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Was lässt uns träumen?

Traumstrand, Traumhaus, Traumauto oder doch die große Liebe? Träume sind vielfältig und Ausdruck von Wünschen und Sehnsüchten. Erzählen Sie uns Ihre.

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Judith Adlhoch, Filmproduzentin und Fernsehmoderatorin

Kleine Traum-Quickies

Neulich, im Baumarkt, hatte ich wieder so einen Traum-Flash. In der Farbenabteilung. Ein Hauch von Terpentin, ein paar Acryl-Flaschen „Kobaltblau“ und schon bin ich in Mexiko City, in der Casa Azul, dem Haus von Frida Kahlo. Und weil es so schön ist, träume ich mich gleich weiter nach Marrakesch, in den Jardin Majorelle, auch dort dieses sagenhafte Fernweh-Blau. Farben machen das mit mir, genauso wie Gerüche, Licht, Drinks, ein Geschmack im Mund, Musik. All das lässt mich blitzartig abhauen, im Kopf. Das Duftbäumchen „Jasmin“ im Taxi beamt mich auf einen Markt in Tahiti, ein bestimmtes, klares Sonnenlicht am Morgen nach New Mexiko, die Musik von Sigur Rós in die Arktis. Die Körperwärme der Afrikanerin in der U-Bahn schickt mich für eine winzige Weile nach Tansania, das Patschuli-Öl im Vorbeigehen nach Goa und ein Blick in meinen Abfalleimer auf die Müllberge von Maputo. Sogar wenn ich im Stau stehe und mich der KFC-Mann mit seinen Hühnerfetzen anlacht, muss ich an Trotzki denken und Russland und eine schnelle Affäre und Wodka. Wie der Geruch von Sonnencreme Freibadgedanken und Sommer und Urlaubsgefühle auslöst, so funktioniert das bei mir auch mit vielen anderen Kleinigkeiten. Ich liebe diese Reise-Traum-Quickies. Als ich mal zwei Tage in einem Einbaum auf Borneo dahingetrieben bin, habe ich stundenlang in den Himmel geschaut. Ein himmelblauer Himmel mit kleinen weichen Wolken, wie in Bayern, wie zuhause. Ganz traumhaft.

Wolfgang Neisser, Leser

Flüchtiges Glück

Träumen im bewussten Zustand kann nichts anderes sein als Wünsche zu formulieren, die aus einem inneren Begehren einen aktuellen Zustand verändern sollen oder aus einem Mangel notwendig geworden sind. Unsere Gesellschaft kann die meisten Menschen relativ gut versorgen, sodass sie mit ihrem Leben zurechtkommen können. Die meisten Träume, die mit Konsum zu tun haben, sind meines Erachtens obsolet, solange ich mein Leben frei und ohne Not führen kann. Träume werden in der Marktwirtschaft durch Werbung und Marketing künstlich erzeugt, aber die freie Entfaltung des Menschen beinhaltet, dass er sich selbst in die Lage bringen kann, alles zu bekommen, was möglich ist. Diese Träume des Konsums haben immer etwas mit Geld zu tun, weil sich die meisten Menschen Nobelkarossen, Villen oder komfortable Hotels nicht leisten können. Für mein Selbstverständnis existieren keine Träume, allerdings gibt es Wünsche, und diese Wünsche sind immer immateriell. Gesundheit, Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit. Oder auch Solidarität, Kosmopolitismus und Kreolisierung. Die Aufklärung hat uns gezeigt, dass die Menschheit diese Grundsätze dringend braucht und dass, wenn sie endlich erreicht werden würden, viele Träume und Wünsche überflüssig würden. Die Glücksindustrie ist maßgeblich daran beteiligt, dass sich Menschen Träume erfüllen wollen, um glücklich zu sein. Aber das Glück ist flüchtig und in den häufigsten Fällen nicht käuflich.

