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Wie digital ist die Landwirtschaft?

Auf den ersten Blick scheint der Agrarsektor weniger mit Digitalisierung zu tun zu haben: Wer von morgens bis abends den Acker bestellt oder im Stall steht, bei dem geht es schließlich eher um Gummistiefel und Mistgabel als um Bits und Bytes. Dass das ein überholtes Klischee ist, zeigt allein schon der Blick ins Cockpit eines modernen Traktors. Schreiben Sie uns, wie es tatsächlich um die digitale Krume steht.

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Erna Schleich, Leserin

Schub für mehr Nachhaltigkeit

Die Digitalisierung ist aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Was den wenigsten Menschen bewusst ist: dies gilt auch für die Landwirtschaft. Smart Farming oder Precision Farming wird bereits seit mehreren Jahren erfolgreich eingesetzt. Ob bei der Düngung, dem Pflanzenschutz und auch bei der Tierhaltung. Die Digitalisierung ist hilfreich und kann mitunter auch ein Tierleben retten: Durch den Einsatz von Drohnen können junge Wildtiere vor der Heuernte vom Feld verscheucht werden. Wenn die letzten Hürden – wie mangelnde Infrastruktur oder hohe Anschaffungskosten – gemeistert werden, kann das einer nachhaltigeren Landwirtschaft einen immensen Schub verleihen. Ob diese allerdings eine Antwort auf die großen Herausforderungen der Zeit wie Klimaveränderung und Bevölkerungswachstum ist, bleibt abzuwarten.

Joachim Rukwied, Präsident Deutscher Bauernverband (DBV)

Nicht mehr ohne

Digitalisierung ist ein Chancen- und Zukunftsthema – insbesondere auch für die Landwirtschaft. Unsere Branche kann davon in hohem Maße profitieren, weil sie mit Boden, Wasser, Luft und Tieren umgeht und hier die Entwicklungspotenziale, auch mit Blick auf den Klima- und Umweltschutz, besonders groß sind. Die Digitalisierung wird von einer immer effizienter werdenden Datenerfassung über Sensortechniken, der Datenverarbeitung über Algorithmen und verschiedene Formen der Künstlichen Intelligenz beschleunigt – einzig schwache Netzabdeckungen im ländlichen Raum bremsen diesen Fortschritt in den Betrieben noch aus. Die Digitalisierung der Landwirtschaft kann auch zu mehr Akzeptanz in der Gesellschaft beitragen. Präzisionstechniken helfen, den Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln noch weiter zu optimieren, Pflanzen individueller zu ernähren und Unkraut punktgenau zu bekämpfen. In den Ställen unterstützen Sensortechniken eine Tierwohl-fördernde Haltung. Hightech hilft zusätzlich, den Tieren eine bestmögliche Tiergesundheit und Wohlbefinden zu ermöglichen. Außerdem werden digitale Hofmanagementsysteme die Landwirte auch betriebswirtschaftlich unterstützen, um vor allem die Bürokratie leichter bewältigen zu können. Wir gehen davon aus, dass inzwischen fast jeder Landwirt in irgendeiner Weise digitale Techniken einsetzt – vorausgesetzt, sie funktionieren unter Praxisbedingungen und rechnen sich unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten.

Andreas Schweikert, Bereichsleiter Landwirt- schaft, Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom)

Durch und durch digital

Die Landwirtschaft in Deutschland ist digitaler, als viele denken. Von Apps zur Diagnose von Pflanzenkrankheiten bis hin zu Drohnen zur Kartierung der Ackerflächen: Mehr als 80 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe setzen bereits digitale Anwendungen ein. Der technologische Fortschritt ist seit jeher ein fester Bestandteil der Landwirtschaft. Noch vor 70 Jahren ernährte ein Landwirt etwa zehn Personen, heute sind es über 135. Ohne Traktoren und mechanische Erntemaschinen wäre das nicht möglich gewesen. Technologie und Natur sind dabei kein Widerspruch. Im Gegenteil. Die Digitalisierung ist ein Werkzeug, um mithilfe von Daten die Umwelt besser zu verstehen und zu schützen. Über Sensoren und Satelliten kann der Stickstoffbedarf von Pflanzen exakt bemessen und Düngemittel effizienter eingesetzt werden. Durch Künstliche Intelligenz gestützte Systeme im Stall analysieren den Gesundheitszustand der Tiere und können auftretende Krankheiten frühzeitig erkennen. Durch die Digitalisierung wird die Landwirtschaft nicht zuletzt für Verbraucherinnen und Verbraucher nachvollziehbarer. Digital erfasste Informationen über die Herkunft und Herstellung von Lebensmitteln können direkt zum Endkonsumenten weitergegeben werden und ermöglichen die transparente Rückverfolgbarkeit vom Acker bis zum Teller.

Rüdiger Voss, Leser

Mehr Transparenz

Darüber hatte ich bis vor kurzem noch nie nachgedacht. Aber ich fand es dann doch so spannend, dass ich mich letztens auf dem Wochenmarkt mit einer Bäuerin am Eier-Stand darüber unterhielt. Was bringt die Digitalisierung für sie? Sie meinte: vor allem eine Arbeitserleichterung. Aber auch schaffe es Transparenz für den Konsumenten, erklärte sie mir. Durch den Code könne man die Herkunft nachverfolgen – und dieser wird ja auch nicht händisch draufgestempelt.

