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Madrid oder Mailand?

Andi Möller erklärte zwar 2013, dass er sich gar nicht an sein berühmtes Zitat erinnern könne. Dennoch zählt es zu den bekanntesten Fußball-Sprüchen.

Andreas Möller ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler und heutiger -trainer.
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Rob, Leser_In

Im Zweifel links.

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Wo ist der Deinhard?

Was genau verstehen wir eigentlich unter dem Begriff Markenbekanntheit? Wie ist er definiert?

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Welchen Wert hat Freizeit?

Entspannen oder mit dem Mountainbike die Berge hochradeln? Lesen oder die Welt entdecken? Erklären Sie uns, wie Sie den Kopf frei und den Akku wieder aufgeladen bekommen.

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Claus-Heinrich Clausen, Leser_In

Zur Zeit des Berufslebens war Freizeit, die Zeit zum “Runterkommen, Erholen, Kraft und Ausdauer tanken um, eben möglichst ausgeruht und mit vollem Tank wieder zu funktionieren. Jetzt, im Ruhestand, wird die freie Zeit in dem Sinne genutzt, wie sie es verdient. Wofür sie wohl auch da ist. Nach wie vor wird gewandert, geradelt. Aber eben nicht ab Wohnort, wo man ahnen kann, wer einem nach der nächsten Biegung entgegen kommt oder wie die Landschaft nach der nächsten Kurve ausschaut. Nein, zum Start fährt man ein paar Kilometer mit Auto und/oder Bahn und startet dann. Fast immer etwas neue entdeckend, egal, ob Flora oder Fauna, Architektur oder Landschaft. Aber das wichtigste: bei jeder Gelegenheit, bei jeder Rast mit Menschen ins Gespräch kommen. Eine Bereicherung die wir nicht mehr missen möchten.

Harald Gruber, Leser_In

Stille genießen

Renate Fuhrmann, Leser_In

Freizeit hat großen Wert. Wir brauchen sie auch als Rentner. Dies ist die Zeit, die uns Kraft schenkt. Die unsere Kreativität zutage bringt. Die uns selber sein lässt.

Oliver Breuer, Leser_In

Musik hören und Musik machen, Sport treiben, mit Freunden und/oder Familie die Zeit genießen – all das macht Freizeit aus und ist Erholung.

Frank F., Leser_In

Freizeit - alleine die Zeit ist wichtig, frei sollte man natürlich auch sein und somit bike ich in der Freizeit wohin mich die Winde tragen....... Ab und zu lese ich auch entspannte Lektüre Dahl oder Coelhos

Markus H, Leser_In

erst die Trennung zwischen Freizeit und Arbeitszeit ist doch das Elend

Regine Wilms, Leser_In

Der Wert der Freizeit hängt von der Lebenssituation ab. Ich lebe als Rentnerin alleine und werde von meinen Enkeln immer wieder gefragt, ob das nicht schrecklich langweilig sei. Für sie besteht mein Leben aus Freizeit. Deren Freizeit und die aller Berufstätigen und Eltern schrumpft auf die Zeit zusammen, die nach Erfüllung aller Aufgaben bleibt. Zeit für Freunde, Hobbys und Relaxen. Als Gegengewicht auch zum Tempo des Alltags unverzichtbar. Freizeit darf langsam sein, sie sollte keiner Pflicht unterworfen sein. Für Aufgaben und Tätigkeiten in der Freizeit entscheidet man sich aktiv. Hier darf Platz sein für das selbst und seine Bedürfnisse.

Rolf-Jürgen Simon, Leser_In

In der Stille passiert am meisten!!! Nichts tun, wirklich entspannen. Das ist wichtig. Aber auch wandern in der Natur, im Wald oder an einem See macht den Kopf frei und lässt die Seele singen.

Sylvie Delègue, Leser_In

Freizeit wird überschätzt, wenn etwas Freude macht ist es egal ob dies unter der Überschrift Arbeit oder Freizeit steht.

Roland Dopfer, Leser_In

die strikte trennung von arbeit und freizeit ist schlecht. arbeit sollte spass machen und in der nicht-arbeit-zeit sollte man dinge machen, die während der arbeit nicht möglich sind, wie \"die berge hochradeln.\" der akku darf durch arbeit nicht entladen werden.

Eduard Ditzler-Jagusch, Leser_In

unschätzbaren Wert, den ich erst erkannt habe, nachdem ich feststellen mußte, dass Freizeit nichts Selbstverständliches ist, sondern immer einmalig. Eine Mißachtung wiegt schwerer als man denkt.

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Wie entstehen Legenden?

Leonardo da Vinci entwarf während seines langen Lebens Flugapparate, die – wie dieser Ornithopter – auf dem Flugverhalten von Vögeln basierten.

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Vincent Honrodt, Geschäftsführer Berliner Brandstifter,

Leidenschaft, die man schmeckt

Wer sich selbst als Legende bezeichnet, wird eines mit Sicherheit nie: eine Legende. Die Suche nach dem Kultschalter kann man sich also sparen und stattdessen gleich akzeptieren, dass Legenden nicht einfach so vom Himmel fallen oder erzwungen werden können – sondern ähnlich entstehen wie die edlen Brände, die wir in Berlin herstellen. Alles beginnt mit einem Urknall, der im Fall des Berliner Brandstifters schon fast 100 Jahre zurückliegt: Mein Urgroßvater verlieh mit einen selbstgebrannten Spirituosen den rauschenden Festen der 1920er das gewisse Etwas. Die Geschichten darüber kursieren noch heute in der Familie. Ganz besondere Brände aus lokalen Zutaten herstellen, das wollte ich auch – und entwickelte das Beste aus Tradition und Zeitgeist zu einem Gesamtprodukt, das kurz nach seiner Markteinführung 2009 nicht nur die „New York Times“ überzeugte, sondern uns auch zahlreiche Auszeichnungen für Geschmack und Design einbrachte. Aber Preise sind natürlich nicht alles: Am Ende des Tages sind es die intensiven individuellen Erlebnisse, welche die Menschen mit dem Geschmack unserer Brände verbinden, die dafür sorgen, dass wir in ihren Köpfen nicht einfach nur irgendein Schnapshersteller sind. Wir brennen vor Leidenschaft für das, was wir tun – und das merkt man. Ob das schon zum Legendenstatus reicht? Die Entscheidung überlassen wir liebend gern anderen.

Uschi Obermaier, Genussmensch

Einfach Leben

Wer im Duden das Wort „Legende“ nachschlägt, findet als Erklärung die Begriffe „ausschmückende Darstellung“ und „glorifizierende Erzählung“. Nun sind die Geschichten, die mein Leben geschrieben hat, zwar durchaus prädestiniert für eine gewisse Legendenbildung, daran gearbeitet habe ich aber selbst nie aktiv. Um ehrlich zu sein, habe ich noch nicht einmal in solchen Kategorien gedacht. Kalte Berechnung ist kein Teil meines Wesens. Die Antwort ist stattdessen viel simpler: Ich wollte immer hautnah erfahren, wie etwas funktioniert und wie es sich anfühlt. Ich konnte gar nicht anders, als die Welt um mich herum auf meine ganz eigene Art und Weise zu entdecken – vom Leben in der Kommune über die Männer und Drogen bis hin zu den Reisen. Ich habe mein Leben gelebt, so wie ich es wollte; habe getan, was sich andere nicht getraut haben. Und galt deshalb plötzlich als Verfechterin der sexuellen Revolution. Viele Menschen haben mich deswegen für meinen Mut beglückwünscht, dabei bin ich eigentlich ein großer Schisser – vielleicht habe ich ganz einfach vor anderen Dingen Angst als die meisten Menschen. Dass das Leben irgendwann nicht mehr intensiv ist, ist eines davon. Das bringt sicher eine gewisse Risikobereitschaft mit sich. So wie jetzt: Ich denke darüber nach, mein kalifornisches Paradies hinter mir zu lassen und irgendwo ganz neu anzufangen. Ich glaube, es ist mal wieder an der Zeit für Europa.

Aaron Hubig, Leser und Weltenbummler,

Verloren in zu viel Ablenkung

Verfolge deine Wünsche und Träume, mach dich auf den Weg, dein Inneres kennenzulernen, und lasse los vom Alltagszustand. In dieser Welt hindern uns die sogenannten Black Mirror –TV, Handy, Computer und ähnliches – uns mit uns selbst zu beschäftigen. Wer nimmt sich heute noch die Zeit, wirklich in sich zu gehen und sich mit sich selbst auseinander zusetzen? Gefühle werden verdrängt, weil wir uns beschäftigen oder beschäftigt werden mit nicht glücklich machenden konsumierten Sachen, die uns wichtig gemacht werden. Probiert es doch mal aus, etwas zu ändern und verbringt eine Woche ohne die Black Mirror und schiebt jegliche Newspaper bei Seite. Vielleicht fängt für euch ein Weg der Erkenntnisse an, macht euch selbst zu einer Legende und schlagt ein neuen Weg ein, weil ihr etwas Besonderes, was nur ihr könnt, an euch findet. Beschäftigt euch mit etwas Echtem – euch selbst. Lernt euch selbst kennen und lasst euch nicht programmieren. All you need is less.

Uschi Obermaier, Genussmensch, Leser_In

Einfach leben

Wer im Duden das Wort „Legende“ nachschlägt, findet als Erklärung die Begriffe „ausschmückende Darstellung“ und „glorifizierende Erzählung“. Nun sind die Geschichten, die mein Leben geschrieben hat, zwar durchaus prädestiniert für eine gewisse Legendenbildung, daran gearbeitet habe ich aber selbst nie aktiv. Um ehrlich zu sein, habe ich noch nicht einmal in solchen Kategorien gedacht. Kalte Berechnung ist kein Teil meines Wesens. Die Antwort ist stattdessen viel simpler: Ich wollte immer hautnah erfahren, wie etwas funktioniert und wie es sich anfühlt. Ich konnte gar nicht anders, als die Welt um mich herum auf meine ganz eigene Art und Weise zu entdecken – vom Leben in der Kommune über die Männer und Drogen bis hin zu den Reisen. Ich habe mein Leben gelebt, so wie ich es wollte; habe getan, was sich andere nicht getraut haben. Und galt deshalb plötzlich als Verfechterin der sexuellen Revolution. Viele Menschen haben mich deswegen für meinen Mut beglückwünscht, dabei bin ich eigentlich ein großer Schisser – vielleicht habe ich ganz einfach vor anderen Dingen Angst als die meisten Menschen. Dass das Leben irgendwann nicht mehr intensiv ist, ist eines davon. Das bringt sicher eine gewisse Risikobereitschaft mit sich. So wie jetzt: Ich denke darüber nach, mein kalifornisches Paradies hinter mir zu lassen und irgendwo ganz neu anzufangen. Ich glaube, es ist mal wieder an der Zeit für Europa.

Béla Réthy, ZDF-Sportmoderator, Leser_In

Legende braucht Zeit

Legenden entstehen, wenn Menschen etwas Einzigartiges schaffen, von dem man sich schon zu dessen Lebzeiten immer wieder erzählt oder woran sich sogar die Nachwelt noch erinnern wird. Im Sport fallen mir dazu drei Namen ein: Der erste ist Mario Götze, der im Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 gegen Argentinien das Siegestor schoss. Zu diesem Zeitpunkt war er nicht einmal Stammspieler, sondern wurde nur eingewechselt. Der zweite ist Boris Becker, der mit 17 Jahren Wimbledon gewann und damit jüngster Sieger des bedeutendsten Tennisturniers der Welt wurde. Plötzlich kannte ganz Deutschland das „Bobbele“. Der dritte ist Sven Hannawald, der als einziger Sportler bisher alle vier Wettbewerbe einer Vierschanzentournee gewann. Diese Legenden bleiben – unabhängig davon, wie das Leben der einzelnen Sportler weiterging. Denn nicht bei allen Sportlern lief das Leben danach immer geradeaus. Oft wird es auch zum Problem, immer wieder mit diesem nachhaltigen Ereignis in Verbindung gebracht zu werden. Dennoch wird es sie ihr Leben lang begleiten. Im Augenblick des Geschehens ist es meist noch gar nicht klar, dass eine Person oder ein Ereignis zur Legende wird. Ich habe etwa das 7:1 von Deutschland gegen Brasilien bei der Fußball-WM 2014 kommentiert und man hat dieses legendäre Ergebnis erst später begriffen. Es vergeht bis heute kaum eine Woche, in der ich nicht auf dieses Spiel angesprochen werde. Die damalige deutsche Elf – lebende Legenden.

Hartmut Scherzer, Sportjournalist, Leser_In

Mit dem Größten

Es sind gottgegebenes Charisma, granitartiger Charakter, außergewöhnliche Begleitumstände, mitunter tragische Schicksalsschläge, die über sportliche Höchstleistungen hinaus einen Athleten erst zur wahren Legende werden lassen. Keiner hat den Begriff vom „Heiligenleben“, wie der Duden das Wort Legende umschreibt, so verinnerlicht und ausgestrahlt wie Muhammad Ali. Er benutzte den Boxring als Plattform und den Ruhm seiner epischen Kämpfe für Wertmaßstäbe, die er als einfacher Schwarzer aus Louisville nie hätte setzen können. „Ein Boxer verändert die Welt“ steht auf der Titelseite der Biografie, die die Zeitschrift „Der Spiegel“ nach Muhammad Alis Tod herausgab. Der narzisstische Schreihals, bekannt für sein Mantra „I am the greatest“, machte zunächst mit Witz und Charme neben seinem ästhetischen Boxstil weltweit auf sich aufmerksam. Zu wahrer Größe stieg der „Größte“ auf, als er gegen den Krieg in Vietnam rebellierte, den Wehrdienst verweigerte, den Verlust des Weltmeistertitels und fünf Jahre Haft in Kauf nahm. Nach drei Jahren aus der Verbannung zurückkehren, im historischen „Rumble in the Jungle“ wieder Weltmeister werden, schicksalsergeben mit der Krankheit Parkinson leben – mehr Legendenbildung geht nicht. Dieser außergewöhnliche Mensch besiegte nicht nur Sonny Liston, Joe Frazier und George Foreman, sondern auch eine weiße Gesellschaft, die einen selbstbewussten afroamerikanischen Champion nicht ertragen konnte.

Regina Halmich, ehemalige Boxweltmeisterin, Leser_In

Gegen den Strom

Man kann sagen, dass ich immer zwei Kämpfe führen müsste. Der eine fand im Ring statt, das war eigentlich der einfachere. Diesen Kampf konnte ich durch sportliche Leistung gewinnen. Der andere spielte sich außerhalb des Rings ab. Hier musste ich viel Überzeugungsarbeit leisten, als Frau in einer männerdominierten Sportart ernst genommen zu werden. Medien kann man nicht immer beeinflussen und es gab viele Kritiker, die mich niederschrieben. So stand ich dem Showkampf gegen Stefan Raab, der mich wohl in ganz Deutschland berühmt gemacht hat, auch zunächst eher skeptisch gegenüber. Aber manchmal muss man außergewöhnliche Wege gehen. Denn durch dieses Medienereignis wurde ich plötzlich als Sportlerin geachtet und konnte Menschen für das Frauenboxen begeistern – also für das, was mir wirklich wichtig ist. Natürlich musste ich auch weiterhin meine sportlichen Fähigkeiten im Boxring zeigen, sonst wäre ich schnell abgeschrieben gewesen. Ich wollte immer 150 Prozent geben und habe im Nachhinein gemerkt, dass ich viel zu sehr an mir selbst zweifelte. Heute würde ich allen Frauen raten, viel mehr an die eigenen Kompetenzen zu glauben. Aber es waren wohl auch ein Stück weit die Kritiker, denen ich es beweisen wollte – und dies durch kontinuierliche, sportliche Leistung. Ich wollte ihnen einfach die Argumente nehmen. So kam das Feuer in mir auch nicht zum Erlischen und machte mich zwölf Jahre zur ungeschlagenen Weltmeisterin.

Arno Funke, Karikaturist und Autor, Leser_In

Schöner Schein

Legenden waren einst Lebensgeschichten von Heiligen. Heute kann fast jeder zur Legende werden, wenn er etwas Ungewöhnliches getan hat, genügend Menschen davon erzählen und eigene Vorstellungen mit einbringen, die weiter gepostet wer-den. So behaupten manche Menschen, ich sei eine Legende. Wenn ich morgens in den Spiegel schaue, sehe ich dort eine Legende? Kein Heiligenschein, wirres Haar, zerknautschtes Gesicht, unrasiert, gerötete Augen und immer derselbe Gedanke: „Das bin hoffentlich nicht ich.“ Eine Hoffnung, die jedes Mal enttäuscht wird. „Wie ist es denn so, mit einer Legende am Frühstückstisch zu sitzen?“ Diese Frage stellte ich meiner Frau nach 17 Jahren des gemeinsamen Zusammenlebens. Die Reaktion war fast wie erwartet: erst große Augen, dann lautes Lachen. Dabei verschluckte sie sich an ihrem Brötchen, hustete heftig. Dann kurze Stille und wieder schallendes Lachen. Am Ende gab sie doch noch einen Kommentar ab: „Nett!“ Das ist alles, was sie dazu zu sagen hatte. Beim Partner bringt das „Legende sein“ nicht viele Punkte. Heutzutage werden auch Ganoven zu Legenden, wie zum Beispiel Al Capone, Billy the Kid oder so mancher Vorstandsvorsitzende. Weil viele Menschen an einer Le-gende basteln, ist ein sicheres Zeichen, dass man zur Legende geworden ist, wenn der Wikipedia-Eintrag – den man ja nicht selbst verfasst hat – zur Hälfte nicht stimmt. So entstehen Legenden. In meinem Fall eine momentan noch lebende.

Michael Boyer, Gästeführer und Darsteller des "Rattenfängers von Hameln", Leser_In

Unsterbliche Geschichte

„Legenden entstehen, wenn ein überlebensgroßes Ereignis erklärt werden soll. Wenn 4.33 Prozent der Hamelner Bevölkerung auf einmal verschwindet, tut Erklärung bitter Not.“ So jedenfalls heißt es in einem Augenzeugenbericht aus der „Lüneburger Handschrift“ von 1450 über die Tragödie der 130 verschwundenen Kinder von Hameln. Die örtliche Kirche warnte später auf einem Glasfenster vor dem „Täter“ mit den Worten „Folge dem Pfeifer nicht“ und behauptete, er sei „der leibhaftige Teufel“. Bei der Liturgie mahnte sie „eindringlich“ vor dem Rattenfänger. Balkeninschriften an Häusern, eine „bungelose“, also trommelfreie Straße ohne Musik und ein steinernes Kreuz am Tor hielten das Volksgedächtnis wach. Der Verdammnis der Familien müsse eine „Sünde“ vorausgegangen sein, und so kamen die Ratten und der Betrug des Bürgermeisters ins Spiel. 17 Historiker lieferten Theorien, über 22 Versionen der Legende gibt es und zahlreiche Rezeptionen in der Kunstwelt, inklusive des 1972 mit Donovan gedrehten Films „The Pied Piper“ und einer aktuellen TV-Serie in Südkorea. Die Überlieferung berührt weltweit viele Menschen und sie folgen den Klängen des Pfeifers auch heute noch bis zum Tatort des Jahres 1284 in Hameln. Rattenfänger-Freilichtspiel, Musical „Rats“ und Gästeführungen halten die Sage lebendig. 2014 wurden die gelebte Tradition um die Rattenfängersage als immaterielles Kulturerbe in das nationale Verzeichnis der Unesco aufgenommen.

Karl Bartos, Musiker und ehemaliges Bandmitglied von Kraftwerk, Leser_In

Autonome Fantasie

Für viele scheint die Musikgruppe Kraftwerk eine Legende zu sein. Wenn man herausfinden will, was es damit auf sich hat, gibt vielleicht das Medium Auskunft, um das es eigentlich geht: die Musik. In meiner Autobiografie „Der Klang der Maschine“ habe ich mich noch einmal mit ihr beschäftigt. Zweifellos liegt die Zeit der Schöpfung unseres Klangkosmoses in den 1970er-Jahren. Dieser Prozess lässt sich als permanente Unterhaltung beschreiben, bei der wir unsere Gedanken in Musik übersetzten. In den 1980er-Jahren orientierten wir uns mehr an den Produktionen anderer Künstler, so dass sich unser freier kompositorischer Ansatz in Musikdesign wandelte. Mitte des Jahrzehnts erreichte uns dann die Digitalisierung. Die musikalische Interaktion unserer Improvisationen, bei denen wir kommunizierten und uns dabei in die Augen schauten, kam uns abhanden. Stattdessen starrten wir auf Computermonitore, während einer von uns Daten eingab. Ohne es zu bemerken, verloren wir dabei unsere Kernkompetenz: die autonome Fantasie. Mit dem 1991 erschienenen Remix-Album „The Mix“ war die Gruppe zum eigenen Kurator ihrer Musik geworden und leitete mit der permanenten Neugestaltung ihres Gesamtwerks eine Art Selbstkanonisierung ein, die bis heute andauert. Ich denke, im Grunde ist die Legendenbildung zurückzuführen auf die unabhängige Musik, die wir in den 1970er-Jahren mit kompositorischem Handwerk, Hingabe, Emotion und ein wenig Verstand erfanden.

Samuel Schmidt, Leser_In

Die legendären Sieben

Es war einmal ein Anführer. Der erste in einer Gruppe von sieben. Er ging voran und bahnte den anderen den Weg. Er tat alles dafür, dem kommenden Abenteuer mit Schwung zu begegnen und so ein Vorbild zu sein für die anderen. Doch hinter ihm ruhte sich der Zweite in seinem Schatten aus. Der Dritte begriff sich stets als ein ganz durchschnittlicher seiner Art. Der Vierte hatte meist eher das Ziel als den Weg im Blick und der Fünfte war von Natur aus ein Optimist. Der Sechste schließlich führte als Genießer der Gruppe ein Leben für zwei. Dem Siebten wiederum oblag es, das Abenteuer aufzuarbeiten. Doch die Hauptlast, die lag auf dem legendären Ersten, dem sagenumwobenen Montag.

Marius Altenbrück, Leser_In

Harte Arbeit

Eine lebende Legende spielt diesen Winter sein letztes Turnier. Sein Name ist Phil Taylor und man kann ihn als Sportler bezeichnen, auch wenn viele Darts eher als Freizeitbeschäftigung ansehen. Aber was ihn zu einer Legende werden ließ, kann man auf jede Sportart oder jeden Beruf beziehen. Letztendlich auf alles, was zeitintensiv ist, um Perfektion zu erlangen. Das ist auch schon die Antwort auf die Frage, wie Legenden entstehen. Es ist Zeit. Zeit, die man aufwendet, um Perfektion zu erlangen und somit besser wird als alle anderen. 16 Jahre lang in Folge stand er in jedem WM-Finale. Um das zu schaffen, wird vermutet, dass er mehr als zwei Millionen Mal den Dart auf die Zielscheibe geworfen hat. Minuten, Stunden, Tage. Wer zu einer Legende werden will, muss für seine Passion viel opfern. Nur wer bereit ist, Zeit für den Erfolg zu opfern, wird auf lange Zeit gesehen zu einer Legende.

Matthias Buschmann, Leser_In

Außergewöhnlich

Menschen, die die Gesellschaft bereichern. Menschen, die sich von der Allgemeinheit abheben. Die herausstechen durch Geschmack und Stil. Die überaus beliebt und überall gerne gesehen sind. Mit ihnen Zeit zu verbringen, sorgt oft für aufregende Erlebnisse und spannende Abenteuer. Oftmals schaffen sie Sachen am Rande des Möglichen. Sie verschaffen ihrem Umfeld ein gutes Gefühl und sorgen für Momente, über die man gerne spricht und die man sich noch Jahrzehnte später erzählt. Jeder Moment ihres Lebens ist erwähnenswert und besonders. Von vielen bewundert sind Legenden aufopferungsvoll auf das Wohl und das Glück ihres Umfeldes bedacht. Voller Elan und Einsatzbereitschaft helfen und fördern sie vollkommen uneigennützig, wo es ihnen möglich ist und sich die Gelegenheit bietet. Auffällig durch außergewöhnliches Verhalten und herausragende Performance. In frühen Jahren oft als Kurzzeitbrenner eingeschätzt, haben sie sich stetig über alle Erwartungen gesteigert und allen das Gegenteil bewiesen. Ausdauer, Großmütigkeit und Lebensfreude unterstreichen ihre Persönlichkeit. Viele Menschen glänzen in einzelnen Momenten, Legenden schaffen das immer. Schon in frühen Jahren außerhalb „normaler“ Maßstäbe und für viele Menschen und Beobachter kaum zu erfassen. Legenden betreten einen Raum, die Stimmung hebt sich und es geht direkt nach vorne. Sie setzen sich für andere ein und sind immer verfügbar sein. Mitreißend und Freude versprühend.

Torben Trauthmann, Leser_In

Höherer Beistand

Herbst 1968. Auf unserem Weg von La Serena nach Santiago de Chile zwang uns eine Autopanne in einem sehr kleinen Dorf namens El Noviciado Rast zu machen. Unser Guide wollte die Nacht zu Fuß nach Santiago laufen und uns am nächsten Tag abholen. Ein Gasthaus oder ähnliches war nirgends zu sehen. Da es schon sehr spät war, waren keine Menschen mehr auf den Straßen. Besorgt, keine Unterkunft zu finden, klopfte ich an verschiedene Türen, ohne jedoch Antwort zu erhalten. Als wir schon aufgeben wollten, um die kalte Nacht im Auto zu verbringen, kam uns ein alter Mann entgegen, der uns einlud, die Nacht in der kleinen Kirche zu verbringen. Am nächsten Morgen suchten wir verzweifelt den Mann, um uns zu bedanken. Doch alles, was wir in Erfahrung bringen konnten ist, dass der heilige Andreas auf Reisende Acht gibt.

Mona Zertler, Leser_In

Postumer Ruhm

Nicht jeder, der jung stirbt, wird zur Legende. Aber bei Kurt Cobain und der Art, wie er sich das Leben nahm, trug es sicherlich dazu bei, zur übergroßen Musiklegende aufzusteigen.

Rita Schaller, Leser_In

Fiktive Vorbilder

Ob das Monster von Loch Ness, Bigfoot oder der Yeti: Immer wieder taucht jemand auf, der behauptet, er hätte sie gesichtet. Es reicht auch ein Kopf im Wasser oder eine Fußspur im Schnee. So entstehen Legenden vielleicht nicht, aber so werden sie am Leben gehalten.

Stefanie Singer, Leser_In

Selbstidentifikation

Ich glaube, sie entstehen im Laufe der Zeit und dadurch, dass die Geschichten bei jeder Wiedergabe bunter werden. Freunde haben sogar schon fälschlich von Erlebnisse erzählt, als wären es ihre statt meine. Das war keine Absicht, es war eher so, dass sie nach so vielen Versionen selbst dachten, sie wären dabei gewesen.

Fritz Bast, Leser_In

Menschen für Menschen

Interessant ist die Doppeldeutigkeit des Legendenbegriffs: einerseits sind Legenden reale Personen oder Ereignisse, die in Erinnerung bleiben. Auffallend ist, dass echte Legenden immer etwas Vereinendes haben, ob Sportereignis, Mondlandung oder legendäre Gestalten, sie vereinen Menschen und lassen gemeinsam staunen und freuen. Anderseits sind Legenden Produkte der Phantasie, die vielleicht nur ein Körnchen Wahrheit enthalten, also im negativen Fall hart an der Grenze zur Fake News. So oder so, Legenden werden immer von Menschen gemacht, also hat alles und jeder die Chance, eine Legende zu werden, wenn nur genug Menschen dahinterstehen. Schwierig ist, wenn etwas von Anfang an zur Legende erklärt oder legendär bezeichnet wird. Hier steckt oft Kalkül dahinter. Legenden brauchen Zeit um zu reifen und ihren Platz in den Köpfen der Menschen zu erobern und unvergesslich zu werden.

Gundi Günther, Leser_In

Meine Eltern

Wenn ich an Legenden denke, dann denke ich an meine Eltern, meine Kindheit und die unendlichen Geschichten und Begebenheiten, die meine beiden Schwestern und ich erlebt haben. Unsere Eltern haben für uns echte Legenden geschaffen und heute ist uns klar, sie waren auch echte Lebenskünstler! Meine Mutter, durch den Krieg zur Waise geworden, die die Kunst beherrschte aus einem Nichts ein gesundes Essen zu zaubern und wenn es erforderlich wurde, einfach ohne großes Aufhebens und ohne Geschmacksverlust das Essen verlängerte, wenn noch Freunde hinzukamen. Mein Vater, der durch den Krieg eine Versehrtheit an der Hand hatte, dadurch aber nie in seiner Tatkraft etwas zu schaffen, eingeschränkt war, dachte sich für uns 3 Mädchen immer etwas Neues aus. Vom Alles-Sammler, alles Macher, vom Tüftler bis zum Reparateur sämtlicher Schadensfälle auch für Nachbarn bis zum Swimmingpool-Bauer war alles möglich. Die Idee, ein Schwimmbad im Garten zu bauen (mein Vater zu der Zeit noch Nichtschwimmer) entstand bereits in den 60-70er Jahren. Durch die Sammelleidenschaft meines Vaters waren die unterschiedlichsten Materialien, verteilt in diversen Lagern im Haus, im Keller, in der Garage und im Stall vorhanden und so entstand ein runder Pool aus einem ehemaligen Förderband, dass in einer geschweißte Blechwanne, Durchmesser 3 Meter, mit hunderten von Schrauben befestigt und verdichtet wurde, und uns Kindern und unseren Freunden jeden Sommer den größten Spaß bereitete. Aus diesem Wunderwerk herausgewachsen, wurde dann in den 80er Jahren ein richtiger, gefliester Pool in der Form eines Oktagons, mit Betonsäulen und einem Blechdach darüber, gebaut, der auch von der im Keller befindlichen selbstverständlich auch selber gebauten Sauna, durch einen unterirdischen Tunnel vom Haus aus, zu erreichen war. Vieles war bei uns einfach abenteuerlich, schon allein deshalb, weil wir auch als Kinder immer in die Arbeitsprozesse eingebunden waren. Noch heute höre ich die bewundernden Worte ehemaliger Nachbarsjungen, was unsere Eltern für uns Kindern alles bereitet haben. Das macht mich auch heute noch sehr, sehr stolz und ganz besonders glücklich. Leider leben unsere Eltern schon lange nicht mehr, aber sie haben, neben dem immer noch existierenden Pool, etwas legendäres, unvergessliches hinterlassen.

Jakob Becker, Leser, Leser_In

Das gewisse Etwas

Ich glaube, der Kern einer jeden Legende ist eine ganz außergewöhnliche Geschichte, die so nicht jeden Tag, sondern nur ganz selten geschieht. Es kann auch ein besonderer Erfolg oder Misserfolg sein. Ich glaube, besonders aus tragischen Niederlagen entstehen legendäre Geschichten, wenn der gefallene Held dem Unglück trotzt und dagegen ankämpft oder wieder aufsteht. Zudem muss die Geschichte etwas Außergewöhnliches haben, eine ganz besondere Wendung oder Leistung zum Beispiel. Moderne Legenden sind ja oft Sportler, Musiker, Politiker oder andere öffentliche Persönlichkeiten. Ich glaube, das liegt daran, dass sich eine Legende natürlich nur mit der entsprechenden Bekanntheit verbreiten kann. Früher konnten nur besonders einzigartige Geschichten und Erzählungen ein wirklich breites Publikum erreichen. In der heutigen Zeit entstehen viele Legenden eher im Fernsehen oder im Internet, weil hier viele Leute von der besonderen Geschichte Notiz nehmen. Zu der breiten Öffentlichkeit kommt auch noch die jeweilige Persönlichkeit. Wir müssen die Helden der Geschichte entweder besonders mögen oder sie besonders ablehnen, damit wir mitfiebern, mitleiden und uns freuen oder trauern können.

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Wer hat den Mut, die Welt zu retten?

In der Liste der 50 gefährlichsten Berufe werden Feuerwehrmänner nicht einmal aufgeführt – den einsamen Spitzenplatz halten Gerüstbauer.

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Svenja Schneider,

Superman. Leider ist er nur eine Fiktion, dabei hätte er genug zu tun.

Harald Zindler, Mitbegründer Greenpeace Deutschland, Leser_In

Den Anfang wagen

Die Motivation, aktiv zu werden, speiste sich bei mir aus Betroffenheit und Wut. 1980 waren die Zustände der Flüsse fürchterlich, die Elbe stank und einzelne Fischarten bekamen blumenkohlförmige Geschwüre. Zunächst gab es Widerstand bei den Elbfischern. Die Behörden fühlten sich dagegen nicht verantwortlich. So fingen wir an, die Fische mit den Geschwüren in Aquarien auszustellen, um den Zustand der Flüsse den Menschen vor Augen zu führen. Parallel hörte ich davon, dass sich die internationale Umweltorganisation Greenpeace auch in Deutschland formieren wollte und sie jemanden aus dem Fischereiumfeld für eine Aktion am Hamburger Hafen suchten. Als Kriegsdienstverweigerer war ich immer der Überzeugung, dass Protest gewaltfrei verlaufen und sich an die Entscheidungsträger richten muss, also an Politik und Wirtschaft. Und die konnten wir durch einzelne zielgerichtete Aktionen wie die damalige Blockade des Schiffes „Kronos“, das die verheerende Dünnsäure ins Meer lies und damit für die Missbildungen der Fische mitverantwortlich war, erreichen. Diese Form der gewaltfreien Auseinandersetzung hat mein ganzes Leben geprägt und ich halte es für wichtiger denn je, sich für Umwelt und Klima einzusetzen. Denn ich bin der Überzeugung, dass wir in Zukunft einer Diktatur der Sachzwänge ausgesetzt sein werden. Der Grad der Zerstörung unseres Planeten wird uns zu Handlungen zwingen. Jetzt haben wir es noch in der Hand, sie abzufedern.

Burkhard Wilke, Geschäftsführer Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI), Leser_In

Galerie der Nächstenliebe

Rupert Neudeck hat es 1979 getan und mit der „Cap Anamur“ Tausende „Boot People“ aus dem Chinesischen Meer gerettet. Acht Millionen Ehrenamtliche haben es 2015 getan und spontan Hunderttausenden Flüchtlingen geholfen, viele von ihnen tun es noch heute. Auch Ärzte im ehrenamtlichen Einsatz in Entwicklungsländern und Nothelfer in Krisengebieten tun es: Sie retten Menschenleben und schaffen Lebenschancen. Und nicht zuletzt Spenderinnen und Spender tun es: Sie lassen sich für Hilfebedarf anderer erwärmen, widerstehen der Versuchung des „Wegduckens“, überweisen Geld an eine Organisation ihres Vertrauens. Mut erfordert jede dieser Taten, die das Zeug haben, die Welt zu retten. Mut erfordert es schon allein, sich aus der Bequemlichkeit und dem Eingerichtetsein eines abgesicherten Alltags hier in Deutschland zu lösen und sich Solidarität und Nächstenliebe gegenüber anderen zu öffnen. Mut erfordert in gewisser Weise selbst das Spenden von Geld, denn gerade in Deutschland werden Spenderinnen und Spender schnell als „Gutmenschen“ abgetan, als angeblich naiv. Vertrauen zu fassen gegenüber einer Organisationen, die sich als Mittler von Hilfe anbietet: Auch das ist heutzutage alles andere als einfach oder selbstverständlich. Doch alle, die den Mut aufgebracht haben, wissen: Wer versucht, die Welt zu retten, rettet sich damit auch selbst. Denn helfen macht glücklich.

Rainer Thiele, Leiter Forschungsbereich Armutsminderung und Entwicklung, Institut für Weltwirtschaft (ifw) Kiel, Leser_In

Ambitioniertes Ziel

Von der Weltöffentlichkeit weitgehend unbeachtet ist die Bekämpfung der absoluten Armut in Entwicklungsländern zu einer Erfolgsgeschichte der internationalen Zusammenarbeit geworden. Zwischen 1990 und 2015 hat sich der Anteil der Menschen, die nicht einmal ihre elementarsten Grundbedürfnisse befriedigen können, von 40 auf 15 Prozent verringert. Damit wurde das von den Vereinten Nationen ausgegebene Ziel einer Halbierung der absoluten Armut in 25 Jahren sogar noch übertroffen. Allerdings verbergen sich hinter dieser positiven Entwicklung starke regionale Unterschiede: Während etwa China die absolute Armut nahezu eliminieren konnte, verharrt sie in weiten Teilen Afrikas auf hohem Niveau. Im Oktober 2015 haben die Vereinten Nationen nachgelegt und die vollständige Beseitigung der absoluten Armut weltweit bis 2030 gefordert. Um diesem Ziel nahezukommen, bedarf es gemeinsamer Anstrengungen vieler Akteure. Die Entwicklungszusammenarbeit – sowohl staatlich als auch privat in Form von Spenden für konkrete Projekte – kann hierzu einen wichtigen Beitrag leisten. Wir müssen uns aber darüber im Klaren sein, dass sie nur unterstützend wirken kann. Entscheidend ist die Bereitschaft der Regierungen in den Partnerländern, ihren Bürgern günstige Bedingungen für die Verbesserung der Lebensumstände zu schaffen. Korruption und gewaltsame Konflikte sind die wesentlichen Faktoren, die einer solchen Entwicklung im Wege stehen.

Boyan Slat, Gründer und Präsident The Ocean Cleanup, Leser_In

Versuche das Unmögliche

In den vergangenen 50 Jahren hat die Verschmutzung der Ozeane durch Plastikmüll epische Ausmaße angenommen. Er sammelt sich in den fünf großen Strömungswirbeln unserer Weltmeere und zerfällt dort nach und nach zu gefährlichem Mikroplastik, das von Meeresbewohnern häufig als Futter missinterpretiert wird. Bereits im Alter von 16 Jahren war mir bewusst, dass dieses „unüberwindbare“ Problem gelöst werden muss. Ich glaube fest an den technischen Fortschritt. Er ist der Grund, warum wir in diesen Schlamassel geraten sind, und gleichzeitig unser stärkster Verbündeter für den Wandel. Wir sollten Technologie im positiven Sinne einsetzen – etwa für eine Flotte von umhertreibenden Reinigungssystemen, die denselben Meeresströmungen folgt wie der Plastikmüll. Nach fünf Jahren Entwicklungsarbeit planen wir von The Ocean Cleanup für Mitte 2018 den Start des ersten Reinigungssystems im Nordpazifikwirbel. Unseren Berechnungen zufolge können wir innerhalb von fünf Jahren nach Beginn des flächendeckenden Einsatzes die dortigen Müllansammlungen – den Great Pacific Garbage Patch – um 50 Prozent reduzieren. 2018 erwarten wir nachweisen zu können, dass die Idee von The Ocean Cleanup technisch umsetzbar ist. Das zu erreichen, war mein Ziel, seitdem ich das Projekt gegründet habe. Die Geschichte kennt zahlreiche Beispiele für Dinge, die als unerreichbar galten und dennoch erreicht wurden. Das ist die Art von Geschichte, die ich schreiben möchte.

Peter Maffay, Musiker, Leser_In

Kraft der Gemeinschaft

„Wer auch nur ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt“, heißt es im jüdischen Talmud. Im Umkehrschluss bedeutet dieser Satz: Wer auch nur ein einziges Leben für seine persönlichen Ziele oder seinen politischen Vorteil opfert, versündigt sich an der ganzen Welt. In diesem Jahr waren wir wieder Zeugen des millionenfachen Sündenfalls. Die tödlichen Konflikte wollen nicht enden, die Krisen- und Kriegsherde kommen nicht zur Ruhe. Irgendjemand profitiert immer von Not und Elend anderer oder nimmt sie zumindest billigend für die Durchsetzung seiner Interessen in Kauf. Irgendjemand gewinnt, wenn ein anderer verliert oder verdient sogar am gewaltsamen Tod von Menschen. Was kann der Einzelne dagegen tun? Meine Hoffnung ruht auf der Vernunft von Erwachsenen und auf den Kindern. Sie könnten die Welt eines Tages zum Besseren verändern, wenn sie sich zusammenschließen, um Hass, Vorurteile, Feindseligkeit und Gewalt weltweit zu ächten, über die Grenzen von Nationen und Religionen hinweg. Das gelingt aber nur, wenn wir uns alle heute schon politisch und gesellschaftlich mutig und ohne Angst einbringen, um die Scharlatane auf dem weltpolitischen Parkett zu entlarven, die Öl ins Feuer gießen und sich dann scheinheilig als Feuerwehr in Stellung bringen. Wer also rettet die Welt wirklich? Es sind wir, all diejenigen in der Weltgemeinschaft, die Verantwortung für unseren Planeten und die kommenden Generationen empfinden und übernehmen.

Harald Höppner, Seenotrettungsaktivist, Leser_In

Zutrauen haben

Noch nie gab es soviel Reichtum und gleichzeitig so viele Menschen, die in Armut leben. Nie war Reisen so einfach – mit dem richtigen Pass. Nach wie vor sterben jedes Jahr Tausende, wenn sie ihr Land verlassen wollen. Das ist Wahnsinn. Viele halten diesen Wahnsinn aus oder ignorieren ihn. Sie denken, es betrifft uns nicht, wir sind weit weg. Und viele andere wollen etwas tun, wissen aber nicht wie oder trauen es sich nicht zu. Ich hielt es einfach nicht mehr aus, nichts zu tun. Obwohl ich kein großer Politiker oder berühmter Star bin, wollte ich etwas verändern – weil ich es nicht mehr hinnehmen konnte, dass es in Europa wieder eine Mauer gibt wie in meiner Jugend. Gemeinsam mit ein paar Freunden aus Brandenburg haben wir unsere Ersparnisse zusammengekratzt, ein fast 100-jähriges Schiff gekauft und Menschen vor dem Ertrinken gerettet, weil es als Europäer unsere Pflicht ist. Heute ist Sea-Watch eine der engagiertesten zivilen Seenotrettungsorganisationen auf dem Mittelmeer. Mehr als 400 Freiwillige haben sich in unserem Verein schon für Menschenrechte eingesetzt. Wir waren an der Rettung von mehr als 35.000 Menschen beteiligt. Ich hätte nie gedacht, dass aus dem abstrakten Gefühl, etwas gegen die Ungerechtigkeit machen zu wollen, so etwas Großes und Starkes erwächst. Das macht mich unheimlich stolz und seither bin ich mir sicher: Wir haben alle den Mut, diese Welt zu verändern. Wir müssen uns diesen Mut nur zutrauen.

Anne Balzer, Bildungskoordinatorin, Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN), Leser_In

Nutze deine Stimme

„Nordkorea testet Atombombe“, „Trump droht mit völliger Vernichtung Nordkoreas“ – wir gewöhnen uns an diese Schlagzeilen, nehmen sie als unveränderlich hin. Doch weder sind Atomwaffen eine veraltete oder abstrakte Gefahr, noch ist deren Existenz unveränderlich.
 122 Staaten haben das erkannt. Am 7. Juli 2017 haben sie bei den Vereinten Nationen den Vertrag zum Verbot von Atomwaffen verabschiedet. Es ist ein Meilenstein in der Abrüstung. Ein Meilenstein in der Emanzipation des globalen Südens gegen bisher wirtschaftlich und politisch mächtigere Staaten auf der Nordhalbkugel. Jeder Einzelne von uns kann diesen Prozess zur Ächtung von Atomwaffen unterstützen. Wenn Deutschland dem Vertrag beitritt, bringt das neue Dynamik in den Prozess. Wer sich für diesen Beitritt aussprechen will, kann die von ICAN initiierte Petition an die künftige Bundesregierung unterschreiben. Außerdem kann man überdenken, bei welchem Institut man das eigene Geld anlegt, und prüfen, ob dieses Investitionen in die Atomwaffenindustrie tätigt. Dann sollte man die Bank wechseln und dies auch mitteilen. Wichtiger aber noch ist Informieren und Diskutieren. Egal, ob mit Freunden und Kollegen oder in einer Bürgersprechstunde mit dem lokalen Abgeordneten. Nur wenn sichtbar wird, wie die Bevölkerung über US-Atomwaffen in Deutschland und den neuen Verbotsvertrag denkt, werden Atomwaffen langfristig kein legitimes Instrument mehr für Schrecken, Drohung und Krieg sein.

Miriam Strauss, Leser_In

Gedankenloser Konsum

Den Mut, die Welt zu retten, sollte jeder haben. Die Frage sollte in meinen Augen eher lauten: Was können wir alle tun, um die Welt zu retten? Denn so, wie es momentan läuft, kann es nicht weitergehen. Wir gehen ins Kino und schauen uns den fünften Film an, der uns mit der nächsten drohenden Klimakatastrophe an die Kinokassen lockt. Danach steigen wir in unseren „umweltfreundlichen“ Diesel SUV und schalten natürlich per Smart-Home-Steuerung, am besten schon vor Filmbeginn, unsere Heizung an, damit es ja nicht kalt ist, wenn wir nach Hause kommen. Ich würde mir wünschen, dass wir alle einfach etwas bewusster leben. Das wir uns mit den Dingen, die wir tun, auseinandersetzen und dann bewusst Entscheidungen treffen.

Daniel S., Leser_In

Alle zusammen

Um die Welt zu retten, braucht es tatsächlich jede Menge Wagemut und ganz besonders Energie – und das am besten jeden Tag aufs Neue. Wahrscheinlich ist es auch nur dann möglich, die Welt zu retten, wenn wir alle zusammen im Kleinen und in unserem Alltag anfangen. Wenn jeder von uns in seinem Umfeld den Mut findet, sich selbst zu fordern und zu überwinden. Es beginnt beispielsweise im eigenen Haushalt. Es ist nur ein kleiner Beitrag und er kostet etwas Überwindung, aber es hilft schon, einfach mal die Heizung etwas später anzuschalten und sie etwas früher wieder auszumachen. Und es geht vor der eigenen Haustür weiter. Wenn man Zeuge einer Auseinandersetzung oder einer Einschüchterung wird, dann gehört Mut dazu aufzustehen und zu zeigen, dass man nicht bereit ist, Ungerechtigkeiten zu akzeptieren. Der Mut wird meist belohnt, denn oft genügt eine Person, die Widerstand leistet und so andere Menschen dazu ermutigt, es ihr gleich zu tun. Wir alle können zusammen etwas dafür tun, dass unsere Welt besser wird.

Eberhard Sauer, Leser_In

Unbedachtes Handeln

Manchmal machen gerade die Menschen die Welt kaputt, die sie entdecken wollen und bereisen. Wie beispielsweise der Hobby-Vogelkundler, der ohne böse Absicht in Schutzgebiete eindringt und damit das Leben der dortigen Tiere gefährdet. Oder der Freizeit-Schnorchler, der aus Versehen auf Korallen tritt und sie dadurch beschädigt. Rettet man also die Welt dadurch, dass man zu Hause auf dem Sofa sitzen bleibt? Wohl auch nicht, aber manchmal schadet man ihr damit weniger.

