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Was kann die Medizin von morgen?

Von harmlosen Wehwehchen über schwere Erkrankungen bis zum langen Leben: Die Medizin sucht ständig nach Lösungen, um unser Leben zu verbessern. Schreiben Sie uns, von welcher medizinischen Innovation wir bald profitieren könnten.

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Prof. Dr. Otmar D. Wiestler, Präsident Helmholtz-Gemeinschaft

Riesige Potenziale

Die atemberaubende digitale Transformation unseres Lebens wird der Medizin ungeahnte Möglichkeiten eröffnen: Roboter werden Ärzte bei Operationen unterstützen, personalisierte Therapien Patienten passgenaue Behandlungen ermöglichen und bildgebende Verfahren wie das MRT dank immer genauerer Diagnosen die Zahl operativer Eingriffe verringern helfen. Auch auf dem Gebiet der Prävention und der Früherkennung eröffnen sich neue Perspektiven. Mit der Auswertung großer Datenmengen lassen sich epidemiologische Vorhersagen viel genauer treffen, etwa zur globalen Ausbreitung von Infektionskrankheiten. Eine Herausforderung wird dabei sein, Methoden des maschinellen Lernens und der Künstlichen Intelligenz mit medizinischen Befunden zu kombinieren, um aus komplexen biomedizinischen Daten neues Wissen zu schöpfen. Die Ergebnisse dieser Forschung werden direkt bei den Patienten ankommen. Die Helmholtz-Gemeinschaft kann hier mit ihrem systemischen Ansatz und ihren nationalen und internationalen Kooperationen wichtige Beiträge leisten. Im Forschungsbereich Gesundheit untersuchen wir zum Beispiel die Ursachen und die Entstehung großer Volkskrankheiten wie Krebs, Herz-Kreislauf- oder Stoffwechselkrankheiten, Erkrankungen des Nervensystems oder psychische Erkrankungen. Für die personalisierte Medizin von morgen setzen wir auf disziplin- und grenzüberschreitenden Austausch und schaffen damit die Basis für eine datenbasierte Medizin der Zukunft.

Merle Sabrina Klein, Leserin

Unentbehrliche Helfer

Ich arbeite seit drei Jahren als Gesundheits- und Krankenpflegerin. Es ist ein Knochenjob, aber für mich definitiv das, was ich schon immer machen wollte: Menschen helfen. Ich arbeite in einem Krankenhaus. Dort geht es oft stressig zu und manchmal möchte man sich am liebsten dreiteilen, um allen Patienten gerecht zu werden. Mir ist bewusst, dass dieser Beruf nichts für jeden ist. Sich um kranke Menschen zu kümmern, kann eine große Bereicherung sein, aber auch – neben der körperlichen Belastung – sehr auf die Psyche schlagen. Ich denke, das Schönste an meinem Job ist zu sehen, wie sich ein Patient Stück für Stück erholt und wieder gesund wird. Ich unterstütze ihn nach Operationen und kann seine Stütze auf dem Weg zur Genesung sein. Dabei lerne ich viele unterschiedliche Menschen kennen und muss mich immer entsprechend anpassen. Denn nicht jeder Patient geht beispielsweise gleich mit Schmerzen um. Ich würde mir von der Medizin von morgen wünschen, dass wir noch genauer erkennen können, was einem Kranken fehlt, und auch die Möglichkeiten bekommen, optimal auf die Beschwerden und Bedürfnisse eines jeden einzugehen. Denn Fakt ist, dass wir noch immer einen großen Fachkräftemangel in Deutschland haben und somit auch oft die Zeit für eine angemessene Behandlung und Betreuung fehlt. Ich würde mir wünschen, dass sich mehr Leute für unsere wichtige Arbeit begeistern und wir für unsere Leistungen auch entsprechend gewürdigt werden.

