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Wie altert man in Würde?

Wir leben in einer Gesellschaft, die notwendige Vorkehrungen fürs Alter gerne beiseiteschiebt. Teilen Sie uns mit, wie sich ein Übermorgen voller Lebensfreude sichern.

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Frank Schulz-Nieswandt, Professor für Sozialpolitik und Methoden der qualitativen Sozialforschung, Universität Köln

Integrierte Lebensräume

Altert man in Würde in einem Pflegeheim? Ja, wenn sich Pflegeheime in ihrer Kultur des Wohnens weiterhin wandeln zu Orten der Selbstbestimmung und Teilhabe am sozialen Leben. Auch in privater Häuslichkeit kann der alt werdende Mensch isoliert sein, vereinsamen und verwahrlosen, verzweifeln, an der Aufgabe, die Endlichkeit des Lebens anzunehmen, scheitern. In allen Wohnformen geht es um eine zentrale Frage: Bietet die dortige Umwelt, in die der Mensch gestellt ist, eine anregende, aktivierende Atmosphäre, die Möglichkeiten bietet, dass der Mensch weiter in seiner Persönlichkeit wächst und sein Werden bis weit ins hohe Alter hinein nicht gehemmt wird. Er soll am Leben teilhaben und sein eigenes Selbst-Sein im sozialen Miteinander erleben können. Er muss allerdings auch zu dieser anregenden Umwelt hin offen sein. Das ist sein eigener Beitrag zum Gelingen des würdevollen Alterns. Aber die soziale Umwelt ist ebenso gefordert: Heime können so eine Kultur der Teilhabe in ihrem Innenraum als Erlebnisraum sein. Sie müssen aber auch geöffnet sein zur Außenwelt der Heimanlage, offen hin zum Quartier in der Stadt, zum Dorf hin, die Begegnung mit dem Leben im umgebenden Sozialraum möglich machen. Gelingt diese Beziehung zwischen Mensch und Umwelt nicht, bleibt der alte Mensch abgedrängt, ausgegrenzt und erleidet, bereits einen sozialen Tod, bevor er biologisch stirbt. Er ist bedeutungslos geworden. Aber es geht auch anders.

Walter Hömberg, Leser

Neue Möglichkeiten

Der Eintritt in den sogenannten Ruhestand ist ein großer Einschnitt. Die längste Phase im Leben war bestimmt vom Beruf – und diese ist jetzt offiziell abgeschlossen. Wenn man gesund ist und noch voller Energie, dann bedeutet die Verabschiedung in den Ruhestand nicht selten auch eine narzisstische Kränkung. Wie geht man damit um? Hier lassen sich drei Typen beobachten: Der erste Typ ist der „Weitermacher“. Ein Onkel von mir, ein bedeutender Archäologe, ging auch jenseits der 80 noch jeden Tag in „sein“ Institut. Er hielt Vorträge und schrieb Aufsätze über sein Fachgebiet – als wenn sich nichts geändert hätte. Der zweite Typ ist der „Anknüpfer“. Er knüpft an seine Erkenntnisse und Erfahrungen an, freut sich aber, dass er jetzt all die Pflichtübungen auf dem Eis der beruflichen Routinen nicht mehr laufen muss, sondern sich ganz der Kür widmen kann. Der dritte Typ ist der „Neubeginner“. Er beginnt vielleicht ein Liebhaberstudium in einem Orchideenfach. Oder er schultert den Rucksack und geht endlich auf die lange verschobene Weltreise. Ich versuche, Typ 2 und Typ 3 miteinander zu verbinden – anzuknüpfen an alte Erkenntnisse und Einsichten und sie zu ergänzen durch neue Erfahrungen und Exkursionen in unbekanntes Land. Die Lebensfreude ist dabei wichtiger als die Würde.

Monika Fischer, Leserin

Viele verstärken im Alter ihre Eigenheiten. Wollen wir ihnen die Würde lassen, müssen wir eins werden: toleranter.

Simone Rethel-Heesters, Schauspielerin, Buchautorin und Witwe von Johannes Heesters

Kein Selbstläufer

Kürzlich stellte mir eine Journalistin etwas provozierend die Frage: „Gibt es überhaupt ein Altern in Würde?“ Sie weiß, das ist mein Thema, da bin ich wie elektrisiert. „Ja, das gibt es!“, habe ich geantwortet. Aber wir alle müssen endlich etwas dafür tun. Schon seit Jahren kämpfe ich dagegen an, dass der Mensch sich im Alter zur Ruhe setzen muss. Ich bin der festen Überzeugung, dass dieser vielgelobte Ruhestand zum Abbau des Körpers und des Geistes führt. Alter ist kein Horrorszenario, das nur mit Krankheit und Gebrechlichkeit gleichgesetzt werden kann, aber es ist auch kein Selbstläufer. Richtige Ernährung und Aktivitäten jeglicher Art sind Voraussetzungen für ein langes und gesundes Leben. In meinen Augen ist der Schlüssel für gesundes Altern ohnehin die Arbeit. Deshalb bin ich für die Abschaffung der Altersgrenzen. Ich protestiere dagegen, dass Menschen, die nicht in den Ruhestand treten wollen, nachgesagt wird, sie könnten nicht loslassen. Ich bin dafür, dass jeder Einzelne selbst entscheiden kann, wie lange er arbeiten möchte. Ich bin dafür, dass niemand mehr verpflichtet wird, sich mit 65 aus dem (Berufs-)Leben zurückzuziehen. Ich bin dafür, dass niemand mehr die Worte hören muss: „Du bist zu alt, du musst gehen.“ Ich hoffe, dass einmal die Zeit kommt, in der man selbst entscheiden kann, ob und wann man für etwas zu alt ist. Doch hoffen allein reicht nicht. Solche Veränderungen müssen von der ganzen Gesellschaft getragen werden.