Sanna Karolszyk, Leiterin Corporate Communications DACH, Corteva Agriscience

Mission Zukunft

Die Digitalisierung ist in der Landwirtschaft längst angekommen. Ob Melkroboter, Drohnen oder Sensoren, Precision, Smart oder Digital Farming – digitale Lösungen sammeln und analysieren Daten, vereinfachen Entscheidungen in Bezug auf Saatgutauswahl und Zeitmanagement und steigern die Effizienz. Die Agrarbranche steht vor großen Herausforderungen. Noch nie war es so wichtig, Effizienzsteigerung und Umweltschutz zu vereinen. Bis 2050 werden vermutlich rund drei Milliarden mehr Menschen auf der Welt sein. Das bedeutet für die Landwirtschaft, dass sie deutlich mehr Nahrungsmittel auf weniger Fläche produzieren muss. Digitale Lösungen können dabei helfen, die Effizienz des eigenen Betriebs zu steigern, die Abläufe zu verbessern und wettbewerbsfähig zu bleiben. Sie ermöglichen außerdem eine höhere Transparenz der Produktionsverfahren. Das schafft Vertrauen und kann Landwirtschaft und Verbraucher wieder näher zueinander bringen. Apropos digital: Die Landwirtschaft ist sogar schon im Gaming-Bereich angekommen und zeigt, wie viel Faszination sie auslösen kann – auch bei Menschen, die gar nichts mit ihr zu tun haben. Der „Landwirtschafts-Simulator 19“ – ein Spiel, bei dem man seinen eigenen landwirtschaftlichen Betrieb bewirtschaftet – knackte bereits zehn Tage nach Verkaufsstart die Millionen-Marke. Seit dem letzten Jahr hat das Spiel sogar seine eigene E-Sports-Liga, die wir als Hauptsponsor begleiten: die Farming Simulator League.

Sonoko D. Bellingrath-Kimura, Programmleiterin Landnutzung und Governance, Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF)

Neue Werte schaffen

Die Digitalisierung bietet bereits jetzt der landwirtschaftlichen Praxis große Chancen, standortangepasste und umweltfreundliche Bewirtschaftung durchzuführen. Die Menge der zur Verfügung stehenden Informationen steigt stetig, etwa durch Luftaufnahmen von privaten Drohnen oder Satelliten. Auch Traktoren werden immer mehr mit Sensoren und GPS-Steuersystemen ausgestattet. Eine kleinteiligere Bewirtschaftung kann immer einfacher durchgeführt werden, da sich mithilfe von Sensoren und autonomen Maschinen punktgenaue Bepflanzungs-, Unkrautregulierungs- und Düngungsmaßnahmen durchführen lassen. Diese Technologien können nicht nur dafür eingesetzt werden, die Produktivität und Ressourceneffizienz zu erhöhen, sondern auch um Erosions- und Grundwasserschutz, erhöhte Kohlenstoffspeicherung im Boden und Biodiversität zu erreichen. Diese ökologischen Leistungen können wiederum durch digitale Technologien erfasst und als „Produkt“ nachgewiesen und verkauft werden. So bietet die Digitalisierung Möglichkeiten, neue bioökonomische Werte zu schaffen, indem man nicht nur die Erträge, sondern auch die ökologischen Leistungen als Produkt auf dem Markt anbietet. Neue Landschaften könnten dadurch entstehen, die räumlich und funktional vielfältig sind. Im Projekt DAKIS – Digitales Wissens- und Informationssystem für die Landwirtschaft, das vom Bundesforschungsministerium gefördert wird, werden diese Aspekte intensiv erforscht und Zukunftsvisionen erarbeitet.

Günther Ahrens, Leser

Gläserne Anbieter

Was ist das nur für eine besondere Zeit. Vor einem Jahr hätte ich nicht gedacht, dass wir im November 2020 unsere Einkäufe im Internet bestellen und nach Hause liefern lassen. Doch ich muss sagen, dass ich sehr positiv überrascht bin und jetzt auch mal was zum Thema Digitalisierung sagen will. Bei unserem Einkauf achten wir genau auf die Herkunft und die Produktionsbedingungen, zumindest so gut es geht. Denn ehrlich gesagt würde ich mir wünschen, dass sich die landwirtschaftlichen Betriebe digital öffnen würden, damit wir uns die Bedingungen vor Ort anschauen können. Im Internet ist genug Platz dafür und technisch ist ja eine Videoübertragung auch kein Problem mehr, wie wir alle gelernt haben.