Prof. Dr. Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender und Wissenschaftlicher Vorstand Deutsches Krebs- forschungszentrum

In der Offensive

Für die nächsten Jahrzehnte gehe ich davon aus, dass wir Krebs zwar nicht vollständig besiegen, aber die Krankheit deutlich zurückdrängen können. Wir setzen dabei auf kombinierte Verbesserungen in der Vorbeugung, Früherkennung und Entwicklung personalisierter Therapien. Es liegt in der Biologie, dass wir immer mit einem gewissen Krebsrisiko leben müssen. Aber dieses Risiko können wir erheblich verringern. Würden alle heute bekannten Möglichkeiten der Prävention konsequent umgesetzt, ließe sich die Zahl der Krebsfälle um mehr als 40 Prozent senken. Die Maßnahmen sind bekannt: Nichtrauchen, wenig Alkohol, ein aktiver Lebensstil bei normalem Körpergewicht, Sonnenschutz, Impfungen und eine intelligente, risikoadaptierte Früherkennung. Durch verbesserte Methoden zum Nachweis von Tumormarkern werden wir in Zukunft den Anteil früh erkannter, heilbarer Tumoren und Vorstufen deutlich erhöhen können. Eine einzelne „Universaltherapie“ gegen Krebs halte ich für unwahrscheinlich. Dazu sind die Krebsarten zu unterschiedlich und die Tumorzellen zu anpassungsfähig. Doch auf der Basis des individuellen molekularen Profils der Tumoren werden wir immer mehr zielgerichtete Medikamente, personalisierte Strahlen- und Immuntherapien und auch Gentherapien entwickeln, die in Kombination auch fortgeschrittene Tumorleiden aufhalten können. So kann es uns gelingen, Krebs von einer tödlichen in eine beherrschbare Erkrankung mit guter Lebensqualität umzuwandeln.

Konstantin Primbas, Leser

Nächste Schritte

Der medizinische Fortschritt wird in den nächsten Jahren sehr groß sein. Die Digitalisierung des Gesundheitswesens steht bevor: Das E-Rezept kommt, Telemedizin wird erlaubt und es gibt immer mehr Spezialisten unter den Ärzten wie auch bei den Heilberufen. Es werden Daten jedes Einzelnen gesammelt, die dabei helfen, den Patienten umfassender zu behandeln, schnellere und bessere Diagnosen zu stellen und damit Krankheiten zu bannen. Der verantwortungsbewusste Umgang mit der Technik entscheidet, ob dem Patienten in der Zukunft auch besser geholfen wird. Die Medizin ist heute auf neue Arzneimittel ausgerichtet, sehr teuer und nebenwirkungsreich. Bei den Arzneimitteln wird es wenige Neuentwicklungen geben, da die Forschung mittlerweile zu teuer und riskant für die Pharmaindustrie geworden ist. Die bestehenden Medikamente werden jedoch in der Herstellungsweise besser und moderner, wenn beispielsweise Impfungen über die Nasenschleimhaut wirken können und ohne Spritzen auskommen. Große Hoffnungen setze ich in den Fortschritt in der Genetik und der Antikörpertherapie, wenn durch den „genetischen Fingerabdruck“ bei Krebs oder seltenen Krankheiten früher therapiert werden kann oder sogar Krankheiten in der Zukunft ganz verschwinden. Schon heute ist der Fortschritt in diesem Bereich bemerkenswert, wenn etwa ein Designer-Molekül beim Einsatz gegen den schwarzen Hautkrebs Krebszellen in die Selbstzerstörung führen kann.

Meike Riemann, Leserin

Nichts vernachlässigen

Von der Medizin von morgen wünsche ich mir, dass die verschiedenen Ärzte und deren Bereiche mehr Hand in Hand arbeiten, damit Zusammenhänge besser erkannt und verstanden werden. Heute weiß man etwa, dass der Darm eine große Rolle spielt. Daher wünsche ich mir, dass der mehr erforscht und den Zusammenhängen von Krankheiten so besser auf den Grund gegangen wird. Ich erhoffe mir, das Medikamente nicht nach Profit, sondern nach Bedarf produziert werden. Und was dringend heute schon beginnen muss und leider durch die derzeitige Politik in eine noch schlechtere Lage gerät sind Pflege und Geburt. Gesundheit fängt schon bei der Schwangerschaft an und eine gute Pflege, die Zeit hat, sich um die Patienten zu kümmern, sollte nicht unterschätzt werden.