Susanne Tyll, Leserin

Lebenslang lebenswert

Die meisten – nicht nur ältere – Menschen wollen in ihrer vertrauten Umgebung wohnen bleiben. Wohnumfelder sollten so gestaltet sein, dass sie diesem Bedürfnis entsprechen. Weniger Barrieren bedeuten höheren Komfort für alle. Ältere Menschen bewegen sich viel zu Fuß, mit Fahrrad oder Gehhilfen. Das direkte Wohnumfeld gewinnt mit steigendem Alter an Bedeutung. Der Bewegungsradius wird häufig kleinräumiger. Viele ältere Menschen mit und ohne Mobilitätseinschränkungen tun sich mit Barrieren schwer. Die Wohnumgebung ist mitentscheidend für alltägliche Routinen: Rituale, Kontaktaufnahme, allgemeine Versorgung, Sicherheitsgefühl, Bewegungsmöglichkeiten und somit Gesundheitsprävention, Selbstbestimmtheit und Selbstständigkeit. Alle Quartiere sind unterschiedlich. Die Bedürfnisse der jeweiligen Menschen sind verschieden, deren Beteiligung unabdingbar. Wünschenswert wäre ein flächendeckendes Angebot von professionellen Wohnberatungsstellen mit kostenlosem und unabhängigem Beratungsangebot zu allen Fragen des Wohnens – präventiv und bei Mobilitätseinschränkungen. Das beschleunigt und unterstützt die Anpassung der vorhandenen Wohnungsbestände und Quartiere an die individuellen Bedürfnisse. Ziel einer solchen Quartiersentwicklung ist auch, möglichst allen Menschen den Verbleib in ihrer vertrauten Wohnung dauerhaft zu ermöglichen oder zumindest individuellen „Ersatz“, zum Beispiel Wohngemeinschaften in der Nachbarschaft, anzubieten.

Karin Unkrig, Leserin

Gute Vorsätze

Was ich mir für das Alter vorgenommen habe? Nicht über Neues schimpfen, die „gute alte Zeit“ ruhen lassen. Die Dinge nehmen ihren Lauf. Wer weiß, vielleicht rückt Besseres nach? Nicht über Zipperlein klagen, es macht sie weder kleiner noch erträglicher. Junge Leute interessieren sich nicht dafür, ältere Semester kämpfen selber damit. Nicht Verlorenem nachtrauern, sondern etwas anbieten: Du hast zu viel Zeit, deine Kinder meist zu wenig. Nicht in Sack und Asche gehen, in Popelinejacken und Beigegrau. Chic und Charme verblassen von allein, ehe du dich versiehst. Nicht unablässig vergleichen, mit Blick auf den eigenen Vorteil. Einer scheidet immer aus, am Ende bist du es selbst. Nicht an Materiellem festhalten, du kannst es nicht hinüberretten in die „andere Welt“. Aber krachend verlieren unterwegs.

Matthias Haninger, Leser

Nutze deine Zeit

Wie definiere ich altern? Verhaltensweisen, Aussehen oder Lebensstile sind dafür nicht mehr geeignet, weil die Grenzen zwischen den Generationen heutzutage zu fließend sind. Aber wenn ich merke, ich bin körperlich oder mental nicht mehr in der Lage, etwas zu tun, obwohl ich es möchte, hängt es mit dem Alter zusammen. Der Verzicht hierauf ohne Reue, das Bewusstsein zu haben, dass Fähigkeiten endlich sind, und damit Dinge jetzt zu tun, bevor es zu spät ist, bedeutet in Würde altern. Es ist vorwiegend eine Einstellung.

Herbert Kubicek, Wissenschaftlicher Direktor Stiftung Digitale Chancen

Angemessen digital

Digitalisierung gilt Wirtschaft und Politik als Schlüssel zum Fortschritt. Doch vielen älteren Menschen macht sie Angst. Die vertrauten analogen Wege der Teilhabe am wirtschaftlichen und sozialen Leben werden reduziert. Die digitalen Alternativen für Bankgeschäfte, Arzneimittelkauf oder Arztbesuche wollen oder können viele nicht wahrnehmen. In der Altersgruppe 70 plus waren circa zehn Millionen Menschen noch nie im Internet. Die offizielle Antwort lautet: Förderung digitaler Kompetenzen. Bisher gibt es jedoch kaum altersgerechte Angebote. Eine Studie der Stiftung Digitale Chancen und Telefonica hat zudem gezeigt, dass sich viele Unsichere die Nutzung nur zutrauen, wenn sie auf Hilfe durch Sprechstunden zurückgreifen können. In Würde alt werden können muss aber auch die zunehmende Zahl älterer Menschen im vierten Alter, wenn die körperlichen und geistigen Kräfte nachlassen. Einer 90-jährigen gehbehinderten Dame kann man nicht ernsthaft einen Internetkurs zumuten. Hier stehen diejenigen, die analoge Angebote ausdünnen, in der Verantwortung, angemessene analoge Alternativen zu schaffen, das heißt konkret, eine persönliche Assistenz anzubieten, die Dinge, die nur noch online gehen, für diejenigen erledigt, die das selbst nicht mehr können. Wann ein solcher Anspruch gewährt und wie er umgesetzt wird, ist ein Prüfstein für eine responsive Digitalisierungspolitik, die dem demographischen Wandel gerecht wird.