Skadi Petermann, Landwirtin und Agrar-Influencerin

Nur noch einen Klick entfernt

Soziale Medien sind beliebter denn je, fast jeder junge Mensch nutzt sie und lässt sich durch Beiträge unterschiedlichster Menschen und Branchen inspirieren. Social Media beeinflusst uns und gibt uns Einblicke in einen uns fremden Alltag. Warum sollte man dieses Potenzial nicht auch für die Landwirtschaft nutzen? Im Jahr 2016 gründete ich meinen eigenen Instagram-Kanal. Von da an gestaltete ich meinen Alltag transparent, festgehalten in Stories oder Feed-Beiträgen, und ließ viele Menschen daran teilhaben. Mittlerweile sehen mir dabei knapp 18.600 Menschen zu. So gelingt es mir, meinen Beruf greifbarer zu machen und meinen Berufsalltag aus einer ganz persönlichen Perspektive zu zeigen. Durch die Transparenz weiterer Landwirtinnen und Landwirte im Netz können wir unsere Mitmenschen aktiv an unserem Berufsalltag teilhaben lassen und ihnen so persönliche und interessante Einblicke in die moderne Landwirtschaft gewähren. Die Digitalisierung ermöglicht uns die Interaktion mit den Verbrauchern und begleitet uns im modernen Betriebsgeschehen. Ob Melkroboter, Futterautomaten, sensorische Datenerfassung oder unsere Social-Media-Präsenz: Landwirtschaft ist digitaler denn je. Die Digitalisierung erleichtert stückweise unseren Betriebsalltag. Dennoch bleiben unsere menschlichen Sinne die wichtigsten und zuverlässigsten Begleiter in diesem naturverbundenen Beruf.

Thomas Stenzel, Leser

Zeichen der Zeit

Digitalisierung der Landwirtschaft – an und für sich eine gute Idee und ab einer gewissen Betriebsgröße sicher angemessen. Aber jetzt mal ehrlich: Ich bin Kleinbauer, kein IT-Spezialist. Woher soll ich die Zeit nehmen, mir die modernste Technik anzueignen? Auch widerstrebt es mir, mich von einem System oder einem Anbieter abhängig zu machen. Aber man kann die Zeit nicht anhalten: Mein Sohn wird bald den Hof übernehmen, er wird das eine oder andere verändern, ob es mir gefällt oder nicht.

Verena Meister, Leserin

Digital als Chance

Die Landwirtschaft in vielen Entwicklungsländern steht am Scheideweg. Soll sich die oftmals familiär geprägte, bäuerliche Landwirtschaft in ihrer eigenen Struktur weiterentwickeln oder wird der Irrweg der sogenannten entwickelten Länder gegangen und eine industrielle Landwirtschaft schädigt Menschen und Natur? Digitale Technologien können helfen, effizient und umweltschonend zu arbeiten und Nischen zu besetzen. Auch bei der Vermarktung können neue Wege gegangen und bestehende Strukturen umgangen werden, die die Wertschöpfung in die falschen Taschen leitet. Hier ist ein nichtkommerzieller Wissenstransfer u^nd vor allem ein Umdenken in der Entwicklungspolitik gefragt.

Lena Luig, Referentin Landwirtschaft und Ernährung, INKOTA-Netzwerk

Echter Nutzen für alle

Digitale Instrumente in der Landwirtschaft sind in Ländern des globalen Südens bisher bis auf Großbetriebe in Brasilien und Argentinien wenig verbreitet. Einfache Tools wie Wetter-Apps oder Apps zur Erkennung von Pflanzenkrankheiten können Kleinbäuerinnen und -bauern unterstützen, Ernteausfälle zu verringern und so im besten Fall ihre Einkommen zu steigern. Es braucht jedoch unbedingt Tools, die ohne ständige Internetverbindung auskommen. Bislang ist nur etwa die Hälfte der Menschen weltweit online. Zwischen dem globalen Norden und Süden, zwischen urbanen und ländlichen Räumen und auch zwischen Männern und Frauen besteht eine große Kluft. Zudem ist die Gefahr, dass datenschutzrechtliche Fragen in Ländern ohne adäquate Datenschutzgesetzgebung unter den Tisch fallen und Bäuerinnen und Bauern zum Spielball von Agrar- und Digitalkonzernen werden, die häufig primär ihre Produkte verkaufen möchten. Hinsichtlich der Datenspeicherung ist es zentral, Speicherkapazitäten in den Ländern aufzubauen, in denen die Daten erhoben werden. Es sollte darum gehen, digitale Instrumente mit und für die Bäuerinnen und Bauern zu entwickeln, die deren Bedürfnissen entsprechen und tatsächlich zu einer ökologisch nachhaltigen und selbstbestimmten Landwirtschaft beitragen. Wir sollten vorsichtig sein, die Digitalisierung im Agrarbereich um ihrer selbst willen voranzutreiben, sondern vor allem danach gehen, was wem wirklich nutzt, um Hunger und Armut zu überwinden.

Katrin Hofmann, Leserin

(Fast) wie die Großen

Digital anbauen und züchten, das geht auch im kleinen Maßstab. Meine Eltern zum Beispiel bauen leidenschaftlich gern Tomaten an. Dafür zimmern sie sich jede Session ein kleines Gewächshäuschen an einer anderen Stelle im Garten zusammen. Neuester Helfer ist ein automatisches Bewässerungssystem, dass die Pflanzen in bestimmten Bewässerungszyklen selbstständig gießt – und das immer zu günstigen Tageszeiten und nur mit der notwendigen Wassermenge. Gerade in den immer trockeneren Sommern hilft das, Wasser zu sparen, denn Ressourcen verschwenden macht meinen Eltern wirklich schlechte Laune. Meine Cousine wiederum züchtet Hasen. Und damit sie immer und überall sehen kann, wie es ihren Schätzchen geht, hat sie im Stall eine Webcam aufgestellt. Die schlägt sogar Alarm, wenn jemand nachts einbrechen sollte – egal ob Fuchs oder menschlicher Hasendieb. Mit einem Klick ist sie über ihr Smartphone live im Stall dabei. Nicht nur die großen landwirtschaftlichen Betriebe profitieren also von digitalen Technologien. Auch bei den vielen Gärtnern und Tierhaltern hat die smarte Zukunft schon begonnen.