Karin Unkrig, Leserin

Neue Grundsätz

Die Medizin von morgen fragt nicht, ob man privatversichert ist und hat dann einen Termin oder eben nicht; sie denkt interdisziplinär – HNO-Ärzte kennen sich mit Akustikhilfen aus, Dentisten reagieren bei Essstörungen, Neurologen suchen Schmerzen auch mal in der Seele, Gynäkologinnen bitten gelegentlich den Partner mit zum Gespräch; sie richtet ihren Blick auf den Patienten, nicht ausschließlich auf den Bildschirm; sie verschreibt weniger Schlaf- und dafür mehr Schmerzmittel und Antidepressiva; sie verordnet Lachen, Leichtigkeit und echte Erholung; und sie überwindet das Trauma der Euthanasie und akzeptiert den Wunsch eines würdevollen Alterns und Sterbens.

Greta Bertel, Leserin

Das Wichtigste ist Leben retten – und hoffentlich nicht nur das von Menschen einer reichen Nation.

Prof. Dr. Michael P. Manns, Vorsitzender des Vorstandes Deutsche Leberstiftung

Welt ohne Hepatitis?

Als Hepatitis bezeichnet man eine Entzündung der Leber bedingt durch eine Infektion mit einem der fünf Hepatitis-Viren A, B, C, D oder E, früher auch als „Gelbsucht“ bezeichnet. Hepatitis B, C oder D können chronisch verlaufen und zu Leberzirrhose, Leberkrebs und somit zum Tod des Patienten führen. Über 500 Millionen Menschen sind mit einem dieser Hepatitis-Viren chronisch infiziert. Es gibt inzwischen mehr Todesfälle durch Hepatitis als durch HIV. Eine ganz besondere Hepatitis-Infektion stellt die Hepatitis C dar mit 70 bis 100 Millionen chronisch Infizierten. Seit der Entdeckung vor 29 Jahren und der erfolgreichen Forschung können heute über 95 Prozent der Patienten durch eine Kombination mehrerer Medikamente geheilt werden. Dies ist eine Sensation der modernen Medizin und wichtig, da ein Impfstoff gegen die Hepatitis C auf absehbare Zeit nicht verfügbar sein wird. Es ist eine große Herausforderung, das Hepatitis-C-Virus nur mit antiviraler Therapie auszulöschen. Die Patienten mit Hepatitis C müssen dafür durch Screening-Programme aufgespürt und dann behandelt werden. In Deutschland wird geschätzt, dass etwa 250.000 Patienten mit Hepatitis C chronisch infiziert sind. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat daher ein Eliminationsprogramm zur Ausrottung der Hepatitis C ausgerufen mit dem Ziel, bis 2030 90 Prozent der Hepatitis-C-Patienten zu diagnostizieren, 80 Prozent zu behandeln und die Todesrate um 65 Prozent zurückzudrängen.

Tarik Özkök, Leser

Individuell ansetzen

Die Frage klingt so, als ob es nur durch Technik Innovation und Fortschritt geben kann. Die medizinische Technik kann, wie sich gezeigt hat, Enormes leisten und ist zu begrüßen. Allerdings scheint der teilweise unverhältnismäßige Einsatz vieler Techniken für die Kostensteigerungen im Gesundheitswesen mit verantwortlich zu sein. Daher sollte in der medizinischen Ausbildung der Zukunft unbedingt die unmittelbare Wahrnehmungsfähigkeit der Ärzte geschult werden. Krankheiten werden immer individueller und so müssen sich die Ärzte auch immer mehr darauf einstellen, den konkreten Menschen, den sie zu behandeln haben, im Ganzen in den Blick zu nehmen. Damit kann man zwar weniger Geld verdienen, aber effektiver heilen.

Dr. Gerd Eisenbeiß, Leser

Ganzheitlich im Dienst

Immer mehr Funktionen und Reaktionen des Körpers werden auf molekularer Ebene verstanden werden. Das ermöglicht der Medizin gezieltere Eingriffe bis hin zu individualisierten Medikamenten. Vielleicht wird die Medizin den Menschen auch über die technischen und pharmakologischen Maßnahmen hinaus ganzheitlicher behandeln, weil viel Arbeitsvolumen in automatisierbaren Produktionsbereichen wegfällt und mehr gesundheitsorientierte Dienstleistungen möglich werden.