Ulrike Siebert, Leser_In

Früher habe ich tatsächlich nachts oft geträumt, dass ich die Welt rette. Meine Freunde habe mich schon darauf angesprochen: „Na, heute Nacht wieder die Welt gerettet?“ Viele Male musste ich sie vor Umweltzerstörung beschützen, andere Male auch entführte Menschen befreien. Morgens bin ich mit einem Gefühl von Stolz aufgewacht. Schade nur, dass ich im wahren Leben den Mut dazu nicht aufbringen konnte.

Hammed Khamis, Autor, Leser_In

Die Quelle des Mutes

Nicht jeder sollte das Recht haben, über Mut zu sprechen. Denn Mut und Dummheit trennt nur ein sehr schmaler Grat. Mut ist ein Synonym für das Herz eines Lebewesens. In dem einen wohnt eine hässliches und in dem anderen ein schönes Herz. Ein Herz sieht nicht, es hört auch nicht gut. Es reagiert allein auf die Sendungen, die es empfängt. Das eine Herz steht für seine Werte mit der Fahne seiner Mannschaft vor einem Wasserwerfer. Ein anderes Herz läuft in ein brennendes Hochhaus hinein, um Leben zu retten. Mutig ist aber auch das Herz, das anderen Herzen Einhalt gebietet, wenn sie über andere Herzen sprechen, die nicht anwesend sind. Dieses eine Herz, das sich für seine Fehler entschuldigt, zu dem steht, was es ist, Einsicht und Akzeptanz generiert oder einfach das zeigt, was in ihm wohnt, ist dazu im Stande, die Welt zu retten. Dies gänzlich, ohne einen Lohn dafür zu verlangen. Ein mutiges Herz fotografiert sein Essen nicht, um es Sekunden später in sozialen Medien zu veröffentlichen. Es handelt nicht, um sagen zu können, dass es gehandelt hat. Das Herz handelt, weil es ein Herz ist. Dem Besitzer des blinden Herzens bleibt all dies verwehrt. Denn sein Herz spricht nicht mit ihm. Warum sollte man Lebewesen Verantwortung übergeben, die ein Herz besitzen, das seinen Besitzer ungeführt durchs Leben schreiten lässt. Derjenige, der bereit ist, sein Herz für das Herz eines anderen zu geben, hat den Mut, die Welt zu retten.

Christina Prosser, Leser_In

Erhalten statt retten

Wer die Welt nicht zerstört, braucht sie später auch nicht zu retten – und hier führt kein Weg daran vorbei, Unternehmen in die Pflicht zu nehmen, beispielsweise wenn es um Müllvermeidung geht. In manchen Staaten ist man hier schon deutlich weiter als in Deutschland und der Europäischen Union. Selbst in Kenia sind mittlerweile Plastiktüten verboten. In Europa mit seinen übermächtigen Lobbyisten tut man sich mit einem solchen Schritt deutlich schwerer. Das ist beschämend, vor allem wenn man bedenkt, dass die reichen Industrienationen des Nordens immer noch den größten Anteil am globalen Müllaufkommen verantworten.

Helga Winsmann, Leser_In

Selbstloser Einsatz

Wenn ich dies einer Gruppe von Menschen zusprechen würde, dann den Ärzten ohne Grenzen. Ich finde es sehr mutig, in Krisengebiete zu reisen und selbst dorthin zu gehen, wo bewaffnete Konflikte sind. Das ist sehr riskant. Und das, um unparteiisch medizinische Hilfe zu leisten, egal, wer sie braucht und auf welcher Seite der Macht sie stehen – um Menschen in Not zu retten.

Hakan Melek, Leser_In

Ich denke, wir müssen uns alle gemeinsam für unseren Planeten einsetzen.

Lothar Grams, Leser_In

Weniger Raubbau

Die ganze Welt zu retten, wäre wohl etwas viel. Aber ich versuche zumindest, die Erde ein Stück weit zu schonen: Seit einigen Jahren esse ich zum Beispiel nur noch ganz wenig Fleisch. Es hat mir zwar immer geschmeckt, aber wenn man sich bewusst macht, inwieweit der Fleischkonsum den Klimawandel beeinflusst, sollte man sich doch beim Essen zurückhalten. Durch die Rinderhaltung entstehen beispielsweise Methan und Lachgas, aber auch die Rodung von Urwäldern für den Anbau der Futtermittel führt zu höheren Treibhausgasen. So fand ich es auch nur konsequent, als ich gehört habe, dass aus diesen Gründen das Umweltministerium auf vegetarisches Bio-Catering umgestiegen ist. Eigentlich war es sogar höchste Zeit, wenn alle von Nachhaltigkeit sprechen. Aber auch in anderen Bereichen versuche ich, mich umweltfreundlicher zu verhalten. So habe ich auch mein Auto verkauft, aber ich weiß, dass dies auch nur ging, weil ich hier einen guten öffentlichen Nahverkehr habe. Aber sicherlich gibt es für jeden etwas – ob durch anderes Verhalten oder Verzicht – wie er sich der Welt gegenüber ein bisschen besser verhalten kann.

Miriam Hullerring, Leser_In

Welt retten lernen

Als ich in der sechsten Klasse war, haben wir im Sachunterricht einen Ausflug gemacht: Wir sollten uns vor Geschäften positionieren und Käufer ansprechen, warum sie eine Plastiktüte benutzten anstatt eines Einkaufskorbs oder einer anderen Tasche, die man öfter benutzen kann. Das ist jetzt ziemlich genau 30 Jahre her und seitdem versuche ich, immer einen Einkaufsbeutel dabei zu haben, um keine Plastiktüte anzunehmen. Inzwischen muss man glücklicherweise ja auch für Plastiktüten bezahlen, das hätte man ruhig schon vor 30 Jahren einführen können. Aber ich will gar nicht meine Vermeidung von Plastikmüll feiern, sondern will auf etwas anderes hinaus: Ich halte es für essenziell wichtig, Kindern in den Schulen beizubringen, wie sie sich zum Wohl unser Erde verhalten sollten, und ihnen Mut zu machen, die Welt zu retten.

Beate Grosznik, Leser_In

Jugend vor

Ich habe die Hoffnung, dass sich die Generation der jetzt um die 20-Jährigen wesentlich stärker für unseren Planeten einsetzt. Junge Menschen tun mehr für ihre Ideale, haben mehr Energie. Es steht ihnen auch viel mehr Wissen zur Verfügung, als es noch vor 20 oder 30 Jahren der Fall war. Die junge Generation hat zudem allen Grund dazu, denn sie sind den Folgen aus dem Umgang mit der Erde in den letzten Jahrzehnten viel stärker ausgesetzt. Also schon aus eigenem Interesse ist es jetzt an ihnen, die Welt zu retten. Nur Mut.

Thomas Neumeier, Leser_In

Gemeinsam zum Ziel

Klimakollaps, Terror, Armut – es gibt viel zu tun. Dass eine solche Monsteraufgabe nicht von einer einzelnen Organisation, geschweige denn einer Einzelperson, bewältigt werden kann, steht außer Frage. Worum es also letztlich geht ist, dass wir alle unseren Beitrag leisten. Dabei halte ich es für wichtig, nicht das Augenmaß zu verlieren. Wie ist es überhaupt um den Globus bestellt? Ist die Lage wirklich so dramatisch, wie man manchmal den Eindruck gewinnt? Panik ist in keiner Lebenslage ein guter Berater. Der Evolutionspsychologe Steven Pinker wies in seinem Buch „Gewalt: Eine neue Geschichte der Menschheit“ darauf hin, dass sich Gewalt und ihre Folgen im Laufe der Menschheitsgeschichte verringert haben. Die Welt wurde insgesamt friedlicher, die Kindersterblichkeit ist gesunken, die globale Lücke zwischen Arm und Reich wird kleiner. Ja, es gibt noch viele Baustellen. Ja, manchmal ist der Eindruck, es gehe bergab, durchaus verständlich. Aber lasst uns dennoch besonnen reagieren und gemeinsam handeln.

Jörg Link, Leser_In

Meine Idee

Wer hat den Mut, die Welt zu retten? Ich hab den Mut, indem ich mich begeb in folgende Gedanken: Ich leb, um in Gott zu gründen. Ich fand und schrieb ein neues Wissen. Dass niemand müsst die Wahrheit missen und aller Irrtum werd’ zerrissen. Allah und Mullahs soll es überzeugen, Jahwe und Rabbis sollen sich ihm beugen. In Gott und Christen weckt es das Gewissen. Nun bin ich alt mit 74 Jahr’, die Menschen geh’n vorüber kalt. Ich finde nirgends Hilf noch Halt. Ich schuf ein Werk, das Gott gefällt. Doch ihm allein möcht ich nicht nur vertrau’n. Drum wend ich mich an alle, die mich dabei woll’n unterstützen. Allein die Welt zu retten, macht keinen Spaß. Habt Mut, mit mir und anderen, den Turm nun zu erbauen. So wendet Euch vertrauensvoll an mich. So wie einst der spanische Philosoph Ramon Llull in der Zeit der Kreuzzüge das Gemeinsame der drei Weltreligionen Christentum, Judentum und Islam betonte, sollten auch wir uns heute auf das Gemeinsame unserer Lebenswelten besinnen. Lasst uns in seinem Namen einen gemeinsames europäisches Haus erbauen: den Cyber Tower for Peace, Tolerance, Informatic and International Understanding.

Gesa Kalbitzer, Leser_In

Um die Welt zu retten braucht es weniger Mut als Bescheidenheit und Durchhaltevermögen. Bescheidenheit weil Verzicht gefordert ist (jedenfalls für uns gut gestellt Europäer), Verzicht auf zu viele Reisen, Flüge , zu viel CO²-Verbrauch. Und Durchhaltevermögen, weil wir dauerhaft unseren Lebensstil ändern müssen.

Carmen Kroll, Geschäftsführerin HAKRO GmbH, Leser_In

Nachhaltig besser

Für uns ist das weniger eine Frage des Mutes, sondern eine grundsätzliche Entscheidung. Jeder von uns kann, entsprechend seiner Möglichkeiten, einen Beitrag für eine bessere Welt leisten. Als Unternehmen setzen wir von HAKRO uns mit Hand, Herz und Haltung für eine lebenswerte Zukunft ein. Unsere geschäftlichen Ziele sind mit dem Anspruch verknüpft, ökologisch und sozial verträglich zu handeln. Basis für unsere Arbeit sind ethisch ausgerichtete Leitlinien. Wir setzen uns für die Produktion langlebiger, hochwertiger Kleidung ein, die verantwortungsbewusst gefertigt wird. Hier arbeiten wir mit sorgfältig ausgewählten Partnern zusammen, die unsere strengen Standards einhalten müssen. Unseren Mitarbeitern begegnen wir mit Wertschätzung und bieten ihnen sowohl langfristige Arbeitsplätze als auch gleiche Chancen – unabhängig von Alter, Geschlecht oder Nationalität. Dabei schätzen wir Charaktere und fördern Vielfalt sowie die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Den ökologischen Fußabdruck will HAKRO so klein wie möglich halten. Unsere Mission ist ein konsequentes und glaubwürdiges Nachhaltigkeitsmanagement. Denn wir wollen zu einem der nachhaltigsten Anbieter in unserer Sparte werden. Dennoch wissen wir, dass sich Nachhaltigkeit nicht per Knopfdruck erreichen lässt, sondern ein dauerhafter, gelegentlich auch anstrengender Prozess ist. In diesem Sinne wollen wir jeden Tag ein bisschen besser werden. Besuchen Sie uns auf: www.hakro.com

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Wie wollen wir leben?

Die Hälfte aller 24- bis 32-Jährigen würden eine Viertagewoche einer Vollbeschäftigung vorziehen – bei entsprechend niedrigerem Gehalt.

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Wladimir Kaminer, Schriftsteller, Leser_In

Leben als Hobby

Ich möchte lernen, langsam zu leben, über jede Kleinigkeit in Ruhe nachdenken können. Ich möchte mein Leben als Freizeitbeschäftigung, als Hobby betrachten. Es wird in der Zukunft sicher dazu kommen, dass jegliche Arbeit von Maschinen erledigt wird. Also müssen wir uns jetzt schon auf ein Leben ohne Arbeit vorbereiten, auf die Suche nach einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung begeben. Angeblich sind wir durch die Arbeit überhaupt Sapiens geworden. Und was nun? Wir, Menschen des Jahres 2017, sind Versuchskaninchen für die Zukunft. An uns wird getestet, wie man dem Menschen die Angst vor dem Nichtstun nimmt. Alle modernen Trends zielen darauf. Die medizinische Forschung, die noch vor Kurzem behauptete, man brauche bloß sechs Stunden Schlaf, hat ihre Meinung geändert. Überall ist nun zu lesen: Je mehr wir schlafen umso gesünder werden wir. Das gleiche geschieht mit dem Essen: Slow Food und selbst kochen sind angesagt. Wir sollen lange frühstücken und langsam kauen. Und nach dem Frühstück Yoga treiben – eine Sportart, die man endlos ausdehnen kann. Beim Meditieren schaut niemand auf die Uhr. Sollten wir doch vor Sonnenuntergang fertig meditiert haben, können wir uns eine Serie anschauen. Serien sind große Mode. Der wesentliche Unterschied zu einem Film besteht darin, dass die Serie nicht so schnell aufhört. Und wenn die 48 Staffeln zu Ende sind, ist das Leben schon fast rum. Kinder, wie die Zeit vergeht.

Léa Linster, Fernsehköchin und Gastronomin, Leser_In

Genuss mit Geduld

Für mich steht der Genuss ganz oben auf der Wunschliste. Denn es gibt nichts Schöneres, als mit Freunden bei einem guten Essen zusammenzusitzen. Wir werden geliebt, wenn wir so bekocht werden. Und erst recht, wenn jemand für uns backt. Zum Glück habe ich das Genießen schon als Kind gelernt. Mein Vater hat mich oft in erstklassige Restaurants in Frankreich mitgenommen. Ich habe es geliebt, alles zu (er)schmecken – und das geht mir heute noch so. Leider haben viele Leute die Freude am Genuss verloren, vielleicht sogar gar nicht erst kennengelernt. Fertigprodukte, Junkfood, schnelles Essen im Gehen auf der Straße, Kaffee im Pappbecher in der U-Bahn: Das alles hat mit genießen nichts zu tun. Und auch nicht mit gutem Leben. Ich denke, der größte Feind des Genusses ist der Überfluss. In heutiger Zeit gibt es immer alles: Erdbeeren im Januar, Walnüsse im Mai, Hummer im Hochsommer. Der Freund des Genusses ist aber das Warten: Warum soll ich unterwegs einen schlechten Espresso trinken, wenn ich eine halbe Stunde später zu Hause einen exzellenten haben kann? Ich sage immer: Man braucht keinen Luxus auf dem Teller, nur Qualität. Nehmen Sie meine Brötchen. Ich liebe es, wenn das Haus danach duftet, wenn sie frisch und knusprig aus dem Backofen kommen. Dazu eine gute Butter und ein bisschen Fleur de Sel – mehr Genuss geht nicht.

Ulrich Reinhardt, Wissenschaftlicher Leiter Siftung für Zukunftsfragen, Leser_In

Wir gestalten

Flexibilisierung, Globalisierung, Digitalisierung, Automatisierung, Medialisierung – fast scheint es so, als wenn derzeit nahezu alles in unserem Leben irgendeiner „sierung“ unterworfen wird. Gleichzeitig verdeutlichen diese Schlagwörter, mit welcher Dynamik sich die Welt verändert. Zweifellos können all diese Entwicklungen einen großen Einfluss auf unser Leben haben. Doch auch wenn sich unsere Welt im Wandel befindet – was sie historisch betrachtet übrigens immer war – sind die Wünsche der Bürger in Bezug auf das Zusammenleben simpel: Gerade in Zeiten einer zunehmenden Komplexität und Schnelligkeit sehnen sich die Bürger nach Sicherheit, Geborgenheit und verlässlichen Bindungen. Entsprechend sehen auch die Wünsche für eine zukünftige Gesellschaftsform aus. Mehr reflektierter, werteorientierter und verständnisvoller Gemeinsinn und eine gelebte Solidarität, sei es in der Familie oder im Freundeskreis, im nachbarschaftlichen Wohnumfeld oder in größeren Raumeinheiten wie einzelnen Stadtteilen oder in ganz Deutschland – und irgendwann hoffentlich auch in Europa und der Welt. Statt also vorschnell Antworten auf die Frage „Wie werden wir in Zukunft leben?“ zu suchen, sollten wir uns zunächst darauf konzentrieren, wie wir in Zukunft leben wollen. Denn ganz gleich welche Möglichkeiten wir haben werden, der Mensch mit seinen Bedürfnissen und Wünschen muss im Mittelpunkt stehen, so dass das Leben auch in Zukunft lebenswert bleibt.

Daniel Roesner, Schauspieler, Leser_In

Wo ich bin, ist Zuhause

Meine Eltern erzählten mir immer von ihren damals zu Campern umgebauten Autos und den daraus resultierenden sehr aufregenden Reisen zu ihren Hippiezeiten. Sie haben immer mit leuchtenden Augen davon gesprochen und diese Begeisterung hat sich voll und ganz auf mich übertragen. So kam auch in mir die Sehnsucht auf, wie eine Art Nomade zu leben. Da das Vagabundenleben perfekt zu meinem Beruf als Schauspieler und zu meinem Leben als Surfer passt, möchte ich die damit verbundenen Freiheiten nie mehr missen. Vor zehn Jahren habe ich mir deshalb einen VW-Bus gekauft und ich lebe sozusagen immer noch oft in diesem Transporter – zumindest im Geiste und an meinen Urlaubstagen am Meer. Einen Monat habe ich sogar mal mitten in Hamburg an der Außenalster darin gewohnt. Diese Zeit gehört zu meinen schönsten Erinnerungen. Ich hatte den besten Blick auf die Alster, jeden Morgen den Sonnenaufgang vor dem Fenster. Und ganz im Gegensatz zu den Villenbesitzern, die eine Reihe hinter mir wohnten, war alles komplett mietfrei. Es war wunderbar. Mein derzeitiger Wohnsitz ist ein Hausboot und es stellt in gewisser Weise ein Upgrade zum Leben im Bus dar. Für mich ist es aber trotzdem eher ein Zwischenstopp auf meiner Reise durchs Leben. Bis heute ist mir der Gedanke, in einem konventionellen Haus oder einer Stadtwohnung zu leben, völlig fremd. Aber wer weiß schon, was das Leben noch so mit sich bringt.

Anya Hoffmann, Innenarchitektin und Schauspielerin, Leser_In

Leben heißt wohnen

Wie gestalte ich mein Zuhause so individuell wie möglich und schaffe dabei eine Atmosphäre, die meinen persönlichen Bedürfnissen entspricht? Zunächst einmal sollte neben Optik immer auch auf Funktionalität geachtet werden. Das schönste Möbelstück nützt nichts, wenn es einfach nur unpraktisch ist und seinen Zweck nicht erfüllt. Auch sollte man sich darauf konzentrieren, was einem wirklich wichtig ist. Da kann dann auch einmal die Entscheidung zugunsten eines den Raum beherrschenden Möbelstücks fallen, etwa einer Couch, eines Esstischs oder eines Betts, wenn es den Lebensgewohnheiten entspricht. Wie setze ich ausgefallene Akzente? Das einfachste und effektivste Mittel, um großartige Wirkung zu erzielen, ist Farbe. Dabei ist manchmal ein wenig Mut gefragt. Einen kleinen Raum in dunkle Töne tauchen, eine Decke nicht einfach nur weiß lassen, eine Lieblingsfarbe wählen, die vielleicht an Urlaub und schöne Stätten erinnert. Dazu seinen ganz eigenen Mix finden – mit Dingen, die einen persönlichen Bezug haben, mit der Lust am Dekorieren und am Setzen immer wieder neuer Akzente. 
Gerade jetzt in der Weihnachtszeit macht das besonders viel Spaß. Dabei kann der ein oder andere Trend – in diesem Jahr sind es zarte und pastellige Töne – veredelt mit Silber oder Gold eine schöne Inspiration für die eigenen kreativen Ideen sein.

Sabine Hafner, Geografin und Stadtentwicklerin, Leser_In

Selbst ist der Bürger

Zentral für ein „Buen Vivir“, für ein gutes Leben, ist ein gemeinschaftliches Miteinander im Einklang mit anderen Menschen und der Natur sowie die Wahrung kultureller Identität – so die Essenz eines Konzepts aus Lateinamerika, das sich vom Wachstumsparadigma abwendet. Auch Deutschland benötigt die Auseinandersetzung mit Buen Vivir – mit neuen Wirtschafts- und Lebensmodellen, die die planetaren Leitplanken berücksichtigen und auf einem solidarischen Zusammenleben beruhen. Ein Wandel zu einer nachhaltigen Gesellschaft kann durch die Beteiligung der Bürger und zivilgesellschaftlicher Initiativen gelingen. Kreative Experimente wie Transition Towns, Fairtrade Towns, Cittàslow, Ernährungsräte, Urban Gardening, Solidarische Landwirtschaft, Repair Cafés, Tauschringe und Mietshaussyndikate zeigen, dass eine Transformation von unten möglich ist. Sie ist von Bürgern selbstorganisiert und basiert auf Solidarität und der Sehnsucht nach Gemeinschaft und sinnstiftenden Handeln in einer kommerzialisierten Welt. Daher heißt es, engagierte Bürger in die Stadtentwicklung einzubeziehen – nicht nur, um ihre Alltagsexpertise bei Planungsprozessen zu nutzen und deren Akzeptanz zu erhöhen, sondern um sie als Experten des Wandels für ein deutsches Buen Vivir sowohl in Großstädten als auch in ländlichen Räumen hinzuzuziehen. Die Politik hat dabei die Aufgabe, förderliche Rahmenbedingungen für die Initiativen zu schaffen, so dass sie gedeihen können.

Wanda Alberts, Professorin für Religionswissenschaft, Leibnitz Universität Hannover, Leser_In

Diskutieren lernen

Angesichts zunehmender religiöser Pluralisierung und damit häufig verbundener Rhetorik von Terror und Radikalisierung stellt sich die Frage nach einer friedlichen Gestaltung des Zusammenlebens von Menschen mit verschiedenen Religionen und Weltanschauungen. Wenn es ein gleichberechtigtes Miteinander geben soll, kann man nicht nur eine Anpassung „der anderen“, die ja durch exkludierende Diskurse erst zu „anderen“ gemacht werden, verlangen. Wenn sich Gesellschaften verändern, müssen auch deren Spielregeln neu verhandelt werden, selbstverständlich auf der Grundlage der Menschen- und Bürgerrechte. Dringender Handlungsbedarf besteht in der Schule. Dort gibt es bisher kaum Raum für gemeinsames Lernen über Religionen und Weltanschauungen – in einem Unterricht, der keine bestimmten religiösen oder weltanschaulichen Positionen bevorzugt, sondern Religionen objektiv, kritisch und pluralistisch darstellt. Das sind die Kriterien, die der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte als Grundanforderung für einen gemeinsamen verpflichtenden Religionskundeunterricht festhält, wie er beispielsweise in den skandinavischen Ländern seit vielen Jahren Standard ist. Das ist zwar kein Allheilmittel für weltanschauliche Konflikte. Ein neutraler Raum, in dem viele mit religiöser Pluralisierung in Verbindung gebrachte Zuschreibungen von den Schülern auf Augenhöhe diskutiert werden können, wäre aber zumindest schon einmal ein Anfang.

Hagen V., Leser_In

Mit mehr Privatsphäre. Die Nachbarn müssen nicht alles von einem wissen.

Florian Sörensen, Leser_In

Ich möchte in einer friedlichen Welt leben und bin der Meinung, dass die Menschen trotz aller Konflikte dass auch irgendwann schaffen.

Johanna Unterkassel, Leser_In

Pure Lebensfreude

Ich als echte kölsche Frohnatur räume natürlich dem Spaß am Leben einen großen Stellenwert ein. Und da ist natürlich der Fastelovend, der Kölner Karneval, die beste Gelegenheit, mit anderen netten Menschen Spaß zu haben und das Leben zu genießen. Das heißt natürlich nicht, dass die reale Welt komplett ausgeblendet wird. Aber Humor ist bei vielen Sorgen und Problemen ein gutes Heilmittel und hilft auch dabei, manches zu verdauen, was zu heiß gekocht wird. Das sieht man dann auch am Rosenmontag auf unseren Motivwagen, wo wir den großen Fragen der Welt mit kölschem Humor begegnen. In diesem Sinne: ein dreifaches Kölle Alaaf!

Klaus Sander, Leser_In

Was wirklich zählt

Wenn ich mir die Frage beantworten soll, wie ich leben möchte, dann versuche ich mir vorzustellen, wie ich als alter Mann auf dem Totenbett liege. Wenn man sein Leben gelebt hat, was ist dann das wirklich Wichtige, auf das man zurückblickt? Welche Errungenschaften machen einen stolz, welche hätte man sich lieber erspart? Ich weiß, dass meine Feststellung letztlich eine Banalität ist, aber auch als solche verdient sie ausgesprochen zu werden: Nicht die Karriere wird zählen, wenn die letzten Wochen oder Tage des Lebens anbrechen, nicht der angehäufte Reichtum, sondern das Wissen, dass man Freunde und Familie hatte, die einen liebten und denen man Liebe schenkte.

Tom K., Leser_In

Eigenes Idyll

Wenn ich mir aus allen Möglichkeiten komplett ohne Zwänge mein Leben zusammenstellen könnte, dann würde das in etwa folgendermaßen aussehen: Ich würde gern auf dem Land leben, in einem eigenen Haus mit meiner Familie. Alle drei Generationen unter einem oder zwei Dächern leben, damit wir uns gegenseitig unterstützen können, wenn man mal eine helfende Hand, ein zweites Paar Augen oder offene Ohren benötigt. Ich würde mich gern überwiegend aus meinem eigenen Garten ernähren, saisonales Obst und Gemüse essen und eigene Kräuter anbauen. Nebendran würde ich gern einen Bauernhof führen, mit einem Hühnerstall, einer Schafherde und ein paar Kühen. Das Haus würde an einem kleinen Fluss stehen, dessen Wucht uns konstant mit dem nötigen Strom versorgt. Gleichzeitig sollte natürlich auch die Anbindung an die Stadt problemlos funktionieren, ohne dass ich auf ein Auto angewiesen bin. Es sollte also möglichst ein Bahnhof in der Nähe sein, der gut zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar ist – oder ein Shuttle-Service mit E-Fahrzeugen. Im Hintergrund möchte ich die Berge sehen, auch das Meer sollte nicht allzu weit entfernt sein. Ich könnte auch auf den Shuttle-Service verzichten. Eigentlich brauche ich gar nicht viel zum Glücklichsein.

Marie Fuchs, Leser_In

In der Summe positiv

Mein Ideal ist ein sorgenfreies Leben. Das es das nur im Märchen gibt, ist aber auch klar. Deswegen versuche ich, Sorgen nicht überzubewerten und Probleme zu lösen. Viele Probleme kann man natürlich nicht auf einen Schlag aus der Welt schaffen. Ich versuche dann, sie in einzelne Teile zu zerlegen, die ich Schritt für Schritt angehe. Man sollte versuchen, jeden Tag so zu gestalten, dass am Ende des Tages die schönen und glücklichen Momente die stressigen und ärgerlichen Situationen vergessen machen. So ist jeder Tag ein bisschen wie im Märchen. Nur im Märchen leben ist wahrscheinlich auch langweilig, so dass kleine Probleme auch das Salz in der Suppe sein können.

Nicola Berter, Leser_In

Eigene Maßstäbe

In einer gerechteren Welt? Was heißt das? Ist es gerechter, wenn es geringere Gehaltsunterschiede gibt oder, im Gegenteil, wenn Leistung höher belohnt wird? Jeder versteht unter Gerechtigkeit etwas anderes. Oder wie es mein Sohn so treffend formulierte: „Hauptsache, es ist für mich gerecht.“

Tobias Sektmann, Leser_In

„Alle als Prinzessinnen in einem Schloss mit Pferden“, sagt meine Tochter.

Jens Persius, Leser_In

Prioritäten leben

Es sind zum einen die klassischen Neujahrsvorsätze, wie ich leben will: mehr Sport treiben und gesünder Essen. Zum anderen will ich aber auch einmal die Woche früher von der Arbeit gehen, um mit genug Energie gemeinsam mit meinem Sohn eine schöne Zeit zu haben und etwas zu unternehmen. Darauf freue ich mich.

Daniel Haberkorn, Geschäftsführer Promedica Plus Franchise GmbH, Leser_In

Freiheiten bewahren

Deutschland wird immer älter. Die Lebenserwartung ist in den vergangenen fünf Jahrzehnten um rund zehn Jahre gestiegen. Dank einer guten medizinischen Versorgung verbringen wir heute so viele Jahre in Gesundheit wie nie zuvor. Bei all den gesellschaftlichen Herausforderungen, vor die uns der demografische Wandel stellt, ist das eine gute Nachricht –und der Wunsch vieler. Denn Gesundheit ist eine wichtige Voraussetzung zum Glücklichsein. Sie macht uns frei und unabhängig. Doch was ist, wenn altersbedingte Beschwerden uns plötzlich einschränken? War es das dann mit dem glücklichen Leben? Ab ins Heim und Schluss – davor fürchten sich viele ältere Menschen. Lieber möchten sie ihren Lebensabend in den eigenen vier Wänden verbringen, wie eine Befragung des Ärztenachrichtendienstes unter deutschen Allgemeinmedizinern ergab. In vielen Fällen klappt das auch. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden bis Ende 2015 rund 73 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause versorgt – knapp die Hälfte davon ausschließlich von Angehörigen. Ein wahrer Kraftakt, mit dem viele überfordert sind. Häusliche Betreuungskräfte könnten für Entlastung sorgen. Doch sind diese aufgrund des Pflegekräftemangels oft schwer zu finden. Die Vermittlung qualifizierter Betreuungskräfte aus Osteuropa bietet hier eine Chance. Sie ermöglicht Senioren, zu Hause alt zu werden – und gibt die Freiheit zurück, die mit der schwindenden Gesundheit verloren zu gehen scheint.

Corinna Wolfien, Leser_In

Auf die Suche gehen

Die Frage ist Segen und Fluch zugleich. Ich bin mir bewusst, was für einen Luxus es bedeutet, mir diese Frage stellen zu können. Oder sagen wir, der Luxus liegt darin, dass ich in ihrer Beantwortung in meiner Lebenssituation ziemlich viel Handlungsspielraum habe. Für mich ist es eine existenziell wichtige Frage und wenn ich weitergehen wollte, würde ich sie als persönliches Menschenrecht ansehen. Wie will ich leben? In dieser Frage steckt schon ein Teil meiner persönlichen Erkenntnis. Für mich ist vor allem entscheidend, wie ich etwas mache. Das „Was“ ist dabei zweitrangig. Wie führe ich Gespräche? Wie gestalte ich Begegnungen? Ich habe mir in den vergangenen zwei Jahren einige Träume erfüllt, weil ich mich intensiv damit auseinandergesetzt habe, wie ich leben will. Diese kurze Frage kann sehr viel Kraft entwickeln. Ich habe mich dafür entschieden, viel zu reisen, und bin momentan einige Monate in Südamerika. Ich bin frei und unabhängig und habe ein sehr stabiles Netzwerk an guten Freunden. Dafür habe ich keine Immobilie und arbeite selbstständig, also nicht in der finanziellen Sicherheit einer Anstellung. Aber ich will genau so leben. Mir diese Frage zu stellen und zu beantworten, heißt, gleichzeitig auf viele andere Dinge zu verzichten, die alternativ im Raum schweben. Und es bedeutet für mich, das zu finden, was zu mir passt. Wünsche sind das eine, aber was nützt es einem Fisch, sein Glück in der Wüste zu suchen?

Heiko Braun, Leser_In

Mehr Verantwortung

Ich habe das Gefühl, dass die Digitalisierung meinen Alltag doch mehr prägt, als ich das wahrhaben möchte. Mich beschleicht immer öfter das Gefühl, dass sich immer mehr Menschen durch die virtuellen Möglichkeiten von ihrem Verantwortungsgefühl lossagen. Vielleicht kommt mir das auch nur so vor, weil ich mit Ansichten konfrontiert werde, die sich zuvor außerhalb meiner „Blase“ abspielten. Sowohl die Inhalte und Meinungen, die „öffentlich“ geschrieben werden, als auch die Vorgehensweisen von manchen Unternehmen erschrecken mich. Wenn man beispielsweise liest, wie viel Überwachung in Smartphones, TV-Geräten und harmlosen Apps steckt, dann muss ich feststellen: Das ist nach meinem Empfinden illegal – und so möchte ich nicht leben (müssen).

Silvia Ruhland, Leser_In

Schätzen lernen

Den Knopf für einen Neustart gibt es – und zwar täglich und für jeden von uns. „Morgen für Morgen kommt man zur Welt“, schrieb Eugène Ionesco. Wie wahr! Wenn wir aufwachen, liegt taufrisch ein neuer Tag vor uns. Darüber können wir uns freuen und den Tag annehmen wie ein kostbares Geschenk. Es ist schließlich nicht selbstverständlich, munter und am Leben zu sein, ein Zuhause und immer genug zu essen zu haben. Manchmal vergesse ich das. Dann jammere ich über den grauen Himmel, die lästigen Pflichten, den Zustand der Welt. Deshalb will ich mir künftig noch vor dem Frühstück eine kurze Pause des Innehaltens gönnen, danke sagen und ein inneres Lächeln anknipsen, bevor ich in den Alltag starte.

Matthias Erich, Leser_In

Zum Wesentlichen

Ich lebe in einem ländlichen Raum und möchte als Imker gerne zusammen mit den mich umgebenden Landwirten Wiesen und Felder wieder als Quelle für Nahrung nutzen. Ich möchte erleben, wie auf den Wiesen wieder Kräuter wachsen und blühen, Kornfelder den Mais ablösen und von Kornblumen durchsetzt sind. Ich möchte erleben, daß die das Jahr über geschlossenen Ställe für unsere Rinder sich öffnen und diese Tiere Gras fressen und Luft genießen können. Ich möchte erleben, daß auf den Milchflaschen nicht mehr „Weidemilch“ draufsteht, ohne daß wirklich komplett Weidemilch drin ist. Ich möchte erleben, daß der Respekt für die Erde wieder darin mündet, daß die Spritzerei der Felder somit der Genozid an vielen Pflanzen und Kleinlebenwesen aufhört und wir frei atmen können in Dankbarkeit für das, was uns Erde und unsere Nutztiere geben: Leben! Letztlich möchte ich erleben, daß unsere Agrarminister als oberste Pfleger und Schützer von Landschaften und ihren Bewohnern dienen und nicht als Bediener der Agrarindustrie funktionieren.

Jens Schumacher, Geschäftsführer JS Lasertechnik GmbH, Leser_In

Nachhaltig wohlfühlen

Nachhaltigkeit spielt bei zukünftiger Wohnraumplanung eine immer wichtigere Rolle. Dabei muss das Rad nicht immer neu erfunden werden. Oftmals ist es besser, wenn Handwerksmeister bestehende Konzepte perfektionieren. Mit modernen Warmluftöfen holen Sie sich das Feuer, die wohl älteste vom Menschen direkt genutzte Wärmequelle, in Ihr Zuhause. Gleichzeitig heizen Sie umweltbewusst mit dem nachwachsenden und CO²-neutralen Brennstoff Holz. Die Bjoern Holzöfen, mit ihrem patentierten Verbrennungssystem, verbinden beim Heizen die ursprüngliche Gemütlichkeit des Feuers mit modernen Erkenntnissen in der Holzverbrennung. Durch gezielte Zuführung der Luft kommt es zu einer nahezu vollständigen Verbrennung, so dass der Ascheanfall auf ein Minimum reduziert werden kann. Auf diesem Weg ist aus jedem Holzscheit das volle Potenzial an Wärmeenergie herausgeholt. Gleichzeitig wird nur so viel CO² beim Abbrand freigesetzt, wie vorher beim Wachsen des Baumes bereits von diesem aufgenommen wurde. Gerade aktuell in der kalten Jahreszeit, wenn man von einem Spaziergang im Schnee nach Hause kommt, ist die von einem Ofenfeuer erzeugte Wärme genau das Richtige, um sich wieder aufzuwärmen. Genießen Sie gemütliche Stunden mit der Familie vor dem knisternden Feuer eines Bjoern Holzofens. Mehr erfahren Sie unter www.bjoern-holzofen.de.

Gerd Eisenbeiß, Leser_In

Ich möchte als homo sapiens unter homines sapientes leben, und wenn das erreicht ist, das Mittelalter beenden, in dem wir immer noch leben.

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Was macht Menschen glücklich?

Eine ehemalige Fernsehshow hatte eine klare Antwort: Geld oder Liebe. Das Spektrum an Dingen, die uns strahlen lassen, ist natürlich um einiges größer. Was zählt für Sie?

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Friedrich Georg, Leser_In

Das Leben eines Mannes ist erst dann erfüllt, wenn er ein Haus gebaut, ein Kind gezeugt, einen Baum gepflanzt und womöglich ein Buch geschrieben hat. Als das \"Pflichtprogramm\" erfüllt war und ich mir im fortgeschrittenen Ruhestand Gedanken machte, was dereinst wohl auf meinem Grabstein stehen würde, kam die ernüchternde Erkenntnis: außer Geburts- und Sterbedaten - Nichts! Daraufhin verkaufte ich meine Wohnung und investierte die Hälfte des Erlöses in den Aufbau einer Ökofarm auf den Philippen - betreut von einem erfahrenen Farmer und seiner Familie. Bis zu 30 Leute waren zwei Jahre lang mit Rodung und Infrastruktur beschäftigt und konnten mit vergleichsweise wenig Geld ihre Familien versorgen. Glückliche Momente bescherte das Richtfest mit 100 Beschäftigten, ihren Familien und Nachbarn. Nach drei Jahren wachsen einem die Pflanzen bereits über den Kopf und erzielen am Markt wenigstens so viel, dass die Betreuer davon leben können. Wenn ich einmal im Jahr vorbeischaue, werde ich wie ein Familienmitglied in der ländlichen Gemeinschaft aufgenommen. Sobald ich mich nicht mehr selbst versorgen kann, möchte ich den Lebensabend dort verbringen, anstelle in einem Pflegeheim hier zu verkümmern. Fazit: Glück ist - wenn man es mit Anderen teilt und nicht wie eine Glucke auf seinem Geldsack sitzt.

Bernd Graefe, Leser_In

Der Mensch ist nicht da,um glücklich zu sein, lehrt und schon der alte Schopenhauer. Er kann mit vielem rechnen,nur nicht mit dauerhaften Glück. Glück gibt es immer nur für Momente, mal länger, mal kürzer. Dass Tage unseres Lebens glücklich waren, merken wir meistens erst im nachhinein. Das Gewohnte wird nicht als Glück empfunden. So verhält es sich auch mit den anderen grössten Gütern des Lebens - Gesundheit und Freiheit. Der Wert der täglichen kleinen Genüsse, Freuden oder auch nur Annehmlichkeiten wir uns erst dann bewusst,wenn sie ausbleiben.

Rainer Maria Kardinal Woelki, Leser_In

Menschen finden Glück in der Arbeit, beim Sport oder im Urlaub; im Beisammensein mit der Familie oder beim Sieg ihres favorisierten Sportvereins. Dort, wo wir uns glücklich fühlen, werden tieferliegende Schichten unseres Selbst berührt. So wie sich beim Blick in den unendlichen Sternenhimmel oder in die unberührte Natur die Seele öffnet oder beim Hören von Musik. In solchen Glücksmomenten merkt man unweigerlich: Es gibt etwas, das sich unserer Verfügbarkeit entzieht und nicht herstellbar ist, sondern das uns geschenkt ist. Es sind die Momente, in denen wir eine tiefe Dankbarkeit über das bloße Dasein erfahren und in denen der Glaube, dass uns das Leben und die Welt von Gott geschenkt sind, evident wird. Diese Dankbarkeit macht aufmerksam. Sie macht mitten im Glück aufmerksam für das Unglück anderer, für deren Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit. Wer aus solcher Dankbarkeit heraus lebt, für den bedeutet glücklich sein das mit anderen geteilte Glück, bedeutet glücklich sein daran mitzuwirken, dass nicht nur man selbst, sondern auch der Nachbar, der Heimatlose, der Obdachlose, der Mensch am anderen Ende der Welt und der hoffnungslos Gewordene Erfahrungen von Glück machen kann. Für manchen mag es ein hohler Kalenderspruch sein, für den, der Glück in all seiner Tiefe erfahren hat, ist es eine Aufforderung zum Handeln: Geteiltes Glück ist doppeltes Glück.

Natallia Vishnyakowa, Leser_In

In diesem Jahr werde ich mich erstmals an der Weihnachtsaktion des Studierendenwerks Berlin beteiligen. Bei der Aktion können sich Studierende melden, wenn sie als Weihnachtsmänner oder Weihnachtsengel beziehungsweise Weihnachtsfrauen verkleidet bei der Bescherung von Berliner Familien helfen wollen. Man kann uns für den Heiligabend buchen. Mein Freund war in den vergangenen Jahren Weihnachtsmann und hat mir versichert, dass es sich lohnt. Die Tour ist zwar lang und erschöpfend, aber die strahlenden Kinderaugen geben ganz viel zurück – und machen glücklich. In diesem Jahr gibt es erstmals die Möglichkeit auch eine Weihnachtsfrau zu buchen. Ich bin gespannt, wie die Kinder auf mich reagieren werden. Wir Frauen sind ja etwas sanfter und haben anders als die Weihnachtmänner mit ihren dichten Bärten ein offenes Gesicht. Unser Lächeln kann man sehen. Das ist positiv bei schüchternen Kindern. Die Kleinen sollen ja keine Angst vor uns haben. Wir wollen sie glücklich machen, darum geht es schließlich bei der Aktion. Dass wir selbst dabei unser Taschengeld deutlich aufbessern können, ist natürlich ebenfalls ein wichtiger Anreiz.

Burkhard Pleger, Leser_In

Wissenschaftlich ist Glück ein schwer zu fassendes emotionales Erleben, weil es individuell unterschiedliche Facetten trägt. Des einen Glück ist des anderen Leid. Diese individuelle Komplexität spiegelt sich auch in der Hirnforschung wieder. Im menschlichen Gehirn gibt es viele Botenstoffe, die an der Vermittlung des Glücksempfindens beteiligt sind. Die Signalwirkung jedes dieser Botenstoffe ist durch unsere Gene beeinflusst. Man könnte auch sagen, dass die Gene die Klaviatur des Glücks darstellen. Wenn unser Glück damit bereits von Geburt an in uns festgeschrieben ist, warum fühlen wir uns dann mal glücklicher und mal weniger glücklich? Studien haben gezeigt, dass die vierte Lebensdekade für die meisten Menschen die unglücklichste Phase ihres Lebens ist. Probleme mit dem Nachwuchs, den Krankheiten der Eltern, dem Karrieredruck oder der finanziellen Situation sollen dafür hauptsächlich verantwortlich sein. Demnach ist auch die Art und Weise, wie wir und andere auf dieser Klaviatur spielen, wichtig. Das Spiel der anderen ist dabei wenig beeinflussbar. Unser eigenes jedoch schon. Man kann das Glas eben halb voll oder halb leer sehen. Eine allgemeingültige Bedienungsanleitung gibt es nicht. Jeder muss das für sich selbst herausfinden. Aber wahrscheinlich liegt die Lösung für die meisten Menschen in einem gesunden Mittelmaß aus schnellen und langsamen Passagen, damit die daraus resultierende Musik uns dann auch glücklich macht.

Arne Peper, Leser_In

Kalt war es heute morgen auf Gleis zwei im Kölner Hauptbahnhof.
 Versorgt mit einem Coffee to go war das für mich auszuhalten. Der junge Mann mit dem Rucksack hatte aber eine andere Verwendung für den Kaffeebecher in seiner Hand: „Haben Sie vielleicht ein paar Münzen, damit ich die Nacht nicht wieder draußen verbringen muss?“ Zwei Euro waren für mich da keine große Sache. Auch ohne Spendenquittung war ich sicher, dass das Geld für ihn persönlich nützlich und hilfreich war. 
Und irgendwie war ich danach um einen kleinen Tick glücklicher, als wenn ich mir davon einen teuren Doughnut im Bahnhof geholt hätte. 
Moderne Motivationsforschung bestätigt das: Spenden setzt Glückshormone frei. Es werden dieselben Hirnareale angeregt wie beim Sex oder beim Essen von Schokolade. Gutes tun, teilen, freiwillig abgeben belohnt der Körper mehr, als bei Verhandlungen zu siegen oder einen Vorteil für sich selbst herauszuschlagen.
 Es ist dabei egal, ob man auf eine Spendenbitte per Brief, Web oder TV reagiert, dem eigenen Flüchtlingshilfeverein im Ort gibt oder einem Bedürftigen auf der Straße. Spenden macht glücklich. Um die Seriosität von Spendenbitten braucht man sich in Deutschland dabei kaum Sorgen machen. Bei über 600.000 Vereinen liegt die Anzahl der Spendenverwendungsprobleme pro Jahr im niedrigen Promillebereich. Bei mehr als 99,999 Prozent hilft das Geld wirklich und nicht nur die Spender werden ein wenig glücklicher.

Fernando Dimeo, Leser_In

Was ist der Hauptgrund, warum Menschen mit dem Sport anfangen? Eindeutig der Wunsch, abzunehmen. Aber welcher ist der einzige Grund, warum sie jahrelang dabei bleiben? Weil es ihnen Spaß bereitet und sie glücklich macht. Die Faktoren, welche den Spaß beim Sport, die Freude an der Bewegung verursachen, sind vielfältig. Manche sind sozial oder psychologisch, beim Mannschaftssport zum Beispiel die Empfindung von Zugehörigkeit zu einer Gruppe mit einem gemeinsamen Ziel. Beim Wettkampfsport treibt uns das Gefühl an, sich selbst zu überwinden und höhere Leistungen zu erreichen oder besser zu sein als der Gegner. Aber es gibt auch biologische Gründe hinter dem Wohlbefinden, das auch Freizeitsportler oder Sportanfänger bei intensiven körperlichen Tätigkeiten erleben. Die Gefühle von Entspanntheit, Freude und Zufriedenheit nach einer Trainingsrunde ist mit der Freisetzung von Botenstoffen im Gehirn assoziiert, die eine ähnliche Wirkung wie Opium oder Haschisch haben. Der Unterschied ist jedoch, dass eine Stunde Sport nicht unter dem Betäubungsmittelgesetzt fällt. Und genauso wie Bewegung Spaß bringt und glücklich macht, verursacht Bewegungsmangel das Gegenteil. Der Körper benötigt Aktivität. Andernfalls meldet er sich mit Unwohlsein, Missempfindungen und Unruhe, was uns signalisiert, dass die Zeit gekommen ist, raus in die frische Luft zu gehen und die Muskeln zu aktivieren.

