für Diabetiker helfen einen mit Tipps weiter. Organisierte Reisen für Diabetiker lehne ich ab, sie stigmatisieren nur. Am liebsten gehe ich wandern, was schon wegen der Bewegung ein idealer Urlaub für Diabetiker ist. Man sollte dabei regelmäßig den Blutzucker messen, denn durch die unterschiedliche Belastung kann dieser stark schwanken. Auch nach der Wanderung kann sich der Wert verändern. Spezieller Wanderproviant, zum Beispiel Traubenzucker, der schnell bei einer Unterzuckerung hilft, darf nicht fehlen.

Stephan Martin, Direktor Westdeutsches Diabetes- und Gesundheitszentrum (WDGZ) Düsseldorf

Insulin macht uns dick oder schlank

Auch wenn Insulin lebensstiftend ist bei Personen mit Typ-1-Diabetes, so hat dieses Hormon noch eine andere Seite: Insulin macht uns dick oder schlank. Denn das körpereigene Insulin senkt nicht nur den Blutzucker, sondern blockiert die Fettverbrennung und fördert die „Pölsterchen“. Übergewichtige produzieren leider deutlich mehr Insulin als Schlanke und machen es sich somit selbst schwer, Gewicht abzunehmen. Dabei spielen auch Gene eine Rolle, die darüber entscheiden, ob wir viel oder wenig Insulin produzieren. Für diese Personen sind die Ratschläge, Kalorien mit einer fettreduzierten Ernährung einzusparen und mehr stärkehaltige Kohlenhydrate aufzunehmen, komplett kontraproduktiv. Denn nicht nur der Haushaltszucker, auch die Stärke in Nudeln, Reis, Kartoffeln und Brot führt zu erheblichen Anstiegen der Insulinspiegel. Kartoffelpüree hat zum Beispiel einen höheren glykämischen Index als Haushaltszucker. Aber auch künstliche Süßstoffe und Emulgatoren in Fertigprodukten können die Insulinproduktion verstärken. Wir haben daher die „Low-Insulin-Methode“ entwickelt und wissenschaftlich nachweisen können, dass es zu einer deutlichen Gewichtsabnahme ohne Jojo-Effekt kommt. Unter anderem haben diese Erkenntnisse dazu geführt, dass bei übergewichtigen Personen mit Typ-2-Diabetes, die meist übermäßig Insulin produzieren, die Insulintherapie komplett in den Hintergrund getreten ist.

Friederike Scholz, Leserin

In den Unterricht

Ich muss immer wieder Fragen beantworten, was das für ein Gerät ist, das ich am Gürtel trage. Da ich in einer Grundschule arbeite, kann ich den Kindern ganz gut erklären, dass ich Diabetes Typ 1 habe und mit der Insulinpumpe meinen Alltag in den Griff kriege. Das hat mich veranlasst, die Krankheit kindgerecht im Unterricht zu thematisieren und mit den Schülern den Zusammenhang zwischen gesunder Ernährung und Krankheiten zu behandeln. Es ist faszinierend, wie interessiert Kinder sind und wie schnell sie verstehen, auf was sie beim Essen und Trinken achten sollen.

Elisabeth Guder, Diabetesberaterin Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)