Prof. Dr. Marion Kiechle, Bayerische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst

Geteiltes Wissen

Die Möglichkeiten der Medizin von heute sind so umfassend wie noch nie in der Geschichte der Menschheit. Warum? Weil seit Jahrzehnten Spitzenforschung in diesem Bereich ermöglicht wird. Die Rahmenbedingungen für Wissenschaftler sind in Bayern sehr gut – der Nutzwert der Erkenntnisse könnte aber noch weiter gesteigert werden. Ein Beispiel: Für einen erfolgreichen Wissenstransfer ist die Digitalisierung unerlässlich. Deshalb ist die Medizininformatik ein Kompetenzfeld, das nicht nur neue Impulse in der Forschung setzen wird, sondern auch der optimalen Versorgung der Patienten dient. Hier möchte ich konkret die Telemedizin anführen: Meine Vision ist, dass die Spezialisten aller sechs bayerischen Universitätskliniken ihr Know-how mit ihren Kollegen im gesamten Freistaat teilen und den Menschen somit die bestmögliche Diagnose und Therapie zu Teil wird. Außerdem wird Spitzenforschung in der Medizin in der Zukunft noch interdisziplinärer aufgestellt sein. Ich sehe in der translationalen Forschung enormes Potenzial – ganz besonders in der Krebsforschung. Mediziner, Naturwissenschaftler und Ingenieure gehen hier gemeinsam neue, ungewöhnliche Wege, um neue Diagnose- und Therapieoptionen zu entwickeln. Bahnbrechende neue Erkenntnisse sind oft das Ergebnis von zunächst vielleicht riskanten oder gar abwegigen Ideen. Die Spitzenforschung muss solchen Impulsen Raum geben – nur dann sind entscheidende Fortschritte in der Medizin möglich.

Dr. Klaus Reinhardt, Vorsitzender Hartmannbund – Verband der Ärzte Deutschlands

Der Arzt bleibt

Digitalisierung wird nicht nur die Optionen von Medizin, sondern auch die Rolle der in ihr tätigen Akteure massiv verändern. Neue technische Möglichkeiten werden – intelligent und maßvoll angewendet – sowohl Patientinnen und Patienten als auch Ärztinnen und Ärzten bisher noch kaum zu erahnende Chancen eröffnen. Automatisierte Algorithmen werden Entscheidungen in Diagnose und Therapie immer stärker beeinflussen. Die kontinuierlich wachsenden Möglichkeiten des Zugriffs auf große Datenpools – Stichwort Big Data – werden die Qualität der Diagnoseerstellung erhöhen und therapeutische Entscheidungen auf eine noch fundiertere Basis stellen. Dabei müssen wir uns aber vor Augen führen, dass die „Klugheit“ und damit der Nutzen des Rechners zwingend abhängig ist von der Klugheit jener, die ihn speisen und fragen. Deshalb bedarf es als Basis für die Formulierung dieser Algorithmen ärztlicher Erfahrung. Es braucht gewissermaßen einen intelligenten Dialog zwischen Mensch und Maschine, soll deren Antwort für Arzt und Patienten wirklich sinnvoll und gewinnbringend sein. Was am Ende kein Algorithmus und kein Rechner ersetzen kann, ist die Empathie des Arztes gegenüber dem ihm anvertrauten Patienten. Deshalb werden Ärztinnen und Ärzte – jenseits aller künftigen technischen und wissenschaftlichen Möglichkeiten – immer die zentralen Akteure des Gesundheitswesens bleiben.

Gerd Schmidt, Leser

Genauer diagnostizieren, um unnötige Operationen zu vermeiden.

Jens Spahn, Bundesminister für Gesundheit

Für eine gute Medizin von morgen

Unser Gesundheitswesen ist eines der besten der Welt. Aber das heißt nicht, dass wir es nicht noch besser machen könnten. Die Digitalisierung kann uns dabei helfen. Denn damit bekommen wir die Chance, die Gesundheitsversorgung stärker selbst zu steuern. In Online-Videosprechstunden werden unkomplizierte Fragen rasch geklärt. Arztbesuche beschränken wir auf Fälle, in denen etwa eine eingehende Untersuchung notwendig ist. Durch den Austausch qualitätsgesicherter Gesundheitsinformationen über Apps, die Hinweise zur Ernährung oder auf Umwelteinflüsse einbeziehen, können wir uns vor der Verschlechterung oder dem Entstehen einer Erkrankung schützen. Damit die Online-Sprechstunde und das Verschicken hochsensibler Gesundheitsdaten funktioniert und damit die E-Patientenakte Wirklichkeit wird, vernetzen wir heute Ärzte, Zahnärzte, Krankenhäuser, Apotheken und Krankenkassen in einer sicheren Kommunikationsinfrastruktur. Aber wir schaffen nicht den gläsernen Patienten. Vielmehr sollen Patientinnen und Patienten die Kontrolle über ihre persönlichen Gesundheitsdaten haben. Und sie sollen entscheiden, ob und wem sie die Daten zur Verfügung stellen. Künftig sollen alle rascher von neuesten Erkenntnissen aus Wissenschaft und Forschung profitieren. Ziel sollte ein Gesundheitssystem sein, in dem stets die richtige Person auf bestmöglichem Wissensstand die richtige Information zur richtigen Zeit hat, damit der Alltag unserer Bürgerinnen und Bürger besser wird.