Alfred Wiater, Vorsitzender Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM)

Hochaktiver Zustand

Der Traumschlaf wird üblicherweise mit dem REM-Schlaf gleichgesetzt. REM steht für „Rapid Eye Movements“ und bedeutet, dass diese Schlafphase durch schnelle unwillkürliche Augenbewegungen gekennzeichnet ist. Wenn man einen Schlafenden in dieser Phase aufweckt, kann er meist darüber berichten, was er gerade geträumt hat. Die hirnelektrische Aktivität im REM-Schlaf gleicht derjenigen des Wachzustands – er ist also ein hochaktiver Zustand. Wir wissen aber, dass wir auch im Nicht-REM-Schlaf träumen. Diese Träume sind jedoch abstrakter, die REM-Schlaf-Träume dagegen sind bunt und szenenreich, manchmal auch von akustischen oder optischen Phänomenen begleitet. Er gilt als die Schlafphase, in der unser Körper wichtige Funktionen überprüft, auch in Bezug auf die Sexualfunktionen. Deshalb erleben wir sexuelle Erregungszustände im REM-Schlaf, die jedoch unabhängig von eventuellen Trauminhalten sind, denn diese stehen häufig in Beziehung zu Tageserlebnissen. Da wir im Schlaf das tagsüber Erlebte in unserem Langzeitgedächtnis abspeichern, können sich diese Erlebnisse im Traum mit zurückliegenden Ereignissen vermischen. Dabei können auch Konstrukte entstehen, die Erlebtes mit Unterbewusstem vermischen und dann zu Trauminhalten werden. Um unsere Hirnkapazität im Schlaf nicht überzustrapazieren, sollten wir darauf achten, unsere Reizeinwirkungen tagsüber zu dosieren – im Hinblick auf den zunehmenden Einfluss digitaler Medien eine gewaltige Herausforderung.

Momo Siebert, Leserin

Am Anfang war ein Traum

In dem Song „Sweet Dreams“ von Eurythmics – übrigens ein grandioser Ohrwurm – heißt es übersetzt: „Hieraus sind süße Träume gemacht. Wer bin ich, dem zu widersprechen? Ich bereise die Welt und die sieben Meere. Jeder ist auf der Suche nach irgendetwas.“ Ich denke, das trifft den sprichwörtlichen Nagel schon ganz gut auf den Kopf. Jeder träumt, weil jeder auf der Suche ist. Nach sich selbst, einem aufregenden Leben, einer besseren Zukunft oder der großen Liebe. Wenn ich als Kind einen schlimmen Alptraum hatte, tröstete meine Mutter mich und sagte: „Träume sind nur Schäume.“ Irgendwie mochte ich ihren Worten nie ganz glauben, auch wenn sie mich nur beruhigen wollte. Denn das würde auch heißen, dass meine Träumereien, meine Ziele und Ideen ebenfalls eines Tages platzen könnten. Träume sind wichtig. Sie geben uns die Basis für das, was wir im Leben wollen. Sie geben eine Richtung und unterstreichen unsere Gedanken, Gefühle und Wünsche. Stellen Sie sich nur einmal die große Rede von Martin Luther King mit den Worten „I have an idea“ vor – irgendwie langweilig oder? Er hatte einen Traum und diesen wollte er unbedingt Realität werden lassen. Dafür hat er gekämpft und das macht unsere Träume so wertvoll: die Vorstellung davon, dass sie eines Tages in Erfüllung gehen können. Wenn wir nur wollen. Zum Schluss heißt es bei Eurythmics ja auch: „Bleibe standhaft, lass dich nicht unterkriegen.“

Ingo Schmidt, Leser

Gruß vom Murmeltier

Jede Nacht der gleiche Traum: Ich stehe auf, fahre zur Arbeit, verschwende dort acht Stunden meiner Zeit, komme nach Hause, verspeise ein fades Essen vor dem TV und gehe erschöpft ins Bett. Dann wache ich schweißgebadet auf. Kurz bin ich erleichtert, stehe dann auf, fahre zur Arbeit, verschwende dort acht Stunden meiner Zeit …

