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Wofür fehlt die Zeit?

Unsere Tage sind stets gefüllt mit wichtigen und weniger wichtigen Terminen und Aufgaben. Schreiben Sie uns, was Sie tun würden, wenn Sie für einen Tag, eine Woche oder ein paar Monate von allen Alltagspflichten befreit wären.

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Michael Krämer, Präsident Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP)

Eigene Entscheidung

Führungskräfte haben keine Zeit, sich um ihre Mitarbeiter zu kümmern und berufstätige Eltern haben keine Zeit für ihre Kinder – ähnliche Beispiele lassen sich leicht finden, da sie in unserer Gesellschaft weit verbreitet sind. Jeder Betroffene kann viele rationale Begründungen nennen, warum Zeitnot unausweichlich zu sein scheint. Wir leiden darunter, aber ändern nichts daran. Seien wir ehrlich: Jeder von uns trifft Entscheidungen, die dazu beitragen, dass die Zeit knapp ist, zum Beispiel für den herausfordernden Beruf, eine Familie oder spannende Freizeitbeschäftigungen. Unser Gestresstsein gehört dazu. Wir genügen gesellschaftlichen Erwartungen und sichern damit unseren materiellen Wohlstand. Der Wunsch, mehr Zeit zu haben, steht auf der Rangliste weit unten. Im Gegenteil: Der „Genuss“ von sehr viel freier Zeit könnte schnell zum Überdruss führen. Die meisten von uns wären hilflos, wenn der Wunsch sich tatsächlich erfüllen würde. Wir hätten mehr Zeit, wenn wir arbeitslos würden, wenn wir keine Familie mehr hätten und so weiter. Wer würde dies wollen? Es ginge uns schon besser, würden wir uns darauf besinnen, womit wir unsere Zeit tatsächlich verbringen, und uns nicht ständig überfordern. Mein Tipp für einen ersten Schritt zu mehr Wohlbefinden: Illusionen aufgeben und sich selbst einschließlich der eigenen Grenzen akzeptieren.

Hermann Strasser, Leser

Sinn braucht Zeit

Durch die beschleunigte Wissensproduktion wissen wir immer mehr und häufen immer mehr Wissen in kürzerer Zeit an – mit der paradoxen Folge, dass wir immer weniger die Zukunft voraussagen können. Dazu kommt, dass uns der Reichtum an Gütern in eine Armut an Zeit abgleiten lässt, nicht zuletzt angetrieben von den Märkten. So wird unsere Gegenwart verkürzt und in Stücke gerissen. In Sinn-Stücke möchte man meinen – und hoffen. Das Handeln des postmodernen Menschen ist aber nicht so sehr auf Sinn- und Bedeutungsproduktion, sondern auf die Herstellung von Waren und Diensten ausgerichtet. Und so wird der Mensch immer mehr zu einem Drifter, der sich eher an den Optionen von morgen als an den Perspektiven der Zukunft orientiert. Ihm droht der Sinn abhanden zu kommen, denn Sinn braucht Zeit – Zeit zum Wachsen, zur Verbreitung und zur Verinnerlichung. Wenn wir das nicht schaffen, haben wir nur eine Alternative: die Ewigkeit nicht in Unendlichkeit, sondern in Unzeit zu verwandeln, auf dass der ewig lebt, der in der Gegenwart lebt. Oder wir rufen zum Widerstand gegen das Regime der Beschleunigung auf, wie das der Jesuit und katholische Soziallehrer Friedhelm Hengsbach unlängst getan hat. Denn die Zeit gehört uns.

Nicolas Toma, Leser

Auf der Suche nach der Zeit verpasst man leider den Moment.