Petra Döring, Leserin

Umdenken kostet

Ich glaube, dass wir alle davon profitieren, wenn die Landwirtschaft auch endlich im 21. Jahrhundert ankommt. Das ist nicht böse gemeint, ich sehe eher unglaubliche Chancen und Innovationen, die erst langsam Einzug in die Landwirtschaft halten. Ich glaube, dann kann noch effektiver und effizienter gearbeitet werden und davon profitieren letztlich wir alle. Aber es handelt sich hierbei nun mal um Investitionen, die zunächst erstmal getätigt werden müssen. Doch bei den Billigpreisen, die wir als Gesellschaft bereit sind zu zahlen, sehe ich da ehrlich gesagt eher schwarz. Auch hier zeigt sich, dass ein grundsätzliches Umdenken extrem wichtig ist, das würde schon viele Probleme lösen und vieles vereinfachen.

Hartmut Matthes, Geschäftsführer Bundesverband Lohnunternehmen (BLU)

Potenziale erkennen und nutzen

Eines der ersten digitalen Werkzeuge für die Landwirtschaft war Anfang der 1980er-Jahre BTX, Bildschirmtext. Er gehörte damals als Vorläufer von Internet und E-Mail zu den Wegbereitern einer neuen Technologie. Heute finden wir wie selbstverständlich digitale Lösungen auf unseren Höfen. Ob in der Administration, in der Automation von Maschinen und Anlagen sowie in der Prozessteuerung – denn ohne geht es heute nicht mehr. Das Besondere aber bleibt: Der Anbau von Getreide oder die Produktion von Milch sind das Ergebnis biologischer Prozesse. Sie lassen sich im Gegensatz zum Automobilbau oder der Logistik kaum standardisieren. Digitalisierung hilft dem Landwirt, die Zusammenhänge besser zu verstehen und zu lernen, nachhaltig mit Boden, Pflanze und Tier umzugehen. Ökonomie und Ökologie – beide profitieren. So unterstützen beispielsweise die satellitengestützte Analyse der Biomasseentwicklung auf dem Acker oder die Erfassung des Bewegungsprofils einer Milchkuh der Betriebsleitung, bessere Entscheidungen zu treffen. Automatische Lenksysteme ermöglichen eine Einsparung von bis sieben Prozent an Kraftstoff, optische Systeme erkennen unerwünschte Pflanzen, die gezielt mechanisch gehackt werden. Nahinfrarotsensoren bestimmen die Nährstoffgehalte von Gärrestsubstraten aus Biogasanlagen und erlauben eine bedarfsgerechte Ausbringung auf dem Feld. Aber bei all den Chancen – jedes Werkzeug ist nur so gut, wie es genutzt wird.

Josef Wackermund, Leser

Erst der Anfang

Denkt man an Landwirtschaft, denkt man an Acker und freilaufende Hühner. Dabei ist jeder Schritt in der Wertschöpfungskette, von Feld und Stall bis zur Gabel, bereits digital. Doch das war nur der Anfang: Heute reden wir von intelligenten Pflanzenbaustrategien und vollautomatischen Zuchtstellen, UV-Lampen, die das Sonnenlicht ersetzen, und intelligenten Bewässerungssystemen. Die heutige Landwirtschaft gilt es, neu zu entdecken.

Manfred Winkler, Leser

Netzausbau jetzt

Die Landwirtschaft kann nur so digital sein, wie es die Infrastruktur zulässt. Und daran hapert es in diesem Land gewaltig. Ok, von 5G als Standard für Anwendungen der Zukunft sind wir noch meilenweit entfernt. Aber dass es im Jahr 2020 immer noch weiße Flecken auf der Karte der Netzabdeckung gibt, ist ein Unding. Da sind Länder, die über eine noch größere Fläche mit einer viel geringeren Bevölkerungsdichte verfügen, schon viel weiter. Ich sehe hier gar nicht mal so sehr den Staat in der Verantwortung. Der Telekommunikationsmarkt ist privatisiert und dann sollten die Unternehmen, die mit ihren Angeboten nicht schlecht verdienen, auch bereit sein, in das Angebot zu investieren und alle teilhaben zu lassen.

Michael Reber, Landwirt

Altes Wissen neu erzählt

Anfang dieses Jahres habe ich mithilfe von über 130 Baumpaten einen Hektar meines intensiv genutzten Grünlands mit Streuobstbäumen bepflanzt. Agroforst heißt dieses Konzept für innovative Landnutzung. Jeder der 20 Bäume trägt aktiv zum Klimaschutz bei, reduziert schädliche Treibhausgase und bietet wichtige Lebens- und Rückzugsräume für Insekten, Vögel oder Wildtiere. Außerdem sorgen sie für Windschutz im Winter und für Schatten im Sommer, das Laub für den Humusaufbau im Boden. Auch wenn die Baumpaten-Aktion gezeigt hat, wie positiv das Feedback in der Bevölkerung ist, fehlt es mir und anderen innovativen Landwirten an der politischen Unterstützung. Beispielsweise verliert man seinen wertvollen Ackerstatus, wenn man sich für ein Agroforstsystem auf dem Acker entscheidet. Kein Wunder also, dass es oft schwerfällt, Verpächter von einem Agroforst zu überzeugen. Darüber hinaus würde ich mir wünschen, dass allgemein mehr Wissen zum Boden vermittelt werden würde. Wenn ich mit meinem 81-jährigen Vater rede, von dem ich den Hof übernommen habe, merke ich, dass uns in den letzten Jahrzehnten sehr viel Wissen verloren gegangen ist. Natürlich hilft uns bei vielem die Digitalisierung. Ich dünge mein 200 Hektar großes Feld mithilfe einer GPS-Steuerung. Das schont meinen Geldbeutel und die Umwelt. Dennoch darf Digitalisierung nur unterstützend sein, eine alleinige Lösung beim Klimaschutz bietet sie nicht.