Froonck, Hochzeitsplaner

Romantik pur

Die Hochzeit lässt uns träumen, sie ist ein Nimbus für das immerwährende, allgegenwärtige Glück, das dieser einzige Tag für uns Menschen greifbar machen soll. Sie soll, nein muss so wundervoll, perfekt, makellos werden, wie man – zuvorderst die Braut – sich das schon von klein auf erträumt hat, eben einfach traumhaft. Es soll das große Fest der Liebe, des gemeinsamen unbeschwerten Feierns und des Glückstaumels werden, eben all dessen, was man sich auch für seine Partnerschaft ersehnt. Nicht umsonst ist die Hochzeit als „der schönste Tag im Leben“ bekannt. Einmal möchte man auch wie ein Königspaar im Mittelpunkt stehen, die volle Aufmerksamkeit haben, verwöhnt werden oder gar Hof halten, sorgenfrei in vollen Zügen den endlosen Überfluss genießen. In vielen Kulturen werden deshalb Bräutigam und Braut auch als König und Königin behandelt, ausgestattet, geschmückt und platziert. Nicht zuletzt träumt man davon, dass dieser Bund für immer hält, dass man den einen Partner gefunden hat, der für immer bei einem bleibt, so dass man nie mehr allein durch die Welt irrt. Mit der Traumhochzeit ist diese große Hoffnung und Zuversicht verbunden, die einem Kraft gibt, nach vorne in eine ungewisse Zukunft zu schauen. Mit der Hochzeit bekunden wir, unsere „bessere Hälfte“, unser Gegenstück, unsere Ergänzung gefunden zu haben, und zelebrieren so auch die Einswerdung, der in Mozarts Zauberflöte göttlicher Status zugeschrieben wird.

Josef Engel, Leser

Verlorenes Paradies

Die Sterne am weiten Firmament. Denn die Sterne lügen nicht. Wir Menschen, im Zweifel, in entscheidungsträchtigen Situationen, in uns bedrängenden Gefühlen der Ohnmacht und der inneren Zerrissenheit, mitunter schon. Mich lässt auch der blaue Himmel mit seinen perfekt platzierten filigranen wie wuchtigen Wolkengebilden träumen. Wir Zweibeiner hingegen meinen, wir könnten ihn geflissentlich ignorieren, weil er uns in seinen Ausmaßen und in seinen Strukturen längst bekannt sei. Welch ein Irrtum! Zwar haben wir die Bahnen des Himmels vermessen und uns von ihm auf dieser Basis letztlich ein Bild gemacht. Das Fatale dabei: Aus diesem Planquadrat in Tusche sind alle Träume ausgewandert. Jetzt und auf der Stelle möchte ich ein Dauervisum beantragen für ihr neues Land.

Mogli, Musikerin und Filmemacherin

Folge deinem Traum

Ich bin Musikerin und Filmemacherin, ein absoluter Traumberuf – jedenfalls für mich. Trotzdem gehört auch jede Menge Alltag dazu. Zwischen zwei Touren, wenn gerade weder ein Albumrelease noch ein Kinofilm ansteht, sitze ich eigentlich hauptsächlich am Laptop und beantworte E-Mails, korrigiere Drehbücher, organisiere Konzerte. Im Winter 2016 ist mir das alles zu viel geworden. Ich hatte keine Lust mehr auf das wilde Berlin und Stunden vor dem Computer. Kurzerhand haben mein Freund und ich online einen alten amerikanischen Schulbus gekauft und sind drei Wochen später in die USA geflogen, um ihn selbst zu einem „Loft on Wheels“ umzubauen. Mit dabei meine Gitarre, mein Klavier und Kameras, um alles filmisch festzuhalten. Unsere „Expedition Happiness“, wie wir unser neues Projekt nannten, war geboren – völlig spontan und ohne jegliche Planung. Wir haben Kanada von Ost nach West durchquert und wollten dann südlich auf die Panamerikana, aber dann erschien uns Alaska auf einmal total nah. Faktisch waren es dann 6.000 Kilometer Umweg für einen Kindheitstraum. Es hat sich gelohnt, umgeben von 360 Grad Bergen und weit weg von der Zivilisation habe ich dort meinen Song „Alaska“ geschrieben. Noch immer bekomme ich täglich Nachrichten, dass er Menschen zum Träumen anregt. Auch unser Film hat viele Menschen dazu inspiriert, ihren Reisetraum zu verwirklichen. So konnte ich meinen Traum leben und gleichzeitig etwas davon weitergeben.