Robert J. Wierzbicki, Professor für Onlinemedien, Hochschule Mittweida

Moderne Zeiträuber

Die Entwicklung des menschlichen Zeitgefühls hat mit der Integration sensorischer Informationen in unserem Gehirn zu tun und als solche unterliegt sie neuronalen Mechanismen. Als Konstrukt unseres Gehirns ist Zeit eine Illusion. Sie hilft uns, Ereignisse aus unserem Leben sinnhaft aufeinander beziehen zu können und für die Zukunft zu planen. Junge Menschen, die mit dem Internet aufgewachsen sind, organisieren heute ihr Leben mit Hilfe der sozialen Netzwerke. Als Folge des sogenannten FOMO-Effekts (Fear Of Missing Out, also der Angst, etwas zu verpassen) kommt hierbei oft die Angst auf, falsche Entscheidungen in Bezug auf die Zeitnutzung zu treffen. Das erzeugt Stress und macht krank. Die junge Generation hat das Internet als eine Plattform zur Selbstrealisierung und Selbstdarstellung entdeckt. Besonders motivierende Aktivitäten erzeugen im Menschen bekannterweise das Gefühl des völligen Aufgehens in der ausgeübten Tätigkeit. In der Wissenschaft spricht man von einem sogenannten Flow-Zustand. Bekanntestes Beispiel ist hier das Versinken im Computerspiel. Internetaktivitäten und Spielen von Computer-Games rauben uns die Zeit, aber unser Gehirn scheint dies nicht zu stören. Im Gegenteil. Wir werden mit dem Ausstoß des Neurotransmitters Dopamin belohnt, was für das Erleben des Glücksgefühls verantwortlich ist. Es greifen dieselben Mechanismen wie beim Konsumieren von Drogen. Was folgt, ist eine Sucht, die kaum aufzuhalten ist.

Eva Lücke, Leserin

Sinnvoll gefüllt

Mein Arbeitsleben liegt einige Jahre hinter mir. Man sollte also meinen, dass ich alle Zeit der Welt habe, um was auch immer zu tun und zu lassen. Es ist aber so, dass ich das einerseits nicht nur tun konnte, sondern auch getan habe: etwa ein nachberufliches Studium, um nur ein Beispiel anzuführen. Damit ergab sich dann wieder eine Zeiteinteilung. Mit erneutem Eintritt in einen Chor, der Anmeldung zum Bogenschießen und der Geburt meines Enkels waren die Tage, Wochen und Monate dann ähnlich belegt, wie vorher im Beruf, und sie sind es nach wie vor. Was soll ich sagen? Ich glaube, ich möchte von meinen „Pflichten“ gar nicht befreit sein. Kleine „Freizeiten“ ergeben sich ohnehin. Mein Enkel ist in den Ferien oft nicht in der Stadt, der Chor macht dann ebenfalls Pause, mein Gesangslehrer auch. Dann lese ich lange liegengebliebene Bücher oder fahre bei sonnigem Wetter spontan zum See und mache eine Schiffsrundfahrt. An Zeit fehlt es mir nicht wirklich.

Cordula Nussbaum, Keynote-Speakerin für Zeitmanagement und Zielerreichung

Keine Langeweile

„Ihr habt die Uhr, wir haben die Zeit“, sagt ein afrikanisches Sprichwort über uns Westeuropäer. Und dieser Satz wird ständig wahrer. Wir hetzen von Termin zu Termin, getrieben vom Anspruch, perfekt zu sein und ständig Höchstleistung zu bringen. Wer jetzt noch zu den „kreativen Chaoten“ zählt, dem fehlt die Zeit sowieso an allen Enden. Als Querdenker und vielseitig interessierter Mensch wollen sie am liebsten überall dabei sein, alles ausprobieren. Sie sehen die Welt als Meer der Möglichkeiten und wollen alle Chancen nutzen. Das Resultat: Der Tag hat einfach zu wenig Stunden. Diese Tipps helfen: 1) Entdecken Sie, wie hoch Ihr „Kreativer-Chaot“-Anteil ist. Wie wichtig sind Ihnen flexibles Tun, Spontanität, neue Erfahrungen? Je wichtiger, desto mehr sind Sie ein „kreativer Chaot“. 2) Machen Sie sich als solcher klar, dass ein Nein zu einer Möglichkeit kein Verzicht für immer bedeutet. 3) Denken Sie dazu in kurzen Zeitabständen. Was Sie heute entscheiden, ist nicht für die Ewigkeit. Machen Sie, was heute am attraktivsten ist. Und geben Sie sich die Erlaubnis, später das Rad weiterzudrehen. 4) Denken Sie in langen Zeitabständen. Erlauben Sie sich, heute nicht alles erleben zu müssen. Laut Statistik werden wir mindestens 80 Jahre alt – Zeit genug, viel zu erleben. 5) Halten Sie es wie der schottische Unternehmer Sir Angus Grossart, der sagte: „Mein Bestreben ist es, lieber an Erschöpfung als an Langeweile zu sterben.“

Franziska Giffey, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Knappes Gut