Dagmar König, Mitglied des Bundesvorstands, Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di)

Die Rente muss reichen

Wer sein Leben lang gearbeitet hat, soll sicher sein können, dass die Rente im Alter reicht. Leider ist das häufig nicht der Fall. Betroffen sind vor allem Menschen in Niedriglohnberufen oder in Teilzeit, die krank und erwerbsgemindert sind oder Brüche in ihrer Erwerbsbiografie haben. Ihnen hilft zumeist nicht das von der Politik favorisierte Drei-Säulen-Modell aus gesetzlicher Rente, Betriebsrente und privater Vorsorge. Auch die Anerkennung von Erziehung- und Pflegeleistungen trägt nur teilweise zur Entlastung bei. Stattdessen wächst der Anteil von Rentenbeziehenden, denen zusätzliche staatliche Transferleistungen wie Wohngeld oder Grundsicherung zustehen. Viele nehmen diese aus Unkenntnis oder Scham aber nicht in Anspruch. Eigentlich sollte sich die Lebensleistung eines Menschen auch in der Rente widerspiegeln und im Alter ein Leben in Würde ermöglichen. Genau dafür setzt sich ver.di unter dem Motto „Die Rente muss reichen“ ein: Wir brauchen gute Löhne, damit mehr Geld in die Rentenkasse fließt und etwas für private Vorsorge übrigbleibt. Wir wollen, dass mehr Beschäftigte eine betriebliche Altersversorgung erhalten. Wir brauchen ein stabiles Rentenniveau nicht unter 48 Prozent, um Altersarmut entgegenzuwirken. Und kleine Renten müssen angehoben werden, um von staatlichen Transferleistungen unabhängig zu werden. Erst wenn möglichst viele dieser Forderungen umgesetzt sind, können wir in Ruhe in den Ruhestand gehen.

Thomas Evers, Professor für Pflegewissenschaft und Vizepräsident, Hochschule für Gesundheit Bochum

Teilhabe ermöglichen

Möglichst alt werden wollen viele Menschen, alt sein jedoch deutlich weniger. Diese Erfahrungen machen Studierende unserer Hochschule regelmäßig bei Befragungen von Bürgerinnen und Bürgern. Die Sorge vor dem Altsein wird dabei immer wieder mit Aspekten wie Verlusterfahrungen, Pflegebedürftigkeit oder dem Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden, in Verbindung gebracht. Ältere Menschen hingegen bewerten – wie Studien zeigen – ihre Lebenssituation zumindest bis zum 85. Lebensjahr deutlich besser. Sie ziehen in der Mehrheit eine vorwiegend positive Gesundheitsbilanz, fühlen sich im Durchschnitt erkennbar jünger als ihr tatsächliches Lebensalter und zeichnen sich insgesamt durch ein positives Lebensgefühl aus. Diese Einschätzungen sind dabei wesentlich von den Möglichkeiten abhängig, trotz vorhandener altersbedingter Einschränkungen am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können. Um in Würde altern zu können, bedarf es folglich einer intensiveren und vor allem bewussteren Auseinandersetzung mit den Einschätzungen der älteren Menschen. Wenn es dabei gelingt, den Blick weg von möglichen Defiziten hin zu den vorhandenen individuellen Ressourcen, die eine Teilhabe und Mitgestaltung des gesellschaftlichen Lebens ermöglichen, zu lenken, wäre allen geholfen – dem älteren Menschen, aber auch der restlichen Gesellschaft, die so vielleicht weniger sorgenreich auf die letzte Lebensphase blicken könnte.

Anton Günther Krabbenhöft, Model

A wie aktiv

Im Gespräch mit Freunden stelle ich fest, dass sich auch bei ihnen im Alter das fortsetzt, wofür sie brannten und was sie durchs Leben begleitete – auch wenn ihr Weg Abzweigungen bot. Bei mir verbindet sich dies mit einer Neugierde auf Neues, Unbekanntes. So machte mir Tanzen immer Spaß. Dass ich aber nun meine Leidenschaft für Techno und das Berliner Clubleben entdeckt habe, hätte ich mir früher nicht träumen lassen. Das ist sicherlich nicht „alterstypisch“, aber genau dieses Schubladendenken sollte jeder hinterfragen. Warum nicht einfach das tun, worauf man Lust hat, und schauen, ob es einem gut tut? Am wichtigsten finde ich, dass man sich nicht selbst aufgibt, weder innerlich noch äußerlich. Ich achte auf meine Kleidung, meinen Stil und schaue mit Freude in den Spiegel. Die meisten Komplimente bekomme ich dafür sogar von jüngeren Menschen, die ich in den Clubs treffe. Hier verschmelze ich mit den anderen Tänzern. Was sich mit zunehmendem Alter jedoch ändert, ist das, wofür man Verantwortung trägt. Ich habe früher viel gearbeitet und mich auch gerne um meine Familie gekümmert. Aber jetzt habe ich die Verantwortung für mich selbst. Ich lebe kein passives Leben, sondern schöpfe Energien aus dem, was mir Spaß macht: Wild und ungestüm sein, auch, weil das Leben immer auf dünnem Eis stattfindet. Deswegen will ich mein Leben auch weder im Gestern noch im Morgen verlieren – sondern ganz bewusst im Moment leben.

Biosse Kioffi, Leser aus Togo

Gute Vorbilder

In diesem Leben hängt es meiner Meinung nach davon ab, in wessen Fußstapfen du getreten bist. Würde ist ein wundervoller Wert, der Selbstrespekt, Ehre, Demut, Rechtfertigung und Engagement fordert. Würde erlangen Personen oftmals erst dann, wenn sie eine höhere Geistesstufe erlangen und einen gewissen Erfahrungshorizont erreicht haben. Solche Personen überlegen erst, bevor sie handeln und bewahren, egal ob reich oder arm, fortwährend ihre Persönlichkeit. Ihr Motto lautet: Charakter ist mehr wert als Geld. Ich kann sagen, wer auch immer seine eigene Würde kennenlernen möchte, sollte sich in die Fußstapfen deren begeben, die das wahrhaftig Würdige zu ihrer Domäne gemacht haben.

Teresa Larrain, Leserin aus Santiago de Chile

Selbsterfahrung

Würde ist subjektiv und abhängig von jeder Person, sie folgt unterschiedlichen Bedeutungen, gepaart mit dem zugehörigen Glauben der Person. Für mich liegt Würde in der Verbindung aus Ehre und der eigenen Wertstellung. Sie spiegelt sich in meinen Handlungen wider. Wenn ich mich respektiere, dann lebe ich in Würde. Um mit Würde altern zu können, ist es notwendig für mich, ein Gefühl dafür zu entwickeln, woher ich komme. Das heißt auch, ich war nicht überall richtig, jedoch habe ich daraus gelernt. Bei jeder Entscheidung, die ich tätige, und jeder Handlung, die darauf folgt, versuche ich daran zu denken, an was ich glaube und welche Person ich sein möchte. Ich probiere, stets meiner Linie treu zu bleiben. Natürlich bleibe ich neuen Gedanken gegenüber immer offen. Ich versuche, meinen Wörtern Ehre zu schenken. Die Erfahrungen der letzten Jahre brachten mir sehr viel neues Wissen über mich und im Umkehrschluss sehr viel Selbstrespekt. Ich reise seit drei Jahren durch die Welt. Ich bin mir jetzt mehr bewusst, was meine Entscheidungen angeht als früher.

