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Was suchen wir im Internet?

Das Internet ist der Innovationsmotor unserer Zeit, doch viele Möglichkeiten der digitalen Welt bleiben ungenutzt, wenn man sie nicht kennt. Verraten Sie uns, was Sie im Internet suchen – oder schon gefunden haben.

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Paul A. Kirschner, Lernpsychologe und Ehrenprofessor der Offenen Universität der Niederlande

Entzauberter Mythos

Digital Natives sind junge Menschen, die in die digitale Welt hineingeboren wurden und für die Informations- und Kommunikationstechnologien normal sind. Als Gruppe umgibt sie etwas Magisches: Sie haben sich neue Wege des Seins erschlossen, sind von Natur aus technikversiert, Multitasker, teamorientiert und kooperativ. Die Forschung zeigt aber auch: Studenten, die in hohem Maße diese Technologien verwenden, nutzen sie primär zur Selbstermächtigung und Unterhaltung. Sie sind noch nicht wirklich versiert darin, sie dafür einzusetzen, das eigene Lernen zu verbessern, sondern sind eher Konsumenten als Schöpfer von Inhalten. Zudem verwenden sie nur eine begrenzte Auswahl überwiegend etablierter Technologien wie Smartphones, Mediaplayer, Google und Wikipedia. Auch fehlt ihnen ein tieferes technologisches Wissen. Ihre Fähigkeiten beschränken sich meist auf einfache Office-Anwendungen, E-Mailen, Nachrichten schreiben, Facebook und im Internet surfen. Die aktuelle Generation von Lernenden verhält sich wie Schmetterlinge, die planlos über die Informationen auf ihren Bildschirmen hinwegflattern, ohne sich ihres Werts bewusst zu sein. Sie werden zum Klicken auf Links verführt und vergessen dabei oft, wonach sie eigentlich suchen. Dieses Herumflattern führt – bestenfalls – zu einem sehr fragilen Netzwerk von Wissen. Mit anderen Worten: Der Digital Native mit all seinen magischen Fähigkeiten existiert ebenso wenig wie das Einhorn oder der Yeti.

Brett Atwood, Außerordentlicher Professor für Strategische Kommunikation, Washington State University

Unbegrenzte Freiheit

Soziales Engagement spielt eine Schlüsselrolle in der menschlichen Erfahrung. Wir suchen nach Verbindungen, die es uns ermöglichen, Erfahrungen auszutauschen und unser authentisches Selbst auszudrücken. Viele Menschen können sich jedoch in der physischen Welt eingeschränkt fühlen. Vielleicht ist es die Angst vor Urteilen von Freunden oder der Gesellschaft. Möglicherweise beeinträchtigen auch körperliche Merkmale, kulturelle Unterschiede oder Mobilitätsprobleme ihre Fähigkeit, effektiv zu kommunizieren oder gehört zu werden. Das Internet oder die sozialen Medien sind dafür keine Garantie, da unsere virtuellen Identitäten häufig mit unseren Identitäten und Verpflichtungen der realen Welt verbunden sind. Deshalb fragen wir uns zum Beispiel: Wie viele „Likes“ bekomme ich, wenn ich ein bestimmtes Foto teile? Wie reagieren Menschen, wenn ich meine wahren politischen Ansichten poste? Virtuelle Welten wie Second Life können da einen Unterschied machen. Sich in einer virtuellen Welt zu bewegen, die neue Wege der Kommunikation ermöglicht, wirkt sehr befreiend. In einer Parallelwelt, in der alles machbar erscheint, kann sich jeder eine neue Identität schaffen, während er auf Entdeckungsreise geht und neue Erfahrungen teilt. In virtuellen Welten können wir uns neu erfinden und mit Gemeinschaften jenseits von geografischen und kulturellen Grenzen verbinden. So entstehen neue Erinnerungen und Freundschaften, die sich jeder frei aussuchen kann.