Jeder kennt das: Es fehlt die Zeit – für Familie, Kinder, Freunde, für sich selbst. Aufgabe der Politik ist es daher, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Menschen ihr Leben nach ihren Wünschen gestalten können. Immer mehr junge Eltern entscheiden sich etwa dafür, die Familienarbeit gleichberechtigt aufzuteilen. Das unterstützen wir mit dem Elterngeld, dem Elterngeld Plus und dem Partnerschaftsbonus. So können Mütter früher in den Job zurück und Väter werden unterstützt, wenn sie ihre Arbeitszeit reduzieren möchten. Auch Kitas und Kindertagespflege sind sehr wichtig. Darum investieren wir in den kommenden vier Jahren 5.500 Millionen Euro in die Kindertagesbetreuung: für bessere Qualität und weniger Gebühren, für mehr Kapazitäten und Fachkräfte. Doch nicht nur mit kleinen Kindern ist die Zeit oft knapp, sondern auch, wenn die Eltern älter werden, wenn Angehörige Pflege brauchen. Leider ist es in der häuslichen Pflege wie in Pflegeheimen heute oft so, dass die Pflegerinnen und Pfleger nicht genug Zeit haben, um sich ausreichend zu kümmern. Dabei wünschen sich alle Fachkräfte, nicht nach der Stoppuhr eine Satt-und-sauber-Pflege machen zu müssen. Und wir müssen mehr Menschen für den Pflegeberuf gewinnen. Deshalb unterstützen wir die neue Pflegeausbildung, die ab 2020 startet mit Ausbildungsvergütung und ohne Schulgeld. Wir wollen dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Dazu gehören auch eine bessere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen.

Karin Bauer, Leserin

Innere Unruhe

Oft fehlt mir die Zeit, mit meiner lustigen alten Nachbarin zu reden. „Ich muss weiter, ich habe keine Zeit“, sage ich dann. Und während sie mir etwas erzählt, denke ich daran, dass ich noch das Fahrradlicht reparieren und den Müll rausbringen muss. Dadurch, dass ich ihr nur mit halbem Ohr zuhöre, repariert sich das Fahrradlicht nicht und der Müll bleibt, wo er ist. In mir breitet sich der Gedanke aus: „Das Gespräch dauert mir zu lange, dafür fehlt mir die Zeit.“ Meistens fehlt mir auch die Zeit, die Verkäuferin beim Bäcker wirklich anzuschauen und wahrzunehmen. Ich kaufe ein Brot, in Gedanken bin ich aber schon bei den Aufgaben, die mich in den nächsten Stunden und später am Abend erwarten. Einen schönen Nachmittag wünscht sie mir zum Abschied. „Danke, Ihnen auch“, sage ich, während ich schon zur Tür rausgehe und daran denke, was ich heute noch erledigen und planen muss. Und wieder bekomme ich das ungute Gefühl, mir fehlt die Zeit. Ja, mir fehlt sogar die Zeit, die man braucht, um ein Brot zu kaufen. Während dieser schönen, einfachen und eigentlich stressfreien Aufgabe. Dabei wird die Zeit ja nicht mehr, wenn ich eine Sache tue und dabei an die nächste denke. Schaue ich die Verkäuferin aber wirklich an und bin mit meinen Gedanken nur in der Gegenwart, verschwindet plötzlich das Gefühl, keine Zeit zu haben. Die Zeit fehlt plötzlich gar nicht mehr, sie ist einfach da. Zeit zu haben ist manchmal so einfach, wie ein Brot zu kaufen.

Ingrid Teunissen, Leserin

Selbstbeschränkung

Zeit kann nicht fehlen, nicht verloren sein, nicht zu viel sein, und wir können sie auch nicht haben. Zeit ist nur ein Konstrukt des Verstands, um die Tatsache zu beschreiben, dass sich Dinge verändern. Es sind die eigenen Prioritäten, vermeintliche und tatsächliche Abhängigkeiten, die uns am freiheitlichen Tun hindern. Wäre ich ohne meine Hindernisse, so würde ich jeden Tag auf einer Säuglingsstation die neugeborenen Babys von drogenabhängigen Müttern in meinen Armen halten und schaukeln und wärmen.