Zusammen stark

Jeder kennt jemanden, der an Diabetes erkrankt ist. Doch Diabetes ist sehr facettenreich. Den typischen Diabetiker gibt es nicht, die Behandlung ist so individuell wie der Erkrankte selbst. Viele Patienten hoffen, dass sie, wenn sie weniger Zucker essen und ein paar Tabletten einnehmen, ihre Ruhe haben. Aber eine Therapie bedarf der ganzheitlichen Anpassung an die Bedürfnisse des Betroffenen durch ein gutes Team aus Diabetologe und Diabetesberater. Sie muss immer wieder an die Lebensumstände angepasst und optimiert werden. Auch ist eine Diät für eine paar Wochen nicht sinnvoll. Es braucht eine bewusste Lebensstiländerung mit Ernährungs- und Bewegungstherapie. Dabei kann es sich nur um einen kleinen täglichen Spaziergang handeln oder um eine komplette Anpassung für Sportler. Vieles ist möglich, aber es erfordert Arbeit, um eine gute Einstellung der Blutzuckerwerte zu erreichen. Hier kommt das Diabetesteam ins Spiel, das durch Gruppenschulung und Einzelgespräche helfen kann. Auch der Austausch mit den Angehörigen ist sehr wichtig, denn sie sind ein wichtiger Bestandteil in der Behandlung. Es ist schwer, wenn die Familie oder der Partner bei der Ernährungsumstellung nicht mithilft oder diese gar boykottiert. Angehörige können bei der alltäglichen Einschätzung der Kohlenhydrate, bei der Insulintherapie und bei der Behandlung einer Hypoglykämie (Unterzuckerung) unterstützen. Hier wie überall gilt: Zusammen sind wir stark.

Angela Monecke, Redakteurin „Diabetes-Journal“, Deutscher Diabetiker Bund (DDB)

Täglich gut managen

Für Menschen mit einer Insulintherapie, bei der das Insulin zu jedem Essen und zur Korrektur erhöhter Glukosewerte gespritzt werden muss, bedeutet der Umgang mit Diabetes ein 24/7-Diabetes-Management. Das heißt, auch in der Nacht können zu niedrige Werte, also Unterzuckerungen, die sogenannten Hypoglykämien, kurz Hypos genannt, drohen und in schweren Fällen bis zur Bewusstlosigkeit führen. Patientinnen und Patienten mit Typ-1-Diabetes nutzen deshalb heute – neben einem Insulinpen oder einer Insulinpumpe – Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM). Sie zeigen Trends im Glukoseverlauf an und schlagen sofort Alarm, falls eine solche Hypo im Anmarsch ist. Das hilft im Alltag sehr. Vor allem im Job können die Betroffenen so rechtzeitig reagieren und die benötigten Kohlenhydrate zuführen. Ich selbst erhielt die Diagnose Typ-1-Diabetes vor über 45 Jahren. Die Technik von damals? Kein Vergleich zu heute, wo etwa halbautomatische Insulinpumpen (Hybrid-Closed-Loop-Systeme) zum Einsatz kommen. Für den täglichen Umgang mit dem Diabetes ist auch der Erfahrungs- und Wissensaustausch mit anderen wichtig – ob in der Diabetes-Online-Community, zum Beispiel auf blood-sugar-lounge.de oder diabetes-online.de, oder in der klassischen Diabetes-Selbsthilfe beim Deutschen Diabetiker Bund und anderen Selbsthilfeorganisationen. Bei allein 340.000 Patientinnen und Patienten mit Typ-1-Diabetes ein großer Schatz an Wissen und Erfahrungen.

Robert Wagner, Endokrinologe Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen (IDM), Deutsches Zentrum für Diabetesforschung (DZD)