Dorothee Bär, Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung

Netz der Möglichkeiten

Für mich ist „das Internet“ zuallererst ein kleines Stückchen Heimat, egal wo ich bin. Denn es hilft mir, mich schnell zurechtzufinden, mich mit meiner Familie und meinen Freunden auszutauschen oder im Zweifelsfall auch schnell nach Hause zu kommen. Gleichzeitig ermöglicht es den Blick über Franken, Bayern, Deutschland, Europa hinaus. Es verbindet über riesige Distanzen und bietet die Gelegenheit, Menschen kennenzulernen, die einem sonst nie begegnet wären. Und das unabhängig von Alter, Bildungsstand oder Heimatort. Plötzlich kann man Verbindungen knüpfen, von denen man früher niemals auch nur eine Ahnung gehabt hätte. Es ist also im wahrsten Sinne des Wortes ein Netz, in dem man aufgefangen wird, in dem man sich aber auch mal verheddern kann. Gleiches gilt natürlich für jedes Unternehmen, jede Universität, jede Behörde. Über das Internet lassen sich Ideen oder Daten schneller austauschen, vernetzen, weiterspinnen, zusammenführen, unabhängig von Ort und Zeit. Es ist auch ein riesiges Netz der Ideen, die sich dort verknüpfen. Und oft entstehen aus diesen Verknüpfungen ganz neue Ideen, neue Anwendungen und neue Möglichkeiten, wenn sie in einem anderen Kulturkreis, an einem anderen Ort oder mit anderem Blickwinkel betrachtet werden. Ich bin begeistert, in dieser Zeit mit so vielen tollen Chan- cen und Optionen leben zu dürfen, daran mitarbeiten und gestalten zu können und Teil des Ganzen zu sein.

Torben Bastian, Leser

Kurz und schnell

Das Internet ist wunderbar geeignet zum Kurznachrichten lesen. Jeden Morgen checke ich eine App, die mir alle Schlagzeilen des Tages anzeigt. Nur wenn ich mich eingehender mit einem Thema beschäftigen möchte, kaufe ich eine gedruckte Zeitung. Längere Texte am Bildschirm lesen ist mir zu anstrengend.

Johanna Haberer, Professorin für Christliche Publizistik, Friedrich-Alexander- Universität Erlangen-Nürnberg

Zurück zu sich finden

Wollen Sie eine heuchlerische oder eine ehrliche Antwort? Die heuchlerische Antwort hieße: Ich recherchiere, ich vernetze mich mit interessanten Personen, ich bilde eine Community mit Menschenrechtsgruppen, Asylverteidigern und anderen Christen. Kurz, ich generiere Wissen und Gemeinschaft und bin am Puls der Zeit. Die ehrliche Antwort: Ich suche Zerstreuung. Das Internet ist ein Generalangriff auf meine Aufmerksamkeit. Ich verdaddle meine kostbare Lebenszeit, indem ich entfernt bekannten Leuten beim Leben zusehe. Die menschliche Aufmerksamkeit ist ein seltenes und flüchtiges Gut, das zwischen unwillkürlichen Reaktionen und willentlicher Konzentration hin und her changiert. Das wissen alle Religionen. Von der Meditation bis zum Gebet: Religionen üben es ein, die menschliche Aufmerksamkeit zu bündeln und zu lenken. Damit ein Mensch ganz bei sich und beim anderen oder ganz bei seiner Arbeit sein kann. Das Internet bewirkt, dass wir außer uns sind. Nicht nur als Einzelne, sondern auch als Gesellschaften. Wir sind zerstreut, empört, gereizt. Das schmerzt, wenn man unentwegt darum ringen muss, dass der andere vom Handy aufsieht oder ein Gespräch führt. Das ist aber auch ein Problem für unser Zusammenleben: weil wir Wichtiges von Unwichtigem nicht mehr unterscheiden können. Dies erfordert neue Formen von Lebenskunst. Das Christentum lehrt die Kunst, sich zu konzentrieren, die Kunst aufzumerken und die Geister zu unterscheiden.