Gregor Schmid, Leser

Direkt verbunden

Ich finde es faszinierend, wie sich die Landwirtschaft immer wieder neu erfindet. Die Bauern haben es geschafft, sich den stetig verändernden Bedingungen anzupassen, um die Ernährung der wachsenden Bevölkerung sicherzustellen. Da die Landwirtschaft leider aus dem Bewusstsein der meisten Menschen verschwunden ist, bekommen viele nicht mehr mit, dass die moderne Landwirtschaft eine Branche ist, die nicht nur einen starken Bezug zur Natur hat, sondern inzwischen auch hochtechnisiert ist. Die Digitalisierung kann helfen, die Landwirtschaft zukunftsfähig zu machen, und bietet gleichzeitig Chancen, Landwirte und Konsumenten wieder näher zusammenzubringen. Bei einigen Produkten kann man zum Beispiel direkt mit dem Produzenten verlinkt werden, um über einen Livestream zu sehen, wie es im Stall gerade aussieht.

Dörte Schulz, Leserin

Digital ist besser

Wenn Mensch und Tier glücklich sind und gut behandelt werden, kann die Landwirtschaft so digital sein, wie es geht. Das gilt übrigens auch für andere Branchen. Lieber ein glückliches Schnitzel vom ultramodernen Bio-Hof als ein Stück Fleisch von Tieren, die zwar traditionell, aber dafür nicht tiergerecht gehalten werden.

Bettina Hueske, Landwirtin und Agrar-Influencerin

Auf Höhe der Zeit

Die heutige Landwirtschaft ist vernetzt und digitalisiert. Mit dem Smartphone kann ich die Gesundheit jeder einzelnen Kuh überwachen, nachts über eine Kamera im Stall nach dem Rechten sehen, Daten online sammeln sowie Schnittstellen mit Beratern und externen Firmen schaffen. Große Maschinen fahren mit modernster Technik, um unsere Umwelt zu schonen und den wichtigen Lebensraum Natur zu erhalten. Wir nutzen diese Möglichkeiten ganz bewusst, um uns stetig zu überprüfen und unsere Arbeit zu verbessern. Dass unser Beruf nicht nur modern und technisiert, sondern auch im Alltag spannend, bunt und vielseitig ist, versuche ich Menschen aus der Stadt seit Jahren zu vermitteln. Ich zeige Kindern, wo die Milch herkommt und erkläre Erwachsenen, wie komplex und anspruchsvoll die Tierhaltung ist. Außerdem gebe ich seit einigen Jahren online einen Einblick in unsere täglichen Herausforderungen. Was mir hierbei persönlich besonders am Herzen liegt: Die Bevölkerung soll sehen, wie wichtig uns jedes einzelne Tier ist und dass jede Kuh einen Namen und einen eigenen Charakter hat. Wir schätzen unsere Tiere sehr und sind stolz auf die guten Lebensmittel, die sie täglich produzieren. Wir leben in einer Welt, in der das Leben fast nur noch online stattfindet. Diesen Wandel können und sollten wir für uns nutzen und dafür sorgen, dass unsere landwirtschaftlichen Betriebe durch mehr Akzeptanz noch über Generationen bestehen bleiben können.

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Wie innovativ ist die Landwirtschaft?

Schon immer haben sich Landwirte ihrer Umwelt und den Bedürfnissen der Menschen angepasst. Erzählen Sie uns, wie die Agrarwirtschaft Tradition mit Innovation verknüpfen und die Welt auch in Zukunft sicher ernähren kann.

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Henrik Tesch, Geschäftsführender Vorstand Forum Moderne Landwirtschaft, Leser

Die deutsche Landwirtschaft gehört zu den innovativsten Branchen überhaupt.

Technologien, die in anderen Bereichen erst noch erprobt werden müssen, wie beispielsweise autonome Fahrzeuge, sind schon längst Teil der modernen Landwirtschaft. Dabei ist die Bandbreite an Innovationen in der modernen Landwirtschaft ist groß. Ställe sind komplett digitalisiert und tragen so maßgeblich zu mehr Tierwohl bei. Satellitenkarten machen das Düngen und Ernten mit autonomen Traktoren äußerst präzise. Farmdroiden kommen sowohl in der konventionellen wie auch in der Biolandwirtschaft zum Einsatz. Was der Branche leider noch fehlt, ist die entsprechende Sichtbarkeit. Genau da wollen wir als Forum Moderne Landwirtschaft ansetzen und haben gemeinsam mit dem f3-Netzwerk den Innovationspreis „Moderne Landwirtschaft“ ins Leben gerufen. Wir möchten innovative Projekte in der Landwirtschaft für Verbraucherinnen und Verbraucher sichtbar machen und zeigen, wie innovativ und zukunftsorientiert die Branche schon jetzt ist. 