Marion J., Leserin

In Gedanken

Das passiert mir häufiger unfreiwillig bei längeren Vorträgen, Dankesreden oder monotonen Aufgaben. Plötzlich merke ich, dass ich die letzten Minuten nur körperlich anwesend war. Besonders peinlich wird es, wenn ich dann noch anfange, stille Selbstgespräche zu führen, die man mir aber offensichtlich an meiner Mimik ansieht.

Maria Kohl, Vorsitzende Kinderträume e.V.

Die Kraft des Möglichen

Das Ziel von Kinderträume e.V. ist es, lebensbedrohlich erkrankten Kindern durch die Erfüllung ihrer sehnlichsten Träume und Wünsche neue Kraft und neuen Lebensmut zu geben. Jeder weiß, welche enorme Kraft der Freude entspringen kann. Doch was diese Kraft für ein Leben bedeutet, das so jung schon massiv bedroht ist, ist unbeschreiblich. Die Diagnose Krebs, die Angst vor dem Tod, Kliniken, Therapien – diese Kinder denken an vieles. Nur die eigenen Träume werden ganz weit nach hinten gestellt. Diese Wünsche wieder hervorzulocken, ist unsere Aufgabe. Bei den Besuchen in den Kinderkliniken sprechen wir mit den Kindern, die zumeist genau wissen, was mit ihnen los ist. Sie entwickeln eine unglaubliche Reife. Doch gerade diese Reife, dieser Ernst und das Verantwortungsgefühl machen die Arbeit für uns oft schwierig. Häufig werden die Kinder von schweren Schuldgefühlen geplagt, weil sie sich dafür verantwortlich fühlen, dass sie ihren Familien so viel Kummer bereiten. Oft dauert es ein wenig, bis ein Kind weiß: „Genau das ist mein Traum!“ Ein Besuch im Disneyland, ein Treffen mit dem Lieblingsstar, ein Besuch auf dem Reiterhof. Und wenn wir dann diesen Traum erfüllen, strahlt das Kind so viel Glück und Freude aus, einfach überwältigend! Denn es geht bei den Wunscherfüllungen nicht um billigen Trost, falsche Hoffnungen oder um schlechte Geschenke. Es geht um das Vertrauen in eine Welt, in der das Unmögliche manchmal doch möglich wird.

Ernst Michael Schwarz, Leser

Stille Sehnsucht

Es sind diese einfachen Momente, Sonne, Ruhe und Erinnerungen, die guten und die nicht so guten. Das Auf und Ab des Lebens. Was bleibt, was ist wichtig und bringt einen weiter? Die große Liebe, Freunde und Erlebnisse – alles fügt sich zu einem Film, bestimmt einen Traum. An einem Sonntag auf einer Parkbank unter der großen Linde sitzen, über den See schauen und die Gedanken treiben lassen. Erst gehen sie zurück, dann immer weiter weg. Eine friedliche Welt liegt vor mir. Ich weiß, die Welt ist nicht so, jedenfalls nicht überall. Aber träumen darf man von der Welt ohne Konflikte, Krieg und Armut. Mir geht es gut, deshalb kann ich träumen, den Sonntag genießen. Das Meer, die Berge wechseln sich in meinen Träumen ab. Da ist kein Platz für Trübsal und schlechte Gedanken. Jetzt an Bord einer Jacht an der Reling stehen, im Arm den Menschen, den ich liebe, und der Sonne entgegenfahren. Im nächsten Moment ist es die Almhütte oben in den Bergen, dort wo mich der Himmel direkt berührt. Wie oft war ich hier, werde ich sie jemals wiedersehen? Langsam stehe ich auf, schaue noch einmal auf den See. Die Sonne steht jetzt ganz oben am blauen Himmel. Am Parkausgang sitzt er, der alte Mann mit seinem Gepäck. Ob er auch Träume hat? Sicher hatte er einmal sehr viele, jetzt nicht mehr. Wie immer setze ich mich für ein paar Minuten zu ihm, er lächelt mich an. Wir reden irgendwas, es hilft ihm und mir.