Jimmy Wales, Mitbegründer Online-Enzyklopädie Wikipedia

Neues Grundbedürfnis

Wenn wir über unsere Wünsche und Erwartungen an das Internet sprechen, müssen wir auch bedenken, dass es kein Einbahnstraßenmedium ist. Natürlich wollen sich Menschen im Netz informieren: Wir lesen Nachrichten, Updates von unseren Freunden und Artikel bei Wikipedia. Doch einzigartig ist das Netz vor allem, weil wir Dinge teilen: Fotos mit Freunden auf Facebook, Gedanken auf Twitter – und Wissen – und versuchen damit nützlich und hilfreich für andere zu sein. Im Kontext von Wikipedia bedeutet das eine Gemeinschaft von Millionen von Ehrenamtlichen, die zusammengekommen sind, um ihr Wissen mit anderen zu teilen. Wir diskutieren, debattieren, recherchieren glaubwürdige Quellen, wir suchen und teilen Wissen über die wichtigsten, obskursten und albernsten Dinge der Welt. Der grundlegende soziale Impuls, nützlich zu sein, etwas beizutragen und Bedeutung darin zu finden, anderen etwas beizubringen, ist das Herzstück des Projekts. Diese Bedürfnisse existierten auch schon, bevor es das Internet oder Wikipedia gab. Doch in Diskussionen über das Internet wird dieser Aspekt manchmal übersehen. Wir sprechen über „Big Money“ und Großplattformen und vergessen dabei die alltäglichen Akte der Freundlichkeit und des Teilens. Ich denke, das ist die Essenz, die wir nie vergessen sollten und die das Internet in unserer Kultur zu etwas Besonderem macht.

Valeriya Stradinger, Leserin

Spielwiese der Eitelkeiten

Schon lange ist bekannt, dass der Mensch von all seinen Grundbedürfnissen vor allem von einem intakten sozialen Umfeld stark abhängig ist. Es ist ihm unmöglich, auf Dauer allein zu sein und keine soziale Interaktion zu haben. Das Internet eröffnet eine neue Dimension des sozialen Miteinanders, des Kommunizierens und auch des Vergleichens. Wir befriedigen unser mimetisches Bedürfnis – sehen und gesehen werden, vor allem sich mit anderen in ähnlichen Situationen vergleichen und Gleichgesinnte finden. Aus dieser Perspektive ist auch der immense Erfolg der sozialen Netzwerke wie Facebook, Instagram und Co. unschwer nachzuvollziehen. Wir sind dazu bereit, Informationen über uns im Internet preiszugeben, egal wo diese landen und was damit passiert, nur um unsere voyeuristischen Triebe befriedigen zu können. Die Sensationslust des Menschen kennt in diesem Fall keine Grenzen. Das Internet ist eine Schaubühne, auf der jeder zu jeder Zeit seinen Emotionen, positiven wie negativen und auch anonym, freien Lauf lassen kann. Jeder hat das Gefühl, es drehe sich nur um ihn, seine Meinung sei wichtig, seine Restaurantbewertung ruinös – umso schwerer ist es, offline wieder zum „Niemand“ zu werden. Letztendlich drücken wir uns nur davor, allein zu sein und uns mit uns selber auseinanderzusetzen. Die Selbstreflektion tritt ihren Platz an die nie endenden Sensationen des Netzes ab. Trumps Haare sind ja auch einfach wichtig.

Hubert Mayr, Leser

Fiktion wird Realität

Als unser erstes Enkelkind noch in der Schulzeit für ein Jahr nach Amerika gegangen ist, hat mein Sohn uns gezeigt, wie man über das Internet telefonieren und sich gegenseitig dabei sehen kann. Anfangs haben wir natürlich große Augen gemacht, schließlich war ein „Bildtelefon“ für uns über Jahrzehnte eine Fiktion von übermorgen. Heute skypen wir regelmäßig und ganz selbstverständlich mit unseren Enkeln, die derzeit in Köln und Stuttgart leben. Es ist natürlich etwas ganz anderes, wenn wir uns an den Feiertagen hier bei uns zu Hause mal wieder „richtig“ treffen, aber mit dem Internet kam auch die Verstreuung quer durch das Land. Da geht es uns nicht anders als den meisten Familien hier in unserem Bekanntenkreis, in dem die Kinder und besonders die Enkel ihr Glück in anderen, größeren Orten und Städten gesucht und gefunden haben.

Alois Obermüller, Leser

Digitales Kochstudio

Meine Frau hat im Internet für sich einige Anlaufstellen gefunden, an denen sie ihre Kochrezepte für andere Menschen vorstellt. Sie bekommt dort sehr viele Komplimente für ihre Kochkünste und gibt andere Menschen auch Ratschläge, wie sie ihre Gerichte am besten zubereiten und auch verbessern können. Wenn ihr andere Leute vorschlagen, wie sie ihre Rezepte verbessern kann, dann gefällt ihr das aber nicht so sehr. Den Ärger darüber schreibt sie aber nicht zurück, den darf ich mir dann anhören.