Volker Siehr, Leser

Teil der Gesellschaft

Würde ist ein großes Wort. Aber vielleicht kommt man dem würdevollen Altern am nächsten, indem man versucht, ähnlich bewusst und verantwortungsvoll zu leben wie vorher – auch wenn sich möglicherweise die Schwerpunkte etwas verschieben – nicht so viel an sich zu denken, sondern für andere, egal ob in der Familie oder in der Gesellschaft, da zu sein, die immer kostbarer werdende Zeit bewusst und sinnvoll zu nutzen, sich an den täglichen Dingen und der Natur zu erfreuen, sich durch Sport, Bewegung und ausgewogene Ernährung gesund zu erhalten und, wenn es dann doch soweit kommen sollte, dass Krankheiten das Leben bestimmen, zu versuchen, das Los anzunehmen und nicht zu erwarten, dass man im Mittelpunkt steht.

Helmut Muthers, Landesgeschäftsführer NRW, Bundesverband Initiative 50plus e.V.

Scheuklappen runter

Auch ältere Mitarbeiter erwarten von ihrem Unternehmen Wertschätzung und eine Arbeit, die ihren Fähigkeiten entspricht. Diese Erwartungen können oder wollen viele Arbeitgeber oft nicht bieten. Wenn der Eindruck entsteht, wegen des Alters nicht mehr gebraucht zu werden, fühlen sich Mitarbeiter hilflos. Abfällige Bemerkungen und frühe Gespräche über vorzeitigen Ruhestand tragen dazu bei, Engagement zu zerstören. Es sind der Sarkasmus und altersbestimmte „Angebote“: Wie fühlt sich ein Mensch, wenn ihm ab dem 50. ein Sportprogramm für Betriebssenioren angeboten wird? So werden Mitarbeiter, die sich wie 35 fühlen, zum „Senior“ abgestempelt. Sie werden über Nacht ausgegrenzt – in einem Alter, in dem sie privat als Trainer oder Großeltern gefragt sind. Während sie im Unternehmen aufs Abstellgleis geraten, besteigen sie in der Freizeit den Mount Everest. Lässt die Arbeitsleistung nach, zeigen sich Führungskräfte enttäuscht, obwohl sie selbst die Situation herbeigeführt haben. Das haben ältere Mitarbeiter nicht verdient. Sie haben Jahrzehnte lang geleistet, waren loyal und erfolgreich. Das hat Anerkennung verdient. Übrigens: Es gibt weltweit keine wissenschaftliche Studie, die beweisen würde, dass mit zunehmendem Alter die Produktivität der Mitarbeiter abnimmt. Das Gegenteil ist der Fall. In einer Wissens- und Informationsgesellschaft ist Erfahrung der Schlüsselfaktor für den Erfolg. Und davon haben die älteren Haudegen mehr als genug.

Regina Scholten, Leserin

Gelebte Verantwortung

Wenn ich mit meinen 59 Jahren an das Alter denke, fallen mir zwei Begriffe ein: Respekt und Disziplin. Ich wünsche mir, dass man mit mir im Alter, wenn ich auf andere Hilfe angewiesen bin, respektvoll umgeht. Respekt ist etwas, was ich von klein auf in meinem Elternhaus gelernt habe. Man achtete die Eltern, Lehrer und älteren Personen. Und so haben auch wir unsere Eltern und Schwiegereltern bis zum Tode respektvoll begleitet. Ich kann mein Alter nicht planen, ob in einer WG, im Umfeld von unseren Kindern oder in einem Heim. Aber mit Disziplin versuche ich, mit Sport, gesunder Ernährung und strukturiertem Tagesablauf möglichst lange gesund zu leben, um keinem zur Last zu fallen.

Rainer Hauck, Koordinator des Programms „sicher mobil“, Verkehrsclub Deutschland (VCD)

Sicher mobil

Ruhestand war gestern. Die Generation 60 plus ist aktiv, engagiert und vor allem eins: viel unterwegs. Das ist gut so, denn wer mobil ist, nimmt am öffentlichen Leben teil und pflegt soziale Kontakte. So bleibt man auch im Alter unabhängig und selbstbestimmt. Wie und womit wir uns fortbewegen, hat große Auswirkungen auf Gesundheit, Umwelt und Klima. Für viele ältere Menschen ist der (eigene) Pkw nach wie vor die erste Wahl. Doch fünf Prozent aller Wege, die in Deutschland mit dem Auto zurückgelegt werden, enden bereits nach einem Kilometer – gute Strecken, um etwas Neues auszuprobieren. Wer häufiger zu Fuß, mit dem (E-)Rad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, bleibt länger körperlich und geistig fit und senkt das Risiko von Herzkreislauf- und Demenzerkrankungen. Für alle, die sich unsicher fühlen, gibt es ÖPNV-Trainings der örtlichen Verkehrsbetriebe, geführte Stadtteilspaziergänge oder Rad- und Pedelec-Kurse zum Üben. Bereits das Wohnumfeld muss es allen Menschen erlauben, selbstbestimmt und sicher mobil zu sein. Mehr Sitzbänke, zu Fuß erreichbare Einkaufsmöglichkeiten, mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer – damit jeder gut im eigenen Tempo unterwegs sein kann – sowie ein attraktives Angebot an öffentlichem Nahverkehr halten fit, sind gut fürs Klima und machen Städte für alle Generationen lebenswert.