Katja Wienfeld, Leserin

Praktisch denken

Medizin von morgen ist für mich nicht nur Forschung, sondern sollte sich auch den praktischen Dingen widmen. Ich würde mir wünschen, dass man auch für so manchen Arzt- besuch eine bessere Lösung findet als etwa mit Grippe vier Stunden im Wartezimmer zu sitzen, wo man dazu noch alle ansteckt.

Carmen P., Leserin

Hand in Hand

Die Medizin von morgen hat wichtige Aufgaben. Denn gegen bestimmte Krankheiten wie Krebs gibt es bislang keine Heilmittel. Da der Mensch nur ein Leben hat, sollte er es optimal nutzen. Medizin sollte ihm dabei helfen, mit einer menschenwürdigen Behandlung. Die finanziellen Mittel sollten gezielt eingesetzt werden, aber nicht nur für Medizin, Geräte und Einrichtungen. Hier sollte nicht vergessen werden zu fragen, was für den einzelnen Menschen getan werden kann, um ihn zu helfen. Somit sollten auch die alten Hausmittel aus der Natur wieder Anwendung finden. Der Mensch selber kann auch seinen Beitrag leisten: durch gesunde Ernährung und viel Bewegung.

Johannes E., Leser

Nie mehr als nötig

Seltsam, ich habe auf Anhieb wenig konkrete Hoffnungen, aber einige konkrete Sorgen, sobald ich an die moderne avancierte Medizin und ihre künftige Entwicklung denke. Die Tendenz geht ganz offenkundig zu verschärfter Datenerhebung bei Behandlung, Vorbeugung und Kontrolle. Solange das restlos individualisiert und in Bezug auf konkrete Symptome geschieht, habe ich nichts dagegen. Doch ich fürchte, die langen Zwischenräume, in denen man gedankenlos gesund leben kann, „weil da soweit nichts ist“, werden schrumpfen, wenn die digitale Überwachung von allerlei Körperfunktionen weiter zunimmt. Dabei lebe ich lieber mit den Risiken nichtoptimaler Vorsorge und verspäteter Behandlung, als mich regelmäßig mit den Schwankungen meiner physischen Daten und entsprechenden Empfehlungen der nicht selten zynischen Krankheitsindustrie zu befassen. Was die Gentechnologie in der Medizin angeht: Ich habe die spektakulären Verheißungen von Anfang an verfolgt. Viele haben sich als lächerlich erwiesen, einige Erfolge sind verblüffend. Ob sie mir persönlich etwas bringen, darum kümmere ich mich, wenn ich krank in der Klinik liege. Kurz: Ich möchte ein analoger Mensch sein und kein digitaler Patient. Und das heißt: Ich erwarte von der modernen Medizin, dass sie mich in Ruhe lässt, bis ich auf sie zukomme. Gegen die schwerste Krankheit des Systems, den gleichmacherischen, technisch basierten Optimierungswahn, dürfte die moderne Medizin keine Chance haben.

Charles L., Leser

Besser vorbeugen

Ich bin ein Freund der Vorsorge und nicht der Nachsorge. Deswegen würde ich jedem empfehlen, auch wenn man noch jung ist, auf gute Vorsorge zu achten. Wir können sehr viel Einfluss auf unseren Körper nehmen und auch viel kaputtmachen. Dass man sich einfach mal Blut abnehmen und analysieren lässt, guckt, wo man gegebenenfalls ein paar erhöhte Werte oder vielleicht auch Mangelerscheinungen bei bestimmten Vitaminen oder dergleichen hat. Hier kann man schon in jungen Jahren sehr viel vorbeugen, sodass im Alter dann gar nicht so viel Schlimmes passiert. Zusammenfassend würde ich sagen: Bewusstseinsveränderung für die vorbeugende Medizin sollte sich verändern.