Kerstin Mayrberger, Professorin für Lehren und Lernen an der Hochschule mit Schwer- punkt Mediendidaktik, Universität Hamburg

Begleitetes Surfen

Das Internet birgt eine Vielfalt an spannenden Inhalten – von Informations- bis Unterhaltungsangeboten ist alles dabei und weckt die kindliche Neugierde, wenn der Weg ins Netz über den Browser oder eine App erst einmal gefunden ist. Und alles in unterschiedlicher Qualität. Gerade Neulingen im Netz – und das müssen nicht immer nur Kinder sein – hilft es, wenn sie bildlich gesprochen nicht bei einem Sprung ins unbekannte kalte Wasser gleich Gefahr laufen, in der Fülle und Breite von online verfügbaren Angeboten zu ertrinken. Langjährige medienpädagogische Erfahrungen zeigen, dass es förderlich ist, wenn Kinder gemeinsam mit (älteren) Geschwistern, Freunden oder Erwachsenen das Internet in einem für sie passenden zeitlichen und inhaltlichen Umfang erkunden und dabei mit speziell für Kinder aufbereiteten Inhalten starten – etwa mit speziellen Kindersuchmaschinen. Begleitende Gespräche über das Verhalten beim Surfen und die eigenen Gewohnheiten im Umgang mit dem Internet können dazu beitragen, frühzeitig das eigene Medienhandeln bewusster wahrzunehmen und altersangemessen zu reflektieren. Elternratgeber zum Thema Medienerziehung helfen dabei. Langfristig lernen die Kinder so von Anfang an nicht nur ein schlichtes Regelwerk von Verboten für das sich ständig verändernde Netz, sondern können auch Souveränität im Umgang mit dem Internet und damit Autonomie entwickeln, wovon sie später als Jugendliche und Erwachsene profitieren.

Detlef Scholz, Erster Vorsitzender Fachverband Medienabhängigkeit e.V.

Beziehungen gestalten

Das Internet erweitert unsere Möglichkeiten, nach Antworten auf unsere existenziellen Fragen zu suchen: Wo finde ich Schutz und Geborgenheit? Wie kann ich mich mit anderen verbinden? Auf welche Weise kann ich gut wachsen? Wo ist mein Platz in dieser Welt? Einige finden die Antworten im virtuellen Raum tatsächlich eher als im physischen, manche glauben, sie gefunden zu haben, und wieder andere jagen ihnen ein Leben lang vergeblich nach. Ein Klient äußerte kürzlich seine Vorstellung eines paradiesischen Lebens: Das über Elektroden mit einem Computer verbundene Gehirn steuert direkt alles Erleben in einer imaginären Welt. So wäre der persönliche Energiebedarf auf ein Minimum gesenkt und das Spektrum an Erfahrungen nur noch durch die eigene Vorstellungskraft beschränkt. Auch er war also zur Überzeugung gelangt, niemand anderen außer sich selbst zu brauchen – vielleicht gespeist durch die wärmende Gewohnheit einsamer Tage und Nächte und verstärkt durch die Erinnerung an frustrierende Begegnungen. Die psychologische Forschung sammelt allerdings immer mehr Indizien dafür, dass gelingende Beziehungen unser eigentliches Lebenselixier sind. Nutzen wir die virtuelle Suche also vor allem zur Gestaltung dieser Beziehungen, hält das Internet Großartiges für uns bereit. Die Kunst besteht nun darin zu erkennen, was, wann, wofür, in welchem Maße und unter welchen Bedingungen hilfreich ist. Wie so häufig sind auch hier die Grenzen fließend.

Corinna Okonek, Leserin

Sicherheit durch Information

Meine letzte Onlinesuche betraf „mit KleinkindinLondon“,dawireinenkurzen London-Trip innerhalb unseres Sommerurlaubs planen. Da ich die letzten Male in London ohne Kind unterwegs war, versucht man sich ja doch lieber ein wenig darauf vorzubereiten. Die meisten Blogs und Webseiten gaben wirklich schöne und praktikable Tipps. Der allgemeine Tenor vieler Seiten war, dass diese große und doch auch sehr hektische Stadt eine sehr kinder- und familienfreundliche Atmosphäre bietet. Die Londoner Taxen seien geräumig genug, um den Kinderwagen zu verstauen und bieten ebenfalls Kindersitze, die Londoner seien offen und hilfsbereit, gerade was das Durchkommen mit Kinderwagen betrifft. Außerdem geben die zahlreichen Parks und Spielplätze einem genügend Raum, um sich in einer großen Stadt zu entspannen. Meine Internetsuche gab mir ein positives Gefühl und bestärkte mich noch mehr in meiner Vorfreude.