Krankheit mit vielen Gesichtern

Bei Diabetes mellitus ist der Blutzuckerspiegel dauerhaft erhöht. Das kann langfristig Blutgefäße, Nerven und zahlreiche Organe schädigen. Bei der Autoimmunkrankheit Typ-1-Diabetes zerstört das körpereigene Immunsystem die Insulin-produzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse. Dieses Hormon senkt den Blutzuckerspiegel, indem es Körperzellen dazu anregt, Glukose aus dem Blut aufzunehmen. Die Betroffenen müssen regelmäßig Insulin spritzen, um ihren erhöhten Blutzuckerspiegel zu senken. Mehr als 90 Prozent der Menschen mit Diabetes leiden jedoch an einem Typ-2-Diabetes. Die Risikofaktoren hier sind eine erbliche Veranlagung, ungesunde Ernährung, Übergewicht und Bewegungsmangel. Mittlerweile wissen wir, dass Typ-2-Diabetes keine einheitliche Erkrankung ist, sondern unterschiedliche Subtypen birgt. Diese Erkenntnis könnte künftig helfen, Betroffene gezielter zu behandeln. Ein Subtyp tritt bei gefährdeten Patienten mit Übergewicht und Fettleber auf und verursacht ein erhöhtes Risiko für Nierenschäden. Bei diesem Subtyp könnten die Patienten von einer Gewichtsabnahme stark profitieren. Bei anderen Subtypen hilft jedoch die Gewichtsabnahme kaum. Hier kann es sein, dass die nicht ausreichende Insulinproduktion durch Spritzen ersetzt werden muss. Es gibt aber auch milde Subtypen, die leicht eingestellt werden können. Wie man genau in der klinischen Praxis die Subtypen bestimmt und behandelt, muss in den nächsten Jahren erarbeitet werden.

Andreas Neu, Kinderdiabetologe und Präsident Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)

Hilfe vor Ort

Jährlich erkranken hierzulande rund 3.500 Kinder und Jugendliche neu an einem Typ-1-Diabetes. Gerade im Grundschulalter benötigen sie Unterstützung. Den Insulinbedarf an Sport und Spiel, an Lernstress und Schulessen anzupassen, ist eine komplexe Herausforderung, die sie oft noch nicht allein meistern können. Lehrkräften fehlt das medizinische Wissen, um zu unterstützen. Daher brauchen wir die flächendeckende Etablierung von Schulgesundheitsfachkräften, die chronisch kranke Kinder im Schulalltag kompetent begleiten. Zwei Modellprojekte in Brandenburg und Hessen zeigen: Deren Einsatz zahlt sich aus. Dort kam es zu weniger Rettungswageneinsätzen und zu geringeren Behandlungskosten. Für Kinder mit Diabetes Typ 1 bedeutet dies: verbesserte Glukoseeinstellung, weniger Notfallsituationen, weniger Fehlzeiten und Ausgrenzung sowie eine positivere Lebensperspektive. Zur Finanzierung der Schulgesundheitsfachkräfte sind Anstrengungen von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialversicherungsträgern erforderlich. Zunächst sollte die Lebenswelt Schule ins Präventionsgesetz aufgenommen werden. Die Krankenkassen könnten mit einem Euro pro Versichertem einen Beitrag in Höhe von rund 57 Millionen Euro in einen Fonds einzahlen, der über die Länder an die Schulen weitergegeben werden kann. Auch Länder und Unfallkassen könnten sich beteiligen, der Bund einen „Gesundheitspakt Schule“ auflegen oder eine Bundesstiftung „Schulgesundheit“ gründen.

Katharina Warncke, Kinderärztin und Wis- senschaftlerin, München Klinik, Klinikum rechts der Isar und Helmholtz- Zentrum München

Stärkt die Kleinsten

Etwa vier von 1.000 Kindern und Jugendlichen erkranken an Typ-1-Diabetes. Die Ursache ist eine Autoimmunreaktion, bei der sich das Immunsystem gegen die körpereigenen Insulin-produzierenden Zellen richtet und diese zerstört. In den letzten Jahrzehnten zeigt sich eine stetig steigende Neuerkrankungsrate, deren genaue Ursache unklar ist. Die Diagnose trifft die Familien in der Regel völlig unerwartet. Typ-1-Diabetes ist heutzutage gut behandelbar, geht aber dennoch mit Einschränkungen für die Betroffenen einher. Mit Insulinpumpen, kontinuierlichen Messgeräten, Apps und neuen Insulinen stehen moderne Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Ein Leben mit Diabetes gelingt allerdings nur dann gut, wenn das gesamte Umfeld von der Familie über Freundinnen und Freunde bis hin zu den Lehrkräften dazu beiträgt. In unserer Klinik sehen wir durchschnittlich ein bis zwei neu erkrankte Kinder pro Woche. Mit einem Team aus Spezialisten aus unterschiedlichen Berufsgruppen haben wir das Ziel, dass betroffenen Kindern und ihren Familien ein glückliches und gesundes Leben mit Diabetes gelingt. Trotzdem gibt es immer noch etliche Betroffene, die sehr unter der Erkrankung leiden und/oder initial oder im Verlauf in eine lebensbedrohliche Situation kommen. Internationale Forschung und klinische Prüfungen tragen dazu bei, Diabetes bei Kindern früh zu erkennen und zu behandeln. Das langfristige Ziel dabei ist: Diabetes bei Kindern zu verhindern.