Anonym, Leser_In

Nix macht einen Menschen glücklicher, als wieder gesund zu sein.

Heinz Oberlinger, Leser_In

Ich habe mal gelernt, dass es drei Dinge sind, die Menschen wirklich glücklich machen: Zum einen ist es die Liebe. Ich möchte nicht wissen, wie es den Leuten geht, die im hohen Alter plötzlich bemerken, dass sie sich nicht getraut haben zu lieben. Die einsam sind, weil sie nur an sich gedacht haben oder Angst hatten, verletzt zu werden. Als zweites ist es die Freundschaft. Auch wenn man mal allein sein möchte, so kann niemand bestreiten, dass ein wenig Geselligkeit zum Lebensglück beiträgt. Leider merkt man den Unterschied nur, wenn man keine Freunde mehr hat, weil man die Freundschaften nicht gepflegt – oder langsam in ein kritisches Alter kommt. Zum dritten ist es eine erfüllende Beschäftigung. Dabei hat jeder einen ganz eigenen Anspruch. Von dem Gefühl, gebraucht zu werden, über das bloße beschäftigt sein mit dem Ziel, etwas getan zu haben, bis hin zum Anspruch, möglichst die ganze Welt zu retten. Meine persönliche Lektion zum Glücklichsein lautet daher: Man muss sich selbst kennen und akzeptieren, um die Liebe, die Freunde und die Arbeit zu finden, die einen glücklich machen.

Andreas Henzel, Leser_In

Nichts kann einen glücklicher machen als eigene Kinder. Nicht nur, weil sie selbst eine Quelle des Glücks sind, sondern auch, weil sie einem helfen zu verstehen, dass man sich nur selbst wirklich glücklich machen kann. Die Frage nach dem Glück ist eigentlich eine Frage der Einstellung und der Perspektive. Für mich hat sich das besonders deutlich gezeigt, als ich das erste Mal Vater geworden bin, denn das hat meine Perspektive in vielen Dingen verändert. Einiges wurde plötzlich unwichtig und hatte keinen Einfluss mehr auf mein Glücksgefühl. Geld hat zum Beispiel eine ganz andere Bedeutung und einen ganz neuen Wert für mich bekommen. Es war plötzlich nicht mehr ganz so wichtig für mich persönlich und um mir meine Wünsche zu erfüllen. Dafür wurde es umso wichtiger, um meinem Sohn und später auch meiner Tochter ein sicheres Umfeld zu bieten und ihnen eine gute Entwicklung zu ermöglichen.

Gundi Günther, Leser_In

Die Liebe ist es. Wir brauchen sie. Sie macht uns zu dem was wir sind, sie macht uns zu liebenden, gefühlvollen Menschen. Sie lässt unser Herz sprechen, durch sie können wir Gefühle zeigen und sie austauschen. Sie macht glücklich. Ohne Liebe ist alles nichts. So, wie mich der Umgang mit Menschen, Begegnungen, Gespräche, Lachen, gemeinsames Erleben und Emotionen, die man teilt, glücklich machen. Aber Geld macht es auch. Wir brauchen Geld, es macht uns frei, lässt uns ruhig schlafen, damit wir uns ernähren, schön kleiden und gut leben können, damit wir Zeit für eben diese Gefühle haben. Geld ist wichtig, aber immaterielle Güter sind es um so mehr. Vielleicht wäre da die Idee eines Philosophen unserer Neuzeit eine Lösung. Ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle und Arbeit, die man vielleicht nicht mehr ausschließlich für Geld tut, damit mehr Zeit für die Liebe bleibt.

Brigitte Bonifer, Leser_In

Zufriedenheit und die kleinen schönen Dinge des Lebens. Der Vogel, der sich in Deiner Nähe niederlässt. Der letzte warme Sonnenstrahl im November. In der Tat. Entdecke Dein persönliches Umfeld. Nimm\' einen anderen Weg als üblich, den \"Umweg\" und entdecke dabei neues und unbekanntes: das neue Café, das schöne Teil im Schaufenster, den Hinweis auf eine tolle Ausstellung an der Litfaßsäule, die Katze, die aufs Streicheln wartet usw. usw. - schön!

Urs Lupus, Leser_In

Klar, viele macht Geld und Liebe glücklich. Und jeder ist selbst seines Glückes Schmied. Tatsächlich? Wenn er dies nämlich nur für sich allein und evtl. auf Kosten anderer erreicht, verliert er womöglich am Ende wieder alles und steht letztlich da wie ‚Hans im Glück‘. Aus dem Fernsehen weiß nämlich auch jeder, wie viele Menschen weltweit sich eher mit Pech konfrontiert sehen und uns in den reichen Ländern dafür auch noch die Schuld geben. Sie sehen unser Wohlleben als Ursache für ihr Unglück, das ihnen Trockenheit, Überschwemmungen und Stürme ebenso beschert, wie Kriege, Ungerechtigkeiten und Ausbeutung. Aber auch bei uns sind viele von einem guten Leben weit entfernt, sie leiden etwa unter Gewalt, Not, Ausgrenzung, schlechter Luft, vergifteter Nahrung, Arbeitslosigkeit, Unrecht und Schädigungen ihrer Gesundheit. Die Chancen darauf, mehr Menschen glücklich und damit auch friedlicher zu machen, können daher nur dann steigen, wenn es uns allen gemeinsam gelingt, die Voraussetzungen dafür zu verbessern. Nicht nur Deutschland, sondern alle Staaten sollten sich daher der Aufgabe stellen, Fortschritte bei der Mehrung des Wohls ihrer Bewohner nicht nur zu versprechen, sondern nachzuweisen. Also, ‚Demokraten, gebt eurer Politik einen Kompass‘, denn das gemeinsame Wohl ist eine wichtige Voraussetzung für das persönliche Glück.

Sabine Putzer, Leser_In

Glück betrachtet jeder für sich anders. Im Allgemeinen sollte es glücklich machen einen verlässlichen Partner zu haben. Glücklich kann man sich schätzen gesund zu sein. Es macht auch glücklich wenn man einen guten Job hat und damit gutes Geld verdienen kann. Glücklich kann man sein, wenn die Familie für einen da ist. Aber das größte Glück ist, das Glück zu erkennen.

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Was gibt es noch zu entdecken?

Fernweh trifft alle unterschiedlich stark. Mancher sucht das Unbekannte vor der Haustür, den anderen verschlägt es auf die andere Seite des Erdballs. Wo suchen Sie?

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Florian Huber, Leser_In

Wer denkt, die Epoche großer Entdeckungen sei vorüber, irrt gewaltig: Die Welt unterhalb des Meeresspiegels hält spektakuläre Überraschungen parat, die den Inhalt der Geschichtsbücher noch heute verändern können. Kaum etwas fasziniert den Menschen so sehr wie das Ungewisse, das sich in den Tiefen unserer Ozeane verbirgt. Dennoch wissen wir über den Mond mehr als über das tiefe Blau unserer Erde. Erstaunlich, oder? Laut Unesco liegen rund drei Millionen Wracks aller Epochen in unseren Seen, Flüssen und Ozeanen. Das sind drei Millionen spannende, lehrreiche, aber auch tragische Geschichten des Menschen und seiner Reisen in ferne und unbekannte Länder. Ganze Kontinente wurden mit dem Schiff entdeckt und besiedelt, angegriffen und erobert. Noch bevor der Mensch sesshaft und somit Bauer oder Hirte wurde, war er bereits Seefahrer. Ohne deren Entdeckerdrang gäbe es die Welt nicht, wie wir sie heute kennen. Alles, was der Mensch jemals produziert hat, transportierte er früher oder später über unterschiedliche Wasserwege. Heute tauchen Unterwasserarchäologen weltweit nach diesen Zeitkapseln, um die Vergangenheit wieder ans Licht zu holen. Doch das ist auch ein Wettlauf gegen die Zeit: Kommerzielle Raubtaucher und Souvenirjäger bedrohen unser kulturelles Erbe unter Wasser ebenso wie Klimaveränderungen, Umweltverschmutzung und wirtschaftliche Faktoren, zu denen Schleppnetzfischerei, Rohstoff- und Energiegewinnung gehören.

Thomas Bucher, Leser_In

In den Alpen? Am Tegernsee, am Watzmann und bei Garmisch? Also dort, wo sich am Wochenende halb München trifft? In den Bayerischen Alpen gibt es sicherlich nichts mehr zu entdecken, möchte man meinen. Alles abgegrast, niedergewandert, zu Tode fotografiert. In gewisser Weise stimmt das auch: Zu den üblichen Zeiten an den üblichen Orten erlebt man oftmals das Übliche. Niemand ist aber gezwungen, nur die ausgetrampelten Pfade nachzulatschen. Die Welt des Bergsports ist riesig. Freilich, weil die Gebirge der Welt riesig sind. Aber nicht nur das. Warum nicht auch einmal bei Regen wandern? Warum nicht auch einmal auf einen vermeintlich unbedeutenden Berg steigen? Wenig besuchte Gipfel gibt es selbst in den Bayerischen Alpen, allerdings nicht auf dem Tablett serviert. Das Entdecken der Berge geht nämlich nicht erst in den Bergen los, sondern bereits daheim: beim Studieren von Karten, Tourenbeschreibungen, Erlebnisberichten. Beim Aushecken von eigenen Plänen. Beim Überlegen, welche Tour bei den aktuellen Bedingungen für mich und mein Können geeignet ist. Wer sich so vorbereitet, erlebt die Berge ganz anders. Gehen meine Pläne auf? Habe ich alles richtig eingeschätzt? Stimmen meine Berge im Kopf und die Berge da draußen überein? Das dürfte ohnehin die allergrößte Entdeckungsreise sein: Beim Bergwandern begegnet man vor allem sich selbst – seinen Wünschen, seinen Vorstellungen und seinen Grenzen. Man muss nur hinschauen.

Michael Krützen, Leser_In

Als junger Biologiestudent habe ich mir oft die Frage gestellt, was es denn eigentlich noch zu entdecken gäbe und ob nicht jede neue Entdeckung eigentlich nur noch einen langsam gegen null strebenden Wissenszuwachs bedeutete. Die Faszination an der „Wissenschaft der Lebewesen“, der Biologie, zerstreute glücklicherweise diese frühen Zweifel. Jedoch ist Wissenschaft generell ein eher langwieriger und zeitaufwendiger Prozess, der Wissenszuwachs marginal und sogenannte Heureka-Momente, wenn es sie denn überhaupt gibt, sind seltene Ausnahmen. Zwei solche Momente gab es jedoch innerhalb meiner Forschungsgruppe an der Universität Zürich: Entdeckungen über die kulturelle Weitergabe von Werkzeuggebrauch bei Delfinen in Australien und die Beschreibung einer neuen Orang-Utan-Art auf Sumatra. Warum gab es diese Momente? Kindliche Neugier im Team, fortwährender internationaler Austausch mit Kollegen, gemeinsames Arbeiten an einem gemeinsamen Ziel – also im Grunde alles, was moderne Wissenschaft so aufregend und in Zeiten zunehmender politischer Isolierung auch gesellschaftsrelevant macht. Kann man solche Entdeckungen planen? Überhaupt nicht. Im Englischen gibt es ein schönes Wort für solche überraschenden Entdeckungen, die so nie beabsichtigt waren: „Serendipity“. Wird es noch viel zu entdecken geben? Es wird nie aufhören. Wenn man nur die kindliche Neugierde bewahrt, mit offenen Augen durch die Welt geht und auch dem Zufall vertraut.

Ulrich Joger, Leser_In

Im Bereich der Dinosaurierforschung steigt die Zahl der Entdeckungen seit einigen Jahren regional an. Bisher standen der Westen Nordamerikas, Südamerika und China im Fokus. Afrika und Europa wurden dagegen vernachlässigt. Erstaunlich spät erfolgte die Entdeckung des kleinwüchsigen Sauropoden Europasaurus aus dem Harz bei Goslar. Erst 2006 wurde er wissenschaftlich beschrieben. Ein Forschungsprojekt unter der Federführung des Steinmann-Instituts der Universität Bonn und des Dinosaurierparks Münchehagen, an dem auch das Staatliche Naturhistorische Museum Braunschweig beteiligt war, mündete 2017 in die Braunschweiger Sonderausstellung „Jurassic Harz“, in der der Europasaurus erstmals einem breiteren Publikum bekannt gemacht wurde. Vom gleichen Fundort sind aber auch Fußabdrücke und Zähne anderer, noch unbeschriebener Dinosaurier bekannt. Auch in Spanien und Portugal wurden in den letzten Jahren neue Dinosaurierarten entdeckt. 2007/2008 führte das Braunschweiger Museum erstmals seit 100 Jahren wieder eine deutsche Dinosauriergrabung in Niger in Afrika durch. Dabei wurden zwei neue Dinosauriergattungen entdeckt: der Spinophorosaurus, ein 13 Meter langer Sauropode, und ein etwa menschengroßer Raubsaurier aus der Raptorengruppe, der nur aufgrund seiner gut erhaltenen Fußspuren identifiziert wurde. Seine Knochen müssen noch gefunden werden. Die Forschungen werden fortgesetzt. Wir dürfen mit weiteren Entdeckungen rechnen.

Rosie Swale Pope, Leser_In

Ich denke, Laufen ist die speziellste Form gelebter Demokratie. Das universelle Mantra des Marathonlaufens „Du kannst es schaffen!“ findet man überall auf unserer Welt. Laufen ist ein Segen in harten Zeiten und eine zusätzliche Freude in großartigen Zeiten. Das Tempo mag unterschiedlich sein, je nach Fähigkeit eines Läufers. Aber sie alle verbinden Mühe und Schönheit im Laufen zu einem Loblied auf das Leben. Die Mischung aus Kampf und Freude ist bei allen gleich. Als ich mit 48 Jahren wieder mit dem Laufen begonnen hatte, stellte ich fest, dass man beim Laufen jede Menge Entgegenkommen und Freundschaft von anderen erfährt. Das Laufen wurde für mich zu einer Zeit des Entdeckens. Man spürt die Magie nicht nur bei Start und Ziel, sondern auch in diesem mystischen Dazwischen. Du lernst immer mehr und bist zusammen mit großartigen Menschen. Ich lernte, dass die Fußsohlen Augen haben. In schwierigen Situationen freundete ich mich mit ihnen an. Ich hatte die Ehre, mit meinem Ehemann die Welt zu umrunden. Und ich tue mein Bestes, um das Bewusstsein für Krebsprävention zu verbessern, nachdem er an dieser Krankheit gestorben war, und in seinem Geiste andere darauf aufmerksam zu machen, dass Früherkennung Leben retten kann. Mit meinem Buch über die Erlebnisse meiner Erdumrundung komme ich jetzt nach Deutschland. Ich bin erst 71 und voller Energie, also werde ich den ganzen Weg von Brighton nach Berlin laufen. Ich kann es kaum erwarten.

Felicitas Then, Leser_In

Für mich gibt es nichts Wichtigeres als zu Reisen. Allein in diesem Jahr habe ich Israel, Mexiko, Hongkong, New York und Japan besucht. Mein unerschöpflicher Antrieb? Die Suche nach neuen Geschmäckern. Was wird auf fremden Märkten verkauft, wie mischt man richtiges indisches Curry, warum gibt es in Mexiko lilafarbenen Mais und wo wachsen die schärfsten Chilischoten? Kaum bin ich aus dem Flugzeug gestiegen, zieht es mich zum ersten Streetfood-Stand. Auf der Straße kann man den echten Geschmack eines Landes kennenlernen. Nicht an Hotelbuffets oder in schicken Restaurants. Darüber hinaus offenbart das einfache Essen so viel über das Zusammenleben, die Rituale und Gewohnheiten der anderen Kultur. Und es verbindet. In Vietnam zum Beispiel habe ich mit einer Familie auf dem Boden gesessen und Sommerrollen und Hühnerfüße gegessen. Auch wenn wir nicht die gleiche Sprache gesprochen haben, so konnten wir uns doch verstehen. Aber die Reisen bereichern bei Weitem nicht nur den Moment. Zurück in Berlin ziehen die neuen Entdeckungen und Aromen stets in meine Küche ein, werden mit Bekanntem gemischt und lassen so völlig neue Kreationen entstehen. Daran lasse ich meine Youtube-Community anschließend durch meine Videos teilhaben und hoffe, dass wir so gemeinsam Stück für Stück unsere leckere Welt entdecken können. Kommen Sie mit. Youtube.de/felicitasthen

Klaus Florian Vogt, Leser_In

Beruflich bin ich sicherlich mehr als 200 Tage im Jahr unterwegs. Ich habe das Reisen nie als Belastung angesehen, sondern immer als Bereicherung, als Abenteuer. Ich freue mich auf neue Städte, aber auch auf Orte, in denen ich bisher nur kurz war. Man ist dort nicht ganz fremd und kann die Umgebung besser entdecken. Tokio ist so ein Beispiel: Wenn man einmal das System der öffentlichen Verkehrsmittel verstanden hat, traut man sich auch neue, unbekannte Wege zu. Ein großes Wunschziel von mir ist Sydney, wo ich bisher nur ein, zwei Tage sein konnte, während einer Kreuzfahrt. Das australische Lebensgefühl reizt mich sehr. Und Kanada wäre mein Traum, dort war ich noch nie. In den meisten deutschen und in vielen europäischen Städten habe ich hingegen schon gastiert, viele sehr schöne Erinnerungen sind geblieben: Ob Neapel, Mailand, Paris, London, Wien, Barcelona, Monaco oder immer wieder Berlin. Da ich als Opernsänger nicht jeden Tag auf der Bühne stehe, sondern zwischendurch auch freie Tage habe, hat sich für diese Reisen mein Wohnmobil bewährt. Ich kann die Zeit nutzen, um die Gegend zu erkunden. Ich bin aber auch flexibler: Gefällt mir ein Stellplatz nicht, fahre ich einfach zum nächsten. Eine meiner schönsten Erinnerungen ist die an Bilbao. Dort entdeckte ich einen Platz für mein Wohnmobil direkt an der Biskayaküste, wo man baden konnte. So wurde jede freie Minute einfach zu Urlaub.

Hermann Weinberg, Leser_In

Noch? Immer noch? Grenzenlose Entdeckungsmöglichkeiten? Uns Mitteleuropäern und vielleicht auch anderen Menschen, die in der ersten Welt – etwas seltsam dieser Begriff – hinein geboren wurden, wurde gelehrt, dass es in unseren Kulturräumen Zeiten gab, in denen Menschen neue Lebensräume deshalb entdeckten, weil sie spürten, dass sie in den alten keine Zukunft mehr gestalten konnten, wollten oder durften. Fernab gründeten sie Kolonien, wanderten aus über den Atlantik, flohen in eine andere Himmelsrichtung, ... Wer über den Tellerrand hinaus denkt, weiß, dass dies nach wie vor für viele Menschen gilt. So ist die Frage, ob es etwas zu entdecken gibt, für Menschen, die aus ganz anderen Kulturen zu uns gekommen sind, weil sie dort kein Zuhause mehr haben, wohl zu bejahen! Und für uns? Notwendige Voraussetzung, um etwas Neues zu entdecken, sind eine andere als die gewohnte Perspektive, Offenheit und Lernbereitschaft. Verharren wir in der uns vertrauten Weltsicht, ist z.B. eine Reise in einen anderen Kulturraum vielleicht ein Abenteuer, vielleicht ist damit auch verbunden, etwas zum ersten Mal mit einem unserer Sinne wahrgenommen zu haben – entdeckt haben wir damit aber noch nichts. Es war ja schon da, bevor wir kamen. Zu entdecken gibt es allerdings dann vieles, wenn unsere Wahrnehmungen – ganz gleich, ob sie vor der eigenen Haustür oder in der Fremde entstehen – mit uns etwas machen, etwas in uns bewegen, unsere gewohnte Bahn zu verlassen, wenn wir daraus neue Erkenntnisse und Haltungen ableiten. Spüren können wir eine Haltungsänderung häufig daran, dass sie in uns den Impuls erzeugt, Verantwortung zu übernehmen. „Eroberungsfreuden“ haben oft die Eigenschaft, schnell zu verpuffen. Vielleicht machen sie auch „süchtig“, nach weiteren Eroberungszügen, nach immer mehr vom Ähnlichen. Dann „muss“ ich schon bald wieder in den Flieger steigen, um einen Flecken auf dieser Erde anzusteuern, den ich noch nicht gesehen, noch nicht erobert habe. Entdeckungen sind stets eine „Reise nach Innen“. Um ein Entdecker / eine Entdeckerin zu werden, braucht es deshalb nicht notwendigerweise einer Reise in ein fernes Land. Es braucht Mut, sich selbst – seine bisherigen Meinungen und Haltungen – in Frage zu stellen. So gesehen, gibt es immer noch etwas zu entdecken.

Amelie Schendzielorz, Leser_In

Mal abgesehen von den vielen Orten, Ländern und Kulturen, die es noch zu entdecken lohnt, ist es durchaus spannend zu sehen, an welcher Stelle und in welchem Moment man sich in der allgegenwärtigen Mischung aus Alltagstress und Routine selbst auch nochmal neu entdecken kann. Im besten Fall findet man auf dieser Entdeckungsreise tatsächlich den Schlüssel zu seiner Mitte – zur vollkommenen Ausgeglichenheit und zu absoluter Leichtigkeit. Und das nicht nur für einen kurzen Moment bei einem Glas Wein am knisternden, wohlig warmen Kamin, sondern anhaltend. Das wäre doch mal was.

Thomas Niendorf, Leser_In

Ich habe mir vorgenommen, die Ruhe für mich zu entdecken. Mich selbst besser kennenzulernen, mehr auf meinen Bauch zu hören und den Kopf auch mal abzuschalten. Was will ich und wo will ich eigentlich hin? Wie wir nun mit Ende 30 wissen, ist das Leben ein langer Weg mit unzähligen Gabelungen, Weggefährten und Abschnitten, auf denen es mal schneller und mal langsamer vorangeht. Dies zu erkennen, hat einige Zeit in Anspruch genommen. Viele Erkenntnisse und Erfahrungen habe ich auf diesem Weg gewonnen. Gelernt, was mir gut tut und was ich lieber bleiben lassen sollte. Ich möchte nicht ein einziges der vielen Erlebnisse missen, die manchmal vielleicht auch schmerzhaft waren. In der Summe sind sie die Grundlage meiner Persönlichkeit. Sie machen mich verwundbar und stark zugleich. Mit dem Bewusstsein meiner eigenen Vergangenheit durch die Welt zu laufen, öffnet mir die Augen für die Entdeckungen, die noch vor mir liegen, die ich noch nicht im leisesten erahnen kann. Was als nächstes kommt, dass weiß ich immer noch nicht. Nur das ich es mit meiner vollen Hingabe entdecken will, dass weiß ich jetzt schon.

Paulina C., Leser_In

Für mich gibt es noch so vieles zu entdecken. Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Ich habe seit einem Monat einen neuen Job, in dem ich erstmal alle Abteilungen kennenlernen darf, danach geht es dann für mich richtig los. Dafür muss ich ehrlich sagen, dass ich in meinem vorherigen Job nicht so glücklich war, sodass ich jetzt noch mehr Gas geben möchte und noch mehr Gas geben werde. Aber vor allem geht es mir darum, dass ich mich in meiner neuen Firma wohl fühle, was momentan der Fall ist. Neben meinem Job entdecke ich meine Beziehung beziehungsweise meinen Partner und mich jeden Tag neu. Da wir jetzt jeden Morgen und fast jeden Abend den gleichen Weg haben, ist das ein neues Level in unserer relativ frischen Partnerschaft. Ich freue mich auf die neuen Herausforderungen und habe die Kraft, sie mit meinem Partner und auch mit meinen neuen Kollegen zusammen zu meistern. Das mag vielleicht für den einen oder anderen kitschig klingen, aber ich bin bereit und ich freue mich. In diesem Sinne: Hört nie auf, etwas Neues zu entdecken.

Daniel Tamm, Leser_In

Entdecken kann man jeden Tag vieles. Man muss nur die Augen aufmachen und immer wieder den Entdecker in sich wecken. Der Kurztrip zur erhofften Erholung scheitert oft schon an der empfundenen Komplexität. Allein die Terminfindung bei einer Reise zu zweit stellt oft eine unüberwindbare Hürde dar. Wenn wir hier einfacher denken würden, könnten wir viel mehr neue Dinge und Orte entdecken. Also einfach machen und nicht so lange grübeln. Sonst ist wieder Frühling. Die Erholung ist heute ja nur noch einen Klick entfernt.

Brigitte Bonifer, Leser_In

In der Tat. Entdecke Dein persönliches Umfeld. Nimm\' einen anderen Weg als üblich, den \"Umweg\" und entdecke dabei neues und unbekanntes: das neue Café, das schöne Teil im Schaufenster, den Hinweis auf eine tolle Ausstellung an der Litfaßsäule, die Katze, die aufs Streicheln wartet usw. usw. - schön!

Franz Schulmeyer, Leser_In

Viele aus unserem Umfeld schimpfen über den Fluglärm und das Wetter. Geht es in den Urlaub, dann in den Flieger nach Chile, Kuba, den Iran, Hongkong, Australien, Zypern, Israel, Spanien oder Sardinien. Hauptsache in die unbekannte Ferne. Im Sommer waren wir (30, 31, 3 Jahre alt) mit 2 Fahrrädern an der Mosel. Sie mäandert nicht weit von Frankfurt und ist mit der Bahn erreichbar. Beide Züge waren sehr gefüllt. Es gab Ausflugsgruppen, Radfahrende, Erschöpfte und eine auf ihre Vorschriften achtende Zugbegleiterin – es menschelte auf wenig Raum. Am Fluss ist es nicht zu heiß, baden ist möglich. Für jede Schatulle gibt es eine entsprechende Unterkunft mit Frühstück. Da unklar ist, ob in dem Ort abends Einkehrmöglichkeiten bestehen, werden bei den wenigen Supermärkten die Satteltaschen mit Trockenobst, Knäckebrot und Wasser gefüllt. Menschen eines anderen Bundeslandes können auch manchmal fremd wirken: Der Dialekt, das Naturell, die Arbeit in den Weinbergen, der Umgang mit Gästen oder dem eigenen Lebensabend. Viele freuen sich über eine ankommende Familie, manche erinnert es daran, dass ihre Kinder mal klein waren und was es zu bedenken galt, andere erkennen Verhaltensweisen ihrer Enkelchen wieder. Entdeckt wurden Schiffe, Schleusen, Rosinenpflanzen, Traktoren, Spielplätze, eine Seilbahn, Kühe, Schafe, Pferde. Nach acht Tagen ist die Vorfreude aller auf den vertrauten Komfort zu Hause und das Bleiben an einem Ort groß.

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Wie vermehrt sich Geld?

Zinsen sinken bis zur Bedeutungslosigkeit und doch gibt es sie, die Wege, sein Geld für sich arbeiten zu lassen. Von progressiv bis klassisch: An welche Investition glauben Sie?

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Friedrich Georg, Leser_In

Ihr umfassender Beitrag enthält viele Fragen, aber keine ernsthaften Antworten oder gar Lösungen für Millionen ratlose Bürger. Beispiel: Daniel Diemers stellt die Kernfrage, „wie Kryptowährungen unser Wirtschafts- und Finanzsystem beeinflussen und ob und wie rasch diese auch von einer breiteren Bevölkerung für Zahlungs- und Wertaufbewahrung verwendet werden.“ Stattdessen liegen „zwei Billionen Euro nahezu unverzinst auf Konten oder unter Kopfkissen deutscher Bürger.“ Durch die „negative Realverzinsung verlieren die Deutschen über 34 Mrd. Euro im Jahr. Deutschland spart sich arm.“ Jedem neutralen Beobachter ist klar, dass unser klassisches Bankwesen (Zahlungsverkehr) von privaten Anbietern (Zahlungsverkehr via App) abgelöst wird. Mit digitalem Geld und Smartphone-App wird das Bargeld vom Markt verdrängt. Eines nicht zu fernen Tages werden Millionen Bürger aufwachen und in den Nachrichten erfahren, dass das digitale Geld auf einer Cloud verschwunden ist und die Scheine unter ihrer Matratze für wertlos erklärt wurden, weil eine Währungsreform mit Schuldenschnitt zwingend erforderlich war, um die Weltwirtschaft vor dem Kollaps zu retten. Die Frage lautet also nicht: „Wie vermehrt sich Geld?“, sondern „Wie kann ich für die Zukunft vorsorgen, ohne die Gegenwart zu zerstören?“ Die relativ meisten Bürger entscheiden sich derzeit für Immobilien als langfristige Wertanlage, machen sich damit aber für die globale Wirtschaft immobil. Aktien sind bereits überbewertet und hochspekulativ, da sie auf einer schuldenbasierten Wirtschaft aufbauen. Staatsanleihen können in einer ansteigenden Inflation nur verlieren, vom Risiko eines Staatsbankrotts (s. Venezuela) abgesehen. Bleibt eigentlich nur die Investition in eine lebenswerte(re) Zukunft: Ökologische Landwirtschaft und Erneuerbare Energien zur Selbstversorgung. Dafür müssen genossenschaftliche Prinzipien wieder zum Leben erweckt werden (ohne den Umweg über Finanzvermittler).

Daniel Diemers, Leser_In

Kryptowährungen gibt es erst seit wenigen Jahren und doch sind sie heute in aller Munde. Was Bitcoin, Ethers und Co. so faszinierend macht, ist sicher die Schwierigkeit, jemandem zu erklären, was sie eigentlich sind, aber auch die Tatsache, dass hinter der Währung keine Zentralbank steht. Dazu kommen rasch ansteigende Kurse, viel Medienecho und dass es immer mehr Kryptowährungen gibt – heute sind bereits mehr als 1.300 verschiedene Altcoins auf dem Markt.

Es sieht danach aus, als wenn sich neue, kreative Formen von Währungen etablieren, die für Transaktionen im Internet und zunehmend auch in der nichtvirtuellen Welt genutzt werden. Mit der Vielfalt und Komplexität fühlen sich viele jedoch auch überfordert: Was, wenn ich wegen eines technischen Defekts meine Bitcoins nicht mehr auf der Festplatte finde? Wie lange dauern die Kursanstiege noch an? Wie und wo kaufe und verkaufe ich Kryptowährungen? Mit diesen Themen beschäftigen sich heute Experten weltweit. Die Kernfragen sind dabei, wie Kryptowährungen unser Wirtschafts- und Finanzsystem beeinflussen und ob und wie rasch diese auch von einer breiteren Bevölkerung für Zahlungs- und Wertaufbewahrung verwendet werden. Spannend wird sein, wie sich die Politik, aber auch die klassischen Banken gegenüber diesem Phänomen verhalten werden. In einem sind sich die Experten einig: Der Geist ist aus der Flasche und die weitere Entwicklung wird nicht abrupt enden, zumindest solange das Internet weiter existiert.

Reint E. Gropp, Leser_In

Seit Abschaffung des Goldstandards bemisst sich der Wert des Geldes nur noch durch das Vertrauen, dass eine Institution es knapp genug hält, so dass es seinen Wert in der Zukunft nicht verliert. Nur wenn ich davon ausgehe, dass ich mir für Geld, das mir heute jemand gibt, auch morgen noch etwas kaufen kann, bin ich heute bereit, es zu akzeptieren. Daher streben die meisten Zentralbanken explizit ein Inflationsziel an: Stabile Preise sind definiert als eine langsame, sukzessive Geldentwertung. Warum nicht eine Geldentwertung von null? Der Grund ist, dass Qualitätsverbesserungen bei Produkten nur schwer zu messen sind. Ein Auto mag heute mehr kosten als früher, ist aber auch deutlich sicherer. Und eine negative Geldentwertung, also eine Deflation, möchte man unbedingt vermeiden. Wenn ich erwarte, dass Geld in Zukunft mehr wert ist, stelle ich Käufe zurück. Wenn genug Menschen sich so verhalten, führt das zu einem negativen Kreislauf, bei dem sich die Kaufzurückhaltung wiederum in fallenden Preisen niederschlägt, was wiederum zu weiterer Kaufzurückhaltung führen kann. Entscheidend für den Wert des Geldes und den Erfolg der Wirtschaft sind die Erwartungen der Wirtschaftsteilnehmer bezüglich seines zukünftigen Werts. Deshalb ist die Hauptaufgabe der Zentralbanken Erwartungsmanagement. Nur wenn sie es schaffen, dass die Menschen weder zu wenig noch zu viel Geldentwertung erwarten, kann das Geld seine Aufgaben erfüllen.

Susanne Luber, Leser_In

Fragen wir Dagobert Duck, den reichsten Mann der Welt: „Es gibt viele Methoden, um reich zu werden“, erklärt er. „Ich kenne sie alle. Aber die sicherste ist Sparsamkeit. Daran führt kein Weg vorbei.“ Vor dem Sparen steht für ihn jedoch harte Arbeit: „Ich bin reich geworden, weil ich zäher war als die Zähesten und schlauer als die Schlauesten. Und ich bin ein ehrlicher Mann dabei geblieben.“ Letzteres darf allerdings angezweifelt werden, denn Dagobert Duck ist nicht gerade bekannt für faire Geschäftspraktiken. Schon als Kind hat er die ökonomischen Gesetze von Angebot, Nachfrage und Preisbildung durchschaut und zu seinem Vorteil genutzt – frei von den Fesseln moralischer Bedenken. „Ich habe in den Wäldern meiner schottischen Heimat Brennholz gesammelt,“ erinnert er sich. „Den ganzen Sommer über hab ich gesammelt, und im Winter, wenn es Stein und Bein fror, hab ich’s teuer verkauft. Sehr, sehr teuer!“ Geld vermehrt man eben nicht durch Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse anderer Menschen, vor allem nicht auf die der Armen. Dagobert Duck kleidet dies in markige Merksätze: „Ich bin kein Wohltätigkeitsinstitut, ich bin Geschäftsmann.“ – „Durch Edelmut wird man nicht reich“ – „Im Krieg und im Geschäft ist alles erlaubt.“ Wenn man aber erst einmal Geld hat, dann vermehrt es sich auch, weiß er: „Sparen, sag ich immer, sparen und nochmals sparen! So macht man Geld, und wo erst Geld ist, vermehrt es sich von selbst. Ein altes monetäres Gesetz.“

Carl-Ludwig Thiele, Leser_In

Das Bargeld hat eine über zweieinhalb Jahrtausende lange Tradition. Im Siebten Jahrhundert vor Christus kennzeichnete man in Kleinasien die ersten Edelmetallstücke mit einem Bild und garantierte so deren Wert. Der Prägeherr der ersten systematischen Münzprägung wurde sprichwörtlich für Reichtum: Krösus, König der Lyder. In der Folge entwickelte sich die Erfindung der Münze zu einem Exportschlager und zu einer bis heute währenden Erfolgsgeschichte. Der griechische Philosoph Aristoteles erörterte bereits im Vierten Jahrhundert vor Christi Geburt, wie und warum Bargeld zu einer gerechten Gesellschaft beiträgt, indem es als Zahlungsmittel und Recheneinheit, aber auch als Wertaufbewahrungsmittel dient. Sein Schüler Alexander der Große, König von Makedonien, eroberte nicht nur ein Weltreich, sondern versah es auch mit einer einheitlichen Währung. Im Reich der Römer nutzte man sogar mobile Münzstätten, die das Heer unterwegs mit dem nötigen Kleingeld versorgten. Während der Völkerwanderungszeit geriet das Münzwesen in Unordnung. Der fränkische König Karl der Große ordnete es neu, was für die Stabilität in dessen Reich im Kern Europas von grundlegender Bedeutung war. Edelmetallmangel nach dem Dreißigjährigen Krieg führte in Schweden zur Einführung der ersten europäischen Banknoten. Seither stehen der Bevölkerung Banknoten gemeinsam mit Münzen als verlässliches Zahlungsmittel zur Verfügung.

Julian Treeck, Leser_In

Um herauszufinden, wie man sein Geld optimal vermehrt, halte ich eine qualifizierte Beratung für essenziell. Dabei ist es nicht immer leicht, einen Unparteiischen zu finden, bei dem das entgegengebrachte Vertrauen auch sinnvoll platziert ist. Die Beratung ist wichtig, weil die Frage von der persönlichen Situation und den eigenen Prioritäten abhängt. Wie viel Geld schicke ich ins Rennen und wo liegt meine Renditeerwartung nach Abwägung der Risikosituation? Einem durchschnittlichen privaten Anleger in einem Arbeitnehmerverhältnis sind geringere Mittel gegeben als etwa einem Firmeninhaber oder besser situierten Menschen. Grundsätzlich gilt: Je mehr Geld ich mitbringe, umso stärker kann ich es vermehren, gerade in Zeiten des Niedrigzinsumfeldes. Investitionen in Immobilien können eine gute Lösung sein, sofern man sich gut informiert. Sie sind meist besser kontrollierbar als der Kapitalmarkt. Mit Blick auf die gesetzliche Rente steht grundsätzlich die Frage im Raum, wie man zusätzlich vorsorgen kann – ob durch Immobilien, Aktien, Versicherungen oder eine Kombination von allem. Auch ist es immer ratsam, sich zu staatlich geförderten Vorsorgemodellen zu informieren. Jeder sollte sich darüber im Klaren sein, dass immer eine Entscheidung zwischen Risiko und Renditepotential getroffen werden muss – ein häufig unterbewertetes Spannungsfeld. Mit anderen Worten: Der richtige Weg, Geld zu vermehren, sieht für jeden anders aus.

Horst von Buttlar, Leser_In

Die Deutschen sprechen ungern über Geld. Es vermehrt sich diskret hierzulande. Als wir vor fünf Jahren bei Capital die Rubrik „Meine erste Million“ starteten, prophezeiten uns nicht wenige: „Kaum ein Mensch wird über seine erste Million sprechen wollen.“ Doch es kam anders. Inzwischen sind es gut 50 Persönlichkeiten geworden, darunter der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl, der Blockhaus-Gründer Eugen Block, der Xing-Grüner Lars Hinrich, aber auch der Filmregisseur Roland Emmerich oder Eckart von Hirschhausen sind dabei. Es sind 50 bunte und aufregende Erfolgsgeschichten, aber es gibt Muster: Nicht alle erinnern den Moment genau, aber wer ihn erinnert, hat sich etwas Besonderes geleistet: Ein Auto, ein Pferd, ein Bild von Chagall, ein schönes Essen. Lars Hinrichs kaufte gar einen Flug ins All. Der MLP-Gründer Manfred Lautenschläger stellte sich vor den Spiegel, atmetet tief durch und sagte: „Du bist jetzt Multimillionär.“ Bei den allermeisten aber ging die erste Million direkt ins Unternehmen, um die zweite oder dritte Million zu machen. „Ich habe alles in die Firma gesteckt“, ist so ein typischer Satz. Die große Jacht oder die Villa am Meer haben viele gar nicht. „Geld ist kein Selbstweck“, sagte Jette Joop. Und der Profiboxer Arthur Abraham erzählte: „Wir leben bescheiden.“ Viele finden die verschämte Art, wie in Deutschland über Reichtum geredet wird, aber falsch. Sie wünschen sich mehr Offenheit, Anerkennung und weniger Neid.

Sven Baier, Leser_In

Wie die Karnickel sicher nicht, nur schlägt es ihre Populationsvermehrung um Längen. Dass die Zentralbank Geld druckt – es typischerweise Bargeld nennt – und an die Geschäftsbanken je nach Bedarf als Kredite verteilt, dürfte kein Geheimnis sein. Ein bedeutungsloser Anteil im Spiel der Geldvermehrung. Tatsächlich erschaffen wir privaten Haushalte, Unternehmen oder auch Staaten, also alle beteiligten Nichtbanken des Finanzsystems, den größten Anteil an Geld. Nämlich immer dann, wenn wir in Dinge investieren oder sie einfach konsumieren und erst in der Zukunft dafür zahlen. Also immer dann, wenn es auf Pump geht. Geschäftsbanken geben diese Kredite, und zwar nicht aus den Einlagen der Sparer, sondern aus einer aktuell einprozentigen Deckung durch Zentralbankgeld, also wiederum aus einem Kredit. Das heißt, umso mehr Kredite nachgefragt werden, also je deutlicher wir offenbaren, dass wir aktuell keine Kohle besitzen, um uns Dinge jetzt leisten zu können, je mehr Geld vermehren wir durch virtuelle Gutschriften auf unseren Konten. Also nicht für den Kreditnehmer, da dieser ja das geliehene Geld nebst Zinsen zurückzahlen muss, sondern immer für die anderen. Letztendlich sind doch Zins und Zinseszins nur Rechenaufgaben für unsere Kinder. Und wie war das? Geld erschuf die Welt. Oder?

Brigitte Bonifer, Leser_In

\"Lege nicht alle Eier in einen Korb.\" Die alte Börsenwahrheit hat noch immer Bestand. Streuen. Aktien, eine Immobilie, Fonds usw.

Thomas Manig, Leser_In

Meine Oma sagte immer, wer seins und das von Anderen nimmt, der kommt zu was. Nach meiner Bankausbildung stellte ich fest, Sie hat recht. Es sind die kleinen Veränderungen in Facetten, die aus wenig viel machen und es sind lang ausgeklügelte Pläne die aus wenig ganz viel machen. Banken machen es so, wie es meine Oma gesagt hat. Andere nehmen ihr Geld und Investieren in neue unbekannte Ideen und werden dabei reich, oder auch nicht. Zusammenfassend sage ich Geld vermehrt sich durch das Investment in gute Ideen, zielstrebiger Arbeit an der Idee und Glück bei der Umsetzung der Idee.

Martin Dommerow, Leser_In

Als Kaufmann für Versicherungen und Finanzen weiß ich leider aus erster Hand, dass klassische Lebensversicherungen heutzutage die gewünschte Rendite nicht mehr erzielen. Die Leute sollen in chancenreiche Fondspolicen investieren. Das ist für meine Anlageziele aber keine wirkliche Lösung.

Thomas Kops, Leser_In

Wenn man wenig Zinsen in Kauf nehmen möchte aber die Sicherheit im Rücken braucht, bietet der Staat einige Möglichkeiten. Möchte man eine relativ hohe Rendite, bleiben nur Aktien. Aber Vorsicht. Vertrauen sie nicht jedem blind. Werden sie selbst Experte bevor sie Experten fragen.

Nadja Winter, Leser_In

Eine Freundin von mir hat mir heute erzählt, dass sie das Haus von ihrer verstorbenen Mutter einem palästinensischen Paar verkauft hat, welches ihr erstes Kind erwartet. Das Paar hatte wohl seit langer Zeit Schwierigkeiten eine Wohnung zu mieten, Geschweige denn ein Haus zu kaufen. Mit dieser Entscheidung hat meine Freundin nicht nur ihr Geld vermehrt, sondern auch etwas Menschliches, etwas Tolles gemacht. Sie hat einem jungen Paar und ihrem zukünftigen Kind eine Sicherheit, eine Bleibe hier in Deutschland ermöglicht. Ich möchte die Gelegenheit nutzen und meiner lieben Freundin Danke sagen, dafür, dass Sie das Menschliche vermehrt hat und nicht nur bloß das Geld. Dankeschön! Ich bin stolz auf Dich!

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Welche Verantwortung haben wir?

Wir leben in einem der reichsten Länder der Welt – doch längst nicht alle erleben ausreichende gesellschaftliche Teilhabe. Wo sehen Sie Handlungsbedarf, was können wir persönlich leisten und wo sind der Verantwortung Grenzen gesetzt?

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Hannes Jaenicke, Leser_In

Die meisten Menschen, die ich beobachte, denken: Nach mir die Sintflut. Das kommt wahrscheinlich daher, dass der Leidensdruck bei uns noch nicht hoch genug ist, um unser Handeln zu ändern. In anderen Ländern ist dies längst der Fall. Man sollte sich klar machen, dass alles, was wir tun, globale Auswirkungen hat – ob Menschen mit ihren schweren SUVs durch Innenstädte kurven oder Plastikmüll produzieren. Mikroplastik etwa landet immer irgendwann im Meer, wird von Fischen aufgenommen, die wir wieder essen. Es gibt also immer Auswirkungen auf uns Menschen. Darum kann man Umweltschutz nicht von Menschenschutz trennen. Viele Menschen freuen sich darüber, wie billig man Kleidung kaufen kann. Aber welche Konsequenzen dies für die Menschen in den asiatischen Billiglohnländern und deren Umwelt hat, daran will keiner denken. Auch, dass Kinder im Kongo in Coltan-Minen für unsere Smartphones und anderen Elektroschickschnack schuften, wird sportlich verdrängt. In anderen Ländern, die diesen Leidensdruck längst spüren, etwa auf vielen Pazifikinseln, wird anders gehandelt. Ich glaube, dass jeder Einzelne die Pflicht hat, Verantwortung für unseren Planeten zu übernehmen. Als sogenannter Promi hat man zusätzlich die Möglichkeit, auf Dinge aufmerksam zu machen, zu informieren, auf Missstände hinzuweisen. Aber das größte Problem ist und bleibt die Untätigkeit der Politik, die Profitgier der Industrie und das Desinteresse vieler Verbraucher.

Götz W. Werner, Leser_In

Unsere Verantwortung ist, dass der Artikel eins, Absatz eins unseres Grundgesetzes endlich für alle Menschen wirksam wird: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Bei aller Komplexität, den Verirrungen in unseren Finanzströmen und dem tiefgreifenden Wandel dürfen wir nicht vergessen: Es geht immer um die Menschen. Sie sind das Ziel. Wir brauchen Rahmenbedingungen, die die Initiative der Menschen fördern, so dass sie selbst erkennen können: Hier kommt es auf mich an. Kontrollstrukturen – ob in Unternehmen oder unserem Zusammenleben – hemmen Initiative und die Entwicklung des Einzelnen. Respekt und Wertschätzung sollten die Eckpfeiler unseres Zusammenlebens sein. Wir brauchen eine Gesellschaft, in der wir jedem Menschen Zutrauen aussprechen und jede Tätigkeit – auch die, die nicht an einen Erwerbsarbeitsplatz gebunden ist – wertschätzen und ermöglichen. Dafür müssen wir uns von gewohntem Denken lösen. Schon Albert Einstein sagte: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ Wenn wir die Herausforderungen der Zukunft gestalten wollen, müssen wir die Verknüpfung von Arbeit und Einkommen überwinden. Wir brauchen ein bedingungsloses Grundeinkommen. Nicht als soziale Wohltat, sondern um den Missstand abzuschaffen, dass das Existenzminimum sowie eine menschenwürdige soziale und kulturelle Teilhabe für etwa jeden fünften Einwohner unseres Landes nicht bedingungslos garantiert ist.