Alexander Held, Leser

Sozial integriert

Für mich stellt sich viel eher die Frage, wie ich „würdevoll“ in der Zukunft definiere. Was wird in 20, 30 Jahren für mich würdevoll sein? Wie viel brauche ich im Alter noch von dem, was ich im bisherigen Leben angehäuft habe? Sollte ich mich nicht eher von vielem befreien und „mit leichten Gepäck“ in den Endspurt gehen? Wenn ich sehe, wie meine Eltern sich um ihren Besitz gesorgt haben, statt besser von dem zu leben, was sie Zeit ihres Lebens erwirtschaftet haben, stimmt mich das nachdenklich. Derzeit denke ich, ich würde es gern anders machen. Schaffe ich es, den Verlust von Teilen meiner Freunde zu verkraften? Und gelingt es mir, neue Freundschaften zu bilden und mir die Neugierde auf mir unbekannte Menschen zu bewahren? Wo und wie werde ich diese neuen Freunde finden? Bestimmt wird das Leben im Alter entschieden besser sein, wenn man teilen und sich mitteilen kann. Ich lebe derzeit in einem Bauprojekt mit vielen Familien – dieses lebendige und soziale Miteinander würde ich gern behalten. Ich hoffe auf eine stabile Gesundheit, die es mir erlaubt, in Würde und selbstbestimmt zu altern. Denn leider muss ich aus Erfahrung davon ausgehen, dass auch zukünftig die Würde des Alters an der Kante des Krankenbetts enden wird.

Rainer Fassnacht, Leser

Würde ist das Bewusstsein des eigenen Wertes. Daher gibt es hierfür keine gesellschaftliche Lösung, sondern nur ganz individuelle.

Ute Blessing-Kapelke, Leiterin des Fachbereichs „Sport der Generationen“, Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB)

Fit für’s Alter

Klar möchte jeder Mensch im Alter noch selbstständig und agil sein. Sport und Bewegung können dies aktiv befördern, denn Bewegung ist die einzige – wissenschaftlich gesicherte –Möglichkeit, um sich funktionell jünger zu erhalten, als es dem Lebensalter entspricht. Es ist nie zu spät, mit Sport anzufangen. In den mehr als 90.000 Sportvereinen bundesweit kann man seine Ausdauer, Koordination und Kraft trainieren. Körperliche und geistige Fitness hängen eng zusammen. Schwimmen oder Wandern sind zum Beispiel Sportarten, die man bis ins hohe Alter ausüben kann. Darüber hinaus zählt der aktive Lebensstil: lieber die Treppen zu nehmen anstatt des Fahrstuhls, auf das Fahrrad zu steigen oder regelmäßig längere Wege zu gehen. Hat man noch nie oder lange nicht mehr Sport betrieben, eignen sich Angebote im Gesundheitssport. Oft übernehmen die Krankenkassen sogar die Kosten. Ein regelmäßiges Bewegungstraining hilft, Stürze zu verhindern und die alltäglichen Dinge bewerkstelligen zu können. Zudem gibt es den sozialen Aspekt des gemeinsamen Sporttreibens. Sportvereine sind Mehrgenerationentreffpunkte, in denen man neue Kontakte in der Nachbarschaft knüpfen kann. Man trifft sich regelmäßig, wird gemeinsam aktiv und sorgt sich umeinander. Auch die Potenziale der Älteren können hier in ehrenamtlichem Engagement eingebracht werden und werden wertgeschätzt. In Würde zu altern ist für mich, körperlich und geistig in Bewegung zu bleiben.

Uta Böttcher, Vorsitzende Akademischer Verein der Senioren in Deutschland (AVDS)

Wach im Kopf

In meinen Augen beinhaltet ein Leben in Würde stets auch geistige Anregung. Gerade das Alter kann dafür sogar verstärkt Chancen bieten: Endlich hat man die Zeit, sich mit Fachgebieten zu befassen, die einen schon immer interessiert haben. Die Möglichkeiten zur geistigen Auseinandersetzung sind vielfältig, eine davon ist ein Studium für Senioren. Die Teilnahme wird dabei immer unkomplizierter. Rund 55.000 Seniorinnen und Senioren studieren heute an den Hochschulen in Deutschland, bei steigender Tendenz. Neben dem Vollzeitstudium mit Pflichtveranstaltungen und Abschlussprüfung stehen auch das Gasthörerstudium und an einigen Universitäten spezielle Seniorenangebote zur Verfügung. Das Verhältnis zu den jüngeren Studierenden ist mittlerweile entspannt. Man hat sich an die unterschiedlichen Altersgruppen an den Universitäten gewöhnt. Besonders beliebt sind die Fächer Geschichte, Kunstgeschichte, Philosophie, Germanistik und Religionswissenschaften, aber auch Archäologie und Alte Sprachen. Die Seniorinnen und Senioren von heute wollen aktiv sein, mitreden und am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Wird diesem Bedürfnis nachgekommen, sehe ich auch einem Altern in Würde frohen Mutes entgegen.

Holger Pohl, Leser

Vorbereitet

Wir haben unser Haus vor zwölf Jahren so geplant, dass wir durch den Einbau einer einzigen Wand zwei Wohnungen schaffen und die untere barrierefrei für uns im Alter nutzbar ist. Die verbliebene Wohnung ist von der Größe her ausreichend mit freiem Zugang in den Garten. Die obere Wohnung ist für eine Familie groß genug. Wir würden diese im Zweifel vermieten und die Einnahmen für Reisen nutzen, hoffen aber, dass eines unserer Kinder später mal mit seiner Familie dort einziehen wird. Das ist allerdings Zukunftsmusik. Die Kinder sind erst sechs und neun Jahre.

Evi Krickel, Leserin

Mit sehr viel Liebe und Unterstützung durch Freunde und meine Familie.

Daniela Böhm, Leserin

Bei dieser Frage denke ich an meine Uromi. Ich habe sie als sehr lieben Menschen in Erinnerung und alle, die sie bis zu ihrem Tod gepflegt haben, haben sie sehr geschätzt und wollten ihr das geben, was sie vorher von ihr empfangen hatten: Liebe und Würde.