Nikolaus Scheper, Facharzt für Diabetologie und Vorstand Bundesverband Niedergelassener Diabetologen (BVND)

Hand in Hand

In Deutschland gibt es für die Therapie von Menschen mit Diabetes ein erfolgreiches System: Hausärzte behandeln sie Hand in Hand mit Fachärzten. Das funktioniert gerade in ländlichen Regionen gut. Vier Beispiele aus einer Diabetologischen Schwerpunktpraxis zeigen, wie wichtig eine gemeinsame Betreuung ist: Paul R. ist seit 20 Jahren Patient. Sein Typ-1-Diabetes wurde hier diagnostiziert und er begann sofort eine Insulintherapie. Seither kommt er gut mit seinem Diabetes zurecht. 

 Michi L. erwartet ihr erstes Kind. Bei einem Glukosetoleranztest wurde Schwangerschaftsdiabetes festgestellt. Dank der Hilfe ihrer Diabetesberaterin hat sie jetzt beste Chancen, ein gesundes Kind auf die Welt zu bringen. 

Janis V. ist 18 Jahre und trägt eine Insulinpumpe. Sein Blutzucker ist ihm aber gerade egal. Zur Motivation wird ihm eine App für Diabetiker empfohlen, mit der er zusammen mit dem Diabetologen seine Werte checken kann. 

Michail W. ist seit 15 Jahren an Typ-2-Diabetes erkrankt. Erstmals hat er offene Stellen an seinen Zehen. In der Diabetologenpraxis bewahrt man ihn in zusammen mit einer gefäßchirurgischen Krankenhausabteilung vor einer drohenden Amputation. 

 Fazit: Neuentdeckte Diabetiker sowie Patienten mit Komplikationen und schwierigen Stoffwechselsituationen sollten eine Diabetologische Schwerpunktpraxis aufsuchen, die zusammen mit dem Hausarzt und weiteren Fachmedizinern die geeignete Diabetes-Betreuung übernimmt.


Jens Richter, Leser

Diabetes ist heilbar

Diabetes ist eine Volkskrankheit. Und ich habe Diabetes Typ 2. Zwei einfache Sätze, ich habe aber lange gebraucht, um sie als wahr anzusehen. Da war mein alter Hausarzt, der einen Langzeitblutzuckerwert von 7,2 Prozent als nicht schlimm ansah. Aber ich hatte Glück: Ein Facharzt setzte sich über die Verharmlosung meines Hausarztes hinweg und begann, mich zu therapieren. Mein Wunsch, meine Werte richtig zu senken, führte zum Diabetologen. Ich bekam neue Medikamente und nahm an einem Diabetes-Schulungskurs teil. Mit didaktisch unerträglichem Material, aber einem sehr engagierten Kursleiter kam die Wende. Durch radikale Ernährungsumstellung und den Wunsch, gut zu kochen, gelang mir der Durchbruch: Ich nahm in einem Jahr 25 Kilo ab. Diesen Sommer kam noch dazu, dass ich anfing, mich richtig zu bewegen. Einfach durch Bewegen bei Fitnesskursen auf Youtube. Bei mir ist Diabetes mehr oder weniger geheilt. In der Gesellschaft sieht das ganz anders aus. Noch immer wird in der Schule Ernährung nicht unterrichtet, noch immer ist der Rahmenreferenzwert für Zucker bei Lebensmittelauszeichnungen in Deutschland zu hoch. Die Gesellschaft ist zuckerkrank und die Zucker-Lobby mächtig. Solange wir den Kampf gegen Diabetes nicht endlich gemeinsam aufnehmen, bleibt die Krankheit bei zu vielen bestehen, die Kosten für die Gesellschaft sind enorm. Ich habe Diabetes besiegt, die Gesellschaft steht noch nicht einmal am Anfang.