Jürgen Todenhöfer, Leser_In

Wir dürfen die Zukunft unserer Welt nicht allein der Politik überlassen. In Schicksalsfragen wie Krieg, Rassismus oder Umwelt sollten wir persönlich Verantwortung übernehmen. Indem wir die öffentliche Meinung mitgestalten. Beim zehnten kritischen Leserbrief in einer wichtigen Zeitung, bei machtvollen Demonstrationen und großen Bürgerinitiativen kommt jeder Politiker ins Schwitzen. Junge Menschen könnten zum Beispiel beim Streit über Waffenlieferungen in den sozialen Medien Druck aufbauen. Öffentliche Meinung ist eine Großmacht. Für Politiker die wichtigste. Von ihr hängt ihre Wiederwahl ab. In der Außenpolitik müssen wir endlich dem Krieg die Maske der Ehrbarkeit vom Gesicht reißen. Und deutlich machen, dass es bei fast allen Militärinterventionen nicht um Menschenrechte geht, sondern um Macht, Märkte und Moneten. Auch im sozialen Bereich sollten wir Verantwortung übernehmen. In Deutschland leben Millionen arme, vereinsamte alte Menschen. Oft sind sie krank. Vom Staat werden sie, wenn überhaupt, im Minutentakt abgefertigt. Jeder von uns könnte ihnen etwas Zeit widmen. Wohlhabende könnten private Hilfsorganisationen für einsame alte Menschen gründen. Echtes soziales Engagement aber geht über finanzielles Engagement hinaus. Man muss sein Herz öffnen, nicht nur den Geldbeutel. Und andere so behandeln, wie man selbst behandelt werden will. Wenn wir die Welt verbessern wollen, müssen wir bei uns selbst anfangen.

Ana-Maria Stuth, Leser_In

Freiwillig Engagierte erfüllen gesellschaftliche Bedürfnisse, indem sie Angebote im Sport oder in Musik und Kultur machen. Sie füllen Lücken in der Daseinsvorsorge durch Unterstützung in der Pflege, in der Jugendbildung oder in der Organisation von Bürgerläden und Bürgerbussen. Sie engagieren sich in der freiwilligen Feuerwehr, in der Katastrophenhilfe bei Überschwemmungen oder für Geflüchtete. Auch Politik ist auf lokaler Ebene ohne ehrenamtliche Bürgermeister und Stadträte nicht denkbar. Freiwillige verkörpern Verantwortung: Sie setzten sich für die Themen ein, die für sie wichtig sind. Sie wollen mit anderen zusammen etwas im Kleinen oder Großen verändern. Engagement bedeutet Arbeit und Anstrengung, bringt aber auch Spaß, Gemeinschaft und Lernmöglichkeiten und steigert im besten Fall das Gemeinwohl. Verantwortung übernehmen bedeutet aber auch, dort wo es Missstände gibt, diese aufzuzeigen und sich für Verbesserungen zu engagieren. Das können Kampagnen für soziale Gerechtigkeit, gegen Umweltzerstörung und für Tierschutz und gegen oder für Bauvorhaben sein. Sie machen unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse der einzelnen sichtbar. Es ist dann die Verantwortung des Staates, dafür zu sorgen, dass aus den unterschiedlichen Interessen Gemeinwohl entsteht. Diese Vielfalt und dieser Eigensinn des Engagements müssen gefördert werden, damit jeder, der in Deutschland lebt, Verantwortung für die Belange übernehmen kann, die ihn bewegen.

Jennifer Rostock, Leser_In

Welche Verantwortung trägt der öffentlich tätige Mensch? Das ist sehr schwer zu verallgemeinern. Oft ist einem die tatsächliche Reich- und Tragweite, insbesondere von politischen Aussagen, kaum bewusst. Natürlich ist es grundsätzlich erstmal begrüßenswert, wenn Künstler ihre Öffentlichkeit nicht nur zum Selbstzweck nutzen, sondern um auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam zu machen. Darin steckt aber bereits die Krux der Sache. Nur die allerwenigsten haben die Weisheit mit Löffeln gespeist. Wir auch nicht. Wir haben zwar deutliche Meinungen, aber kein fundiertes Fachwissen. So sehen wir es als unsere Aufgabe, es beim Lenken von Aufmerksamkeiten zu belassen. Wir können und wollen keine Meinungen diktieren, sondern können nur zu Diskursen und Debatten innerhalb unserer Bubble anstiften. Mit ein wenig Glück auch darüber hinaus, aber da stößt man schnell an Grenzen, dessen muss sich jeder bewusst sein. Es ist im Übrigen schön und gut, sich damit zu schmücken, wie doof man Nazis findet, aber es bringt kaum etwas, das Leuten zu verklickern, die sowieso ähnlich ticken wie du selbst. Da sollte es schon um spezifischere Themen gehen. Trotz allem ist Position beziehen wichtig. Wichtiger ist allerdings noch, nicht nur stumpf gegen etwas zu schießen, sondern konstruktiv den Dialog zu fördern, auch wenn es manchmal wie ein Kampf gegen Windmühlen scheint. Für diese Erkenntnis haben wir allerdings auch lange gebraucht.

Günther Bachmann, Leser_In

Verantwortung entsteht im Mikrokosmos gegenüber den Kindern, in der Familie, in der Nachbarschaft und im Beruf. Wir haben Verantwortung nicht einfach, sondern wir übernehmen sie und sie wird uns zugeschrieben. Dann entscheidet sich, ob und wie wir sie tragen. Auch im Großen. Verantwortung ist, was die Gesellschaft, was Institutionen und Unternehmen erhält. Wo sie fehlt, brechen die natürlichen Lebensgrundlagen weg und gehen politische Systeme kaputt. Die Bedrohung der Umwelt lehrt uns, dass Verantwortung global ist – ebenso unteilbar wie jene zur Einhaltung der Menschenrechte. Heute buchstabiert sich Verantwortung als Nachhaltigkeit. Das meint den Wechsel vom Immer-mehr zum qualitativ Besseren. Unsere Verantwortung beginnt im Alltag und hört in der Politik nicht auf. Als ihr Grundsatz muss gelten: Was sich bewährt (hat), gilt es zu erhalten; den Rest gilt es zu ersetzen. Nachhaltigkeit ist keine Ersatzreligion und schon gar keine Lizenz zum Greenwashing. Es geht um harte Politik und zugleich um individuelle Konsequenzen. Anders wird es kaum gelingen, die Grundfeste von Energie und Mobilität, Finanzsystem und Sozialstaat zukunftsfest zu machen. Von allen Beteiligten erfordert das Mut und Verantwortung, zumal Führungsverantwortung. Es geht letztlich um die Selbstbehauptung des ganzheitlichen Denkens gegen partikuläre Interessen. Ich behaupte nicht, dass das einfach ist. Aber Wert, sich daran zu beteiligen.

Raúl Aguayo-Krauthausen, Leser_In

Die Frage, ob soziale Verantwortung mehr als eine politische Forderung ist, würde ich mit einem klaren Ja beantworten. Soziale Verantwortung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Doch was bedeutet das für jeden Einzelnen? Wir müssen unsere eigenen Privilegien hinterfragen und schauen, wo wir Türen öffnen und Barrieren abbauen, damit andere Menschen in die gleiche Lage kommen können. Diesen Ansatz versucht das Prinzip der inklusiven Gesellschaft zu verfolgen und damit gegensätzlich zu einer leistungsorientierten Gesellschaft zu stehen. Wir dürfen daher nicht nur fordern, dass die Politik mehr soziale Verantwortung übernehmen muss, sondern auch selber zeigen, dass wir dieses soziale Miteinander wollen. Wir dürfen beispielsweise bei einer Diskussion um eine barrierefreie Renovierung nicht mehr mit dem Thema Geld argumentieren, Schulsysteme, in denen Kinder mit und ohne Behinderungen lernen, dürfen nicht mehr von Argumenten nur einer Seite bestimmt werden und auch der Arbeitsmarkt muss sich für Menschen öffnen, die auf den ersten Blick nicht der „Norm“ entsprechen. An diese Verantwortung müssen wir uns immer wieder erinnern und ab und zu nach hinten schauen, ob Menschen an Barrieren scheitern, die uns selbst nicht auffallen. Diese eigene Arbeit an einer inklusiven Gesellschaft nimmt die politischen Verantwortungsträger nicht aus der Pflicht, im Gegenteil. Also lasst uns gemeinsam das Ja zur Verantwortung mit sozialem Leben füllen.

Marcel Rosen, Leser_In

Die Medien werden manchmal neben Exekutive, Legislative und Judikative als „vierte Gewalt“ bezeichnet. In den modernen Sozialwissenschaften wurde die naive Annahme, Medien bildeten gesellschaftliche Verhältnisse lediglich ab, durch ein dialektisches Verhältnis zwischen Medien und Gesellschaft ersetzt: Sie bilden zwar selbstverständlich soziales Geschehen ab, indem sie darüber berichten, sind aber auch selbst ein sozialer Akteur, der mitgestaltet. Gerade in Zeiten, in denen Pegida, AfD und andere von der angeblichen „Lügenpresse“ schwadronieren, ist es umso wichtiger, diesen Verschwörungstheorien eine aufrichtige Berichterstattung entgegenzusetzen.

Oliver Maierhofer, Leser_In

Ein englischsprachiges Sprichwort besagt: „With great power comes great responsibility.“ – „Mit großer Macht geht große Verantwortung einher.“ Wer in Positionen mit starker Machtkonzentration sitzt, muss sich seiner Verantwortung gewahr werden, beispielsweise wenn Staaten über ein Arsenal an konventionellen und atomaren Waffen verfügen, mit dem ohne weiteres sämtliches Leben auf dem Planeten ausgelöscht werden könnte.

Matthias Fischer, Leser_In

Meinem Körper gegenüber: Gesünder leben.

Martin Schneider, Leser_In

Wofür ich mich verantwortlich fühle, hat sich durch meine Kinder stark verändert. Für neue Aufgaben musste ich Verantwortung übernehmen und plötzlich Vorbild sein. Im Gegenzug hatte ich weniger Kraft, mich für anderes zu engagieren. Auch im Job war ich ganz froh, wenn ich Verantwortung abgeben konnte. Aber ich merke auch, dass die Möglichkeiten, an anderen Stellen Verantwortung zu übernehmen, wieder steigen, wenn die Kinder größer werden.

Nicola Brenns, Leser_In

Sobald man anderen Individuen näher kommt, hat man auch Verantwortung für sie. Das ist wie beim Kleinen Prinzen, der den Fuchs zähmt und dann für ihn verantwortlich ist.

Franziska Clauss, Leser_In

Ein Bekannter, der „es zu sehr viel gebracht hat“ sagt immer zu Neidern aus seiner früheren Schule: „Wir hatten die gleiche Schulbildung, du hättest es genauso machen können.“ Da ist was dran. Ich persönlich finde, dass unser Mitleid und unsere Hilfe überall dort notwendig ist, wo die Grundvoraussetzungen deutlich schlechter sind (Ernährungs- und Gesundheitsprobleme durch geografische Lage, Schutzbedürftigkeit durch politische Missstände und Kriege etc.). Aber wer eigentlich anders leben könnte und es dennoch nicht tut, also nicht von denen lernt, die „besser“ leben (was ja sogar die meisten Tiere können und tun), und sich nichtmal bemüht, hat keine große Hilfe verdient – und das betrifft auch gewisse Menschen unserer Nationalität im eigenen Land.

Dominik Schott, Leser_In

Unsere größte Verantwortung tragen wir derzeit als Konsumenten. Die Erde trägt und ernährt uns. Wir muten ihr viel zu: Insektensterben, Ressourcenverbrauch, Tierleid, Kima .... Unsere Kaufentscheidungen im Alltag haben direkten Einfluss. Im Rahmen des Zumutbaren sollten wir also immer hinterfragen: Was brauche ich wirklich? Welche Ressourcen werden dafür verbraucht? Dient mein Handeln der Allgemeinheit? Wenn nicht: fügt es zumindest anderen keinen vermeidbaren Schaden zu? Das lässt sich nicht immer klar beantworten - aber etwas mehr Bewusstheit geht immer.

Regine Dewitz, Leser_In

Verantwortung steht für mich immer im Zusammenhang mit : persönlich die Konsequenzen zu tragen. Im Privatenbereich meinem Umfeld gegenüber, in meinem Beruf, mir selbst gegenüber - sprich in allen Rollen, die das Leben für uns bietet. Konsequenzen-tragen bedeutet für mich, zwischen den Extremen von: sich über schöne Erlebnisse zu freuen und bei \"angeblich\" Mißlungenen (in Anführungszeichen, da es Gelegenheit bietet etwas zu verändern) mich auch aus reinem Herzen entschuldigen zu können. Verantwortung umfasst für mich auch die Konsequenz mich ihrer zu entziehen, wenn ich sie nicht mehr tragen kann; weil Umstände nicht veränderbar scheinen. Wohl wissend, das dies u.U. sehr weh tun kann, z.B. die 24-Std. Pflege eines Angehörigen nicht mehr leisten können -wie halte ich dies aus denjenigen im Stich zu lassen?; in einer KLasse mit 25 Schülern inkl. 5 Inklusionskindern allein gelassen sein und dies nicht mehr können,-Berufswechsel sind schwierig einsehen, dass meine Gesundheit sich so nicht mehr nennen kann - wann fängt das an? -welche neue Veränderungen führen zum Erfolg?-halte ich das aus? Deshalb heißt Verantwortung auch für mich, bestimmte Bereiche auszuklammern aus Schutz für mich selbst (neg. Nachrichten aus anderen Ländern, da ich dort wenig verändern kann). - denn ich möchte auch spontan sein, mich freuen und frei leben können, Energie haben für neue Zukunftsgedanken.

Michael Clemens, Leser_In

Jeder Mensch hat zunächst einmal Verantwortung für sich selbst. In vollem Maße gerechtwerden kann er ihr allerdings erst, wenn eine Grundvoraussetzung erfüllt ist: Wenn er nämlich in der Eigen-Liebe ist, die in der aktuellen entweder/oder-Welt gern als Egoismus diffamiert wird. Tatsächlich ist die wohlverstandene Eigen-Liebe jedoch Basis der Fremd-Liebe. Und damit auch Basis für meine Bereitschaft, echte Verantwortung für meine Umgebung zu übernehmen. Für diesen einfachen Zusammenhang sollten alle Menschen sensibilisiert werden. Von Geburt an. Gerade in den angeblich so reichen Ländern der Welt. Die Alternative sehen wir gerade vor uns: Kaputtalismus allerorten.

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Wann wird Design zu Kunst?

Ist das Kunst oder kann das weg? Für die einen kann alles Kunst sein, andere verbinden Kunst mit dem Anspruch aus dem Rahmen zu fallen. Uns interessiert: Wann wird für Sie das Produkt zu Kunst, der Eierbecher zum Ausstellungsstück?

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mukone, Leser_In

Kunst ist frei interpretierbar, Design muss verstanden werden.

Alfred Meyerhuber, Leser_In

Die Fragestellung „Wann wird Design zu Kunst?“ ist wenig hilfreich, ja führt in die Irre. Denn in den Antworten werden Äpfel mit Birnen verglichen! Endprodukte nämlich menschlichen, schöpferischen Denkens und Fühlens. Vernünftigerweise sollte eine Antwort (oder auch mehrere) auf die Frage gefunden werden, ob Kunst und Design dieselbe Quelle im Menschen haben. Ist dieser Ursprung zu suchen im `Flow´, in `entspannter Wachheit´, gar in `bipolaren Störungen´ oder, wie Plato es freundlicher sagt, in `poetischer Verrücktheit´? Oder ist bei Kreativen der Schläfen- und Hinterhauptslappen des Gehirns einfach mächtiger? Oder, um das Forschergeschwurbel auf den Punkt zu bringen, ist Kreativität `ein funktionales Zusammenspiel verschiedener Hirnareale in komplexen neuronalen Netzwerken´, woraus Kunst und Design entstehen? Wenn dem so ist, und nichts spricht dagegen, dann bleibt als Unterschied, dass das eine ein Apfel (Kunst) und das andere eine Birne (Design) ist. Und sowohl Apfel, als auch Birne fallen bekanntermaßen nicht weit vom Stamm. Und beide schmecken. Nur eben anders!

Peter Zec, Leser_In

Unter Laien herrscht häufig die Meinung, dass Design Kunst ist. Betrachtet man den Beruf des Entwerfers genauer, so hat er wenig mit dem des Künstlers gemeinsam. Kurt Weidemann, deutscher Grafikdesigner und Typograph, zog eine klare Linie zwischen Kunst und Design: „[…] Design braucht reichlich Objektivität. Kunst ist subjektiv. Design schließt intelligente Kompromisse. Kunst schließt sie aus. Design ist auf das Machbare ausgerichtet. Kunst ist Utopie. Design muss greifbar und verständlich sein. Kunst nicht […].“ Und damit liegt er vollkommen richtig, denn gutes Design ist nicht einfach nur schön. Gut gestaltete Produkte überzeugen durch hohe Funktionalität, einfache Handhabung, technische Innovationen und haptische Besonderheiten. Es gibt zahlreiche Designklassiker, wie von Le Corbusier oder Ray und Charles Eames, die beweisen, dass gute Gestaltung über Jahrzehnte hinweg Bestand haben kann – ein Aspekt, der besonders in der heutigen Wegwerfgesellschaft eine entscheidende Rolle spielt. Zeitloses Design beschreibt eine Formensprache, die sich durch Geradlinigkeit auszeichnet. Die gute Qualität der Klassiker wird maßgeblich durch den Einsatz von innovativen und nachhaltigen Materialien geprägt. Gelingt dieses Zusammenspiel, kann ein Produkt stilprägend für einen gesamten Bereich werden und sogar den Status eines Kunstwerkes erreichen.

Jan Willmann, Leser_In

So viel gleich vorweg: Der Übergang von Design zu Kunst ist heute längst vollzogen. Dies äußert sich in fast schon frivoler Naivität und Entschlossenheit in der Werbung, in der Mode und im Produktdesign, vor allem aber in den digitalen Entwurfs- und Herstellungsverfahren wie auch in der Mediengestaltung und der interaktiven Kunst. Und tatsächlich: Nach den digitalen Anfängen in den 1990er-Jahren bildet sich aktuell eine technologische Basis ab, wie sie seit der Gründung des Bauhauses vor knapp hundert Jahren mehr ersehnt als realisiert wurde. Dabei steht nicht mehr nur die Befreiung von tradierten Formen und Methoden im Vordergrund. Vielmehr geht es um einen Paradigmenwandel, der die gestalterischen Disziplinen insgesamt erfasst und ineinander aufgehen lässt. Die Computerisierung der intellektuellen (und kreativen) Arbeit lässt, verbunden mit einer entsprechenden Herstellungs- und Vermarktungskette, jeden Einzelnen zum vermeintlichen Künstler oder Designer – oder zu beidem – werden. Damit läuft nicht nur die moderne Aufteilung zwischen geistiger Arbeit und Produktion ins Leere. Ebenso lösen sich die tradierten Vorstellungen von Autorenschaft und Disziplinarität auf. Heute entwickeln Design und Kunst für die Medienformen der Digitalisierung zunehmend eigene und kollektive Schaffensformen. Ob sich daraus eine neue gesellschaftliche Identität und Relevanz von Design und Kunst herauskristallisieren wird, bleibt vorerst offen.

Heinrich Paravicini, Leser_In

Der Designer ist kein freier Künstler, sondern er entwickelt Lösungen für ein Problem. Er stellt sich nicht der programmatischen Herausforderung eines Themas losgelöst vom Kontext der Auftragssituation. Dabei ist es unerheblich, ob er sich die Aufgabe selbst stellt oder ob dies ein Auftraggeber tut. Es bleibt das lösungsorientierte Handeln, was ihn antreibt. Gleichwohl kann und soll dies nicht nur zur Profitmaximierung seines Auftraggebers geschehen, sondern auch zur Verbesserung der Gesellschaft und des Zusammenlebens der Menschen. Daher und ob der Tatsache, dass Design in den meisten Fällen mit Formgebung und kreativen künstlerischen Techniken arbeitet, rührt wohl der Umstand, dass Design oft mit Kunst verwechselt wird. Der Designer möchte mit ästhetischen Mitteln die Welt besser und auch schöner machen, aber er tut dies nie zum Selbstzweck, sondern zum Zweck. Das Kunst-Missverständnis liegt also in der Ästhetik seines Tuns. Wenn Design zur Kunst erhoben wird, ist das nie der Anspruch des Designers, sondern es ist die Gesellschaft, die seine ästhetischen Ergebnisse zu Kunst stilisiert. Wenn zum Beispiel auf der Messe „Design Miami“ Möbel oder Objekte wie Kunst präsentiert und gehandelt werden, ist dies das Ergebnis der Tätigkeit von Kuratoren und Vermarktern, nicht das Selbstverständnis des Designers, der die Objekte geschaffen hat. So gesehen: Kunst ist, was zu Kunst erklärt wird. Design will Design sein.

Daniel Libeskind, Leser_In

Alles um uns herum ist konstruiert. Design und Architektur sind deshalb im Grunde genommen nur zwei Begriffe für ein und dieselbe Sache. Wenn man sich das vergegenwärtigt, ist es nur noch ein kleiner Schritt bis hin zur Kunst. Kunst in all ihren Formen ist natürlich immer eine sehr subjektive Angelegenheit. Für mich persönlich aber beginnt sie dort, wo jemand sein Herzblut in die Erschaffung von Dingen steckt. Ich formuliere das bewusst so unspezifisch, weil selbst die banalsten Dinge kunstvoll designt sein können, selbst eine Kaffeekanne. Ob sie dann auch als Kunst wahrgenommen werden, hängt sehr stark vom Kontext ab. Deshalb, und dem versuche ich in jedem meiner Projekte gerecht zu werden, glaube ich fest an die Bedeutsamkeit sinnstiftender Elemente. Ganz einfach, weil wir dem Narrativ nicht entkommen können. Die ganze Welt ist schließlich metaphorisch. Ein Blick auf die Architektur reicht, um das zu erkennen: Jedes Gebäude erzählt seine eigene Geschichte durch die verwendeten Materialien, die gewählte Form oder die Geräusche, die es erzeugt. Wenn wir dieses Zusammenspiel aus dem Kontext reißen, bleibt nur eine leere Hülle. Die Menschen erkennen intuitiv fehlende Sinnhaftigkeit und reagieren entsprechend darauf. Das beeindruckendste und vollständigste Narrativ wird deshalb nicht durch Worte erzählt, es ist ein Ausdruck dessen, wie wir die Welt verändern. Oder anders gesagt: Architektur ist Design ist Kunst.

Mateo Kries, Leser_In

Design kann nicht zur Kunst werden, beides sind völlig unterschiedliche Felder. Dennoch ist es interessant, das Verhältnis beider Begriffe zu untersuchen. Früher hieß Design mal Industriekunst, wurde also als Kunst definiert, die aus der Industrie entsteht. Je mehr sich Design im Verlauf des 20. Jahrhunderts als neue Disziplin herausbildete, desto mehr wehrten sich Designer, als Künstler bezeichnet zu werden. Sie wollten etwas eigenes sein und waren stolz darauf, dass ihre Werke – anders als die eines Künstlers – benutzt werden können. Heute verschwimmen die Grenzen wieder: Viele Künstler spielen mit Versatzstücken aus der Welt des Designs, etwa Tobias Rehberger oder Andrea Zittel. Aber würden sie sich deshalb auch als Designer sehen? Ich denke nicht. Dann wiederum gibt es Designer, deren Entwürfe offensichtlich Kunst sein sollen, und das geht meistens schief. Dennoch können bestimmte große Entwürfe der Designgeschichte die gleiche kulturelle Bedeutung wie ein Kunstwerk haben. Und zwar dann, wenn sie neben ihrem Gebrauchswert nicht nur die subjektive Idee ihres Entwerfers, sondern auch den Geist ihrer Zeit auf den Punkt bringen und für nachfolgende Generationen sichtbar machen. Das ist nicht häufig der Fall, aber wenn, dann entsteht ein Klassiker: zum Beispiel ein Freischwinger von Ludwig Mies van der Rohe oder ein Schalensessel von Charles und Ray Eames, denen wir gerade eine große Ausstellung widmen.

Jette Joop, Leser_In

Der größte Reiz in einem Design liegt für mich in der Verbindung von Ästhetik, Technik und Funktionalität. In der Design-Entwicklung spielt neben der Schaffung neuer, ästhetischer Maßstäbe die Berücksichtigung gegenwärtiger Bedürfnisse eine ausschlaggebende Rolle. Seinen Höhepunkt erlebt das Design letztendlich dann, wenn es aufgrund seiner schöpferischen Perfektion zu Kunst wird. Durch mein Studium in Industriedesign mit dem Schwerpunkt Automobildesign am Art Center College of Design in Kalifornien habe ich gelernt, den Design-Prozess zu verstehen und diesen auf unterschiedliche Bereiche anzuwenden. Mit dem Wissen, was technisch umsetzbar ist, begreift man auch die Möglichkeit, zwischen den verschiedenen Design-Thematiken zu springen. Es findet ein Austausch von unterschiedlichsten Design-Expertisen statt und alltäglich Dinge, die an sich gar nichts miteinander zu tun haben, dienen plötzlich als Inspiration füreinander. So entsteht aus Architektur Schmuck, aus Kunst wird Mode und wieder umgekehrt. Alle Design-Bereiche inspirieren sich immer auch gegenseitig. Dieser Entwicklungsprozess ist für jeden Designer besonders spannend. Man beschreitet oft Wege, auf denen noch niemand Spuren hinterlassen hat. Modernes, vernetztes Denken führt zu einem lebendigen Design. So entsteht Crossover im Design.

Fritz Frenkler, Leser_In

Gutes Design ist nicht Kunst und kann es niemals werden. Der Typograph und Gestalter Kurt Weidemann hat einmal die Gegensätze der beiden Disziplinen wie folgt markant beschrieben: „Kunst fertigt Originale. Design Serien. Kunst ist um ihrer selbst willen da. Design ist auftragsbezogene Dienstleistung. Design braucht reichlich Objektivität. Kunst ist subjektiv. Design schließt intelligente Kompromisse. Kunst schließt sie aus. Design ist auf das Machbare ausgerichtet. Kunst ist Utopie. Design muss greifbar und verständlich sein. Kunst nicht. Design geht von etablierten Gepflogenheiten aus. Kunst verlässt sie.“ Damit macht er deutlich, dass sich Kunst und gutes Design einander grundsätzlich ausschließen. Er spricht gleichzeitig Aspekte an, die für das Design von Produkten und Dienstleistungen von Bedeutung sind, zum Beispiel Verständlichkeit, Objektivität oder die Beachtung von Gewohnheiten sowie die Realisierbarkeit einer Designidee. Für ein hervorragendes Design müssen deshalb wissenschaftliche Erkenntnisse aus Soziologie, Philosophie, Psychologie und Medizin berücksichtigt werden. Designer müssen komplexe Gestaltungsprozesse in Zukunft moderieren können. Dazu müssen sie wissen, wie sie die Erkenntnisse der einzelnen Disziplinen einordnen und gemeinsam mit partizipativen Ergebnissen in den Entwicklungsprozess integrieren können. Das ist die eigentliche Herausforderung. Deshalb muss Design Wissenschaft und nicht Kunst werden.

Anna-Maria Jäger, Leser_In

Ich sehe das bei der Haute Couture.

Ulf Peters, Leser_In

Nach meinem Kunststudium gründete ich als Grafiker eine Werbeagentur – so wurde Kunst zu Design.

Klaus Botta, Leser_In

Kunst ist subjektiver Selbstzweck. Design ist die Kunst, Produkte im Sinne der Nutzer \"besser\" zu machen. Ein kompetenter Designer arbeitet ähnlich einem Architekten, der ganz unterschiedliche Gegebenheiten und Anforderungen in seinem Bauwerk berücksichtigt, um daraus gute Architektur entstehen zu lassen. Ebenso der Designer. Er ist quasi der Architekt der Produkte, der verschiedenste Anforderungen unter einen Hut bringen muss und als Ziel ein funktionales, ästhetisches, logisches, einfach bedienbares Produkt entwickelt, welches sich auch noch wirtschaftlich herstellen lässt. Professionelles Produktdesign ist viel mehr als nur eine schöne Form. Es ist die perfekte Symbiose aus Einzellösungen aus angrenzenden Disziplinen wie Ergonomie, Psychologie, Soziologie, Fertigungstechnik, Materialkunde, Marketing, Symbolik, Betriebswirtschaft. Spätestens hier wird deutlich, dass seriöses Produktdesign bzw. Industriedesign meilenweit weg ist, von der Welt der Kunst, bei der es im Wesentlichen um die Sichtweise und Empfindungen des Künstlers geht. Designer sind Generalisten, deren Aufgabe es ist, aus der Vielzahl der Einzelanforderungen ein stimmiges neues Ganzes zu entwickeln – oder besser noch: Neue Konzepte zu entwickeln, die einen höheren Nutzen vermitteln.

Bernhard Peters, Leser_In

Wann wird das Produkt zur Kunst ? Das Produkt, der Gebrauchs-Gegenstand. In der Produktgestaltung ist es sehr verführerisch, sich auf das „künstlerische Moment“ zurück zu ziehen. So sieht ein Produkt sehr schnell nach Kunst aus. Gutes Design, das Kunst sein kann, ist für mich auch immer funktionierendes Design. Durch die Funktion wird ein Produkt für mich vollständig, komplett. Die Funktion verbirgt sich in der Gestaltung, ist vielleicht die Seele des Produktes. Ein Produkt wird für mich zur Kunst, wenn Form, Ornamentik/ Farbe und Funktion zu einer Einheit finden, die Eigenständig ist, eine Seele hat, eine besondere Ausstrahlung. Ein Produkt, das anhaltend spannend bleibt, bei jedem Anschauen neu entdeckt werden will, zeitlos mitgenommen und immer wieder neu wahrgenommen wird. Wenn ein Produkt mit mir in meiner Lebenszeit wächst, sich mit verändert, selbstverständlich wertvoll wird und bleibt, dann ist es auch Kunst, die ich nicht missen möchte.

Wolfgang Kohl, Leser_In

Muss die Frage nicht eher lauten: wodurch wird Design zu Kunst? So oder so gefragt, wird vorausgesetzt, dass dies überhaupt möglich ist. Woran durchaus berechtigte Zweifel bestehen. So drängen sich die nächsten Fragen auf: warum soll Design zu Kunst werden? Wird Design dann besser? Hat gutes Design das nötig? Wenn Produkte zu \"Kunst\" erklärt werden, ist das doch eher eine Frage von Trendanalysen, Marketing und Verkaufszahlen. Wie dem auch sei, viel interessanter ist doch die Frage - da zumindest von einiger kunsthistorischer Relevanz - was bildende Künstler nicht erst seit der Industrialisierung immer wieder derart an Alltagsgegenständen (=Design) fasziniert, dass sie sie zum Thema ihrer künstlerischen Auseinandersetzung machten und machen. Die Ergebnisse sind vielfältig, von der überhöhenden Gegenstandsbeschreibung als akribischem Abbild der Realität, über die interpretierende Analyse der Dingwelt, bis zur gesellschaftskritischen Betrachtung der Mensch-Objekt-Beziehung. Wir geben Gegenständen Namen als Ausdruck persönlicher Individualisierung und Vertrautheit. Dinge können heute bis hin zum Fetisch gesteigerte Begleiter unserer Lebenswege sein, von denen wir uns nur unter Trennungsschmerz verabschieden oder die wir nach nur wenigen Minuten der Benutzung achtlos wegwerfen.

Kai Ehlert, Leser_In

„Allgemein gültige Kriterien zur Beantwortung dieser Frage gibt es nicht. Dafür ist das Feld zu groß und zu vielfältig. Entscheidend ist, ob ein Produkt alle geforderten Funktionen -einschließlich der ästhetischen Funktion- erfüllt, um in den Rang eines Kunstwerks erhoben zu werden. Der Grafik-Designer und Künstler Anton Stankowski bringt es auf den Punkt: „Es ist egal, ob Kunst oder Design, nur gut muß es sein“.

Dieter Klein, Leser_In

Nichts kann weg, weil alles zu Kunst werden kann, was entsprechend bearbeitet und in einen konkreten Kontext einbezogen wird. So habe ich seit Jahren aus kleineren Dingen, die man als „Abfall“ einstufen könnte, wenn auch nur wenige „Objekte“ kreiert, die selbst bei meinen Kindern nur ein verständnisloses Kopfschütteln auslösen können. Um ein vorläufiges Fazit zu ziehen, kann ich nur Folgendes sagen: Ob ein Produkt zu Kunst wird oder nicht, liegt abgesehen von der Intention, die der „Künstler“ damit verbindet bzw. irgendwann einmal intendiert hat, nur auf Seiten des Betrachters. Dieser mag es, aus was für Gründen auch immer, als „Kunst“ oder „Kitsch“ (= Abfall!) ansehen. Es kommt lediglich darauf an, welche Empfindungen, Emotionen, Erinnerungen etc. er damit verbindet. Ob jemand einen Dürer, Matisse, Picassi, Dali oder wen auch immer für einen Künstler hält oder nicht, können Sie ihm nicht durch noch so gelehrte Begründungen, Erläuterungen, kunsthistorische Einordnungen und dgl. plausibel machen. Und das geht erst recht nicht über den „Wert“ oder gar über den Preis, den auf dem inzwischen völlig verkommenen Kunstmarkt ein angebliches oder tatsächliches „Kunstwerk“ erzielt. Was also ist „Kunst“? Worin besteht der Wert eines „Kunstwerks“? Und wer darf sich einen „Künstler“ nennen? Wann ein Eierbecher zum Ausstellungsstück werden kann, hängt doch wohl von sehr unterschiedlichen Faktoren ab, nicht zuletzt von der Kreativität, aber wohl auch von dem entsprechenden Durchsetzungsvermögen des betreffenden Künstlers. Entscheidend kommt es wohl auf das Neue, das bisher noch nicht Dagewesene an – was immer das heißen mag. Ob sich damit immer eine sog. „Aussage“ verbinden muss, bleibt immerhin fragwürdig. Vielleicht könnte man es auf die ganz einfache Formel bringen: Je zweifelhafter, je geheimnisvoller, je vieldeutiger, desto besser. Alles Neue ist ohnehin gewöhnungsbedürftig. Und wie steht es dann mit sog. „alter“ Kunst? Auch sie war ja einmal neu und gewöhnungsbedürftig, und das wird sie bei jeder neuen Begegnung mit ihr hoffentlich auch bleiben. Wenn Kunst nicht zu einem beträchtlichen Teil der Deutung, der Erklärung bedarf, dann düfte es sich wahrscheinlich nicht um „wahre“ Kunst handeln – womit wir wieder bei einem neuen Begriff wären. Aber ich werde mich jetzt hüten, noch eine Diskussion zwischen „wahr“ bzw. „echt“ und „unwahr“ bzw. „unecht“ aufzumachen.

Franziska Clauss, Leser_In

Ein sinnvoller Spruch hinsichtlich der Gestaltung von Gebrauchsgegenständen lautet „design follows function“. Leider wurde unsere Mietwohnung umgekehrt konzipiert. Jeder Besucher ist zutiefst beeindruckt über deren Schönheit und Exklusivität. Aber wer eine völlig putzunfreundliche Wohnung sauberhalten muss, z. B. täglich auf eine große schräge schwarzglänzende Dunstabzugshaube sieht (oder eben nicht, weil die natürlich immer durch fettige Luft verschmiert ist) oder an den Kalkspuren in schwarzen (!!) Waschbecken und WC-Schüsseln verzweifelt, und wem eine Toilette im Bad fehlt, weil neben einer Waschrinne im Format einer Kuhtränke dafür kein Platz mehr war, und auf dem stillen Örtchen nach kurzer Zeit das (naturgegeben runde) Hinterteil schmerzt, weil die Klobrille dreieckig (!!) ist, der würde gern die ganze Wohnung einem Museum überlassen.

Gundi Günther, Leser_In

Mir gefällt ein klares Design und Kunst die schön macht. Nach dem Motto von Alvar Aalto, der sagte: Baue natürlich! In erster Linie muss mir Kunst gefallen. Sie muss zu meinem Zuhause und zu mir passen und ich muss mich mit ihr identifizieren. Sie muss nicht zwingend praktisch sein, muss aber etwas vermitteln. Ich male selber, mal allein oder mit Malfreundinnen, mal nur mit Farben, mal mit Materialmix. Kreativ sein macht sehr viel Spaß. Diese selbstgemalten Bilder sind Kunstwerke, die stolz machen und ein gutes Gefühl geben. Kunst und Design spiegelt den Ideenreichtum der Menschen wieder, soll an die Jetzt-Zeit erinnern und unsere wunderschöne Erde noch schöner machen.

Wolfgang Neisser, Leser_In

Es ist wichtig, dass der Leser zunächst die Begriffe inhaltlich und historisch zu verstehen lernt, weil so einfach ist es nicht, Kunst und Design gegenüberzustellen oder in einer Beurteilung miteinander zu verbinden, ohne die historisch gewachsenen Basiselemente und Richtungsvorgaben vor allem im 20. Jahrhundert untersucht zu haben. Die Frage nach der Kunst ist ohnehin der Wahrnehmung, dem Wissen und dem Empfinden untergeordnet und wird von Experten wie Laien in der Regel unterschiedlich bewertet. Was von einem Kenner oder Insider der Kulturszene als besonders misslungen oder schlecht eingeschätzt wird, kann durchaus von jedem anderen genau gegenteilig als gut oder ausgezeichnet wahrgenommen werden. In der Kunst, also den sogenannten „schönen Künsten“ und im Design, also der Formgestaltung von Produkten oder von Kommunikationsmitteln, differieren die Urteile oft in eklatanter Weise. Seit der industriellen frühkapitalistischen Revolution, genauer seit Mitte des 19. Jahrhunderts, entstand zwangsläufig die Adaption der Stile und handwerklichen Fähigkeiten aus den vergangenen Epochen, die prägend waren und in die neu entstehenden Kunstformen oder -stile übernommen oder vermischt wurden. Die Kunst der Fotografie beispielsweise wurde in diesen Jahren erfunden und es war ein langer Weg von der beschichteten Glasplatte zum digitalen Chip. Daran kann man über anderthalb Jahrhunderte beobachten, dass sich formale Qualität und technische Weiterentwicklung von Jahrzehnt zu Jahrzehnt bis zur heutigen Exzellenz gesteigert haben, dass aber die „gute Fotografie“ am Anfang wie heute durch seine Raumaufteilung, seine inhaltliche Dramatik, ihre inhaltliche Überzeugungskraft und später durch ihre Farbgebung für den Betrachter gut herauszufiltern war So spielt beispielsweise bei Unterscheidungen zwischen freier und angewandter Kunst die Lithografie eine entscheidende Rolle im Wechselspiel zwischen freier Malerei oder Grafik und der neu entstandenen Reklame oder allen übrigen Gestaltungsformen für kommerzielle Zwecke. Eines der verständlichsten Beispiele kann man an dem Werk des bedeutenden Künstler Toulouse Lautrec beobachten. Er war ein geschickter Wanderer zwischen beiden Welten, die formalästhethisch in der Gestaltung der mehrfarbigen Drucke für Plakate wie der Malerei dicht nebeneinander lagen. Seine Plakate und seine Bilder unterschieden sich lediglich durch das Hinzufügen der Typografie und einer damit verbundenen zweckgesteuerten Aussage in der direkten Ansprache an einen potentiellen Konsumenten als Reklame und in einer reproduzierten Auflage durch den Lithografiedruck. Mit der rasant wachsenden Industrialisierung entstand mit zur Hilfenahme des tradierten Kunstbegriffes das Design. In ihrer qualitativen Umsetzung und der künstlerischen Beurteilung wurden „ein Zwilling“ geboren, die aber unterschiedlicher nicht sein konnten. Die Malerei, die freie Grafik, die Skulptur bzw. alle Formen der freien Kunstgestaltung wurden stets mit dem Prädikat „Kunst“ bedacht, während die produktorientierte und in großen Auflagen reproduzierbare in ebenso künstlerischer Absicht gestaltete Reklame oder die Formgebung für Nutzprodukte untergeordnet eingestuft wurde. In dieser Zeit entstanden Berufe wie der des Reklamegestalters, des Kulissenmalers oder des Gebrauchsgrafikers, um den boomenden Ansprüchen und Forderungen des freien Marktes mit Angebot und Nachfrage miteinander konkurrierender Produkte genüge leisten zu können. Das, was heute als Design bezeichnet wird, gab es aber seitdem Menschen sich ihrer Umwelt und ihrer selbst bewusst geworden waren. In den Kulturen vor der Antike wurden wunderschöne Gebrauchsgegenstände oder Dekorationsobjekte aller Art geschaffen, die uns heute in entsprechenden Kunstsammlungen oft in vielen Bereichen ästhetischer und funktionaler vorkommen, als es das zeitgenössische Design heute bisweilen zu leisten vermag. Eine exakte Analyse über Kunst und Design und deren Wechselwirkung wie deren Weiterentwicklung vom Steinzeitmenschen, der Tierzeichen in eine Höhle ritzte und erste Werkzeuge herstellte, bis heute zum „nerdigen“ Konzeptkünstler würden den Rahmen dieses Statements sprengen. Während über Jahrhunderte die „schönen Künste“ zur sakralen Ausschmückung unterschiedlicher Bauten oder dem herrschaftlichen Anspruch der feudalistischen Systeme dienten, näherte sich die Formgebung oder die Formgestaltung für alle Produkte, die für den täglichen Gebrauch gedacht waren oder die menschlichen Anforderungen erfüllen mussten, in direkter Wechselwirkung zur „schönen Kunst“ an. Nach der Gründung erster Schulen, die sich a priori in ihrer Grundausrichtung wie ihrer Lehre um eine dem menschlichen Sein gerechte ästhetischen Gestaltung aller dem Menschen dienenden Produkte und Kommunikationsmittel auf den Grundlagen der Funktionalität wie des kommerziellen Erfolges bemühten, waren die Weichen für die Bewertung der Gebrauchsgestaltung als neuartige Kunstgattung gestellt. Später entstand aus dieser Bewegung das Bauhaus, welches entscheidende ästhetische Formulierungen und Grundsätze für das nun in allen Lebensbereichen angekommene Design festsetzte. Die Überhöhung der „schönen Künste“ als Unterscheidungsmerkmal wurde obsolet, auch wenn sich die Urheber dekorativer Objekte, die natürlich immer Unikate (Einzelstücke) herstellten, immer noch als die besseren oder originären Künstler begriffen. All das, obwohl die „schönen Künste“ in Wahrheit immer auch als funktionales Gestalten im Sinne ihrer Auftraggeber aus Kirche und profaner Welt instrumentalisiert wurden. Von nun an unterlagen „die schönen Künste“ und die Formgestaltung ähnlichen ästhetischen Parametern innerhalb ihrer zwar unterschiedlichen Gestaltungsprozesse, wobei die Formgestaltung oder das Design immer einen praktischen oder nutzbaren Sinn innerhalb ihrer zu realisierenden Zielsetzung erfüllen musste. Meiner Meinung befruchteten sich die freie Kunst wie das Design seit der Entstehung industriell basierter Staatssysteme im 19. Jahrhundert durch alle seitdem entstandenen Kunststile gegenseitig, wobei die „akademische“ Kunst“ nach dem Entstehen abstrakterer oder informeller Stile zwangsläufig weiterhin die Rolle der Kunst aus den vorangegangenen Epochen übernahm, indem sie nun „zweckentleert“ in ihrer Einzigartigkeit die Dekoration der privaten wie der öffentlichen Umwelt bedienen musste. Seit der der Dada-Bewegung entfernten sich Teilbereiche der als „schönen Künste“ bezeichneten Kunstformen weiterhin voneinander, indem sich die Kunst aus der traditionellen Kunstbegrifflichkeit herauslöste und in Konzeptkunst und anderen Stilrichtungen, die alle bisher entstandenen Stile und Gestaltungsmittel miteinander vermischten oder aneinanderkoppelten, indem sie die statischen Umsetzungsformen auf Leinwand, Papier oder festen Materialien verließen und die Kunstwerke immer häufiger inhaltsschwererer bis unverständlicher präsentiert wurden. Letztendlich muss in einer freien Gesellschaft immer der Betrachter das letzte Wort haben oder für sich entscheiden, was ihm gefällt oder nicht und wir können Kunst, ob sie gegenständlich oder abstrakt ist, ob sie formgebunden oder assymetrisch verzerrt erscheint, nur in begrenzter Weise durch bestimmte Gestaltungsregeln wie zum Beispiel den „goldenen Schnitt“ oder „die Farbenlehre“ eindeutig qualifizieren. Aber auch das gelingt nicht, wie das Beispiel Jackson Pollock mit seinen Drip-Paintings beweist: Für die einen, oft sind das Kunstkenner oder solche, die sich dafür halten, ist es großartige befreite Kunst, die in allen bedeutenden Museen zu sehen ist, für andere, meistens sind das Laien oder der zeitgenössischen Kunst ablehnend gegenüberstehende Menschen, ist es „das kann ich auch“, im Sinne von zufälligem oder unsinnigen Geschmiere ohne jeglichen Inhalt und Wert. Kunst oder die Benutzung des Begriffes Kunst als Werturteil ist und bleibt ein vermintes Gelände.

Karin Unkrig, Leser_In

Wann wird Design zu Kunst? Wenn ein Gegenstand neu gedacht wird, in einer überraschenden Form auftritt und erst noch – in seiner ursprünglichen Zuschreibung – funktioniert. So geschehen bei der Museum Watch von Movado. Nicht hingehauen hat dies bei der Zitronenpresse von Juicy Salif Alessi: Sie ist zu umständlich und nimmt zu viel Platz weg.