Anne Kissner, Fitness-Youtuberin

Weg mit den Ausreden

Zeit ist das Einzige, wovon wir Menschen immer zu wenig zu haben scheinen. Trotzdem glaube ich, dass wir es in der Hand haben zu entscheiden, was wir mit der wenigen Zeit anstellen. Dabei bekomme ich immer wieder zu hören, dass die Zeit für den Sport fehlt. Es gibt nun mal Wichtigeres, oder etwa nicht? Die Frage erinnert mich an meine Studentenzeit. Damals habe ich genau diese Ausrede immer vorgeschoben und so gut wie gar keinen Sport getrieben. Manchmal braucht man eben einen Augenöffner, der einem zeigt, dass es nie die Zeit war, die gefehlt hat, sondern die eigenen Prioritäten falsch gesetzt waren. Erst als ich diese überdacht hatte, konnte ich den Sport im Alltag unterbringen. Neben der geistigen Anstrengung am Schreibtisch gehörte bald Sport einfach dazu. Ich spreche nicht von einem Halbmarathon am Tag, sondern von einer kleinen Joggingrunde nach dem Feierabend, Fahrradfahren mit dem Partner oder einem kurzen Intervalltraining in der Mittagspause. Letzteres ist genau das, was mich zum Sport gebracht hat und was ich noch heute meinen Zuschauern nahebringen möchte. 15 bis 30 Minuten körperliche Anstrengung am Limit setzt nicht nur Endorphine frei, sondern erlaubt es uns, den Körper auch mal auf Hochtouren zu bringen. Letztendlich muss man sich nur eins vor Augen führen: Zeit hat man nicht, Zeit macht man sich. Unser Körper ist das Wertvollste, was wir haben. Und genau dafür lohnt es sich, hin und wieder Zeit zu machen.

René Marcel Jörgenson, Leser

Keine Zeitfrage

„Ich habe keine Zeit“ ist wohl die weitverbreitetste und zugleich schlechteste Ausrede, die es gibt. Zeit ist etwas, von der wir alle gleich viel haben. Vielmehr beschreibt dieser Satz, dass man keine Lust oder etwas Wichtigeres zu tun hat. Das ist vollkommen in Ordnung, aber man kann das seinem Gegenüber klar kommunizieren: „Deine Katzengeschichten interessieren mich nicht“ oder „Ich habe etwas Besseres vor, als mit dir ins Kino zu gehen“, das wären ehrliche Antworten. Wenn man sich dessen bewusst wird, dass es keine Zeitfrage ist, sondern eine Frage der Lust, wird man gegenüber sich selbst ehrlicher. Vor nicht so langer Zeit habe ich selbst noch oft diese Ausrede verwendet und bin meinen Wünschen nicht nachgegangen. Das tue ich jetzt. Ich wollte etwa für mich eine neue Sportart entdecken und fand Fahrradfahren toll. Aber mich mit dem Thema erst mal zu beschäftigen, war mir zu aufwendig. Das passende Fahrrad finden, eine fahrradtaugliche Ausrüstung zulegen – und von den bevorstehenden Wegen will ich gar nicht erst sprechen. Ein Freund von mir hat diesen Wunsch in mir erkannt und mich eines Tages zu seinem Fahrradladen des Vertrauens gebracht. Raten Sie mal, wer sich ein Fahrrad zugelegt hat und jetzt jeden Tag Zeit hat, mit dem Fahrrad unterwegs zu sein?

Felix Plötz, Entrepreneur und Autor

Barriere im Kopf

Freitag, später Nachmittag. Ich fahre gerade den PC herunter. Schon wieder Freitag, ich kann es kaum glauben. Freue ich mich darüber? Nein, es erschreckt mich eher. Wieder ist eine Woche vergangen, wieder viel zu schnell. Der Sommer ist fast vorbei, bald ist es November. Mit zu viel Regen, Nässe, Kälte. Und nicht viel später ist das Jahr schon rum. Wieder ein Jahr. Großartig! Die Zeit scheint zu rasen – und ich mit ihr. Nur voran komme ich dabei nicht. Irgendwie besteht mein Leben nur noch aus Älterwerden und nicht mehr aus Leben. Es besteht nur noch aus Büro, völlig kaputt nach Hause kommen, ab und zu den Kontostand checken. Eat, work, sleep, repeat. Ich rase und stagniere gleichzeitig. „Was zum Teufel mache ich hier eigentlich?“, schießt es mir in letzter Zeit immer häufiger durch den Kopf. Was ist bloß aus meinen Träumen geworden? Warum habe ich meine Idee immer noch nicht verwirklicht? Diese Geschäftsidee, von der alle meinen, sie sei so großartig. Finde ich ja auch. Aber würde ich dafür kündigen? Ich weiß es nicht. Das Risiko wäre mir zu groß. Und deswegen fange ich nicht an. Nie. Eat, work, sleep, repeat – der Teufelskreis verpasster Chancen und verflogener Träume. Dass es trotzdem geht, wusste ich lange nicht. Ideen verwirklichen. Ein Startup gründen. Und das nebenbei. Das klingt wie ein Wunschtraum, oder? Unrealistisch. Dachte ich auch. Bis ich es einfach gemacht habe. So wie Tausende. Jeden Tag. Was ist mir dir?