Fenja Haselmann, Leserin

Die Medizin liefert die Forschungsergebnisse, aber es sind Kampagnen, die greifen müssen, wie bei den Anti-Raucher-Kampagnen.

Prof. Dr. Helga Frank, Internistin und Diabetologin

Kampf dem Diabetes

Der Diabetes mellitus ist eine der weltweit führenden Volkskrankheiten. Insbesondere der Typ-2-Diabetes, der mit Übergewicht und Bewegungsarmut assoziiert ist, nimmt zu. Dagegen ist der Typ-1-Diabetes verursacht durch Autoimmunprozesse und beruht auch auf einer genetischen Veranlagung. Demzufolge muss und wird die Medizin von morgen speziell an den pathophysiologischen Ursachen ansetzen. Beim Typ 2 Diabetes muss der Schwerpunkt auf der Prävention liegen mit guter, kalorienreduzierter Ernährung und Förderung von körperlicher Aktivität, die am besten im Schulkind-Alter beginnen sollte. Neue Medikamente werden neben der Blutzuckersenkung auch zur Senkung der Herz-Kreislauf-bedingten Sterblichkeit und des Risikos einer Unterzuckerung zum Einsatz kommen. Für neue Therapiekonzepte werden die Erforschung von molekularen Mechanismen zum Schutz und zum Erhalt der Insulin-produzierenden Pankreas-Inselzellen und die Identifikation der sogenannten „Diabetesgene“ von Interesse sein. Auch der Einsatz von Aptameren ist denkbar. Beim Typ-1-Diabetes könnte der gezielte Einsatz immunsuppressiver Medikamente zukünftig weitere Behandlungsoptionen bieten. Flankiert werden muss dies von der sogenannten Versorgungsforschung und Epidemiologie – zur systematischen Aufarbeitung von populationsbasierten Daten. Auch die Telemedizin wird künftig für den Arzt-Patienten-Kontakt und die Steuerung der Medikamenteneinstellung eine große Rolle spielen.

Jens Bressner, Leser

Besser kommunizieren und so überzeugen – etwa zur Organspende.

Aaron Wuhl, Leser

Hilfe aus der Natur

Ich sehe die Zukunft der Medizin in alternativen Behandlungsmethoden, denn in der Natur finden sich alle wichtigen Stoffe zur Gesunderhaltung des Menschen. Der wichtigste Aspekt ist hierbei, den Menschen aufzuklären und Hilfestellung zu leisten, damit er wieder lernt, Eigenverantwortung für seinen Körper zu übernehmen und die Signale des Körpers wahrzunehmen.

Dr. Norman Koglin, Leser und Wissenschaftler

Bessere Diagnose

Die Alzheimer-Erkrankung ist trotz intensiver Forschung noch immer eine unheilbare Demenz und die Diagnose gerade im frühen Stadium schwierig. Ein Merkmal von Alzheimer-Patienten sind spezifische Ablagerungen im Gehirn, die Amyloid-Beta-Plaques. Zugelassene Diagnostika für ein bildgebendes Untersuchungsverfahren, die Positronen-Emissions-Tomographie (Amyloid-PET), ermöglichen den direkten Nachweis dieser Ablagerungen im Gehirn. Liegen keine derartigen Plaques vor, kann Alzheimer als Demenzursache mit hoher Sicherheit ausgeschlossen werden. Der Nachweis solcher Ablagerungen, aber auch deren Ausschluss ist besonders für Patienten von Bedeutung, die unter stetig nachlassenden kognitiven Fähigkeiten leiden und trotz gründlicher Untersuchungen bisher eine unklare Diagnose haben. Eine gesicherte Diagnose ermöglicht dem behandelnden Arzt, zur Verfügung stehende Möglichkeiten besser zu nutzen. So kann zum Beispiel versucht werden, den Krankheitsverlauf durch Gedächtnistraining, Sport oder Ernährung positiv zu beeinflussen oder andere Demenzursachen zu identifizieren. Auch das Umfeld des Betroffenen kann frühzeitiger notwendige Vorkehrungen treffen. Neue Wirkstoffe, die Alzheimer ursächlich behandeln, sind in der Entwicklung. Hier leistet die Amyloid-PET-Untersuchung bereits wichtige Beiträge. Beispielsweise können Patienten in früheren Krankheitsstadien identifiziert und in klinische Studien eingeschlossen werden.