Johannes Ahrens, Leser_In

Bild dazu kann leider nicht eingefügt werden. (Anm. der Redaktion) Auch mit sehr viel Phantasie kämen die wenigsten auf die merkwürdige Geschichte dieses sehr eigentümlichen Gegenstandes; an ihr zeigt sich, wie sich dessen Bedeutung verändern kann - je nachdem, was wir in den Dingen sehen. Dieses „Produkt“ - ein in Silber gefasster Bergkristall aus den Jahren um 1500 - diente skurrilerweise bis 1901 als Griff eines Klingelzuges im Magistratszimmer des Flensburger Rathauses. Wie es dorthin gelangt war, ist ungeklärt. In einer anderen Wirklichkeit - wahrscheinlich der vorreformatorischen - hatte es noch als Röhrenreliquiar gedient, mithin als ein Behältnis, in welchem irdische Überbleibsel eines Heiligen aufbewahrt und verehrt wurden. Natürlich ließe sich das Objekt auch unter rein kunsthandwerklichen Gesichtspunkten betrachten und etwa nach der Qualität seiner Machart oder seiner kunsthistorischen Relevanz beurteilen. So taxiert die Versicherung den Wert des Objekts auf etwa 40.000,-€ - eine Angabe, die relevant wurde, als das Reliquiar kürzlich bei einem nächtlichen Einbruch in die Nikolaikirche gestohlen wurde. Offenbar war dieses Diebesgut unverkäuflich; wenig später wurde es nämlich von Polizeitauchern aus dem Flensburger Hafenbecken gefischt. Ob Sakralkunst, praktischer Handgriff oder heiße Hehlerware: Die Bedeutung von Gegenständen fließt noch immer - heutzutage nur meist in die umgekehrte Richtung: manche Meilensteine der Designgeschichte, ursprünglich als pragmatische Industrieprodukte entworfen, sind als Kunst anerkannt und werden mitunter als Ikonen durch gläubige Ästhetik-Jünger nicht weniger verehrt als weiland dieses Röhrenreliquiar.

Susanne Patzke, Leser_In

Aus welchem Grund scheint diese Antwort so schwierig zu sein? Das entscheiden die Künstlerin und/oder die Käuferin und/oder die Betrachterin. Beim Essen entscheide ich doch auch ganz allein, was mir schmeckt und was nicht. Somit ist für mich persönlich geklärt, was gutes Essen und was schlechtes Essen ist. Bei der Kleidung entscheide ich ganz allein, was mir gefällt und was nicht, ganz unabhängig davon, ob es mir steht, oder nicht. Somit ist für mich persönlich geklärt, was schöne Kleidung ist, egal, ob ich es selbst tragen werde, oder nicht. Bei Musik entscheide ich allein, welche davon ich gerne höre und welche in meinen Ohren schmerzt. Aber ich kann doch deshalb nicht behaupten zu wissen, was „gute Musik“ und was „schlechte Musik“ ist. Wenn ich mich in einem Bereich gut auskenne, weil ich mich damit beschäftigt und auseinandergesetzt habe, dann entwickele ich einen geschulten Blick, Geschmack, ein feines Gehör für eben diesen Bereich. Und dennoch werde ich letztendlich in meinem Urteil weiterhin geleitet von dem, was mir persönlich zusagt. Warum auch immer es mir persönlich zusagt, selbst wenn sich das im Laufe der Jahre ändert von rot zu blau, oder Klassik zu Barock, oder Vanillepudding zu Crème brûlée... Und das gilt genauso für Kunst. Diese Antwort ist nicht schwierig. Man muss sich nur trauen, es für sich selbst zu entscheiden und die Möglichkeit einer anderen Sicht akzeptieren.

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Wie arbeiten Bauern heute?

Gentechnik, Haltungsbedingungen, ökologische Nachhaltigkeit und Rentabilitätszwang: (mehr …)

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Klaus Mäding, Leser_In

Die Stellungnahme von Christian Schmidt, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft finde ich sehr enttäuschend. Niemand bestreitet, dass die Bauern achtbare Arbeit leisten. Es geht jedoch nicht darum, sich bei diesem Berufsstand anzubiedern, sondern die unzureichend gelösten Probleme in der Landwirtschaft in Deutschland mit mehr Entschiedenheit anzugehen. Es geht hier nicht nur um Innovationen und Forschung, wie Herr Schmidt meint, sondern um eine schwierige grundsätzliche Umorientierung. Pofitmaximierung kann heute nicht mehr das alleinige Ziel sein, sondern die Bauern haben zusätzlich eine landespflegerische Aufgabe. Wenn die Stellungnahme des Bundesministers seine politische Haltung richtig wiedergibt, können wir unter seiner Leitung wenig erwarten in den drängenden Fragen von Massentierhaltung, Gülleüberproduktion, Pestizideinsatz, Insektenvernichtung etc. etc. Statt entschieden Grenzen zu setzen, denken die politischen Instanzen an die Gunst von Wählergruppen !

Felix Prinz zu Löwenstein, Leser_In

Nur wenige Bauern können ihre Arbeit in direktem Kontakt zum Kunden erklären und so die Preise erzielen, die ihre individuellen Kosten decken. Alle anderen wirtschaften für einen anonymen Markt. Auf die Produktpreise haben sie keinen Einfluss und müssen so kostengünstig wie möglich produzieren. Sie müssen alle Register ziehen, die auch für ihre Konkurrenten erlaubt sind. Wozu das in der konventionellen Landwirtschaft führt, wird immer deutlicher: Zerstörung der biologischen Vielfalt und Bodenfruchtbarkeit, eine Nutztierhaltung, die nicht den artgemäßen Bedürfnissen der Tiere entspricht, Anheizen der Klimakrise, Stickstoffüberfrachtung von Ökosystemen und vieles mehr. Diese industrielle Logik schädigt die Grundlagen der Landwirtschaft und die Lebensgrundlagen der Zukunft. Daraus kann der einzelne Landwirt nur ausbrechen, wenn er für einen Markt produziert, der für eine nachhaltige Produktionsweise zu zahlen bereit ist. Der Ökolandbau hat diesen stark wachsenden Markt und die 27.000 Biohöfe in Deutschland können noch viel Zuwachs vertragen. Biobauern orientieren sich mit ihrer Produktion möglichst nah an stabilen natürlichen Systemen – durch Vielfalt im Anbau, die Förderung des Bodenlebens, eine artgerechte Tierhaltung und Landwirtschaft ohne synthetische Düngemittel und Pestizide. Forschung und Ausbildung, die Solidarität der Verbraucher und die richtige Agrarpolitik sind die Voraussetzung dafür, dass Bio der Normalfall werden kann.

Sarah Wiener, Leser_In

Der Bauer ist tot. Es lebe der Landwirt! Der freie Bauer ist eine aussterbende Spezies. Stattdessen gibt es nun den Landwirt, den Energiewirt, den Spezialist für eine bestimmte Sparte im Nutztier- oder Ackerfruchtsektor. Oder auch den Subventionsempfänger und den Buhmann der Nation. Es gibt eine immer größer werdende Kluft zwischen der Gesellschaft und den Bauern. Nicht nur das: Auch zwischen Bauern und Bauern verläuft ideologisch und wettbewerbsbedingt ein Graben. Ich bedauere das, denn Politik, Handel und auch die globalen Wirtschaftsstrukturen kommen ungeschoren davon. Klar ist, dass die Landwirtschaft, so wie sie jetzt läuft, kein zukunftsfähiges Modell ist. Sie stößt ethisch, ökologisch und ökonomisch an Grenzen. Die agroindustrielle Landwirtschaft ist zum Scheitern verurteilt, weil sie zu viel teuren Müll erzeugt, für eine Nahrungskalorie zu viel Energie vernichtet, Lebewesen ihre Würde raubt und Ungerechtigkeit in der globalen Ernährung befördert. Ein System, das immer mehr Medikamente, Pestizide und Kunstdünger benötigt und damit unsere Gesundheit und Lebensgrundlage aufs Spiel setzt, hat keine Zukunft. Denn in der Zwischenzeit landet dieses Essen bei uns auf dem Teller. Das kann niemand, der gerne genussvoll lebt, guten Gewissens akzeptieren. Wir brauchen dringend einen gesellschaftlichen Diskurs, wie wir die Landwirtschaft zukunftsfähig transformieren können. Es eilt.

Werner Wald, Leser_In

Seit dem 1. Oktober 2017, dem Ende der EU-Subventionen für Zuckerrüben, hat sich die Lage für Landwirte, die diese Pflanze anbauen, komplett geändert. Während es früher einen Festpreis für die Tonne gab, sind die Rüben jetzt freie Ware. Wir Zuckerrübenbauern müssen mit dem Weltmarkt konkurrieren, allen voran mit Erzeugnissen aus Brasilien, Indien, China und den AKP-Staaten. Dabei ist der Anspruch an die Zuckerreinheit in Europa höher und die Auflagen wie Dokumentationen sind weit umfangreicher. Während zwar für alle EU-Staaten die Subventionen entfallen, wird trotzdem nicht mit gleichen Waffen gekämpft, denn Länder wie Polen, Schweden, Italien oder Spanien vergeben Flächenprämien für den Zuckerrübenanbau, in Deutschland müssen wir Landwirte rein vom Tonnenpreis leben. Beschlossen wurde das Ende 2006, seitdem haben viele Betriebe ihre Zuckerrübenlieferrechte verkauft, trotz der guten Weltmarktpreise vor vier, fünf Jahren. Derzeit brechen die Preise zusammen und der Preis pro Tonne ist um rund 150 bis 200 Euro gesunken. Hinzukommt die unsichere Wetterlage. Als leidenschaftliche Zuckerrübenbauern hatten mein Sohn und ich uns entschlossen, die Rübe auch weiterhin anzubauen – jetzt machen wir uns natürlich Gedanken, was am Ende im Geldbeutel noch übrig bleibt. Und ob der freie Markt letztendlich dem Verbraucher zugutekommt oder ob die Verarbeiter den Preisunterschied für sich verbuchen, werden wir sehen.

Christa Reineck-Baltz, Leser_In

Ich erlebe meinen Beruf als Winzerin als ein großes Privileg. Besonders beim Weinverkauf erhalte ich ganz unmittelbare Reaktionen von den Kunden. Das macht ganz einfach Spaß und gibt viel an Energie zurück, die man über das Jahr in die Arbeit gesteckt hat. Diese Arbeit fängt im Januar mit dem Rebschnitt an. Er bestimmt, wie viel Ertrag man erreicht, und damit auch, welche Qualität der Wein haben soll. Im April kommen dann die ersten Triebe, die im Laufe des Sommers in den Drahtrahmen nach oben wachsen. Im Sommer heißt es, Gras mulchen, das Laub beschneiden und Blätter entfernen, damit die Sonne die Trauben erreicht. Geerntet wird im September, bei uns teils mechanisch, teils per Hand. Die besten Weine stammen aus Weinbergen mit reduziertem Ertrag und intensiver Pflege, bei einfachen Weinen ist man großzügiger. Die geernteten Trauben werden gekeltert und die Gärung des Mostes setzt ein. Beim Ausbau der Weine hat der Winzer seine Spielwiese und zeigt sein handwerkliches Können. Über die Wintermonate reift der Wein in den Fässern und abgefüllt in Flaschen wird dann im Frühjahr. Da ich schon als Kind auf einem Weingut aufgewachsen bin, die Ferien und die Zeit nach der Schule oft im Weinberg verbracht habe, wurde schon früh meine Leidenschaft für diesen Beruf geweckt. Für mich steht Weinbau dafür, draußen in der Natur zu sein, die Herausforderungen des Wetters anzunehmen und daraus etwas zu schaffen, was zur Lebensfreude beiträgt.

Renate Künast, Leser_In

Viele Bauern haben alles so gemacht, wie es ihnen jahrzehntelang von Agrarindustrie und Deutschem Bauernverband aufgedrängt wurde: Wachse oder weiche. Ein Beispiel ist die Fleischerzeugung, wo massiv für den Export produziert wird. Der Exportüberschuss beträgt bei Schweinefleisch fast drei Milliarden Euro pro Jahr. Was in der alten Logik als Erfolg gewertet wird, ist aus Sicht von immer mehr Verbrauchern, Natur- und Tierschützern Ausdruck einer Fehlentwicklung. Denn er geht einher mit belasteten Böden, gentechnisch veränderten Futtermitteln, massiven Waldrodungen, vermehrtem Einsatz von Ackergiften, verschmutztem Grundwasser und Gesundheitsgefahren. Den schwarzen Peter bekommen die Bauern, die eigentlich nichts anderes getan haben, als so zu wirtschaften, wie es von ihnen erwartet wurde. Wir müssen mit einem Dreiklang eine Agrarwende herbeiführen und Sorge tragen, dass 1. Pestizide wie Glyphosat und Neonikotinoiden verboten werden und unsere Äcker von Gentechnik freigehalten werden, 2. die Förderung stimmt, damit die Bauern den Umbau mitgehen können, und 3. es eine verbindliche Tierhaltungskennzeichnung gibt, damit die Menschen wissen, was sie kaufen und bessere Tierhaltung belohnen können. Echte Bauernfamilien achten auf Boden, Wasser, Tiere und die Kulturlandschaft. Agrarindustrie betreibt Raubbau und schafft eine stille Natur, weil Vögel ohne Futter bleiben und verschwinden. Aus „Wachse oder weiche“ muss „Klasse statt Masse“ werden.

Phil Hogan, Leser_In

Seit 60 Jahren garantiert die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) die Lebensmittelsicherheit aller EU-Bürger. Gleichzeitig ermöglichen die in den EU-Verträgen festgeschriebenen Verpflichtungen Landwirten eine angemessene Vergütung für ihre Arbeit. Dieses Prinzip bleibt unangetastet. Gleichwohl ist es Zeit, unsere Politik mit dem Blick auf die Bedingungen einer sich verändernden Welt weiterzuentwickeln. Die EU-Kommission wird daher Ende November Grundzüge zur Modernisierung und Vereinfachung der GAP vorstellen. Die Verbesserungen werden sowohl den Landwirten als auch den Verbrauchern zugutekommen. Landwirte werden von einem einfacheren und effizienteren Fördersystem profitieren und erhalten einen verbesserten Zugang zu Forschung und Innovation. Für eine neue Generation ambitionierter Landwirte muss das Ziel sein, mehr Ertrag bei geringem Input zu erzeugen. Verbesserte Tools zum Risikomanagement sollen sie dabei unterstützen, erfolgreich mit Risiken und Krisen umzugehen. Die GAP soll auch dabei helfen, mehr hochqualifizierte Jobs in der Landwirtschaft zu schaffen und die Infrastruktur des ländlichen Raumes zu verbessern. Und nicht zuletzt muss sie dazu beitragen, dass Europa seine ambitionierten Klimaziele erreicht. All diese Vorhaben erreichen wir nur mit einer starken und finanziell gut ausgestatteten GAP. Dafür werbe ich. Denn langfristig kommen ein gesunder Agrarsektor und dynamische ländliche Gebiete uns allen zugute.

Matthias Gauly und Gesa Busch, Leser_In

Die Nutztierhaltung steht im Fokus der öffentlichen Kritik. Und das, obwohl sie sich zu einem wirtschaftlich sehr erfolgreichen Sektor entwickelt hat und belegbare Fortschritte in Bezug auf die Ressourcennutzung erreicht wurden. Zum Synonym für wenig tiergerechte Haltungs-systeme ist der Begriff Massentierhaltung geworden. Wissenschaftlich belastbare Erkennt-nisse über die Zusammenhänge von Bestandsgrößen und Tierwohl liegen jedoch kaum vor. Berechtigte Gründe zur Kritik an der heutigen Tierhaltung gibt es dennoch, zum Beispiel die kurze Nutzungsdauer von Milchkühen und Sauen, hohe Anzahlen von Frakturen bei Lege-hennen oder Lungen- und Gliedmaßenveränderungen bei Mastschweinen. Die Ursachen für die Probleme sind vielfältig. Sie liegen etwa in den Haltungssystemen, beim Leistungsniveau der Tiere oder bei den im Management solcher Tiere teilweise überforderten Landwirten. Letztere kämpfen nicht mehr nur um ihre ökonomische Existenz, sondern auch um ihren Platz in der Gesellschaft. Die Landwirte sind das schwächste Glied in der Kette. Primär ge-fordert, um Veränderungen anzustoßen, sind andere Akteure: die Wissenschaft, berufsstän-dische Vertreter, die Politik, der Handel und die Verbraucher. Ideen für eine tiergerechte, gesellschaftlich akzeptierbare und ökonomisch tragfähige Nutztierhaltung gibt es viele, der Weg dorthin ist jedoch noch nicht ganz klar. Ein erster Schritt wäre die Einsicht zum notwen-digen Wandel.

Walter Fritz, Leser_In

Bauern sind Innovatoren. Sie suchen Nischen, in denen Höfe Zukunft haben. Ob Öko-Landbau, Energie, Heilpflanzen oder Tourismus: Es gibt für jeden Hof Alternativen, mit dem er sich vom Markt emanzipieren kann. Hierzu habe ich auf einem Hof einen passenden Leitspruch gelesen: „Bauernstand ist Ehrenstand, ernährt die Stadt, ernährt das Land. Er ist der Pionier der Zeit und bleibt’s in alle Ewigkeit.“

Silke Finkelmeyer, Leser_In

Als Stadtmensch bekommt man selten Einblicke, wie Bauern arbeiten. Mein Cousin brachte uns aber auf die Idee, mit unseren zwei Kindern die Ferien auf dem Bauernhof zu verbringen. Seitdem haben wir schon sechsmal auf Bauernhöfen Urlaub gemacht. Auf der einen Seite kann man sich erholen, auf der anderen bekommt man auch vieles aus dem Alltag der Bauern mit. So konnte mein Mann einmal mit den Traktor fahren und bei der Kartoffelernte helfen, die Kinder durften beim Kühemelken mitmachen. Die Kinder konnten auch immer frei herumrennen und mit den Kaninchen und Katzen spielen, die Pferde striegeln und reiten oder die Gänse füttern. Das ist für Eltern natürlich sehr entspannend. Schön war auch, dass wir die frische Milch immer mit dem Krug direkt vom Kanister zapfen konnten. Es gab auch einen traurigen Moment, als ein Kalb kurz nach der Geburt starb, aber der Tierarzt hat unseren Kindern erklärt, dass dies eben auf einem Bauernhof auch dazugehören kann. Unsere Kinder haben es erstaunlich gut aufgenommen. Es ist natürlich die Sicht eines Gastes, dass man die Mischung aus Aktivität und Erholung genießen kann. In unserem Fall kam sogar noch der Blick auf die Berge und das viele Grün dazu. Aber alle Bauern haben bei ihrer Arbeit auch immer etwas, dem ich viel abgewinnen kann: Die gute Landluft, die vielen Tiere, durch die immer Leben da ist, und Laute, die ganz andere sind als die in einer Stadt.

Erk Steen, Leser_In

Wir wohnen in Niedersachen auf dem Land, in einer Gegend mit vielen Höfen. Daher, und weil unsere Familie selbst auch einen Hof hat, war es für mich naheliegend, mein Taschengeld in der Landwirtschaft aufzubessern. Wenn ein Nachbar anruft und Hilfe braucht, springe ich ein – ob es um die Kühe geht oder um die Arbeit auf dem Acker. Es sind relativ kleine Betriebe, die sich aber auch zum Beispiel für die Biogasanlage hier zusammengeschlossen haben. Mit 16 Jahren habe ich dann gleich den Traktorführerschein gemacht. Dieser Führerschein ist zweigeteilt. In der ersten Stufe geht es um Traktoren mit einer maximalen Geschwindigkeit von 32 Kilometern pro Stunde, inzwischen habe ich auch den Traktorführerschein T gemacht, mit dem ich generell alle Maschinen fahren darf. Da ich aber noch keine 18 Jahre bin, ist er zunächst noch beschränkt auf 40 Kilometer pro Stunde. So fahre ich auch schon mal ganze Tage den Acker auf und ab. Ich muss sagen, dass das einfach Spaß macht. Es ist etwas ganz anderes, als ein Auto zu fahren. So eine Maschine hat nämlich viel mehr Kraft. Deshalb habe ich für mich beschlossen, später zwar kein Bauer zu werden, dafür aber Landmaschinenbau zu studieren – eine Spezialisierung des Studiengangs Maschinenbau. Denn durch meine Arbeit in der Landwirtschaft habe ich meine Leidenschaft für die Landmaschinen entdeckt.

Uli Heß, Leser_In

Landwirte sind eine inhomogene Gruppe, die ich für mich als Inhaber eines Bio-Lieferdienstes zunächst danach aufteile, ob sie konventionell oder ökologisch wirtschaften. Die Bio-Landwirtschaft bietet die Möglichkeit, nachhaltig und ressourcenschonend gesunde Lebensmittel zu produzieren. Kleinere Betriebe, die möglichst regional und direkt ihre Produkte vermarkten, kommen nicht so sehr unter den Druck, zu Weltmarktpreisen produzieren zu müssen. Insbesondere für die Verbandsbetriebe der ökologischen Landwirtschaft sehe ich hier große Chancen für die Zukunft. Der wirtschaftliche Druck, unter dem Landwirte stehen, und der globale Handel mit Lebensmitteln haben dagegen dazu geführt, dass in den letzten 40 Jahren viele Betriebe aufgegeben oder ihr Heil in größeren und wirtschaftlicheren Strukturen gesucht haben. Bei diesen Großbetrieben habe ich das Gefühl, dass diese aufgrund von Existenzangst und dem Preisdruck durch die Strukturen des deutschen Lebensmittelhandels stets versuchen, maximale Erträge zu minimalen Kosten zu generieren. Dabei riskieren sie durch die Ausbeutung von Ressourcen ihre eigene Zukunft, vor allem aber die der nächsten Generationen. Immer wieder sehe ich aber auch Betriebe, die mit guten Ideen eine Nische für sich erschließen. Oft wird dabei die eigentliche Landwirtschaft mit Angeboten wie Ferien auf dem Bauernhof ergänzt und der Betrieb so unabhängiger von den Lebensmittelmärkten.

anonym, Leser_In

Darf man in einer Wegwerfgesellschaft einen Berufszweig herausgreifen und von ihm Nachhaltigkeit verlangen? Sind wir nicht alle auch Landwirte Kinder unserer Zeit? Wenn ich selbst nicht umdenke im täglichen Leben; wie kann ich es von anderen erwarten? Was nützt die tollste nachhaltigste Landwirtschaft, wenn wir weiterhin alles doppelt und dreifach verpacken, fliegen-reisen, alle naslang ein neues Auto leasen, neue Smartphones brauchen und, und, und

Alfons Bauschmid, Leser_In

Die Landwirtschaft in Deutschland konnte seit dem zweiten Weltkrieg durch den Einsatz industriell gefertigter Inputs wie Mineraldünger, Pflanzenschutzmittel und Maschinen aller Art ihre Produktivität kontinuierlich verbessern. Der züchterische Fortschritt im pflanzlichen und tierischen Bereich führte zudem zu enormen Ertragssteigerungen. Als Folge dieser Entwicklungen konnten die biologischen Grundregeln der landwirtschaftlichen Erzeugung wie eine vielfältige Fruchtfolge zur Verringerung des Schädlingsbefalls, eine flächengebundene Tierhaltung für einen geschlossenen Nährstoffkreislauf, eine artgerechte Tierhaltung und vieles mehr durchbrochen werden. Auf wirtschaftlichen Druck einer weltweiten Konkurrenz und zur arbeitswirtschaftlichen Optimierung werden diese biologischen Grundregeln, unterstützt durch die staatliche Beratung, immer wieder überschritten. Einseitige Fruchtfolgen (Maismonokultur), hohe Stickstoffüberschüsse durch Gülledüngung und intensive Tierhaltung führen in der Folge zu erheblichen Umweltproblemen in verschiedenen Regionen in Deutschland. Diese Probleme werden von den einflussreichen Vertreter der Landwirtschaft nicht kritisch gesehen und verharmlost. Es werden im Gegenteil diese Produktionsverfahren auch noch verteidigt. Damit gerät die gesamte Landwirtschaft in Verruf. Gleichzeitig mit der Entwicklung hin zu einer städtischen Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft geht in großen Teilen der Bevölkerung der Bezug und das Wissen über landwirtschaftliche Produktionsmethoden vollkommen verloren. Vor allem viele Städter, die die Landwirtschaft nur aus romantischen Filmen und Bilderbüchern kennen, sind von der modernen Landwirtschaft überrascht und zum Teil entsetzt. Hier wird der ökologische Landbau als nachhaltigste Form der Landwirtschaft angesehen. Die konventionelle Landwirtschaft ist in einem großen Dilemma: Wenn der Landwirt so wirtschaftet wie der Verbraucher es erwartet, dann ist er nicht existenzfähig, wirtschaftet er aber so weiter wie bisher, wird er vom Verbraucher nicht akzeptiert. Damit unsere konventionelle Landwirtschaft zukunftsfähig bleibt, müssen Entwicklungen hinterfragt und angepasst werden. Es wird nicht reichen, wie von manchen Verbandsvertretern gefordert, mit Aufklärungsarbeit den Verbraucher von den aktuellen Produktionsmethoden zu überzeugen.

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Welche Innovation verändert die Welt?

Vom neuen technischen Gadget, das den Alltag erleichtert, bis zur revolutionären Idee, die unsere ganze Lebensweise prägen könnte. Welche Innovation sollten wir Ihrer Meinung nach in der kommenden Ausgabe würdigen?

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Wolfgang Friedt, Leser_In

„Wo bleibt die Ethik“ fragt Katja GRUNNER mit Bezug auf die CRISPR/cas9 Technologie. Keine Frage: Bei neuen Techniken sind immer gewisse Zweifel angesagt, das ist nach Jahrzehnten des „technischen Fortschritts“ gut verständlich und nachvollziehbar. Eine Aussage der Leserin ist jedoch zu korrigieren, wenn sie feststellt: „Außerdem kann in der Pflanzenzüchtung das Verfahren genutzt werden, auf diese Weise Gene einzufügen, zu entfernen oder auszuschalten.“ Es trifft zu, Gene können „ausgeschaltet“ werden. Die Methode ist jedoch nicht dazu geeignet, neue Gene einzuführen; insofern handelt es sich also nicht um eine Technik, die der „Grünen Gentechnik“ zuzuordnen ist. Vielmehr handelt es sich um eine neue Technik der Mutationsauslösung (Mutagenese), also einer gezielten Veränderung körpereigener Gene mit dem Ziel der Erzeugung neuer Genvarianten (Allele).

Adi Hübel, Leser_In

Die Vorstellung, jeder Mensch auf der Welt kann leben, ohne sich in ein abhängiges Arbeitsverhältnis zu begeben, ist faszinierend. Sicher werden nur die wenigsten ihre Hände in den Schoß legen und gar nichts tun. Ulrike Plaggenborg hat Recht, die kreativen Leistungen der Menschen werden zunehmen, sie werden nicht nur zufriedener sein, sondern auch gesünder und weniger gestresst. Ob sie sich dann auch mehr um ihre Umwelt kümmern, wird man/frau sehen, Zeit und Muße hätten sie ja. Allerdings dürfte das Grundeinkommen nicht auf die BRD begrenzt sein.

Ranga Yogeshwar, Leser_In

Wir werden in den nächsten Jahren mit dem Aufkommen von Künstlicher Intelligenz konfrontiert werden. Manche Anwendungen des Deep Learnings sind inzwischen ungeheuer leistungsfähig: Bei der Auswertung von Röntgenbildern, dem Auffinden von Tumoren oder dem Erkennen von Verkehrsschildern übertreffen neuronale Netze bereits heute den Menschen. Bei künstlicher Sprache ist es uns inzwischen kaum möglich zwischen Mensch und Maschine zu unterscheiden. Selbstlernende Systeme können auch bei der Vergabe von Bankkrediten bereits besser urteilen als Menschen. Die Folge: Immer häufiger entscheiden Algorithmen. Doch nach welchen moralischen Prinzipien fällen sie ihre Entscheidung? Warum zum Beispiel jemand keinen Kredit bekommt, lässt sich nicht mehr genau sagen. Diese neuronalen Systeme funktionieren zwar in der Summe vielleicht besser, doch ihre genauen Entscheidungsmuster entziehen sich der klassischen Logik. Wir erleben also einen Übergang von der Kausalität zur Korrelation. Das entspricht einem Bruch mit den grundlegenden Prinzipien der Aufklärung. Dabei stellt sich die Frage, inwieweit wir diesen neuen intelligenten Systemen vertrauen können. Wie viel Verantwortung geben wir ab? Das Evolutionstempo ist rasant und somit verbessert sich ihre Leistungsfähigkeit zunehmend. Doch die gesellschaftlichen Konsequenzen dieser Entwicklung sind enorm und es braucht eine breite Debatte, denn es geht um unsere Rolle in der Zukunft.

Dagmar Wöhrl, Leser_In

Auf Youtube habe ich vor wenigen Tagen eine Rede der Facebook-Chefin Sheryl Sandberg angeschaut. Darin hat sie vor Tausenden Zuhörern in den USA einen kleinen Erlebnisbauernhof in Baden-Württemberg präsentiert, der mit Hilfe von Facebook die Attraktion im Ländle geworden ist. Eine 21-jährige Unternehmerin, nebenbei auch noch Social-Media-Managerin, zeigt uns allen, was alles heute möglich ist: Irgendwo am Küchentisch wird eine Geschäftsidee entwickelt und kann dann mit Hilfe von Internet und Digitalisierung innerhalb kürzester Zeit umgesetzt werden. Die erforderlichen Strukturen können im und mit dem Internet aufgebaut werden; Möglichkeiten und Märkte auf der ganzen Welt werden leicht gefunden. Wer hätte das noch vor wenigen Jahren für möglich gehalten? Startups bringen diese Dynamik mit, sie ist Teil ihrer DNA. Viele etablierte Unternehmen tun sich mit der Digitalisierung deutlich schwerer. Von manchen wird sie regelrecht als Bedrohung bestehender Strukturen und Abläufe empfunden. Nicht zu Unrecht, denn in den nächsten Jahren wird die Wirtschaft, wie wir sie kannten, auf den Kopf gestellt werden. Die digitale Transformation ist Chance und Herausforderung zugleich. Wir müssen unseren traditionellen Unternehmen die Ängste vor Innovationen nehmen. Für die Gründerinnen und Gründen brauchen wir optimale Bedingungen und keine überbordende Bürokratie. Nur dann wird aus Deutschland eine echte Gründerrepublik.

Bas van Abel, Leser_In

Leider verändern nachhaltige Erfindungen nicht die Welt, wenn wir sie nicht auch nachhaltig einsetzen. Echte Innovation inspiriert dazu, neue Nutzungs- und Verhaltensweisen zu entwickeln. Deswegen wird Nachhaltigkeit ebenso von Technologie wie von Gewohnheiten angetrieben. Ein modulares Smartphone, welches man leicht öffnen und reparieren kann, wäre zunächst einmal eine nachhaltige Idee. Es gibt den Nutzern die Möglichkeit, ihr Telefon länger zu behalten. Doch welchen Nutzen hätte das, wenn sich die Leute nach einem Jahr einfach ein neues kaufen? Wir müssen uns bewusster werden, wie Menschen Technologie einsetzen und auf welche Art und Weise sie mit ihr umgehen. Wir müssen den weiteren Kontext der Technologie verstehen. Wie wurde sie hergestellt? Wer hat sie hergestellt? Welche Konsequenzen hat es, sie auf eine bestimme Weise zu nutzen? Wenn wir für diese Fragen ein Bewusstsein schaffen und das Gerät mit der Geschichte verknüpfen, die es erzählen kann, können wir dauerhafte Veränderung schaffen. Nachhaltigkeit dreht sich dann nicht mehr nur um Technologie, sondern vielmehr darum, das System zu verändern. Echte Innovation entsteht durch Erfindungen, die Menschen zu mehr Nachhaltigkeit bewegen. Und genau das sind die Erfindungen, die die Welt verändern können.

Stephanie Mittermaier, Leser_In

Der zunehmende Wettbewerb um Anbauflächen und die anhaltende Steigerung der Weltbevölkerung gefährden die nachhaltige Versorgung mit sicheren, gesunden und gut schmeckenden Lebensmitteln. Dabei kommt dem Verzehr pflanzlicher Produkte als Alternative zu Fleisch, Eiern und Milch eine steigende Bedeutung zu. Allerdings kann der Verzehr tierischer Produkte nur gesenkt werden, wenn wohlschmeckende pflanzliche Lebensmittel mit vergleichbarem Mundgefühl entwickelt werden. Lebensmittelzutaten aus Lupinen können eine dieser Alternativen sein. Das Fraunhofer IVV hat hierzu Verfahren entwickelt, die es ermöglichen, die störenden Geruchs- und Geschmackskomponenten der Hülsenfrüchte freizulegen und mit ausgewählten umweltverträglichen und für Lebensmittel zugelassenen Lösemitteln wie CO2 und Wasser abzutrennen. Das Ergebnis sind geschmacklich nahezu neutrale Lupinenproteine. Diese können dann als vielseitig einsetzbare Zutaten in der Herstellung von rein pflanzlichen Lebensmitteln verwendet werden. Von dieser Entwicklung profitieren heimische Landwirtschaftsbetriebe und die deutsche Ernährungsindustrie gleichermaßen. Für Landwirte eröffnen sich neue lukrative Absatzmöglichkeiten. Für die Ernährungswirtschaft stehen mit den nahezu neutral schmeckenden Lupinenproteinen innovative Zutaten für die Entwicklung rein pflanzlicher Produkte zur Verfügung, die zu einer breit akzeptierten Alternative zu tierischen Lebensmitteln werden können.

Mark Lenz, Leser_In

Es wäre schön, wenn man mit einer simplen Innovation die Meere vom Plastikmüll befreien könnte: indem man ihn einfach einsammelt. Nur ist das aus vielen Gründen nicht sinnvoll. Viele Menschen glauben, dass im Ozean riesige Inseln aus Müll schwimmen, aber diese Vorstellung ist falsch. Zwar gibt es Meeresgebiete, die sogenannten ozeanischen Strudel, in denen sich treibendes Material ansammelt, aber die Dichte an Meeresmüll ist dort zum Glück nicht so hoch, dass es sich lohnen würde, ihn einzusammeln. Die höchste bislang gemessene Dichte liegt bei einem Stück Plastik auf drei Quadratmetern. Und die Müllteile sind im Durchschnitt nur wenige Millimeter groß. Denn sobald der Müll von den Küsten wegtransportiert wird, beginnt er sich auf einer riesigen Fläche zu verteilen und er zerfällt dabei in immer kleinere Teile. Diesen Müll großflächig einzusammeln, wäre sehr energieaufwendig und ist, wie jede Form der Fischerei, mit Beifang verbunden. Letzterer würde immensen ökologischen Schaden verursachen, der den Nutzen der Reinigung bei Weitem übersteigt. Wir müssen uns daher damit abfinden, dass Plastikmüll, der einmal in den offenen Ozean gelangt ist, nie wieder zurückgeholt werden kann – auch nicht durch eine technische Innovation. Deswegen müssen wir vor allem verhindern, dass noch mehr Müll in die Meere gelangt. Dies kann global nur durch eine Reduktion der Müllmengen und durch ein besseres Müllmanagement erreicht werden.

Anton Kummert, Leser_In

Ist des Deutschen liebstes Kind bald erwachsen und damit autonom? Mobil sein und gleichzeitig Mails checken, lesen oder schlafen: All dies verspricht uns die autonome und vernetzte Mobilität. Zudem ist sie gut für die Umwelt, reduziert die Zahl von Unfällen und vermindert Staus auf unseren Straßen – alles Vorteile, die man auch dem Öffentlichen Nahverkehr zuschreiben könnte. Für die individuelle Mobilität ist diese Zukunftsvision jedoch eine Revolution, die allerdings in der Praxis eher als Evolution in fünf Stufen voranschreitet. Die Emotionalität der Debatte um das Für und Wider fußt auf Kontrollverlust, der Abgabe von Entscheidungen an die „Intelligenz“ und Zuverlässigkeit eines vernetzten, rollenden Computers. Für die Generation der Digital Natives kein Problem, jedoch eine Horrorvorstellung für ältere Menschen. Aber gerade letztere werden enorm profitieren, da ihnen Mobilität und Teilhabe bis ins hohe Alter erhalten bleiben. Für die Wirtschaft eröffnen sich neue Geschäftsmodelle, allerdings mit dramatischen Folgen – ähnlich jenen der digitalen Transformation – für zahlreiche Branchen wie Logistik, Automobilhersteller und Zulieferer. Die rechtlichen Konsequenzen der autonomen Mobilität sind in den Griff zu bekommen, viel kritischer sind Hackerangriffe und Datenschutz. Ob nun im positiven Sinne für die einen oder im negativen für die anderen: Das selbstdenkende Auto wird unsere Lebenswelt tiefgreifend verändern.

Wolfgang M. Heckl, Leser_In

Die großen Dinge, die unser Leben verändert haben, sind alle schon erfunden und im Deutschen Museum zu sehen. Dampfmaschine, Auto, Flugzeug, Rakete, Computer. Meinetwegen auch die Waschmaschine. Was kann danach noch kommen? Wird es uns noch einmal gelingen, etwas Epochemachendes zu erfinden, und nicht nur Gadgets und Verbesserungen des Bestehenden, die, bei Lichte betrachtet, oft so richtig wichtig nicht sind? Ich glaube, ja. Wir brauchen Innovationen, denn wirkliche Innovationen lösen Menschheitsprobleme. Sie können zwar auch neue schaffen, aber Erfindungen müssen heute auch nachhaltig sein – sonst haben sie keine Aussicht auf Erfolg. Innovationen müssen daran gemessen werden, ob sie uns in Zukunft ein lebenswertes Leben ermöglichen. Ob sie allen Menschen zugänglich sind und ihnen zum Vorteil gereichen. Dabei ist die naturwissenschaftlich-technische Kultur die Basis für alle Erfindungen und Entdeckungen. Diese Erfindungen sind häufig dann am wirkungsvollsten und nachhaltigsten, wenn sie sich am größten Erfinder orientieren, den es überhaupt gibt: der Natur. Ich träume von einer großen Innovation: dem molekularen und atomaren Recycling. Was das ist? Das ist das, was die Natur bereits kann. Sie verwertet alles wieder, in dem sie es in kleinste Teilchen zerlegt und daraus neue Strukturen und Ressourcen schafft. Wenn wir das nicht auch hinbekommen, schaffen wir uns auf einer Erde mit endlichen Ressourcen selbst ab.

Ralf Bartenschlager, Leser_In

Infektionen mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) sind ein weltweites Problem. Viele Menschen sind mit diesem Erreger chronisch infiziert, ohne es zu wissen, und haben trotzdem ein hohes Risiko für einen schweren Leberschaden, bis hin zum Leberzellkarzinom. Glücklicherweise lassen sich seit etwa zwei Jahren HCV-Infektionen in nahezu allen Fällen erfolgreich therapieren. Das wurde möglich durch die Entwicklung hochwirksamer Medikamente, die gezielt die Virusvermehrung blockieren. Die entsprechenden Wirkstoffe sind das Ergebnis intensiver Forschungsarbeiten vor allem in der pharmazeutischen Industrie, die möglich wurden, weil die akademische Forschung wichtige Grundlagen lieferte. Eine davon ist die Entwicklung von Zellsystemen, die in der Virusforschung unabdingbar sind, weil sich Viren ausschließlich in lebenden Zellen vermehren. Leider war die Vermehrung des HCV in Zellkulturen im Labor lange Zeit nicht möglich. Erst zehn Jahre nach der Entdeckung des Virus ist es meinen Mitarbeitern und mir gelungen, ein Zellkultursystem für das HCV zu entwickeln. Dieses System, ein Ergebnis von fünfjähriger Arbeit mit vielen Rückschlägen, war erstmalig robust genug, um Medikamente zu testen und neue Wirkstoffe zu suchen. Die Bedeutung des Systems für die Medikamentenentwicklung lässt sich vielleicht daran ablesen, dass alle neuen Wirkstoffe, die heute für die Therapie der HCV-Infektion eingesetzt werden, mit unserem System entwickelt wurden.

Denniz Bentra, Leser_In

Den Bau des Gotthard-Basistunnels halte ich für eine der ganz großen Innovationen in der Verkehrsgeschichte. Er ist mit seinen 57 Kilometern nicht nur der längste Tunnel der Welt, sondern ingenieurstechnisch eine Meisterleistung, ein Jahrhundertbauwerk. Er hat zwar nicht den Verkehr der ganzen Welt verändert, aber als Nord-Süd-Verbindung für Europa ist er von zentraler Bedeutung – und seit beim deutschen Rastatt die Züge nach der Gleisabsenkung durch die dortigen Tunnelbauarbeiten wieder rollen, kann die Verlängerung dieser Nord-Süd- Strecke auch wieder genutzt werden.

Katrin Schneider, Leser_In

Ich würde mir eine Innovation wünschen, bei der Textilfasern oder Sensoren in Kleidung auf die jeweilige Außentemperatur reagieren und dann entsprechend mehr oder weniger wärmen, damit Klimaanlagen oder überhitzte Räume erträglich werden. Als Gag soll es diese Kleidung schon geben, leider wärmen oder kühlen sie aber nicht entsprechend, sondern wechseln dann nur ihre Farbe. Auch Textilien, die Wasser und Schmutz abweisen, sollen schon hergestellt worden sein. Gäbe es die hier günstig zu kaufen, würde ich die auf jeden Fall schon einmal meinem Sohn auf dem Spielplatz anziehen.

Katja Grunner, Leser_In

Mit der Entdeckung der CRISPR-Sequenzen und der daraus entwickelten CRISPR/Cas-Methode ist der Genforschung jüngst ein Meilenstein gelungen. Dadurch verändern sich die medizinischen Möglichkeiten und es wird geforscht, wie weit sich die Methode therapeutisch bei verschiedenen Krankheiten einsetzen lässt. Diese Forschungsergebnisse und die wohl auch einfache Anwendbarkeit haben aber auch die Möglichkeit geschaffen, das Verfahren zumindest in China an Embryonen zu testen. Außerdem kann in der Pflanzenzüchtung das Verfahren genutzt werden, auf diese Weise Gene einzufügen, zu entfernen oder auszuschalten. Es zeigt sich also wieder, dass eine Innovation zwar die Welt verändern kann, aber ob wir diesen Weg dann ethisch vertreten können oder wir damit ungewollte Risiken eingehen werden, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Justin Schneider, Leser_In

Eine große Innovation ist das Smart Home. Es vereinfacht unseren Alltag.

Mario Pericchini, Leser_In

Die Erfindung des Tablets wird eine Generation hervorbringen, die mit Sicherheit sehr digital-affin sein wird, die daraus resultierenden Nachteile kennen wir aber noch nicht. Denn erst mit dem I-Pad wurde das Tablet wirklich attraktiv, vor sieben Jahren. Und in der Bevölkerung massenhaft verbreitet hat es sich vielleicht vor vier oder höchstens fünf Jahren. Das Erstaunliche dabei ist: Es lässt sich problemlos von Kindern bedienen; sie lieben es mehr noch als Erwachsene. Guckt man sich die Apps an, sieht man, dass sich darauf hauptsächlich Spiele befinden. Immer wieder hört man den Satz: „Das Tablet ist der beste Babysitter.“ Man hört auch immer mehr kritische Stimmen: „Immer, wenn ein Kind vor einem Tablet sitzt, stirbt auf einem Baum ein Abenteuer.“ Und es wird ebenfalls kritisch als „digitaler Schnuller“ bezeichnet, vor allem, weil es so viel Zeit ist, die Kinder damit verbringen, sofern man sie lässt. Diese jetzt noch jungen Menschen werden also die erste Generation sein, die sich schon von kleinsten Kinderbeinen, teils im Kindergartenalter an die digitale Welt gewöhnt haben. Dies ist noch einmal eine Stufe weiter als bei den Digital Natives. Wie werden sehen, wie dies die Menschen in der Welt verändern wird.

Jens Brüggemann, Leser_In

Wir nutzen sie tagtäglich und sie ist aus unserem Leben wohl nicht mehr wegzudenken: die Kaffeemaschine. Dabei hat sie jetzt schon einige Entwicklungen durch. Nach vielen Varianten hat sich die in Deutschland erfundene Filterkaffeemaschine in den 1970er-Jahren großflächig durchgesetzt. Abgelöst wurde sie meist von umweltschädlichen Portionskaffeemaschinen, aber erstaunlicherweise sah man auch teure Gastronomiemaschinen plötzlich hier und da bei Freunden stehen. Ein richtiger Hype um die Kaffeebraukunst entstand – es ist verrückt, wer sich alles für einen großen Gourmet hält und meint, diese oder jene Variante würde noch ein I-Tüpfelchen besser schmecken. Aber da die meisten mehrmals am Tag Kaffee trinken und damit auch die Frage im Raum steht, wie er am besten aufgebrüht werden sollte, werden auch hier neue Innovationen auf uns zukommen, denn der Markt ist da. Und dann hoffe ich auf eine Variante, die weniger Müll als diese Kapseln produziert.

Alexej Koslow, Leser_In

Die nächsten großen Innovationen erwarte ich in der Automobilbranche, im digitalen Bereich und in der Medizin. Warum? Weil hier die Unternehmen sehr viel Geld in die Forschung stecken und ohne Forschungsgelder bleiben meist auch die Innovationen aus.

Esther Hullmann, Leser_In

Schluss mit der Verschwendung Wenn man sich überlegt, wie viel Lebensmittel jedes Jahr weggeworfen werden, wäre eine Innovation in dieser Richtung sicherlich sehr wertvoll für die Menschheit. Vielleicht sollte es keine Erweiterung von Konservierungsstoffen sein, die doch keiner im Essen haben will. Ich denke da an innovative Formen der Einlagerung. Schließlich haben die Dose und die Möglichkeit des Einfrierens auch die Essensversorgung revolutioniert.

Mira Müller, Leser_In

Ich denke, es kann zu großen Innovationen führen, wenn man altbekannte Werkstoffe in ganz neuen Bereichen einsetzt. Ich habe gerade gelesen, wie vielseitig sich Bambus einsetzen lässt, sogar im Hausbau, weil es nicht so leicht entzündlich ist wie Holz. Da sich Bambus auch nachhaltig anbauen lässt, ist es doch ein großer Zugewinn für die Menschheit.

Günther Lisbentoll, Leser_In

Ich wünsche mir einen größeren Willen für umweltfreundliche Innovationen im Öffentlichen Nahverkehr. Alle sprechen von emissionsbelasteten Innenstädten, doch die Busse des Nahverkehrs sind immer noch nicht auf Elektromobilität umgerüstet. Dabei sollte doch der Öffentliche Nahverkehr genau da ansetzen, eine Alternative zum umweltverschmutzenden Individualverkehr mit dem Pkw bieten. Würden sich E-Busse weltweit durchsetzen, würden auch die Städte wesentlich lebenswerter werden – man könnte wieder durchatmen. Wobei hier auch zu bemerken ist, dass beispielsweise Hamburg da schon weiter ist als etwa Berlin, das im Übrigen auch noch auf Kohlestrom zurückgreift. Und man fragt sich natürlich, wo der Innovationsgeist der deutschen Autoindustrie geblieben ist, wenn die Berliner E-Busse in Polen hergestellt werden, weil es keinen Hersteller solcher Busse in Deutschland gibt.