Max Blust, Leser

Urlaub vom Gehirn

Es fehlt die Zeit zum Planen und dann noch die Energie zum Verwirklichen. Wenn wir Zeit für uns haben, sind wir glücklich, mal nichts zu machen. Typisches Ereignis: Vorhaben werden wochenlang akribisch geplant, wie mit Freundin und Freunden etwas zu unternehmen, und am Ende der Woche liegt man doch nur mit seiner Liebsten auf der Couch. Auf einmal sind die Prioritäten anders gesetzt und man möchte nur noch den Fernseher ein- und sich selbst ausschalten.

Günter Hudasch, Erster Vorsitzender Berufsverband der Achtsamkeitslehrenden in Deutschland (MBSR- Verband)

Innehalten

Unser Leben ist so hektisch geworden, dass man eher fragen müsste: Wofür fehlt die Zeit eigentlich nicht? Schlaf, Essen, Familie und Freunde – selbst diese elementaren Bedürfnisse kommen für viele oft zu kurz. Da erscheint es geradezu radikal, sich Zeit zu nehmen, um eigentlich nichts zu tun, außer zu atmen. Das ist es, was wir tun, wenn wir Achtsamkeit üben: Wir halten inne, um den eigenen Körper und die Atmung zu spüren. Dafür können wir uns hinsetzen, die Augen schließen und wahrnehmen, was da ist – Umgebungsgeräusche, das Fließen des Atems, die eigenen Gedanken. Innehalten können wir auch im Alltag, um zum Beispiel beim Duschen die Wärme des Wassers auf der Haut wahrzunehmen. So kommen wir zu uns, statt „außer uns“ zu sein. Mit regelmäßiger Übung wächst die Fähigkeit, uns weniger den automatischen Reaktionen zu überlassen, die in stressigen Situationen oft reflexartig in uns ausgelöst werden. Stattdessen können wir bewusster entscheiden, wie wir reagieren möchten. Braucht es dafür Zeit? Ja. Aber weniger, als viele denken. Schon 20 Minuten am Tag können den Alltag positiv beeinflussen. Sie bedeuten, ein Stück Freiheit zu gewinnen und die Schönheit des Lebens zu genießen, statt sich von den vermeintlichen Zwängen des hektischen Lebens (an-) treiben zu lassen. Achtsamkeitsmeditation kann man in achtwöchigen Kursen erlernen und dann ein Leben lang für sich oder mit anderen weiter trainieren und praktizieren.

Maike Wischmann, Leserin

Zeit ist relativ

Der Zeit ist immer da, sie fehlt nicht. Doch wo immer es gelingt, aus dem Zeitrahmen zu fallen, da beginnt ein neuer Lebenszeitraum. Es gibt Tage, an denen bleibe ich einen ganzen Tag im Schlafanzug, schaue nicht auf die Uhr, lasse mich gehen und treiben. Es gibt kein geregeltes Essen, die Küche bleibt kalt, morgens Chips und Limonade, abends mal sehen. Es gibt Tage, da haben wir keinen Plan. Wir entscheiden beim Spaziergang, ob es nun links herum geht oder doch noch X Kilometer gerade aus. Es gibt nur noch Spontanität. Es gibt kein vorher oder nachher, sondern wir sind mittendrin und überraschen uns selbst. Es gibt Tage, oft im Urlaub, da fällt alles von einem ab, die Zeit scheint plötzlich zu fließen, zu verfließen. Stunden im Café nur gucken, in der Natur sein und leer werden, nichts tun und sich nicht langweilen. In dieser oft kurzen Zeit von einigen Tagen bin ich schneller gewachsen und weiser geworden. Und kommt man nach Hause, scheint die Zeit wie angehalten gewesen zu sein.

Ingrid Staufer, Leserin

Zeit fehlt nicht. Es fehlt maximal an der Zeit zur freien Einteilung. Zu viel Zeit wird fremd bestimmt verplempert – von Arbeitgebern mit starren Arbeitszeiten und den damit verbundenen unnötig langen Zeiten zum Pendeln.

Carl Batliner, Leser_In

Schlaf optimieren

Schlafen macht 1/3 unseres Lebens aus, dennoch schlafen viele nicht gut, es gilt diese Zeit effektiver zu nutzen

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