Constanze Heller, Leserin

Eine gute Frage. Ich habe das Gefühl, dass viele Menschen im Internet ihre Zeit versurfen. Man sollte wirklich wissen, was man im Internet sucht.

Stefan Mey, Freier Journalist und Autor

Parallelwelt

Ein Darknet schirmt sich vom sonstigen Internet ab und hält neugierige Blicke von Behörden, Geheimdiensten und der Werbewirtschaft fern. Am verbreitetsten ist das Darknet auf Basis der Anonymisierungssoftware Tor. Tor leitet Datenverkehr über einen Pfad von drei zufällig ausgewählten Internetknoten um. Das verschleiert die verräterischen IP-Adressen, die Postadressen des Internets. Mithilfe eines Tor-Browsers können Sie anonym im klassischen Internet surfen, zudem gibt es eine Tor-basierte Internet-Endung namens .onion, das eigentliche Darknet. Was passiert dort? Erstens ist das Darknet eine „Einkaufsmeile“ mit illegalen Marktplätzen, auf denen vor allem üblich verdächtige Rauschmittel wie Cannabis gehandelt werden. Zweitens gibt es wirkliche Abgründe. Am übelsten ist der Tausch kinderpornografischer Bilder in hermetisch abgeriegelten Darknet-Foren. Drittens gibt es ein politisches Darknet. Medien wie die „New York Times“ und die „taz“ haben abhörsichere Postfächer für Whistleblower im Darknet eingerichtet. Zudem verfügen wichtige linke IT-Kollektive wie Riseup, Systemli und Indymedia über Darknet-Präsenzen – als alternative, anonyme Zugangstüren zu ihren Inhalten, die eigentlich im normalen Netz stehen. Für mich ist das Darknet trotz seiner Widersprüche ein wichtiger Ort – als Gegenmodell zum sonstigen Internet. Dessen politisch bedenkliche, schrankenlose Überwachbarkeit macht mir mehr Angst als der Zustand des Darknets.

Cornelia Wolf, Leserin

Selbstvergewisserung

Der erste Griff zum Smartphone morgens ist für mich schon zur Gewohnheit geworden, und wenn ich mich in meinem Bekanntenkreis so umhöre, geht es fast allen so. Erst einmal die E-Mails und Kurznachrichten checken und in den sozialen Netzwerken schauen, was es an Neuigkeiten gibt. Wenn ich mich ins Internet einlogge, suche ich eine sachliche Information zu einer Veranstaltung, eine Adresse, Namen oder Fakten. Oder eine schnelle Information, weil ich einen zufälligen Gedanken hatte oder eine Idee. Das muss ich dann gleich mal googeln. Oft suche ich aber einfach nur Zerstreuung im Netz, getarnt als Akt der Informationsrecherche. Ich suche Anbindung und Ablenkung. Ich würde das nicht als gut oder schlecht bezeichnen. Für mich geht es eher um die Sensibilisierung dafür und dass ich mich ab und zu mal frage, was ich denn da suche.

Henning Wolfien, Leser

Teil des Alltags

Ich nutze das Internet hauptsächlich zur Moderation meiner sozialen Gruppen, in denen ich aktiv bin, wie zum Beispiel „Wohnwagen und Wohnmobil“. Aber auch zur Kommunikation auf Whatsapp und Telegram und zur Kontaktpflege mit der Familie und Freunden. Ich suche also den sozialen Kontakt, aber immer nur als Ergänzung oder im Vorlauf zu dem realen und persönlichen Kontakt. Ich sehe das Internet aber auch als Nachschlagewerk zur Schließung meiner Wissenslücken. Zu vielen Fragen betreffs Allgemeinwissen, Politik oder auch zu all den alltäglichen Fragen suche ich die Antworten im Netz.