Herta Rosenberg, Leser_In

Schaut man sich die demografische Entwicklung an, müssen wohl in der Pflege dringend Innovationen entwickelt werden. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass mich einmal überwiegend ein Roboter pflegen wird, denn menschliche Wärme und Nähe werden mir immer wichtig bleiben.

Regine Moordorf, Leser_In

Was wir brauchen, ist keine weiteres Gadget oder neues digitales Gerät, keine smarte Uhr oder digitale Brille. Diese Geräte haben bereits die Welt und unser miteinander in einem Maße verändert, dass kaum noch Raum für echtes Aufeinanderzugehen bleibt. Wie soll ich jemanden in die Augen schauen, wenn ich parallel dazu noch die Daten meiner smarten Brille abfrage? Wie kann ich jemandem wirklich zuhören, wenn ich parallel meine SMS checke? Was wir brauchen, ist ein gesellschaftlich-innovatives Miteinander, das wieder den Menschen mit seinen direkten sozialen Bedürfnissen und nicht die digitalen Möglichkeiten in den Mittelpunkt rückt.

Dieter Serbtrag, Leser_In

Ich glaube, dass es die einzelnen kleinen Schritte sind, die alle zusammengenommen zu einer weltverändernden Innovation heranreifen müssen. Es ist nicht der eine Wissenschaftler, der plötzlich die zündende Idee hat und puff, ist die heilsbringende Maschine da. Es bedarf vielmehr einer oft jahrelangen und inzwischen auch mehr und mehr interdisziplinären Zusammenarbeit, um gemeinsam etwas hervorzubringen, das auch auf Dauer Bestand haben wird.

Ulrike Binning, Leser_In

Die Digitalfotografie hat nicht nur die zuvor bestehende Technologie mit Filmrollen komplett verdrängt, sondern auch unser ganzes Verhalten beim Fotografieren geändert. Wir inszenieren uns auf Instagram und Facebook mit einem attraktiven, unangreifbaren Image, weil wir einfach solange Bilder löschen, bis das Makellose von der Schokoladenseite übrig bleibt. Selfies haben sich durchgesetzt, weil wir uns beim Fotografieren direkt sehen und dann abdrücken, wenn wir uns besondern hübsch finden. Und von dieser Bilderflut sind wir jetzt umgeben, sobald wir täglich unsere Social-Media-Apps nutzen: von einem Sammelsurium belangloser, aber tausendfach vorhandener Fotos.

Sven Birken, Leser_In

Welche Innovation sich offensichtlich durchgesetzt hat und damit auch ein Stück weit die Welt verändert hat, sind meiner Meinung nach Videoanrufe. Ich höre es immer häufiger aus dem Bekanntenkreis, wer ein Bewerbungsgespräch darüber geführt hat und dann aus dem Ausland heraus seinen Job erhalten konnte, ohne anreisen zu müssen. Vielleicht verändert das nicht die ganze Welt, aber es verändert das Leben und somit die Welt derjenigen, die es nutzen und dadurch erfolgreich einen Job bekommen.

Mareike Fischer, Leser_In

Eine Innovation, die nicht nur meinem persönlichen Wohlbefinden dient, sondern wirklich die Welt verändert, kann ich mir nur in einem Bereich der Kommunikation zwischen verschiedenen Kulturen vorstellen. Denn erst wenn auch ein Umdenken in den Köpfen stattfindet, ein Aufeinanderzugehen, werden nationale Interessen zurückgestellt und wir können gemeinsam die Welt verändern.

Nadja Fresenhöfer, Leser_In

Alle reden vom 3-D-Drucker, denn er hat in der Medizin für unglaubliche Fortschritte gesorgt: Vom Zahnersatz bis zu Gelenkimplantaten gibt es eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten. Für Laien hatte er bisher meist nur einen spielerischen Nutzen, aber ich kann mir vorstellen, dass hier genauso wie beim Computer, bei dem man früher auch zuerst noch nicht wusste, wozu man einen zu Hause haben sollte, immer mehr Ideen und Vorlagen entstehen, wie man einen 3D-Drucker auch privat einsetzen könnte.

Sybille Grahlmann, Leser_In

Was sich in Zukunft sicherlich immer weiter durchsetzen wird, ist die Sharing Economy. Durch die technischen Voraussetzungen des Internets konnten sich bereits Menschen zusammenfinden, für die es Sinn macht, etwas zu teilen. Es brauchte aber auch einen Wandel in der Gesellschaft, weg von einem Besitzdenken. Aber wenn man sieht, wie weit sich dieses Verhalten alleine auf dem Ferienwohnungsmarkt durchgesetzt hat und welche Potenziale noch darin schlummern, und das trotz starkem wirtschaftlichen Interessenskonflikt mit Akteuren, die diese Bereiche zuvor besetzt hatten, lässt sich erahnen, wieweit Sharing Economy unseren Alltag in der kommenden Zeit verändern wird.

Michael Neven, Leser_In

Mein klarer Favorit kommt von einer Messe die gerade zu Ende gegangen ist: DAS BUCH! Ganz gleich zu welchem Thema und in welcher (auch immer gearteten) Qualität und Form birgt das Buch etwas, das alle Gadgets dieser Welt meiner Meinung nach nur bedingt bietet: die eigenen Erfahrungen mit dem eigenen Sein. in keinem anderen Medium ist es einfacher Notizen, Kommentare, Ein- und Ansichten, Gedanken zu erfassen. Kein anderes Medium bietet dieses konsequent notwendige Auseinandersetzung mit dem eigenen Geist. Man bleibt alleine mit sich und dem Inhalt. (16.10.2017)

Paulina C., Leser_In

Meiner Meinung nach verändert Smartphone unsere Welt und zwar leider nicht nur in positive Richtung! Heutzutage verbringen Jugendliche Ihre \"gemeinsame\" Zeit online: via Instagram, Whatsapp, Snapchat oder Facebook. Ich würde sogar sagen, dass Smartphones unsere Welt in die Reale und Virtuelle aufteilt. In der letztgenannten Welt sind wir meistens glücklicher, was leider nicht der Realität entspricht. Manche von uns leben und lieben den Schein und verpassen das wahre Leben, welches heute und jetzt stattfindet. Ich finde, dass Smartphone eine tolle Erfindung ist, jedoch sollte man darauf achten, dass es unsere Welt positiv verändert.

Thomas Schauf, Leser_In

Seit der Einführung des ersten iPhone haben wir einen Vorgeschmack bekommen, wie eine \"smarte Welt\" aussehen könnte. Digitalisierung und Technisierung sind die bedeutensten Megatrends zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Beide bedingen einander und führen zu einer steigenden Innovationsdynamisierung. In den kommenden Jahren wird die Geschwindigkeit mit der digitale und technologische Innovationen weiter zunehmen. Die Herausforderung wird dabei sein, dass vor allem gesellschaftlich wertvolle Innovationen gefördert werden und ethische Bedenken offen reflektiert werden. Aber in Summe lohnt sich eine offene Hinwendung zur Digitalisierung und Technisierung: Wir stehen an der Schwelle, dass eine Vielzahl gesamtgesellschaftlicher Probleme angegangen werden können - in den unterschiedlichsten Bereichen, wenn wir uns der gesellschaftlichen Dimension nur real vor Augen führen. So können fahrerlose Fahrzeuge, die vernetzt agieren, die Zahl der Verkehrsopfer deutlich veringern oder Medikamente und deren Wirkstoffkombinationen an digitalen Doppelgängern getestet werden, so dass Nebenwirkungen an realen Patienten minimiert werden können. Wir stehen an der Schwelle, dass mit Digitalisierung und Technisierung ein grundlegender Paradigmenwechsel in unseren Gesellschaften im positiven Sinne eingeleutet werden kann oder wir als Gesellschaft eher mit technofoben Argumenten diesen Prozess nicht durchdringen und somit eher ablehnen.

M. Ehrmann, Leser_In

die Kreditkarte

Christiane Wolf, Leser_In

Ich denke schon, dass das Smartphone die einschneidenste Veränderung der letzten Zeit ist und weiter bleiben wird. Es ist zwar ziemlich offensichtlich, kaum jemand würde wohl diese Veränderung verleugnen. Ich selbst liebe mein gut funktionierendes Smartphone und könnte mir, wie all die anderen auch, ein Leben im Alltag ohne es, kaum vorstellen. Es ist an so vielen Stellen hilfreich und sehr praktisch. Natürlich muss man sich über den Umgang mit den eigenen Daten Gedanken machen. In der Welt können Menschen mit einem Smartphone einen Zugang zu Information bekommen wie nie zuvor. Ich merke dass Leute, wenn sie keines besitzen dauernd an Grenzen stoßen, die man nicht mehr erwartet. Ich finde es richtig gut, wenn man alles Mögliche mit dem Smartphone erledigen kann, aber ich sehe auch, wie Menschen, die es nicht haben oder nicht bedienen können, oft ziemlich abgehängt wirken. Dennoch will auch ich mich selbst nicht abhängig machen.

Newvisions, Leser_In

Das iPhone

Ulrike Plaggenborg, Leser_In

Ein Blick in die – nicht allzu ferne – Zukunft: Das bedingungslose Grundeinkommen wird unsere Gesellschaft, unsere Wirtschaft und unser ganzes Leben grundlegend verändern. Da niemand mehr gezwungen sein wird, zu arbeiten um Geld zu haben, kann jeder selbst entscheiden, was er mit seinem Leben macht. Das erfordert ein hohes Maß an Selbst-Verantwortung, die in ganz neuen Schulen trainiert wird, deren Ziel es ist, die Potenziale und Talente zu fördern, denn Kreativität wird sich entfalten wie nie zuvor. Die Unternehmen sind gefordert, ihren Mitarbeitern Arbeitsplätze zu ermöglichen, in denen sich diese kreativ geschulten Menschen verwirklichen können. Da Gewinnmaximierung nicht mehr an erster Stelle steht, können sich alle darauf konzentrieren, die Umwelt endlich wirklich in den Blick zu nehmen und der Erde wieder zu ihrem natürlichen Leben zu verhelfen. Viele Menschen werden sich wieder mehr um ihre Mitmenschen kümmern wollen, die nun aber viel gesünder leben, weil enorm viel Stress wegfällt. Und natürlich: jeder arbeitet nur soviel wie es gefällt und wer gar nichts tun will, braucht es ja auch nicht. Lang ist es nicht mehr hin, dass der Mensch auch ohne Leistungsdruck und „höher – schneller – weiter“ sehr gute Arbeit leisten wird, ja, sogar viel effizienter, da selbstbestimmt. Ich freue mich drauf!

Erwin Gillessen, Leser_In

Meiner Meinung ist das Thema Elektromobilität ein Thema, dass unsere Lebensweise prägen wird. Dazu gehören die Themen wie: - Automobil/Fahren ohne dass er Mensch lenken muss, sondern nur noch sein Ziel einprogrammiert. Verbunden mit keine Parkplatzsuche, keine Staus, saubere Umwelt, angepasste Städteplanung, etc. - Ausweitung/Optimierung von E-Bikes: Optimierung des bisher bestehenden Leihsystem, z. B. über mehr Angebot von Apps (einfache Handhabung).

heinz-jürgen gross, Leser_In

Das Gerät zu beschreiben erscheint mir schwierig, die Technik wird – m.E. – aus dem Bereich der Anwendung der bekannten Komponenten der Quantenmechanik kommen. Es könnte die Umsetzung von Wellen/Bewegungen u.ä. die in der “Natur oder bekannten Physik vorkommen” in (elektrische?) dem Menschen in seiner Ausweitungs- und Konsumgier nutzbare Energie sein. Keine Frage ist dumm.. aber : auch dieses Gerät wird in der Gesamtbetrachtung das vorherrschenden System des “Produktions- und Konsumsklaventums” um eine neue Komponente erweitern. Richtig innovativ wäre ein Gerät das den Menschen zu Empathie oder zum Nachdenken zwingt, mein ich ernst, in der Individual wie auch Gesellschaftsbetrachtung. Wäre zwar sowas wie den Geist u.ä. ausrichten und würde Mißbrauch (Programmierung) Tür und Tor öffnen, aber die Logik zwingt mir ein solches Gerät geradezu auf. Die Welt ist wie die Welt ist, ob sie wirklich veränderbar ist? Die Realität fragt nicht wie Du sie anschaust.. sie ist wie sie ist!

Gerd Riedner, Leser_In

DNS-Analyse

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Wieviel Sicherheit braucht die Freiheit?

Freiheit braucht das Netz! Sicherheit braucht das Netz! Ein Dilemma? Keineswegs, (mehr …)

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Wolfgang Welsch, Leser_In

Freiheit und Sicherheit bedingen sich gegenseitig, Freiheit kann es nur in einem stabilen Rechtsstaat geben. Diktaturen und auch autoritäre Systeme täuschen Sicherheit vor, und Menschen, die die Freiheit suchen, wurden und werden kriminalisiert. Für mich als Flüchtling und später als Fluchthelfer ist Freiheit die Voraussetzung für ein Leben in Würde. Der Rechtsstaat hat die Aufgabe, ein Leben in größtmöglicher Sicherheit zu ermöglichen; hundertprozentige Sicherheit kann es niemals geben, und deshalb dürfen die persönlichen Freiheitsrechte nicht zugunsten einer trügerischen Sicherheit durch unlautere Überwachungsmaßnahmen und Kontrollen eingeschränkt werden. In einem funktionierenden Rechtsstaat mit ausgeprägter Gewaltenkontrolle kann dies funktionieren. Die meisten Menschen sind heute in der luxuriösen Situation, dass Freiheit für sie selbstverständlich ist und sie ihren Wert gar nicht zu schätzen wissen. Ich jedoch erinnere mich noch gut an meinen Freikauf nach siebenjähriger Haft, an das berauschende und unbeschreibliche Gefühl der Freiheit, der Selbstbestimmung und Selbstverantwortung. Deshalb ist es heute so wichtig, auf die Einhaltung demokratischer Rechte und Regeln zu bestehen und nicht einfach die Verantwortung an den Staat abzugeben. Die Missbrauchsgefahr darf nicht unterschätzt werden, auch wenn die heutigen Sicherheitsmaßnahmen keinesfalls mit den kriminellen Machenschaften des MfS zu vergleichen sind.

Ursula von der Leyen, Leser_In

Freiheit ist unser höchstes Gut. In unserem sicheren und wohlhabenden Deutschland bedeutet Freiheit für viele inneres Freisein, die Abwesenheit gefühlter Zwänge. Wir schätzen kleine Freiheiten wie den Wochenendtrip, mobiles Arbeiten mit dem Smartphone, das beruhigende Notpolster auf dem Konto. Sicherheit ist so selbstverständlich da wie Luft. Die existenzielle Bedeutung des Wortes Freiheit ist uns fern. In meinem Amt reise ich viel. Freiheit ist in weiten Teilen der Welt nur eine Sehnsucht. Unzählige Menschen müssen Krieg, Terror, extreme Armut, ungesunde Umwelt erdulden. Sie wünschen sich „Freiheit von Angst“ und „Freiheit von Not“. Das Mädchen, das aus Angst vor religiösen Eiferern nicht zur Schule geht. Familien die nicht in ihre vom IS verminten Häuser können. Die mutige Journalistin in der Türkei, die aufschreibt, was ihre Meinung ist, und deswegen Schlimmes fürchten muss. Freiheit kann sich ohne Sicherheit nicht entfalten - nirgends. Unsere globalisierte Welt rückt zusammen. Wir spüren die Folgen von Unfreiheit und Unsicherheit in der Nachbarschaft direkter denn je. Eine ganze Generation hier, die mit offenen Grenzen in Europa aufgewachsen ist, spürt plötzlich wie schnell die Debatte über neue Barrieren auch an ihr Freiheitsgefühl rührt. Deswegen ist es klug und notwendig, uns beizeiten um die Sicherheit anderer zu sorgen, sei es im Irak, in Syrien, in Mali. Es ist auch unsere Freiheit.

Marcus Ruddies, Leser_In

Oft hört man von Frauen, die in der dunklen Jahreszeit abends nicht mehr auf die Straße gehen wollen und dadurch ihre sozialen Interaktionen einschränken. Das Gefühl von Angst und Hilflosigkeit beeinträchtigt damit ihre Lebensqualität. Viele von ihnen können ihre Ängste gar nicht genau benennen. Diese Ängste sind übrigens nicht neu, sondern waren auch vor zehn oder zwanzig Jahren schon die gleichen. Aktuelle Vorkommnisse und die dadurch ausgelöste Hysterie rücken sie aber weiter ins zentrale Bewusstsein. In solchen Momenten rufen Menschen schnell nach mehr Sicherheit, mehr Polizei, mehr Zugbegleiter oder Überwachungskameras. Die Wahrheit ist doch, dass ein lückenloser Schutz nicht möglich ist. Gute Selbstverteidigungskurse können hingegen helfen, die oft diffusen Ängste zu definieren und gezielte Lösungsstrategien zu erarbeiten. Die Teilnehmerinnen lernen den Unterschied zwischen gefühlter und realer Gefahr, sie lernen mögliche Gefahren rechtzeitig zu erkennen, selbstbewusst aufzutreten und gleichzeitig eine Eskalation zu vermeiden. Sie lernen, sich Hilfe zu organisieren oder aber selbst Menschen in Not zu helfen, ohne sich dabei in Gefahr zu bringen. Und sie lernen die rechtlichen Rahmenbedingungen und legale Selbstschutzhilfsmittel kennen. Damit sie sich und andere im Notfall effektiv schützen können. Das ist eine enorme persönliche Bereicherung und relativiert viele der durch hochgeschaukelte Diskussionen erzeugten Ängste.

Julian Nida-Rümelin, Leser_In

Die politische Debatte ist von Gegensätzen geprägt, die sich bei genauerem Hinsehen auflösen. Der vermeintliche Gegensatz zwischen ökonomischer Effizienz und sozialer Gerechtigkeit: Jede vernünftige Gerechtigkeitstheorie befürwortet nur ökonomisch effiziente Verteilungen. Der zwischen Freiheit und Gleichheit: Vernünftigerweise sollten wir unter Gleichheit die Bedingungen gleicher Autonomie verstehen. Und schließlich der zwischen Sicherheit und Freiheit. Man stelle sich einen maximal unsicheren Zustand vor: Jeder kämpft gegen jeden, jeder muss jederzeit erwarten, mit Gewalt vom Leben zum Tode gebracht zu werden. Alles ist von Konkurrenz, Misstrauen und Ruhmsucht geprägt. Der Mensch ist in einem solchen Zustand „frei“, das zu tun, was er tun will. Es herrscht das natürliche Recht auf alles. Aber niemand wird sich in einer solchen Situation frei fühlen, denn Freiheit setzt voraus, dass ich das, was mir wichtig ist, auch realisieren kann, dass ich mein Leben nach eigenen Vorstellungen gestalten und andere daran hindern kann, sich einzumischen. Freiheit setzt Sicherheit voraus. Die Sicherheit etwa, dass mich niemand mit dem Tode bedrohen kann, dass ich selbst bestimme, mit wem ich Bindungen eingehe, dass die Umstände meines Lebens planbar bleiben, dass es Polizei, Gerichte und notfalls Gefängnisse gibt, die mich vor Übergriffen schützen. Freiheit setzt Sicherheit voraus. Sicherheit ist um der Freiheit willen unverzichtbar.

Anke Neuber, Leser_In

Wie wertvoll Freiheit ist, wird einem erst bewusst, wenn sie eingeschränkt ist. Für junge Männer im Jugendstrafvollzug ist der Freiheitsentzug ein Schock und eine krisenhafte Erfahrung. Die Haft ist sehr oft eine weitere Station in ihren Lebensläufen, die durch Unsicherheiten und häufige Wechsel von Institutionen und Bezugspersonen geprägt sind. Vor diesem Hintergrund erleben die jungen Männer die Freiheitsbeschränkung des Gefängnisses zwar als autoritär und schmerzhaft, zugleich aber auch als unterstützend und haltend. Sie setzen große Hoffnungen in die Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten, die der auf Resozialisierung und Erziehung gerichtete Jugendstrafvollzug bietet. Viele sehen hier eine Chance, sich über Arbeit in die Gesellschaft zu integrieren und artikulieren den Wunsch nach einem „ganz normalen Leben“ mit Arbeit und Familie. Aber nicht nur der Übergang von draußen nach drinnen ist konflikthaft, sondern auch der Weg zurück. Nach der Entlassung brechen die Lebensentwürfe der jungen Männer häufig wieder zusammen: Die Integration in Arbeit bleibt ein leere Hoffnung, der Wohlfahrtsstaat mit seiner Aktivierungsparole „Fördern und Fordern“ führt zu sozialstaatlichen Sanktionierungen und einer Individualisierung des Scheiterns, Beziehungen werden wieder brüchig. Wir sehen für diese Gruppe sozial verwundbarer junger Männer, dass Freiheit auch Sicherheit braucht – soziale, materielle und emotionale.

Katherine Maher, Leser_In

Der freie Zugang zu Informationen ist ein Grundrecht. Im Laufe der Geschichte diente die Kontrolle des Wissens dazu, gewaltige Imperien reich zu machen. Letztlich hat sich jedoch herausgestellt, dass das Teilen von Wissen uns allen nützt. Einige unserer bedeutendsten Institutionen wie das repräsentative Regierungssystem, das Justizsystem und die freie Presse fußen auf gemeinschaftlicher Nutzung von Wissen. Sie sind stärker, wenn sich Informationen im öffentlichen Raum verbreiten, und das führt zu mehr Frieden, Sicherheit und Wohlstand. Die Vision von Wikimedia ist eine Welt, in der jeder Einzelne an der Gesamtheit des Wissens teilhaben kann. Zwar sind Informationen heute prinzipiell leichter zugänglich als je zuvor, ihr Zugang wird jedoch weltweit nach wie vor zu stark eingeschränkt. Unter dem Einfluss von Interessen, die dem Informationsfluss Grenzen setzen wollen, wird das Internet zunehmend zu einem eingezäunten Garten. Das führt uns in die geistige Verarmung. Deshalb ist Wikimedia ein entschiedener Befürworter von offenen Standards und Netzwerken. Wir leben diese Offenheit – offene Kooperationen, Open Source, interkultureller Wissensaustausch. Indem wir unsere Infrastruktur, Software und Richtlinien offen gestalten, stellen wir sicher, dass wir stets dem öffentlichen Interesse verpflichtet sind. Ohne die Angst vor versteckter Einflussnahme. Diese Offenheit ist unsere Freiheit. Und unsere Freiheit ist unsere Sicherheit.

Manfred Jost, Leser_In

Einbruch! Es geht um mehr als Zerstörung und gestohlenen Schmuck. Fremde dringen in das Zuhause, in die Privatsphäre ein. Das verletzt unser Sicherheitsgefühl zutiefst. Der private Schutzraum ist plötzlich angreifbar. Die hohe Zahl von Wohnungseinbrüchen zwingt Hauseigentümer zu wirksamen Gegenmaßnahmen: Bewegungsmelder, Überwachungskameras, Zäune, Sicherungs- und Beleuchtungstechnik machen es den Tätern schwer, auch wenn sich Einbrüche nicht gänzlich verhindern lassen. Die Erfahrung zeigt, wenn das Einsteigen zu schwierig wird und zu viel Zeit beansprucht, geben die meisten Einbrecher auf. Ein solider mechanischer Grundschutz für ein Einfamilienhaus ist bereits für rund 2.000 Euro zu haben. Hierbei leistet die staatliche KfW-Bankengruppe mit Zuschüssen und günstigen Darlehen eine gute Unterstützung. Und die Polizei berät kostenlos vor Ort. Neben solcher Prävention ist ein wirksamer Abwehrmechanismus das „gepflegte Miteinander“ im Wohngebiet. Man kennt sich. Ohne sich zu sehr auf die Pelle zu rücken, schaut man als wachsamer Nachbar hin und fragt nach, wenn ein Fremder das Nachbargrundstück betritt, während die Eigentümer abwesend sind. Der Angesprochene wird den Rückzug antreten – Einbrecher stehen ungern im Rampenlicht. Die Statistik zeigt, dass Wohngebiete, in denen Eigentümer Mitträger eines stabilen sozialen Gefüges sind, weit weniger unter Einbrüchen leiden als anonyme Siedlungen. Gemeinschaft verschafft Sicherheit.

Stefan Glowacz, Leser_In

Rückblickend auf eine über 40-jährige Kletterkarriere, kann ich mir heute sehr gut meine Faszination für den Klettersport erklären. Es ist nicht nur die sportliche Herausforderung oder die Freiheit aufzubrechen, wann und wohin ich möchte. Vor allem fasziniert mich die Freiheit, meine eigenen Ziele zu definieren und die Verantwortung für das Risiko, welches ich bereit bin, dabei einzugehen, zu übernehmen. Dieses Privileg hatte ich bereits, als ich mit der Kletterei begann. In meiner jugendlichen Sturm-und-Drang-Zeit kletterte ich sogar „free solo“, also ohne jegliche Sicherung. Bei jeder Route hatte ich das Gefühl, als verschmelze Körper und Geist zu einer Einheit. Ein Zustand ähnlich einer tiefen Meditation, den ich in dieser Intensität nur beim Free-Solo-Klettern erlebte. Aber die ultimative Freiheit war das Privileg, die Entscheidung treffen zu können, mich freiwillig und bei vollem Bewusstsein in Lebensgefahr zu begeben. Jeder Mensch definiert den Begriff Freiheit für sich ganz individuell. Für mich bedeutet Freiheit, Erfahrungen und Lehren aus selbst getroffenen Entscheidungen ziehen zu können, in positiver wie negativer Hinsicht. Eines Tages bei einer Trainingstour, wieder ohne Sicherung, stürzte ich aus zehn Metern Höhe nach einem Griffausbruch auf den Boden und verletzte mich dabei schwer. Seit diesem Moment klettere ich nur noch gesichert. Ich habe gelernt, wie viel Sicherheit meine Definition von Freiheit benötigt.

Veronika Aulenbauer, Leser_In

Beim Gleitschirmfliegen spüre ich Freiheit, ist der Schirm sicher.

Kinga Klein, Leser_In

Die totale Sicherheit verhindert die Freiheit, denn sie führt letztlich – ähnlich wie in George Orwells Roman „1984“ – über eine allgegenwärtige Überwachung in die Diktatur. Absolut keine Sicherheit mündet in einer Anomie, einem Zustand ohne jegliche soziale Normen. Auch hier kann sich keine Freiheit entwickeln, da man nur angstfrei autonom sein kann. Um frei sein zu können, braucht man ein gesundes Maß an Sicherheit.

Luisa Speidel, Leser_In

Freiheit braucht die Sicherheit zur Selbstentfaltung und -verwirklichung, ohne das eigene Leben oder das Leben anderer zu gefährden oder Rechte Dritter einzuschränken. Freiheit braucht die Sicherheit einer uneingeschränkten Gewährung aller menschlichen Grundrechte.

Maurice Corbeck, Leser_In

Eine Frage, die sich die Menschen nicht erst in Zeiten des vermeintlichen Terrors stellen. Zur Zeit des alten Roms hatte ein Großteil Europas seine Freiheit eingebüßt. Im Gegenzug herrschte Frieden. Seitdem hat sich die Frage nach dem richtigen Verhältnis nicht verändert. Gebe ich einen Teil meiner Freiheit auf, um Sicherheit zu genießen? Der Mensch hat ein Grundbedürfnis nach Sicherheit, aber nicht jeder Mensch ist bereit, einen Teil seiner Freiheit dafür herzugeben. Eine Gesellschaft, die sich dieser Frage ausgesetzt sieht, sollte immer bedenken, dass keine absolute Sicherheit existiert – genauso wenig, wie die vermeintlich omnipräsente Gefahr, der wir uns ausgesetzt sehen. Angst darf nicht unser Handeln definieren. Eine Gesellschaft, deren Werte auf Freiheit und Gleichberechtigung aufbauen, sollte den schmalen Grad erkennen, auf dem sie sich bewegt. In Zeiten der Vorratsdatenspeicherung bekommt man schnell den Verdacht, dass die Grundprinzipien der Unschuldsvermutung nach und nach zu Grabe getragen werden. Derjenige, der sich der Überwachung und dem damit einhergehenden Entzug seiner Freiheit widersetzt, gilt als verdächtig. Es schleicht sich die allgemeine Meinung ein, dass es in Ordnung ist, überwacht zu werden, wenn man nichts zu verbergen hat. Dieser Trend sollte mit äußerster Vorsicht beobachtet werden. Die Aufgabe von persönlicher Freiheit sollte keine Selbstverständlichkeit sein.

Justyna Stryczek, Leser_In

Kameras an öffentlichen Plätzen, bewaffnete Polizei an Bahnhöfen und bei großen Veranstaltungen, Ganzkörperscanner, Übermittlung von Daten, Vorratsdatenspeicherung und vieles mehr sind angebliche Reaktionen auf die Bedrohung durch Terrorismus. Aber wann werden wir uns völlig sicher fühlen? Wie viele Maßnahmen sind noch dazu nötig? Und vor allem, wie viel Freiheit möchte jeder von uns dafür opfern? Meiner Meinung nach handelt es sich dabei eher um Kontrollmechanismen, die unsere Gesellschaft „besser“, effizienter und gefügiger machen sollen. Freiheit braucht man zur Entwicklung und Entfaltung der eigenen Persönlichkeit. Sicherheit erlangt man erst danach.

Aaron Hubig, Leser_In

Das erste Wort, das mir bei dieser Fragestellung durch den Kopf schoss, war: Komfortzone. Die Intuition ist für mich ein super Wegweiser und ein ständiger Begleiter. Ich vertraue ihr sehr oft und gerne, das gibt mir Sicherheit. In der heutigen Zeit bleiben viele Menschen in ihrem gewohnten Alltag, in der sogenannten Komfortzone. Dort, wo sie sich sicher fühlen. Man begeht keine Fehler, solange man im kuschelig gemachten Nest bleibt und seinen sicheren Wegen, die man kennt und schon oft gegangen ist, treu folgt. Neue Erfahrungen erlange ich durch Vertrauen auf meine Intuition. Gleichzeitig bekommt man mehr Zeit, an andere Dinge zu denken, und katapultiert sich raus aus dem Alltag. Das wiederum gibt mir ein Gefühl der Freiheit. Was ist kostbarerer als dieses Gefühl.

Michael Kuch, Leser_In

Zweifellos braucht Freiheit ein bestimmtes Maß an Sicherheit. Sicherheiten bilden den Rahmen, in dem sich die Spielräume unseres Lebens eröffnen. Doch bis zu welchem Punkt kann man das Gefühl der Freiheit absichern? Zur Erfahrung der Freiheit jedenfalls gehört das Spielerische, das Neue, das Wagnis auch. Wenn wir uns frei fühlen, dann probieren wir uns aus; wir erkunden und entdecken Möglichkeiten, die uns bislang vielleicht verschlossen geblieben sind. Der Zwang, sich ständig abzusichern, kann Freiheit auch ersticken. Wer in eine Steilwand klettert, tut gut daran, sich anzuseilen. Doch das Wagnis selbst kann man nur eingehen. Gerade deshalb verbinden sich mit ihm intensive Erfahrungen: Anstrengung, Ausdauer, Gipfelglück. Um das Leben zu wagen, braucht es vor allem eines: Vertrauen. Und Vertrauen erwächst an dem, was sich nicht mit Sicherheit beweisen, sehr wohl aber erfahren lässt: Ich bin geliebt, gemeint, angenommen – und zwar bedingungslos. Es sind solche Erfahrungen, die zum Beispiel Martin Luther als Gewissheiten des Glaubens entdeckt und beschrieben hat. Zwischen Sicherheit und Gewissheit besteht ein feiner, aber entscheidender Unterschied. Letzteres verweist auf das, was das Leben auch in seinen unsicheren, gefährdeten Momenten tatsächlich trägt. Wie viel Sicherheit braucht Freiheit? Zumindest so viel, um nicht abzustürzen. Doch gelebte Freiheit – mir selbst und Anderen gegenüber – entsteht aus dem Vertrauen.

Jan David Busch, Leser_In

Jeder Mensch definiert den Begriff Freiheit für sich und sein Leben anders. Für mich bedeutet Freiheit die freie und selbstbestimmte Entfaltung meiner Persönlichkeit. Doch um meine Persönlichkeit frei entfalten zu können, benötige ich einen Rückhalt, meine Familie. Meine Familie gibt mir immer die Sicherheit in meinem Leben, um meine Freiheit voll auszukosten. Denn ohne einen sicheren Rückhalt, kann ich nicht frei sein. Nur wer sich sicher fühlt, kann sein Leben genießen. Die Ausgangsfrage kann man sicherlich nicht allgemein beantworten, doch legt für mich meine Familie den Grundstein für meine Freiheit.

Susan Schütze, Leser_In

Für mich ist diese Frage derzeit eine ziemlich wichtige und gleichzeitig auch eine ziemlich interessante. Aufgrund meiner derzeitigen beruflichen Situation und aktuellen Zukunftsplänen beziehe ich diese Frage zuerst auf die Zeit, mit der ich den Großteil meines Tages verbringe. Noch bin ich im Öffentlichen Dienst angestellt, Sicherheiten werden hier groß geschrieben, Freiheiten hingegen eher klein – jedenfalls in meinem Fall. Genau das ist auch der Grund, warum ich mich dazu entschieden habe, die Freiheit im kommenden Jahr wieder wesentlich größer zu schreiben. Ich möchte wieder meine eigenen Entscheidungen treffen, kreative Lösungen finden und selbst für mich und meinen Erfolg verantwortlich sein. Auch auf die Gefahr hin, dass ich steinige Wege beschreiten und für den Erfolg und die Freiheit kämpfen muss. Der erneute Schritt in die Selbstständigkeit ist wohl nicht unbedingt die sicherste Entscheidung. Eine gute Planung ist eine Grundvoraussetzung, jedoch keine Sicherheit für ständige Aufträge oder den auf Anhieb gewinnbringenden Erfolg des Unternehmens. Und dennoch weiß ich schon jetzt, dass die Freiheit, zu tun und zu lassen, was ich entscheide, für mich jede Sicherheit ersetzen wird. Ich möchte die Frage abschließend gerne mit den Worten von Benjamin Franklin beantworten: „Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.“

Christiane Nachtling, Leser_In

Ich habe schon das Gefühl, in großer Freiheit zu leben: Ich kann einen Beruf ergreifen, der zu mir ganz persönlich passt, ich kann ohne meine Verwandtschaft entscheiden, wen und ob ich heiraten will und ich kann sogar innerhalb der EU leben, wo ich will. Das sind nur drei Punkte, die mir spontan einfallen. Aber ich sehe hier eher eine Erweiterung des Horizonts, eine Entwicklung in der Gesellschaft als ein Sicherheitsbedürfnis, das doch eher be- und einschränkt.

Joon Reeser, Leser_In

Bei Freiheit muss ich gleich an einen Cowboy denken, der einsam durch die Prärie reitet. Warum steht er für mich für Freiheit? Er muss seine Arbeit verrichten und sich nach den Bedürfnissen der Tiere richten. Aber er hat sich entschieden, den Alltag nicht mehr mit anderen Menschen zu teilen, keine Beziehungen zu führen. Dies ist eine Freiheit, die die Sicherheit innerhalb einer Gesellschaft ablehnt. Eine Form der Freiheit, in die ich mich gerne hin und wieder träume – leben will ich aber dann doch lieber in meiner Welt.

Elisa Grieder, Leser_In

Ich glaube, wir haben ganz selten wirklich eine umfassende Freiheit. Meist sind wir innerhalb der Gesellschaft an bestimmte Rahmenbedingungen gebunden. Wenn wir eine Beschäftigung weiter wollen, sollten wir auf das hören, was der Chef sagt. Wenn wir in der Nachbarschaft akzeptiert werden wollen, sollten wir uns an gewisse Regeln halten. Aber meist sind wir mit diesen Einschränkungen völlig einverstanden, weil sie uns umgekehrt auch Sicherheit geben.

Horst Schwenk, Leser_In

Ich denke, wir können Freiheit erst dann als etwas Positives ansehen, wenn wir uns auch in Sicherheit wiegen.

Maja Langner, Leser_In

Ich arbeite gerne freiberuflich und sehe dies auch als ein Stück Freiheit an, die ich mir aufgebaut habe. Aber man ist natürlich nicht so abgesichert. Manche entschließen sich deswegen, irgendwelche Zusatzversicherungen abzuschließen, aber so sicherheitsbedürftig bin ich nicht. Vielleicht auch, weil ich glücklicherweise noch nie lange krank war. Aber man sollte auch nicht so naiv sein zu glauben, dass man gar keine Sicherheiten benötigt. Für mich habe ich es so gelöst, dass ich immer drei Monatsgehälter so angelegt habe, dass ich jederzeit an das Geld könnte, wenn doch einmal Aufträge ausbleiben oder weniger hineinkommen oder ich doch einmal länger arbeitsunfähig sein sollte.

Almut Weiler, Leser_In

Heutzutage ist nicht mehr nur allein in Erzieherkreisen bekannt, dass Kinder einer sicheren Bindung an mindestens eine Bezugsperson bedürfen, um eine gesunde psychologische Entwicklung zu durchlaufen. Schließlich ist ein Kind erst dann in der Lage, unbeschwert seine Welt zu erforschen, wenn es sich auf diese sichere Basis verlassen kann. Insofern lässt sich durchaus sagen, dass ein gewisses Maß an (Bindungs-) Sicherheit erst einmal vorhanden sein muss, das kindliche Bedürfnis nach Geborgenheit, emotionaler Sicherheit, Orientierung und Halt muss gestillt sein, damit die existierende Freiheit überhaupt genutzt werden kann. Mir stellt sich als Erzieherin und Mutter derzeit allerdings dringender die Frage: Wann beschneidet ein zu großes elterliches Sicherheitsbestreben auf unnötige oder gar ungesunde Art die kindliche Freiheit? Selbstverständlich liegen mir Sicherheit und Wohlergehen meines Kindes am Herzen. Gleichzeitig ist mir aber wichtig, es zu einem eigenständigen, selbstwirksamen und widerstandsfähigen Menschen zu erziehen. Ich bin der Auffassung, dass ein durch Überbehütung erzeugter unnatürlicher Schonraum die Entwicklung von Kindern nachhaltig behindert: Kinder können sich nur zu eigenverantwortlichen, selbstständigen Menschen entwickeln, wenn man ihnen nicht die Lern- und Entwicklungschancen versagt, die das Meistern von Schwierigkeiten, Konflikten und Frustrationen eröffnet. Wir müssen Kindern wieder mehr zutrauen.

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Wie macht Arbeit mehr Spaß?

Wider der monotonen Arbeitsroutine! Die moderne Berufswelt bietet attraktive Möglichkeiten, feste Schemata aufzubrechen. Verraten Sie uns, was Sie Ihre Aufgaben mit einem Lächeln erledigen lässt?

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Dominik Schott, Leser_In

Jeden Job kann ich nach 5 Kriterien bewerten. 1. Inhalt: was tue ich da? 2. Klima: mit wem tue ich es? 3. Lohn: wie viel Geld bekomme ich? 4. Wachstum: welche Weiterentwicklungsmöglichkeiten werden geboten? 5. Rahmenbedingungen: Weg zur Arbeit (Pendeln oder um die Ecke?), Ausstattung des Arbeitsplatzes, gesundheitliche Belastung oder Gefährdungen usw. Meine Faustregeln: wenn 3 dieser Faktoren stimmen, kann ich bei 2 gut Kompromisse machen. Ich kann auch in 3 Kriterien gut Abstriche machen wenn die 2 für mich wichtigsten Aspekte attraktiv sind. Stimmt nur ein Aspekt werde ich da nicht lange bleiben. Es stimmen so gut wie nie alle 5.

Steffen Harlan, Leser_In

Alleine die Fragestellung verführt. Dadurch verbinden alle Arbeit mit Spaß. Nur Seite 18 Herr Fäller schreibt richtig. In meiner Arbeit kann ich Erfüllung erreichen. Spaß habe ich z.B. auf dem Oktoberfest. Ich habe ein Weisheit von einem Philosophen ( Tagore)an der Wand hängen. Die besagt die ganze Wahrheit. Ich schlief und träumte, das Leben wäre Freude. Ich erwachte und sah, das Leben war Pflicht. Ich handelte und sah, die Pflicht war Freude.

Saba Siami, Leser_In

Eines hatten alle Firmen, bei denen ich gearbeitet habe, gemein: unzufriedene Mitarbeiter. Dabei war es egal, ob dafür der Chef, andere Kollegen, die Arbeit an sich oder private Probleme verantwortlich gemacht wurden. Natürlich würde in einer perfekten Welt die Arbeit auch Spaß machen, wenn es all diese Gründe für Unzufriedenheit nicht gäbe. Aber wir leben nicht in einer Utopie, sondern in der Realität. Und wir sind zumeist nicht allein, sondern arbeiten mit unterschiedlichen Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen zusammen. 
Arbeit macht meines Erachtens dann mehr Spaß, wenn wir lernen, zufrieden zu sein. Dazu gehört auch, unser Umfeld zu akzeptieren und zu respektieren. 
Wir vergeuden viel zu viel Energie darauf, zu meckern und uns zu beschweren. Stattdessen sollten wir unsere Energie dafür nutzen, jenes zu verbessern, was uns stört und veränderbar ist. Zufriedenheit ist eine bewusste Entscheidung; wir machen uns bewusst, wer wir sind und was wir haben. 
Bewusstsein zu schaffen bedeutet auch harte Arbeit – an uns selbst, aber auch im Umgang mit unserer Umwelt. Denn bewusst werden uns die Dinge erst, wenn wir uns immer wieder mit beiden Sphären auseinandersetzen.
 Ich zitiere da gern Michael Jackson: „If you wanna make the world a better place, take a look at yourself and then make a change.“
 Mit dieser Devise können Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen dafür sorgen, dass der Spaß bei der Arbeit erhalten bleibt.

Knut Reinhardt, Leser_In

Früher kickte ich vor 60.000 Fans im Dortmunder Westfalenstadion. Das gab mir einen wahnsinnigen Kick. Dann aber kam das verletzungsbedingte Aus. Von heute auf morgen stand ich nicht mehr im Rampenlicht, sondern stürzte ins Bodenlose, denn ich kannte nichts anderes als Fußballspielen. Zum Glück hatte mein Vater mich zum Abitur, wie soll ich sagen, gezwungen. Ein Freund meinte, ich müsse Lehrer werden. Mit Kindern konnte ich immer gut. Also schrieb ich mich an der Uni ein, lernte das Lernen und quälte mich durchs Studium. Als ich den Abschluss hatte, war ich stolz und unglaublich motiviert. Das hat sich später auf meine Schüler übertragen. Dortmunder Nordstadt, sozialer Brennpunkt, großes Konfliktpotenzial. Meine Erfahrungen aus dem Sport kann ich hier wunderbar einsetzen, was ich auch in meinem aktuellen Buch detailliert beschreibe. Es ist toll zu erleben, wie leicht Kinder im Grunde zu begeistern sind, wenn man ihnen vertraut, wie leistungsbereit sie sind, wenn man sich ihnen zuwendet. Ich stelle klare Regeln auf, widme ihnen meine Aufmerksamkeit und fordere Respekt ein. Jedes Kind erhält bei mir das Gefühl, eine wichtige Rolle im Klassenteam zu spielen. Und eigentlich alle zahlen es doppelt und dreifach mit Liebe und Lernbereitschaft zurück. Viele schaffen sogar den Sprung auf eine weiterführende Schule. Was ich mit meinen Schülern heute täglich erlebe, bedeutet mir hundert Mal mehr als meine sportlichen Erfolge.

Mario Ohoven, Leser_In

Nicht Angst vor, sondern Freude auf – das sollte auch für Arbeit 4.0 gelten. Deutschland weist die dritthöchste Roboterdichte der Welt auf und hat dennoch einen neuen Beschäftigungsrekord aufgestellt. Neue Automatisierungsansätze der Industrie 4.0 setzen auf die Kombination spezifisch menschlicher und maschineller Stärken. Durch die fortschreitende Automatisierung werden Berufe in der Regel nicht entfallen, sondern sich verändern. Ein positives Beispiel dafür ist der Kfz-Mechaniker. Aus dem „Schrauber“ entwickelte sich aufgrund technischer Innovationen der Kfz-Mechatroniker. Die Digitalisierung bringt einen enormen Wandel für alle Lebens- und Arbeitsbereiche mit sich. Dabei kann es von Vorteil sein, wenn Maschinen im Schichtbetrieb arbeiten. Arbeit 4.0 ermöglicht es, mehr Flexibilität in den Arbeitsablauf zu bekommen, indem beispielsweise Maschinen aus der Ferne gesteuert werden können. Gerade für den Mittelstand bietet die digitale Vernetzung enorme Potenziale, wie die Möglichkeiten der individuellen Fertigung, also der kostengünstigen Produktion mit Losgröße eins. Im Mittelstand gibt es vor allem enge Kundenbeziehungen. Durch Digitalisierung können sie intensiviert werden. Mittelständler brauchen Beispiele, an denen sie sich orientieren können. Wir als BVMW unterstützen sie, etwa durch das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Berlin. Dort erfahren die Unternehmer praxisnah, wie sie von Arbeit 4.0 profitieren können.

Henry Maske, Leser_In

Freude ist die Grundvoraussetzung dafür, dass wir eine gute Arbeit machen. Verantwortlich sind dafür eine ganze Reihe von Personen und Faktoren: Der Chef, das Team, aber auch jeder Mitarbeiter selbst, der für sich als Individuum erkennen muss, was er gerne macht oder was er verändern will. Oft stellt sich aber Freude, vielleicht auch Spaß, erst ein, wenn wir Erfolg haben. Für diesen Erfolg wiederum kommt es darauf an, ob wir ein Motiv haben, das uns antreibt. Denn ist mein Motiv stark genug, dann entwickle ich auch die notwendige Motivation. Nicht jeder muss dazu in gleichem Maße angetrieben sein und ein Motiv haben wie ein Leistungssportler. Oft genügt es auch, wenn einer einfach einen ordentlichen und pünktlichen Lohn erwartet und dafür die Bereitschaft mitbringt, sachgerecht und standardmäßig zu arbeiten und pünktlich zu erscheinen. Denn gerade für diese Mitarbeiter ist man als Unternehmer wirklich dankbar. Sie bilden häufig das Rückrat einer Firma, weil sie bewusst daran mitarbeiten, gemeinsame Ziele erreichen zu können. Wenn ein Mitarbeiter mehr aus seinen Möglichkeiten machen und aufsteigen möchte und dazu auch die Fähigkeiten mitbringt, der sollte am besten darauf hinweisen, damit man gemeinsam die nächsten Schritte gehen kann. Aber letztendlich ist auch jeder selbst gefragt, in seinem Berufsalltag nicht die negativen Aspekte in den Mittelpunkt zu rücken, sondern die positiven. Und die wunderbaren Erlebnisse.