Harald Gruber, Leser_In

Weiterhin an der eigenen Bildung arbeiten

Walter Hömberg, Leser_In

Der Eintritt in den sogenannten Ruhestand ist ein großer Einschnitt. Die längste Phase im Leben war bestimmt vom Beruf – und diese ist jetzt offiziell abgeschlossen. Wenn man gesund ist und noch voller Energie, dann bedeutet die Verabschiedung in den „Ruhestand“ nicht selten auch eine narzisstische Kränkung. Wie geht man damit um? Hier lassen sich drei Typen beobachten: Der erste Typ ist der Weitermacher. Ein Onkel von mir, ein bedeutender Archäologe, ging auch jenseits der Achtzig noch jeden Tag in „sein“ Institut, er hielt Vorträge und schrieb Aufsätze über sein Fachgebiet – als wenn sich nichts geändert hätte. Der zweite Typ ist der Anknüpfer. Er knüpft an seine Erkenntnisse und Erfahrungen an, freut sich aber, dass er jetzt all die Pflicht-Übungen auf dem Eis der beruflichen Routinen nicht mehr laufen muss, sondern sich ganz der Kür widmen kann. Der dritte Typ ist der Neubeginner. Er beginnt vielleicht ein Liebhaberstudium in einem Orchideenfach. Oder er schultert den Rucksack und geht endlich auf die lange verschobene Weltreise. Ich versuche, Typ II und Typ III zu verbinden: anzuknüpfen an alte Erkenntnisse und Einsichten – und sie zu ergänzen durch neue Erfahrungen und durch Exkursionen in unbekanntes Land. Die Lebensfreude ist dabei wichtiger als die „Würde“.

Oliver Breuer, Leser_In

Selbstbestimmt, aber nicht vereinsamt und – so gewünscht – mit Hilfestellungen.

Frank F., Leser_In

ich habe keine Riesterrente ich habe kein Vermögen das man erwähnen könnte und morgen ist ein neuer Tag, übermorgen der nächste, .......

Susanne Tyll, Leser_In

Die meisten – nicht nur älteren - Menschen wollen in ihrer vertrauten Umgebung wohnen bleiben. Viele müssen das auch. Wohnumfelder sollten so gestaltet sein, dass sie diesen Bedürfnissen entsprechen. Weniger Barrieren bedeuten höheren Komfort für alle Menschen. Ältere Menschen bewegen sich viel zu Fuß, mit Fahrrad, Gehhilfen oder Rollator. Das direkte Wohnumfeld gewinnt mit steigendem Alter an Bedeutung. Der Bewegungsradius wird häufig kleinräumiger. Viele ältere, aber auch jüngere Menschen mit und ohne Mobilitätseinschrän-kungen (auch: Kinderwagen, schwere Einkaufstaschen etc.) tun sich mit Barrieren schwer. Die Wohnumgebung ist mit entscheidend für alltägliche Routinen: Rituale, Kontaktaufnahme, allgemeine Versorgung, Sicherheitsgefühl, Bewegungsmöglichkeiten und somit Gesund-heitsprävention, Selbstbestimmtheit und Selbständigkeit. ALLE Quartiere sind unterschiedlich. Die Bedürfnisse der jeweiligen Menschen sind verschieden, de-ren Beteiligung unabdingbar. Wünschenswert wäre ein flächendeckendes Angebot von professionel-len Wohnberatungsstellen mit kostenlosem und unabhängigem Beratungsangebot zu allen Fragen des Wohnens - präventiv und bei Mobilitätseinschränkungen. Das beschleunigt und unterstützt die Anpassung der vorhandenen Wohnungsbestände bzw. Quartiere an die individuellen Bedürfnisse. Ziel einer solchen Quartiersentwicklung ist auch, möglichst allen Menschen den Verbleib in ihrer vertrauten Wohnung dauerhaft zu ermöglichen oder zumindest individuellen „Ersatz“ wie z. B. Wohngemein-schaften in der Nachbarschaft anzubieten.

Alexander Held, Leser_In

Für mich stellt sich viel eher die Frage, wie ich „würdevoll“ in der Zukunft definiere. Was wird in 20, 30 Jahren für mich würdevoll sein? Wieviel brauche ich im Alter noch von dem, was ich im bisherigen Leben angehäuft habe? Sollte ich mich nicht eher von vielem befreien und „mit leichten Gepäck“ in den Endspurt gehen? Wenn ich sehe, wie meine Eltern sich um Ihren Besitz gesorgt haben, statt besser von dem zu leben, was sie Zeit ihres Lebens erwirtschaftet haben, stimmt mich das nachdenklich – derzeit denke ich, ich würde es gern anders machen. Schaffe ich es, den Verlust von Teilen meiner Freunde zu verkraften? Und gelingt es mir, neue Freundschaften zu bilden und mir die Neugierde auf mir unbekannte Menschen zu bewahren? Wo und wie werde ich diese neuen Freunde finden? Bestimmt wird das Leben im Alter entschieden besser sein, wenn man teilen und sich mitteilen kann! Ich lebe derzeit in einem Bauprojekt mit vielen Familien – dieses lebendige und soziale Miteinander würde ich gern behalten. Ich hoffe auf eine stabile Gesundheit, die es mir erlaubt, in Würde und selbstbestimmt zu altern. Denn leider muss ich aus Erfahrung davon ausgehen, dass auch zukünftig die Würde des Alters an der Kante des Krankenbetts enden wird.