Christian Vollmann, Startup-Gründer und Business Angel

Offline vernetzt

Ich bin überzeugt, dass die Menschen langsam begreifen, dass es mit der zunehmenden Individualisierung nicht ewig so weiter gehen kann. Ich glaube, dass der Wunsch nach Gemeinschaft immer stärker wird – gerade in Zeiten, in denen das Weltgeschehen immer unübersichtlicher und bedrohlicher wirkt. Die globalen sozialen Netzwerke des Internets haben uns lange vorgegaukelt, dieses Gemeinschaftsgefühl zu befriedigen. Doch der Traum ist geplatzt. Jemand, der tausende Facebook-Freunde auf der ganzen Welt hat, fühlt sich noch lange nicht zugehörig und aufgehoben. Im Gegenteil: Studien zeigen, dass die Vereinsamung zunimmt und so gesundheitsschädlich ist wie zwei Schachteln Zigaretten am Tag. Umso mehr freut es mich, dass über das soziale Online-Netzwerk für Nachbarn, das ich gegründet habe, ein echtes Gefühl von Nähe und Vertrauen entstehen kann. Es ist hyperlokal statt global: Der Radius für die Kommunikation ist begrenzt, Klarnamen sind Pflicht. In meiner täglichen Arbeit sehe ich, wie sich Nachbarn online kennenlernen und dann offline treffen; sie helfen sich, teilen und tauschen und kümmern sich zusammen um ihr Viertel. Plötzlich bewegen sie sich abseits der ausgetretenen Pfade ihrer Filterblase. Die Anonymität bricht auf, die Identifikation mit der eigenen Umgebung steigt. Durch die Summe vieler positiver Erfahrungen im geschützten digitalen Raum können Menschen den Mut fassen, sich auch analog offener zu begegnen.

Constanze Arndt, Leserin

Bester Reisebegleiter

Zurzeit bin ich im Internet auf der Suche nach tollen Tipps und Empfehlungen für den anstehenden Urlaub mit meinem Freund in Griechenland. Bevor es eine Woche mit dem Segelboot aufs Meer hinaus geht, verbringen wir noch einige Tage in Thessaloniki, wo wir uns bereits eine schöne Unterkunft gemietet haben. Als ich den Namen der Stadt in die allseits beliebte Suchmaschine eingegeben hatte, wurde mir direkt nach dem ersten Treffer „Thessaloniki Wetter“ der am naheliegendste Vorschlag „Thessaloniki Strand“ angeboten. Mit einem Klick hatte ich sogleich die wunderschönsten Strandbilder vor mir. Neben den Empfehlungen der einschlägigen Reiseportale erschien ein spezieller Reiseblog ganz oben. Ich halte von den ersten Einträgen meist nicht so viel, da ich immer unterstelle, dass sich die Klicks und Rankings irgendwie erschlichen wurden. Auch die Tripadvisor-Vorschläge schaue ich mir ehrlich gesagt nicht an, dafür ist mein Freund dann vor Ort zuständig, da wir dieses Portal hauptsächlich zur Erkundung von Restaurants und Bars nutzen. Letztendlich habe ich mir den ersten Blogeintrag aber doch angesehen. Der Artikel über Thessaloniki hat mich jetzt schon mit seinen authentisch wirkenden Berichten und Fotos so überzeugt, dass ich mir gar nichts mehr weiter anschauen müsste, um mich auf die Tage auf dem Festland zu freuen und um die Stadt und ihre Umgebung zu erkunden.

Hildegard Kaiser, Leserin

Wiedergefunden

Ich suche nicht viel im Internet, aber ich möchte mich an dieser Stelle bedanken bei meinem früheren Schulkollegen Herbert Rahn. Ich habe nach der Schule meinen Mann kennengelernt und wir sind beruflich oft umgezogen. Dadurch habe ich den Kontakt zu meinen Schulfreunden verloren. Vor einigen Jahren hat Herbert unseren Schuljahrgang wieder zusammengebracht und uns alle benachrichtigt und mit Kontaktdaten versorgt. Er hat mir auch eine E-Mail-Adresse besorgt. Ich schreibe noch immer sehr gerne Briefe, aber ich schaue auch regelmäßig nach neuen E-Mails und antworte auch dort sehr gern. Vielen Dank, Herbert.