Jo Lendle, Leser_In

Arbeit macht mehr Freude, wenn sie sich nicht nur um sich selbst dreht, sondern wenn es Platz gibt für Momente der Nichtzielgerichtetheit. Dann entstehen die Gedanken und Einfälle, die einen über den Tag hinaus weitertragen, weil sie dabei helfen, die Grenzen des Gewohnten auszudehnen. Bedauerlicherweise neigt Arbeit dazu, die zur Verfügung stehende Zeit restlos auszufüllen. Das kennt jeder: Beim einen stapeln sich Steuerakten, beim anderen Überseecontainer oder Tierfutterkartons, in Buchverlagen stapeln sich eben Manuskripte und wollen gelesen sein. Damit lässt die Arbeit genau für solche Momente der Arbeitsverbesserung keinen Raum. Das ist fatal. Von Zeit zu Zeit muss man daher die Akten, Container, das Tierfutter und die Manuskripte zur Seite rücken und aus dem Fenster schauen. Oder auf den Flur gehen und die anderen fragen, worüber sie gerade nachdenken. Weil die Arbeit von drinnen ziemlich bald wieder unüberhörbar zu rufen beginnen wird, müssen solche Momente erkämpft werden – gegen die Stapel, aber auch gegen sich selbst. Lohnenswert ist es allemal. Eine andere Idee wäre natürlich, für einen Tag die Arbeit mit jemandem zu tauschen, der im Bereich Überseecontainer oder Steuerrecht tätig ist, um auf jene anderen Gedanken zu kommen. Allerdings kann es sein, dass ein solcher Plan erhebliche Auswirkungen auf das internationale Frachtgeschäft und das Steueraufkommen hätte. Oder auf die Qualität des Tierfutters.

Johann König, Leser_In

„Und? Was sind sie von Beruf?“ „Komiker.“ Es hat lange gedauert, bis ich diese Antwort ohne mit der Wimper zu zucken entgegnen konnte. Speziell bei Sparkassen- oder Notarterminen kam sie mir immer ein bisschen unseriös vor. Das hatte auch damit zu tun, dass ich meine Bühnentätigkeit zu Beginn nicht als Arbeit definiert habe. Als Lehramtsstudent bin ich einfach am Abend ins Erste Kölner Wohnzimmertheater gefahren und habe für 50 Mark eine Viertelstunde Quatsch erzählt. Das war ein lustiges Hobby. Und ich dachte damals noch, dass dieses Hobby noch mehr Spaß macht, wenn ich vor dem Auftritt fünf Kölsch trinke. Heute sage ich meinen Kindern, ich fahre zur Arbeit, und bin auf der Bühne stets nüchtern. Spaß macht es trotzdem. Meistens jedenfalls. Wenn diese Arbeit keinen Spaß macht, weil die Leute nicht lachen, dann kann es schon sehr einsam werden da oben im Scheinwerferlicht. Aber egal, wie der Abend läuft, am Ende fühle ich mich immer ziemlich leer. Die Leute haben die Show, also das Endprodukt meiner Arbeit konsumiert und gehen jetzt mit meiner Energie nach Hause. Mir bleiben ein Bier und ein müdes Lächeln. Am meisten Spaß macht die Unterhaltungsarbeit dann, wenn Publikum und Künstler für einen Moment Raum und Zeit vergessen und vereint sind in lachhafter Freude. In diesen Momenten denke ich: Du hast den geilsten Beruf auf der Welt. Und mal ganz im Ernst: Wenn es mein Publikum nicht geben würde, dann müsste ich richtig arbeiten.

Juliane Handschuh, Leser_In

Flow bezeichnet das subjektive Erleben bei einer Tätigkeit, die einen so erfüllt, dass man förmlich mit ihr verschmilzt und die Zeit vergisst. In genau diesem Zustand sind wir kognitiv effizient, höchst motiviert, zufrieden und leistungsfähig. Damit wir in diesen Zustand kommen und mehr Spaß in der Arbeit erleben, sollte man sich eine Tätigkeit suchen, die einem wirklich Freude bereitet und den eigenen Fähigkeiten entspricht. Diese sollten mit den Herausforderungen der Tätigkeit im Gleichgewicht stehen, damit weder Langeweile noch Überforderung entsteht. Das zu erkennen, bedingt, dass wir uns selbst bewusst sind. Wir sollten wissen, welche Motive uns antreiben. So fühlt sich der eine immer dann in der Arbeit wohl, wenn ein gutes Klima mit allen Kollegen besteht, der andere wird durch das permanente Streben nach Höchstleistung getrieben und der nächste ist motiviert, wenn er mit anderen in den Wettbewerb gestellt wird. Jede Motivationsstruktur ist individuell und besteht nie aus nur einem Motiv, aber Tendenzen kann jeder an sich sehen. Unterstützend wirkt zudem die Führungskultur in einem Unternehmen. Führungskräfte sollten über emotionale und soziale Kompetenz verfügen und jeden Mitarbeiter wertschätzend, mit klaren Zielen und Feedback führen. Wenn sie Mitarbeiter entsprechend ihrer Motivstruktur einsetzen und fördern, haben diese nicht nur mehr Freude an ihrer Arbeit, sondern erzielen auch bessere Leistung.

Patric Cramer, Leser_In

Mir macht Arbeit mehr Spaß, wenn ich auf echter Augenhöhe mit anderen tätig bin. Das Modell der Genossenschaft, das dafür steht, war mir schon als Kind vertraut, weil ich in einer aufwuchs. Als Erwachsener hatte ich mir zunächst andere Ziele gesetzt, in einem konventionellen Betrieb eine Lehre gemacht und in normalen Strukturen mit einem Chef und Abteilungsleitern gearbeitet – in einer klassischen Hierarchiekette. Auch hier wurde oft versucht, Mitarbeitern mehr Verantwortung zu geben und flachere Hierarchien einzuführen. Aber ich habe nie die Erfahrung gemacht, dass dies auch wirklich funktioniert hat. Ein Grund dafür war sicherlich, dass solch offenere Strukturen nicht gewachsen waren, sondern die Veränderungen von außen kamen. Dann erhielt ich die Chance, zunächst für ein Jahr in meiner vertrauten Genossenschaft zu arbeiten und aus dem einen Jahr sind jetzt schon 13 geworden. Hier hat jeder für seinen eigenen Bereich die Verantwortung und muss sehen, dass die Arbeit auch erledigt wird. Das Schöne ist, dass jeder jedem etwas sagen kann, ohne Hierarchien bedenken zu müssen. Durch gleiche Bezahlung entsteht kein Neid. Die Gemeinschaft betreffenden Beschlüsse werden nach dem Konsensprinzip im Plenum gefällt, also wenn wirklich alle zustimmen. Das können manchmal langwierige Prozesse werden, bei denen viele Seiten beleuchtet werden. Dafür kann aber schlussendlich auch jeder gut damit leben und das macht Spaß.

Michaela Brause, Leser_In

Betriebliche Gesundheitsförderung kann und sollte Spaß machen. Aber wie bekommen wir das hin? Ist Gesundheit nicht nur mit Anstrengung und durch Verzicht zu erreichen? Tatsächlich beziehen sich 41 Prozent der Maßnahmen, die von den gesetzlichen Krankenversicherungen 2016 unterstützt wurden, auf verhaltensbezogene Maßnahmen wie Bewegungsförderung, gesunde Ernährung oder Stressbewältigung. Betriebliche Gesundheitsförderung sollte jedoch auch die Verhältnisse, unter denen gearbeitet wird, in den Fokus nehmen. Denn wenn die Kantine nur Junkfood anbietet, erschwert das ein gesundheitsförderliches Ernährungsverhalten auf Seiten der Mitarbeiter. Wenn Vorgesetzte immer mehr in immer kürzerer Zeit verlangen, werden die Untergebenen irgendwann unter Stress stehen. Und wenn in einer solchen Situation das Angebot der betrieblichen Gesundheitsförderung aus dem Klassiker „Rückenschule“ besteht, wird den Mitarbeitern Gesundheitsförderung keinen Spaß machen, weil sie in diesem Fall völlig an ihrem Bedarf vorbei geht. Um zu wissen, wo der Schuh drückt, müssen Mitarbeiter an der Umsetzung von betrieblicher Gesundheitsförderung partizipieren können. Dann kann sie auch Spaß machen und effektiv sein. Denn den Mitarbeitern dürfte es weniger um Bewegung und gesundes Essen gehen, als vielmehr um Themen wie Führungsqualität, Betriebsklima und Work-Life-Balance. Ob das der Führungsetage dann noch Spaß macht, muss an dieser Stelle offen bleiben.

Angelika Tuber, Leser_In

Ich glaube, dass Arbeit dann am meisten Spaß macht, wenn sie nicht ein reiner Broterwerb ist, sondern eine Berufung. Bei künstlerischen Berufen kommt das häufiger vor, aber auch in anderen Sparten ist das zu finden. Wie? Man kann es mit „trial and error“ probieren, das ist ein Weg. Ich glaube aber, dass es besser gelingt, wenn man in sich geht und sich fragt, was man eigentlich von einer Arbeit erwartet, was man darin finden und für das eigene Leben wie auch für die Gesellschaft durch Arbeit erreichen will. Wenn man die Arbeit nach ihrem Sinn befragt und so auch die innere Ausrichtung justiert, kann dies meiner Meinung nach gelingen.

Stefanie Buchmann, Leser_In

Die glücklichen Umstände wollten es, dass ich mit Menschen zusammenarbeiten darf, mit denen ich sogar privat befreundet bin und die ich gerne um mich habe. Wir feiern gemeinsam Feste oder gehen nach Arbeitsschluss noch etwas Essen. Natürlich bin ich auch in der Lage, professionell mit Projektpartnern zusammenzuarbeiten, die nicht meine Sympathie haben. Aber jeden Tag mit ihnen in einem Büro zu sitzen, möchte ich nicht. Mir tun auch alle Menschen leid, die mit solchen Personen auf engem Raum zusammenarbeiten und deren Launen ertragen müssen. Da haben wir in unserem jetzigen Team einfach mehr Spaß bei der Arbeit.

Benjamin Windleder, Leser_In

Ich finde es für die Arbeitsatmosphäre ganz wichtig, dass die Räume schön eingerichtet sind und man sich wohl fühlt, wenn man sie betritt. Das fängt mit den Wänden an, die ich mit spannender Kunst oder sonst auch gerne weiß sehe, aber bitte keine Kalender. Weiter geht es mit den Schreibtischen. Es müssen nicht gleich die Designklassiker sein, es geht auch billiger, aber bitte nicht diese geschmacklosen Baumarktmöbel. Ich sitze lieber auf einem schönen Holzstuhl als auf diesen gepolsterten Ungetümen. Das Ganze geht hin bis zum eingebundenen Notizheft statt diesen Ringbüchern und dem Stift, mit dem ich schreibe. Wenn ich merke, dass der Stift sowohl gut aussieht, als auch gut schreibt, gehört selbst das zu den kleinen Dingen, die mir bei der Arbeit Spaß machen.

Tereza Novák, Leser_In

Ob ich mehr Spaß bei der Arbeit habe, hängt schon davon ab, wie ich dorthin gelange. Regnet es in Strömen und ich quäle mich durch überfüllte Busse, ist meine Laune meist schon recht angespannt, wenn ich ankomme. Scheint hingegen morgens die Sonne und ich kann bei schönem Wetter zur Arbeit radeln, komme ich dort wirklich immer mit guter Laune an. Und das Beste daran ist: Die ist dann sogar ansteckend bei meinen Kollegen.

Stefanie Sommer, Leser_In

Ich hatte einmal das Glück, mit einer Kollegin im gleichen Zimmer zusammenarbeiten zu dürfen, die genau den gleichen Humor besaß wie ich. Wir haben uns ohne Worte verstanden und mussten einfach loslachen, wenn wieder etwas Lustiges passiert ist – und es passierte ständig etwas Urkomisches. Manchmal muss ich jetzt noch lachen, wenn ich daran denke. Ich hatte viele inhaltlich interessante Jobs danach, aber in dieser Zeit hatten wir vor allem eins: unglaublich viel Spaß bei der Arbeit.

Michael Gregor, Leser_In

1. Auch der größte Stress ist nur halb so wild, wenn man ein paar nette Kollegen um sich hat, die tatkräftige Unterstützung bieten können. 2. Auch wenn man glaubt, es wäre gerade wirklich keine Zeit für Pausen, so muss man sie sich gerade dann nehmen. Die Kreativität kehrt alsbald zurück, die Kraft ebenfalls. 3. Auch schon auf dem Weg zur Arbeit kann man kleinen Umwegen oder neuen Fahrtrouten die Geistesfähigkeiten stärken und sich auf den neuen Arbeitstag gut vorbereiten. Alles außer Routine!

M. Ehrmann, Leser_In

wenn ich weiss, dass die Kohle dafür stimmt

Christiane Wolf, Leser_In

Ich bin Lehrerin an einer Montessori-Schule. Ich unterrichte vor allem in der 7./8. oder 9. Klasse. Offiziell ist unsere Schule eine Mittelschule, wir haben allerdings Kinder mit sehr unterschiedlichen Begabungen. Manche tun sich mit allen kognitiven Ansprüchen schwer, andere könnten auch auf eine Realschule oder ein Gymnasium gehen. Die Bedingungen an unserer Schule sind ausgesprochen günstig, um Spaß an der Arbeit zu haben. Jeder Tag verlangt große Eigenständigkeit und Kreativität, ich kann mich mit meiner ganzen Persönlichkeit einbringen. Fast jede Sekunde, die ich mit den Schülern arbeite, ist sinnvoll, sie ist frei von kapitalistischen Zwängen, und unabhängig von herkömmlichem Leistungsdruck. Ich versuche jeden Tag zumindest eine Einheit zu planen, bei der die Schüler in Kontakt mit ihren eigenen Erfahrungen und allem, was dazu gehört, kommen. Im günstigsten Fall gibt es die Gelegenheit sich selbst wiederum möglichst vielfältig auszudrücken. Dieser Austausch, das Erleben all dieser verschiedenen Menschen schafft fast immer kleine glückliche Situationen, die so bereichernd sind. Die gute Umsetzung der Aufgaben wird gefördert durch eine flache Hierarchie in der Schulstruktur. Wer möchte, kann sich engagieren und einbringen. Natürlich fördert all dies eine gute Zusammenarbeit und gute Kommunikation im Kollegium.

Gundi Günther, Leser_In

Eine erfolgreiche Arbeit ist für mich, wenn ich helfen kann. Allein der Versuch das zu tun, ist mir wichtig. Nicht immer ist das möglich und nicht immer gibt es eine Wahlmöglichkeit und eine Lösung, aber der Versuch vermittelt nicht nur meinem Gegenüber ein gutes Gefühl, sondern auch mir. Das Gefühl von Achtung und Wahrnehmung! Vielleicht hat nicht jeder in seinem Job diese Möglichkeiten, weil die (vermeintliche) Zielsetzung eine andere ist, aber das ernst gemeinte Kümmern, auch wenn es Zeit kostet und manchmal dennoch ohne Erfolg bleibt, macht den Umgang mit Menschen aus und hinterlässt sehr oft ein freundliches und dankbares Lächeln. In meinem kleinen Stadtteil gibt es ein Auszeichnung, die herzlich und liebevoll \"Kümmerling\" genannt wird.

Monika Menzel, Leser_In

Mary Poppins weiß hier Rat: In every job that must be done There is an element of fun (...) And every task you undertake Becomes a piece of cake.

Thomas Sturm, Leser_In

Mehr Spaß bietet selbstbestimmte, kreative Arbeit möglichst zuhause, da die üblichen Arbeitsumwelten oft demotivierend und eintönig sind. Routinearbeiten, die den Mensch nicht fordern, die geisttötend und langweilig sind, sollten allmählich abgebaut werden. Arbeit mit intrinsischer Motivation ist gefragt.

Newvisions, Leser_In

Wenn man Freiräume nutzen kann und Erfolge honoriert werden.

Erwin Gillessen, Leser_In

- Auswahlmöglichkeiten, seine Aufgaben zu erledigen durch Arbeiten im Büro und / oder HomeOffice. - Angebote von Firmen bzgl. Gesundheit (Obst, Getränke, gesunde Ernährung), Entspannung (Sport, Kicker, Yoga, „Feel good Manager“)

Elvira Neundorf, Leser_In

Ich bin eine Deutsche und weit über 50 Jahre jung. Nach meinem Schulabschluss habe ich eine Berufsausbildung als „Schriftsetzerin im Fotosatz“ mit Eifer und großem Interesse absolviert. Ab 1981 arbeitete ich sehr gerne als Gesellin der schwarzen Kunst in einer Layout-Setzerei. Ende der 1980er Jahre wechselte ich über in die Familienphase und der Vater meiner Kinder verdiente genug für uns alle. Zur Jahrtausendwende fing ich bei einem Zeitungsverlag als Teilzeitfachkraft im Anzeigenverkauf wieder an zu arbeiten, da die Kinder jetzt in weiterführenden Schulen gingen. Die Krise im Druckgewerbe und bei den Zeitungsverlagen führte zu meiner Kündigung Ende 2006. Zeitgleich verließ mein Mann die Familie und machte sich auf zu neuen Ufern... Nun durchlitt ich als Geschiedene, Mutter, Arbeitnehmerin und Arbeitslose alles was das Leben in Folge so bietet. Im Spannungsbogen Teil einer Gesellschaft sein zu wollen, die mich akzeptiert mit all meinen Qualifikationen, Erfahrungen und Fachkenntnissen war dies meine härteste Zeit ever. Ich mußte ein Selbstbewußtsein entwickeln, das auch jede Arbeit, egal was es war, mir half dranzubleiben und zuversichtlich nach vorne zuschauen… Pflegearbeit mit einer Familienangehörigen, Brötchen schmieren in einer Bäckerei, Sekretärin und Werbebüro Mitarbeiterin, schließlich Briefträgerin und Redressen-Bearbeiterin. Diese letzten 10 Jahre haben mich geformt und zu der selbstbewußten Arbeitnehmerin gemacht, die ich seit 2016 nun bin. Der Schlüssel für meine Vollzeit-Berufstätigkeit liegt in zwei konträren Arbeitswelten. Zu 75% bin ich als Bodenstewardess am Flughafen angestellt und die restlichen 25% darf ich in einem städtischen Museum am Empfang, einem Buchshop und an der Kasse mitarbeiten. In der Praxis bedeutet das für mich 5 Tage der Woche auf dem Flughafen zu sein und die restlichen 2 Tage im Museum. Dies zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht, weil beide Berufstätigkeiten Renten- und Versicherungspflichtig sind. 2027 kann ich dann getrost in den mir dann wirklich verdienten Ruhestand gehen!

Karl Fäller, Leser_In

Ich habe mit dem Wort \"Spaß\" im Zusammenhang der Arbeitswelt so meine Schwierigkeiten, besser fände ich den Begriff \"Erfüllung\". Der Spaß sollte sich meines Erachtens auf das Privatleben und die Freizeit beschränken. Arbeit, wie wir sie kennen, ist eine Kombination aus Fleiß, Disziplin, Kreativität und Verantwortungsbewusstsein. Der Wohlstand, den wir genießen, ist ohne diese Werte nicht denkbar. Wenn die Arbeit dann auch noch Erfüllung bieten soll, sollten drei Voraussetzungen gegeben sein: 1.: Identifikation (mit dem Betrieb, der Tätigkeit, dem Produkt) 2.: soziales Umfeld (verantwortungsbewusste Betriebsführung plus Kollegen mit gemeinsamen Werten = harmonisches Betriebsklima) 3.: ordentliche Bezahlung (entsprechend der Leistungsfähigkeit des Betriebes) Das Zusammentreffen aller drei Punkte wäre der Idealzustand, der allerdings in den seltensten Fällen erreicht werden dürfte. Bei alledem sollte nicht außer Acht gelassen werden, was schon John Locke sagte: \"Arbeit um der Arbeit willen ist wider die menschliche Natur.\"

heinz-jürgen gross, Leser_In

Wenn sie erfolgreich ist, andere fühlende Lebewesen sich daran erfreuen und ein Nutzen (für das Individuum selbst und/oder andere) entsteht.

Gerd Riedner, Leser_In

Mit der Überzeugung: „Fehler machen ist menschlich!“

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Woher kommt Erfolg?

Erfolg gibt dem Recht, der ihn hat, solange er ihn hat. Wir sind gespannt auf Ihre großen und kleinen Erfolgsgeheimnisse.

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Heribert Meffert, Leser_In

Für den Erfolg eines Unternehmens ist die Motivation der Mitarbeiter entscheidend. Heute hängt diese stark von der Identifikation mit den Zielen und dem Leitbild des Unternehmens, der Marke, ab. Denn als engagierter Mitarbeiter wird man zu deren Botschafter. Man spricht von einer „Power of Pull“ anstatt dem früheren, im Wesentlichen auf Anzeigen basierenden, „Push“. Das Unternehmen muss für die Mitarbeiter interessant sein, sie anziehen. Letztendlich sollte eine „Welt der Attraktivität“ aufgebaut werden, ein Image. Dafür befand man sich früher im Marketing in einer Einbahnstraße, auch bei Personalanzeigen. Im heutigen Marketing 4.0 ist man über Social Media mit „Connected Consumers“ im Austausch. In dieser heute veränderten Medienwelt kann man auch persönlich andere Akzente setzen und potenzielle Bewerber ansprechen. In Zeiten digitaler Transformation ist es wichtig, alle Mitarbeiter in diesem Prozess mitzunehmen und sie fachlich und menschlich zu unterstützen. Die Führung und das Team sind in ihrer strategischen Veränderungsbereitschaft gefragt, was auch für mich persönlich große Bedeutung hatte. Mein BWL-Studium hatte ich sehr breit aufgestellt und so gelang mir der Sprung ins Marketing, der marktorientierten Unternehmensführung. Aber natürlich gehören auch immer Glück und Menschen dazu, die die Hand über einen halten, um erfolgreich zu werden. So standen die erfahrenen und älteren Kollegen hinter mir und sagten: „Jetzt lasst den jungen Mann mal machen!“

Martin Limbeck, Leser_In

In vielen Berufen spielt Erfolg eine große Rolle, doch im Verkauf ist er ganz direkt sichtbar. Denn hier lässt sich Erfolg stärker über Zahlen und Fakten messen als in vielen anderen Sparten und am Ende orientiert sich der Grad des Erfolgs ganz simpel am Geld. Um als Verkäufer erfolgreich zu sein, steht über allem die richtige Selbstwahrnehmung. Das bedeutet, du musst dich immer wieder selbst prüfen. Bist du im B2B-Vertrieb, lässt sich das Feedback meist direkt ablesen. Überlegt ein Kunde noch oder schlimmer, er verlangt, man solle ein Angebot fertigmachen, er würde sich dann melden, ist dies immer eine Absage. Deswegen sollten bestimmte Abschlussfragen an den Kunden gestellt werden, etwa ob er zusagt, wenn für ihn das Preisleistungsverhältnis stimmt. Viel lernst du hier durch Erfahrung. Immer noch herrscht das Bild, es gäbe einen Prototyp des Verkäufers. Das sehe ich anders. Ein introvertierter Verkäufer kann in manchen Branchen genauso erfolgreich sein. Nur für bestimmte Branchen ist es essenziell, extrovertiert zu sein. Ob der Kunde dich sympathisch findet, wie eng dein Kontakt zu ihm ist oder auch wie schnell du die Ware verfügbar machen kannst, spielt ebenso mit hinein. Was jedoch alle Verkäufer betrifft: Du musst Ablehnung ertragen können und darfst sie nicht persönlich nehmen. Wer nicht bereit ist für ein „Nein“, wird auch ein „Ja“ nicht erhalten. An eines glaube ich fest: Langfristig schlägt der Fleißige immer das Talent.

Brigitte Lammers, Leser_In

Die Geschichte vom glücklichen Fischer, der einem Berater begegnet, passt gut zu dieser Frage: Der Fischer findet schnell heraus, dass er, wenn er expandiert und ein Imperium gründet, am Ende seiner Karriere genau das machen könnte, was er schon heute gerne tut: fischen und mit seiner Familie leben. Richtigerweise lässt er den Berater, der ihn mit den vermeintlich so attraktiven Insignien des wirtschaftlichen Erfolgs locken wollte, weiterziehen. Das lässt tief blicken. Was treibt den Fischer? Äußere Merkmale wie Macht, Geld und Position bedeuten ihm wenig und motivieren ihn nicht. In der Tat rufen Statussymbole oft nur ein kurzzeitiges Erfolgserlebnis hervor. Wer sie einmal besitzt, fragt schnell nach einem größeren Sinn. Echte Erfolgserlebnisse stellen sich erst ein, wenn wir uns klar werden, was uns im Leben wirklich wichtig ist und glücklich macht. Was reizt mich an meiner Tätigkeit und wie fülle ich sie sinnvoll aus? Je mehr ich meine Motivationen und inneren Treiber kenne und in der Lage bin, auf sie zu hören, bereite ich den Weg zum Erfolg, der mit mir selbst im Einklang steht. Das kann auch und unbedingt die ganz große Karriere bedeuten, aber eine, die für mich Sinn macht. Diese Art von Erfolg ist – wie jeder Mensch – einzigartig. Sie kann ein Berufsleben lang tragen, sollte aber je nach Lebensabschnitt und Berufsentwicklung immer wieder auf ihre Stimmigkeit fürs Jetzt und Hier hinterfragt werden.

Sybille Kircher, Leser_In

Lässt sich Erfolg über den Namen steuern? Diese Frage lässt sich eindeutig mit Ja beantworten. Nomen est omen, der Name ist ein Zeichen, wussten schon die alten Römer. Und das gilt bis heute: Namen verleihen Menschen, Produkten und Unternehmen ihre Individualität, steuern deren Wahrnehmung und sorgen für Kino im Kopf. Aus gutem Grund verwenden Eltern viel Sorgfalt auf die Namenswahl für ihre Kinder oder Unternehmen für ihre Produkte. Ein guter Name fasst die Persönlichkeit des Bezeichneten mit wenigen Buchstaben zusammen und fördert positive Assoziationen, Sympathien und Akzeptanz oder Nachfrage. Er will sorgsam gewählt werden, denn in der Regel bleibt er ein ständiger Begleiter – ein Leben lang. Aus der Marketingpraxis wissen wir, dass die Erfolgschancen eines Namens mit seiner Eigenständigkeit steigen. Natürlich unter der Voraussetzung, dass die Qualität des Produkts auch überzeugend ist. Ein guter Name kann ein schlechtes Produkt nicht aufwerten, aber er kann ein gutes Produkt noch besser verkaufen. Das gilt übrigens nicht nur für Waren und Dienstleistungen. Auch viele großartige Künstler haben gut daran getan, sich einen kurzen und merkfähigen Künstlernamen zuzulegen. Man denke nur an Loriot oder Madonna. Das menschliche Gehirn verbindet Einzigartigkeit mit Qualität, Werthaltigkeit und Innovationskraft – all das sind zentrale Treiber für Erfolg.

Jan Gustafsson, Leser_In

Ich bin ein guter Schachspieler. Ob mich dieser Umstand dazu qualifiziert, über Erfolg und den entbehrungsreichen Weg zu ihm zu sinnieren oder darüber, was Erfolg ist? Da bin ich mir nicht ganz sicher. Ich hasse es zu verlieren, mehr als ich es liebe zu gewinnen. Im Schach ist das Nicht-Verlieren auch durch ein Unentschieden möglich. Dieses ist leichter zu erreichen und ein Ausgang, den ich gegen nominell bessere Gegner (zu) häufig angestrebt habe. Fühlte sich trotzdem nie gut an. Meine Ziele niedrig zu setzen, um diese erreichen zu können, war für mich kein Erfolgsrezept, eher eine Falle. Ist Erfolg Anerkennung von außen? Ok, Schachspieler gelten als schlau, aber die Schachszene wird weder von Groupies noch von Werbeverträgen überflutet. Die häufig zu hörende Frage, ob man denn vom Schach leben könne, spricht ebenfalls nicht für Reichtümer. Eine Definition, die mir gefällt, ist „das parallele Wachsen von Fähigkeiten zu Herausforderungen“. Dies war bei mir bis zum Großmeistertitel und zur Nationalmannschaft der Fall. Ich hatte nie das Gefühl, etwas dafür aufzugeben. Natürlich kostet es Zeit, Großmeister zu werden, mehr als 10.000 Stunden, aber die 1990er waren eh nicht das goldene Zeitalter der Fernsehserien. Bücher lesen, Lehrvideos gucken, die Welt bereisen und Schachturniere spielen habe ich nie als Opfer empfunden. Ich mag keine Opfer. Nicht mal Bauernopfer. Zu riskant, die könnten zu Niederlagen führen. Ich hasse es zu verlieren.

Christoph Gerber, Leser_In

Um zu wissen, wo Erfolg herkommt, muss man sich zuerst die Frage stellen, was Erfolg eigentlich ist. Ich finde, Erfolg hat viele Gesichter: der Flüchtling, der jetzt als Programmierer bei uns arbeitet, mein bester Freund, der Lehrer an seiner präferierten Schule geworden ist, meine Freundin, die sich „erfolgreich“ bei der Polizei beworben hat. Es sind die kleinen Momente, die am Ende zum Erfolg führen. Erfolg kommt durchs Machen – und etwas verfolgen. Von außen wirkt Erfolg oft wie das Ergebnis einer kurzen Zeitspanne an Arbeit. Was wenig gesehen wird: Es steckt soviel mehr Arbeit dahinter, um einen kurzen Moment Erfolg zu haben. Erfolg kommt durch hungrig sein. Das kann Hunger nach finanzieller Unabhängigkeit, Hunger nach Veränderung oder auch Hunger nach Reichweite für deine Musik sein. Erfolg kommt durch Leidensfähigkeit. Der Wille, sich auf seinen Hosenboden zu setzen und für etwas zu arbeiten. Auch zu Hause zu bleiben, wenn andere Freunde Party machen. Nach der Sprachschule nochmal sechs Stunden zu uns in Büro zu kommen und programmieren zu lernen. Erfolg kommt durch Mut. Man muss Entscheidungen treffen, bei denen man nicht weiß, wie das Ergebnis sein wird. Nichts ist schlimmer, als Entscheidungen nicht zu treffen und auf der gleichen Stelle zu treten. Und am Ende braucht es eine gute Portion Glück. Aber schon die alten Römer wussten: Fortes fortuna adiuvat – Den Mutigen hilft das Glück.

Jens Mühlhaus, Leser_In

Erfolg ist, wenn man seine Ziele erreicht. Für Unternehmen stehen dabei ganz fundamentale Fragen an allererster Stelle: Was sind unsere Ziele? Warum gibt es uns eigentlich? Was ist unser übergeordneter Handlungsauftrag? Was stellen wir eigentlich her? Einfach nur Geld verdienen kann dabei nicht der Maßstab sein, das wollen alle. Und sinnstiftend ist es auch nicht. Aus wirtschaftlichem Erfolg alleine kann ich persönlich auch kein wirklich nachhaltig positives Gefühl ziehen, das ist ein sehr vergänglicher Glücksmoment. Nehmen wir die Automobilkonzerne: Trotz makelloser Bilanzen haben sie Misserfolg, sie haben ihre Glaubwürdigkeit und Reputation verzockt. Darum ist Erfolg für mich als Unternehmer die Verknüpfung von funktionierenden Geschäftsmodellen mit Produkten und Dienstleistungen, die uns als Menschheit erlauben, den nächsten Generationen auch die Möglichkeit zu geben, noch auf diesem Planeten leben zu können. Denn gewiss ist das keineswegs. Darum müssen wir auch in der gesellschaftlichen Debatte den Erfolgsbegriff neu definieren und um die Dimension Nachhaltigkeit erweitern. Denn erfolgreich werden wir als Spezies nur sein, wenn wir es schaffen, unsere Gier in Kanäle zu leiten und einen Weg des Wirtschaftens als auch des politischen Handelns zu finden, der uns nicht ungebremst gegen die Wand fahren lässt.

Matthias Sutter, Leser_In

Ein persisches Sprichwort sagt: „Geduld ist ein Baum mit bitteren Wurzeln, der süße Früchte trägt.“ Dieses Sprichwort passt sehr gut zur Frage, woher Erfolgt kommt. Geduldig und ausdauernd auf ein größeres Ziel in der Zukunft hinzuarbeiten, bedeutet häufig den – oftmals bitteren – Verzicht auf die sofortige Befriedigung der eigenen Bedürfnisse. Langfristiger Erfolg – also das Erreichen der süßen Früchte – kommt hingegen von der Fähigkeit, bei langfristigen Projekten durchzuhalten, das größere Ziel in der Zukunft nicht aus den Augen zu verlieren und nicht gleich aufzugeben, wenn der Weg einmal mühsam ist. Das verlangt Geduld und Ausdauer. Viele Studien zeigen, dass sich Geduld und Ausdauer auszahlen, und zwar in vielerlei Hinsicht. Das liegt daran, dass viele wichtige Entscheidungen im Leben ein Abwägen zwischen Gegenwart und Zukunft darstellen. Man denke an Ausbildungsentscheidungen („Soll ich weiter in meine Ausbildung investieren oder schneller arbeiten gehen und eigenes Geld verdienen?“), Vorsorgeentscheidungen für das Alter („Soll ich alles verfügbare Geld ausgeben oder etwas für später zurücklegen?“) oder auch Entscheidungen für einen gesunden Lebensstil („Soll ich mich jetzt mit einer Packung Pommes vor den Fernseher setzen oder lieber noch eine Runde um den Block gehen?“). In allen Fällen trägt Geduld und Selbstkontrolle zum langfristigen Erfolg bei.

Meike Weiß, Leser_In

Was heißt es, erfolgreich zu sein? Bedeutet Erfolg, beruflich eine geradlinige Karriere zu machen, viel Geld zu verdienen, dabei aber vielleicht auf seine eigenen Bedürfnisse zu verzichten? Oder ist Erfolg in umgekehrter Weise, auf seine Bedürfnisse zu achten und möglicherweise dabei Verluste in Kauf zu nehmen, Umwege zu gehen und so sein Glück zu finden? Mir fällt hier das Märchen „Hans im Glück“ der Gebrüder Grimm ein. Dort wirft der Held auf seinem Weg zum Glück Ballast ab, befreit sich von der Schwere. „Herz, was verlangst Du mehr!“, ruft Hans aus. Am Ende steht er mit nichts da und ist glücklich. Als Psychotherapeutin erlebe ich oft Menschen, die sich beruflich „ausgebrannt“ fühlen. Sie haben häufig das Gefühl, dem Stress hilflos ausgesetzt zu sein, den Kontakt zu sich selbst zu verlieren, nur noch zu funktionieren, während der Körper rebelliert. Oft verbergen sich dahinter verinnerlichte Werte und Normen, zum Beispiel alles geben zu müssen oder perfekt sein zu wollen. Also Verzicht, Bedürfniskontrolle und Selbstdisziplin und nicht, wie bei „Hans im Glück“, einfach Torheit. Was können wir tun, um leichter zu werden? Es kann etwa hilfreich sein, bei seinem Tun achtsam sich immer wieder selbst zu fragen: „Was ist gerade jetzt?“ Und dann zu entscheiden: „Ich mache jetzt dies und nichts anderes.“ Schaut man mit etwas Distanz auf seine Arbeit, kann man vielleicht zu sich sagen: „Es ist genug.“ Und genug ist ein anderes Wort für gut.

Harry Wijnvoord, Leser_In

Erfolg kommt nicht zugeflogen. Glück ist zweitrangig, das Wichtigste ist, hart zu arbeiten. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein kann zwar helfen, aber in erster Linie liegt der Erfolg an einem selbst. Man darf nicht abwarten, sondern muss machen, machen, machen – und dabei das Ziel nicht aus den Augen verlieren. Meinem Erfolg kam die Einführung der Privatsender zwar zugute, aber das Kontinuierliche war entscheidend: „Der Preis ist heiß“ habe ich neun Jahre lang in 1.873 Folgen moderiert. Wenn diese Sendung dann trotz eines Marktanteils von 30 bis 35 Prozent abgesetzt wird, versteht man zwar die Medienwelt nicht mehr, aber für mich persönlich ging es weiter: 440 Folgen Kochsendung etwa. Heute reagieren Medien noch häufiger, als das sie agieren. Viel wird von anderen Sendern übernommen. Das verändert die Formate und man muss mehr selbst in die Hand nehmen. Aber auch durch Youtube hat sich die Medienwelt gewandelt. Nimmt man diese sozialen Medien nicht ernst, fährt der Zug ohne einen ab. Es hat auch das Verhalten vor den Bildschirmen verändert. Doch eines ist gleich geblieben und so möchte ich ein Erfolgsgeheimnis verraten, das für Moderatoren wie für Youtuber gilt: Man muss die Zuschauer ernst nehmen. Auch wenn man sie nicht direkt sieht, sie sind zu Hause am Bildschirm durchaus konzentriert und nehmen wahr, wenn man nicht echt oder selbst unkonzentriert ist. Wenn der Zuschauer merkt, der meint es nicht so, wird abgeschaltet.

Jessica Herbst, Leser_In

Zuerst möchte ich mich für diese Frage bedanken, weil ich, um eine Antwort verfassen zu können, erst einmal den Begriff Erfolg für mich persönlich definieren musste. Das ist ein unbeschreibliches Gefühl der Freude, der Anerkennung, der Befriedigung, ein Ziel erreicht oder eine kleine aber schöne Geste gemacht zu haben. Für mich kommt der Erfolg aus der inneren Einstellung jedes einzelnen Menschen. Ich habe heute einen erfolgreichen Tag gehabt, der mit einem Lächeln eines kleinen indischen Jungen angefangen hat, dem ich meinen Sitzplatz in der vollgepressten Berliner U-Bahn angeboten habe. Das mag nichts Spektakuläres sein, aber ich hatte dabei meine kleine Erfolgsgeschichte, an die ich beim Schreiben dieser Antwort denke und schmunzele. Erfolg kommt aus dem Inneren, aus der Erkenntnis, dass alles nur Einstellungssache ist. Wer mutig ist, wer offen ist und liebt, was er tut, der wird am Ende mit Erfolg belohnt. Doch wer den Erfolg in kleinen Dingen sehen kann, hat jeden Tag die Chance, erfolgreich durch sein Leben zu gehen. Das ist mein Appell an den Leser dieser Zeilen: Lerne die kleinen und schönen Dinge im Leben wertzuschätzen.

Manfred „Manni“ Schitz, Leser_In

Man selbst bleiben, so sagten es schon Die Ärzte:
 „Man erntet, was man sät – drum wird’s dein Herz sein, das dich verrät
. Ich will deinen Elan doch überhaupt nicht dämpfen
. Wenn du etwas willst, musst du darum kämpfen.“

Kai Krapfen, Leser_In

Niemals aufgeben. Weitermachen, selbst wenn es aussichtslos erscheint.

Elisa Froh, Leser_In

Ich bin mir nicht sicher, was für mich wirklich ein richtiger Erfolg ist. Mir ist es schon passiert, dass ich viel Zeit und Kraft in etwas investiert habe und mein Ziel dann sogar erreichte, da denkt man doch zunächst: ein Erfolg. Aber mit diesem Erfolg hatte ich dann kein weiteres Ziel mehr vor Augen und damit auch keinen Ansporn mehr. Dabei war zuvor gerade der Weg zum Ziel das eigentlich Spannende. War es dann nur ein Scheinerfolg?

Maja Dachsmann, Leser_In

Erfolg kann man nur dann haben, wenn man auch ein Ziel vor Augen hat. Ansonsten erreicht man zwar das Gleiche, nimmt es aber leider gar nicht als einen Erfolg wahr.

Axel Bernhard, Leser_In

Für einen Musiker hat Erfolg mindestens eine genauso große Bedeutung, wie es in anderen Berufszweigen der Fall ist. Zum einen gehört zur Musik Talent, als genauso wichtig betrachte ich aber das Üben. Ich glaube, dass fast jeder bis zu einem gewissen Grad ein Instrument lernen kann, wenn er sich Mühe gibt. Als ich die Gitarre für mich entdeckt habe, hatte ich einmal in den Schulferien einen Vorsatz und diesen auch umgesetzt: Ich habe in zwei Wochen 100 Stunden Gitarre geübt. Erfolge stellen sich nicht immer gleich ein, aber ich habe seit meiner Jugend in Bands gespielt und so war es für mich ein großer Erfolg, als ich mit einer Fun-Metal-Band auf Festivals vor 15.000 Leuten spielen konnte. Wenn ich selbst oder mit anderen Lieder schreibe und CDs produzieren kann, ist das für mich der größte Erfolg. Um genug Zeit für die Musik zu haben, musste ich einen Schritt weiter gehen und habe eine Gitarrenschule in Frankfurt am Main gegründet, statt weiter als Geograf zu arbeiten. Hier versuche ich, den Schülern so viel Spaß am Instrument zu vermitteln, dass sie auch zu Hause gerne üben. Nicht jeder muss semiprofessioneller oder professioneller Musiker werden, denn es ist schon ein Erfolg, wenn jemand sein Gitarrenspiel durch mich verbessern kann oder wenn jemand, der noch nie ein Instrument gespielt hat, plötzlich Lieder begleiten und damit sich und anderen eine große Freude bereiten kann.

Melanie Geitelmann, Leser_In

Ich glaube, dass manchmal eine Art „Klick“ von Nöten ist. Irgendetwas schaltet sich im Kopf um, man merkt, warum etwas wichtig ist und ist daher gewillt, hart für etwas zu arbeiten, um etwas zu kämpfen. Und das wird dann mit Erfolg belohnt.

Orsolya Schmidt, Leser_In

Für viele ist Erfolg, wenn man von vielen Menschen für etwas bewundert wird. In unserer Familie ehren wir aber auch die kleinen persönlichen Erfolge. So war es für uns ein ganz großer Erfolg, als mein Sohn, der schon gut schwimmen konnte, sich aber nie zu tauchen traute, eines Tages den Tauchring aus dem schultertiefen Wasser holte. Wir mussten dies zwei Jahre lang üben, immer wieder den Ring mit ins Schwimmbad nehmen, ihn immer wieder eine Stufe weiter unten platzieren, behutsam seine Angst überwinden und merken, wann wir besser nicht pushen. Und weil so viel Mühe und so viel Überwindung darin steckt, ist für uns die bestandene Seepferdchenprüfung ein ganz großer Erfolg.

Jana Trittreich, Leser_In

Ich denke, es ist vieles, was zusammen passen muss, damit jemand erfolgreich wird. Nehmen wir den Sport: Wer die körperlichen Vorraussetzungen nicht erfüllt, wird nie großen Erfolg haben. So wird ein Normalgroßer kein Top-Basketballer, ein ungelenkiger kein Spitzenturner und ein zu großer Mensch wiederum kein guter Jockey. Aber hat man überhaupt den Zugang zu der Sportart, die zu einem passt? Vielleicht wäre man ein erfolgreicher Tennisspieler geworden, es gibt im Umkreis aber nur einen Judo-Verein. Oder die Sportart ist schlichtweg zu teuer, denn auch die finanzielle Seite spielt eine Rolle – zum Beispiel beim Einzelunterricht, bei dem man sich verbessern könnte. Und auch die menschliche Seite ist wichtig: Fördert der Trainer einen oder vergrault er einem die Sportart, weil er vielleicht ein guter Sportler, aber kein guter Pädagoge ist? Und letztendlich ist es auch der innere Wille. Um erfolgreich zu sein, muss man sich fokussieren, mehr trainieren, sich mehr überwinden und einfach mehr Energie hineinstecken als reine Breitensportler. Und der Spaß darf natürlich auch nicht fehlen: Nur wenn ich Freude an etwas habe, bin ich auch gewillt, diese Energie aufzubringen.

Verena Wolfien, Leser_In

Erfolg im Schauspielberuf ist ein langer, harter Weg. Für mich heißt, in dem Beruf erfolgreich zu sein, dass ich in vielen verschiedenen Projekten mitarbeiten kann. Ein erfolgreiches Jahr beinhaltet für mich zu drehen, am Theater zu spielen, als Sprecherin zu arbeiten oder auch zu coachen. Das wichtigste ist, dranzubleiben und an sich zu glauben, auch wenn mal Absagen kommen. Es hilft mir zu wissen, dass ich als Schauspielerin etwas ganz Eigenes mitbringe und in manchen Castings genau das zum Erfolg führt. In unserem Beruf – wie in vielen anderen Berufen – hat Erfolg auch mit den richtigen Kontakten und der Pflege dieser Kontakte zu tun. Und auch mit Glück. Manchmal hat man das Glück, zu einem Vorsprechen eingeladen zu werden, und die Chance, sich zu zeigen. Als frei arbeitende Schauspielerin gehört Akquise zum Alltag. Sich immer wieder bei Castern oder Intendanten ins Gedächtnis zu rufen, ist Teil unserer täglichen Arbeit – und manchmal von Erfolg gekrönt. Die Frage, wie man aus der Masse von Tausenden Schauspielern überhaupt gesehen werden kann, beschäftigt uns alle. Ein Patentrezept gibt es nicht. Unermüdlich fällt mir in dem Zusammenhang ein, aber auch loslassen können, wenn alles getan ist. Vielen geht verständlicherweise auf diesem Weg die Puste aus. Ich selbst habe einen inneren kleinen Motor, der nicht von Erfolg betrieben wird, sondern von der Lust und dem Spaß an diesem Beruf.

Peter C. Saupe, Leser_In

Mein großes - immer währendes - Erfolgsgeheimnis ist die Freundlichkeit o h n e auf eine Quittung dafür zu hoffen. Mein kleines - alltägliches - Erfolgsgeheimnis ist die Zuverlässigkeit o h n e auf die Bedeutung des Empfängers oder des Anlasses zu achten. Der Erfolg liegt - mit der Zeit - in der spürbar besseren Qualität der Reaktionen der anderen.

Karsten Holzner, Leser_In

Der Schlüssel zum Erfolg: Authentizität, Intelligenz, Geduld und Disziplin. Den kleinen Fisch vorbeischwimmen zu lassen, um den Wal an Land zu ziehen.

Albert Butz, Leser_In

Erfolg erfolgt – im Positiven wie im negativen Sinn • Eigenverantwortung übernehmen verändert mein ICH. Dadurch verändert sich auch meine Einstellung. • Durch diese Veränderung ist es mir möglich, über meinen bisherigen Erfahrungshorizont zu schauen. Dadurch kann ich die Chancen der Zukunft besser erfassen. • Ich kann erkennen, dass es immer mehr gibt als das, was ich wissen und beeinflussen kann. • Ich kann Dinge sein lassen, die für mich nicht (mehr) funktionieren und etwas Anderes tun, das mehr meinen Zielen entspricht.