Wolf Allihn, Leser_In

Da ich bei dieser Frage sagen darf und muss, dass ich 85 Jahre alt bin, kann ich sie nicht nur theoretisch, sondern aus der gelebten Erfahrung eines ‚Alterns in Würde‘ heraus beantworten. Ich bin rundum gesund und munter, freue mich des Lebens und denke diesen Zustand noch lange beibehalten zu können (kleinere Wehwehchen, wie ich sie auch schon vor 50 Jahren hatte, werden behandelt und müssen hier nicht erwähnt werden). --- Natürlich muss dieser Zustand erarbeitet und ‚verdient‘ sein. Ich zähle kurz auf, was ich dabei für besonders förderlich halte: Das Wichtigste ist, dass man beim Eintritt in den Ruhestand schnell eine Aufgabe findet, die einen ausfüllt – Selbständige haben damit weniger Probleme, da sie einfach ihren Betrieb weiterführen. Arbeitnehmer müssen da herangeführt werden bzw. sich selbst auf diese Aufgabe schon während ihrer Berufstätigkeit vorbereiten. Herumsitzen und auf den nächsten Frühschoppen warten bedeutet Konservierung von Leere. Die zahllosen Möglichkeiten muss ich nicht aufzählen, das Hobby z. B. kann man zum 2. Beruf machen, eine ehrenamtliche oder Sozialhelfer-Tätigkeit kann übernommen werden. Das macht Sinn, kann erfüllend sein und gibt im Erfolgsfall Lebenssinn, und darauf kann der Mensch nicht verzichten. Die Versorgung der Enkel allein wird das nicht leisten können, auch Reisen dienen mehr dem Müßiggang als wirklicher Fortbildung und dem Erreichen von Zielen selbstgestellter Aufgaben. Zur Erhaltung der körperlichen Frische ist Bewegung wichtig, und zwar als sportliches Training. Übliche Gartenarbeit oder Spaziergänge mit dem Hund leisten das meist nicht, da v. a. die Organe (Herz u. Kreislauf!) durch Übung heftig in Gang gebracht werden müssen, damit sie in Form bleiben. Das können alle Sportarten leisten. Herzklopfen und Schwitzen sind die Gradmesser - wo, wie beim Schwimmen, Schweißbildung auf der Haut nicht möglich ist, sollte die Sauna für Ausgleich sorgen. Hinzu kommt: Sport ist schon an sich Lebensfreude. - Meine Situation, das gebe ich zu, war und ist extrem günstig, da ich im Beruf auch Sportlehrer war, und sportliche Bewegung ist bis heute für mich quasi Lebenselixier. Wer solches nicht vorweisen kann, sollte sich im jugendlichen und mittleren Alter darauf vorbereiten, einer älteren Dame oder dem bejahrten Herrn fällt es schwer, noch den richtigen Dreh zu kriegen. Als weiterer essentieller Punkt gilt: Die geistige Aktivität muss erhalten, gepflegt, fortgebildet und möglichst zu neuen Einsichten geführt werden. Lesen, Schachspielen, Kreuzworträtsel raten, Schreiben, sich neue kulturelle Welten erarbeiten usw. halten wach und frisch und verzögern die Demenz-Entwicklung. Wichtig ist die denkerische Anstrengung bei der Tätigkeit, die am Ende auch befriedigend ist. Verführerisch, aber nivellierend sind die meisten Unterhaltungsveranstaltungen, da sie immer dieselben Denk- und Verstehensmuster ansprechen und die Großhirnzellen nicht stimulieren und ihnen Reaktionen abringen. Hierzu gehören zweifellos viele Fernsehsendungen, die ohnehin zur Passivität zwingen, vor allem auch reißerische oder seichte Filme. – Meine Situation ist gekennzeichnet durch vielerlei geisteswissenschaftliche Uni-Studien mit Abschlüssen einschl. Promotion und Berufstätigkeit. Da habe ich im ‚Ruhestand‘ weitergemacht, lese viel, schreibe Briefe und Belletristik, mache Musik und gebe privat akademische Autorenfortbildungs-Seminare. Schließlich ist es wichtig, das persönliche Lebens-Umfeld zu gestalten und selbst in Gang zu halten. Ob in Partnerschaft lebend oder als Single, der Haushalt muss weiterlaufen, vom Ordnung machen über das Einkaufen und Kochen (beides sind jetzt besonders freudvolle Tätigkeiten!), Schriftkram erledigen, Geburtstage von Angehörigen wahrnehmen, Gäste versorgen, Freundschaften pflegen, die Liebe nicht zu vergessen. Und so weiter. --- All dieses ist nicht nur als Spaß und Vergnügen zu betrachten, sondern als rhythmisch entspannende Abwechslung von den anderen, manchmal anstrengenden Aktivitäten. Es kann bewusst als Leben in Schönheit gestaltet werden, im achtsamem Umgang mit geistigen Inhalten, Blumen und Kunst.

Regina Scholten, Leser_In

Wenn ich(59J.) an das Alter denke, fallen mir zwei Begriffe ein. Respekt und Disziplin Ich wünsche mir, dass man mit mir im Alter, wenn ich auf andere Hilfe angewiesen bin,respektvoll umgeht. Respekt ist etwas, was ich von kleinauf in meinem Elternhaus gelernt habe. Man achtete die Eltern, Lehrer und älteren Personen. Und so haben auch wir unsere Eltern und Schwiegereltern bis zum Tode respektvoll begleitet. Ich kann mein Alter nicht planen, ob in einer WG, im Umfeld von unseren Kindern oder in einem Heim. Aber mit Disziplin versuche ich, möglichst lange gesund zu leben, (Sport, gesunde Ernährung,strukturierter Tagesablauf), um keinem zur Last zu fallen.

Markus H, Leser_In

indem man nicht peinlich versucht, immer noch so zu sein wie die Jungen.

Regine Wilms, Leser_In

In erster Linie, indem man zu seinem Alter steht und sich die Vorzüge klar macht. Jedes Alter hat seine eigenen Stärken. Ich werde gelassener, ich kann jedes Jahr besser Dinge an mir abperlen lassen, die mich in jüngeren Jahren in Aufruhr versetzt hätten. Ich steige nicht mehr auf jede Provokation ein, sondern auf die, die mir sehr am Herzen liegen. Da kann ich mich mit Maß und Leidenschaft und Zeit! Engagieren. Ich kann mich besser schützen gegen Überforderung, unausgesprochene Erwartungen und kann besser mit einem Lächeln Nein sagen. Im Alter kann man wesentlich besser unterscheiden, was man ändern kann und was nicht. Man wächst in den Luxus hinein, nur noch Dinge zu machen und Kontakte zu pflegen, hinter denen man steht und die Freude machen. \"Anstandshalber\" muss gar nichts mehr sein. Die Kleidung wird bequemer oder auch kühner, lange uneingestandene Wünsche erfüllt. Diese Alterswürde ist völlig unabhängig vom Gesundheitszustand oder Portemonnaie.