Gabriele Oettingen, Professorin für Pädagogische Psychologie und Motivation, Universität Hamburg

So werden Träume wahr

Positive Zukunftsträume entstehen aus ungestillten Bedürfnissen. Durstige Probanden fantasieren über sprudelnde Wasserhähne, einsame über gute Freunde. Positive Zukunftsträume rauben aber die Energie zur Wunscherfüllung. Je positiver sie waren, desto weniger Erfolg hatten unsere Probanden, zum Beispiel das ersehnte Gewicht, den Traumjob oder den Traumpartner zu erreichen. Was tun? Auf das positive Zukunftsträumen verzichten? Nein, es gibt dem Handeln die Richtung. Also müssen wir den positiven Zukunftsträumereien die Realität an die Seite stellen, sie mental kontrastieren. Beim mentalen Kontrastieren identifiziert man einen wichtigen und machbaren Wunsch (Wish), spezifiziert und imaginiert das schönste Ergebnis (Outcome), man fragt sich: Wie würde sich die Wunscherfüllung anfühlen? Und nun die Realität: Man identifiziert und imaginiert das innere, widerständige Hindernis (Obstacle) und spezifiziert einen Plan zu dessen Überwindung (Plan). WOOP – Wish, Outcome, Obstacle, Plan – ist eine vierstufige bewusste Imaginationstechnik, die über nicht-bewusste kognitive und motivationale Prozesse hilft, das Leben zu sortieren und Wünsche zu erfüllen. Fünf ungestörte Minuten mit WOOP und der Alltag wird klarer, man erspürt, was man wirklich will und wie man seinen Weg auch gehen kann. WOOP hilft bei kurz- und langfristigen, trivialen und lebensverändernden Wünschen. Es ist ein Freund fürs Leben.

Michael Schredl, Wissenschaftlicher Leiter Schlaflabor, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim

Spiegel des Lebens

Es ist verblüffend, wie unser Gehirn Nacht für Nacht Erlebenswelten entstehen lässt – ohne Input von außen und doch genauso real wie die Welt da draußen. Wenn Personen im Schlaflabor geweckt und nach Träumen befragt werden, ist die Erinnerungsrate sehr hoch: Sie liegt bei über 80 Prozent bei Weckungen aus dem traumintensiven REM-Schlaf und bei circa 50 Prozent bei Weckungen aus anderen Schlafstadien. Da beim Aufwachen der ein oder andere Traum verloren geht, gerade bei Weckungen aus dem Tiefschlaf, ist das eine sehr hohe Ausbeute. Viele Forscher nehmen an, dass die Fähigkeit des Gehirns, subjektives Erleben zu erzeugen, nicht nur im Wachzustand immer vorhanden ist, sondern auch im Schlaf. Das Bewusstsein schläft nicht. Doch von was wird geträumt? Emotional intensive Erlebnisse treten oft nach Jahren noch in den Träumen auf. Ein interessanter Aspekt ist, dass wir wesentlich häufiger von sozialen Interaktionen träumen als von hochgeistigen Dingen wie Arbeiten am Computer oder Lesen von Büchern. Deshalb hat eine finnische Forschergruppe die Hypothese formuliert, dass der Mensch in den Träumen seine Sozialkompetenzen trainiert, um besser überleben zu können – der Urmensch war darauf angewiesen, in einer Sippe zu leben. Auch wenn wir häufig von Themen träumen, die uns beschäftigen, sollte der kreative Aspekt nicht vergessen werden. Wir können im Traum fliegen oder andere Dinge tun, die wir im Wachen noch nie erlebt haben.