Mark Finley, Leser_In

Erfolg zu haben benötigt die drei folgenden Zutaten: 1. Ein mit Herzblut verfolgtes Ziel (oder Traum, oder gar \"nur\" eine Vision); 2. Humor (hilft bei allem und sowieso bei Zwischenniederlagen) und 3. Die positiv bestimmte Beantwortung der Frage, ob ein zur Hälfte gefülltes Glas nun halb-leer oder eben halb-voll ist. Eine Portion Glück könnte natürlich immer helfen, wenn sich nicht die Portion Pech so einmischen würde... Ich wünsche viel Erfolg!

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Welchen Wert hat Zeit?

In unserem Leben soll alles immer noch ein bisschen schneller werden. Aber muss das sein? Schreiben Sie uns, wann Sie es auch mal langsam angehen lassen.

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Eckhart Tolle, Leser_In

Zeit hat keinen Wert, denn Zeit ist nicht kostbar, da sie eine Illusion ist. Was so kostbar erscheint, ist nicht die Zeit, sondern der einzige Punkt, der außerhalb der Zeit liegt: das Jetzt. Das allerdings ist kostbar. Je mehr du dich auf die Zeit konzentrierst, auf Vergangenheit und Zukunft, desto mehr verpasst du das Jetzt, das Kostbarste, was es gibt. Warum es so kostbar ist? Weil es das Einzige ist. Es gibt sonst nichts. Leben ist Jetzt. Es gab weder eine Zeit, wo dein Leben nicht Jetzt war, noch wird es jemals so sein. Lerne es, Zeit für alle praktischen Aspekte deines Lebens zu nutzen, lass uns das „Uhr-Zeit“ nennen. Uhr-Zeit hat nicht nur damit zu tun, Termine zu machen oder eine Reise zu planen. Sie beinhaltet auch, aus der Vergangenheit zu lernen, damit wir nicht immer dieselben Fehler wiederholen. Die Zukunft ist eine Wiederholung der Gegenwart. Oberflächliche Änderungen sind möglich, aber wirkliche Verwandlung ist selten. Sie hängt davon ab, ob du gegenwärtig genug sein kannst, um die Vergangenheit durch den Zugang zur Gegenwart aufzulösen. Wenn ich sage, „Zeit ist eine Illusion“, dann will ich damit keine philosophische These aufstellen. Ich erinnere nur an eine einfache Tatsache: Der gegenwärtige Moment ist alles, was du je haben wirst. Es gibt nie eine Zeit, in der dein Leben nicht „dieser Moment“ ist. Auszug aus dem Buch „Jetzt! Die Kraft der Gegenwart“

Lothar Seiwert, Leser_In

Zeit ist das wertvollste Gut, das wir in unserem Leben haben – neben der Gesundheit. Zugleich erscheint uns die Zeit als der größte Engpass. Geld, das wir an der Börse verlieren, können wir zurückgewinnen. Die verflossene Lebenszeit hingegen ist unwiederbringlich: „Zeit ist Leben, und Leben ist Zeit“. Noch bewusster wird uns der Wert der Zeit, wenn uns ein wirklicher Schicksalsschlag ereilt. Besonders ergreifend schildert das der Autor Eugene O’Kelly in seinem Buch „Chasing Daylight“, dessen Protagonist, ein Topmanager, die Diagnose Hirntumor mit maximal drei Monaten weiterer Lebenszeit erhält. Erst jetzt begreift er, dass es ein Leben vor dem Tod gibt und versucht noch, seinen Blick auf die Welt zu ändern. Wahrscheinlich hat jeder von uns den Wunsch, die ihm zur Verfügung stehende Zeit sinnvoll zu nutzen. Neben allem sinnvollen Tun müssen wir aber auch einfach mal nichts tun: in Neudeutsch „chill-axen“ (chillen und relaxen), und uns einfach „Zeit zum Leben“ nehmen. Die Zeit können wir nicht „managen“, sie verrinnt unwiderruflich. Wir können nur unseren Umgang mit Zeit verändern, indem wir bessere Prioritäten setzen. Für mich gibt es demnach keine Zeitprobleme, sondern nur „Prioritätenprobleme“. Die Königsfrage lautet: Zeit wofür nehmen? Dabei ist das Dringende selten wichtig und das Wichtige selten dringend. Heute beginnt der erste Tag vom Rest Ihres Lebens, den Sie mit einem neuen Zeitbewusstsein beginnen können – wenn Sie wollen.

Irene Schwartzkopff, Leser_In

Ich bin 1919 geboren, seitdem hat sich die Welt stark verändert und ich bin dankbar, in der heutigen Zeit leben zu können. Das verwundert nicht, denn ich habe den Zweiten Weltkrieg miterlebt, habe Teile meiner Familie verloren. Nach dem Krieg habe ich dann Medizin studiert und vier Kinder bekommen. In den 1950er-Jahren konnte ich meine eigene Praxis im Haus eröffnen. Den Großteil meiner Lebenszeit habe ich somit in meinem Haus verbracht. So wird Zeit auch mit Orten verbunden, die einem ans Herz wachsen. Obwohl ich jetzt in einer Altersresidenz lebe, fühle ich deswegen wohl noch nicht, dass die Zeit gekommen ist, das Haus zu verkaufen. Aber das ist nicht das einzige, von dem ich mich nicht trennen will: Ich fühle mich auch noch nicht so alt, dass ich meinen Sportwagen schon abgeben müsste. Ich fahre zwar nicht mehr selbst, lasse mich darin aber gerne noch chauffieren. Ich würde auch sofort in ein selbstfahrendes Auto einsteigen. Denn der Wert von Zeit war für mich schon immer, etwas zu erleben. Und den Mut dazu habe ich. Auch den technischen Fortschritt, den die Zeit gebracht hat, schätze ich. Als es mit den Computern anfing, war ich neugierig, habe mich gerne eingearbeitet und sah, dass es schnell eine Erleichterung war. Aber das Leben wird natürlich mit den Jahren auch ruhiger und ich verbringe heute die Zeit eher mit Lesen und Klavierspielen. Doch diese Stunden kann ich immer noch genießen.

Hermann Parzinger, Leser_In

Zeit ist eine physikalische Größe, die den Menschen von Anbeginn an prägt. Nahezu alle Lebewesen besitzen eine innere biologische Uhr, die nach natürlichen Zyklen verläuft. Die kulturgeschichtliche Entwicklung von einfachen Wildbeutern über komplexe Gesellschaften bis hin zu staatlich organisierten Hochkulturen war begleitet von fortwährenden Versuchen, Zeit zu strukturieren, sei es durch Rituale, festliche Anlässe oder erste Kalendersysteme. Periodisch wiederkehrende Ereignisse, seien sie an den Tagesablauf, an die Jahreszeiten oder etwa an den Moment der Nilschwemme gebunden, förderten schon sehr früh Verständnis und Gefühl für zyklische Zeitabläufe, die das menschliche Leben auch über die innere biologische Uhr hinaus seit jeher entscheidend prägen. Vor Jahrtausenden bereits legte der Mensch gigantische Observatorien an, um den Wechsel der Jahreszeiten genau zu berechnen und vorherzusagen. Systeme, die bei der Zeitmessung periodisch in denselben Zustand zurückkehren, sind dagegen eine spätere Erfindung. Je nach Komplexität einer Gesellschaft erhalten die in einem Kalender festgelegten Zeitrhythmen auch strukturelle Bedeutung für das Gemeinwesen. Zeit gehört zu den anthropologischen Konstanten des Menschen, wird jedoch kulturspezifisch sehr unterschiedlich verstanden: zyklisch-wiederkehrend ebenso wie geradlinig-kontinuierlich.

Florian Opitz, Leser_In

Für meinen Film „Speed – auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ habe ich mich lange mit dem Thema Zeit in unserer beschleunigten Welt auseinandergesetzt. Ich hatte das Gefühl, nie genug Zeit für die wesentlichen Dinge zu haben. Bei meiner Suche habe ich von meinen Protagonisten einiges gelernt. Die wichtigste Erkenntnis war, dass die Beschleunigung unseres Lebens eine individuelle und eine gesellschaftliche Seite hat. Am individuellen Teil kann man etwas ändern, indem man sich ganz bewusst für etwas entscheidet, und die zahllosen anderen Optionen, die das Leben bereit hält, ziehen lässt. Inzwischen gibt es absurderweise eine riesige Industrie zum Thema Entschleunigung und Zeitmanagement. Aber man muss nicht unbedingt ein Yoga-Retreat machen oder in ein Kloster gehen. Wichtig ist einfach, seinen eigenen Weg zu finden, um bremsen zu können. Wir müssen lernen, auf welche Optionen des Alltagswahnsinns wir besser verzichten. Die Menschen, die das bewusst tun, habe ich als die glücklichsten erlebt. Die Beschleunigung unseres Alltags ist aber auch ein gesellschaftliches Phänomen und wird durch unser Wirtschaftssystem angetrieben. Der Kapitalismus basiert eben auf Beschleunigung, Wachstum und Effizienzsteigerung. Solange wir an diesem System nichts verändern, wird sich das Beschleunigungsrad weiter drehen. Wer da kein dickes Bankkonto hat, ist für ein festes Einkommen gezwungen, dieser höheren Taktung und dem ständigen Input standzuhalten.

Herbert Nitsch, Leser_In

In jenem Augenblick, in dem ich meine Lungen mit dem letzten Atemzug fülle, bevor ich in die blauen Tiefen hinabtauche, habe ich bereits den Ort verlassen, an dem Zeit „real“ ist. Sobald ich die Oberfläche verlasse, bin ich total fokussiert und im Einklang mit den Abläufen, die innerhalb der Grenzen meiner Haut geschehen. Mein Herzschlag verlangsamt sich stetig, bis er schließlich nur noch hin und wieder laut in meinem Oberkörper nachhallt: „Wuuumm…wuuumm...“. Um mit dem steigenden Wasserdruck mitzuhalten, muss ich mit abnehmender Häufigkeit einen Druckausgleich in meinen Nasennebenhöhlen und der Mittelohrhöhle vornehmen. Dabei wird das Trommelfell wieder und wieder nach außen gedrückt, was ein ploppendes Geräusch erzeugt: „Plopp...plopp…plopp…“. Wie ein langsamer werdender Zeiger auf einer Uhr. Diese gelegentlichen Töne in meinem Körper geben mir einen wunderbaren inneren, synchronisierten Rhythmus und sind die einzigen Indikatoren, die mir anzeigen, wie weit ich noch tauchen muss, um die Zieltiefe zu erreichen. Ich darf nur so wenig Energie wie möglich verbrauchen, um den kostbaren Sauerstoff zu bewahren, der durch meinen Kreislauf gepumpt wird. All meine Bewegungen verlaufen in Superzeitlupe. Meine innere Uhr verlangsamt sich so stark, dass ich beinahe einschlafe, und es ist, als stünde die Zeit um mich herum still. Erst wenn ich die Bodenplattform erreiche, realisiere ich, dass etwa zweieinhalb Minuten vergangen sind.

Martina Kölbl-Ebert, Leser_In

Geologen denken in „geologischen Zeiträumen“. Sie behandeln Jahrmillionen wie andere Leute Wochen und Monaten. Dieses besondere Verhältnis zur Zeit äußert sich nicht beim Blick auf die Uhr, sondern dann, wenn ich offenen Auges durch die Landschaft gehe. Denn stets erzählen mir die Steine zu meinen Füßen Geschichten längst vergangener Landschaften. Diese sind meist sehr verschieden vom hier und jetzt: Es sind Geschichten tropischer Meere, in denen sich exotische Tiere tummeln; Geschichten von sengenden Wüsten, in denen der Wind den Sand über die Dünen treibt; oder Geschichten gewaltiger Kräfte des Erdinnern, die tausende Tonnen Gestein in hoch aufragenden Eruptionssäulen in den Himmel treiben. Diese geistigen Bilder längst vergangener Zeiten drängen sich hinter das, was meine Augen sehen; verleihen der Landschaft eine merkwürdige Tiefe mit einer weiteren, zeitlichen Dimension. Zeit hat also viel mit Landschaft, mit Raum zu tun. Vielleicht spricht man daher nicht einfach von Zeit, sondern von den geologischen Zeiträumen. Rund 4,5 Milliarden Jahre können wir auf der Erde so überblicken. In diesem gewaltigen Zeitraum wandelte sich nicht nur die Landschaft, sondern auch die Lebewelt. Für diese und damit auch für uns ist Zeit vor allem eine ungeheure Ressource: Der Zeitraum ist die Bühne, auf der das Drama der Evolution stattfand und stattfindet. Als Paläontologin habe ich einen Logenplatz. Als Museumsbesucher haben Sie den auch.

Andy Holzer, Leser_In

Die Zeit ist für mich, wenn ich es intensiv überlege, eigentlich die größte Motivationsquelle und kommt damit meiner Gewissheit, dass ich nicht ewig lebe, ziemlich gleich. Dieses Gefälle in einem Menschenleben, von der Urkraft der Jugend über die „besten Jahre“ hinein in den Lebensabend, ist genau so wichtig wie das Gefälle beispielsweise beim Skifahren. Wie langweilig und öde ist eine Skiabfahrt im flachen Gelände. Es ist für mich wie ein natürlicher Antrieb, der mich meist zum richtigen Moment zünden lässt. Zeit ist die Grundlage jeder Entwicklung. Zeit ist die Anzahl, wie oft die Planeten um die Sonne kreisen. Im Alter von einem Jahr wollte ich auf eigenen Beinen stehen, mit drei Jahren auf den Ski, mit 23 gemeinsam mit meiner Frau Sabine vor dem Traualtar und mit 50 Lebensjahren auf dem Dach der Welt. Die Besteigung des Mount Everests trug mich auf eine Wolke des Glücklichseins, alles danach war unbeschreiblich leichtgängig und mir kam die Welt einfach richtig rosa vor. Nur ein einziger Timingfehler in dieser Zeitachse hätte höchstwahrscheinlich zum sofortigen Untergang meines mir so wertvollen Lebens geführt. In meinen Augen haben der Tod und damit auch die Zeit eine einzige Funktion für unser Dasein: Es macht einfach Sinn, es jetzt zu beginnen, es nicht auf irgendwann zu verschieben und zu verstehen, dass jeder Augenblick eine Einzelausgabe des Universums ist.

Karlheinz Geißler und Jonas Geißler, Leser_In

Das Wichtigste vorweg: Der Mensch hat Zeit. Er hat sogar viel Zeit. Denn Tag für Tag kommt neue nach. Und das Schöne ist, man muss nichts dafür tun. Viel tun muss man hingegen, um keine Zeit zu haben. Nein, Zeit haben wir nicht zu wenig, wir haben zu viel zu tun. Demnach heißt die Lösung: Lasst Euch nicht die Zeit, lasst Euch die Arbeit stehlen. Weder Faulheit noch Bequemlichkeit, auch nicht zu viel Freizeit gefährden unsere Zeitzufriedenheit. Es ist das maß- und pausenlose Machen, das immerzu auf dem Sprung sein und das Nie-genug-haben. Sollte diese Gesellschaft eine Leitkultur besitzen, dann heißt sie: Genug ist nicht genug. „Schuld“ an all dem ist die mechanische Uhr. Sie hat die Zeit aus ihrer vormals engen Bindung an die Natur gelöst und der Welt das leere, qualitätslose Zeitmuster Takt auf- und den menschenfreundlicheren Rhythmus zurückgedrängt. Bekommen haben wir dafür einen ansehnlichen Geld-, Güter- und Ereigniswohlstand, für den wir den Preis eines wachsenden Zeitnotstandes zahlen. Doch das Zeit-ist-Geld-Diktat greift dort zu kurz, wo es ums Leben und dessen befriedigende zeitliche Gestaltung geht. In der Liebe, in der Erziehung, bei der Bildung, beim Genuss und in der Kultur ist Zeit kein Tausch- sondern Lebensmittel. Es ginge uns besser, wir lebten gesünder, wären kreativer und zufriedener, wenn wir die Zeit öfters aus ihrer Verzweckung durch das Geld befreiten. Und ihr so ihre Qualitäten wieder zurückgäben.

Florian Krebs, Leser_In

Meiner Meinung nach ist Zeit heutzutage das teuerste Gut, denn sie fehlt uns immer. Wir haben keine Zeit, unsere Eltern zu besuchen. Wir fangen morgen mit dem Sport an, weil wir heute keine Zeit haben. Wir müssen viel arbeiten und haben deswegen keine Zeit für die große Reise, die wir schon immer machen wollten. Wir haben keine Zeit. Die Kunst besteht darin, sich die Zeit zu nehmen und dadurch noch mehr Zeit zu schaffen, denn sie ist das teuerste Gut.

Ariane Wonnersbach, Leser_In

Erst nachdem ich viele Jahre weit mehr als 40 Stunden pro Woche gearbeitet habe, ist mir bewusst, wie kostbar private Zeit sein kann. Diese Zeit ist wichtig, um Freundschaften zu erhalten oder eine Beziehung zu führen. Viele erfolgreiche Ex-Kollegen und -Kolleginnen, die immer noch sehr viel und hart arbeiten, haben sich diese Zeit nicht nehmen können oder wollen. Ständige Termine im Ausland wurden Standard, Freundschaften außerhalb des Betriebs dadurch schwierig und Beziehungen, eine enge Partnerschaft, nahezu unmöglich. Das ist traurig, weil ich weiß, dass viele immer damit gerechnet hatten, einmal eine Familie zu gründen. Es kam nicht der Gedanke auf, dass die Zeit, die man im Job verbracht hatte, auch privat sehr wertvoll gewesen wäre. Jetzt sind sie um die 40 und kinderlose Singles. Aber für eine Familie braucht man – wenigstens im Idealfall – eben erst einmal eine Beziehung und private Zeit.

Larissa Pohlmann, Leser_In

Schaut man sich die Gehälter von Dax-30-Managern im Vergleich zu denen einfacher Angestellter an, so hat Zeit offensichtlich einen ganz unterschiedlichen Wert. In Deutschland ist der Wert gerne 50-mal so hoch. In einem Fall war er auch 350-mal so hoch, wurde aber auf das 290-Fache herabgesetzt, weil sich das 350-Fache vor der Belegschaft nicht rechtfertigen ließ. In den USA und einigen anderen Ländern ist das wohl gar nicht ungewöhnlich, weswegen es je nach Perspektive auch hier unterschiedlich diskutiert wird. Wir werden sehen, ob sich der Wert von Zeit begrenzen lassen wird.

Agnes Walter, Leser_In

Ich rechne nicht für jede Stunde mit einem Wert. Das wäre schon ein Problem, weil ich so wahnsinnig gerne lange schlafe. Aber dafür bin ich in der Zeit, die mir sonst am Tag zur Verfügung stehe, immer fit und gutgelaunt und diese Zeit hat dann einen hohen Wert. Und im Gegensatz zu vielen andere hoffe ich nie, sie möge nur schnell vergehen.

Stefan Schläger, Leser_In

Zeit hat meiner Ansicht nach nicht immer den gleichen Wert. Das sagt auch der Begriff „Quality Time“ aus. Es ist die Zeit, in der man sich wirklich auf den anderen konzentriert und ihn wahrnimmt, vielleicht auch etwas Schönes gemeinsam unternimmt. Der andere kann dabei der Partner sein oder auch ein Freund, meistens plant man es mit den eigenen Kindern, damit man mit ihnen eine intensivere Zeit verbringt. Für uns ist das zum einen die Zeit des täglichen gemeinsamen Abendessens, bei dem jeder von seinem Tag berichtet. Aber es sind auch die Sonntagnachmittage, wenn wir gemeinsam in der Natur sind und es zu spannenden Gesprächen kommt, gerade, wenn meine Frau oder ich eins unserer Kinder zur Seite nehmen. Diese Zeit hat natürlich einen höheren Wert als die Zeiten, in denen man einfach nebeneinander herkramt, die zwar auch zum Leben dazugehören, aber in denen man sich nicht bewusst Zeit für den anderen nimmt.

Leonard Hertz, Leser_In

Bei den Jahreszeiten ist das schöne, dass wir hier eine Abwechslung haben und uns darüber erfreuen. Das sehe ich auch sonst als Wert der Zeit – dass sich mit ihr Dinge ändern und es nie eintönig bleibt.

Anonym, Leser_In

Es gibt Menschen, die einem ständig die Zeit stehlen, weil ihnen wohl nicht klar ist, dass auch die Zeit der anderen einen Wert hat. Ich denke da besonders an diejenigen, die bei Verabredungen mit festem Termin ständig zu spät kommen. Aus meiner Erfahrung gibt es selten äußere Gründe dafür, auch wenn sie es gerne so darstellen. Ich sehe da eher einen Mangel an Organisationskompetenz und die innere Weigerung, sich hier verbessern zu wollen. Ihnen scheint dies nicht wichtig zu sein. Für diejenigen aber, die pünktlich sind, denen die Zeit gestohlen und damit offensichtlich nicht als gleichwertig anerkannt wird, ist es eine Beleidigung.

Svenja Mikkelsen, Leser_In

Zeit kann unglaublich viel leisten, wenn sie vergeht. Sie kann einen manchmal notwendigen Abstand schaffen. Sie gibt die Möglichkeit, etwas neu zu denken und neu oder – noch verwunderlicher – gar nicht mehr zu fühlen. Das ist für manche Phasen des Lebens sehr wertvoll. Jeder, der schon etwas längere Zeit auf dieser Erde verbracht hat, wird sicherlich der Weisheit zustimmen: Zeit heilt alle Wunden.

Moritz Hammberg, Leser_In

Leider vergeht die schönste Zeit immer wie im Fluge und manche schlimmen Minuten fühlen sich an wie Stunden. Aber zum Glück erinnert man sich an die schönen Zeiten eher als an die der gähnenden Langenweile oder die der Schmerzen. Das gleicht es aus.

Dominik Schreiter, Leser_In

Zeit allein reicht nicht. Wie heißt es doch so schön: Zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Anonym, Leser*in, Leser_In

Ich bin arbeitslos und möchte meinen Namen nicht nennen. Aber das Thema Zeit und deren Wert ist für mich durch meine Umstände ganz elementar geworden: Denn meine Zeit hat derzeit keinen Wert – zumindest keinen monetären auf dem Arbeitsmarkt. Keiner will meine Zeit oder ist bereit, dafür zu zahlen. Dabei würde ich sie sehr gerne verkaufen. Jeden Tag schaue ich, wem ich sie anbieten kann, schreibe Bewerbungen und versuche, einen Preis dafür herauszuholen. Angebot und Nachfrage, so ist das mit der Zeit. Die Zeit, die ich bieten kann, bieten eben auch andere an und vielleicht günstiger. So fing ich an, sie erst zu einem anständigen Preis anzubieten, inzwischen weit unter dem, was meine Zeit früher einmal wert war. Ich hoffe, sie wird bald wieder einen Wert haben, dann vielleicht allmählich auch wieder im Wert steigen. Es ist kein gutes Gefühl, wenn Zeit keinen Wert hat.

Deniz Kretra, Leser_In

In unserer Gesellschaft sind die Zeiten, in die wir den Tag einteilen, recht klar vorgegeben: Morgens wird aufgestanden, dann geht es zur Arbeit, abends vielleicht noch ein Bier mit Freunden und nachts wird geschlafen. Am Wochenende gibt es dann den Ausflug. Entspricht man nicht diesem Modell, weil man vielleicht nachts arbeiten muss oder ein versetztes Wochenende hat, kann Zeit ganz schön lang werden und an Wert verlieren – man kann sie nämlich nicht mit Menschen teilen, die man gerne um sich hätte.

Konstanze Klein, Leser_In

Es gibt Lebensphasen, da hat Zeit einen ganz besonderen Wert, aber nicht jede Zeit, nicht der ganze Tag. Es gibt vielmehr die Sehnsucht nach einer bestimmten Art von Zeit. Sie heißt „Zeit für mich“. Sie ist dann besonders rar, wenn man arbeitet, kleine Kinder hat und vielleicht auch noch die Eltern pflegen muss. Verstärkt wird das besonders, wenn man keinen Partner hat, der gleichberechtigt die Kinder übernimmt. Und wenn man ein Typ ist, der es allen recht machen will. Um dann Zeit für sich zu haben, bräuchte man einen Tag mit 48 Stunden. Aber zum Glück ist es auch nur eine Phase im Leben. Wenn die Kinder größer werden, stellt man fest, dass man jeden Tag wieder mehr Zeit für sich hat. Und diese Zeit hat dann viel mehr Wert, als hätte man all das vorher nicht erlebt.

Susanne Kahlheimer, Leser_In

Ein gewisser Wert ist stets da, aber man denkt oft, man würde ihn nicht immer ausschöpfen. Sonst gäbe es das Wort „Zeitverschwendung“ auch gar nicht. Dieses Wort bedeutet nicht, man würde großzügig und verschwenderisch mit Zeit umgehen, sondern man habe die Zeit nicht sinnvoll genutzt. Aber wann weiß man schon, wann etwas sinnvoll war? Denkt man, es wäre Zeitverschwendung gewesen, wenn man beispielsweise etwas repariert und danach geht es gleich wieder kaputt? Im ersten Augenblick scheint dies sicherlich dem zu entsprechen. Aber ist man wieder in solch einer Situation, hat man schon dazugelernt und dann war es schon wieder keine Zeitverschwendung mehr. Ich glaube, wir wissen oft erst im Nachhinein um den Wert einer Zeit.

Janine Dressten, Leser_In

Der Urlaub steht vor der Tür. Für mich ist dies die schönste Zeit des Jahres. Denn sie hat einen ganz besonderen Wert für mich. Ich genieße diese Zeit sehr, tanke auf für das ganze Jahr und deswegen lasse ich mir diesen Urlaub auch immer etwas kosten. Aber es geht hier nicht ums Geld, sondern darum, dass ich wieder zu mir finde. Ich mache lange Spaziergänge durch hügelige Landschaften, gehe Segeln im glasklaren Wasser und trinke abends am Hafen ein schönes Glas Wein. Dann bin ich nach einer längeren Arbeitsphase endlich wieder ganz bei mir und lerne in dieser Zeit, was wirklich einen Wert im Leben hat.

Maria Senelli, Leser_In

Der Wert ist sehr groß, wenn man Zeit für schöne Aktivitäten nutzt.

Gundi Günther, Leser_In

\"Zeit spielt h e u t e mehr denn je eine große Rolle\" - sagen wir. Aber spielte sie das nicht schon immer! War nicht schon immer Zeit mit einander, mit dem Partner, mit der Familie und den Freunden und Kollegen wichtig? Lassen wir uns nicht allzu gern vereinnahmen, mitreißen? Ich z.B. schwimme gern mit \"im Strom der Schnelligkeit\". Schnell noch ein paar Mails beantworten, obwohl doch gerade damit das eigentlich Persönliche verloren geht. Wir rufen weniger an und sprechen somit weniger mit einander, statt dessen wird alles online erledigt. Dennoch liebe ich diese Art der Kommunikation, denn es ist eine. Sie verbindet uns, zwar anders als in einem persönlichen Gespräch, aber wir bleiben in Verbindung. Und dann kommt der Urlaub und ich versuche es anders zu machen, zu entschleunigen, einfach mal nach anderen Dingen zu schauen, mein Umfeld und die Natur wieder wahrzunehmen und die Online-Botschaften zu ignorieren. Das gelingt nicht gleich am ersten Tag, aber plötzlich nehme ich es wieder wahr, das echte Leben.

Brigitte Korn-Wimmer
, Leser_In

Wer schon jemals einen nahestehenden, sterbenden Menschen bis zum Tod begleitet hat, weiß, was es bedeutet, Zeit zu schenken. Zusammen mit meiner Familie sind wir meiner Mutter 15 Monate lang – von der tödlichen Diagnose bis zum letzten Augenblick – beigestanden. Der Begriff Zeit bekam dabei eine andere Bedeutung. Ich musste zum Beispiel das Tempo in meinem Berufsleben drosseln, da meine Mutter – obwohl früher auch selbstständig – überhaupt kein Verständnis mehr für Zeitmangel, Stress und sonstige arbeitsbedingte Nöte hatte. Früher bedeutete der Tod immer den Tod der anderen, nie meinen eigenen. Nun hatte ich plötzlich auch die Abfolge vor Augen. Nach der Generation meiner Mutter ist meine eigene dran, auch wenn ich nicht weiß wann. Da Sterben genau das Gegenteil von Kontrolle ist, und dabei Verstand, Denken und Vernunft an ihre Grenzen stoßen, sollte man baldmöglichst zulassen, auch der Zeit einen anderen Stellenwert einzuräumen. Als ein Arzt meiner Mutter im Beisein von mir und meiner 21jährigen Tochter eröffnete, es gäbe keine Heilungschancen mehr, dachten wir, wir hätten nur noch sehr wenig Zeit. Dem war aber nicht so. Es folgten 15 lange Monate in denen alles, aber auch wirklich alles besprochen, aufgedeckt, beweint, geplant, gewünscht, erinnert und zum Teil auch aufgearbeitet wurde. Meine Mutter hat alle Leichen aus ihrem Keller gezerrt – das war ihr großes Anliegen, außerdem alles korrekt zu hinterlassen und zu übergeben. Das hat sie in der ihr noch zur Verfügung stehenden Zeit geschafft, auch wenn sie zunehmend weniger zuwege brachte, mehr ruhen musste, sich allmählich vom Leben löste. Letzteres sehr langsam, da sie nicht loslassen konnte, weil sie so sehr daran hing und bis zuletzt mit ihrem Schicksal haderte. Auch ich haderte an vielen Wochenenden – ganz egoistisch – mit ihrer Krankheit, die über die Maßen meine Lebenszeit dominierte. Aber sie hatte Priorität, da gab es nichts aufzuschieben. Irgendwann im Laufe dieser 15 Monate habe ich begriffen, ich kann meiner Mutter nur mehr Zeit schenken. Das wurde und war das Wichtigste. Sterben ist ein Prozess, der gerichtete Ablauf eines Geschehens, darin ist das Temporäre inbegriffen. „Dem Tod geht es auch langsam schnell genug. Du hast plötzlich zu viel und zu wenig Zeit zugleich. Zu wenig, weil du spürst, dein Leben verrinnt. Zu viel, weil du das, was dein Leben ausmachte, nach und nach nicht mehr ausführen kannst.“ (Roland Schulz)
Wir haben uns die Zeit bis zum letzten Augenblick genommen und somit den traurigen Prozess würdevoll zu Ende gebracht. Ich habe nichts anderes getan, als meiner Mutter kleine, winzige Stückchen Zeit zu schenken – Zeit, die ich nie vergessen werde.

Albert Butz, Leser_In

Nach buddhistischer Sicht ist unser Umgang mit der Zeit unangemessen. Unser Geist ist nicht im Stande Zeitlosigkeit zu erfassen. Wir führen ein Leben in Raum und Zeit, in einer endlichen, vergänglichen und materiellen Welt. Gleichzeitig sind wir aber in einer Welt zu Hause, die unendlich, ewig und gestaltlos ist. • Keine Zeit zu haben oder Zeit sparen zu wollen ist Unsinn, denn Einsteins Relativitätstheorie hat bewiesen, dass Raum und Zeit eine Einheit bilden. • Anstatt Zeit sparen zu wollen sollten wir uns also auf die Gegenwart konzentrieren und aufmerksam im HIER und JETZT agieren. • Unser Zentralnervensystem kann nur innerhalb bestimmter Grenzen Informationen verarbeiten, es kann höchstens 7 Einheiten davon gleichzeitig verarbeiten und dies innerhalb von 1/18 Sekunden voneinander unterscheiden. • Aufmerksamkeit kann die soeben beschriebenen Informations-aufnahmegrenzen nicht überschreiten. Die Aufmerksamkeit bestimmt, was im Bewusstsein geschieht oder nicht und so erschaffen wir unser Selbst. • Wenn wir das Gefühl haben, dass die eigenen Fähigkeiten ausreichen, eine gegebene Herausforderung zu bewältigen, dann sind wir im „FLOW“ • Im „Flow“ - Zustand haben wir unsere psychische Energie unter Kontrolle, d.h. alles was wir tun trägt zu unserem Bewusstsein bei. • In diesem Zustand vergessen wir die Zeit und unser Selbst reift. Diesen Glückszustand hat jeder schon erlebt.

Uli, Leser_In

langsam angehen lassen - wenn möglich beim Aufstehen.

Astrid Illers, Leser_In

„Gott schuf die Zeit, von Eile hat er nichts gesagt“, so steht es am Bahnhofsgebäude von Wangerooge geschrieben. In dem Moment, wo ich das Fährschiff zur Insel betrete, fängt die Zeit langsamer an zu laufen. Gleichzeitig schärfen sich meine im Alltag oft überladenen Sinne wieder: das Rollen der Koffer auf dem alten Ziegelpflaster auf dem Weg vom Bahnhof zur Ferienwohnung wird für mich plötzlich zu einem der schönsten Geräusche der Welt. Der erste Blick aufs Meer bei Café Pudding ist wie die Begegnung mit einer lange vermissten Freundin: vertraut und doch überraschend. Die Stranduhr, deren Zeiger so eng zusammenlaufen, dass man die Uhrzeit in etwa schätzen muss, hat auch noch niemand durch eine Digitaluhr ersetzt. Alles ist wie immer und das ist gut so. Ein Morgenspaziergang zum Westturm: ich rieche den durch die Sonnenwärme verdichteten Duft von Heckenrosen, Holunderblüten, den Heidesand. Ich lebe in diesen Ferien ohne Uhr unbeschwert in den Tag hinein und habe keine schwierigeren Entscheidungen zu treffen als: gehe ich zur Strandgymnastik oder bleibe ich träge im Strandkorb? Und diese Trägheit, zuhause mit schlechtem Gewissen verbunden, weil es da doch immer irgendwie eine To Do Liste gibt, fühlt sich hier auf der Insel plötzlich richtig an. Wangerooge: für mich der Inbegriff von wundervoller Langsamkeit.

Matthias Haninger, Leser_In

Ein Sonntag zuhause, auf dem Balkon, dem Sofa, im Bett, in der Küche, in der Badewanne und im Radio die Staumeldungen hören. Das fühlt sich an wie der König von Deutschland zu sein.

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Wo zählt noch Qualität?

In Zeiten von Preisvergleichen und Billigprodukten scheint kein Platz mehr für Wertarbeit. Sagen Sie uns, wo es sich auch heute noch lohnt, auf Qualität zu achten.

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Kathrin Krause, Leser_In

Bei Textilien zählt Qualität. Ein „Einweg“-T-Shirt, das nach dem Waschen Form und Farbe verliert, zeugt sichtbar nicht von Qualität. Doch Qualität geht über langlebiges Material oder schönes Design hinaus. Es gibt weitere Kriterien, die für Verbraucher zählen – aber im Produkt versteckt sind. Dazu zählen Standards für den Arbeitnehmerschutz, existenzsichernde Löhne oder auch die Vermeidung von Chemikalien und umweltschädlichen Produktionsmethoden bei Anbau und Färbung. Doch wie lassen sich diese Qualitätsmerkmale am Produkt kenntlich machen? Auch für Verbraucherschützer ist es nicht einfach, Hilfestellung beim Kleidungskauf zu geben. Die wenigen glaubwürdigen Siegel im Textilbereich sind im Siegeldschungel nur schwer auszumachen – der Markt an Siegeln ist übersättigt. Der Grund dafür: Die Begriffe „nachhaltig“, „ökologisch“ und „fair produziert“ sind weder einheitlich definiert, noch rechtlich geschützt. Einige Auslobungen sind schlicht beschönigend und rein werblich motiviertes Green Washing. Deshalb braucht es klare und verbindliche staatliche Kriterien dafür, was unter sozial und ökologisch verantwortungsvoller Produktion zu verstehen ist. Nur eine glaubwürdige Kennzeichnung am Kleidungsstück bietet Verbrauchern, aber auch Herstellern, Orientierung. Das Ziel muss ein Wettbewerb um nachhaltige Produktqualität sein und nicht um den niedrigsten Preis auf Kosten von Mensch und Umwelt. Denn Qualität zählt.

Reinhard Kolke, Leser_In

Bei uns im Technikzentrum Landsberg untersuchen wir unabhängig und objektiv Produkte, Dienstleistungen und Infrastruktur für mobile Menschen. Qualität ist dabei essenziell. Denn Ziel ist es, Verbraucher zu informieren, deren Interessen zu vertreten und Verbesserungen zu erreichen. Um dies auf immer hohem Standard tun zu können, entspricht unsere Testumgebung den fortschrittlichen technischen Ansprüchen. Crashtest-Anlage und Abgaslabor sind auf neuestem technischen Stand, um Verbraucherschutztests durchzuführen. Mit unseren Tests von Kindersitzen, Fahrerassistenzsystemen, Crashtests ganz allgemein, aber auch mit den Tests von Trekkingrädern und E-Bikes und mit schonungslosen Verbrauchs- und Abgastests leisten wir einen Beitrag zu mehr Verkehrssicherheit und Umweltfreundlichkeit. Unsere Erkenntnisse haben in vielen Bereichen zu besseren gesetzlichen Mindestanforderungen geführt, wie etwa beim Kindersitz-Seitenaufprallschutz. Und bei unserem Eco-Test werden Pkw realitätsnäher geprüft, als Hersteller und staatliche Institutionen dies tun – neuerdings auch mit mobiler Messtechnik bei realen Straßenfahrten.

Rolf Henke, Leser_In

Qualitätsunterschiede bei Fleisch zu definieren ist eine große Aufgabe. Was beeinflusst unser subjektives Geschmacks- und damit Qualitätsempfinden? Aussehen, Textur und Geruch des Fleisches haben immer schon eine große Rolle bei der Kaufentscheidung gespielt. Durch die vielen Lebensmittelskandale wurde das Interesse an der Herkunft des Fleisches für die breite Öffentlichkeit wichtig. Der direkte Zusammenhang zwischen der Haltung der Tiere und der Qualität des Fleisches wurde erkannt. Für mich zählt dazu das Wissen um den Umgang zwischen Mensch und Tier auf den Betrieben ebenso wie die Wertschätzung der Lebewesen und der Landschaft um uns herum. Nehmen wir meine Region als Beispiel: Im Unseco-Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin wurde eine besonders große Vielfalt an Pflanzen und Tieren nachgewiesen, die auf der Roten Liste gefährdeter Arten stehen. Dies ist ein Indikator dafür, wie gut es um die Landschaft und die Böden hier steht, was sich auch in der Qualität des Fleisches spiegelt. Schon länger können wir an unseren Kunden einen gesellschaftlichen Wandel beobachten. Es geht längst nicht mehr darum, täglich irgendwelches Fleisch zu essen, sondern sich und seiner Umwelt bewusst etwas Gutes zu tun. Die Bereitschaft, den entsprechenden Preis dafür zu zahlen, wächst zunehmend. Kennt man den Hintergrund des Fleisches, kann dessen Qualität auf eine ganz neue Art wertgeschätzt werden und zu einem wahren Glücksgefühl beim Essen führen.

Karlheinz Brandenburg, Leser_In

Bei Misstönen hört der Spaß auf: Auf wenige Dinge können Menschen so ungehalten reagieren wie auf falsche Töne, Nebengeräusche oder ganz allgemein schlechte Tonqualität. Dabei hat sich seit den Zeiten Edisons sehr viel getan: Heutige Systeme – ob die Akustik moderner Konzerthallen, die Lautsprecherwiedergabe zu Hause und im Konzert oder das mp3-Format – geben Töne viel akkurater wieder, als es je zuvor möglich war. Es gibt hier ein Paradoxon: Manche Hörer sind nie zufrieden. Psychologische Effekte bestimmen unsere Einschätzung von Tonqualität mehr als objektive Parameter. Wobei: Wir haben in den letzten Jahrzehnten gelernt, dass technische Messwerte nicht viel über tatsächliche Tonqualität aussagen. Deshalb sind heute bei der Entwicklung neuer Verfahren der Audiotechnik viele gut trainierte, zum Teil professionelle Testhörer – zum Beispiel Tonmeister – beteiligt. Sie helfen dabei, eine objektiv festgestellte Tonqualität zu erreichen. Wenn die Liebhaber schöner Musik wieder die gute alte Langspielplatte präferieren, dann hat das mit Erwartungen und Vorlieben zu tun, aber aus technischer Sicht nicht mit Tonqualität. Im Bereich der Videotechnik gibt es ähnliche Testmethoden, allerdings sind wir da – außer im Kino – noch weiter weg von der perfekten, also von der von einer Referenz nicht unterscheidbaren technischen Qualität der Wiedergabe. Wobei: An der perfekten räumlichen Klangwiedergabe arbeiten wir schon.

Thomas Albrecht, Leser_In

Im Ausland ist das deutsche Bauwesen der Inbegriff von Qualität – Brandschutz, Parksysteme, Dichtungen, Möbelbau, Beschläge, Elektrik. Auch in puncto Städtebau stehen wir gut da. Die Bereitstellung von Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern, Abwassersystemen, Straßen – das alles ist nirgendwo auch nur annähernd so gut geregelt, auch wenn wir Deutsche stets nörgeln. Aber: Eine bewusste Schönheit eines Stadtbildes zu erzeugen, das können wir nicht. Da ist es uns wichtiger, dass jeder Bauherr seine „persönliche Freiheit“ behält. Deswegen stehen dunkelgraue Häuser neben roten, wechseln sich Spiegelfassaden mit Klinkerhäusern ab. Nur: Im Urlaub fahren wir dann alle nach Paris und bewundern die Schönheit dieser Stadt, die eben auf einer geplanten Einheitlichkeit beruht. Wie in Venedig und Sankt Petersburg auch. Potsdam hatte ein geradezu sprichwörtlich schönes Stadtzentrum, was erst durch den Krieg, dann durch die Kommunisten bewusst zerstört wurde. Ab 2000 setzte man sich überparteilich, klug und präzise denkend zusammen. Ein Bebauungsplan kam heraus, der jetzt Früchte trägt: Neben dem wiederaufgebauten Schloss, dem heutigen brandenburgischen Landtag, und der Kirche von Schinkel stehen moderne Wohn- und Geschäftshäuser, aber auch perfekt rekonstruierte barocke Fassaden – das Palais Barberini, dass das Museum Hasso Plattner beherbergt, ist eines davon. Jetzt kommen alle, freuen sich und fragen: Warum gibt es diese Qualität nicht auch woanders?

Roland Tichy, Leser_In

Mit „Made in Germany“ werden hochpreisige, aber hochwertige Güter assoziiert. Dabei wurde die Kennzeichnung einst in Großbritannien eingeführt, um die Briten darauf hinzuweisen, dass sie importierte Billigware in den Händen halten. Doch das Stigma entwickelte sich zum Gütesiegel. Um sich einen guten Ruf zu erarbeiten, ist Sorgfalt auf jeder Produktionsstufe Pflicht: von der Idee über Design, Materialbeschaffung, Produktion und Verkauf bis hin zum Service. Schlampereien entwerten das Gütesiegel „Made in Germany“ und lassen Kunden zur Konkurrenz abwandern. Der Markt ist unbestechlich. Doch was ist heute noch „Made in Germany“? Kaum etwas wird in einem einzigen Land hergestellt. Design, Zulieferungen und Weiterverarbeitung in verschiedenen Ländern sind das Wesen internationaler Arbeitsteilung. „Made in Germany“ steht für Design und Qualitätskontrolle in deutscher Verantwortung. Zunehmend werden auch soziale und ökologische Bedingungen für kritische Konsumenten entscheidend – ein Siegel wie „Made in Germany“ steht für Gesamtverantwortung. Dabei ist es in der globalisierten Welt weniger relevant, wo ein Produkt hergestellt wird. Entscheidend ist das glaubwürdige, umfassende Qualitätsversprechen. Im Wettbewerb gilt: Wer sich auf Erreichtem ausruht, fällt zurück. „Made in Germany“ bedeutet im Zeitalter von Globalisierung und Digitalisierung vor allem Anpassungsfähigkeit an sich wandelnde Bedingungen und kritische Konsumenten weltweit.

Andreas Westerfellhaus, Leser_In

Die eigene, tägliche Pflege wird uns oft erst bewusst, wenn sie krankheitsbedingt nicht mehr wie gewohnt funktioniert. Dann übernehmen Angehörige oder professionell Pflegende die Versorgung und wollen diese mit der bestmöglichen Qualität erbringen. Allerdings hängt die Qualität der Pflege professionell Pflegender von vielen Faktoren ab, allem voran von der Personalausstattung im Krankenhaus oder in stationären Pflegeeinrichtungen. Seit Jahren herrscht hier vielerorts ein eklatanter Mangel, der weiter zunimmt. So ist eine Pflegefachperson im Nachtdienst mit bis zu 50 zu versorgenden Personen allein. Und das bei zunehmenden Zahlen von an Demenz erkrankten Menschen, die viel Zuwendung und Betreuung brauchen. Es geht aber nicht nur um eine ausreichende Anzahl von Pflegefachpersonen, sondern auch um ihre Qualifikation: Wenn Chirurgen komplizierte Operationen planen, stehen mancherorts keine entsprechend qualifizierten Pflegefachpersonen zur Verfügung, die die Versorgung nach der Operation übernehmen können. Ohne dieses Pflegepersonal ist der Erfolg einer solchen Operation gefährdet und die Patientensicherheit in Frage gestellt. Jüngst hat der Bundestag das Pflegeberufereformgesetz verabschiedet, das eine generalistische Pflegeausbildung ermöglicht. Mit dieser Ausbildungsreform wird die Pflege auf die zukünftigen Herausforderungen mit den erforderlichen Kompetenzen vorbereitet.

Tanja Angstenberger, Leser_In

Meiner Meinung steigt die Wertschätzung für Lebensmittel. Und die sollte bei jedem Handwerksbäcker auch im Vordergrund stehen. Für mich beginnt Qualität bei den Zutaten, die ich verarbeite. Weizen- und Roggenmehl beziehe ich von unserer Heimatmühle, die Sahne stammt von einem Hofgut in unserer Nähe und auch die Eier bekomme ich von einem Bauernhof, dessen Besitzer ich persönlich kenne. Das Fachwissen um die Teigherstellung und -verarbeitung ist es, was uns von Backshops und Discountern unterscheidet. In meinen Produkten stecken Liebe, Kreativität, Sorgfalt und vor allem viel Zeit. Denn gutes Brot braucht Zeit, um ein charaktervolles Aromaprofil zu entfalten. Wenn meine Kunden zu mir kommen, weil sie auf diesen Unterschied Wert legen, macht es mich stolz und bestätigt mich darin, gute Qualität zu liefern. Außerdem macht es mir Spaß,