Gudrun Schultz, Leserin

Weißes Gift

Mir fällt besonders auf, dass auffällig viele Kinder an Diabetes erkranken. Aus meiner Sicht besteht hier ein direkter Zusammenhang mit dem Übermaß an Zucker, der alltäglich konsumiert wird. Das Übergewicht zu Diabetes führen kann, ist eine Tatsache. Besonders perfide sind Lebensmittel, die speziell für Kinder designt sind und die oftmals ein Vielfaches an Zucker enthalten als vergleichbare Produkte für Erwachsene. Es ist ein Armutszeugnis, dass die Industrie hier gewissenlos agiert und die Politik bisher nur halbgare Lösungen gefunden hat, darauf Einfluss zu nehmen. Es ist ein großer Wunsch und Auftrag an die neue Bundesregierung, hier endlich mehr für die Kinder zu tun.

Doris Steffen, Leserin

Langfristig denken

Acht Millionen Deutsche leiden an Diabetes. Das ist eigentlich falsch formuliert. Denn niemand der Erkrankten leidet an Diabetes, sie tut nämlich nicht weh. Schmerzhaft sind allein die Folgeerkrankungen – und davon auch nicht alle. Der neue Alltag nach der Diagnose Diabetes Typ 2 sieht durch diese Schmerzfreiheit deshalb bei den meisten Patienten genauso aus wie der alte Alltag vor der Diagnose. Es fehlt an Krankheitseinsicht und Umstellungswillen. Die Prophylaxe und auch die Behandlung besteht darin, weniger zu essen, sich natürlicher zu ernähren und ausreichend zu bewegen. Wie beim Rauchverbot im öffentlichen Raum sind beim Umgang mit Diabetes Typ 2 staatliche Maßnahmen gefragt: zum Beispiel Belohnungen bei sportlicher Aktivität, die Beschränkung der Süßigkeitenangebote im Supermarkt, eine Entzuckerung von Lebensmitteln. Die individuelle Einschränkung auf freiwilliger Basis scheitert immer daran, dass Menschen lieber kurzfristig genießen, als langfristige Folgen zu realisieren.

Diana Rubin, Leiterin Vivantes-Zentrum für Ernährungsmedizin

Gewusst wie

Für Menschen mit starkem Übergewicht steigt das Risiko, an einer Typ-2-Diabetes zu erkranken. Helfen kann eine Ernährungs- und Bewegungsumstellung, um Gewicht zu verlieren. So lässt sich die Erkrankung für Jahre im Griff behalten, was bisher mit keinem Medikament zu erreichen ist. Allerdings schaffen das bisher nur zehn bis 15 Prozent der Patienten. Denn nicht nur das Essverhalten, auch die gesellschaftlichen Umstände müssten sich ändern. Damit meine ich, dass politisch ernährungsförderliche Umwelten geschaffen werden müssen, zum Beispiel in Kita und Schule. Das Wissen über eine gesunde Ernährung ist oft vorhanden, es mangelt aber etwa beim Einkaufen an konkreten und verständlichen Kennzeichnungen von verpackten Lebensmitteln. Fertigprodukte und verarbeitete Lebensmittel wie Fruchtjoghurts oder Müslis haben einen hohen Zuckergehalt. Auch das macht es schwer, im Supermarkt richtige Entscheidungen zu treffen. Wichtig für eine nachhaltige individuelle Nahrungsumstellung ist zudem, dass das Essen schmeckt und den Mustern des Einzelnen entspricht. Hier bietet sich etwa die mediterrane Ernährung mit gesundem Olivenöl an. Grundsätzlich ist es wichtig, nicht mehr zu essen, als der Körper an Energie verbraucht. Nicht das Verhältnis von Kohlenhydraten, Fett oder Eiweiß ist entscheidend, sondern deren Qualität. Günstige Kohlenhydrate sind zum Beispiel in Vollkorngetreide, Hülsenfrüchten und Gemüse enthalten, ungünstige in Süßwaren und Süßgetränken.