Thomas Sturm, Leser_In

Top 1 :Ein ständiger Kampf gegen den biologischen Prozess des Altern ist sinnlos und frustrierend - küssen wir lieber unsere Runzeln. Top 2 :Lasst die Erotik im Alter nicht sterben- auch im Alter machen Berührungen, Umarmungen, Sex noch Freude und erhalten Lebenslust und Sinnlichkeit. Top 3 : Werdet nicht zu Couch Potatoes - im Sarg könnt ihr noch lange genug liegen. Top 4 : Schöpft eure Potentiale aus - reist, macht Sport, geht Hobbies nach, lest, geht ins Theater und Kino, spielt ein Instrument (auch Spielen im Lazarettorchester macht Freude.. Top 5 : Akzeptiert Zipperlein wie ein schlechter werdendes Gedächtnis- solange ihr noch die Namen eurer Partner und euren eigenen Namen kennt, ist alles okay. Top 6 : Humor ist unglaublich wichtig um mit unseren nachlassenden Fähigkeiten witzig und damit entlastend umzugehen. Top 7 : Widerlegt das Vorurteil \" Alt und doof\". Redet mit , streitet mit, mischt euch politisch ein, kommuniziert ( das durchschnittliche deutsche Ehepaar spricht angeblich nur noch vier Minuten am Tag miteinender- z.B. \" noch vier Minuten am Tag miteinander z. B. \" Das Bier ist alle \") Top 8 : Dresst euch gut- spielt aber nicht den Berufsjugendlichen bis zum 90. Geburtstag. Hinweis an der Disco: \"Opa, der Friedhof ist 100 Meter weiter\". Wichtigste Prämisse für die Zukunft: Oben klar und unten dicht, dann ist alles okay !

Holger Pohl, Leser_In

Wir haben unser Haus vor 12 Jahren so geplant, dass wir durch den Einbau einer einzigen Wand zwei Wohnungen schaffen und die untere barrierefrei für uns im Alter nutzbar ist. Die verbliebene Wohnung ist von der Größe her ausreichend mit freiem Zugang in den Garten. Die obere Wohnung ist für eine Familie gross genug. Wir würden diese im Zweifel vermieten und die Einnahmen für Reisen nutzen - hoffen aber dass eines unserer Kinder später mal mit Ihrer Familie dort einziehen wird. Das ist allerdings Zukunftsmusik. Die Kinder sind 6 und 9 Jahre.

Matthias Haninger, Leser_In

Wie definiere ich altern ? Verhaltensweisen, Aussehen oder Lebensstile sind dafür nicht mehr geeignet, weil die Grenzen zwischen den Generationen zu fließend sind heutzutage. Aber wenn ich merke ich bin körperlich oder mental nicht mehr in der Lage etwas zu tun, obwohl ich es möchte hängt es mit dem Alter zusammen. Der Verzicht hierauf ohne Reue, das Bewusstsein zu haben das Fähigkeiten endlich sind und damit Dinge jetzt zu tun bevor es zu spät ist, bedeutet in Würde altern. Es ist vorwiegend eine Einstellung.

Rolf-Jürgen Simon, Leser_In

Ich versuche schon jetzt fit zu bleiben; geistig und körperlich. Natürlich ist auch fininazielle Sicherheit unabdingbar um lebensfroh zu altern. Für mich gehören auch Reisen, Wandern und gutes Essen dazu.

Karin Unkrig, Leser_In

Was ich mir für das Alter vorgenommen habe Nicht über Neues schimpfen, die «gute alte Zeit» ruhen lassen. Die Dinge nehmen ihren Lauf, wer weiß – vielleicht rückt Besseres nach? Nicht über Zipperlein klagen, es macht sie weder kleiner noch erträglicher. Junge Leute interessieren sich nicht dafür, ältere Semester kämpfen selber damit. Nicht Verlorenem nachtrauern, sondern etwas anbieten: Du hast zu viel Zeit, deine Kinder meist zu wenig Nicht in Sack und Asche gehen, in Popelinejacken und Beigegrau. Chic und Charme verblassen von allein, ehe du dich versiehst. Nicht unablässig vergleichen, mit Blick auf den eigenen Vorteil. Einer scheidet immer aus, Am Ende bist du es selbst. Nicht an Materiellem festhalten, du kannst es nicht hinüberretten, in die «andere Welt». Aber krachend verlieren, unterwegs.

Volker Siehr, Leser_In

Würde ist ein grosses Wort. Aber vielleicht kommt man dem würdevollen Altern am nächsten, indem man versucht ähnlich bewusst und verantwortungsvoll zu leben wie vorher auch nur dass sich möglicherweise die Schwerpunkte etwas verschieben: nicht so viel an sich zu denken, sondern für andere ob in der Familie oder der Gesellschaft da zu sein, die immer kostbarer werdende Zeit bewusst und sinnvoll nutzen, sich an den täglichen Dingen und der Natur erfreuen, durch Sport, Bewegung und ausgewogene Ernährung sich gesund erhalten und wenn es dann doch soweit kommen sollte, dass Krankheiten das Leben bstimmen, versuchen das Los anzunehmen und nicht zu erwarten, dass man im Mittelpunkt steht.

Rainer Fassnacht, Leser_In

Würde ist das Bewusstsein des eigenen Wertes, daher gibt es hierfür keine gesellschaftliche Lösung sondern nur individuelle, ganz persönliche.

Roland Dopfer, Leser_In

indem man die einschränkungen des alters akzeptiert und nicht immer auf krampf versucht jung zu bleiben. lebenserfahrung ist ein wichtiges gut.

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