Jane, Leserin

Mehr Innensicht

In meinem Empfinden sollte sich die Medizin sowohl im physischen als auch im psychischen Bereich in eine humanistischere Richtung wandeln. Das bedeutet konkret, dass eine radikale Konfrontation der Menschen mit sich selbst stattfinden sollte. Dies würde wiederum bedeuten, dass wir wieder mehr zu fühlenden Wesen werden, und der Verstand als „Identitätsinstrument“ einen Schritt zurücktritt. Ein solcher Wandel würde mich sehr optimistisch in die Zukunft blicken lassen.

Ursel Bühring, Phytotherapeutin

Hilfe aus der Natur

Zur Medizin von morgen gehört die Medizin von heute. Arzneipflanzen sind Teil beider Sparten und wirken immer – korrekte und sinnvolle Anwendung vorausgesetzt. Sie können gerade bei leichteren oder chronischen Erkrankungen heilen und Symptome lindern, weitestgehend nebenwirkungsfrei. Sie halten gesund, fördern Wohlbefinden – und sie schmecken. Auch Nahrungspflanzen sind Heilpflanzen und mit ihren sekundären antioxidativen Inhaltsstoffen zum Gesundbleiben optimal geeignet. Wir sind heute in der Lage, die kompliziertesten Krankheiten zu behandeln. Medizin von morgen wäre auch, mehr Menschen gesund zu erhalten. Heilpflanzen sind Meisterinnen darin, die Selbstheilungskräfte des Menschen zu unterstützen. Die moderne Medizin konnte in unzähligen Studien belegen, wie wirksam Arzneipflanzen sind, und bietet genaue Informationen zu Indikation, Dosierung und Wirksamkeit sowie zu Neben- und Wechselwirkungen – genau wie in der Schulmedizin. Das macht die Anwendung sicher. Im eigenen Garten, in Feld und Wald wächst Medizin von heute – und morgen. Thymian für die Atemwege, Gelbwurz als Entzündungshemmer, der bittere Enzian als Tonikum und Verdauungshelfer. Ringelblume lässt Wunden heilen, Weißdorn kräftigt das Herz, Rosmarin regt den Kreislauf an. Ob ärztlich verordnet oder in der verantwortungsbewussten Selbstmedikation: Arznei- und Nahrungspflanzen fördern beide die Gesundheit – in der Medizin von heute und von morgen.

Prof. Dr. Hugo A. Katus, Präsident Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung (DGK)

Fiktionen werden real

Die Miniaturisierung medizintechnischer Systeme erlaubt es uns schon heute, unsere Patienten bei vielen Krankheitsbildern mit schonenden interventionellen, also minimalinvasiven, Eingriffen zu behandeln. Die interventionelle Kardiologie wird in Zukunft nicht nur Operationen am offenen Herzen mehr und mehr ersetzen, sondern womöglich auch ganz neue Behandlungen realisieren können. Noch vor dreißig Jahren wären viele der Prozeduren, die wir heute durchführen, als Science-Fiction durchgegangen. Kabellose Minischrittmacher und die in greifbare Nähe gerückte Entwicklung von implantierbaren Kunstherzen sind weitere eindrucksvolle Beispiele für diese Entwicklung. Es sind der Fantasie, wohin der Fortschritt in der Medizintechnik führen wird, kaum Grenzen gesetzt. Eine weitere große Veränderung ist die Individualisierung der Therapieansätze. Die gegenwärtige Medizin folgt im Wesentlichen evidenzbasierten Konzepten, die aus großen Studien abgeleitet werden. Der einzelne Patient allerdings ist in seiner Einzigartigkeit und auch seinen Begleiterkrankungen dabei nicht ausreichend repräsentiert. Durch die Fortschritte in den Analysemethoden können künftig nicht nur das gesamte Genom, sondern auch die Genprodukte und der Stoffwechsel erfasst werden. Mit Hochleistungsrechnern können diese Daten verknüpft und so die Signatur der individuellen Erkrankung bestimmt und daraus perfekt auf den Patienten zugeschnittene Therapien eingesetzt werden.

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