Tina Liston, Leserin

Zukunft durch Technik

Ich selbst habe kein Diabetes, in meinem familiären Umfeld ist jedoch Diabetes sehr verbreitet. Als ich ein Kind war, und das ist jetzt schon über 50 Jahre her, war die Situation für mich sehr verstörend. Denn ich habe den einen oder anderen Diabetesschock miterlebt. Dabei kann eine unbehandelte schwere und andauernde Unterzuckerung tödlich enden. Das hat mir natürlich Angst gemacht, denn niemand möchte jemanden aus der Familie vom Notarzt behandelt oder gar sterben sehen. Damals waren die medizinischen Hilfsmittel aber noch auf einem ganz anderen Stand. Mittlerweile ist die Technik so weit ausgereift, dass man im Alltag kaum noch Einschränkungen spürt. Verschiedenste Geräte helfen einem, den Alltag zu meistern. Selbst das sogenannte Pieksen oder Spritzen kann einem durch automatische Insulinpumpen abgenommen werden. Zumindest ist es das, was ich beobachten kann.

Daniel Meitinger, Leser

Ich hatte Bluthochdruck, Übergewicht und wurde vor Diabetes gewarnt. Irgendwie wollte ich es nicht verstehen und habe es mir schöngeredet. Nun lebe ich ein Leben mit Diabetes. Es hat mir zwar zu einem positiveren und gesünderen Leben verholfen, aber zu welchem Preis. Dabei hätte ich die Entscheidung, meine Ernährung und Bewegung zu ändern, einfach vorher treffen sollen. Denn das Leben ist dann viel lebenswerter.

Ralf Hütter, Leser

Das Leben geht weiter

Als ich die Diagnose Diabetes bekommen habe, war ich geschockt. Leider hatte mein Hausarzt, wie so oft, viel zu wenig Zeit für meine vielen Fragen. Ich habe dann leider den Fehler gemacht, im Internet zu recherchieren, und bin dort auf eine verwirrende Fülle an Informationen gestoßen, die mich noch unruhiger und ängstlicher gemacht hat. Nachdem ich dann endlich einen Termin bei meiner Diabetologin bekommen habe, hat sich der Nebel der Unkenntnis gelichtet. Die Ärztin hat sich richtig viel Zeit für mich genommen und mir als Grundlage erklärt, was in meinem Körper nicht mehr richtig funktioniert. Auch die Konsequenzen auf meinen Lebensstil und vor allen auf meine Ernährung haben wir ausgiebig besprochen. Nachdem ich erst mit Tabletten behandeltwurde, hat sich schnell rausgestellt, dass ich nicht um Insulin herumkomme. Das war für mich die nächste Schockstufe. Ich war noch nie ein Freund von Spritzen und die Notwendigkeit, dass ich jetzt diszipliniert und regelmäßig und auch noch selber zur Spritze greifen muss, war erst mal schwer zu verdauen.Im Nachhinein hat sich gezeigt, dass nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird. Das Spritzen gehört mittlerweile zur täglichen Routine und die angepasste Ernährung hat den angenehmen Nebeneffekt, dass jetzt Klamotten passen, die jahrelang im Schrank ganz nach hinten verbannt waren.

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