Johannes Werner, Leser

Verzerrte Realität

Ich glaube, dass viele Leute heutzutage absolut keine Ahnung haben, wie ein moderner Landwirt arbeitet. Da kollidieren im Kopf oft romantisch verklärte Vorstellungen von Wohlfühlfarmen à la „Old MacDonald hat ne Farm“ mit den schockierenden Bildern von Massentierhaltung und schlechten Bedingungen. Wie modern die meisten Höfe sind, wie innovativ unsere Bauern arbeiten und wie wichtig die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere für sie ist, weiß kaum jemand. Mein Tipp: einfach mal einen Ausflug aufs Land wagen und sich die Betriebe anschauen. Ich kann mir vorstellen, dass der ein oder andere sehr positiv überrascht wird.

Marion Schmidt, Leserin

Mammutaufgabe


Ich habe gelesen, dass bis zum Jahr 2050 laut UN-Prognosen knapp zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben werden. Aber die Erde hat gar nicht die Kapazitäten, um alle zu ernähren und es gibt bereits jetzt schon enorme Schwierigkeiten mit dem Anbau. Die Landwirtschaft muss also sehr innovativ sein, damit wir in Zukunft nicht alle verhungern.

Petra Blum, Leserin

Ich warte noch auf eine innovative Lösung, damit auf den Feldern in unmittelbarer Umgebung zu unserem Grundstück weniger Pestizide versprüht werden.

Dorothea Brückner, Forschungsstelle für Bienenkunde, Universität Bremen

Hilfe für die Helfer

Die Honigbiene, viele Hummelarten und Hunderte von solitären Wildbienenarten bestäuben die Blütenpflanzen unserer Landschaftsräume und Gärten. Sie sind unersetzbar für die Produktion von Gemüse und Obst, denn technische Lösungen zur Bestäubung von Pflanzen im Freiland stehen in absehbarer Zeit nicht zur Verfügung. Der dramatische Rückgang der Bestäuberarten muss jetzt durch innovative Maßnahmen in der Landwirtschaft beendet werden. Bislang gibt es sie nicht in ausreichendem Maße. Die Zerstörung von Habitaten, der übermäßige Einsatz von Insektiziden und Herbiziden sowie die Überdüngung der Böden muss gestoppt werden, denn sie alle sind ursächlich am beschleunigten Artensterben beteiligt. Nur eine tiefgreifende Änderung im politischen Handeln kann meiner Ansicht nach langfristig helfen, die notwendigen innovativen Veränderungen herbeizuführen. Erhebliche Subventionen müssen für nachhaltige und umweltfreundliche Agrarmethoden bereitgestellt werden. Schutz der Bestäuberarten bedeutet Umstrukturierung der Landschaft von großflächigen labilen Monokulturen zu kleinräumigeren stabileren Strukturen. Das Ergebnis wird ein Gewinn an natürlicher Stabilität der Ökosysteme, die Erhaltung der Bestäuberarten durch Restaurierung und Vergrößerung der Habitate sowie eine gesicherte natürliche Bestäubung sein. Die notwendige innovative Landwirtschaft wird es nur bei ausreichender Förderung geben.

Thomas Palm, Leser

Prügelknabe wider Willen

Das Ansehen der Landwirtschaft in Deutschland hat zuletzt stark gelitten. Wir haben nicht nur Kritiker, sondern auch echte ideologische Feinde. Für diese Gruppen sind wir Luzifer vom Lande. Die Landwirtschaft hat sich in den vergangenen 20 Jahren den Bedürfnissen der Verbraucher, des Handels und der Vermarkter anpassen müssen. Wir Bauernfamilien haben uns spezialisiert, investiert und uns hoch verschuldet. Insoweit sind die landwirtschaftlichen Betriebe innovativ, mutig und zukunftsorientiert. Jetzt aber stehen wir zunehmend in der Kritik wegen unserer „Massentierhaltung“, so das Totschlagargument. Ja, es ist richtig: Wir halten mehr Tiere als früher, weil wir mit moderner Technik und viel persönlichem und finanziellem Aufwand hohe Qualitäts- und Sicherheitsstandards gewährleisten müssen, damit die Tiere vermarktbar sind. Sonst müssten wir die Höfe schließen, wie das viele unserer Berufskollegen schon getan haben. Die Tiere sind unsere Existenz, jeder Bauer liebt seine Tiere. Es ging ihnen objektiv nie so gut wie heute. Gleichzeitig arbeiten wir an neuen Konzepten mit abgedunkelten Ruhebereichen, vielen Spielmöglichkeiten, Aufsitzflächen und Pick-, Scharr- und Sandbadegelegenheiten. Ich wünsche mir, dass die Menschen mehr nachfragen, auch im Restaurant, woher das Fleisch kommt. Dass sie den Kontakt zu den Bauern suchen, sich informieren und die vielfach zertifizierte Nahrungsmittelqualität aus Deutschland schätzen lernen.

Hermann Stecker, Leser

Digitale Tierfütterung ist innovativ: Das heißt Arbeitserleichterung und zu wenig essende, kranke Tiere werden schnell erkannt.

Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft

Innovation fördern

Gegenfrage: Was wäre, wenn sie nicht innovativ wäre? Wenn wir nur ein paar Jahrzehnte zurückschauen, haben wir die Antwort. Nämlich Hunger. Wir fühlen uns heute so sicher mit unserer Ernährung. Das sind wir aber nur, weil unsere Landwirtschaft innovativ ist. Die Stichworte heißen Digitalisierung und Präzisionslandwirtschaft. Im Moment vor allem mit dem Ziel, durch Innovation noch nachhaltiger zu werden. Beispielsweise durch Drohnen, die über Maisfelder fliegen und Schlupfwespen abwerfen, damit sie Schädlinge vernichten. Oder durch Traktoren, die über Geodaten gesteuert zentimetergenau Pflanzenschutzmittel oder Dünger sprühen und so deren Einsatz minimieren. Autonomes Fahren ist in der Landwirtschaft oft schon Realität. Bei der Tierhaltung hilft Digitalisierung, früh zu erkennen, wenn es einem Tier nicht gut geht. Die Daten werden direkt auf den Rechner des Landwirts übertragen. Was noch spannend ist: In der Landwirtschaft heißt Innovation auch „zurück zu den Wurzeln“. Etwa wenn wir alte Sorten wieder entdecken – zum Beispiel Äpfel, die weniger Allergien verursachen, resistenter sind oder besser mit dem Klimawandel fertig werden. Mein Ministerium hat den viertgrößten Forschungsetat in der Bundesregierung, um genau das möglich zu machen. Deshalb sind Digitalisierung und Forschung auch Schwerpunkte meiner Politik. Weil sie die Landwirtschaft nachhaltiger machen und ihr zu mehr Akzeptanz in der Gesellschaft verhelfen.

Klaus Pentzlin, Präsident Bundesverband Lohnunternehmen (BLU)

Neue Arbeitsteilung

Während ein Landwirt zu Beginn des vorherigen Jahrhunderts weniger als fünf Menschen ernährte, sind es heute mehr als 150. Das ist nicht das Ergebnis von mehr Fleiß oder Muskelkraft, sondern von Know-how und Innovation. Wie in allen Bereichen unseres täglichen Lebens – Menschen streben danach, Dinge besser und einfacher zu machen. Dabei geht es oft darum, neue Technologien und nachhaltige Methoden zu nutzen, diese aber nicht zwangsläufig auch zu besitzen. Durch Arbeitsteilung werden auch in der Landwirtschaft Kräfte freigesetzt. Der Landwirt konzentriert sich auf sein Kerngeschäft, etwa die Tierhaltung oder das Betriebsmanagement, und überlässt Arbeiten auf dem Acker mit kapitalintensiven und modernen Maschinen seinem professionellen und fundiert ausgebildeten Dienstleister: dem landwirtschaftlichen Lohnunternehmer. Düngung der Pflanzen nach Bedarf, Pflanzenschutz nur dort, wo es nötig ist, Bodenschonung und so weiter. Die modernen Agrardienstleister ermöglichen auch mittleren und kleinen Betrieben den Zugang zu Lösungen, die die Belange von Natur und Umwelt ökologisch nachhaltig – auch im Sinne von Verbrauchern und Landwirten – berücksichtigen helfen. Smart Farming, Landwirtschaft 4.0 – Digitalisierung ist zum Alltag in den Betrieben geworden und ermöglicht quasi eine „minimal-invasive“ Bewirtschaftung. Auch wenn es widersprüchlich erscheint: Nachhaltigkeit ist keine Frage von Größe und PS, sondern von Intelligenz.

Anna Maria Wesener, Leserin

Nichts als Profit

Ich lebe in einem Dorf, das umgeben ist von großflächiger Agrarwirtschaft. Wir alle, die wir hier leben, bezahlen dafür: unsere Straßen werden von Jahr zu Jahr schlechter. Denn die riesigen landwirtschaftlichen Fahrzeuge fahren über unsere Verbindungsstraßen zwischen den Dörfern, fahren durch die Dörfer und jedes Jahr werden die Löcher in den Straßen größer. Jedes Jahr flickt der Landkreis diese Löcher. Jedes Jahr brechen sie im Frost wieder neu auf. Weiterhin bezahlen wir mit der Beeinträchtigung unseres Wohlbefindens: Im Frühjahr werden Unmengen von Gülle aus der intensiven Tierhaltung auf die Felder gekippt. Über dem Land liegt dann ein schwerer und ekelerregender Ammoniakgeruch. Weiterhin müssen wir ertragen, dass die eintönig mit Mais oder Raps bebauten Felder – wobei es keine wirkliche Fruchtfolge gibt, sondern auch mal drei Jahre hintereinander Mais angebaut wird – vor der Aussaat, kurz nach der Aussaat, irgendwann zwischendrin und kurz vor der Ernte mit Unkrautvernichtern und Insektengiften gespritzt wird. Nachts kann es ihnen, wenn sie bei offenem Fenster schlafen, passieren, dass sie vom scharfen Geruch dieser Gifte wach werden. Daher kann ich hier von einer innovativen Landwirtschaft nur träumen. Ich wünsche mir eine Landwirtschaft, die das Wohlergehen von Mensch, Pflanze und Tier respektiert und ins Zentrum rückt. Was hier passiert, ist geldgetriebene Subventionswirtschaft.