Fabian Holzheid, Leser

Kreatives Potenzial

Spannender als die Frage „Was lässt uns träumen?“ finde ich die Frage „Wie können wir träumen?“. Das Klarträumen, auch luzide Träumen genannt, ermöglicht es uns, im Traum bewusst zu erkennen, dass wir gerade träumen. Dadurch ist es dem Träumenden möglich, frei zu entscheiden und den Traum zu steuern. Ende der 1970er-Jahre gelang es dem britischen Psychologen Keith Hearne, dieses Phänomen im Schlaflabor nachzuweisen. Die Herausforderung war, mit einer schlafenden Person tatsächlich zu kommunizieren, während sie noch schlief. Das Klarträumen hat eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten, die seit über 40 Jahren wissenschaftlich untersucht werden. Die Datenbank der nationalen medizinischen Bibliothek der Vereinigten Staaten (Pubmed) listet mittlerweile 95 Veröffentlichungen zur Anfrage „Lucid Dreaming“ auf. Die Fähigkeit, bewusst zu träumen, ist vielseitig einsetzbar. Man kann sehr nachhaltig Albträume bekämpfen oder das kreative Potenzial der Träume nutzen. Besonders Schriftsteller, Maler, Tänzer, Musiker können sehr profitieren. Sportler können schwierige motorische Abläufe in ihren Träumen trainieren und nicht zuletzt kann man sehr viel Spaß in seinen Träumen haben.

Till Heldt, Leser

Der Funke Hoffnung

Wenn ich in Momenten der Krankheit, Trauer, Unsicherheit oder Perspektivlosigkeit meinen Kopf auf die Brust meiner Partnerin lege, ihren ruhigen Herzschlag vernehme, von ihr sanft an Schulter und Kopf gestreichelt werde und dabei ihren gleichsam beruhigenden, liebevollen wie verliebten Blick empfangen darf, dann verspüre ich eine wohltuende Wärme und Geborgenheit, woraus ich neue Hoffnung und Mut schöpfe und dabei von einer Zukunft träume, für die es sich durchzuhalten und zu kämpfen lohnt.

Elsa Fuchs, Leserin

Ich habe einen Traum

Die Vorstellung von einer besseren Welt bringt jeden zum Träumen oder? Man stelle sich vor: Alle Menschen gehen gut miteinander um, man muss keine Angst mehr haben und kann einander Vertrauen. Klingt einfach traumhaft. Also packen wir es an.

Merle Sabrina Klein, Leserin

Kino im Kopf

Ich träume schon mein ganzes Leben viel und sehr intensiv. Manchmal ist der Inhalt dabei kurios und absurd, einige Träume sind wunderschön, andere erschreckend und gruselig. Es ist wie ein buntes Fernsehprogramm: Drama, Liebeskomödie, Horror, Abenteuer, Trickfilm oder auch mal eine Dokumentation. Die intensivsten Träume sind natürlich immer die, aus denen ich mit klopfendem Herzen erwache und noch nicht ganz in die Realität zurückgefunden habe. Ist der mutierte, zweiköpfige Axtmörder noch hinter mir her, frage ich mich dann für einen Moment völlig panisch. Bis mir so langsam dämmert: Gott sei Dank, es war nur ein Traum! Interessant ist auch, wie mich bestimmte Gefühle aus Träumen noch den ganzen Tag verfolgen. Wenn mein Freund mich beispielsweise im Traum mit meiner besten Freundin betrogen hat, bin ich sauer auf ihn – dabei weiß ich genau, dass er gar nichts getan hat und der Betrug nur in meinem Kopf stattfand. Und manchmal, extrem selten, gibt es diesen ganz besonderen Traum, der mich unglaublich beflügelt: der Traum vom Fliegen. Dabei laufe ich erst ein bisschen, werde immer schneller, bis ich renne. Ich strecke die Arme aus, stoße mich kraftvoll vom Boden ab und hebe ab. Immer höher in die Lüfte. Die Erde und alle Sorgen werden immer kleiner. Alles fühlt sich dann so leicht an und ich erwache selig und glücklich. Ich bin schon ganz gespannt, welches Programm mein Kopf heute Nacht für meine Unterhaltung zusammenstellt.

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