Key Pousttchi, Professor für Wirtschafts- informatik und Digita- lisierung, Universität Potsdam

Stille Revolution

Das Internet ist ein Informationsraum, der außerdem soziale Beziehungen und Zerstreuung bietet. Durch das Smartphone ist dieser Informationsraum ständig für uns verfügbar, egal wo wir gerade sind und was wir gerade tun. Manchmal verlieren wir uns auch so sehr in dieser virtuellen Welt, dass wir die reale Welt um uns herum nicht mehr wahrnehmen. Was suchen wir also? Als der Mensch vor ein paar tausend Jahren noch mit seiner Sippe im Wald lebte, war es für ihn lebenswichtig, stetig auf dem Laufenden zu sein, stetig in Verbindung mit seiner Sippe zu sein und ebenso stetig bei dieser um Status und Unterstützung zu werben. Das ist es auch im Internet, was wir suchen, wenn wir stundenlang Nachrichten lesen, auf Whatsapp chatten und tolle Stories von uns posten. Und natürlich Informationen, die wir für unser modernes Leben brauchen. Eine neue Dimension erhält das alles durch die neuartigen Formen der Datensammlung und -analyse mit ihren weitreichenden Folgen. Gegenüber den gesellschaftlichen Konsequenzen werden die ökonomischen in der Debatte unterschätzt: Die aktuelle Wette im Silicon Valley läuft auf eine Monopolisierung der Endkundenschnittstelle hinaus. Nicht nur der Einzelhandel, sondern auch Banken, Versicherungen und viele andere werden dabei feststellen, dass ihre Marge bald jemand anderem gehört. Möglicherweise sollten wir also nicht nur fragen, was wir im Internet suchen – sondern auch, wem das nützt.

Jeremy Bruns, Leser

Alles ist möglich

Ich bin beruflich mit Programmieren und elektronischer Musik beschäftigt – allein dafür bin ich stets auf der Suche nach Problemlösungen, Informationen und Musik. Bis vor kurzem wusste ich noch nicht mal, dass mit Künstlicher Intelligenz Musikstücke erstellt werden können. Das hat gerade vollkommen meine Neugier erweckt und genau so etwas treibt mich immer weiter dazu an, das Internet zu benutzen. Ist Ihnen auch so ähnlich schon mal ergangen, oder? Und das ist nur meine Geschichte. Studenten verbringen unendliche Tage mit der Recherche zu den Themen ihrer Abschlussarbeiten oder, falls alle Stricke reißen, finden sie jemanden, der Ihnen die für paar tausend Euro vorschreibt. Wissenschaftliche Artikel werden von Professoren mit Hilfe des Internets auf Plagiate geprüft. Illegale Geschäfte in kleiner und großer Manier werden ausgiebig im Darknet praktiziert. Anonymität stets gewährleistet – und DHL- und Amazon-Paketabholstationen erfüllen ihren Zweck. Die Automobilbranche hat sich durchs Internet zu einem Börsengeschäft entwickelt. Wichtige Zubehörteile in der Handwerksbranche werden günstig in Asien gekauft. Und nebenan verliebt sich angeblich alle elf Minuten ein Single über eine Dating-Plattform. Was ich mich dabei frage: Warum ist da nur die Rede von einem Single? Und habe ich nicht nach etwas anderem gesucht?

Gerhard Richter, Leser

Schnelle Hilfe

Ich suche im Internet oft nach Hilfen, wenn ich etwas reparieren oder ausbauen möchte. An unserem Haus und auf unserem Grundstück fällt eigentlich immer neue Arbeit an. Doch ich habe schon einige handwerkliche Herausforderungen mit Tipps und Anleitungen aus dem Internet selbst lösen können, für die ich früher einen Handwerker bestellt hätte. Ich kann besonders die Videoportale als wahre Fundgrube empfehlen. Auch wenn viele Videos nicht besonders oft angeschaut wurden, kann man auch immer in den Kommentaren noch interessante Anregungen finden. Oft gebe ich zuerst mein Problem als Frage in eine Suchmaschine ein, um mir etwas Hintergrundwissen anzulesen. Manchmal brauche ich mehrere Versuche, bis mir wirklich eine Lösung für mein Problem angezeigt wird. Aber mit der Zeit habe ich ein besseres Gefühl dafür bekommen, die besten Suchergebnisse zu erkennen. Für die Umsetzung ist es dann sinnvoll, sich noch einmal ein passendes Video anzuschauen.

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