Thomas Bernrieder, Leser

Mut lohnt sich

Als ich mich vor acht Jahren nach vielen Überlegungen dafür entschieden habe, den Familienhof weiterzuführen, war ich von einer Mischung aus Euphorie und Zukunftsangst beherrscht. Jetzt kann ich sagen, dass die Entscheidung genau richtig war. Zukunftsängste gibt es zwar immer noch, denn das Wetter, politische Entscheidungen und ein Weltmarkt, den man nicht beeinflussen kann, lassen einen manchmal verzweifeln. Aber dann überwiegen die Momente, in denen man genau weiß, dass man den schönsten Beruf, den es gibt, für sich gewählt hat. Wenn im Herbst der Frühnebel auf den Feldern liegt und langsam von der Sonne aufgelöst wird, spürt man eine tiefe Verbundenheit zur Natur. Besonders schön ist, dass wir als Familie zusammen leben und arbeiten dürfen. Meine Eltern mit ihrer Erfahrung und inneren Ruhe sind eine wichtige Stütze für mich und meine Frau. Auch bei unseren Veränderungen haben sie, vielleicht auch mit Bauchschmerzen, mitgezogen. Durch die Solaranlage produzieren wir unseren eigenen Strom und der Anbau von Buchweizen macht uns ein Stück weit unabhängiger vom Markt. Und unsere 30 Bienenvölker sorgen für über 800 Kilogramm Honig, der sich sehr gut verkaufen lässt.

Gerd F., Leser

Geiz ist nicht geil


Finger weg von Billigfleisch! Auch um die Angebote bei Supermarktketten zur Grillsaison sollte man einen großen Bogen machen. Schwein, Rind oder Huhn, eingelegt in gezuckerten Soßen, für wenige Euro zu verkaufen, sollte meiner Meinung nach verboten werden. Das macht den Markt kaputt und steht in keinem Verhältnis zu der Arbeit, die die Bauern leisten.


Julia Minck, Leserin

Das richtige Gespür

Eine innovative Landwirtschaft ist für mich eine Landwirtschaft, die Nischen findet und nutzt. Ich persönlich liebe es, auf der „Grünen Woche“ in Berlin zu sein und Neues aus der Landwirtschaft zu entdecken – ob Heilpflanzenanbau, Urlaub auf dem Bauernhof oder besondere Sorten und Tierrassen auf Feld und Hof. Bauern waren immer Innovatoren und je kreativer sie sind, desto besser sind ihre Marktchancen und ihre Wahrnehmung in der Gesellschaft.

Norbert Böhmer, Leser

So innovativ wie die Subventionierung.

Prof. Dr. Uwe Faust, Leser

Landwirtschaft nicht als Klimaschoner verkaufen!

Weder kann das biologische Landwirtschaften den Hunger der Weltbevölkerung stillen noch die konventionelle Landwirtschaft einen positiven Klimabeitrag leisten. Deshalb nicht hieran herumdoktern. Große Flächen auf unserem Planeten können mit heutiger Technologie durch Meerwasserentsalzung, aus Photovoltaik gewonnen, bewalden und mit biologischer Landwirtschaft durchdringen (z.B. ganz Australien, flache Flächen in Nordafrika, Mexiko), damit das Klima positiv beeinflussen, CO2 in Biomasse binden, Biodiversität wieder erhöhen). Unsere gesamten Globalprobleme können aber nur durch eine schrittweise, langsame, nachhaltige Degression der Bevölkerung durch Aufklärung bis auf ca. 1 Mrd Menschen gelöst werden. Dabei kann jeder Mensch im Wohlstand leben.

Joachim Rukwied, Leser_In

Landwirt sucht Netz

Kaum eine Branche muss so sehr auf kurzfristige Entwicklungen reagieren wie die Landwirtschaft. Das Wetter oder Marktschwankungen zwingen zu schnellen, oft unkonventionellen Entscheidungen. Daher ist gerade die Landwirtschaft besonders aufge- schlossen für Innovationen. Zweidrittel der Bauern sagen, dass sie der Di- gitalisierung offen gegenüberstehen. Viele Höfe sind bereits mit digitalem Hightech ausgestattet. So arbeiten sie effizienter und nachhaltiger – und damit ressourcen- und klimaschonender. Digital Farming und Precisi- on Farming sind die Schlagworte, die die moderne Landwirtschaft derzeit beschreiben. Landwirte nutzen GPS- Daten, um mit teilweise selbstfahrenden Landmaschinen Düngemittel präziser auszubringen oder Pflanzen gezielter zu behandeln. Wetter-Apps, Drohnen, Melkroboter und andere Datenmanagementsysteme helfen, Ernteverfahren zu optimieren und die Betriebe auch wirtschaftlich zu stärken. Doch dafür sind die Land- wirte auf schnelle Internetverbindun- gen angewiesen, an denen es häufig in ländlichen Regionen noch immer mangelt. Laut einer repräsentativen Umfrage des Deutschen Bauernverbandes sind 77 Prozent der Landwirte mit ihrem Zugang zum Netz nicht zufrieden. Die Pläne der Bundesre- gierung, bis 2025 flächendeckend ein gigabit-fähiges Netz ausgebaut zu haben, sind zu wenig ambitioniert. Wir verlieren Zeit und vergeben Chancen, unsere Betriebe im internationalen Wettbewerb stark zu machen.

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